Berliner Kurier 29.09.2018

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12 BERLIN BERLINER KURIER, Sonnabend, 29. September 2018

WennMänner

schwangersind

Angebote für Frauen

gibt es wie Sand am

Meer.Für Männer

mussman sie suchen.

Andreas Gerts

will das ändern.

Andreas Gerts(47)macht werdende Väter in

Vorbereitungskursen fit für den großen Moment

Von

STEFANIE HILDEBRANDT

Berlin – Nichts stellt eine Beziehung

zwischen Mann und

Frau so auf den Kopf wie die

Geburt eines Kindes. Noch

während sich der Teststreifen

rosa färbt, beginnen die

Angebote für werdende Mütter

einzutrudeln. Schwangeren-Yoga,

Massage, Tee für

Schwangere, Mummy-Mode.

Und der Vater? Wird gern

übersehen. Anders hält es Sozialpädagoge

Andreas Gerts.

In seinen Kursen stellt er Väter

und ihre Fragen zu Baby

und Geburt in den Mittelpunkt.

Wenn Männer in Pankow sagen

„Schatz, ich geh zu p.a.p.“

wollen sie sich keinen Mut antrinken,

sondern sind auf dem

Weg zum Kurs „Papa ante Partus“,

also Vater vor der Geburt.

Hier können die Kerle ganz

unter sich Fragen durchhecheln,

die jeden werdenden Vater

bewegen: Wo stehe ich bei

der Geburt am besten? Kann da

was kaputt gehen, wenn ich das

Baby halte? Wie lange dauert

das Wochenbett und darf ich da

auch mit rein? Wie wird der Sex

nach der Geburt, und wenn ja

wie häufig? „Das ist eines der

delikatesten Themen, in Kombination

mit dem Dammriss,

den ich erkläre“, sagt Andreas

Gerts.

Die roten Wangen verschwinden

aber spätestens dann, wenn

es um die Hardware geht: Kinderwagentuning,

welches Babyfon

funkt am besten, ohne

Junior zu verstrahlen? Und

wieso lohnt sich der süße Body

mit dem Logo des Hardrock Cafés

in L.A. nicht wirklich? „Weil

er in zwei Wochen zu klein ist“,

lacht Gerts, der selber mit drei

Kindern lebt.

Auch mit der Mär, Männer

würden im Kreißsaal ohnmächtig

werden, weil so viel

Blut fließt, räumt der Sozialpädagoge

auf: „Die meisten sind

einfach dehydriert“, sagt er. In

die Kliniktasche für Papa gehört

deswegen eine große Flasche

Wasser. Und eine kleine

Flasche Sekt für danach.

Ein sensibles Thema liegt

Foto: Friedel

Gerts in den Kursen, die ab Oktober

in einem Pilotprojekt

auch in fünf Familienzentren in

Mitte angeboten werden, besonders

am Herzen: die Prävention

von Schütteltraumata.

Die Männer in den Kursen erleben

an einer Puppe wie wenig

Schütteln genügt, um großen

Schaden anzurichten. Sie bekommen

eine Ahnung davon,

wie verletzlich die Wesen sind,

die von nun an ihr Leben umkrempeln

werden und aus

Männern Väter machen.

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