Balancer Nr. 73, 3/2018

BALANCEKommunikation

Zeitschrift von BALANCE | Verein BALANCE – Leben ohne Barrieren | Ausgabe Nr. 73 | 3/2018, Jahrgang 21

Thema

Gleiches Recht für alle

Interview

Die Barrieren in den

Köpfen beseitigen!

Interview mit Hansjörg Hofer,

Behindertenanwalt

Politik

Der Sozialstaat

Kunstwerk von Rudolf Egger/bildBalance Wien


2 EDITORIAL

BALANCER 73, 3/2018

Inhalt

Vorgestellt

03 Claudia Michitsch

BALANCE Intern

04 Die Polizei, echte FreundInnen und HelferInnen

05 Spendenaufruf!

Spezialmatratze schützt und heilt bei Dekubitus

06 Demokratie im Kleinen

Editorial

Von Helga Hiebl

Unermüdlich suchen wir in der Redaktion interessante Themen.

Das Thema Rechte von Menschen mit Behinderungen war da eine

Herausforderung, denn jedeR hat zwar gerne recht und Rechte, aber

wenige wollen darüber lesen. Juristendeutsch und elendslange Formulierungen

schrecken selbst interessierte Gutwillige manchmal

ab. Darum haben wir uns dem neuen Erwachsenenschutzgesetz,

das viele Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen bringt,

nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch und persönlich

angenähert, indem zwei unserer Redaktionsmitglieder über ihre

Entscheidungen mit und ohne SachwalterIn berichten.

Warum ein Sozialstaat, in dem Leistungen als Recht und nicht

als Almosen definiert sind, so wichtig ist, beschreibt unser Redakteur

Christian Zuckerstätter. Und diejenigen, die in unserem Land

für Recht und Ordnung sorgen, die Polizei, kommt auch vor und bekommt

viel Lob für einen Einsatz am Tagesstruktur-Standort SoHo.

Schließlich kommt auch noch ein Anwalt zu Wort, aber nicht

irgendeiner, sondern derjenige, der sich für Menschen mit Behinderungen

einsetzt und am besten über deren Rechte Bescheid weiß,

nämlich der Behindertenanwalt Dr. Hansjörg Hofer.

Und ob Blumen besser auf der Wiese oder in der Vase sein sollten,

dazu gibt es auf den letzten Seiten ein paar Gedanken pro/contra

zum Thema Schnittblumen.

Im Namen der Redaktion wünsche ich eine interessante Lektüre

und noch einen schönen Sommerausklang!

BALANCE Pinnwand

07 Wiener Landesmeisterschaft Boccia 2018

08 Klimt und Schiele als Inspiration

08 Harrys E-Wheels-Tour gestartet

09 Alle für Alle

10 NULLMORPHEM – Eine Lyrik

10 Der jährliche Spenadlwiesn kampf

11 Momente, die zählen – Frauenlauf inklusive!

Thema: Gleiches recht für alle

12 Gleiches Recht für alle!

16 Das neue Erwachsenen-Schutzgesetz

18 Ich treffe Entscheidungen in meinem Leben selbst

19 Sachwalterschaft

BALANCE Kunst

14 ... inspiriert von Klimt und Schiele

Interbalance

20 Hansjörg Hofer Die Barrieren in den Köpfen

beseitigen

Kommentar

22 sozial – sozialer – sozialstaat

Politik

24 Sozialministerin hält 40 Mio. Euro zurück

24 Sparpolitik: Sinkt die Qualität in der Betreuung?

Kommentar

26 Pro & Contra Schnittblumen

27 Impressum

Veranstaltungen

Das Cover zeigt ein Werk des

Künstlers Rudolf Egger. Der am 11.07.1943 geborene

Künstler arbeitet seit 2003 im Atelier bild-

Balance in Wien.

Foto: A.Berger


BALANCER 73, 3/2018

VORGESTELLT 3

1 Ein guter Tag bei BALANCE beginnt mit …

… einer Tasse Kaffee und einem Stück Schokolade!

2 Was hält dich persönlich in BALANCE?

… mir meinen Arbeitsbereich und Arbeitstag selbst gestalten zu können,

das gute Betriebsklima und die Bereitschaft, sich miteinander

über alle Ebenen hinweg auseinanderzusetzen.

3 Welche Barrieren hast du in deinem Leben schon beseitigt?

… ich hätte nur aufgrund meiner Gehbehinderung damals in die

Sonderschule eingeschult werden sollen, meine Eltern setzten den

Regelschulbesuch durch. Daraus wurde die Matura, ein Universitäts-

Abschluss und die Leitung der Mobilen Betreuung bei BALANCE … und

ein unabhängiges selbstbestimmtes Leben … und nach wie vor die

deutsch-österreichischen Sprachbarrieren, die mich immer noch hier

und da fordern. (lacht)

4 Rollentausch: Was würdest du von einer SozialarbeiterIn bei BALANCE erwarten?

… freundlichen und herzlichen Umgang, Verständnis für meine Situation

und Erklärungen und Antworten auf meine Fragen, sodass ich mich

auskenne.

Claudia

Michitsch

10 Fragen an:

51 Jahre alt, seit 1996 bei BALANCE,

anfangs als Betreuerin in der Mobilen

Betreuung, seit 2001 Leiterin der

Mobilen Betreuung, seit 2011

zusätzlich zuständig für Sozialarbeit

Foto: C. Michitsch privat

5 Inklusion heißt für mich …

… dass ich gar nicht darüber nachdenken muss, weil die allseitige Teilhabe

und Teilnahme selbstverständlich sind.

6 Am liebsten unterstütze ich …

… so, dass die Person zu ihrem Recht kommt.

7 Die beste sozialarbeiterische Beratung ist …

… wenn die ratsuchende Person nach der Beratung mehr Klarheit

hat als vorher, sich auskennt und Entscheidungen für ihren nächsten

Schritt treffen kann.

8 Die Mobile Betreuung bei BALANCE ist besonders, weil …

… es an den beiden Standorten jeweils sehr gut eingespielte Teams gibt

mit langjähriger Erfahrung, hoher Kompetenz und Engagement, eine

sehr individuelle und flexible Unterstützung in diesem Setting möglich

ist und die Selbstbestimmung der Lebensgestaltung der NutzerInnen

im Vordergrund steht.

9 Gesetzt den Fall du kannst ein Sozialgesetz ändern oder neu beschließen, was würdest

du verbessern?

… Ich würde die Zusammenarbeit zwischen den Behörden wie PVA

(Pensionsversicherungsanstalt), AMS (Arbeitsmarktservice) und MA

(Magistratsabteilung) 40 verbessern. Derzeit passiert es immer wieder,

dass Personen zwischen diesen drei Stellen mehrfach hin- und hergeschickt

werden, jede Behörde hat eine eigene Begutachtungsstelle

und benötigt die gleichen Dokumente, die die betreffende Person

dann jeweils neu vorlegen muss. Es sollte die Regelung geben, dass die

Erstanlaufstelle für einen Antrag verpflichtet ist, diesen an die zuständige

Stelle weiterzuleiten und die erstellten Gutachten gegenseitig

anzuerkennen.

10 Was ich sonst noch unbedingt loswerden möchte …

… meine Katzenallergie. Und: wenn du fällst, stehe auf, richte deine

Krone und gehe weiter DEINEN Weg.


4

INTERN

BALANCER 73, 3/2018

DIE POLIZEI,

echte FreundInnen und HelferInnen

Von Karl Engelmayer, Betreuer am Tagesstruktur-Standort Soho

Es war Anfang Juni. An unserem Standort weigerte

sich plötzlich ein Nutzer, aus dem Fahrtendienstwagen

auszusteigen. Trotz geduldigen Zuredens durch

BetreuerInnen, der eilends herbeigeeilten Mutter und

einen Arzt, konnte ihn niemand dazu bewegen auszusteigen.

Letzte Möglichkeit und Notwendigkeit in so

ein em Fall war daher, die Polizei zu rufen.

Editorial / Vor den Vorhang

Dass solche Situationen für KEINEN Beteiligten angenehm

sind, versteht sich von selbst. Was für uns

und besonders für den betroffenen Nutzer = Bürger =

Mensch dabei aber so beeindruckend war, war die Tatsache,

dass die Polizistin und die drei Polizisten so einfühlsam

agierten.

Sie informierten sich zuerst bei uns, wie man sich nähern

darf und kann, was genau passiert ist usw. Und dies

trotz der Tatsache, dass der betroffene Nutzer währenddessen

nicht gerade ruhig und leise war.

Auch die Geduld der Einsatzkräfte war beeindruckend.

Selbst nach 90 Minuten, als der betroffene Nutzer den

Fahrtendienstbus noch immer nicht freigeben wollte

und so die allerletzte Möglichkeit, Fuß- und Handfessel

verwenden zu müssen im Raum stand, gaben die PolizistInnen

nicht auf und versuchten abwechselnd mit uns

gemeinsam, ihn zum Aussteigen zu überreden.

Und dann passierte das nicht mehr Erwartete, der betroffene

Nutzer = Bürger = Mensch stieg aus und vermied

damit die Fuß- und Handfesseln.

Die Geduld ALLER Beteiligten zeigte Früchte, keine starren

Vorgehensweisen, nah am Mensch, personenzentriert

auch von der Polizei. Nach ihrem MOTTO: GEMEIN­

SAM SICHER.

Und die Folge aus dem Ganzen? Drei der BeamtInnen

besuchten eine Woche später den betroffenen Nutzer,

wie sie es ihm versprochen hatten, HOCHACHTUNG!

Und nicht nur dieser Tagesstruktur-Teilnehmer freute

sich über die Kommunikation, sondern auch ALLE anderen

interessierten Personen am Standort durften den

Einsatzbus begutachten, beGREIFEN, also sich wirklich

hineinsetzen, das Signalhorn betätigen, die Polizeikappe

aufsetzen, einfach in Kontakt treten und natürlich mit

den BeamtInnen sprechen.

Eine neuerliche Einladung ist bereits ausgesprochen

und bejaht worden! Noch einmal ein herzliches DANKE

an die PolizistInnen!

Foto: BALANCE Archiv


BALANCER 73, 3/2018 INTERN 5

SPENDENAUFRUF!

Spezialmatratze schützt

und heilt bei Dekubitus

Dauerhafte Schmerzen beim Liegen und Sitzen durch offene Wunden sind eine schreckliche Erfahrung und

für viele Menschen eine permanente Gefahr, denn gerade RollstuhlfahrerInnen sind besonders gefährdet,

durch Druckstellen offene Wunden zu bekommen. Durch geeignete Matratzen und Sitzkissen könnten

solche Wunden hingegen vollständig heilen. Trotz dieser relativ einfachen Methode der Vorbeugung und

Heilung können sich viele RollstuhlfahrerInnen diese teuren Spezialmatratzen und Sitzkissen nicht leisten.

Die Krankenkassen stellen diese Heilbehelfe nur während der Akutphase zur Verfügung, also leider erst,

wenn bereits eine Wunde entstanden ist.

Ein Bewohner, der von uns die Dienstleistung „Unterstütztes Wohnen“ in Anspruch nimmt, ist in dieser

Situation, er bräuchte dringend eine Antidekubitus-Matratze und ein Sitzkissen, damit er mobil und

mit dem Rollstuhl unterwegs sein und ein soziales Leben ohne Schmerzen führen kann. In seinem Auftrag

machen wir daher diesen Spendenaufruf. Alle Spenden an BALANCE kommen OHNE Abzüge direkt den

begleiteten Personen z. B. zur Finanzierung von Heilbehelfen zugute. Wenn Sie Ihre Spende von der Steuer

absetzen möchten, geben Sie uns bitte zusätzlich Ihren Vor- und Nachnamen an.

Bitte unterstützen Sie ihn und spenden Sie! Jeder kleine Betrag hilft!

Unser Spendenkonto:

Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG

Kontonummer: IBAN AT96 3200 0000 0747 9868

UID: ATU38 152 707

BIC RLNWATWW

Verwendungszweck: Therapie


6 INTERN

BALANCER 73, 3/2018

DEMOKRATIE

im Kleinen

Von Sonja Stauffer, Mitarbeiterin Tagesstätte MaPo

Letztes Jahr gab es nicht nur die große Nationalratswahl in Österreich, sondern auch die Vorbereitung

einer wichtigen Wahl an unserem Standort in Maria Ponsee in der Tagesstätte, denn

das Mitsprache-Team wurde Anfang des Jahres neu gewählt. Diese gewählten VertreterInnen

gibt es an allen BALANCE-Tagesstruktur-Standorten und sie werden in der Regel ca. alle vier

Jahre neu gewählt. Sie vertreten die Interessen ihrer KollegInnen im Betrieb der Tagesstruktur.

Die VertreterInnen treffen sich alle vier Wochen, um über Methoden und Probleme ihres Vertretungsauftrages

zu beraten. Dabei werden sie extern begleitet und an den Standorten von

einer SekretärIn unterstützt, der sie mitteilen, was zu tun ist.

Zudem finden finden Treffen mit der BALANCE-Geschäftsführung statt, bei denen Veränderungswünsche

der NutzerInnen bezüglich des Leistungsangebots erörtert werden. In diesem

Kontext wurde z. B. der BALANCE-Mitsprache-Katalog erarbeitet, der immer noch erweitert

und präzisiert wird. Ergebnisse aus diesen Treffen werden so schnell wie möglich in die

Praxis umgesetzt.

Bei einer Wahl ist es immer wichtig, dass alles mit rechten Dingen zugeht, daher gab es

Unterstützung von Petra Plicka vom Schritte-Team und mir als MitarbeiterIn. Bei den Wahlen

dürfen alle Tagesstruktur-TeilnehmerInnen am Standort mitstimmen, die Wahl ist geheim.

Von acht KandidatInnen sind vier gewählt worden. Von insgesamt 30 NutzerInnen haben 28

von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Alle Stimmen waren gültig. Nach der Wahl wurde

ausgezählt und dann stand das Ergebnis fest.

Unsere KandidatInnen waren: Barbara Plak, Alois Maurer, Erwin Hasitzka, Josef Masterhofer,

Fritz Ettenauer, Gottfried Varecka, Judith Pokorny, Daniel Neuber

Gewählt wurden schließlich folgende KandidatInnen:

Erwin Hasitzka

Alois Maurer

Daniel Neuber

Barbara Plak

Das Mitspracheteam in Maria Ponsee ist nun bereits seit einem Jahr im Einsatz. Die anderen

vier NutzerInnen sind der Ersatz, falls einer aus dem Mitspracheteam ausfallen sollte. Die Geschäftsführerin

von BALANCE, Frau Marion Ondricek, war auch dabei und hat dann gemeinsam

mit mir und Petra Plicka das Ergebnis verkündet. Und danach die GewinnerInnen der Wahl

unterschreiben lassen und das neue Mitspracheteam bestätigt.


BALANCER 73, 3/2018 PINNWAND 7

Pinn

wand.

Das Wichtigste

über

Boccia

Boccia wurde schon im Römischen Reich als

Zeitvertreib gespielt und entwickelte sich

hauptsächlich in Südeuropa. Dort wird es heute

noch gespielt – meist auf einer Wiese oder

auf Sand. Gerade für Menschen mit schwerer

cerebraler Bewegungsstörung ist Boccia der

ideale Hallensport.

Boccia wird nicht nur als Freizeitvergnügen,

sondern auch wettkampfmäßig gespielt.

Für diesen Sport ist einerseits taktisches und

vorausschauendes Denken gefragt, andererseits

erfordert das Werfen der Bälle ein

hohes Maß an Körperbeherrschung und

Koordination. Dazu kommt, dass Boccia

einen hohen therapeutischen Wert erfüllt:

das Training der Auge-Hand-Koordination

(Greifen und Loslassen bei der Wurfbewegung).

So wird der Alltag (Essen, Körperpflege,

Fortbewegung, manuelle Tätigkeiten

und vieles mehr) um ein Vielfaches leichter

bewältigt. Boccia ist auch ein Teamspiel. Das

fördert die Kommunikation und hilft, Berührungsängste

abzubauen.

Wissenswerte Regeln über Boccia Interessierte

Menschen werden je nach Schweregrad

ihrer körperlichen Beeinträchtigung

beim Boccia in drei Wettkampfklassen eingeteilt.

Sie treten einzeln oder im Team gegeneinander

an. Beim Einzelbewerb wirft jede

Spielerin bzw. jeder Spieler sechs Bälle. Beim

Teambewerb wird pro Spieler oder Spielerin

zweimal geworfen.

Das Ziel ist bei Einzel- und Teamwettkämpfen

immer das gleiche: möglichst viele eigene

Bälle näher am weißen Ball zu platzieren als

der Gegner. Dies geschieht unter Zeitbegrenzung.

Sind alle 12 Bälle gespielt, ist eine Runde

beendet.

Wiener

Landesmeisterschaft

Boccia 2018

Die italienische Präzisionssportart Boccia liegt im Trend. Letztes Jahr

gab es das erste Turnier des PensionistInnenklubs mit 50 TeilnehmerInnen

und heuer bei den Wiener Landesmeisterschaften des Österreichischen

Behindertensportverbandes am 10. Mai 2018 nahmen 60 SportlerInnen

teil.

Von Andreas Tettinger

Am 10. Mai 2018 hatte ich das erste Boccia-Turnier nach 19 Jahren, es waren

die Wiener Meisterschaften im Boccia-Sport und da bin ich gleich stolzer

Zweiter geworden.

Es war das tollste Turnier, bei dem ich jemals gespielt habe. Ich habe

mit einer Rinne gespielt und ich noch einen Assistenten dabei und zwar

den besten, den es gibt zum Rinnen einstellen. Er hat nur meine Befehle befolgt

und das hat er 1 A gemacht. Am Anfang habe ich ein bisschen die Zeit

verschlafen, weil ich noch etwas verwirrt war. Ich wollte den Ball spielen,

dabei war die Zeit schon vorbei, denn pro Ball gibt es nur eine Minute Zeit.

Es hat ein wenig gedauert, bis ich mich darauf eingestellt hatte, aber ich bin

zum Glück nicht nervös geworden und am Ende holte ich Silber.

Foto: A. Tettinger privat


8 PINNWAND

KÖRPERBILDER

BALANCER 73, 3/2018

Klimt und

Schiele als

Inspiration

Inspiriert von Klimt und Schiele“ lautet der

Titel der Ausstellung im Hotel Le Méridien

Wien, die seit Juni einen faszinierenden Blick

auf Interpretationen von elf bildBalance-KünstlerInnen

aus dem Wiener Atelier zu den berühmten

Werken der so unterschiedlichen

Künstler Gustav Klimt und Egon Schiele erlaubt.

Facettenreich und überraschend bieten die

Kunstwerke neue und erfrischende Perspektiven.

Mit 65 Werken kann man die Ausstellung

durchaus als beeindruckende Hommage zum

100. Todestag dieser beiden unvergesslichen

Künstler verstehen. Möglich gemacht hat die

Ausstellung der Künstler Christoph Speich, der

die bildBalance-KünstlerInnen in Wien und Maria

Ponsee begleitet und selbst als einer der ersten

Künstler mit einer Ausstellung im Artists

Space vertreten war.

Die Ausstellung kann noch bis Mitte September

2018 im Le Méridien Artists Space

täglich rund um die Uhr besichtigt und die

Kunstwerke können vor Ort käuflich erworben

werden.

Das Le Méridien

… ist ein Designhotel und liegt am Ring. In etwa

alle drei Monate wird hier eine neue Kunstausstellung

gezeigt. Kunst ist Teil des Konzepts dieses

außergewöhnlichen Hotels: „Im Le Méridien

entdecken Sie Kunst – in Wien, unseren öffentlichen

Räumen, Zimmern und Suiten. Kunst ist

hier nie statisch. Aufstrebende Protagonisten

der österreichischen Szene inszenieren ihre

Werke. Brüche von Alt und Neu schaffen Atmosphäre.

Sie stehen für das Lebensgefühl seiner

Gäste und Gastgeber: Luxus eines Ringstraßenhotels

+ Tiefgründigkeit einer Kunstinstallation.“

(Zitat Website Le Méridien) (heh)

Harrys

E-Wheels-Tour

gestartet

A

m

16. August 2018 gegen Mittag startete Harald Großmayer

zu seinem bisher größten Abenteuer. Der aus

Zellerndorf/NÖ stammende Rollstuhlfahrer möchte mit seinem

E-Rollstuhl 759 Kilometer von Wien nach Bregenz fahren

und wird dafür ca. einen Monat unterwegs sein. Der elf

Jahre alte Rollstuhl hat eine Reichweite von 50 Kilometern

und fährt maximal 12 Kilometer pro Stunde.

Mit der Harry’s E-Wheels-Tour möchte Harald Großmayer

ein Vorbild sein und andere motivieren, ihre Ziele zu

verfolgen. Mittlerweile ist Harry bereits auf dem Weg quer

durch Niederösterreich, die fünfte Etappe nahm er am 20.

August in Angriff. Zum Start bei der Milleniumscity kamen

neben Fans und UnterstüzerInnen und Medien auch der Zellerndorfer

Bürgermeister Markus Baier, der ihm Alles Gute

wünschte und ihm zur Motivation das Wappen von Zellerndorf

auf die Tour mitgab.

Harald Großmayer hat für seine Tour viele UnterstützerInnen

und SponsorInnen unter anderem auch BALANCE-

Leben ohne Barrieren gewinnen können.

Wer die Tour verfolgen möchte, kann auf der Facebook-

Seite unter dem Namen „Harry’s E-Wheels-Tour“ vorbeischauen.

Dort gibt es regelmäßige Updates, Videos und

Fotos.

Fotos: BALANCE/H.Hiebl


BALANCER 73, 3/2018 PINNWAND 9

Alle für Alle

Unter dem Motto „Alle für Alle“ rollten und

gingen an die tausend TeilnehmerInnen am

21. Juni 2018 auf die Straße. Die erste „Disability Pride

Parade“ in Österreich, bei der Menschen mit und

ohne Behinderungen gemeinsam für den Abbau

von Barrieren und für gleiche Rechte für Menschen

mit Behinderungen demonstrierten, zog über den

Ring bis zum Heldenplatz.

Ein buntes Spektakel mit durchaus ernstem Hintergrund.

Auf der Bühne am Heldenplatz gab es Live

Acts, aber auch Kämpferisch-Politisches war zu hören.

Die Forderungen der SelbstvertreterInnen, Behindertenorganisationen

und SympathisantInnen

waren brisant und aktuell, etwa die geplante Kürzung

bei der Mindestsicherung abzuwehren. „Das

sei gelungen“, hofft ein Vertreter des ÖAR (Österreichischer

Behindertenrat) oder das Erwachsenenschutzgesetz,

auch das habe man retten können.

Was vielen noch Sorgen bereitet, ist die mangelhafte

Inklusion in Schulen. Der beschlossene Ausbau

der Sonderschulen sei ein trauriges Kapitel und

ein Rückschritt für Menschen mit Behinderungen,

las man auf vielen Schildern und so tönte es auch

von der Bühne.

Dennoch, trotz des ernsten Hintergrundes genossen

die BesucherInnen das schöne Wetter, die

gute Stimmung und das Unterhaltungsprogramm.

Frau Anette P. ist auch dabei, sie möchte vor allem

zeigen, dass ihre Behinderung nur ein Teil von ihr ist

und sie dafür viele andere Dinge kann, viele Stärken

hat. „Ich will zeigen, dass es uns gibt und jeder von

uns einzigartig ist!“

Seit 2004 finden in den USA jedes Jahr „Disability

Pride Parades“ statt, mit dem Ziel, Bewusstsein

für unsere Mitmenschen mit jeglicher Art von Behinderung

zu schaffen. Auch Berlin feierte bereits

die bunte Vielfalt. Seit 2018 ist nun auch Wien Teil

dieser Bewegung. (heh)

Fotos: BALANCE/H.Hiebl


10 PINNWAND

KÖRPERBILDER BALANCER 73, 3/2018

NULLMORPHEM –

Eine Lyrik

U

nter

diesem Titel zeigte Ende Juni die

Gruppe tanzMontage an drei Abenden

eine beeindruckende Performance. Berührende

Interaktion und überraschende Aktion wechselten

einander ab, wobei jedeR TänzerIn zur Geltung

kam. Das Publikum verfolgte mit großem

Interesse das von Inge Kaindlstofer, Sonja

Browne und Helga Gußner-Peham choreografierte

Tanzstück. Irritation blieb bei manchem

im Publikum vor allem durch den Titel zurück,

denn wer weiß schon, was ein Nullmorphem ist.

„Vielleicht ist das aber auch gewollt und es soll

eine gewisse Verwirrung und Ratlosigkeit zurückbleiben!“,

formulierte es eine Besucherin.

(heh)

Foto: BALANCE/M.Ondricek

Der jährliche

Spenadlwiesn -

kampf

Am 27. Mai 2018 organisierte der BALANCE-Betriebsrat

wie jedes Jahr das Fußball-Turnier der Sozialen

Dienstleister in Wien. Das Wetter war sonnig und perfekt

für diesen Wettkampftag, der traditionellerweise auf der

Spenadlwiese im Prater ausgetragen wird. 12 Teams kämpften

um den Turnier-Sieg. Sieger wurde schließlich verdient

JAW Altmannsdorf. Balance 1 ließ allen anderen Teams den

Vortritt und landete als höflicher Gastgeber ;)) auf dem

letzten Platz. Balance 2 reihte sich im Mittelfeld auf dem

7. Platz ein. Die Platzierungen taten der Spielfreude und guten

Stimmung aber keinen Abbruch, alle MitspielerInnen

gaben wieder ihr Bestes und spielten mit viel Begeisterung

und Leidenschaft. Nach dem Turnier ist schließlich auch vor

dem Turnier, wir sehen uns 2019! (daga/heh)

Endstand:

1. JAW Altmannsdorf

2. pro mente Wien

3. ÖHTB 1

Fotos: BALANCE Archiv


BALANCER 73, 3/2018 PINNWAND 11

Momente, die zählen –

Frauenlauf inklusive!

D

as

Motto des 31. ASICS Österreichischen Frauenlaufs® 2018 lautete „Momente, die zählen!“. Davon

gab es in diesem Jahr für alle BALANCE-Teilnehmerinnen viele. Lebendige Augenblicke, die hoffentlich

noch lange in guter Erinnerung bleiben.

Was jahrelang undenkbar schien, war heuer möglich. Erstmalig war eine BALANCE-Nutzerin im Rollstuhl

aus Maria Ponsee mit dabei! Im Team der BALANCE-Turbo-Girls bestritt sie erfolgreich gemeinsam

mit einer BALANCE-Mitarbeiterin die 5-km-Strecke. Herzliche Gratulation allen Teilnehmerinnen, den

Turbo-Girls, der Power Lady, die als einzige 10 km lief und den Cruising Girls, die die Strecke flott als Walkerinnen

bewältigten! (heh)

Foto: Agentur Diener, Österreichischer Frauenlauf GmbH®


Thema

12

KÖRPERBILDER GLEICHES RECHT FÜR ALLE

BALANCER 73, 3/2018

Gleiches Recht

für alle!

Ist

gleiches Recht für alle BürgerInnen in Österreich

selbstverständlich? Auf dem Papier ja, in der Praxis zeigt

sich, Menschen mit Behinderungen haben immer noch nicht

die gleichen Rechte, werden systematisch benachteiligt und

einige leben auch heute noch in weitgehend fremdbestimmten

Lebenssituationen. Der Zugang zur Gesellschaft ist für

viele Menschen immer noch erschwert und mit zahlreichen

Hürden und Barrieren verbunden. Man denke etwa an den

Arbeitsmarkt. Auch gibt es immer noch „Parallelstrukturen“,

Einrichtungen, in denen Menschen mit Behinderung

alleine unter sich sind, also exkludiert werden unter dem

Deckmantel und Vorwand, man wolle ja nur eine bestmögliche

Versorgung. Für manche Menschen mit Behinderung

mag das ja so stimmen, für viele andere nicht – vor allem,

wenn keine Wahlmöglichkeit besteht.

GESETZE ALS AUSGLEICH FÜR

BENACHTEILIGUNGEN

Es liegt an uns allen, eine Gesellschaft zu gestalten, in der

es selbstverständlich ist, dass Menschen mit Behinderung

in ALLEN Bereichen dazugehören. Das beginnt bei unserer

Einstellung. Zu schnell stempeln wir Menschen ab, die

nicht dem Durchschnitt entsprechen. Dabei vergessen wir

zu gerne, die meisten von uns werden wahrscheinlich im

Alter ebenfalls mit Beeinträchtigungen leben und wohl alle

kennen Menschen im Freundeskreis, die mit leichteren oder

schwierigeren Behinderungen zu kämpfen haben. Denn

konsequent gedacht, existiert der durchschnittliche Mensch

nämlich gar nicht, in der Realität sind wir eben alle davon

betroffen. Gesetze werden daher beschlossen, um einen

Ausgleich für benachteiligte Gruppen herzustellen, also Gerechtigkeit

sicherzustellen.

Am 21. Juni zog zum ersten Mal die Disability

Pride Parade vom Rathaus über den Ring zum

Heldenplatz. Menschen mit Behinderungen

traten selbstbewusst in der Öffentlichkeit

auf, forderten gleiche Rechte, inklusive Bildung,

Gleichstellung und Teilhabemöglichkeiten

ohne Barrieren. Welche Rechte haben

Menschen mit Behinderungen und warum

braucht man dafür eigens Gesetze?

Von Helga Hiebl

Prozess, eine Lenkung in eine bestimmte Richtung vorzunehmen,

ein Ziel zu verfolgen. So auch im Bereich der Gleichstellung

von Menschen mit Behinderungen. Auf mein Recht

pochen muss ich nur dann, wenn ich „Ungerechtigkeit“ erfahre,

wären wir menschlich „reif“ genug, bräuchte es kein

einziges Gesetz auf der Welt.

Mit der Aufklärung fand erstmals die Idee ins geltende

Recht, dass jeder Mensch frei sei und mit der Französischen

Revolution kam auch die Gleichheit vor dem Gesetz ins Spiel.

Dennoch dauerte es bis ins Jahr 1948, um eine der ersten internationalen

Erklärungen zu Menschenrechtsstandards zu

beschließen. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

wurde mit 48 Stimmen, keiner Gegenstimme und 8 Enthaltungen

am 10. Dezember 1948 angenommen.

DER LANGE WEG ZUR FORMULIERUNG DER

MENSCHENRECHTE

Das geltende Recht und die soziale Wirklichkeit klaffen aber

auseinander. Das ist allerdings nicht überraschend, geht es

doch darum, einen gesellschaftlichen Zustand mittels eines

Gesetzes zu verbessern oder auszugleichen. Also um einen


Thema

BALANCER 73, 3/2018 GLEICHES RECHT FÜR ALLE

13

Dieser internationale Pakt beschrieb zuerst bürgerliche, politische

(UN-Zivilpakt) und wirtschaftliche Rechte, erst viele

Jahre später, 1976, ergänzte man soziale und kulturelle Rechte

(UN-Sozialpakt).

MENSCHENRECHTE ERST 2006 FÜR

MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN

Noch viel länger dauerte es, bis man Menschen mit Behinderungen

einbezog. Das „Übereinkommen über die Rechte von

Menschen mit Behinderungen“ (Convention on the Rights of

Persons with Disabilities – CRPD) ist ein Menschenrechtsübereinkommen

der Vereinten Nationen, das am 13. Dezember

2006 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen

beschlossen wurde und erst am 3. Mai 2008 in Kraft getreten

ist. Österreich hat es noch im gleichen Jahr unterzeichnet.

Die UN-Behindertenrechtskonvention beinhaltet – neben

der Bekräftigung allgemeiner Menschenrechte auch

für behinderte Menschen – eine Vielzahl spezieller, auf

die Lebenssituation behinderter Menschen abgestimmte

Regelungen.

DIE SOZIALE AUFGABE – IM KERN EIN

ÜBERLEBENSFAKTOR

Aber warum hat das so lange gedauert? Betrachten wir die

Menschheitsgeschichte, dann hat die Menschheit unter anderem

deshalb überlebt, weil sie kooperiert haben. Nicht

das Motto „der Stärkere gewinnt“ hat unser Überleben gesichert,

sondern unsere sozialen Fähigkeiten, die Fähigkeit

zur Kooperation. Sozial zu handeln ist im Kern aus unserer

Menschheitsgeschichte heraus gesehen ein Überlebensfaktor.

Wenn also Unterstützung benötigt wird, dann gibt der

Mitmensch sie instinktiv meistens gerne und oft freiwillig.

Man „kümmert“ sich um einander. So war das früher und ist

teilweise heute noch so, die Familie oder die Gemeinschaft

leistet so weit als möglich Unterstützung.

RECHTSANSPRÜCHE ERMÖGLICHEN

SELBSTBESTIMMUNG

Viele soziale Aufgaben werden heute vom Staat geleistet,

denn die Versorgung im Familienverband ist nicht immer

möglich und die Gefahr besteht, dass Menschen in engen

Familiensystemen ein Leben lang in Abhängigkeit von ihrer

Familie bleiben und nicht selbstbestimmt leben können. Mit

gesetzlichen Ansprüchen übernimmt die Gesellschaft einerseits

die Verantwortung, dass niemand „unversorgt“ bleibt,

andererseits kommt man von der Bevormundung leichter

weg. Aus dem instinktiven, manchmal paternalistischen

Helfen und Unterstützen wurde ein Rechtsanspruch, der

Selbstbestimmtheit erst möglich machte.

Die UN-Konvention fordert uns auf, die Barrieren wegzuräumen,

die Menschen daran hindern, eigenständig und

selbstbestimmt ihren Weg zu gehen. Es gehört sogar zu

unseren gesetzlichen Aufgaben als Gesellschaft und Staat,

Nachteile aufgrund von Behinderungen so weit wie möglich

zu beseitigen und den Menschen den gleichen Zugang

zur Gesellschaft zu ermöglichen wie ihn Nichtbehinderte

haben. Als Menschen haben Menschen mit Behinderung

die gleichen Menschenrechte. Wir haben uns als Staat und

Gesellschaft dafür entschieden, hier solidarisch zu sein. Das

drückte sich in unseren Gesetzen aus.

DIE WICHTIGSTEN GESETZE FÜR MENSCHEN

MIT BEHINDERUNGEN IN ÖSTERREICH

In vielen Bereichen haben wir die benötigte Unterstützung

als Recht definiert und dazu Gesetze formuliert, damit es

nicht dem Zufall überlassen bleibt, ob eine BürgerIn ein

gleichberechtigter Teil unserer Gesellschaft sein kann. Das

bedeutet für den Einzelnen eine Stärkung seiner Position,

denn es ändert die Rolle vom Bedürftigen zu jemand, der etwas

zu Recht einfordern kann.

In Österreich gibt es neben der besagten UN-Konvention

das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz, Behinderteneinstellungsgesetz,

Bundesbehindertengesetz und das

Chancengleichheitsgesetz (für Wien).

Doch die UN-Konvention ist noch immer kaum umgesetzt,

jahrelang waren die Regierungen säumig, die derzeitige Regierung

hat im Bereich der Bildung mit dem Beschluss zum

Ausbau der Sonderschulen gerade einen Weg eingeschlagen,

der sogar im Widerspruch zur Konvention steht.

Der Kampf um Gleichstellung und gleiche Rechte ist also

noch lange nicht vorbei. Ein Gesetz muss eben auch von der

Gesellschaft verstanden und gelebt werden, dafür brauchen

wir noch mehr Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit,

um die berechtigten Anliegen bewusst zu machen. Der

Prozess läuft, wir sind auf dem Weg, aber lange noch nicht

am Ziel. Die Power Parade mit ihrer lauten, fröhlichen und

bunten Art hat Aufmerksamkeit gebracht und ein neues

Selbstbewusstsein und eine Selbstverständlichkeit gezeigt,

wie Menschen mit Behinderungen heute auftreten, um ihre

Rechte einzufordern.

DIE WICHTIGSTEN RECHTSGRUNDLAGEN FÜR

EIN SELBSTBESTIMMTES LEBEN SIND:

- UN-Konvention der Rechte für Menschen mit

Behinderungen

- Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz

Ziel dieses Bundesgesetzes ist es, die Diskriminierung

von Menschen mit Behinderungen zu beseitigen oder zu

verhindern und damit die gleichberechtigte Teilhabe von

Menschen mit Behinderungen am Leben in der Gesellschaft

zu gewährleisten und ihnen eine selbstbestimmte

Lebensführung zu ermöglichen.

- Behinderteneinstellungsgesetz

- Bundesbehindertengesetz


14 kunst KÖRPERBILDER BALANCER 73, 3/2018

„... inspiriert von Klimt und Schiele“

Die seit 23. Mai 2018 laufende

Ausstellung von bild.Balance Wien ist

im Hotel LE MERIDIEN Wien

noch bis September zu sehen!

Foto: bildBalance Wien


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Thema

KÖRPERBILDER GLEICHES RECHT FÜR ALLE

BALANCER 73, 3/2018

DAS NEUE

ERWACHSENEN-SCHUTZGESETZ

... hatte schon eine lange Geschichte,

bevor es noch in Kraft getreten war!

Von Christian Zuckerstätter

Die gute Nachricht gleich vorweg: das neue

Erwachsenenschutzgesetz trat mit erstem

Juli 2018 in Kraft. Dies ist vor allem deswegen eine

sehr gute Nachricht, weil es, obwohl von der vorigen

rot-schwarzen Regierung bereits fix beschlossen,

plötzlich ganz oben auf der Abschussliste der neuen,

„Glückseligkeit bringenden“ Regierung stand, letztendlich

aber, aufgrund des großen, sich abzeichnenden

Widerstandes doch wie geplant in die Tat umgesetzt

wird. Ipso facto!

Zum ersten Mal kam ich mit dem neuen Gesetz im

Oktober 2017 in Berührung. Da begleitete ich meinen

Vater zu einer Informationsveranstaltung und Podiumsdiskussion

der Gewerkschaft öffentlicher Dienst

mit einem Vortrag von Volksanwältin Dr. Gertrude Brinek.

Ich hörte damals das Wort „Erwachsenenschutz“

zum allerersten Mal. Ich erfuhr damals nicht nur sehr

viel Neues über den bevorstehenden Wechsel „Erwachsenenschutz

statt Sachwalterschaft“, sondern

auch viel für mich Neues von zwei Seiten. Zum einen

aus den Mündern „angefressener“ besachwalteter

Personen und zum anderen von einem pensionierten

Sachwalter, der von seinen Erfahrungen in der Praxis

erzählte.

INFORMATIONEN VON FACHLEUTEN

UND VON BETROFFENEN

Die Unzufriedenheit vieler Leute mit der Sachwalterschaft

war speziell für mich neu, da die Sachwalterschaft

bei mir reine Formsache gewesen war. Unmittelbar

nach meinem Herzstillstand war meine Frau

Sachwalterin. Da ist es klar, aber auch nachdem sie

sich scheiden ließ – ich bestellte dann meine Anwältin

zur Sachwalterin – änderte sich daran nichts. Meine

Anwältin und ich hatten in der Rollenverteilung Sachwalterin

– Klient so gut wie keine Berührungspunkte.

Dementsprechend machte es für mich de facto keinen

Unterschied, als ich den Bescheid erhielt, dass ich ab

sofort keine Besachwalterung mehr benötige. Dass

dies aber für viele besachwaltete Personen ganz anders

aussah und bis heute aussieht, erfuhr ich bei dieser

Veranstaltung.

„Die andere Seite der Medaille“ war die Erzählung

des Sachwalters. Er schilderte eindrucksvoll, wie oft es

ihm unterkam, dass Angehörige versuchten, Besitztümer

und/oder Erbteile der Besachwalteten an sich zu

ziehen. Das war für mich ein völlig neuer, schockierender

Aspekt ... und ist somit, wenn auch von der anderen

Seite betrachtet, eine weitere Bestätigung dafür,

dass die bisherige Sachwalter-Lösung große Mängel

aufwies und große Probleme mit sich brachte. Es war

wirklich schon höchst an der Zeit für eine Änderung

im System!

Und genau diese Änderung war schon fertig ausgearbeitet

und wurde bei ebendieser Veranstaltung

präsentiert. Demzufolge hat die neue Erwachsenenvertretung

folgende vier Säulen:

DIE VORSORGEVOLLMACHT – kann für den Fall, dass

man irgendwann nicht mehr entscheidungsfähig

ist, für bestimmte Angelegenheiten erteilt werden.

Sie gilt unbefristet.


Thema

BALANCER 73, 3/2018 GLEICHES RECHT FÜR ALLE 17

DIE GEWÄHLTE ERWACHSENENVERTRETUNG – Betroffene

können eine oder mehrere nahestehende

Personen mit der Besorgung bestimmter Angelegenheiten

betrauen. Sie wird im zentralen Vertretungsregister

eingetragen und gilt unbefristet.

DIE GESETZLICHE ERWACHSENENVERTRETUNG –

Betroffene können von den nächsten Angehörigen

vertreten werden, wenn die Vertretungsbefugnis

im zentralen Vertretungsregister eingetragen

wurde. Sie wird gerichtlich kontrolliert und

muss alle drei Jahre erneuert werden.

DIE GERICHTLICHE ERWACHSENENVERTRETUNG –

ist auf bestimmte Handlungen beschränkt und

ersetzt die bisherige Sachwalterschaft.

Zentrales Ziel des neuen Erwachsenenschutzgesetzes

ist: Hilfe! Unter dem Leitsatz „Empowerment

statt Entmündigung“ werden der Wille und

die Rechte der Betroffenen sowie der Angehörigen

gestärkt. Folgende Grundsätze liegen dem

neuen Gesetz zugrunde:

UNTERSTÜTZUNG STATT ENTMÜNDIGUNG – auf

die Bedürfnisse der Betroffenen wird individuell

eingegangen.

VERTRETUNG NUR IM NÖTIGEN UMFANG – der

Wille der vertretenen Person wird immer berücksichtigt.

Ob eine Vertretung notwendig ist, wird

geprüft und an die Lebenssituation angepasst.

PFLICHTEN UND KONTROLLE – die Pflichten der

Vertreter sind gesetzlich geregelt. Dem Gesetzgeber

muss jährlich über ihre Tätigkeiten berichtet

werden.

VERTRETUNG NUR, SOLANGE SIE NÖTIG IST – Die

Vertretungsbefugnis kann jederzeit beendet

werden.

VERFAHREN VERBESSERT – dies gilt in vielerlei

Hinsicht, insbesondere bei der Mitsprache der

Betroffenen und ihrer Angehörigen bei der Bestellung

der Erwachsenenvertreter.

VERTRETUNG BEI MEDIZINISCHEN BEHANDLUN-

GEN – der Vertretene muss selbst vom Arzt über

die Behandlung informiert werden. Nicht entscheidungsfähige

Patienten dürfen nur mit Zustimmung

ihres Vertreters behandelt werden.

Ein wesentlicher Baustein des neuen Systems ist

die Vorsorgevollmacht. Sie sei hiermit jedem Erwachsenen

angeraten. Denn wer vorsorgt, bleibt

lange „Herr im eigenen Haus“!

EINE PODIUMSDISKUSSION VOM PODIUM AUS

Mein zweiter Berührungspunkt mit dem Thema folgte bald darauf.

Maria Brandl, die bei BALANCE als Coach tätig ist und dort zum Beispiel

die Gruppensprecher-Sitzungen coacht – ich war Gruppensprecher

der bildBalance-KünstlerInnengruppe – holte mich zu einer Arbeitsgruppe,

die sich in vier Arbeitskreisen auf eine Podiumsdiskussion

vorbereitete. Wir fünf in der Arbeitsgruppe waren allesamt – aus unterschiedlichen

Gründen –schon einmal besachwaltet, ich als einziger

ehemals besachwaltet. Wir bereiteten uns auf eine für uns alle höchst

ungewöhnliche Aufgabe vor. Wir würden bei einer Podiumsdiskussion

am Podium sitzen, die im Anschluss an eine Informationsveranstaltung

über das neue Erwachsenenschutzgesetz stattfinden sollte. Das

Publikum würde zur Gänze aus SachwalterInnen bestehen.

Es war eine groß angelegte Fachtagung. Rund achtzig SachwalterInnen

aus ganz Österreich bildeten ein sehr aufmerksames, interessiertes

Publikum. Und ich fühlte mich sehr wohl in der ungewohnten Rolle,

ergriff zu meiner eigenen Überraschung oft das Wort und wurde so

über weite Strecken zum Zentrum des Gespräches. Es war somit für

mich eine sehr interessante, persönlich bereichernde Veranstaltung.

Doch nun wieder zurück zum Kern des Themas.

... AUF EINMAL WACKELTE DAS NEUE GESETZ ...

Und eben dieser Kern des Themas, das neue Erwachsenenschutzgesetz,

begann mit einem Mal zu wackeln. Aus irgendeinem Grund fand

die neue Regierung Missfallen daran und posaunte – gut einen Monat

vor dem geplanten Inkrafttreten – laut hinaus, das Gesetz komme

doch nicht, denn die Finanzierung sei nicht gesichert! Da war bei

den SprecherInnen und VertreterInnen der Involvierten, insbesondere

den BehindertenvertreterInnen sofort Feuer am Dach. Blitzschnell

wurde eine Pressekonferenz einberufen. Und der relativ kleine Saal

im Sozialministerium war zum Bersten voll. Unter den Anwesenden

waren viele persönlich Betroffene. Vorne „am Podium“ saß eine Riege

bekannter Behindertenvertreter, allen voran Behindertenanwalt Dr.

Hansjörg Hofer. Die Stimmung war allgemein kämpferisch und zornig,

aber nicht aggressiv. Es hat gebrodelt und gekocht, denn allen hier war

klar, dass das neue Erwachsenenschutzgesetz ein Meilenstein ist, der

schon lange herbeigesehnt wurde. Der Tenor war klar und eindeutig:

„Wir werden dafür kämpfen, dass das neue Gesetz, wie schon lange

geplant, in Kraft tritt!“ Und was sich in den Räumlichkeiten eines Ministeriums

abspielt, bleibt natürlich den Entscheidungsträgern im

Land nicht verborgen.

So zeigten die Pressekonferenz und das gemeinsam Vorgehen aller

Behindertenorganisationen unmittelbare Wirkung. Schon am nächsten

Tag wurde selbstbewusst verkündet, dass das neue Erwachsenenschutzgesetz

wie geplant im Juli dieses Jahres in Kraft tritt Und keine

Rede war mehr davon, dass noch am Vortag das Gegenteil verlautbart

wurde. Ich bin mir sicher, es in diesem Medium schon einmal geschrieben

zu haben, aber es passt hier so gut, dass ich nicht anders kann, als

es zu wiederholen: das soeben Beschriebene ist ein höchst lebendiges

Beispiel dafür, dass es auch Vorteile hat, PopulistInnen in der Regierung

sitzen zu haben. Denn sobald sich der vermeintliche Wind dreht,

sobald eine Fehleinschätzung der öffentlichen Meinung offensichtlich

wird, lautet die Korrektur des Kurses: Kurswechsel um 180 Grad. Und

das kommt in diesem Fall in hohem Maße den Betroffenen zugute,

allen bis heute besachwalteten Menschen.

Nach dem, was sich in den letzten Monaten abgespielt hat, wäre es

allerdings vorschnell, jetzt in Jubel auszubrechen. Aber dennoch ist es

schön, dass eine langjährige, engagierte Sachpolitik knapp vor dem

Ziel von einer Polit-Farce nicht aufgehalten werden konnte und es ist

berechtigt und an der Zeit, sich darüber zu freuen!


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Thema

KÖRPERBILDER GLEICHES RECHT FÜR ALLE

BALANCER 73, 3/2018

ICH TREFFE

ENTSCHEIDUNGEN

IN MEINEM LEBEN

SELBST

Ich habe keine bezahlte Arbeit, sondern bin

in einer Tagesstruktur, und zwar seit siebeneinhalb

Jahren. Drei Jahre davon war ich bei

Assist (Sozialer Dienstleister, gemeinnützige

GmbH) tätig. Assist wollte die Zusammenarbeit

beenden. Ich habe danach BALANCE

kennengelernt und meine Therapeutin hat

mir diese Tagesstruktur empfohlen. Nach

den Probetagen habe ich mich für diese

Tagesstruktur entschieden, und die Leute

in der Tagesstruktur zum Glück auch. Für

meine Entscheidungen brauche ich keine

Ich wohne zurzeit noch bei meinen Eltern, möchte

aber gerne in Wien mit FreundInnen in einer

WG (Wohngemeinschaft) wohnen. Das sind drei Personen.

Ein Freund meiner Eltern, sein Sohn und dessen

Freundin. Die kennen mich sehr gut und kommen

auch mit meinen Wutanfällen klar. Darüber sprechen

wir viel Zuhause, meine Mama weiß genau, was da zu

tun ist.

Mein Einkommen besteht aus dem Anerkennungsbeitrag

der BALANCE-Tagesstruktur, der erhöhten

Familienbeihilfe und dem Pflegegeld Stufe 2. Davon

verbrauche ich monatlich 200 Euro, 50 Euro kommen

aufs Konto. Das verbrauche ich auch meistens.

Was von meinem Einkommen übrig ist, reicht nicht

für Essen zu Hause und Gewand und zum Beispiel

Arzt- oder Therapierechnungen und Urlaubsreisen.

Ich habe ein Vertragshandy, das von meinem Vater

gezahlt wird. Es sind Spiele oben und Datenvolumen

fürs Internet.

Ich möchte einmal selbst Geld verdienen, am

liebsten als YouTuberin. Ich stelle Videos auf YouTube.

Wenn viele Leute diese Videos anklicken und liken,

bekommt man von Firmen das Angebot, Werbung

auf der Seite zu platzieren, dafür bezahlen die Firmen

dann Geld. Ich habe schon Videos auf meinem Handy

gemacht, aber noch nicht auf YouTube gestellt.

SachwalterIn.

Von Pia Wolf

Dazu bräuchte ich einen neuen PC, eine Videokamera

und ein Schneideprogramm. Dafür spare ich. Wenn

ich die Sachen angeschafft habe, kann ich gut Videos

machen und auf YouTube stellen. Inzwischen nütze

ich die Tagesstruktur zum Beispiel, um zu lernen,

pünktlich bei Treffpunkten zu sein. Mama bringt mich

mit dem Auto zum Zug, mit dem ich zum Treffpunkt

fahre. Ich nutze die Tagesstruktur auch, um viel unterwegs

zu sein. In Wien bin ich viel alleine unterwegs.

Zurzeit ist mein Plan, öffentliche Bücherschränke in

Wien zu erkunden. Ich will Bücher einstellen, die ich

nicht mehr brauche, selber welche rausnehmen und

die lesen. Mein erstes Buch war „Weck mich, wenn der

Frühling kommt“ von Catherine Walters. Mein letztes

Buch war „Die Erfindung der Flügel“ von Sue Monk

Kidd, ein Roman. Meine Lieblingsbuchreihe ist „Harry

Potter“.

Eine große Entscheidung von mir war, einen

Gameboy anzuschaffen. Der hat 300 Euro gekostet,

viel Geld. Jetzt ist er leider gerade kaputt. Meine letzte

große Entscheidung war, mich von meinen Freund zu

trennen. Meine Entscheidungen treffe ich selbst. Ich

vermisse keinen Sachwalter, weil ich keinen brauche.


Thema

BALANCER 73, 3/2018 GLEICHES RECHT FÜR ALLE

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SACHWALTERSCHAFT

Ich lebe mit Sachwalterschaft, möchte aber in Zukunft

meine Angelegenheiten selbst regeln, da es

für mich nicht gut funktioniert.

Von David Galko

Meine Sachwalterin ist vom Vertretungs-Netz.

Alles läuft langsam und

kompliziert. Wenn ich etwas will oder brauche, ist sie

leider die meiste Zeit nicht da und nur das Sekretariat

hebt ab und ich sag zu ihnen, dass die Sachwalterin

mich zurückrufen soll, aber das macht sie nicht. Wenn

ich Geld brauche, sagt sie zu mir dann oft erst 24 Stunden

vorher, also viel zu spät, dass sie mir Geld überweisen

kann. Das ist ärgerlich und das finde ich eine

Frechheit.

Selbst wenn ich einen persönlichen Termin habe

und mit ihr bespreche, dass ich Geld brauche, verzögert

sich alles und sie sagt mir, sie müsse sich das

überlegen und sie würde mir Bescheid geben. Wenn

aber mein Papa anruft, dann funktioniert alles sofort,

dann bekomme ich das Geld und sie unterschreibt alles,

aber nur, wenn ich meinen Papa oder meine Oma

vorschicke. Aber angerufen oder sich bei ihnen vorgestellt

hat sie sich trotzdem nie.

Ich brauche keine SachwalterIn mehr, ich bin

selbstständig und ich möchte, dass es bald zu einer

Änderung kommt und freue mich auf das Erwachsenenschutzgesetz,

das werde ich dann feiern!


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interbalance

BALANCER 73, 3/2018

Die Barrieren

in den Köpfen

beseitigen

Seit über einem Jahr ist Hansjörg Hofer nun

Behindertenanwalt. In dieser Funktion

beantwortet er rund 2.000 Anfragen pro

Jahr, oft zu den Themen Bildung,

Barrierefreiheit und Arbeitsmarkt.

Interview: David Galko, Jürgen Plank

Fotos: Jürgen Plank

Österreich hat im Jahr 2008 die UN-Konvention für die

Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert. Wie

gut sehen Sie heute deren Umsetzung verwirklicht?

Seit der Ratifizierung gilt die Konvention für die Rechte von

Menschen mit Behinderungen. Österreich hat, wie bei allen

Verträgen völkerrechtlicher Art, einen Vorbehalt gemacht:

darauf, dass der einzelne sich nur auf Bestimmungen berufen

kann, wenn diese auch in österreichischen Gesetzen festgehalten

sind. Die Konvention ist also nur über österreichische

Gesetze und Verordnungen anwendbar. Von rund 250

Maßnahmen sind zurzeit etwa zwei Drittel umgesetzt oder

in Umsetzung befindlich. 48 Maßnahmen sind als wirklich

wichtig definiert worden, weil sie Auswirkungen haben, davon

ist ein Drittel in Bearbeitung, da fehlt also noch einiges.

Welche großen Punkte sehen Sie noch offen?

Inklusive Bildung: ein Schulsystem, das SchülerInnen mit Behinderungen

in gleicher Form Unterricht genießen lässt wie

andere Kinder. In der gleichen Klasse, in der gleichen Gemeinschaft,

vielleicht mit differenzierten Lehrzielen, aber in

derselben Umgebung. Man müsste die Sonderschulen nicht

abschaffen, sondern sie eher inklusiv machen, indem man

auch Kinder und Jugendliche ohne Behinderung in diese –

ich würde sie eher Inklusionsschulen nennen – gehen lässt.

Was wäre noch wichtig?

Wir haben weiterhin eine sehr hohe Arbeitslosigkeit unter

Menschen mit Behinderungen. Obwohl die Konjunktur gut

läuft, bleiben Menschen mit Behinderungen länger, öfter

und mit weniger Einkommen Arbeit suchend. Man könnte

z. B. beim AMS Menschen mit Behinderungen zur Zielgruppe

machen und Gelder hingeben, damit Maßnahmen für Menschen

mit Behinderungen gesetzt werden können. Man sollte

auch das Anreizsystem für Arbeitgeber verstärken, Menschen

mit Behinderungen einzustellen. Man könnte etwa

den Arbeitgeber für die ersten zwei Jahre von einem Teil der

Lohnnebenkosten entlasten. Ich glaube, das würde sehr

rasch wirken und die hohe Arbeitslosigkeit bekämpfen.

Was könnte für jene gemacht werden, die in Werkstätten

tätig sind?

Bei den so genannten Beschäftigungstherapien, bei den

Werkstätten, könnte man dafür sorgen, dass eine Sozialversicherungspflicht

besteht. Also nicht nur eine Unfallversicherung,

sondern eine richtige Kranken- und Pensionsversicherung.

Zweitens müsste man vom Taschengeldsystem

wegkommen, sodass es ein richtiges Arbeitsverhältnis mit

Vertrag und Entgelt gibt. Das hat sich eigentlich schon die

alte Regierung vorgenommen, aber nicht umgesetzt. Im

neuen Regierungsprogramm steht drinnen: Erhöhung des

Taschengeldes. Aber das kann es nicht sein, das ist nicht gemäß

der UN-Konvention. Es ist der falsche Gedanke, dass

Menschen mit Behinderungen, die in Werkstätten arbeiten,

ewig wie Kinder behandelt werden. Sie kriegen ein Leben

lang erhöhte Familienbeihilfe, so als ob sie Kind blieben. Und

sie kriegen nie eine Pension – das sind aber erwachsene

Menschen.

Pflegegeld valorisieren

Was würden Sie sich in Bezug auf das Pflegegeld wünschen?

Das Pflegegeld muss valorisiert werden. Das ist an sich ein

gutes System, es wurde nur sehr selten angepasst und im

Laufe der Zeit hat es mindestens 30 Prozent an Wert verloren.

Eine Anpassung des Pflegegeldes wäre vorrangig. Dazu

gehört ein starker Ausbau der Leistungen für pflegende Angehörige.

Sie werden stark von der Pflege in Anspruch genommen.

Zwischen der mobilen Betreuung und der 24-Stunden-Betreuung

gehört eine Zwischenstufe eingebaut: eine

Betreuung, die nicht 24 Stunden umfasst, aber mehr als zwei

bis drei Stunden pro Tag. Da gehört ein neues Angebot gestrickt,

für mehrere Stunden pro Tag, um die Leute möglichst

lange zu Hause leben lassen zu können.


BALANCER 73, 3/2018 interbalance 21

Ab Juli 2018 gibt es ein neues Erwachsenenschutzgesetz,

das mehr Mitbestimmung für Menschen mit Behinderungen

vorsieht. Wie schätzen Sie das neue Gesetz ein?

Ja, es wird kommen. Vor einigen Monaten gab es eine gewisse

Aufregung, weil das Justizministerium offenbar aus Geldmangel

überlegt hat, dieses Gesetz zu verschieben. Dank der

schnellen Reaktion der Behindertenverbände – und auch

meiner Person – ist es gelungen, das Gesetz doch mit 1. Juli

2018 in Kraft treten zu lassen. Das Geld ist jetzt verfügbar.

Der Prozess zum neuen Gesetz hin war vorbildlich, sehr partizipativ,

d. h. die Betroffenen waren stark eingebunden, mit

vielen Arbeitsgruppen. Das Gesetz ist auch inhaltlich sehr

gut und entspricht der UN-Konvention, wenn man sagt: so

viel Selbstbestimmung wie möglich und so wenig Fremdbestimmung

wie nötig. Das bisherige System der Sachwalterschaft

geht eher davon aus, dass ich meine Rechte verliere,

während ein anderer in meine Rechte eintritt und ich die

Geschäftsfähigkeit abgeben muss.

Was ist neu bei der Sachwalterschaft?

Neu ist, dass ich durch Unterstützungsstrukturen, durch Beratung,

viel mehr Dinge selbst entscheiden und regeln darf.

Das ist natürlich viel besser. Ein echter Fortschritt ist die Befristung

der Sachwalterschaft, der Sachwalter kann nicht bis

auf alle Ewigkeit bestellt werden. Nach drei Jahren zum Beispiel

muss die RichterIn noch einmal hinschauen, ob die

Sachwalterschaft wirklich benötigt wird oder ob sich eine

Entwicklung eingestellt hat, die mehr Selbstbestimmung

ermöglicht. Das ist natürlich mit mehr Arbeit für die RichterInnen

verbunden, da braucht es auch mehr Planstellen.

Wie ändert man die Einstellungen? Das ist ja schwieriger

als Gesetze zu ändern.

Ja, das ist schwieriger. Das geht nur, indem ich gute Beispiele

vorzeige und sage: so geht es auch. Es gibt ja viele gute Beispiele.

Etwa: Menschen, die Autismus haben, sind zwar in

ihrem sozialen Verhalten ungewöhnlich und schwierig zu

integrieren. Aber in bestimmten Feldern, wenn es gilt, über

längere Zeit dieselben Dinge genau zu tun und dabei keine

Fehler zu machen, sind AutistInnen hervorragend.

Was ist Ihnen im Kontext mit den Rechten von Menschen

mit Behinderungen noch wichtig?

Das Thema Frauen mit Behinderungen, weil Frauen doppelt

benachteiligt werden. Etwa im Erwerbsleben. Frauen haben

deutlich weniger Gehalt als Männer und Frauen mit Behinderungen

sind nochmals schlechter dran. Man sollte in

nächster Zeit besonders auf die Problemlagen von Frauen

mit Behinderungen achten, das ist in der aktuellen Politik

etwas unterbelichtet. Insgesamt sprechen wir von rund

1,3 Millionen ÖsterreicherInnen, die sich selbst als behindert

bezeichnen. Das sind rund 18 Prozent der Bevölkerung, das

sind auch viele WählerInnen. Die Politik ist nicht gut beraten,

wenn sie diese WählerInnen ignoriert.

Sie sehen das neue Gesetz positiv bezüglich der Sachwalterschaft?

Grundsätzlich halte ich es für sehr gut. Wenn es auch gelebt

wird, ist es positiv. Die bisherige Rechtslage war auch nicht

so schlecht, wie sie gelebt wurde. Die RichterInnen haben es

sich oft einfach gemacht und Sachwalterschaft für alle Angelegenheiten

verhängt, sozusagen, ohne wirklich zu prüfen,

ob der konkrete Mensch das tatsächlich braucht. Es

hängt also viel von der Vollziehung des neuen Gesetzes ab.

Schwächen und Stärken

In welchem Land sind die Rechte von Menschen mit Behinderungen

besser umgesetzt?

Traditionell sind das Staaten wie Schweden, Finnland und

Norwegen, die meist ein wenig besser sind als die Staaten in

Mitteleuropa. Wir haben noch immer ein bisschen die

Grundlogik, dass Menschen mit Behinderungen den Staat

als Hilfsorgan brauchen. Wir haben in Österreich noch nicht

so ganz verinnerlicht, dass die Menschen selbst bestimmen

können sollen und selbst ihre Entscheidungen treffen sollten.

Dieser Paradigmenwechsel ist in den Gesetzen zwar

schon verankert, aber in der Realität noch nicht ganz. Ich

halte es für ganz wichtig, die Barrieren in den Köpfen zu beseitigen.

Wenn ich bei einem Menschen sofort an seine

Schwächen denke, dann komme ich nicht weiter. Jeder

Mensch hat Schwächen und jeder Mensch hat Stärken.

Zur Person

Der Jurist Hansjörg Hofer ist seit Mai 2017 Behindertenanwalt.

Davor war er für mehr als 30 Jahre im Sozialministerium

tätig, zuständig für die berufliche

und gesellschaftliche Integration von Menschen mit

Behinderung.

www.behindertenanwalt.gv.at

Kontakt: Tel.: 0800 80 80 16

E-Mail: office@behindertenanwalt.gv.at


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Kommentar

BALANCER 73, 3/2018

sozial – sozialer –

sozialstaat

„Wir leben in einem Sozialstaat“ ist ein Stehsatz,

der häufig in den verschiedensten Zusammenhängen

fällt – Versuch einer Spurensuche,

was dieser Satz für uns bedeutet …

Von Christian Zuckerstätter

Für mich zählt das Leben in einem Sozialstaat zu den

wesentlichsten Faktoren meiner hohen Lebensqualität

und zu den größten Errungenschaften des österreichischen

Staates. Es finden sich auch im europäischen

Vergleich nur wenige Staaten, in denen dies in ähnlicher

Form ausgeprägt ist und so gut funktioniert wie

in Österreich.

Krasses Gegenbeispiel unter den „entwickelten“

Industrieländern sind die Vereinigten Staaten von Amerika.

Wenngleich Barack Obama in seinen zwei Amtsperioden

Enormes geleistet hat, um die USA auf die „Überholspur“

zu bringen, wird all dies von seinem Nachfolger,

dessen Namen zu tippen sich meine Finger weigern,

in dicken Scheiben abgetragen und wieder rückgängig

gemacht. Schade, schade, schade … nicht nur für das

amerikanische Volk, sondern für die ganze Welt …

Das gefährliche populistische Spiel

mit einem großen Erbe

Stark geprägt wie von keinem anderen wurde die Rolle

des Sozialstaates in Österreich von Bruno Kreisky. Seine

Handschrift wirkt noch lange nach seinem Abgang von

der politischen Bühne und lange nach seinem Ableben

nach. Bis vor kurzem wurde sein Vermächtnis von seinen

– politisch fast durchwegs im gleichen Boot wie

er sitzenden – NachfolgerInnen gut, respektvoll und

zweckdienlich verwaltet und fortgeführt.

Bei der vergangenen Wahl allerdings hat in Österreich,

wie in vielen anderen wohlhabenden Ländern

zuvor, der Populismus über die zielgerichtete Sachpolitik

gesiegt. Dass dies möglich war und ist hat einen

ebenso einfachen wie traurigen Grund: je besser es

den Menschen geht, umso leichter neigen sie zur Unzufriedenheit

– und damit haben die PopulistInnen leichtes

Spiel. Sie zündeln, fachen die Unzufriedenheit der

Menschen weiter an und erreichen damit tatsächlich

ihr einziges Ziel: an die Macht zu kommen. Dort angelangt

ist ihr Spiel mit einem Mal zu Ende. Sie grinsen

bei jedem Presseauftritt wie frischlackierte Hutschpferde

in die Kameras und beschränken ihr pubertäres

Sprücheklopfen auf gelegentliche Anlässe. Damit haben

sie allerdings zumeist „Erfolg“ und sorgen in Nachbarländern

für gehörige Irritierung! Man kann nur inständig

hoffen, dass die Mehrheit der WählerInnen

dieses ganz und gar unwürdige Spiel durchschaut und

eine Wiederwahl unmöglich macht. Jetzt aber wieder

zurück zum Thema:

Das Wesen des Sozialstaates

Im Grunde ist es ein ganz einfaches Grundprinzip, das

das Wesen des Sozialstaates ausmacht: es sorgt nicht

jeder für sich, sondern es sorgen alle für alle! Das klingt

sehr einfach, ist es im Prinzip auch, wenn eine wesentliche

Grundvoraussetzung erfüllt ist: das Verständnis

des Großteils der BürgerInnen des betreffenden Staates

für eben dieses Grundprinzip! Und da wird es haarig.

Wenn eine Populismus-Partei es versteht, sich die

„Wieso soi i fia den zoin“-Mentalität mancher MitbürgerIn

zunutze zu machen und weiter zu schüren ... und

dadurch – das Bedürfnis nach Unzufriedenheit bestens

bedienend – sogar mit der Regierungsbildung beauftragt

wird, dann ist es Schluss mit lustig.


BALANCER 73, 3/2018 23

Kommentar

Nachdem populäre Wünsche wie „Wir wolln weiter

im Wirtshaus rauchen“ oder „Wir wolln schneller Auto

fahren“ wider jede Vernunft erfüllt werden, geht es

daran, die Ziele des konservativen Koalitionspartners

umzusetzen. Und da geht es den guten alten Errungenschaften

des sozialstaatlichen Prinzips schnell an den

Kragen. Das geht ohne Zeit zu verlieren vor sich. Tag für

Tag folgt in den Nachrichten eine Hiobsbotschaft der

nächsten. Wer gesehen hat, wie sich der frühere Wirtschaftskammer-Chef

Christoph Leitl im ZIB-Interview

wie ein kleiner Junge über die neue Regierung gefreut

hat, wusste gleich, wer jetzt die Hosen im Land anhat.

Es ist wieder mal ...

Zeit für Widerstand

Es ist sehr viel, was es jetzt zu verteidigen gilt. Viele der

sozialen Errungenschaften, die unser Land so „klein,

aber oho“ gemacht haben werden jetzt zur Zielscheibe

machtpolitischer Wirtschafts-Interessen. Und es ist

höchst an der Zeit, sich dem entgegenzusetzen. Denn

wirtschaftlicher Erfolg resultiert nicht daraus, dass alle

wirtschaftlichen Interessen durchgeboxt werden, sondern

daraus, dass ein soziales Klima herrscht, in dem

sich ALLE wohlfühlen – ein durch und durch sozialstaatliches

Prinzip! Und bestimmt ein „Geheimnis“ des erfolgreichen

österreichischen Weges.

„Sich dem entgegenzusetzen“ hat naturgemäß

viele Gesichter. Wenn mir auf der Straße etwa ein Flugblatt

mit dem fetten Titel „Randale gegen schwarzblau“

in die Hand gedrückt wird, denk ich mir „aha!“,

fühl mich aber nicht wirklich angesprochen. Erfreulich

daran finde ich, dass sich mehr und mehr kleinere Gruppierungen

Gedanken dazu machen, wie es mit unserem

Land weitergehen soll ... und die Initiative ergreifen.

Denn eine Legislaturperiode kann – wenn der politische

Wind immer rauer wird – ganz schön lang werden ... die

nächsten Wahlen sind somit noch fern. Bis dahin bleibt

die Straße für politische Kundgebungen und Unmutsäußerungen,

idealerweise ohne aggressive Rhetorik!

Auf politischer Ebene tut sich auch einiges. Die

SPÖ in der gänzlich ungewohnten Oppositionsrolle, die

NEOS und die (grüne) Liste Pilz machen laufend mit

sachlich fundierten, kritischen Wortmeldungen auf

sich aufmerksam und halten damit den Glauben an

den österreichischen Sozialstaat am Leben! Ein sehr guter

und sehr, sehr wichtiger Beitrag in der derzeitigen

politischen Landschaft. Und ein kompletter Rollentausch:

bis vor kurzem wurde auf Regierungsebene

Sachpolitik betrieben und in der Opposition blaues Gemecker.

Dafür ist jetzt in der Regierungsrolle freilich

kein Platz mehr. Das wird aber Stimmen kosten, war ja

das „Dagegensein“ der einzige Programmpunkt der

früheren Oppositionspartei ... sowohl ein Anlass zu Sorge,

wie jetzt auch ein berechtigter Anlass zur Hoffnung!

Der Sozialstaat auf dem Weg

ins Morgen ...

Es ist heute augenscheinlich, dass sich der Sozialstaat

wandeln muss. Damit meine ich freilich nicht, dass

man sich dem egozentrischen „Ich bin ich“-Diktat, das

in der „wohlstandsverwahrlosten“ Gesellschaft leider

mehr und mehr um sich greift, fügen soll. Sondern im

Gegenteil: um nicht an Wert einzubüßen, ist es höchst

an der Zeit, Wege zu finden, aktuelle Trends bzw. Entwicklungen,

wie allem voran die allgegenwärtige

Digitalisierung, mit zu bedenken und konstruktiv in

das sozialstaatliche Prinzip einzubeziehen. Das klingt

womöglich geschwollen, ist auf jeden Fall eine große,

nicht leicht – mit „Jo, so und so moch ma des“ – zu bewältigende

Aufgabe.

Um sich dieser großen Herausforderung zu stellen,

wäre es zielführend, eine Kommission einzusetzen,

die sowohl aus Fachleuten der Praxis, also engagierten

Politikern, wie auch aus Wissenschaftlern, allem voran

PolitikwissenschaftlerInnen, besteht. Diese „Sozialstaat

morgen“-Kommission hätte die große Aufgabe,

einen Zielkatalog zu erstellen, der für die Politiker von

heute und morgen bindend sein sollte! Damit kommende

Generationen auch morgen noch in den Genuss

des Sozialstaates österreichischer Prägung kommen.

So bleibt das Ziel mehr als in jeder anderen Hinsicht:

bleiben wir auf dem österreichischen Weg!


24 POLITIK

KÖRPERBILDER BALANCER 73, 3/2018

Sozialministerin hält

40 Mio.

Euro

zurück

Auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich eine deutlich geringere

Teilnahme von Menschen mit Behinderungen:

Während 55,9% der Personen mit Behinderungen im Alter

von 15–64 Jahren erwerbstätig bzw. Arbeit suchend

waren, betrug dieser Anteil bei Menschen ohne Behinderungen

in der gleichen Altersgruppe 77,1%. Auch Arbeitslosigkeit

ist signifikant häufiger und dauert länger

an.

Dieses Problem hatte die letzte Regierung lobenswerterweise

erkannt und so wurde eine massive Ausweitung

der Unterstützung in der Höhe von 40 Mio. für

die berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderungen

im Parlament mit Zustimmung aller Parteien

beschlossen

In einem Pressegespräch am 31. Juli 2018 erklärte

Bundesbehindertenanwalt Hansjörg Hofer, dass er auf

seine Anfrage nach der Verwendung der 40 Mio. Euro

von der Sozialministerin bisher noch keine zufriedenstellende

Antwort bekommen hätte.

Die Vorschläge für ein Maßnahmenpaket lägen auf

dem Tisch und seien ausgearbeitet. Initiativen, welche

verstärkt Anreize für Anstellungen von Menschen mit

Behinderungen der Wirtschaft damit geboten werden

könnten, könnten mit diesem gewidmeten Geld umgehend

umgesetzt werden, doch die Sozialministerin gibt

das Geld nicht frei. Die Behindertenanwaltschaft und

die Bundesgemeinschaft Freie Wohlfahrt fordern daher

Bundesministerin Hartinger-Klein dringend auf, mit

dem Geld endlich ein Maßnahmenpaket zu schnüren

und in die Umsetzung zu gehen.

Menschen mit Behinderungen sind ohnehin von den

in letzter Zeit beschlossenen Maßnahmen stark betroffen,

z. B. durch die Rücknahme der Aktion 20.000 für

ältere ArbeitnehmerInnen über 50 Jahre, unter welchen

ca. 25% Menschen mit Behinderungen oder chronisch

Kranke sind, die davon profitiert hätten oder die Kürzung

der Mindestsicherung, die ebenfalls Menschen mit

Behinderungen trifft. (heh)

Sparpolitik:

Sinkt die

Qualität

in der

Betreuung?

Jahrelange Einsparungen gefährden menschenwürdige Betreuung von

Menschen mit Behinderungen. Die Lebens- und Betreuungsqualität von

rund 7.000 Menschen mit Behinderungen in Wien stehen angesichts

langjähriger Einsparungen durch die Stadt Wien auf dem Spiel. Darauf

wies die Interessensvertretung sozialer Dienstleistungsunternehmen für

Menschen mit Behinderung, IVS Wien (Interessensvertretung der sozialen

Dienstleistungsunternehmen in Wien), am 16. Mai 2018 im Rahmen einer

Pressekonferenz hin.

Von Helga Hiebl

Die IVS-Vorstände Robert Mittermair, Marion Ondricek und Wolfgang Waldmüller

betonten, dass bis Ende 2019 an die 428.000 Leistungsstunden für

Betroffene gestrichen werden müssen bzw. 440 MitarbeiterInnen im Wiener

Behindertenbereich ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn die Stadtregierung

die geplanten Kürzungen nicht zurücknimmt.


BALANCER 73, 3/2018 POLITIK 25

KOSTENSTEIGERUNGEN WERDEN SEIT

JAHREN NICHT ABGEDECKT

Seit 2007 kämpfen die Organisationen der Wiener Behindertenhilfe

mit einer chronischen Unterdeckung ihrer Budgets,

da der Fonds Soziales Wien, FSW, die jährlichen Kostensteigerungen,

die auf Grund kollektivvertraglicher Vorschriften

und im Sachbereich entstehen, aus Gründen der Budgetkonsolidierung

nicht abdeckt. Für 2018 wurden die Kostensätze

für die Betreuung und Begleitung von Menschen mit Behinderungen

nur um 1% erhöht. „Angesichts der Tatsache, dass

die realen Kostensteigerungen 2,5–3% pro Jahr betragen, ein

Schlag ins Gesicht der Menschen mit Behinderungen, der zu

deutlichen Einbußen in der Qualität der Betreuung führen

wird“, so Robert Mittermair, Vorstandssprecher der IVS Wien,

die 17 Organisationen der Wiener Behindertenhilfe vertritt.

Betroffen sind 6.920 Menschen mit Behinderungen, die von

4.450 MitarbeiterInnen der privaten Trägerorganisationen

Wiens täglich gepflegt, betreut, unterstützt und begleitet

werden.

50% WENIGER LEBENSQUALITÄT FÜR

MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN

„In Wien droht ein nicht menschenrechtskonformer Rückbau

der Betreuung von Menschen mit Behinderungen in

Richtung „warm, satt und sauber“. Vier Prozent Unterdeckung

beim Budget für 2018 und 2019 bedeuten in der Praxis

50% weniger Lebensqualität für die knapp 7.000 betroffenen

Menschen mit Behinderungen. Vor allem individuelle

Angebote, die 1:1-Betreuung erfordern, wie z. B. die Begleitung

zu Treffen mit Freunden oder zu Arztterminen müssen

bei personellen Einsparungen als erstes gestrichen werden“,

so Wolfgang Waldmüller, Vorstand IVS Wien.

Iris Kopera, Mitarbeiterin im Leitungsteam des Selbstvertretungszentrums

für Menschen mit Lernschwierigkeiten,

spricht aus eigener Erfahrung: „Wenn noch mehr Geld

gekürzt wird, werden die Menschen noch systematischer

behandelt und ihre Bedürfnisse noch weniger beachtet. Für

Menschen im Wohnbereich ist nicht genug Zeit, um selbst

zu bestimmen, wann sie sich pflegen und waschen können.

Aber das ist ein Grundbedürfnis jedes Menschen!“

KRANKSPAREN FÜHRT ZU KÜNDIGUNGEN

UND MASSIVEM ARBEITSDRUCK

Durch die Einsparungen steigt der Arbeitsdruck auf die

4.450 MitarbeiterInnen der Behindertenhilfe Wiens massiv.

„Die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen und psychischen

Erkrankungen ist intensiv sowie herausfordernd und

verlangt enorme Flexibilität. Während in fast allen Bundesländern

im Gesundheits- und Sozialbereich die Gehälter für

MitarbeiterInnen im öffentlichen Bereich erhöht wurden,

werden in Wien heuer nicht einmal die kollektivvertraglichen

Erhöhungen für die Beschäftigten des privaten Behindertenbereiches

– und die Wiener Behindertenhilfe besteht

ausschließlich aus privaten Organisationen – finanziert. Wir

sehen nicht ein, dass MitarbeiterInnen der privaten Dienstleistungsorganisationen

im Wiener Behindertenbereich

schlechtergestellt sind als das Personal der Stadt Wien und

fordern für gleiche Leistung gleichen Lohn“, so Marion Ondricek,

IVS-Vorstand.

MENSCHENWÜRDIGE BETREUUNG MUSS

STADT WIEN ETWAS WERT SEIN

Für Waldmüller ist nicht nachvollziehbar, warum in Zeiten

der Hochkonjunktur bei einer hochgradig vulnerablen und

unterstützungsabhängigen Gruppe von Menschen gespart

werden soll. „Vom angekündigten Sparpaket sind Menschen

mit Behinderungen direkt und unmittelbar betroffen. Budgetziele

auf dem Rücken der Schwächsten, die sich offensichtlich

nicht wehren können, zu erreichen, darf nicht im

Interesse einer Stadt sein, die soziale Verantwortung seit

über 100 Jahren zum handlungsleitenden Prinzip macht!

Die menschenwürdige Betreuung von Menschen mit Behinderungen

muss der Stadt Wien etwas wert sein!“

Die IVS Wien fordert daher die neue Stadtregierung auf,

die geplanten Kürzungen zurückzunehmen und konstruktiv

mit den Organisationen der Wiener Behindertenhilfe über

ihre Kostensätze zu verhandeln. (APA ots / ivs wien / heh)

IVS WIEN – DATEN UND FAKTEN

Die „Interessensvertretung sozialer Dienstleistungsunternehmen

für Menschen mit Behinderung“, IVS Wien, wurde 2011

gegründet. Sie gestaltet und entwickelt verbesserte Rahmenbedingungen

für die Betreuung von Menschen mit Behinderungen.

Die IVS Wien besteht aus 17 Wiener Sozialeinrichtungen,

die 3.200 qualifizierte MitarbeiterInnen beschäftigen,

welche täglich Unterstützungsleistungen für rund 4.350

Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen

im Auftrag der Stadt Wien erbringen. Mitglieder sind die

Assist GmbH, die Auftakt GmbH, der Verein BALANCE, Das

Band, die Caritas Wien, der Verein GIN, die HABIT GmbH, der

Verein Humanisierte Arbeitsplätze, die ITA GmbH, die KoMIT

GmbH, der Verein Lebenshilfe Wien, der Verein LOK, die ÖHTB

Arbeiten GmbH, die ÖHTB Wohnen GmbH, der Verband ÖVSE

– SHT, der Verein Rainman‘s Home und der Verein Sozialtherapeutische

Lebens- und Arbeitsgemeinschaft. www.ivs-wien.atv

V. l. n. r.: Marion Ondricek, IVS-Vorstand, Iris Kopera, Mitarbeiterin

im Leitungsteam des Selbstvertretungszentrums für Menschen mit

Lernschwierigkeiten, Robert Mittermair, Vorstandssprecher der IVS Wien,

Wolfgang Waldmüller, Vorstand IVS Wien. Fotoc: Christian Novak


26

Kommentar

BALANCER 73, 3/2018

Schnittblumen

Pro

von Cornelia Renoldner

Natürlich ist mir ein Blumengarten lieber als eine Blume

oder ein Blumenstrauß in der Vase, überhaupt ein Garten

mit allem … Obstbäume, Büsche mit Beeren und welche

mit Blüten, Kräuter, Gemüse UND Blumen.

Aber eine Blume macht ein Zimmer, das mit Büchern

und Krimskrams angeräumt ist, wie auch eines, in dem

es nur Bett, Tisch, Sessel und Kasten gibt, lebendig und

bewohnt. Die Schnittblume, wiewohl von ihren Wurzeln

abgeschnitten, wird, im Wasser stehend, doch noch mit

Nährstoffen versorgt – Schnittstelle zwischen Natur und

Kultur … wie wir selbst.

Und eine Blume oder ein Strauß ist DAS Geschenk!

Macht nicht dick und nicht besoffen, ist nicht das Buch,

das die Beschenkte schon gelesen hat oder nie lesen will,

steht nicht auf Dauer herum und staubt ein, sondern

verwelkt, kann dann immer noch erfreuen, getrocknet

und weiterverschenkt werden oder dann doch herumstehen

und einstauben, aber auch ohne schlechtes Gewissen

entsorgt werden. Blumen können ein sehr persönliches,

ja intimes Geschenk sein, ebenso eine herzliche,

nicht zum Wiederschenken „verpflichtende“ Gabe

für eine fremde Person sein.

Aber es kann auch heikel sein, Blumen zu verschenken

– nicht nur gibt es Menschen, die Schnittblumen verabscheuen,

es gibt auch SchnittblumenallergikerInnen –

tröstlich für mich: von beiden kenne ich nur wenige. Heikel

ist natürlich auch die Zusammenstellung … Am besten

sind sortenreine oder Jahreszeitensträuße, zu denen

auch Kräuter und Früchte gehören können, besser nicht

Zwiebelblumen und Wurzelblumen zusammen, keine

Beigaben wie Farn und Schleierkraut.

Kompliziert wird‘s, wenn eine sich auf die den Blumensorten

zugeschriebenen Bedeutungen einlässt oder

sie im Gegensatz zur Beschenkten nicht kennt – rote Rosen

= Liebe … Narzissen = Respekt … roter Mohn = Lebenslust

… orange Lilie = Hass, Rache … gelbe Tulpe = einseitige

Liebe … im Zweifelsfall rate ich dazu, das Hanakotoba-

Lexikon zu benutzen!

Und sich selber Blumen schenken geht auch – sie haken

sich so oder so in mein Leben ein und bekommen die

für mich eigene Bedeutung. Zum Beispiel: „… es echauffierte

mich, dass die tiefrote Rose im Glas sich über Nacht

in eine schwarze Rose verwandelt hatte, sie hatte aber

ihren zauberhaften Duft bewahrt: mentales Geheimnis

etc.“, Friederike Mayröcker in „Pathos und Schwalbe“,

meinem ersten Urlaubstagebuch.

Hier im Urlaubsquartier mit Blick auf eine Blumenwiese,

Kirschbäume, Heckenrosen und Holunderbüsche

brauch auch ich keine Blumen in der Vase … wie eine

Freundin, die am Land lebt, in deren Haus es keine Blumen

in der Vase und keine Topfpflanzen gibt. Die Pflanzen

hab ich ja vor der Tür, sagt sie und dahin geht sie mit

ihrem Morgenkaffee. Wenn sie bei mir ist, geht sie mit

ihrem Kaffee runter in den Park, weil sie den ersten Kaffee

unter einem Baum trinken muss.

Aber da sind wir schon bei den Bäumen … die sind

natürlich noch besser als Blumen und Natur draußen allemal

besser als drinnen.

Contra

von Helga Hiebl

Ich gestehe, ich verfasse dieses Contra nur, weil derjenige,

der ihn eigentlich verfassen wollte, ausgefallen ist.

Daher vorweg: Ich mag an sich Blumen auch zuhause in

der Vase, aber der Kult, das Übermaß und das Inflationäre

daran lehne ich ab. Blumen schenken bei jeder Gelegenheit

aus Verlegenheit? Ist es Einfallslosigkeit? Alles

in der Natur, das gefällt, einfach abreißen und mitnehmen?

Ist es Ignoranz?

Es gibt viele Argumente, Blumen dort zu lassen, wo

sie hingehören, nämlich auf die Wiese, in die Natur. Viele

Menschen erkennen nicht oder wollen nicht erkennen,

welche Blumen bereits geschützt sind und pflücken alles

ab, was gefällt. Das ist nicht nur fahrlässig und verboten,

sondern zudem höchst egoistisch.

Gekaufte Schnittblumen haben zudem immer etwas

Aufgeladenes, für mich meistens zu feierlich oder zu

morbid. Und dann noch diese unseligen Botschaften:

Schenkst du gelbe Rosen bist du eifersüchtig, magst du

weiße Lilien, dann ab mit dir auf den Friedhof, denn das

sind Friedhofsblumen.

Und wer denkt schon an die Produktionsbedingungen

in Afrika, wo unsere so wunderschönen Rosen herkommen?

Insgesamt landen jährlich etwa 85 Prozent der

kenianischen Schnittblumen in europäischen Wohnungen.

Wer heute bei uns eine Rose kauft, kann fast sicher

sein, dass sie aus Kenia stammt. Aufgrund des steigenden

Bedarfs an Frischwasser für die Schnittblumenindustrie

drohen Seen in Trockenperioden auszutrocknen.

Die daraus entstehenden Probleme für die lokalen Ökosysteme,

die Landbesitzer und Kleinbauern sind verheerend.

Wer Blumen verschenkt, will ja anderen eine Freude

machen und damit nicht gleichzeitig Umweltzerstörung

und Ausbeutung unterstützen, also wenn es schon sein

muss und soll, dann bitte nur bei wirklich besonderen

Gelegenheiten und dann am besten nicht einfach irgendwelche

Blumen, sondern zum Beispiel regionale

Blumen, Bio-Blumen oder Fair-Trade-Blumen.


BALANCER 73, 3/2018

Veranstaltungen

27

Impressum

Medieninhaber, Herausgeber, Verleger:

Verein BALANCE – Leben ohne Barrieren, 1130 Wien,

Hochheimgasse 1,

T 01/8048733-8105, F DW 8050

E-Mail: h.hiebl@balance.at

Internet: www.balance.at

Chefredaktion: Mag. Helga Hiebl

Redaktion: David Galko, Iris Kopera,

Mag. Jürgen Plank, Cornelia Renoldner, Mag. Andrej Rubarth,

Andreas Tettinger und Brigitte Wallner, Pia Wolf, Christian

Zuckerstätter

Versand: Tagesstruktur-Standort ELF

Grafische Gestaltung: Frau Ober

Redaktionsadresse: Zeitschrift Balancer, Hochheimgasse 1, 1130

Wien,

T 01/804 87 33-8105,

E-Mail: h.hiebl@balance.at

Erscheinungsweise: 1/4-jährlich

Erscheinungsort: Wien

Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: Eigentümer: BALANCE,

gemeinnütziger, überparteilicher, nicht-konfessioneller Verein.

Vorstand: OSR, Dir. Rudolf Wögerer, Obmann; SD Edeltraut

Frank-Häusler, Obmann Stellevrtreterin; Marianne Kühtreiber,

Obmann Stellvertreterin; Dr. Karl Katary, Schriftführer; Irmtraut

Vaclavic, Schriftführer Stellvertreterin; Gertrud Bartsch,

Kassierin; SenRat DI Harald Haschke, Kassierin Stellvertreter;

Dipl.-Vw. Herbert Kopper; Leo Josef Neudhart; Susanne Pisek;

Dr. Wilhelm Holubetz, Irene Pautsch

Geschäftsführung: Marion Ondricek,

Blattlinie: Der „Balancer“ berichtet als Fach- und

Vereinszeitschrift über die Aktivitäten von BALANCE, bekennt

sich zu dessen Leitbild und Grundsätzen und thematisiert

besonders relevante Themen und Ereignisse, die Menschen

mit Behinderungen betreffen. Der „Balancer“ folgt

inhaltlich dem Bekenntnis des Art. 7 der Bundesverfassung,

nach welchem es ein Grundrecht aller Menschen ist,

gleichberechtigt und ohne Diskriminierung zu leben.

Veranstaltungen

A NEW PERSPECTIVE

Ausstellung Führung

Führung durch die Ausstellung von Christoph Speich.

bildBalance Wien „... inspiriert von Klimt und Schiele“

Termin: Montag, 3. September 2018, 18:00

Ort: LE MERIDIEN WIEN

Artist’s Space, Etage -1

Robert Stolz Platz 1

A-1010 Wien

Die Ausstellung läuft bis Mitte September 2018,

Öffnungszeiten 0:00-24:00

15 Jahre Tagesstruktur

Fuchsenfeld

Termin: Donnerstag, 27. September 2018, 17:00

Ort: Tagesstruktur-Standort Fuchsenfeld,

Fockygasse 52, 1120 Wien

Offenes Atelier 2018

bildBalance Wien

Termin: Dienstag, 23. Oktober 2018, 17:00

Ort:

bildBalance Atelier Wien, Tagesstruktur-

Standort Fuchsenfeld, Fockygasse 52, 1120

Wien

Inklusive Redaktion: Als Grundvoraussetzung für eine zukünftige

inklusive Gesellschaft werden Selbstbestimmung und

Selbsttätigkeit der BALANCE-KlientInnen unterstützt. Gemäß

diesem Anspruch setzt sich das Redaktionsteam des „Balancers“

zu gleichen Teilen aus BewohnerInnen, Tagesstruktur-

TeilnehmerInnen und MitarbeiterInnen zusammen.


BALANCE Design und Handwerk

BALANCE Design und Handwerk

Originelle

Grußkarten

zum Aufklappen mit Kuvert

Gerade in unserer Zeit, in der alles

„schnell-schnell-mal“ verschickt wird

– als Kurznachricht, E-Mail oder Fax

– ist ein Brief oder Kärtchen wieder

etwas ganz Besonderes. Jede unserer

originellen Karten ist einzigartig als

Collage gestaltet, somit findet sich

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01/ 817 93 44-13

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1220 Wien

1120 Wien

01/209 37 31

01/ 817 93 44-13

www.balance.at

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Verein BALANCE – Leben ohne Barrieren

Hochheimgasse 1, 1130 Wien

Bankverbindung Spendenkonto:

Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG

UID: ATU38152717

BIC RLNWATWW, IBAN AT96 3200 0000 0747 9868

Spenden an BALANCE sind absetzbar: SO 1481

Österreichische Post AG /

Sponsoring.Post

GZ: 08Z037718S

Nr. 73/2018, Jahrgang 21

Verlagspostamt 1130 Wien

Erscheinungsort Wien

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