PolarNEWS Magazin - 27 - CH

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Da staunt der Adélie über das Unidentifizierte Fliegende Objekt... Auf dem Eis ist’s dagegen schön gemütlich (unten).

licht. Die Schlussfolgerungen, die das Forscherteam

anstellt, sind erstaunlich, sie korrigieren

bisherige Lehrmeinungen und

werfen neue Fragen auf. So ist heute klar:

Alleine auf den Danger-Inseln brüten mehr

Adélie-Pinguine als auf dem ganzen Rest

der Antarktischen Halbinsel.

Dass auf den Danger-Inseln so viele Adélies

leben, erstaunt. Denn weiter südlich entlang

der Westküste der Antarktischen Halbinsel

existiert ein rund 400 Kilometer langer

Streifen, wo keine Adélies brüten (das war

vorher schon bekannt, aber niemand weiss,

warum das so ist). Und diejenigen Adélie-

Kolonien, die südlich von diesem «Adélie-

Graben» leben, werden immer weniger.

Auch zu diesem Umstand weiss man nichts

Genaues. Eine Annahme der Forscher: Das

Eis im «südlichen Teil» hat in den letzten

Jahren markant abgenommen, wahrscheinlich

wegen des Klimawandels. Und mit dem

Eis wurden auch die Pinguine weniger. Einzelne

Kolonien sind innert weniger Jahre bis

auf einen Drittel ihrer ursprünglichen Grösse

geschrumpft. Es ist bekannt, dass Adélies

sehr empfindlich auf Umweltveränderungen

reagieren. Schiffe, die in ihrem Habitat auf

Krillfang gehen, sind für die Tiere ein massiver

Störfaktor. Auch Gletscher-Abbrüche

wie derjenige des Larsen-C-Eisschelfs letztes

Jahr haben für Adélies katastrophale

Auswirkungen.

Den Danger-Inseln-Pinguinen im Norden

aber geht es offenbar prächtig. Das könnte,

so vermuten die Forscher, damit zu tun haben,

dass eben dank der Strömungsverhältnisse

im Weddell-Meer (im Uhrzeigersinn)

immer genügend Eis vorhanden ist. Und

man weiss, dass in dieser Gegend die Eismasse

in den letzten Jahren stabil geblieben

ist. Vergleiche mit den erwähnten Untersuchungen

seit den 1950er-Jahren lassen auch

den Rückschluss zu, dass die Adélie-Population

auf den Danger-Inseln in den letzten 60

Jahren konstant geblieben ist.

Grossräumig denken

Das Nachdenken über die hohe Anzahl «neuer»

Adélies geht noch weiter. Denn Pinguine

müssen ja essen. Vor allem Krill. Wenn also

auf den Danger-Inseln so viele Tiere ein verhältnismässig

sorgloses Auskommen haben,

dann bedeutet das auch, dass im Weddell-

Meer, wo sie sich die Nahrung für ihre Küken

holen, grössere Krill-Bestände vorhanden

sein müssen als bisher angenommen.

Diese Erkenntnis aber könnte noch mehr Fischerei-Schiffe

in das Weddell-Meer locken.

Das Forscher-Team empfiehlt deshalb dringend,

im Weddell-Meer und der «angrenzenden»

Antarktischen Halbinsel möglichst

schnell ein möglichst grosses Meeresschutzgebiet

einzurichten.

Immerhin: Auf einen Schlag 1,5 Millionen

«neue» Adélies auf dieser Welt – das ist doch

mal eine gute Nachricht! Diese Pinguin-Art

gilt auf der Roten Liste der IUCN als nicht

gefährdet. Und ganz nebenbei zählten die

Forscher zusätzlich knapp hundert intakte

Nester von Eselspinguinen und eine kleine,

27 Nester umfassende Kolonie von Kehlstreifpinguinen.

Plus eine Vielzahl anderer

antarktischer Meeresvögel. Jetzt wünschen

wir uns ein möglichst schnell eingerichtetes,

möglichst grosses Schutzgebiet.

Bilder: WHOI, Northeastern University, Courtesy Thomas Sayre McChord, Hanumant Singh (Seite 50), Stony Brook University, Louisiana State University, Courtesy Rachael Herman, Louisiana State University, Courtesy Michael Polito (Seite 52).

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