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weinheimer

Magazin für Kunst und Kultur

DER KUNSTBLITZ

kostenlos

Oktober - Dezember|2018

www.kunstblitz.de

20 Paul Citroen

Panorama Museum

24 Foundation Beyeler

Balthus

Tate Großbritannien

EDWARD BURNE-JONES

64 Leopold Museum


UNTER UNS

Liebe Leser/innen,

die aktuelle Ausgabe ist auch die letzte des

Jahres 2018 und wir blicken alle schon sehr

gespannt auf die neusten kulturellen und

politischen Entwicklungen, die das Jahr 2019

mit sich bringen wird.

Wir wollen aber jetzt unseren Fokus auf die

letzten Veranstaltungen des Jahres 2018 richten,

denn es gibt mehrere Ausstellungen, die

Ihre Aufmerksamkeit zu Recht verdienen, zum

Beispiel „Zwischen Worpswede und Paris“ mit

Werken von Paula Modersohn-Becker oder

„Edward Burne-Jones“, ein großartiger Vertreter

der Präraffaeliten... „Monet“ in der Albertina

oder „Balthus“ in der Foundation Beyeler.

Große Namen, die jeder sicherlich kennt und

die auf zahlreichen Kalenderblättern, Postkarten

und Publikationen verewigt worden

sind. Für wahre „Entdecker“ der Kunstszene

empfehlen wir Werke des Bauhaus-Schülers

„Paul Citroen“ (Panorama Museum) oder Arbeiten

der Malerin „Lotte Laserstein“ (Städel

Museum). Für Kenner der Fotografie, wird die

Ausstellung von „August Sander“ (Mittelrhein

Museum), die weniger bekannte Landschaften

des Fotografen zeigt, eine wahre Offenbarung

des Werkes dieses Künstlers bedeuten.

Die Direktorin des Clemens-Sels-Museums,

Frau Dr. Uta Husmeier-Schirlitz, zeigt im Feld-

Haus die originelle Ausstellung „Die verpackte

Orange“. Im November (bis 10. 3. 2019) wird

das Clemens-Sels-Museum „Ihrer Zeit voraus!“

präsentieren, mit Werken von Heinrich Campendonk,

Heinrich Nauen und Johan Thorn Prikker.

Wer lieber zeitgenössische Tendenzen entdecken

und vielleicht sogar sammeln möchte,

dem empfehlen wir die nächste „ART A10“ in

Wildau (bei Berlin). Am Sonntag, den 14. Oktober

2018 findet die Vernissage und Preisverleihung,

in Anwesenheit der Ministerin

Dr. Martina Münch (Schirmherrin der Ausstellung)

statt. 26 Künstler/innen zeigen vom

11. bis zum 28. Oktober, Gemälde, Skulpturen,

Grafiken und Fotografien im A10 Center

(Wildau). Bitte nicht verpassen!!!

Eine ähnliche Ausstellung findet jedes Jahr

auch in Magdeburg statt. Zurzeit können sich

Künstler/innen aus der Region Sachsen Anhalt

noch bis Ende Dezember 2018 bewerben.

Ausstellungszeitraum: 7. 3. bis 30. 3. 2019 –

Ausstellungsort: Allee-Center Magdeburg.

Da wir viele begeisterte Mails von Ihnen erhalten,

gehen wir davon aus, dass „KUNST-

BLITZ“ auch im Jahr 2019 auf Ihre Treue

zählen darf. Ihre Begeisterung und Unterstützung

ist für uns Motivation genug, um

unsere erreichten Ziele mit spannenden Beiträgen

weiterhin umzusetzen und selbst zu

übertreffen.

Wir wünschen Ihnen an dieser Stelle ein gesundes

Jahr 2019, auch reichlich von Freude, Erfolg,

und spannenden Ausstellungen begleitet.

3


DER KUNSTBLITZ | INHALT

6 VON DER HEYDT-MUSEUM

14 TATE GROßBRITANNIEN

20 PANORAMA MUSEUM

BAD FRANKENHAUSEN

24 FOUNDATION BEYELER - BASEL

LEOPOLD MUSEUM WIEN

Elsie Altmann-Loos, 1922 Silbergelatineabzug |

32 STÄDEL MUSEUM,

FRANKFURT AM MAIN

Gelatin silver print Photoarchiv Setzer-Tschiedel/

IMAGNO/picturedesk.comFoto | Photo: Photoarchiv

...................

Setzer-Tschiedel/IMAGNO/picturedesk.com

IMPRESSUM Herausgeber und Eigentümer: Patrizio Medagli Verantwortlich

für den redaktionellen Inhalt: Patrizio Medagli Redaktion:

Harald Klee, Patrizio Medagli, Helga Wicher, Giuliana Medagli,

Claudia Rohde, Ulrich Walter. Redaktion Postadresse: Vohwinkeler Str.

154, 42329 Wuppertal (Germany) Telefon 0202 738217, info@derkunstblitz.com,

www.derkunstblitz.de Redaktion Frankfurt, Postadresse:

Am Sandhügel 30, 63150 Heusenstamm. Verlag: Weinheimer

Verlags-GmbH Konzeption/Layout: Eduardo Rahmani, Simonsstraße

80, 42117 Wuppertal, Tel: 0202 451654, Fax: 0202 450086, info@

bvg-menzel.de, www.bvg-menzel.de

Bildmaterial: Bundeskunsthalle Bonn, Clemens Sels Museum Neuss/

Feld-Haus, Gemäldegalerie Alte Meister Dresden, Gemäldegalerie

Berlin, Leopold Museum Wien, Max-Ernst Museum Brühl, Mittelrhein-Museum

Koblenz, Panorama Museum Bad Frankenhausen,

Städel Museum Frankfurt am Main, Städtisches Museum Kalkar, Tate

Großbritannien, Ulrich Walter, Von der Heydt-Museum Wuppertal.

Titelseite: Tate Großbritannien, Panorama Museum Bad Frankenhausen,

Foundation Beyeler, Leopold Museum Wien.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos wird keine

Gewähr übernommen. Der Nachdruck ist – auch auszugsweise – nur

mit Quellenangabe gestattet. Mit Namen oder Initialen gezeichnete

Beiträge geben die Meinung des Verfassers, aber nicht unbedingt die

der Edition ARTistica wieder

40 MITTELRHEIN-MUSEUM

46 DAS MAX ERNST MUSEUM BRÜHL

50 CLEMENS SELS MUSEUM NEUSS

56 NOTIZEN

4

HERBST | 2018


Claude Monet, Junge Mädchen in einem Boot, 1887. Tokyo, The National Museum of Western Art

100 Gemälde von Monet

erstmals zusammen

in einer Ausstellung

CLAUDE

MONET

21.9. 2018 BIS 6.1. 2019

TÄGLICH VON

9-18 UHR

MI & FR

9-21 UHR

5


DER KUNSTBLITZ | VON DER HEYDT-MUSEUM

Paula Modersohn-Becker,

Kopf eines kleinen Mädchens mit Strohhut

1904, Öl auf Leinwand, 27x33 cm

Kunst- und Museumsverein im Von der Heydt-

Museum Wuppertal

Robert Schneider, Anschlag 1, 2013,

Acryl auf Leinwand, 150 x 105 cm

VG-Bildkunst, Bonn, Foto Nicolai Stephan

6

HERBST | 2018


WORPSWEDE

ZWISCHEN

UND PARIS

Paula Modersohn-Becker

Bis 6. Januar 2019

Paula Modersohn-Becker? Im von-der

Heydt-Museum in Wuppertal? Kennen

wir doch schon! Gab es doch in

der Vergangenheit kaum eine Ausstellung

im Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum,

in der die Malerin nicht mit mindestens einem

oder zwei Exponaten vertreten war.

In der Tat, Wuppertal hat die zweitgrößte

Sammlung von Werken dieser Künstlerin

nach den Museen in der Boettcherstraße

in Bremen, nämlich 22 Gemälde! Es liegt

also nahe, diese Bilder einmal zusammen

auszustellen und in den Kontext ihrer Zeit-

7


DER KUNSTBLITZ | VON DER HEYDT-MUSEUM

Paula Modersohn-Becker auf der Veranda ihres

Hauses.

1901 (Ausschnitt)

Foto: Atelier Schaub, Hamburg

Paula Modersohn-Becker Stiftung, Bremen

genossen zu betten. Hat ihre Malerei doch

so viele Berührungspunkte mit Werken von

Künstlern, die lange vor, während oder auch

nach der vorletzten Jahrhundertwende geschaffen

wurden, und ist doch so extrem

neu für diese Zeit!

Sie war ein unsteter Geist: Bevor sie 1898

in Worpswede Fuß fasste – sie war 22 und

hatte ihr Studium in Berlin abgeschlossen

- lagen schon viele Reisen und Studienaufenthalte

hinter ihr, finanziert von der Familie.

Doch auch hier hielt es sie nicht lange,

in Paris zu leben und zu arbeiten war der

Traum, den sie wahr werden ließ! War sie

dann dort, kam bald die Sehnsucht nach

der kargen Landschaft und den Künstlern

im Norden zurück und die Reise ging zurück

nach Worpswede. So ging das mehrere

Male hin und her, vier längere Parisaufenthalte

hat Paula sich gegönnt und viele

Künstler und Kunstwerke gesehen, vieles

in sich aufgenommen und in sich entdeckt,

was eigentlich schon in ihr immanent war!

Diese Entwicklung aufzuzeigen, ist der

Wuppertaler Ausstellung, die zusammen

mit dem Rijksmuseum Twenthe, Enschede,

konzipiert und dort auch schon zu sehen

war, gelungen! Oft wird die Künstlerin

eingeordnet und als Anhängsel der Idyllen-

und Moormaler wie Mackensen, Vogler,

Modersohn oder Overbeck gesehen, doch

grenzt sie sich schnell ab: malt sie die Weite

der nördlichen Bremer Landschaft, schafft

sie nicht ein getreuliches Abbild, sondern „…

legt sich auf den Rücken, lässt den Himmel,

die Umgebung, die Stimmen der Natur auf

sich wirken, und überträgt diese Eindrücke

auf die Leinwand…“, so charakterisieren der

Museumsdirektor Dr. Gerhard Finckh und

8

HERBST | 2018


Die Kuratorin der Ausstellung Frau Dr. Beate

Eickhoff und Dr. Gerhard Finckh während der

Pressekonferenz.

Foto: Ulrich Walter

die Kuratorin Dr. Beate Eickhoff Paulas Arbeitsweise.

Die Portraits aus dieser Zeit, oftmals

auch als Zeichnungen, zeigen häufig

Kinder oder Armenhäuslerinnen; seltsam

flächig, erdnah und sehr intim erscheinen

die Dargestellten. Die Anerkennung der

Malerfreunde wie auch etwaiger Kritiker

hält sich in Grenzen, so ist Anfang 1900 die

Flucht nach Paris der Sehnsucht logische

Folge.

Es ist ein halbes Jahr des Auflebens, sie studiert

in einer privaten Akademie, arbeitet

in Akt- und Anatomiekursen, sieht Bilder

zeitgenössischer Künstler. Matisse, Gauguin,

Cezanne insbesondere haben es ihr angetan.

Die Farbe seiner Stillleben erleuchtet plötzlich

auch ihre Bilder, das von-der-Heydt-

Museum demonstriert es prächtig.

Zurück in Worpswede treffen sich die Freunde

in Heinrich Vogelers Jugendstilanwesen

Barkenhoff, die Künstlerkolonie als solche

geht auseinander. Ehen werden geschlossen,

so auch 1901 die von Otto Modersohn

und Paula Becker. Mehrere Reisen folgen,

1903 ist Paula wieder für 6 Wochen in Paris,

hier sieht sie im Louvre die ägyptischen

Mumienportraits aus Fayum, Holztafeln

mit stilisierten, vielleicht auch ähnlichen

9


DER KUNSTBLITZ | VON DER HEYDT-MUSEUM

Paula Modersohn-Becker

Selbstbildnis mit Kette

um 1903, Öl auf Pappe

38,5 x 25,5 cm

Kunsthalle Bremen- Der Kunstverein Bremen

Gesichtern der Verstorbenen, die sich über

fast zwei Jahrtausende im Wüstensand in

erstaunlicher Farbigkeit erhalten haben. Es

trifft sie wie ein Schlag, Auszug aus ihrem

Tagebuch (im Museum an die Wand projiziert):

„…ich stand bis jetzt der Antike sehr fremd

gegenüber. Ich konnte sie wohl schön finden

an und für sich; aber ich konnte kein

Band finden von ihr zur modernen Kunst.

Und nun habe ich es gefunden“…….“Die

große Einfachheit der Form, das ist etwas

wunderbares!“.......“Jetzt fühle ich tief, wie

ich an den Köpfen der Antike lernen kann.

Wie sind die groß und einfach gesehen!

Stirn, Augen, Mund, Nase, Wangen, Kinn,

das ist alles. Es klingt so einfach und ist

doch so sehr, sehr viel…..“

Paula hat erfasst, was schon immer in ihr

war! Die vielen Selbstportraits, die folgen,

schließlich immer mehr maskenhaft, sind

ein untrüglicher Beweis. Mehrere dieser inspirierten

Selbstportraits kann man in Wuppertal

bewundern.

Anerkennung dafür und für ihre späteren

Werke erfährt sie am ehesten von Otto Modersohn

und Rainer Maria Rilke, dem sie

auch in Paris sehr verbunden ist und der

ihre Freundin, die Bildhauerin Clara Westhoff

geheiratet hat. Dieser übrigens bringt

sie (als dessen zeitweiliger Sekretär) mit

Auguste Rodin zusammen, seine Skizzen

und Aquarelle lösen in ihr Begeisterung

aus! Viele Entwürfe und Aktzeichnungen

sind die Folge, leider klafft hier eine große

Lücke in der Wuppertaler Präsentation.

10

HERBST | 2018


Paula Modersohn-Becker

Stehender männlicher Akt nach links, 1899,

Kohle

189,5 x 84,5 cm

Paula Modersohn-Becker Stiftung Bremen

Weitere Aufenthalte in Paris folgen 1905

und 1906, sie sieht Skulpturen von Maillol,

Ausstellungen von van Gogh und Matisse,

auch von den „wilden Künstlern“ – den Fauves

- Maurice Denis, Pierre Bonnard, auch

Felix Valloton begeistern sie. Selbstdarstellungen

als Akt, mit oder ohne Kind entstehen,

der Wunsch nach einem eigenen Kind

wird immer drängender, der Gedanke, sich

dann von Otto zu trennen und das Kind allein

aufzuziehen, nimmt immer konkretere

Formen an. Ihr Wunschdenken äußert sich

auch in dem Halbakt mit um die Hüfte geschlungenem

Tuch – offensichtlich schwanger

- was sie zu diesem Zeitpunkt gar nicht

war. Im Bild eingraviert: „Dies malte ich mit

30 Jahren an meinem 6. Hochzeitstage P.B.“

Neben weiteren Akt-Selbstdarstellungen

ist dieses Schlüsselwerk ein vielbeachtetes,

auch kritisiertes Novum der damaligen

Kunstszene, es konnte zwar nicht für die

Ausstellung gewonnen werden, doch entschädigen

Werke wie „Mutter mit Kind an

der Brust“ oder „Liegende Mutter mit Kind

II“ den faszinierten Betrachter!

11


DER KUNSTBLITZ | VON DER HEYDT-MUSEUM

Paula Modersohn-Becker

Selbstbildnis mit weißer Perlenkette

1906, Öl auf Pappe

41,5 x 26 cm

LWL Museum für Kunst und Kultur.

Westfälisches Landesmuseum Münster

Wieder zurück in Worpswede, nach außen

hin versöhnt und vereint mit Otto, der ihr

all die Jahre ein Kind vorenthielt, ist Paula

ein Jahr später wirklich schwanger. Anfang

November 1907 kommt in einer schweren

Geburt Tochter Mathilde auf die Welt, am

20. des Monats stirbt Paula Modersohn-Becker

an einer Embolie. Eine Lebenskraft, die

so vieles geschaffen hat und von der noch

so viel zu erwarten gewesen wäre, ist erloschen

– nach nur 31 Jahren!

Im Nachlass finden sich ca. 700 Gemälde

(nur 3 oder 4 hat sie zu Lebzeiten verkauft),

über 1000 Zeichnungen, einige Radierungen.

Der Bildhauer Bernhard Hoetger, den

sie 1906 kennenlernte, macht August von

der Heydt 1913 auf die Malerin aufmerksam,

er kauft 32 Gemälde, von denen 16

dem Wuppertaler Museum übereignet werden,

der Grundstock der heutigen Sammlung

und Kernsubstanz der aktuellen sehr

sehenswerten Ausstellung!

E.-Ulrich Walter

Von der Heydt-Museum

Turmhof 8

42103 Wuppertal

Di-So 11-18 Uhr

Do 11-20 Uhr

Mo geschlossen

von-der-heydt-museum@stadt.

wuppertal.de

12

HERBST | 2018


AUGUST

SANDER

DAS GESICHT DER LANDSCHAFT

Rheinland und Siebengebirge

20. Oktober 2018 bis 03. Februar 2019

August Sander: Gelände um Heisterbach, vor 1934 / printed 2017; © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur,

August Sander Archiv; VG Bild-Kunst, Bonn, 2018

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DER KUNSTBLITZ | TATE GROßBRITANNIEN

EDWARD BURNE-JONES

24. Oktober 2018 bis 24. Februar 2019

14

HERBST | 2018


Laus Veneris 1873-8

Öl auf Leinwand, 1194 x 1803 cm

Laing ART Gallery (Tyne & Wear Archives & Museums)

15


DER KUNSTBLITZ | TATE GROßBRITANNIEN

Die Tate Britain wird in diesem Herbst

Edward Burne-Jones (1833-1898)

die erste umfangreiche Retrospektive

in London seit über 40 Jahren widmen.

Der Künstler, der für seine jenseitigen von

Mythen, Legenden und der Bibel inspirierten

Schönheitsdarstellungen bekannt

ist, war ein Pionier des Symbolismus und

der einzige Präraffaelit, der zu Lebzeiten

weltweite Anerkennung fand. Die umfassende

Ausstellung vereint mehr als 150

Werke, darunter Gemälde, Glasmalereien

und Wandteppiche, die ihn zu einem der

einflussreichsten britischen Künstler des 19.

Jahrhunderts machen. Burne-Jones ist von

einem Außenseiters der britischen Kunst

zu einem der großen Künstler des europäischen

Fin de Siècle geworden. Burne-Jones

lehnte die Ideale des viktorianischen Zeitalters

ab und schuf eine verzauberte Parallelwelt,

die von schönen und melancholischen

Wesen bewohnt wird. Die Ausstellung führt

alle wichtigen Werke aus seiner 40-jährigen

Schaffensphase zusammen, darunter

seine Darstellungen klassischer Helden, biblischer

Engel sowie seine Abbildungen von

Ritterspielen. Spektakuläre, großformatige

Gemälde wie «Love among the Ruins»,

das zwischen 1870 und 1873 entstanden

ist, sowie «The Wheel of Fortune» aus dem

Phyllis and Demophoön 1870

Gouache auf Papier, 93 x 47 cm© Birmingham Museums Trust

16

HERBST | 2018


The Garden Court 1874-84, Ölfarben auf Leinwand, 1250 x 2310 cm, The Faringdon Collection Trust

Jahr 1883 illustrieren seine internationale

Bedeutung. Auf der Weltausstellung von

1889 rückte er als Leitfigur des Symbolismus

in den Blickpunkt der internationalen

Kunstszene. Zwei der Ausstellungssäle

sind den berühmtesten Erzählzyklen des

Künstlers gewidmet, die erstmals zusammen

präsentiert werden. Die monumentalen

Gemälde gehören zu seinen schönsten

und bekanntesten Werken. Sie erzählen die

dramatische Geschichte von Perseus und

das traumhafte Märchen von Dornröschen.

Burne-Jones unvollständige formale Ausbildung

im Bereich der bildenden Künste

erlaubte es ihm, eine ausgeprägte und

höchst eigenwillige Herangehensweise an

die Malerei zu entwickeln, die die Brücke

zu den dekorativen Künste schlägt. Die Ausstellung

eröffnet mit einem Fokus auf sein

Frühwerk und hebt seine Arbeit als Kirchenausstatter

hervor. Beispielhaft dafür stehen

seine Glasmalerei «Der gute Hirte» aus den

Jahren 1857-1861 sowie «Die Anbetung der

Könige», ein großes Altarbild aus dem Jahr

1861, das für die St. Paul’s Church in Brighton

geschaffen wurde.

Der Künstler gilt als einer der bedeutendsten

Zeichner des 19. Jahrhunderts, was

unter anderem durch Arbeiten wie «Desiderium»

(1873) illustriert wird. Die Zeichnun-

17


DER KUNSTBLITZ | TATE GROßBRITANNIEN

Perseus and the Sea Nymphs (The Arming of Perseus) 1877,

Gouache auf Papier, 1528 x 1264 mm,

Southampton City ArT Gallery

gen stellen einfühlsame und persönliche

Antworten auf die Renaissance Meister dar.

Vertraute Gesichter bevölkern die ansonsten

imaginäre Welten des Künstlers, die aus

dem engen Kreis der Familie und Freunde

stammen. Mehrere dieser Bilder werden in

dem Teil der Ausstellung gezeigt, der die

einzigartige Herangehensweise von Burne-

Jones an die Porträtmalerei hervorhebt. Seine

Gemälde von Amy Gaskell (1893) und

Lady Windsor (1893-1895) stehen im Kontrast

zu den damaligen Gesellschaftsporträts,

die idealisierte und minimalistische

Abbildungen wiedergeben. Die Tate Britain

beleuchtet auch die Schlüsselrolle der dekorativen

Künste in Burne-Jones Gesamtwerk

sowie seine langjährige Beziehung zu William

Morris. Beide Männer setzten sich für

soziale Reformen ein und wollten mit ihrer

gemeinsamen Arbeit durch die Schönheit

des Designs und der Ausführung ein breites

Publikum erreichen. So werden neben

dem einzigartigen «Graham Piano» (1879-

1880) Stickereien, illustrierte Bücher und

spektakuläre, großformatige Wandteppiche

gezeigt, darunter «Bewaffnung und Auszug

der Ritter von der Tafelrunde zur Suche

nach dem Heiligen Gral» (1890-1894)

und «Anbetung der Könige» (1894). «Edward

Burne-Jones: Der Präraffaeliten-Visionär»

kuratiert von Alison Smith, Chefkuratorin,

National Portrait Gallery, und Tim Batchelor,

Assistenzkurator, Tate Britain. Die Ausstellung

wird von einem von der Tate Publishing

veröffentlichten Katalog begleitet sowie

von einem Programm mit Vorträgen und

Veranstaltungen in der Galerie.

Tate Britain

Millbank

London SW1P 4RG

www.tate.org.uk

Infos unter: +44(0)20 7887 8888

18

HERBST | 2018


Panorama Museum

Am Schlachtberg 9

06567 Bad Frankenhausen

Tel: 034671/6190

www.panorama-museum.de

Di bis So

April bis Oktober 10 - 18 Uhr

November bis März 10 - 17 Uhr

Juli/August auch montags 13 - 18 Uhr

© Tübke, VG Bild-Kunst Bonn, 2018

Die Sixtina des Nordens

Panorama Museum

Werner Tübkes Monumentalgemälde

14 Meter hoch und 123 Meter im Umfang

Ein Bilddom der Superlative.

19


DER KUNSTBLITZ | PANORAMA MUSEUM BAD FRANKENHAUSEN

Paul Citroen, Porträt von Corry Mühlenfeld, 1939, Öl auf Leinwand, 150 x 100 cm, Museum de Fundatie (Sammlung der Provinz Overijssel),

Zwolle und Heino/Wijhe, Niederlande © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

20

HERBST | 2018


Paul Citroen.

Der Mensch vor der Kunst

10. November 2018 bis 10. Februar 2019

Zum Bauhaus-Jubiläum zeigt das Panorama

Museum Bad Frankenhausen Werke

des Bauhaus-Schülers Paul Citroen (1896-

1983). Paul Citroen begann seine künstlerische

Ausbildung schon in jungen Jahren

und lernte in Berlin die verschiedenen

Avantgarden kennen. Die entscheidenden

Impulse für seine weitere Entwicklung aber

bekam er am Bauhaus in Weimar, wo er

von 1922 bis 1924 studierte. Unter dem

Eindruck des Gelernten gründete er 1933

mit Charles Roelofsz die Nieuwe Kunstschool

in Amsterdam, eine private Kunstakademie,

die sich am Weimarer Vorbild

orientierte und ehemalige Mitstreiterinnen

und Mitstreiter als Lehrkräfte versammelte.

Ab 1935 wirkte Citroen als Dozent an der

Kunstakademie Den Haag und blieb auch

dort dem Bauhaus weiter verpflichtet.

Obschon sich Citroen auch anderen Themen

widmete, lag sein Fokus immer auf

Paul Citroen, Porträt von Ms. Jeaffresson, 1925, Mischtechnik auf Papier, 33 x 22,5 cm, Museum

de Fundatie (Sammlung der Provinz Overijssel), Zwolle und Heino/Wijhe, Niederlande, © VG Bild-

Kunst, Bonn 2018

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DER KUNSTBLITZ | PANORAMA MUSEUM BAD FRANKENHAUSEN

Paul Citroen, Porträt von Heinz Aron, 1922

Öl auf Leinwand (Marouflé), 40 x 32 cm, Museum de Fundatie

(Sammlung der Provinz Overijssel), Zwolle und Heino/Wijhe, Niederlande,

© VG Bild-Kunst, Bonn 2018

dem Bild des Menschen. Als er starb, hinterließ

er mehr als 7000 Porträts, die seinen

engsten Vertrauten ebenso galten

wie befreundeten Größen aus Kunst und

Kultur. Wie die Lebensalter durchwandelte

er verschiedene Schulen und Stile, malte,

zeichnete, collagierte und fotografierte er.

Er streifte Expressionismus und Dada, verfing

sich im Bauhaus, experimentierte mit

Neuem Sehen und Neuer Sachlichkeit, um

schließlich zur offenen Malweise der späten

Jahre zu finden. Immer wieder fertigte

er auch Selbstbildnisse an, die sich wie ein

roter Faden durch sein Werk ziehen und

besser noch als jedes Tagebuch Auskunft

geben über seine künstlerische Entwicklung

und seine Gemütslage, aber auch über die

Zeitumstände, in denen er lebte. Zugleich

zeugen die Bilder vom tiefen Wunsch, eine

Spur zu hinterlassen in der Welt.

22

HERBST | 2018


Paul Citroen mit dem

Bruder von Lotti Weiss

Foto von Lotti Weiss vor

dem Spiegel, 1927/28

Fotografie, Museum de

Fundatie (Sammlung

der Provinz Overijssel),

Zwolle und Heino/Wijhe,

Niederlande

© VG Bild-Kunst, Bonn

2018

Paul Citroen, Brunnen auf der

Piazza della Signoria in Florenz,

1949-64 Collage, 40 x 51 cm,

Museum de Fundatie (Sammlung

der Provinz Overijssel), Zwolle

und Heino/Wijhe, Niederlande

© VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Paul Citroen, Porträt von Wilma Jeuken, 1930-35, Fotografie

Nederlands Fotomuseum, Rotterdam, Niederlande © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

„Da ich ein Porträtist bin, steht mir der

Mensch vor der Kunst“ – gemäß diesem

Motto präsentiert die Ausstellung in Kooperation

mit dem Museum de Fundatie in

Zwolle und Heino/Wijhe, Niederlande, den

Künstler vor, in und mit der Kunst, mit 84

Werken aus rund 60 Jahren.

Zur Ausstellung erscheint eine Monografie

mit einer Einführung von Ralph Keuning und

Gerd Lindner und Texten von Paul Citroen,

Anke Blümm, Feico Hoekstra und Johanna

Huthmacher.

Panorama Museum

Monumentalbild von Werner Tübke

Am Schlachtberg 9

06567 Bad Frankenhausen

Tel: +49 (0) 34671 6190

www.panorama-museum.de

Öffnungszeiten Di bis So 10 – 17 Uhr

23


DER KUNSTBLITZ | FOUNDATION BEYELER - BASEL

BIS 1. JANUAR 2019

Foundation

Beyeler - Basel

Balthus

Mit der Ausstellung Balthus präsentiert

die Fondation Beyeler

einen der letzten grossen

Meister der Kunst des 20. Jahrhunderts,

der zugleich zu den singulärsten und kontroversesten

Künstlern der Moderne zählt.

Ausgangspunkt für diese umfangreiche Präsentation,

die seit Mitte 2016 in Planung

ist, bildet Balthus’ Hauptwerk Passage du

Commerce-Saint-André von 1952 bis 1954,

das sich als Dauerleihgabe einer grossen

Schweizer Privatsammlung seit vielen Jahren

in der Fondation Beyeler befindet.

In seinem facettenreichen und mehrdeutigen

Schaffen, das ebenso Verehrung wie

Ablehnung erfährt, verfolgt Balthus, mit

24

HERBST | 2018


BALTHUS, LA RUE, 1933, Öl auf Leinwand, 195 x 240 cm, The Museum of Modern Art, New York, Vermächtnis

James Thrall Soby © Balthus Foto: © 2018. Digital image, The Museum of Modern Art, New York/Scala, Florenz

vollem Namen Balthasar Klossowski de Rola

(1908–2001), einen künstlerischen Weg, der

alternativ, ja geradezu entgegengesetzt zu

den Entwicklungen moderner Avantgarden

und den gängigen Vorstellungen davon

verläuft. In dieser Abkehr bezieht sich der

exzentrische Maler auf eine Vielzahl kunsthistorischer

Traditionen und Vorläufer, die

von Piero della Francesca über Poussin bis

hin zu Füssli, Courbet und Cézanne reichen.

Zugleich sind bei näherer Betrachtung aber

auch Impulse moderner Kunstbewegungen,

namentlich etwa der Neuen Sachlichkeit

sowie des Surrealismus auszumachen, in

deren Kontext sich Balthus’ teilweise provokante

Bildinszenierungen und damit die

25


DER KUNSTBLITZ | FOUNDATION BEYELER - BASEL

BALTHUS, LE ROI DES CHATS, 1935

Öl auf Leinwand, 78 x 49,7 cm, Musée cantonal des

Beaux-Arts de Lausanne, Schenkung der Fondation

Balthus Klossowski de Rola, 2016, © Balthus

Foto: Etienne Malapert, Musée cantonal des Beaux-

Arts de Lausanne

abgründige Dimension seiner Kunst einordnen

lassen. In seiner beinahe als postmodern

zu beschreibenden, grundsätzlichen

Distanzierung von der Moderne entwickelt

er jedoch zugleich seine ganz eigene Form

von Avantgarde, die heute umso zeitgenössischer

erscheint. Tatsächlich erweist sich

Balthus als Künstler des Widerspruchs und

der Irritation, in dessen ebenso ruhevollen

wie spannungsreichen Werken Gegensätze

aufeinandertreffen, die Wirklichkeit und

Traum, Erotik und Unbefangenheit, Sachlichkeit

und Rätselhaftigkeit sowie Vertrautes

und Unheimliches auf einzigartige

Weise verbinden. Insbesondere in dieser

Kontrastsetzung kombiniert Balthus Motive

der Kunsttradition mit Elementen populärer

Kinderbuchillustrationen des 19.

Jahrhunderts. So sind seine Bilder auch

fortwährend von expliziten und impliziten

Aspekten der Ironie durchdrungen und reflektieren

und befragen nicht zuletzt auf

diesem Weg darstellerische und ästhetische

Möglichkeiten und Unmöglichkeiten

der Kunst des 20. Jahrhunderts und darüber

hinaus. Paradoxe zeichnen auch die

Person Balthus aus, der sich als Künstler in

einem Gestus der Bescheidenheit a priori

als «Handwerker» verstanden wissen wollte

und zugleich die Pose und den Status des

intellektuellen Aristokraten einnahm, der

im engen Austausch mit grossen Philosophen,

Literaten, Theaterleuten und Filmschaffenden

seiner Zeit stand. So changierte

sein langes, nahezu das gesamte 20.

Jahrhundert durchlaufendes Leben fortwährend

zwischen Askese und Mondänität.

Den Künstler verband eine enge Beziehung

zur Schweiz. Er verbrachte seine Kindheit

in Bern, Genf und Beatenberg, heiratete die

26

HERBST | 2018


LE CERISIER, 1940

Öl auf Holz, 92 x 72,9 cm

Roman Family London

Bernerin Antoinette de Watteville und lebte

mit ihr in der französischen wie deutschen

Schweiz. Im imposanten Grand Chalet in

Rossinière verbrachte er schliesslich die

letzten Jahrzehnte seines Lebens. Auch verband

ihn seit den 1930er-Jahren eine tiefe

Freundschaft mit Alberto Giacometti, den

Balthus als Künstler überaus schätzte.

Die retrospektiv angelegte Ausstellung in

der Fondation Beyeler ist die erste zu Balthus’

Werk in einem Schweizer Museum

seit zehn Jahren und die erste umfangreiche

Präsentation seines Schaffens in der

deutschsprachigen Schweiz überhaupt. In

ihr sind 40 zentrale Gemälde aus sämtlichen

Schaffensphasen des Künstlers von

den 1920er-Jahren bis in die 1990er-Jahre

vereint, die gleichsam die Quintessenz von

Balthus’ langem, dennoch aber nur rund

350 Werke umfassendem malerischen OEuvre

vor Augen führen.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung

gehören unter anderem Gemälde wie La

Rue von 1933, das eine Pariser Strassenszene

darstellt, in der rätselhafte Figuren

wie auf einer Theaterbühne in ihren Posen

erstarrt erscheinen. Dieser Stillstand, den

Handlungen in Balthus’ Werken erfahren,

wird auch in Les Enfants Blanchard von

1937 bildlich, das 1941 von Pablo Picasso

erworben wurde, mit dem Balthus befreundet

war. La Jupe blanche von 1937 ist das

wohl schönste Porträt, das Balthus von seiner

ersten Ehefrau Antoinette de Watteville

gemalt hat. Le Roi des chats von 1935 ist

eines der seltenen Selbstbildnisse, in dem

sich der damals 27-jährige Balthus in einer

selbstsicheren Haltung als eleganter Dandy

mit Katze präsentiert. In Balthus’ Leben und

Werk spielen Katzen eine wichtige Rolle.

27


DER KUNSTBLITZ | FOUNDATION BEYELER - BASEL

BALTHUS, PASSAGE DU COMMERCE-SAINT-AND-

RÉ, 1952–1954

Öl auf Leinwand, 294 x 330 cm,

Privatsammlung© Balthus

Foto: Mark Niedermann

Immer wieder tauchen sie in seinen Gemälden

auf, nicht selten als Alter Ego des

Künstlers. Mit La Partie de cartes (1948–

1950) zeigen wir ein besonders spannungsgeladenes

Werk, das nur selten ausgeliehen

wird. Zu sehen ist auch das Porträt Thérèse

rêvant von 1938, das in jüngster Zeit international

Aufsehen erregt hat. Es ist eines

der ersten und prominentesten Beispiele

für Balthus’ charakteristische Darstellungen

von Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden,

die eine schwer fassbare

Spannung zwischen kindlicher Unbekümmertheit

und verführerischer Erotik bergen.

Im monumentalen Passage du Commerce-

Saint-André (1952–1954) verdichtet sich in

besonderem Masse Balthus’ intensive und

weitreichende künstlerische Beschäftigung

mit der Visualisierung von räumlichen wie

zeitlichen Dimensionen und deren Verhältnis

zu Bildfigur und -objekt – Grundaspekte

von Balthus’ OEuvre. Im Kontext ihrer Präsentation

in der Fondation Beyeler bilden

Balthus’ Werke als Vertreter einer gleichsam

«anderen» Moderne einen regelrechten

Kontrapunkt zu jenem Begriff der Moderne,

der Ernst und Hildy Beyeler bei ihrer Sammeltätigkeit

leitete, und erweitern und vervollständigen

somit in gewisser Weise die

Perspektive auf die moderne Kunst innerhalb

des Museums. Obgleich Balthus nicht

in der Sammlung des Ehepaars Beyeler vertreten

ist, sind mehrere bedeutende Werke

des Künstlers über ihre Galerie verkauft und

vermittelt worden, darunter das skandalöslegendäre

Gemälde La Leçon de guitare von

1934 sowie Jeune fille à la fenêtre von 1957

und die 1964 entstandene Version von Les

Trois Soeurs.

Eine Ausstellung zu Balthus stellt für ein

Museum eine besondere Herausforderung

dar. Bis heute wird der Künstler oft mit

seinen Darstellungen junger Mädchen und

Frauen assoziiert, deren Anblick beim Publikum

immer wieder Unbehagen und dem-

28

HERBST | 2018


BALTHUS, LES ENFANTS BLANCHARD, 1937

Öl auf Leinwand, 125 x 130 cm

Musée national Picasso-Paris, Schenkung der Erben

Picassos, 1973/1978 , © Balthus, Foto: RMN-Grand

Palais (Musée national Picasso-Paris) / Mathieu Rabeau

entsprechende Debatten über künstlerische

und darstellerische Grenzen ausgelöst hat

und auslöst. So sorgte in jüngster Vergangenheit

Balthus’ bedeutendes Gemälde

Thérèse rêvant von 1938 im Metropolitan

Museum of Art in New York für öffentliche

Aufregung, als im November 2017 in einer

Online-Petition aufgrund der erotischen

Konnotation des Bildes dessen Abhängung

beziehungsweise Neukontextualisierung

gefordert wurde. Obgleich die Petition auf

breite Resonanz stiess, liess das Metropolitan

Museum das umstrittene Werk hängen.

Inmitten dieser Kontroverse reist das Gemälde

nun unter veränderten Vorzeichen bei

uns an und erlangt Symbolstatus für eine

wieder entfachte Kulturdebatte.

Auch diese Balthus-Retrospektive soll zu

Diskussion und Reflexion über die Möglichkeiten

und Funktionen der Kunst anregen.

So zeichnet sich Kunst in besonderem Masse

durch Ambivalenz und eine Vielfalt von Perspektiven

auf die Welt aus, die jenseits des

Guten und Schönen auch abgründige, unkonventionelle,

irritierende und provokative

Aspekte mit einschliessen, die ebenso zur

Fantasie des Menschen und zur Wahrheit

des menschlichen Daseins gehören. Dieser

Facettenreichtum nicht nur der Kunst, sondern

der Welt überhaupt muss gerade im

Museum erschlossen und kritisch vermittelt

werden, um den Betrachter zum Nachdenken

und zu Fragen anzuregen. Gerade die

Vielschichtigkeit von Balthus’ Werk leistet

einen wichtigen Beitrag zu dieser essentiellen

reflexiven Dimension der Kunst als freie

Ausdrucksform.

Die Ausstellung wird von einem umfassenden

Vermittlungsangebot begleitet. Dieses

reicht von einer hochkarätig besetzten

Podiumsdiskussion bis zu Sonntagsführungen,

in deren Anschluss die Gelegenheit

zu Diskussion und Gespräch besteht. Eine

Kommentarwand im Museum wird Stimmen

Pro und Contra reflektieren und auch dem

29


DER KUNSTBLITZ | FOUNDATION BEYELER - BASEL

BALTHUS, LE ROI DES CHATS, 1935

Öl auf Leinwand, 78 x 49,7 cm

Musée cantonal des Beaux-Arts de Lausanne, Schenkung

der Fondation Balthus Klossowski de Rola, 2016

© Balthus, Foto: Etienne Malapert, Musée cantonal

des Beaux-Arts de Lausanne

Besucher ermöglichen, sich einzubringen.

In den Museumsräumen werden Kunstver-

mittler den Besuchern als Gesprächspartner

zur Verfügung stehen.

Für die umfangreiche Retrospektive

konnte die Fondation Beyeler eine Vielzahl

von wertvollen Leihgaben international bedeutender

Museen gewinnen, darunter das

Metropolitan Museum of Art und das Museum

of Modern Art in New York, das Centre

Pompidou in Paris, das Hirshhorn Museum

in Washington und die Tate in London.

Zahlreiche bedeutende Werke aus europäischen,

amerikanischen und asiatischen

Privatsammlungen, die der Öffentlichkeit

sonst nicht oder nur selten zugänglich sind,

werden in der Ausstellung zum Teil zum

ersten Mal zu sehen sein. Die Ausstellung

wurde von Dr. Raphaël Bouvier, Kurator, und

Michiko Kono, Associate Curator, kuratiert.

Der im Hatje Cantz Verlag erschienene

Ausstellungskatalog bietet aufschlussreiche

Texte der Kunsthistoriker Olivier Berggruen,

Yves Guignard und Juan Ángel López-Manzanares

rund um das Leben und Wirken des

Künstlers. Herauszuheben ist der persönliche

Artikel des Filmemachers und Fotografen

Wim Wenders, der mit Balthus und

dessen Familie eng befreundet war. Beate

Söntgen, Professorin für Kunstgeschichte,

setzt sich mit den Mädchenbildern von Balthus

auseinander. Diesem viel diskutierten

Thema widmet sich ebenfalls Michiko Konos

Text, der die weiblichen Figuren in sei-

30

HERBST | 2018


nen Werken thematisiert. Raphaël Bouvier

zeigt in seinem Artikel die vielfältigen Aspekte

der Zeit, die sich in Balthus’ künstlerischer

Konzeption eröffnen und in seinem

gesamten Schaffen anschaulich werden.

Diese Balthus-Retrospektive ist in Kooperation

mit dem Museo Nacional Thyssen-

Bornemisza in Madrid, einem der renommiertesten

Museen Spaniens, entstanden.

Dort wird die Ausstellung Anfang des

nächsten Jahres in adaptierter Form zu sehen

sein.

Die Ausstellung «Balthus»

wird unterstützt durch:

Beyeler-Stiftung

Hansjörg Wyss, Wyss Foundation

L. & Th. La Roche Stiftung

Vera Michalski-Hoffmann

FONDATION BEYELER

Baselstrasse 101

CH-4125 Riehen/Basel

Tel. +41 61 645 97 00

Fax +41 61 645 97 19

E-Mail: info@fondationbeyeler.ch

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31


DER KUNSTBLITZ | STÄDEL MUSEUM, FRANKFURT AM MAIN

Lotte Laserstein (1898-1993) Liegendes Mädchen auf Blau, um 1931 Öl auf Papier, 69 × 93 cm Privatbesitz,

Courtesy DAS VERBORGENE MUSEUM, Berlin Foto: DAS VERBORGENE MUSEUM, Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

32

HERBST | 2018


VON ANGESICHT ZU ANGESICHT

LOTTE LASERSTEIN

BIS 17. MÄRZ 2019

33


DER KUNSTBLITZ | STÄDEL MUSEUM, FRANKFURT AM MAIN

Vom 19. September 2018 bis 17. März

2019 präsentiert das Frankfurter

Städel Museum die Malerin Lotte

Laserstein (1898–1993) in einer umfassenden

Einzelausstellung. Lasersteins OEuvre

gehört zu den großen Wiederentdeckungen

der letzten Jahre und zeichnet sich durch

ebenso sensibel wie eindringlich gestaltete

Porträts aus den späten Jahren der Weimarer

Republik aus. Die Schau baut auf den

Sammlungsbeständen des Städel Museums

auf, das mit den Gemälden Russisches Mädchen

mit Puderdose von 1928 und Junge

mit Kasper-Puppe (Wolfgang Karger) von

1933 in den vergangenen Jahren wichtige

Arbeiten der Künstlerin erwerben konnte.

Anhand von rund 40 Gemälden und Zeichnungen

nimmt die Ausstellung Lasersteins

künstlerische Entwicklung in den Blick. Der

Fokus liegt auf ihren Arbeiten der 1920erund

1930er-Jahre, die den Glanzpunkt ihres

Schaffens markieren. „Lotte Laserstein. Von

Angesicht zu Angesicht“ ist die erste Einzelpräsentation

der Künstlerin in Deutschland

außerhalb Berlins.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

Ernst Max von Grunelius-Stiftung, die

Rudolf-August Oetker-Stiftung und die

Friede Springer Stiftung. Zusätzliche Unterstützung

erfährt die Schau durch die Stadt

Frankfurt am Main. Das Kinderporträt Junge

mit Kasper-Puppe (Wolfgang Karger)

war die erste Neuerwerbung in meinem

Amt als Direktor des Städel Museums und

auch generell begleitet mich das Werk Lotte

Lasersteins persönlich und beruflich schon

seit vielen Jahren. Umso mehr freut es mich,

dass unsere Ausstellung die Chance bietet,

einen neuen Blick auf die Arbeit dieser bedeutenden

Malerin zu richten und sie einem

größeren Publikum vorzustellen“, so Städel

Direktor Philipp Demandt über das von ihm

initiierte Ausstellungsprojekt.

Durch Porträts ihrer Zeitgenossen machte

sich die Malerin Lotte Laserstein im pulsierenden

Berlin der Weimarer Republik

Lotte Laserstein (1898-1993) Tennisspielerin,

1929 Öl auf Leinwand, 110 × 95,5 cm

Privatbesitz Foto: Berlinische Galerie

© VG Bild-Kunst, Bonn 2018

34

HERBST | 2018


ihrer Großeltern als jüdisch deklariert wurde,

zunehmend aus dem öffentlichen Kulturbetrieb

ausgeschlossen. 1937 gelang

es ihr, Deutschland zu verlassen und nach

Schweden zu emigrieren, wo sie allerdings

nicht mehr an ihre frühen Erfolge anknüpfen

konnte. Abgeschnitten von der internationalen

Kunstszene geriet ihr Werk weitgehend

aus der öffentlichen Wahrnehmung.

In den Fokus der Aufmerksamkeit rückte Laserstein

im Jahr 2010 mit dem Ankauf eines

ihrer Hauptwerke durch die Berliner Nationalgalerie,

Abend über Potsdam von 1930,

Wanda von Debschitz-Kunowski, Ohne Titel (Lotte

Laserstein vor dem Gemälde „Abend über Potsdam“),

undatiert Berlinische Galerie – Landesmuseum

für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur

Foto: Anja Elisabeth Witte / Berlinische Galerie

© VG Bild-Kunst, WERKSTATT

Bonn 2018

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einen Namen. In ihren Gemälden zeigte

die Künstlerin das sie umgebende Berliner

Leben, richtete dabei den Fokus auf Darstellungen

der sogenannten „Neuen Frau“ und

fing ihre Bildmotive mit einem dezidiert

weiblichen Blick ein. Erfolgreich beteiligte

sie sich an zahlreichen Ausstellungen und

Wettbewerben und erhielt viel Lob von der

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35


DER KUNSTBLITZ | STÄDEL MUSEUM, FRANKFURT AM MAIN

Lotte Laserstein (1898-1993) Mongole, um 1927

Öl auf Holz, 27,1 x 21,8 cm Privatbesitz

Foto: Lotte-Laserstein-Archiv / Krausse, Berlin

© VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Die Bilder Lasersteins stehen stilistisch der

Neuen Sachlichkeit nah, doch passen sie

nicht recht in diese kunsthistorische Kategorie.

Im Hinblick auf Sujets und Grundhaltung

lassen sich in Lasersteins Arbeiten

zwar Anklänge an diese Kunstströmung finden,

doch ist ihr Malstil weder objektivierend

unterkühlt noch gesellschaftskritisch

überzeichnet, wie für die Neue Sachlichkeit

typisch. Ihre Malweise verbleibt stets realistisch,

mit teilweise spätimpressionistisch

lockerem Pinselduktus und einem sorgsam

komponierten Bildaufbau. Insgesamt ist der

Einfluss ihrer akademischen Ausbildung –

zu der sich Frauen damals gerade erst den

Zugang erkämpft hatten – in ihren Werken

deutlich erkennbar, weshalb ihr Stil als akademischer

Realismus bezeichnet werden

kann. Obwohl handwerklich traditionell,

waren ihre Bilder inhaltlich von großer Aktualität.

Lotte Lasersteins favorisiertes Thema ist der

Mensch in all seinen Facetten, weshalb sie

sich hauptsächlich der Porträtmalerei widon‘

zugerechnet werden, da ihre realistisch

gemalten Bilder in der avantgardeorientierten

Nachkriegsforschung vernachlässigt

wurden. Erst seit den 1990er-Jahren findet

welches auch in der Frankfurter Ausstellung

zu sehen sein wird. „Lotte Laserstein

teilt das Schicksal vieler ihrer Zeitgenossen,

die in der Weimarer Republik anfingen, sich

eine Reputation aufzubauen, deren künstlerische

Laufbahn durch das NS-System

aber massiv beschnitten wurde. Sie kann

der sogenannten ‚verschollenen Generatidiese

außergewöhnliche Künstlerin eine

späte Würdigung, zu der unsere Ausstellung

einen entscheidenden Teil beitragen kann“,

stellen die Kuratoren der Ausstellung, Alexander

Eiling und Elena Schroll, heraus.

Stil und Motive

36

HERBST | 2018


Christiane Püttmann

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37


DER KUNSTBLITZ | STÄDEL MUSEUM, FRANKFURT AM MAIN

met. In ihren Porträts setzt sie virtuos die

Menschen der Zwischenkriegszeit ins Bild,

wie etwa in Liegendes Mädchen auf Blau

(1931) oder in Der Mongole (1927). Dabei

zeichnen Nüchternheit, Modernitäwie auch

psychologische Tiefe ihre Darstellungen aus.

In ihrem OEuvre gibt es ebenso Motive, die

von der Technik- und Sportbegeisterung der

Zeit künden, doch sind diese zahlenmäßig

weit weniger bedeutend. In ihren Bildnissen

malt Laserstein Typen des modernen Alltags:

sportive Frauen, sich schminkende junge

Mädchen, einen Motorradfahrer in voller

Montur und modisch gekleidete Großstädterinnen.

Die Künstlerin spielt mit Zitaten

aus der Kunstgeschichte und baut oftmals

Spiegelungen und Verdoppelungen der Figuren

ein.

Häufig malt sie komplexe Kompositionen, in

denen sie sich auch selbst beim Malen im

Atelier zeigt, um auf ihre Rolle als akademisch

ausgebildete Künstlerin zu verweisen.

Darüber hinaus entwirft Laserstein mit ihren

modisch gekleideten Protagonistinnen den

Typus der emanzipierten Städterin, die sich

ohne männliche Begleitung frei und selbstbewusst

im öffentlichen Raum bewegt. Dieses

zeitgenössische Bild der sogenannten

„Neuen Frau“ ist von besonderem Interesse

für sie. So machen Frauenporträts auch den

größten Teil ihrer Kunst aus, selten fertigt

sie Bildnisse von Männern an.

Lotte Laserstein (1898–1993) Morgentoilette, 1930

Öl auf Holz, 99,7 × 65,1 cm National Museum of

Women in the Arts, Washington, D.C., Gift of the

Board of Directors Foto: Lee Stalsworth

© VG Bild Kunst Bonn, 2018

Städel Museum, Schaumainkai 63,

60596 Frankfurt am Main

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38

HERBST | 2018


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sind in meinem

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39


DER KUNSTBLITZ | MITTELRHEIN-MUSEUM

August Sander: Das Gesicht der Landschaft.

Rheinland und Siebengebirge

40

HERBST | 2018


August Sander

Kreuzkirche in Ehrenbreitstein, 1932, © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2018

20. Oktober 2018 - 03. Februar 2019

Mittelrhein Museum Koblenz

41


DER KUNSTBLITZ | MITTELRHEIN-MUSEUM

August Sander

August Sander im Siebengebirge, um 1941

© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur –

August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2018

August Sander

Ein Motiv aus dem Siebengebirge, 1938

© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur –

August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2018

Der Fotograf August Sander (Herdorf/

Westerwald 1876-1964 Köln) genießt

heute internationale Anerkennung.

Seine Arbeiten sind in vielen großen

Sammlungen innerhalb und außerhalb

Deutschlands und in den USA vertreten.

In der Kölner Photographischen Sammlung/

SK Stiftung Kultur wird mit dem August Sander

Archiv der weltweit größte Bestand zum

Werk des Fotografen betreut. Zwar stand in

der Vergangenheit meist Sanders Portraitwerk

„Menschen des 20. Jahrhunderts“ im

Zentrum der Rezeption, doch befassten sich

auch einzelne Publikationen und Ausstellungen

mit seiner Landschaftsfotografie.

Ausgehend von dem umfangreichen Fundus

der Photographischen Sammlung/SK

Stiftung Kultur sollen in dieser Ausstellung

Landschaften am Rhein mit einigen unmittelbar

angrenzenden Regionen präsentiert

werden. Sander war von der Physiognomie

des Menschen ebenso fasziniert wie

42

HERBST | 2018


August Sander

Ruine Heisterbach, 1930

© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur –

August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2018

August Sander

Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula), 1930er Jahre

© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur –

August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2018

von der Physiognomie der Landschaft. Im

Fokus stehen neben Überblicksansichten

auch botanische Motive, die Sanders große

Nähe zu Natur und Umwelt verdeutlichen.

Ähnlich wie bei seinen Portraits entwickelte

der Fotograf Bildgruppen, die den Charakter

einer Landschaft oder Region zu beschreiben

suchten. Sander ging sogar so weit, von einer

„Physiognomie“ der Landschaft zu sprechen

– womit er vor allem die Wechselwirkungen

zwischen natürlichen Gegebenheiten einerseits

und den Folgen und Spuren menschlicher

Aktivität andererseits bezeichnete. Die in

der Ausstellung gezeigten Aufnahmen August

Sanders entstanden überwiegend von der

Mitte der 1920er bis zum Beginn der 1940er

Jahre bei Ausflügen in die nähere Umgebung.

Insbesondere im Siebengebirge und am Mittelrhein

fand er zahlreiche seiner Motive.

Sie repräsentieren eine seinerzeit moderne

ästhetische Auffassung im Kontext der

sachlich dokumentarischen Fotografie. Die

43


DER KUNSTBLITZ | MITTELRHEIN-MUSEUM

ausgestellten Handabzüge wurden zwischen

1992 und 2017 von den originalen Glasplattennegativen

aus dem Sander-Nachlass gefertigt.

Einige der Motive können auf diese

Weise zum ersten Mal vorgestellt werden.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Mittelrhein-Museum

Zentralplatz 1

56068 Koblenz

Telefon: 0261 129 25 20

E-Mail:info@mittelrhein-museum.de

August Sander

Die Wolkenburg [Frühling], Mai 1937

© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur –

August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2018

August Sander

Blick vom Rodderberg auf das Siebengebirge, 1930er Jahre

© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur –

August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2018

August Sander

Gelände um Heisterbach, vor 1934

© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur –

August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2018

August Sander

Blick auf die Insel Nonnenwerth, 1930er Jahre

© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur –

August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2018

44

HERBST | 2018


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DER KUNSTBLITZ | DAS MAX ERNST MUSEUM BRÜHL

RUTH MARTEN – DREAM LOVER

14.10 – 24.02.2018

Ruth Marten, Fountains & Alligators, #4 (Springbrunnen

& Alligatoren, Nr. 4), 2015, Tusche und Aquarell auf

Papier, Sammlung Gail Skoff, Berkeley, Kalifornien

© 2018 Ruth Marten

Das Max Ernst Museum Brühl des LVR

zeigt zum ersten Mal in Europa eine

umfassende Retrospektive der New

Yorker Künstlerin und Illustratorin Ruth

Marten (*1949), die in den letzten Jahren

durch ihre überraschenden, teils witzigen

und teils subversiven Übermalungen alter

Drucke international bekannt geworden

ist. Rund 200 Arbeiten auf Papier, Gemälde

und Objekte aus nahezu fünf Jahrzehnten

werden vom 14. Oktober 2018 bis zum 24.

Februar 2019 in Brühl zu sehen sein.

Die in New York City geborene und dort

lebende Künstlerin begann 1972 als eine

der ersten Frauen in der Tattoo-Szene der

amerikanischen Untergrundbewegung. Ihre

Tattoos zeigen Elemente aus der japanischen,

chinesischen oder der Maori-Kunst

sowie aus dem Jugendstil. 1977 tätowierte

sie im Musée National d‘Art Moderne de la

Ville de Paris während der 10. Pariser Kunstbiennale

und nahm ein Jahr später an der

ersten Punk Art-Ausstellung in Washington

D.C. teil. Seit den 1980er Jahren war Ruth

Marten als Illustratorin für verschiedene

Buchverlage, Musiklabels, Modefirmen und

Zeitschriften wie The New Yorker, Time oder

Esquire tätig.

46

HERBST | 2018


Ruth Marten, 16, 1997, Gouache auf

Papier, Sammlung der Künstlerin

© 2018 Ruth Marten

Ruth Marten, Intimate (Vertraut), 1997, Gouache

und Buntstift auf Papier, Sammlung der Künstlerin

© 2018 Ruth Marten

Die Ausstellung Dream Lover gibt Einblick

in Ruth Martens außergewöhnliches Werk,

so etwa in die intensive künstlerische Auseinandersetzung

mit dem Thema „Haar“, das

ihre eigenen Erfahrungen mit gesellschaftlichen

Normen und Idealen kritisch reflektiert.

Das Herzstück der Präsentation bilden Arbeiten,

die seit 2006 entstanden sind und in

denen die Künstlerin Illustrationen, Stiche,

Fotografien und Postkarten der vergangenen

Jahrhunderte zeichnerisch ergänzt oder

für Collagen nutzt. Ruth Marten kombiniert

das Ausgangsmaterial mit Motiven wie Krokodilen,

Vögeln, Mäusen oder modischen

Accessoires, wobei der Übergang zwischen

Ursprungswerk und Bearbeitung durch die

perfekte Imitation des Stils der Vorlage allenfalls

in der Nahsicht erkennbar wird. Auf

diese Weise entstehen surreale Situationen

und unwirkliche Atmosphären, ähnlich wie

in den Collageromanen La femme 100 têtes

oder Une semaine de bonté von Max Ernst.

Ruth Martens Arbeiten führen Historisches

und Modernes zu einer neuen, plausibel erscheinenden

Gegenwart zusammen, in der

sich Traum und Realität auf ganz eigene

Weise verbinden.

Zum Titel der Ausstellung „Dream Lover“

47


DER KUNSTBLITZ | DAS MAX ERNST MUSEUM BRÜHL

ließ sich Ruth Marten von dem gleichnamigen

Bobby Darin-Song aus dem Jahr 1959

inspirieren: „I don`t wanna dream alone.“

Die Ausstellung Ruth Marten – Dream

Lover ist in Zusammenarbeit mit der Künstlerin

anlässlich ihres 70. Geburtstages entstanden.

Der Ausstellungskatalog mit 256 Seiten,

ca. 200 Abbildungen und Beiträgen von Jürgen

Pech, Achim Sommer, Friederike Voßkamp

und Jürgen Wilhelm ist zum Preis von

34,90 € im Museumsshop erhältlich.

Besucherservice:

Max Ernst Museum Brühl des LVR

Comesstraße 42 /

Max-Ernst-Allee 1,

50321 Brühl

www.maxernstmuseum.lvr.de

Tel +49 (0) 2232 5793 - 0

Öffnungszeiten

Dienstag – Sonntag: 11 – 18 Uhr

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DER KUNSTBLITZ | CLEMENS SELS MUSEUM NEUSS

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23. September 2018 – 10. Februar 2019

50

HERBST | 2018


Feld-Haus – Museum für Populäre

Druckgrafik, Kirkeby-Feld, Neuss

Orangenkistenplakat, Bronze, 1950er Jahre, Spanien.

Privatsammlung in Salzgitter

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DER KUNSTBLITZ | CLEMENS SELS MUSEUM NEUSS

Orangenkistenplakat, Mercury, 1930er Jahre, Kalifornien.

Privatsammlung in Salzgitter

Vereinzelt sieht man sie noch, doch es

ist selten geworden: Ursprünglich nur zum

Schutz gedacht, wurden Einwickelpapiere

für Zitrusfrüchte zu buntbedruckten,

leuchtenden Werbeträgern. Und damit

nicht genug: Auch die Kisten, in denen die

wohlschmeckenden Früchte aus Kalifornien

oder auch Südeuropa transportiert wurden,

schmückten die Hersteller mit aufwändig

gestalteten Plakaten, die Orangen und Zitronen

in ungeahnte Zusammenhänge bringen.

Im Feld-Haus wird eine Auswahl der

schönsten Stücke aus einer der größten Privatsammlungen

präsentiert, deren Anfänge

bis in die Mitte des vorletzten Jahrhunderts

zurückreichen. Die aus Holzschliff hergestellten,

dünnen Einwickelpapiere – etwa

so groß wie ein DINA4-Blatt - sind schon

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HERBST | 2018


Orangenkistenplakat, Hum!, 1950er Jahre (?),

Spanien. Privatsammlung in Salzgitter

seit Langem begehrte Sammlerobjekte. Die

Motive, die die zarten Papiere schmücken,

könnten unterschiedlicher nicht sein: Bilder

von Menschen, Tieren, Pflanzen und

Naturphänomenen. Darstellungen aus dem

Bereich der Musik, des Sports, der Unterhaltung,

der Raumfahrt oder der Schifffahrt.

Auch populäre Figuren aus Erzählungen und

Comics, wie Struwwelpeter, Popeye, Donald

Duck oder Superman haben es auf die empfindlichen

Gewänder der Früchte geschafft

und sollen die Konsumenten zum Kauf einer

der ältesten kultivierten Obstsorten anregen.

Die Kistenplakate weisen eine vergleichbare

Motivvielfalt auf und präsentieren sich oft

noch farbintensiver.

In den Regalen der Lebensmittelgeschäfte

haben Zitrusfrüchte wieder Saison. Den

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DER KUNSTBLITZ | CLEMENS SELS MUSEUM NEUSS

Weitere Informationen: www.clemenssels-museum-neuss.de

Anschrift:

Feld-Haus – Museum für Populäre

Druckgrafik

Berger Weg 5, 41472 Neuss (auf

dem Kirkeby-Feld zwischen Museum

Insel Hombroich und Raketenstation

Hombroich) Öffnungszeiten: Samstag

und Sonntag, 11–17 Uhr

Orangeneinwickelpapier, I due Cosmonauti, um 1965,

Italien. Privatsammlung in Salzgitter

Orangeneinwickelpapier, Sputnik, nach 1957, Italien.

Privatsammlung in Salzgitter

ganzen Winter durch werden sie zum Kauf

angeboten. Ihrer ursprünglichen Funktion,

nämlich zu verhindern, dass auf dem langen

Weg von der Plantage bis zum Abnehmer

faulende Früchte andere anstecken, sind die

Einwickelpapiere enthoben. Von den bemerkenswerten,

aber langsam in Vergessenheit

geratenen Papieren, die das schmackhafte

Obst selbst und auch die Transportkisten

schmückten, wissen die meisten deshalb

nur mehr wenig. Da lohnt es sich erst Recht,

einmal genauer hinzuschauen - Staunen garantiert!

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HERBST | 2018


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DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

KARL HOFER | HERMANN TEUBER

FUNDAMENT & ERNEUERUNG

STÄDTISCHES MUSEUM KALKAR

BIS 25. NOVEMBER 2018

Hermann-Teuber-Maedchen-mit-Puppe-1952-(c)-

Nachlass-Hermann-Teuber-Muenchen

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg

war der Berliner Maler Karl Hofer (Karlsruhe

1878 – 1955 Berlin) zu einem der bedeutendsten

deutschen Künstler seiner Generation

aufgestiegen. Hofer war ein Einzelgänger,

seine Malerei unverwechselbar. Die

Themen seiner Bilder waren die Einsamkeit

und die Verlorenheit des Menschen. Hofer

entwickelte eine große Sensibilität für die

Dramatik seiner Zeit und warnte früh vor

dem Faschismus.

Seine Bilder sind geprägt von einer faszinierenden

Mystizität. Unter den nicht weniger

DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

als zwanzig Bildern seiner Hand in der Ausstellung

dokumentieren Gemälde wie „Brot

und Wein“, „Mann mit Spiegel“ und „Aufziehendes

Gewitter“ Hofers Empfinden für

die Bedrohlichkeit der Zeit. Aus seinen versunkenen

„Mädchenbildnissen“ spricht Einsamkeit

und Isolation. Hofer wurde unmittelbar

nach der Machtergreifung der Nazis

als Professor an der Berliner Hochschule

entlassen. Mehr als 300 Arbeiten wurden in

der Aktion „Entartete Kunst“ aus deutschen

Museen beschlagnahmt. 1943 wurde sein

Berliner Atelier zerbombt: 150 Gemälde,

1000 Zeichnungen und seine Notizen gingen

dabei verloren. Nach Ende des Krieges

wurde er Präsident der neuen Hochschule

für Bildende Künste in Berlin.

Er baute diese auf, engagierte wichtige

Lehrer wie Max Pechstein und Karl Schmidt‐

Rottluff. 1950 berief er seinen seit 1945 in

Kalkar am Niederrhein lebenden Schüler

Hermann Teuber (Dresden 1894 – 1985

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HERBST | 2018


Karl-Hofer-Maedchen-am-Tisch-mit-Vase-1936-(c)-

VG-Bild-Kunst-Bonn-2018

München) als Professor für Druckgraphik

an die Berliner Hochschule. Der gebürtige

Dresdener Hermann Teuber hatte 1924 - 26

Malerei bei Hofer studiert. Von 1935 bis 1945

lebte und arbeitete Teuber in der Ateliergemeinschaft

Klosterstraße in Berlin, u.a. mit

Käthe Kollwitz, wo sein Atelier mit seinem

kompletten Frühwerk 1945 zerstört wurde.

Die Zeit in Kalkar bedeutete für ihn einen

Neuanfang. In seiner Malerei, die von einer

geheimnisvollen Stille gekennzeichnet und

die der Zeitlosigkeit gewidmet ist, erreicht

Teuber eine faszinierende Poesie. Beide

Künstler, Hofer und Teuber, beschäftigen

sich mit dem Porträt, dem Stillleben und der

Landschaft. Teuber verehrte seinen Lehrer,

aber gewann schon früh eine unverwechselbare

Eigenständigkeit.

In der Ausstellung wird das Werk beider

Künstler zum ersten Male in einem Dialog

gezeigt. „Fundament und Erneuerung“ ist

die Ausstellung überschrieben, die 20 Werke

von Karl Hofer, Leihgaben aus dem Museum

Ettlingen, das den Hofer‐Nachlass hütet, und

bisher nicht öffentlich präsentierte Werke

aus Privatbesitz vereint mit 25 Bildern von

Hermann Teuber, aus seinem Nachlass und

aus zahlreichen Privatsammlungen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (88

Seiten mit Abbildungen aller Bilder)

Städtisches Museum Kalkar

Grabenstraße 66

47546 Kalkar

Tel. 02824 13-118

Öffnungszeiten:

Montag-Dienstag 11-13 Uhr

Mittwoch-Sonntag 11-17 Uhr

Eintritt frei

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

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DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

„DAS SCHÖNSTE PASTELL, DAS MAN JE GE-

SEHEN HAT“. DAS SCHOKOLADENMÄDCHEN

VON JEAN-ÉTIENNE LIOTARD

Eine Ausstellung der Gemäldegalerie Alte

Meister der Staatlichen Kunstsammlungen

Dresden

Bis 6. Januar 2019

„Das Schokoladenmädchen“ von Jean-

Étienne Liotard (1702–1789) ist eines der

Hauptwerke der Dresdner Gemäldegalerie.

Der Kunsthändler Francesco Graf Algarotti

erwarb es 1745 in Venedig direkt

vom Künstler für die Sammlung von König

August III. In der Zeit vom 28. September

2018 bis zum 6. Januar 2019 widmen die

Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

(SKD) diesem berühmten Pastell eine eigene

Ausstellung.

Über 100 gezeigte Werke ermöglichen es

erstmals, das berühmte Pastell als Teil von

Liotards Œeuvre zu erfahren. Sie geben

einen exemplarischen Einblick in das vielfältige

Schaffen des Künstlers, von dem

allein insgesamt rund 40 Pastelle, Ölgemälde,

Zeichnungen und Grafiken präsentiert

werden. Darüber hinaus wird der Schweizer

Liotard, der sich, inspiriert von seinen Reisen

durch das Osmanische Reich und das

Fürstentum Moldau, mit langem Bart und

Pelzmütze als selbsternannter „türkischer

Maler“ inszenierte, vorgestellt. 1743 reiste

Horst Sakulowski, Die Erscheinung (Malta), 2009, Graphit, 61 x51,2

cm Privatsammlung (Courtesy of Bilderhaus, Krämerbrücke, Erfurt)

er nach Wien an den Hof der Erzherzogin

Maria Theresia, der späteren römisch-deutschen

Kaiserin, die er mehrfach, auch in

türkischen Kostümen, porträtierte.

In Wien entstand um 1744 auch „Das Schokoladenmädchen“.

Größer als die meisten

Werke verfügt das fragile Pastell über einen

kostbaren, individuell geschnitzten

Rahmen. Es zeigt eine unbekannte, ganzfigurige

Hausangestellte im Profil. Sie trägt

ein ockerfarbenes Mieder mit einer weißen

Schürze, die über ihren grauen Rock fällt.

Ihr Haar ist von einer rosafarbenen Seidenhaube

bedeckt. In den Händen hält sie ein

kleines Lacktablett mit einem Glas Wasser

und einer Tasse heißer Schokolade. Im 18.

Jahrhundert erfreute sich das teure, exotische

Genussmittel insbesondere an den europäischen

Höfen großer Beliebtheit. Seine

Exklusivität äußerte sich nicht zuletzt in

58

HERBST | 2018


Das Fachgeschäft für Künstlerbedarf in Wuppertal

zum Beispiel umfangreiches

Pinselsortiment der Firma

Hofaue 54 / Ecke Wesendonkstr. - 42103 Wuppertal

Telefon: 946 000 95 - www-via-dellarte.de

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DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

den wertvollen Porzellanen sowie silbernen

und goldenen Untertassen, in denen das Getränk

serviert wurde.

Weniger die vielen Kopien, die bereits kurz

nach seiner Entstehung in Pastell oder Öl

angefertigt wurden, als vielmehr die zahlreichen

grafischen und fotografischen Reproduktionen

förderten die weite Verbreitung

und internationale Rezeption des Pastells.

„Das Schokoladenmädchen“ war zudem seit

dem 19. Jahrhundert in der Volkskunst und

der Werbung ein äußerst beliebtes Motiv

– auch dieses Kapitel zeichnet die Ausstellung

nach.

Gemäldegalerie Alte Meister

Zwinger

Theaterplatz 1

01067 Dresden

Besucherservice

Tel. +49 351 49 14 2000

besucherservice@skd.museum

SAKULOWSKI WELTBILD

PANORAMA MUSEUM

BAD FRANKENHAUSEN

BIS 21.10.2018

DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

Zum 75. Geburtstag von Horst Sakulowski

präsentiert das Panorama Museum in Bad

Frankenhausen eine umfassende Werkschau

des Künstlers, der nach seinem Studium an

der Hochschule für Grafik und Buchkunst in

Leipzig seit den siebziger Jahren wesentlich

zur Profilierung der Leipziger Schule

außerhalb ihres Zentrums beigetragen hat.

Gezeigt werden nicht nur die wichtigsten

Gemälde und druckgrafischen Arbeiten

seines Schaffens, sondern vor allem Zeichnungen,

die seit Anfang der 1990er Jahre

entstanden sind und den Maler und Grafiker

als einen der eminentesten Zeichner seiner

Zeit vorstellen.

Panorama Museum

Am Schlachtberg 9

06567 Bad Frankenhausen

Telefon +49 (0) 34671 619 0

info@panorama-museum.de

www.panorama-museum.de

Horst Sakulowski, Die Erscheinung (Malta), 2009, Graphit, 61 x51,2 cm

Privatsammlung (Courtesy of Bilderhaus, Krämerbrücke, Erfurt)

60

HERBST | 2018


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DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

MANTEGNA UND BELLINI

MEISTER DER RENAISSANCE

01.03.2019 BIS 30.06.2019

GEMÄLDEGALERIE BERLIN

Giovanni Bellini, The Drunkenness of Noah, about 1515, Oil on

canvas, 103 x 157 cm, Musée des Beaux-Arts et d‘Archéologie,

Besançon, © RMN-Grand Palais / Hervé Lewandowski

Erstmals präsentieren die Staatlichen Museen

zu Berlin gemeinsam mit der National

Gallery, London das eng miteinander verwobene

Schaffen der beiden verwandten Künstler

Andrea Mantegna (um 1431-1506) und

Giovanni Bellini (um 1435-1516). Mit rund

100 Werken handelt es sich um die erste umfassende

Ausstellung, die das Oeuvre dieser

Meister der italienischen Renaissance vergleichend

gegenüberstellt.

1453 heiratete der in Padua tätige, aufstrebende

Maler und Druckgraphiker Andrea

Mantegna in die Familie Bellini ein – eine

DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

der führenden Künstlerfamilien im nahegelegenen

Venedig. Mantegnas spektakuläre

Bilderfindungen und sein intensives Interesse

an der klassischen Antike hinterließen

einen tiefen Eindruck bei seinem vermutlich

jüngsten Schwager Giovanni Bellini. Während

dieser Zeit entfaltete auch Bellinis

unverkennbarer Malstil seine Wirkung auf

Mantegnas Schaffen. Nach nur zehn Jahren

enger Zusammenarbeit trennten sich ihre

Wege: 1460 zog Andrea nach Mantua, wo

er bis zu seinem Tode Hofmaler der Fürstenfamilie

Gonzaga blieb. Giovanni dagegen

verbrachte seine gesamte Künstlerkarriere

in Venedig. In unterschiedlichen Umgebungen

tätig, entwickelten sich ihre künstlerischen

Stile in sehr verschiedene Richtungen.

Dennoch trägt ihr Schaffen zeitlebens

deutliche Spuren eines über die Jahrzehnte

hinweg gepflegten Austausches, der noch

immer nachempfunden werden kann. In den

Sammlungen der National Gallery und der

Gemäldegalerie sind Werke von Mantegna

und Bellini in außergewöhnlich großer Zahl

und Qualität vorhanden. Die Bestände umfassen

Meisterwerke der beiden Künstler aus

allen Schaffensphasen. Zudem beherbergen

das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen

zu Berlin sowie das British Museum reiche

Sammlungen von Blättern Mantegnas,

Bellinis, ihrer Familie und ihrer Nachfolger

bzw. ihres Umkreises. In der National Gallery,

London ist die Ausstellung vom 1. Oktober

2018 bis zum 27. Januar 2019 zu sehen.

Gemäldegalerie Berlin

Matthäikirchplatz

10785 Berlin

Tel.: 030 266424242

62

HERBST | 2018


DIETER SCHWALM

Ölbilder, Zeichnungen

und Skulpturen

Dieter Schwalm Tel. 0202 7866160 - Web: www.dieterschwalm.de

63


DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

MACHEN SIE MICH SCHÖN,

MADAME D’ORA!

LEOPOLD MUSEUM WIEN

DIE FOTOGRAFIN D’ORA 1907–1957 | RET-

ROSPEKTIVE BIS 29.10.2018 I EBENE –2

ATELIER D’ORA 1907–1957 Josephine Baker, 1928

Silbergelatineabzug | Gelatin silver print 19,4 × 16

cm Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Foto

| Photo: Nachlass Madame d’Ora, Museum für Kunst

und Gewerbe Hamburg

Das Leopold Museum zeigt mit „Machen

Sie mich schön, Madame d’Ora!“ die erste

umfassende Ausstellung zum Schaffen der

außergewöhnlichen Fotopionierin Dora

Kallmus (1881–1963) seit 35 Jahren in Österreich.

Unter ihrem Künstlernamen d’Ora

reüssierte Kallmus international. In ihrem

Atelier traten die Größen der Kunst- und

Modewelt, der Aristokratie und der Politik

des 20. Jahrhunderts vor die Kamera. Ihr

Schaffen umspannt den Zeitraum von 1907

bis 1957. Im Jahr 1907 eröffnete Dora Kallmus

als eine der ersten Frauen in Wien ein

DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

Fotostudio. Innerhalb weniger Monate galt

das Atelier d’Ora als erste Adresse der Kaiserstadt

für das künstlerische Porträt. Ihre

Aufnahmen, die durch Eleganz und Extravaganz

bestechen, fanden in zahlreichen Zeitungen

im In- und Ausland weite Verbreitung.

Im Jahr 1923 nahm d’Ora ein Angebot

des französischen Modemagazins L‘Officiel

an und ging nach Paris, das ab 1925 Mittelpunkt

ihres Lebens und Wirkens war.

Zahllose Aufträge für Mode- und Lifestyle-

Zeitschriften folgten, die erst Mitte der

1930er-Jahre abebbten, als die politische

Lage in Europa zunehmend prekärer wurde.

In der Folge des Einmarsches der Nazitruppen

in Paris im Juni 1940 verkaufte d’Ora

das Atelier. Jahrelang musste sie sich vor

den deutschen Besatzungssoldaten in den

französischen Bergen verstecken. In ständiger

Angst überlebte sie die Verfolgung.

1945 kehrte d’Ora nach Paris zurück. Gerade

noch mit dem Leben davongekommen,

richtete sie nach dem Krieg ihren zugleich

scharfen wie einfühlsamen Blick auf die

Flüchtlingslager in Wien und Salzburg und

in Paris auf das Schlachtvieh der abbatoirs.

„D’Oras Werk spannt einen einzigartigen

Bogen von der Repräsentation des letzten

österreichischen Monarchen, über den Glamour

der Pariser Modewelt der 1920er- und

1930er-Jahre bis hin zu einem gänzlich veränderten

Europa nach dem Krieg.“

Leopold Museum

U2 MuseumsQuartier

Museumsplatz 1, 1070 Wien

Tel. +43.1.525 70-0 (werktags)

E-Mail: office@leopoldmuseum.org

64

HERBST | 2018


Die Künstlergruppe

Farbe im Tal

stellt aus:

M. Fidelak

Besuchen Sie uns in der

Clemensgalerie in Solingen

(jeweils Samstag 11:00 bis 14:00 Uhr

oder nach telefonischer Vereinbarung)

Wilfried Grootens

U. Rustler

U. Walter

A. Rick

B. Giebel

Farbe im Tal

Kontakt: Mobil 0176 23852865

Mobil 0172 8564619

Wilfried Grootens, Ohne Titel

Bemaltes ,verklebtes, poliertes Floatglass

I. Andersen

65


DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

„MALERFÜRSTEN“

BUNDESKUNSTHALLE BONN

BIS 27. JANUAR 2019

Frederic Lord Leighton, Hans Makart, Jan

Matejko, Mihály von Munkácsy, Franz von

Lenbach, Friedrich August von Kaulbach

und Franz von Stuck galten zu ihren Lebzeiten

als Malerfürsten und zählten zu Europas

High Society. Sie stiegen kometenhaft auf,

waren erfolgreich, vermögend und gesellschaftlich

angesehen. Fürstlich lebten sie

in Residenzen, und die Menschen standen

Schlange, um sich von ihnen porträtieren zu

lassen und ihre sensationellen Bilder zu sehen.

Diesen mit Huldigungen verbundenen

Sonderstatus erreichten in jener Zeit nur

wenige Maler. Erstmalig rückt diese Aus-

DER KUNSTBLITZ | NOTIZEN

stellung das internationale kunst- und kulturgeschichtliche

Phänomen „Malerfürst“

in den Fokus, das in den 1870er und 1880er

Jahren eine Blütezeit erlebte und um 1914

sein Ende fand. Im Zentrum stehen die

Selbstinszenierung und Stilisierung dieser

modernen Malerfürsten. Erfolgreicher als

andere Künstler nutzten sie ihre Netzwerke,

neue Reproduktionsmedien, Ausstellungen,

Feste und die Presse für den sozialen Aufstieg

und die Vermarktung ihrer Werke. Der

besondere Charakter dieser Präsentation

ergibt sich aus der Gegenüberstellung der

sieben Persönlichkeiten und ihrer Arbeiten

sowie den Einblicken in ihre Lebenswelten.

In der Auseinandersetzung mit dem Künstlertyp

des Malerfürsten – einer bislang

ausgeblendeten Facette der Moderne – eröffnet

die Ausstellung neue Forschungsperspektiven

und Einsichten.

Franz von Stuck, Susanna und die beiden Alten 1904

Öl auf Leinwand, 134,5 x 98 cm, Kunstmuseum St. Gallen

© Kunstmuseum St. Gallen, Foto: Sebastian Stadler

KUNST- UND AUSSTELLUNGSHALLE DER

BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

Museumsmeile Bonn

Friedrich-Ebert-Allee 4

53113 Bonn

T +49 228 9171–200

ÖFFNUNGSZEITEN

Montags geschlossen

Dienstag und Mittwoch, 10 bis 21 Uhr

Donnerstag bis Sonntag, 10 bis 19 Uh

(und an allen Feiertagen, auch denen,

die auf einen Montag fallen)

66

HERBST | 2018


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