PolarNEWS Magazin - 27 - CH

polarreisen

nach Buenos Aires fliegen. José, unser Local

Guide in Buenos Aires, wartet bereits in der

Empfangshalle auf unsere Reisegruppe, bringt

uns zum Hotel und begleitet uns auf einer

spannenden Stadtrundfahrt, auf der wir Sehenswürdigkeiten

entdecken und viel Interessantes

aus dem Alltag in Argentinien erfahren.

Tags darauf geht es weiter nach Ushuaia, der

südlichsten Stadt Argentiniens. Sie hat in den

letzten Jahren einen üppigen Aufschwung

durch den zollfreien Hafen und den blühenden

Tourismus erfahren. Ein Ausflug in den

Nationalpark Tierra del Fuego gibt einen ersten

Eindruck in die landschaftliche Schönheit

und tierische Vielfalt Feuerlands.

An der Pier beim Expeditionsschiff «Plancius»

angekommen, wird man vom Expeditionsteam

freundlich zur Reception geleitet,

wo Sebastian und Bobby, die beiden Hotelmanager,

uns in Empfang nehmen. Alles geht

nun Schlag auf Schlag: Die philippinische

Crew zeigt uns den Weg zu unseren Kabinen,

unter der Leitung des ersten Offiziers Jaanus

absolvieren wir eine Seenotrettungsübung.

Andrew, unser Expeditionsleiter, und Kapitän

Alexey stellen ihre Crews vor – und los

geht‘s in Richtung Falklandinseln durch den

reizvollen Beagle-Kanal.

Vor uns liegen zwei Tage auf hoher See. Die

Inseln Carcass und Saunders des Falkland-

Archipels warten und enttäuschen nicht. Es

herrschen strahlendes Wetter und für diese

Gegend sehr angenehme Temperaturen von

bis zu 15 Grad. Entsprechend gut gelaunt ist

die Gästeschar.

Felsenpinguine, Königsscharben, Eselspinguine,

Delphinmöwen, Schwarzbrauenalbatrosse,

die ersten Königspinguine... ein Fest für

die Biologen und auch die Fotografen. Zwischen

den beiden Inseln taucht wie aus dem

Nichts gar eine Gruppe Seiwale auf. Seiwale

sind mit bis zu 16 Metern Körperlänge die

drittgrössten Lebewesen der Welt, entsprechend

beeindruckend verläuft die Begegnung.

In Port Stanley, dem Hauptort der Inselgruppe,

treffe ich Kay McCullum, meine Landlady

von meinem Forschungsaufenthalt hier im

Jahre 2004. Die Dame ist bereits über 80 Jahre

alt und bewirtet immer noch Gäste in ihrem

von Zwergen gesäumten Anwesen. Seit

24 Jahren betreibt sie ein Bed&Breakfast und

hat über die Jahre schon über 2000 Gäste bewirtet.

Mit vielen pflegt sie bis heute Kontakt.

Der malerische Ort lädt zum Verweilen ein,

sei es im Museum, um sich einen Einblick in

die bewegte Geschichte der Falklandinseln zu

ermöglichen, oder beim Spaziergang durch

Stanleys Strassen.

Vortritt für Robben

Wir machen uns auf den Weg in Richtung

Südgeorgien. Die Tage auf See erlauben dem

Expeditionsteam jeweils, den Gästen an Bord

kompetent einen Rück- und Ausblick darauf

zu geben, was es zu beobachten gab und geben

wird. So ist bei diesen Infoveranstaltungen

die Bedeutung der Seetangwälder in der

Biomassenproduktion ebenso ein Thema wie

die Entwicklung der Albatrosbestände.

Vorbei an den Shag Rocks, landen wir am

siebten Tag unserer Reise bei Salisbury Plains

auf Südgeorgien. Hier werden wir für die lange

Überfahrt von den Falklandinseln belohnt.

Die Fülle der Tierwelt, die zu beobachten ist,

ist einzigartig. Salisbury Plains zeichnet sich

durch die zweitgrösste Kolonie von Königspinguinen

aus, mit einer geschätzten Bevölkerung

von 80’000 Tieren. Jungtiere im

braunen Daunenkleid, brütende und sich

mausernde Vögel gibt es zu beobachten.

In der Nähe der Kolonie sehen wir verschiedene

Sturmvögel. Zusammen mit den Skuas

wirken diese als Gesundheitspolizei. Sie fressen

alles, was tot, sterbend oder verrottend ist.

Erfreulicherweise taucht auch ein Südgeorgien-Pieper

auf, der südlichste Singvogel der

Welt. Diese Vögel gibt es hier wieder dank

eines aufwendig erfolgreich umgesetzten

Rattenausrottungsprogramms (siehe Polar-

NEWS Nr. 17).

Mitte Januar ist es möglich, Prion Island anzusteuern.

Auf dieser Insel brüten Wanderalbatrosse.

Ein Holzsteg führt uns zu den

Aussichtsplattformen, von wo aus wir die

wunderbaren Tiere in ihren Nestern bewundern

können. Witzigerweise haben die Pelzrobben

gelernt, dass es viel bequemer ist, den

Holzsteg zu nutzen, als über das unwegsame

Tussockgras zu gehen. Immer wieder müssen

wir warten, bis die Tiere uns den Weg freigeben.

Auf der anschliessenden Zodiac-Tour fliegen

prächtige Wanderalbatrosse mit ihren dreieinhalb

Metern Flügelspannweite über unsere

Köpfe. Viel zu schnell geht es zurück auf die

«Plancius».

Wandervögel

Am nächsten Tag werden die mutigen Leute,

die sich trotz Andrews Warnungen entschlossen

haben, den Shackleton-Trail zu gehen, um

Viertel nach sechs geweckt. Nach einem

schnellen Frühstück in der Lounge werden

sie per Zodiac in Fortuna Bay abgesetzt, um

in die Fussstapfen von Shackleton und zwei

Falkland ist Vogelland: (von oben) Falkland-

Karakara, Feuerland-Austernfischer,

Schwärzlicher Austernfischer, Magellan-Gans,

Nachtreiher – und die Gartenzwerg-Sammlung

von Kay McCullum in Port Stanley.

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