PolarNEWS Magazin - 27 - D

polarreisen

Die Gründe für die Abnahme sind vielfältig:

Stromschlag bei Kollisionen mit

Hochspannungsleitungen, Zusammenstösse

mit Flugzeugen und Autos und selbst das

Hängenbleiben in Fischernetzen werden

als Ursachen aufgeführt.

Eine bedeutende Rolle scheint auch die

Erwärmung des Klimas zu spielen. Der

arktische Frühling setzt immer früher

ein, die Schneedecke schmilzt rascher

dahin – dies könnte die Verfügbarkeit von

Beutetieren verändern.

Gross, schön, schwer

Wer einer Schnee-Eule schon mal in der

Tundra begegnen durfte, wird ein solches

Erlebnis nicht mehr vergessen! Da sind

nur schon ihre puren Masse: Die Männchen

wiegen bis zu 1,6 Kilogramm, Weibchen

werden bis 2,4 Kilogramm schwer.

Nur der Uhu ist schwerer. Und bei beiden

Eulen-Arten ist der Gewichtsunterschied

zwischen Männchen und Weibchen mit

bis zu einem Drittel auch der markanteste

in der Welt der Eulen.

Wie bei der Population verändern sich

auch die Körpermasse ständig. In Hungerperioden

kann die Schnee-Eule bis auf

ein Körpergewicht von 700 Gramm abmagern.

Im Herbst hingegen legen sie

sich als einzige Eulenart ein Polster aus

Körperfett an. Ein solcher «Speckmantel»

kann bis zu 800 Gramm an Zusatzgewicht

bedeuten und hat den Zweck, den

Vogel durch die strengen, langen Wintermonate

mit ihrer extremen Kälte und tagelangen

Schneestürmen zu bringen.

Nomaden des Nordens

Körperfett anlegen – eine gängige Strategie

bei Zugvögeln, die diese Reserven als

Treibstoff für unterwegs nutzen. Anders

ist es bei Arten, die im Norden bleiben:

Für sie bedeutet zusätzliches Körperfett

eine Art Wintermantel, ein Garant zum

Überleben.

Von den rund 200 Vogelarten, die in der

Arktis brüten, ziehen die meisten südwärts,

wenn es kälter wird, das Meer gefriert

und die Polarnacht anbricht. Eine

Handvoll robuster Arten trotzt der Kälte

und dem Nahrungsmangel – und überwintert

in ihrem arktischen Brutgebiet.

Unsere Schnee-Eule hält übrigens auch in

Monogamie mit Aufgabenteilung:

Das Weibchen brütet, das Männchen

beschafft Nahrung.

dieser Beziehung einen Rekord: Man hat

sie in der dunklen arktischen Winternacht

nördlicher gefunden als irgendeine

andere Vogelart, auf über 82° nördlicher

Breite!

Forschungen an besenderten Schnee-Eulen

in Ostkanada ergaben kürzlich, dass

es gerade erwachsene Weibchen sind, die

in der Arktis überwintern, offenbar über

75 Prozent. Sie verweilen dann auf dem

Meereis oder in dessen Nähe und jagen

Seevögel. Das hat Vorteile: Wer ganzjährig

im Brutgebiet bleibt, kann im Frühling

die besten Reviere besetzen, bevor

die Zugvögel zurückkommen.

Für die Schnee-Eule sind das die Gebiete

mit den meisten Lemmingen.

Das kann dann aber trotzdem mit beträchtlichen

Flugdistanzen verbunden

Post von den Schnee-Eulen

Ein Forschungsprojekt berichtet über die Wanderungen der Schnee-Eulen in Grönland.

Das von der französischen Groupe de

Recherches en Ecologie Arctique betriebene

Karupelv Valley Project erforscht seit

über 30 Jahren die Ökologie der Arktis am

Beispiel einer Lebensgemeinschaft auf der

Wandervögel: Die Wege von fünf Schnee-Eulen,

die auf der Insel Traill besendert wurden.

Insel Traill im Nordost-Grönland-Nationalpark.

Im Mittelpunkt der Forschungen

stehen Lemminge und die von ihnen

abhängigen Räuber wie Schnee-Eulen,

Raubmöwen und Polarfüchse – sowie weitere

Arten, die von den Lemmingen direkt

oder indirekt beeinflusst werden, zum Beispiel

Watvögel und Enten. Das nomadische

Leben der Schnee-Eulen spielt dabei eine

besondere Rolle.

Projektleiter Dr. Benoît Sittler: «Unsere

Beobachtungen über die Veränderungen in

einem arktischen Ökosystem haben bereits

entscheidend zum Verständnis der dort ablaufenden

Prozesse beigetragen. Damit haben

wir eine wichtige Grundlage für die

Beschreibung der durch den Klimawandel

hervorgerufenen Veränderungen gelegt.»

Nur wenige Menschen besuchen die Polargebiete

und können sich selbst ein Bild von

der Realität des Klimawandels und seinen

Auswirkungen auf das dortige Ökosystem

machen. Das Karupelv Valley Project bietet

jedoch die Möglichkeit, sich von zu

Hause aus an der Polarforschung zu beteiligen

und aus erster Hand die neusten

Die Argos-Sender behindern die

Vögel in keiner Weise.

Ergebnisse zu erfahren: Jedes Jahr versenden

die Forscher gegen einen kleinen Beitrag

für das Projekt per Polarpost aus

Grönland einen Bericht über ihre Arbeiten.

Briefmarkensammler und an der Polarforschung

interessierte Personen finanzieren

so einen Teil der Kosten des Projektes und

tragen dazu bei, dass wir die Auswirkungen

des Klimawandels besser verstehen

lernen.

Johannes Lang

www.karupelv-valley-project.de

http://www.grearctique.org/

Bilder: Karupelv Valley Project / Olivier Gilg, Adrian Aebischer

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