PolarNEWS Magazin - 27 - CH

polarreisen

Weit, ruhig, schön: Aussicht vom Dom an der Landspitze Portal Point, Antarktische Halbinsel.

seiner Männer, Tom Crean und Frank Worsley,

zu treten – diese hatten nach ihrem unglaublichen

Trip in der «James Caird» von

Elephant Island nach Südgeorgien die Insel

zu Fuss überquert.

Die Wandernden treffen am Fuss des Shackleton-Wasserfalls

auf die Leute, die von

Strømness her das weite und flache Tal hochgelaufen

sind. Unten am Strand sitzen nun die

Wanderer und sind glücklich; sie beobachten

junge Pelzrobben, wie sie ihre Schwimmkenntnisse

ausbauen.

Grytviken heisst unser nächstes Ziel. Als wir

in die östliche Cumberland-Bucht hineinfahren,

können wir den höchsten Gipfel, Mount

Paget, in der Distanz sehen und die pyramidenförmige

Gestalt des Sugarloaf Mountain

rechts davon. Der Wind wird stärker und der

Kapitän entscheidet, etwas weiter weg vom

Ufer zu ankern.

Das erinnert mich an meinen ersten Besuch

hier, als wir vor drei Jahren aufgrund katabatischer

Winde nach dem Besuch der Walfangstation

nicht mehr auf die «Plancius» zurückkehren

konnten. Wir mussten damals im

Museum übernachten... (siehe PolarNEWS

Nr. 21). Diesmal scheint aber alles nach Plan

zu laufen. Bevor es an Land geht, informiert

uns eine Regierungsbeamtin über die Umweltschutzstrategien

für Südgeorgien und das

erfolgreiche Rattenausrottungsprogramm.

Ein eindrücklicher Landgang erwartet uns.

Neben den Industriebrachen der alten Walfangstation

gilt es, an Shackletons Grab auf

denselben anzustossen und dem Museum einen

Besuch abzustatten.

Die Fortsetzung der Reise wird dem Begriff

Expeditionskreuzfahrt gerecht. Ausgehend

vom Plan A, der beim Tagesrückblick jeweils

abends erläutert wird, rechnen wir immer mit

Unvorhergesehenem. So kam es, dass wir

nach der morgendlichen Wanderung und der

malerischen Zodiac-Fahrt bei Godthul am

Nachmittag die St Andrews Bay ansteuern

wollten – aber aufgrund des hohen Seegangs

und der enormen Winde mit bis zu 30 Knoten

von diesem Plan absehen mussten. Zur Enttäuschung

einiger, denn viele hatten Bilder

der dortigen riesigen Königspinguin-Kolonie

im Kopf und fühlten sich um dieses Erlebnis

geprellt.

Handkehrum eröffnen sich uns mit Plan B

oder Plan C neue Möglichkeiten und eventuell

sogar neue Highlights. So finden wir südlich

im Drygalski-Fjord, entlang an steilen

Klippen und Gletschern, etwas Ruhe. Und

das Wetter ist gut genug, um tags darauf bei

Gold Harbour eine Anlandung zu wagen.

Ungewöhnlich früh, um 3.20 Uhr, hören wir

den Weckruf von Andrew. Noch etwas verschlafen

steht kurz darauf die Gästeschar an

der Gangway, bereit, an Land zu gehen. Als

wir uns der Küste nähern, können wir die

Pinguinkolonie bereits riechen. Die pinkorange

Färbung des Horizontes deutet darauf

hin, dass es nicht mehr lange dauert, bis die

Sonne die Szenerie beleuchtet.

An Land werden wir von unzähligen Pinguinen

umringt. Dutzende See-Elefanten üben

sich im spielerischen Kampf für spätere

Ernstfälle. Ein überwältigender Anblick wilder

Schönheit.

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