PolarNEWS Magazin - 27 - D

polarreisen

Bild und Grafiken: AWI

wesen. Jedoch waren die wissenschaftlichen

Messungen zu dieser Zeit noch sehr begrenzt;

das Instrumentarium bestand im

Wesentlichen aus einem Thermometer und

ein paar weiteren einfachen Messgeräten –

grossartig für seine Zeit, aber nichts im Vergleich

zu den detaillierten Beobachtungen

von Klimaprozessen, wie wir sie brauchen

und wie wir sie auch aus anderen Teilen der

Welt haben. Wir wiederholen diese Expedition

jetzt zum ersten Mal mit einem grossen

und gut ausgerüsteten Forschungsschiff. Inmitten

der zentralen Arktis arbeiten wir

dann mit den besten Messinstrumenten, die

die Welt heute zu bieten hat. So können wir

die Umweltprozesse in dieser abgelegenen

Region zum ersten Mal im Detail erforschen.

Sicher ist schon jetzt, dass wir höhere

Temperaturen und weniger Eis als Nansen

messen werden.

Wie muss man sich den Ablauf der

Expedition vorstellen?

Es gibt in der zentralen Arktis nur den Ozean,

der von einer Eisschicht überzogen ist.

Die Naturgewalt dieser Eisschicht bestimmt

den Ablauf unserer Expedition. Wir

starten im September 2019 und fahren mit

dem Eisbrecher «Polarstern» in das zu dieser

Jahreszeit dünne sibirische Meereis.

Dort suchen wir eine stabile Scholle, an der

wir das Schiff festmachen können und mit

der wir dann fest eingefroren in das während

des Winters immer dicker werdende

Eis durch die zentrale Arktis driften. Ein

Jahr später werden wir auf diesem Weg die

Framstrasse zwischen Grönland und Spitzbergen

erreichen. Wir werden innerhalb des

Jahres in sechs Fahrtabschnitten mit insgesamt

600 Menschen in der zentralen Arktis

präsent sein.

Das hört sich nach einem sehr grossen

logistischen Aufwand an.

Für die logistische Unterstützung der Expedition

sind zusätzlich zur «Polarstern» vier

weitere Eisbrecher notwendig. Ausserdem

kommen mindestens drei Forschungsflugzeuge

zum Einsatz, von denen einige auf einer

Eislandebahn neben der «Polarstern»

landen und betankt werden. Diese «Tankstelle

beim Nordpol» erlaubt es den Flugzeugen,

erstmals längere Zeit in der Zentralarktis zu

messen. Ausserdem richten wir Treibstoffdepots

auf den Inseln vor der sibirischen

Küste ein, um von dort aus die «Polarstern»

mit Helikoptern erreichen zu können und

Menschen evakuieren zu können – ein Notfallplan

für medizinische Notfälle an Bord.

Um das Schiff herum bauen wir ein ganzes

Netzwerk von Stationen auf dem Eis auf.

Einige dieser Stationen besuchen wir regelmässig

mit Helikoptern von der «Polarstern»

aus, in einem Umkreis von bis zu fünfzig

Kilometern vom Schiff. Das sind logistische

Operationen, die es in diesem Teil der Erde

noch nie gegeben hat.

Warum kam seit Nansen niemand mehr

auf die Idee einer Transpolardrift?

Seit Nansen wagte sich kaum jemand im

Winter in die zentrale Arktis und in die

Transpolardrift. Es gab nur einige russische

Driftcamps mit einfachen Hütten auf Eisschollen

und das kleine in das Eis eingeschlossene

Segelschiff «Tara», das gehört

einer privaten Organisation. Die wissenschaftlichen

Möglichkeiten auf diesen Plattformen

waren aber begrenzt. Die MOSAiC-

Expedition bringt zum ersten Mal überhaupt

einen modernen Forschungseisbrecher mit

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