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onexmagazin

AUSGABE 9 SEPTEMBER 2018

HELFER

IN DER

NOT

Peter Mathys

Der einstige Chef des Krisenstabes

erzählt, wie er die

Hochwasserkatastrophe von

Huttwil erlebt hat.

GROSSANLAGE

Roggwil erhält

ein neues Reit sportzentrum.

WUSSTEN SIE

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EDITORIAL / INHALT

Liebe Leserin,

lieber Leser

Es ist Usanz, an Tagen, an welchen sich

ein bestimmtes Ereignis jährt, daran zu

erinnern. Doch das Ereignis, an das wir

in dieser Ausgabe erinnern wollen, jährt

sich heute nicht. Am Tag, an welchem

dieses Magazin in Ihren Briefkasten gelangt,

sind es genau 4130 Tage her, seit

das obere Tal der Langete von einem Unwetter

heimgesucht wurde, an welches

man sich noch lange erinnern wird. Wir

schreiben Freitag, den 8. Juni 2007. Die

meisten Menschen haben längst Feierabend.

Es ist ein angenehmer Tag mit

angenehmen Temperaturen. Die Leute

sitzen in Gartenwirtschaften oder sind

daheim am bräteln, als es in Eriswil los

geht und als bald darauf in Huttwil und

Rohrbach die ersten Warnungen eintreffen:

Wasser kommt.

Wir arbeiten die Geschehnisse von damals

noch einmal auf, sprechen mit Peter

Mathys, der damals als Chef des Krisenstabes

an vorderster Front mitwirkte,

die Folgen des Unwetters zu mildern.

Wir stöbern im Jahrbuch des Oberaargaus

und in alten Zeitungen, um das

Geschehen aufzuarbeiten und einzuordnen,

und wir informieren Sie darüber,

welche Massnahmen getroffen werden,

um die Gefahr eines weiteren derartigen

Unheils künftig zu minimieren. Im

Bewusstsein, dass die Natur immer wieder

einen Weg finden kann.

Viel Spass beim Lesen dieser Ausgabe

Ihr Bruno Wüthrich

IMPRESSUM

Herausgeber: s’Positive AG,

St. Urbanstrasse 31, 4914 Roggwil

Tel. 062 929 24 25

info@spositive.ch

Redaktion: Bruno Wüthrich,

Klaus Zaugg

Geschäftsleitung:

Sebastian Wüthrich

Layout: tnt-graphics AG,

www.tnt-graphics.ch

Auflage: 75 000 Exemplare

Erscheinung: monatlich

Druck: Swissprinters AG,

4800 Zofingen

Versand: Die Post

14

4

04 EINSCHNEIDEND

Während dem Hochwas ‐

ser in Huttwil war Peter

Mathys Chef des Krisenstabes.

Er erzählt, wie ihn

dieses Ereignis geprägt hat.

12 SCHUTZMASSNAHMEN

Das Projekt «Hochwasserschutz

Langete und Zuflüsse»

soll Katastrophen wie

jene von 2007 in Huttwil

verhindern. Heute steht es

kurz vor der Vollendung.

14 WUSSTEN SIE SCHON

Über Falschübersetzungen,

Einreiseverbote für Pferde

und das Räuchern von

Fleisch und Fisch.

32

00

20 REITSPORT-PARADIES

In Roggwil entsteht eines

der grössten Reitsportzentren

der Schweiz.

24 FLUT DER VERWÜSTUNG

Der Verlauf der Hochwasserkatastrophe

in Huttwil

zeigt, welche Kräfte in der

Natur stecken.

32 FLUCHT NACH VORN

Der Bauaufschub des neuen

SCL-Stadions zeigt: Der

Hockeyclub hat in Langenthal

keine Zukunft mehr.

38 DIE SEITE DER LESER

Leserbriefe und Veranstaltungen.

24

20

s’Positive 9 / 2018 3


PETER MATHYS

Peter Mathys erinnert

sich an das Unwetter

im Jahr 2007.

4 s’Positive 9 / 2018


«Man muss in so

einem Moment

hart sein»

Der Huttwiler Peter Mathys (62) war während der

Hochwasserkatastrophe im Juni 2007 der Chef

des Krisenstabes. Er blickt zurück auf Tage, die

sein Leben geprägt haben und ein Ereignis, das

ihn immer noch beschäftigt.

TEXT: KLAUS ZAUGG UND BRUNO WÜTHRICH

Extremsituationen wie die Unwetterkatastrophe

von Huttwil führen

Menschen, Unternehmen,

Verwaltungen, Schulen, medizinische

Einrichtungen, Institutionen, und

insbesondere deren Führungskräfte an

ihre individuellen Grenzen. Einer, der

weiss, wovon die Rede ist, ist Peter Mathys.

s’Positive: Wie erlebten Sie die Ereignisse

im Juni 2007?

Peter Mathys: Ich war am Abend zuvor mit

einem Kollegen im Ausgang. Da kam die

Serviertochter und teilte uns mit, dass sie

nicht mehr nach Hause könne, weil eine

Brücke in Eriswil weggeschwemmt sei. Ich

dachte zuerst an einen Scherz. Doch da

ging bei meinem Kollegen der Pager mit

der Meldung, Wasser komme. Da realisierte

ich den Ernstfall und begab mich direkt

ins Feuerwehrmagazin. Von dort aus telefonierte

ich mit dem damaligen Regierungsstatthalter

Markus Grossenbacher.

Wir wussten, dass nun alle Kräfte mobilisiert

werden müssen. Meine Aufgabe war

es, die Übersicht zu gewinnen.

Wie ging es weiter?

Es kam alles Schlag auf Schlag. Mein älterer

Bruder meldete, dass im Sportzentrum

alles drunter und drüber gehe, und

dass wir sofort dorthin müssten. Doch

dann erreichte uns die Nachricht, dass im

Stalden Menschen vermisst wurden und

andere in ihrer Liegenschaft eingeschlossen

waren. Von da an hatte alles eine

ganz andere Dimension. Doch es kam


PETER MATHYS

Lernte Menschen in Grenzsituationen kennen: Peter Mathys.

noch schlimmer. Denn fast gleichzeitig

erfuhren wir, dass in Eriswil eine Person

in einem Haus eingeschlossen ist und

nicht mehr herausgeholt werden kann.

Also mussten wir die Polizei und die Ambulanz

alarmieren. Hinzu kam, dass das

Spital bis zum Erdgeschoss unter Wasser

stand und wir vor der Frage standen, ob

wir evakuieren müssen oder nicht. Der

Fahrer eines Ambulanzfahrzeugs fragte

nach mir. Es war das vorderste von insgesamt

18 Ambulanzfahrzeugen, die in der

Hofmattstrasse aufgereiht auf Einsätze

warteten. Heute würden wir das besser

koordinieren.

Was war mit den vermissten Personen?

Dabei handelte es sich um das Ehepaar

Flückiger, das ihre Schafe retten wollte.

Beide kamen bei dem Versuch leider ums

Leben. Den Sohn, der bei diesem Versuch

ebenfalls dabei war, konnten wir in einer

spektakulären Aktion retten. Aber die Todesfälle

schüttelten uns richtiggehend

durch.

Wie wurden die Menschen mit der Situation

fertig?

Es kam ein Careteam zum Einsatz, das

von Pfarrer Hans Zaugg geleitet wurde.

Hans Zaugg war lange Zeit Pfarrer in

Huttwil, wohnte nun aber in Oberdiesbach.

Er schickte uns zuerst Studenten,

die aber die Situation nicht richtig zu

handhaben wussten. Hans Zaugg musste

daraufhin selber kommen.

Wann konnten Sie eine erste Bestandesaufnahme

machen?

Am darauf folgenden Morgen um 05.00

Uhr machten der Regierungsstatthalter,

Gemeindepräsidentin Therese Loeffel

und ich einen Rundgang. Bereits zu diesem

Zeitpunkt erreichte mich der Anruf

eines Journalisten, der Auskunft wollte.

Da beschlossen wir, möglichst rasch eine

Medienkonferenz einzuberufen. Denn es

ist völlig klar, dass man in einem solchen

Fall mit den Medien zusammenarbeiten

muss. Bereits um 11.00 Uhr war das Fernsehen

vor Ort und wir machten eine

Rundfahrt. Auf der Höhe des Pubs an der

Eriswilstrasse hiess es: Stopp! Von hier

aus senden wir. Eine Stunde später informierte

das Schweizer Fernsehen in der

Tagesschau am Mittag.

Wie erlebten Sie selbst die Geschehnisse?

Sie waren ja als Chef des Krisenstabes

mittendrin.

In der Krise funktioniert man einfach.

Man sieht das Elend. Es schüttelte mich.

Ich wohne ja im betroffenen Gebiet, kenne

hier die Leute. Darüber reden zu können,

hat mir jedoch geholfen. Dies begann

bereits beim Debriefing. Da sassen

wir zusammen und sprachen miteinander.

Hier begann die Verarbeitung.

Wie erlebten Sie die betroffene Bevölkerung?

Man fühlt einerseits viel Dankbarkeit,

wird aber auch angegriffen. Ein Gemeinderat

wurde von einem Unternehmer angefragt,

ob er Hilfe organisieren könne.

Im ganzen Tohuwabohu hat er diese Anfrage

jedoch vergessen. Den Zorn des enttäuschten

Unternehmers bekam dann ich

zu spüren. Es staut sich in solchen Stresssituationen

eben auch viel Frustration

auf, die sich irgendwo entladen muss.

Böse ist dies jeweils nicht gemeint.

Jeder schaut halt zuerst zu dem, was

ihn selbst betrifft. Jeder ist sich selbst

der Nächste.

Ja, so ist es. Jeder sieht in erster Linie seine

eigene Zukunft, will morgen schon

wieder funktionieren und zur Arbeit gehen

können. Da mussten wir halt sagen,

dass es vielleicht übermorgen oder noch

etwas später werden kann, bis dies wieder

möglich wird. Einer der ersten Befehle

war, sofort mit allen Mitteln die Bäche

zu räumen, die von Schwemmholz, Siloballen

und Geröll verstopft waren. Es

braucht diese Sofortmassnahmen, um zu

verhindern, dass bei weiteren Regenfällen

eine noch schlimmere Situation entsteht.

In Eriswil wurde ein Auto erst nach

drei Tagen unter einer Brücke entdeckt.

Gab es Leute oder Instanzen, die versuchten,

Ihnen dreinzureden oder

Ihnen Befehle zu erteilen?

Ja das gab es. Zum Beispiel versuchte ein

Baumeister, mir zu erklären, was in seiner

6 s’Positive 9 / 2018


Peter Mathys

Peter Mathys (geb. 1956) ist gelernter

Schriftsetzer, später arbeitete er

hauptberuflich als Zivilschutzinstruktor.

Heute ist er Händlersupport-Koordinator

bei Biketec AG

(Flyer) in Huttwil. Von 1997 bis

2006 war er Feuerwehrkommandant,

dann Koordinator des Krisenstabs

Amt Trachselwald, seit 2009

ist er im Verwaltungskreisführungsorgan

Emmental.

Gemeinde gehe und was nicht. Er befand,

dass ich da nichts zu sagen hätte.

Was haben Sie ihm geantwortet?

Dass wir vernünftig zusammenarbeiten

müssen. Am Sonntag machten wir eine

Bestandesaufnahme und am Montagmorgen

sorgte eine Koordinationssitzung mit

Markus Grossenbacher für klare Verhältnisse,

die dann ab Mittag griffen. Danach

konnten wir uns geordnet an die Aufräumarbeiten

machen.

Wer hat eigentlich das letzte Wort?

Der Regierungsstatthalter. Der Krisenstab

erarbeitet die Lösungen, aber der Regierungsstatthalter

hat die letzte Entscheidung.

Wie lange haben Sie nicht geschlafen?

Am Freitagmorgen ging ich zur Arbeit,

am Abend dann in den Ausgang, am

Samstagmorgen um 02.00 ging ich nach

Hause, schlief kurz bis 05.00 und war danach

wieder unterwegs. Erstmals wieder

richtig schlafen konnte ich erst am Mittwoch.

Glücklicherweise war ich beim

Jodlerfest nur eine Woche später nicht im

OK. Ich konnte dort einfach ein wenig

singen. Das hat mir geholfen. Froh war

ich über mein Netzwerk. Das Reden mit

meiner Familie und meinen Freunden

war Balsam.

Auch die Armee stand im Einsatz. Wie

kann man sie mobilisieren?

Die Armee hat eine Pikettstelle. Dort

kann der Krisenstab Hilfe anfordern.

Doch zuerst müssen die Schäden von der

Versicherung erfasst werden, denn irgendwer

muss ja das Ganze hinterher bezahlen.

Im Bedarfsfall ist die Armee jedoch

schnell vor Ort, sollte aber das

lokale Gewerbe nicht konkurrieren.

«Als wir von vermissten Personen

erfuhren, bekam alles eine völlig andere

Dimension. Die Todesfälle schüttelten

uns richtig durch.»

s’Positive 9 / 2018 7


PETER MATHYS

Wie viele Leute standen im Einsatz?

Rund 600 Feuerwehrleute aus den verschiedenen

Wehren der Region. Es gab

auch viele Menschen, die helfen wollten.

Doch viele wollten am Bahnhof abgeholt

werden und zuerst wissen, wo sie verpflegt

werden. Da mussten wir höflich

absagen. Das mag arrogant tönen, aber so

war es nicht gemeint.

Wo wurde bei der Hilfe der Hebel zuerst

angesetzt?

Dort, wo es uns am wichtigsten erschien.

Dies sahen aber nicht alle gleich. Bald

hiess es, die Herren von Huttwil würden

nur für sich schauen und die umliegenden

Gemeinden ihrem Schicksal überlassen.

Da fielen zum Teil harte Worte. In solchen

Situationen gehören diese halt dazu.

Raue Umgangsformen in einer Grenzsituation.

Ja, sehr. Jede/r findet, dass seine Situation

es erfordert, dass man ihm zuerst

«Ich weiss seither, wie winzig der

Mensch angesichts der Natur ist.

Wir streiten uns über Dinge, die den

Streit nicht wert sind.»

Als Chef des Krisenstabes

traf Peter Mathys

auch un populäre Entscheidungen.

hilft. Falls dies die eine Stelle nicht einsehen

will, ruft man halt jemanden an, den

man kennt. Dann kann es vorkommen,

dass diese Stelle verspricht, für sofortige

Hilfe zu sorgen. Doch wir mussten die Gesamtsituation

im Auge behalten und dann

zuweilen trotzdem vorerst nein sagen.

Wie können solche Situationen vermieden

werden?

Inzwischen sind wir viel besser vernetzt.

Feuerwehr, Polizei, Sanität und Zivilschutz

sind Partner. Jeder weiss viel besser,

was der andere macht und kann. Wir

haben aus dieser Katastrophe gelernt und

vieles optimiert.

Was war die wichtigste Erkenntnis?

Wie wichtig die Zusammenarbeit über die

Gemeindegrenzen hinweg ist. Diese beginnt

ja bereits bei den Warnungen. Ich

rief den Feuerwehrkommandanten in

Rohrbach an und sagte ihm, dass Hochwasser

komme. Da hat er gefragt, ob ich

spinne. Es sei schönes Wetter und sie seien

am Bräteln. Eine wichtige Erkenntnis

ist auch, dass es Ablösepläne für die Einsatzkräfte

gibt. Sonst droht irgendwann

der Zusammenbruch.

Würde man heute etwas anders machen?

Nein, ich glaube grundsätzlich nicht. Wir

waren sehr schnell im Einsatz, wir konnten

rasch reagieren. Bereits am Samstag

um 07.00 hielten wir den ersten Rapport.

Heute haben wir jedoch bessere Kommunikationskanäle.

Die Koordination fällt

deshalb leichter. Der Nachteil ist aber,

dass die Medien bereits informiert sind,

bevor überhaupt ein Alarm losgeht. Kurze

Zeit später rufen dann schon die ersten

Unternehmer an, wo sie ihre Bagger abladen

können. Bei der Kommunikation ist

von grossem Vorteil, dass man einander

persönlich kennt und weiss, wie man miteinander

umgeht.

Wann wurde eigentlich der Führungsstab

gegründet?

Etwa fünf Jahre vor dem Ereignis. Nebst

der Reorganisation der Feuerwehren und

des Zivilschutzes waren verschiedene

neue Gesetzesentwürfe dafür notwendig.

Der Regierungsstatthalter übertrug mir

nach meiner Tätigkeit als Feuerwehrkommandant

von Huttwil die Leitung.

Hatten Sie nach den Trockenübungen

eine Ahnung, was der Ernstfall bringen

kann?

Wir versuchten zwar das Unmögliche zu

denken bis hin zum Flugzeugabsturz auf

das Spital. Doch wir unterschätzten das

Medieninteresse. Vor allem, wenn ein Ereignis

Todesopfer fordert, ist dieses um

ein Vielfaches höher. Es ist jedoch wich­

8 s’Positive 9 / 2018


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PETER MATHYS

«Es hiess bald, die

Herren von Huttwil

würden nur für sich

schauen und die

anderen Gemeinden

ihrem Schicksal

überlassen.»

Rückblickend ist Peter Mathys überzeugt, vieles richtig gemacht zu haben.

tig sowohl für die Angehörigen wie offenbar

auch für die Helfer, dass ein derartiges

Ereignis und die Hilfseinsätze in den Medien

gewürdigt werden. Es hilft, wenn

danach jemand anruft und sagt: Du, ich

habe gelesen, dass…bist Du wohlauf.

Sie erleben Leute in Grenzerfahrungen.

Ja, so ist es. Man muss hart sein im Moment,

wenn jeder für sich schaut. Dies

liegt in der menschlichen Natur. Aber wir

müssen die Prioritäten richtig setzen, und

ich bin froh, dass wir uns hinterher alle

wieder in die Augen sehen konnten.

Nach dem Unwetter herrschte sofort

wieder schönes Wetter. Gab es trotzdem

Dinge, die Ihre Arbeit erschwerten?

Wir wollten den Kommandoposten im

Schutzraum Dornacker einrichten. Aber

der Swisscom war es nicht möglich, die

dortigen Telefonleitungen freizuschalten.

Auch die Intervention von Regierungsrat

Käser nützte nichts. Erst am Montag wäre

die Freischaltung möglich gewesen. Da

haben wir halt den Krisenstab in die Gemeindeverwaltung

gezügelt.

Sie erwähnten die Wichtigkeit der Zusammenarbeit

der Gemeinden. Bringt

diese auch Rationalisierungsmöglichkeiten?

Es gibt einen Trend zur Professionalisierung

– eine Tendenz ist, dass beispielsweise

der Krisenstab in Bern sagt, wir

machen das, wir haben Profis. Die müssen

dann ja auch beschäftigt werden.

Aber meine Meinung ist, dass es sich auszahlt,

wenn die Leute mit den örtlichen

Verhältnissen vertraut sind.

Sie sagten, Sie hätten aus den Einsätzen

rund um dieses Ereignis viel gelernt.

Gilt dies nur für den Krisenstab

oder allgemein?

Ich stelle fest, dass trotz allen Erkenntnissen

immer noch gesündigt wird. Zum Beispiel

indem im Überschwemmungsgebiet

bereits wieder Baubewilligungen erteilt

wurden. Sogar inklusive Tiefgaragen.

Die absolute Sicherheit gibt es nicht?

Nein. Die Natur bleibt unberechenbar. In

Eggiwil ging man nach eingehenden Berechnungen

davon aus, dass bei Hochwasser

das Wasser schlimmstenfalls maximal

bis einen Meter unter die Brücke

ansteigt. Inzwischen hat das Wasser die

Brücke bei einer Flut um mehr als einen

Meter überschwemmt.

Es kann also trotz der Dämme wieder

eine Katastrophe geben?

Man weiss es nie. Ich erinnere mich, dass

wir einmal den Auftrag hatten, für alle

Gemeinden im damaligen Amt Trachselwald

eine Notfallplanung zu erstellen. Da

sagte der Feuerwehrkommandant von

Affoltern, in dieser Zeit könne man auch

ein Bier trinken. Eine derartige Notfallplanung

sei für seine Gemeinde nicht notwendig.

Weil in Affoltern das Wasser

gleich in drei Richtungen abfliessen könne,

gebe es dort nie Hochwasser. Etwa

drei Wochen später standen nach einem

heftigen Gewitter mehrere Häuser in Affoltern

unter Wasser. Die Natur ist wirklich

unberechenbar.

Inwieweit hat dieses Unwetter ihr

Leben geprägt?

Heute habe ich auf vieles eine andere

Sichtweise. Ich weiss seither, wie winzig

der Mensch angesichts der Natur ist. Wir

streiten uns über Dinge, die den Streit

nicht wert sind. Ich bin jedoch auch froh,

in dieser Gegend zu leben. Denn ich habe

hier eine Hilfsbereitschaft und Solidarität

erleben dürfen, wie sie wohl in einer

Stadt heute ein Fremdwort ist.

Von Ihrem Haus bis zur Langeten ist es

nicht weit...

Ich höre sie von meinem Schlafzimmer

aus. Und wenn sie einen bestimmten Ton

hat, dann stehe ich auf und sehe nach,

wie hoch sie kommt. Eine Stunde heftige

Regenfälle lassen sie bereits massiv anschwellen.

10 s’Positive 9 / 2018


Huttwil Rohrbach Madiswil

Tag der offenen Baustellen

Regionales

Hochwasserschutzprojekt Langeten

Die Bauherrschaft lädt die Bevölkerung aus den betreffenden Gemeinden sowie weitere Interessierte

zu einem Tag der offenen Baustellen in Huttwil, Rohrbach und Kleindietwil ein.

Samstag, 13. Oktober 2018

09.00 – 13.00 Uhr

Wir erinnern uns alle an die verheerenden Schäden, die das Hochwasser im Jahr 2007 in unseren

Gemeinden Huttwil, Rohrbach und Madiswil anrichtete. Darauf folgte eine langjährige und intensive

Planungs- und Vorbereitungsarbeit. Neben den drei Gemeinden waren auch Bund, Kanton und verschiedene

Fachstellen involviert. Nun sind wir am Bauen der anspruchsvollen Werke, die uns künftig

vor grossen Schäden bewahren sollten. Kompetente Fachleute stehen Ihnen gerne Red und Antwort

zum Stand der aktuellen Bauarbeiten.

Infozentrum:

Halle Kiddy Dome Rohrbach (neben Baustelle Brand, Sagiareal))

Informationen über alle drei Baustellen, Sitzmöglichkeiten, Kaffee

Projektvorstellung Kiddy Dome

Die Baustellenrundgänge vor Ort werden von den Teilprojektleitern und Bauleitern betreut

Damit Sie bequem und ohne Parkplatzprobleme vom Infozentrum zu den Baustellen Huttwil und

Kleindietwil kommen, zirkuliert ein Gratis-Bus im Rundkurs mit folgenden Haltestellen:

Bahnhof Kleindietwil – Baustelle Brand (Infozentrum) – Feuerwehrmagazin Huttwil (nähe Parkplatz

Oberdorf) – Baustelle Tschäppel – Feuerwehrmagazin Huttwil – Baustelle Brand (Infozentrum) –

Bahnhof Kleindietwil – usw.

Erste Fahrt 08.55 ab Bahnhof Kleindietwil - Letzte Fahrt 12.30 ab Bahnhof Kleindietwil

Parkplatzmöglichkeiten:

Sagiareal und Kiddy Dome (Infozentrum) Rohrbach

Parkplatz Oberdorf Huttwil

(bei den Baustellen kann nicht parkiert werden.)

Wir freuen uns auf viele interessierte Besucherinnen und Besucher.

Die Bauherrschaft


OBERES LANGETENTAL

So schützen wir uns vor dem

Hochwasser

Bauliche Massnahmen in Huttwil, Rohrbach und

Kleindietwil sollen künftig Hochwasserkatastrophen wie

jene von 2007 verhindern. s’Positive zeigt, was genau

verbaut wurde und noch wird.

TEXT: KLAUS ZAUGG; FOTOS: MARCEL BIERI

12 s’Positive 9 / 2018


Luftaufnahme der Baustelle des Erddammes bei

Tschäppel. Rechts verläuft die Strasse von Huttwil nach

Eriswil, links die Langete, dazwischen der Erddamm.

Wie kann eine Katastrophe wie

jene vom Juni 2007 künftig

verhindert werden? Ist es

überhaupt möglich, eine solche

Flut zu bändigen? Mit diesen existenziellen

Fragen sind die Menschen im oberen

Tal der Langete nach dem Hochwasser

von 2007 konfrontiert worden. Und

sie haben eine Antwort gefunden: Ja, eine

solche Katastrophe kann künftig verhindert,

eine solche Flut gebändigt werden.

So ist das Projekt «Hochwasserschutz

Langete und Zuflüsse» entstanden und

steht etwas mehr als zehn Jahre nach der

Katastrophe vor der Vollendung. Es ist für

den Oberaargau eine «Jahrhundert-Baustelle»

und eine aussergewöhnliche, bemerkenswerte

Zusammenarbeit zwischen

mehreren Gemeinden: Huttwil,

Rohrbach und Madiswil sind bei diesem

Projekt formal die Bauherren. Die Gemeinden

haben je drei Gemeindevertreter

in das Steuerungsorgan gewählt. Die

Gewählten haben den Auftrag, das gesamte

Projekt im Sinne der Gemeinden in

die Praxis umzusetzen. Verantwortlich

für die Koordination der sieben Teilprojekte

ist innerhalb des politischen Steuerungsorgans

Roger Flückiger.

Der Ingenieur aus Huttwil ist Mitinhaber

zweier Ingenieurbüros mit mehr als

40 Angestellten in Burgdorf, Hasle, Langenthal

und Huttwil. Er hat reiche berufliche

Erfahrung mit Grossbaustellen.

EINE GEWALTIGE BAUSUMME

Die Gesamtkosten belaufen sich auf

14,285 Millionen Franken. Davon übernehmen

der Bund und der Kanton Bern 76

Prozent. Die restlichen Kosten teilen sich

die Gemeinden Huttwil (33 Prozent),

Rohrbach (22 Prozent) und Madiswil (45

Prozent).

Die von der öffentlichen Hand investierte

Summe steht in direktem Zusammenhang

mit den Schäden des Hochwassers

von 2007, die auf rund 16,7 Millionen

geschätzt worden sind. Der Bund und

der Kanton verlangen nämlich, dass mit

jedem verbauten Franken im Gegenzug

ein Schaden von mindestens einem Franken

verhindert wird. Diese Vorausset­

s’Positive 9 / 2018 13


OBERES LANGETENTAL

zung ist hier mehr als erfüllt, wenn durch

die Ausgaben von 14,67 Millionen ein

Schaden von mehr als 16 Millionen verhindert

werden kann. Wirtschaftliche

Faktoren sind also zu berücksichtigen.

Populistisch gesagt: Sie müssen sich lohnen.

Es ist nicht möglich, beispielsweise

mit Kantons- und Bundessubventionen

mehrere Millionen zu verbauen, um lediglich

Wiesland zu schützen.

Baustelle für die Betonsperre im Brand bei Rohrbach. Die Staumauer

wird rechts und links vom Kiddy Dome an der felsigen Uferböschung der

Langete angebaut.

DIE WICHTIGSTEN BAUWERKE

Nun ist die alles entscheidende Frage:

Wie kann die Flut konkret gebändigt werden?

Das gesamte Schutzwerk umfasst

mehrere Teilprojekte:

1

Ein Rückhaltedamm (Erddamm) für

die Langete bei Tschäppel ob Huttwil.

2

Ein Schwemmholzrechen am Nyffelbächli

in Huttwil um zu verhindern, dass

Schwemmholz und anderes Treibgut in

die Langete geschwemmt wird.

3

Ein Neubau der Brücke der Häbernbadstrasse

im Bereich der Sägerei Ammon,

damit der Rotbach mehr Platz hat.

4

Ein Rückhaltebecken (Betonsperre)

beim Brand in Rohrbach, um das Wasser

der Langete zurückzuhalten, dessen Kraft

SCHUTZ VOR «100 JÄHRIGEM REGENEREIGNIS»

Extreme Unwetter

Die Langete (oder Langeten)

entspringt in der «Langete»,

einem Weiler im Hinterland

des Dorfes Eriswil am Fusse

des Hügelzuges, der von der

Fritzenfluh Richtung Ahorn

verläuft. Nach gut 30 Kilometern

geht sie bei Roggwil

in die Murg über und mündet

bei Murgenthal in die

Aare.

Auf ihrem Weg durch das

Tal, in dem nun die Schutzbauten

errichtet werden,

nimmt sie vor Huttwil das

Nyffelbächlich, etwas später

den Rotbach und die Wyssache

auf, bei Rohrbach den

Bach aus dem Rohrbachgraben,

und nach Kleindietwil

den Ursenbach.

Die Grösse des Einzugsgebietes,

das mit 133 Quadratkilometern

angegeben wird,

ist oft unterschätzt worden.

Die Langete entwässert

durch den Rotbach ja auch

das gesamte Gebiet von

Huttwil bis hinüber nach Affoltern.

Weil heftige Gewitter

oft auf eine kleine Fläche

begrenzt sind, kann es vorkommen,

dass in Huttwil

kein Regen fällt und die Langete

aufgrund des Zuflusses

des Rotbaches trotzdem anschwillt.

Oder dass Huttwil

durch ein Hochwasser verheert

wird, verursacht durch

heftigste Regenfälle in Eriswil

wie im Juni 2007.

Selten aber gewaltig

Wie werden nun Unwetter

klassiert? Es gibt historische

Aufzeichnungen über Hochwasser

mit Überschwemmungen

im Tal der Langeten

aus den Jahren 1663, 1664,

1733, 1762, 1781, 1816,

1852, 1888, 1904, 1910,

1931, 1940, 1962, 1972,

1975 und 2007.

Das Hochwasser vom 8. Juni

2007 gilt als das schlimmste

aller Zeiten. Nun ist eine

solche Einschätzung subjektiv.

Die Wissenschaft nimmt

es genauer. Das Ausmass eines

Unwetters wird, wenn

es um die Berechnung von

Schutzbauen geht, in Zeitabständen

definiert: es gibt

Regenereignisse, mit denen

alle 30, alle 50, alle 100

oder alle 300 Jahre gerechnet

werden muss. Das Unwetter

von 2007 wird auf

dieser Berechnungs-Skala

als «100 bis 300 jähriges

Regenereignis» gewertet –

also als ein Unwetter, das

nicht einmal alle 100 Jahre

zu erwarten ist. Die Schutzbauten

sind so ausgelegt,

dass sie einem solchen Unwetter

standhalten können.

Der Schutz vor dem Extremfall

eines nur alle 300 Jahre

auftretenden Unwetters ist

mit baulichen Massnahmen

nach menschlichem Ermessen

nicht möglich und kaum

finanzierbar.

Projektleiter

Roger Flückiger.

14 s’Positive 9 / 2018


und Wucht an dieser Stelle durch die Zuflüsse

der Wyssache und des Rotbaches

verstärkt worden ist.

5

Den Bau eines Erddammes, um das

Eindringen der Fluten ins Dorf Kleindietwil

zu verhindern und das Wasser in das

Bett der Langeten zurückzuführen. Im

gleichen Zug wird das Gerinne der Langeten

auf der Höhe von Kleindietwil ausgebaut,

damit eine höhere Wassermenge

abfliessen kann.

Weil durch die Bauarbeiten Naturlandschaft

verloren geht, werden zwei

ökologische Ausgleichsmassnahmen in

den Gemeinden Huttwil und Madiswil

umgesetzt. In Huttwil wird das Bachgerinne

beim BLS-Durchlass beim Lochmühleweg

ökolisch aufgewertet und

fischgängiger erstellt. Zudem wird in

Madiswil in einer stillgelegten Kiesgrube

ein Biotop als ökologischer Ausgleich angelegt.

Daraus wird ersichtlich, dass es

bei den Bewilligungsverfahren nicht nur

um Bau- und Sicherheitsvorschriften gegangen

ist. Es sind auch die verschiedensten

Aspekte des Landschafts- oder

Naturschutzes und das Wohl der Fische

berücksichtigt worden.

Die zwei grössten, wenn wir so wollen

spektakulärsten Bauwerke sind der Rückhaltedamm

bei Tschäppel und die Betonsperre

im Brand bei Rohrbach.

Beide Bauwerke unterstehen dem

«Bundesgesetz für Stauanlagen». Oder

um es einfacher zu sagen: Sie müssen die

gleichen Sicherheitsstandards erfüllen

wie beispielsweise die Staumauern von

Grand Dixence oder Mattmark und werden

auch entsprechend überwacht. Damit

sichergestellt ist, dass diese Dämme

nicht brechen und so stabil sind, dass sie

selbst dann halten, wenn sie von den Wassermassen

überflutet werden sollten. Das

entsprechende Bundesgesetz umfasst

nicht weniger als 35 Artikel und hat einen

klar formulierten Passus: «Stauanlagen

sind nach dem Stand von Wissenschaft

und Technik so zu bemessen und zu betreiben,

dass ihre Sicherheit bei allen voraussehbaren

Betriebs- und Lastfällen

gewährleistet ist.»

EIN ERSTAUNLICHES BAUWERK

Der Fremde, der mit der Benzinkutsche

auf der Staatstrasse von Huttwil nach

Eriswil rollt, sieht linkerhand auf frei­

Tag der offenen

Baustellen

Regionales Hochwasserschutzprojekt

Langeten

Sa., 13.10.2018, 09.00–13.00 Uhr

Kompetente Fachleute stehen Ihnen

Red und Antwort zum aktuellen

Stand der Bauarbeiten. Infos über

alle drei Baustellen, Sitzmöglichkeiten,

Kaffee, Projektvorstellung Kiddy

Dome

Infozentrum:

Halle Kiddy Dome in Rohrbach

Gratis-Bus im Rundkurs:

Haltestellen: Bahnhof Kleindietwil

– Baustelle Brand (Infozentrum) –

Feuerwehrmagazin Huttwil (nähe

Parkplatz Oberdorf) – Baustelle

Tschäppel. Erste Fahrt 08.55 ab

Bahnhof Kleindietwil - Letzte Fahrt

12.30 ab Bahnhof Kleindietwil

Parkplatzmöglichkeiten:

Sagiareal und Kiddy Dome (Infozentrum)

Rohrbach Parkplatz Oberdorf

Huttwil

Der betonierte Endpunkt des

Erddammes bei Tschäppel

ist elf Meter hoch.

s’Positive 9 / 2018 15


OBERES LANGETENTAL

em Gelände eine Baustelle und wundert

sich, wie lange da schon gearbeitet wird.

Er mag sogar da und dort am Stammtisch

über diese Saumseligkeit murren. Dabei

wird leicht übersehen, dass hier eines der

erstaunlichsten Bauwerke im Tal der Langete

entsteht. Der sorgfältig bis in den

letzten Zentimeter berechnete elf Meter

(!) hohe Rückhaltedamm wird aus natürlichem

Material gebaut, das eine ganz

«Hier entsteht eines der

erstaunlichsten Bauwerke

im Tal der Langete: Der elf Meter

hohe Rückhaltedamm wird aus

natürlichem Material gebaut.»

bestimmte Qualität (Zusammensetzung,

die richtige Mischung aus Steinen) aufweisen

muss, um die Festigkeit zu gewährleisten.

45 000 Kubikmeter Dammschüttmaterial

oder 3800 Lastwagenladungen

werden gebraucht. Jede ankommende

Ladung wird sorgfältig auf die

geforderte Qualität überprüft. Weil es

nicht einfach ist, dieses spezielle Kiesgemisch

zu beschaffen – es kann ja nicht

einfach Bauschutt verwendet werden –

dauert die Aufschüttung relativ lange.

Sofern das richtige Dammschüttmaterial

eingekauft werden kann und es die Witterung

zulässt, wird mit einer Fertigstellung

auf Ende Jahr 2020 gerechnet.

Der Damm kann rund 100 000 Kubikmeter

Wasser zurückhalten. Der so gebildete

See hat eine Fläche von rund 30 000

Quadratmetern und entspricht damit einem

Sechstel des Burgäschisees. Tiere

werden den Damm übrigens nicht beweiden

dürfen. Erlaubt ist nur Grasbewuchs.

Die Terrassierung, die

durch die Begehung durch

Tiere gebildet würde, und

tiefer gehende Wurzeln

könnten die Stabilität und

Undurchlässigkeit beeinträchtigen.

Die Betonsperre beim

Brand in Rohrbach ist eine

klassische Staumauer, mit

Beton gebaut. Diese Betonsperre

mit einer Höhe von zehn Metern

kann das Wasser dort aufhalten, wo die

Langete gut zu bändigen ist: Die Staumauer

ist auf der linken Seite talabwärts in

den Felsen eingebunden. Rechtsseitig ist

das Gebäude des «Kiddy Dome» in die Betonsperre

integriert. Hier arbeiten die öffentliche

Hand (in diesem Fall die Gemeinde

Rohrbach) und ein privater Bauherr

(Markus Bösiger) auf bemerkenswerte

Art und Weise im Interesse des Gemeinwohls

zusammen. Die Bauarbeiten dauern

voraussichtlich bis Sommer 2019.

NÄCHTE OHNE ANGST

Die dritte grössere bauliche Massnahme

und zugleich die letzte (unterste) am Lauf

der Langete wird vor dem Dorf Kleindietwil

vorangetrieben. Vor dem Ortseingang

talabwärts auf der linken Seite der Strasse

wird ein Erddamm aufgeschüttet, der

bei einem Überlaufen der Langeten das

Wasser wieder ins Bachbett zurück leitet.

Da der Damm das Wasser «nur» abweist

und nicht dem gesamten Druck standhalten

muss, kann hier gewöhnliches Erdreich

verbaut werden.

Diese Schutzmassnahme drängt sich

auf, weil 2007 die Langete über die Ufer

getreten ist und sich über das Kulturland

den Weg mitten durchs Dorf gebahnt hat.

Im gleichen Zug werden die Häuser in der

Nähe der Langete mit baulichen Massnahmen

besser geschützt und das Flussbett

wird so verbreitert, dass eine grössere

Wassermenge abfliessen kann, ohne

dass der Fluss über die Ufer tritt.

Die Langete wird ob Huttwil bei Tschäppel

und beim Brand in Rohrbach soweit

gebändigt, dass sie schliesslich durch

Kleindietwil nach Madiswil fliesst und

durch den Stollen abgeleitet werden kann.

Nach Fertigstellung der Schutzbauten dürfen

die Bewohner im oberen Langetental,

bei Regenereignissen, wie sie 2007 und

2010 vorgekommen sind, ruhigere Nächte

verbringen, ohne um Hab und Gut zu

fürchten.

ZUSATZINFOS

Kiddy Dome

Spass für die ganze Familie

verbunden mit Hochwasserschutz

für das obere

Langetental. Das ist das

neue Kiddy Dome Schweiz

in Rohrbach. Beides ist am

13. Oktober vor Ort zu besichtigen.

Das Kiddy Dome wird, wenn

es im Frühjahr 2019 öffnet,

die grösste Indoor Familienund

Erlebniswelt der

Schweiz sein. Nicht nur Kinder

haben hier ihren Spass,

auch Jugendliche und Erwachsene

– die ganze Familie

eben. Und zwar unabhängig

vom Wetter.

Gleich vier Spiel- und Erlebniswelten

für Kinder, Jugendliche

und Erwachsene

werden die Besucher begeistern.

Neben einer riesigen

Kinderspielwelt gehören

dazu ein Trampolinpark,

ein Hochseilgarten und eine

Rätsel-Entdeckungswelt für

Kinder.

Integrierter Schutz

Die Trampolinwelt ist die

erste interaktive Jumpfläche

der Schweiz; die Kinderspielewelt

mit etlichen Attraktionen

wie dem Donutglider,

auf dem es 80 Meter in die

Tiefe geht, lässt Kinderherzen

höher schlagen. Alle

Einrichtungen sind gleichzeitig

eine Wohlfühloase.

Das Wohlbefinden der Besucherinnen

und Besucher

steht im Mittelpunkt.

Aber nicht nur der Spass ist

wichtig – auch der Umweltschutz.

Das Grundmauerwerk

des Kitty Dome

Schweiz ist Teil des Hochwasserschutzprojekts

– mit

weiteren Einrichtungen wie

Rückhaltebecken, Erddamm

und Schwemmholzrechen.

Drei der Projekte sind am

Tag der offenen Baustellen

ebenfalls zu besichtigen.

Ab Frühjahr 2019 dürfen hier

Kinder herumtollen.

16 s’Positive 9 / 2018


Bauleistungen

Strassenbau

Tiefbau

Erdbau

Spezialtiefbau

Rückbau

KIBAG Bauleistungen AG

Industriestrasse 1

4950 Huttwil

Telefon 058 387 20 70

Fax 058 387 20 79

www.kibag.ch

Versichern ist gut.

Prävention ist besser.

Die Mobiliar leistet einen Beitrag für die beiden Hochwasserschutzprojekte in Melchnau sowie in Madiswil, Huttwil und Rohrbach –

und unterstützt damit die Gemeinden.

Das Team der Generalagentur Langenthal erledigt im Jahr rund 10 700 Schadenfälle. Rasch, persönlich und unbürokratisch.

Die Mobiliar ist ein wichtiger, regionaler Arbeitgeber, wir bezahlen hier Steuern – und die Schadenzahlungen kommen dem lokal-regionalen Gewerbe

zugute. Kurz: Wir sind Teil der regionalen Wirtschaft

Generalagentur Langenthal

Bernhard Meyer

mobiliar.ch

Aarwangenstrasse 5

4900 Langenthal

T 062 919 11 11

langenthal@mobiliar.ch


WUSSTEN SIE SCHON

FALSCHE ÜBERSETZUNG

Aufessen gibt kein schönes Wetter

Bis heute werden Kinder damit ermutigt,

alles aufzuessen, weil es angeblich

dann schönes Wetter geben soll. «Sgibt

gut Wetter. ’s alles aufgegessen», heisst

die Redensart, die um 1870 ins «Deutsche

Sprichwörter-Lexikon» aufgenommen

wurde. Diese auch heute noch

grösste Sammlung deutscher Volksweisheiten

hatte der Pädagoge und Germa­

nist Karl Friedrich Wilhelm Wander zusammengestellt.

Doch dem Ammenmärchen liegt ein

Übersetzungsfehler vom Niederdeutschen

ins Hochdeutsche zugrunde.

«Wenn du dien Teller leer ittst, dann gifft

dat morn goodes wedder», war der

Wortlaut in der plattdeutschen Sprache.

Korrekt übersetzt müsste es im Hochdeutsche

so lauten: «Wenn du deinen

Teller leer isst, dann gibt es morgen wieder

etwas Gutes.» Oder mit anderen

Worten: dann kommen nicht die aufgewärmten

Sachen auf den Tisch, sondern

ein frisch zubereitetes Gericht, das dir

besser schmeckt. «Goodes wedder»

heisst also «Gutes wieder» und nicht

«gutes Wetter.»

WUSSTEN

SIE SCHON?

1

18 s’Positive 9 / 2018


TOTALES EINREISEVERBOT

Weshalb Pferde nicht nach Island dürfen

2

Die reinrassigsten Pferde der Welt kommen

aus Island. Die robusten Vierbeiner

mit dem zotteligen Fell sind im Reitsport

sehr beliebt und werden in alle Welt verkauft.

Der Inselstaat im Norden Europas

beherbergt nur gerade 330 000 Menschen.

Diese besitzen rund 80 000 Pferde.

Verlässt eines der Tiere die Insel, so

kehrt es nie mehr dorthin zurück. Auch

Pferde anderer Rassen werden niemals

importiert. Diese Regelung geht so weit,

dass nicht einmal Turnierpferde davon

ausgenommen sind, und auch das isländische

Nationalteam hat sich strikte an

dieser Regelung zu halten. Von vornherein

steht fest, dass die Pferde, die an eine

Weltmeisterschaft reisen, anschliessend

verkauft werden und nicht wieder einreisen

dürfen. Daran ändert auch ein Titelgewinn

nichts. Zurückzuführen ist dieses

Gesetz auf eine bereits über 1000-jährige

Volksversammlung. Damit wird sicher

gestellt, dass sich die Pferde nicht mit

anderen Rassen vermischen. Ausserdem

werden die Tiere vor eingeschleppten

Krankheiten geschützt.

WARUM WIRD FLEISCH UND FISCH GERÄUCHERT?

Heute geht es um den Geschmack

Wer Lebensmittel konservieren kann,

übersteht Kälte- und Dürreperioden besser.

Nahrungsmittel für längere Zeit haltbar

zu machen, ist für Menschen seit jeher

lebenswichtig. Schon vor Jahrtausenden

ist Fleisch gesalzen und getrocknet und

Gemüse in Öl, Essig oder Honig eingelegt

worden. Zu den ältesten Konservierungsarten

gehört auch das Räuchern von

Fleisch und Fisch.

Dazu entfacht man am besten rauchintensive

Harthölzer wie Buche zu einem

Schwelfeuer. Dabei senkt der Rauch den

Wassergehalt des Fleisches oder des

Fischs um bis zu 60 Prozent, wodurch Keimen

die Lebensgrundlage entzogen wird.

Sie können sich nicht mehr vermehren

und die Nahrung verderben. Chemische

Verbindungen im Rauch enthalten zusätzlich

eine antimikrobielle Wirkung.

Weil sich beim Räuchern die Oberfläche

des tierischen Gewebes verhärtet, können

Erreger schwerer eindringen.

Je länger geräuchert wird, desto länger

bleibt die Rauchware haltbar. Wird traditionell

bei 15 – 25 Grad Celsius während

sechs Wochen kalt geräuchert, bleiben

Fisch und Fleisch ungefähr ein Jahr lang

haltbar. Dabei schwelt das Rauch erzeugende

Feuer nicht direkt unter den Lebensmitteln.

Damit die Temperatur besser

kontrolliert werden kann, wird der Rauch

in eine Kammer geleitet, in der Fleisch

und Fisch hängen.

Heute steht beim Räuchern jedoch

nicht mehr die Halbarkeit, sondern der

würzige Räuchergeschmack im Vordergrund,

der durch im Rauch gelöste Asche,

Russ und Harze entsteht.

FOTOS: SHUTTERSTOCK.COM/UNGVAR/IVANDAN/ ASIANDELIGHT

3

s’Positive 9 / 2018 19


REITSPORTZENTRUM ROGGWIL

So soll die

geplante Anlage

einst aussehen.

Reitsport-Mekka

Der «Hof am Bach in Roggwil» erhält Zuwachs. Gleich

dahinter entsteht das neue Reitsportzentrum, wo künftig

grössere Reitsport-Events und sogar internationale

Turniere stattfinden sollen. s'Positive fühlt der Betreibergesellschaft

auf den Zahn.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH; FOTOS: DANIELA SULSER

Martin Habegger steht vor der

grossen Baustelle. Gemeinsam

mit Naemi Heiniger und

weiteren Gesellschaftern

wird Habegger betreiben, was hier entsteht.

Noch ist nicht ersichtlich, was es

sein wird. Doch bereits im kommenden

Frühjahr wird der erste Teil des neuen

Reitsportzentrums in Roggwil in Betrieb

genommen.

s’Positive: Sie arbeiten mit Pferden.

Wie kam es dazu?

Martin Habegger: Pferde haben mich immer

schon fasziniert und ich wollte von

klein auf mit Pferden zu tun haben. Doch

in meiner Familie war ich der Einzige. Es

zog mich deshalb ständig auf einen Bauernhof,

auf dem noch mit Pferden gearbeitet

wurde. Später durfte ich dann in die

Reitschule, und so begann ich mit dem

Reiten.

Da lag es nahe, dass Sie einen Beruf

erlernten, bei dem Sie mit Pferden arbeiten

konnten?

Ja, schon. Aber zuerst machte ich das KV.

Erst danach erlernte ich den Beruf des

Bereiters, wurde später Reitlehrer mit

eidgenössischem Diplom und arbeitete

bei verschiedenen Ställen und bildete

mich weiter. Später machte ich mich selbständig.

Wie haben Sie sich weitergebildet?

Ein Highlight war sicher meine Ausbildung

bei Swiss Olympic zum Diplomtrainer

Spitzensport. Dies hatte nichts mit

Reiten zu tun. Doch es war eine meiner

besten Ausbildungen, die ich genossen

habe. Das war wirklich cool.

Das tönt interessant.

Das war es auch. Es geht ja da auch um

Menschenführung. Da habe ich unter anderem

auch von Arno Del Curto gelernt.

20 s’Positive 9 / 2018


FACTS & FIGURES

Die Anlage

• Reithalle 35 m × 72 m

• Aussenreitplatz 38 m × 75 m

• Karussell

• Aquatrainer

• 18 Gastboxen für Pferde

• Tribüne

• Ausstellerfläche

• Restaurant mit Gartensitzplatz

und Kinderspielplatz

• Parkplätze

Von Arno dem Eishockeytrainer, Coach

des HC Davos? Erzählen Sie!

Das war eindrücklich. Ich gebe Ihnen ein

Beispiel. Die beiden damaligen Torhüter

des HC Davos waren an einem Vormittag

im Training. Abends hatten Sie ein Spiel.

Als das Training vorüber war, liefen Sie an

uns vorbei. Da sagte Arno plötzlich einem

der beiden: Du, die haben gesagt, du hättest

heute nur Fliegen gefangen. Dieser

blieb stehen, schaute uns an und wir sahen

ihm an, was er dachte. Das Wort dürfen

wir hier nicht wiedergeben. Und, stichelte

Arno weiter, was wirst du heute

Abend tun? Heute Abend fange ich keine

Fliegen, antwortete der Angesprochene.

Del Curto erklärte uns dann, dass er mit

solchen Provokationen sehr aufpassen

müsse. Während sie den Einen noch stärker

machen, können sie dem Andern mental

so zusetzen, dass dieser am gleichen

Tag kaum noch seine normale Leistung

abrufen könne.

Wir sehen hier einen grossen Bauplatz.

Was entsteht da?

Hier entsteht einer der grössten Eventbetriebe

der Schweiz für Pferdesport.

Hier werden also Pferdesport-Veranstaltungen

stattfinden?

Nicht nur. Aber Sie haben recht: Es werden

Turniere stattfinden. Hier werden

sich Dressur- und Springreiter mit ihren

Pferden messen. Doch wir sprechen auch

Freizeitreiter an. Zum Beispiel mit unserem

Inkana-Trail. Ein wichtiger Teil werden

auch unsere Ausbildungen sein.

Wen bilden Sie aus?

Wir bauen hier eine Reitschule für Interessierte

jeden Alters auf. Hier können Sie

auf Schulpferden und -ponys das Reiten

lernen und üben.

Welche Art Freizeitsportler sprechen

Sie an? Anfänger? Oder auch Fortgeschrittene?

Beides. Anfänger sind natürlich herzlich

willkommen. Auch bereits erfahrene Reiter

haben den Anspruch, sich weiterzubilden,

etwas dazuzulernen. Naemi Heiniger,

meine Geschäftspartnerin, ist eine

anerkannte Dressurreiterin, die Prüfungen

bis zur S-Klasse reitet. Bei ihr sind

auch WettkampfreiterInnen gut aufgehoben.

Den viel grösseren Anteil machen

aber die Menschen aus, die Reiten als

Freizeit- und nicht als Wettkampfsport

betreiben. Auch diese Menschen wollen

sich ausbilden lassen, korrekt mit ihren

Pferden umzugehen, oder richtig auf ihren

Tieren zu sitzen. Für sie bieten wir

Martin Habegger

bildet auch Reit-

Anfänger aus.

s’Positive 9 / 2018 21


REITSPORTZENTRUM ROGGWIL

Grosse Pläne mit

dem Reisportzentrum:

Martin

Habegger

Kurse an, in denen sie sich weiterentwickeln

können.

Sie erwähnten vorhin Ihre Ausbildung

zum Diplomtrainer und dass diese

nichts mit Reitsport zu tun hatte. Ist es

trotzdem vorstellbar, dass es Ihnen

dienlich sein könnte? Zum Beispiel, indem

Sie Spitzen- oder NachwuchsreiterInnen

ausbilden?

Es ist nicht auszuschliessen. Die Idee,

auch ein Nachwuchszentrum zu werden,

hatten wir schon. Weil ich diese Ausbildung

habe, könnten wir eventuell dabei

auf gewisse Unterstützungen von Swiss

Olympic zurückgreifen. Doch dies zu planen,

ist schwierig. Ich kann nicht einfach

sagen, wir machen jetzt hier ein Nachwuchszentrum

Spitzensport. Dies müsste

sich ergeben.

Die Möglichkeit wäre aber vorhanden?

Ja sicher. Wir könnten einer solchen Person

beispielsweise anbieten, dass sie ihre

Pferde hier stationieren könnte und dass

sie trainiert würden, egal ob im Bereich

Springen oder Dressur.

Mit der Möglichkeit der Stationierung

der Pferde bei Ihnen können Sie sich

ein Grundeinkommen sichern.

Martin Habegger

• Geburtstag: 03. April 1971

• Zivilstand: verheiratet, 4 Kinder

• Ausbildung: Lehre zum Kaufmann,

Bereiterlehre bei Lorenz

Rageth, Eidg. Dipl. Reitlehrer

• Weiterbildung: Diplomtrainer

«Spitzensport» bei Swiss

Olympic (Höhere Fachprüfung),

Parcoursbauer Brevet II SVPS,

Experte J&S, Berufsbildner

(Berufsfachschullehrer)

• Weiteres Amt: Vorstandsmitglied

vom SVPS (Schweizerischer

Verband für Pferdesport),

Resort «Ausbildung und Nachwuchs»

Nein, das sehen wir nicht vor. Unser Konzept

erlaubt es nicht, dass wir Pferde als

Pensionäre aufnehmen, die bei uns nur

untergestellt sind. Dafür haben wir selbst

nach der Fertigstellung der Anlage zu wenig

Platz und können nicht allen Interessen

gerecht werden. Etwas anderes ist es,

wenn die Unterbringung des Pferdes nur

ein Teil eines Paketes ist. Wenn dies zum

Beispiel mit dem Auftrag verbunden ist,

das Pferd zu bereiten und zu trainieren,

und/oder wenn bei einer Familie die Kinder

auf ihrem eigenen Pferd Unterricht

nehmen wollen.

Kommen wir zurück auf die Events. Sie

werden auch im Bereich Gastronomie

etwas anbieten müssen.

Da haben Sie recht. Geplant ist ein Restaurant

mit einem grossen Garten. Diese

Gaststätte wird täglich geöffnet sein und

ist auf Events ausgerichtet.

Hier wird also täglich gekocht?

Ja, hier werden Sie täglich essen können,

wenn Sie dies möchten. Bei grösseren

Events ist eine Zusammenarbeit mit dem

neuen Hotelbetrieb angedacht, der in

Langenthal kurz vor der Vollendung

steht, und in dem eine Industrieküche zur

Verfügung stehen wird.

Sie sprachen davon, dass dies eine der

grössten Anlagen der Schweiz werden

soll. Werden die Events entsprechend

dieser Grösse stattfinden?

Wir werden klein anfangen und vieles erproben.

Alles soll sich erst entwickeln.

Vieles wird von Partnern abhängig sein,

denn allein sind solche Anlässe nicht zu

stemmen. Die Idee ist, zu gegebener Zeit

grössere Anlässe oder sogar internationale

Turniere zu organisieren.

Wann ist die Eröffnung der Anlage geplant?

Einen Teil sollten wir im kommenden

Frühjahr eröffnen können. Den Rest dann

im Sommer. Spätestens im Herbst 2019

sollte alles fertig sein.

Wir sehen nicht nur eine Baustelle,

sondern fertige Anlagen und sogar

Pferde. Was ist bereits jetzt möglich?

Wir bauen jetzt die Reitschule auf. Wer

reiten möchte, kann hier reiten. Pferde,

um Unterricht zu erteilen, stehen ebenfalls

zur Verfügung. Wir erteilen auch

Privatpersonen mit eigenen Pferden Unterricht

und bieten Vereinskurse an. Wir

bilden nicht nur Reiter aus, sondern auch

Pferde. Pferde reiten wir an und bilden

sie weiter. Ab kommendem Monat starten

wir wieder mit dem Aquatrainer.

Was ist ein Aquatrainer?

Ein Trainingsgerät, in dem das Pferd im

Wasser auf einem Laufband läuft und so

seine Muskeln nach einer Verletzung wieder

aufbauen kann. Zudem kann der

Aquatrainer als Ergänzung auch für gesunde

Pferde eingesetzt werden.

Dann wären Sie also auch eine Rehaklinik

für Pferde?

Ganz genau. Deshalb arbeiten wir mit

einem Tierarzt zusammen.

22 s’Positive 9 / 2018


ANGEBOTE OCCASIONEN

In unserem Angebot finden Sie laufend interessante und gepflegte Occasionen. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

TOP!

OPEL Insignia 2.8 Turbo

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325 PS, weiss

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SKODA Octavia Combi 2.0

TDI RS (Kombi)

• Schaltgetriebe manuell, Diesel,

184 PS, rot mét.

• Inverkehrsetzung: Neu

• Kilometer: 20 km

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CITROEN Jumpy 1.6 BlueHDi

115 S&S M Komfort (Kasten)

• Schaltgetriebe manuell, Diesel,

115 PS, weiss

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• Kilometer: 30 km

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Pneu Bösiger AG | Lotzwilstrasse 66 | 4900 Langenthal | Tel. 062 919 01 03

Fax 062 919 01 00 | b.leandro@boesiger-langenthal.ch | www.pneuboesiger.ch

Öffnungszeiten: Mo.–Fr. 7.30–12.00, 13.15–17.30; Sa. 7.30–12.00

Mehr als nur

Reiten

Ab sofort empfehlen wir uns für kompetenten

und lehrreichen Reitunterricht für jedes Niveau.

Das «Hof am Bach»-Team freut sich auf Sie.

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Schulpferd oder eigenem Pferd)

• Aus-/Weiterbildung und Korrektur von Pferden

• Theorielektionen

• Brevet- und Lizenzvorbereitungen

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Anmeldung und weitere Auskünfte

Martin Habegger 079 333 64 34 und

Naemi Heiniger 078 732 57 29

St. Urbanstrasse 37 | 4914 Roggwil | info@hofambach.ch


HOCHWASSER 2007

Es wirkten unheimliche

Kräfte

Vor gut elf Jahren hat uns die Natur wieder mal

vorgeführt, welche Kräfte in ihr stecken. Diesmal waren

die Bewohner rund um Huttwil die Leidtragenden.

TEXT: KLAUS ZAUGG; FOTOS: MARCEL BIERI

24 s’Positive 9 / 2018


Vor gut elf Jahren hat eine Naturkatastrophe

im Juni 2007 das

obere Tal der Langeten heimgesucht.

Die dramatischen Ereignisse

sind durch verschiedene Medienberichte

und eine Zusammenfassung der

Ereignisse durch den Huttwiler Lokalhistoriker

Jürg Rettenmund im «Jahrbuch

des Oberaargaus» sehr gut dokumentiert.

Diese Schilderungen führen uns vor

Augen, welch unheimliche Kräfte in der

heimischen Natur lauern. Auch in einer

Zeit, da wir meinen, alles unter Kontrolle

zu haben. So war es damals im Juni 2007.

«Es war wie unter der Dusche», sagte

der Eriswiler Theo Rohr einem Journalisten

am Tag nach dem Unwetter vom Freitag,

8. Juni 2007, und nach einer kurzen

Pause fügte er an: «Nein, verreckter.» Kurz

vor 21 Uhr sei es im Dorf Nacht geworden,

«so wie sonst eine Stunde später». Die

Wolken seien über dem Dorf stehen geblieben,

«und dann fielen plötzlich irrsinnig

grosse Tropfen». Dann seien es plötzlich

nicht mehr Tropfen gewesen, sondern

«fast so, wie wenn Wasser aus einem

Schlauch spritzt – nur überall». Immer,

wenn er gemeint habe, es lasse etwas

nach, habe es erneut angefangen, berichtete

Rohr.

Dieses Auto wurde zwischen Eriswil

und Tschäppel in der Langete gefunden.

SCHNEISE DER VERWÜSTUNG

Gut zwei Stunden später, gegen 23 Uhr ist

der Spuk vorbei. Geografisch war das Gewitter

sehr begrenzt: Bereits in Huttwil

fielen kaum Niederschläge und Gäste, die

während des ganzen Abends in der Gartenwirtschaft

des Hotels Bahnhof sassen,

hatten zwar eine Gewitterfront Richtung

Eriswil gesehen. Aber sie hatten keine Ahnung,

was da auf Huttwil zukommen sollte.

Das Gewitter, das sich über Eriswil

entladen hatte, verursachte im oberen Tal

der Langeten eine Schneise der Verwüstung:

Drei Menschen kamen in den Fluten

um, der Schaden wurde auf 33 Millionen

Franken geschätzt.

Dass sich das Gewitter vom 8. Juni

2007 so verheerend auswirkte, hatte neben

seiner Heftigkeit einen weiteren

Grund: Bereits im Mai und vor allem in

den Tagen vor dem 8. Juni war in Eriswil

wie generell auf der Alpennordseite überdurchschnittlich

viel Regen gefallen.

Durch diese vielen Regenfälle waren die

Böden bereits vor dem Gewitter mit

Feuchtigkeit stark gesättigt. Entsprechend

weniger Wasser konnte nun versickern

und wurde zurückgehalten, bis es

abfloss. Das Gewässernetz konnte dann

dieses Wasser bereits nach kurzer Zeit

nicht mehr geordnet ableiten. In Eriswil

stiegen der Schwendibach und die Langeten,

die mitten im Dorf zusammenfliessen,

innerhalb von Minuten zu reissenden

Gewässern an. Die folgenden Schilderungen

können nur einige Einzelschicksale

beleuchten. Sie stammen vornehmlich

aus der Berichterstattung verschiedener

Medien.

Der Schwendibach riss in der Wühre die

Brücke los. Weiter unten, in der Mühle,

knallte er diese zusammen mit losgerissenen

Bäumen und Geschiebe gegen das

über den Bach gebaute ehemalige Vereinshaus

des Evangelischen Brüdervereins,

das von Schreiner Walter Käser als

Büro und Wohnhaus genutzt wurde. Die

Bäume verstopften den Durchlass, ein

Baumstamm durchbohrte das Fenster im

ehemaligen Versammlungsraum, der als

Nebenraum zum Büro diente. Zwischen

Haus und Werkstatt pressten die Wassermassen

die Betonplatten des Bodens weg.

Ein praktisch neuer Lieferwagen wurde

ins Fenster der Werkstatt gedrückt, wo er

zusammen mit einem zweiten mehr hing

als auf den Rädern stand. Das Wasser

warf alle Scheiben ein, schoss raumhoch

durch die Werkstatt und auf der anderen

Seite wieder heraus. Walter Käser, der

zum Zeitpunkt der Flut mit seiner Frau in

Langenthal weilte, trieben später auf dem

Heimweg eingangs Eriswil seine Hobelbänke

entgegen.

Zuhause traf er etwas weiter unten im

Niederdorf Johann Schär. «Mit einem

Knall wurden meine Fenster eingedrückt

und ich stand bis zum Gesäss im Wasser»,

erzählte er später. Für seine 84-jährige

Mutter, Hildegard Schär, die nur wenige

Meter entfernt auf der andern Bachseite

in der Oele wohnte, kam dagegen jede

Rettung zu spät. Ihr Bauernhaus, unmittelbar

unterhalb des Zusammenflusses

von Schwendibach und Langeten gelegen,

wurde bis ins Obergeschoss vollständig

überflutet.

DURCHS HAUS GESPÜLT

Auch im Niederdorf rissen die tobenden

Wassermassen Brücken und ganze Betonplatten

weg. Besonders heikel war die

Lage zwischen den Liegenschaften Gy­

ZUSATZINFOS

Der Hochwassersommer 2007

Die Eidgenössische Forschungsanstalt

für Wald, Schnee und Landschaft

schätzt die gesamten Unwetterschäden

in der Schweiz im Jahr 2007 auf

710 Millionen Franken – rund das

Doppelte des Durchschnitts aus den

Jahren 1972 bis 2007.

Im Oberaargau hatten die Überschwemmungen

bereits am 21. Mai

begonnen: Ein Gewitter über den Wynigenbergen

führte vor allem im Mutzbachtäli

bei Riedtwil, Gemeinde Seeberg,

zu verwüsteten Kulturen und gefüllten

Kellern. Am 4. Juni gingen das

Dorf Melchnau nach einem lokalen Gewitter

sowie Gondiswil und Auswil

knapp an einer Überschwemmung vorbei.

In Mitleidenschaft gezogen wurde

aber die Hauptstrasse Richtung Gondiswil

und vor allem das Schwimmbad.

Noch einmal hielten Wassermassen

verschiedene Oberaargauer Gemeinden

und Feuerwehren am 29./30. August

auf Trab. Zum dritten Mal getroffen

wurden Madiswil, Melchnau und

Seeberg. Die Folgen bekam aber vor

allem Bleienbach zu spüren: Oberflächenwasser

drang ins Pumpwerk der

kommunalen Wasserversorgung und

verschmutzte dieses so stark, dass es

nicht wieder in Betrieb genommen

werden konnte. Bleienbach musste mit

einer Notleitung mit Trinkwasser versorgt

werden. Bis die Anlagen durchgespült

waren, mussten die Bewohner

sogar mit Mineralwasser in Flaschen

versorgt werden.

s’Positive 9 / 2018 25


HOCHWASSER 2007

Die Flut unterspülte auch die

Geleise an der Luzernerstrasse.

WK Soldaten eilen in der Sägerei

Schürch in Huttwil zu Hilfe.

gli und Meyer, die beide eng ans Bachbett

gebaut sind. Zwei Meter hoch staute sich

die braune Brühe dort, so hoch wie Meyers

Gartenhaus. Im Haus, dem einzigen

zwischen Strasse und Bachbett, wurde

Ferdinand Meyer von den Fluten mitgerissen

und durchs Haus gespült. Wie

durch ein Wunder konnte er sich im Parterre

zwischen Radiator und Fenster festklemmen

und sich retten. Doch damit

war der Schrecken des Ehepaares nicht

ausgestanden. Bis die Flut zurückging,

mussten die beiden im Schlafzimmer im

Obergeschoss mehrere Stunden ausharren.

Erst danach konnte die Feuerwehr

zum Haus gelangen und das Paar retten.

Auf dem Weg Richtung Huttwil verwüstete

die Flut die Felder zum Teil hunderte

von Metern neben dem Bachbett. In

Tschäppel riss sie die Brücke Richtung

Nyffenegg weg. Durch Huttwil hinterliess

sie eine Schneise der Verwüstung. Erste

grosse Schäden an Gebäuden entstanden

bei der Brücke am Rüttistalden.

FLUT FORDERTE MENSCHENLEBEN

Die Flut ergoss sich zwei Meter hoch

durch das Säge- und Hobelwerk Schürch

und überschwemmte das Schwimmbad

und die Luzernstrasse. Dort blieb der Personenzug

der BLS stecken, der um 22.43

Uhr aus dem Bahnhof Huttwil ausgefahren

war. Lokomotivführer Heinz Glinz

und zwei Passagiere konnten die Eisenbahn

unverletzt verlassen. Besonders dramatisch

war die Situation am Stalden.

Dort wurden mehrere Häuser und die

Gärtnerei Meiller geschosshoch überflutet;

auch hier konnten sich die Bewohner

zum Teil erst in letzter Minute in Sicherheit

bringen. Dem Ehepaar Fritz und Katharina

Flückiger gelang dies nicht mehr.

Es wollte seine Schafe retten und wurde

vom Wasser mitgerissen. Beide verloren

ihr Leben. Lediglich ihr Sohn Ulrich konnte

sich festhalten und von der Feuerwehr

in einer spektakulären Aktion mit der Autodrehleiter

gerettet werden.

Auf seinem weiteren Weg überflutete

das Wasser die alte Möbelfabrik Meer und

beschädigte die Brücke der Sonneggstrasse.

Und bei der Salze füllte es die Baugrube

des dort entstehenden Mehrfamilienhauses.

ZUSATZINFOS

Das schlimmste Hochwasser

Das Hochwasser von 2007

war wohl, was die Schadensumme

betrifft, das

schlimmste aller Zeiten. In

der «Heimatkunde von

Huttwil» aus dem Jahre

1915 werden lediglich auf

zwei halben von 334 Seiten

Überschwemmungen erwähnt.

1853 ist es bei einer offensichtlich

ähnlichen Wetterlage

und ebenfalls im Juni

zu schweren Überschwemmungen

gekommen, die im

Wasen, also auf der anderen

Seite der Fritzenfluh, vier

Menschenleben gefordert

haben. Hier der Bericht aus

der «Heimatkunde von

Huttwil» über Unwetter aus

historischen Zeiten.

«Von Überschwemmungen

wird diese Gegend selten

heimgesucht. Das Gebiet der

Langeten mit ihren Nebenflüssen

ist zu sehr beschränkt,

und dieselben

können nur bei heftigen Gewittern

Überschwemmungen

herbeiführen. So standen

z.B. im Juli 1789 und im

Jahre 1816 die Bäche infolge

anhaltenden Regens

hoch. Am 1. Juli 1829 und

im Jahre 1838 schwollen

die Bäche infolge eines Wolkenbruches

so an, dass die

angrenzenden Wiesen und

Abhänge stark beschädigt

wurden. Ebenso hat ein

Wolkenbruch, der sich in der

Nacht vom 4. auf den 5. Juni

1853 über Huttwil, Eriswil

und Wasen entleerte, an

Land und Gebäuden grossen

Schaden angerichtet. Mehrere

Häuser, wie zum Beispiel

das wohlgebaute Schulhaus

auf dem Wasen stürzten ein

und vier Menschen verloren

das Leben. Ein Wolkenbruch

ergoss sich in den heissen

Tagen des August 1895 über

Huttwil und Umgebung während

fast sechs Stunden. Die

enorme Wassermenge richtete

grossen Schaden an.

Der um 8.29 hier fällige

Abendzug von Wolhusen

langte erst nach mehr als

einstündiger Verspätung an.

Schliesslich, als der Zug anlangte,

konnte er nicht in

den hiesigen Bahnhof einfahren.

Die Passagiere

mussten beim Stalden aussteigen,

weil unterhalb der

Kirche eingetretene Rutschungen

das Geleise unpassierbar

gemacht hatten. Der

letzte Zug nach Willisau

(9.45) wurde nicht abgelassen.»

26 s’Positive 9 / 2018


So arg wurde diese Strasse in

Wyssachen in Mitleidenschaft gezogen.

Die Oele in Eriswil. Hier

kam eine Frau ums Leben.

Auch in Wyssachen liess das heftige Gewitter

die Bäche über die Ufer treten. Am

Rand betroffen war auch der Hornbachgraben

jenseits der Fritzenfluh. In Wasen

kamen etwa 7000 Hühner in einer Scheune

ums Leben. Im oberen Gemeindegebiet

von Wyssachen kam es zu grossflächigen

Hangrutschen. Die hochgehenden

Bäche schwemmten das Geschiebe durch

das Dorf. Dort stand entlang der Wyssache

jeder Keller unter Wasser. Das Gleiche

besorgte Hangwasser im Sager. Weil die

Telefonzentrale überschwemmt wurde,

fiel auch das Telefonnetz praktisch in der

ganzen Gemeinde aus; einzelne Haushalte

bleiben während Tagen ohne Verbindung.

Dabei hatten die Wyssacher Glück

im Unglück: Nicht nur waren keine Menschenleben

zu beklagen. Weil das Seitental

mit Mannshus und Roggengratbad

bereits in der Randzone des Gewitters

lagen, kam aus rund zwei Dritteln des

Einzugsgebietes der Wyssache nur vergleichsweise

wenig Wasser.

HOCHWASSERMAUER ÜBERFLUTET

In Schwarzenbach bei Huttwil setzte der

Bach trotzdem die Eishalle des Sportzentrums

mit ihren Nebenräumen unter Wasser.

Unterhalb von Schwarzenbach vereinigte

sich die Wyssache mit dem Rotbach,

der vom Gewitter praktisch nicht betroffen

war. In der Lochmühle, wo der Rotbach in

die Langeten mündet, nutzt ein Kleinkraftwerk

die Wasserkraft des Rotbachs. Dort

wohnte das Künstlerpaar Menel Rachdi

und Regula Farner. Menel Rachdi war am

7. Juni zu einem Malprojekt nach Pirna im

deutschen Bundesland Sachsen aufgebrochen

– einem Projekt, das ironischerweise

im Jahr zuvor wegen des Hochwassers an

der Elbe verschoben worden war. Seine

Einwohner sahen, wie

sich eine Schlamm- und

Wasserlawine den Weg

durch die Häuser, Gärten

und Quartierstrassen

bahnte.

Familie musste das Haus fluchtartig verlassen,

ohne noch etwas aus dem Atelier

retten zu können. «Mit Schreck und Staunen

stehen wir oben auf dem Strässchen

und müssen zuschauen, wie der Baumgarten

geflutet und unser Wohnhaus innert

kurzer Zeit zu einer Insel in einem breiten,

reissenden Fluss wird», schrieb Regula

Farner später in ihrer «Flutpost». «Das Tosen

war unheimlich», ergänzt Tochter Fiona:

«Im Scheinwerferlicht sah ich einen

breiten Strom von Stämmen, Brettern und

Siloballen am Haus vorbeiziehen. Vom

Holzlager schaute nur noch das Blechdach

aus den Fluten.»

Nach 22.30 Uhr begannen sich die

Wassermassen wieder zurückzubilden:

Anfänglich ebenso stark wie sie angeschwollen

waren, dann immer verzögerter.

Aber erst am 10. Juni um Mittag erreichten

sie wieder Werte im oberen Bereich

der Jahresmittel.

Diese Flut vermochte das Bachbett der

Langeten auch in den Dörfern Rohrbach

und Kleindietwil nicht zu fassen. Im Sagiloch

in Rohrbach liess das Wehr des Kleinkraftwerks

zu wenig Wasser durch. Dieses

staute sich, überschwemmte die Häuser

und floss übers Feld ab. Die Mauer, welche

die Gemeinde erst wenige Jahre zuvor

errichtet hatte um das Bauernhaus in der

Schwelle vor Hochwassern zu schützen,

wurde um mindestens einen Meter überflutet.

Das Wasser floss quer durchs Haus,

vorne durch die Wohnung rein, hinten

durch den Stall wieder raus. «Meine Kühe

standen im Stall einen halben Meter tief

im Wasser», berichtete Landwirt Fritz

Müller am Morgen danach. Einige Meter

weiter unten riss die Flut Teile der Käsereibrücke

weg. Unterhalb des Dorfes

Rohrbach staute sich die Langeten am

Durchlass unter der Hauptstrasse. Ein

Grossteil der Wassermassen verliess das

Bachbett, überschwemmte die Bahngeleise

und suchte sich via Felder und Hauptstrasse

einen direkten Weg nach Kleindietwil.

Dort bot sich einer Gruppe von

Einwohnern, die auf der Terrasse des ehemaligen

Restaurants Bären stand, ein beängstigendes

Bild. Eine braune Schlammund

Wasserlawine bahnte sich den Weg

durch die Häuser, Gärten und Quartierstrassen.

Auf dem Areal der Garage Käser

stand die Werkstatt und der erst im Frühling

eröffnete Ausstellungsraum ebenso

unter Wasser wie Autos im Wert von rund

400 000 Franken – darunter zehn Neuwagen,

die am Samstag hätten ausgeliefert

werden sollen. Käsers hatten zuvor in den

25 Jahren, seit sie ihren Betrieb führen,

noch nie Wasser in der Garage.

STOLLEN SCHÜTZTE LANGENTHAL

Unterhalb von Kleindietwil suchte sich

ein Teil des Wassers vom Chäserhof einen

direkten Weg über die Mülimatt nach Lindenholz.

In Madiswil drohte das von der

Flut mitgeführte Holz das Einlaufbauwerk

des Stollens zu verstopfen, der

Hochwasser direkt in die Aare bei Bannwil

ableitet. Um zwei Uhr am Samstagmorgen

war er randvoll. Deshalb wur­

s’Positive 9 / 2018 27


HOCHWASSER 2007

Das Resultat der Flut: totale Verwüstung.

am Stalden. Hier kamen

zwei Menschen ums Leben.

Bei der Räumung

in der Walke

packten alle an.

den in Langenthal Vorkehren getroffen,

um die Langeten durch die Strassen der

Stadt ableiten zu können – zum ersten

Mal, seit der Stollen im Jahr 1991 in Betrieb

genommen wurde. Um 4 Uhr kam

die Entwarnung. Der Langeten-Stollen

bewahrte damit die Stadt Langenthal vor

einem verheerenden Hochwasser.

420 FEUERWEHRLEUTE IM EINSATZ

Das heftige Gewitter hatte die Region

Huttwil praktisch ohne Vorwarnung getroffen.

Der Flut konnten die Feuerwehren

wenig entgegensetzen. Umso mehr

waren sie bei den anschliessenden Räumungsarbeiten

gefordert. Insgesamt waren

rund 420 Feuerwehrleute aus neun

Wehren im Einsatz, dazu standen 60

Mann aus Dürrenroth als Reserve für Notfälle

wegen Feuer im Einsatz. Bereits ab

Samstag halfen auch Angehörige der Zivilschutzorganisation

«Trachselwald

plus» beim Aufräumen. In erster Priorität

galt es, die Bachläufe wieder frei zu machen,

waren doch für den Abend die

nächsten Gewitter angesagt, die dann

glücklicherweise ausblieben. An verschiedenen

Orten waren Strassen unterbrochen.

Bis am 14. Juni blieb die Strasse

über die Fritzenfluh unpassierbar, die

durch einen Hangrutsch oberhalb von

Eriswil verschüttet worden war. Auch die

BLS musste zwischen Madiswil und Wolhusen

mit Bussen verkehren. Während

die Geleise zwischen Kleindietwil und

Rohrbach am frühen Sonntagnachmittag

wieder freigegeben werden konnten,

wurde es Montag, bis das unterspülte

Trassee in Huttwil Richtung Luzern repariert

war. In Rohrbach war die Wasserversorgung

kurzfristig unterbrochen, in Eriswil

sogar bis Dienstag, 12. Juni.

Freiwillige halfen bei

den Räumungen mit,

Schulklassen, der Eishockeyclub

Napf, der

Unihockeyclub Black

Creek, die Heilsarmee.

569 beschädigte Gebäude zählte die Gebäudeversicherung

Bern. Sechs Familien

mussten evakuiert werden. Bereits am

Samstag unterstützten Hunderte von

Freiwilligen die Betroffenen bei der Räumung

ihrer Liegenschaften. Wohnungen,

Garagen. Werkstätten und Keller mussten

Kübel um Kübel, Schubkarre um Schubkarre

vom Schlamm befreit werden, solange

dieser noch nicht eingetrocknet

war. Möbel, Geräte und Maschinen mussten

entsorgt, Gärten und Hausplätze wieder

instand gestellt werden. An verschiedenen

Orten war auch Heizöl ausgelaufen

und waren Tanks beschädigt worden.

Wo das Öl noch in den Kellern war, musste

das Gemisch aus Öl, Schlamm und

Wasser von Spezialfirmen abgesaugt und

in einem aufwändigen chemischen Prozess

wieder getrennt werden. Freiwillige

kamen, Schulklassen, der Eishockeyclub

Napf, der Unihockeyclub Black Creek, die

Heilsarmee. Die grosse Hilfsbereitschaft

und Solidarität bei diesen schweren Arbeiten

wurden immer wieder als positive

Erfahrung aus diesen schwierigen Tagen

hervorgehoben. «Verabschiedet» werden

musste dabei auch viel Persönliches. «Das

tut weh», sagte Menel Rachdi, der in seinem

Atelier viele Bilder und Zeichnungen

verlor, aber bei allem Leid nicht den Humor:

«Schrift verflossen, die Liebe

nicht!», notierte er in seinem Hochwasserprotokoll,

nachdem er aufgefundene

Liebesbriefe an die Wäscheleine zum

Trocknen aufgehängt hatte.

Glücklicherweise blieben weitere Gewitter

aus – selbst die starke Front, die am

21. Juni durch die Schweiz fegte, ging

haarscharf an der Region Huttwil vorbei.

Ab Montag, 11. Juni, half eine WK-Einheit

der Armee mit, die Unwetterschäden

zu beheben. Am Dienstag trafen die ersten

15 Zivilschutz-Pioniere aus Lyss in

Eriswil ein, um die Einsatzkräfte vor Ort

abzulösen, später wurde der Bestand auf

75 Mann aus verschiedenen Orten aufgestockt.

Ebenfalls am Dienstag begannen

in Huttwil rund 50 Angehörige des Katastrophenhilfebataillons

4 damit, in

Tschäppel eine Notbrücke zu bauen und

das Areal der Sägerei Schürch von

Schwemmholz und Teilen des verwüsteten

Holzlagers zu säubern. Insgesamt

standen rund 700 Zivilschutzangehörige

im Einsatz, und zwar neben denjenigen

von «Trachselwald plus» und Lyss auch

aus Bigenthal, Kirchberg, Langenthal,

Oberhasli, Steffisburg, Worb und von

«Thun plus».

33 MILLIONEN FRANKEN SCHADEN

Mit 16,5 Millionen Franken gibt die Gebäudeversicherung

die Elementarschäden

des Hochwassers an. Die Versicherung

«Mobiliar» beziffert den bei ihr versicherten

Schaden auf 10,2 Millionen

Franken. Dazu dürften noch rund sechs

Millionen Franken für Mobiliarschäden

bei anderen Versicherungen sowie Schäden

an Strassen und Kulturen kommen.

Insgesamt ergibt sich so ein Schadentotal

von gegen 33 Millionen.

28 s’Positive 9 / 2018


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Jedem Schläger steht beim Abtun die geschlossene,

gegnerische, sich verteidigende Mannschaft

gegenüber. Gemeinsamkeit, gegenseitige Unterstützung

und Mut sind die Voraussetzungen, um

den heranfliegenden Hornuss mit der Schindel

innerhalb oder ausserhalb des Spielfeldes abzufangen

(Abtun). Fällt ein Hornuss unabgetan im

Ries zu Boden, wird der verteidigenden Mannschaft

eine Nummer geschrieben. Flugbahn und

Geschwindigkeit des Hornusses sind je nach

Strichlänge unterschiedlich. Die Abtuer im vorderen

Teil des Spielfeldes müssen schnell auf tieffliegende

Objekte reagieren können, während im

hinteren Spielfeldteil Sehkraft, gutes Einschätzen

der Flugbahn und Sprintereigenschaften gefragt

sind. Wer insgesamt weniger Nummern kassiert,

verlässt trotz niedrigerer Punktzahl beim Schlagen

den Platz als Sieger. Damit wird die Gemeinsamkeit

des Abtuns, des sich Verteidigens, über die

individuellen Schlagleistungen gestellt.

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SC LANGENTHAL

Ist Huttwil

die letzte

Hoffnung?

Der SC Langenthal ist ein Opfer seines

Erfolges. Er hat in Langenthal keine

Zukunft mehr. Es ist Zeit für einen

grossen, mutigen, revolutionären Schritt.

TEXT: KLAUS ZAUGG UND BRUNO WÜTHRICH; FOTOS: MARCEL BIERI

Die Wirklichkeit übertrifft immer

wieder jede Fiktion. Ortstermin

Mittwoch, 19. September, in einem

Hinterzimmer des Hotels

«Bären» zu Langenthal. SCL-Präsident

Stephan Anliker und Geschäftsführer

Gian Kämpf erklären gerade ihre Ohnmacht.

Eigentlich hätte ja die «Arena

Oberaargau AG» im Hard auf Land, das

der Stadt gehört, die Federführung und

32 s’Positive 9 / 2018


Liegt die Zukunft es SC Langenthal im

Campus Perspektiven in Huttwil?

Aber zu einer klaren Aussage ist Stephan

Anliker dann doch nicht bereit. Er fabuliert

ein wenig davon, dass es halt nur mit

der Stadt gehe, dass man nicht gegen die

Stadt sei und nun andere Optionen prüfen

werde. Wieder einmal bewegt sich auch

von seiner Seite … nichts. Er zeigt offenbar

die gleiche Schwäche, die ihn schon

beim Operetten-Fussballclub GC (dem er

auch als Präsident vorsteht) so viel Nerven

und Zeit kostet: Der so innovative und

erfolgreiche Unternehmer kann sich im

Sport nicht von alten Strukturen, Seilschaften

und Rücksichtnahmen lösen.

Planungshoheit für den Bau eines neuen

Stadions übernehmen sollen. So war es

beschlossen und verkündet worden. Eine

Realisierung wäre in etwa fünf Jahren

möglich gewesen. Soeben hat nun die

Stadtregierung erklärt, dass sie es doch

lieber selber macht und hat der «Arena

Oberaargau AG» den «Lead» in dieser Sache

wieder entzogen. Nun wird eine Realisierung

der Stadion-Pläne mindestens

Opfer seines

Erfolgs: der

SC Langenthal

zehn Jahre dauern. Oder noch besser: Es

wird in Langenthal kein neues Stadion

geben. So sagt das natürlich niemand. Es

wird bloss geklagt, dass die Politik in Langenthal

stillstehe, dass SP-Stadtpräsident

Reto Müller eine lahme Ente sei, von den

Bürgerlichen in seiner Regierungstätigkeit

blockiert. Nichts gehe mehr in Langenthal.

Es fallen Worte wie «lächerlich»

und «Skandal».

ZUHAUSE GILT DER CLUB WENIG

Der SC Langenthal ist inzwischen das Opfer

seines eigenen Erfolges geworden.

Stephan Anliker und Gian Kämpf haben

zusammen mit den Kernaktionären und

Sponsoren aus einem Amateurclub ein

Hockey-Vorzeigeunternehmen gemacht.

In den letzten sechs Jahren haben die

Langenthaler zweimal die Meisterschaft

der zweithöchsten Liga gewonnen. Sie

sind zum besten Ausbildungsclub des

Landes (also zur besten Nachwuchsorganisation)

gekürt worden. Zwei eigene

Junioren haben inzwischen gar NHL-Verträge

(Sven Bärtschi, Yannick Rathgeb).

Nur im eigenen Städtchen gilt der SCL

wenig. Hier haben sich die Lokalpolitiker

längst daran gewöhnt, dass man nichts

machen muss, dass es beim SCL schon

irgendwie weiter geht.

Es wird in Langenthal so mit Profihockey

nicht weitergehen. Bis in zwei Jahren

wird der SC Langenthal das einzige

Hockeyunternehmen in den obersten zwei

Ligen ohne neues oder renoviertes Stadion

sein. Der Ausbau des «Schoren-Tem­

s’Positive 9 / 2018 33


SC LANGENTHAL

«Die revolutionäre, die grosse, die

oberaargauische Lösung liegt auf der

Hand: Ein Umzug ins ehemalige Nationale

Sportzentrum Huttwil, wo der SCL schon

seinen Nachwuchs trainiert.»

pels» zu einer modernen Hockey-Arena ist

politisch nicht mehr machbar und nicht

finanzierbar. Und bevor in Langenthal unter

den nun neu gegebenen Voraussetzungen

eine neue Arena steht, ist Jesus Christus

wieder auf die Erde zurückgekehrt.

Moderne Hockeystadien im Schoren oder

im Hard sind inzwischen nichts anderes als

Luftschlösser. Nichts ist teurer und aufreibender,

als die Rennovation oder der Bau

von Luftschlössern. Der Entscheid der

Stadt wird den SCL auch wirtschaftlich

treffen. Die Euphorie rund um den Neubau

und die Perspektiven danach hätten auch

das Sponsoring des Klubs befeuert. Dies

wohl sogar zeitnah. Denn sexy ist, was vorwärts

geht, was grösser wird, was Zukunft

hat. Die Verzögerung und die Ungewissheit,

ob überhaupt jemals gebaut wird,

zieht jedoch der Euphorie den Stecker.

WEG VON LANGENTHAL

Man habe den Entscheid akzeptiert, gibt

man sich beim SC Langenthal passiv. Man

warte jetzt ab und prüfe andere Optionen.

Einige Szenekenner und Journalisten

sind überzeugt, dass Lobbying bei der

Politik in Langenthal nichts bringt. Sie

sind überzeugt, dass es nicht mehr gelingen

wird, den Stadtpräsidenten hinter

dem Ofenbänkli hervorzulocken und

Stellung zu beziehen. Die Situation sei

nämlich nicht nur rund um die neue Eishalle

verfahren. Zitiert werden will jedoch

keiner. Zwar lobt Stefan Anliker den

Stadtpräsidenten als überzeugten Befürworter

und zuverlässigen Ansprechspartner.

Aber den Einwand eines Chronisten,

dass ein führungsstarker Stadtpräsident

sich mit etwas, wovon er überzeugt sei,

auch an die Öffentlichkeit wenden könne,

wusste Anliker nicht zu kontern.

Braucht der SCL jetzt den grossen, den

mutigen, den revolutionären Schritt?

Noch sind alle gefangen in ihren alten

Strukturen und Denkschemen. Stephan

Anliker und Gian Kämpf sträuben sich an

diesem Mittwoch-Nachmittag im «Bären»

sichtlich gegen den Gedanken, ihr Hockey-Unternehmen

an einem anderen Ort

als in Langenthal zu stationieren. Dabei

SCL-Präsident

Stephan Anliker

34 s’Positive 9 / 2018


liegt die Lösung auf der Hand. Die revolutionäre,

die grosse, die oberaargauische

Lösung. Ein Umzug ins ehemalige Nationale

Sportzentrum Huttwil (heute Campus

Perspektiven). Bereits jetzt betreibt

der SCL dort einen Teil seiner Nachwuchsorganisation

und sein Frauenteam.

EINE MACHBARE VISION

In Huttwil ist alles schon da: Ein Stadion,

das mit ein paar Handgriffen auf guten

NLB-Stand gebracht werden kann, die

Möglichkeiten zum Betrieb eines zweiten

oder dritten Eisfelds, die Räumlichkeiten

für einen Hockey-Profibetrieb, genügend

Parkplätze und die Anbindung an den öffentlichen

Verkehr. Jede halbe Stunde

fährt die Eisenbahn von Langenthal nach

Huttwil.

Die «Arena Oberaargau AG» kann sich

nach dem Scheitern des Projekts im Hard

der Lösung Huttwil annehmen. Warum

nicht Markus Bösiger die Anlage abkaufen?

Das kostet erstens in Quadrat weniger

Geld und Nerven als die Planung eines

Stadion-Luftschlosses in Langenthal. Es

braucht keine neuen Bewilligungsverfahren

und wenn die Idee zügig aber ohne

Hast verfolgt wird, hat der SCL in zwei

Jahren alle Infrastrukturprobleme gelöst.

Wir sind sicher, dass Markus Bösiger in

dieser Sache mit sich reden lässt. Er wird

in drei Jahren 65, er ist seiner Zeit oft weit

voraus und für ein Projekt Oberaargau

lässt er sich begeistern. Und warum nicht

ein Kauf zusammen mit dem aktuellen

Generalmieter und Betreiber des Campus

Perspektiven? Warum nicht ein gemeinsamer

Ausbau zu einer multifunktionellen

Anlage? Und da Stephan Anliker sowieso

eine Affinität für gastronomische Weltkulturgüter

und Ballenbergs hat – er ist

am Bären zu Langenthal und am Bären zu

Madiswil beteiligt – könnte er auch gleich

das Hotel «Zum kleinen Prinz» erwerben,

den Huttwilern so den Saalbau erhalten

und im gleichen Gebäude die SCL-Geschäftsstelle

einrichten.

SCL-Geschäftsführer

Gian Kämpf

In Langnau, einem Ort mit viel weniger

Wirtschaftskraft als Langenthal, haben

die Stimmbürger gar mit einer Mehrheit

von über 76 Prozent 15 Millionen für

die Stadion renovation gutgeheissen.

OBERAARGAU STATT LANGENTHAL

Der SCL nicht mehr in Langenthal? Dagegen

laufen die im Gestern verhafteten

Traditionalisten natürlich Sturm. Unmöglich!

Da kommen keine Zuschauer mehr!

Da steigen die Sponsoren aus! Da verliert

der SCL seine Seele! Altgediente Chronisten

monieren, der SCL könne nur in Langenthal

existieren. Das ist alles – excusez

l’expression – barer Unsinn.

Trägt die Aktiengesellschaft, die das

Stadion im Hard bauen wollte, nicht bereits

die Bezeichnung «Oberaargau» in

ihrem Namen? Richtig, so heisst sie. Es

geht also um ein Projekt für unsere Region.

Die SCL Tigers, der EHC Biel, der SCB

oder der EHC Olten sind nicht an einem

anderen Standort denkbar. Sie sind an

ihrem Standort tief verwurzelt. Das zeigt

sich schon daran, dass die Politik für neue

Stadien gesorgt hat – in Langnau, einem

Ort mit viel weniger Wirtschaftskraft als

Langenthal, haben die Stimmbürger gar

mit einer DDR-Mehrheit von über 76 Prozent

15 Millionen für die Stadionrenovation

gutgeheissen. Was, auf die Steuerkraft

übertragen, in Langenthal einer Investition

von mehr als 30 Millionen entsprechen

würde. Das ist im Zusammenhang

mit Langenthal bemerkenswert.

Denn Langnau ist SVP-Herzland und

Bernhard Antener («der rote Bernhard»)

war der erste SP-Gemeindepräsident der

Geschichte in einer durch und durch bürgerlichen

politischen Kultur. Und trotzdem

hat er es geschafft, die Stadion-Renovierung

durchzubringen. Durch kluges

Taktieren, Begeisterungsfähigkeit und

den Mut, sich für eine Sache zu enga­

s’Positive 9 / 2018 35


SC LANGENTHAL

gieren und Verantwortung zu übernehmen.

Ohne Boshaftigkeit dürfen wir sagen:

Im Vergleich zu Bernhard Antener ist

Langenthals Regierungschef Reto Müller

halt derzeit nur eine Karikatur eines modernen

politischen Karrieristen. Wobei

wir uns sogleich für diese boshafte Bemerkung

in aller Form entschuldigen.

GROSSE OBERAARGAUISCHE LÖSUNG

Item, wir wollen sowieso nicht polemisieren.

Es ist wie es ist: Eine mit Bern, Langnau,

Olten oder Biel vergleichbare Verwurzelung

gibt es für den SC Langenthal

nicht und hat es nie gegeben. Was sich ja

auch in der neusten Folge der «Stadion-

Lindenstrasse» zeigt. Die Zuschauerzahlen

sind seit jeher bescheiden. 2227 kamen

letzte Saison im Schnitt. Wir sehen

daraus: Ein Hockeyunternehmen wie der

SC Langenthal ist nicht mehr von einem

Standort abhängig.

Der Sport ist mit der ihm eigenen Dynamik

der Politik oft weit voraus. Ein

schönes Beispiel dafür ist das gemeinsame

Frauen-Eishockeyteam von Nord- und

Südkorea bei den letzten Olympischen

Winterspielen. Nun wollen wir nicht

gleich masslos übertreiben und die Differenzen

zwischen dem oberen und unteren

Tal der Langeten mit Nord- und Südkorea

gleichsetzen. Und doch gibt es in den Köpfen

vieler Entscheidungsträger so etwas

wie eine Demarkationslinie, die ungefähr

auf der Höhe von Madiswil verläuft. Die

obere Hälfte des Tals gruppiert sich um

Huttwil, die untere um Langenthal.

Dabei leben wir in Zeiten der überdörflichen

Zusammenarbeit. Nur so sind

die grossen Herausforderungen der Zukunft

zu meistern. Der SC Langenthal

bietet eine goldene Gelegenheit zu dieser

überdörflichen Kooperation, zu einer

grossen oberaargauischen Lösung, zum

grossen Wurf. Dafür lassen sich auch die

Investoren und Sponsoren des SC Langenthal

begeistern. Und da ist noch etwas:

In den nächsten 25 Jahren wird die

Ausbildung von Eishockeyspielern noch

viel wichtiger werden. Die Zukunft gehört

einerseits den Spitzenklubs, die ihre

Stadien füllen und auf dem nationalen

Der Campus

Perspektiven bietet

alles, was der

SCL braucht.

Werbemarkt ihre Gelder holen, und andererseits

den gut positionierten Ausbildungsclubs.

Der SC Langenthal ist jetzt

schon ein solcher Ausbildungsclub und

hat nur als Ausbildungsclub eine Chance.

Denn ein Spitzenteam mit nationaler Ausstrahlung

in der höchsten Spielklasse

wird der SCL nie.

PERFEKTES AUSBILDUNGSZENTRUM

Der Standort Huttwil ist als Ausbildungszentrum

perfekt. Die SCL Tigers, der SC

Bern und der EHC Biel wollen aus Kostengründen

keine eigenen Farmteams

Sollte sich in Langenthal nicht völlig unerwartet

doch noch eine Wende zum Positiven

ergeben, dürfte Huttwil die letzte und

einzige Chance für den SC Langenthal sein.

aufbauen. Aber sie brauchen für ihre jungen

Spieler Einsatzmöglichkeiten im

Männer eishockey. Der SC Langenthal hat

unter diesen Voraussetzungen beste Aussichten,

seinen Spielbetrieb zu einem

schönen Teil mit einer Zusammenarbeit

im Ausbildungsbereich mit den SCL Tigers,

dem SCB und Biel zu finanzieren.

Und die Pyramide kann mit «Hockey

Huttwil», dem Team von Heinz Krähenbühl

in der «My Sports League», der dritthöchsten

Liga, komplettiert werden.

Sponsoring von Jugendförderung wird in

Zukunft viel einfacher sein als Sponsoring

von Profisport. Auch in diesem Bereich

wird der SC Langenthal mit dem

Standort Huttwil bessere Voraussetzungen

haben. Wie wir es drehen und wenden

– sollte sich in Langenthal durch geschicktes

politisches Lobbying nicht völlig

unerwartet doch noch eine Wende

zum Positiven ergeben, dürfte Huttwil

die letzte und einzige Chance für den SC

Langenthal sein.

36 s’Positive 9 / 2018


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IN EIGENER SACHE

Leserbriefe & Veranstaltungen

Sehr geehrter Herr Zaugg, sehr

geehrter Herr Wüthrich

Mit grosser Freude nehme ich jeweils

die aktuelle Ausgabe Ihres Magazins

«s’Positive» aus dem Briefkasten, da

mich immer interessante Themen aus

der Region, verpackt in spannende Artikel

und herausfordernde Interviews,

erwarten.

Sie haben in Ihrer aktuellen Ausgabe

Ihre Leser aufgefordert, Ihnen Rückmeldungen

zu geben und Sie auf anregende

und lesenswerte Stoffe hinzuweisen.

So nütze ich diese Gelegenheit, um ein

wenig Eigenwerbung zu betreiben.

Wenn man an Literatur aus dem

Oberaargau denkt, so ist natürlich Pedro

Lenz die grosse Überfigur. Mit ihm

will ich mich auch auf keinen Fall messen.

Aber auch ich schreibe bereits

seit vielen Jahren und werde im Dezember

meinen dritten Roman veröffentlichen.

Das alles mache ich in Eigenregie,

ein Verlag wollte sich noch

nicht für meine Arbeit interessieren,

und so bleibt neben dem Schreiben

auch viel PR- und Vertriebsarbeit übrig.

Meine ersten beiden Romane,

«Pultstar» und «Verklärtes Orchester»

haben erfreuliche Beachtung gefunden,

und mit «Beethoven in Sneakers»

werde ich meine Dirigenten-Trilogie

beenden können.

Gerne verweise ich Sie auf meine

Homepage (www.martin-geiser.com)

und meine Facebook-Seite, wo Sie

zahlreiche weitere Informationen über

meine Arbeit finden werden.

Martin Geiser, Langenthal

VERANSTALTUNGEN

Saujassen

Jodlerklub Bärgbrünneli Koppigen

Datum: 27. Oktober 2018

Zeit: ab 18.30 Uhr Nachtessen,

20.00 Uhr Jassbeginn

Ort: Gartenbauschule Oeschberg

Koppigen

Anmeldung erforderlich:

079 306 00 63 oder

neumot@besonet.ch

Faszination Bridge (Einführungskurs)

Datum: 5. Nov. 2018–21. Jan. 2019

Zeit: 19.00 Uhr–22.00 Uhr (10 × 3 Std.)

Kursort: Hotel Bären Langenthal

Kursleitung: Annemarie Bichsel

Spiel, Strategie, Spass und Spannung –

das beste Gehirn-Jogging für Jung und

Alt.

Anmeldungen bis 30.10.2018 an

Rosemarie Tobler, Präsidentin

Bridge-Club Langenthal

079 573 86 22 oder

rosemarie.tobler@besonet.ch

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das wir noch nicht gebracht haben,

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keinen Artikel darüber garantieren.

Aber prüfen werden wir Ihren Vorschlag

ganz bestimmt.

Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt,

wenn wir die Möglichkeit zu

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keine einzige kommt. Ebenfalls möglich,

dass wir nicht alle Ihre E-Mails

und Briefe publizieren können, und

deshalb eine Auswahl treffen müssen.

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müssten wir Ihren Beitrag eventuell

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38 s’Positive 9 / 2018


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