PolarNEWS Magazin - 27 - CH

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meisten aus Schleswig-Holstein. Wie viele

«echte» Wildvögel darunter sind, bleibt

umstritten. Kommt hinzu, dass sich

Schnee-Eulen oftmals schon auf Schiffen

niedergelassen haben und auf solche Weise

zum Beispiel von Kanada kommend in

den Niederlanden und in Grossbritannien

angelandet sind. Solche Vögel sind zwar

Wildvögel, ihr Weg nach Europa ist jedoch

recht zufällig – deshalb erkennt man

ihnen den Status eines sogenannten Irrgastes

ab und sie werden wissenschaftlich

nicht gezählt.

Federn, so weiss wie Schnee

Dabei wäre es doch so einfach, diese Eule

sofort als Schnee-Eule zu erkennen!

Selbst ornithologischen Laien würden die

vielen weissen Federn als Markenzeichen

auffallen… Dieses markante Gefieder ist

das am besten isolierende Federkleid aller

Vögel! Der Wärmeverlust ist sogar um

etwa 30 Prozent geringer als derjenige

von Alpenschneehühnern.

Aber auch der Gefiederunterschied, der

sogenannte Geschlechtsdimorphismus,

gibt zu reden. Unter den rund 190 Eulenarten

der Welt zeigen einzig die Schnee-

Eule und der bloss 15 Zentimeter kleine

Sanchezzwergkauz aus dem Nordosten

Mexikos einen Unterschied zwischen

dem Gefieder der Männchen und demjenigen

der Weibchen.

Männliche Schnee-Eulen sind mehrheitlich

weiss und je älter desto weisser, während

Weibchen und Jungvögel mit dunklen,

braun-grauen Punkten und Bändern

geschmückt sind, je jünger desto dunkler.

Leider gerät diese einfache alte Faustregel

ins Wanken, seit nämlich aus einer

Studie hervorging, dass die Fleckigkeit

sehr individuell daherkommt. Während

die einen im Alter weniger gepunktet

sind, gilt bei anderen Schnee-Eulen das

Gegenteil: Ihr Gefieder weist mit zunehmendem

Alter mehr (und oft grössere)

Punkte und Bänder auf. Die dunklen Anteile

im Gefieder können bis zu 40 Prozent

der Gefiederfläche ausmachen.

Kommt hinzu, dass die dunklen Farbflecken

deutlich ausbleichen.

Dies musste auch der norwegische Zoologe

Roar Solheim erkennen, nachdem er in

einer Parforceleistung durch sämtliche

naturhistorischen Museen in Norwegen,

Schweden, Finnland und Dänemark gereist

war. Dort fotografierte er jeweils die

Bälge von Schnee-Eulen im Museumsbestand

– etwa 400 an der Zahl – und versuchte

herauszufinden, ob man bei

Schnee-Eulen anhand ihrer Gefiedermerkmale

Alter oder Geschlecht feststellen

kann. «Ich hatte bald kapiert»,

schreibt er in einer Studie der Norwegischen

Ornithologischen Gesellschaft aus

dem Jahr 2012, «dass die individuellen

Unterschiede bei diesen Vögeln recht

komplex sind. Die Alters- und Geschlechtsbestimmung

ist gar nicht so einfach

wie in der Literatur beschrieben.

Denn es gibt erhebliche individuelle Unterschiede

im Gefieder innerhalb der

gleichen Geschlechts- und Altersgruppen,

mit einem grossen Potenzial für

Fehleinschätzungen.»

Wichtig: Tundraausblick

Da Schnee-Eulen bei Tageslicht auf

Beutefang gehen, sind geräuschlose Flugbewegungen

überlebenswichtig. Ihr Ge-

Schnee-Eulen werden nach sechs

Wochen flügge und erreichen ein

Alter von bis zu 30 Jahren.

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