PolarNEWS Magazin - 27 - D

polarreisen

Würdigung

«Wir haben

die beste Zeit

erwischt»

Interview: Christian Hug

Es war vor mehr als zehn Jahren, das Polar-

NEWS hatte seine definitive Form noch nicht

ganz gefunden. Darum waren wir einmal

mehr in eine intensive Diskussion über

Form, Themen und Erscheinungsbild des

Magazins vertieft, als wir im Flughafen von

Longyearbyen auf Spitzbergen auf unsere

Koffer warteten. Als sie endlich auf dem kleinen

Förderband erschienen, nahmen wir sie

zu uns, und Heiner zog los wie eine Rakete,

Richtung Ausgang. Ich trabte ihm hintendrein

und fragte mich, ob ich vielleicht etwas

Falsches gesagt hatte, aber dem war nicht

so: Heiner strebte aus der Halle, rein in die

bittere Kälte von Spitzbergen, und atmete

tief ein. Dann wurde er gaaanz locker und

gaaanz entspannt. So wie andere Leute,

wenn sie nach einer Massage im warmen

Sprudelbad sitzen. Und das bloss im Pullover,

während ich schnell den Reissverschluss

meiner dicken Daunenjacke bis unters

Kinn hochzog. Hat nur noch gefehlt,

dass Heiner die Zunge rausstreckte und den

Schneeflocken nachhüpfte.

Da wurde mir klar: Heiner liebt die Kälte.

Und er liebt, was er tut. Und er ist ein Motor,

ein Perpetuum mobile: Unaufhörlich sprudeln

bei ihm die Ideen, immer hat er zehn

Dinge gleichzeitig am Laufen.

Denn der Entspannungs-Moment währte

nur kurz. Bevor ich meine erste Zigarette anzünden

konnte, hatte Heiner schon wieder

drei neue Ideen parat.

«Wie hältst du das bloss aus?», fragte ich ein

paar Jahre später Rosamaria, als ich mit ihr

und Heiner zur Antarktischen Halbinsel

reiste. Wir standen inmitten von 200’000

Königspinguinen, Rosamaria war die Ruhe

selbst. Sie setzte ihren Fotoapparat einen

Moment ab und lachte heiter wie eine

Schneekönigin. «Ach», sagte sie bloss, «daran

gewöhnt man sich.» Man müsse ihn einfach

machen lassen, ihn hin und wieder ein

bisschen bremsen und einmal im Jahr zum

zweiwöchigen Nichtstun in Thailand zwingen,

dann ginge das schon. «Und wir ergänzen

uns ja wunderbar», sagte sie und zielte

schon wieder durch den Sucher, «abgesehen

davon ist rumsitzen und nichts tun auch für

mich der Horror. Und gibt es etwas Schöneres

als das hier?», fragte sie und zeigte mit

grosser Geste hinaus in die atemberaubende

Landschaft. Nein, gibt es nicht.

Nun ziehen sich die Kubnys auf Ende Jahr

zurück. Raus aus dem Business, raus aus

PolarNEWS, rein ins neu erstandene Wohnmobil

und raus in die eisfreie Welt. Man

kann ja schliesslich nicht ewig... Das stimmt.

Ist aber für uns eine betrübliche Vorstellung.

Und der Moment für das grosse Abschieds-

Interview.

Wir treffen uns in Stans, wo ich wohne, eine

garantiert eisbären- und pinguinfreie Zone,

und fahren mit der Cabrio-Bahn hinauf aufs

Stanserhorn, knapp 1900 Meter über (Polar-)Meer.

Herrliches Bergpanorama, auf

den höchsten Gipfeln ruhen Gletscher, immerhin.

Die Sonne scheint, es gibt Älplermagronen

und Migimoscht, danach ein Kafi

Träsch. «Schön ist’s hier», sagt Heiner, Rosamaria

macht ein Handyfoto. Ich stelle

mein Handy auf Aufnahme.

Warum hört ihr auf?

Heiner: Wir machen das jetzt schon seit

über zwanzig Jahren, und wenn man wie

wir schon fünf vor siebzig ist, muss man

sich Gedanken machen, wie es weitergehen

soll. Wir haben mit Ikarus einen Partner gefunden,

der unser Erbe übernimmt und

weiterführt.

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