PolarNEWS Magazin - 27 - CH

polarreisen

Reise vor drei Jahren mussten wir wegen

zu hoher Wellen den Versuch abbrechen.

Das war auch diesmal nicht sicher, denn

die Herfahrt mit der «Plancius» war sehr

garstig. Mein Gleichgewichtsorgan kam

ziemlich aus dem Ruder, sodass ich mich

während der ganzen Fahrt nicht aus der

Kabine bewegte.

Bei Brown Bluff am Fusse eines eindrucksvollen

Tafelbergs befindet sich eine

Mystisch: Eine Wanderung an den Kraterrand

von Deception Island. Die Flanke fällt steil ins

Meer ab.

unglaublich belebte Kolonie von Adélie-

Pinguinen. Die Tiere sammeln sich zu

Dutzenden im Uferbereich und springen

gemeinsam in die Fluten. Ein herrliches

Schauspiel.

Trinity Island mit dem Mikkelsen Harbour

steht am Freitagmorgen auf dem Programm.

Nicht alle Passagiere gehen hier

von Bord, denn das Wetter zeigt sich nur

bedingt einladend: etwas Nebel und leichter

Schneefall. Doch wie es in der Antarktis

typisch ist, verzieht sich der Nebel

plötzlich und gibt die Sicht frei auf die

Eselspinguine, Weddell- und Pelzrobben,

die die ehemalige Walfangstation übernommen

haben. Portal Point in der Charlotte

Bay gibt vielen Leuten die Gelegenheit,

bewusst antarktische Luft zu atmen

und in die Weite zu staunen.

«Oh», «ah» und «oooh» rufen viele während

des Abendessens, denn links und

rechts des Schiffes sind ungewöhnlich viele

Buckelwale zu sehen. Hans, ein holländischer

Guide, hat 76 Tiere gezählt. Der

Kapitän navigiert das Schiff geschickt

durch die mythische Eislandschaft der

Wilhemina Bay und ermöglicht allen, die

eine oder andere Fluke mit dem Fotoapparat

einzufangen.

Kurios, dass man mit dem Schiff in die

Caldera eines aktiven Vulkans fahren

kann: Wir erreichen Deception Island.

Eindrücklich auch die landschaftliche

Szenerie und die bedrückende Industriebrache

aus der Walfängerzeit.

Abwechslungsreiche Heimfahrt

Bereits heute Abend verlassen wir die

Südshetlandinseln und machen uns auf

den Weg zur Drake Passage. Bevor es aber

soweit ist, landen wir noch ein letztes Mal

an: Half Moon Island heisst die Insel mit

einer Kolonie von Zügelpinguinen und der

argentinischen Forschungsstation Camara.

Die zweitägige Überfahrt durch die berühmt-berüchtigte

Passage verläuft

freundlich und wird ergänzt durch lebhafte

Vorträge. So zum Beispiel von Howard

Platt, einem Passagier, der in den 1970er-

Jahren drei Winter in Südgeorgien verbracht

hatte. Er betrat den Vortragsraum

in seiner alten Ausrüstung, die ihm damals

von der britischen Forschungseinrichtung

zur Verfügung gestellt worden

war. Ein humorvoller Vortrag über Abenteuer

im Schnee, alte Pyramiden-Zelte und

wie damals in der Station die Wintersonnenwende

gefeiert wurde.

Traditionellerweise wird am letzten Abend

an Bord in die Lounge zum Captain’s

Cocktail eingeladen. Wir treffen uns ein

letztes Mal mit Kapitän Alexey und seiner

Besatzung, um auf eine gelungene Reise

anzustossen. Ich zeige einen kurzen Film

über unsere Reise, das Expeditionsteam

hat Fotos für eine Diashow gesammelt, die

Dan zusammengestellt hat. Zum Schluss

überreicht Andrew Tanja die Oceanwide-

Fahne, unter der sie die vergangenen drei

Wochen im Ausguck gelacht und getanzt

hat. Eine schöne Geste, die einem Passagier

zuteil werden kann, der sich besonders

verbunden mit der Reise zeigte. Wir

freuen uns mit Tanja und nehmen auch

diese schöne Geschichte mit.

Weiterführende QR-Codes: Links geht’s zum

Film, rechts zu noch mehr Bildern.

Aussichtspunkt: Die Brown Station liegt im Paradise Harbour.

Romantischer Moment: Königspinguine im Sonnenuntergang.

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