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KOMMUNIKATIONS-<br />
PROBLEME<br />
ZWISCHEN<br />
MENSCH<br />
UND<br />
HUND<br />
Diplomarbeit von Manuela Haring
INHALTSVERZEICHNIS<br />
Vorwort<br />
„Stimmentier“ Mensch<br />
-Kommandos<br />
-Stimmvariation<br />
-Kommentieren<br />
„Körpersprachler“ Hund<br />
-Knurren<br />
-Wedeln<br />
Häufige Missverständnisse<br />
-Ignorieren<br />
-Widersprüchlichkeit<br />
-Beispiele<br />
Hundeerziehung<br />
-Vergleich Mensch und Hund<br />
-Guter Chef/schlechter Chef<br />
Fazit<br />
Literaturempfehlungen
VORWORT<br />
Diese Arbeit soll ein Versuch sein, auf einige Unterschiede in der<br />
menschlichen und tierischen Ausdrucksweise hinzuweisen und ein<br />
grundsätzliches Verständnis dafür zu wecken, dass eine Vielzahl von<br />
Verhaltensauffälligkeiten beim Hund erst durch Missverständnisse und<br />
Fehlinterpretationen zustande kommen, wobei dem menschlichen<br />
Fehlverhalten ein sehr gewichtiger Anteil zukommt.<br />
Sei es weil wir unsere vierbeinigen Mitbewohner nur schlecht oder gar nicht<br />
lesen können oder weil wir uns widersprüchlich ausdrücken, oder weil wir<br />
Menschen zu sehr darauf fixiert sind, wie ein „guter“ Hund zu sein hat und<br />
darüber aber die individuellen Unterschiede und Bedürfnisse der jeweiligen<br />
Hundepersönlichkeit vergessen.<br />
Sie soll auch eine Aufmunterung sein, von der bisherigen allzu<br />
menschlichen Betrachtungsweise abzukommen und sich auf die Sprache<br />
des Hundes einzulassen.<br />
Oftmals müsste sich Mensch nur fragen:<br />
„Was hätte die Hundemutter / der Hunderudelanführer getan, um das<br />
Gewünschte zu erreichen?“<br />
um zu erkennen, wie konträr zur hundlichen Konversation unsere<br />
Ausdrucksweise ist, und um zu begreifen, welch Meisterleistung unsere<br />
Hunde doch vollbringen, da sie uns trotzdem verstehen.<br />
Hunde sind wahrlich Einserschüler im Lernen der Fremdsprache Mensch<br />
und verzeihen uns die meisten Fehler unserer stümperhaften<br />
Ausdrucksweise.<br />
Sie sind sogar in der Lage, unsere oftmals divergente Körpersprache zu<br />
ignorieren und unserer stimmlichen Forderung nachzukommen, weil sie
gelernt haben, dass wir unserer Stimme mehr Gewicht beimessen, obwohl<br />
sie selbst hauptsächlich mit ihrem Körper sprechen.<br />
Sie lernen unsere Widersprüchlichkeiten zu tolerieren und trotzdem das für<br />
uns Richtige auszuführen.<br />
Würden wir Menschen ebenso tolerant, einfühlsam und respektvoll über<br />
die vermeintlichen Fehler unserer Hunde hinwegsehen und artgerechter<br />
mit unseren vierbeinigen Freunden kommunizieren, gäbe es ungleich<br />
weniger Probleme mit verhaltensauffälligen Hunden.<br />
Außerdem appelliere ich daran ALLE Ausdrucksweisen des Hundes mit all<br />
seinen Nuancen zu respektieren – auch die vermeintlich „bösen“ Signale<br />
wie zum Beispiel das Knurren – denn sie sind auch nur ein Teil des gesamten<br />
Repertoire der Hundesprache. Sollten sie zum Einsatz kommen, wird der<br />
Hund einen triftigen Grund dafür haben.<br />
Wenn er also ein heftiges „Nein“ sagen muss und knurrt, sollten wir die<br />
Ursache suchen und diese beseitigen,nicht nur das Symptom bekämpfen.<br />
Beobachtet man Hunde im Gespräch<br />
miteinander, so wird man feststellen<br />
können, dass hier die gesamte Bandbreite<br />
Verwendung findet – auch das Knurren –<br />
ohne das danach jemand verwirrt,<br />
nachtragend oder gar verängstigt wäre – es<br />
werden nur Fronten geklärt.
„STIMMENTIER“ MENSCH<br />
Wir Menschen drücken uns untereinander in erster Linie mit unseren<br />
Worten, mit unserer Stimme aus. Nur nebenbei und unbewusst spricht<br />
unser Körper mit.<br />
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass in den letzten Jahren dem<br />
bewussten Einsetzen unserer Körpersprache immer mehr Gewicht<br />
zukommt, wobei oftmals genau hier bereits eine Diskrepanz vorliegt<br />
zwischen unserem bewussten und dem unbewussten Ausdruck weil wir<br />
allzu oft nachdenken müssen, welche Geste, welche Mimik denn nun die<br />
passende wäre.<br />
Mit unseren Worten schwingen aber auch Emotionen mit, und dass ist<br />
wiederum in der stimmlichen Konversation mit unseren Hunden von<br />
großer Bedeutung, da sie nicht den Wortsinn erfassen, sondern die<br />
dahintersteckende Emotion.<br />
Zur Verdeutlichung:<br />
Sagt man „du bist der süßeste Hund der Welt“ mit einer wütenden<br />
Stimme, so wird sich der Hund trotz des netten Wortlautes wegducken<br />
und sich fragen, was er wohl wieder angestellt hat. Spricht man dieselben<br />
Worte mit der dazu passenden Emotion aus, so wird der Hund freudig<br />
wedelnd die Lobpreisung annehmen.<br />
Da unser Hauptausdrucksmittel die Stimme ist, ist es nur logisch und<br />
nachvollziehbar, dass wir sie auch im Umgang mit unseren Hunden mehr<br />
oder weniger häufig einsetzen. Hierbei sollten wir aber immer<br />
bedenken, dass für unsere Vierbeiner<br />
weniger das „WAS“ entscheidend ist, aber immer das „WIE“.
Also sind auch solche Aussagen wie „Mein Hund kommt aus<br />
Griechenland, der versteht unsere Sprache nicht“ nur Ausreden, denn<br />
dem griechischen Hund kann die Fremdsprache Mensch genauso<br />
beigebracht werden wie dem österreichischen, bulgarischen oder sonst<br />
wo herkommenden Vierbeiner.<br />
Entscheidend ist nur die richtige Übersetzung :<br />
Hunde lernen durch Verknüpfung und Wiederholung das von uns Gesagte<br />
mit dem erwünschten Verhalten in Verbindung zu bringen.<br />
KOMMANDOS<br />
Nach Meinung der alten Hundeschule sind Hunde sture<br />
Kommandoausführer, wobei diese Signalworte einsilbig, knapp und<br />
eindeutig sein und möglichst monoton ausgesprochen werden sollten.<br />
Das stimmt definitiv nicht.<br />
Selbstverständlich erleichtern wir es dem Hund allerdings, wenn wir im<br />
Lernprozess für gleiche Handlungen gleiche Worte verwenden. Wenn wir<br />
dem Hund beibringen wollen sich auf Kommando hinzulegen, sollten wir<br />
in unserer Wortwahl nicht variieren – wobei es grundsätzlich egal ist,<br />
welche Worte oder auch Sätze wir verwenden. Ganz gleich ob wir „Platz“,<br />
„Leg´ dich“, “Hinlegen“, „Bist du müde?“ oder „Raumschiff“ sagen, da der<br />
Wortsinn nicht erfasst wird.<br />
Es ist wie das Erlernen einer Fremdsprache:<br />
durch das oftmalige Wiederholen in der gleichen Situation mit dem<br />
gewünschten Verhalten wird der gewählte akustische Ausdruck verknüpft<br />
und somit zu einem Kommando. So können sich Hunde beispielsweise im<br />
Auto auch hinlegen, wenn „Ich sehe nichts“ ertönt.
Des Weiteren wird gelehrt, nicht mit dem Hund zu reden, da er sonst<br />
keinen Unterschied zwischen Gebrabbel und Kommando machen kann.<br />
Auch das ist nicht immer korrekt.<br />
Vielmehr verwirrt es so manchen Hund, wenn das sonst so gesprächige<br />
Frauchen am Hundeplatz zu einem wortkargen Zombie wird. Es kostet sie<br />
viel Energie, sich verstellen zu müssen. Dass wiederum spürt ihr<br />
vierbeiniger Freund und verunsichert ihn. Solch ein Mensch –<br />
Hundegespann wird kaum Freude an der gemeinsamen Arbeit haben.<br />
Würde Frauchen jedoch ihrem Naturell entsprechend vor sich hin und auf<br />
den Hund einbrabbeln und trotzdem zwischendrin die Kommandos klar<br />
und deutlich hervorheben, wäre das Ergebnis bestimmt für alle<br />
Beteiligten zufriedenstellender.<br />
STIMMVARIATION<br />
Unsere Stimme hat auch den wunderbaren Vorteil, dass sie auf Distanz<br />
wirksam ist, wo unsere körpersprachlichen Möglichkeiten schnell<br />
versagen, weil wir im Nutzen dieser Kommunikationsvariante oft zu<br />
unpräzise sind.<br />
Dabei sollten wir uns bewusst sein, dass wir durch die Variation unserer<br />
Stimme unglaublich viele Ausdrucksmöglichkeiten haben. Von sehr leise<br />
bis sehr laut, von zuckersüß bis aggressiv oder grantig und hier wiederum<br />
alle möglichen Kombinationen, die von unseren Hunden auch gut<br />
wahrgenommen werden, da auch ihr Gehörsinn sehr gut entwickelt ist.<br />
Wie sonst könnten sie zum Beispiel das nachhause kommende Fahrzeug<br />
des Besitzers schon wahrnehmen, noch bevor die anderen
Familienmitglieder es bemerken. Trotzdem scheinen leider viele<br />
Hundehalter zu glauben, dass ihre Hunde taub sind, da sie nur mit lauten,<br />
zum Teil gebrüllten Befehlen mit dem Hund kommunizieren, und nehmen<br />
sich dadurch selbst die Bandbreite, die die Stimmvariation bietet.<br />
KOMMENTIEREN<br />
Ein weiterer Punkt, wo wir unsere Stimme gut nutzen können ist es den<br />
Hund sozusagen vorzuwarnen, wenn wir irgendwelche Dinge an ihm<br />
manipulieren wollen. Denn selbst das Anleinen oder Geschirr/Halsband<br />
anlegen ist ein Eingriff in die Individualdistanz.<br />
Das ist besonders bei eher ängstlichen oder unsicheren Hunden und<br />
solchen mit schlimmer Vorgeschichte von Vorteil, weil sie sich dann<br />
darauf einstellen können, dass sie jetzt berührt werden.<br />
Diese Vorankündigungen lassen sich auf alle Körperteile ausdehnen und<br />
so wird auch das Pfotenputzen oder sogar das Fiebermessen beim<br />
Tierarzt zu einer erträglichen, weil vorangekündigten Handlung.
„KÖRPERSPRACHLER“ HUND<br />
Im Gegensatz zu uns Menschen besteht die Sprache des Hundes in erster<br />
Linie aus vielfältigen unterschiedlichsten körperlichen Ausdrucksweisen,<br />
von zum Teil sehr kleinen, feinen Änderungen ihrer Mundwinkel, ihrer<br />
Augen, ihrer Lider, ihrer Körperhaltung usw. – sie sprechen mit allen Teilen<br />
ihres Körpers.<br />
Zusätzlich nutzen sie auch ihre Stimme, wobei Wuffen, Brummen, Bellen,<br />
Knurren, Jaulen usw. in verschiedensten Variationen möglich ist und<br />
unterschiedlich gerne eingesetzt wird.<br />
Da im Leben in einem Hunderudel die Deeskalation ein äußerst wichtiger –<br />
überlebenswichtiger – Aspekt ist, besteht die Hundesprache aus<br />
mannigfaltigen Beschwichtigungssignalen, um Konflikte gar nicht erst<br />
aufkommen zu lassen. Diese Signale reichen von kaum wahrnehmbaren<br />
Augenbewegungen, kurzes Lecken der Lefzen, Gähnen, Zwinkern, Kopf<br />
wegdrehen, Blick „weich machen“ über den ganzen Körper abwenden,<br />
langsame Bewegungen, stehenbleiben, am Boden schnüffeln, hinsetzen,<br />
hinlegen bis zu völligem Erstarren.<br />
Und genau hier verbirgt sich im Umgang mit uns Menschen ein großes<br />
Konfliktpotential! Denn natürlicherweise bieten Hunde auch uns ihr<br />
gesamtes Repertoire an Beschwichtigungssignalen an, besonders wenn wir<br />
zum Beispiel über Gebühr streng sind oder zu viel fordern. Da wir uns leider<br />
allzu oft als wirklich schlechte Schüler im Fremdsprachenfach Hund<br />
erweisen, übersehen oder missverstehen wir viele der gezeigten Signale.<br />
So wird einem Hund, der beim Heranrufen trödelt, am Boden schnüffelt<br />
und sich seinem Herrchen in einem Bogen nähert zu Unrecht ein Trotz
angedichtet, obwohl er sich aus seiner Sicht nur den Aggressor<br />
beschwichtigend höflich nähert.<br />
Des weiteren werden auch Abwehrsignale eingesetzt, wie Stirn runzeln,<br />
Anstarren, Blockieren, Abdrängen, Steifer Gang, Lefzen heben,… die unter<br />
anderem dazu dienen Abstand zwischen sich und der Bedrohung zu<br />
bringen.<br />
Für uns Menschen eindeutiger wahrnehmbar sind dann doch die<br />
Lautäußerungen der Hunde, wie das genussvolle Brummen, das bisweilen<br />
nervige Bellen und Kläffen wie auch Knurren. Wobei auch hier<br />
Missverständnisse vorprogrammiert sind.<br />
KNURREN<br />
Da wir Menschen von klein auf gelernt haben, dass ein knurrender Hund<br />
böse ist, wollen wir diese Lautäußerung auf keinen Fall dulden und<br />
verbieten sie, obwohl das Knurren in Hundesprache meist nur ein klares<br />
eindeutiges „Nein, das ist mir zu viel“ bedeutet.<br />
Zum einen muss man zwischen<br />
Offensivem Knurren („Schleich‘ dich!“, „ich will deinen Knochen/ Platz/…“)<br />
und defensivem Knurren („komm nicht näher“, „ich hab´ Angst“, „tu mir<br />
nichts, ich könnte mich wehren“, „Hilfe!!“) unterscheiden.
Offensives Knurren (tiefer, dunkler Ton) wird von dominanten Hunden<br />
angewandt, wenn sie durch ihre schlichte Präsenz nicht das Gewünschte<br />
erreichen, um ihre körpersprachliche Forderung zu unterstreichen.<br />
Defensives Knurren (heller, nervöser Ton) ist eine Abwehrreaktion auf zu<br />
viel Druck, etwa die Antwort auf den offensiv knurrenden Hund oder den<br />
groben, lauten Menschen, mit der Absicht dem Aggressor zu verdeutlichen,<br />
dass man sich auch wehren könnte, wenn es sein muss.<br />
Zum anderen sollte man sich fragen, warum der Hund überhaupt zu einem<br />
so starken Ausdruck greifen musste:<br />
Wurden die vorherigen kleinen Signale wie Kopf abwenden, Rücken<br />
zudrehen, Augen fast schließen und vieles mehr nicht erkannt oder schlicht<br />
missachtet?<br />
Wurde nicht darauf eingegangen, dass sich der Hund in einer bedrohlichen<br />
Situation wähnt?<br />
Hat der Mensch die Situation falsch eingeschätzt?<br />
Hat der Mensch die Bedrohung nicht als solche erkannt?<br />
Besonders im Umgang mit Kindern ist darauf zu achten, dass der Hund nicht<br />
zu sehr bedrängt wird – wir wissen, dass das Kind die grobe Berührung nicht<br />
böse meint, aber der Hund weiß es nicht.<br />
Selbstverständlich muss sich der Hund in manchen Situationen<br />
(beispielsweise eine Blutabnahme beim Tierarzt, Krallenschneiden, Zecken<br />
entfernen, Wunden versorgen, Haare entfilzen,…) auch Unangenehmes<br />
gefallen lassen, aber dann muss man ihm entsprechend erklären, dass diese<br />
Prozedur notwendig ist. Hat der Hund ein gutes Vertrauensverhältnis zu<br />
seinem Halter, dann wird er ihm auch „glauben“ und sein Knurren<br />
einstellen.
Wird jedoch das Knurren ebenso ignoriert, wie die vorherigen kleinen Neins<br />
ohne die bedrohliche Situation zu entschärfen oder zu erklären, ist es<br />
durchaus möglich, dass der Hund zum nächstmöglichen Schritt greift, um<br />
sich die Gefahr vom Leibe zu halten – er schnappt oder beißt…<br />
Besonders häufig ist dies bei Kleinhunden zu beobachten, da sie sich<br />
aufgrund ihrer Größe schneller in einer aus ihrer Sicht misslichen Lage<br />
befinden und dann auch nicht ernst genommen werden, wenn sie „Nein!“<br />
sagen.<br />
Wird das Knurren nicht nur ignoriert sondern sogar immer wieder verboten<br />
(das Symptom bekämpft), ohne die Situation zu entschärfen (die Ursache<br />
zu beheben oder zu erklären), kann es dazu führen, dass der Hund auch<br />
diese Vorwarnungsstufe aufgrund ihrer Sinnlosigkeit überspringt und<br />
„plötzlich“ „aus dem Nichts“ schnappt/beißt.<br />
WEDELN<br />
Selbst dieses so gut bekannte und allgemein so positiv besetzte<br />
körpersprachliche Element birgt einiges an Potential zur Fehlinterpretation.<br />
Die Missverständnisse beginnen hier schon mit so einfachen Weisheiten<br />
wie:<br />
„Der Hund wedelt, er freut sich“ oder<br />
„Der Hund wedelt nicht – er ist teilnahmslos“ oder<br />
„Der Hund hat den Schwanz zwischen den Beinen, er fürchtet sich“
Das Tragen der Rute ist rassebedingt äußerst unterschiedlich(man<br />
vergleiche zum Beispiel Windhund und Spitz) und wie ausdrucksstark diese<br />
bewegt wird, hängt zusätzlich noch vom Charakter des Individuums ab,<br />
(was man bei uns Menschen als eher extrovertiert oder introvertiert<br />
bezeichnen würde) Daher sind diese Pauschalbeurteilungen selten richtig.<br />
Man beachte, dass die rassebedingten Unterschiede selbst unter Hunden<br />
zu Verwirrung und Missverständnissen führen können!<br />
Der Rückschluss, dass ein wedelnder Hund immer freundlich / freudig bei<br />
der Sache ist, ist schlicht falsch. Die sich bewegende Rute drückt in erster<br />
Linie Aufregung aus, wobei der Auslöser für diese Aufregung sowohl positiv<br />
als auch negativ sein kann. Der Hund drückt mit seinem Wedeln nicht nur<br />
Freundlichkeit und freudige Erregung aus, sondern darüber hinaus auch<br />
Ärger, Nervosität, Unsicherheit und Aggression.<br />
Wie in der menschlichen Sprache ist<br />
weniger das WAS entscheidend, sondern das WIE…<br />
Eine hocherhobene schnell und kräftig hin- und her peitschende Rute<br />
signalisiert mit Sicherheit keine Freundlichkeit, sondern eher negative<br />
Aufregung gepaart mit Unsicherheit oder eventuell auch Aggression. Da<br />
solches Wedeln häufig entsprechend akustisch begleitet wird, ist die<br />
Wahrscheinlichkeit es misszuverstehen eher gering. Und doch fühlt sich so<br />
mancher Mensch beruhigt, wollen den Hund streicheln, denn: „Aber er<br />
wedelt doch!“…<br />
Wesentlich schlimmer (für den Hund) ist das Fehldeuten des nervösen<br />
Wedelns, das in unserer Wortsprache soviel bedeuten könnte wie: „Was<br />
habe ich nur falsch gemacht?“ oder „Ich kenne mich nicht aus!“ oder „Ich<br />
weiß nicht, was ich tun soll...“ oder schlicht „Hilfe!“
Sehr häufig wird es von eher unsicheren Hunden gezeigt, in Situationen mit<br />
denen sie überfordert sind, sei es beim Kontakt mit unbekannten Dingen /<br />
Menschen / Hunden oder wenn der Mensch zu schnell zu viel fordert.<br />
Besonders in dieser Situation ist die Deutung „Er freut sich über unser<br />
gemeinsames Arbeiten“ genau das Gegenteil von dem, was der Hund uns<br />
mitteilen will, und anstatt durch eine Reduktion des Tempos oder eine<br />
Pause o.ä. den Druck vom Hund zu nehmen wird weitergearbeitet<br />
beziehungsweise die Situation nicht entschärft, weil der Hund ja „Ach so<br />
freudig bei der Sache ist“. Möglicherweise mit dem Resultat, dass der Hund<br />
das nächste Mal die Übung verweigert / die Situation zu meiden, oder ihr<br />
sogar mit Abwehrreaktionen begegnet.<br />
Dasselbe gilt bei Hundebegegnungen – der unsichere Hund, der sich mit<br />
schnellen kleinen Wedelbewegungen der Rute und dabei weiten Augen<br />
ausweichend um den neuen Hund bewegt, freut sich nicht etwa, sondern<br />
braucht Hilfe.<br />
Das wirklich freundliche und freudige Wedeln ist eine weiche, runde,<br />
entspannte Bewegung mit der leicht abgesenkten Rute, untermalen mit<br />
einem „weichen“ Blick und einem im Gesamtausdruck weichen Körper.<br />
Es gibt nichts Schöneres als diesen entspannten Ausdruck an einem Hund<br />
zu sehen – sei es beim Nachhause kommen oder bei Begegnungen mit<br />
anderen Hunden und Menschen.<br />
Diese Tiere sind in der Situation mit sich und der Welt im Reinen.<br />
Wird diese Art des Wedelns mit noch weiter geschlossenen Augen und noch<br />
tiefer getragenem Kopf ausgeführt geht die Freundlichkeit in eine<br />
Unterordnungsbereitschaft über, die aus Hundesicht ein „du hast die Kraft,<br />
führe mich, ich folge dir mir Begeisterung“ ausdrückt, leider aber bei vielen<br />
Menschen bereits die Assoziation „Der fürchtet sich“ auslöst.
Dadurch werden sie selbst wieder „schwach“ und der Hund, der sich gerne<br />
in ihre führende Hand begeben hätte, macht einen Rückzieher und versucht<br />
gezwungener maßen die Welt wieder allein zu meistern.<br />
Das andere Extrem ist der Irrglaube, dass der Hund freudig mit seinen<br />
Menschen unterwegs ist, wenn er mit hocherhobener Rute vor ihnen her<br />
stolziert – er signalisiert in seiner Sprache nur „Folgt mir!“ aber ob er froh<br />
ist diese Position einnehmen zu müssen beziehungsweise ob er überhaupt<br />
fähig ist eine Führungsrolle souverän zu übernehmen steht auf einem<br />
anderen Blatt. Ist unser vierbeiniger Freund dieser Aufgabe nicht<br />
gewachsen, führt dies unweigerlich zu Verhaltensauffälligkeiten.<br />
Wenn der Hund mit angelegten oder hängenden Ohren und hängender<br />
Rute neben oder hinter seinem Menschen geht, denken viele bereits er<br />
habe Angst, dabei signalisiert er nur „Ich vertraue dir, darum folge ich dir.“
HÄUFIGE MISSVERSTÄNDNISSE<br />
IGNORIEREN<br />
Ein gängiger Brauch in der heutigen Hundeerziehung führt unweigerlich zu<br />
Problemen, nämlich die Unsitte unerwünschtes Verhalten einfach zu<br />
ignorieren. Wie soll der Hund erkennen können, welche seiner<br />
Verhaltensweisen von seinem Menschen missgebilligt werden und welche<br />
nicht, wenn er dies nicht klar und eindeutig erklärt bekommt?<br />
Zudem können diese Wünsche von Mensch zu Mensch, von Rudel zu Rudel<br />
stark variieren – zum Beispiel wollen manche, dass ihr Hund bellt, andere<br />
wiederum nicht.<br />
Das Ignorieren hat zwar seine Berechtigung beim Erlernen von Tricks, wenn<br />
man in der Lernphase über fehlerhafte Ausführung hinwegsieht, aber an<br />
anderer Stelle bei der Vorgabe von Regeln, die für ein entspanntes<br />
Zusammenleben notwendig sind, ist es unerlässlich das unerwünschte<br />
Verhalten zu unterbinden.<br />
Wenn der Mensch inaktiv bleibt und den Hund machen lässt, was dieser<br />
jetzt gerade für sich wichtig und richtig hält, kann es für unseren<br />
vierbeinigen Freund gar nicht erkennbar sein, dass er mit uns mit seinem<br />
Tun NICHT erfreut. Er selbst findet sein Handeln in diesem Augenblick<br />
natürlich sehr wohl angemessen, sonst würde er ja nicht so agieren.<br />
Zur Verdeutlichung zwei Beispiele:<br />
Hund Lari schnappt nach Besuchern, mit dem Ziel diese zu vertreiben, da<br />
sie eine Bedrohung in ihnen sieht. Wenn Frauchen kommentar- und<br />
teilnahmslos dem Treiben zusieht, wird Lari bei ihrem Verhalten bleiben<br />
und Frauchen ziemlich einsam werden, da die Besuche immer seltener<br />
werden.
Teilt Frauchen jedoch ihrem Hund zum einen entsprechend mit, dass dieses<br />
Verhalten unerwünscht ist und zum anderen, dass der Besucher keine<br />
Gefahr darstellt – nimmt ihr also diese Aufgabe der Einschätzung und<br />
Klärung der Situation ab – nur dann wird Lari dieses Verhalten aufgeben<br />
können.<br />
Oder wenn Mensch nur ignoriert, wenn der Hund hinter einem Hasen auf<br />
und davon ist, und meint die ausbleibende Belohnung beim Zurückkommen<br />
sei dem Hund Ausdruck genug, dass er dieses Verhalten nicht gutheißt,<br />
dann wird der nächste Hase wieder mit Riesenfreude verfolgt werden.<br />
Hier gilt wieder, dass man dem Hund klar und deutlich erklären muss, dass<br />
dieses Verhalten auf keinen Fall geduldet wird.<br />
WIDERSPRÜCHLICHKEIT<br />
Hunde lieben klare Ansagen, klare Regeln, klare Grenzen.<br />
Umso mehr verunsichert es sie, wenn wir widersprüchliche Forderungen<br />
stellen oder inkonsequent sind, beziehungsweise wenn unsere akustische<br />
Forderung nicht zu unserer Körpersprache passt.<br />
Hier wieder ein Beispiel aus so mancher Hundeschule:<br />
Häufig wird die Übung „Bleib“ mit zum Hund hingewandtem Gesicht und<br />
Körper ausgeführt, und dann wird den Hund anblickend<br />
rückwärtsgegangen. Diese Körpersprache ist aber eine eindeutige<br />
Aufforderung an den Hund mitzukommen, das einzig irritierende ist nur<br />
diese „Stopphand“!
Dass viele Hunde nun dieses Kommando missverstehen und deshalb länger<br />
brauchen, um zu begreifen, was Mensch tatsächlich von Ihnen erwartet, ist<br />
gut nachvollziehbar. Aber sie vollbringen dann doch wieder die tolle<br />
Leistung über unsere Widersprüchlichkeit hinwegzusehen und bleiben<br />
liegen, obwohl wir mit unserem Körper zum Mitkommen auffordern.<br />
Selbst beim Loben verhalten sich viele Menschen widersprüchlich, weil aus<br />
ihrer Sicht ein herzhaftes „Wuscheln“ des Hundes, eine Umarmung oder ein<br />
von oben über den Kopf streichen zwar für sie positiv für den Hund aber ein<br />
unangenehmes Bedrängen ist. Auch hier kann der Hund aufgrund der<br />
restlichen Signale und aus dem Zusammenhang lernen, dass sein Mensch<br />
diese Gesten nicht negativ meint und sie später auch als Lob annehmen.<br />
Allzu oft nimmt der Mensch ohne es zu wissen eine bedrohliche<br />
Körperhaltung ein und versteht wieder einmal nicht, warum der Hund sich<br />
trotz der zuckersüßen Stimme kaum in seine Nähe wagt, um sich zum<br />
Beispiel das Geschirr/Halsband anlegen zu lassen.<br />
Möglicherweise wird dann mangelnde Spazierfreudigkeit assoziiert, in<br />
Wahrheit ist nur unsere erst aufgerichtete, dann vornübergebeugte<br />
Körperfront die Ursache für das sich nicht nähern wollen, weil wir mit dieser<br />
Körperhaltung „Komm nicht näher, sonst passiert was“ signalisieren.<br />
Eventuell unterstreichen wir diesen Ausdruck auch noch indem wir einen<br />
Schritt auf den Hund zugehen, also in noch mehr bedrohen.<br />
Würden wir uns stattdessen seitlich drehen und eventuell auch hinhocken,<br />
wäre das Anziehen plötzlich kein Thema mehr.<br />
Dasselbe gilt auch beim Heranrufen – so manchen Hund irritiert die<br />
vornübergebeugte Körperhaltung, sodass er dem Kommando nicht sofort<br />
Folge leistet, sondern er versucht zu deeskalieren.
Ebenso werden unzählige hundetypische Signale von uns Menschen<br />
missgedeutet, besonders jene, die uns eigentlich beschwichtigen sollten,<br />
wie zum Beispiel<br />
- langsamer werden<br />
- Am Boden schnüffeln<br />
- Sich seitlich drehen<br />
- Den Rücken zudrehen<br />
- Gähnen<br />
Diese unter Hunden konfliktlösenden Gesten haben leider schon viele<br />
Hundebesitzer zur Weißglut gebracht, denn sehr oft werden diese<br />
Verhaltensweisen mit einer Trotzreaktion oder Ignoranz verwechselt und<br />
der Hund erreicht genau das Gegenteil dessen, was er bezwecken wollte –<br />
sein Mensch beruhigt sich nicht, sondern wird immer wütender.<br />
Wer kennt nicht das Bild des immer aufgebrachter seinen Hund rufenden<br />
Menschen, weil dieser sich schnüffelnd abwendet anstatt augenblicklich<br />
schnurgerade Heranzustürmen.<br />
Hier könnte man ganz einfach Abhilfe schaffen indem man TIEF durchatmet,<br />
das Kommando freundlicher wiederholt und eventuell mit einer<br />
einladenden Geste untermalt (einige Schritte zurück, sich seitwärts drehen,<br />
Kopfbewegung neben sich, …) und siehe da: der Hund wird in 97% der Fälle<br />
ohne weitere Verzögerung kommen!<br />
Die restlichen 3% haben tatsächlich besseres zu tun, als der Aufforderung<br />
Folge zu leisten…<br />
Leider werden auch vom Hund Widersprüchlichkeiten gefordert und das<br />
nahezu täglich : beim klassischen Ausführen des Kommando „Fuß“ .<br />
Hier wird vom Hund gefordert, dass er seinen Menschen unhöflich<br />
bedrängt, was besonders für die respektvolleren Vierbeiner schwer<br />
umzusetzen ist, da sie wie in einem Hunderudel üblich, einen
Respektsabstand zum Chef einhalten wollen. Auch hier lernen sie wieder,<br />
dass wir offenbar bedrängt werden wollen und kleben an unserem<br />
Schenkel, obwohl sich dies aus Hundesicht nicht gehört.<br />
WEITERE BEISPIELE<br />
Kontaktliegen ist ein sehr schönes Verhalten unter Hunden und drückt ein<br />
Zusammengehörigkeitsgefühl aus, was auch die meisten Menschen sehr<br />
freut, wenn der Hund sich zu ihnen legt. Nur wollen sie zeitgleich Streicheln,<br />
Kraulen, Wuscheln, was wiederum nicht allen Hunden behagt. Viele<br />
entfernen sich dann wieder und legen sich doch alleine auf einen Platz, bei<br />
manchen kann es sogar zu Schnappen führen, weil sie sich belästigt fühlen.<br />
Aber wenn man ehrlich ist wären wir selbst auch nicht gerade hocherfreut,<br />
wenn wir gemütlich vor uns hindösen, aber von einer ständig auf uns<br />
herumkrabbelnden Hand am Einschlafen gehindert werden.<br />
Wie immer übertreibt der Mensch…<br />
Viele Hunde lieben es endlos seltsame Dinge zu tun, die überhaupt keinen<br />
Sinn ergeben, einfach weil ihr heißgeliebter Mensch dies fordert. Sie gehen<br />
zum hundertsten Mal im Kreis, setzen sich, legen sich hin und so weiter,<br />
Hauptsache ihr Mensch ist bei ihnen.<br />
Andere machen nach der dritten Wiederholung nicht mehr mit, nicht weil<br />
sie widerspenstig, trotzig oder ungelehrig wären, was ihnen so manches<br />
verärgerte Herrchen unterstellt, sondern weil sie wirklich keinen Sinn im<br />
ständigen wiederholen einer Übung sehen, die sie ja sowieso schon<br />
beherrschen.
Ein am Zaun kläffender Hund löst meist bei seinen Menschen dieselbe<br />
Reaktion aus: eine Tirade an „Aus!“, „Nein!“, „Hör´ auf!“ und ähnlichem<br />
prasselt von hinten auf den Hund ein :<br />
aus seiner Sicht schimpft der Mensch mit, versucht mit ihm gemeinsam den<br />
Zaungast in die Flucht zu schlagen. Verwirrend ist dann allerdings, dass<br />
dieser den zu Vertreibenden dann doch hereinlässt.<br />
In einem Hunderudel würde der Chef kommen, die Situation beurteilen und<br />
dann entscheiden, was zu geschehen hat( Kämpfen, Ausweichen, freundlich<br />
Begrüßen…), OHNE vorher mit zu schimpfen.<br />
Für uns Menschen bedeutet das, dass wir die geortete Gefahr wahrnehmen<br />
sollen, uns bei unserem tapferen Hund für den Hinweis „bedanken“ und<br />
ihm klar machen, dass wir ab nun übernehmen – er hat seine Aufgabe<br />
erfüllt.
HUNDEERZIEHUNG<br />
Die ganze Erziehung unter Hunden basiert auf Grenzen setzen, sie sagen<br />
sich selten was zu tun ist, sondern meist was NICHT.<br />
Geh´ NICHT an mir vorbei – geh´ NICHT fort von deinem Platz – entferne<br />
dich NICHT vom Rudel – friss´ NICHT was mir gehört – geh´ NICHT ohne<br />
Aufforderung jagen…<br />
Der Mensch wiederum neigt dazu, dem Hund ständig zu sagen, was er tun<br />
soll, was bei diesem zu einer ständigen Befehlserwartungshaltung und<br />
damit zu einem unentspannten Hund führen kann. Dabei wäre es so<br />
einfach, genau dieses Grenzen setzen nachzuahmen und der Hund würde<br />
zu seiner Freude in seiner Sprache (mit Akzent…) angesprochen!<br />
Das Grenzen setzen erreichen Hunde durch das Anwenden verschiedener<br />
Abbruchsignale und Abbruchhandlungen.<br />
Abbruchsignale wie Anstarren, Knurren, Sich in den Weg stellen, Nase<br />
rümpfen dienen als Warnung, welchen bei nichtbeachten IMMER eine<br />
Abbruchhandlung folgt.<br />
Diese Abbruchhandlungen wären zum Beispiel Blockieren, Anstupsen,<br />
Anrempeln, Abdrängen und Zuschnappen.<br />
Wir Menschen könnten diese Signale und Handlungen gut imitieren, und<br />
wenn sie richtig in punkto Timing und Intensität angewandt werden, ist<br />
Mensch auch verblüffend erfolgreich.
VERGLEICH HUNDEMUTTER UND MENSCH<br />
Viele der Verhaltensweisen, die wir uns von unseren Hunden wünschen,<br />
haben sie natürlicherweise in sich, da sie schon von der Hundemutter<br />
gefordert wurden. Sie bringt ihren Sprösslingen keine Kunststücke bei,<br />
sondern setzt klare Grenzen – sie beansprucht den Raum vor sich, sie<br />
verbietet das Verlassen der Wurfhöhle usw. Diese Grenzen sind auch im<br />
Hunderudel von großer Relevanz, wie zum Beispiel bei der Gruppe bleiben,<br />
an einem bestimmten Platz bleiben oder Folgen. Des Weiteren sind auch<br />
unter Hunden Lob und Tadel gebräuchlich.<br />
Was eine Hundemutter/ einen guten Hundechef auszeichnet ist nicht nur<br />
ihre Präzession, ihr Timing und ihre Konsequenz, sondern besonders ihre<br />
Geduld und Fairness in der Abstufung ihrer Grenzsetzungen je nach<br />
Vergehen und wiederholtem Eingreifen müssen.<br />
Sie werden bei Bedarf immer mehrmals in Abstufungen warnen bevor sie<br />
eine Abbruchhandlung wie das Schnappen setzen.<br />
Nicht so der Mensch, der leider eine Neigung hat, bereits bei minimalen<br />
Verfehlungen zu übertriebenen Abbruchhandlungen zu greifen,<br />
oder er warnt nur ohne je eine Handlung folgen zu lassen.<br />
oder aber er verhält sich gänzlich teilnahmslos.<br />
Jede dieser Varianten zeichnet den Menschen als unfairen, schwachen,<br />
unstetigen und nicht vertrauens- und glaubwürdigen Chef aus<br />
Würden wir uns öfter fragen, wie die Hundemutter/ der Hundechef das<br />
Gewünschte erreicht beziehungsweise ausdrückt, und wie wir dasselbe<br />
einfordern, müssten wir nachsichtiger sein, da wir erkennen würden welche<br />
Glanzleistung unsere Hunde vollbringen, weil sie uns TROTZDEM verstehen.
HERRUFEN<br />
Die Hundemutter<br />
fordert freundlich auf mit einer seitlichen Körper- und auch Kopfbewegung,<br />
den Welpen anblickend und zieht ihn mit sich mit.<br />
Wenn das nicht fruchtet, geht sie ihn Holen – stupst in an und wiederholt<br />
ihre Geste, bei Nichtbefolgen wird er weitergeschupst.<br />
Der Mensch<br />
macht sich zum Kasperl und hüpft wild mit den Armen wedelnd herum,<br />
piepst und flötet in den höchsten Tönen, um sich interessant zu machen<br />
und / oder versucht es mit Bestechung, wodurch er sich zum wandelnden<br />
Futterautomaten macht, oder im anderen Extrem ruft er gleich mit<br />
besonderer Schärfe und Bedrohlichkeit.<br />
AM PLATZ BLEIBEN<br />
Die Hundemutter<br />
blockiert ihre Welpen, wenn sie folgen wollen, dreht sich um, schaut weg<br />
und geht weg. Sollte sie dennoch verfolgt werden drängt sie den Welpen<br />
zurück und geht wieder mit abgewandtem Blick davon. Dieses Prozedere<br />
wiederholt sie bei Bedarf mit einer unglaublichen Geduld und Ruhe, bis alle<br />
es verstanden haben.<br />
Der Mensch<br />
Schaut den Hund direkt an, und geht dann rückwärts weg in dem Glauben,<br />
dass die nach vor gestreckte Hand den Hund zum innehalten bewegt, oder<br />
sperrt ihn in eine Box, um zu vermeiden, dass er verfolgt wird.
BEI DER GRUPPE BLEIBEN<br />
Die Hundemutter<br />
geht einfach, und sollte tatsächlich ein Welpe nicht auf sie achten, geht sie<br />
ihn mit entsprechendem Schimpf (anstupsen, anrempeln, weiterschupsen)<br />
holen.<br />
Der Mensch<br />
Achtet ständig darauf, wo der Hund ist, macht ihn auf jeden<br />
Richtungswechsel aufmerksam, ruft ihn unablässig und verlernt ihm<br />
dadurch das natürliche auf den Chef achten, den er ja nicht verlieren will.<br />
LOBEN<br />
Die Hundemutter<br />
Lobt mit Sozialgesten wie kleinen, zarten Berührungen seitlich am Hals, an<br />
den Lefzen, den Mundwinkeln sowie Belecken:<br />
Der Mensch<br />
streichelt von oben am Kopf, klopft den Brustkorb, wuschelt den gesamten<br />
Hund, umarmt ihn, stopft ihn mit Leckerlis voll (und wenn er auf diese nicht<br />
anspricht, dann sind es eben die falschen…)<br />
SCHIMPFEN<br />
Die Hundemutter<br />
Schimpft kurz und prägnant mit ankläffen, knurren, anstarren, anstupsen,<br />
zwicken,… - danach ist der Ärger sofort wieder vorbei.<br />
Der Mensch<br />
macht seinem Ärger in einem oft hysterischen Wortschwall Luft, brüllt, leint<br />
den Hund zur Strafe an (sonst soll er aber freudig Leine gehen), lässt ihn
„Sitz“ machen, manchmal schlägt er auch zu oder wirft ihn auf den Rücken<br />
und bleibt trotz alledem verärgert und grantig.<br />
GUTER CHEF / SCHLECHTER CHEF<br />
Egal, ob es sich um einen Menschen oder einen Hund handelt:<br />
Die Charakterzüge und Eigenschaften, die einen guten Rudelführer<br />
ausmachen sind für beide Spezies die gleichen.<br />
Auch in unserer Arbeitswelt ist die nachfolgende Beschreibung zutreffend<br />
Ein guter Chef ist konsequent, ruhig , freundlich, zurechtweisend aber nicht<br />
nachtragend, fair, lobt…<br />
Und nur bei Bedarf streng und selten, dann aber nachvollziehbar, laut.<br />
Ein schlechter Chef hingegen ist hysterisch, ständig laut, inkonsequent,<br />
überreagierend oder auch gar nicht reagierend, übertrieben schimpfend<br />
und tobend oder auch völlig teilnahmslos und nachtragend.
FAZIT<br />
Wir Menschen meinen ja die Krone der Schöpfung zu sein, im Erlernen der<br />
Fremdsprache Hund erweisen wir uns allerdings als äußerst stümperhaft<br />
und sind unseren Hunden meilenweit unterlegen.<br />
Wir sollten versuchen dem Hund in seiner Sprache entgegenzukommen und<br />
nicht nur erwarten, dass dieser den Menschen mit all seinen<br />
widersprüchlichen Ausdrucksweisen versteht und selbst die sinnlosesten<br />
Anweisungen („Was ein Hund eben so können muss“) selbstverständlich<br />
ausführt.<br />
Es würde vielen Hundehaltern einigen Ärger ersparen, wenn sie erkennen<br />
würden, dass der Hund nicht aus Trotz länger braucht, um etwas<br />
Gefordertes umzusetzen!<br />
Sondern weil er vielleicht charakterbedingt etwas Zeit zum Nachdenken<br />
braucht, oder weil er auf zu viel Schärfe in der Stimme des Menschen mit<br />
Beschwichtigung reagiert, oder weil er noch schnell einen drohenden<br />
Konflikt mit dem Hund neben ihm entschärfen muss.<br />
Wir sollten auch von der gängigen Praxis abkommen, jedem Hund dasselbe<br />
Schema überzustülpen, sondern sie entsprechend ihrem Charakter und<br />
ihrer Rolle, die sie im Hunderudel einnehmen würden zu fordern und zu<br />
fördern.<br />
Wenn in einem Hund beispielsweise ein starker Bewacher steckt, sollte er<br />
diese Aufgabe auch ausführen dürfen – wir müssen nur die entsprechenden<br />
Rahmenbedingungen vorgeben.<br />
Oder ein selbständiger, intelligenter Hund (der im Hunderudel ein guter<br />
Kundschafter oder vielleicht sogar Anführer wäre) sollte diese Wesenszüge
auch im Alltag ausleben dürfen und als Teamplayer mit uns leben und nicht<br />
zum stupiden Befehlsempfänger herabgewürdigt werden, was oft nur mit<br />
viel Ärger auf Seiten des Menschen begleitet mit einem Brechen des<br />
Hundes erreichbar ist.<br />
Jeder Hund ist genauso wie jeder Mensch ein Individuum, das durch seinen<br />
Charakter und die Summe des bisher Erlebten zu dem geformt wurde, was<br />
er jetzt ist. Wichtig ist nur ihn in seiner Gesamtheit zu akzeptieren, seinen<br />
Charakter zu respektieren und seiner Persönlichkeit entsprechend mit ihm<br />
umzugehen.<br />
Denn : den perfekten Hund gibt es nicht – und : was heisst schon perfekt??
Abschließend<br />
möchte ich mich<br />
noch bei allen<br />
Tieren bedanken,<br />
die mich auf meinem bisherigen Lebensweg begleiteten und mich das<br />
Lesen und Deuten ihrer Sprache lehrten:<br />
Bei meinen Schützlingen im Tiergarten Schönbrunn und zuhause,<br />
bei der Vielzahl an Hunden die ich bereits kennenlernen durfte -<br />
vom verwöhnten Couchhund bis zum völlig unverfälschten Straßenhund.<br />
Von jedem einzelnen lernte ich neue Nuancen in der Ausdrucksweise und<br />
wie ich meine Sprache bestmöglich auf „Hund“ übersetze -<br />
Und ich freue mich schon auf alle die noch kommen werden, um weiter zu<br />
lernen.
LITERATUREMPFEHLUNGEN<br />
- Hundepsychologie von Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen<br />
- Calming Signals von Turid Rugaas<br />
- Wieviel Mensch braucht ein Hund? und<br />
- Abenteuer Vertrauen von Maike Maya Nowak<br />
- Tipps vom Hundeflüsterer von Cesar Millan