Trending Topics

sachsen

VERLAGSSPEZIAL

Trending

Topics

INTERNET OF THINGS KÜNSTLICHE INTELLIGENZ BLOCKCHAIN VIRTUAL REALITY

Von Smart Cars, Smart

Energy und der übrigen vernetzten

Welt der Dinge.

S. 10

Quantencomputer sind die

neuen Superrechner – sie könnten

den KI-Trend weiter befeuern.

S. 38

Wie eine Technologie

das Internet und eine gesamte

Branche revolutioniert.

S. 62

Virtuelle Welten erobern

unseren Alltag und eröffnen

ungeahnte Perspektiven.

S. 78


WWW.SKD.MUSEUM

MATHEMATISCH

PHYSIKALISCHER

tgl.

1645

10 –18 Uhr,

Erdglobus

Willem Jansz. Blaeu

außer Mo.

SALON

IM DRESDNER ZWINGER

Abbildung: © SKD, Foto: M. Lange

Gefördert durch

Hauptförderer

Sponsored by

Medienpartner


3

Editorial

Editorial

WILLKOMMEN

Liebe Leserinnen und Leser,

was bezeichnen wir heute nicht alles als Megatrend – Globalisierung, Klimawandel,

Urbanisierung. Und im gleichen Atemzug fällt fast immer auch der

Begriff Digitalisierung. Völlig zu Recht, denn die tiefgreifenden Veränderungen,

die die Digitalisierung mit sich bringt, werden nicht nur uns, sondern

auch unsere Kinder und Kindeskinder prägen. Und die Geschwindigkeit, mit

der die Digitalisierung Teil unseres Lebens wird, nimmt zu: Während das

Telefon 75 Jahre brauchte, um 100 Millionen Nutzer zu erreichen, schaffte

Instagram das in etwas über zwei Jahren. Auch beim Thema Mobilität tut sich

viel: Bis 2020 sollen Prognosen zufolge weltweit 250 Millionen Autos mit Internetanschluss

auf den Straßen unterwegs sein. Somit wäre rund jedes fünfte

Fahrzeug vernetzt.

Beispiele wie diese lassen schon ahnen, wie viele verschiedene Aspekte

unter dem Schlagwort digitaler Wandel subsummiert sind. „Trending Topics

haben wir daher dieses Magazin genannt – und blicken auf die zwölf wichtigsten

Digitalisierungstrends der kommenden Jahre. Das Internet of Things darf

dabei genauso wenig fehlen wie Cybersecurity, Künstliche Intelligenz oder

Virtual Reality.

Die vielen Gespräche, die wir in den vergangenen Monaten geführt

haben, zeigen, dass nicht überall alles nach Plan läuft und manchmal sogar

die Vorbehalte überwiegen. Aber ein gewisser Grundoptimismus, eine Neugier

auf die Dinge, die noch kommen werden, ist allerorten spürbar. So etwa

beim deutschen Stararchitekten Ole Scheeren, der uns in der Heftmitte einen

Ausblick auf die Arbeitswelt der Zukunft gibt. Oder bei der IBM-Managerin

Martina Koederitz, die über die komplexen Herausforderungen der Digitalisierung

für die Wirtschaft spricht. Und nicht zuletzt bei den Unternehmen

in Sachsen, die wir im Rahmen dieses Kooperationsprojektes kennenlernen

und auf ihrem Weg ein Stück weit begleiten durften. Dass im östlichsten

Bundesland Deutschlands mit so viel Hochdruck an der digitalen Zukunft

gearbeitet wird, hat uns dazu bewogen, Persönlichkeiten, Unternehmen und

Produkte an bestimmten Stellen im Magazin gesondert vorzustellen – in einer

„Inspirationals“-Serie.

In diesem Sinne: Lassen auch Sie sich inspirieren – wir wünschen Ihnen viel

Freude bei der Lektüre.

Ihre Redaktion

TRENDING TOPICS


4

Inhalt

Inhalt

TRENDING TOPICS

S. 74

S. 6

Digitale (R)Evolution

Trends & Fakten

S. 9

Was, wenn der Kühlschrank

die falsche

Milch bestellt hat?

One Question,

One Answer

S. 10

Das nächste Internet

Von Smart Cars,

Smart Energy und der

übrigen vernetzten

Welt der Dinge.

02

Social Media

(S.12)

S. 13

Online first

Trends & Fakten

im Überblick

S. 14

Revolution in

Turnschuhen

Das Start-up Staffbase

krempelt die Mitarbeiterkommunikation

um.

S. 18

Inspirational Leaders

Digitalisierungsstrategien

und Zukunftsvisionen:

sechs Wegbereiter

im Fokus.

01

Internet of

Things

(S.8)

03

Mobility &

Logistics

(S.20)

S. 22

Computer übernehmen

das Steuer

Autonome Mobilitätskonzepte

verändern unsere

Idee der Fortbewegung.

S. 24

Machen Maschinen

eigentlich weniger Fehler

im Straßenverkehr?

One Question,

One Answer

04

Cybersecurity

(S.25)

S. 26

Mit Honigtöpfen

gegen Hacker

Cyberangriffe sind für

Firmen und den Staat

gleichermaßen eine

Bedrohung.

05

E-Commerce

(S.29)

S. 30

Ein Hoch auf die

Community

Vom studentischen

Start-up zum europäischen

Marktführer.

S. 34

Inspirational

Companies

Smarte Unternehmensideen

auf dem Weg

in die digitale Zukunft.

S. 14

06

Künstliche

Intelligenz

(S.36)

S. 38

Ein neuer

Quantensprung

Verhelfen Quantencomputer

der Künstlichen

Intelligenz zum

Durchbruch?

S. 39

»Wenn ich an

Künstliche Intelligenz

denke …«

Acht Experten teilen

ihre Bedenken und ihre

Hoffnungen.

S. 41

»Wir könnten auf sie

verzichten, aber warum

sollten wir?«

Weshalb wir keine Angst

vor Künstlicher Intelligenz

haben müssen.

S. 42

Future in 100 Words

Vier Visionäre werfen

einen Blick in die digitale

Zukunft.

TRENDING TOPICS


5

Inhalt & Collaborators

S. 20

COLLABORATORS

ANITA MRUSEK

Creative Director

Anita Mrusek arbeitet

als Freelance Creative

Director in ihrem Studio

in Berlin Neukölln. Mit

Schwerpunkt Corporate

Publishing und Editorial

Design verantwortet

sie für Verlage und

Agenturen Entwicklungen

und Relaunches

von Kundenmagazinen.

Sie hat eigene Modemagazine

publiziert

und als Creative Director

die Ausgabe von

Trending Topics“ entwickelt

und designt.

07

Smart

Systems

(S.46)

S. 47

Höher, weiter, schneller

ist das Credo

Warum ein Unternehmer

aus Chemnitz genau

auf die Trends aus dem

Silicon Valley schaut.

S. 78

08

Industrie 4.0

(S.52)

S. 53

Der Mensch als Dirigent

und Problemlöser

Industrie 4.0 ist

eine deutsche Erfolgsgeschichte.

S. 57

Sind Roboter die besseren

Arbeitskollegen?

One Question,

One Answer

S. 58

Neue Chancen für

analoge Produkte

Traditionelles

Handwerk und Digitalisierung

stehen nicht

im Widerspruch.

09

Blockchain

(S.61)

S. 62

Gekommen, um

zu bleiben

Wie die Blockchain schon

heute ganze Branchen in

Hysterie versetzt.

10

Smart

Infrastructure

(S.65)

S. 66

Stadt der Zukunft

Der Weg zum Ideal

der Smart City: Gibt es

ein Patentrezept?

S. 70

Inspirational Items

Acht innovative Gegenstände,

die unsere

Welt ein bisschen einfacher

machen.

11

Big Data

(S.72)

S. 73

Wie viele Daten braucht

der Mensch?

One Question,

One Answer

S. 74

Macher mit Mission

„Astro-Alex“ hat auf der

ISS ein ungewöhnliches

Experiment im Gepäck.

12

Virtual

Reality

(S.76)

S. 78

Virtuelle Welten

neu gedacht

Wie ein Hidden Champion

aus dem Erzgebirge

mit 360-Grad-Kameras

Maßstäbe setzt.

S. 81

Index

THOMAS MEYER

Photographer

Thomas Meyer lebt

und arbeitet in Berlin.

Er ist für internationale

Ma gazine und Kunden

tätig, war Fotograf der

F.A.Z.-Kampagne „Dahinter

steckt immer ein

kluger Kopf“. Seit 2017

fotografiert Meyer für

die Stiftung Bauhaus in

Dessau und unterrichtet

unter anderem an

der Ostkreuzschule für

Fotografie. Seine Werke

sind regelmäßig in Ausstellungen

zu sehen.

ANJE JAGER / Illustrator

Die gebürtige Niederländerin und Wahl-Berlinerin

war lange Jahre als Grafikerin und Designerin

tätig, bevor sie sich wieder ihrer „first love“ – dem

Zeichen und Malen – zuwandte. Mit der Liebe zur

Porträtmalerei verbindet Anje Jager in ihren Illustrationen

mühelos Realismus und künstlerische

Sensibilität. Sie ist für internationale Kunden wie

„Harper’s Bazaar“ oder „Monocle“ tätig.

GENE GLOVER

Photographer

Gene Glover ist seit vielen

Jahren für große

deutsche Zeitungen und

Magazine tätig. In den

vergangenen zehn Jahren

wurde der gebürtige New

Yorker vor allem als Porträt-

und Reportagefotograf

bekannt. Cover- und

Titelgeschichten, unter

anderem für „Wired“ oder „The New York Times

Magazine“, gehören zu seinem Portfolio. Neben der

redaktionellen Arbeit konzentriert sich Glover auch

auf Projekte im Werbe- und Corporate-Bereich.

Kinvara Balfour / Director & Moderator

Regisseurin und Moderatorin Lady Kinvara Balfour

beschäftigt sich vor allem mit den Themen Design,

Technologie und Trends. Die Britin ist Schöpferin

von „The Visionaries“, einer Serie von Mini-Filmen,

die sie einzig auf dem iPhone aufzeichnete. Für

eine Kooperation mit Apple interviewte sie Größen

aus der Fashionwelt. Sie berät Tech-Start-ups

beim Businesseinstieg und war als Executive

Producer an einer Dokumentation über den verstorbenen

Designer Alexander McQueen beteiligt.

TRENDING TOPICS


6

Trends & Fakten

Digitale (R)Evolution:

Digitale Innovationen durchdringen (fast)

alle Bereiche des Alltags. Sie verändern die Art

und Weise zu arbeiten und zu kommunizieren.

Viel mehr noch: Sie verändern unser Leben.

FREIZEIT

55

Prozent

der deutschen Internetnutzer verwenden heute soziale

Netzwerke für ihre private Kommunikation, fand das

Statistische Bundesamt heraus. Vor zehn Jahren waren

soziale Netzwerke in Deutschland noch kein Thema.

Um

100

Millionen

Nutzer

zu erreichen, brauchte das Telefon 75 Jahre.

Instagram nur 2,2 Jahre.

(Quelle: Report „Key Issues for Digital Transformation in the G20“; OECD)

Zwei Drittel

der Deutschen setzen noch immer auf Brett- oder

Gesellschaftsspiele als Freizeitbeschäftigung.

40 Prozent spielen lieber Video- und Computerspiele.

(Quelle: VuMA 2017; Arbeitsgemeinschaft Verbrauchs- und Medienanalyse)

GESUNDHEIT

Auf über

200

Milliarden

US-Dollar

wird der digitale Gesundheitsmarkt bis zum Jahr 2020 weltweit

anwachsen, schätzt Roland Berger. Das entspricht einem

durchschnittlichen Wachstum von jährlich 21 Prozent seit 2015.

45 Prozent

der Smartphone-Nutzer aus Deutschland verwenden bereits

Gesundheits-Apps, ergab eine Befragung von Bitkom Research.

Knapp

220

Millionen

Wearables werden im Jahr 2022 ausgeliefert,

prognostizieren die Analysten der International Data

Corporation. Für Umsatz sollen dann vor allem

Smartwatches mit einem geschätzten Marktanteil von

38,3 Prozent sorgen.

TRENDING TOPICS


7

Trends & Fakten

lernen

70 Prozent

der Schulleiter und Lehrer in Deutschland sind

davon überzeugt, dass digitale Medien

die Attraktivität ihrer Schule steigern werden.

(Quelle: Studie „Monitor Digitale Bildung“; Bertelsmann Stiftung)

Im Unterricht setzt aber im Schnitt nur jede

20. Schule

bundesweit regelmäßig digitale Medien ein,

so eine Studie von Bitkom Research.

Etwa

45 Minuten

verbringen deutsche Jugendliche täglich am Computer

oder im Internet, um für die Schule zu arbeiten.

(Quelle: „JIM-Studie 2017“; Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest)

Bis zum Jahr 2025 wird der Markt für

Künstliche Intelligenz mehr als

100

Milliarden

US-Dollar

wert sein, schätzt das amerikanische

Marktforschungsunternehmen Constellation Research.

BANKING

Über

4 500

Kryptowährungen sind auf der Plattform

Coinmarketcap.com im Jahr 2018 gelistet. Von diesen

erreichen über 1 000 einen täglichen Handelsumsatz

von jeweils über 10 000 US-Dollar.

TECHNOLOGIEN

31

Prozent

der hiesigen Verbraucher können sich

laut Bitkom Research schon heute vorstellen,

ein selbstfahrendes Auto zu kaufen.

Knapp

drei Viertel

der Deutschen können sich laut

Fraunhofer IAO mit einem Assistenz-Roboter

als Haushaltshilfe anfreunden. Vor allem

bei anstrengenden und sich wiederholenden

Tätigkeiten soll er unterstützen.

Mehr als

drei von vier

Bundesbürgern erledigen ihre Bankgeschäfte

bereits online, hat der Digitalverband Bitkom in einer

Verbraucherumfrage herausgefunden.

Zwei

Drittel

von insgesamt 2 250 befragten Bankkunden in neun

Ländern – darunter auch Deutschland – geben an, keinen

persönlichen Kontakt mehr zu ihrer Bank zu haben.

Dennoch erachten ebenfalls zwei Drittel der Verbraucher

eine langfristige Beziehung mit ihrer Hausbank als wichtig.

(Quelle: Whitepaper „Today’s Financial Consumer: Open for Business“; CGI)

TRENDING TOPICS


8

Internet of Things

TRENDING TOPICS

01

Internet

of Things

short cut / Internet der Dinge, englisch: Internet of Things

(IoT) / Gegenstände werden durch den Einbau von Mikrochips

„smart“ und tauschen sich über das Internet mit anderen Objekten

und Computern aus / Systeme agieren automatisch ohne

menschliches Zutun / Herausforderung: IoT bietet Angriffsplattform

für Hacker / 25 Milliarden IoT-Devices bis zum Jahr 2020 /

Wirtschaftlicher Nutzen wird auf 2 Billionen US-Dollar geschätzt

TRENDING TOPICS


9

Internet of Things

ONE

QUESTION

Was, wenn der

Kühlschrank die falsche

Milch bestellt hat?

ONE

ANSWER

»Tatsächlich handelt es sich um

ein Szenario, das durch IoT Realität werden

könnte. Grundsätzlich wird

sich aus Datenschutzgründen die Frage

ergeben, ob nicht, wie beim eigenen

Laptop, die Webcam abgeklebt wird, um

generell auf einen solchen Service

zu verzichten. Ansonsten: Auf zu Fuß

in den Supermarkt!«

( Prof. Dr. Christian Montag, Heisenberg-Professor

für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm, erforscht die

biologischen Grundlagen der menschlichen Persönlichkeit. )

TRENDING TOPICS


10

Internet of Things

Das nächste Internet

Der neue Mobilfunkstandard 5G,

der voraussichtlich 2020 kommt,

macht das mobile Internet

schneller und zuverlässiger – und

ermöglicht so gänzlich neue

Anwendungen. Von Smart Cars,

Smart Energy und der übrigen

vernetzten Welt der Dinge.

text

Boris Karkowski

TRENDING TOPICS


11

Internet of Things

7,6 Milliarden Menschen auf der Erde, das macht

perspektivisch rund 7,6 Milliarden Smartphones,

die ans Internet angeschlossen werden. Derzeit

gibt es allerdings erst 2,5 Milliarden Smartphones.

Klingt viel, sind aber Peanuts im Vergleich

zu dem, was kommt. Denn wenn das Internet der

Dinge (IoT) Wirklichkeit wird, werden mehrere

Hundert Milliarden Geräte miteinander vernetzt

sein. Nicht nur die üblichen Verdächtigen wie

Kühlschränke und Autos, sondern alle Maschinen.

Werden diese miteinander vernetzt und tauschen

sie Informationen in Echtzeit aus, so werden gänzlich

neue Anwendungen in der Produktion, in der

Logistik, in der Medizin, in der Energiewirtschaft,

in der Landwirtschaft, im Handel möglich. Fern-

OPs, die intelligente Verkehrsführung und vollautomatisierte

Produktion inklusive intelligenter

Logistikketten sind nur einige der Ideen, an deren

Realisierung jetzt schon gearbeitet wird. Das Internet

verändert so seinen Charakter grundlegend:

vom Konsum von Informationsangeboten hin zur

Steuerung dank permanenten Datenaustauschs.

Ein großer Vorteil: Viele Entscheidungen

können dezentral getroffen werden. So müssen selbstfahrende

Autos nicht mit Superrechnern und einer

Vielzahl Sensoren ausgerüstet werden, sondern können

auch die Daten von Ampeln, Verkehrskameras

und anderen Fahrzeugen auslesen oder gar direkte Anweisungen

von zentralen Verkehrsleitsystemen verarbeiten

– und die eigenen Daten an diese zurücksenden.

Doch noch mehr wird sich verändern: Professor Frank

Fitzek von der TU Dresden, einer der führenden Köpfe

im Bereich 5G, erläutert: „5G wird nicht nur die

Maschine-zu-Maschine-, sondern auch die Echtzeitkommunikation

zwischen Menschen und Maschinen

ermöglichen. Dadurch entstehen voll kommen neue

Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Roboter und

Mensch arbeiten nicht mehr nebeneinander, sondern

künftig miteinander. Der Mensch kann so zum Beispiel

einen intelligenten Handschuh anziehen und diesem

Klavierspielen beibringen – das der Handschuh

dann wiederum einem Laien beibringt.“

Komplexe Zusammenarbeit

Damit solche und ähnliche Visionen umgesetzt werden

können, müssen etliche Hürden genommen

werden. Wichtigste Voraussetzung ist ein schnelleres,

zuverlässigeres mobiles Internet. Das soll, so die

Mobilfunkanbieter, ab 2020 in Deutschland Realität

werden. 5G ist dann nicht nur 100-mal schneller als

der bisherige LTE-Standard, sondern reagiert zudem

viel prompter. Eine Latenzzeit von nur einer Millisekunde

erlaubt Echtzeitübertragungen auch über

größere Entfernungen. Der Mensch benötigt für die

Die totale Vernetzung

Nicht nur Menschen,

auch unbelebte Objekte

werden immer häufiger

miteinander verknüpft. Für

Unternehmen bietet das die

Chance, neue Geschäftsmodelle

aufzubauen und

mehr Umsatz zu generieren

– etwa mit vernetzten

Produkten und Diensten. Als

größter Profiteur gilt

das verarbeitende Gewerbe

mit einer großen Anzahl

potentiell vernetzbarer

Geräte und Maschinen. Eine

ähnliche Entwicklung sehen

Experten für die Versorgerund

Logistikbranche.

Verbindung vom Auge zum Kopf etwa die zehnfache

Zeit. Doch das Netz muss auch zuverlässig sein, damit

selbstfahrende Autos oder Paketdrohnen nicht

orientierungslos werden. Das erfordert nicht nur

eine flächendeckende Funkverbindung, sondern

auch dezentrale Systeme, die den Ausfall eines Verbindungsknotens

schnell kompensieren können. Und

schließlich dürfen die Mobilfunkverbindungen der

Zukunft nur einen Bruchteil des Stroms verbrauchen,

der heute benötigt wird – sonst würde der permanente

Datenstrom der Geräte untereinander rasch Akkus

leersaugen und das Energienetz überlasten.

An vielen Stellen wird an der Realisierung

von 5G gearbeitet. So hat die Deutsche Telekom in

Berlin erste Antennen für den Betrieb von 5G unter

echten Bedingungen freigeschaltet. In der Innenstadt

entsteht gerade ein ganzes 5G-Cluster. Ebenso

intensiv wird bereits am Zusammenspiel von Hardware,

Software und Kommunikationsschnittstelle im

Hinblick auf die Anwendung gearbeitet. Dr. Patrick

Grosa vom Smart Systems Hub in Dresden erklärt

die Komplexität: „Früher mussten sich meist nur die

Hersteller eines neuen Produkts auf einen Standard

einigen, beispielsweise das Format einer CD. Für das

IoT müssen sich jedoch Hersteller unterschiedlichster

Branchen mit den Anbietern der Telekommunikationsinfrastruktur

und den Softwareprogrammierern

einigen. Idealerweise gleich auf globalem Niveau.“

Der Hub erleichtert darum den Austausch und die

Entwicklung gemeinsamer Lösungen über Branchenund

Technologiegrenzen hinweg.

Energie flexibel nutzen

5G und das Internet der Dinge haben das Potential,

auch unsere Energieversorgung umzukrempeln. Im

5G Energy Hub, einer Kooperation der TU Dresden

mit der RWTH Aachen, werden dazu derzeit

die Grundsteine gelegt. Das Ziel ist eine dezentrale,

flexible Energienutzung. Statt starrer Energieerzeugung

und -verbräuche soll künftig ein System von

Erzeuger und Verbraucher – ob Privathaushalt oder

Produktionsunternehmen – Angebote und Bedarfe

dank flexibler Speicher zum Ausgleich bringen. Dr.

Joachim Seifert von der TU Dresden erklärt: „So

können die Schwankungen bei erneuerbaren Energien

an einem stürmischen Tag besser geglättet werden,

weil das Überangebot zwischengespeichert oder umgewandelt

und erst an einem anderen, windstilleren

Tag abgerufen werden kann.“ Frank Fitzek betont:

„Ohne 5G ist die Energiewende gar nicht zu realisieren.“

Aber auch sonst erwartet sich Fitzek viel von dem

„nächsten Internet“: „Die Menschen können sich auf

ihre Innovationskraft konzentrieren, denn Maschinen

werden die repetitiven Aufgaben übernehmen.“ ■

TRENDING TOPICS


12

Social Media

TRENDING TOPICS

02

Social

Media

short cut / Soziale Medien, englisch: Social Media /

Digitale Technologien, Webseiten, Wikis, Apps oder Netzwerke,

über die sich User im Internet vernetzen, Inhalte erstellen und

diese austauschen / User-generated Content und Many-to-Many-

Kommunikation / Von Hashtags (#) bis Likes: Zentrales Merkmal

ist die Interaktivität im Web 2.0 / Informationsbeschaffung läuft

heute mehr über Social Media denn klassische Medien

TRENDING TOPICS


13

Social Media

ONLINE FIRST

Laut der Social-Media-Agentur Spredfast nutzen,

gestalten oder konsumieren mehr als

3 Milliarden

Menschen rund um den Globus Social Networ ks.

Die wichtigsten sind: Facebook, QQ, Youtube, Instagram,

Snapchat, Twitter, Pinterest und Linkedin.

Die Umsätze mit Smartphone und Co.

machen 2018 bei Google fast

34 Prozent

am weltweiten mobilen Werbemarkt aus, bei

Facebook liegt der Anteil bei knapp 25 Prozent.

85 Prozent

der unter 35-Jährigen nutzen Whatsapp, Facebook und Co.,

um sich zu verabreden und Aktivitäten zu koordinieren.

Das sind die Ergebnisse einer Postbank-Studie.

Whatsapp hat

34 Millionen

tägliche Nutzer. Tendenz steigend. Wer nicht

über Whatsapp kommunizieren will, findet Alternativen,

die mit einer sicheren Datenverschlüsselung werben:

zum Beispiel Telegram oder Threema.

1 Milliarde

Menschen weltweit regeln laut jüngsten Zahlen von

Tencent, Chinas größtem Internetkonzern, ihr gesamtes

Leben mit dessen Messenger-App Wechat. Auf die

Daten hat die chinesische Regierung vollen Zugriff.

In den USA erreicht

Youtube

laut Spredfast mehr 18- bis 49-Jährige als das

dortige Kabelfernsehen.

Rund

73 Prozent

der befragten Deutschen sind dagegen, dass ihre Daten

von Anbietern gespeichert werden, ergab eine Studie des

Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln.

39 Prozent

der Deutschen nutzen Share-Economy:

Sie teilen Unterkünfte, Dateien, Musik, Autos.

Experten von PwC erwarten einen Anstieg

des Marktvolumens auf über 24 Milliarden Euro.

Schon heute vernetzen sich die Menschen weltweit

über soziale Medien schneller als jemals zuvor. Ereignisse

werden rasend schnell verfolgt, kommentiert

und bewertet. Das geschieht gefühlt oft in unter

einer Minute.

30 Prozent

der Einzelhandelskäufe werden heute über

Facebook inspiriert. Das hat der „Social Audience

Guide 2018“ herausgefunden.

Experten des Weltwirtschaftsforums prophezeien: Bis

2023

werden 80 Prozent der Bevölkerung ein digitales Onlineprofil

besitzen. Grund hierfür wird die flächendeckende

Ausbreitung neuer Technologien sein, die das Web auch

in die entlegensten Orte der Welt bringen wird.

Laut einer Bitkom-Studie informiert sich jeder

fünfte

deutsche Internetnutzer in Facebook & Co. – und will

es auch in Zukunft tun. Das Smartphone wird für die

Suche nach Nachrichten immer wichtiger.

TRENDING TOPICS


14

Social Media

text

Sabine Simon

FOTOS

Gene glover

REVOLUTION

IN TURNSCHUHEN

1

BILDER

1

Die richtige Idee zur richtigen

Zeit. Seit der Gründung

2014 hat sich der Umsatz von

Staffbase fast verfünffacht.

2

„Es darf gelacht werden“:

Die Geschäftsführer Frank

Wolf, Lutz Gerlach und Martin

Böhringer (v.l.) stellen natürlich

(k)ein Foto für die Presse.

Das Start-up Staffbase

krempelt mit seiner App

die Mitarbeiterkommunikation

um.

TRENDING TOPICS


15

Social Media

2

TRENDING TOPICS


16

Social Media

Wir nehmen am Tag rund 100-mal unser Smartphone

in die Hand, checken Mails, chatten, werfen bei

Instagram einen Blick aufs Leben der anderen. Alles

läuft digital, über Social-Media-Kanäle, über Facebook

oder Twitter zum Beispiel. Auch beruflich sind

wir längst online, in Netzwerken wie Linkedin oder

mit web basierten Messenger-Diensten wie Slack. Die

Digitalisierung hat in kürzester Zeit fast alles verändert

– vor allem unsere Kommunikation. Das gilt

fürs Privatleben ebenso wie für die Arbeitswelt.

Grundsätzlich aber ist die interne Kommunikation

in vielen Unternehmen noch relativ statisch

– selbst in Zeiten von dezentralen Teams, die zeitlich

flexibel von unterschiedlichen Orten aus arbeiten.

Zwar gibt es inzwischen Social Intranets, doch

weniger als die Hälfte aller Angestellten mit einem

Zugang nutzt diese täglich. Und je nach Branche

werden Mitarbeiter ohne PC-Arbeitsplatz oder Firmen-Mailadresse

gar nicht erreicht. 70 Prozent der

Beschäftigten hierzulande bleiben digital unsichtbar.

Wie also mitteilen, dass der Parkplatz nach dem Umbau

nächste Woche wieder angefahren werden kann

oder dass die Geschäftsentwicklung alle Erwartungen

übertrifft? Möglich wäre hier eine Massenmail. Aber

die ist weder emotional noch erfüllt sie wohl eines

der wichtigsten Kriterien, damit Firmennews überhaupt

gelesen werden: die Relevanz.

Mobiles Intranet per App / Das brachte den

Wirtschaftsingenieur Frank Wolf auf die Idee für ein

neues Unternehmen. Der 43-Jährige sammelte während

seiner Zeit bei der Telekomtochter T-Systems

Multimedia Solutions einige Erfahrung mit dem Thema

Intranet. „Ich hatte regelmäßig mit Unternehmen

zu tun, die das Problem hatten, alle ihre Mitarbeiter

zu erreichen. Der Bedarf war da, wir mussten einfach

nur den richtigen Zeitpunkt erwischen. Und der kam

mit der Verbreitung des Smartphones.“ 2014 gründete

er gemeinsam mit Wirtschaftsinformatiker Martin

Böhringer und dem Betriebswirt Lutz Gerlach

Staffbase. Die App des Chemnitzer Start-ups basiert

auf dem Prinzip, das Intranet eines Unternehmens in

eine Art Social-Media-Kanal zu übertragen. Zugleich

einfach wie genial. Denn das eigene Smartphone ist

mit Abstand der Kommunikationskanal mit der weitesten

Reichweite. Zu den Kunden der ersten Stunde

gehören unter anderem T-Systems, Siemens oder

Viessmann. Auch Adidas nutzt eine personalisierte

Mitarbeiter-App aus der Softwareschmiede.

Das Geschäftsmodell funktioniert als Software-as-a-Service.

Die mobil verfügbare Intranetund

Mitarbeiter-Software ist eine Art Baukastensystem,

das sich Unternehmen individuell gestalten

können. Mit nur wenigen Klicks. Wie in einem

Content-Management-System werden Inhalte über

3

4

BILDER

3

Wer für eine Besprechung

mal mehr Ruhe braucht, kann

sich in kleinere Meeting-

Rooms zurückziehen.

4

Wer bei Staffbase arbeitet,

tritt morgens den Dienst

im schicken Loft an. Nervennahrung

gibt’s in Form von

Obst und Schokolade.

5

Viel Glas, viel Licht, viel Kommunikation:

Die Mitarbeiter

sitzen nah beieinander. Betonplatten

an den Decken sollen

den Lärmpegel senken.

6

Manches muss einfach

analog bleiben. An der Magnetwand

hängen Postkarten,

Flyer und schlaue Sprüche.

eine Browseranwendung aufbereitet und verwaltet.

Staffbase stellt den Kunden ihre Plattform zur Verfügung

und übernimmt den kompletten technischen

Support. Gehostet wird in Deutschland. Die Kosten,

die je nach Mitarbeiterzahl variieren, werden über

eine monatliche Gebühr abgerechnet. „Updates und

App-Store-Management erledigen wir“, erklärt Martin

Böhringer.

Die App, im Look der jeweiligen Firma

anpassbar, laden sich die Mitarbeiter dann aufs

Smartphone und melden sich nach einer Registrierung

passwortgeschützt an. Das stellt sicher,

dass Firmeninterna auch wirklich intern bleiben.

Wie bei Facebook kann man dann von überall aus

News lesen, kommentieren und liken – in einem

Unternehmenskanal oder geschlossenen Channels.

Es gibt Mitarbeiter- und Telefonverzeichnisse, Arbeitszeiterfassung,

den Download der Gehaltsabrechnung,

den Speiseplan der Kantine. Es können

Dokumente, Standortplaner für Konferenzräume,

Schulungsvideos oder Fotos hochgeladen werden,

Push-Nachrichten informieren in Echtzeit. Wer

TRENDING TOPICS


17

Social Media

Das ist typisch

Start-up. „Das

wollen wir uns

bewahren, so

lange es geht“,

sagt Martin

Böhringer und

nimmt auf

einem quietschgelben

Stuhl

Platz. „Das Gefühl

verkaufen

wir mit der App

gleich mit.“

bereits ein Social Intranet hat, kann die App von

Staffbase problemlos integrieren, auch die Einbindung

anderer individueller Plug-ins ist möglich.

Neue Unternehmenskultur / Die App erfüllt

noch eine weitere wichtige Funktion: Employer-Branding.

„Mitarbeiter müssen sich heute mehr denn je mit

ihrem Job identifizieren können. Das ist ganz wichtig

für die Integration neuer und die Bindung vorhandener

Arbeitskräfte“, sagt Böhringer und denkt dabei vor

allem an junge Leute wie die Millennials oder die Generation

Z. Und an ihre gewachsenen Anforderungen

an Arbeitgeber und die Unternehmenskultur. Da geht

es zum Beispiel um die strikte Trennung von Arbeit

und Privatleben, um Feedback und Wertschätzung –

und irgendwie auch um Sinnhaftigkeit. Warum mache

ich meinen Job überhaupt? „Ich muss das vorleben,

vor allem in der Führungsebene. Das macht ein

Umdenken nötig“, sagt Böhringer. Mit dem richtigen

Instrument könne man alle Mitarbeiter gleichzeitig

„abholen“: vom Manager bis zum Außendienstler. Bei

Staffbase geht das mehrsprachig. Unterstützt werden

Inhalte in mehr als 30 Sprachen, die Benutzeroberfläche

gibt es in acht – inklusive Chinesisch.

„Wir verwenden unsere App natürlich auch

selbst“, sagt Böhringer, während er noch schnell

eine Nachricht an den Kollegen absetzt. Hierfür

nutzt er die Desktop-Version der Staffbase-App.

Böhringer hätte natürlich auch aufstehen können,

denn die Wege bei Staffbase sind kurz – auch zwischen

dem CEO und den einzelnen Teams, die aus

Softwareentwicklern, Kundenbetreuern, Marketingoder

Sales-Spezialisten bestehen. Es gibt flache Hierarchien

im jungen und internationalen Team, dessen

Altersdurchschnitt ungefähr bei 30 Jahren liegt. Man

duzt sich, flexible Arbeitszeitmodelle sind etabliert.

5 6

Gearbeitet wird im schicken Loft, wer will kann sich

mit dem Laptop aufs Sofa hocken. „Das wollen wir

uns bewahren, so lange es geht“, sagt der 33-Jährige.

Das sei schließlich Teil des Produkts. „Die großen

Konzerne wollen sich eine Scheibe von uns

abschneiden, wollen sich mehr als Start-up fühlen.

Dieses Gefühl verkaufen wir mit der App gleich mit.“

Zum Kunden geht es deshalb auch in T-Shirt und

Turnschuhen. Staffbase sei oft der Wegbereiter für

eine neue interne Kommunikationsstrategie und fast

schon für den Führungsstil. „Ich kann als CEO mit

einer Massenmail keine strategische Kommunikation

machen. Das funktioniert heute nicht mehr.“

Die Softwarelösung kommt an, bei inzwischen

rund 250 Kunden in Deutschland und auf der ganzen

Welt. Das Team an den Standorten Chemnitz, Dresden

und Köln ist gut ausgelastet. Seit der Gründung habe

man sich jedes Jahr verdoppeln können, sagt Böhringer.

Um dem wachsenden Kundenstamm gerecht zu

werden, wollen die drei Geschäftsführer das Team von

rund 90 Mitarbeitern in Deutschland um 100 neue

Kollegen erweitern. Seien es zu Gründungszeiten eher

Softwareentwickler gewesen, suche man derzeit vor allem

Unterstützung in den Bereichen Marketing, Sales

und Kundenbetreuung. Das schafft Arbeitsplätze und

stärkt die Wirtschaftsregion rund um Chemnitz, die

auch schon einige andere Software-Start-ups wie Prudsys,

Intenta oder Baselabs hervorgebracht hat. Und auch

Dresden bietet Potential, vor allem aufgrund der Nähe

zur TU oder dem dort ansässigen 5G Lab.

Die Strategie von Staffbase wird derweil internationaler:

Neben dem bereits bestehenden Büro

mit acht Mitarbeitern in New York soll ein weiteres

in London hinzukommen. Man denke das Thema

ohnehin global, sagt Böhringer. „Wir wollen Marktführer

werden. Derzeit haben wir das beste Produkt

dafür – auch wenn die Konkurrenz natürlich nicht

schläft.“ Dass die Idee von „mobile first“ in der Mitarbeiterkommunikation

ankommt, zeigt auch das

große Interesse der Investoren. Kürzlich konnte

Staffbase in einer dritten Finanzierungsrunde acht

Millionen Euro für die Weiterentwicklung seiner

Mitarbeiter-App gewinnen. Der globale Risikokapitalgeldgeber

e.ventures ist neben Capnamic Ventures

und Kizoo Technology Capital nun neuer Hauptinvestor.

Ein kluger Schachzug, der neue Geldgeber

selbst hat beste Beziehungen ins Silicon Valley. ■

FAKTEN // Standorte: Chemnitz, Dresden, Köln, New York /

Gründungsjahr: 2014 / Mitarbeiter: 90 / Geschäftsführung:

Martin Böhringer (CEO), Frank Wolf (CMO), Lutz

Gerlach (COO) / Mission: Mit einer Mitarbeiter-App die

Unternehmenskultur revolutionieren

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18

Inspirational Leaders

Inspirational Leaders

Digitalisierungsstrategien und Zukunftsvisionen:

sechs Wegbereiter im Fokus

text

Benjamin Kleemann-von Gersum

& Sabine Simon

Rainer Gläß hat große Visionen für den Einzelhandel

Software für Handelsunternehmen: Das ist seit Jahrzehnten

die Kompetenz von Rainer Gläß. Als Firmengründer

hat er sein Unternehmen GK Software – 1990 als

Zwei-Mann-Unternehmen mit Geschäftspartner Stephan

Kronmüller in Schöneck/Vogtland gegründet – zu einem

Global Player im Bereich Retail-Software gemacht. GK

Software erzielte laut Geschäftsbericht im Jahr 2017 gut

90,5 Millionen Euro Umsatz. Über 150 Firmenkunden in

mehr als 50 Ländern nutzen die Softwarelösungen aus

Südwestsachsen, bei denen alle Kasseninformationen direkt

an die Buchhaltung, das Beschaffungswesen oder die

IT weitergeleitet werden. „Die Technologie wird für Handelsunternehmen

zum entscheidenden Faktor“, sagt Gläß.

Er sieht den Trend zu mobilen Geräten als einen der wichtigsten

Innovationstreiber für den Einzelhandel. „Wir befinden

uns in einer Umbruchphase von einer traditionellen

Welt stationären Handels hin zu Omni-Channel-Prozessen.

In dieser Gemengelage müssen alle Händler ihren Platz

neu definieren.“ Seine Vision bringt der Firmengründer,

der seit 2015 dem Digital-Gipfel der Bundesregierung

angehört, auf den Punkt: „Wo wir sind, ist vorn!“ In allererster

Linie sei das ein Anspruch an ihn selbst, aber auch

an sein leistungsfähiges Team. Und das soll sich wohlfühlen

am Firmensitz in Schöneck: So hat die Geschäftsführung

ein Innovation-Center geschaffen, es gibt ein Café,

Lounge-Bereiche, After-Work-Skiing und ein Fitnesscenter.

Dass Gläß seiner Heimat verbunden ist, zeigt sein vielfältiges

Enga gement, darunter die Implementierung eines digitalen

Schulkonzepts für das Sportgymnasium in Klingenthal.

Als nächstes großes Thema für die Branche hat

Gläß Künstliche Intelligenz identifiziert: „Der Handel sucht

nach Optimierungen bei immer größer werdender Komplexität

wie riesigen Datenmengen“, erklärt er. So ist es nur

logisch, dass GK Software 2017 mehrheitlich die Prudsys

AG aus Chemnitz übernommen hat, einen der führenden

Anbieter agiler KI-Technologien für den Omni-Channel-

Handel. www.gk-software.com

Katja Hillenbrand macht Trinkwasser smart

Wasser, Gebäudetechnik und Digitalisierung – das sind zentrale

Zukunftsthemen für Katja Hillenbrand, Geschäftsführerin der Micas AG

aus Oelsnitz im Erzgebirge. „Von der Wasserzuleitung über verschiedenste

Anwendungen im Gebäude bis zur Abwasserleitung begleiten wir mittels

ausgefeilter Sensoren und eines smarten IoT-Pakets das Wasser durchs

Gebäude“, sagt die gebürtige Baden-Württembergerin im Gespräch. Im

Jahr 2000 gegründet, hat sich Micas durch kontinuierliches Wachstum zu

einem international tätigen mittelständischen Marktführer im Bereich

kunden spezifischer OEM-Sensorlösungen entwickelt. Visionen für die

Zukunft? Die Unternehmerin hat viele: beispielsweise vorausschauende

Instandhaltung, intelligente Wasserbereitstellung oder zentrales

Wassermanagement in der Cloud. Und ganz selbstverständlich investiert

Hillenbrand, selbst Mutter von zwei Kindern, in die Zukunft der Mitarbeiter

und ihrer Familien: Seit vielen Jahren bereits gibt es einen Betriebskindergarten

und einen Hort. www.micas.de

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Inspirational Leaders

Dr. Paul Brandenburg sichert

Zugang auf Patientenverfügungen

Brigitte Voit bringt Forschung und Unternehmen zusammen

Auch die Wissenschaft schöpft das enorme Potential der Digitalisierung

aus: „Diese ist Treiber in der Materialwissenschaft“, sagt Chemikerin

Brigitte Voit. Die Mitbegründerin von Dresden-concept, einem Modell

der erfolgreichen Zusammenarbeit universitärer und außeruniversitärer

Forschung, ist wissenschaftliche Direktorin des Leibniz-Institutes für

Polymerforschung (IPF) Dresden und Professorin für Organische Chemie

der Polymere an der TU Dresden. „Hightechmaterialien für Zukunftstechnologien

können mittels intelligenter Auswertung von großen Mengen

an Materialdaten schneller und effizienter entwickelt werden“, erklärt sie.

Datenströme werden also auch in Forschungsbereichen, die bislang besonders

praxisnah geprägt waren, immer wichtiger. Gleichzeitig bestehe die

Herausforderung, Materialien individueller an die jeweilige Anwendung und

an den Benutzer anzupassen und sie damit adaptiv zu gestalten. Voit arbeitet

mit Kollegen und Mitarbeitern daran, Sachsen als Wissenschaftsstandort

weiter voranzubringen. www.ipfdd.de

Wie bestimme ich, was medizinisch

unternommen werden soll, wenn ich

entscheidungsunfähig bin? Und wie

bekommen Ärzte Zugriff zu meiner

Patientenverfügung? Auf diese Fragen

fand der ehemalige Notarzt Dr. Paul

Brandenburg in Leipzig eine Lösung.

Sein E-Health-Start-up Dipat hinterlegt

online Patientenverfügungen,

die im Notfall über das Smartphone

abrufbar sind. Das funktioniert

über einen Aufkleber auf der Versichertenkarte.

„Fast alle nicht-digitalen

Patientenverfügungen kommen viel

zu spät im Krankenhaus an und sind

inhaltlich ungenau, so dass sie nutzlos

sind“, erklärt Brandenburg.

www.dipat.de

Gerhard Fettweis sorgt für

flächendeckendes Mobilfunknetz

Was bringt einem das modernste

Smartphone, wenn man kein Netz hat?

Dieser Frage widmet sich Professor

Gerhard Fettweis. Er kam 1994 aus

dem Silicon Valley – dort war er unter

anderem für IBM tätig – an die TU

Dresden und ist seither Inhaber des

Vodafone Stiftungslehrstuhls. „Wir

erforschen Methoden, die Geschwindigkeit

der Mobilfunknetze weiter voranzutreiben

sowie Durchbrüche für die

flächendeckende Versorgung zu erreichen“,

sagt er. Im 5G-Lab forscht ein

interdisziplinäres Team aus 20 verschiedenen

Forschungsbereichen an

Schlüsseltechnologien für die Aktivierung

von 5G. Unterstützt wird die

Initiative von Unternehmen wie Bosch

oder Deutsche Telekom. Fettweis ist

zudem CEO des kürzlich gegründeten

Barkhausen-Instituts, das sich mit der

Industrie-Digitalisierung beschäftigt.

www.5glab.de

Gesche Weger macht die Digitalisierung nachhaltig

Wollte man die Vision von Packwise-Geschäftsführerin Gesche Weger

zusammenfassen, würde sie wohl folgendermaßen lauten: „Digitalisierung

schafft Nachhaltigkeit.“ Das Unternehmen mit Sitz in Dresden vernetzt die

Prozessindustrie und bietet eine unabhängige Onlineplattform für die optimale

Wiederverwendung und Verwertung von Industrieverpackungen. Das

Ziel: Die Anzahl der Zyklen, die eine Transportverpackung durchläuft, soll

maximiert werden. In Zeiten des globalen Handels sowie immer schneller

und kom plexer werdender Handelsströme leisten Weger und ihr Team einen

wichtigen Beitrag zur Schonung von Ressourcen: „Wir schaffen im Unternehmen

intelligente und automatisierte Kreisläufe, in denen entleerte Container

und Fässer auf minimalen Transportwegen organisiert sind. Mit Hilfe

der Digitali sierung verschaffen wir unseren Kunden aus den Branchen Chemie-,

Pharma- und Lebensmittelindustrie einen transparenten und direkten

Zugang zu wiederverwertbaren Industrieverpackungen.“ www.packwise.de

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Mobility & Logistics

Keine Science-Fiction

Mit elektrischen Taxis quer

über die Stadt zum nächsten

Termin fliegen? Wenn es

nach dem Start-up Volocopter

geht, könnte das Realität

werden. Noch schafft das

Flugtaxi nur 27 Kilometer,

aber das Team aus dem

badischen Bruchsal bastelt

weiter an einer Ergänzung

zu anderen Nahverkehrsmitteln.

Daimler, Intel und

Internet-Unternehmer

Lukasz Gadowski haben

schon investiert.

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21

Mobility & Logistics

TRENDING TOPICS

03

Mobility &

Logistics

short cut / Mobility & Logistics, deutsch: Mobilität &

Logistik / Ziel: Individualverkehr und Güterströme koordinieren

und realisieren / Eine der wichtigsten Wachstumsbranchen der

Zukunft / Mobilitäts-Apps stellen je nach Präferenz schnellste,

sauberste oder günstigste Verbindung zusammen / Trends: autonomes

Fahren über alle Verkehrsträger hinweg, die Suche nach umweltfreundlichen,

kostengünstigen und leistungsstarken Antrieben

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Mobility & Logistics

Computer

übernehmen

das Steuer

Autonome Mobilitätskonzepte

verändern unsere Idee der

Fortbewegung grundlegend.

text

Klaus Lüber

Es ist die entscheidende Frage, die alle interessiert.

Sie wird auch Toralf Trautmann immer wieder gestellt:

Wann kommen denn die autonom fahrenden

Autos? Trautmann, Professor für Kfz-Mechatronik

an der Hochschule für Technik und Wirtschaft

Dresden (HTW Dresden), antwortet dann gern mit

einer Gegenfrage: Was genau man denn unter autonomem

Fahren verstehe? „Man denkt ja sehr schnell

an futuristische Vehikel ohne Lenkrad. Dabei ist der

Begriff wesentlich vielschichtiger“, so der Experte.

„Autonome Autos gibt es ja heute schon, allerdings

in ganz unterschiedlichen Ausprägungen.“

Trautmann ist Nutzer einer Teststrecke für

autonomes Fahren, die seine Hochschule direkt neben

dem Technikum für Fahrzeugtechnik installiert

hat. Seit 2017 rollt dort unter anderem ein mit Sensorik

und Messtechnik ausgestatteter BMW i3 über

einen 50 mal 70 Meter großen Rundkurs. Trautmann

möchte herausfinden, wie man testen kann, ob

solche Autos für den Straßenverkehr zugelassen werden

dürfen. „Autonomie bedeutet, dass Sie als Fahrer

Verantwortung an die Maschine abgeben. Aber das

ist kein Entweder-oder, sondern ein Prozess, der verschiedene

Grade an Selbststeuerung unterscheidet.“

Anfällig für Störungen

Um diesen Grad zu bestimmen, hat sich ein System

aus sechs Leveln eingebürgert. Level null heißt, die

Maschine übernimmt keinerlei Eingriffe; bei Level

fünf steuert das Fahrzeug in jeder Situation vollkommen

autonom. „Serientauglich sind im Augenblick

lediglich teilautonome Systeme auf Level

zwei, in dem das Auto einzelne Aufgaben für den

Fahrer übernehmen kann“, so Trautmann. Dazu

gehörten etwa Spurhaltefunktionen oder Stauassistenten,

die bei zähem Verkehr ohne Eingriff des

Fahrers das Steuer übernehmen können. Für mehr

Autonomie reiche es noch nicht, die Umfeldsensorik

sei zu anfällig für Störungen.

Ähnlich sieht es Robin Streiter, Geschäftsführer

des Start-ups Naventik. „Es gibt ja heute schon

durchaus beeindruckende Demonstrationen autonomen

Fahrens, wenn etwa Messebesucher am Flughafen

in einen selbststeuernden Shuttlebus steigen, der

sie zum Veranstaltungsort bringt“, so Streiter. „Was

man dabei aber gern vergisst: Dahinter steckt immer

ein immenser Aufwand. Die Branche ist noch deutlich

davon entfernt, die Systeme wirklich stabil zu machen

gegen alle möglichen Einflüsse von außen.“ Naventik

arbeitet genau daran. Das 2017 gegründete Unternehmen,

eine Ausgründung der TU Chemnitz, hat

eine Software entwickelt, die es Fahrzeugen ermöglicht,

ihre Position im Verkehr genauer zu bestimmen.

„Wir denken ja alle, unsere GPS-Systeme würden das

schon leisten, aber das ist ein Trugschluss“, erklärt

Streiter. In Wahrheit sei das Signal zu verrauscht für

ein autonom agierendes System.

neue Bahntechnologien

Zwar wird das Thema autonomes Fahren vor allem

im Automobilkontext diskutiert, doch auch im Zug-,

Schiffs- und Luftverkehr arbeitet man an Lösungen.

Im sächsischen Annaberg-Buchholz betreibt die TU

Chemnitz ein Forschungszentrum, das sich mit den

Potentialen hochautomatisierten Fahrens für den Zugverkehr

beschäftigt. Der „Smart Rail Connectivity

1

TRENDING TOPICS


23

Mobility & Logistics

2

BILDER

1

Umfangreiches Projekt:

Experten der HTW Dresden

erforschen das autonome

Fahren für den innerstädtischen

Verkehr. Zum Einsatz kommen

dabei auch Sensorsysteme zur

Umfelderfassung.

2

Digitales Stellwerk:

In Annaberg-Buchholz

beschäftigt sich ein

Forschungszentrum der TU

Chemnitz mit den Potentialen

hoch automatisierten

Fahrens für den Zugverkehr.

Autonomie wird

uns Vorteile

bei der Sicherheit

bieten.

Aber sie allein

wird nicht das

Problem der

hohen Verkehrsbelastung

in

unseren Städten

lösen.

Campus“ umfasst unter anderem das seit Januar 2018

installierte erste digitale Stellwerk Europas und eine

Teststrecke, auf der ein Einsatz von Umfeldsensorik,

ähnlich wie im Automobilbereich, erprobt wird.

„Auf der Schiene ist die Situation natürlich etwas

anders als auf der Straße“, erklärt Sören Claus, der

das Projekt als technischer Leiter betreut. „In geschlossenen

Systemen wie etwa U-Bahnnetzen ist hochautomatisiertes

Fahren schon heute im Normalbetrieb

möglich. Und im offenen Schienennetz haben wir

schon lange einen hohen Grad an Automatisierung

erreicht.“ Von einer vollautonomen Steuerung sei man

allerdings noch ähnlich weit entfernt wie auf der Straße.

„Das liegt auch an den viel größeren Sicherheitsanforderungen.“

Trotzdem ist Claus überzeugt, dass

es sich lohnt, in autonom agierende Systeme auf der

Schiene zu investieren. „Wir könnten Netze effizienter

nutzen, besser überwachen, Instandhaltungs- und

Energiekosten deutlich reduzieren.“

Lösungen für Flugzeug & Schiff

Auch was die Luftfahrtsbranche angeht, sollen autonome

Steuerungssysteme neuen Mobilitätskonzepten

zum Durchbruch verhelfen. Unter dem Stichwort

Urban Aerial Mobility (UAM) arbeitet der Konzern

Airbus an der Entwicklung von selbststeuernden Flugtaxis.

Das deutsche Start-up Volocopter hatte bereits

auf der Cebit 2018 einen Mini-Hubschrauber vorgestellt

– mit 18 Rotoren, vollständig redundanten

Antriebssträngen und einer intelligenten autonomen

Steuerung. Andreas Knie, Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum

Berlin für Sozialforschung, ist allerdings

skeptisch: „Das hört sich natürlich erstmal sehr

innovativ an. Aber erstens ist die Bepackungsdichte

der Luft vergleichsweise begrenzt, und zweitens benötigen

Sie ein Vielfaches an Transportenergie als auf

dem Boden. Ein Massenverkehrsmittel wird das wohl

nicht werden.“

Bliebe noch die Schifffahrt. Kürzlich hatte das

norwegische Start-up Massterly den Betrieb eines elektrisch

betriebenen und mit autonomer Steuertechnik

ausgestatteten Containerschiffs angekündigt. Ab 2020

soll das Schiff unbemannt operieren, überwacht von

mehreren Kontrollzentren an der Küste. Auch Länder

wie Finnland, Australien und China investieren in die

Technologie; in der EU wurde bereits ein Forschungsprojekt

zum Thema durchgeführt.

Autonome Mobilität ist ohne Frage ein spannendes

Zukunftsthema, glaubt Andreas Knie. Dennoch

dürfe man nie die Frage des Nutzens aus dem

Blick verlieren. „Autonomie wird uns Vorteile in bestimmten

Teilbereichen bieten. Aber sie allein wird

zum Beispiel nicht das Problem der hohen Verkehrsbelastung

in unseren Städten lösen.“ Ähnlich sieht

das auch Toralf Trautmann von der HTW Dresden.

„Es ist vielleicht gar kein Vorteil, jedes Auto überall

voll autonom fahren zu lassen“, so der Forscher. Man

könnte Selbststeuerung in Situationen einsetzen, die

der Steuerungstechnik der Systeme entgegenkommen

und den Menschen dort wieder ins Spiel bringen, wo

der Sicherheitsaufwand am größten ist. „Stellen Sie

sich vor, Sie rufen ein Robotaxi. Das E-Mobil parkt

an einer Ladestation, rollt langsam, sicher und vollautonom

bis zu Ihrer Haustür. Dann steigen Sie ein und

fahren selbst weiter.“ Man hätte so quasi nebenbei

eine Lösung für ein weiteres drängendes Problem parat:

den Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektromobilität.

Statt immer mehr Stationen bauen zu müssen,

könnte man den Ladevorgang den autonomen

Fahrzeugen gewissermaßen selbst überlassen. ■

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24

Mobility & Logistics

ONE

QUESTION

Machen Maschinen

eigentlich weniger

Fehler im Straßenverkehr?

ONE

ANSWER

»Die sichersten Systeme kombinieren

Mensch und Maschine. Das gilt für

den Piloten im Flugzeug, den Bahnführer

im digital vernetzten Bahnverkehr,

und das wird auch bis auf weiteres

im hochautomatisierten Fahren so

bleiben. Fahrerloses Fahren wird die

Ausnahme auf besonders präparierten

Teilstrecken bleiben.«

( Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Philosoph und

Kulturstaatsminister a.D., lehrt seit 2004 an der

Ludwig-Maximilians-Universität München. )

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25

Cybersecurity

TRENDING TOPICS

04

Cybersecurity

short cut / Cybersecurity, auch IT-Sicherheit oder umfassender:

Informationssicherheit / Konzept, um jegliche Art von

digitalen Daten und Informationssystemen, Soft- und Hardware

zu schützen / Essentiell für mittelständische Unternehmen und

Start-ups, da diese vermehrt zur Zielscheibe von Cyberattacken

werden / Besonders betroffen sind gegenwärtig auch Unternehmen

aus der Energiewirtschaftsbranche

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26

Cybersecurity

Mit Honigtöpfen

gegen Hacker

1

TRENDING TOPICS


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Cybersecurity

Cyberangriffe sind für Unternehmen

und staatliche Institutionen

gleichermaßen eine Bedrohung.

Datenverschlüsselungen müssen

fortlaufend verbessert werden,

um im Katz-und-Maus-Spiel gegen

Hacker nicht abgehängt

zu werden.

text

Guido Walter

Das Licht geht aus, der Kühlschrank streikt, der Fernseher

sendet ein schwarzes Bild. Kaum ein Szenario

bereitet den Deutschen mehr Angst als ein landesweiter

„Blackout“. Die Furcht davor mag übertrieben

sein. Doch dass kritische Infrastrukturen wie Energieversorger

angreifbar sind, ist eine Tatsache. So warnt

etwa das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

(BSI) vor Hackerangriffen auf deutsche

Energieversorger. Die Unternehmen, so das BSI, seien

Ziel einer großangelegten Cyber-Angriffskampagne.

In einigen Fällen verschafften sich die Angreifer Zugriff

auf die Büronetzwerke der Unternehmen. In

Produktions- oder Steuerungsnetzwerke drangen die

Hacker allerdings nicht vor. Für Franziska Leitermann

vom Dresdener IT-Unternehmen Cloud & Heat kein

Grund zur Entwarnung. „Das aktuelle Beispiel der

großangelegten Hackerangriffe auf Energieversorger

zeigt einmal mehr die Gefahren, denen große Unternehmen

und Behörden ausgesetzt sind.“

ILLUSTRATION

1

Gefährliche Hacks:

Je digitalisierter die Wirtschaft,

desto intelligenter gehen auch

die Hacker vor. Unternehmen

werden seit geraumer Zeit

deutlich häufiger attackiert als

noch vor Jahren. Aber auch

Behörden trifft es regelmäßig.

Die Zahlen sind in der Tat beängstigend. Laut einer

Studie des Digitalverbands Bitkom entstand Unternehmen

hierzulande in den Jahren 2015 und 2016

jährlich ein Schaden von 55 Milliarden Euro durch

Cyberattacken. Etwa jedes zweite Unternehmen war

schon einmal von Spionage, Sabotage oder Datendiebstahl

betroffen. Die Folgen können weitreichend

sein: Bei 17 Prozent der Unternehmen wurden

sensible digitale Daten wie Mails, Finanz- oder

Kundendaten entwendet. Bei 11 Prozent waren es

Patente oder Informationen aus Forschung und

Entwicklung. Behörden und Unternehmen werden

deutlich häufiger attackiert als noch vor Jahren.

„Oft merken Firmen viel zu spät, dass Daten abgeflossen

sind“, sagt Teresa Ritter, Referentin Sicherheitspolitik

beim Bitkom. „Die Dunkelziffer ist also

erheblich.“ Auch aus Angst vor Imageschäden hängen

Unternehmen einen Schadensfall ungern an die

große Glocke. „Ein entdeckter Schaden sollte aber

TRENDING TOPICS


28

Cybersecurity

umgehend bei staatlichen Stellen gemeldet werden,

damit diese ein Lagebild erstellen können“, erklärt

Ritter. „Andere Unternehmen bekommen so die

Möglichkeit, sich zu schützen.“

Absolute Sicherheit

gibt es nicht

Eine IT-Attacke kann für Unternehmen existenzgefährdende

Dimensionen annehmen. Durch einen

Hackerangriff auf A.P. Møller-Mærsk, die größte Container-Reederei

der Welt, entstand 2017 ein Schaden

von geschätzten 300 Millionen US-Dollar. Angreifer

legten die Firma mit Erpressersoftware zeitweise lahm.

Auch der Nivea-Hersteller Beiersdorf wurde bereits attackiert

und beziffert den Umsatzausfall durch einen

Hackerangriff auf 35 Millionen Euro. „Absolute Sicherheit

gibt es nicht“, sagt Oliver Nyderle, Leiter Digital

Integrity Solutions bei T-Systems Multimedia Solutions.

Informationssicherheit sollte ihm zufolge als

fortwährender Prozess begriffen werden. „Sicherheit

im Unternehmen muss gelebt werden“, sagt Nyderle.

Und das nicht nur in Unternehmen, sondern auch

in politischen Institutionen, die im Fokus der Bürger

stehen und besonders hohe Ansprüche an Vertraulichkeit,

Verfügbarkeit und Integrität ihrer verarbeiteten

Daten haben. Der „Bundestags-Hack“ von 2015, bei

dem mutmaßlich russische Hacker Daten im Umfang

von 16 Gigabyte stahlen, rief gar den Generalbundesanwalt

auf den Plan. „Vorfälle wie der Bundestags-

Hack haben gezeigt, dass die IT-Systeme politischer

Institutionen ein äußerst interessantes Angriffsziel

darstellen“, sagt Nyderle. Auch das sächsische Verwaltungsnetz

verzeichnet immer wieder Spähangriffe.

ILLUSTRATION

2

Präventiv: Neben der Verschlüsselung

der Daten sollen

auch smarte Sicherheitssysteme

Hacker abwehren.

Die Software „Honey Sens“

simuliert typische Netzwerkdienste

mitsamt potentiell

lukrativen Angriffszielen – und

stellt so „Hackerfallen“.

2

Die Behörden entschieden sich daher, eine „Honigfalle“

aufzustellen: „Honey Sens“, zusammengesetzt

aus „Honeypot“ und „Sensoren“, ergänzt bestehende

Sicherheitsarchitekturen von Behörden- oder Unternehmensnetzwerken.

„Die Software simuliert über

Sensoren im Netz verwundbare und damit für Angreifer

attraktive Schwachstellen, die sogenannten

Honigtöpfe“, sagt Karl-Otto Feger, Beauftragter für

Informationssicherheit des Freistaates Sachsen. „Diese

Hackerfallen zeichnen bei einem verdächtigen Zugriff

auf das Netz alle Datenströme auf und leiten sie

an einen Zentralserver zur Prüfung und Alarmierung

weiter.“ Die „Honigtöpfe“ sammeln so wertvolle Informationen,

um das IT-System gegen unbefugtes

Eindringen von außen zu schützen. „Durch 'Honey

Sens' können Angriffe in Echtzeit bemerkt, der Ursprung

des Angriffs identifiziert und entsprechende

Gegenmaßnahmen sofort eingeleitet werden“, sagt

Feger. Erste Unternehmen setzen diese Lösung inzwischen

ein. Die enge Zusammenarbeit mit Sachsen

beim Einsatz und in der Weiterentwicklung von

„Honey Sens“ ist derzeit bundesweit einzigartig.

Katz-und-Maus-Spiel gegen

potentielle Hacker

In Zeiten der zunehmenden Digitalisierung industrieller

Steuerungssysteme müssen die Abwehrmaßnahmen

Schritt halten. Cybersecurity wird in einer

immer vernetzteren Produktionswelt noch wichtiger.

Aber wie schützen wir die Smart Factory, deren

Kernstück die Software ist und die Industrie 4.0

sowie umfassende Datenanalysen erst ermöglicht?

„Es ist wichtig, die Smart Factory physisch und

softwareseitig gegen oft unsichtbare Cyberangriffe

zu schützen“, sagt Leitermann von Cloud & Heat.

„Das kann physisch durch Private-Cloud-Lösungen

geschehen, aber auch durch besondere Schutzmaßnahmen

bei Public-Cloud-Angeboten.“

Fest steht, dass Datenverschlüsselungen fortlaufend

verbessert werden müssen, um im ständigen

Katz-und-Maus-Spiel gegen potentielle Hacker nicht

abgehängt zu werden. Das wird sich auch mit Blick auf

die Zukunft nicht ändern. „Interessante Entwicklungen

gibt es im Bereich der Künstlichen Intelligenz“, so

Leitermann. KI-Firewalls könnten Verhaltensanalysen

von Angreifern durchführen und selbständig dazulernen.

Und hochspezialisierte Quantencomputer könnten

Verschlüsselungen durchführen, die so komplex

sind, dass nur ein weiterer Quantencomputer diese

wieder entschlüsseln kann. Entscheidend aber bleibt

der menschliche Faktor. Auch in Zukunft braucht es

gut geschulte und ausgebildete Mitarbeiter, die mit

den steigenden Ansprüchen an die Technologien mitwachsen

können. ■

TRENDING TOPICS


29

E-Commerce

TRENDING TOPICS

05

E-

Commerce

short cut / Electronic Commerce, kurz: E-Commerce,

auch elektronischer Handel / Das Bewerben, An- und Verkaufen

von Waren und Dienstleistungen im Internet / Händler fahren

Omni-Channel-Strategie mit Shops und Marktplätzen /

Interaktion mit dem Kunden über mobile Devices rund um

die Uhr möglich / Verschiebung vom stationären Handel hin zu

E-Commerce / B2C-E-Commerce-Umsätze laut Prognosen im

Jahr 2020 bei rund 77 Milliarden Euro

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30

E-Commerce

1

text

Sabine Simon

Ein Hoch auf die Community

Vom studentischen Start-up

zum europäischen Marktführer:

Warum das Social-Commerce-

Unternehmen Spreadshirt

so vieles richtig gemacht hat.

TRENDING TOPICS


31

E-Commerce

BILDER

1

Ein Blick in die Produktion:

Hergestellt werden die Shirts

beispielsweise im tschechischen

Krupka, bevor sie auf die

Reise zum Kunden gehen.

2

Lunch with a View: Zum Mittagessen

geht es bei Spreadshirt

rauf auf die Dachterrasse.

3

Hier wurden früher Eisenbahnkräne

montiert:

das Headquarter im Leipziger

Stadtteil Plagwitz.

Individualität

Das, was bei Spreadshirt

passiert, könnte man als

Social Commerce bezeichnen:

Der Konsument wird

zum Produzenten. Eine Idee,

die ankommt bei den Usern

und gut 80 000 aktiven

Verkäufern.

Einkaufen geht heute online: Das schicke Paar Schuhe

oder die neue High-End-Kamera sind mit dem

Smartphone nur einen Klick entfernt. Unkompliziert

und rund um die Uhr. Kein Wunder, dass der

E-Commerce-Umsatz durch die Decke geht. Jeder

achte Euro im Einzelhandel wird deutschlandweit

im Internet ausgegeben. Standards setzen Ebay oder

Amazon, aber auch kleinere Firmen spielen ganz

oben mit. Spreadshirt zum Beispiel. 2002 gegründet,

gehört das Leipziger Unternehmen zu den weltweit

führenden E-Commerce-Plattformen für den On-

Demand-Druck. Das liegt einerseits am Produkt.

Wirklich jeder trägt T-Shirts. Anderseits bestimmt

auch der Absatzkanal über den Erfolg: „In einer

Welt, in der Tech und E-Commerce alles sind, ist das

Konzept entscheidend“, sagt Philip Rooke, CEO von

Spreadshirt, und meint damit das veränderte Kaufverhalten

der Konsumenten.

Wer bei Spreadshirt ordert, wünscht sich

schnelle Verfügbarkeit und Individualität. Auf dem

Marktplatz und in Tausenden Shops bieten Verkäufer

auf Provisionsbasis Merchandising oder Designs vor

allem für T-Shirts und Accessoires an. Kunden haben

zudem die Möglichkeit, Produkte nach eigenen

Wünschen zu gestalten, mit individuellen Entwürfen

oder Motiven aus der Community. Den Rest übernimmt

der Onlinehändler: vom Druck bis zum Versand.

Das, was bei Spreadshirt passiert, könnte man

als Social Commerce bezeichnen: Der Konsument

wird zum Produzenten. Eine Idee, die ankommt bei

den Usern und gut 80 000 aktiven Verkäufern. 2017

lieferte das Unternehmen fast fünf Millionen Produkte

aus, erwirtschaftete rund 107 Millionen Euro.

Nur ein Klick

Wollte man Vergleiche ziehen, ist Spreadshirt-Gründer

Lukasz Gadowski so etwas wie der Steve Jobs der

deutschen Start-up-Szene. Was der gebürtige Pole

anfasst, wird irgendwie gut: Lieferheld, Mister Spex,

Brands4Friends oder StudiVZ. Spreadshirt gründete

der heute 40-jährige Tech-Entrepreneur noch während

seiner Studienzeit – und verdiente so seine erste

Million. Für ein Projekt sollte Gadowski seinerzeit

ein Kasseler Textildruckunternehmen, das Jahre vorher

sein eigenes Abi-Shirt bedruckt hatte, strategisch

beraten. Keine leichte Aufgabe, denn das Bedrucken

von Einzelstücken lohnte sich kaum und war noch

dazu sehr teuer für die Kunden. Nachdem er Prozesse

optimiert und geraten hatte, „irgendwas mit

dem Internet zu machen“, kam Gadowski auf die

Idee für ein eigenes Business: einen Onlineservice für

Merchandising-Anbieter und Kunden gleichermaßen.

Jeder sollte bei ihm Bekleidung und Accessoires

mit Wunschmotiven bedrucken lassen können. Mit

Investoren sah es zunächst aber schlecht aus. Trotzdem

baute Gadowski in einer Kellerecke der Handelshochschule

Leipzig die erste Spreadshirt-Website.

Diplom-Ingenieur Matthias Spieß kam ihm zu Hilfe,

und 2002 gründeten die beiden die Spreadshirt GbR.

Weil sie keinen einzigen Cent zur Verfügung hatten,

finanzierten sie sich in den ersten Jahren nur durch

T-Shirt-Verkäufe. Aus eigener Kraft wuchs Spreadshirt

von Monat zu Monat um durchschnittlich 15

Prozent. Das Unternehmen expandierte in die USA.

Neue Mitarbeiter kamen hinzu, bald schon musste

eine größere Produktionsstätte her.

Das ist nun mehr als zehn Jahre her. Inzwischen

ist Spreadshirt global unterwegs, in 18 Ländern

weltweit. Gadowski und Spieß sitzen nur noch im

Aufsichtsrat. Produziert wird neben Leipzig in Legnica

(Polen), dem tschechischen Krupka, im amerikanischen

Greensburg und in Las Vegas. Bei aller In-

2

3

TRENDING TOPICS


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E-Commerce

Das Smartphone

wird

zum ständigen

Begleiter, die

Filiale zum

begehbaren

Onlineshop.

Es geht um

Inszenierung

der Produkte

– und um

Einkaufserlebnisse.

ternationalität bleibt Spreadshirt seinen Wurzeln treu.

Und die liegen nun mal in Sachsen. Leipzigs Stadtteil

Plagwitz mit seinen kleinen Cafés, dem Bäcker um die

Ecke und der lebhaften Künstler- und Alternativszene

ist da so etwas wie der feste Boden unter den Füßen im

schnelllebigen Online-Zeitalter.

Und rasend schnell ist vor allem die Art und

Weise, wie Kunden heute einkaufen: Das Produkt

der Wahl ist im Netz nur noch einen Klick entfernt.

Der Einzelhandel muss darauf reagieren – mit personalisierbaren

Produkten und mit einer auf die Vorlieben

der Konsumenten zugeschnittenen Auswahl.

Denn die unterscheiden längst nicht mehr zwischen

stationär oder online. Das Stichwort hier: Multichannel-Shopping.

Vor allem der US-Handel hat das

längst erkannt. Das Smartphone wird zum ständigen

Begleiter, die Filiale zum begehbaren Onlineshop.

Es geht um Inszenierung der Produkte – und um

Einkaufserlebnisse. Gekauft wird letztlich vor allem

online. Oder eben doch im Laden, der – Apple macht

es vor – inzwischen ohne Kassensysteme auskommt.

Bezahlt wird übers Smartphone des Verkäufers, der

Kassenbeleg kommt, wenn gewünscht, per E-Mail.

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Kleidung als Form von

Social Media

Mittlerweile sind mehr als 750 Menschen für

Spreadshirt tätig, rund 350 davon in der Leipziger

Firmenzentrale: von Kundenberatern über Frontend-

Architekten, Juristen und Marketingexperten bis hin

zu Mitarbeitern in der Produktion. Man hat versucht,

sich den Start-up-Charakter zu bewahren. In

der alten Fabrikhalle an der Gießerstraße, wo einst

BILDER

4

Work in Progress:

Vom Einzelstück bis zur

Sammelbestellung kann das

Leipziger Unternehmen

alles liefern.

6

5

CEO Philip Rooke: Der gebürtige

Brite sammelte vor seiner

Zeit bei Spreadshirt bei Tesco

(Großbritannien) wichtige

Erfahrungen in Sachen

E-Commerce.

6

Alle Farben und Größen:

Damit die Bestellungen zeitnah

bedruckt werden können, gibt’s

im Lager T-Shirts auf Vorrat.

7

Spreadshirt arbeitet überwiegend

mit Digitaldruck,

aber auch Folien bringen das

Wunschmotiv oder den Lieblingsspruch

aufs Accessoire.

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E-Commerce

Eisenbahnkräne montiert wurden, geht es entspannt

zu. Der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter liegt irgendwo

bei 30. Die meisten tragen Shirts, mancher

läuft barfuß oder in Socken. Die Türen zu den Großraumbüros

stehen offen, draußen im Flur trifft man

sich zum Quatschen am Kaffeeautomaten. Bereits vor

Jahren hat man eine Feel-Good-Managerin eingestellt.

Stefanie Frenking, ebenfalls verantwortlich fürs Recruiting,

bringt ein bisschen Silicon Valley nach Leipzig.

Denn Wohlfühlmanager kennt man sonst eher nur

von großen Tech-Firmen wie Facebook oder Google.

„Es geht darum, die Leute happy zu machen. Wir verbringen

schließlich viel Zeit im Büro“, sagt Frenking

und erzählt von Wandertagen, Sprachkursen, flexiblen

Arbeitszeiten oder Yoga. Zum Lunch geht es auf die

Dachterrasse. Gesprochen wird Englisch, die gemeinsame

Sprache von Mitarbeitern aus 27 Nationen.

CEO Philip Rooke kam 2009 zu Spreadshirt,

zunächst als Leiter der Abteilung Sales und Marketing.

2011 rückte der gebürtige Brite zum CEO

auf. Und er weiß, wovon er spricht. Vor Spreadshirt

war Rooke Teil des Managements der britischen Supermarktkette

Tesco, die als einer der Vorreiter des

E-Commerce gilt. Was Spreadshirt kann, bringt Rooke

auf den Punkt: „Es reicht heute nicht mehr aus, etwas

zu teilen, zu liken oder zu twittern. Man muss seine

Botschaft auf der Brust tragen.“

Der Traffic in Spreadshirts Community ist

hoch: Pro Woche werden mehr als 200 000 neue

Designs hochgeladen. Zusammengerechnet wurden

bisher gut zwei Millionen Quadratmeter T-Shirt-Fläche

bedruckt, was etwa der Fläche von 280 Fußballfeldern

entspricht. Tendenz steigend. Das Internet macht

die Kombination von Massenproduktion und Einzelstück

möglich. Ob T-Shirts, Poster und Wandbilder,

Tassen, Hoodies oder Baby-Strampler: Geordert wird

im Shop alles, was man sich vorstellen kann. Und was

erlaubt ist. Spreadshirt propagiert die freie Meinungsäußerung,

eine Abteilung prüft dennoch hochgeladene

Dateien. Sind sie nicht als Marke geschützt und

enthalten weder illegale noch hetzerische Inhalte, werden

sie freigegeben – und stehen der Community zur

Verfügung. Bedruckt werden die Baumwollshirts dann

an den fünf Produktions standorten mit unterschiedlichen

hochwertigen Drucktechniken – je nach Anforderung.

Danach wird die Ware in alle Welt verschickt.

Neue Einkaufserlebnisse

schaffen

Dass heute niemand mehr um die Optimierung seiner

Webinhalte für die Darstellung auf mobilen Endgeräten

herumkommt, verdeutlicht folgende Statistik:

Mehr als 40 Prozent aller Bestellungen kamen 2017

bei Spreadshirt über Smartphones. Das belegen auch

Mobile Endgeräte

haben

einen erheblichen

Einfluss

auf das Kaufverhalten;

fast 30 Prozent

des Onlineumsatzes

werden derzeit

durch Käufe

mit dem Smartphone

erzielt.

aktuelle Zahlen des Handelsverbandes Deutschland:

Fast 30 Prozent des Onlineumsatzes werden derzeit

durch Käufe mit dem Smartphone erzielt. Und selbst

wer stationär kauft, informiert sich vorher im Netz.

Auch Sprachassistenten spielen dabei eine immer

größere Rolle. Letztlich geht es immer auch um eine

Vereinfachung und Erleichterung des Einkaufserlebnisses.

Stichwort: Künstliche Intelligenz. Der Einsatz

von algorithmischen Entscheidungen im Handel ist

vielfältig. Von personalisierten Produktempfehlungen

über intelligente Preisgestaltung bis hin zu Chatbots

und Promotion-Robotern – welche Technik sich hinter

welcher Lösung verbirgt, ist für den Kunden erst

einmal zweitrangig. Hauptsache, er kommt schnell

und einfach an sein Lieblingsprodukt.

Die neuen Trends im E-Commerce verfolgt

auch Philip Rooke ganz genau, der die Reichweite

von Spreadshirt weiter steigern will. In Konkurrenz

steht er dabei vor allem mit Amazon. Auf den Online-

Riesen und seinen Marketplace entfielen 2017 bereits

46 Prozent des Onlineumsatzes in Deutschland. Der

Onlinehändler setze Standards, die kleine E-Commerce-Unternehmen

nur schwer halten könnten, so

Rooke. „Wir müssen kontinuierlich hart daran arbeiten,

unsere Kundenservices und Lieferzeiten zu verbessern,

um mit Amazon konkurrieren zu können.“

Und der CEO hat noch ein weiteres großes Ziel: Als

Nächstes will das Unternehmen von Leipzig aus den

asiatischen Markt erobern. ■

FAKTEN // Standort: Leipzig / Gründungsjahr: 2002 /

Mitarbeiter: rund 750 weltweit, davon ca. 350 am Hauptsitz

in Leipzig / Geschäftsführung: CEO Philip Rooke /

Mission: E-Commerce-Plattform für den On-Demand-

Druck von Kleidung und Accessoires

7

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Inspirational Companies

Inspirational Companies

Smarte Unternehmensideen auf dem Weg

in die digitale Zukunft

ILLUSTRATION

ANDRÉ GOTTSCHALK

text

CHRISTIANE ZIMMER

PHACON

Trainingsgeräte für Chirurgen

Künstliche Schädel aus dem

3-D-Drucker, an denen Chirurgen

schwierige Operationen trainieren

können: Die Phacon GmbH aus

Leipzig hat sich auf 3-D-Modelle für

die präoperative Planung spezialisiert.

Mehr als 100 Kliniken beliefern

Robert Haase und Hendrik Möckel

mit ihren digitalen Trainingsmodellen.

2017 feierte das Unternehmen

sein zehnjähriges Bestehen. Die

Modelle simulieren Operationen

unter realistischen Bedingungen,

das Trainingssystem besitzt eine

realistische Haptik und ein patentiertes

Detektionssystem: Sobald

der Operateur einen Fehler macht,

ertönt ein akustisches Signal.

www.phacon.de

LSA

Schlaue Frühwarnsysteme

Smart Maintenance bedeutet Instandhaltung

mit Köpfchen, damit Produktionsanlagen

durch ein „intelligentes“

Frühwarnsystem rechtzeitig gewartet

werden, bevor sie ausfallen. Komplexe

Systeme und komplizierte

Technologien zu automatisieren ist

der Anspruch der Wolkensteiner

LSA GmbH Leischnig. Geschäftsführer

Steffen Leischnig hat sich der

Zuverlässigkeitssteigerung von

Arbeits- und Produktionssystemen

verschrieben. Die Innovationen entstehen

in einer Forschungs- und

Entwicklungsarbeit, die das Unternehmen

in Kooperation mit den

technischen Hochschulen der Region,

verschiedenen Forsch ungsinstituten

sowie anderen Unternehmen

verwandter Branchen betreibt.

www.lsa-gmbh.de

Mindance

Mentale Auszeit am Arbeitsplatz

Weniger Stress, bessere Konzentration

und Leistungsfähigkeit: Das

verspricht das digitale Mentaltraining,

das Lukas Stenzel und Robin

Maier vom Leipziger E-Health-Startup

Mindance entwickelt haben. Es

richtet sich an Unternehmen, die

Mentalcoaching in ihr betriebliches

Gesundheitsmanagement und die

Personalentwicklung einbinden wollen.

Mit der App können Mitarbeiter

auf eine Vielzahl von Mentaltrainings

zugreifen. Kurze Audioübungen

sollen die Leistungsfähigkeit

fördern und helfen, Stress zu reduzieren.

Mit ihrer Idee hat es Mindance

2017 in das Mentoring-Programm

des Spin-Lab-Accelerators

der Leipziger HHL und der AOK

Plus geschafft. Mit einem kleinen

Team arbeitet die Firma derzeit an

der Weiterentwick lung ihrer App.

Bald schon soll es den Mentaltrainer

für die Hosentasche geben.

www.mindance.de

Unger Kabelkonfektion

Hochgradig automatisiert

Wer hat es gebaut? Beim Blick auf

den Stecker der elektrischen Zahnbürste

im heimischen Badezimmer

steht dort in vielen Fällen Folgendes

geschrieben: Unger. Der Systemlieferant

aus Sehmatal im Erzgebirge

ist auf die Konfektion von Kabeln

und Leitungen spezialisiert – im betriebseigenen

Sondermaschinenbau

werden darüber hinaus vollautomatische

Fertigungsanlagen entwickelt.

Der Familienbetrieb übernimmt so

unter anderem die kundenindividuelle

Verpackung der hergestellten

Waren. Mit 240 Mitarbeitern ist die

Unger Kabel-Konfektionstechnik

GmbH & Co. KG der größte Arbeitgeber

im Ort, kürzlich investierte Inhaber

Ronny Unger zwölf Millionen

Euro in ein vollautomatisiertes

Hochregallager. In den denkmalgeschützten

Firmengebäuden einer

alten Textilfabrik wohnt jetzt modernste

Industrie-4.0-Technologie.

www.unger-kabelkonfektion.de

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Inspirational Companies

wattTron

Revolution für den Joghurtbecher

Rund 3,5 Millionen Tonnen thermogeformte

Verpackungen – vom

Joghurtbecher bis zur Blister-Verpackung

– werden jährlich allein in

Europa produziert. Der dafür benötigte

Energieaufwand ist enorm.

Umso interessanter ist die Erfindung

des 2016 gegründeten Start-ups

Watttron. Das Dresdner Unternehmen

produziert ein Heizsystem, das

30 Prozent Material und Energie bei

der Herstellung von Kunststoffverpackungen

einspart. Dabei werden

über einzelne, individuell geregelte

Heizkreise Temperaturfelder auf der

Kunststoffoberfläche erzeugt, wodurch

das Formverhalten der Kunststofffolie

gezielt gesteuert werden

kann. Das Resultat ist eine verbesserte

Produkt qualität bei gleichzeitiger

Reduktion der Foliendicke. Watttron

ist ein Spin-off des Instituts für

Verarbeitungsmaschinen und Mobile

Arbeitsmaschinen der Technischen

Universität Dresden und des Fraunhofer-Instituts

für Verarbeitungsmaschinen

und Verpackungstechnik.

Für das System erhielt Watttron den

Deutschen Verpackungspreis und

den IQ Innovationspreis 2017.

www.watttron.de

SENSAPE

Next Generation Digital Signage

Wenn George Clooney aus dem

Schaufenster heraus mit den

Augen zwinkert oder ein digitaler

Ladenassistent die Details zu dem

Produkt erläutert, das der Kunde

gerade in der Hand hält, dann ist

mitunter Sensape beteiligt. Denn

auf derartige Infotainment-Systeme

setzt das Leipziger Start-up. 2015

haben Matthias Freysoldt und Artur

Lohrer ihr Unternehmen gegründet

– ein Spin-off der HHL Leipzig,

das vom Bundesministerium für

Wirtschaft und Energie gefördert

wird. Die „Sensape Visual Retail

Solution“ kombiniert einen klassischen

Digital-Signage-Ansatz mit

Künstlicher Intelligenz und Augmented

Reality. Die selbstlernende

Bildbearbeitungssoftware reagiert

auf ihre Umgebung und interagiert

mit Passanten.

www.sensape.com

SQS

Testcenter Digitalisierung

In Görlitz machen Roboter den

Eignungstest, wird das autonome

Fahren auf Herz und Nieren geprüft

oder die Wirksamkeit von Carsharing-Modellen

unter die Lupe

genommen, damit die Autos auch

genau dort stehen, wo die App es

vorgibt. Am Rande des Freistaates

Sachsen werden die Weichen für

die Digitalisierung gestellt, denn

SQS, ein Anbieter von Services im

Bereich Qualitätssicherung für

digitale Geschäftsprozesse, betreibt

hier eines seiner wichtigsten Testzentren.

Für die Region ist SQS ein

wichtiger Motor. Mit Fachkräften aus

der Region im Dreiländereck mit Polen

und der Tschechischen Republik

zeigt das Unternehmen, wie Integration

und Zusammenarbeit der

Kulturen in der Praxis funktionieren.

www.sqs.de

Kiwigrid

Frisches Obst für schlauen Strom

Ein intelligentes Stromnetz – das

ist die Vision von Kiwigrid. Seit

2011 betreibt das Dresdner Unternehmen

eine Managementplattform

für den Energieverbrauch. Mit dem

System bestehend aus Softwareund

Hardwarelösung kann der

Nutzer Solarstromanlagen, Energiespeicher

oder E-Mobil-Ladestationen

überwachen und aus der Ferne

steuern. Über das Internet können

Geräte wie Stromzähler, Akkus,

Speicher, Windräder und andere

Maschinen miteinander kommunizieren

und sich vernetzen. Auf den

Namen Kiwigrid kam Gründer

Carsten Bether übrigens, weil ihn

der Kranz aus feinen, strahlenförmigen

Linien und dunklen Punkten

der Kiwi-Frucht an Energienetze –

englisch: Grids – erinnerte. Nach

Apple und Blackberry kommt

mit Kiwigrid somit frisches Obst

aus Sachsen in die IT-Welt.

www.kiwigrid.com

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Künstliche Intelligenz

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Künstliche

Intelligenz

short cut / Künstliche Intelligenz (KI), englisch: Artificial

Intelligence (AI) / Selbstlernende Computerprogramme, die

in speziellen Bereichen übermenschliche Fähigkeiten erreichen /

Systeme vergleichen riesige Datenmengen und entwickeln daraus

Algorithmen, um selbständig Entscheidungen treffen zu

können / Spannungsfeld: Was können Maschinen genauso gut

oder besser als Menschen? / Amerikanische und asiatische Tech-

Unternehmen beherrschen jüngste KI-Fortschrittswelle

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37

Künstliche Intelligenz

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Künstliche Intelligenz

Ein neuer

Quantensprung

Die Aufgabe ist eigentlich wie geschaffen für eine Künstliche

Intelligenz (KI): Lieber Computer, bitte führe

mich in meinem Auto staufrei durch die Stadt. Vor allem

Bewohner von Megacities würden sie dafür lieben.

Autofahrer in Los Angeles, Spitzenreiter eines internationalen

Stau-Rankings der Firma Inrix, steckten 2017

sage und schreibe 102 Stunden im Verkehr fest.

Nun glaubt man es kaum, angesichts all der

Erfolgsmeldungen zu den Fähigkeiten von KI – aber

das Stau-Problem ist noch nicht wirklich lösbar.

Es ist zu komplex, die Anzahl an Möglichkeiten so

gewaltig, dass selbst der aktuell schnellste Supercomputer

nicht in der Lage wäre, die beste Route in

einer angemessenen Zeit zu errechnen. Er bräuchte

Hunderte von Jahren, um alle notwendigen Kalkulationen

durchzuführen.

Massive Investitionen / Allerdings besteht

Hoffnung, dass sich genau dies nun bald ändern

könnte. Seit kurzem lotet der Automobilkonzern VW

in Zusammenarbeit mit Google aus, wie sich solche

Verkehrsflussoptimierungen in Zukunft viel schneller

lösen ließen. Zum Einsatz kommen soll dabei eine

neue Generation von Computern, die Quantencomputer.

Lange waren diese Maschinen, die grundlegend

anders funktionieren als klassische Rechner, nur Theorie.

„Nun beobachten wir den Einstieg von Organisationen,

die in der Lage sind, die Systeme so zuverlässig

zu bauen, dass man von ernstzunehmenden

Rechenmaschinen sprechen kann“, sagt Frank Wilhelm-Mauch,

Professor für Quanten- und Festkörpertheorie

an der Universität Saarbrücken. „Das sind

im Augenblick Google, IBM, Microsoft und Intel,

aber auch die Europäische Union hat sich entschieden,

massiv in die Technologie zu investieren.“

Anders als ein herkömmlicher Computer arbeitet

ein Quantencomputer nicht mehr mit Bits,

sondern mit Quantenbits, kurz Qubits. Während

text

Klaus Lüber

Anders

als ein

herkömmlicher

Computer

arbeitet ein

Quantencomputer

nicht

mehr mit Bits,

sondern mit

Quantenbits.

Verhelfen Quantencomputer

der Künstlichen Intelligenz zum

Durchbruch?

Bits nur jeweils den Wert Null oder Eins annehmen

können, ist es Qubits aufgrund quantenphysikalischer

Gesetze möglich, den Zustand Null, Eins oder beide

Zustände gleichzeitig anzunehmen. Zudem können

zwei Quantenbits so miteinander verschränkt werden,

dass eine Operation an einem der beiden augenblicklich

auch das andere beeinflusst. Diese beiden

Besonderheiten sind der Grund dafür, dass ein Quantencomputer

gewisse Aufgaben sehr viel schneller

und mit weniger Bits erledigen kann. „Schon ab 50

funktionierenden Qubits sprechen wir von Quantenüberlegenheit“,

so Wilhelm-Mauch. „Dann ist der

Quantencomputer, zumindest bei bestimmten Aufgaben,

schneller als jeder klassische Supercomputer.“

Ungeklärte Fragen / Was die Anzahl funktionierender

Qubits angeht, ist Wilhelm-Mauch

optimistisch. „Ich denke, die magische Schwelle von

50 dürften wir schon im Laufe des nächsten Jahres

erreichen.“ Viel unklarer sei allerdings, wann die ersten

praktischen Anwendungen von den hoffnungsvoll

erwarteten Geschwindigkeitssteigerungen durch

Quanteneffekte profitieren. „Auf den augenblicklichen

kleinen Quantencomputern werden kleine

Versionen erprobt. Bis diese aber industrielle Skala

haben, vergehen je nach Use-Case möglicherweise

noch Jahrzehnte.“ Auch sei noch nicht ausgemacht,

welches Hardwaresystem sich durchsetzt. Wilhelm-

Mauchs Favorit sind supraleitende Schaltkreise,

gekühlt auf –270 Grad Celsius. Andere Forscher

basteln an Qubits aus Ionen oder Atomen, die schon

bei Zimmertemperatur funktionieren.

Müssen wir uns also doch noch gedulden,

bis uns quantencomputerbasierte Systeme staufrei

durch den Verkehr lotsen können? Möglicherweise

ja, meint der KI-Experte Hans Christian Boos, CEO

der Frankfurter Firma Arago: „Wir haben es hier mit

Fluidsimulationen zu tun, die kann man natürlich

quantentechnisch rechnen, aber im Augenblick ist

noch nicht einmal unser theoretisches Wissen über

solche Systeme besonders ausgereift.“ Die Vision des

VW-Google-Projekts, nämlich mit Hilfe des Quantencomputers

für jedes einzelne Auto in Echtzeit berechnen

zu können, wann es besser rechts oder links

abbiegen sollte, hält er noch für relativ realitätsfern.

Viel entscheidender ist für Boos, dass der

Quantencomputer einen Ausweg für ein drängendes

Hardwareproblem bei klassischen Computern bietet.

„Bislang konnten wir uns darauf verlassen, dass sich

die Rechenleistung im Verhältnis zur eingesetzten

Energie alle 18 bis 24 Monate verdoppelt.“ Doch

dieses sogenannte Moore'sche Gesetz stößt bald an

physikalische Grenzen. „Der Quantencomputer wird

uns helfen, den Rhythmus beizubehalten. Für KI-

Anwendungen ist das essentiell.“ ■

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Künstliche Intelligenz

»Wenn ich an

Künstliche Intelligenz

denke …

Angelika

bullingerhoffmann

Peter

Weibel

… denke ich an sprechende Dinge, doch

nicht nur an Alexa und Siri, sondern an

alle Gegenstände, die mit Minisensoren

bestückt und drahtlos mit einem Server

verbunden sind, der mir aktuelle Informationen

schickt. Dadurch entsteht ein

intelligentes Ambiente. Vor allem aber

wird Künstliche Intelligenz, besser als ich

es je vermöchte, die natürliche Intelligenz

meiner Mitmenschen analysieren, ihre Gedanken

offenlegen und ihr Verhalten voraussagen.

Wenn diese sich selbst mit Hilfe

Künstlicher Intelligenz vor diesen Analysen

schützen werden, beginnt der nächste

Schritt der Evolution: die Hyper-Intelligenz.

Künstliche Intelligenz ist nicht zuletzt die

technische Antwort der transhumanen

Sehnsucht des Menschen.«

( Prof. Dr. h.c. mult. Peter Weibel ist seit 1999 Vorstand des

Zentrums für Kunst und Medien ZKM in Karlsruhe. Als Künstler

ist er vor allem durch seine Arbeiten im Bereich der Medienund

Computerkunst bekanntgeworden. )

… begrüße ich die Chance, unsere Arbeitswelt sowohl

in Fabriken als auch im Büro zu vereinfachen. Informationen

stehen schnell und aufbereitet zur Verfügung,

Ressourcen werden passend eingesetzt – so können

Belastungen frühzeitig vermieden werden. KI hat

aber unsere menschliche Fähigkeit, komplexe Entscheidungen

zu treffen, bereits ein- und überholt, hier müssen

ethische und rechtliche Regeln Schritt halten.

Persönlichkeitsrechte und die Möglichkeit, das letzte

Wort zu haben, müssen wir schützen.«

( Prof. Dr. Angelika Bullinger-Hoffmann leitet seit April 2012 die Professur

Arbeitswissenschaft und Innovationsmanagement der TU Chemnitz. )

Ramin

Assadollahi

… sehe ich, dass Künstliche Intelligenz ganze Industrien

und ihre Arbeitsweisen verändern wird – ähnlich der Erfindung

der Dampfmaschine oder der Einführung von Strom.

Das kommt uns allen zugute, und ich bin überzeugt, dass

KI sehr viele positive Veränderungen bewirken wird. Natürlich

stellt diese Transformation auch die Gesellschaft vor Herausforderungen,

denn Relokalisierung von Arbeit erfordert

höherwertige Bildung und wirtschaftlichen Ausgleich an

die Länder, an die vormals outgesourct wurde.«

( Dr. Ramin Assadollahi ist CEO und Gründer von ExB Labs, einem Labor für die

Entwicklung innovativer Sprachverarbeitungsprodukte mit Sitz in München. )

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Künstliche Intelligenz

Yvonne

Hofstetter

Wolfgang

lehner

… freue ich mich auf die vielen schönen

Anwendungen, die uns eine Massen-Individualisierung

in der digitalen und klassischen

Welt ermöglicht. Und gleichzeitig

warne ich davor, das Missbrauchspotential,

das sich aus der Kombination von virtuell

unendlich zur Verfügung stehender Rechenkapazität,

umfassenden Datenbeständen

und skalierbaren statistischen Algorithmen

offensichtlich ergeben kann, überzubewerten.

Ein Dialog von transparenter Technik

und offener Gesellschaft wird nötig

sein, um die Entwicklung im Bereich der

Künstlichen Intelligenz in die richtigen

Bahnen zu lenken.«

( Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Lehner leitet die Database Technology

Research Group an der Technischen Universität Dresden. )

RUTGER

WIJBURG

… dann daran, dass es zwei Lager gibt: die einen, die glauben, man

müsse maximal viele Daten sammeln und sie nur durch eine KI

schieben, damit Wunder geschehen. Das ist die Mehrheit der Anwender.

Die erfahrenen Forscher hingegen wissen, dass KI nur mit guten

mathematischen Modellen und Konzeptarbeit für spezielle Anforderungen

wirklich leistungsfähig wird. Die besten Erfahrungen habe

ich damit gemacht, wenn KI mit anderen Verfahren integriert wurde.«

( Yvonne Hofstetter ist als Sachbuchautorin Trägerin des 53. Theodor Heuss Preises

und Geschäftsführerin der Teramark Technologies GmbH in München. )

THORSTEN

POSSELT

… kommen mir die Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft,

Akzeptanz und Verantwortung in den Sinn. Start-ups,

Investoren, Unternehmen, Bürger schauen mit unterschiedlichen

Erwartungen auf KI. Neugier und Technikbegeisterung

treffen auf Ängste vor Kontroll- oder Arbeitsplatzverlust. Es gilt

zu untersuchen, wie Mensch und Maschine zusammenarbeiten

können und welche Kompetenzen nötig sind, um mit

KI eine lebenswerte Zukunft zu gestalten«

( Professor Dr. Thorsten Posselt ist Leiter des Fraunhofer-Zentrums für

Internationales Management und Wissensökonomie IMW in Leipzig und Professor für

Innovationsmanagement und Innovationsökonomik an der Universität Leipzig. )

… sehe ich zunächst die digitale Transformation

als Ganzes, die für einen grundlegenden

Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft

sorgt. Künstliche Intelligenz bietet

Chancen für völlig neue Anwendungen.

Deutschland verfügt über wichtige Schlüsselindustrien

und kann bei dieser Entwicklung

eine führende Rolle übernehmen. Klar

ist aber auch: Für kritische Anwendungen

brauchen wir robuste und sichere Lösungen.«

( Dr. Rutger Wijburg ist Managing Director bei Infineon Dresden. )

PHILIPP

SLUSALLEK

… denke ich in erster Linie an die aufregende Zeit, die vor uns

liegt. Am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz

arbeiten wir derzeit an einer KI-Vision, die Arbeitsplätze und

Wohlstand sichern soll. Und die europäische Initiative Claire, die über

1000 Wissenschaftler hinter sich sammelt, wird künftig

KI-Forschung bündeln, Maschinelles Lernen mit tatsächlichem inhaltlichem

Verstehen verbinden und so Fortschritte liefern.«

( Prof. Dr. Philipp Slusallek ist Forschungsbereichsleiter Agenten

und Simulierte Realität beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche

Intelligenz DFKI in Saarbrücken. )

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Künstliche Intelligenz

»Wir könnten auf sie

verzichten, aber warum sollten wir?«

Weshalb wir keine Angst vor Künstlicher

Intelligenz haben müssen – ein Interview mit

Professor Sebastian Rudolph vom Institut für

Künstliche Intelligenz an der TU Dresden.

Interview

Sabine Simon

Professor Rudolph, viele glauben, beim Thema Künstliche

Intelligenz ginge es darum, dass Maschinen

künftig die Welt beherrschen. Ist das tatsächlich so?

Die in vielen Science-Fiction-Filmen heraufbeschworenen

Zukunftsszenarien, in denen die

Menschheit von Maschinen unterjocht wird,

halte ich mit Blick auf den heutigen Stand der

Technik für extrem weit hergeholt. Ich will

nicht ausschließen, dass in fernerer Zukunft

Maschinen ein eigenständiges Bewusstsein und

so etwas wie einen „Willen zur Macht“ entwickeln.

Für viel realer halte ich aber gegenwärtig

die Gefahr, dass Menschen KI-Systeme für ihre

Zwecke missbrauchen oder dass durch deren

fehlerhafte Programmierung ungewollt Schaden

entsteht. Hier ist einerseits die Politik gefordert,

sinnvolle Rahmenbedingungen zu schaffen,

andererseits kann auch die KI-Forschung selbst

durch die Entwicklung von Sicherungsmechanismen

basierend auf ethischen Grundprinzipien

wertvolle Beiträge leisten.

Können Sie den Begriff KI in ein paar kurzen,

vereinfachten Sätzen auf den Punkt bringen?

Anliegen der KI-Forschung ist es, Computer

mit Fähigkeiten auszustatten, die man eigentlich

nur intelligenten Wesen zutraut. Man

unterscheidet zwischen „schwacher KI“, bei der

es um die Lösung spezieller Probleme geht, und

„starker KI“, deren Ziel es ist, allgemeines intelligentes

Verhalten auf menschlichem Niveau

zu erreichen. Während Computer schon heute

bestimmte – auch komplexe – Aufgaben besser

als der Mensch bewältigen, etwa das Schachspiel,

ist nach wie vor unklar, ob und wie sich

starke KI erreichen lässt.

Müssen wir uns also nicht vor KI fürchten?

Nicht mehr und nicht weniger als vor dem

technischen Fortschritt allgemein, wenn

Sie mich fragen.

Stellen wir uns vor, es sei das Jahr 2050. Wie werden

sich Wirtschaft, Arbeit und Leben wohl durch KI

verändert haben?

So langfristige Vorhersagen liegen in der Regel

weit daneben. Es ist aber realistisch anzunehmen,

dass viele Lebensbereiche automatisiert sein

werden, vom Verkehr über die Kommunikation

mit Behörden bis hin zur Planung komplexer

Abläufe. Dies wird natürlich Umwälzungen auf

dem Arbeitsmarkt mit sich bringen, aber solche

Phasen gab es auch früher schon, zum Beispiel

im Zuge der Industrialisierung. In jedem Fall ist

zu erwarten, dass KI den Menschen von einer

Vielzahl lästiger Pflichten befreien wird.

Denken Sie an Unternehmen wie Google, Apple,

Facebook, Tencent oder Baidu: Sind wir in Deutschland

und Europa längst abgehängt, wenn es um

Themen der Digitalisierung geht?

Der Markt im IT-Bereich ist unglaublich schnelllebig.

Viele der genannten Unternehmen haben

von der Gründung bis zur wirtschaftlichen

Weltmacht nur zehn Jahre gebraucht. Deutschland

hat einen gesunden IT-Mittelstand, und

wer weiß, vielleicht entwickelt sich ja daraus der

nächste Global Player – die geeignete digitale

Infrastruktur und günstige wirtschaftspolitische

Rahmenbedingungen vorausgesetzt.

Was kann KI, was der Mensch nicht auch selbst

erledigen könnte?

Bei KI geht es um Aufgaben, die auch Menschen

bewältigen können, zum Beispiel das Erkennen

unerwünschter E-Mails oder das Führen von

Fahrzeugen. Ziel der KI-Technologie ist es aber,

zuverlässiger und schneller als der Mensch zu

sein und ihn zu entlasten. Hier gibt es eigentlich

keinen wirklichen Unterschied zu anderen

technischen Hilfsmitteln, wie etwas Navigationssystemen.

Wir könnten auf sie verzichten,

aber warum sollten wir? ■

Zur Person

Sebastian Rudolph ist

seit April 2013 Professor für

Computational Logic im

Institut für Künstliche Intelligenz

an der Fakultät Informatik

der Technischen

Universität Dresden. Er

beschäftigt sich vorrangig

mit Künstlicher Intelligenz

und hier vor allem mit dem

Forschungsgebiet Wissensrepräsentation

und logisches

Schließen – also der

Darstellung von menschlichem

Wissen in Computersystemen

und der

Berechnung logischer

Konsequenzen aus

diesem Wissen.

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FUTURE

IN 100

WORDS

Arbeiten,

Leben,

Wirtschaft,

Gesundheit:

Vier Visionäre

werfen

einen Blick

in die digitale

Zukunft.

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Future in 100 Words

UNSER LEBEN / »Manche sagen, dass

Technologien unser Leben zum

Schlechteren wandeln. Ich glaube,

sie wandeln es zum Besseren.

Die Ankunft eines so radikalen

Konzepts wie des World Wide Web

(Danke, Sir Tim Berners-Lee) und

mit ihm Google haben die Welt revolutioniert.

Informationen für alle

frei und verfügbar zu machen – das

ist eines der größten Geschenke,

das sich die Menschheit je selbst

gemacht hat und machen kann. Das

Ergebnis? Chancengleichheit und

Bildung, die grundsätzlich inklusive

und nicht diskriminierend sind und

die sich frei über alle Altersgruppen,

Nationen und Kulturen hinweg

erstrecken, führen zu einem grundlegend

neuen Gefühl der Selbstermächtigung.

Für alle. Jetzt und

in Zukunft.«

( Lady Kinvara Balfour ist Regisseurin,

Produzentin, Autorin und Sprecherin. Ihre

Arbeiten sind im Bereich Technologie, Mode,

Theater und Film zu finden. Sie ist Expertin

für Tech- und Consumertrends. )

UNSERe ARBEITSWELT / »Mein Leben

ist gleichzeitig explizit physisch und

digital vernetzt: reisend zwischen

zehn Städten auf drei Kontinenten

und verbunden mit meinen Büros

in drei Zeitzonen. Laptop, Smartphone,

Tablet und Headphones:

die gelebte Realität des digitalen

Office. Im Kontext der digitalisierten

(Arbeits-)Welt fällt Raum eine

neue Bedeutung zu: Es ist das Büro

als Sozial- und Begegnungsraum,

das neue Qualitäten und Strukturen

fordert. Unser Entwurf für das

Mediengebäude Collaborative Cloud

in Berlin ist ein Beispiel, wie Arbeitsplätze

der Zukunft konzipiert

sein können: im Spannungsfeld

zwischen fokussierter Arbeit und

direkter Teilnahme am gemeinschaftlichen

Austausch im physisch

erlebbaren Raum der Cloud.«

( OLE SCHEERen ist ein global tätiger Architekt

mit deutschen Wurzeln und Gründer von Büro Ole

Scheeren, dessen preisgekrönte Bauten urbane

Lebensräume neu gestalten. )

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Future in 100 Words

UNSERe WIRTSCHAFT / »Mit der

Digitalisierung werden die Herausforderungen

für die Wirtschaft

komplexer: Branchen rücken näher

zusammen und gleichzeitig werden

täglich 2,5 Trillionen Bytes Daten

erzeugt. Zukunft haben die Organisationen,

die diese Daten strategisch

nutzen. Aber mit 80 Prozent

aller geschäftsrelevanten Daten

passiert heute ... nichts. Deshalb

braucht es intelligente Lösungen

zur Datenanalyse und Auswertung,

sei es für eine personalisierte

Kundenansprache, vorausschauende

Planung oder für mehr Transparenz

in der Supply-Chain. In

der Nutzung von KI-Lösungen liegt

die Zukunft der Wirtschaft – und

dem Einsatz von Plattformen, auf

denen die Daten ausgetauscht

werden. Datenökonomie + Plattformökonomie

= Zukunft!«

UNSERe GESUNDHEIT / »Die Gesundheitsbranche

gilt als der Bereich, in

dem es die größten Veränderungen

geben wird: Krankenhäuser werden

durch KI oder Quantencomputer bis

zu 30 Prozent ihrer Kosten einsparen.

Menschen erhalten durch intelligente

Zahnbürsten Echtzeitdaten

über ihren Körperzustand, die Therapie

erfolgt über Medical Food.

Doch das ist erst der Anfang. Mit

Gen-Editing und der Produktion von

Ersatzteilorganen entstehen gerade

Technologien, die unser Leben radikal

verlängern werden. Falls diese

in den nächsten 80 Jahren marktreif

werden, wird mein heute dreijähriger

Sohn vermutlich mehr als 120

Jahre alt. Und Elon Musks Millioneninvestments

in die Hirn-Computer-

Schnittstelle macht es möglich, das

menschliche Hirn in einen Computer

hochzuladen.«

( Sven Gábor Jánszky ist Zukunftsforscher und

Chairman des größten Zukunftsforschungsinstituts

Europas „2B Ahead Think Tank“ mit Sitz in Leipzig. )

( Martina Koederitz war seit 2011 Vorsitzende

der Geschäftsführung von IBM in Deutschland. Seit

2018 leitet sie als Global Industry Managing Director

den Industrie- und Automobilsektor bei IBM. )

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DAS DIGITALZENTRUM

IN DEUTSCHLAND

TECHNOLOGIE-KOMPETENZEN NUTZEN –

DIGITALISIERUNG JETZT STARTEN!

Dresdens „Smart Systems Hub“ und Leipzigs

„Smart Infrastructure Hub“ mit den Partnern

in Chemnitz, Freiberg und Mittweida digitalisieren

Industrien und Infrastrukturen.

WWW.SMART-SYSTEMS-HUB.DE

WWW.SMARTINFRASTRUCTUREHUB.COM


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Smart Systems

TRENDING TOPICS

07

Smart

Systems

short cut / Smart Systems / Intelligente Integration von

Einzelkomponenten und neuen Materialien / In immer kleiner

werdenden Bauteilen sind immer mehr Funktionen abgebildet

und ermöglichen so immer anspruchsvollere Anwendungen /

Herausforderung: zunehmende Komplexität und Interdisziplinarität

/ Chancen vor allem im Bereich der Medizintechnik durch

verbesserte Diagnose, Therapie und Überwachung

TRENDING TOPICS


47

Smart Systems

Höher,

schneller

das

weiter,

ist

Credo

1

text

Christina lynN dier

FOTOS

Thomas MEyer


48

Smart Systems

BIOGRAPHY

Tino Petsch, 1967 geboren, gründete im Jahr 2002 die

3D-Micromac AG und leitet diese seitdem als Vorstand

und Hauptaktionär. Das Unternehmen mit Sitz in Chemnitz

ist auf Lasermikrobearbeitung spezialisiert. Die

wichtigsten Kunden stammen aus der Photovoltaik-,

Halbleiter-, Glas- und Displayindustrie sowie aus der

Mikrodiagnostik und Medizintechnik. Petsch setzt sich

besonders für den Wissenstransfer zwischen Hochschulen

und Industrie ein, 2012 wurde er als Sachsens

Unternehmer des Jahres ausgezeichnet.

2

TRENDING TOPICS


49

Smart Systems

3

BILDER

1

Gründer Tino Petsch hat die

3D-Micromac AG von einem

Start-up zu einem führenden

Laserspezialisten entwickelt.

2

Lösungen für die Photovoltaikindustrie:

Tino Petsch vor einer

microCELL-Anlage zur Laserbearbeitung

von Solarzellen.

3

Produkt-Showroom:

Am Hauptsitz in Chemnitz

können sich Kunden einen

Überblick über die Lasersysteme

verschaffen.

Warum ein

Unternehmer aus

Chemnitz genau

auf die Trends

aus dem Silicon

Valley schaut.

Herr Petsch, Präzision ist für Sie …

Beruf und Leidenschaft. Wir entwickeln Maschinen

für die Lasermikrobearbeitung – da geht

es um Mikrometer, also Tausendstel Millimeter.

Oder anders ausgedrückt: Das Haar einer Frau ist

in der Regel 60 Mikrometer dick, das Sechzigstel

eines Haardurchmessers entspricht also der Präzision,

mit der wir typischerweise arbeiten.

Sie haben die 3D-Micromac AG im Jahr 2002 gegründet

– seitdem hat sich das Unternehmen vom Start-up

zum führenden Spezialisten für die Lasermikrobearbeitung

entwickelt. Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis?

Dass Veränderungen sein müssen. „Höher,

weiter, schneller“ mag abgedroschen klingen,

aber es ist das Credo, das in dieser Branche

vorherrscht. Nur wer sich ständig weiter antreibt,

kann Produkte anbieten, die auch international

gefragt sind. Ich versuche, überall ein offenes

Ohr zu haben: bei der unternehmenseigenen

Prozessentwicklung, an unserem Standort im

Silicon Valley, bei den Endkunden in Asien, bei

Herstellern auf verschiedenen Messen weltweit.

So reifen neue Ideen heran, so entstehen gemeinsame

Entwicklungsprojekte mit Kunden. ➔

TRENDING TOPICS


50

Smart Systems

BILDER

4

Innovative Technologie: Das

microDICE-System dient der

Vereinzelung von Halbleiterwafern

in einzelne Chips.

5

Blick in den Innenraum:

Die microSTRUCT-

Lasersysteme kommen vor

allem in der Produktentwicklung

und angewandten

Forschung zum Einsatz.

Sie sind auch im Bereich der additiven Fertigung tätig,

viele Ihrer Kunden kommen aus dem Silicon Valley.

Richtig. Das ist ein spannendes Feld, auch

wenn die Technologie des industriellen 3-D-

Drucks an sich nicht neu ist. Aber wir haben

sie von der Makro- auf die Mikrowelt übertragen.

Es ist uns gelungen, die Schichtstärken

von 100 auf 1 Mikrometer zu verringern.

Das „Micro Laser Sintering“ ermöglicht das

Erstellen kleinster metallischer Objekte – etwa

für den Einsatz in der Medizintechnik – auf Basis

von Metallpulver. Unsere Rohstoffe sind also

im Grunde Pulver und Daten.

Was sind weitere digitale Trends, die vom Silicon

Valley aus getrieben werden?

Der ganze Bereich rund um Near-Field-Communication

wird einen Boom erleben. Diese

drahtlose Übertragungstechnik dient dem Datenaustausch

zwischen Geräten auf einer

Distanz von wenigen Zentimetern. Für die Übertragung

steht auf der einen Seite das Smartphone

und auf der anderen ein „Tag“ – also ein RFID-

Chip, auf dem Daten gespeichert sind, die mit

dem Handy ausgelesen werden können. So

eröffnen sich nicht nur immer neue Marketingmöglichkeiten,

die Produkte werden auch

rückverfolgbar und fälschungssicher.

Produktpiraterie bleibt also ein großes Thema?

Definitiv. Der Kunde eines unserer Kunden ist

ein bekanntes Weingut in Kalifornien. Eines Tages

mussten die Verantwortlichen feststellen, dass

sie in China dreimal so viel Wein verkaufen, als

sie überhaupt in Amerika produzieren. Nachforschungen

zeigten dann, dass es für die Flaschen

einen Zweit- und Drittmarkt gibt – billiger Wein

wird in die teuren Originalflaschen gefüllt und

weiterverkauft. Das ist natürlich höchst imageschädigend.

Jetzt arbeitet das Weingut mit einem

»Die Miniaturisierung spielt

uns in die Hände. Je kleiner

die Produkte, desto präziser

muss gearbeitet werden.«

„Tag“, der beim Aufdrehen der Flasche zerstört

wird. Käufer des Weins können also mit ihrem

Smartphone auslesen, ob die Flasche schon

mal geöffnet wurde. Und zusätzlich erhalten sie

über den „Tag“ weitere Informationen, etwa

zur optimalen Trinktemperatur oder passenden

Speisen. Da wir mit unseren Maschinen diese

„Tags“ herstellen, bin ich optimistisch, dass noch

einige unserer Geräte in Zukunft gebraucht

werden.

Eine besondere Herausforderung vieler Branchen ist

auch die fortschreitende Miniaturisierung, gepaart mit

den steigenden Anforderungen an die Leistungsfähigkeit

von Elektronikbauteilen. Was heißt das für Sie?

Die Miniaturisierung spielt uns in die Hände.

Je kleiner die Produkte, desto präziser muss

gearbeitet werden. Bei Chips etwa startet jetzt

die Integration in die dritte Dimension. Das

heißt, es gibt nicht nur einen Chip, der eine

größere Grundfläche einnimmt, sondern mehrere

Chips, die übereinander gestapelt werden.

In der Halbleiterindustrie gilt diese sogenannte

3-D-Integration als erfolgversprechender Weg,

zu kompakteren und leistungsstärkeren elektronischen

Geräten gerecht zu werden. Um die

Verbindungen und Durchgänge zwischen den

Chips herzustellen und zu analysieren, braucht

es wiederum Laserprozesse.

Ihr Exportanteil liegt bei 75 Prozent, Sie sind oft im

Ausland unterwegs. Wie gehen andere Länder mit

Veränderungen durch die Digitalisierung um?

Ich kann schon deutliche Mentalitätsunterschiede

erkennen. Die Deutschen sind nach

wie vor recht konservativ, während die Amerikaner

Veränderungen und Innovationen gegenüber

viel offener sind. In den USA erhalten

auch kleinere Unternehmen und Start-ups eine

Chance, neue Produkte bei Branchenriesen

vorzustellen – während hierzulande erstmal

Kennzahlen wie Firmengröße und Kapitalausstattung

im Vordergrund stehen. Andererseits

sind die Amerikaner im Prozess selbst auch

sprunghafter. Da werden schon mal die Anforderungen

an eine Maschine verändert, während

diese sich bereits im Bau befindet. Die Asiaten

dagegen sind sehr genau, möchten alles spezifizieren.

Auch das hat etwas Gutes, lässt aber im

anschließenden Designprozess weniger Raum

für kreative Ideen. Aber egal, ob in Europa, den

USA oder Asien: Am Ende zählt, dass das Produkt

funktioniert und die Unternehmen damit

Geld verdienen.

TRENDING TOPICS


51

Smart Systems

»Eine gewisse Grundskepsis

ist gut, aber sie

darf nicht lähmen.«

4

5

Wie wird sich unsere Welt verändern, wenn immer

mehr Geräte vernetzt sind?

Kaum vorstellbar, was in Zukunft noch alles

möglich sein wird. Es sind schon heute extrem

viele Dinge miteinander vernetzt – auch wir

Menschen. Für mich stellt sich die Frage: Was

passiert, wenn künftig immer mehr Roboter die

Arbeit des Menschen übernehmen? Der Mensch

braucht auch weiterhin einen Sinn im Leben.

Diese Entwicklungen machen Ihnen Sorgen?

Nein, Sorgen per se nicht. Als Ingenieur

sehe ich in der Technik immer mehr Chancen

als Risiken. Dennoch wirft die Digitalisierung

gesellschaftliche Fragen auf, die es in den

kommenden Jahren zu diskutieren gilt. Klar

ist aber auch: Schon immer waren die Menschen

skeptisch, wenn neue Entwicklungen

ihren Lauf nahmen. Eine gewisse Grundskepsis

ist gut, aber sie darf nicht lähmen. Das gilt

übrigens auch für die hiesige Gesetzgebung,

die Trends oft hinterherhinkt. Wenn wir in

Deutschland zu langsam sind –, zum Beispiel

auch, was die juristischen Weichenstellungen

für das autonome Fahren angeht – dann

müssen wir mit Nachteilen im internationalen

Wettbewerb rechnen.

Auf dem Smart-Systems-Campus in Chemnitz

hat 3-D-Micromac das inzwischen dritte Gebäude

bezogen, Sie beschäftigen rund 200 Mitarbeiter.

Wohin geht die Reise?

In den vergangenen Jahren haben wir uns voll

und ganz auf Wachstum konzentriert, um im

Markt eine bestimmte kritische Masse zu erreichen.

Das ist uns nun gelungen. Wir haben

ein Nischensegment besetzt und sind unter

den kleinen Anbietern sozusagen die Größten.

In Zukunft geht es darum, die Rentabilität zu

steigern. Wir müssen Speck anfressen – für

die Zeit, in der es die Konjunktur nicht so gut

mit uns meint.

Wie digitalaffin sind Sie selbst in Ihrer Freizeit?

Da muss ich nicht lange überlegen – Smartphone

und Tablet sind immer in Reichweite.

Außerdem arbeite ich viel am Computer, ich

produziere nebenbei Reise- und Naturfilme. ■

FAKTEN // Standorte: Chemnitz, San José (USA), Wuxi

(China) / Gründungsjahr: 2002 / Mitarbeiter: rund 200 /

Vorstand: Tino Petsch, Uwe Wagner / Mission: Innovative

Laserprozesse für die industrielle Fertigung

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Industrie 4.0

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08

Industrie

4.0

short cut / Industrie 4.0; auch vierte industrielle Revolution

/ Begriff geht auf ein „Zukunftsprojekt“ der Bundesregierung

zurück / Industrielle Produktion wird mit moderner

Informationstechnik verzahnt / Ziel: optimales Zusammenwirken

von Mensch, Maschine und IT / Neue Stufe der Organisation

und Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette / Bis 2020 will

die deutsche Industrie jährlich 40 Milliarden Euro investieren

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Industrie 4.0

Der Mensch

als Dirigent und

Problemlöser

text

GUIDO WALTER

Industrie 4.0 ist eine

deutsche Erfolgsgeschichte.

Daran, dass diese fortgeschrieben

wird, arbeiten

Forschung und Industrie

tatkräftig mit. Zur Zukunftsvision

einer menschenleeren

Fabrik muss es dabei nicht

zwangsläufig kommen. ➔

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Industrie 4.0

1

2

TRENDING TOPICS


55

Industrie 4.0

BILDER

1

Smarte Fertigung: Infineon, hier

Dresden, will alle internationalen

Standorte künftig wie eine

große virtuelle Fabrik steuern.

2

Zusammenspiel zwischen

Mensch und Maschine: Das

Unternehmen will keinesfalls

auf Mitarbeiter verzichten.

3

Testumgebung:

Die Mini-Fabrik der HTW

in Dresden bildet teilautomatisierte

Fertigungsprozesse

realitätsnah ab.

Es sirrt, klickt und klappert leise. Und alle Roboter

und Maschinen wissen genau, was zu tun ist. Die

technischen Abläufe der kleinen Fertigungsstraße

wirken wie eine perfekt eingeübte Choreographie.

Die der Mensch nur noch überwacht. Die Zukunft

der industriellen Fertigung erleben Besucher einer

Modellfabrik, die Wissenschaftler der Hochschule

für Technik und Wirtschaft (HTW) in Dresden

aufgebaut haben. In der mit moderner Sensorik

ausgestatteten Mini-Fabrik arbeiten Robotermodule

und autonome Transportfahrzeuge zusammen.

„Die Modellfabrik dient als Testumgebung, in der

Forschungseinrichtungen und Partner aus der Industrie

ihre Komponenten im Zusammenspiel erproben

können“, sagt Prof. Dr. Dirk Reichelt von

der HTW. Besuchern bringt er die Modellfabrik

anhand von Workshops näher. „Die häufigste Frage

der Teilnehmer ist: ,Wo soll ich denn mit der Digitalisierung

anfangen?‘“

Vielen Unternehmen in Deutschland ist die

Verzahnung der industriellen Produktion mit moderner

Informations- und Kommunikationstechnik bereits

gelungen. Doch das Tempo erhöht sich, und wer

auf den Märkten auch in Zukunft erfolgreich sein

will, muss seine Anlagen noch intelligenter machen.

„Industrie 4.0 ist in den Fabriken angekommen, aber

die digitale Transformation der Industrie ist noch

lange nicht geschafft“, sagt Sven Zehl vom Digitalverband

Bitkom. „Viele Unternehmen zögern noch,

ihren kompletten Maschinenpark umzurüsten.“ Da

die Mehrheit der Firmen bereits aber eine Industrie-

4.0-Strategie für das Gesamtunternehmen besitzt,

stellt sich die Frage nach dem „Ob“ für die deutsche

Industrie aber längst nicht mehr. Der Umsatz mit

Lösungen für die Industrie 4.0 stieg 2017 dem Bitkom

zufolge um 21 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro.

Ab 2018 liegt die Marke bei über 7 Milliarden Euro.

Die Zahlen und die vollen Auftragsbücher der Industrieunternehmen

zeigen die Potentiale der Digitalisierung

in den Fabriken auf. Die stärkste Steigerung bei

der Nachfrage nach entsprechenden Lösungen verzeichnet

der Sektor derzeit im Maschinen- und Anlagenbau.

Wie Industrie 4.0 Werte für Unternehmen

schaffen kann, demonstrierte Bosch auf der Hannover

Messe am Beispiel eines selbstlernenden Systems.

Das Unternehmen fertigt weltweit an elf Standorten

Bremsregelsysteme. Wenn etwa eine Schweißstation

in Indien ein halbes Prozent besser arbeitet, wird dies

an allen anderen Stationen des weltweiten Netzwerks

automatisch visualisiert und kann entsprechend angepasst

werden. Durch eine Vernetzung der Fabriken

und Maschinen gelang es Bosch, binnen fünf Jahren

die Produktivität zu verdoppeln.

Kollege Cobot

In der nächsten Stufe der Digitalisierung werden

„Cobots“ („collaborative robots“) eine größere Rolle

spielen. Die fortgeschrittenen Modelle des Esslinger

Herstellers Festo kommen auch in der Modellfabrik

der HTW in Dresden zum Einsatz. „Cobots unterstützen

Menschen bei der Arbeit und übernehmen

insbesondere körperlich anstrengende Arbeiten“, sagt

Reichelt. „Wir arbeiten aktuell an einem Demonstrator

für einen Cobot-Arbeitsplatz, bei dem der Cobot

den jeweiligen Mitarbeiter und dessen Bewegungen

am Arbeitsplatz erkennen kann.“

Ein weiterer Zukunftstrend erwächst für die

Industrie mit dem „Digital Twin“. Dabei handelt es

sich um das virtuelle Abbild einer Maschine oder Fertigungsstraße.

Als dreidimensionales CAD-Modell

mit allen Eigenschaften und Funktionen des echten

Vorbilds begleitet der digitale Zwilling den Prozess

Vielen Unternehmen

in

Deutschland ist

die Verzahnung

der industriellen

Produktion mit

moderner Informations-

und

Kommunikationstechnik

bereits gelungen.

Das Tempo

wird sich

dennoch weiter

erhöhen.

3

TRENDING TOPICS


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Industrie 4.0

Umsatz mit Industrie 4.0 steigt auf 7 Milliarden Euro.

Deutscher Markt für 4.0-Lösungen 2015–2018 (in Millionen Euro)

(Quelle: Industrie 4.0 – Zukunft der Produktion; Bitkom)

4.061 4.858

+19,6%

5.870

+20,8%

7.187

+22,4%

2015 2016 2017 2018

vom ersten Entwurf über die Produktion und Weiterentwicklung

bis hin zum Recycling. „Die virtuellen

Kopien der Anlagen erlauben frühzeitig Vorhersagen

über das künftige Verhalten einer Anlage in der

Produktion“, sagt Reichelt. „So lassen sich bereits

bei der Planung der Smart Factory wesentliche Leistungsparameter

bestimmen.“ Auch bei der vorausschauenden

Wartung spielt der digitale Zwilling eine

wichtige Rolle. Hier liegt ein hohes Potential, um die

Verfügbarkeit von Maschinen und Anlagen zu erhöhen

und ungeplante Ausfälle zu minimieren.

„Digital Twins für Produkte oder Fertigungsstraßen

sind für uns auch ein Thema, aber wir

denken noch einen Schritt weiter“, sagt Christoph

Schumacher von Infineon in Dresden. „In Zukunft

wollen wir alle internationalen Fertigungsstandorte

von Infineon wie eine einzige große virtuelle

Fabrik steuern.“

Derzeit sind vielerorts aber noch ältere

Industrieanlagen die Realität. Doch auch diese

lassen sich für das digitale Zeitalter nachrüsten.

Eine einfache „Retrofit“-Lösung, die als Ergänzung

an der bestehenden Maschine installiert wird, reicht

oft dafür aus. So lassen sich über einen Impulszähler

mit zusätzlichem Minicomputer Informationen

über produzierte Stückzahlen schneller und

einfacher ermitteln. „Die Kunst liegt häufig darin,

den passenden Sensor und das Messsystem zu finden“,

sagt Reichelt. „In der Modellfabrik können

wir typische Szenarien im Vorfeld erproben und

später schnell auf die jeweiligen industriellen

Szenarien anpassen.“

Die Digitalisierung

ist für

Deutschland

eine Chance,

ins Ausland

verlagerte

Arbeitsplätze

zurückzuholen.

Durch

den Einsatz von

Robotern und

KI gewinnt

der Produktionsstandort

deutlich an

Attraktivität.

Fabrik ohne Menschen?

Anpassen muss sich auch der Mensch. Dass durch

die zunehmende Automatisierung Roboter und autonome

Fahrzeuge menschliche Arbeitskräfte ersetzen

werden, ist ebenso unbestritten wie der Umstand,

dass dadurch neue, häufig qualifiziertere Stellen geschaffen

werden. „Die Zukunftsvision einer komplett

menschenleeren Fabrik sehe ich mittelfristig nicht“,

sagt Schumacher. „Wegen der Automatisierung sieht

unsere Fabrik heute zwar ganz anders aus als vor zehn

Jahren. Und in den nächsten zehn Jahren kommen

weitere deutliche Veränderungen auf uns zu. Aber

auch in Zukunft werden wir Mitarbeiter in der Fertigung

benötigen.“

Sicher ist, dass mit dem verstärkten Einsatz

von Cobots und Assistenzsystemen in der Fertigung

Menschen in ihrer Tätigkeit unterstützt und entlastet

werden. In der smarten Fabrik von morgen

werden Maschinen, Materialien und Werkzeuge

untereinander in Echtzeit kommunizieren. „In so

einer Smart Factory werden die Menschen immer

häufiger die Rolle eines Dirigenten und Problemlösers

übernehmen“, sagt Reichelt. „Auch mit einer

fortschreitenden Automatisierung und Vernetzung

der Fabrik werden neue und höherwertige Arbeitsplätze

entstehen.“

Die Digitalisierung und Industrie 4.0 sind für

Deutschland sogar eine Chance, in der Vergangenheit

ins Ausland verlagerte Arbeitsplätze zurückzuholen.

Denn durch den Einsatz von Robotern und

Künstlicher Intelligenz gewinnt der Produktionsstandort

deutlich an Attraktivität. Die Produktion in

einer Smart Factory hierzulande erlaubt eine flexible

und schnelle Fertigung von individuellen Produkten

mit kleinen Losgrößen. Und ein weiterer Aspekt

differenziert Deutschland von anderen Ländern: die

enge Zusammenarbeit von führenden Unternehmen

und Forschungseinrichtungen mit Kompetenzen in

den Bereichen Hardware, Software und Konnektivität

– also den wesentlichen Treibern für die Realisierung

von künftigen Industrie-4.0-Konzepten. ■

TRENDING TOPICS


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Industrie 4.0

ONE

QUESTION

Sind Roboter

die besseren Arbeitskollegen?

ONE

ANSWER

»Die besseren Arbeitskollegen

sind Menschen – nicht die Maschinen.

Ein Hammer beispielsweise kann

ja auch keine Freundschaft mit einem

Handwerker schließen. Bei aller

Intelligenz des Roboters: Wir wissen

doch, dass in seinem Blech kein

Bewusstsein steckt. Roboter fürchten

sich nicht, sie fühlen nichts, sie

wissen nichts.«

( RAÚl Rojas, Mathematiker und Professor für

Informatik an der Freien Universität Berlin. Er leitet das

Dahlem Center for Machine Learning and Robotics. )

TRENDING TOPICS


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Digital Business

Neue

Chancen

für

analoge

Produkte

text

Doreen Reinhard

Ihr Markenkern ist das

traditionelle Handwerk,

ihre Wege in die Zukunft

sind unterschiedlich.

Und doch zeigen Unternehmen

immer wieder,

dass Tradition und

Digitalisierung in keinem

Widerspruch stehen.

BILDER

1

Digitalisierung trifft auf

Handarbeit: Nomos Glashütte

nutzt Technik vor allem dort,

wo es auf das Tausendstel

eines Millimeters ankommt.

2

Jeder kennt Uhren aus Glashütte:

Die kleine Stadt nahe

Dresden ist weltberühmt,

die Uhrmacher zählen zu den

Besten ihrer Zunft.

Die Zukunft ist klar vorgezeichnet: Die Digitalisierung

schreitet voran, die Arbeit von Menschen wird

mehr und mehr von Software übernommen. Das gilt

für unzählige Branchen. Aber auch für jene, die von

ursprünglichem Handwerk leben? In Sachsen profitieren

viele Unternehmen von teils jahrhundertealten

Traditionen. Aufwendige Handarbeit gehört zu ihrem

Markenkern. Das Zusammenwirken von Vergangenheit

und Zukunft organisieren sie ganz unterschiedlich.

In der Porzellanmanufaktur Meissen beispielsweise

hat sich an den wesentlichsten Arbeitsschritten

in über 300 Jahren Geschichte nicht so viel geändert –

dazu gehört nach wie vor das Geschick von Spezialisten,

vom Drehen bis zum Bemalen einer Tasse. Doch

rund um das Handwerk laufen längst digitale Prozesse

ab. 2015 wurde ein Steuerungssystem eingeführt, mit

dem unter anderem Aufträge geplant und Bestände

kontrolliert werden. Der Arbeitsaufwand habe sich

etwa um die Hälfte verringert, so Manufaktursprecherin

Sandra Jäschke. „Für solche Schritte gibt es

keinen Zettelkasten mehr.“ Das Firmenarchiv wurde

ebenfalls digital aufbereitet. Die Manufaktur hat einen

Schatz von 30 000 historischen Formen – die sind

häufig Inspiration für aktuelle Kollektionen und können

in der Datenbank leichter recherchiert werden.

Auch der Meissen-Onlineshop wird gerade mit neuen

Features ausgestattet. Schon jetzt kann man dort das

gesamte Sortiment der Manufaktur finden, einen Teil

auch bestellen. „Wir erwarten durch den Relaunch

des Onlineshops auch Verkaufszuwächse“, sagt Jäschke.

„Der größte Teil unserer Produkte wird aber nach

wie vor über unsere Boutiquen und Fachhändler verkauft.

Hochwertiges Porzellan möchten viele Kunden

nicht im Internet kaufen.“

Onlinegeschäft wichtige Ergänzung / Ähnliche

Erfahrungen macht auch die Uh renbranche, die

den kleinen Ort Glashütte im Erzgebirge bekanntgemacht

hat. Zu den Vorreitern dort gehört Nomos

Glashütte. „Wir brauchen hochwertiges Handwerk

und die Vorzüge der Digitalisierung“, sagt Firmensprecherin

Anna Jasper. Der 2010 gestartete Online-

TRENDING TOPICS


59

Digital Business

1

2

TRENDING TOPICS


60

Digital Business

3 4

BILDER

3

Ursprünglich: Wendt & Kühn,

ein Hersteller von Holzfiguren

und Spieldosen, ist in

Sachen Digitalisierung eher

zurückhaltend.

5

4

Feiner Pinselstrich: Das

Markenzeichen der Porzellanmanufaktur

Meissen wird

per Hand auf jedes einzelne

Stück aufgetragen.

5

Meissener Handwerkskunst:

Beim Bossieren werden die

einzelnen Figurenteile

zu einem Modell der fertigen

Figur zusammengefügt.

„Wir bedienen

uns digitaler

Mittel in

den Bereichen,

die nicht

unseren

Markenkern,

das Handwerk,

berühren.“

shop gehörte zu den Ersten in der Branche. „Damit

bedienen wir vorrangig ausländische Märkte, in denen

wir noch nicht im Fachhandel vertreten sind. Durch

den Ausbau der Onlinepräsenz wächst unsere Markenbekanntheit,

und davon profitieren auch unsere stationären

Händler.“ Durch Software werden zudem Arbeitsabläufe

optimiert. Beim Design helfen

digitalisierte Verfahren, etwa der 3-D-Druck bei der

Erstellung von Prototypen. In der Produktion kommen

CNC-gesteuerte Maschinen zum Einsatz. „Die

setzen wir an jenen Stellen ein, wo es nicht nur aufs

Hundertstel, sondern auf das Tausendstel eines Millimeters

ankommt“, erklärt Jasper.

Auch die Uhrenmanufaktur A. Lange &

Söhne ruht sich nicht auf der Vergangenheit aus.

„Tradition und Digitalisierung ist für uns kein Widerspruch“,

sagt Geschäftsführer Wilhelm Schmid.

Das Lange-Sortiment ist aufwendiger im Handwerk

– und kostspieliger. Das Onlinegeschäft sei ein

wichtiger Markt, den man genau beobachte, ebenso

die Wünsche der Kunden, so Schmid. Diese wollen

bisher allerdings lieber persönlich einkaufen. Der

Preis für eine Uhr beginnt bei 14 000 Euro. „Unsere

Erfahrungen zeigen, dass in diesem Bereich noch

kein breites Onlinegeschäft stattfindet“, sagt Schmid.

Der Direktverkauf in 19 Boutiquen und an über 200

Verkaufspunkten weltweit sei nach wie vor wichtiger.

„Wir bedienen uns digitaler Mittel in den Bereichen,

die nicht unseren Markenkern, das Handwerk, berühren“,

so Schmid, „oder, wo uns der Kundenwunsch

stark fordert. Wenn morgen alle online kaufen wollen,

sind wir bereit.“ In der Produktion assistiert zumindest

Software. Viele Informationen sind online abrufbar,

angefangen bei den Arbeitsschritten für die Uhrmacher

bis hin zu Uhren-Datenbanken. Sollte ein Exemplar

in 100 Jahren einen Check benötigen, gibt es für

jedes Modell eine digitale Akte.

Kunsthandwerk als Markenkern / Ebenfalls

im Erzgebirge, bei Wendt & Kühn, einem Hersteller

von Holzfiguren und Spieldosen, geht man

zurückhaltender um mit der Digitalisierung. Vor

allem der Markenkern – das Kunsthandwerk – soll

gestärkt werden. Einige Bereiche wie die Lagerung

werden per Computer gesteuert. Und es gibt ein digitales

Firmenarchiv mit historischen Dokumenten,

die wertvoll sind für das Marketing. Die Herstellung

der berühmten Engel ist nach wie vor ursprüngliches

Handwerk. „Da geht es um nichts anderes als um

Pinsel, Farbe, Holz. Jede Figur ist ein Einzelstück“,

sagt Sprecher Thomas Rost. Dieser Unikat-Gedanke

wurde bewusst auch auf den Verkauf übertragen,

und so gibt es statt eines konventionellen Onlineshops

seit 2017 ein selektives Portal. Dort bestellen

vor allem die 750 Fachhändler für ihre Geschäfte. Kunden

können Produkte zwar ebenfalls auf der Seite auswählen,

aber nur über Umwege im Netz bestellen. „Es

ist ein recht starkes Regime, aber sichert dem Handel

Wertigkeit und Gleichbehandlung – und unserer

Marke ihre Qualität“, sagt Rost. Das Unternehmen

kann sich ein solch spezielles Modell leisten. Der Umsatz

von Wendt & Kühn hat sich seit 2012 um 25 Prozent

gesteigert. Viele Figuren, die neu im Sortiment erscheinen,

sind Sammlerstücke und in den Geschäften

schnell ausverkauft – wie in alten Zeiten. ■

TRENDING TOPICS


61

Blockchain

TRENDING TOPICS

09

Blockchain

short cut / Blockchain, technisch: dezentrale Datenbank /

Basistechnologie und zentrale Innovation der Kryptowährung

Bitcoin / Daten werden im gesamten Netzwerk verteilt und chronologisch

in Transaktionsblöcken gespeichert / Disruptives

Potential: keine zentrale Instanz notwendig, sondern direkter

elektronischer Transfer von Werten möglich / Finanzindustrie

forscht intensiv an Anwendungsmöglichkeiten

TRENDING TOPICS


62

Blockchain

Gekommen, um zu bleiben

Wie die Blockchain – die

Technologie hinter der Digitalwährung

Bitcoin – das Internet

revolutionieren könnte und schon

heute dabei ist, ganze Branchen

in Hysterie zu versetzen.

text

Klaus Lüber

2013 wurde der Informatiker Andreas Ittner auf ein

Paper aufmerksam, das bereits seit 2008 durch das

Internet geisterte. Darin behauptete ein ominöser

Autor namens Satoshi Nakamoto, ein fälschungssicheres

Online-Bezahlsystem erfunden zu haben, das

ohne Banken auskommt. Titel der Veröffentlichung:

„Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“.

„Ich musste das dreimal lesen, aber irgendwann hat

es Klick gemacht, und da wusste ich: das könnte eine

große Sache werden.“

Ittner, Professor für Informatik/Verteilte Informationssysteme

an der Hochschule Mittweida bei

Chemnitz, fing an, Kollegen für den Text zu begeistern

und gründete ein interdisziplinäres Kompetenzzentrum

mit aktuell 15 Professuren. „Wir schauen

uns nicht nur die Technik an, sondern berücksichtigen

auch betriebswirtschaftliche und rechtliche

Aspekte.“ Ein Aufwand, der seiner Meinung nach

unbedingt gerechtfertigt ist. Schließlich gehe es im

Kern um nichts Geringeres als die Neuerfindung des

Internets.

Blockchain Competence Center Mittweida

nennt sich die neu geschaffene Einrichtung an Ittners

Hochschule, benannt nach einer im Paper vorgestellten

Technologie namens Blockchain, gewissermaßen

das Herzstück des Digitalgeldes Bitcoin, das seit seines

exorbitanten Kursanstiegs Ende 2017 in aller Munde

ist. Es handelt sich dabei um eine spezielle Datenbank,

ILLUSTRATION

Sind sie die Zukunft? Blockchains

– spezielle Datenbanken

– können Transaktionsdaten

ohne eine zentrale Kontrollinstanz

verwalten.

die wie ein digitales Kassenbuch sämtliche Transaktionen

speichert und dabei dezentral organisiert ist. Ihren

Namen trägt sie aufgrund ihrer Struktur, einer Kette

aus verschlüsselten Datenblöcken. Entscheidend ist,

dass das Journal vom Netzwerk der User aktuell gehalten

und verifiziert wird. Auf eine zentrale Instanz ist es

nicht mehr angewiesen.

Neue Entwicklungsstufe

des Internets

Obwohl die Blockchain im Verbund mit Bitcoin entwickelt

wurde, ist die Datenbank überaus vielseitig

einsetzbar. Als verteiltes Buchführungssystem, auch

Distributed Ledger Technologie (DLT) genannt,

kann sie nämlich auch ganz andere Werte verwalten:

Informationen über Grundstücke, Gesundheitsdaten,

Pass-Informationen, Vertragsbedingungen oder

Lieferketten beispielsweise. „Die Blockchain wird

das Fundament der Digitalisierung sein, wenn es

um Werte und Güter geht“, ist sich Ittner sicher und

prognostiziert eine neue Entwicklungsstufe des Internets.

„Lange hatten wir es mit einem Internet der

Daten zu tun. Das wird gerade ersetzt und ergänzt

durch das Internet der Dinge. Die Blockchain wird

uns das Internet der Werte bringen.“

Und all das – wie bei Bitcoin – ohne Zwischeninstanz,

die Vertrauen schafft. Das System

generiert das Vertrauen selbst, es wird zur „Trust

TRENDING TOPICS


63

Blockchain

TRENDING TOPICS


64

Blockchain

Smarte Schlösser

Das Start-up Slockit will

mit seiner Idee den Alltag

erleichtern. Schlösser,

die über Bluetooth oder

ähnliche Schnittstellen

verfügen, können mit Hilfe

der Blockchain-Lösung

geöffnet und geschlossen

werden: Wohnungen, Autos

oder Fahrräder kann man

so ohne persönlichen Kontakt

vermieten und mieten.

Per App lässt sich so etwa

ein Fahrrad auswählen und

bezahlen. Am Fahrrad

selbst wird das Schloss via

Bluetooth entsperrt.

www.slock.it

Machine“, wie der „Economist“ die Technologie

nannte. So weit die Vision. Doch ist die Blockchain

schon reif für konkrete Anwendungen? Im Augenblick

herrsche noch viel Hype um die Technologie,

gibt Ittner zu. „Seit Gründung unseres Kompetenzzentrums

haben wir jeden Tag ein bis zwei Anfragen

von Unternehmen, die glauben, unbedingt eine

Blockchain-Lösung zu benötigen.“ Dabei sei das im

Augenblick noch in den wenigsten Fällen gerechtfertigt.

„Man will einfach auf keinen Fall etwas verpassen.

Also legt man sich erstmal einen Hammer zu

und sucht dann krampfhaft nach einem Nagel. Das

ist schon etwas verrückt.“

Andranik Tumasjan, Professor für Management

und Digitale Transformation an der Universität

Mainz, beobachtet aktuell zwei Entwicklungsstränge.

„Auf der einen Seite haben wir die Vision dezentraler

Geschäftsmodelle, wie sie im Grundkonzept der Bitcoin-Blockchain

angelegt ist und wie sie inzwischen

von immer mehr Start-ups angestrebt werden.“ Vielversprechende

Ansätze sieht er etwa im Energiesektor.

So wäre es möglich, mit Hilfe der Blockchain-

Technologie Mikropayment-Systeme aufzusetzen.

Die Besitzer einer Solaranlage könnten ihren Strom

etwa zum Laden einer Paketdrohne zur Verfügung

stellen oder direkt an den Nachbarn verkaufen. Abgerechnet

würde über automatisierte, elektronische

Verträge, sogenannte Smart Contracts.

Gefährliche Abhängigkeit

von groSSen Playern

Auf solche Smart Contracts setzt auch das Startup

Slockit, ebenfalls beheimatet in Mittweida bei

Chemnitz. „Das ist kein Zufall“, so Firmengründer

Christoph Jentzsch. „Wir profitieren sehr stark

von der Initiative der Hochschule, aber auch von

der lokalen Politik und Wirtschaft, das Thema

Blockchain in der Region groß zu machen.“ Slockit

entwickelt Lösungen, die vernetzte Geräte mit einer

Zugangsberechtigung über Smart Contracts in

der Blockchain steuerbar machen, und zwar – ganz

nach der revolutionären Grundidee – ohne Mittelsmann.

Wer zum Beispiel sein Auto, seine Wohnung

oder sein Fahrrad vermieten möchte, kann das über

Slockit direkt tun. Ein smartes Schloss steuert sämtliche

notwendigen Aktionen – und zwar exakt nach

den Bedingungen, die man in einem Smart Contract

festgelegt hatte.

Wie der Informatiker Ittner sieht auch Jentzsch

die Chance auf eine Quasi-Neuerfindung des Internets

– eine Neuerfindung, die im Grunde eine Rückbe

-s innung auf jene Utopie wäre, die von Anfang an

im Kern der Technologie angelegt war: das dezentrale

Netzwerk. „Wir haben uns in eine gefährliche

Abhängigkeit von großen Playern gebracht“, so

Jentzsch. „Wenn Google sich von heute auf morgen

entscheiden würde, seine Server abzuschalten, würde

uns das in große Schwierigkeiten bringen.“ Mit der

Blockchain hätte man dagegen die Möglichkeit, „das

Web nochmals neu zu generieren, als von Grund auf

dezentrale Struktur.“

Nun haben nicht nur auf Disruption gepolte

Start-ups, sondern auch etabliertere Firmen, besonders

aus der Finanz-, Versicherungs- und Logistikbranche,

das Thema Blockchain für sich entdeckt.

Allerdings, so Blockchain-Experte Andranik Tumasjan

von der Uni Mainz, werde die Technologie im

Enterprise-Kontext bisher noch nicht dazu eingesetzt,

radikal neue Geschäftsmodelle zu erschließen,

sondern vielmehr, bestehende zu optimieren. So

arbeitet das Digital Trade Chain Consortium, ein

Verbund aus aktuell sieben europäischen Banken

und IBM, an einer Plattform namens Wetrade, das

den internationalen Handel für mittelständische

Unternehmen erleichtern soll. Die Idee: Alle Vertragskomponenten,

von der Rechnungsstellung über

die Zollunterlagen bis hin zur Auslieferung, wären

über die Blockchain darstellbar.

Potential für weitere

Automatisierung

Wie man das Datenmanagement von Lieferketten

noch weiter optimieren kann, dazu forscht unter anderem

auch das Fraunhofer-Institut für Photonische

Mikrosysteme IPMS in Dresden.

Schon heute werden kleine Funk-Transponder,

sogenannte RFID-Tags zur automatisierten

Identifikation und Sendungsnachverfolgung von

Waren eingesetzt. Integriert man Sensoren in die

Tags, lassen sich Zustandsdaten wie Temperatur,

Druck und Feuchtigkeit ermitteln. „Hier sehen wir

das Potential für weitere Automatisierung“, so Monika

Beck vom Fraunhofer IPMS. „Denkbar wären

zum Beispiel automatische Qualitätsprüfungen

beim Wareneingang auf Basis der gewonnen RFID-

Sensordaten aus Fertigung und Transport. Die Bedingungen

für die Prüfungen könnten in Smart Contracts

festgehalten werden.“

Ob und wann die Blockchain-Technologie

tatsächlich zur großen Revolution führen wird, zu

einem neuen Internet der Werte, wird sich zeigen.

Ihr „Plateau of Productivity“, so das US-Marktforschungsunternehmen

Gartner in seinem aktuellen

jährlichen Innovationsreport, werde die Blockchain

in fünf bis zehn Jahren erreichen. Für Andreas Ittner

jedenfalls steht fest: „Ich bin zu 110 Prozent davon

überzeugt, dass die Blockchain eine Technologie ist,

die gekommen ist, um zu bleiben.“ ■

TRENDING TOPICS


65

Smart Infrastructure

TRENDING TOPICS

10

Smart

Infrastructure

short cut / Smart Infrastructure; auch „intelligente Infrastruktur“

/ Wichtige gesellschaftliche und wirtschaftliche

Infrastrukturbereiche werden durch digitale, smarte Technologien

miteinander vernetzt / Ziel: nachhaltiger Umgang mit

Ressourcen, Verbesserung der Lebensqualität / Forschungsfeld

mit großem Zukunftspotential / Aktuelle Anwendungsfelder:

Energiewirtschaft, Gesundheitsversorgung, „Smart City“

TRENDING TOPICS


66

Smart Infrastructure

sTADT der

Zukunft

Herausforderung Megacity

Im Jahr 2050 werden

zwei Drittel der Weltbevölkerung

in Städten leben, so

aktuelle Schätzungen der

Vereinten Nationen. Diese

Entwicklung macht auch

vor europäischen Städten

nicht halt. Um die Stadtentwicklung

zu optimieren,

geht Paris daher neue Wege:

Die französische Metropole

erfasst die öffentlichen

Chats und Posts ihrer Einwohner

und weiß

so, was diese bewegt.

TRENDING TOPICS


67

Smart Infrastructure

text

Stefanie Hutschenreuter

Überall auf der

Welt arbeiten

Städte daran,

sich dem Ideal

einer Smart

City anzunähern.

Gibt es ein

Patentrezept?

Fehlende Parkplätze, verstopfte Straßen, überteuerte

Mieten – weil die Stadtverwaltung die öffentlichen

Chats und Posts ihrer Bürger erfasst, weiß sie, was die

Einwohner bewegt. Ein selbstlernender Algorithmus

clustert aktuelle Kommentare der Bürger anonym

nach Themen. Was nach Science-Fiction klingt, ist in

Tel Aviv und Paris bereits Realität. Beide Städte sind

Kunden des Start-ups Zen City, das mit einer neuartigen

Software die Diskussionsthemen findet und damit

Kommunen unterstützt, die Sorgen ihrer Bürger

zu erkennen und besser zu verstehen. Die städtischen

Behörden können dann entsprechend gegensteuern.

Das Modell reiht sich in eine Vielzahl digitaler

Einzellösungen ein, die Städte auf der ganzen Welt

derzeit umsetzen. Mit Hilfe neuer technischer Möglichkeiten

wollen sie zu Smart Cities werden, also zu

intelligenten Städten. Davon versprechen sie sich,

TRENDING TOPICS


68

Smart Infrastructure

2

Durch die

Vernetzung der

verschiedenen

Bereiche des

urbanen Lebens

können Städte

grüner, sicherer

und lebenswerter

werden.

die großen Herausforderungen der Zukunft in den

Griff zu bekommen. Denn vielen urbanen Räumen

droht ein Verkehrsinfarkt, der Klimaschutz zwingt

sie, ihre Energie- und Wasserversorgung zu überdenken.

Und das schneller als so manchem Stadtplaner

lieb ist, denn die Einwohnerzahlen steigen. Aller Voraussicht

nach werden bis zum Jahr 2050 zwei Drittel

der Weltbevölkerung in Städten leben, wie aktuelle

Zahlen der Vereinten Nationen belegen.

Die Bürger als Partner / Grundsätzlich

geht es bei der Entwicklung der Smart City um eine

„Erneuerung von nicht mehr funktionsfähigen Infrastrukturen“,

sagt Elke Pahl-Weber, Professorin

für Bestandsentwicklung und Erneuerung von Siedlungseinheiten

an der TU Berlin. Entscheidend für

die Zukunft sei, dass „die Städte das sich momentan

mit der Digitalisierung öffnende Fenster der Gelegenheit

auch tatsächlich nutzen. Wir brauchen eine

Vernetzung der Infrastrukturen – technisch, finanziell

und betrieblich. Die werden wir nur mit Digitalisierung

herstellen können.“ Durch die Vernetzung

der verschiedenen Bereiche des urbanen Lebens können

Städte grüner, sicherer und lebenswerter werden.

Pahl-Weber betont aber auch, dass es kein Smart-

Infrastructure-Rezept gebe, das man an allen Orten

gleichermaßen implementieren könne. „Die Technologien

müssen an die Eigenheiten der jeweiligen

Stadt angepasst werden.“

Digitale Lösungen müssen sich also am tatsächlichen

Bedarf der Stadtbewohner orientieren, „und

der lässt sich nicht mit Standardumfragen erheben“,

1

sagt Pahl-Weber. Leipzig beispielsweise – mit einem

jährlichen Zuwachs von 10 000 Einwohnern eine

der am stärksten wachsenden deutschen Großstädte

– entwickelte im Austausch mit Experten aus der

Wissenschaft, mit lokalen Unternehmen und Anwohnern

ein Pilotkonzept für den „Leipziger Westen“.

Unter anderem sieht dieses vor, die Abwärme

von Industrieanlagen zum Beheizen von Wohnungen

zu nutzen. „Auch BMW mit seiner Speicherfarm aus

gebrauchten Elektroautobatterien auf dem Leipziger

Werksgelände ist mit im Boot“, erzählt Projektleiterin

Beate Ginzel vom Leipziger Amt für Stadterneuerung

und Wohnungsbauförderung. Überschüssige

grüne Energie, etwa von Photovoltaikanlagen aus

dem Quartier, soll künftig in der Speicherfarm zwischengelagert

werden. „Diese Vernetzung von Akteuren

und Technologien, wie es in Smart-City-Ansätzen

angestrebt wird, ist bisher in einem Quartierskontext

nie gedacht worden“, so die Projektleiterin. Für die

Umsetzung der smarten Quartierlösung ist die Stadt

allerdings auf Fördermittel angewiesen. Unterstützung

gibt es zum Beispiel über EU-Programme, die

die Gelder in einem Wettbewerbsverfahren an das

beste Konzept vergeben. Angesichts der Vielzahl an

Beiträgen schätzt Beate Ginzel die Gewinnchancen

für Leipzig realistisch ein. „Wir hoffen daher, dass

bald vom Bund eine Förderinitiative für solche interdisziplinären

Ansätze kommt.“

TRENDING TOPICS


69

Smart Infrastructure

BILDER

1

Inkubator: In der Gläsernen

Manufaktur in Dresden können

Start-ups ihre zukunftsweisenden

Mobilitätsideen bis

zur Marktreife entwickeln.

Der grüne Fahrdienst

Weniger Autos, weniger

Feinstaub: Das ist das

Ziel der drei Firmengründer

von Clever Shuttle.

Das Start-up setzt auf

das Prinzip des Ridesharing,

gebucht werden die

umweltfreund lichen Autos

über eine Smartphone-App.

Ein Algorithmus bündelt

Fahrgäste mit ähnlichen

Routen, mehrere Nutzer

teilen sich somit ein Auto

samt Fahrer.

www.clevershuttle.de

2

Digitale Lösungen:

Elke Pahl-Weber, Professorin

für Bestandsentwicklung

und Erneuerung von Siedlungseinheiten

an der TU

Berlin, forscht an der Zukunft

der Innenstädte.

Smarte Innovationen / Das, was Leipzig

für Bestandsgebiete erdacht hat, wendet die Stadt

auch auf drei neu entstehende innerstädtische Quartiere

an. Martin Richter vom sächsischen „Smart

Infrastructure Hub“ findet, dass andere Städte von

Leipzig lernen können: „Es ist ein ganz entscheidender

Punkt, dass die Kommunen die Potentiale

der Digitalisierung erkennen und auch annehmen

und durchführen.“ Das meint auch Andreas Franke,

Geschäftsführer der VNG Viertelenergie GmbH.

Wenn kleinere und mittlere Gemeinden Smart-City-

Konzepte nicht allein umsetzen wollen, unterstützt er

sie mit dem im Juli 2017 gegründeten Tochterunternehmen

der Leipziger VNG AG in Kooperation mit

der Tilia GmbH bei der Quartiersentwicklung. In

Abstimmung mit kommunalen Vertretern wird partnerschaftlich

ein Quartierskonzept erstellt, das alle

energetischen Infrastrukturbereiche einbezieht – von

der dezentralen Energieversorgung über schnelles

Internet und Elektromobilität bis hin zur LED-Straßenbeleuchtung

– „hersteller- und energieträgerneutral,

von der Konzeption über die Investition bis hin

zum Betrieb der Anlagen“, wie Franke betont.

Die Basis des Ganzen ist schnelles und flächendeckend

vorhandenes Internet. Beim Breitbandausbau

gibt es hierzulande in einigen Regionen noch Nachholbedarf,

smarte Ideen hingegen sind vorhanden. „In

Deutschland haben wir eine hervorragende Landschaft

für Forschung, für Entwicklung, für Innovation. Wir

müssen das nur mehr nach außen tragen“, sagt Martin

Richter, der mit dem erfolgreichen Start-up-Unterstützungsprogramm

Spin-Lab – The HHL Accelerator

als Teil des „Smart Infrastructure Hub“ das Ziel verfolgt,

die lebhafte Szene in Leipzig und Dresden mit

Playern aus Wirtschaft und Wissenschaft zu vernetzen.

Beispiel Elektromobilität / In der Gläsernen

Manufaktur in Dresden ermöglicht Volkswagen

mit dem „Future Mobility Incubator“ ausgewählten

Gründern, ihre zukunftsweisenden Ideen bis zur

Marktreife zu entwickeln. Eines dieser Start-ups ist

Charge X. Das junge Gründertrio mit Team testet

seit März 2018 Prototypen eines erweiterbaren Ladesystems

für Elektroautos, das die Autos wie mit einer

Mehrfachsteckdose lädt – allerdings nicht gleichmäßig,

sondern nacheinander mit einem selbstlernenden

Algorithmus. Jedes Fahrzeug wird nach seinem

vorher ermittelten Grundbedarf mit Strom „betankt“.

Der Vorteil: Die Ladesäulen sind günstiger als

bisherige Modelle, weil sowohl die komplexe Installation

als auch teure Hardware entfallen. „Die Lösung

eignet sich besonders für Häuser im urbanen Raum,

in denen Unternehmen Ladestationen für Mitarbeiter,

aber auch Wohnungseigentümergemeinschaften

Ladestationen für die Bewohner installieren möchten“,

sagt Tobias Wagner, einer der drei Gründer.

Die Stadt Dresden ist generell den neuen

smarten Technologien gegenüber sehr offen. Unter

anderem hat sie Teile ihres Straßennetzes als Testfeld

für selbstfahrende Fahrzeuge geöffnet. Ab September

2018 will auch der Ridesharing-Dienst Clever Shuttle

seinen Fahrdienst auf Dresden ausweiten. Bisher

ist das 2014 gegründete Start-up in Berlin, Hamburg,

Leipzig, München und Stuttgart unterwegs. Fahrgäste

mit ähnlichen Routen werden über eine App zu Fahrgemeinschaften

gebündelt und von Fahrern in Autos

mit Wasserstoff- oder Elektroantrieb an ihr gewünschtes

Ziel befördert. Damit ist der Dienst eine günstige

Alternative zum Taxi oder dem privaten Auto. Das

helfe auch der Stadt beim Verhindern von Staus, so

die These von Fabio Adlassnigg, Sprecher von Clever

Shuttle: „Denn wollen wir mit der Forderung einer lebenswerten,

gesünderen und schöneren Stadt wirklich

Ernst machen, bedarf es einer drastischen Reduzierung

des motorisierten Individualverkehrs.“ ■

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70

Inspirational Items

Inspirational Items

Acht innovative Gegenstände, die unsere

Welt ein bisschen einfacher machen.

ILLUSTRATION

ANJE JAGER

text

Christina Lynn Dier,

Benjamin Kleemann-von Gersum

& Sabine Simon

Mit Algorithmen gegen Depressionen

Selbstbestimmt leben

Wer im Jahr 2018 in Deutschland geboren wird, wird im Schnitt rund 80 Jahre

alt. Tendenz steigend. Smarte Lösungen, die es möglich machen, lange

Zeit selbstbestimmt im eigenen Zuhause zu leben, sind deshalb gefragt. Ein

kluges System ist Rica von IO Care. Das Start-up machte seine Anfänge

im Accelerator der HHL Leipzig Graduate School of Management. Die Sensorbox

Rica, die Aktivitäten von pflegebedürftigen Senioren analysiert und

bei Abweichungen Angehörige oder Pflegepersonal informiert, funktioniert

einfach: mit einem Bewegungssensor und einer Leuchte. Der Sensor in der

eigenen Wohnung erlernt Bewegungsgewohnheiten und ist über Mobilfunk

oder WLAN mit einer Leuchte in der Wohnung einer Vertrauensperson

verbunden, die die Lichtbotschaften empfängt: Werden die Bewegungsgewohnheiten

als „normal“ gedeutet, wird Grün angezeigt. Abweichungen, die

sich etwa durch einen Sturz ergeben, sind Gelb oder Rot. www.iocare.de

Die Nutzung moderner Sensortechnik

kann dabei helfen, Menschen

mit depressiven Erkrankungen zu

behandeln. An einer IT-Lösung arbeitet

der Softwareentwickler Adesso

gemeinsam mit der Universität Leipzig

im Rahmen des Forschungsprojekts

„Steady“. Dabei erfasst ein

Fitnessarmband Biodaten des Patienten,

zum Beispiel Schlafdauer

und -qualität. Algorithmen werten die

Daten aus und setzen sie zu individuellen

Informationen in Beziehung.

Ziel ist es, entstehende depressive

Episoden frühzeitig zu erkennen.

www.biomedical-data-science.org

Mehr Unabhängigkeit für Blinde

Sich in einer unbekannten Umgebung

zu orientieren ist für blinde

Menschen quasi unmöglich. Künstliche

Intelligenz, eine Kamera,

Lautsprecher, Sensoren – und das

alles verpackt in einer smarten

Brille – sollen das ändern. Entwickelt

wird dieses Navigationssystem,

das Sehbehinderten Unabhängigkeit

und mehr Sicherheit

verschaffen soll, vom Start-up

AI Serve Technology, das im Accelerator

der HHL Leipzig gefördert

wurde.Ist die Brille marktreif,

wäre das ein Quantensprung für

Millionen Menschen.

www.aiserve.co

Computermodelle im Operationssaal

Am Innovationszentrum für computerassistierte Chirurgie (ICCAS) der

medizinischen Fakultät der Uni Leipzig wird an der Medizin der Zukunft

geforscht. Seit der Gründung 2005 wurden einige Neuerungen auf den

Weg gebracht: vom Ultraschall für die Krebszellenforschung bis hin

zum Messgurt für die Vor-Ort-Überwachung bei Unfallopfern. Entwickelt

wurde auch ein „intelligenter“ Operationssaal. Computer unterstützen

den Operateur mit zusätzlichen Informationen während der OP, die –

basierend auf Computermodellen – Entscheidungen erleichtern sollen.

Eine Neuheit ist zudem die „Magische Linse“, die es gestattet, mit Hilfe

eines iPads bereits vor dem Eingriff ins Innere des Patienten zu sehen,

um beispielsweise den Schnitt optimal zu setzen. Grundlage hierfür

sind MRT- und CT-Daten. www.iccas.de

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71

Inspirational Items

Neuer Werkstoff für die Baubranche

Viermal leichter und sechsmal tragfähiger als Stahl: Carbonbeton könnte

schon bald das Bauwesen revolutionieren. Bis 2021 soll der neue Verbundstoff

die Marktreife erzielen – dann könnten Carbonfasern den Stahl

ersetzen, der mit Beton ummantelt aktuell noch in Gebäuden oder bei

Brücken zum Einsatz kommt. Da ganze Bauwerke künftig so viel dünner

konstruiert werden können, sind Materialeinsparungen von bis zu 50 Prozent

möglich – ein wichtiger Schritt für die Baubranche mit ihrem hohen

Ressourcen- und Energieverbrauch. Das langfristige Ziel: Bei Neubauten

sollen mindestens 20 Prozent der Stahl- durch Carbonbewehrungen

ersetzt werden. Damit das gelingt, arbeiten mehr als 160 Partner aus

Wissenschaft und Praxis zusammen – einer der führenden Köpfe ist

Professor Manfred Curbach vom Institut für Massivbau der TU Dresden.

Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat die Bedeutung

der Carbonbeton-Technologie erkannt und fördert das Projekt mit

43 Millionen Euro. www.bauen-neu-denken.de

Reisen 4.0

Blätterte man früher in Reisekatalogen, buchen heutzutage die meisten

Menschen ihren Urlaub online. Oder ersetzen diesen vielleicht gleich durch

ein animiertes Abenteuer, wie das der japanischen First Airline, die virtuelle

Flüge nach New York anbietet – inklusive Sightseeing und Bordessen.

Das grundsätzlich veränderte Nutzerverhalten brachte Diginetmedia aus

Schneeberg, einen der größten Virtual-Reality-Anbieter im Touristiksegment,

auf eine Idee: Wie wäre es, schon vor Urlaubsantritt das Zimmer sehen

zu können? Und wie können sich Reisebüros wichtige Marktanteile im

hart umkämpften Tourismussektor sichern? Diginetmedia bedient sich

Technologien für virtuelle Realität und bringt die Urlaubsunterkunft oder

das Kreuzfahrtschiff auf kompatible VR-Brillen. Das Konzept kommt gut an:

Mehr als 10 000 Reisebüros und sechs Reedereien greifen bereits auf das

Portal zu. www.diginetmedia.de

Das alternative Fahrradschloss

Noch immer werden die meisten Fahrräder mit schweren Stahlketten

und Bügelschlössern gegen unliebsame Diebe gesichert. Die Leipziger

Gründerinnen Alexandra Baum und Suse Brand haben mit ihrem Produkt

Tex-lock innerhalb von acht Monaten eine flexiblere und leichtere Alternative

entwickelt. Das Textilseil besteht aus mehreren Lagen moderner

Hightechfasern, die aufgrund ihrer Eigenschaften auch in der Raumfahrt

oder Autoindustrie zum Einsatz kommen. Der Verbund von Seil, Ösen und

Verschluss ist mit der Widerstandskraft einer Stahlkette vergleichbar. Dass

die ersten Reaktionen nach der Markteinführung des jungen Produkts

nicht nur positiv ausfielen, nehmen die Unternehmerinnen als Ansporn:

Im nächsten Entwicklungsschritt spielen neben besserem Diebstahlschutz

auch Elektronik, Alarm und Sensorik eine Rolle. www.tex-lock.com

Unterstützung aus der Ferne

Unsere Großelterngeneration steht vor einem Dilemma: Smartphones sind

ihr zu kompliziert, ein Seniorenhandy empfindet sie als stigmatisierend.

Mit den Enkeln Hunderte Kilometer entfernt ohne Skype und Whatsapp in

engem Kontakt zu bleiben, wird damit nicht leichter. Eine Lösung bietet

die Asina-App der Dresdner Exelonix GmbH. Der übersichtliche Bildschirm

erleichtert den Einstieg in die digitale Welt. Ein weiterer Pluspunkt: Bei der

Konfiguration können Enkel auch aus der Ferne unterstützen. Verwaltet

wird das Tablet nämlich über ein Webportal. Mittels Login-Daten können

Angehörige oder Freunde verschiedene Einstellungen, Adressen und

Telefonnummern, die Einteilung des Medikamentenplans, den Upload von

Fotos oder die Anordnung der Apps auf dem Startbildschirm vornehmen.

Ein weiteres Zubehör ist das Blutdruckmessgerät, das die Daten als Grafik

auf dem Tablet aufbereitet. Inzwischen gibt es die Software auch losgelöst

vom Tablet für alle gängigen Smartphones. www.exelonix.com

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72

Big Data

TRENDING TOPICS

11

Big

Data

short cut / Big Data / Daten als Rohstoff der Zukunft /

Allein im Internet der Dinge werden 2020 voraussichtlich

20 Milliarden Geräte miteinander kommunizieren / Die Vernetzung

produziert Unmengen an Daten / Aus Big Data formen

selbstlernende Algorithmen Smart Data / Die Datensätze versorgen

uns mit Strom, treffen Anlageentscheidungen, optimieren

Werbung oder erkennen Hackerangriffe

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73

Big Data

ONE

QUESTION

Wie viele

Daten braucht der

Mensch?

ONE

ANSWER

»Die zentrale Frage ist vielmehr,

wie viel Transparenz über die

Verarbeitung persönlicher Daten

herrscht. Besonders im deutschsprachigen

Raum wollen Nutzer

digitaler Netzwerke die Hoheit über

ihre Daten haben – diese zu

schützen ist eines der wichtigsten

Anliegen unserer Zeit.«

( Dr. Thomas Vollmoeller ist seit 2012 CEO

des Karriereportals Xing. )

TRENDING TOPICS


74

Big Data

Macher mit

1

Mission


75

Big Data

text

Christina Lynn Dier

„Astro-Alex“

hat bei seinem

Aufenthalt auf

der ISS ein

ungewöhnliches

Experiment

im Gepäck.

BILDER

1

Aufbruch ins All: Alexander

Gerst absolviert mehr als

50 europäische Experimente

an Bord der ISS.

2

Wiederholungstäter: Schon

2014 lebte und arbeitete der

Geophysiker ein halbes

Jahr lang auf dem Außenposten

der Menschheit.

„Horizons“ hat Astronaut Alexander Gerst seine zweite

Mission auf der Internationalen Raumstation (ISS)

getauft. Und neue Horizonte soll der Aufenthalt 400

Kilometer über der Erde in der Tat erschließen – auch

in Sachen digitale Selbstvermessung. Denn Gerst hat

mit Metabolic Space ein Experiment aus Sachsen an

Bord, das den menschlichen Stoffwechsel analysiert.

Das neuartige, am Körper getragene System wurde

eigens für den Einsatz auf der ISS weiterentwickelt

– in einem Gemeinschaftsprojekt des Instituts für

Luft- und Raumfahrttechnik der TU Dresden und

der Leipziger Firma Cortex. 600 Gramm wiegt das

Gerät, insgesamt fünfmal steigt Gerst damit über

einen Zeitraum von sechs Monaten auf das Laufband

der Raumstation, um Gesundheitszustand und

Fitness zu testen. „Neben Sauerstoffaufnahme und

Kohlendioxidabgabe misst das Gerät auch Ventilation,

Herzfrequenz und Geschwindigkeit des Laufbands.

So wissen wir, wie viel Luft er bei welchen

2

Leistungsstufen benötigt“, erklärt Markus Siepmann,

Geschäftsführer von Cortex. Auf der Grundlage dieser

Daten berechnen die Experten auf der Erde an die

100 weitere Parameter.

Damit liegt das Experiment ganz im (irdischen)

Trend: Zu der enormen Menge an Daten, die

schon jetzt etwa durch vernetzte Maschinen generiert

wird, werden in Zukunft weitere Massen aus dem

medizinischen Monitoring dazukommen. Für die

Forschung könnte der Einsatz von Big-Data-Technologien

durch das Zusammenspiel von Statistik, Maschinellem

Lernen und Mustererkennung neue Erkenntnisse

ermöglichen. Diese erhoffen sich auch die

Beteiligten des Metabolic-Space-Projekts: „Es geht

nicht nur um die Bewertung der körperlichen Fitness

von Astronauten – mit den Ergebnissen sollen auch

künftige Weltraumtouristen auf ihren Flug ins Weltall

vorbereitet werden“, so Siepmann. Ihnen könnte

dann ein smartes System an die Hand gegeben werden,

um ihre körperliche Fitness vor, während und

nach ihrem Aufenthalt im All zu erfassen. Völlig autark

und ohne Zutun eines Arztes. Und dann ist da

noch die bemannte Marsmission, die in den Jahren

nach 2030 Wirklichkeit werden soll: Wenn sich eine

Crew monatelang auf den Weg zum Mars macht,

wird die Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit

eine noch essentiellere Rolle spielen.

Cortex-Geschäftsführer Siepmann will zwischenzeitlich

weiter forschen: Kleiner und leichter

solle das derzeitige Gerät auch für die Anwendung

auf der Erde werden und gleichzeitig noch mehr Informationen

liefern. Und ja, dass Alexander Gerst

auf seiner Mission ein Cortex-Gerät benutzt, „macht

einen schon stolz – und auch ein bisschen traurig,

wenn es dann in der Erdatmosphäre verglüht“. ■

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76

Virtual Reality

TRENDING TOPICS

12

Virtual

Reality

short cut / Virtual Reality; deutsch: Virtuelle Realität (VR) /

Eine Realität, die nur virtuell existiert, in der man sich aber

bewegen, die man erfahren und erfühlen kann / Virtuelle Welten

erobern die Kunstszene und ermöglichen ungeahnte Perspektiven /

VR-Kameras verwandeln Erlebtes in 360-Grad-Panoramabilder

/ VR ist für Gamer der ultimative Kick, für Mediziner

und Techniker die Zukunft

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77

Virtual Reality

Schöne neue Welt

„Die Geburt der Venus“ können

Besucher in den Uffizien

in Florenz bewundern –

oder online: Eine italienische

Firma hat Botticellis Werk

hochauflösend digitalisiert.

Das gewährt Einblicke,

die mit bloßem Auge unmöglich

sind.

TRENDING TOPICS


78

Virtual Reality

Virtuelle

Welten neu

gedacht

1

text

Sabine Simon

FOTOS

Gene glovER

Wie ein Hidden Champion aus dem Erzgebirge

mit 360-Grad-Kameras Maßstäbe setzt.

TRENDING TOPICS


79

Virtual Reality

2

3

Andere

Blickwinkel:

Vor allem junge

Menschen

bekommen

durch digitalisierte

Kunst

einen völlig

neuen Zugang

zur Thematik.

4

BILDER

1

Genau ausgerichtet: Bevor

die Systeme zum Kunden

gehen, werden sie akribisch

getestet und kalibriert.

2

In der Fertigung: Der „piXplorer“

produziert im Zusammenspiel

mit einer Kamera

auf Knopfdruck Panoramabilder

im Gigapixelbereich.

3

Automatisierte Manufaktur:

Dem Unternehmen gelingt der

Spagat zwischen automatisierter

Serienfertigung und

manueller Montage. Hier ein

Blick in die automatische

Leiterplattenbestückung.

4

In Familienhand: Mit Hartmut

Clauß geht das Unternehmen

in die zweite Generation.

Know-how im Detail / An Superlativen

kommt Hartmut Clauß nicht vorbei, wenn er von

seiner Arbeit berichtet: von Leonardo Da Vincis

„Letztem Abendmahl“ in einer Auflösung von 16 Gigapixeln

bis hin zu einem Panorama von Malaysias

Hauptstadt Kuala Lumpur mit knapp 900 Gigapixeln.

Das ist nicht groß, das ist riesig. Ein Gigapixel

entspricht etwa dem 50fachen der Auflösung einer

Handkamera. Nein, die Mitarbeiter der Dr. Clauß

Bild- und Datentechnik GmbH sind keine Fotografen.

Sie liefern vielmehr die Technik, die solche Fotografien

möglich macht: höchstauflösende 360-Grad-

Aufnahmesysteme. „Das Know-how steckt bei uns

im Detail“, sagt Clauß.

Auf ein Stativ gespannt, können die Panoramaköpfe

die zugehörige Kamera so ausrichten,

dass das zu fotografierende Objekt automatisch

Schritt für Schritt „abgetastet“ wird. Eine Gigapixelaufnahme

dauert im Schnitt einige Minuten,

wobei auch mehrere Belichtungsstufen oder multispektrale

Inhalte erfasst werden können. Im Nachgang

setzt eine Software die unzähligen Einzelbilder

wieder zusammen. Mit bloßem Auge ist diese Detailtiefe

nicht erreichbar. Die Einsatzmöglichkeiten

sind vielfältig, die Systeme gefragt: von virtuellen

Touren für die Tourismusbranche, die mittels einer

VR-Brille angesehen werden können, über Gigapixel-

und Industriefotografie bis hin zur Digitalisierung

von Kunstwerken. ➔

TRENDING TOPICS


80

Virtual Reality

Panoramen und virtuelle Touren / 1996

gegründet, gehört das Unternehmen aus Zwönitz im

Erzgebirge mittlerweile zu den Weltmarktführern in

seinem Segment. Firmengründer Dr. Ulrich Clauß

hat die operative Geschäftsführung vor wenigen

Jahren an seinen Sohn Hartmut übertragen, leitet

selbst aber noch immer die Entwicklungsabteilung.

15 Mitarbeiter sind im Familienunternehmen tätig,

das alle nötigen Werks- und Bauteile seiner Panoramaköpfe

– teilweise sogar die Kamera – selbst

fertigt und in alle Welt verschickt.

Werden die Systeme schon seit einigen Jahren

von Polizei und Sicherheitsbehörden genutzt

– beispielsweise um virtuell begehbare Tatortmodelle

zu erzeugen, zur fotografischen Spurenund

Beweissicherung oder in der Einsatz- und

Fluchtwegeplanung –, entstehen auch neue Ansätze,

etwa durch die Energiewende. Durch Gigapixelfotografie

könne die Wartung von Windkraftanlagen

zeit- und kostensparender ablaufen, erklärt

Hartmut Clauß. „Rationelle Inspektionen ermöglichen

kürzere Prüfintervalle, und Materialschäden

werden deutlich schneller erkannt.“

BILDER

5

Kompatibel: Die Aufnahmen, die

die Panoramaköpfe erzeugen,

können auf allen VR-Brillen

angeschaut werden, zum Beispiel

auf der Oculus Rift oder

der Samsung Gear VR.

6

Außergewöhnliche Panoramen:

Die Gigapixelfotografie ermöglicht

völlig neue Einblicke,

zum Beispiel in die Grabkammer

von Pharao Ramses VI.

im Tal der Könige in Ägypten.

7

Das Leipziger Kunstkraftwerk

erweckt mit „Renaissance

experience“ die Schätze der

Florentiner Uffizien mittels modernster

Technologie zu neuem

Leben. Zu sehen sind 150 der

bedeutendsten Gemälde.

5

6

7

Kunst zum Anfassen / In den vergangenen

Jahren sind viele Museen und Archive weltweit dazu

übergegangen, ihre Schätze für die Ewigkeit zu digitalisieren.

Vor allem junge Menschen bekommen durch

digitalisierte Kunst einen völlig neuen Zugang zur

Thematik. Anfang 2018 etwa erwachten Werke aus

den Florentiner Uffizien im Leipziger Kunstkraftwerk

zum Leben. Daran beteiligt auch die Panoramaköpfe

aus Zwönitz. Neben Projektionen auf den acht Meter

hohen Wänden können Besucher mit Hilfe großer

Touchscreens in Gemälde unter anderem von Sandro

Botticelli, Caravaggio, Leonardo da Vinci, Raffael

oder Michelangelo eintauchen, einzelne Bilder aufrufen

und hineinzoomen. Die Digitalisierung selbst hat

das italienische Unternehmen Centrica initiiert.

Wenn es irgendwo auf der Welt um einen neuen

Rekord in Sachen Gigapixelfotografie geht, sind die

Zwönitzer meist mit an Bord. Und Hartmut Clauß

hat noch einiges vor: „In vielen neuen Einsatzgebieten

setzt man auf unsere VR-Technologie. Wir arbeiten

kontinuierlich an der Weiterentwicklung unserer Produkte

– und damit der ganzen Branche.“ ■

FAKTEN // Standort: Zwönitz / Gründungsjahr: 1996 /

Mitarbeiter: 15 / Geschäftsführung: Hartmut Clauß /

Mission: Mit 360-Grad-Kameras neue virtuelle Welten

erschließen

TRENDING TOPICS


81

Register

REGISTER //

Personen

A

Adlassnigg, Fabio 69

Assadollahi, Ramin 39

B

Balfour, Lady Kinvara 5, 43

Baum, Alexandra 71

Beck, Monika 64

Berners-Lee, Sir Tim 43

Bether, Carsten 35

Böhringer, Martin 14, 16, 17

Boos, Hans Christian 38

Brand, Suse 71

Brandenburg, Paul 19

Bullinger-Hoffmann, Angelika 39

C

Claus, Sören 23

Clauß, Hartmut 79, 80

Clauß, Ulrich 80

Clooney, George 35

Curbach, Manfred 71

F

Feger, Karl-Otto 28

Fettweis, Gerhard 19

Fitzek, Frank 11

Franke, Andreas 69

Frenking, Stefanie 33

Freysoldt, Matthias 35

G

Gadowski, Lukasz 20, 31

Gerlach, Lutz 14, 16, 17

Gerst, Alexander 75

Ginzel, Beate 68

Gläß, Rainer 18

Grosa, Patrick 11

H

Haase, Robert 34

Hillenbrand, Katja 18

Hofstetter, Yvonne 40

I

Ittner, Andreas 62, 64

J

Janszky, Sven Gabor 44

Jasper, Anna 58, 60

Jäschke, Sandra 58

Jentzsch, Christoph 64

Jobs, Steve 31

K

Knie, Andreas 23

Koederitz, Martina 3, 44

L

Lehner, Wolfgang 40

Leischnig, Steffen 34

Leitermann, Franziska 27, 28

Lohrer, Artur 35

M

Maier, Robin 34

Montag, Christian 9

Möckel, Hendrik 34

Musk, Elon 44

N

Nakamoto, Satoshi 62

Nida-Rümelin, Julian 24

Nyderle, Oliver 28

P

Pahl-Weber, Elke 68, 69

Petsch, Tino 48, 49, 51

Posselt, Thorsten 40

R

Reichelt, Dirk 55, 56

Richter, Martin 69

Ritter, Teresa 27, 28

Rojas, Raúl 57

Rooke, Philip 31, 32, 33

Rost, Thomas 60

Rudolph, Sebastian 41

S

Scheeren, Ole 3, 43

Schmid, Wilhelm 60

Schumacher, Christoph 56

Seifert, Joachim 11

Siepmann, Markus 75

Slusallek, Philipp 40

Spieß, Matthias 31

Stenzel, Lukas 34

Streiter, Robin 22

T

Trautmann, Toralf 22, 23

Tumasjan, Andranik 64

U

Unger, Ronny 34

V

Voit, Brigitte 19

Vollmoeller, Thomas 73

W

Wagner, Tobias 69

Wagner, Uwe 51

Weger, Gesche 19

Weibel, Peter 39

Wijburg, Rutger 40

Wilhelm-Mauch, Frank 38

Wolf, Frank 14, 16, 17

Z

Zehl, Sven 55

Orte

A

Aachen 11

Annaberg-Buchholz 22, 23

B

Berlin 5, 11, 23, 43, 57, 68, 69

Bruchsal 20

C

Chemnitz 5, 16, 17, 18, 22, 23, 39,

48, 49, 51, 62, 64

D

Dresden 11, 17, 19, 22, 23, 27, 35,

40, 41, 55, 56, 58, 64, 69, 71, 75

E

Erzgebirge 5, 18, 34, 58, 60, 78, 80

F

Florenz 77

G

Glashütte 58

Görlitz 35

Greensburg 31

H

Hamburg 69

Hannover 55

K

Karlsruhe 39

Kassel 31

Köln 13, 17

Krupka 31

Kuala Lumpur 79

L

Las Vegas 31

Legnica 31

Leipzig 19, 31, 32, 33, 34, 35,

40, 44, 68, 69, 70, 71, 75, 80

London 17

Los Angeles 38

M

Mainz 64

Meißen 58, 60

Mittweida 62, 64

München 24, 39, 40, 69

N

New York 5, 17, 71

O

Oelsnitz 18

P

Paris 6, 67

S

Saarbrücken 38, 40

San Jose 51

Schneeberg 71

Schöneck 18

Sehmatal 34

Silicon Valley 5, 17, 19, 33, 49, 50

Stuttgart 69

T

Tel Aviv 67

U

Ulm 9

V

Vogtland 18

W

Wolkenstein 34

Wuxi 51

Z

Zwönitz 80

Unternehmen &

Einrichtungen

A

Adesso 70

Adidas 16

Airbus 23

AI Serve Technology 70

A. Lange & Söhne 60

Amazon 31, 33

Amt für Stadterneuerung und

Wohnungsbauförderung Leipzig 68

AOK Plus 34

Apple 32, 35, 41

Arago 38

Arbeitsgemeinschaft Verbrauchs- und

Medienanalyse 6

B

Baidu 41

Barkhausen-Institut 19

Baselabs 17

Beiersdorf 28

Bertelsmann Stiftung 7

Bitkom 6, 13, 27, 55, 56

Blackberry 35

Blockchain Competence Center

Mittweida 62

BMW 22, 68

Bosch 19, 55

Brands4Friends 31

Bundesamt für Sicherheit in der

Informationstechnik (BSI) 27

C

Capnamic Ventures 17

ChargeX 69

Clever Shuttle 69

Constellation Research 7

Cortex 75

Cloud & Heat 27, 28

D

Dahlem Center for Machine

Learning and Robotics 57

Daimler 20

Deutsches Forschungszentrum

für Künstliche Intelligenz DFKI

Saarbrücken 40

Deutsche Telekom 11, 19

Diginetmedia 71

Dr. Clauß Bild- und Datentechnik

79, 80

Dresden-Concept 19

E

Ebay 31

E.ventures 17

Exelonix 71

ExB Labs 39

F

Facebook 13, 16, 33

First Airline 71

Fraunhofer IAO 7

Fraunhofer-Institut für Photonische

Mikrosysteme IPMS in Dresden 64

Fraunhofer-Institut für Verarbeitungsmaschinen

und Verpackungstechnik

35

Fraunhofer-Zentrum für Internationales

Management und Wissensökonomie

IMW Leipzig 40

Freie Universität Berlin 57

Future Mobility Incubator 69

TRENDING TOPICS


82

Register

G

Gartner 64

Gläserne Manufaktur Dresden 69

Google 13, 33, 38, 41, 64

GK Software 18

H

Handelshochschule Leipzig

(HHL) Graduate School of

Management 31, 34, 35, 70

Hochschule für Technik und Wirtschaft

(HTW) Dresden 22, 23, 55

Hochschule Mittweida 62

I

IBM 19, 38, 44, 64

Infineon 40, 50, 55, 56

Innovationszentrum für computerassistierte

Chirurgie (ICCAS) 70

Instagram 13

Institut der Deutschen

Wirtschaft Köln 13

Institut für Künstliche Intelligenz

TU Dresden 41

Institut für Luft- und Raumfahrttechnik

der TU Dresden 75

Institut für Massivbau der

TU Dresden 71

Institut für Verarbeitungsmaschinen

und Mobile Arbeitsmaschinen

TU Dresden 35

Intel 20, 38

Intenta 17

International Data Corporation 6

IO Care 70

Inrix 38

K

Kiwigrid 35

Kizoo Technology Capital 17

L

Leibniz-Institut für Polymerfor-schung

(IPF) Dresden 19

Lieferheld 31

Linkedin 13, 16

LSA 34

Ludwig-Maximilians-Universität

München 24

M

Massterly 23

Medienpädagogischer Forschungsverbund

Südwest 7

Microsoft 38

Mindance 34

Mister Spex 31

Møller-Mærsk 28

N

Naventik 22

Nomos Glashütte 58

O

OECD 6

P

Packwise 19

Phacon 34

Pinterest 13

Porzellanmanufaktur Meissen 58

Prudsys 17

PwC 13

R

Roland Berger 6

RWTH Aachen 11

S

Sensape 35

Siemens 16

Skype 71

Slack 16

Slockit 64

Smart Infrastructure Hub 69

Smart Rail Connectivity Campus 22

Smart Systems Hub 11

Snapchat 13

Spin Lab 34

Spredfast 13

Spreadshirt 30, 31, 32, 33

Staffbase 14, 17

Statistisches Bundesamt 6

StudiVZ 31

SQS 35

T

Telegram 13

Tencent 13, 41

Teramark Technologies 40

Tesco 32, 33

Tex-lock 71

Threema 13

Tilia 69

T-Systems Multimedia

Solutions 16, 28

TU Berlin 68

TU Chemnitz 22, 39

TU Dresden 11, 17, 19, 39, 40,

41, 71, 75

Twitter 13, 16

U

Unger Kabel-Konfektionstechnik 34

Universität Mainz 64

Universität Leipzig 39, 70

Universität Ulm 9

Universität Saarbrücken 38

V

VNG Viertelenergie 69

Viessmann 16

Volkswagen 38, 69

Volocopter 20, 23

W

Watttron 35

Weltwirtschaftsforum 13

Wendt & Kühn 60

Whatsapp 13, 71

Wissenschaftszentrum Berlin

für Sozialforschung 23

X

Xing 73

Y

Youtube 13

Z

Zen City 67

Zentrum für Kunst und Medien

ZKM Karlsruhe 39

2B Ahead Think Tank 44

3D-Micromac AG 48, 49

5G Energy Hub 11

5G-Lab 11, 17, 19

IMPRESSUM

Herausgeber

Verlagsspezial Trending Topics,

Frankfurter Allgemeine Zeitung,

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2018

Verlag

Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH,

Hellerhofstraße 2 – 4, 60327 Frankfurt am Main,

zugleich auch ladungsfähige Anschrift für die

im Impressum genannten Verantwortlichen und

Vertretungsberechtigten

Geschäftsführung

Thomas Lindner (Vorsitzender), Volker Breid

Verantwortlich für Anzeigen: Ingo Müller;

für Anzeigenproduktion Andreas Gierth

Projektleitung

F.A.Z. Media Solutions Manufaktur,

Philipp T. Meyer

Redaktion und Gestaltung

FAZIT Communication GmbH,

Frankenallee 71 – 81, 60327 Frankfurt

Redaktion

Christina Lynn Dier (verantwortlich),

Stefanie Hutschenreuter, Boris Karkowski, Benjamin

Kleemann-von Gersum, Klaus Lüber, Doreen Reinhard,

Judith Reker, Sabine Simon, Juliane Streicher,

Guido Walter, Christiane Zimmer

Creative Direction

Anita Mrusek

Druck

Westdeutsche Verlags- und Druckerei GmbH

Kooperation

Das Verlagsspezial Trending Topics entstand in Zusammenarbeit

mit dem Freistaat Sachsen, Sächsische Staatskanzlei,

unter Koordination von Ketchum Pleon GmbH, Dresden.

Fotonachweise

S. 1 Lennart Gäbel | S. 4 – 5 ESA/S. Corvaja, Gene Glover,

Volocopter, Joachim Baldauf, Thomas Meyer, Franziska Rieder,

Alex Bramall | S. 6 – 7 nadla/Getty Images | S. 10 RoseStudio/

shutterstock | S. 14 – 17 Gene Glover | S. 18 – 19 Gene Glover,

Micas, TU Dresden, Amac Garbe, Ronald Bonss, Dipat | S. 20 – 21

Volocopter | S. 22 – 23 HTW Dresden/Peter Sebb, Anne Schwerin

| S. 26 iStock | S. 28 Brandon Laufenberg/iStock | S. 30 – 33

Spreadshirt | S. 34 – 35 André Gottschalk | S. 36 – 37 agsandrew/

shutterstock | S. 39 Arvid Müller, Onuk, Michael Bader | S. 40 TU

Dresden, Infineon, Heimo Aga, Fraunhofer IMW, Uwe Bellhäuser

| S. 41 TU Dresden | S. 42 Alex Bramall | S. 43 Iwan Baan | S. 44

IBM Deutschland, Roman Walczyna | S. 47 – 51 Thomas Meyer |

S. 54 Infineon | S. 55 HTW Dresden/Peter Sebb | S. 59 Nomos

Glashütte | S. 60 Wendt & Kühn, Meissen/Klaus Tänzer | S. 63

buffaloboy/shutterstock | S. 64 slock.it | S. 66 Prasit photo/Getty

Images | S. 68 – 69 Steven Lüdtke, Kai-Uwe Knoth | S. 70 – 71

Anje Jager | S. 74 ESA/S. Corvaja | S. 75 NASA/Getty Images |

S. 76 – 77 Imagno/Getty Images | S. 78 – 79 Gene Glover | S. 80

Gene Glover, Salma Eldardiry, dpa

TRENDING TOPICS


GEDACHT. GEMACHT.

» Wir haben

Untertage e

gegen

g

en

Weltspitze

getauscht. etauscht.«

Neukirchen/Erzgebirge

Das Erzgebirge ist bodenständig und verhilft doch zum Höhenflug:

So werden die Triebwerksteile des Airbus A380 mit einzigartigen

Schweißmaschinen von pro-beam gebaut. Hier und bei über 400

weiteren Metallspezialisten der Region heißt es jeden Tag:

Anpacken statt abwarten. Eben »Gedacht. Gemacht«

erzgebirge-gedachtgemacht.de


ENTDECKE DEN

INNOVATIONSGEIST IN DIR.

NEUGIER UND EXPERIMENTIERGEIST LIEGEN DEN SACHSEN IM BLUT. Aus

Träumen werden Ideen, die kreative Köpfe in die Welt tragen. So wie die Forscher

von Jymmin, die Sport und Musik auf eine völlig neue Art verbinden und damit bei

Profi-Athleten und Reha-Patienten nachweislich Glücksgefühle freisetzen und

Therapieerfolge erzielen. Mit 14 Hochschulen und rund 50 außeruniversitären

Forschungseinrichtungen steht das traditionelle Erfinderland Sachsen heute mehr

denn je für weltbewegende Innovationen und eine lebendige Start-up-Szene. Wie

vielfältig die Perspektiven in Sachsen sind, erfahren Sie auf:

www.so-geht-sächsisch.de

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