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VSAO JOURNAL Nr. 5 - Oktober 2018

Energie - Onkologie Pharmazeutische Medizin Einheitliche Finanzierung - ja, aber

Energie -
Onkologie
Pharmazeutische Medizin
Einheitliche Finanzierung - ja, aber

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Nr. 5 Oktober 2018

Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte

Association suisse des médecins-assistant(e)s et chef(fe)s de clinique

Associazione svizzera dei medici assistenti e capiclinica

VSAO JOURNAL

Energie

• Onkologie

• Pharmazeutische Medizin

• Einheitliche Finanzierung – ja, aber


INHALT

Titelbild: aebi, grafik & illustration, bern

EDITORIAL

5 Das, was von innen wirkt

POLITIK

7 Gesundheitspolitik

EFAS: vier Buchstaben und viele Fragen

10 Auf den Punkt gebracht:

Wer definiert den Notfall?

WEITERBILDUNG /

ARBEITSBEDINGUNGEN

11 «Es steht und fällt mit den Menschen»

14 Laufbahnberatung ist angelaufen

15 Lesen lernen: Balken ist nicht gleich

Balken

16 «Ärzte für Ärzte» für Menschen

in Nordsyrien

FOKUS ENERGIE

25 Erfolg beginnt im Kopf

27 Meister der Energieverwertung

30 «Wie viel Energie darfs denn sein?

32 «Doping» fürs Stromnetz

34 Wenn Helfer hilflos sind

38 Schwimmen in Schwärmen spart

Energie

PERSPEKTIVEN

40 Fachserie – Aktuelles aus der

Onkologie – Spätfolgen nach einer

Krebserkrankung im Kindesalter:

Heilung mit Nebenwirkungen

42 Aus der «Praxis»: Medikamentöse

Senkung des LDL-Cholesterins

50 Das erlesene Objekt: Der letzte Stich

VSAO

18 Sektion Aargau

19 Sektion Basel

20 Sektion Bern

21 Sektion Zürich/Schaffhausen

22 VSAO-Rechtsberatung

23 VSAO-Inside

MEDISERVICE VSAO-ASMAC

52 Briefkasten

53 Wie halten Sie es mit Hausrat-,

Privathaftpflicht- und Rechtsschutzversicherung?

VORSORGESTIFTUNG VSAO

55 Stabsübergabe bei der Vorsorgestiftung

VSAO

58 Impressum

Lebensqualität

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Prof. Dr. med. Thomas J. Müller

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Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

3


STS 0292

LE

VIGARO

247

update / 08.2018

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Information

Dr. med. Maurice Redondo, FMH Hämatologie, Spezialist für Labormedizin FAMH, Bereichsleiter Produktion West

Dr. sc. nat. ETH Diana Ciardo, Spezialistin für Labormedizin FAMH, Stv. Leiterin Corelab, Stv. Leiterin Mikrobiologie

PD Dr. phil. II Christian Kalberer, Spezialist für Labormedizin FAMH, Stv. Leiter Corelab

Dr. med. Sabine Nann-Rütti, FMH Innere Medizin, Hämatologie, Spezialistin für Labormedizin FAMH, Stv. Leiterin Corelab

Dr. rer. nat. Kristina Vollmer, Spezialistin für Labormedizin FAMH, Stv. Leiterin Corelab

Dr. phil. II Fabrice Stehlin, Kandidat Spezialist für Labormedizin FAMH, Gruppenleiter Corelab

Redaktion

Dr. med. Maurice Redondo, FMH Hämatologie, Spezialist für Labormedizin FAMH, Bereichsleiter Produktion West


EDITORIAL

Foto: Severin Novacki

Catherine Aeschbacher

Chefredaktorin VSAO-Journal

Das, was von innen wirkt

Die ersten Energielieferanten der Menschheit wurden für ihre

Taten nicht eben gut entlöhnt: Prometheus, der das Feuer

brachte, landete als «Vogelfutter» angekettet an einem Felsen,

der Lichtbringer Luzifer wurde gar zum Teufel degradiert.

Obgleich heute kein Stromanbieter mehr den Zorn der Götter

auf sich zieht, ist Energie im engeren Sinn ein höchst umstrittenes

Thema geblieben. In unserem Schwerpunkt befassen wir

uns aber weder mit dem Atomausstieg, noch mit Erdöl, Braunkohle

oder Windrädern, sondern mit einem breiteren Verständnis

des Begriffs. Ursprünglich bedeutete das Wort Energie

«Wirksamkeit» oder «was von innen wirkt». Und so fragen wir

nach der Wirksamkeit von Energiepräparaten oder von modernen

Batterien. Wir widmen uns der mentalen Stärke ebenso

wie den Energie verschleissenden Patienten, aber auch den

ausgeklügelten Energiesparmethoden von Insekten und Fischschwärmen.

Die Rubrik «Gesundheitspolitik» dreht sich hauptsächlich um

die einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären

Behandlungen. Eine auf den ersten Blick einleuchtende

Idee, deren Umsetzung aber komplex und umstritten ist. Noch

immer einer definitiven Lösung harrt die Zulassungssteuerung.

Und da bislang kein Vorschlag die Mehrheit der Parlamentarier

zu überzeugen vermochte, zeichnet sich eine weitere Verlängerung

der aktuell gültigen Regelung ab.

«Alles steht und fällt mit den Menschen»: Mit diesen Worten

bilanziert die Pädiaterin Dina-Maria Jakob ihre Weiterbildung.

Sie macht den Auftakt der neuen Serie «Ich als Assistenzärztin

bzw. als Assistenzarzt» in der Rubrik «Weiterbildung».

Die Mischung aus Porträt und Interview lässt ehemalige und

aktuelle Assistenzärztinnen und -ärzte zu Wort kommen und

vermittelt ein Bild ihrer Weiterbildung.

In derselben Rubrik nehmen wir mit der Kolumne «Lesen lernen»

eine bestens bekannte Serie wieder auf. Lukas Staub,

klinischer Epidemiologe und Redaktionsmitglied des VSAO-

Journals, wird künftig wiederum Hilfestellung beim Lesen wissenschaftlicher

Studien bieten. Wir werden auch ein Online-

Dossier mit allen bisher erschienenen Beiträgen zusammenstellen.

Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

5


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POLITIK

GESUNDHEITSPOLITIK

EFAS: vier Buchstaben

und viele Fragen

Die einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Behandlungen (EFAS) hat sich zu

einem Topthema der Schweizer Gesundheitspolitik gemausert. Der VSAO sagt Ja zum Grundsatz,

aber Nein zum Vorschlag der Nationalratskommission. Störend sind vor allem das Ausblenden

medizinischer Aspekte und die Stärkung der Versicherer.

Marcel Marti, Leiter Politik und Kommunikation/stv. Geschäftsführer VSAO

Bei EFAS trifft «mausern» den Nagel auf

den Kopf. Denn bereits in der Wintersession

2009 hatte Nationalrätin Ruth Humbel

die parlamentarische Initiative «Finanzierung

der Gesundheitsleistungen aus

einer Hand. Einführung des Monismus»

eingereicht. Es sei unbestritten, «dass

grundlegende Fehlanreize in unserem

System auf die unterschiedliche Finanzierung

des ambulanten und stationären

Bereiches zurückzuführen sind», führte

die Aargauer CVP-Vertreterin ins Feld. Bestritten

war dagegen das «Wie weiter?».

Für die Umsetzung liegt deshalb erst jetzt

ein Entwurf auf dem Tisch – geschlagene

neun Jahre später. Denn inzwischen sind

sich alle politischen Kräfte zumindest

darin einig, dass auch in diesem Bereich

handeln nottut. Und zwar eben jetzt.

Milliarden verschieben

Der aktuelle Vorschlag stammt von der

Kommission für soziale Sicherheit und

Gesundheit des Nationalrats (SGK-N). Darum

gehts: Heute werden ambulante Leistungen

komplett durch die Krankenversicherungen

gedeckt, also über Prämien.

Leistungen im stationären Bereich tragen

zu mindestens 55 Prozent die Kantone

und zu maximal 45 Prozent die Versicherer.

Nach dem Willen der SGK-N würden

die Krankenkassen künftig alle ambulanten

und stationären Behandlungen vergüten

(ausgenommen die Langzeitpflege).

Die Kantone wiederum sollen an die Kosten,

die ihnen nach Abzug von Franchise

und Selbstbehalt der Versicherten verbleiben,

einen Beitrag von mindestens 25,5

Prozent leisten. Dieser Prozentsatz, im

Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2015 rund

7,5 Milliarden Franken, sei so festgelegt,

dass der Wechsel zur einheitlichen Finanzierung

für die Kantone wie die Versicherer

insgesamt kostenneutral ausfällt. Sagt

die Kommission.

Verhärtete Fronten

Doch schon in ihren Reihen prallten die

Meinungen hart aufeinander. 15 Mitglieder

stimmten dem Entwurf zu, sieben

lehnten ihn ab. Eine Minderheit aus SP-

Vertreterinnen will im Parlament nicht

auf das Projekt eintreten. Es schaffe neue

Fehlanreize und verpflichte die Kantone

zur Mitfinanzierung von ambulant erbrachten

Leistungen, ohne dass sie den

ambulanten Bereich steuern und die

Rechnungen kontrollieren könnten. Eine

andere, bürgerliche Minderheit möchte

die Kantonsgelder den Versicherern nicht

aufgrund der entstandenen Kosten zuweisen,

sondern als Pauschalbetrag pro

Versichertem. Im Verbund mit dem Risikoausgleich

führe dies dazu, dass die

Versicherer einen stärkeren Anreiz hätten,

sich für eine effiziente Versorgung einzusetzen.

Bei der einheitlichen Finanzierung medizinischer Leistungen geht es um die Umverteilung

von Steuergeldern. So viel steht fest – vieles andere jedoch noch überhaupt nicht.

(® Stockfotos-MG/Fotolia.com)

Bis Mitte September lief die Vernehmlassung

zum Kommissionsentwurf. Auch der

VSAO reihte sich unter die Kritiker ein –

obschon er EFAS grundsätzlich begrüsst.

«Aus unserer Sicht gehört die gesundheitliche

Grundversorgung der Bevölkerung

zum Service public», sagt Verbandsvize-

Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

7


POLITIK

präsidentin Patrizia Kündig. So gesehen

weise das Projekt der SGK-N gravierende

Mängel auf. Zwar sei es richtig, die einheitliche

Finanzierung medizinischer

Leistungen als Massnahme mit Potenzial

zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen

zu betrachten – sie könne in der Tat

zur Beseitigung von Fehlanreizen beitragen.

«Die Kommission konzentriert sich

aber einseitig auf eine rechnerische Umverteilung

von Mitteln von den Kantonen

zu den Versicherern. Andere zentrale Faktoren

insbesondere medizinischer und

politischer Natur werden ausser Acht gelassen.»

Wo bleibt die Medizin?

Der VSAO erachtet es als wichtig, dass sich

die Ärztinnen und Ärzte beim Entscheid

über eine ambulante oder stationäre Behandlung

einbringen können. Im Zweifelsfall

muss ihre fachliche Beurteilung

den Ausschlag für den Entscheid geben.

Zulassungssteuerung: Fortsetzung des Providuriums?

An ihrer vorletzten Sitzung hat sich die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats

(SGK-N) zur künftigen Zulassungssteuerung beraten (vgl. «VSAO-Journal» Nr. 4 vom August

2018). Dazu fand eine breite Anhörung statt, zu der Vertretungen der Kantone, der Ärzteschaft – darunter

der VSAO –, der Spitäler, Apotheker, Patienten und Versicherer eingeladen waren. Im Anschluss

beschloss die SGK-N eine parlamentarische Initiative, um die Geltungsdauer der aktuellen Zulassungsbeschränkung

vorsorglich um weitere zwei Jahre zu verlängern, d.h. bis 30. Juni 2021.

Grund: Die Kommission will die Vorlage des Bundesrats zur Zulassung im Zusammenhang mit ihrem

Entwurf zur einheitlichen Finanzierung der Leistungen im ambulanten und im stationären Bereich

(EFAS, siehe Hauptartikel) beraten. Mit der Initiative will sie verhindern, dass die bestehenden Zulassungsbeschränkungen

Mitte 2019 ersatzlos auslaufen und in der Übergangszeit bis zur definitiven

Regelung viele Ärzte auf den Markt drängen.

Mehr zum Thema: www2.vsao.ch, Rubrik Gesundheitspolitik/Zulassungssteuerung

www.medizin-statt-bürokratie.ch

Die zweite Welle der VSAO-Kampagne «Medizin statt Bürokratie!» läuft. Seit wenigen Wochen ist die

neue Spezialwebsite unter www.medizin-statt-bürokratie.ch online. Dort erfährt man zum Beispiel

mehr über die Standaktion des Verbands während der Herbstsession, erhält gute Lösungsbeispiele aus

der Praxis und neue Give-aways. Viel Spass beim Entdecken und Weitererzählen – und danke für die

Verlinkung auf eigenen Websites sowie Social-Media-Profilen!

PC statt Patient: Das ist die Realität in Schweizer Spitälern. Gerade junge Ärztinnen und

Ärzte sitzen heute mehr im Büro als am Krankenbett. So nicht, sagt der VSAO.

Mit der Kampagne «Medizin statt Bürokratie!» zeigt er Lösungen — konstruktiv und konkret.

Mehr unter www.medizin-statt-bürokratie.ch

Kündig unterstreicht: «Es darf nicht sein,

dass EFAS zu Einbussen bei der Behandlungsqualität

führt. Deshalb muss eine

Änderung des Systems – in welcher Form

sie auch erfolgt – von einer Evaluation

begleitet sein. Denn die Patientinnen und

Patienten sollten bei der Versorgung einen

Mehrwert haben.»

Ein weiterer Schwachpunkt sind die Kompetenzen.

Die Kantone sollen Einweg-

Pauschalüberweisungen leisten. Wie in

Zukunft ihre Mitsprache- und Mitwirkungsrechte

bei der Gesundheitsversorgung

sowohl im ambulanten als auch im

stationären Bereich aussehen, ist ungeklärt.

Klar wäre allerdings, dass die Macht

der Krankenversicherer (nochmals) gestärkt

würde. «Damit sind wir nicht einverstanden»,

erklärt Patrizia Kündig.

«Denn wo bleiben da die demokratischen

Kontrollmöglichkeiten bei der Verwendung

der Steuergelder?»

Keinen Kuhhandel bitte

Ebenso ablehnend steht der VSAO der Idee

gegenüber, die Kantone für EFAS zu gewinnen,

indem das Geschäft mit der Neuregelung

der Zulassung zum Arztberuf

verknüpft und bei Letzterer die kantonalen

Kompetenzen erweitert werden – quasi

als Kompensation. «Eine Mitfinanzierung

der ambulanten Leistungen durch

die Kantone muss mit einem angemessenen

Instrumentarium zur direkten Mitsteuerung

einhergehen. Und Mitfinanzierung

bedeutet eine duale Finanzierungslösung

und keinen Monismus der Krankenkassen»,

so die Vizepräsidentin.

Zu guter Letzt: Zwar argumentiert die

SGK-N, dass sie die Verlagerung von statio

när zu ambulant fördern möchte und

ambulante Behandlungen in der Regel

günstiger seien. Was das Kostenwachstum

bremse. Nähere Angaben oder gar Zahlen

zum kostendämpfenden Potenzial des

Modells fehlen aber. Dessen Auswirkungen

auf die Krankenkassenprämien, die

zu begleichen für immer mehr Menschen

zur Herausforderung wird, sind also mit

einem grossen Fragezeichen zu versehen.

Ebenso die Konsequenzen für die Kantonskassen.


Mehr zum Thema: www2.vsao.ch,

Rubrik Stellungnahmen/Positionen

8 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


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POLITIK

Auf den PUNKT gebracht

Wer definiert den Notfall?

Diesen Frühling wurde in den Medien

über einen Todesfall berichtet, der mich

heute noch betrübt und wütend macht.

Letztes Jahr verstarb im Kanton Graubünden

ein Mann an Aids, weil die Krankenkasse

die Gesuche um Übernahme der

Behandlungskosten mehrmals abgelehnt

hatte. Wie kann es so weit kommen, dass

heutzutage in der Schweiz jemand an einer

Krankheit stirbt, mit der man ein

nahezu normales Leben mit üblicher Lebenserwartung

führen kann, sofern sie

medikamentös behandelt wird?

Der Patient stand auf der kantonalen

«schwarzen Liste für säumige Prämienzahler».

Auf dieser Liste werden Menschen

aufgeführt, die auch nach Betreibung und

Lohnpfändungen ihre Krankenkassenprämien

nicht bezahlen können, also

Angelo Barrile

Nationalrat /Vizepräsident VSAO

diejenigen, bei denen es kein Geld mehr

zu holen gibt. Es handelt sich folglich

nicht um Personen, die nicht zahlen

möchten, sondern schlicht und einfach

nicht mehr dazu in der Lage sind. Bei

Betroffenen dürfen in Kantonen mit solchen

Listen nur Notfallbehandlungen

stattfinden. Das erklärt, warum ein chronisch

kranker Mann mehrmals um die

Bezahlung der für sein Überleben notwendigen

Medikation gebeten, die Krankenkasse

dies jedoch mit Verweis auf einen

nicht vorliegenden Notfall abgelehnt hat.

Als dann der lebensbedrohliche Notfall

eintrat, war es zu spät.

Wenn ich mir vorstelle, was es für das involvierte

medizinische Personal und die

Kranken bedeutet, hilflos zuschauen zu

müssen, wie eine nicht mal so teure Behandlung

verweigert wird, schaudert es

mich. Der hippokratische Eid verkommt

so zur Farce. Seit der Einführung des KVG

vor über 20 Jahren gilt in der Schweiz das

Prinzip, dass niemandem wegen finanziel

ler Probleme die notwendigen medizinischen

Leistungen verweigert werden

sollen. Und trotzdem kommt es immer

wieder vor, dass in Kantonen mit schwarzen

Listen genau dieses Prinzip und das

verfassungsmässige Recht auf Leben wegen

eines administrativen Entscheids

verletzt werden. Das darf einfach nicht

sein!

Wir wissen alle, dass gewisse Erkrankungen

frühzeitig behandelt werden müssen

und können, damit es später nicht zu

Komplikationen und dadurch zu Mehrkosten

und mehr Leiden kommt. Es ist

auch meine ärztliche Pflicht als behandelnder

Arzt, dem Patienten nicht zu

schaden. Wenn ich zum Zuschauen gezwungen

und damit zum Komplizen der

Leistungsverweigerung gemacht werde,

kann und darf ich das nicht akzeptieren!

Folglich ist es richtig, dass die behandelnden

Ärztinnen und Ärzte mehrere Gesuche

an die Krankenkasse geschrieben

haben. Und es entspricht leider dem Gesetz,

dass Letztere eine solche Behandlung

nicht übernehmen musste. Anstatt uns

aber zu fragen, wer nun die Schuld trägt,

sollten wir als Ärztinnen und Ärzte lieber

unsere Konsequenzen ziehen. Das heisst:

einerseits die Verweigerung der Behandlung

verweigern und andererseits dafür

kämpfen, dass sich solche tragischen und

unnötigen Fälle nicht mehr ereignen. Wir

müssen unsere Stimme erheben – stellvertretend

für die kranken Menschen, die

sich nicht wehren können – und den

Krankenkassen, der Politik sowie der Bevölkerung

in Erinnerung rufen, worum es

in der Medizin geht. Wir retten Leben,

behandeln Krankheiten, betreiben Prävention

und setzen uns für das Wohl unserer

Patientinnen und Patienten ein.

Denn wo soll das sonst hinführen, wenn

ich als Hausarzt dazu gezwungen werde,

mir bei jedem Patienten zu überlegen, ob

er schuld ist an seiner Situation oder

nicht? Und ich dann je nach Antwort entscheiden

muss, ob ich alle Therapiemöglichkeiten

ausschöpfen oder ihn mit einer

Minimalmedizin bestrafen soll? ■

10 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

«Es steht und fällt mit

den Menschen»

Dina-Maria Jakob als Schreinerin? Doch, kann sie sich vorstellen. Aber höchstens nebenbei,

fürs Kreative. «Denn ich habe das Privileg, jeden Tag eine Arbeit zu tun, die ich will»,

erklärt die Pädiaterin. Mit ihr startet die neue Journal-Serie «Ich als Assistenzärztin», eine

Mischung aus Porträt und Blick auf die Weiterbildung früher und heute.

Marcel Marti, Leiter Politik und Kommunikation/stv. Geschäftsführer VSAO

Wer sich mit Dina-Maria Jakob unterhält,

hört von ihr immer wieder das Wort

Mensch. Alles stehe und falle letztlich mit

den Personen, lautet die Lebenszwischenbilanz

der 37-Jährigen. Sowohl in Bezug

auf ihren eigenen Karriereweg zur Pädiaterin

als auch allgemein, wenn die Rede

von der Weiterbildung ist. Wobei Karriere

die Sache nicht wirklich trifft. Denn geplant

war im Berufsleben der gebürtigen

Thunerin eigentlich gar nichts – oder

wenigstens nicht so, wie es nun gekommen

ist.

Frau Jakob, Ärztin – ein

Traumberuf schon für die

junge Dina?

Gar nicht, nein: Ich sah mich nie im weissen

Doktorkittel. Nach dem Gymnasium

habe ich Betriebswirtschaft und im Nebenfach

Sport zu studieren begonnen.

Doch diese Wahl erwies sich als falsch –

ich fand es langweilig. Ausser die Anatomievorlesung

im Sport. Sie war der Auslöser,

zur Medizin zu wechseln.

Von der Welt der Zahlen in die

des Menschlichen und allzu

Menschlichen? Von aussen

gesehen ein radikaler Bruch.

Auch aus der Innensicht. Rasch habe ich

aber festgestellt, dass mich alles in der

Medizin interessiert, weil es das Leben ist,

etwas Fassbares, das immer mit uns als

Menschen zu tun hat.

Und Sie begannen sich

speziell für die Pädiatrie

zu interessieren?

Nein, das lief ebenfalls anders. Ich wollte

in die Allgemein- oder Innere Medizin.

Das erste Jahr nach dem Staatsexamen

2008 absolvierte ich als Internistin in der

Herz- und Gefässchirurgie des Berner Inselspitals.

Dann folgten fünf Assistenzjahre

in der Pädiatrie, wieder in der Insel und

im Freiburger Kantonsspital. Ja, und anschliessend

legte ich in diesem Gebiet die

Facharztprüfung ab.

Wann und wie hat es auf

diesem Weg bei Ihnen Klick

gemacht?

Entscheidend waren meine erste Vorgesetzte

in der Herz- und Gefässchirurgie

und mein aktueller Chef, damals mein

Doktorvater. Beide sah und sehe ich fachlich

wie persönlich als Vorbilder. Sie verstanden

es, mich nebst meiner eigenen

Neugier zu motivieren und mitzureissen.

Zudem merkte ich bei der Arbeit in der

Pädiatrie, dass Kinderärzte menschlicher

sind. Und Kinder sprechen mich mit ihrer

Naivität, Spontaneität und Ehrlichkeit an.

Heute ist Dina-Maria Jakob erneut im

Inselspital angestellt, als Oberärztin in

der Kinderkardiologie. Nach der Facharztprüfung

brach sie allerdings erst

mal in neue und gefährliche Gefilde

auf: in den Tschad und den Irak, beides

für «Ärzte ohne Grenzen». Sie habe den

Menschen dort mit ihrer medizinischen

Als Assistenzärztin werde einem nicht alles auf dem Serviertablett serviert –

man müsse sich die Informationen auch selber suchen, sagt Dina-Maria

Jakob. «Und sich bewusst sein, dass man bei seinem Berufsweg viel selber

bestimmen kann.» (® Inselspital Bern)

Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

11


WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

Tätigkeit etwas geben, etwas schenken

wollen. Aus Dankbarkeit für das sichere

und gute Leben in der Schweiz, das

nicht selbstverständlich sei. «Ich habe

bei diesen rund einjährigen Einsätzen

gelernt, dass das Leben in anderen

Kulturen einen anderen Stellenwert

besitzt als bei uns. Wenn dort ein Kind

stirbt, stirbt es eben – man kann ja

wieder eins haben. So denkt man.»

Man müsse die Welten dort und hier

aber voneinander trennen, in der

Wahrnehmung wie in der Bewertung.

Man dürfe nicht überall und für alles

dieselben Massstäbe anlegen.

Apropos Bewertung und Inselspital:

Sie sprechen sehr positiv

über Ihre Vorgesetzten während

der Assistenzzeit. Gilt das

im Rückblick für die gesamte

Weiterbildung?

Die Einführung durch die erwähnte Leitende

Ärztin im ersten Assistenzjahr war

in der Tat sehr gut. Ich habe ihr Herzblut

für die Sache gespürt, wurde von ihr an

der Hand genommen und geführt, hatte

aber zugleich auch viele Freiheiten und

Entscheidungskompetenzen. Vor den

Nachtschichten – 14 Stunden, in denen

ich in der Herz- und Gefässchirurgie die

alleinige Verantwortung für 30 bis 40 Patienten

trug – gab es eine gute Übergabe.

Meine Chefin nahm sich immer die dafür

nötige Zeit. Und bei Fragen durfte ich sie

nach Feierabend ohne Aussicht auf Tadel

anrufen. Der Oberarzt war ebenfalls mit

Rat und Tat da. Deshalb meine Überzeugung:

Es steht und fällt mit den Menschen.

Zudem hat man immer die Wahl.

Man muss sich in der Weiterbildung bewusst

sein, dass man bezüglich des künftigen

Berufswegs viel selber bestimmen

kann.

Diese Selbstbestimmung: Wie

setzt man sie durch? Sie waren

ja in der Weiterbildung nicht

die einzige Assistenzärztin.

Erstens ist es wichtig zu erkennen, dass

einem nicht alles auf dem Silbertablett

serviert wird. Man muss sich die Informationen

suchen, dann erhält man sie auch.

Gut, da muss man halt manchmal ein

bisschen penetrant sein. Aber sonst lernt

man nichts. Zweitens sollte man zeigen,

dass man verantwortungsbewusst ist, die

Verantwortung erkennt und übernehmen

will. So wird man als Person wahrgenommen

und bleibt nicht einfach eine Nummer.

Hat Ihnen das Studium als

Vorbereitung auf die Arbeit

im Spital geholfen?

Nicht wirklich. Man ist nicht auf das vorbereitet,

was einen erwartet. Aber das ist

auch nicht möglich. Wenn man nachts

bei einem frisch operierten Herzpatienten

zum ersten Mal die Batterie des provisorischen

Herzschrittmachers wechseln muss,

ist das einfach ein Moment, in dem das

Leben an einem seidenen Faden hängt

und die Nerven flattern. Andererseits gab

es im Studium schon Dinge, die fehlten

und die man hätte machen müssen. Kurse

zur Kommunikation etwa oder zum

Umgang mit seinen Ängsten. Oder der

Hinweis, dass man als Ärztin gut organisiert

sein sollte. Das habe ich mir selber in

der praktischen Arbeit angeeignet.

Dina-Maria Jakob sagt, sie habe durch

ihren Job das Privileg, das machen zu

können, was sie wirklich wolle und ihr

gefalle. Sie gehe jeden Tag gerne arbeiten.

Okay, auch in der Medizin drehe

sich immer mehr um Finanzen und

Zahlen und weniger um den Menschen.

Leider. Trotzdem: Etwas anderes

möchte sie nicht. Ausser sich vielleicht

mal in einer Schreinerei ausprobieren.

Natürlich nur als Hobby.

Sie sagt es, wie sie alles sagt bei diesem

Interview: klar, knapp, schnörkellos.

Genauso tritt sie als Mitglied im Geschäftsausschuss

des VSAO auf. Nicht als

Vielrednerin, die zu allem und jedem

etwas weiss oder zu wissen meint.

Umso mehr hört man zu, wenn sie sich

äussert. Dann stets eloquent. Manchmal

mehr nach Bauchgefühl und unverblümt

als nach Abwägung sämtlicher

Für und Wider. Man spürt dabei

ihren Drang, dass es vorangeht, in der

Diskussion wie in der diskutierten Sache.

Selbst jetzt, im Zweiergespräch,

wenn sie in ihren Erinnerungen kramen

oder sich die Antwort zurechtlegen

muss: Alles passiert rasch, und ihr aufmerksamer

Blick wendet sich sogleich

wieder neugierig dem Fragesteller zu:

Was kommt als Nächstes?

Die Administration in den Spitälern wächst und wächst. Vieles werde doppelt und dreifach

erfasst – man wolle sich rechtlich absichern, erzählt die Kinderkardiologin. «Früher war

alles auf Papier, nun ist es mehr und mehr elektronisch – und dennoch druckt man sich

alles aus.» (® BillionPhotos.com)

Bei all dem Positiven: Es dürfte

in Ihrer Weiterbildung auch

Tiefpunkte gegeben haben.

Die gabs, ja. Zum Beispiel mein zweites

Assistenzjahr, nach dem Wechsel von der

Herz- und Gefässchirurgie in die Pädiatrie.

Da habe ich mich zunächst wie ein

kleines Mädchen gefühlt, das nichts selber

entscheiden kann. Es wäre in dieser Situation

hilfreich gewesen, wenn mir jemand

vermittelt hätte, was es alles an Berufswe-

12 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

gen gibt. Dies sollte frühzeitig geschehen,

weil man es so früh noch nicht selber

weiss. Negativ erlebt habe ich zudem, dass

die Chefs Bewerbungsgespräche mit Kandidaten

für Assistenzstellen hatten, ohne

sich darauf vorzubereiten. Auch der Unterricht

für die Studierenden wurde nicht

geplant. Solche Dinge hatten für viele

Vorgesetzte keinen Stellenwert, angesichts

von vermeintlich Wichtigerem wie der

Forschung.

Wie sah es mit den Arbeitszeiten

und Teilzeit aus?

Damals war noch die Zeit mit Schichten

von zwei bis drei Wochen am Stück. Für

mich persönlich kein Problem; ich hatte

ja danach eine Woche frei. Doch ich weiss,

wie andere darunter gelitten haben. In der

Herz- und Gefässchirurgie gab es nur wenige

Mitarbeitende in Teilzeit. Die Männer

waren in der Mehrheit, und wir sprechen

von der Chirurgie, wo häufig besonders

lange gearbeitet wird. Es herrschte und

herrscht die Meinung, wer früher geht, sei

kein guter Arzt. Mit dem Gesamtarbeitsvertrag

im Kanton Bern ist es wesentlich

besser geworden. Meine Arbeitswoche

dauert bei einem Vollzeitpensum 46 Stunden,

verbunden mit 30 Tagen Ferien. Ich

bin derzeit zu 90 Prozent angestellt.

In der Kinderklinik dürfte die

Mentalität eine etwas andere

sein als bei den Chirurgen.

Dort gibt es seit einigen Jahren mehr Teilzeitstellen,

auch bei den Oberärztinnen,

das stimmt. Allerdings erinnere ich mich

noch an die grossen Debatten, als sich

zwei Assistenzärztinnen eine Stelle teilen

wollten. Und es ist überhaupt nicht so,

dass Frauen als Vorgesetzte immer Verständnis

haben für das Bedürfnis nach

Teilzeit.

Stichwort Administration: zwei

Drittel der Zeit im Büro, ein

Drittel am Krankenbett – eine

«Ich als Assistenzärztin»

In seiner neuen Serie lässt das «VSAO-Journal» Assistenzärztinnen

und -ärzte zu Wort kommen – frühere wie

heutige, mit verschiedenen Biografien und aus allen

Teilen der Schweiz. Die Artikel sollen ein vielschichtiges,

weil persönliches Bild der Weiterbildung und beruflichen

Laufbahnen zeichnen. Sind Sie interessiert, mitzumachen?

Dann schreiben Sie bitte an marti@vsao.ch.

Aufteilung, die Sie aus Ihrem

Alltag kennen?

Ich kann es für mich nicht beziffern. Sicher

ist: Die Administration wächst und

wächst. Vieles wird doppelt und dreifach

erfasst – man will sich rechtlich absichern.

Zu Beginn meiner Laufbahn war

noch vieles auf Papier, nun ist es mehr

und mehr elektronisch – und dennoch

druckt man sich alles aus. Faxgeräte,

sonst fast überall aus der Arbeitswelt verschwunden,

stehen nach wie vor hoch im

Kurs. Ein weiterer Punkt sind die unzähligen

Telefonate, weil Datenerfassungssysteme

nicht kompatibel sind.

Bemerken die Patienten die

Leerläufe hinter den Kulissen?

Ja. Aufmerksame Patienten realisieren

Doppelspurigkeiten und die unzureichende

interne Kommunikation, wenn sie fünf

Personen im weissen Kittel über das Gleiche

informieren oder sich zwei widersprechen.

Nach wie vor wird die administrative

Flut jedoch in den Spitälern nicht als

dringendes Problem wahrgenommen.

Daher ist es richtig, dass der VSAO mit

seiner Kampagne «Medizin statt Bürokratie!»

den Finger auf die wunden Punkte

legt und Gegensteuer gibt.

Alles lässt sich nicht ändern. Zumindest

nicht sofort. Umso wichtiger ist es, beim

Blick zurück und auf die nächste Ärztegeneration

die Ansatzpunkte zu erkennen.

Zuerst bei sich. Dina-Maria

Jakob erklärt, sie habe damals als Assistenzärztin

etwas erst spät realisiert:

dass sich ihr nie mehr in ihrem Berufsleben

eine solche Gelegenheit bieten

wird, in derart zahlreiche medizinische

Bereiche hineinzuschauen. Vielleicht

hätte sie die Hauptpersonen in ihrem

beruflichen Umfeld, von denen sie profitieren

durfte, noch mehr ausfragen

sollen.

Und was ist Ihre Haupterkenntnis

auf die Weiterbildung

allgemein bezogen?

Ärztinnen und Ärzte, die ihr ganzes Herzblut

in die Medizin stecken und sich entsprechend

in der Weiterbildung engagieren,

muss man ehren, das muss man

honorieren. Sie gehören für mich mindestens

auf dieselbe Stufe wie die Forscher.

Und die Medizin darf nicht vergessen, dass

der Mensch im Zentrum steht – bereits

beim Staatsexamen nicht: Heute finden

die Prüfungen mit Puppen und Tablets

statt, bei mir seinerzeit mit echten Patienten.

Das ist zentral für die Empathie. Die

Weiterbildung braucht einfach mehr Gewicht,

etwa durch klare Abläufe und Vorgaben,

die eingehalten werden. Man

müsste die Assistenzärzte auch vermehrt

zu kritischem Denken und Hinterfragen

erziehen, wozu Erklärungen zu ihren

Rechten gemäss Arbeitsgesetz gehören.

Nicht zuletzt sollten sie genügend Kapazitäten

für das eigene Lernen haben. Und

ich denke an ganz simple Dinge wie konstruktive

Kritik und Lob – was selbstverständlich

sein sollte, ist zwischen Krankenbett

und Bürotisch zu oft Mangelware.

Womit wir beim Schlusssatz

wären. Bitte formulieren sie

ihn zu Ende: «Ich als Assistenzärztin

…»

… war immer schnell, direkt und eventuell

sogar ein wenig vorlaut – ohne über

sämtliche Folgen meiner Worte nachzudenken.


Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

13


WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

Laufbahnberatung ist angelaufen

«Coach my Career» nimmt Fahrt auf. Seit August finden die ersten Laufbahnberatungen von

erfahrenen Ärztinnen und Ärzten für den Nachwuchs statt – erst mal und testweise in der

Deutschschweiz. Die Projektverantwortlichen denken aber bereits an den Sprung über die Saane.

Marcel Marti, Leiter Politik und Kommunikation/stv. Geschäftsführer VSAO

Hinter «Coach my Career» steht die FMH

zusammen mit den Partnern VSAO, mfe,

VLSS, swimsa und SIWF. Das Angebot

richtet sich an Personen in der ärztlichen

Weiterbildung. Es soll den Zeitraum vom

letzten Studienjahr bis zur Oberarzttätigkeit

abdecken. Zur Förderung und Beratung

des Nachwuchses gesucht sind sowohl

kürzlich pensionierte als auch aktive

Chef- und Kaderärzte sowie Hausärzte.

Wichtig ist nebst dem fachlichen Beziehungsnetz

die Erfahrung in Weiterbildungsfragen.

Ein Mentee,

zwei Mentoren

Es gehe bei «Coach my Career» aber nicht

um verdeckte Rekrutierungsgespräche,

betont Jürg Unger-Köppel, Mitglied des

Zentralvorstands der FMH. «Deshalb werden

die Mentees stets von zwei Mentoren

betreut: von einem fachkundigen und einem

fachfremden.» Der Leiter des Departements

«Stationäre Versorgung und Tarife»

beim Ärztedachverband betreut das

Projekt seit dessen Start im vergangenen

Jahr. Und freut sich über die Zwischenbilanz:

«Bisher konnten wir zehn jungen

Ärztinnen und Ärzten zwanzig Coaches

zuteilen.» Dabei sind nicht nur die auf dem

Anmeldeformular gewünschten Beratungsschwerpunkte

massgebend. Die geografische

Nähe zum Beispiel spielt wenn

immer möglich ebenfalls eine Rolle.

Mit der Administration und Organisation

befasst sich Markus Gubler vom Verein der

Leitenden Spitalärzte der Schweiz (VLSS).

Der VLSS hat dazu auf seiner Website eine

eigene Rubrik aufgeschaltet. «Wir hoffen

natürlich nach dem guten Echo beim

Start, dass es nun neue Anmeldungen

gibt», so der Vereinssekretär. Vor einigen

Wochen hätten die Treffen zwischen Mentees

und Mentoren begonnen. Vorgesehen

sei im Normalfall ein einmaliges Gespräch

von maximal zwei Stunden Dauer.

«Dafür empfiehlt sich ein ruhiger, neutraler

Ort ausserhalb des Arbeitsumfelds.»

Wünschen es die Mentees und sind die

Coaches einverstanden, können auch Folgegespräche

vereinbart werden. Um zu

überprüfen, wie das Konzept ankommt,

erhalten die Teilnehmenden im Nachgang

einen Fragebogen. «Wir werden die Rückmeldungen

gezielt auswerten und falls

erforderlich Änderungen vornehmen»,

stellt Gubler in Aussicht.

Keine versteckte Rekrutierung,

sondern eine fachneutrale Beratung:

Das ist die Idee des Projekts

unter Federführung der FMH.

(® zvg)

Mit Herzblut statt

für Geld

Die Projektgruppe erwägt derweil schon,

die Laufbahnberatung auch in der Westschweiz

zu lancieren. Konkret entschieden

ist jedoch noch nichts. Fest steht hingegen,

dass «Coach my Career» weiterhin auf

Freiwilligenarbeit beruhen und folglich

eine Herzensangelegenheit der Mentoren

sein soll. Studierende bezahlen für eine

Beratung 50, Assistenzärzte 150 Franken.

«Nicht um Gewinn zu machen», präzisiert

Jürg Unger-Köppel, «sondern zur

Deckung der allgemeinen Unkosten.»

Falls am Ende Geld in der Kasse bleiben

sollte, werde der Betrag für einen wohltätigen

Zweck gespendet. ■

Feedback-Pool

(D)ein kleiner, aber wertvoller

Beitrag für eine gute

Weiter- und Fortbildung

Um im Bereich der ärztlichen Weiter- und Fortbildung Meinungen

unserer Mitglieder zu einem Thema einholen zu

können, wurde der Feedback-Pool eingerichtet.

Macht mit, und helft dem VSAO damit, den Horizont im Ressort

Weiterbildung etwas zu erweitern und Überlegungen

breiter abzustützen.

Weitere Infos unter www.vsao.ch und Anmeldung per E-Mail

an ribeaud@vsao.ch.

Deine Erfahrung zählt!

Visitationen bilden ein Element für das Überprüfen und Sicherstellen

der Weiterbildungsqualität an einer Weiterbildungsstätte.

Ein Visitationsteam, bestehend aus Vertretern des

SIWF, der entsprechenden Fachgesellschaft und des VSAO,

besucht die Klinik; vor Ort können die Umsetzung des Weiterbildungskonzeptes

und die Verhältnisse überprüft werden. Ziel

ist es, im Sinne einer positiv-konstruktiven Rückmeldung

mögliche Verbesserungspotenziale zu erkennen und zu nutzen.

Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte, die gerne für den

VSAO Visitationen begleiten möchten, melden sich bei Sabrina

Ribeaud, unserer Sachbearbeiterin für Weiterbildung/Visitationen

im VSAO (ribeaud@vsao.ch).

14 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

A B C D E F ...

a b c d e f ...

LESEN LERNEN

Balken ist nicht gleich Balken

Lukas Staub, klinischer Epidemiologe, Redaktionsmitglied des VSAO-Journals

Wissenschaftliche Publikationen und Vorträge

leben von guten grafischen Darstellungen

der Resultate, die uns einen

schnellen Überblick der Daten ermöglichen.

Der Typ der verwendeten Grafik

hängt dabei von der Art der Daten ab.

Bei kategoriellen Daten interessieren uns

die Häufigkeiten der möglichen Kategorien.

Diese werden meist mit Balkendiagrammen

dargestellt (Abbildung 1). In

unserem Beispiel repräsentiert die Höhe

jedes Balkens die absolute Häufigkeit einer

der vier Diagnosen. Die Balken berühren

sich nicht, da die Diagnosen voneinander

unabhängig sind.

Kontinuierliche Daten können wir mithilfe

von Histogrammen darstellen (Abbildung

2). Im Gegensatz zum Balkendiagramm

wird hier nur eine einzige Variable

gebraucht, die in Klassen eingeteilt

wird. Es entstehen konsekutive, nicht

überlappende Intervalle, die in der Regel

die gleiche Breite aufweisen. Die Fläche

der resultierenden Balken ist proportional

zu den Häufigkeiten der Klassen. Eine

gute Grafik zeichnet sich durch eine optimale

Wahl der Anzahl Klassen, Klassengrenzen

und Skalen aus. Um das Kontinuum

der Achse zu unterstreichen, berühren

die Balken sich.

Unabhängig von der Art der Grafik müssen

wir die Achsen immer exakt beschriften,

denn die Y-Achse kann absolute oder

relative Häufigkeiten darstellen. Je einfacher

eine Abbildung, umso klarer ist ihre

Aussage. Dreidimensionale Grafiken sind

in der Wissenschaft verpönt und nur dann

zulässig, wenn die dritte Dimension eine

zusätzliche Information enthält. ■

70

1. Balkendiagramm

60

Absolute Häufigkeit

50

40

30

20

10

0

Angina pectoris Myokardinfarkt Lungenembolie Pneumothorax

Diagnose

50

2. Histogramm

Relative Häufigkeit [%]

40

30

20

10

0

0–10 11–20 21–30 31–40 41–50 51–60

Alter [Jahre]

Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

15


WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

«Ärzte für Ärzte» für Menschen

in Nordsyrien

100 Ärzte in der Schweiz finanzieren eine Arztstelle in Nordsyrien: Das ist das Ziel von «Ärzte für

Ärzte». Mehr über das Projekt ist demnächst an einer Informationsveranstaltung im Raum Bern zu

erfahren – oder schon jetzt in diesem Artikel.

Marcel Marti, Leiter Politik und Kommunikation/stv. Geschäftsführer VSAO

Wer den Menschen im syrischen Bürgerkriegsgebiet

helfen will, sollte sich den

26. Oktober rot in der Agenda anstreichen.

Denn an besagtem Freitag orientiert der

Verein «delta – develop life through action»

Interessierte über sein Projekt «Ärzte

für Ärzte». Der Anlass findet um

19.30 Uhr in der «Heitere Fahne» in Wabern

bei Bern statt. «Seit Beginn des

Kriegs ist die medizinische Versorgung in

Syrien zusammengebrochen», erklärt

Vereinspräsidentin Monika Müller. Drei

Viertel aller Krankenhäuser seien zerstört,

die Hälfte der Ärzteschaft geflohen.

«Nordsyrien, das vom IS besetzt war, weist

die schlechteste Gesundheitsversorgung

im Land auf. Die verbliebenen Mediziner

verrichten ihre Arbeit für die lokale Bevölkerung

unter extrem schwierigen Umständen.»

Deshalb wolle man den dortigen

Berufskollegen beistehen. «Und das

geht nur über internationale Solidarität.

Zudem möchten wir den syrischen Ärzten

eine Perspektive geben, um eine weitere

Abwanderung und damit noch stärkere

Unterversorgung zu verhindern.»

1 Prozent für Dr. Basrawi

Die Hilfe erfolgt über direkte Lohnzahlungen,

Hilfsgüterlieferungen und den Wiederaufbau

von zerstörten Praxen. Gemäss

delta gab es bislang fünf Lieferungen von

Medikamenten sowie Labor- und medizinischem

Material im Gesamtwert von

34 000 Franken. «Seit Januar bezahlen

wir auch die Anstellung von Ali Basrawi,

einem Doktor aus Kobane», führt Müller

aus. «Nach seiner Flucht nach Deutschland

entschied er sich, quartalsweise in

seine Heimat zurückzukehren und dort

zu praktizieren. Er ist Orthopäde und hat

während seiner Einsätze über 1000 Patienten

behandelt und mehr als 100 Operationen

durchgeführt.» Am erwähnten

Informationsanlass Ende Oktober werde

er über seine Arbeit vor Ort berichten.

Im Norden Syriens wütete die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). Die Folgen

für die Zivilbevölkerung waren und sind verheerend – auch aus medizinischer

Sicht. (® Verein «delta»)

Nun sucht das Projekt in der Schweiz 100

Ärzte, die 2019 ein Prozent ihres Lohns

spenden und so das 100-Prozent-Stellenpensum

von Basrawi zu deutschen Konditionen

finanzieren. Vielleicht lässt sich

die Unterstützung sogar ausdehnen:

«Wenn jeder und jede von uns 50 Franken

im Monat beiträgt, würde es schon für drei

bis fünf syrische Ärzte reichen. Diese ver-

16 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


WEITERBILDUNG / ARBEITSBEDINGUNGEN

dienen etwa 800 Franken monatlich»,

rechnet die Vereinspräsidentin vor.

Der Appell für die gute Sache trägt erste

Früchte: Aktuell liegen drei verbindliche

Rückmeldungen für ein persönliches

und/oder finanzielles Engagement vor.

Aber es brauche mehr, heisst es bei delta.

Denn bis jetzt stehen das sechsköpfige

Projektteam sowie einzelne Mitglieder für

die Kosten gerade. Davon wurde ein Teil

ergänzend durch kleinere Fundraising-

Kampagnen und zweckneutrale Spenden

gedeckt. «Wir sind also dringend auf weitere

Unterstützung angewiesen», sagt

Monika Müller.


Der Verein delta

«delta – develop life through action» ist ein 2011 gegründeter gemeinnütziger Verein

in Bern. Er unterstützt Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status. Derzeit

laufen dazu sieben Projekte in den Bereichen Medizin, Soziales und Bildung, darunter

«Ärzte für Ärzte».

Der Verein zählt 28 Mitglieder und acht freiwillige Mitarbeitende, die alle ehrenamtlich

tätig sind. Auch neun Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte machen mit.

Gemäss Statuten kann bei delta jede Person Mitglied werden, dies nach Einreichung

eines kurzen Motivationsschreibens und Wahl durch den Vorstand. Der Mitgliedschaftsbeitrag

beläuft sich auf 100 Franken jährlich und dient der Bestreitung der

administrativen Kosten. «delta» ist steuerbefreit; Spenden lassen sich somit von den

Steuern abziehen.

Mehr unter www.delta-ngo.ch

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Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC 17


VSAO

SEKTION AARGAU

Relative

Minuszeiten

Im Umgang mit Spitälern erleben wir als

Sektion teilweise Situationen, bei denen

man nur staunen kann, wie mit Mitarbeitern

umgegangen wird. Als Beispiel ist

nachfolgend die anonymisierte Korrespondenz

einer Assistenzärztin mit einer

Rehabilitationsklinik abgebildet. Die Assistenzärztin

hatte aufgrund eines personellen

Engpasses auf Bitten ihres Chefarztes

auf den Bezug zweier Ferientage verzichtet

und stattdessen gearbeitet. Es war

abgemacht, dass ihr diese zwei Ferientage

dafür ausbezahlt würden, da ihr Arbeitsverhältnis

endete. Entgegen dieser Abmachung

versuchte die Rehabilitationsklinik

dann aber, das Ferienguthaben mit dem

negativen Zeitsaldo bezüglich vertraglich

definierter Sollarbeitszeit von 50 Stunden

pro Woche nachträglich zu verrechnen,

d.h. nicht auszuzahlen. Da können wir

nur den Kopf schütteln.

Hinzu kommt: Der negative Zeitsaldo war

ohne Verschulden der Assistenzärztin entstanden.

An der Klinik sind die normalen

Arbeitstage nämlich mit jeweils 9 Stunden

hinterlegt. Seitens Arbeitgeber wird davon

ausgegangen, dass die Zeitdifferenz zur

vertraglich definierten Sollarbeitszeit von

50 Stunden durch zusätzliche Dienste an

den Wochenenden oder Tage mit Dienstarztfunktion,

die länger als normale Tage

dauern, abgebaut wird. Im Falle der betroffenen

Assistenzärztin entstand die relative

Minuszeit durch das Leisten der

normalen Arbeitstage wie vorgegeben. Die

im normalen Alltag entstandene relative

Minuszeit konnte durch den geplanten

Wochenenddienst und die langen Tage

mit Dienstarztfunktion nicht ausgeglichen

werden. An der Klinik entstehen relative

Minuszeiten auch im Rahmen von

Nachtdiensten aufgrund der darauf folgenden

Kompensationstage.

Relative Minuszeiten bezüglich definierter

Sollarbeitszeit können dann nicht dem

Mitarbeiter angelastet werden, wenn diese

ohne Verschulden des Mitarbeiters entstanden

und beispielsweise im Dienstsystem

begründet sind.


Philipp Rahm,

Co-Präsident der Sektion Aargau

Von:

Datum:

An:

Betreff: Re:

Chefarzt

Assistenzärztin

Liebe Frau Kollegin *

Obwohl ich die Gründe Ihrer Kündigung nachvollziehen kann, bedauere ich es sehr,

dass Sie die Klinik * vorzeitig verlassen. Ich schätze Sie persönlich sehr. Dass Sie bereit

sind, bis Ende März uns zur Verfügung zu stehen, schätze ich ebenfalls sehr. Ich habe

noch mit * vom Personaldienst gesprochen. Grundsätzlich wäre es tatsächlich so, dass

Ferien auch ausbezahlt werden können, falls die betrieblichen Gegebenheiten dies

erfordern. Mit dem krankheitsbedingten Ausfall von * sind wir personell momentan

wirklich sehr knapp; obwohl wir aktiv rekrutieren. Wenn es für Sie also in Ordnung

wäre, würden wir gerne Ihr Ferienguthaben auszahlen.

Überlegen Sie es sich in Ruhe. Sie würden uns damit sehr entgegenkommen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend

Freundliche Grüsse

Dr. *, Chefarzt

Von:

Datum:

An:

Betreff: Re:

Assistenzärztin

CEO

Sehr geehrter *

Von Januar bis März 2018 war ich in der Klinik * angestellt. Gegen Ende der Anstellung

habe ich auf Bitte von Dr. * aufgrund personeller Engpässe anstelle zweier Ferientage

gearbeitet. Er hat mir versprochen, dass die Ferientage ausbezahlt werden.

Seitens HR verweigert man mir aber trotz expliziter Abmachung die Auszahlung und

verrechnet das Ferienguthaben mit relativer Minuszeit bezüglich einer 50-Std.-Woche,

die aber nicht durch mich verschuldet ist, sondern dadurch zustande kommt, dass die

normalen Arbeitstage mit nur 9 Std. hinterlegt und geplant sind. Seitens HR wird

behauptet, es sei so geregelt, dass diese Minuszeiten durch zusätzliche Dienste bzw.

Mehrstunden durch Tagdienste oder Wochenenddienste aufgeholt werden müssten.

Da die Nichtauszahlung der Ferien und Begründung des HR gemäss meiner Rechtsauffassung

nicht korrekt ist, habe ich mich an unseren Berufsverband gewandt. Demgemäss

wäre es gesetzeswidrig, wenn bestehende relative Minuszeit durch z.B. zusätzliche

Dienste an Wochenenden aufgeholt werden müsste, da damit zwangsläufig die

Höchstarbeitszeitgrenze nicht eingehalten würde. Dem Mitarbeiter nicht durch ihn verschuldete

Minuszeit anzulasten, ist nicht korrekt. In meinem Fall sowieso nicht, da dies

anders vereinbart wurde. Dr. Philipp Rahm, Co-Präsident der Sektion Aargau, wird sich

separat noch bei Ihnen melden, da auch andere Punkte nicht korrekt sind.

Ich bitte Sie um Veranlassen der Auszahlung meines Ferienguthabens – wie mit Herrn

Dr. * vereinbart.

Freundliche Grüsse

Von:

Datum:

An:

Betreff: Re:

HR

Assistenzärztin

Sehr geehrte Frau *

Wir nehmen Bezug auf Ihre untenstehende Nachricht an * und teilen Ihnen in Rücksprache

Folgendes mit: Basierend auf Ihrem rechtsgültigen Arbeitsvertrag mit Festhaltung

der wöchentlichen Arbeitszeit, dem Arbeitszeitmodell für Assistenzärzte mit veranlasster

Information zu Beginn Ihrer Anstellung und unserem Zeiterfassungssystem

PEP, welches sämtliche Soll- und Ist-Stände korrekt und schlüssig abbildet, halten wir

von Seiten Unternehmens- und Geschäftsleitung sowie HR weiter an unserer Handhabung

fest. Wir nehmen jedoch zur Kenntnis, dass Sie nicht bereit sind, für diesen Betrag

aufzukommen und werden daher im Sinne eines grosszügigen Entgegenkommens

sowie ohne Präjudiz und Anerkennung einer Rechtsschuld auf den Betrag verzichten

und Ihnen die zwei Ferientage mit dem Juli-2018-Lohn entsprechend vergüten. Zuletzt

möchten wir festhalten, dass wir Ihre Aussagen im Rahmen von Vereinbarungen zur

Kenntnis nehmen, uns diese jedoch nicht bekannt sind.

Ihre Haltung und die Art Ihrer Kommunikation empfinden wir als wenig partnerschaftlich

und bedauern sie sehr.

Besten Dank für Ihre Kenntnisnahme und freundliche Grüsse

HR Klinik *

18 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


VSAO

SEKTION BASEL

Zähflüssige

GAV-Verhandlungen

in Basel

Das Thema «Spitalfusion» gewinnt in

Basel und Liestal spürbar an Lebendigkeit,

je näher die entscheidenden Schritte kommen,

die in die Zusammenlegung des

Unispitals Basel mit dem Kantonsspital

Basel-Land und dessen Standorte Liestal,

Bruderholz und Laufen münden sollen.

Gemäss dem Stand der Dinge vor Redaktionsschluss

dieser Ausgabe des VSAO-

Journals zeichnete sich ab, dass eine

Volksabstimmung im Februar 2019 in

beiden Basler Kantonen die grösste und

letzte Hürde vor einer konkreten Umsetzung

der geplanten Fusion bilden dürfte.

Dieses riesige Projekt, das in aller ersten

Linie dem Sparzwang im Gesundheitswesen

geschuldet ist, treibt – logischerweise

– auch den VSAO beider Basel seit geraumer

Zeit um. Er ist Teil einer Fachgruppe,

die aus je zwei Delegierten von fünf Berufsverbänden

und Gewerkschaften aus

den einschlägigen Berufen besteht. Diese

Kommission vertritt seit mehreren Monaten

die Arbeitnehmenden in den Verhandlungen

um einen neuen Gesamtarbeitsvertrag

(GAV) mit der Arbeitgeberseite, die

aus Führungskräften der Spitäler Basel

und Liestal besteht.

Auf der Tischseite der Arbeitgeber ist man

sich, so scheint es, schon bewusst, dass der

GAV-Verhandlungspartner auf der Arbeitnehmerseite

insgesamt rund 10 000 Menschen

aus den verschiedenen Spitalberufen

vertritt. Und damit auch eine beträchtliche

Anzahl potentiell Abstimmender im

kommenden Februar – ohne ein Ja der

Stimmbevölkerung wird es schlicht keine

Spitalfusion geben.

In beiden Kantonen, ausgeprägter aber sicher

im Stadtkanton, könnte es eng werden

und auf jede Stimme ankommen – womit

Parolen an die Mitglieder der fünf Verbände

einiges Gewicht haben werden. Minimalvoraussetzung,

den eigenen Mitgliedern

ein Ja zur Fusion zu empfehlen, wird

aber ohne Zweifel der neue Gesamtarbeitsvertrag

sein, den die Arbeitnehmerverbände

unter dem Strich akzeptieren können.

Nach einigen Verhandlungsmonaten mit

etlichen Sitzungen, an denen mitunter

auch um einen einzigen Begriff gerungen

wurde, ist eine Prognose, wann und in

welcher Form der neue GAV vorliegt, noch

sehr schwierig. Klar ist, dass am Ziel, den

GAV vor Ende 2018 mit klaren Verhandlungsergebnissen

vorlegen zu können,

nicht gerüttelt wird.

Aber ebenso ausser Zweifel steht, dass die

Verhandlungspartner in den ersten Monaten

nicht gut vorankamen. Entsprechend

war auch der Inhalt eines Mediencommuniqués,

das die Arbeitnehmervertretung

im August versandte und das der VSAO

seinen Mitgliedern auch als Newsletter

zukommen liess.

Darin liessen die fünf Verbände der Arbeitnehmerseite

unter anderem dies verlauten:

«… eine aussagekräftige Zwischenbilanz

zu den Verhandlungen ist nach

mehreren halbtägigen Sitzungen und

bei Halbzeit des geplanten Verhandlungs-Fahrplanes

noch nicht möglich,

da es für nahezu alle relevanten

Kernthemen wie Löhne, Arbeitszeiten,

Nachtarbeits-Zuschläge oder Kündigungsfristen

noch zweite Lesungen

benötigen wird. Dass die Verhandlungen

schleppend und zähflüssig verlaufen,

liegt nach Ansicht der Arbeitnehmer-Vertreter

zum einen an der Komplexität

der Thematik, zum andern an

den teils unterschiedlichen Berufsgattungen,

die im riesigen Gesundheitswesen

tätig sind. Und zum dritten, weil

die Arbeitnehmerverbände nicht akzeptieren

können, dass materielle Konsequenzen

der Fusion auf die Arbeitnehmenden

abgewälzt werden sollen …»

Und den Mitgliedern unserer VSAO-Sektion

sei an dieser Stelle zusätzlich Folgendes

bestätigt: Parallel zu den ordentlichen

GAV-Sitzungen verhandelt der VSAO Basel

mit Präsident Miodrag Savic und Geschäftsführerin

Claudia von Wartburg an

der Spitze mit den Arbeitgebern jene GAV-

Bereiche, die innerhalb der Spitalberufe

ausschliesslich Ärzte und Ärztinnen betreffen,

in zusätzlichen Gesprächen. ■

Josef Zindel,

Öffentlichkeitsbeauftragter

der Sektion Basel

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Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

19


VSAO

SEKTION BERN

Nora Bienz

arbeitet seit dem 1. September

20 Prozent für den VSAO Bern

An der Mitgliederversammlung im Frühling

2018 haben wir einen Aufruf lanciert

und eine Ärztin oder einen Arzt gesucht,

welche/r sich während eines Jahres im

Umfang von 20 Prozent im Bereich Öffentlichkeitsarbeit

und Kommunikation

für unsere Anliegen einsetzt. Erfreulicherweise

konnte unsere Präsidentin Nora

Bienz per 1. September 2018 ihr Pensum

im Spital reduzieren und diese Stelle übernehmen.

Diese Konstellation ist ideal und

erlaubt uns, viele Projekte intensiv voranzutreiben.

Die Umsetzung

der bezahlten Pause gestützt auf

Art. 3.6.1 Abs. 1 Ziffer c GAV

Im Gesamtarbeitsvertrag Berner Spitäler

und Kliniken (GAV) ist festgehalten, welche

Pausen vom Arbeitgeber zu bezahlen

sind. Diese Pausenregelungen geben mit

einer Ausnahme zu keinen Diskussionen

Anlass. Im Artikel 3.6.1 GAV Abs. 1 ist unter

Ziffer c festgehalten, dass bei einer

geplanten täglichen Arbeitszeit von mehr

als neun Stunden neben den beiden Kurzpausen

30 Minuten bezahlte Mittagspause

zu entschädigen sind. Dies unabhängig

davon, ob aus zwingenden dienstlichen

Gründen durchgehende Rufbereitschaft

angeordnet wurde oder nicht.

Der VSAO Bern hat sich mit den Arbeitgebern

darauf geeinigt, dass diese halbe

Stunde Mittagspause nicht zwingend als

Arbeitszeit gilt. Die halbe Stunde muss

aber 1:1 kompensiert oder ohne Zuschlag

ausbezahlt werden. Wir sind überzeugt,

dass dies eine faire Lösung ist und hoffen,

dass dieser Artikel nun in den dem GAV

angeschlossenen Spitälern flächendeckend

umgesetzt wird.

3.6.1. Bezahlte Pausen

1 Die Arbeit ist durch Pausen von folgender

Mindestdauer zu unterbrechen:

a. eine Viertelstunde bei einer geplanten

täglichen Arbeitszeit von mehr als

4 Stunden,

b. eine halbe Stunde bei einer geplanten

täglichen Arbeitszeit von mehr als

sieben Stunden; diese Pausenzeit wird

in zwei Pausen von je 15 Minuten

bezogen,

c. eine Stunde bei einer geplanten

täglichen Arbeitszeit von mehr als

neun Stunden. Diese Pause beinhaltet

zwei Mal 15 Minuten Kurzpause

und 30 Minuten Essenspause.

2 Pausen sind einzuplanen und zu beziehen.

Nicht bezogene Pausenzeit ergibt

keinen Anspruch auf Kompensation.

3 Wird aus zwingenden dienstlichen

Gründen durchgehende Einsatzbereitschaft

angeordnet, gelten alle Pausen

als Arbeitszeit.

4 Während der Nacht gelten alle Pausen

als Arbeitszeit.


Janine Junker,

Geschäftsführerin VSAO Bern

Kitaplatz gesucht – der VSAO hilft

Wenn Sie einen Betreuungsplatz für Ihr Kind suchen, denken Sie daran: Seit 2011 unterstützt

Ihr Verband Sie bei dieser zeitaufwendigen Aufgabe. Eine Anfrage mittels Online-Formular beim VSAO genügt und Sie

erhalten Informationen zu verfügbaren Plätzen in Ihrer Wunschregion und die entsprechenden Kontaktdaten

der Tagesstätten. Weitere wichtige Informationen und das Formular finden Sie unter der neuen Rubrik Arztberuf und Familie

auf der VSAO-Homepage www.vsao.ch.

20 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


VSAO

SEKTION ZÜRICH /

SCHAFFHAUSEN

Die Vision

der Mitgliedervernetzung

Seit Ende 2017 verfolgt der VSAO Zürich

hartnäckig die Vision, unseren Mitgliedern

einen geschützten digitalen Raum

anzubieten, in dem sie sich vernetzen

können. Etwas Ähnliches gibt es mit dem

deutschen Online-Ärztenetzwerk Coliquio,

einem digitalem Forum exklusiv für

Ärzte, welches den Austausch unter Kolleginnen

und Kollegen ermöglicht.

Nach zahlreichen Vorabklärungen und

einer Evaluation der Möglichkeiten durch

Kommunikationsexperten und unter Mithilfe

von IT-affinen Medizinern haben

wir im März 2018 mittels Umfrage das

Bedürfnis unserer Mitglieder abgeklärt.

Erstaunlicherweise nahmen 427 von unseren

4700 Mitgliedern an der Umfrage

teil, davon 49 Prozent Assistenzärzte und

51 Prozent Oberärzte. Auch wenn sich die

Befragten am Arbeitsplatz grundsätzlich

gut vernetzt fühlen und einen persönlichen

Kontakt bevorzugen, so würden

doch 84 Prozent der Befragten eine VSAO-

Plattform begrüssen.

Unsere Vision ist ein Forum, in welchem

einfach und rasch Informationen zu

Arbeitsbedingungen, real gelebter Weiterbildungskultur,

in Bezug auf bestimmte

Arbeitsstellen oder Spitalinternas

in Erfahrung gebracht werden können.

Ein Forum für den Austausch mit

Fachexpertinnen und -experten oder zur

Prüfungsvorbereitung zum Facharzt.

Also wertvolle Insiderinformationen von

Mitglied zu Mitglied, denn unser Knowhow

ist immens.

Durch die Umfrage in unserer Vision

bestätigt, haben wir im Frühling die

Arbeitsgruppe «Online-Plattform» gebildet

und sind nun in technische Sphären

eingetaucht. Wir haben ein Pflichtenheft

für das zu erarbeitende Forum

erstellt, befassen uns nun mit der inhaltlichen

Darstellung, dem Datenschutz

und dem Roll-out-Plan. Da das Projekt

anderes Know-how braucht als das vorhandene

medizinische und juristische

Wissen der Geschäftsleitung und der

operativen Führung, sehen wir uns stetig

neuen Herausforderungen gegenüber,

z.B.: Was kaufen wir an Expertise

ein, was eignen wir uns selber an? Ein

herausforderndes und interdisziplinäres

Projekt, das uns derzeit auf Trab hält.

Immer hin- und hergerissen zwischen

der potentiellen Erfolgsgeschichte und

den Zweifeln, ob das Ganze zum Fliegen

gebracht werden kann. Schliesslich wird

dieses Forum nur abheben, wenn es bei

Euch ankommt, Euch zur Partizipation

motiviert und Euch einen Mehrwert

bringt.


«Je üppiger die Pläne blühen, desto

verzwickter wird die Tat!»


(Zitat von Erich Kästner)

Jana Siroka (Präsidentin) und

Susanne Hasse (Geschäftsführerin)

COACHING

Arztberuf & Familie / Privatleben

Telefonische Beratung:

044 462 71 23 • info@und-online.ch

Wie bringe ich Familie, Freizeit und Beruf unter einen Hut? Wie steige ich nach der Babypause wieder ein? Wie

meistere ich die täglichen Herausforderungen? Antworten und Lösungsvorschläge auf diese und weitere Fragen

bietet der VSAO seinen Mitgliedern im Rahmen eines kostenlosen Coachings an. Die Beratung erfolgt telefonisch

durch die Fachstelle UND.

Erfahren Sie mehr über dieses Beratungsangebot des VSAO auf unserer Website www2.vsao.ch unter der Rubrik

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Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

21


VSAO

§

Rechtsberatung

Christian Bruchez,

Jurist der Sektion Genf

Eine Privatklinik stellt einen

Assistenzarzt an, damit

dieser die Weiterbildung

zur Erlangung des Schwerpunktes

für Ophthalmochirurgie

absolvieren kann.

Sein Arbeitsvertrag hält

fest, dass sich die mutmasslichen

Kosten für

diese Weiterbildung für

die Privatklinik auf

CHF 500 000.– belaufen.

Aufgrund dieser Kosten

beinhaltet der Arbeitsvertrag

eine Klausel, die besagt,

dass der Arzt verpflichtet

ist, nach

Erlangung des Schwerpunktes

weiterhin für eine

Dauer von vier Jahren für

die Privatklinik zu 100 Prozent

als Facharzt zu arbeiten.

Der Arbeitsvertrag beinhaltet

zudem eine

Klausel, wonach der Arzt

verpflichtet ist, die Kosten

dieser Weiterbildung in

Höhe von CHF 300 000.–

zurückzuerstatten, falls er

die Weiterbildung unterbricht

oder den Schwerpunkt

nicht erlangt. Im

Falle einer vorzeitigen Auflösung

des Arbeitsverhältnisses

aufgrund eines Rücktritts

oder einer fristlosen

Kündigung aus wichtigen

Gründen sieht der Arbeitsvertrag

eine Rückzahlungspflicht

der Weiterbildungskosten

in der Höhe von

CHF 300 000.– im ersten

Jahr, von CHF 225 000.– im

zweiten Jahr, von CHF

150 000.– im dritten Jahr

und von CHF 75 000.– im

vierten Jahr vor. Ist eine

solche Klausel zulässig?

Kann der Arzt, falls er nach

Erlangung des Schwerpunktes

für Ophthalmochirurgie

keine vier Jahre

in dieser Privatklinik weiterarbeiten

will, seinen Vertrag

kündigen, ohne die

Summe von CHF 300 000.–

zurückerstatten zu müssen?

Das Gesetz sieht vor, dass der Arbeitgeber

dem Arbeitnehmer alle durch die Ausführung

der Arbeit notwendig entstehenden

Auslagen zu ersetzen hat. Es präzisiert,

dass Abreden, wonach der Arbeitnehmer

die notwendigen Auslagen ganz oder teilweise

selbst zu tragen habe, nichtig sind

(Art. 327a Abs. 3 OR).

Allgemein hat der Arbeitnehmer die Kosten

für eine Ausbildung, die nicht in Zusammenhang

mit einem bestimmten

Arbeitgeber oder einem bestimmten Produkt

steht, selber zu tragen. Als solche

gelten Kosten für Ausbildungen, die dem

Arbeitnehmer einen dauerhaften Vorteil

auf dem Arbeitsmarkt verschaffen (beispielsweise

die Kosten einer universitären

Weiterbildung im Ausland zur Erlangung

eines Weiterbildungstitels). Wenn der Arbeitgeber

die Kosten einer solchen Weiterbildung

übernimmt, die grundsätzlich

vom Arbeitnehmer zu berappen sind,

kann er mit dem Arbeitnehmer eine Vereinbarung

abschliessen, in welcher sich

Letzterer verpflichtet, ihm im Falle eines

Rücktritts vor Ablauf einer bestimmten

Frist die Kosten ganz oder teilweise zurückzuerstatten.

Im vorliegenden Fall ist die Sachlage anders,

da die Privatklinik den Assistenzarzt

beschäftigt und dessen Weiterbildung sicherstellt.

Sie verlangt aber nicht die

Rückerstattung von effektiven Kosten, die

sie dem Assistenzarzt zwecks Finanzierung

einer Weiterbildung ausserhalb des

Spitals mit Nutzen für dessen berufliche

Zukunft vorgeschossen hat. Die Klinik

fordert die Rückerstattung der mutmasslichen

Kosten, die für sie durch diese Weiterbildung

in ihren Räumlichkeiten entstehen.

Wenn eine Klinik einen Assistenzarzt zum

Zwecke der Weiterbildung anstellt, sind die

Betreuung und Weiterbildung Teil der

Pflichten des Arbeitgebers, wie in einem

Lehrvertrag. Entsprechend muss der Chefarzt

oder der für die Weiterbildung verantwortliche

Arzt Gewähr für die Einhaltung

des vorgeschriebenen Weiterbildungsprogramms

bieten. Die Investition des Arbeitgebers

in die Weiterbildung wird zudem

bereits bei der Festsetzung eines gegenüber

einem Facharzt tieferen Lohnes berücksichtigt.

Daher können die Kosten, die

der Arbeitgeber aufgrund dieser internen

Weiterbildung vermutet, nicht mit den

effektiv von einem Dritten in Rechnung

gestellten Kosten für eine Weiterbildung

des Arbeitnehmers ausserhalb des Unternehmens

gleichgesetzt werden.

Aufgrund der Fakten und auch wenn diese

Frage bis heute noch nie vom Bundesgericht

beurteilt wurde, kann davon ausgegangen

werden, dass die im Arbeitsvertrag

vorgesehene Rückzahlungsverpflichtung

für angebliche interne Weiterbildungskosten

rechtswidrig ist. Falls der Arzt also

nach Erlangung seines Schwerpunktes

unter Einhaltung der vertraglichen Kündigungsfrist

seine Kündigung einreicht, kann

der Arbeitgeber meiner Meinung nach die

Zahlung der gemäss Vertrag vorgesehenen

CHF 300 000.– nicht einfordern. ■

22 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


VSAO

-INSIDE

Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte

Association suisse des médecins-assistant(e)s et chef(fe)s de clinique

Associazione svizzera dei medici assistenti e capiclinica

Patrizia Kündig

Wohnort: Bern

Im VSAO seit: 2013

Der VSAO für Dich in drei Worten:

tatkräftig, vernetzt, freundlich

Einem ihrer Hobbys kann sie auch beim

VSAO gut nachgehen: dem Lesen. Denn

Patrizia Kündig, zuvor Präsidentin der

Sektion Graubünden, sitzt seit letztem

Dezember im Geschäftsausschuss. Im

Juni übernahm sie im Verband zusätzlich

das zweite Vizepräsidium. In dieser Rolle

kann sich die 30-Jährige nicht über mangelndes

Aktenstudium beklagen. Zu verlieren

droht sie sich darin aber nicht –

ihre Ziele nämlich sind klar: «Ich will,

dass wir in der Medizin vom patriarchalischen

Ideal eines Arztes wegkommen, der

80 Stunden pro Woche schuftet. Was wir

brauchen, ist ein Arbeitsumfeld, in dem

sowohl der einzelne Patient als auch die

Ärztin in Weiterbildung ihren Stellenwert

haben.»

Patrizias Herzblut für Weiterbildungsfragen

und bessere Arbeitsbedingungen

fliesst schon lange. Genauer: «Seit meinem

Studium. Damals habe ich mich in

der swimsa engagiert. Der nächste logische

Schritt war das Engagement im

VSAO.» Dabei lerne sie viel über verborgene

Zusammenhänge und treffe spannende

Menschen. An beidem mangelt es

ihr allerdings auch bei ihrer aktuellen

Tätigkeit nicht. In ein, zwei Jahren will

die Assistenzärztin Anästhesiologie im

Inselspital Bern ihren Abschluss als

Fachärztin machen. Und ihren beruflichen

Weg anschliessend als Oberärztin

an einem mittelgrossen Spital fortsetzen;

«mit guter Work-Life-Balance», wie

sie augenzwinkernd unterstreicht. Denn

sonst würden ihre zwei anderen privaten

Leidenschaften, für die ihr der VSAO

keine Gelegenheit bieten kann, wohl auf

der Strecke bleiben – das Sporttreiben

und das Kochen.


Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

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29. – 31. Oktober 2018

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KARDIOLOGIE

9. – 10. November 2018

14 h 1A Credits SGK / 15 Credits SGAIM

DIABETES

15. – 17. November 2018

21 Credits SGAIM / 21 Credits SGED /

6 Credits SVDE

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16. – 17. November 2018

16 Credits SGMO / 16 Credits SGH /

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30. Nov. – 1. Dez. 2018

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4. – 7. Dezember 2018

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FOKUS ENERGIE

Erfolg beginnt im Kopf

Muskeln kann man trainieren, die mentale Stärke genauso. Die Erkenntnisse und Techniken der

Sportpsychologie helfen nicht nur Sportlern, ihre Ziele zu erreichen und mit Rückschlägen

umzugehen. Sie unterstützen alle, die sich besser fokussieren und motivieren wollen und die

länger durchhalten möchten. Das Spektrum der Sportpsychologie reicht deshalb weit über

Trainingsräume und Arenen hinaus.

Romana Feldmann, lic. phil., Fachpsychologin für Sportpsychologie FSP

Immer häufiger wird der Kopf als Faktor

genannt, welcher im Spitzensport über

Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Denn

nur ein möglichst optimales Zusammenspiel

von Physis und Psyche schafft die für

Siege nötigen Voraussetzungen. Mentale

Stärke ist jedoch nicht nur im Spitzensport

gefragt. Sportpsychologie dient auch zur

Unterstützung in der Verletzungsrehabilitation

oder kommt all jenen zugute, die

ihren Lebensstil zu mehr Bewegung hin

verändern möchten.

Alle Teile müssen passen

Laura ist professionelle Langläuferin. Ihre

Karriere verläuft erfolgreich, die zahlreichen

Trainings absolviert sie noch immer

mit viel Motivation und Leidenschaft.

Trotzdem war für sie klar, auch Mentaltraining

in ihren Alltag zu integrieren.

«Wenn du im entscheidenden Moment

nicht voll da bist und den Erfolg nicht um

jeden Preis willst, dann wirst du ganz

schnell nach hinten gereicht», berichtet

sie. Dank Mentaltraining hat sie beispielsweise

gelernt, wie sie im Wettkampf ihre

Aufmerksamkeit steuern oder mit dem

Druck gelassener umgehen kann. In regelmässigen

Sitzungen mit dem Sportpsychologen

hat sie aber auch ihren Lebensstil

überdacht und ihre Einstellung optimiert:

Nebst viel physischem Training

muss Laura auch auf eine ausgewogene

Ernährung achten, Zeit in soziale Medien

investieren, sich um Sponsoren kümmern,

sich vermarkten. Und irgendwann

sollte sie noch ihr persönliches Umfeld

pflegen. Das geht nur mit einem guten

Zeitmanagement, ausreichender und gezielter

Erholung und der Überzeugung,

dass der Sport Beruf und Leidenschaft

zugleich sein darf. Denn als Profisportlerin

hat sie einen 24-Stunden-Job, welcher

auch einen Grossteil der Freizeit in Anspruch

nimmt.

Für Laura gehört Mentaltraining genauso

wie das physische Training zu ihrem Alltag.

Das Coaching und ihre Übungen

würden ihre Persönlichkeitsentwicklung

positiv beeinflussen, sagt sie. Sie übernehme

mehr Verantwortung für ihr Denken,

Fühlen und Handeln. Das stärke auch ihr

Selbstvertrauen.

Negativspirale beenden

Nur in Ausnahmefällen verläuft eine Karriere

geradlinig. Auch Martin, 20-jähriger

Mittelstreckenläufer, macht diese Erfahrung.

Er investiert viel: Fast täglich Training

nach Plan, diverse Trainingslager im

In- und Ausland, eine Ausbildung, welche

mit den vielen Trainingsstunden vereinbar

ist; der soziale Kontakt beschränkt

sich vorwiegend auf Trainingskollegen.

Obwohl er alles dem Sport unterordnen

muss, ist er von seinem Weg überzeugt

und träumt davon, sich an einem Grossanlass

international messen zu können.

Doch seit einigen Jahren ist er immer wieder

verletzt: Muskelzerrungen, Sehnenab­

Der Weg zum Sieg wird dank mentalem Training einfacher. (® sportpoint/fotolia.com)

Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

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FOKUS ENERGIE

risse und Verstauchungen zwingen ihn zu

Pausen oder erfordern gar Operationen

und Reha. Durch den Hinweis seines behandelnden

Arztes hat er nach der letzten

Achillessehnenoperation mit einem sportpsychologischen

Coaching gestartet. Die

Vorbehalte, er sei doch nicht psychisch

krank, sind dabei schnell verflogen! Er

macht die Erfahrung, dass er dadurch

auch während der Reha-Phase einen Beitrag

zur Heilung leisten kann, was sich

deutlich positiv auf seine Stimmung auswirkt.

Bisher liessen ihn die Enttäuschung über

die Verletzung und die verpassten Ziele

sowie die nur langsamen Fortschritte in

der Genesung in eine Negativspirale und

depressive Stimmung verfallen. Zusammen

mit dem Sportpsychologen lernt er,

seine Energie auch in dieser Phase zielführend

einzusetzen. Zielsetzungen sind dabei

von besonderer Wichtigkeit. Nicht nur

Leistungsziele auf einen Wettkampf hin,

sondern Tages- und Wochenziele, die dem

sonst leeren Tagesplan Struktur geben:

endlich mal einen Freund anrufen, etwas

Besonderes kochen, einen Spaziergang

machen. Das Leistungsdenken muss dabei

der aktuellen Situation angepasst werden,

so dass auch kleine Fortschritte als Erfolgserlebnisse

erfahren werden können.

Mit Visualisierungsübungen kann sich

Martin zur bewussten Erholung mental

an einen «persönlichen Ort» zurückziehen,

er kann zur Motivationssteigerung

erfolgreiche Karriereerlebnisse abrufen

und sein Schmerz- und Körpergefühl positiv

verändern.

Dass der Rehabilitationsverlauf durch die

Anwendung mentaler Techniken günstig

beeinflusst werden kann, ist wissenschaftlich

belegt. Das psychische Befinden wird

von den Betroffenen positiver eingeschätzt,

und es werden mehr sogenannte secondary

gains erkannt, Vorteile der Verletzung.

So erkennt beispielsweise Martin,

dass er sich vermehrt seiner Erholung

widmen muss, wodurch er Verletzungen

präventiv vorbeugen und ein Übertraining

verhindern kann.

Breite Anwendungspalette

Der Leistungssport ist nur ein Teilbereich

der sportpsychologischen Tätigkeit. Sämtliche

Bereiche, bei welchen es um Leistung

und Entwicklung geht, können von der

Sportpsychologie profitieren. Ob im Beruf

oder beim Hobby: Es geht darum, seine

Leidenschaft dem persönlichen Können

entsprechend auszuüben. Bei allfälligen

Blockaden oder Ängsten, schwierigen systemischen

Gegebenheiten oder beim

Wunsch nach Entwicklung und Optimierung

kann ein (sport-)psychologisches

Coaching Unterstützung bieten. Potentialabklärung,

Problemanalyse, Zielsetzung,

systematisches Training zur Entwicklung

der mentalen Stärke sind einige

Möglichkeiten. Auch im Gesundheitsbereich,

beispielsweise beim Entwickeln eines

aktiven Lebensstils, kann mit sportpsychologischen

Techniken der innere

Schweinehund langfristig gezähmt oder

eine Verletzungsrehabilitation unterstützt

werden.

Mentale Stärke ist nicht etwas, das uns in

die Wiege gelegt wird, mit dem wir von

Natur her ausgestattet sind oder eben

nicht. Mentale Stärke kann erlernt werden.

Dafür braucht es vor allem eins:

Übung! Je nach Anliegen und persönlichen

Voraussetzungen des Ratsuchenden

braucht es unterschiedlich viel Einsatz

und Zeit.

Ziel des sportpsychologischen Coachings

sollte sein, den Ratsuchenden zu unterstützen

und zu befähigen, selbständig an

seinen Themen zu arbeiten. So findet die

Sportpsychologie nicht ausschliesslich in

einem Praxisraum statt, sondern auch im

Alltag – mit konkreten Übungen. In vielen

Fällen ist es sinnvoll, die jeweilige Situation

auch interdisziplinär mit dem Arzt,

Physiotherapeuten oder Trainer zu besprechen.



Kontakt:

www.romanafeldmann.ch

Unter www.sportpsychologie.ch bietet

die Swiss Association of Sport Psychology

SASP weitere Informationen. Tagungshinweis:

«Umgang mit Angst

und Depression im Spitzensport», 9.

November 2018, zusammen mit der

SGSM und PUK ZH.


FOKUS ENERGIE

Je nach Lebensalter eine andere Lebensweise: Das Tagpfauenauge als Raupe und als Schmetterling.

(Raupe ® claudiaevans26/fotolia.com; Schmetterling ® Aggi Schmid/fotolia.com)

Meister der Energieverwertung

Insekten bilden nicht nur die grösste Gruppe aller Tierarten, sie sind auch hochgradig spezialisiert.

Das zeigt sich bereits am Lebenszyklus: Vom Ei über die Larve bis hin zum ausgewachsenen Tier

ändern sich z.T. Nahrung und Lebensraum. So wird der Konkurrenzdruck um die dringend benötigte

Energie verringert. Und das Spektrum der Energiequellen reicht vom Nektar bis zum Mist.

PD Dr. Daniel Burckhardt, Naturhistorisches Museum Basel

Energie wird von Insekten, wie auch von

allen anderen Organismen, benötigt, um

leben zu können. Alle Lebensfunktionen

wie Atmung, Verdauung und Ausscheidung,

Synthesen und innere Transportvorgänge,

Fortpflanzung und jegliche Art

von Bewegung hängen davon ab. Die

Umwelt liefert die Energie, und zwar in

Form von chemischer Energie, die als

Nahrung aufgenommen wird. Da das Insekt

ständig Energie braucht, aber nicht

kontinuierlich Nahrung aufnehmen

kann, muss es bei günstigen Bedingungen

mehr Nahrung aufnehmen, als es im Augenblick

braucht. Der Überschuss wird im

Körper gespeichert, manchmal in besonderen

Organen wie dem Fettkörper, und

bei Bedarf wieder mobilisiert. Einige Vorgänge

brauchen besonders viel Energie, so

z.B. die Fortpflanzung oder der Flug, hier

kann der Sauerstoffverbrauch um das

Hundertfache ansteigen. Es ist also wichtig,

dass das Insekt seine Energiereserven

rasch mobilisieren und dann ebenso

rasch wieder zurück zur Anhäufung von

Reserven wechseln kann. Dieser Umschaltprozess

ist gut reguliert und wird

durch Hormone gesteuert.

Vom Ei zur Imago

Die Entwicklung eines Insektes beginnt

mit dem Ei, aus dem eine Larve schlüpft,

je nach Gruppe auch Raupe, Engerling,

Made oder Nymphe genannt, die sich

mehrere Male häutet, bevor dann das ausgewachsene

Insekt, die Imago, schlüpft.

Den Larven kommt im grossen Umfang

die Aufgabe zu, die nötigen Energiereserven

anzulegen. Bei Heuschrecken ernähren

sich die Jugendstadien ähnlich wie die

Adulten und leben im gleichen Lebensraum.

Bei den höher entwickelten Insekten

wie Käfern oder Schmetterlingen bildet

das letzte Larvenstadium eine von

aussen inaktiv scheinende Puppe, die

keine Nahrung aufnehmen kann. Bei

Schmetterlingen und Käfern ernähren

sich die Larven anders als die Adulten und

sind oft auch in anderen Lebensräumen

zu finden. Während die Raupen vom Tagpfauenauge

auf Brennnesseln leben, deren

Blätter sie verzehren, fliegen die Falter

auf Wiesen umher und ernähren sich vom

Nektar der Blumen. Diese Spezialisierung

erlaubt es der Raupe, sich funktionell und

ökologisch ganz an die Nahrungsaufnahme

anzupassen, und dem Falter, sich auf

die Fortpflanzung und Verbreitung zu

konzentrieren. Durch die stark verschiedenen

Lebensweisen der Larven und der

Imagines wirkt ein verschiedener Selektionsdruck

auf die beiden Stadien. Dieses

Phänomen ist eine Erklärung für die

enorme Artenzahl von Insekten mit vollständiger

Entwicklung, den Holometabolen.

Von den etwa 1,5 Millionen Arten

beschriebener Organismen sind etwa eine

Million Insekten und 800 000 Holometabolen.

Durch Spezialisierung haben sich über

Millionen von Jahren verschiedenste Anpassungen

entwickelt, dank derer Insekten

aus allen denkbaren Nahrungsquellen

Energie gewinnen können. Das Spektrum

reicht von den Pflanzenfressern wie

Schmetterlingsraupen oder Blattkäfern

Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

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FOKUS ENERGIE

über Räuber wie Laufkäfer oder Libellenlarven,

die andere Insekten, aber auch

Schnecken oder sogar kleine Wirbeltiere

fressen, über Parasiten und Parasitoide

wie Flöhe, Läuse oder Schlupfwespen, die

sich an oder in anderen Tieren entwickeln,

die Letzteren auf Kosten des Lebens

ihrer Wirte, und über Detritus- und Pilzfresser

wie die Maden der Pilzmücken bis

hin zu den Mistkäfern, deren Engerlinge

sich im Dung von Wirbeltieren entwickeln.

Perfekter Kreislauf

Ein schönes Beispiel solcher Anpassungen

liefern die Pflanzenläuse, die mit den bekannteren

Wanzen und Zikaden verwandt

sind. Wie bei diesen sind die Mundwerkzeuge

zu einem Saugrüssel umgewandelt,

in dem sich je ein Paar von Stech- und

Saugborsten befinden, mit denen die flüssige

Nahrung aufgenommen wird. Zu den

Pflanzenläusen zählen wir die Blattläuse,

Blattflöhe, Schildläuse und Weissen Fliegen.

Es handelt sich hier um kleine Insekten,

unter denen sich aber wichtige Schädlinge

in Land- und Forstwirtschaft befinden.

Blattläuse, deren grösste Artenvielfalt

in der Nordhemisphäre zu finden ist,

können durch ihre komplizierten Entwicklungszyklen

auch kurzlebige, krautartige

Pflanzen rasch besiedeln und diese effizient

als Nahrungsquelle ausschöpfen. Bei

der Grünen Pfirsichblattlaus überwintern

die Eier auf Pfirsich oder Schlehen. Im

Frühling schlüpfen daraus Larven, die sich

zu ungeflügelten Weibchen entwickeln

und sich parthenogenetisch (durch Jungfernzeugung)

vermehren. Es folgen zwei

bis drei Generationen auf dem Winterwirt,

von denen die letzte geflügelte Weibchen

hervorbringt, die rasch auf krautartige

Pflanzen, die Zwischenwirte, fliegen und

sich dort wieder parthenogenetisch und

flügellos vermehren. Im Herbst, wenn die

Nebenwirte welken, werden wieder geflügelte

Tiere produziert, dann aber Weibchen

und Männchen, die zurück auf den Winterwirt

fliegen, wo sie sich paaren und die

Weibchen die Eier zur Überwinterung ablegen.

Blattläuse, die nur kurze Zeit ohne

Nahrungsaufnahme leben können, können

so temporär vorhandene Futterquellen

optimal ausnützen.

Eine andere Art von Anpassung finden wir

bei vielen Schildläusen. Aus dem Ei, das

meist aus zweigeschlechtlicher Fortpflanzung

stammt, schlüpft die Eilarve, die

Beine besitzt und sehr beweglich ist. Diese

sucht sich einen für die Nahrungsaufnahme

günstigen Ort auf der Pflanze aus, wo

sie einen Wachsschild über sich ausscheidet,

unter dem sie sich entwickelt. Die

weiteren Larvenstadien und das Weibchen,

das larvenförmig ist, besitzen keine

Beine und verlassen ihren Schild nicht.

Ihre Mundwerkzeuge sind immer in die

Pflanze eingesenkt und sie saugen kontinuierlich

Pflanzensaft. Die Männchen,

die Beine und Flügel, aber keine Mundwerkzeuge

besitzen, suchen die Weibchen

auf und paaren sich, womit der Zyklus

abgeschlossen ist. Der Schild schützt die

Larven und Weibchen vor dem Austrocknen

sowie vor Räubern wie Marienkäfer

oder Blumenwanzen.

Die Pflanzenläuse ernähren sich von

Pflanzensäften, oft vom Siebteil (Phloem)

mit den Assimilaten, die hauptsächlich

Zucker, Aminosäuren und Wasser enthalten.

Der Phloemsaft bildet eine sehr unausgeglichene

Nahrung für die Insekten,

da ein Überfluss an Zucker und Wasser mit

dem Mangel an Stickstoff einhergeht.

Dank der Symbiose mit Bakterien, die sich

in speziellen Organen, den Bakteriomen,

befinden können, kann Stickstoff angereichert

werden. Um die Verdauung nicht mit

einem Überschuss von Wasser und Zucker

zu belasten, finden wir bei den Pflanzenläusen

eine besondere Anpassung im

Darm, wo Vorder- und Hinterteil vom Mitteldarm

schlingenartig verbunden sind.

Wasser und Zucker werden so zum grossen

Teil vom Vorderdarm direkt in den Enddarm

geleitet und dort als Honigtau ausgeschieden.

Dieser wird mitunter von

Bienen gesammelt und dann vom Menschen

zum sogenannten Waldhonig verarbeitet.

Ob wohl alle Geniesser des Waldhonigs

wissen, woher dieser stammt? ■

28 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


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FOKUS ENERGIE

Wie viel Energie darfs denn sein?

Supplemente aufbereitet in Drinks, Riegeln, Tabletten, Gels usw. gibt es in riesiger Zahl und

jährlich kommen viele weitere hinzu. All diese Nahrungsergänzungsmittel sollen Defizite

vermindern bzw. verhindern. Welche aber machen wirklich Sinn und wann? Risiken bergen

Supplemente insbesondere im Sport, da sie mit verbotenen Substanzen kontaminiert sein

könnten.

Dr. Joëlle Flück, Sport- und Ernährungswissenschaftlerin Sportmedizin Nottwil und

Geschäftsführerin Swiss Sports Nutrition Society

Jährlich erscheinen neue Supplemente

bzw. Nahrungsergänzungsmittel auf dem

ohnehin schon riesigen Markt. Es ist

schwierig, den Überblick zu behalten oder

die Supplemente evidenzbasiert einschätzen

zu können. Dieser Artikel erklärt kurz

und knapp, welche Supplemente in spezifischen

Situationen durchaus Sinn machen

können und von welchen man eher

die Finger lassen sollte. Zudem beschreibt

dieser Text, wo man die betreffenden Informationen

zur Wirkung und Anwendung

von Supplementen finden kann.

Supplemente sollen mit Bedacht und

sinnvoll eingesetzt werden. Dies sollte

unter Einbezug einer Fachperson auf die

individuelle Situation abgestimmt erfolgen.

Zudem sind Supplemente als Ergänzung

und nicht als Ersatz für die Basisernährung

gedacht. Grundsätzlich werden

die Supplemente in vier verschiedene

Kategorien klassifiziert (http://www.ssns.

ch / sportsnutrition / supplemente / supplementguide/).

Die Klassifikation berücksichtigt

die Inhaltsstoffe des Supplements,

deren Wirkmechanismen sowie

auch deren Einfluss auf die Gesundheit

und die sportliche Leistungsfähigkeit. Es

wird empfohlen, Supplemente zu verwenden,

deren Wirkung durch evidenzbasierte

Literatur abgestützt ist und somit in

spezifischen Situationen die Leistung

bzw. Erholung positiv beeinflussen können.

Nachfolgend werden die vier Kategorien

näher beleuchtet.

A-Supplemente

Die «A-Supplemente» sind die wirkungsvollsten

Nahrungsergänzungsmittel. Sie

beinhalten jene Supplemente, welche im

Sport in gewissen Situationen durchaus

ihre Berechtigung haben und durch gute

wissenschaftliche Evidenz begründet

werden. In dieser Kategorie findet man

(® ronstik/fotolia.com)

30 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


FOKUS ENERGIE

Supplemente verschiedener Art. So gehören

die bekanntesten Sportnahrungsmittel

wie Sportgetränke, Gels, Energieriegel,

Produkte für den Mahlzeitenersatz

sowie auch Produkte zur Regeneration

in diese Kategorie. Gerade bei den Sportgetränken,

Gels und Energieriegeln

konnte klar gezeigt werden, dass der

Einsatz solcher Kohlenhydratpräparate

im Sport durchaus ihre Berechtigung

haben. Bei langen Ausdauereinheiten

oder -wettkämpfen kann es schon einmal

vorkommen, dass die Glykogenspeicher

entleert werden und extern Energie

zugeführt werden muss, um die Leistung

auf gleichem Niveau aufrechterhalten zu

können. So konnte beispielsweise gezeigt

werden, dass die Leistung massiv verbessert

werden kann, wenn statt Wasser

kohlenhydrathaltige Getränke bzw. Supplemente

bei einem Ausdauerwettkampf

zum Einsatz kommen. Auch die medizinischen

Supplemente wie Probiotika,

Eisen, Kalzium, Vitamin D und Multivitaminpräparate

können bei Athleten zur

Anwendung kommen, insbesondere

dann, wenn eine aktuelle Mangelerscheinung

vorliegt oder wenn der Athlet

eine akute Magen-Darm-Erkrankung

auskurieren muss. Weitere Supplemente

dieser Kategorie werden als Performance-Supplemente

beschrieben und

zeigen in gewissen Sportarten mit spezifischen

Anforderungsprofilen (bspw.

Belastungsdauer und -intensität, Produktion

von Milchsäure, Konzentrationsfähigkeit

des Athleten etc.) eine Verbesserung

der Leistung gegenüber einem

Placebopräparat. Diese drei Supplemente

sind namentlich Bicarbonat, Koffein

und Kreatin.

B-Supplemente

Der Einsatz von «B-Supplementen» kann

durchaus Sinn machen, jedoch ist die

wissenschaftliche Evidenz noch nicht ausreichend

vorhanden. Ein Einsatz dieser

Supplemente scheint trotzdem möglich,

jedoch sollte er sehr individuell und personalisiert

erfolgen. Aktuell zählen Beta-

Alanin, Carnitin, Glucosamin, HMB und

Randensaft zu den B-Supplementen. Bei

ihnen allen konnte in gewissen Situationen

ein Effekt auf die Gesundheit, Leistung

oder Regeneration nachgewiesen

werden. Trotzdem ist ein Einsatz nicht in

jedem Fall sinnvoll und muss jeweils von

einer ausgewiesenen Sporternährungs-

Fachperson individuell beurteilt und abgeschätzt

werden.

C- und D-Supplemente

«C- und D- Supplemente» sind Wirkstoffe,

welche man nicht im Einsatz sehen

möchte. Zum einen, weil keine wissenschaftliche

Evidenz gegeben ist (C-Supplemente)

und zum anderen, weil sie ein

erhöhtes Risiko aufweisen, mit verbotenen

Substanzen kontaminiert zu sein (D-

Supplemente). So zum Beispiel Colostrum,

welches generell im Sport nicht verboten

ist, bei dem jedoch unklar ist, ob dessen

Inhaltsstoffe einen positiven Dopingtest

aufgrund von verbotenen Substanzen auslösen

könnten. Die Supplemente dieser

Kategorie sind für alle Sportler tabu!

Risiken

Jede Einnahme eines künstlich hergestellten

Supplements birgt schlussendlich die

Gefahr, dass es durch die Herstellung und

Produktion mit verbotenen Substanzen

kontaminiert wurde. Bei Supplementen,

welche im Internet bestellt werden, ist das

Risiko umso grösser, da meist weder die

Qualität der Herstellung noch jene der

Produktion ersichtlich ist. Gerade solche

Supplemente sind vom Athleten absolut zu

meiden. Es gibt bereits heute Firmen, welche

die Reinheit der Supplemente anhand

einer Prüfung auf verunreinigte Stoffe

untersuchen. Leider ist eine komplette

Prüfung aller verbotenen Substanzen zu

teuer, deshalb wird nur ein gewisser Teil

davon durch die Firmen überprüft. Das

Risiko, ein kontaminiertes Supplement zu

erwischen, kann vermindert werden,

wenn Supplemente nicht aus dem Internet

bestellt werden, Herstellungsprozess und

-qualität ersichtlich sind oder wenn man

Produkte der grössten Schweizer Sportnahrungsfirmen

verwendet, welche ihre

Produkte auf Verunreinigungen testen

lassen.

Empfehlung

Generell wird empfohlen, jede Supplementation,

sei sie medizinisch bedingt

oder sportlich indiziert, mit einer Sporternährungs-Fachperson

abzusprechen.

Zudem soll die Supplementation auf das

Anforderungsprofil der Sportart abgestimmt

werden, so dass eine Supplementation

wirkungsvoll durchgeführt werden

kann. Eine Supplementation bei jugendlichen

Athleten oder Athleten, welche über

Trainingsreize ihr volles Potential noch

nicht ausgeschöpft haben, wird generell

nicht empfohlen. Eine individuelle Betreuung

und Beratung ist so letztlich das

A und O jeder Supplementation. ■

Swiss Sports

Nutrition Society

Die Swiss Sports Nutrition Society

(SSNS) ist der Dachverband aller Fachpersonen

im Bereich der Sporternährung.

Sie stellt unter anderem alle

Informationen zum Supplementguide

und zu den einzelnen Supplementen

öffentlich und in einer für Laien verständlichen

Sprache zur Verfügung.

Als Mitglied der SSNS profitiert man

unter anderem von vergünstigten Konditionen

für Kongresse und Workshops

sowie von aktuellen Updates wissenschaftlich

erschienener Publikationen

zur Sporternährung.

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Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

31


FOKUS ENERGIE

«Doping» fürs Stromnetz

Die erneuerbaren Energien können das Stromnetz an die Belastungsgrenze bringen: Schwankungen

der Einspeiseleistung von Wind- und Photovoltaikkraftwerken müssen dynamisch ausgeglichen

werden, sonst droht ein Blackout. Doch die Konzession neuer Pumpspeicherkraftwerke ist heutzutage

kaum mehr möglich. Die ETH Zürich forscht daher an Batteriespeichersystemen der Zukunft.

Dr. Ing. André Hillers, Dipl. Ing. Simon Fuchs, Prof. Dr. Ing. Jürgen Biela, Institut für Hochleistungselektronik (HPE) der ETH Zürich

Um körperliche Spitzenleistungen zu erbringen,

verfügt der Mensch über eine

ausgeklügelte Kaskade von biologischen

Energiespeichern: Die am schnellsten abrufbare

Energie lagert in den (Muskel-)

Zellen selbst, ist jedoch in ihrer Menge

stark begrenzt. Mittelfristig kann der Organismus

auf Glykogen und Fett zurückgreifen,

aber auch hier gilt: Irgendwann

muss Nahrung von aussen zugeführt und

in verwertbare Energie umgewandelt werden.

Die grössten Vorräte befinden sich

also im Wanderrucksack, im eigenen

Kühlschrank und auf den Feldern unserer

Bauern.

Auch in der elektrischen Energieerzeugung

ist man auf eine Kaskade von Speichern

angewiesen. Da das Netz den Strom

lediglich leitet, gilt: Alles was verbraucht

wird, muss zum gleichen Zeitpunkt auch

erzeugt werden. Der kurzfristigste Speicher

ist dabei – so kurios das klingen mag

– vom Prinzip her ein einfaches Schwungrad,

wie es aus dem Physikunterricht in

der Mittelschule bekannt ist. Da die meiste

elektrische Energie auch heute noch

mittels grosser drehender Turbinen erzeugt

wird, geht selbst beim Ausfall eines

Kern- oder Kohlekraftwerks das Licht

nicht sofort aus. Die Generatoren der verbleibenden

Kraftwerke werden im Fehlerfall

jedoch erst einmal zunehmend langsamer.

Für diesen Fall haben die Betreiber

natürlich vorgesorgt. Ein paar Schrecksekunden

reichen aus, um im Netz vorgehaltene

zusätzliche Kapazitäten abzurufen

und damit Energieverbrauch und

-erzeugung wieder auszubalancieren. Im

Normalfall ist diese Regelung so schnell

und präzise, dass der Verbraucher davon

gar nichts mitbekommt.

Mit und ohne Schwung

in die Zukunft

Nun haben Solarzellen jedoch keine rotierende

Masse, und Windkraftwerke weisen

aufgrund ihrer aerodynamischen

Eigenschaften nur ein begrenztes Trägheitsmoment

auf. Am Institut für Energieübertragung

und Hochspannung (EEH)

der ETH Zürich wurde entsprechend errechnet,

dass ein zunehmender Ersatz

klassischer Kohle- und Kernkraft durch

erneuerbare Energien das Netzverhalten

im Fehlerfall verschlechtern kann. Genau

hier können Batteriespeichersysteme Abhilfe

schaffen. Im Gegensatz zu Wasserkraftwerken

können sie die gespeicherte

Energie innert Sekundenbruchteilen zur

Verfügung stellen und so einen wertvollen

Teil zur Stabilisierung des Netzes beitragen

[1].

Selbst wenn die Zeiträume etwas anders

sind, ist dieses Prinzip mit der Glykose und

dem Fettstoffwechsel im menschlichen

Organismus vergleichbar: Ein Pumpspeicherkraftwerk

kann sehr viel Energie

speichern, braucht jedoch einen kurzen

Moment zum Anlauf – ähnlich der Fettverbrennung

bei längerer und mässiger

körperlicher Anstrengung. Die Glykogenspeicher

in Muskeln und Leber machen

Energie hingegen nahezu unmittelbar

nach Belastungsbeginn verfügbar, sind

aber nach einem intensiven Workout relativ

rasch entladen. Auch ein Batteriespeicher

muss meist direkt wieder aufgefüllt

werden, nachdem er zum Einsatz

gekommen ist.

Ein vielversprechender Anwendungsfall

für Batteriespeicher im Stromnetz ist daher

das Vorhalten schnell verfügbarer

(Regel-)Energie mit zeitlich begrenzter

Notwendigkeit – der Netzbetreiber spricht

von Primär- und Sekundärregelung.

Ein vom in der Schweiz ansässigen Technologieunternehmen

ABB entwickelter

und im Jahre 2011 von den Elektrizitätswerken

Zürich (EWZ) in Betrieb genommener

Prototyp bestätigt diese Hypothese.

Eine Fallstudie auf Basis der gewonnenen

Betriebsdaten bescheinigt einem zukünftigen,

skalierten System eine positive

wirtschaftliche Bilanz [2]. Dies ist insbesondere

von grosser Bedeutung, da die

geologischen und regulatorischen Gegebenheiten

in der Schweiz einer nennenswerten

Konzession neuer Pumpspeicherkraftwerke

im Wege stehen. Obwohl die

Schweiz aktuell über 50 Prozent des eigenen

Energiebedarfs aus Wasserkraft deckt,

stellen also auch hierzulande wettbewerbsfähige

Batteriespeicher eine Schlüsseltechnologie

für den erfolgreichen Einsatz

von erneuerbaren Energien dar.

Ganzheitliche

Optimierung

Eine wichtige Herausforderung ist dabei

die eigentliche Anbindung der Batterie ans

Stromnetz. Die Chemie erlaubt es einzelnen

Batteriezellen, nur Gleichstrom bei

einer niedrigen Gleichspannung bereitzustellen.

Heutige Netze arbeiten jedoch mit

Wechselspannung, deren Spannungswert

sehr hoch gewählt wird, um eine effiziente

Übertragung zu ermöglichen. Um eine

Batterie ins Netz einzubinden, muss also

die Gleich- in eine Wechselspannung umgeformt

und die Spannung selbst stark

erhöht werden. Dem Bau entsprechender

Konverter ist ein gesamtes Teilgebiet der

Elektrotechnik gewidmet: die Leistungselektronik.

Da fast jeder Anwendungsfall eine ganzheitliche

Betrachtung und Optimierung

erfordert, können leistungselektronische

Systeme in ihrer Gesamtheit sehr komplex

werden. Der Anspruch, ein solches System

so kompakt und so effizient wie möglich

zu bauen, füllt dabei nicht selten gesamte

Doktorarbeiten. Während seiner Dissertation

am Institut für Hochleistungselektronik

(HPE) der ETH Zürich hat André

Hillers zusammen mit ABB Schweiz, dem

Bundesamt für Energie (BFE) und den

Elektrizitätswerken Zürich (EWZ) neue

Lösungen erforscht, um sehr grosse Batteriespeicher

ins Netz einzubinden. Mit

Erfolg. Die neuen Technologien auf Basis

Modularer Multilevel-Konverter erlauben

höchste Effizienzen und geringste Bauvo­

32 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


FOKUS ENERGIE

André Hillers hat während seiner Dissertation über 15 studentische Arbeiten betreut. Sein Prototyp stellt nicht nur

die Grundlage für die Forschung von Simon Fuchs und dessen Studentin Mingkun Liu dar, sondern wird in Zukunft

als integraler Bestandteil der Laborinfrastruktur von anderen Forschenden am Institut für Hochleistungselektronik

genutzt werden (v.l.n.r. Dipl. Ing. Simon Fuchs, MSc. Ing. Mingkun Liu und Dr. Ing. André Hillers vor ihrem Versuchsaufbau).

lumina [3]. Einziger Wermutstropfen: Im

Moment ist man der Chemie noch etwas

voraus. «Obwohl Grund zur Annahme

besteht, dass selbst heutige Batterien den

erhöhten Belastungen der neuen Speichersysteme

gewachsen sind, fehlt ein

formaler Nachweis über die gesamte Nutzungsdauer.

Dieser ist nicht ganz einfach

zu erbringen, denn für Speicher im

Stromnetz sprechen wir von Einsatzzeiträumen,

die ein Jahrzehnt deutlich übersteigen»,

fasst Hillers zusammen.

Die Forschung am Institut für Hochleistungselektronik

konzentriert sich daher

auch nicht nur auf Batteriespeichersysteme.

«Um ein solch komplexes System als

Prototyp zu entwickeln, muss man im

Team zusammenarbeiten. Viele der Technologien,

die wir für den Speicher benötigen,

wurden übergreifend von mehreren

Forschern entwickelt und werden in Zukunft

auch in anderen Projekten sowie in

der Lehre eingesetzt», erläutert Jürgen

Biela. Das hilft den Forschenden, sich auf

die wesentlichen neuen Forschungen zu

konzentrieren.

«Bezogen auf die Anwendung der neuen

Batteriespeichertechnologien gilt es nun

die geschaffenen Möglichkeiten zu nutzen»,

bekräftigt André Hillers. «Denn

momentan existieren noch keine Anreize,

besonders schnelle Regelkraftwerke ins

Netz einzubinden. Dass unlautere Leistungssteigerung

im Radsport verboten ist,

leuchtet mir ein. Im Rennen um das stabilste

und sicherste Stromnetz der Zukunft

könnten jedoch gerade die schnellen Ansprechzeiten

von Batteriespeichersystemen

entscheidende Wettbewerbsvorteile

bieten – ganz legal.»


References

[1] T. Borsche, A. Ulbig und G. Andersson, «Impact

of Frequency Control Reserve Provision

by Storage Systems on Power System Operation»

in IFAC World Congress 2014.

[2] M. Koller, «Evaluating the Business Case for

BESS in the Primary Frequency Control Market»

in Energy Storage World Forum 2015.

[3] A. Hillers und J. Biela, «Systematic Comparison

of Modular Multilevel Converter Topologies

for Battery Energy Storage Systems

Based on Split Batteries» in European Conference

on Power Electronics and Applications

(EPE) 2015.

Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

33


FOKUS ENERGIE

Wenn Helfer hilflos sind

Sie rauben einem buchstäblich den letzten Nerv, bringen einen an die Grenze der Geduld und des

Mitgefühls und starten einen Teufelskreis, der endlos Energie verschlingt. Schwierige Patienten

sind glücklicherweise eher selten, können jedoch bei Ärztinnen und Ärzte veritable Krisen auslösen.

Was aber macht einen Patienten schwierig und wie soll man darauf reagieren?

Gerhard Dammann, Ärztlicher Direktor, Psychiatrische Dienste Thurgau

Viele Kolleginnen und Kollegen haben

sich nicht nur für das Medizinstudium

entschieden, weil sie sich für den menschlichen

Körper, die Entstehung von Krankheiten

und die Behandlung interessierten,

sondern weil der Arztberuf zusätzlich eine

intensive interpersonelle Beziehung zwischen

Arzt, Patienten und Angehörigen

ermöglicht und erfordert. Bis vor einigen

Jahren wurde ein Arzt in erster Linie an

seinen fachlichen Qualifikationen gemessen.

War er ein guter Kommunikator oder

gar Gesprächstherapeut, war dies allenfalls

eine willkommene Zusatzqualifikation.

Hier findet gegenwärtig ein gewisses

Umdenken statt. Es gibt sogar Studien, die

zeigen, dass kommunikationsstärkere

Medizinstudenten sich prospektiv in der

Praxis als die erfolgreicheren Mediziner

erweisen, eine Sichtweise, die Einfluss auf

die Entwicklung des problemorientierten

Lernens (PoL) nach dem Harvard-Modell

genommen hat.

Interessanterweise sind die meisten Patientinnen

und Patienten, über alle Altersstufen

hinweg, trotz Leiden, Schmerzen,

Einschränkungen oder Beunruhigung

letztlich erstaunlich «einfach» im Kontakt,

d.h. meist freundlich, interessiert

und geduldig. Selbst viele psychiatrische

Patienten, um die es im Folgenden nicht

primär gehen soll, sind – anders als ihr

Ruf – zwar in einer psychisch schwierigen

Situation, aber deswegen nicht unbedingt

«schwierige Patienten». Sie sind im Gegenteil

oft dankbar, wenn man ihnen mit

etwas Zeit, Respekt und möglichst wenig

informellem Zwang begegnet.

Schwierigkeiten mit bestimmten Patienten

(fast analog zu solchen mit bestimmten

Vorgesetzten) stellen eine erhebliche

Belastung dar. Sie können nicht selten als

einschneidend oder Hilflosigkeit erzeugend

erlebt werden, mehr noch als die rein

physische oder intellektuelle Arbeitsbelastung,

die Ärzte im Alltag eines Operationssaals,

einer Hausarztpraxis, eines Ambulatoriums

oder einer Intensivstation zu

bewältigen haben. Wir Ärzte sind grundsätzlich

bereit, sehr viel Lebenszeit, Kraft

und Energie in die Arbeit zu investieren.

Allerdings erwarten wir dafür (bewusst

oder unbewusst) eine Form von «Belohnung»,

die sich in höherer sozialer Anerkennung,

Gestaltungsmöglichkeiten oder

sehr gutem Gehalt, aber eben auch in

Wertschätzung im Arbeitsumfeld zeigen

kann. Trifft dies nicht zu, dann geraten

Menschen gerade in psychosozialen Berufen

besonders schnell in eine so genannte

Gratifikationskrise.

Unangenehm und

unbeliebt

Was sind nun Faktoren, die dazu führen,

dass wir Patienten als anstrengend oder

gar als «energieraubend» empfinden?

Grundsätzlich gibt es nicht den «schwierigen

Patienten», sondern eine ganze

Reihe von schwierigen Konstellationen,

die zumeist mit bestimmten Verhaltensweisen

von Patienten (oder deren Angehörigen)

zusammenhängen sowie im Behandelnden

bestimmte Gegenübertragungsreaktionen

(Resonanz) hervorrufen.

Verschiedene empirische Untersuchungen

haben gezeigt, dass Ärzte und Pflegepersonal

sehr wohl zwischen «angenehmen»

und «unangenehmen» bzw. «beliebten»

und «unbeliebten» Patienten unterscheiden.

Der «schwierige Patient» ist der Extremfall

des unangenehmen und unbeliebten

Patienten, der uns weit häufiger

begegnet. Sein Gegenteil könnte man als

den «idealen Patienten» bezeichnen. Wiederkehrende

objektive Faktoren (Geschlecht,

Alter, Krankheitsform, selbst

psychopathologische Charakteristika), die

hier unterscheiden würden, gibt es interessanterweise

kaum. Folgende Patientencharakteristika

werden gelegentlich genannt:

• Chronisch kranker Patient (anders als

akut erkrankter Patient) (negative

Vorerfahrungen, Patient wird oft

selbst zum Experten, «Diplom-

Asthmatiker» etc.)

• Psychosomatische Patienten (kein

klarer Organbefund)

• Anspruchsvollere Patienten (Lehrerberuf

u. Ä.)

• Patienten mit Abhängigkeitserkrankungen

• Alte Patienten (autoritätsgläubiger,

teilweise umständlicher etc.)

• Patienten des eigenen Geschlechts

werden tendenziell (beim Pflegepersonal

untersucht) eher abgelehnt

Der Versuch einer Klassifikation von

«schwierigen Patienten» stammt aus den

80er Jahren von James Groves:

1. Die Abhängigen (dependent clingers)

(unstillbarer Hunger nach Präsenz;

«Dauerredner»; klare Grenzen der Verfügbarkeit

aufzeigen; Dynamik: Verlassenheits-

oder Trennungsängste)

2. Die Forderer (entitled demanders) (haben

das Gefühl, dass man sie nicht

optimal behandelt, teilweise Drohungen;

Dynamik: oft verbirgt sich dahinter

eine narzisstische Selbstwertproblematik)

3. Die manipulativen Hilfeablehner (binden

den Arzt durch immer neue Symptome

und weisen ihn gleichzeitig von

sich, da keine Behandlung etwas bringt;

Dynamik: passiv-aggressive Bindungsproblematik)

4. Die selbstdestruktiven Verleugner (Dynamik:

Wiederholung von oft traumatisierenden

Lebenserfahrungen)

Auf Seiten der Medizinerinnen und Mediziner

werden folgende Aspekte genannt,

die den Umgang mit Patienten generell

erschweren:

• Die Unfähigkeit, mit einer hilflos

machenden Situation umzugehen

(Ungeduld etc.)

• Das Selbstbild/Identität als Arzt

(reiner «Organmediziner»)

34 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


FOKUS ENERGIE

• Autoritativer Stil («Ich weiss, was

gut für ihn ist. Er muss sich helfen

lassen.»)

• Verständnis für psychische Probleme

(Kennt man Anteile bei sich selbst?

Berufliche Erfahrungen in der

Psychiatrie/Psychotherapie)

• Eigene Lebenssituation (narzisstische

Krisen, die einen dünnhäutiger

werden lassen)

Es sind dann insbesondere folgende Verhaltensweisen,

die einen Patienten zum

«energieraubenden Patienten» machen

können:

• Aggressives Sprachverhalten

• Fragt zu viel

• Wutausbrüche in der Praxis (bezichtigt

den Arzt, unfähig zu sein, ihm

nicht helfen zu wollen)

• Theatralische Inszenierungen (Übertriebener

Ausdruck von Gefühlen)

• Hohes Misstrauen oder Kränkbarkeit

des Patienten

• Häufiges Anfordern von Hilfe (ruft in

der Nacht an, weil er nicht schlafen

kann)

• Mangelndes Befolgen von Regeln (z.B.

Warten) in der Praxis oder geringe

Compliance (lehnt Untersuchungen

ab; Verweigern der Mitarbeit)

• Andauerndes Verlangen nach

Anerkennung

• Streitsüchtiges Verhalten (Bestehen

auf den eigenen Rechten, Andeutung

von Drohungen juristischer Art) bzw.

überkritische Personen

• Starkes Jammern (demonstratives

Schmerzgebaren und Klagen)

• Aufsuchen auch anderer Ärzte ohne

Überweisung oder auch aus Undankbarkeit

• Erhebliche Sprachprobleme

• Hartnäckiges Schweigen, oder

uninteressiert, indolent

• «Klebrigkeit»

• Suiziddrohungen und Suizidversuche

oder aber selbstverletzendes Verhalten

• «Hypochondrisches» Verhalten (ständiges,

wechselndes Klagen, krank zu

sein)

• Unter-Druck-Setzen des Arztes (etwa

um eine Krankschreibung zu erhalten)

• Distanzlosigkeit bis hin zu sexualisierendem

Verhalten

Dies führt dann in unterschiedlicher Ausprägung

zu folgenden Gegenübertragungsreaktionen:

• Frustration, Ärger beim Arzt

• Vermeidungsverhalten dem Patienten

gegenüber (etwa wenn er anruft)

• Unsicherheit bis zu Ohnmachtsgefühlen

• Insuffizienzgefühle und Scham

• Gegenaggression

• Vermehrte (z.B. diagnostische) Aktivität

(die aber oft nicht weiterhilft)

• Resignatives Aufgeben

Der Behandelnde kann an die Grenzen

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Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

35


FOKUS ENERGIE

Glücklicherweise selten, aber nachhaltig: Schwierige Patienten können Ärztinnen und Ärzte in einen Energie verschleissenden

Teufelskreis ziehen. (® fancystudio – Fotolia.com)

nes Wissens und häufig auch seiner persönlichen

Geduld, seines Mitgefühls und

seiner Integrität kommen. Er wird dann

u. U. ungerecht und zum hilflosen Helfer.

Konsequenzen für die Arzt-Patient-Beziehung

können so sein (manchmal als

Teufelskreis zu verstehen):

• Widerstand beim Patienten

• Stress beim Arzt

• Die Effizienz leidet (Zeit, Kosten,

frustrane Therapien und diagnostische

Abklärungen)

• Behandlungserfolg wird gefährdet

• Behandlungsabbruch (der dann nicht

selten sogar gewünscht wird)

• Unter Umständen auch ökonomische

Folgen (Multiplikatorenfunktion von

unzufriedenen Klienten)

Folgende Überlegung kann hilfreich sein:

«Ich als Helfer erlebe den Patienten als

schwierig, undankbar, uneinsichtig (nicht

compliant). Vielleicht erlebt mich der Patient

auch als schwierig, ich erfülle nicht

seine Erwartungen, gehe nicht genug auf

ihn ein, finde nicht die richtige Lösung für

die Erkrankung etc.»

Hilfreiche Gespräche benötigen neben

objektiver Zeit folgende Voraussetzungen:

Empathie (Verstehen der inneren Erlebniswelt

des Patienten), Wertschätzung und

Echtheit (Authentizität).

Bei der Kommunikation sollte Folgendes

beachtet werden:

• Gut und klar informieren (und Fachsprache

vermeiden)

• Nachfragen und Missverständnisse

auflösen

• Bei Aggression: Grund für den Ärger

herausfinden, Gegenaggression

vermeiden

• Aktiv Bedürfnisse des Gegenübers

ansprechen

• Wahlmöglichkeiten lassen (verhindert

Widerstand und stärkt Autonomie des

Patienten)

Wichtig ist es auch zu versuchen, mögliche

Motive des Patienten zu «übersetzen»:

1. Welche Motive unterstelle ich dem

Patien ten? («Warum äussert er die

Schmerzen so übertrieben?») (Selbstreflexion)

2. Was will der Patient erreichen? (Verständnis)

3. Was sucht er eigentlich? (Dynamik)

4. Wieso trägt er es auf diese (dysfunktionale)

Art und Weise vor? (Konzept des

Widerstandes)

5. Wie könnte vermehrt auf die eigentlichen

Bedürfnisse eingegangen werden?

(Unterstützende Strategie)

6. Kann versucht werden, ihm die Interaktionsproblematik

zu erklären?

Empfehlenswert in einer angespannten

Situation ist ferner folgende Interaktionsbzw.

Kommunikationsstrategie, wenn für

den Behandler die Anerkennung des subjektiven

Faktors und der Bedeutung von

Beziehungen in der Medizin möglich ist:

• Der Umgangston sollte besonders

zuvorkommend sein

• Die Aggression des Patienten zunächst

als solche annehmen

36 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


FOKUS ENERGIE

• Bewusstmachen der inhaltlichen

Divergenz («Wir sind uns einig, uneins

zu sein.»)

• Klärung: Ist der Konflikt auf der

Inhalts- oder Beziehungsebene zu

verstehen?

• Überführen des unlösbaren Teils in

ein prinzipiell lösbares Problem

• Den ersten Schritt tun, d.h. auf den

Patienten zugehen

• Weg von einer Problemorientierung

hin zu einer Lösungsorientierung

Hilfe suchen

Deutlich wird, dass diese Verhaltensweisen,

und ob wir sie als stressig erleben,

immer auch mit uns zu tun haben. Nach

dem deutschen Psychosomatikprofessor

Gerd Rudolf sollte der Arzt den (psychosomatisch

kranken) Patienten dann zum

Psychiater, Fachpsychotherapeuten oder

Psychologen etc. überweisen, «wenn er

die Fragen seiner Patienten nicht mehr

beantworten kann». Hilfreich sind auch

so genannte Balint-Gruppen (benannt

nach dem ungarisch-englischen Arzt

Michael Balint), wo geleitete, regelmässige

Diskussionsgruppen zur Besprechung

von Problemsituationen angeboten werden.

Sie dienen der Psychohygiene («anderen

geht es auch so»), einem besseren

Verständnis von Dynamiken, der Auflösung

von Verstrickungen und schliesslich

auch der eigene Persönlichkeitsentwicklung

(Selbsterfahrungsanteil). Allerdings

sind sie zeitlich aufwendig und werden

nicht direkt honoriert (nähere Hinweise:

www.balint.ch).

Babyboomer ticken anders

Grundsätzlich gibt es Hinweise, dass sich

in den kommenden Jahren die narzisstische

Thematik verschärft. Auf die genügsame

Nachkriegsgeneration, die nun ins

Hochbetagtenalter eintritt, folgt die Generation

der 68er, die deutlich anspruchsvoller

ist. Damit wird die Zahl der anspruchsvolleren

Patienten zunehmen.

Dieser Wandel sollte von uns Ärzten aktiv

gestaltet und nicht einfach beklagt werden.

Das weitverbreitete Konzept vom

«schwierigen Patienten» sollte ersetzt

werden durch ein Modell «der nicht gelingenden

Interaktion». Damit fände weniger

eine Distanzierung vom Patienten statt

und der Arzt würde sich selbst als beteiligten

Handelnden sehen. Zusammenfassend

würde so anerkannt, dass der Patient

in einem intensiven Interaktionsprozess

als schwierig «erlebt» wird, dass dieser

Prozess jedoch veränderbar ist. ■

Literaturhinweise:

Gert Kowarowsky, Der schwierige Patient. Kommunikation

und Patienteninteraktion im

Praxisalltag, 2., überarbeitet Auflage, Kohlhammer

2011.

Linus Geisler, Arzt und Patient – Begegnung im

Gespräch, 5., erw. Auflage, pmi Verlag 2008.

Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

37


FOKUS ENERGIE

Schwimmen in Schwärmen

spart Energie

Forscher der ETH Zürich klärten die bisher ungelöste Frage, ob Fischschulen Energie sparen.

Dies gelang ihnen, indem sie die komplexen physikalischen Strömungssysteme detailliert auf

dem Supercomputer «Piz Daint» simulierten und mit einem Algorithmus des Verstärkenden

Lernens (Reinforcement Learning) kombinierten.

Simone Ulmer, Redaktorin Wissenschaft und Technologie am Swiss National Supercomputing Centre (CSCS) 1

Das Schwarmverhalten von Fischen fasziniert

Ingenieure wie Biologen gleichermassen.

Denn Fische in Schwärmen schwimmen

in einem Strömungsumfeld, das voll

von mechanischer Energie ist, erzeugt

durch die Bewegungen der Fische. Forscher

vom Computational Science & Engineering

Lab (CSElab) der ETH Zürich

konnten nun die Frage, ob Fische einen

energetischen Vorteil haben, wenn sie in

Schwärmen schwimmen, mit Ja beantworten.

Zugleich erlangten sie über diesen

Vorgang detaillierte Kenntnisse, die sich

auf energieeffiziente Schwärme von

Schwimm- oder Flugrobotern auswirken

könnten.

Präzise Simulation der

Fluiddynamik

Die Wissenschaftler entwickelten in ihrer

Studie eine hochdetaillierte Simulation

des komplexen Zusammenspiels von

schwimmenden Fischen und ihrem Strömungsumfeld.

Bis anhin wurden derartige

Simulationen mit stark vereinfachten

Modellen durchgeführt, die die Fluiddynamik

der schwimmenden Fische nicht

exakt berechneten. Der Supercomputer

«Piz Daint» am Nationalen Hochleistungsrechenzentrum

der Schweiz (CSCS)

ermöglichte nun erstmals rechenintensive

State-of-the-Art-Simulationen ohne Vereinfachungen.

Zugleich kombinierten die Forscher die

realitätsnahen Strömungssimulationen

erstmals mit einem Algorithmus des Verstärkenden

Lernens (Reinforcement Learning),

einem wirkungsstarken Algorithmus

aus dem Bereich Maschinelles Lernen.

Derartige Lernalgorithmen wurden

bis anhin in Computerspielen wie etwa

«Go» genutzt, um es dem Computer zu

ermöglichen, den Menschen zu schlagen.

Reinforcement Learning in komplexen

physikalischen Systemen benötigt Tausende

von Näherungsschritten und wurde

deshalb bis anhin noch nie für solche

verwendet. Der Algorithmus erinnere an

den Pawlow’schen Hund, sagen die Forscher

des CSElab: Die Agenten erlernen,

durch Belohnung eine optimale Strategie

zu entwickeln, um ihr Ziel zu erreichen.

Hier kam dieser Algorithmus nun zum

Einsatz, um die Fische für ein optimales

Schwimmverhalten zu trainieren und

autonom entscheiden zu lassen, wie sie

auf die unsteten Strömungsfelder, die ihre

Artgenossen erzeugen, am effizientesten

reagieren. «Wir schufen die mathematischen

Rahmenbedingungen und gaben

den Fischen lediglich das Ziel vor, so effizient

wie möglich zu schwimmen», sagt

Guido Novati, Doktorand am CSElab und

Entwickler der den Simulationen zugrunde

liegenden Software. Überraschend

seien die Fische, um Energie zu sparen, in

der Wirbelströmung der anderen geschwommen,

auch wenn es ihnen möglich

gewesen sei, unabhängig voneinander

zu schwimmen.

Lernen aus der

Visualisierung

In ihren Simulationen betrachteten die

Forscher sowohl zweidimensional wie

auch dreidimensional das Schwimmverhalten

von bis zu drei Fischen in unterschiedlichen

Konfigurationen. Sie heben

hervor, dass derartige Simulationen bis

anhin nie mehr als einen Fisch in drei

Dimensionen betrachtet hätten. Sie analysierten

jedes Detail jedes einzelnen Strömungswirbels,

um das Verhalten der Fische

zu verstehen.

«Intuitiv nimmt man an, dass die Fische

den unruhigen Bereichen ausweichen

und in ruhigen Bereichen schwimmen.

Ein Nachfolger interagiert sinnvoll mit dem von zwei führenden Fischen erzeugten Wirbelnachlauf,

was seine Schwimmeffizienz erheblich steigert. (® CSElab/ETH Zürich)

1 Dieser Beitrag erschien erstmals am 6. Juni

2018 am Swiss National Supercomputing

Centre (CSCS).

38 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


FOKUS ENERGIE

Doch stattdessen lernen sie, direkt in die

Wirbel hineinzuschwimmen», sagt Siddhartha

Verma, Postdoc am CSE lab.

Verma und Novati haben die Studie, die

kürzlich online in den Proceedings of the

National Academy of Sciences (PNAS)

publiziert wurde, unter der Leitung von

ETH-Professor Petros Koumoutsakos

durchgeführt.

Die Forscher stellten fest, dass die Fische

beim Schwimmen dann am meisten

Energie sparen, wenn sie nicht wie bisher

angenommen hintereinander schwimmen,

sondern sich leicht versetzt zur

Schwimmrichtung ihres Anführers positionieren.

In dieser Position nutzen sie die

durch die Schwimmbewegung des Anführers

generierten Strömungswirbel, indem

sie diese mit ihrem Kopf abfangen und

aufspalten. Die Fragmente leiten sie dann

ihrem Körper entlang. Der Verlauf der

aufgespaltenen Wirbel versorgt dabei die

Fische mit Schub, ohne dem Anführer

Energie zu rauben.

Autonome Roboter

«Damit gelang es uns zu zeigen, dass Fische,

die sich passend in einem Schwarm

positionieren, aus der dort herrschenden

Fluiddynamik Energie ziehen können»,

sagt Verma. Er betont, dass in ihren Simulationen

zwar nicht alle Aspekte effizienten

Schwimmverhaltens von Fischen untersucht

worden seien. Aber es sei klar,

dass die entwickelten Algorithmen und die

dabei gelernte Physik in autonom

schwimmende oder fliegende Roboter

transferiert werden könnten.

Ein autonomer Schwimm- oder Flugroboter

kann unerwartete Strömungsverhältnisse

bewältigen – beispielsweise Ware

anliefernde Flugdrohnen während starker

Winde oder Drohnen bei der Suche und

Rettung in einem Sturm. «Es gibt auch

Überlegungen, Flugzeuge mit ähnlichen

Zielen über bestimmte Strecken in Formationen

fliegen zu lassen, um Treibstoff zu

sparen. Der von uns entwickelte Algorithmus

könnte hier ebenfalls zum Einsatz

kommen», sagt Novati.

Die Forscher sind begeistert von den Möglichkeiten,

die ihnen diese neue Kombination

von präzisen und komplexen Strömungssimulationen

mit Reinforcement

Learning ermöglicht. Sie hoffen, dass

künftig auch andere Forscher beginnen,

maschinelles Lernen vernünftig in ihre

Simulationen einzubeziehen. ■

Literaturhinweis

Verma S, Novati G, Koumoutsakos P: Efficient

collective swimming by harnessing vortices

through deep reinforcement learning,

PNAS published ahead of print May 21, 2018.

https://doi.org/10.1073/pnas.1800923115

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Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

39


PERSPEKTIVEN

FACHSERIE – AKTUELLES AUS DER ONKOLOGIE:

SPÄTFOLGEN NACH EINER KREBSERKRANKUNG IM KINDESALTER

Heilung mit Nebenwirkungen

Die Erfolgsquote ist höchst erfreulich: 80 Prozent aller an Krebs erkrankten Kinder und Jugendlichen

in der Schweiz können geheilt werden. Weniger erfreulich sind die Nebenwirkungen, die teilweise

lange nach Abschluss der Behandlung mit gravierenden Folgen auftreten können. Entsprechend

wichtig ist die kontinuierliche, multidisziplinäre Beobachtung und Behandlung der Betroffenen.

Katrin Scheinemann, Associate Professor of Pediatrics McMaster University Canada 1,2,3

1 Pädiatrische Hämatologie/Onkologie, Universitätskinderspital beider Basel und Universität Basel;

2 Pädiatrische Hämatologie/Onkologie, Klinik für Kinder und Jugendliche Kantonsspital Aarau;

3 Department of Pediatrics, McMaster University Hamilton Canada

Jedes Jahr erkranken in der Schweiz ca.

300 Kinder und Adoleszente (


PERSPEKTIVEN

nimmt die Inzidenz der Spätfolgen über

die Zeit zu, d.h. je länger das Therapie ende

weg ist, desto höher steigen die Risiken, an

einer Spätfolge zu erkranken. Bei den bisherigen

Studien zeichnet sich auch noch

kein Plateau dieser Entwicklung ab – daher

ist eine lebenslange Nachsorge vorgesehen.

Diese Zahlen sind seit der ersten

Survivor-Generation in den späten 1970er

Jahren erhoben worden.

Kinder und Jugendliche mit der Diagnose

eines ZNS (zentrales Nervensystem)-Tumors

weisen die meisten und schwersten

Spätfolgen auf (5). Über 80 Prozent haben

mindestens eine Spätfolge: Am häufigsten

sind hormonelle Ausfälle, gefolgt von neurologischen

Folgekrankheiten. Aber auch

neurokognitive und psychosoziale Spätfolgen

sind sehr prävalent – dies führt zu

einer deutlichen Beeinträchtigung der

Lebensqualität. Die intensive Therapie

eines ZNS-Tumors, insbesondere die

Strahlentherapie, führt zur Abnahme des

Intelligenzquotienten, damit zu einer erniedrigten

Rate einer normalen Schulausbildung,

was sich gravierend auf den Berufseinstieg

und die weitere Berufslaufbahn

auswirkt (6).

Risiken verringern

Die Gestaltung der lebenslangen Nachsorge

wird fortlaufend den neuesten Erkenntnissen

angepasst. Man versucht weltweit,

standardisierte Risikogruppen festzulegen

und damit die Frequenz und Intensität der

Nachsorge zu steuern. Da die Therapieoptionen

der Krebserkrankungen im Kindes-

und Jugendalter von Beobachtung

über alleinige operative Therapie bis zu

sehr intensiver multimodaler Therapie

inklusive Stammzelltransplantation reichen,

machen entsprechende Risikogruppen

in der Nachsorge Sinn. Hiermit stellt

sich auch die Frage, ob man bei genügend

langem, unauffälligem Verlauf bei der

Überprüfung bestimmter Organsysteme

dieses Screening mit der Zeit wieder abschliessen

kann. Diese Frage ist im Moment

für das Screening der Kardiotoxiziät

bei gewissen Grunderkrankungen in Kanada

beantwortet worden: Diese Studie

hat gezeigt, dass nach zehn Jahren mit

unauffälligem Screening mittels Echokardiographie

und Elektrokardiogramm

dieses wieder beendet werden kann (7).

Welches sind nun die häufigsten Spätfolgen?

In der Tabelle sind exemplarisch einige

sehr häufige Spätfolgen erwähnt mit

ursächlichem Agens und den häufigsten

Grunderkrankungen (8).

Spätfolge Ursächliches Agens Grunderkrankung

Nephrotoxizität Ifosfamid, Cisplatin ZNS-Tumore, Weichteilsarkome

Ototoxizität

Platinumderivate,

ZNS-Tumore

Hirnbestrahlung

Knochennekrose Steroide Leukämien, Lymphome

Kardiotoxizität

Anthrazykline/thorakale Leukämien, Lymphome

Bestrahlung

Endokrinologische Defizite Hirnbestrahlung ZNS-Tumore

Zweitmalignome alle alle

Fatigue unklar alle

Posttraumatische Belastungsstörung

alle

alle

Fertilität Cyclophosphamid, Bestrahlung ZNS-Tumore, Leukämien,

Weichteilsarkome

Das Risiko für solide Zweitmalignome

wird im Wesentlichen durch eine Radiotherapie

beeinflusst. Daher sind in den

letzten Jahren Alternativen zur Strahlentherapie

wie zum Beispiel Hochdosistherapie

und anschliessende Stammzelltransplantation

entwickelt worden. Aber

auch die Modifikation der Dosis (kleinstmögliche

wirksame Dosis) und der Bestrahlungstechnik

(Intensitätsmodulierte

Radiotherapie IMRT) sowie der Bestrahlungsart

(Photonen vs. Protonen) in den

letzten Jahren können dieses Risiko verkleinern.

Zusammenfassend hat sich in der jüngeren

Vergangenheit die Nachsorge als eigenständiges

Untergebiet der pädiatrischen

Onkologie entwickelt. Grosse Kinderonkologien

in den USA und Kanada

haben eigenständige Unterabteilungen,

die sich nur mit der Nachsorge (klinische

Versorgung und Forschung) beschäftigen.

Im Vergleich zu anderen Ländern steht in

der Schweiz eine einheitliche nationale

Strategie und Organisation erst am Anfang.

Trotzdem sind in den letzten Jahren

viele kleine Schritte auf dem Gebiet der

Forschung und Versorgung unternommen

worden, um die optimale Nachsorge

der Survivors zu ermöglichen. Nachsorge

ist aber nur als multidisziplinärer Ansatz

erfolgreich – neben vielen medizinischen

Spezialisten sind auch die spezialisierte

Pflege, die Sozialarbeit, Rehabilitationsdienste

wie Ergo- und Physiotherapie als

auch die psychologischen Disziplinen und

verschiedene Berufs- und Karriereberatungsstellen

unter anderem wichtige Akteure.


Referenzen

[1] https://www.kinderkrebsregister.ch/fileadmin/KKR08/uploads/pdf/Jahresberichte/

Annual_Report_SCCR_2015_2016_Einzel_web.pdf.

[2] Brock PR, Knight KR, Freyer DR et al.: Platinum-induced

ototoxicity in children: a

consensus review on mechanisms, predisposition,

and protection, including a new International

Society of Pediatric Oncology

Boston ototoxicity scale. J Clin Oncol 2012;

30: 2408–2417.

[3] Phillips SM, Padgett LS, Leisenring WM et

al.: Survivors of childhood cancer in the

United States: prevalence and burden of

morbidity. Cancer Epidemiol Biomarkers

Prev. 2015 Apr; 24(4): 653–63.

[4] Oeffinerger KC, Mertens AC, Sklar CA et al.:

Chronic health conditions in adult survivors

of childhood cancer. N Engl J Med 2006; 355:

1572–82.

[5] Armstrong GT: Long-term Survivors of

Childhood Central Nervous System Malignancies:

The Experience of the Childhood

Cancer Survivor Study. Eur J Paediatr Neurol.

2010; 14(4): 298–303.

[6] Vinchon M, Baroncini M, Leblond P et al.:

Morbidity and tumor-related mortality

among adult survivors of pediatric brain

tumors: a review. Childs Nerv Syst. 2011;

27(5): 697–704.

[7] Ramjaun A, AlDuheiby E, Ahmed S et al.:

Echocardiographic detection of cardiac dysfunction

in childhood cancer survivors: how

long is screening required? Pediatric Blood

and Cancer 2015; 62: 2197–2203.

[8] Langer T, Schuster S, Eggert A: Nachsorge

nach onkologischen Erkrankungen. Monatsschrift

Kinderheilkunde 2015; 163:

112–119.

Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

41


PERSPEKTIVEN

AUS DER «PRAXIS»

Medikamentöse Senkung

des LDL-Cholesterins

LDL-LOWERING DRUGS

Jens Barthelmes 1 und Isabella Sudano 1,2

1 Kardiologie, Universitäres Herzzentrum, Universitätsspital Zürich

2 Universität Zürich

* Der Artikel erschien ursprünglich in der «Praxis»

(2017), 106 (17): 933–940.

MEDISERVICE VSAO-Mitglieder können die «Praxis»

zu äusserst günstigen Konditionen abonnieren. Details

siehe unter www.hogrefe.ch/downloads/vsao.

Im Artikel verwendete Abkürzungen:

CETP Cholesterinester-Transferprotein

CK Kreatinkinase

LDL-C LDL-Cholesterin

MTP Mikrosomales Triglycerid-Transferprotein

ULN Upper Limit of Normal / oberer Normwert

PAVK Periphere arterielle Verschlusskrankheit

PCSK9 Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9

SAMS Statin-assoziiertes Muskelsymptom

Einleitung

Nichtmedikamentöse Massnahmen (Tabakentwöhnung,

Ernährungsumstellung,

regelmässige Bewegung mit mindestens

30–45 min aerobem Training dreimal

wöchentlich, Gewichtsabnahme bei Übergewicht)

sollten immer eine notwendige

medikamentöse Behandlung begleiten

(siehe auch P. Suter in diesem Heft, S.

927–932). Durch Lebensstil-Veränderungen

kann das LDL-Cholesterin nur um

10–20 % reduziert werden. Allerding wird

die Qualität der LDL-Partikel positiv beeinflusst:

Eine Ernährung reich an Antioxidantien

(Früchte, Gemüse, Nüsse, …)

kann die Oxidation von LDL vermindern

und dadurch womöglich einen günstigen

Effekt auf das Herzkreislaufsystem erzielen.

Im Gegensatz zur amerikanischen Richtlinie

empfehlen aktuelle Leitlinien von

AGLA und ESC das Konzept der an Zielwerten

orientierten Senkung des LDL-

Cholesterins in Abhängigkeit von individuellen

Risken [42], s. auch W. Riesen in

diesem Heft, S. 921–926. Die Behandlungsindikation

bei Hypercholesterinämie

hängt grundsätzlich vom jeweiligen kardiovaskulären

Gesamtrisiko ab, das individuell

zu evaluieren ist [42] (Tab. 1).

Statine

Statine hemmen die HMG-Coenzym-A-

Reduktase in der Leber und damit die

Cholesterinproduktion. Als Antwort hierauf

werden die LDL-Rezeptoren hochreguliert

und damit die Entfernung der LDL

in die Leber stimuliert.

Zu dieser Medikamentenklasse gehören

verschiedene Wirkstoffe (Atorvastatin,

Sortis ® 10–80 mg/Tag; Rosuvastatin,

Crestor ® 10–40 mg/Tag; Fluvastatin,

Lescol ® 20–80 mg/Tag; Pravastatin, Selipran

® 10–40 mg/Tag; Simvastatin,

Zocor ® 20–80 mg/Tag; Pitavastatin,

Livazo ® 1, 2 oder 4 mg/Tag) die sich betreffend

Wirksamkeit, Metabolismus und

Interaktionspotenzial unterscheiden

(Tab. 2). Dabei sollte die Statin-Therapie

bis zum Erreichen der LDL-Cholesterinzielwerte

aufdosiert werden.

Bei Hypercholesterinämie sind Statine die

Therapie der ersten Wahl, da der klinische

Nutzen am besten dokumentiert ist.

Die CTT (Cholesterol Treatment Trialists)

Collaboration fasste Daten von 27 randomiserten

Studien (mit ca. 174 000 Teilnehmern)

zusammen, die Statine vs

Plazebo oder High-Intensity- vs Low-Intensity-Statin

verglichen [1, 2]: im Durchschnitt

verminderte die Reduktion des

LDL-Cholesterins um 1 mmol/l die relativen

Risiken für kardiovaskuläre Ereignisse

um 21 %, für kardiovaskulären Tod

um 20 % und für Gesamtmortalität um

10 %. Diese positiven Effekte von Statinen

wurden sowohl in der Sekundärprävention

(nach einem kardiovaskulären Ereignis)

als auch in der Primärprävention [3,

4] beobachtet. Allerdings ist die absolute

Wirksamkeit dieser Behandlung bei Patien

ten mit hohem Risiko stärker, z.B. in

der Sekundärprävention, als bei Patienten

mit niedrigem Risiko, z.B. in der Primärprävention:

je höher das kardiovaskuläre

Risiko, desto weniger Patienten müssen

zur Vermeidung eines Ereignisses behandelt

werden (Number Needed to Treat,

NNT).

Statine zeichnen sich durch hohe Sicherheit

und befriedigende Verträglichkeit aus.

Häufigste Nebenwirkungen sind Veränderungen

der Leberwerte und diffuse Myalgien

[5, 6]. Trotz ihres in Studien guten

Sicherheitsprofils werden Statine zwei

Jahre nach initialer Verordnung nur noch

von 25 % der Patienten zur primären Prävention

bzw. von 40 % zur sekundären

Prävention nach akutem Koronarsyndrom

eingenommen [7, 8].

Die Prävalenz von Myalgien wird auf

5–10 % geschätzt und ist der häufigste

Grund für einen Therapieabbruch [5] Bemerkenswert

ist, dass unter plazebokontrollierter

Re-Exposition nach Myalgie

unter Statin-Therapie 50 % der Statinintoleranten

auch Symptome unter Plazebo

berichten [9]. Wichtige Risikofaktoren für

das «Statin-assoziierte Muskelsymptom»

(SAMS) sind Alter >80 Jahren, weibliches

Geschlecht, niedriges Körpergewicht, genetische

Faktoren, intensiver Sport,

Schilddrüsen-Dysfunktion, Alkoholkonsum,

Konsum bestimmter Lebensmittel

(Grapefruit oder Cranberry Juice) oder

Einnahme von Medikamenten, die den

Stoffwechsel der Statine beeinflussen können

[5].

Besonders wichtig für die Prävalenz des

SAMS ist das Interaktionspotenzial des

eingenommenen Statins. Die meisten Statine

werden hauptsächlich über das Cytochrom

P450-System metabolisiert. Lova­

42 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


PERSPEKTIVEN

Kardiovaskuläres

Gesamtrisiko

(SCORE) %

LDL-Cholesterin


PERSPEKTIVEN

Symptome

CK

Muskelbeschwerden Normale CK Wird oft «Myalgie» genannt. Könnte im Zusammenhang mit einer Statin-Therapie

stehen. Die Kausalität ist fraglich wegen mangelnder Evidenz bei sehr seltenen starken

Muskelschmerzen in ranomdomisierten, doppelblinden Studien Statin vs Plazebo.

Muskelbeschwerden

CK > ULN ULN


PERSPEKTIVEN

Soll ein Statin trotz fraglich statinabhängiger Muskelsymptome fortgesetzt oder wieder angesetzt werden?

Symptomatisch + CK


PERSPEKTIVEN

höht. Im Gegensatz dazu dürfen Fenofibrat

oder Bezafibrat zusammen mit einem

Statin verabreicht werden und stellen die

Wirkstoffe erster Wahl bei hypercholesterinämischen

Patienten mit metabolischem

Syndrom dar, wenn diese unter

einem Statin allein keine genügende Senkung

des LDL-Cholesterins erreichen.

Allerdings zeigte in kontrollierten Studien

die Statin/Fenofibrat-Kombination keine

stärkere Senkung der kardiovaskulären

Ereignisse als die Monotherapie mit einem

Statin. In Post-hoc-Analysen fand man

allerdings die Rate kardiovaskulärer Ereignisse

durch ein Fibrat in der Subgruppe

von Patienten mit hohen Triglyzeridund

tiefen HDL-Cholesterinwerten signifikant

gesenkt [19, 20].

Anionenaustauschharze

Cholestyramin, Quantalan ® 4–24 g/Tag;

Colestipol, Celestid ® 5–30 g/Tag.

Anionenaustauschharze binden Gallensäuren

im Darm und unterbrechen damit

den enterohepatischen Kreislauf, was zu

einer Senkung des LDL-Cholesterins

führt. Die Kombination dieses Medikamentes

mit Statin kann bei therapieresistenten

Patienten erwogen werden [21, 22].

Ein Zusatznutzen wurde nie untersucht,

da verfügbare Studien aus der Zeit vor der

Statinentwicklung stammen. Einschränkend

ist zudem die Medikationsadhärenz

vermutlich aufgrund mehrmals täglicher

Einnahme des unangenehm schmeckenden

Pulvers und häufiger gastrointestinal

unerwünschter Wirkungen.

PCSK9-Hemmer

Alirocumab, Praluent ® 75 mg oder

150 mg alle zwei Wochen; Evolocumab,

Repatha ® 140 mg alle zwei Wochen oder

420 mg einmal pro Monat.

Diese vollhumanen monoklonalen Antikörper

senken die Plasma-Konzentration

von PCSK9 und führen dadurch zur Erhöhung

der LDL-Rezeptordichte und somit

Senkung der Plasmaspiegel von LDL-

Cholesterin. Ausserdem wird die Plasma-

Konzentration des Lipoprotein(a) gesenkt

[23] (siehe auch F. Kronenberg in diesem

Heft, S. 949–954).

Zusammenfassung

Hypercholesterinämie ist einer der am umfassendsten dokumentierten modifizierbaren kardiovaskulären

Risikofaktoren. Wir diskutieren die Grundpfeiler der medikamentösen Therapie bei Hypercholesterinämie

in der Primär- und Sekundärprävention. Dabei stehen Indikation, klinisches Outcome

und Verträglichkeit etablierter Therapien mit Statinen, Ezetimib und Fibraten sowie innovative Ansätze

wie die Hemmung der PCSK9 im Fokus. Unser Übersichtsartikel befasst sich auch mit spezifischen

Indikationen wie familiärer Hypercholesterinämie und Sekundärprävention bei Patienten mit kardiovaskulären

Ereignissen sowie mit Therapieoptionen bei Patienten mit Statinintoleranz.

Schlüsselwörter: Cholesterin, Statin, Ezetimib, PCSK9-Hemmer, kardiovaskuläres Risiko

Abstract

Hypercholesterolemia is one of the best documented modifiable cardiovascular risk factors. We discuss

the basics of drug therapy for hypercholesterolemia in primary and secondary prevention. The focus

is on the indication, clinical outcome and tolerability of established therapies, such as statins, ezetimibe,

and fibrates, as well as innovative approaches, such as PCSK9 inhibitors. The article aims to

provide an overview of the available data with special attention to the treatment of familial hypercholesterolemia,

the role of LDL reduction in secondary prevention and therapy options for patients with

statin intolerance.

Keywords: Cholesterol, statin, ezetimibe, PCSK9 inhibitors, cardiovascular risk

Résumé

L’hypercholestérolémie représente l’un des facteurs de risque cardiovasculaire modifiable les mieux

documentés. Seront discutées ici les bases du traitement médicamenteux dans la prévention primaire

et secondaire. L’attention sera portée sur l’indication, le devenir clinique et la tolérance de traitements

bien établis, à savoir les statines, l’ézétimibe et les fibrates, de même que l’approche innovante constituée

par les inhibiteurs de la PCSK9. Cet article a pour but de revoir les données disponibles, avec une

attention particulière portant sur l’hypercholestérolémie familiale, le rôle de la diminution des taux

de LDL-cholestérol dans la prévention secondaire et les options thérapeutiques pour les malades intolérants

aux statines.

Mots-clés: Cholestérol, statine, ézétimibe, inhibiteur de la PCSK9

PCSK9-Hemmer revolutionieren durch

ihre Galenik und starke Wirksamkeit die

Therapieoptionen im Bereich des Lipidmanagements.

Sie sind besonders wichtig

für Hochrisikopatienten und Patienten

mit familiärer Hypercholesterinämie, welche

mit anderen lipidsenkenden Therapien

keine ausreichende LDL-C-Senkung

erreichen können. Zwei Medikamente

dieser Klasse sind in der Schweiz zugelassen,

Alirocumab und Evolocumab, deren

Wirksamkeit und Sicherheit in den Studien

programmen ODYSSEY bzw. PROFI­

CIO evaluiert werden. Bei Hochrisiko-Patienten

[11], Patienten mit familiärer

Hypercholesterinämie [24, 25] sowie Patien

ten mit Statinintoleranz [26–28] wurde

gezeigt, dass diese Medikamente sehr

effektiv LDL senken, nämlich um 50–70 %

zusätzlich zur Statinwirkung [29–35]

und um ca. 50 % als Monotherapie ohne

Statin [36, 37]. Dabei werden die PCSK9

Hemmer sehr gut toleriert. Die bisherigen

Resultate relevanter Studien sind in einem

kürzlich publiziertem Review [43] zusammengefasst.

Besonders erwähnenswert sind die Studien

GLAGOV [32] und FOURIER [33], da

diese klinische Endpunkte untersuchten.

In der plazebokontrollierten GLAGOV-

Studie [32] wurden 968 Patienten mit

symptomatischer koronarer Herzerkrankung

eingeschlossen und 1:1 randomisiert

in einen Arm mit Statin-Monotherapie

vs. Statin-Therapie plus Evolocumab

(420 mg/Monat subkutan injiziert).

Die Last der intrakoronaren Atherosklerose

wurde mit intravaskulärem Ultraschall

(IVUS) evaluiert. Nach 18 Monaten Therapie

wurde die IVUS-Messung wiederholt

und der primäre Endpunkt (prozentuale

Änderung der Plaque-Last) sowie der sekundäre

Endpunkt (Änderung des totalen

Plaque-Volumens) bestimmt. Zusätzlicher

Endpunkt war der Anteil an Patienten, die

eine Ab- bzw. Zunahme ihrer Plaque-Last

erfuhren.

Das LDL-Cholesterin wurde unter Kombinationstherapie

im Vergleich zur Statin-

Monotherapie eindrücklich reduziert

(0,95 vs 2,4 mmol/l; p


PERSPEKTIVEN

Key messages

• Erhöhtes LDL-Cholesterin ist mit erhöhter kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität assoziiert.

• Die Senkung des LDL-Cholesterins durch Statine, Ezetimib und PCSK9-Hemmer reduziert das

Risiko kardiovaskulärer Ereignisse.

• Die Zielwerte des LDL sind abhängig vom kardiovaskulären Risiko-Profil des Patienten.

• Die medikamentöse Standardtherapie erfolgt durch Statine. Werden unter maximal tolerierter Statindosis

die Zielwerte für LDL-Cholesterin nicht erreicht, kann Ezetimib ergänzt werden.

• Wenn die Zielwerte weit verfehlt sind, können insbesondere in der Sekundärprävention oder bei

familiärer Hypercholesterinämie Statine mit PCSK9-Hemmern kombiniert werden.

Lernfragen

1. Welche Optionen hat ein Patient, der in der Sekundärprävention unter einer Statin-Monotherapie

seine Zielwerte nicht erreicht? (Mehrfachauswahl)

a) Dosis-Erhöhung

b) Kombination mit Ezetimib

c) Kombination mit Anionenaustauscherharzen

d) Kombination mit Fenofibrat

e) Kombination mit PCSK9-Hemmern

2. Wie ist das optimale Vorgehen bei einer CK-Erhöhung auf das über 4-Fache des oberen Normalwerts?

(Mehrfachauswahl)

a) Bei Muskelschmerzen: Statin weitergeben und nach drei Monaten kontrollieren.

b) Ohne Muskelbeschwerden: Statin stoppen.

c) Bei Muskelschmerzen: Statin absetzen, Kontrolle und Provokationsversuch durch Wiederbeginn

der Statin-Therapie.

d) Statin absetzen und Kontrolle nach vier Wochen.

3. Bei welchen Patienten sollte ein Einsatz von PCSK9-Hemmern erwogen werden? (Mehrfachauswahl)

a) Bei Patienten mit familiärer Hypercholesterinämie und LDL-Cholesterin 3,2 mmol/l unter

Statin.

b) Bei Patienten mit Myokardinfarkt und LDL-Cholesterin von 2,8 mmol/l unter Statin und Ezetimib.

c) Bei Patienten mit familiärer Hypercholesterinämie, Myokardinfarkt und Statinintoleranz mit

LDL-Cholesterin von 3,7 mmol/l unter Ezetimib.

d) Bei Patienten mit familiärer Hypertriglyzeridämie nicht am Ziel unter Fibraten.

e) Bei Patienten mit progredienter peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) und LDL-

Cholesterin von 3,4 mmol/l unter Kombinationstherapie von Statin und Ezetimib.

notherapie erreicht werden (p


PERSPEKTIVEN

rin oder Dextran-Sulfat enthalten, extrakorporal

entfernt. Das Verfahren wird für

gewöhnlich einmal in der Woche durchgeführt.

Parallel wird die Hypercholesterinämie

weiterhin mit Medikamenten

behandelt. Die klinische Wirksamkeit

dieser Therapie lässt sich nur schlecht

durch klassische randomisierte, plazebokontrollierte

und doppelblinde Studien

evaluieren. Ergebnisse relativ grosser Register-Studien

sprechen dafür, dass durch

diese Therapie kardiovaskuläre Ereignisraten

gesenkt werden. Die Therapie wird

schon heute sehr selten eingesetzt und

ihre Indikation wird durch die PCSK9-

Hemmer noch stärker reduziert [38, 39].

MTP-Hemmer

Ziel des Einsatzes von MTP-Hemmern

(Lomitapid, Juxtapid ® ) ist die Senkung

der Produktion von Lipoproteinen in

Darm und Leber. Obwohl MTP-Hemmer

das LDL-Cholesterin bis ca. 50 % senken,

ist der Einsatz dieser Therapie durch deutliche

Erhöhung der Leberwerte und Leberverfettung

limitiert [40]. ■

Manuskript angenommen: 24.5.2017

Interessenskonflikt: Die Autoren erklären,

dass kein Interessenskonflikt besteht.

PD Dr. med. Isabella Sudano,

PhD

Kardiologie

Universitäres Herzzentrum

Universitätsspital Zürich

Rämistrasse 100

8091 Zürich

isabella.sudano@usz.ch

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48 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


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Hemmung mit Antikörpern: die Resultate

der Phase-III Studienprogramme. Cardiovasc

Med 2017; 20: 123–131.

Antworten zu den Lernfragen

1. Alle Antworten sind richtig.

2. Antworten a) und c) sind richtig.

3. Antworten a), b), c) und e) sind richtig.

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Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

49


PERSPEKTIVEN

D as erleseneObjekt

Der letzte Stich

Prof. Iris Ritzmann, Medizinhistorikerin in Zürich

Instrumente wie diese Ahle gehörten zum

Set jedes Sattlers oder Schuhmachers. Der

abgerundete Griff ermöglicht, den langen,

leicht gebogenen Metallstift einhändig zu

führen, denn das spitze Metall gleitet ohne

grosse Kraftanstrengung durch dickes

Leder. Das zugehörige Etui mit hübscher

Bordüre, einer samtenen Innenauskleidung

und zwei zierlichen Verschlüssen

weist allerdings darauf hin, dass dieses

Instrument vermutlich einem bessergestellten

Besitzer gehörte.

auch die Angst, lebendig begraben zu

werden.

Das spitze Instrument bot Abhilfe, und

zwar auf die radikalste Art: Gegen ein

gewisses Entgelt sollten Ärzte nach der

Todesfeststellung den finalen Herzstich

vollziehen. Spätestens nach dieser Anwendung

wurde der Verstorbene definitiv als

tot betrachtet und konnte guten Gewissens

begraben werden. Hatte man testamentarisch

einen Herzstich festgelegt, wie es

beispielsweise der österreichische Schriftsteller

und Arzt Arthur Schnitzler getan

hatte, brauchte man sich nicht zu sorgen,

als Scheintoter gefangen im dunklen Sarg

aufzuwachen, stundenlang um Hilfe zu

schreien und schliesslich verzweifelt zu

sterben. Es waren solche Geschichten, die

zum Bau ausgeklügelter Friedhofsanlagen

mit Bewegungsmeldern führten: Über

einen Glockenzug konnte der lebendig

Begrabene einen Alarm auslösen.

Das Berliner Medizinhistorische Museum

der Charité widmet sich diesem Skandalthema

in einer vielschichtigen und

lehrreichen Ausstellung. Dort trägt das

ahlenförmige Instrument den Namen

«Herzstichmesser», auch wenn es keine

Schneide aufweist. Es stammt aus der

Pathologisch-anatomischen Sammlung

im Wiener Narrenturm, die 1796 gegründet

wurde, aber erst 180 Jahre später mit

dem Sammeln von Instrumenten begann.

Auch das Bestattungsmuseum am Wiener

Zentralfriedhof besitzt ein Herzstichmesser,

das auf 1900 datiert wird und effektiv

einem Messer und nicht einer Ahle gleicht.

Ganz leise regen sich Zweifel, ob das ahlenförmige

Ausstellungsobjekt wirklich

Ärzte zu potentiellen Mördern machte –

oder nicht einfach Löcher durch Leder

bohrte.


Sie haben es längst erraten: Es handelt

sich natürlich nicht um eine Schusterahle,

sondern um ein ärztliches Instrument

aus der Zeit um 1800. Doch wozu wurde

es gebraucht? Bereits vor über 200 Jahren

dominierten Skandalthemen die Presse,

die Wissenschaft und schliesslich auch

den Alltag. Sie wurden von einzelnen Meinungsmachern

hochgepuscht, erfassten

die Bevölkerung in Wellen und dauerten

so lange an, wie sie Menschen zu ängstigen

vermochten. Ein solches Thema war

Sonderausstellung «Scheintot – über die

Ungewissheit des Todes und die Angst,

lebendig begraben zu werden»

20. April 2018 bis 31. März 2019

Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité, Charitéplatz 1, 10117 Berlin

Öffnungszeiten:

Di, Do, Fr, So 10–17 Uhr

Mi und Sa 10–19 Uhr

Mo

geschlossen

50 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


MEDISERVICE VSAO-ASMAC

Unsere Angebote – Ihre Vorteile

MEDISERVICE VSAO-ASMAC hat mit folgenden Unternehmen Zusammenarbeitsverträge

abgeschlossen und kann deren Versicherungslösungen anbieten:

Allianz Suisse

• Motorfahrzeugversicherung

• Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung

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• Unfallversicherung UVG

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Helvetia

• Berufs- und Betriebshaftpflichtversicherung

• Geschäftsversicherung

• Technische Versicherung

ZURICH

• Motorfahrzeugversicherung

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• Krankentaggeldversicherung

Visana

• Unfallversicherung UVG

• UVG-Zusatzversicherung

• Krankentaggeldversicherung

AXA-ARAG

• Rechtsschutzversicherung (Privat-, Verkehrs- und Berufsrechtsschutz)

Innova

• Krankentaggeldversicherung

Schweizerische Ärzte-Krankenkasse

• Krankentaggeldversicherung / Invaliditäts-Taggeld

Assura · Concordia · Sanitas · Swica · Visana

• Krankenzusatzversicherungen

Versicherung der Schweizer Ärzte Genossenschaft

• Lebensversicherung

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Falls Sie bereits eine Versicherung bei einer der oben genannten Versicherungen besitzen,

dann prüfen Sie einen Übertritt in unsere Kollektivverträge. Wir unterstützen Sie gerne dabei.

Für Auskünfte wenden Sie sich bitte an:

MEDISERVICE VSAO-ASMAC

Telefon 031 350 44 22

info@mediservice-vsao.ch

Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

51


MEDISERVICE VSAO-ASMAC

BRIEFKASTEN

Ich habe kürzlich mein Mietobjekt zurückgegeben und nun von meinem

ehemaligen Vermieter eine hohe Schlussrechnung erhalten. Bei der

Abgabe hatte der Vermieter nur wenige Punkte bemängelt. Muss ich

die Rechnung dennoch vollumfänglich bezahlen?

Nach Beendigung des Mietverhältnisses sehen sich die Mieter von Wohn- oder Geschäftsliegenschaften

manchmal mit beträchtlichen Forderungen des Vermieters konfrontiert,

die unter Umständen nicht alle berechtigt sind. Wer die gesetzlichen Bestimmungen

kennt, kann sich besser vorbereiten – und sich entsprechend wehren.

Sowohl für Wohnungen als auch für Geschäftsräume gilt:

Die normale Abnutzung des Mietobjekts wird durch den Mietzins abgegolten. Vom ausziehenden

Mieter sind lediglich die Kosten für Schäden, die durch übermässige Abnutzung

während der Mietdauer entstanden sind, zu bezahlen. Der Vermieter muss die

Schäden beweisen. Zu übernehmen sind indessen nur jene Schäden, die vom Vermieter

rechtzeitig gerügt werden. Zudem richten sich die zu übernehmenden Kosten für den

Ersatz von beschädigten Gegenständen nach deren Zeitwert. Ist der Zeitwert des beschädigten

Gegenstands bereits vollständig abgelaufen, so können die Ersatzkosten dem

Mieter nicht belastet werden. Kleine Reparaturen hingegen, die ohne Fachwissen selbst

ausgeführt werden können, sind vom Mieter zu übernehmen, ebenso der Ersatz von

Kleingegenständen wie Glühbirnen, selbst wenn der Zeitwert bereits abgelaufen ist.

Alexandra Pestalozzi, Rechtsanwältin

Immobilienrecht AXA-ARAG

AXA-ARAG bietet MEDISERVICE VSAO-Mitgliedern

eine Rechtsschutzversicherung zu

sehr vorteilhaften Konditionen an. Haben Sie

noch weitere Fragen? Wenden Sie sich an

Ihren Ansprechpartner bei MEDISERVICE

VSAO-ASMAC unter Telefon 031 350 44 22

oder per E-Mail info@mediservice-vsao.ch.

Das Protokoll – Sicherheit für beide Seiten:

Im bei der Rückgabe erstellten Protokoll werden vom Vermieter die vom Mieter zu übernehmenden

Schadenspositionen sowie allfällige weitere Kosten – beispielsweise für die

Nachreinigung – festgehalten. Dieses Protokoll dient dem Vermieter als Basis für die

Schlussrechnung und sollte sorgfältig geprüft werden. Im Zweifelsfall kann der Mieter

einen Vorbehalt anbringen oder die Unterschrift verweigern. In einem beidseitig unterzeichneten

Protokoll festgehaltene Schäden gelten als anerkannt.

Spezialfall Mieterausbauten:

Wenn der Mieter eigene Mieterausbauten in den Mieträumlichkeiten eingebaut hat, gelten

für diese Mieterausbauten spezielle Bestimmungen. Idealerweise sollten die Vereinbarungen

zu der Frage, was bei der Beendigung des Mietverhältnisses mit den Mieterausbauten

geschieht, im Mietvertrag detailliert festgehalten sein. Erfahrungsgemäss sehen entsprechende

Mietvertragsbestimmungen oftmals vor, dass die Mieterausbauten vom Mieter

zurückzubauen sind, sofern der Vermieter die Mieterausbauten nicht übernehmen will.

Zurück zu der eingangs gestellten Frage:

Als Mieterin müssen Sie demnach Schäden – unter Berücksichtigung des Zeitwerts – nur

übernehmen, wenn diese rechtzeitig (im Protokoll oder ggf. auf andere Weise) gerügt wurden

und der Vermieter die Schäden sowie die übermässige Abnutzung nachweisen kann.

Wenn Sie selbst nicht mehr weiterkommen: Bei Streitigkeiten mit Ihrem Vermieter steht

Ihnen Ihre Rechtschutzversicherung zur Seite. ■

Das müssen Sie wissen:

• Kleine Unterhaltsarbeiten und der Ersatz von Kleingegenständen gehen zulasten

des Mieters.

• Normale Abnutzung wird durch die Miete abgegolten.

• Prüfen Sie bei Mieterausbauten Ihren Mietvertrag auf allfällige Regelungen.

• Die Kosten für übermassige Abnutzung sowie allfällige Schäden müssen nur dann

übernommen werden, wenn der betreffende Mangel bei der Abgabe rechtzeitig

gerügt wurde.

• Die Kosten für Ersatz und Schadensbehebung richten sich nach der Lebensdauer

des betreffenden Gegenstands.

• Prüfen Sie das Abgabeprotokoll sorgfältig und bringen Sie gegebenenfalls einen

Vorbehalt an – oder verweigern Sie die Unterschrift.

52 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


MEDISERVICE VSAO-ASMAC

Wie halten Sie es mit Hausrat-,

Privathaftpflicht- und Rechtsschutzversicherung?

Die Schweizerinnen und Schweizer neigen angeblich dazu, sich zu überversichern. In der Tat

ist nicht jede Versicherung auch wirklich notwendig. Ganz sicher keine Kompromisse sollten Sie

bei der Hausrat-, bei der Privathaftpflicht- und bei der Rechtsschutzversicherung machen. Diese

gehören in jeden Haushalt.

Hannes Bichsel, Produktmanager bei Visana

Hausratversicherung:

empfohlen

Beim Thema Hausratversicherung sind

sich alle Experten für einmal einig: Obwohl

sie von Gesetzes wegen nicht obligatorisch

ist, gehört sie unbedingt in jeden

Haushalt. Bereits ein kleiner Brand oder

ein Rohrbruch können einen Schaden von

mehreren zehntausend Franken anrichten.

Die Hausratversicherung schützt Ihr

Eigentum gegen die finanziellen Schäden

eines solches Ereignisses. Auch bei anderen

Beschädigungen oder bei einem Diebstahl

hilft die Hausratversicherung.

Privathaftpflichtversicherung:

empfohlen

Ebenfalls zu den unverzichtbaren Versicherungen

gehört die Privathaftpflichtversicherung.

Sie kommt jeweils zum Tragen,

wenn Sie jemandem einen Schaden zufügen.

Zum Beispiel bei einem Zusammenstoss

beim Velofahren oder auf den Ski.

Eine Privathaftpflichtversicherung beinhaltet

meist eine Garantiesumme von

mindestens fünf Millionen Franken. Die

Jahresprämie für eine ganze Familie bewegt

sich in bescheidenem Rahmen, wenn

man bedenkt, welche Risiken sie abdeckt.

Sie erhalten eine leistungsstarke Versicherung

bereits ab rund 100 Franken.

Mehr als ein Krankenversicherer

Visana ist nicht «nur» ein Krankenversicherer, wir verfügen auch über mehr als 20 Jahre Erfahrung

mit Hausrat-, Privathaftpflicht-, Rechtsschutz- und Gebäudeversicherungen. Unsere sogenannten

Directa-Produkte belegen in unabhängigen Prämienvergleichen (zum Beispiel des Westschweizer

Konsumentenmagazins «Bon à savoir») stets einen Spitzenplatz. Sie finden den Vergleich auf www.

visana.ch/privathaftpflicht.

Exklusive Prämienrabatte auf die Zusatzversicherungen

Dank der Partnerschaft des MEDISERVICE VSAO-ASMAC mit Visana erhalten Sie und alle Mitglieder

in Ihrem Haushalt einmalige Prämienrabatte auf die Zusatzversicherungen der Visana:

• Bis zu 20% Kollektivrabatt auf die Spitalzusatzversicherung

• 20% Gesundheitsrabatt auf die Spitalzusatzversicherung

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Vereinbaren Sie am besten gleich einen Beratungstermin und erhalten Sie als Dankeschön einen

Coop-Gutschein im Wert von CHF 30.–. Gerne beraten wir Sie in unserer Visana-Geschäftsstelle

oder bei Ihnen zu Hause. Hier können Sie uns erreichen:

Visana Services AG, Weltpoststrasse 19, 3000 Bern 15, Telefon 0848 848 899

www.visana.ch/hk/ms-vsao

Rechtsschutzversicherung:

empfohlen

Die Rechtsschutzversicherung (Privat-,

Verkehrs- und/oder Gesundheitsrechtsschutz)

gehört ebenfalls zu den freiwilligen

und von Experten empfohlenen Versicherungen.

Rechtliche Auseinandersetzungen

am Arbeitsplatz, mit der Vermieterin oder

bei einem Verkehrsunfall können rasch

sehr teuer werden. Da hilft eine professionelle

Beratung und Unterstützung. Gut zu

wissen: Eine Verkehrsrechtsschutzversicherung

ist nicht nur für Automobilistinnen

oder Automobilisten empfehlenswert. Auch

wenn Sie einen Roller, ein E-Bike oder ein

Rennvelo lenken, profitieren Sie vom Verkehrsrechtsschutz.

Ebenso als Buspassagier

oder als Fussgänger.

Das bietet eine gute Rechtsschutzversicherung

• Sie übernimmt Leistungen bis zu

250 000 Franken im versicherten

Schadenfall

• Sie deckt Kosten für Expertisen, Gutachten

oder Prozessentschädigungen

• Sie übernimmt Anwalts- und Prozesskosten

• Sie bietet juristischen Beistand durch

Spezialisten und/oder durch eine kostenlose

telefonische Rechtsauskunft

• Sie hat keinen Selbstbehalt und keine

Mindeststreitwertsumme

Gebäudeversicherung:

meist obligatorisch

Wenn Sie selber über Wohneigentum verfügen,

haben Sie vermutlich eine Gebäudeversicherung

abgeschlossen. In den meisten

Kantonen ist diese obligatorisch. Sie

schützt Ihre eigenen vier Wände gegen

Schäden infolge Feuer- und Elementarereignisse,

Wasserschäden und Glasbruch.

Die Gebäudeversicherung übernimmt auch

Schäden durch Elementarereignisse, beispielsweise

durch Hagel, Erdrutsch,

Schneedruck oder Überschwemmung. Neben

den Basisleistungen der Gebäudeversicherung

können Sie bei Bedarf weitere

Leistungen einschliessen, beispielsweise

Schäden durch Marder, Nager oder Insekten

sowie durch Vandalismus mit Sprayereien.

Sie können zudem Ihre Solaranlagen

mit einer Zusatzversicherung einschliessen

lassen. ■

Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

53


Wir beraten Ärztinnen und Ärzte, weil wir sie gut verstehen.

Lassen Sie sich von uns einen gratis Versicherungs-Check-Up

verschreiben. Und danach sprechen wir über Ihre Personenversicherung,

Sach- und Vermögensversicherung und Unfallversicherung.

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VORSORGESTIFTUNG VSAO

Stabsübergabe bei der

Vorsorgestiftung VSAO

Nach mehr als 20 Jahren an der Spitze der Vorsorgestiftung des VSAO tritt Peter Scotton

als Geschäftsführer zurück. Seine Funktion übernimmt der bisherige Leiter der Versichertenverwaltung

Christoph Rytz. Die Pensionskasse der angestellten Ärztinnen und Ärzte

ist sehr robust aufgestellt und geht auch 2018 von einem erfolgreichen Anlagejahr aus.

Christoph Rytz, Leiter der Geschäftsstelle

Liebe Versicherte

Das Geschäftsjahr 2017 war durch ein

aussergewöhnlich positives Börsenjahr

geprägt, von dem auch wir profitieren

konnten. Die Konsumentenstimmung

verbesserte sich spürbar, jedoch blieben

die Zinsen nach wie vor auf einem historisch

tiefen Niveau, was die Anleger dazu

verleitete, grössere Risiken einzugehen.

Mit unserer unveränderten vorsichtigen

Anlagestrategie konnten wir in diesem

Umfeld eine Gesamtperformance von

10,43 Prozent erarbeiten. Im Vergleich

mit anderen Pensionskassen lagen wir

deutlich über dem Branchendurchschnitt

von 7,3 Prozent (gemäss UBS-Barometer).

Die Gefahr einer Blasenbildung und

von Kurskorrekturen, welche zu Beginn

dieses Jahres eingesetzt haben, haben

den Stiftungsrat dazu bewogen, wichtige

Beschlüsse zur Verwendung des sehr guten

Anlageergebnisses zu fällen. Beim

Entscheid, wie das Ergebnis verteilt wurde,

berücksichtigte der Stiftungsrat sowohl

die langfristige finanzielle Stabilität

der Stiftung als auch die Interessen der

Rentnerinnen, Rentner und versicherten

Personen.

In einem ersten Schritt wurden sämtliche

technischen Rückstellungen gebildet sowie

die Wertschwankungsreserve, basierend

auf unserer Risikofähigkeit bei der

Anlagestrategie, auf die maximale Zielgrösse

geäufnet. Zudem wurde eine Rückstellung

für eine künftige Senkung des

technischen Zinssatzes (zu erwartende

Verzinsung des Kapitals der künftigen

Rentnerinnen und Rentner) von heute

zwei Prozent auf 1,5 Prozent vorgenommen.

In einem zweiten Schritt wurde für

die Rentnerinnen und Rentner der bisher

aufgeschobene Teuerungsausgleich eingebaut.

In einem dritten Schritt wurde

aufgrund der bereits im Jahr 2016 beschlossenen

Senkung der Umwandlungssätze

per 1. Januar 2018 allen 45- bis

54-jährigen versicherten Personen eine

Zusatzverzinsung von 0,75 Prozent und

den über 55-jährigen eine solche von 1,5

Prozent zum Ausgleich der künftigen

Rentenkürzung gutgeschrieben. In einem

vierten Schritt wurde allen per Ende 2017

versicherten Personen eine einmalige Zusatzverzinsung

von vier Prozent gutgeschrieben,

dies zusätzlich zu der bereits

im November 2016 beschlossenen Verzinsung

des Alterssparkapitals von 1,25 Prozent.

Zu guter Letzt konnte zu Lasten der

Jahresrechnung 2017 noch eine Rückstellung

für beschlossene Leistungsverbesserungen

(Höherverzinsung 2018 – zwei

Prozentpunkte über der vom Bundesrat

festgelegten Mindestverzinsung von einem

Prozent) gebildet werden. Mit der

Auflösung der vorgenannten Rückstellung

im Jahr 2018 können wir sicherstellen,

dass im laufenden Jahr die Höherverzinsung

trotz möglicher Kurskorrekturen an

den Finanzmärkten gewährleistet ist und

somit die Jahresrechnung 2018 nicht belasten

wird.

Im Frühling dieses Jahres wurde der Jahresabschluss

mit der neuen Verwaltungssoftware

erstellt. Mit dem reibungslosen

Ablauf der Abschlussarbeiten können wir

sehr zufrieden sein. Es bestätigt, dass sich

die Einführung der neuen Software auf

den 1. Januar 2017 gelohnt hat. Mit der

neuen Software und den tiefen Verwaltungskosten

von CHF 111 je Versichertendossier

(die durchschnittlichen Verwaltungskosten

gemäss Swisscanto Vorsorge

AG liegen bei CHF 337 je Versichertendossier)

werden wir auch in Zukunft konkurrenzfähig

bleiben.

Der provisorische Deckungsgrad per 31. Juli

2018 betrug erfreuliche 114,50 Prozent.

Abschied …

Peter Scotton hat sich nach 21 Jahren erfolgreicher

Geschäftsführung entschieden,

ab dem 1. Juli 2018 kürzerzutreten. Er hat

unsere Stiftung nach unternehmerischen

Grundsätzen sehr umsichtig, effizient und

kostenbewusst geführt. Peter Scotton wird

sich im Mandatsverhältnis weiterhin unseren

noch laufenden und künftigen Bauprojekten

widmen. Zudem bleibt er uns

auch als Verwaltungsratspräsident der vor

zehn Jahren gegründeten PK Immo AG

(100-prozentige Tochtergesellschaft der

Vorsorgestiftung VSAO) erhalten. Diese

kümmert sich vorwiegend um die Bewirtschaftung

unserer Immobilien im Grossraum

Bern, Seeland und Solothurn, betreut

aber ebenso erfolgreich Liegenschaften

anderer Pensionskassen und weitere

Drittmandate. Für den bisher geleisteten

Einsatz danke ich Peter Scotton herzlich.

Peter Scotton

… und Neuanfang

Der Stiftungsrat hat mich per 1. Juli 2018

zum neuen Leiter der Geschäftsstelle gewählt.

Ich freue mich sehr über das mir

geschenkte Vertrauen und ebenso freue

ich mich auf die neue Herausforderung.

Nr. 5 Oktober 2018

VSAO JOURNAL ASMAC

55


• Geriatrie/Depressionen

• TripAdvisor für Ärztejobs

Nr. 1 Februar 2018

Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte

VSAO JOURNAL

Associazione svizzera dei medici assistenti e capiclinica

Association suisse des médecins-assistant(e)s et chef(fe)s de clinique

Nachwuchs

A_180522_VSAO_1_Editorial_(001_005).indd 1 30.01.18 07:56

Publikation2018


VORSORGESTIFTUNG VSAO

Zu meinem beruflichen Werdegang:

Nach erfolgreichem Abschluss der

kaufmännischen Ausbildung war ich

während vier Jahren beim KIGA des Kantons

Bern, Abteilung Arbeitslosenkasse, als

Sachbearbeiter und Gruppenleiter tätig.

Während der Anstellungszeit beim Altersund

Versicherungsamt der Stadt Bern,

Abteilung Ergänzungsleistungen, begann

ich die Ausbildung zum Sozialversicherungsfachmann

mit eidgenössischem

Fachausweis und schloss diese im September

2000 erfolgreich ab. Noch während

der Ausbildung zum Sozialversicherungsfachmann

trat ich die Stelle als stv.

Leiter Versichertenverwaltung bei der

Vorsorgestiftung VSAO an und wurde per

1. Januar 2004 zum Abteilungsleiter befördert.

Während den letzten 18 Jahren

absolvierte ich die Ausbildung für Berufsbildnerinnen

und Berufsbildner, besuchte

die Fachschule für Personalvorsorge und

schloss im Herbst 2013 den Lehrgang Pensionskassenleiter

mit dem eidgenössischen

Diplom erfolgreich ab. Mit Besuchen

von gezielten Fachseminaren halte

ich mein Fachwissen stets auf dem Laufenden.

Mit meiner nun langjährigen Erfahrung

im Bereich der beruflichen Vorsorge sowie

mit der Gewissheit, dass ich auf langjährige,

gut ausgebildete, engagierte und

innovative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

zählen kann, können unsere Geschäftspartner,

die Versicherten sowie die

angeschlossenen Arbeitgeber weiterhin

auf unsere professionelle und dienstleistungsorientierte

Arbeit zählen.

Ausblick

Bewegen sich die Finanzmärkte weiterhin

im Bereich der Monate Mai, Juni und Juli

und erfolgen in den kommenden Monaten

keine massiven Kurskorrekturen, so können

wir erneut von einem erfolgreichen

Anlagejahr ausgehen. Sobald die Revision

der EDV und der Informationssicherheit

abgeschlossen ist, werden wir den Versicherten

und allen angeschlossenen Arbeitgebern

unsere Online-Plattform zur Verfügung

stellen. Die Plattform wird den Versicherten

die Möglichkeit bieten, verschiedene

Simulationen von Geschäftsfällen

(Berechnung max. Einkaufssumme,

Pensionierung, Lohnerhöhungen etc.) vorzunehmen.

Ebenfalls können Zivilstandsund

Adressänderungen mutiert und uns

mitgeteilt werden. Sämtliche Arbeitgeber

werden die Möglichkeit haben, die Einund

Austritte, die Lohnänderungen und

weitere Mutationen online zu melden. Wir

erhoffen uns, dass mit der Online-Plattform

die täglich anfallende Papierflut reduziert

werden kann und somit die Umwelt

entsprechend entlastet wird.

Hypothekarzinssätze für Neugeschäfte gültig ab

01.07.2018

Libor-Hypotheken

Ich wünsche Ihnen einen schönen, goldenen

Herbst.

Hypothekarzinssätze

3-Monats-Libor-Hypothek in CHF max. 70% des Belehnungswertes 0.800%

Hypothekarzinssätze Variable Hypotheken für Neugeschäfte gültig ab 01.07.2018

Variable Hypothek 1. Rang max. 70% des Belehnungswertes 1.750%

Variable Hypothek 2. Rang max. 10% des Belehnungswertes (amortisationspflichtig) 2.000%

Libor-Hypotheken

Festhypotheken

3-Monats-Libor-Hypothek Laufzeit 5 Jahre in CHF max. 70% des Belehnungswertes max. 70% des Belehnungswertes 1.000%

0.800%

Laufzeit 10 Jahre max. 70% des Belehnungswertes 1.200%

Variable Hypotheken

Anpassung bestehende Geschäfte per: –

Variable Änderungen Hypothek der Zinskonditionen 1. Rang bleiben vorbehalten. max. 70% des Belehnungswertes 1.750%

Christoph Rytz

Variable Hypothek 2. Rang max. 10% des Belehnungswertes (amortisationspflichtig) 2.000%

Festhypotheken

Laufzeit 5 Jahre max. 70% des Belehnungswertes 1.000%

Laufzeit 10 Jahre max. 70% des Belehnungswertes 1.200%

Anpassung bestehende Geschäfte per: -

Änderungen der Zinskonditionen bleiben vorbehalten.

Nr. 5 Oktober 2018

Taux d'intérêts hypothécaires

VSAO JOURNAL ASMAC

57


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IMPRESSUM

KONTAKTADRESSEN DER SEKTIONEN

Nr. 5 • 37. Jahrgang • Oktober 2018

Herausgeber/Verlag

MEDISERVICE VSAO-ASMAC

Bollwerk 10, Postfach, 3001 Bern

Telefon 031 350 44 88

journal@vsao.ch, journal@asmac.ch

www.vsao.ch, www.asmac.ch

Im Auftrag des VSAO

Redaktion

Catherine Aeschbacher (Chefredaktorin),

Giacomo Branger, Franziska Holzner-Arnold, Kerstin

Jost, Lukas Staub, Anna Wang, Sophie Yammine

Geschäftsausschuss VSAO

Anja Zyska (Präsidentin), Patrizia Kündig (Vizepräsidentin),

Angelo Barrile (Vizepräsident), Nora Bienz,

Christoph Bosshard, Michel Clément, Karin Etter,

Marius Grädel-Suter, Dina-Maria Jakob, Gert Printzen,

Miodrag Savic, Sergio Sesia, Hervé Spechbach, Robin

Walter (swimsa)

Druck, Herstellung und Versand

Stämpfli AG, Wölflistrasse 1, CH-3001 Bern

Telefon +41 31 300 66 66

info@staempfli.com, www.staempfli.com

Layout

Tom Wegner

Inserate

Zürichsee Werbe AG, Fachmedien, Markus Haas

Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa

Telefon 044 928 56 53

E-Mail vsao@fachmedien.ch

Auflagen

Druckauflage: 22 500 Expl.

WEMF/SW-Beglaubigung 2017: 21 842 Expl.

Erscheinungshäufigkeit: 6 Hefte pro Jahr.

Für VSAO-Mitglieder im Jahresbeitrag inbegriffen.

ISSN 1422-2086

Ausgabe Nr. 6/2018 erscheint im Dezember 2018.

Thema: Wunder

© 2018 by VSAO, 3001 Bern

Printed in Switzerland

AG VSAO Sektion Aargau, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier, Auf der Mauer 2,

8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch, Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20

BL/BS

VSAO Sektion beider Basel,

Geschäftsleiterin und Sekretariat: lic. iur. Claudia von Wartburg, Advokatin,

Hauptstrasse 104, 4102 Binningen, Tel. 061 421 05 95,

Fax 061 421 25 60, sekretariat@vsao-basel.ch, www.vsao-basel.ch

BE VSAO Sektion Bern, Schwarztorstrasse 7, 3007 Bern, Tel. 031 381 39 39,

bern@vsao.ch, www.vsao-bern.ch

FR ASMAC Sektion Freiburg, Gabriela Kaufmann-Hostettler, Wattenwylweg 21,

3006 Bern, Tel. 031 332 41 10, Fax 031 332 41 12, info@gkaufmann.ch

GE Associations des Médecins d’Institutions de Genève, Postfach 23,

Rue Gabrielle-Perret-Gentil 4, 1211 Genf 14, amig@amig.ch, www.amig.ch

GR

JU

VSAO Sektion Graubünden, 7000 Chur, Samuel B. Nadig, lic. iur. HSG,

RA Geschäftsführer/Sektionsjurist, Tel. 078 880 81 64, info@vsao-gr.ch,

www.vsao-gr.ch

ASMAC Jura, 6, chemin des Fontaines, 2800 Delémont, marie.maulini@h-ju.ch

NE ASMAC Sektion Neuenburg, Joël Vuilleumier, Jurist, Rue du Musée 6,

Postfach 2247, 2001 Neuenburg, Tel. 032 725 10 11, vuilleumier@valegal.ch

SG/AI/AR VSAO Sektion St. Gallen-Appenzell, Bettina Surber, Oberer Graben 44,

9000 St. Gallen, Tel. 071 228 41 11, Fax 071 228 41 12,

Surber@anwaelte44.ch

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TI

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TG VSAO Sektion Thurgau, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier, Auf der Mauer 2,

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VD

VS

ASMAV, case postale 9, 1011 Lausanne-CHUV,

asmav@asmav.ch, www.asmav.ch

ASMAVal, p.a. Maître Valentine Gétaz Kunz,

Ruelle du Temple 4, CP 20, 1096 Cully, contact@asmaval.ch

Zentralschweiz (LU, ZG, SZ, GL, OW, NW, UR)

VSAO Sektion Zentralschweiz, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20

Publikation2018

FOKUSSIERT

KOMPETENT

TRANSPARENT

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des Verbandes Schweizer Medien

ZH/SH

VSAO ZÜRICH/SCHAFFHAUSEN, Rechtsanwältin Susanne Hasse,

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58 VSAO JOURNAL ASMAC Nr. 5 Oktober 2018


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