Wagnereinmalig No. 7
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Das Buchmagazin der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung — 10.2018<br />
Wagner<br />
eı˙nmalı˙g<br />
#<strong>No</strong>. 7
© Florian Schneider / Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />
Impressum<br />
Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:<br />
Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,<br />
Museumstraße 4, 6020 Innsbruck<br />
info@wagnersche.at — www.wagnersche.at<br />
Redaktion: Robert Renk<br />
© der Textbeiträge bei den Autorinnen und Autoren<br />
Grafische Ausstattung: himmel. Studio für Design und Kommunikation<br />
Fotografie (so nicht anders angegeben): © Florian Schneider<br />
Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />
© der Abbildungen bei den jeweiligen Rechteinhabern<br />
Titelbild: Literarischer Porträtbalken V, Acryl auf Holz (100×20),<br />
Christian „Yeti“ Beirer, christian.beirer@gmx.at<br />
Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten.<br />
© 10.2018 – alle Rechte vorbehalten<br />
2 Wagner’sche.
Bücher seit 1639<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Der Herbst präsentiert sich<br />
auch heuer wieder mit spannenden<br />
Neuerscheinungen,<br />
Jonas Jonasson bringt mit<br />
seiner Fortsetzung „Der<br />
Hundertjährige, der zurückkam,<br />
um die Welt zu retten“<br />
wohl einen neuerlichen<br />
Bestseller auf den Markt.<br />
Bernhard Aichner entführt<br />
uns ins Bösland, Michael<br />
Köhlmeier zeichnet in seinem<br />
Buch „Bruder und Schwester<br />
Lenobel“ ein grandioses Bild<br />
unserer Zeit. Autoren wie<br />
Alex Capus, Timur Vermes,<br />
Wolf Haas, oder Juli Zeh garantieren<br />
ebenfalls ein tolles<br />
Lesevergnügen. Aber auch bei<br />
den Ratgebern kristallisieren<br />
sich die Bestseller heraus.<br />
So erscheint eine Autobiografie<br />
von Michelle Obama,<br />
der Autor des Bestsellers<br />
„Der holistische Mensch“<br />
Johannes Huber, erfreut uns<br />
mit einem weiteren Buch.<br />
Wie immer bringt der Herbst<br />
auch wieder viele schöne<br />
Autorenbegegnungen in der<br />
Wagner’schen, eine Übersicht<br />
stellen wir Ihnen hier vor.<br />
Markus Renk (re.), Markus Hatzer<br />
3<br />
Inhalt<br />
6 Eine Buchhandlung mit Verlag<br />
Die Reihe „Erinnerungen an Innsbruck bringt drei weitere Titel<br />
12 Der literarische Herbst in Tirol<br />
Eine kurze Reise durch das Herbstprogramm mit Robert Renk<br />
14 Energiequellen für zu Hause<br />
Es wird geräuchert …<br />
16 Bernhard und Innsbruck<br />
Künstlergespräch mit Stefan Maurer und Prof. Dr. Wolfgang Hackl<br />
am 7. <strong>No</strong>vember 2018<br />
18 Diogenes – ein besonderer Verlag<br />
Im Gespräch: Verleger Philipp Keel und Autor Erich Hackl<br />
26 Literatur; aber lustig<br />
Lesungen mit Thomas Maurer und Thomas Stipsits –<br />
12. Oktober und 6. <strong>No</strong>vember 2018<br />
30 Literatur; aber tödlich<br />
Das Krimifest Tirol mit Bernhard Aichner macht wieder Halt –<br />
am 17. Oktober und 22. <strong>No</strong>vember 2018<br />
36 Schaufenstergalerie<br />
Christian „Yeti“ Beirer im Porträt<br />
38 Literatur zu Gast<br />
Lesungen mit Olivier Guez und Peter Henisch –<br />
am 16. Oktober und 19. <strong>No</strong>vember 2018<br />
40 Georgien – made by Characters<br />
Tipps zum Buchmessenschwerpunkt: Susanne Gurschler im Gespräch<br />
mit Übersetzerin Rachel Gratzfeld<br />
44 Mit den besten Empfehlungen<br />
46 3×7 Best aber Seller<br />
54 Grenzgänge:<br />
Felix Mitterer & Joachim Zelter<br />
Gespräch und Lesung in der neu eröffneten Stadtbibliothek<br />
57 Asterix auf Tirolerisch &<br />
der neue Kalender<br />
2 Produkte aus eigenem Anbau, die man haben MUSS<br />
60 Sensation: T. C. Boyle in IBK !<br />
Der weltberühmte Autor mit einer Weltpremiere – 12. Februar 2019
Service heißt,<br />
das ganze<br />
Geschäft mit<br />
den Augen<br />
des Kunden<br />
zu sehen.<br />
Markus Renk<br />
© Martin Vandory<br />
4<br />
Wagner’sche.
Wer aufhört, besser zu werden,<br />
hat aufgehört, gut zu sein.<br />
Guter Service dient allen: den Kunden,<br />
den Angestellten, dem Unternehmen<br />
Bücher seit 1639<br />
Nathan Pine hat einmal gesagt: „Es ist<br />
etwas Besonderes um Menschen, die am<br />
gedruckten Wort Interesse haben. Sie sind<br />
eine eigene Spezies: kundig, freundlich,<br />
wissbegierig – einfach menschlich.“ So erleben<br />
wir tagtäglich unsere Kunden! Daher<br />
haben wir uns weitere tolle Ideen einfallen<br />
lassen, um unseren Besucherinnen und<br />
Besuchern die Zeit in der Wagner’schen<br />
Buchhandlung weiter zu verschönern.<br />
Neben unserem beliebten Bistro im ersten<br />
Stock gibt es jetzt auch im Erdgeschoss<br />
die Möglichkeit, bei einer Kaffeebar in<br />
Ruhe die Kombination Buch und Kaffee zu<br />
genießen. Großzügige Sitzmöglichkeiten,<br />
eine reichliche Auswahl an Kaffee und<br />
sonstigen warmen Getränken, bis zum<br />
Chai tea Latte, laden zum Verweilen ein.<br />
So wird das schönste literarische Wohnzimmer<br />
Tirols, die Wagner’sche Buchhandlung,<br />
noch gemütlicher! Auch wird<br />
unser Angebot, die Buchhandlung exklusiv<br />
außerhalb der Öffnungszeiten zu nutzen,<br />
massiv ausgebaut, neben den „Langen<br />
Nächten – Buchgenuss nach Ladenschluss“,<br />
wo Sie mehr oder weniger in der Buchhandlung<br />
eingesperrt werden und exklusiv<br />
die Atmosphäre und das Buchangebot<br />
außerhalb der regulären Öffnungszeiten<br />
genießen können, werden wir dieses Konzept<br />
noch weiterentwickeln.<br />
Buchgenuss nach<br />
Ladenschluss Plus<br />
Das Paket „Buchgenuss nach Ladenschluss<br />
Plus“ bietet zusätzlich noch exklusive Buchempfehlungen<br />
unserer Buchhändlerinnen<br />
und Buchhändler: Sie verraten uns im Vorfeld<br />
Ihre Interessengebiete und unsere Fachkräfte<br />
stellen Ihnen eine Stunde passende<br />
Buchempfehlungen vor. Danach gehört<br />
die Buchhandlung wieder Ihnen alleine.<br />
Termine und nähere Informationen finden<br />
Sie unter: buchgenuss.wagnersche.at.<br />
5<br />
Buchhändler buchen<br />
Ist Ihnen das Buchsuchen oft etwas zu<br />
stressig, oder sind Sie mit der Auswahl<br />
in der Wagner’schen, mit rund 90.000<br />
lagernden Büchern, überfordert? Buchen<br />
Sie Ihren Buchhändler! Einfach Termin vereinbaren<br />
und eine Stunde exklusiv beraten<br />
werden. Haben Sie sich das immer schon<br />
gewünscht? In der Wagner’schen ist das<br />
möglich! Näheres unter:<br />
buchhaendlerbuchen.wagnersche.at<br />
Bücherabos<br />
Der Erfolg unserer Blind Dates – hier<br />
handelt es sich um Bücher, die wir zusätzlich<br />
schön verpacken und kurz besprechen;<br />
der Kunde weiß nicht, welches Buch er<br />
kauft – hat uns motiviert, dieses Angebot<br />
ebenfalls auszubauen. Jetzt neu gibt es die<br />
Möglichkeit, Bücherabos bei der Wagner’schen<br />
zu buchen. Sie verraten uns Ihre<br />
Interessengebiete und wir stellen Ihnen<br />
Monat für Monat die gewünschte Anzahl<br />
an Empfehlungen zusammen. Diese versenden<br />
wir kostenlos an Sie, bzw. liefern sie<br />
mit unserem kostenlosen Fahrrad-Lieferservice<br />
direkt zu Ihnen nach Hause. Natürlich<br />
mit „Gefällt-mir-Garantie“. Sollte<br />
Ihnen ein Buch nicht gefallen, nehmen wir<br />
dieses gerne zurück, auch wenn Sie schon<br />
angefangen haben, es zu lesen. Näheres<br />
unter: buecherabo.wagnersche.at<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Buchhandlung<br />
Bis 1916 hatte die Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />
einen eigenen<br />
Buchverlag. Schon bei der Übernahme<br />
der Wagner’schen war klar, dass man die<br />
Tradition des hauseigenen Verlags wieder<br />
aufleben lassen möchten. Beginnend mit<br />
dem alljährlich erscheinenden Innsbruck<br />
Kalender von DDr. Lukas Morscher<br />
„Innsbruck, wie es früher war“, haben die<br />
beiden Gesellschafter Markus Hatzer und<br />
Markus Renk gemeinsam begonnen, mit<br />
der Unterstützung des Haymon Verlags<br />
und des Universitätsverlags Wagner, Ideen<br />
für Buchprojekte zu sammeln. Inzwischen<br />
sind bereits 5 Bücher erschienen. Es freut<br />
uns sehr, dass die Reaktionen so positiv<br />
ausfallen. Der Titel „Kindheit in Pradl“ ist<br />
bereits in der dritten Auflage, „Kindheit<br />
in Hötting“ in der zweiten. Auch im<br />
Herbst erscheinen drei weitere Bände,<br />
mehr lesen Sie in dieser Ausgabe unseres<br />
Kundenmagazins.<br />
Schlernschriften<br />
Sie interessieren sich für die Tiroler<br />
Geschichte? Dann haben wir ein besonderes<br />
Angebot für Sie! Die Schlern-Schriften<br />
des Universitätsverlags Wagner sind die<br />
älteste bestehende Schriftenreihe Tirols.<br />
Ab sofort werden wir alle lieferbaren Bände<br />
dieser Serie auf Lager nehmen und ständig<br />
verfügbar haben. Tauchen Sie ein in die<br />
Geschichte unseres Landes.<br />
Asterix<br />
Eine Tirolensie der anderen Art war der<br />
1999 erschienene Asterix Band in Tiroler<br />
Mundart – Obelix und’s groasse Gschäft.<br />
Da diese Ausgabe, geschrieben von Felix<br />
Mitterer, schon viele Jahre nicht mehr<br />
verfügbar ist, haben wir das Heft nachproduziert.<br />
Ab 22. Oktober können Sie<br />
den Tiroler Asterix kaufen und das<br />
exklusiv in der Wagner’schen.<br />
Lesereisen<br />
Sie sind Fan der Ferrante Bücher? Dann<br />
haben wir genau das Richtige für Sie! Fahren<br />
Sie mit uns nach Neapel und begeben<br />
Sie sich auf die Spuren der Romanserie.<br />
Gemeinsam mit Lüftner Reisen und unserem<br />
Fremdenführer Ewald Strohmar-<br />
Mauler haben wir für Sie eine tolle Reise<br />
zusammengestellt, natürlich mit literarischen<br />
Höhepunkten. Alle Informationen<br />
finden Sie ebenfalls in diesem Magazin,<br />
oder unter ferrante.wagnersche.at<br />
Wenn Sie jetzt das Gefühl haben, da tut<br />
sich was in der Wagner’schen, können wir<br />
Ihnen versichern, das ist noch lange nicht<br />
alles! Was wir sonst noch alles für Sie vorbereitet<br />
haben, können Sie auf den nächsten<br />
Seiten finden!<br />
Viel Spaß beim Lesen!<br />
Ihr Markus Renk
Aus dem Verlag der Wagner’schen<br />
Von Markus Renk<br />
Wir alle sind Bücher mit<br />
tausenden von Seiten.<br />
Der Wagner’sche Buchverlag<br />
hat es sich zur Aufgabe gemacht,<br />
möglichst viele davon in<br />
gedruckter Form festzuhalten.<br />
Bereits fünf Bände sind in<br />
unserer Serie „Erinnerungen an<br />
Innsbruck“ erschienen. Mit den<br />
Büchern von Josef Wallinger:<br />
„Kindheit in Pradl“, Hubert<br />
Flattinger: „Kindheit in Hötting“,<br />
Gernot Zimmermann:<br />
„Eine Million Kilometer durch<br />
Innsbruck“, Ewald Strohmar-Mauler:<br />
„Wahre Kriminalgeschichten<br />
aus Innsbruck“ und<br />
Markus Koschuh: „Olympisches<br />
Dorf“ hat sich unsere Serie<br />
„Erinnerungen an Innsbruck“<br />
erfreulich am Markt behaupten<br />
können. Grund genug für uns, im<br />
Herbst weitere Bände herauszubringen.<br />
Es freut uns, dass wir<br />
dafür auch den erfolgreichen<br />
Autor Bernd Schuchter gewinnen<br />
konnten.<br />
Erinnerungen<br />
an Innsbruck<br />
Bernd Schuchter über das Innsbruck<br />
der 1980er-Jahre<br />
Bernd Schuchter wurde 1977 in Inns -<br />
bruck geboren und ist neben seiner<br />
schriftstellerischen Tätigkeit<br />
als Verleger des Limbus Verlags<br />
(www.limbusverlag.at) aktiv. Zuletzt<br />
erschienen die Romane „Link<br />
und Lerke“ (2013) und „Föhntage“<br />
(2014), der literarische Reiseführer<br />
„Innsbruck abseits der Pfade“ (2015),<br />
die historischen Essays „Jacques<br />
Callot und die Erfindung des Individuums“<br />
(2016) und „Herr Maschine<br />
oder vom wunderlichen Leben und<br />
Sterben des Julien Offray de La Mettrie“<br />
(2018) sowie die „Gebrauchsanweisung<br />
für Tirol“ (2017). In seinem<br />
neuesten Buch entführt er uns in seine<br />
Kindheit und bringt uns das Innsbruck<br />
der Achtziger Jahre näher.<br />
Hötting, Wilten, dem Saggen oder<br />
Pradl. Das Herz der Stadt gehört all<br />
jenen, die es flanierend erkunden.<br />
Bernd Schuchter unternimmt in<br />
„Aufwachsen in Innsbruck“ auch<br />
einen Gang in die Vergangenheit, in<br />
ein altes Innsbruck mit seinen verschwundenen<br />
Geschäften und Plätzen,<br />
erinnert an berühmte Jugendhäuser<br />
oder Sozialprojekte, erzählt<br />
von Hausbesetzungen und dem naiven<br />
Zugang zur Welt in vordigitalen<br />
Zeiten – und besucht Orte, die sich erhalten<br />
haben und ihren Teil zum Gedächtnis<br />
der Stadt beitragen.<br />
© Peter Gründhammer<br />
„Langsam durch belebte Straßen<br />
zu gehen, ist ein besonderes Vergnügen.<br />
Man wird überspült von der Eile<br />
der andern, es ist ein Bad in der<br />
Brandung.“ – Franz Hessel<br />
Franz Hessel mit Spazieren in Berlin<br />
steht ebenso Pate wie Walter Benjamin<br />
mit Stadt des Flaneurs, wenn<br />
Bernd Schuchter über sein „Aufwachsen<br />
in Innsbruck“ nachdenkt.<br />
Wie kaum eine andere Stadt ist<br />
Innsbruck ein Refugium des Spaziergängers,<br />
dem Flanieren zur Kunst<br />
wird. So sehr sich Innsbruck in den<br />
letzten Jahrzehnten auch verändert<br />
hat, die Altstadt mit ihren Gassen,<br />
Läden und versteckten Orten hat sich<br />
wenig verändert – vor allem nehmen<br />
alle Innsbrucker an ihr Anteil,<br />
kommen sie auch ursprünglich aus<br />
Buchtipp:<br />
Bernd Schuchter:<br />
Aufwachsen in Innsbruck<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Universitätsbuchhandlung,<br />
128 S., € 9,95<br />
6<br />
Wagner’sche.
Universitätsbuchhandlung :<br />
Reichenauer<br />
Rattler<br />
Gernot Zimmermann über die Reichenau<br />
zur Zeit der „heimlichen Bürgermeister“<br />
Lesung:<br />
Bücher seit 1639<br />
Gernot Zimmermann ist 1962 geboren<br />
und hat die wichtigsten Kinder- und<br />
Jugendjahre in der Reichenau verbracht.<br />
In seinen Erinnerungen erzählt Zimmermann<br />
von einer Reichenau, die es in dieser<br />
Form heute nicht mehr gibt. In zahlreichen<br />
humorigen Anekdoten führt uns der Autor<br />
in eine Zeit zurück, in der es im Osten<br />
Innsbrucks noch heimliche Bürgermeister<br />
gegeben hat, die ganze Siedlungen<br />
regiert haben, und wo an allen Ecken und<br />
Enden ununterbrochen neue Hochhäuser<br />
und Wohnblocks hochgezogen worden<br />
sind. Er nimmt den Leser mit zum<br />
Schwarzfischen an den „Sillspitz“, zeigt<br />
7<br />
Buchtipp:<br />
Gernot Zimmermann:<br />
Ich war ein Reichenauer Rattler<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Universitätsbuchhandlung,<br />
176 S., € 9,95<br />
ihm den jungen Baggersee in der<br />
beinahe unbebauten Rossau und erzählt<br />
von seinen teilweise ziemlich heftigen<br />
Jugendstreichen.<br />
Zimmermann nennt sich in seinem<br />
Buch selber einen „Reichenauer Rattler“,<br />
wohl wissend, dass dieser Begriff ein sehr<br />
umstrittener ist. Aber für den Autor war<br />
ein Rattler nichts anderes als ein Kind der<br />
Straße, das den ganzen Tag ohne Aufsicht<br />
in der Gegend herumgestreunt ist. Ein Rattler<br />
war wild, rabaukenhaft, frech, wagemutig<br />
und immer neugierig. Ein richtiger<br />
Rattler konnte jederzeit vulgär werden, er<br />
hat stets die wildesten Ausdrücke verwendet,<br />
ist Auseinandersetzungen nur ungern<br />
aus dem Weg gegangen und fürchtete<br />
auch das Watschenduell nicht. Aber – in<br />
Zimmermanns Welt waren Rattler keineswegs<br />
Kriminelle, sie sind nicht straffällig<br />
geworden – sie waren sozusagen ehrliche<br />
Gauner. Auch wenn man für einen gewonnenen<br />
Raufhandel keine Auszeichnung<br />
bekommen wird. Als Reichenauer Rattler<br />
schon gar nicht.<br />
In seinem Buch lässt Gernot Zimmermann<br />
mehrere Personen zu Wort<br />
kommen, die ebenfalls in der Reichenau<br />
groß geworden sind. Darunter die berühmten<br />
Kampfsport-Zwillinge Charly<br />
und Peter Weinold oder Bertl Morajer,<br />
dessen Großeltern zu den allerersten<br />
Siedlern in der Reichenau gehörten.<br />
Gemeinsam zeichnen sie ein vielfältiges<br />
und lebendiges Bild der Reichenau, vom<br />
Anfang des 20. Jahrhunderts bis hinein<br />
in die 1980er Jahre. Und so vermittelt das<br />
Buch einen guten Eindruck darüber, was es<br />
bedeutet, ein Reichenauer zu sein und wie<br />
es war, in diesem Stadtteil von Innsbruck<br />
aufzuwachsen.<br />
© Andreas Friedle<br />
Ich war ein<br />
Reichenauer Rattler<br />
mit Gernot Zimmermann<br />
Mi., 14. <strong>No</strong>vember 2018,<br />
19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Eintritt frei!<br />
Moderation:<br />
Markus Renk
Zwischen Zeitgeist und<br />
Heiligem Geist<br />
Martin Kolozs bringt erstmals alle Innsbrucker Bischöfe<br />
in einem Buch zusammen. Ein Gespräch mit Markus Renk<br />
Wie sehr haben sich die Aufgaben<br />
des Innsbrucker Bischofs im Laufe<br />
der Jahrzehnte verändert?<br />
Weniger haben sich die Aufgaben verändert<br />
als die Wirkweise bzw. Wirkmöglichkeiten<br />
der Bischöfe in einer<br />
fortschreitend säkularen Welt. Dementsprechend<br />
werden heute im Vergleich<br />
zu damals die Schwerpunkte in der<br />
Kirche, ihrer Lehre und Glaubensvermittlung<br />
quasi von außen gesetzt. Eine<br />
Herausforderung aller Bischöfe ist somit<br />
geworden, den Abstand zwischen kirchlichem<br />
und gesellschaftlichem Leben<br />
zu schließen oder wenigstens zu überbrücken,<br />
wenn etwa eine völlige Angleichung<br />
von Zeitgeist und Heiligem<br />
Geist nicht möglich ist.<br />
ErinnE rungE n an Innsbruck<br />
Martin Kolozs<br />
Die Bischöfe<br />
von Innsbruck<br />
Paulus Rusch | Reinhold Stecher<br />
Alois Kothgasser | Manfred Scheuer<br />
Hermann Glettler<br />
Buchtipp:<br />
Martin Kolozs:<br />
Die Bischöfe von Innsbruck<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Universitätsbuchhandlung,<br />
152 S., € 9,95<br />
Buchpräsentation:<br />
mit Martin Kolozs<br />
Di., 30. Oktober um 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Eintritt frei! – Es haben sich u.a.<br />
angesagt: Bischof Kothgasser<br />
und Bischof Glettler<br />
Es ist das erste Buch, das alle<br />
Bischöfe von Innsbruck in einem<br />
Band vereint, wie bist du die Sache<br />
angegangen?<br />
Ich wollte trotz der notwendigen Kürze<br />
der einzelnen Kapitel ein jeweils vollständiges<br />
und authentisches Porträt der<br />
fünf Exzellenzen geben. Darum habe ich<br />
mich zu Beginn meiner Arbeit dazu entschlossen,<br />
neben den Quellen wie Bücher<br />
und Zeitungsartikel auch Interviews mit<br />
Alois Kothgasser, Manfred Scheuer sowie<br />
dem amtierenden Bischof Hermann Glettler<br />
zu führen, um mir zum angelesenen<br />
Wissen noch einen persönlichen Eindruck<br />
von der „Person des Bischofs“ zu machen.<br />
Dabei ist mir aufgefallen, dass dieser<br />
Aspekt in der öffentlichen Darstellung oft<br />
übersehen oder bewusst ignoriert wird,<br />
was natürlich ein verzerrtes Bild von einem<br />
Menschen und seinen Bemühungen gibt.<br />
Diesen Fehler wollte ich nicht machen,<br />
daher die Gespräche.<br />
© privat<br />
Jeder Bischof hat eine andere<br />
Herangehensweise, wie er das Amt<br />
ausfüllt, was sind die markanten<br />
Unterschiede?<br />
Bischöfe sind auch nur Menschen, das<br />
wird im Hinblick auf Amt und allfälliger<br />
Machtfülle immer wieder leicht vergessen.<br />
Wie bei jedem anderen haben auch die<br />
Bischöfe von Innsbruck ihren familiären,<br />
spirituellen usw. Hintergrund, der sie<br />
persönlich geprägt und ihr Wirken in der<br />
Diözese gelenkt hat bzw. es noch tut. Um<br />
Genaueres zu erfahren, sollte man aber<br />
mein Buch lesen, da etliche Unterschiede<br />
tatsächlich bestehen und etwa für Beliebtheit<br />
und Erinnerung ausschlaggebend sind.<br />
Wie hast du die persönlichen<br />
Gespräche empfunden?<br />
In allen Fällen war es ein herzliches und<br />
offenes Zusammentreffen. Mich hat<br />
vor allem das Vertrauen geehrt, das mir<br />
von den Bischöfen entgegengebracht wurde;<br />
keiner hat sich vor mir „versteckt“ oder<br />
eine Maske getragen. Das hilft ungemein,<br />
wenn man eine gute Biographie schreiben<br />
möchte.<br />
8<br />
Wagner’sche.
Valentinstag<br />
in der Wagner’schen<br />
Liebesgeschichten stehen in<br />
vielen Büchern, aber eine der<br />
schönsten schreibt das Leben selber. –<br />
Der Ort dieser Geschichte:<br />
Die Meierei in der Wagner’schen<br />
Buchhandlung in Innsbruck am<br />
romatischsten Tag des Jahres.<br />
© Thomas Schrott<br />
Bücher seit 1639<br />
9<br />
Hier das Rezept des weltbesten<br />
Schoko-Schokoladekuchens nach<br />
Brownie-Art – zum Verlieben!<br />
Für die Schokomasse:<br />
Langsam schmelzen (nicht heiß!!):<br />
250 g Butter<br />
1 Prise Salz<br />
3 EL neutrales Öl<br />
1 EL Kakao<br />
200 g Bitterkuvertüre<br />
Für die Eiermasse:<br />
Cremig aufschlagen:<br />
3 Eier<br />
100 g brauner Zucker<br />
80 g Zucker<br />
200 g weiße Kuvertüre grob hacken<br />
240 g glutenfreies Universalmehl abwiegen<br />
Schokomasse kurz in Eiermasse einarbeiten, gehackte Schokolade<br />
dazu und Mehl beimengen. Ganz kurz aufschlagen.<br />
Bei 165 Grad Heißluft 25 Minuten backen.<br />
Deine Nina<br />
Buchtipp:<br />
Lisl Wagner-Bacher:<br />
Meine österreichische Küche<br />
Brandstätter Verlag,<br />
272 S., € 35,–<br />
Veranstaltung:<br />
Ein verzauberter<br />
Abend mit einem<br />
wunderbaren<br />
6-Gänge-Menü<br />
Mit viel Liebe kreiert. Dazu<br />
hervorragender Wein, Kerzenlicht,<br />
Rosen und leise Jazz-<br />
Musik … all das verspricht<br />
unvergessliche Stunden und<br />
vielleicht eine wunderschöne<br />
Liebesgeschichte.<br />
Valentinstag, 14.2.2019<br />
ab 18:30 Uhr<br />
Reservierungen ab Jänner 2019:<br />
meierei.wagnersche@gmail.com<br />
Die Meierei in der<br />
Wagner’schen Buchhandlung
Wir glauben wetter unabhängig<br />
an gute Gestaltung sowie die Schönheit<br />
im Allgemeinen.<br />
himmel. Studio für Design und Kommunikation<br />
www.himmel.co.at
In den Kräutern liegt die Kraft !<br />
Natürliche, aromatische Kraftlackl …<br />
von Anita Winkler<br />
Wenig Kohlenhydrate, kein Zucker, nur<br />
natürliche Zutaten – das ist die gesunde<br />
Wohlfühlküche von Lisa Hauser!<br />
Die Verbindung von altem Wissen und modernen<br />
Ernährungskonzepten macht Lisa<br />
Hausers Kochphilosophie so besonders. Sie<br />
bringt Schwung in unsere Essgewohnheiten,<br />
indem sie durch den bewussten Einsatz von<br />
Kräutern und Gewürzen für eine Extraportion<br />
an gesunder Energie sorgt, und als<br />
wunderbarer Nebeneffekt werden gleichzeitig<br />
unsere Geschmacksknospen gekitzelt!<br />
Es verwundert also nicht, dass die<br />
Kochworkshops der erfolgreichen Tiroler<br />
Ernährungstrainerin meist in kürzester Zeit<br />
ausgebucht sind. Für alle, die neugierig darauf<br />
sind, die Grundzüge der Low-Carb-Ernährung<br />
kennenzulernen und etwas über<br />
die spannenden Inhaltsstoffe heimischer<br />
Kräuter und exotischer Gewürze zu<br />
erfahren, ist der 12. Oktober ein Pflichttermin.<br />
Es erwartet Sie ein interessanter<br />
Workshop rund um die gesunde Ernährung,<br />
Sie werden motiviert, neue Rezepte und<br />
Zutaten auszuprobieren, und Sie werden<br />
erstaunt sein, wie viele Energiespender<br />
direkt vor unserer Haustüre wachsen und<br />
wie einfach Sie damit Ihren Speiseplan mit<br />
wirkungsvollen Inhaltsstoffen aufpeppen<br />
können. Kräuter sind nämlich viel zu kostbar,<br />
um nur als Dekoration auf unseren<br />
Tellern zu landen. Warum also auf die positiven<br />
Effekte verzichten, die wir ohne viel<br />
Aufwand für unser Wohlbefinden nutzen<br />
können? Als Immunstärker, Abnehmhilfe<br />
oder Seelentröster sind die aromatischen<br />
Stars unschlagbar.<br />
Und weil Probieren über Studieren<br />
geht, gibt es selbstverständlich auch etwas<br />
Schmackhaftes zum Verkosten!<br />
© Nadja Hudovernik<br />
Bücher seit 1639<br />
11<br />
Lisa Hauser (BSc.) sprüht vor Leidenschaft<br />
und Tatendrang für das, was sie tut, und macht<br />
ihre Ernährungsphilosophie mit ihren Ernährungstrainings,<br />
Kochworkshops und Blogbeiträgen<br />
zugänglich und schmackhaft. Die Autorin ist<br />
selbständige Ernährungstrainerin, führt eine Kochschule<br />
und bloggt über Low-Carb, Ernährung,<br />
Restaurants und Reisen auf www.kochmitherz.com.<br />
Buchtipp:<br />
Lisa Hauser:<br />
Gesunde Wohlfühlküche.<br />
Kochen mit der Kraft der<br />
Kräuter und Gewürze<br />
Löwenzahn Verlag,<br />
144 S., € 19,90<br />
Workshop:<br />
Gesunde Wohlfühlküche<br />
mit Lisa Hauser<br />
Fr., 12. Oktober 2018, 14 – 16 Uhr<br />
Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />
Teilnahmegebühr: € 28,– inkl. Buch.<br />
Anmeldung unter: innsbruck@vhs-tirol.at,<br />
T. +43 512 58 88 82-0 oder unter<br />
www.vhs-tirol.at
Tiroler Literatur im Herbst 2018<br />
Böse und lyrisch …<br />
Wenn der Herbst beginnt, laufen die<br />
Druckerpressen auf Hochtouren. Fast<br />
täglich trudeln Neuerscheinungen ein und<br />
alles steuert auf die zwei Highlights der<br />
Branche zu: Frankfurter Buchmesse und<br />
Weihnachten. Ohne Weihnachtsgeschäft<br />
wäre wohl die Hälfte der Buchhandlungen<br />
schon zu. Die herbstlichen Vorboten sind<br />
längst in der Öffentlichkeit angekommen,<br />
Shortlisten div. Buchpreise veröffentlicht,<br />
Herbsttitel in der Presse besprochen. Doch<br />
wo findet sich die Tiroler Literatur? Kein<br />
neuer Hotschnig, keine neuen Bücher von<br />
Barbara Hundegger, Markus Köhle oder<br />
Judith W. Taschler. Und noch immer kein<br />
Debüt von Martin Fritz.<br />
Klar, manche wie <strong>No</strong>rbert Gstrein, Felix<br />
Mitterer, Hans Platzgumer oder Angelika<br />
Rainer haben im Frühjahr gut vorgelegt.<br />
Eine besondere Überraschung war das<br />
Debüt von Niko Hofinger, in „Maneks Listen“<br />
(Limbus) beschreibt der Historiker die<br />
skurrile Geschichte des 1987 verstorbenen<br />
Präsidenten der Innsbrucker Kultusgemeinde,<br />
Ernst Beschinsky. Plötzlich gibt<br />
es ihn zweimal. Und schon brodelt die Gerüchteküche.<br />
Die Lösung dieses geschichtsbedingten<br />
Rätsels ist so irreal wie das Leben<br />
selbst. Unbedingt lesen!<br />
© 8ung Kulutr Robert Renk mit Markus Köhle<br />
Aber der Herbst? Letztes Jahr fand sich<br />
mit Robert Prosser noch ein Tiroler auf der<br />
Liste zum Deutschen Buchpreis. Heuer ist<br />
kein einziger Österreicher darauf zu finden.<br />
Ok, Herbst heißt seit letztem Jahr Krimi.<br />
Dort wird alles überstrahlt von Bösland<br />
(btb). Ein Interview mit Bernhard Aichner<br />
gibt’s auf S. 30/31. Joe Fischler schickt<br />
noch die coolste Ermittlerin Tirols in eine<br />
Kuppelshow („Veilchens Show“ –<br />
Haymon), dann ist aber auch hier<br />
Schluss mit lustig.<br />
Alles kein Grund, um in literarische<br />
Herbstdepressionen zu verfallen, viel<br />
mehr gilt es die Fühler auszustrecken.<br />
Zu entdecken gibt es allerhand, allein<br />
beim Namen Jäger klingelt’s gleich 2 ×.<br />
Gerhard Jäger steht mit seinem Roman<br />
„All die Nacht über uns“ (Picus) als einziger<br />
Tiroler noch auf der Shortlist des<br />
Österreichischen Buchpreises. Ein Roman<br />
über Schuld und Verlust, Flucht und<br />
Heimat, die Liebe und ihre Vergänglichkeit<br />
– dicht komponiert und packend erzählt.<br />
Ein Soldat allein auf dem Wachturm.<br />
Er bewacht die Grenze, egal ob es regnet,<br />
stürmt oder schiere Verzweiflung ob dieser<br />
ausweglosen Situation einsetzt. Der Soldat<br />
kennt beide Seiten, hat zwei Familien, die<br />
beide ihre Verluste verarbeiten. Er, der die<br />
Grenze vor Flüchtlingen bewachen muss,<br />
kommt selbst aus einer Flüchtlingsfamilie!<br />
Das kann & soll auch als literarischer<br />
Beitrag zur Flüchtlingsdebatte gelesen<br />
werden. Jäger meint dazu in einem Interview:<br />
„In unserem Bewusstsein soll der<br />
Gedanke verankert werden, dass die Flucht<br />
so alt ist wie die Menschheit selbst und<br />
jeder von uns jederzeit selbst zum Flüchtling<br />
werden kann.“ Am Ende soll sich das<br />
Publikum selbst, ohne Hass und Häme,<br />
mit Fragen der Migration beschäftigen,<br />
hofft Jäger, der das ganze noch mit einer<br />
Buchtipps:<br />
<strong>No</strong>rbert C. Kaser:<br />
meine floete trinkt musik<br />
Mandelbaum Verlag,<br />
32 S., (m. 1 Audio-CD)<br />
€ 24,90<br />
Hans Augustin:<br />
Don Livio oder die Vertreibung<br />
aus dem Paradies<br />
Ed. Laurin Verlag,<br />
288 S., € 21,90<br />
Gerhard Jäger:<br />
All die Nacht über uns<br />
Picus Verlag, 240 S., € 22,–<br />
Sabine Gruber:<br />
Am Abgrund und im<br />
Himmel zuhause. Gedichte<br />
Haymon Verlag, 28 S., € 18,–
Liebesgeschichte garniert. Ein gelungenes<br />
Experiment.<br />
Markus Jäger verschreibt sich in seinem<br />
historischen Roman „Helden für immer“<br />
(Querverlag) auch einem doppelten Kampf.<br />
Die Voraussetzungen sind per se nicht rosig,<br />
wird man als junger Mann in die Zeit des<br />
aufkommenden Nationalsozialismus hineingeboren!<br />
Dann aber 1936 am Heldenplatz<br />
die Liebe seines Lebens kennen zu lernen,<br />
die Kilian heißt, macht es nicht leichter.<br />
Ist es unter diesen Umständen möglich,<br />
ein freies und offenes schwules Leben zu<br />
führen? Eine Mut machende Beziehungsgeschichte,<br />
die zeigt, wie man gestärkt aus<br />
einem historisch-gesellschaftlichen Windkanal<br />
kommt, der gleich von zwei Seiten<br />
bläst.<br />
Ein wunderbarer Roman ist Hans<br />
Augustin gelungen. „Don Livio oder die<br />
Vertreibung aus dem Paradies“ (laurin)<br />
ist eine fein gezeichnete Geschichte über<br />
ein italienisches Dorf, dessen Einwohner<br />
und ihrem Pfarrer Don Livio. Ein bisschen<br />
Don Camillo, ein bisschen Köhlmeier und<br />
das allein wäre schon lesenswert. Dazu<br />
kommt aber noch der Augustin-Ton, der<br />
ein geschult lyrischer ist. Dem das Schwere<br />
leicht von der Hand geht und der es schafft,<br />
Tiefenschärfe mit eleganter Ernsthaftigkeit<br />
zwischen feinen – sprachlichen wie menschelnden<br />
– Pointen zu platzieren.<br />
Bernd Schuchter wird erneut zum Chronisten:<br />
„Der Braumüller Verlag – 235 Jahre<br />
– eine Verlagschronik“. Schuchter legt es<br />
wieder als sprachlichen souveränen Spaziergang<br />
an, quer durch Zeiten und viele – teils<br />
vergessene – Bücher. Wir begegnen dem<br />
Gründer Johann Ritter von Mösle, der am<br />
Vorabend der französischen Revolution in<br />
Wien um eine Konzession für ein Verlagsund<br />
Sortimentsgeschäft ansucht, oder dem<br />
„Untergang des Abendlands“ von Oswald<br />
Spengler.<br />
Die Wiederauflage von Hubert Flattingers<br />
„Liftboy“ (Aravaipa) muss erwähnt<br />
werden. Die Geschichte um Claudia, die<br />
eigentlich lieber ein Junge wäre, denn Boys<br />
haben’s einfach leichter. Leichten Tons<br />
führt uns Wortverführer Flattinger in dieser<br />
schön gemachten Neuauflage durch Claudias<br />
Welt, die da heißt: Außerfern in den<br />
70ern, mehr braucht’s nicht. Ansonsten ist<br />
der Herbst lyrisch angehaucht!<br />
Wer jetzt kein Buch hat,<br />
liest lang keines mehr.<br />
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben.<br />
Kann weder lesen noch lange Briefe schreiben<br />
und wird in den Alleen hin und her<br />
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben*<br />
Von Christoph W. Bauer gibt es eine<br />
wunderfeine CD zu vermelden. Dafür<br />
haben er und der Musiker Oliver Welter<br />
24 Jonke-Gedichte eingelesen und vertont.<br />
Ein äußerst gelungenes Zusammentreffen,<br />
das mir vor allem durch seine unaufgeregte<br />
Selbstverständlichkeit imponiert. Die setzt<br />
Einfühlungsvermögen, Respekt und Können<br />
voraus. Von allem ist bei den beiden<br />
mehr als genug vorhanden!<br />
Robert Prosser tritt als Herausgeber in<br />
Erscheinung. In „wo warn wir? ach ja:“<br />
(Limbus, gm. mit C. Szalay) kann man<br />
einige Tiroler LyrikerInnen entdecken, u.a.<br />
die junge Siljarosa Schletterer!<br />
Überhaupt hält der Limbus Verlag<br />
die Fahnen der Lyrik hoch. Eine hervorragend<br />
editierte Lyrikreihe (Hrsg. Erwin<br />
Uhrmann) bringt Autorinnen wie Isabella<br />
Feimer, Cornelia Travnicek oder – aktuell<br />
– die junge Daniela Chana, die uns mit<br />
ihrem Gedichtband „Sagt die Dame“ das<br />
Magische des Alltags vorführt.<br />
Außerhalb dieser Reihe, als Nebenprodukt,<br />
ist noch ein Gedichtbüchlein des<br />
in Zürich lebenden Tirolers Heinz Heisl<br />
erschienen.<br />
Große Lyrik erleben wir hingegen wieder<br />
bei Sabine Gruber. „Am Abgrund und im<br />
Himmel zuhause“ (Haymon) ist eines ihrer<br />
persönlichsten Werke. Hat man nur ein<br />
Gedicht daraus gehört, überkommt einen<br />
ein fröstelndes Gefühl, das zeitgleich in<br />
freudiges Erstaunen versetzt!<br />
Der gewitzte Peter Giacomuzzi<br />
geigt auch wieder groß auf. „trampino –<br />
61 fake poems in fake language“ ist eine<br />
hochpolitische Sprach- und Politikverwurschtung.<br />
Hallo donald<br />
Hau ar iu<br />
Ai em peter<br />
Wer bist du<br />
Giw mi pies<br />
Ai giw iu pauer<br />
Scheik iur locke<br />
Lets häw a schauer.**<br />
Somit landet eine präsidiale Figur, die wie<br />
kaum eine andere die Bücher unserer Zeit<br />
bevölkert, auch in der Tiroler Literatur.<br />
Slamig ist die erste Veröffentlichung<br />
von Rebecca Heinrich. Die junge Eminenz<br />
des Haller Poetry Slams schreibt „aus gegebenem<br />
anlass“. Das ist schon um € 9,90<br />
zu haben, am besten gleich bei ihr bestellen<br />
(auskunft@rebecca-heinrich.com).<br />
Ja, der Herbst ist die Zeit der Lyrik. Wer<br />
jetzt kein Buch hat, kauft sich keines mehr.<br />
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben …<br />
Und wer ist schon gerne alleine, so ganz<br />
ohne Gesellschaft zumindest eines Buches?<br />
Süffig ist allemal die Gesellschaft von<br />
<strong>No</strong>rbert C. Kaser. Bei Haymon erschien<br />
„hier bin ich niemand d.h. ich – Briefe aus<br />
Stord“ (Hrsg. Ralf Höller).<br />
Und ein tolles „Klangbuch“ legt der<br />
Mandelbaum Verlag vor. „meine floete<br />
trinkt musik“ heißt das Wunderding, auf<br />
dem Otto Lechner und Peter Rosmanith zu<br />
hören sind. Großartig eingelesen und in die<br />
Musik eingebettet werden die Kasertexte<br />
von Tobias Moretti.<br />
Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;<br />
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,<br />
dränge sie zur Vollendung hin, und jage<br />
die letzte Süße in den schweren Wein.***<br />
Ein feines Glas Wein und ein gutes Buch –<br />
oder auch zwei.<br />
Ja, der Herbst kann kommen!<br />
Ihr Robert Renk<br />
* Robert Renk frei nach Rilke „Herbsttag“<br />
** Peter Giacomuzzi „trampino –<br />
61 fake poems in fake language“ (KDP)<br />
*** Auszug aus Rilke „Herbsttag“<br />
Markus Jäger:<br />
Helden für immer<br />
Querverlag Berlin,<br />
288 S., € 18,–<br />
Hubert Flattinger:<br />
LIFTBOY<br />
ARAVAIPA Verlag,<br />
180 S., € 15,40<br />
Prosser/Szalay, (Hrsg.):<br />
wo warn wir?<br />
ach ja: Junge österreichische<br />
Gegenwartslyrik<br />
Limbus Verlag, 180 S., € 18,–<br />
Christoph W. Bauer &<br />
Oliver Welter: Jonke<br />
CD, Freundeskreis Gert Jonke<br />
€ 15,–
Natur – Ritual, Spiritualität<br />
und Heilkraft<br />
Persönliche Energiequellen für zu Hause.<br />
Von Marlene Walder<br />
21 Bäumen, denen Charakterzüge und<br />
Stärken zugesprochen werden. Kennen Sie<br />
Ihren Lebensbaum?<br />
Räuchern – das älteste Ritual<br />
der Menschheitsgeschichte<br />
Immer mehr Menschen sehnen sich in<br />
dieser lauten und hektischen Zeit nach<br />
Stille, Harmonie und Ausgeglichenheit.<br />
Man möchte innere Stabilität und ein Zentrum<br />
der Ruhe finden. Persönliche Energiequellen<br />
erkennen und bei Bedarf darauf<br />
zugreifen. Die eigenen Wurzeln (wieder)<br />
entdecken und stärken. Achtsamer mit sich<br />
selbst und der Natur umgehen.<br />
Bereits im Herbst 2017 haben wir die<br />
Abteilungen Esoterik und Lebenshilfe<br />
großzügig ausgebaut. Doch das stetige<br />
Interesse an diversen esoterischen Themen,<br />
wie Achtsamkeit, Sinnfindung und alternativen<br />
Heilungsmethoden, haben uns<br />
dazu veranlasst, die Abteilung nochmals<br />
zu erweitern. Neben Klangschalen, Musik<br />
CDs und fertigen Räucherungen haben<br />
wir nun auch Produkte von Aura Soma,<br />
energetische Wasserstäbe und Baum-Handschmeichler<br />
vorrätig. Das Herzstück bildet<br />
die tiefe und breitgefächerte Buchauswahl<br />
zu Themen wie Energiearbeit, Heilen,<br />
Bewusstsein, Schamanismus und Magie.<br />
Zudem haben wir unser Räuchersortiment<br />
mit reinen Harzen, Kräutern und Hölzern<br />
ergänzt. Mit Drachenblut und Kampfer,<br />
Styrax und Palo Santo und dem notwendigen<br />
Räucherzubehör haben wir alles<br />
vorrätig, was man zum Räuchern und für<br />
Rituale benötigt.<br />
Sind Sie heute schon<br />
im Wald baden gewesen<br />
und haben Ihren<br />
Lebensbaum umarmt?<br />
Ein Trendthema, welches sich schon seit<br />
einiger Zeit auf dem Buchmarkt erkennen<br />
lässt, ist das sogenannte Shinrin Yoku, bei<br />
uns bekannt als „Waldbaden“. In Japan<br />
zählt es längst zur ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge,<br />
in den Wald zu gehen und<br />
diesen auf intensive Art und Weise zu<br />
erleben. Zahlreiche Untersuchungen zeigen,<br />
dass dabei der Blutdruck sinkt und Stresshormone<br />
reduziert werden. Das hat unter<br />
anderem mit dem sogenannten Waldinnenklima<br />
zu tun: Die Kronen der Bäume halten<br />
die Sonnenstrahlen ab und die Bäume<br />
verdunsten Wasser. Das führt zu einer<br />
kühleren Temperatur und zu einer höheren<br />
Luftfeuchtigkeit. Nebenbei werden Sauerstoff<br />
und ätherische Öle produziert. Zudem<br />
haben Bäume noch eine ganz besondere<br />
Auswirkung auf Menschen: sie inspirieren.<br />
Der Baum nimmt in vielen Mythologien<br />
eine bedeutsame Rolle ein. Bekannt ist der<br />
Lebensbaum „Yggdrasil“ aus der nordischen<br />
Mythologie. Oder etwa die Eiche als<br />
Weltenbaum der Druiden. Im Zuge des<br />
Neopaganismus hat sich aus den keltischen<br />
Pflanzen-Mythen das keltische Baumhoroskop<br />
entwickelt. Das besteht aus<br />
© privat<br />
Das Räuchern hat eine lange Tradition und<br />
geht mit der Entdeckung des Feuers einher.<br />
Schon damals erkannten die Menschen,<br />
dass der Duft von Kräutern, Blättern und<br />
Hölzern, der beim Räuchern entsteht, verschiedene<br />
Wirkungen auf das Wohlbefinden<br />
hat. Beispielsweise wirkt Engelwurz immunstärkend<br />
auf Körper und Geist, Sandarak<br />
hingegen beruhigend und reinigend.<br />
In vielen Hochkulturen wurden Räucherungen<br />
als Opfergabe an die Götter<br />
vollzogen, Krankheiten behandelt oder in<br />
Ritualen verwendet, die Reinigung oder<br />
Vertreibung von negativen Einflüssen zum<br />
Zweck hatten. Auch im Totenkult fand das<br />
Räuchern eine wichtige Verwendung, da<br />
man glaubte, der aufsteigende Rauch sei<br />
der Träger der Seele ins Jenseits.<br />
Besonders zur Sommersonnenwende<br />
wurde zum Vertreiben der Dämonen geräuchert.<br />
Mit der Christianisierung wurden<br />
diese kultischen Räucherungen allerdings<br />
als heidnisch angesehen, verboten oder in<br />
christlicher Weise umgedeutet. Einige dieser<br />
alten Bräuche wurden in den Regionen<br />
<strong>No</strong>rdeuropas wie der Alpenlandschaft<br />
Deutschlands, Österreichs und in der<br />
Schweiz den nachfolgenden Generationen<br />
weitergegeben. Hier ist es beispielsweise üblich,<br />
in den sogenannten Rauhnächten zum<br />
Jahreswechsel die Häuser auszuräuchern,<br />
um diese von bösen Geistern und negativen<br />
Energien zu reinigen.<br />
14<br />
Wagner’sche.
Ásatrú, Heidentum<br />
und Wicca<br />
Buchtipps:<br />
Heidnische Bräuche und Weltbilder erfahren<br />
seit Ende des 19. Jahrhunderts eine<br />
Wiederbelebung, welche als Neopaganismus<br />
oder Neuheidentum bezeichnet wird. Ásatrú,<br />
Odinismus und Wicca sind einige der<br />
vielzähligen Strömungen, welche in ihrer<br />
Mitgliederzahl immer größer werden. So<br />
wurde beispielsweise in Island ein Tempel<br />
für Thor und Odin errichtet und die von<br />
Gerald Gardner in den 60ern gegründete<br />
neureligiöse Bewegung „Wicca“ ist in<br />
Amerika seit 1994 und mittlerweile in den<br />
meisten europäischen Ländern als Religion<br />
anerkannt.<br />
So vielzählig und umfangreich jede<br />
einzelne neuheidnische Bewegung auch<br />
sein mag, so haben sie doch alle eines gemeinsam:<br />
die Verbindung zur Natur, welche<br />
als heilig betrachtet wird. Darüber hinaus<br />
spielen Ökologie, Ganzheitlichkeit und<br />
Spiritualität eine große Rolle.<br />
Bill Plotkin:<br />
Natur und<br />
Menschenseele<br />
Arun Verlag<br />
591 S., € 30,80<br />
Yoshifumi Miyazaki:<br />
Shinrin Yoku –<br />
Heilsames Waldbaden<br />
Irisiana Verlag<br />
192 S., € 17,50<br />
Spätestens nach Büchern wie „Der Biophilia<br />
Effekt“ von Clemens Arvay oder<br />
„Heilen mit der Kraft der Natur“ von Andreas<br />
Michalsen ist die Natur für viele als<br />
gesundheitliches Hilfsmittel und als Quelle<br />
für Wohlbefinden nicht mehr wegzudenken.<br />
Das sieht man auch an den zahlreichen<br />
Neuerscheinungen im Ratgeberbereich,<br />
welche weiterhin ununterbrochen aus den<br />
Verlagshäusern sprießen.<br />
Hermann-Josef<br />
Weidinger:<br />
Mensch und Baum<br />
Kosmos Verlag<br />
464 S., € 25,70<br />
Friedrich Kaindlstorder:<br />
Räuchern<br />
Kneipp Verlag<br />
128 S., € 18,00<br />
Workshop:<br />
Räucher-Seminar<br />
mit Brigitte Wiedhofer<br />
Fr., 19. Oktober 2018,<br />
19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Eintritt: € 9,– /<br />
mit Kundenkarte € 7,–<br />
Christine Fuchs,<br />
Caroline Maxelon:<br />
Räuchern mit Weihrauch<br />
und heimischen Harzen<br />
Kosmos Verlag<br />
128 S., € 18,50<br />
Adolfine Nitschke:<br />
Heilsames Räuchern<br />
mit Wildpflanzen<br />
Gräfe und Unzer<br />
192 S., € 20,60<br />
Bücher seit 1639<br />
15<br />
Jan Fries:<br />
Helrunar – Handbuch<br />
der Runenmagie<br />
Edition Ananael<br />
396 S., € 29,90<br />
Jan Fries:<br />
Der Kessel der<br />
Götter – Handbuch der<br />
keltischen Magick<br />
Edition Roter Drache,<br />
616 S., € 36,–
Das Gebirge<br />
ist gegen<br />
die Menschen.<br />
Thomas Bernhard<br />
© www.guentheregger.at<br />
16 Wagner’sche.
Thomas Bernhard: Amras<br />
Thomas Bernhards zweite Erzählung, die er selbst oft<br />
als sein Lieblingsbuch bezeichnete, ist in Innsbruck verortet.<br />
Das Tiroler Landestheater bringt die Prosaarbeit nun<br />
auf die Bühne. Von Romana Lautner<br />
Bücher seit 1639<br />
„Kinder der Felsen und der Schluchten,<br />
der Pornographie der Natur, haben wir<br />
immer nur in der ahnungsvollen, wahrsagetollen<br />
Chemie der Tiroler Alpen gelebt, ein<br />
jeder von uns als ein Unglücksrutengänger,<br />
ein Feuchtigkeitsmesser, ein Heilanzeiger<br />
zwischen Hafelekar und Patscherkofel …“<br />
(Thomas Bernhard: Amras)<br />
Innsbruck war Thomas Bernhard durchaus<br />
vertraut. Auf jeden Fall ist er mehrmals hier<br />
zu Gast gewesen, zum ersten Mal vermutlich<br />
1955 bei den Innsbrucker Jugendkulturwochen,<br />
bei denen einige Gedichte<br />
von ihm gelesen wurden. Jurorin Christine<br />
Busta hat schon damals Bernhards Talent<br />
erkannt, während Raoul Henrik Strand<br />
noch skeptisch war, abwarten wollte: „Lassen<br />
wir ihm noch Zeit, er wird sich sicher<br />
ganz zurechtfinden und noch Stärkeres<br />
zustande bringen …“ In der Tat!<br />
Über Bernhards Aufenthalte in Innsbruck<br />
ist in den Berichten der Jugendkulturwochen<br />
leider nicht mehr viel zu finden.<br />
Aber wir wissen, dass er in den Jahren<br />
nach 1955 noch mehrmals als Teilnehmer<br />
der „Treffen der jungen Kunstschaffenden“<br />
eingeladen war, mit anderen SchriftstellerInnen,<br />
MusikerInnen und bildenden<br />
KünstlerInnen zu diskutieren. „Netzwerken“<br />
würde man das heute nennen.<br />
Dabei hat Thomas Bernhard neben<br />
wertvollen Kontakten auch konkrete Impressionen<br />
aus Innsbruck und Umgebung<br />
mitgenommen, eine Besichtigung der<br />
damals umstrittenen Weiler-Fresken in der<br />
Bahnhofshalle mit Paul Flora stand zum<br />
Beispiel auf dem Programm oder auch ein<br />
Gang mit Ludwig von Ficker zum Grab<br />
Georg Trakls in Mühlau.<br />
Vor allem in seinem Prosawerk der<br />
frühen sechziger Jahre hat Bernhard seine<br />
Eindrücke aus Innsbruck und Tirol dann<br />
wiederholt literarisch verarbeitet. Und da<br />
geht es Innsbruck wie vielen anderen Städten,<br />
Orten und Landschaften – es kommt<br />
17<br />
nicht wirklich gut weg bei Thomas Bernhard:<br />
„Innsbruck ist mir verhasst!“<br />
Ganze Bücher kann man füllen mit<br />
seinen „Städtebeschimpfungen“ – so<br />
geschehen in dem 2016 bei Suhrkamp<br />
erschienenen Band. Und wenn man<br />
dieses recht vergnüglich zu lesende Buch<br />
in den Händen hält, ist schnell klar,<br />
dass Innsbruck noch vergleichsweise gut<br />
davonkommt. Auch wenn es als Ort von<br />
„Hochgebirgsinzucht“, Selbstmorden,<br />
ja sogar Familiensuiziden in Bernhards<br />
Werk erscheint, als Ort, an dem man Tiere<br />
erschießen muss, um endlich schlafen zu<br />
können. Wer kann schon schlafen, wenn er<br />
die „unnachgiebig perverse Felswand des<br />
Hafelekars vor dem Kopf“ hat? Ein Ort, an<br />
dem Eltern wiederholt ihre Kinder quälen,<br />
ihnen Verbrechen unterstellen, wo doch sie<br />
die eigentlichen Verbrecher sind und wo das<br />
Hochgebirgsfieber immerzu die Menschen<br />
plagt! „Das Gebirge ist gegen die Menschen.“<br />
Seine „Innsbrucker“ Erzählungen tragen<br />
Titel wie „Das Verbrechen eines Innsbrucker<br />
Kaufmannssohns“, „Der Wetterfleck“<br />
oder „Zwei Erzieher“. Die umfangreichste<br />
ist freilich: „Amras“, in dem es<br />
heißt: „Wie viele unserer Talente hätten wir<br />
zu erstaunlicher Größe in uns entwickeln<br />
können, wären wir nicht in Tirol geboren<br />
worden und aufgewachsen.“<br />
Das „wir“ sind die beiden Brüder, die<br />
den Familiensuizid überlebten und vom<br />
Onkel schnell aus dem Elternhaus in der<br />
Herrengasse 6 (!) in einen Turm nach<br />
Amras gebracht werden, um dort der drohenden<br />
Zwangseinweisung in die Psychiatrie<br />
und dem brutalen Innsbrucker Volk zu<br />
entgehen. „Das Sillwasser stürzte vor uns<br />
in die Tiefe und trennte uns lärmend von<br />
Innsbruck, der Vaterstadt, und dadurch<br />
von der so unerträglich gewordenen Welt<br />
…“ Doch die völlige Isolation bekommt<br />
ihnen nicht gut: „Durch nichts als durch<br />
uns von uns abgelenkt, erblickten wir uns in<br />
Amras in unserem brodelnden, dann wieder<br />
starren Geschwisterzusammenhang.“ Ihre<br />
innere Unruhe, die Erinnerungen und die<br />
Krankheit Walters (eine nur in Tirol bekannte<br />
Epilepsie) machen ihnen schwer zu<br />
schaffen, ganz zu schweigen von der Bösartigkeit<br />
der Föhnstürme …<br />
Die Tiroler Nachrichten urteilten 1964:<br />
„Bernhard beobachtet den realen Schau-<br />
platz seiner Geschichte präzise wie ein<br />
Landkartenzeichner, aber verfremdet dann<br />
alle Perspektiven … So entsteht ein dämonisches,<br />
bizarres, abstruses Tirol, in dem Ironie<br />
gelb aufblitzt …“ Ein Stück abstruses<br />
Tirol wird wohl auch die Inszenierung von<br />
Stefan Maurer werden, der sich der Herausforderung<br />
stellt, Bernhards sprachgewaltige<br />
und zum Teil fragmentarisch gebaute<br />
Erzählung auf die Bühne zu bringen.<br />
Mit dem Literaturwissenschaftler<br />
Wolfgang Hackl spricht er zwei Wochen<br />
vor der Premiere über dieses nicht ganz<br />
einfache Unterfangen.<br />
Buchtipp:<br />
Thomas Bernhard:<br />
Amras, Text und Kommentar<br />
Suhrkamp Verlag, 143 S., € 7,20<br />
Veranstaltung:<br />
Künstlergespräch mit dem Autor<br />
Regisseur und der Bühnenfassung<br />
Stefan Maurer und<br />
Prof. Dr. Wolfgang Hackl<br />
Mi., 7. <strong>No</strong>vember 2018, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Eintritt frei!<br />
Theatertipp:<br />
Thomas Bernhard: Amras<br />
Premiere am 25. <strong>No</strong>vember 2018<br />
Regie: Stefan Maurer<br />
Bühne & Kostüme: Luis Graninger<br />
Mit: Janine Wegener,<br />
Jan-Hinnerk Arnke, Tom Hospes<br />
und Christoph Schlag<br />
Weitere Details und Termine<br />
unter: www.landestheater.at
Bücher<br />
machen auch<br />
einen guten<br />
Eindruck,<br />
wenn man<br />
sie nicht liest.<br />
Philipp Keel<br />
© Maurice Haas / Diogenes Verlag<br />
18 Wagner’sche.
Diogenes – ein Verlag mit Stil<br />
Der Verlag aus Zürich setzt auf Kontinuität und Humor.<br />
Interview mit Philipp Keel. Von Martin Oehlen<br />
Bücher seit 1639<br />
Herr Keel, vor 66 Jahren wurde<br />
der Diogenes Verlag von Ihrem Vater<br />
gegründet. Vor über sechs Jahren<br />
übernahmen Sie die Leitung.<br />
Wie geht es dem Verlag heute?<br />
Dem Verlag geht es sehr viel besser, als ich<br />
es mir habe vorstellen können. Ich erachte<br />
das als ein kleines Wunder, weil die<br />
Unabhängigkeit, vor allem heutzutage, so<br />
etwas Seltenes und Teures ist. In unserer<br />
Familie, aber auch im Verlag war es immer<br />
wichtig, dass man sich so gibt, wie man ist,<br />
und so spricht, wie einem der Schnabel gewachsen<br />
ist. Einem Konzern anzugehören,<br />
können wir uns bei Diogenes eigentlich<br />
nicht vorstellen.<br />
Aber der Buchmarkt ist<br />
schwieriger geworden?<br />
So wie die Buchwelt einmal war, ist sie<br />
nicht mehr. Das merkt jeder. Natürlich<br />
wäre es angenehmer gewesen, hätte ich in<br />
den „goldenen Jahren“ – sie begannen ja<br />
ausgerechnet 1997, als es mit dem Internet<br />
so richtig losging, und dauerten an bis 2006<br />
– als Verleger starten können.<br />
Was hat das Internet mit der Krise<br />
des Buchmarkts zu tun?<br />
Die Menschen haben verlernt, sich zu<br />
konzentrieren. Auch ist bewiesen, dass wir<br />
uns nicht mehr so gut in Themen vertiefen<br />
können. Wir haben bestimmt viel an Fantasie<br />
und Sehnsucht verloren. Überhaupt<br />
sind wir in unserem Denken und Handeln<br />
furchtbar praktisch geworden. Schade, dass<br />
wir nicht so praktisch sind und erkennen,<br />
dass Lesen für den Geist äußerst gesund<br />
ist. Darüber sollte man am Frühstückstisch<br />
sprechen. Das Buch konkurriert mit dem<br />
Smartphone und zieht natürlich den Kürzeren,<br />
weil man beim Lesen nicht gleichzeitig<br />
einen Flug buchen oder einen neuen Freund<br />
auf Facebook finden kann. Lesen sollte<br />
aber keine Herausforderung sein, sondern<br />
die beste Medizin für ein paar entspannte<br />
Stunden.<br />
19<br />
Das drückt sich auch in gesunkenen<br />
Auflagenzahlen aus?<br />
Absolut. Es ist gar nicht anders möglich, es<br />
werden weniger Bücher gelesen. Das sage<br />
ich nicht aus einem Pessimismus heraus,<br />
zumal ich ein Optimist bin, auch wenn ich<br />
gerne jammere. Wenn Menschen mir erzählen,<br />
dass sie keine Zeit haben zum Lesen,<br />
aber regelmäßig Bücher kaufen, freue ich<br />
mich genauso. Bücher machen auch einen<br />
guten Eindruck, wenn man sie nicht liest.<br />
Wie reagiert man auf die Krise?<br />
Man muss klug und flink sein und mit unkonventionellen<br />
und erfrischenden Methoden<br />
versuchen, das scheinbar schwierige<br />
Produkt Buch auch an jüngere Leser zu<br />
bringen – die sehe ich immer nur im Club.<br />
Hinzu kommt, dass man dem Leser nicht<br />
nur das Buch präsentieren muss, sondern<br />
auch den Geist und die Persönlichkeit<br />
dahinter.<br />
Die Autorenpflege ist in Ihrem<br />
Haus intensiv ausgeprägt …<br />
Natürlich, Autoren und Künstler sind<br />
anspruchsvolle Wesen. Kontinuität und<br />
Humor sind dabei ganz wichtig für uns. Wir<br />
möchten einen Autor, den wir zu Diogenes<br />
an Bord holen, so lange wie möglich begleiten.<br />
Da kommen vor allem unsere Lektorinnen<br />
ins Spiel – der Verleger klingt auch<br />
wichtig, aber sie sind es, die unsere Autoren<br />
mit all ihrer Leidenschaft betreuen.<br />
Gehört es bei Diogenes zum<br />
Markenkern, dass man den<br />
Autoren die Treue hält?<br />
Es ist die Tradition unseres Hauses, die<br />
auch früh von meinem Vater geprägt wurde,<br />
nämlich an kurzfristigen Beziehungen nicht<br />
interessiert zu sein.<br />
Jetzt gibt es einige Neuzugänge …<br />
Das stimmt, seit ich Verleger bin, haben wir<br />
rund 60 neue Autorinnen und Autoren gefunden,<br />
darunter auch ein paar großartige<br />
deutschsprachige. Ich war mir zuvor nicht<br />
sicher, ob mir das gelingen würde. Dabei<br />
geht es auch immer um eine Dramaturgie<br />
des Erzählens, die uns entspricht. Wenn<br />
ich in einem Manuskript einen Stil entdecke,<br />
der mir gefällt, dann passt das auch<br />
meistens zu dem Menschen, der den Text<br />
geschrieben hat.<br />
Können Sie den Diogenes-Stil<br />
genauer beschreiben?<br />
Er ist nicht bierernst, nicht manieriert, nicht<br />
ums Verrecken literarisch. Unsere Autoren<br />
sind Talente, die wirklich erzählen können.<br />
Das kann man nicht lernen – genauso<br />
wenig, wie man lernen kann, musikalisch zu<br />
sein oder eine Leidenschaft zu haben. Unser<br />
Credo war schon immer: Diogenes Bücher<br />
sind weniger langweilig.<br />
Sie sind auch als Künstler bekannt.<br />
Dabei lassen Sie sich etwa für Ihre<br />
Fotografien viel Zeit im Labor. Aber<br />
im Verlagsalltag ist doch gewiss ein<br />
anderes Tempo gefragt – oder?<br />
Künstler brauchen tatsächlich viel Zeit<br />
zum Nachdenken und Zweifeln. Diese<br />
Zeit ist mir verloren gegangen. Doch ich<br />
sehe meine Kunst trotzdem wachsen, seit<br />
ich die Verlagsaufgabe übernommen habe,<br />
vielleicht sogar stärker als früher. Literatur<br />
und Kunst nähren sich gegenseitig überraschend<br />
gut.<br />
Was bedeutet das für die<br />
Verlagsarbeit?<br />
Ich neige dazu, die Gespräche im Verlag in<br />
einer gemütlichen Art zu führen. Gleichwohl<br />
entspricht ein Tag im Büro einer<br />
Woche Arbeit in jener früheren Zeit, als ich<br />
noch nicht Verleger war. Es ist ein bisschen<br />
so wie im Zirkus, in dem chinesische Akrobaten<br />
immer wieder an den Stangen rütteln<br />
müssen, damit die Teller oben bleiben.<br />
Wenn ich im Atelier bin und male, ist das<br />
Zeitgefühl ein ganz anderes.<br />
Philipp Keel, 1968 in Zürich geboren, ist Verleger,<br />
Künstler und Autor. Er lebte lange in den USA, ehe<br />
er 2012 die Leitung des Diogenes Verlags übernahm.<br />
Begründet wurde der Verlag von seinem Vater<br />
Daniel Keel, der 2011 gestorben ist.<br />
Interview von Martin Oehlen, Kölner Stadt-<br />
Anzeiger vom 16. <strong>No</strong>vember 2017
Erich Hackl<br />
Diese Erfahrungen brauchen wir.<br />
Erich Hackl im Gespräch mit Johann Holzner<br />
© Maurice Haas / Diogenes Verlag<br />
Buchtipp:<br />
Erich Hackl:<br />
Am Seil<br />
Diogenes Verlag,<br />
128 S., € 20,60<br />
Am Seil. Deine Geschichte entwickelt<br />
sich aus den Erinnerungen von<br />
Lucia Heilman, die nach dem<br />
so genannten Anschluss (damals<br />
noch ein 12-jähriges Kind)<br />
gemeinsam mit ihrer Mutter kurz<br />
vor der Deportation in ein NS-<br />
Vernichtungslager von einem Freund<br />
ihres Vaters versteckt und so gerettet<br />
worden ist. Erinnerungen – das heißt<br />
so viel wie Rekonstruktion. Aber<br />
Deine Geschichte ist doch in erster<br />
Linie eine / Deine Konstruktion?<br />
Sie ist die Konstruktion einer Rekonstruktion,<br />
würde ich sagen. Der Versuch, speziell<br />
Lucia Heilmans Erinnerungen – dazu die<br />
der wenigen anderen Informanten sowie<br />
die Ergebnisse meiner Recherchen – in eine<br />
Form zu bringen, ihnen eine Gestalt zu<br />
geben. Insofern konnte ich nicht frei über<br />
die literarischen Mittel verfügen: Ich durfte<br />
nichts erfinden, oder wenn schon, dann<br />
mußte ich das Erfundene, winzige Details<br />
dort, wo Frau Heilman sich nicht mehr erinnern<br />
konnte, als erfunden ausweisen. Das<br />
empfinde ich einerseits als Einschränkung,<br />
andererseits als Bereicherung: weil es mich<br />
davor bewahrt, ins Blaue hinein zu fiktionalisieren.<br />
Der Held dieser Geschichte, Reinhold<br />
Duschka, hat jahrelang sein Leben<br />
riskiert; er versteckt und versorgt<br />
Lucia und ihre Mutter Regina<br />
zunächst im Werkstättenhof in<br />
Wien und schließlich (nach dessen<br />
Zerstörung durch einen Luftangriff)
Bücher seit 1639<br />
in den letzten Kriegsmonaten<br />
in einem Ausweichquartier, das<br />
einmal ein Geschäftslokal gewesen<br />
ist: eine Heldengeschichte, die<br />
Gattungsbezeichnung dieses Buches<br />
ist ganz gewiss berechtigt; aber doch<br />
heikel, weil sie zunächst einmal<br />
Konnotationen weckt, die sich an<br />
ganz andere Geschichten knüpfen,<br />
an Geschichten zum Beispiel, die<br />
Kriegsveteranen aufgezeichnet<br />
haben?<br />
Nicht heikel, sondern notwendig: dem<br />
Begriff des Helden, oder der Heldin, die<br />
Bedeutung zu geben, die ihm zusteht. Wenn<br />
ich es mir so überlege, habe ich in allem,<br />
was ich geschrieben habe, nichts anderes<br />
zu tun versucht: den Spuren von Menschen<br />
zu folgen, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt<br />
haben, um andere Menschen zu retten,<br />
unter widrigen gesellschaftlichen Umständen,<br />
in Diktaturen, unter Terrorregimen.<br />
Der sogenannte Werkstättenhof:<br />
Soziale Kohäsion, Solidarität,<br />
Menschenwürde – Begriffe wie diese<br />
werden dort (jedenfalls nach Deiner<br />
Erzählung) noch groß geschrieben.<br />
Ein utopisches Modell, noch immer?<br />
Schon wieder, würde ich sagen. Wobei – im<br />
Werkstättenhof, in dem weit über hundert<br />
Werkstätten untergebracht waren, gab es,<br />
soweit bekannt, nur diesen einen Fall eines<br />
Handwerkers, der in der Nazizeit Verfolgte<br />
versteckt hat. Es gab allerdings in Wien<br />
auch organisierte und das heißt: kollektive<br />
Bemühungen, von der Deportation bedrohte<br />
Juden zu retten. Ljuba Arnautović<br />
hat in ihrem Debutroman „Im Verborgenen“<br />
unlängst über ihre Großmutter<br />
geschrieben, die im Rahmen einer Aktion<br />
im Umfeld der evangelischen Kirchengemeinde<br />
mehrere Verfolgte versteckt hat.<br />
Ein anderes Beispiel ist die kommunistische<br />
Widerstandsgruppe um Laurenz Genner,<br />
in der die Schriftstellerin Doris Brehm das<br />
„U-Boot-Referat“ über hatte, also damit<br />
beschäftigt war, Juden und Deserteure bei<br />
Helferinnen, Helfern unterzubringen. Es<br />
gab und gibt Menschen, in ganz Europa,<br />
nicht nur in Österreich, die angesichts der<br />
Jagd auf illegale Flüchtlinge auch heute<br />
ähnliches unternehmen.<br />
21<br />
Es gibt auch, Du deutest das hin<br />
und wieder in der Erzählung an,<br />
durchaus dunkle Seiten im Leben<br />
des Reinhold Duschka; so recht<br />
sichtbar werden sie indessen nicht.<br />
Schrammt das nicht doch, wie schon<br />
einmal die Geschichte über Hans und<br />
Josefa Breirather in Abschied von<br />
Sidonie, hart an einer Schwarz-Weiß-<br />
Zeichnung vorbei?<br />
Was meinst Du denn mit „dunklen Seiten“?<br />
Daß er kein idealer Familienvater war, zur<br />
eigenen Tochter nicht so geduldig war wie<br />
zu Lucia, daß er nicht gesellig war? Das<br />
hat mir Duschkas Tochter erzählt, und<br />
das habe ich im selben Ausmaß, wie sie es<br />
erzählt hat, wiedergegeben. Ich sehe das<br />
Problem nicht, das sich Dir dabei stellt,<br />
rückblickend auch nicht bei Sidonies Pflegeeltern,<br />
über die ich seinerzeit nichts Negatives<br />
in Erfahrung bringen konnte. Hätte ich<br />
es erfahren, hätte ich es auch erwähnt. Wir<br />
sollten damit leben lernen, daß es schwarz<br />
und weiß und nicht nur grau gibt. Es gibt,<br />
anders gesagt, gute Menschen. Subversive<br />
Elemente offenbar, weil das Wissen um sie<br />
die Selbstgefälligkeit der Grauen gefährdet.<br />
<strong>No</strong>ch einmal zurück zu Reinhold<br />
Duschka. „Er war der beste Freund<br />
ihres Vaters, zu einer Zeit, in der<br />
Männer noch beste Freunde und<br />
Frauen beste Freundinnen hatten,<br />
vor einer halben Ewigkeit also.“ Der<br />
erste Satz Deiner Geschichte ist<br />
(wie sich bald einmal herausstellt)<br />
ironisch zu verstehen. – Aber von<br />
einem Stimmengewirr kann in<br />
dieser Erzählung keine Rede sein.<br />
Unterm Vorzeichen der Demokratie<br />
darf man hingegen (im Tross der<br />
Hauptströmung der Literaturkritik)<br />
von der zeitgenössischen Literatur<br />
doch erwarten, dass sie ein ganzes<br />
Bündel von Stimmen (und nicht mehr<br />
nur eine einzige Stimme) präsentiert.<br />
Oder – erfordert die aktuelle<br />
gesellschaftspolitische Situation<br />
Deiner Auffassung nach am Ende<br />
doch wieder ein neues Prinzip der<br />
Parteilichkeit?<br />
Die Beobachtung, daß es heutzutage kaum<br />
noch Männer mit besten Freunden, Frauen<br />
mit besten Freundinnen gibt, stammt von<br />
Lucia Heilman. Sie hat damit zu erklären<br />
versucht, warum Reinhold Duschka sein<br />
Leben riskiert hat, um sie und ihre Mutter<br />
zu retten: weil ihr Vater sein bester Freund<br />
war. Ich hab, als sie das gesagt hat, überlegt<br />
und mir gedacht, eigentlich hat sie recht.<br />
Der Kapitalismus ist mit seinem Erfolgs-,<br />
Konsum- und Konkurrenzprinzip inzwischen<br />
so tief in die Psyche der Menschen<br />
eingedrungen, daß die meisten von ihnen<br />
eine innige Freundschaft auf Lebensdauer<br />
gar nicht mehr durchhalten. Genauso wenig<br />
wie eine Ehe, der – vor allem von männlicher<br />
Seite – eine Lebensabschnittspartnerschaft<br />
vorgezogen wird. So ironisch ist die<br />
Sache also nicht zu verstehen. Was Deinen<br />
anderen Einwurf betrifft, so verstehe ich<br />
nicht das Postulat der Zusammengehörigkeit<br />
von Demokratie, Literatur und Vielstimmigkeit.<br />
Vielstimmigkeit in der Literatur<br />
finden wir auch in außereuropäischen<br />
Kulturen, die weiß Gott nicht demokratisch<br />
waren, und im Barock, in dem genug Köpfe<br />
rollten. Ob eine, zwei oder viele Stimmen,<br />
die Entscheidung ist für mich abhängig<br />
von der jeweiligen Quellenlage. In der<br />
„Hochzeit von Auschwitz“ habe ich so viele<br />
präsentiert, daß es manchen Rezensenten<br />
schon zu viele waren, die Geschichte von<br />
Gisi Tenenbaum, in „Als ob ein Engel“, aus<br />
vielerlei Perspektiven erzählt, weil es auch<br />
da viele Informanten gab, ihre Eltern, ihre<br />
Schwestern, ihre Freundinnen, ihre Schulkameraden,<br />
die mir jeweils ihre Sichtweise<br />
anvertraut hatten. „Am Seil“ bot diese<br />
Möglichkeit nicht. Was alle Erzählungen<br />
miteinander verbindet, ist meiner Meinung<br />
nach die Zurückhaltung des Autors, der<br />
sich als Erzähler möglichst zurücknimmt,<br />
um mit seinen Emotionen nicht den Blick<br />
auf das, was er erzählt, zu verstellen.<br />
Parteilich ist er, keine Frage. Aber nicht im<br />
Sinne eines neuen Prinzips, sondern um auf<br />
verschüttete Traditionen anzuschließen.<br />
Auch hier hat der Kapitalismus, in seiner<br />
faschistischen Spielart, ein Niemandsland<br />
errichtet, durch das möglichst keine Erfahrungen<br />
dringen sollen, von damals auf<br />
heute. Aber diese Erfahrungen brauchen<br />
wir. Das ist im Grunde mein Thema, auch<br />
in dieser „Heldengeschichte“.<br />
Erich Hackl wurde am 1954 in Steyr in Oberösterreich<br />
geboren. Nach dem Studium der Germanistik<br />
und Hispanistik in Salzburg, Salamanca und Malaga<br />
ging er vorübergehend nach Spanien, wo er von 1977<br />
bis 1979 als Lektor an der Universität Complutense<br />
Madrid tätig war. Er übersetzte Werke von<br />
spanischen und lateinamerikanischen Autoren und<br />
war Herausgeber von Werken, die sich mit dem Exil,<br />
dem Widerstand und dem Spanischen Bürgerkrieg<br />
beschäftigen. So machte er als Editor auf das Werk<br />
des nach Argentinien emigrierten Alfredo Bauer aufmerksam,<br />
veröffentliche fotografische Zeugnisse von<br />
Internierten in Frankreich (Album Gurs, 2000) und<br />
gab mit dem Veteranen Hans Landauer gemeinsam<br />
das „Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer<br />
1936 –1939“ (2003) heraus. Seinen Erzählungen, die<br />
in 25 Sprachen übersetzt wurden, liegen authentische<br />
Fälle zugrunde, wie auch dem vorliegenden Roman<br />
„Am Seil“. „Auroras Anlaß“ und „Abschied von Sidonie“<br />
sind inzwischen Schullektüre. Unter anderem<br />
wurde er 2017 mit dem Menschenrechtspreis des<br />
Landes Oberösterreich ausgezeichnet.
Prominente Empfehlungen<br />
aus dem Forum Alpbach<br />
Ganze 18 Tage war die Wagner’sche mit einer eigenen kleinen<br />
Buchhandlung in Alpbach. Mit rund 5.000 Büchern im Gepäck<br />
waren wir auf Tuchfühlung mit <strong>No</strong>belpreisträgern, Politikern,<br />
Wissenschaftlern, Künstlern und vielen mehr. — Im Vorfeld<br />
haben wir die rund 200 Referentinnen und Referenten gefragt,<br />
Ewald <strong>No</strong>wotny<br />
Gouverneur<br />
Österreichische Nationalbank<br />
Martin Kušej<br />
Direktor Burgtheater Wien<br />
Ernst Ulrich<br />
von Weizsäcker<br />
Naturwissenschaftler und Politiker<br />
Das Buch zeichnet anhand von berührenden<br />
Geschichten und erschütternden Biografien<br />
ein sehr persönliches Porträt der<br />
bulgarischen Hauptstadt und verdeutlicht<br />
den täglichen Kampf gegen die Armut.<br />
„Ich habe den Verfasser vor einiger Zeit<br />
kennengelernt, bin aber erst kürzlich<br />
dazugekommen, sein Buch zu lesen. Der<br />
ehrliche und letztlich optimistische Einblick<br />
in Aspekte einer Welt, die wir sonst<br />
nur aus Statistiken und offiziellen Besuchen<br />
kennen, hat mich sehr berührt.“<br />
Markus Inama:<br />
Der Hoffnung ein Zuhause geben<br />
Styria Verlag, 208 S., € 22,90<br />
„Dieses Buch lässt das Herz eines<br />
Theatermachers natürlich höher schlagen.<br />
Von Menschen verlassene Orte, apokalyptisch<br />
zerstört oder einfach nur von<br />
der wilden Natur zurückerobert – alleine<br />
diese ‚Verrückung‘ der <strong>No</strong>rmalität ist<br />
schon aufregend und spornt die Phantasie<br />
an. Nun hat Henk van Rensbergen<br />
in diese verwitterten Salons, verstaubten<br />
Krankensäle und überwucherten Parkplätze<br />
lauter unglaubliche Tiere platziert<br />
– oder geradezu ‚deplatziert‘ –, sodass<br />
sich noch ein weiterer Kosmos an Assoziationen<br />
und Geschichten im Kopf des<br />
Betrachters ergeben.“<br />
Henk van Rensbergen:<br />
<strong>No</strong> Man’s Land<br />
Knesebeck Verlag,<br />
192 S., € 51,80<br />
Die Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus<br />
nimmt die heute entscheidenden<br />
Themen in den Blick; es geht um soziale,<br />
ökologische und politische Zusammenhänge.<br />
Wohl selten war ein päpstliches<br />
Schreiben so aktuell und brisant und<br />
vor allem relevant für alle Gesellschaftsschichten<br />
und Menschen weltweit.<br />
„Endlich hat ein Papst den Mut, die tiefe<br />
ökologische Krise für unser gemeinsames<br />
Haus (die Erde) beim Namen zu nennen<br />
und auch die ökonomistische Selbstsucht<br />
als wesentliche Ursache zu benennen.“<br />
Papst Franziskus:<br />
Enzyklika Laudato si<br />
Herder Verlag, 304 S., € 25,70<br />
22<br />
Wagner’sche.
welches Buch sie in letzter Zeit<br />
besonders beeindruckt oder<br />
gar geprägt hat. Diese Empfehlungen<br />
haben wir für Sie in einem<br />
eigenen Magazin gesammelt —<br />
zu finden in der Wagner’schen oder<br />
unter wagnereinmalig.onlinelesen.at<br />
— Und hier ein kleiner<br />
Vorgeschmack:<br />
Alexander<br />
Van der Bellen<br />
Österreichischer Bundespräsident<br />
Heinz Fischer<br />
ehemaliger österreichischer<br />
Bundespräsident<br />
Andreas Salcher<br />
Politiker und Buchautor<br />
© Forum Alpbach<br />
„Ich schwanke zwischen dem ganz aktuellen<br />
und wichtigen Buch von Stephan<br />
Schulmeister „Der Weg zur Prosperität“<br />
und dem Klassiker von Manès Sperber<br />
„Wie eine Träne im Ozean“. Diesmal<br />
entscheide ich mich für das viel früher<br />
erschienene Buch von Manès Sperber, das<br />
mich seit 50 Jahren begleitet, das die individuelle<br />
und gesamtgesellschaftliche Tragödie<br />
autoritärer Systeme in eindrucksvollster<br />
Weise darstellt, das uns viel über<br />
Mitteleuropa erzählt und dessen Autor<br />
mich in mehreren Gesprächen durch seine<br />
Bildung, seine Weisheit und seine Erzählkunst<br />
sehr beeindruckt hat.“<br />
Manès Sperber:<br />
Wie eine Träne im Ozean<br />
DTV Verlag, 1040 S., € 20,50<br />
„Mein absoluter Favorit ist ‚Stoner‘<br />
von John Williams. In Zeiten von Stars<br />
und Glamour zeigt ‚Stoner‘, dass es<br />
darum geht, sein eigenes Leben zu<br />
leben. Wer das so wie er trotz vieler<br />
Widrigkeiten und Rückschlägen schafft,<br />
der ist ein wahrer Held. Zeit Online<br />
schrieb: Wir begreifen: Man kann das<br />
Leben nur leben, so gut es eben geht.<br />
[…] Vielleicht ist das die größte Stärke<br />
dieses bewegenden Buches: Dass es<br />
seinen Helden nicht durchschaut, nicht<br />
zurechtdefiniert. Es stellt ihn in all seinen<br />
Stärken und Schwächen, in all seiner<br />
mittleren Menschlichkeit vor uns hin<br />
und sagt: Seht, euer Bruder.“<br />
John Williams:<br />
Stoner<br />
DTV Verlag, 352 S., € 11,30<br />
„Éric Vuillard skizziert in „Die Tagesordnung“<br />
die teils beklemmende Banalität<br />
entscheidender Momente rund um<br />
den Aufstieg der Nationalsozialisten<br />
und den Anschluss 1938. Es ist ein Lehrstück<br />
über Macht und Verantwortung,<br />
in dem die kleinen Fußnoten der Weltgeschichte<br />
große Rollen spielen. Diese<br />
Melange aus literarischem Werk und<br />
faktentreuer Recherche eröffnet neue<br />
Blickwinkel auf die politische Genese der<br />
großen Katastrophe.“<br />
Éric Vuillard:<br />
Die Tagesordnung<br />
Matthes & Seitz Berlin,<br />
118 S., € 18,50
© 8tung Kultur<br />
„Was uns umbringt,<br />
sind nicht die<br />
Ozonlöcher, sondern<br />
die Arschlöcher.“<br />
Peter Turrini<br />
24<br />
Wagner’sche.
Zwei „Giganten“ im Doppel –<br />
eine Nachschau<br />
Peter Turrini und Gerhard Haderer begeisterten<br />
auf Schloss Ambras. Von Christine Frei<br />
Er liebt es, die Großen der zeitgenössischen<br />
Literatur immer wieder aufs Neue nach<br />
Innsbruck zu locken. Und erst neulich ließ<br />
Robert Renk und sein Verein 8ung Kultur<br />
mit der spektakulären Ankündigung<br />
aufhorchen, dass er am 12. Februar, quasi<br />
zum Ende der literarischen Herbst/Wintersaison,<br />
den US-Kultautor T.C. Boyle nach<br />
Innsbruck bringen wird. Doch auch der<br />
Auftakt am vergangenen Freitag hatte bereits<br />
Kultcharakter. Denn während draußen<br />
in unmittelbarer Nähe unter lautstarkem<br />
Hubschraubereinsatz für einen allfälligen<br />
WM-<strong>No</strong>tfall geübt wurde, saßen drinnen<br />
im Spanischen Saal zwei Giganten der<br />
österreichischen Kultur tiefenentspannt<br />
nebeneinander, ließen sich von Moderatorin<br />
Sylvia Treudl kundig präsentieren, ehe sie<br />
selbst launig das Wort ergriffen, schließlich<br />
sogar mit verteilten Rollen vorlasen und das<br />
Publikum derart in ihren Bann zogen, dass<br />
die Warteschlange der Signierwilligen gar<br />
kein Ende nehmen wollte. Immerhin hat der<br />
eine aus dem einstigen Skandalstück des<br />
anderen eine Graphic <strong>No</strong>vel gezeichnet. Die<br />
erste waschecht-österreichische Graphic<br />
<strong>No</strong>vel, wie der Haymon Verlag nicht ganz<br />
ohne Stolz verkündet.<br />
Gerhard Haderer, laut Eigendefinition<br />
Schulwart in der von ihm im Vorjahr begründeten<br />
Schule des Ungehorsams und<br />
einer der größten Karikaturisten dieses<br />
Landes, hat also Peter Turrinis „Rozznjogd“<br />
zeichnerisch neu inszeniert. Und<br />
Peter Turrini, der schon mal poltern oder<br />
seiner Verzweiflung wortreich Ausdruck<br />
verleihen kann, wenn Inszenierungen der<br />
Intention seiner Texte zuwiderlaufen,<br />
immerhin sei er Halbitaliener, sah sich hier<br />
vollauf erkannt. Der Gerhard habe ihn<br />
richtig glücklich gemacht, gesteht er. Wild<br />
und zart seien die beiden Figuren in seiner<br />
Rozznjogd, erklärt er. So präsentiert er sich<br />
auch selbst, in seiner Lyrik, seinen Stücken.<br />
Und immer mit einem gewissen Schalk<br />
im Nacken. Er solle ja auch eine Rede zu<br />
irgendeiner Republikfeier halten, erzählt<br />
er plötzlich, den Titel habe er bereits:<br />
„Was uns umbringt, sind nicht die Ozonlöcher,<br />
sondern die Arschlöcher“. Und<br />
fügt dann noch schelmisch lächelnd hinzu:<br />
Seither habe er allerdings nichts mehr von<br />
denen gehört.<br />
Buchtipp:<br />
Peter Turrini / Gerhard Haderer<br />
Rozznjogd<br />
Haymon Verlag<br />
224 S., € 24,90
Oktoberfest<br />
in Wien?<br />
Wo samma …<br />
Thomas Maurer<br />
© Ingo Pertramer<br />
26 Wagner’sche.
Maurer ab Hof –<br />
Texte aus eigenem Anbau<br />
Der „Münchhausen des 21. Jahrhunderts“ (Der Standard)<br />
gibt sich die Ehre. Von Robert Renk<br />
Bücher seit 1639<br />
Was ist das Faszinierende an Thomas<br />
Maurer? Er ist extrem vielseitig, bleibt sich<br />
dabei aber extrem treu.<br />
Er ist wohl einer der besten Akteure im<br />
deutschsprachigen Kabarett und wurde<br />
u.a. mit dem Deutschen Kabarettpreis 2016<br />
ausgezeichnet. Bisher hat er 17 Programme<br />
gestemmt. Daneben arbeitet er aber gerne<br />
und regelmäßig mit Kollegen zusammen<br />
(z.B. Hader, Palfrader, Scheuba, Puntigam,<br />
Armin Wolf, Thomas Glavinic), arbeitet<br />
federführend an Fernsehprojekten mit (Die<br />
kranken Schwestern, Die 4 da, Wir Staatskünstler)<br />
und verfasst Kolumnen, Reportagen,<br />
Kurzgeschichten und Drehbücher.<br />
Mit seinen Programmen, die er ausschließlich<br />
selbst schreibt, ist er immer am<br />
Puls der Zeit. Ok, manchmal ist er ihr voraus<br />
und uns auch, aber er stellt sich dabei<br />
nie über uns (allenfalls als Staatskünstler),<br />
sondern bestenfalls neben uns.<br />
Dementsprechend heißt sein neues Programm<br />
„Zukunft“ (zu sehen im Treibhaus).<br />
Und in der Zukunft hat zum Beispiel der<br />
Stammtischcapo schlechte Karten, denn der<br />
stille, nickelbebrillte Pubertätsspargel, der<br />
vis à vis am naturtrüben Apfelsaft nuckelt,<br />
entlarvt via google am handy alle seine<br />
„G’schichterln“ als fakenews. Wikipedia als<br />
Tod des Wirtshaus-Klassensprechers. Diese<br />
Aussicht muss man erst einmal verkraften.<br />
Die Macht<br />
der Maschinen<br />
27<br />
Doch es geht weiter. Es geht um von<br />
Maschinen dahingeraffte Jobs, selbstfahrende<br />
Autos, die man effizienterweise<br />
gleich bei der Formel 1 einsetzen sollte, und<br />
natürlich um Google, Amazon und Co, die<br />
heute „viel besser wissen als du, was dir als<br />
Nächstes am besten gefällt“.<br />
Es geht noch weiter, denn Maurer<br />
erzählt auch von jener Schar an New-Economy-Milliardären,<br />
die sich seit einiger<br />
Zeit mit Nachdruck darum kümmern, ihr<br />
eigenes Dahinscheiden zu stoppen. Paypal-Gründer<br />
und Facebook-Investor Peter<br />
Thiel zum Beispiel erneuert neuerdings mit<br />
Erfolg seine Zellen durch die Verabreichung<br />
von Blut jüngerer Artgenossen.<br />
Maurer dazu in einem Interview: „Ja,<br />
US-Investor Peter Thiel hat überhaupt<br />
erklärt, dass er nicht sterben wird. Und<br />
in dieses Ziel – Lebensverlängerung und<br />
Altersprozessumkehrung – stecken diese<br />
Leute von der Google-Partie unpackbare<br />
Summen. Was Science Fiction war, versucht<br />
man momentan mit einem hohen Kapitalund<br />
Know-how-Einsatz zu realisieren. Elon<br />
Musk, PayPal- und Tesla-Gründer, dem<br />
auch das private Raumfahrtunternehmen<br />
SpaceX gehört, investiert in Richtung Hirn-<br />
Maschine-Verschmelzung und Überleben<br />
auf Silicium-Basis“.<br />
Natürlich bekommt auch die aktuelle<br />
Politik ihr Fett ab und nicht nur die<br />
Regierung Schwarz-Blau 2.0, von der es im<br />
Programm heißt, sie sei „so sinnvoll, wie<br />
sich die Milchzähne noch einmal einsetzen<br />
zu lassen“. Es heißt eben auch: „Früher<br />
konnten die Grünen ihn nicht kontrollieren,<br />
heut geht’s Peter Pilz selbst so mit seinen<br />
Händen“.<br />
Texte aus<br />
eigenem Anbau<br />
Der Wiener Starkabarettist schreibt nicht<br />
nur selbst, was er dann auf der Bühne<br />
spricht, sondern auch Texte, die zum stillen<br />
Lesen gedacht, aber auch zum lauten Vorlesen<br />
geeignet sind.<br />
Im Oeuvre des Großmeisters der<br />
tiefenentspannten Pointe finden sich<br />
satirische Glossen zu Politik und Kulinarik,<br />
skurrile Kurzgeschichten, schräge<br />
Karl-May-Schwärmereien und sogar Drehbuchauszüge<br />
aus einem Krimi, die man<br />
lesen kann.<br />
<strong>No</strong>ch besser natürlich, wenn Thomas<br />
Maurer selbst eine Auswahl trifft und sie<br />
bühnentauglich vorträgt!<br />
Sardinienprodukte untermalt den Abend<br />
kulinarisch mit Wein und einer Vorab-Verkostung<br />
von sardischen Köstlichkeiten!<br />
Kommen Sie also rechtzeitig.<br />
Buchtipp:<br />
Thomas Maurer:<br />
Das Hirn muss einen<br />
Saumagen haben<br />
Czernin Verlag, 176 S., € 18,–<br />
Veranstaltung:<br />
Ab Hof – Texte aus eigenem<br />
Anbau; ein literarischsatirischer<br />
Abend<br />
mit Thomas Maurer,<br />
Fr., 12. Oktober 2018,<br />
19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Eintritt: € 9,– /<br />
mit Kundenkarte € 7,–<br />
Eine Veranstaltung der<br />
Wagner’schen Universitätsbuchhandlung,<br />
Sardinienprodukte<br />
und 8ungKultur<br />
sardinienprodukte
Zur<br />
Weihnachtszeit<br />
ein Kiachl mit<br />
Sauerkraut.<br />
Thomas Stipsits<br />
©Ingo Pertramer<br />
28 Wagner’sche.
Mit 18 startet er schon seinen kometenhaften<br />
Aufstieg, so dass er jetzt – mit knapp 35 –<br />
zu den Arrivierten gehört. Und zwar nicht<br />
nur als Kabarettist, nein auch als Schauspieler<br />
gehört er zu den heimischen Größen.<br />
Nun ist Thomas Stipsits auch als Autor<br />
durchgestartet, sein Episodenroman „Das<br />
Glück hat einen Vogel“ (Ueberreuter) ist<br />
zum Bestseller avanciert. Bevor er das Buch<br />
– samt Gitarre, wie er uns versprochen hat –<br />
in der Wagner’schen präsentiert, hat er uns<br />
noch ein paar Fragen beantwortet.<br />
2004 bist du zum ersten Mal vor<br />
Tiroler Publikum gestanden, seitdem<br />
sind deine Beziehungen zu<br />
Tirol auf jeden Fall intensiver.<br />
Was hat sich verändert?<br />
Ich bin seit über vier Jahren mit einer Tirolerin<br />
verheiratet und dadurch komme ich<br />
öfter nach Innsbruck. Ich mag diese Stadt<br />
sehr gerne, zumal sie nicht nur Urbanes<br />
bietet, sondern auch die Möglichkeit zu<br />
wandern. Und zur Weihnachtszeit ist ein<br />
Kiachl mit Sauerkraut ein Fixpunkt.<br />
2001 begann die Kabarettkarriere,<br />
danach kam die Filmkarriere<br />
dazu und jetzt bastelst<br />
du an der Autorenkarriere?<br />
Ich sehe mich nicht als Autor im klassischen<br />
Sinn, sondern mehr als ein Geschichtenerzähler.<br />
Die Erfahrung, ein Buch geschrieben<br />
zu haben, möchte ich auf keinen<br />
Fall missen, es öffnet einem wieder neue<br />
Blickwinkel, die auch für die Bühne hilfreich<br />
sein können.<br />
„Das Glück hat einen Vogel“<br />
kann man als Episodenroman in<br />
25 Kapiteln und einem Extra-I<br />
bezeichnen. Wie bist du auf<br />
diese Form gekommen?<br />
Ich hatte ganz großen Respekt davor.<br />
Schließlich schreibt sich ein Buch ja nicht<br />
von heute auf morgen. Ich habe die Form<br />
der Kurzgeschichte gewählt, weil ich mir<br />
noch nicht zutraute, einen dramaturgischen<br />
Bogen über 300 Seiten zu spannen. Über<br />
fünf bis sechs Seiten schon. Der Beginn war<br />
das schwierigste, danach, als ich drei, vier<br />
Wie geht’s mit dem Kabarettisten<br />
Stipsits weiter?<br />
Ich spiele aktuell mein Solo-Programm<br />
„Stinatzer Delikatessen“. Zum Glück ist<br />
die Nachfrage sowohl von Publikum als<br />
auch von Veranstaltern so groß, dass ich<br />
die nächsten zwei Jahre gut beschäftigt sein<br />
werde.<br />
Und wie mit dem Schauspieler?<br />
Am 1. Februar 2019 kommt mein neuer<br />
Film „Love Machine“ in die Kinos. Eine<br />
romantische Komödie über einen arbeitslosen<br />
Musiker, der aus Verzweiflung<br />
Callboy für reifere Damen wird.<br />
Was hat der Autor Stipsits vor?<br />
Ich werde einen Krimi schreiben, der in<br />
Stinatz angesiedelt ist. Die Hauptfigur wird<br />
eine burgenländische Variante von Columbo<br />
sein.<br />
Lieber Oscar oder <strong>No</strong>belpreis?<br />
Ich würde mich schon über eine Romy<br />
freuen.<br />
Thomas<br />
Stipsits<br />
Thomas Stipsits, geboren 1983 in Leoben,<br />
aufgewachsen u. a. in der südburgenländischkroatischen<br />
Gemeinde Stinatz, für die er immer<br />
noch gerne ein Freibad bauen würd’, ist einer der<br />
bekanntesten Kabarettisten Österreichs. Auch als<br />
Schauspieler („Braunschlag“, „Vorstadtweiber“<br />
oder „Tatort“) ist er längst kein Unbekannter mehr.<br />
Im Treibhaus ist er noch einmal mit seinem<br />
Bühnenpartner Manuel Rubey in „Gott & Söhne“<br />
zu erleben. Im ORF sieht man ihn zur Zeit mit<br />
seiner Ehefrau, der Tirolerin Katharina Strasser,<br />
in der Comedy-Serie „Gemischtes Doppel“.<br />
Bücher seit 1639<br />
Einer der auszog,<br />
die Herzen zum<br />
Lachen zu bringen.<br />
Thomas Stipsits<br />
im Gespräch mit<br />
Robert Renk<br />
29<br />
Geschichten geschrieben hatte, kam ich in<br />
einen regelrechten Schreibrausch. Es hat<br />
enorm viel Spaß gemacht. Es freut mich<br />
auch wahnsinnig, dass sich das Buch so gut<br />
verkauft hat.<br />
Auch im aktuellen Kabarettprogramm<br />
„Gott & Söhne“,<br />
gemeinsam mit Manuel Rubey, geht’s<br />
ums Glück. Im Treibhausprogramm<br />
liest man vom „Abschied als Duo“.<br />
Echt jetzt?<br />
Nein. Es ist nur ein Abschied auf Zeit.<br />
Wir sind die letzten sieben Jahren gemeinsam<br />
unterwegs gewesen und brauchen<br />
einfach künstlerischen Abstand. Sollten<br />
wir jetzt gleich ein drittes Programm nachschießen,<br />
wäre die Gefahr sehr groß, dass<br />
wir uns zu wiederholen beginnen, und das<br />
wollen wir beide nicht. Lieber ein paar<br />
Jahre Pause, um den eigenen Rucksack<br />
kreativ zu bestücken, und dann wieder<br />
künstlerisch aufeinandertreffen, um mit<br />
freiem Kopf und neuen Ideen an einem<br />
Programm zu arbeiten. Es wird also sicher<br />
wieder ein neues Programm von uns geben.<br />
Buchtipp:<br />
Thomas Stipsits:<br />
Das Glück hat einen Vogel<br />
Ueberreuter Verlag,<br />
160 S., € 19,95<br />
Lesung:<br />
Das Glück hat einen Vogel<br />
mit Thomas Stipsits,<br />
Gitarre und Buch<br />
Di., 06. <strong>No</strong>vember 2018,<br />
19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Eintritt: € 9,– /<br />
mit Kundenkarte € 7,–
© www.fotowerk.at<br />
Hass, Liebe,<br />
Freundschaft<br />
und Todeskampf.<br />
Bernhard Aichner<br />
Buchtipp:<br />
Bernhard Aichner<br />
Bösland<br />
btb Verlag, 445 S., € 20,60<br />
30 Wagner’sche.
Bücher seit 1639<br />
Er ist der Exportschlager in Sachen Thriller,<br />
wurde mit der Bestattungsunternehmerin<br />
Blum weit über die Grenzen bekannt, wird<br />
in den USA verfilmt, hat zwischendurch –<br />
ebenso erfolgreich – das größte Krimifest<br />
Österreichs gegründet (gem. mit Markus<br />
Hatzer) und führt uns jetzt im Herbst – mit<br />
seinem lang erwarteten neuen Roman – ins<br />
Bösland! Dabei ist er selbst gar nicht böse,<br />
ist vielmehr bei den Kollegen rasend beliebt<br />
und ein absoluter Publikumsliebling.<br />
Im Rahmen des zweiten Krimifests<br />
Tirol wird auch dein neuer Roman<br />
„Bösland“ präsentiert.<br />
Ja und das gleich zweimal. Einmal im Treibhaus<br />
und dann noch einmal später in der<br />
Wagner’schen. Es ist eine große Freude für<br />
mich, dass nach der Blum-Trilogie nun ein<br />
neuer, abgeschlossener Thriller erscheint.<br />
Ganz neue Helden, eine völlig neue Geschichte,<br />
die es aber mindestens so in sich<br />
hat wie die Totenfrau.<br />
Bernhard<br />
Aichner<br />
Kommt mit ins<br />
Bösland.<br />
Robert Renk im<br />
Gespräch mit<br />
Bernhard Aichner<br />
31<br />
Hauptfiguren, das kann man schon<br />
verraten, sind zwei ehemalige<br />
Jugendfreunde, die sich nach 30<br />
Jahren wieder begegnen. Und das hat<br />
seine Gründe.<br />
Genau. 1987 kommt es auf einem Dachboden<br />
zu einem Mord. Ein 13-Jähriger erschlägt<br />
seine Mitschülerin. 30 Jahre später,<br />
kommen Dinge ans Licht, die damals noch<br />
nicht so klar waren, es kommt zum megaspannenden<br />
Showdown in Thailand.<br />
Eine Art Duell der Freunde.<br />
Ja, das Buch spielt mit dieser Mischung<br />
aus Hass und Liebe, aus Freundschaft und<br />
Todeskampf. Das geht dann schon sehr ans<br />
Eingemachte, bis es sich am Ende dramatisch<br />
zuspitzt, gespickt natürlich wieder mit<br />
einer wunderbaren Liebesgeschichte.<br />
Also verrätst du uns schon ein<br />
Happy End?<br />
Naja, ein Happy End ist auch immer eine<br />
Frage der Perspektive, es kann nicht für alle<br />
gut ausgehen.<br />
Deine Bücher sind besonders,<br />
vor allem durch den typischen Stil.<br />
Es gibt so diesen bestimmten<br />
Aichner-Ton.<br />
Ich wollte immer meinen eigenen Ton finden,<br />
mit dem ich meine Geschichten erzähle,<br />
unverwechselbar sein. Dass das nun von<br />
so vielen LeserInnen angenommen wird,<br />
freut mich extrem. Ich bin sehr dankbar.<br />
Wichtig bei deinem Stil sind auch<br />
die sehr gekonnt eingesetzten<br />
rauschhaften Dialoge …<br />
Ich wollte eine neue Form im Roman<br />
etablieren, Dialoge so schreiben, dass sie<br />
ohne Erzähler auskommen. Ping, Pong.<br />
Die Frage war, ob man das einem breiten<br />
Publikum zumuten kann? Die Antwort<br />
war ganz eindeutig Ja.<br />
War es schwer, das beim Lektorat so<br />
durchzusetzen.<br />
Ich habe mit Regina Kammerer eine sehr<br />
mutige und tolle Verlegerin, die mich auch<br />
lektoriert. Sie hat mich immer bestärkt<br />
und mir Mut gemacht.<br />
Dein Verlag hat sich auch einiges<br />
einfallen lassen, um das Bösland zu<br />
bewerben.<br />
Ja, auf einer eigenen Homepage (www.<br />
boesland.de) kann man das Bösland erkunden,<br />
wir machen Lust auf das Buch,<br />
es gibt Leseproben, die Figuren werden<br />
vorgestellt, der btb-Verlag ist hier mal ganz<br />
neue Wege gegangen.<br />
Auch bei deinen Lesungen lässt du<br />
dir immer was einfallen.<br />
Klar, bei der BÖSLAND-TOUR bin ich<br />
gemeinsam mit Florian Eisner unterwegs.<br />
Ein toller Schauspieler, Regisseur und<br />
Musiker, der u. a. langjähriger Leiter des<br />
theater präsent in Innsbruck war und nun<br />
in Salzburg lebt. Mit ihm war ich heuer im<br />
Frühjahr schon 30mal auf Tour mit „Totenrausch“,<br />
auf der neuen Tour werden wir<br />
wieder gemeinsam rocken.<br />
Und für das Krimifest, das ja<br />
wieder über 40 AutorInnen in ganz<br />
Tirol präsentiert, hast du da einen<br />
Geheimtipp für uns?<br />
Neben dem wunderbaren Abend in der<br />
Wagner’schen am 17.10., den Lesungen von<br />
Marc Elsberg und Stefan Fitzek, freue ich<br />
mich ganz besonders auf den Finnenabend<br />
mit Antti Tuomainen und Jan Costin Wagner<br />
am 14.10. im Treibhaus. Wir werden da<br />
ganz großes Krimikino erleben!<br />
Bernhard Aichner (geb. 1972) lebt als Schrift steller<br />
und Fotograf in Innsbruck. Aichner schreibt<br />
Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Für seine<br />
Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen<br />
und Stipendien ausgezeichnet. Für seinen Thriller<br />
„Totenfrau“ erntete er begeisterte Kritiken, er stand<br />
damit sowohl in Österreich als auch in Deutschland<br />
auf der Bestsellerliste, der Roman wurde in<br />
zwölf Länder verkauft, eine Fernsehserie ist in<br />
Vorbereitung. Im Haymon Verlag erscheint seine<br />
Krimi-Reihe rund um Totengräber Max Broll.<br />
Buchpräsentation:<br />
Bösland<br />
2×Bernhard Aichner gemeinsam<br />
mit Florian Eisner<br />
Do., 18.10.2018, 20 Uhr<br />
Treibhaus<br />
Do., 22.11.2018, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Eintritt: € 9,– /<br />
mit Kundenkarte € 7,–
Ein Panoptikum<br />
des Verbrechens<br />
Das Krimifest Tirol zu Gast in der Wagner’schen.<br />
Von Linda Müller<br />
Zum zweiten Mal steht das Krimifest Tirol<br />
ins Haus. Alle Indizien deuten darauf hin,<br />
dass es auch dieses Jahr wieder mörderisch<br />
spannend wird. In der Wagner’schen geben<br />
sich mit Thomas Baum, Simone Buchholz,<br />
Ursula Poznanski und Arno Strobel gleich<br />
vier Krimi-Größen die Ehre.<br />
Buchtipp:<br />
Ursula Poznanski<br />
und Arno Strobel:<br />
invisible<br />
Wunderlich Verlag,<br />
368 S., € 15,50<br />
Krimifest Innsbruck:<br />
Mit Thomas Baum, Simone Buchholz,<br />
Ursula Poznanski & Arno Strobel<br />
Mi., 17. Oktober 2018, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />
Eintritt: € 9,– / mit Kundenkarte € 7,–<br />
Moderation: Markus Renk<br />
© Gaby Gerster<br />
Wut. Wut ist das bestimmende Gefühl in<br />
„invisible“, dem neuen Thriller von Ursula<br />
Poznanski und Arno Strobel. Nina Salomon<br />
und Daniel Buchholz stehen vor einem<br />
Rätsel: Eine Serie von grausamen Morden<br />
erschüttert Deutschland – und alle scheinen<br />
mehr oder weniger ohne Motiv geschehen<br />
zu sein. Keiner der Täter hat sein Opfer<br />
gekannt. Aber sie alle waren ergriffen von<br />
einer unbändigen Wut …<br />
Was ist geschehen? Wurden die Täter<br />
manipuliert? Die Spur führt ins Internet<br />
– und ist verstörend aktuell … „Für den<br />
Durchschnittsuser ist vieles nicht zu durchschauen“,<br />
sagen Poznanski und Strobel<br />
auf die Frage, ob das World Wide Web<br />
und Fake News für sich genommen schon<br />
eine bedrohliche Atmosphäre aufbauen.<br />
„Man kann nie ganz sicher sein, mit<br />
wem man es zu tun hat. Das ist wirklich<br />
guter Nährboden für Spannungsromane<br />
aller Art.“ Ein Spannungsroman der besonderen<br />
Art ist Poznanski und Strobel<br />
mit „invisible“ gelungen – wo zwei Profis<br />
aufeinandertreffen, verdoppelt sich die<br />
Spannung!<br />
Ähnlich aktuell ist „Mexikoring“, der<br />
neue Kriminalroman von Simone Buchholz.<br />
Im Hamburger <strong>No</strong>rden brennen<br />
Autos, und zwar jede Nacht. Und dann<br />
passiert es: Als wieder einmal ein Wagen in<br />
Flammen aufgeht, sitzt noch jemand am<br />
Steuer. Die toughe Staatsanwältin Chastity<br />
Riley ermittelt – und taucht ein in die<br />
32<br />
Wagner’sche.
weit verzweigte Parallelwelt des organisierten<br />
Verbrechens und der kriminellen<br />
Clans, mitten im Zwielicht des Hamburger<br />
Schanzenviertels. Der verstorbene <strong>No</strong>uri<br />
Saroukhan war ein Clanabkömmling, der<br />
seiner Familie den Rücken gekehrt hat. Als<br />
Chas Riley seiner Geschichte nachspürt,<br />
findet sie heraus, wer der Grund für seinen<br />
Ausbruch aus der Familie war: Aliza. Weiß<br />
die junge Frau mehr über <strong>No</strong>uris Tod?<br />
Wahlhamburgerin Simone Buchholz,<br />
früher Kellnerin, Kolumnistin und Redakteurin,<br />
erzählt „von der Liebe, vom Tod<br />
und vom Fußball“. Mit sehr viel Feingefühl<br />
zeichnet sie ein Abbild der Gesellschaft<br />
und von deren Schattenseiten. In ihren<br />
Kriminalromanen zeigt sie nicht nur das<br />
Verbrechen selbst, sondern auch die Strukturen,<br />
aus denen es entsteht.<br />
Auch im Linzer Konzerthaus geht ein Verbrecher<br />
um: Kommissar Robert Worschädl<br />
ermittelt, nachdem ein Musiker mit einer<br />
Saite erdrosselt wurde. Was erst nach<br />
Konkurrenzkämpfen innerhalb des Orchesters<br />
aussieht, führt Worschädl schließlich<br />
nach Italien – und auf die Spur von Geldfälschern.<br />
Thomas Baum, der sich unter anderem<br />
als Drehbuchautor verdient gemacht<br />
hat – er steckt hinter dem österreichischen<br />
Kinohit „In 3 Tagen bist du tot“ sowie<br />
hinter mehreren „Tatort“- und „Rosenheim-Cops“-Folgen<br />
– versteht es auch auf<br />
dem Papier, atemlose Verfolgungsjagden,<br />
schnelle Wendungen und größtmögliche<br />
Spannung zu erzeugen. „Beim Drehbuchschreiben<br />
lernt man viel über das Handwerk<br />
des Erzählens“, sagt Baum. Aber auch aus<br />
einem ganz anderen Bereich bringt Baum<br />
Erfahrung mit: Er arbeitet als Supervisor<br />
und psychologischer Berater. Hier lernt er<br />
verschiedenste, auch sehr schwierige, Welten<br />
und Wirklichkeiten kennen. Seinen Figuren<br />
ist das anzumerken – sie sind vielschichtig<br />
und nachvollziehbar, authentisch und<br />
individuell.<br />
Drei Romane, vier AutorInnen, unzählige<br />
Facetten und Überraschungen: Der Krimifest-Abend<br />
in der Wagner’schen wird ein<br />
absolutes Highlight!<br />
© Achim Multhaupt<br />
Buchtipp:<br />
Simone Buchholz:<br />
Mexikoring<br />
Suhrkamp Verlag,<br />
250 S., € 15,40<br />
© Reinhard Winkler<br />
Buchtipp:<br />
Bücher seit 1639<br />
33<br />
Thomas Baum:<br />
Tödliche Fälschung<br />
Haymon Verlag,<br />
312 S., € 12,95
Es ist<br />
viel Arbeit,<br />
die richtigen<br />
Sachen<br />
wegzulassen.<br />
Wolf Haas<br />
© Josef Perndl<br />
34 Wagner’sche.
Bücher seit 1639<br />
Ein literarisches Roadmovie, das nach<br />
Benzin riecht, nach Griechenland schmeckt<br />
und nach George Harrison klingt. <strong>No</strong>ch<br />
knapper, noch direkter und noch dichter als<br />
bisher erzählt Wolf Haas in mitreißendem<br />
Ton aus der Perspektive eines 13-Jährigen.<br />
Der ist „ein bisschen zu dick und ein bisschen<br />
zu jung“ für seine erste große Liebe. Daran<br />
kann man arbeiten, denkt er sich, und stört<br />
sich daher auch nicht daran, dass „sie ein<br />
bisschen zu schön und ein bisschen zu verheiratet<br />
für ihn“ ist. Und wie das Leben so<br />
spielt, sitzt er plötzlich neben ihrem Mann,<br />
dem schweigenden Tscho, im LKW Richtung<br />
Griechenland. Wie sich eine freundschaftliche<br />
Beziehung zum Nebenbuhler dennoch<br />
ausgeht und wie es so ist, auf der Schnellstraße<br />
ins Erwachsen-Werden, das zeigt<br />
dieser wunderbare, flotte, direkte und kluge<br />
Roman. Bevor Wolf Haas diesen auch in<br />
Innsbruck präsentiert, hat er uns netterweise<br />
noch ein paar Fragen beantwortet.<br />
Wolf<br />
Haas<br />
Ein schlankes<br />
Buch über einen<br />
dicken Jungen.<br />
Robert Renk<br />
35<br />
Der dritte Roman abseits der<br />
Brennerkrimis. Es gibt gewisse<br />
Parallelen zwischen der Hauptfigur,<br />
dem 13-jährigen Ich-Erzähler und<br />
dem Autor Wolf Haas. Ist es das<br />
persönlichste Buch?<br />
Persönlich ist jedes Buch, man kann ja auch<br />
dem Brenner oder seinem Widersacher die<br />
eigene Erinnerung an die Lieblingstante<br />
unterjubeln. Aber natürlich ist „Der junge<br />
Mann“ stärker autobiographisch gefärbt.<br />
Dabei geht es aber nicht nur um die Fakten,<br />
sondern einfach um das Lebensgefühl, an<br />
das man sich erinnert …<br />
Der Roman erzeugt sprachlich und<br />
durch die Erzählperspektive einen<br />
Sog, der noch stärker ist, als z. B. bei<br />
den Brenner-Romanen. Es scheint<br />
mir – so locker-lässig das alles klingt<br />
– doch knochenharte Arbeit am Text,<br />
vor allem am Verdichten und Kürzen<br />
gewesen zu sein. Lieg ich falsch?<br />
Wenn Sie diesen Sog wahrnehmen, freut<br />
mich das. Es ist tatsächlich viel Arbeit, die<br />
richtigen Sachen wegzulassen, damit er<br />
entsteht. Vor allem am Beginn der Arbeit,<br />
wo die Geschichte ja noch in jedem vorstellbaren<br />
Tonfall erzählt werden könnte. Aber<br />
wenn man den Ton einmal gefunden hat,<br />
geht es fast von selbst.<br />
Wenn man sagt, der Roman riecht<br />
nach Benzin, schmeckt nach<br />
Griechenland und klingt nach George<br />
Harrison, ist das nur die halbe<br />
Wahrheit, was wäre – Ihrer Meinung<br />
nach – die andere Hälfte?<br />
Ich bin ja ein Freund der halben Wahrheit,<br />
also lass ich das mal so stehen.<br />
Inuit haben – der Legende nach<br />
– über 20 Wörter für Schnee,<br />
Yanomani aus dem Amazonasgebiet<br />
noch viel mehr, um die Nuancen der<br />
Farbe Grün zu verdeutlichen. Wolf<br />
Haas schafft es – witzig und schlau –<br />
fast eben so viele Beschreibungen fürs<br />
Schweigen zu liefern. Kennt er sich<br />
da so gut aus?<br />
Das ist eigentlich weniger eine private als<br />
eine literarische Vorliebe, weil es in der<br />
Natur des Schweigens liegt, dass es einen an<br />
die Grenzen des sprachlich Darstellbaren<br />
bringt.<br />
Was darf das Tiroler Publikum am<br />
21.11.2019 im Treibhaus erwarten<br />
und was erwarten Sie vom Tiroler<br />
Publikum?<br />
Leider denke ich immer nur einen Tag voraus,<br />
das macht die Leute in meinem Umfeld<br />
wahnsinnig.<br />
Wolf Haas wurde 1960 in Maria Alm am Steinernen<br />
Meer geboren. Er ist ein Exportschlager der österreichischen<br />
Literatur. Seine Brenner-Krimis erschienen<br />
ab 1996 in acht Bänden, zuletzt Brennerova<br />
(2014). Vier davon wurden auch verfilmt, mit Josef<br />
Hader in der Hauptrolle. Auch die Idee zu „Vier<br />
Frauen und ein Todesfall“ stammt von ihm. Der<br />
Roman „Das Wetter vor 15 Jahren“ erschien 2006,<br />
„Verteidigung der Missionarsstellung“ 2012 bei<br />
Hoffmann und Campe. Wolf Haas lebt in Wien.<br />
Buchtipp:<br />
Wolf Haas:<br />
Junger Mann<br />
Hoffmann und Campe Verlag,<br />
240 S., € 22,70<br />
Lesung:<br />
Junger Mann<br />
Wolf Haas<br />
Mi. 21.11.2018 um 20:00 Uhr<br />
Treibhaus<br />
Eintritt: € 23,– / € 18,– (VVK)<br />
direkt im Treibhaus!
Radl, Bücher &<br />
Kaspressknödel<br />
Christian Beirer<br />
© Wilfried Gostner<br />
36 Wagner’sche.
7 Fragen an Christian Beirer<br />
Die Septemberschaugalerie der Wagner’schen hat etwas<br />
besonderes gezeigt: vier Fenster, die nicht nur vom Tiroler<br />
Künstler, den alle „Yeti“ rufen, gestaltet wurden, nein,<br />
er hat die Bilder – meist Acryl auf Holz – extra passend<br />
zu unseren Büchern und Veranstaltungen gefertigt.<br />
So auch die fünf AutorInnenporträts am Titelbild.<br />
Bücher seit 1639<br />
Womit kann man<br />
Sie bestechen?<br />
mit einer knackigen radltour z.b. auf die<br />
innsbrucker seegrube. weiters mit selbstgemachten<br />
kaspressknödeln, guten büchern<br />
und einem brauchbaren radl<br />
(kein e-bike!)<br />
Wobei vergessen Sie<br />
völlig die Zeit?<br />
beim bücherlesen, beim radln und beim<br />
zeichnen und malen.<br />
Was bewundern Sie an<br />
anderen Männern?<br />
in zeiten wie diesen, ich sag da nur „me<br />
too-debatte“ ...., den humor nicht zu verlieren.<br />
mut, improvisionsgabe und durchhaltevermögen.<br />
Was möchten Sie werden,<br />
wenn Sie groß sind?<br />
als ich zarte 6 jahre alt war: astronaut<br />
– mittlerweile, einige zarte jahre älter:<br />
würde ich gerne irgendwann mit dem holz<br />
verwittern .... nein besser, berühmt werden<br />
wie der dings, eine luxuslimousine, drinks,<br />
monica und .... ok, ich hör eh schon wieder<br />
auf.<br />
37<br />
Worauf hoffen Sie?<br />
eine bessere welt – ja, sie haben sich nicht<br />
verlesen, das sollte eigentlich das primärziel<br />
von uns menschen sein!<br />
und ganz persönlich, wenn es soweit ist,<br />
dann bitte mit stil, also mit dem radl am<br />
berg heroben, die flasche bier<br />
austrinken, das panorama<br />
bewundern und ende.<br />
Mit welcher berühmten<br />
Person, lebend oder schon<br />
gestorben, würden Sie<br />
gerne noch ein Gläschen<br />
heben?<br />
mit dem orginal yeti würde ich gerne auf<br />
der serles die eine oder andere flasche wein<br />
aus reinhold messners exzellenten (!!!) weinbestand<br />
trinken, ja das wäre schön!<br />
Sie verbringen eine<br />
Nacht in der Wagner’schen.<br />
Über welche Bücher gebeugt<br />
würde man Sie in<br />
der Früh finden?<br />
oh schwierig, wo fängt man da an .... also<br />
aufwachen würde ich mit einem gedicht<br />
von norbert c. kaser, sepp mall und josé<br />
f.a. oliver, dann würde ich das leere weinglas<br />
beiseite schieben und die fabelhafte<br />
abhandlung des herrn martin fritz über<br />
den genuss von bier lesen. es folgen wieder<br />
gedichte, diesmal von friederike mayröcker.<br />
schnell noch eine melange und mit antonio<br />
fians dramolette beschließen wir das ganze<br />
und schlafen wieder ein.<br />
Christian Yeti Beirer, geboren in Oberletzen/<br />
Reutte in Tirol an einem Sonntag im September des<br />
Jahres 1966. Hat dort leidlich, aber mit Erfolg eine<br />
Kochlehre gemacht und später Politikwissenschaft<br />
in Innsbruck studiert. Zahlreiche Ausstellungen,<br />
Performances (u.a. „Die Knödelsprengung“),<br />
Karikaturen, Transparente, Bühnenbilder sowie<br />
Kalender-, Buch-, und Plakatillustrationen umfassen<br />
seinen künstlerischen Werdegang. Außerdem bietet<br />
er Buch- und Kunstwerkstätten für Kinder an!<br />
Zuletzt hat er gemeinsam mit Peter Wallgram das<br />
Tiroler Almquartett, das Vorarlberger Alpquartett<br />
sowie das Südtiroler Almquartett (alle Haymon)<br />
hervorgebracht.<br />
Buchtipp:<br />
José F.A. Oliver:<br />
Wundgewähr Gedichte<br />
Matthes & Seitz Verlag,<br />
224 S., € 24,70
Peter Henisch – ein Autor<br />
mit politischem Anspruch<br />
Eine Veranstaltung von Literaturhaus am Inn<br />
in Kooperation mit der Wagner’schen Buchhandlung<br />
Forum:<br />
© Heribert Corn<br />
Montagsfrühstück. Forum für<br />
strategische Langsamkeit<br />
„Mythos 1968 – was bleibt von<br />
der Protestbewegung?“<br />
mit Marcel Amoser und Peter<br />
Henisch im Gespräch<br />
Moderation: Gabriele Wild<br />
Mo., 19. <strong>No</strong>vember 2018<br />
um 09:00 Uhr<br />
Literaturhaus am Inn,<br />
Josef-Hirn-Str. 5/10. Stock<br />
Eintritt frei!<br />
Buchtipp:<br />
Peter Henisch:<br />
Siebeneinhalb Leben<br />
Deuticke Verlag,<br />
128 S., € 18,50<br />
Peter Henisch, der heuer seinen 75. Geburtstag<br />
feierte, hat sich längst in die<br />
österreichische Gegenwartsliteratur eingeschrieben.<br />
Henisch versteht sich als „Autor<br />
mit politischem Anspruch“ und als solcher<br />
begleitet er seit über 40 Jahren kritisch und<br />
stets mit Ironie die österreichische Zeitgeschichte.<br />
Im Diskussionsforum „Montagsfrühstück“<br />
im Literaturhaus am Inn wird Peter<br />
Henisch zum Thema „Mythos 1968 – was<br />
bleibt von der Protestbewegung?“ mit dem<br />
Historiker Marcel Amoser ins Gespräch<br />
kommen. Wie üblich ist das Publikum nicht<br />
nur zu Croissants und Kaffee, sondern auch<br />
zur Beteiligung an der Diskussion eingeladen.<br />
Abends präsentiert Peter Henisch in<br />
der Wagner’schen seinen aktuellen Roman<br />
„Siebeneinhalb Leben“ (Deuticke), eine<br />
politische und geistreiche Auseinandersetzung<br />
mit der Gegenwart, in der sich<br />
Peter Henisch einmal mehr als einer der<br />
ganz großen Erzähler präsentiert.<br />
Buchpräsentation:<br />
Siebeneinhalb Leben<br />
mit Peter Henisch<br />
Moderation: Gabriele Wild<br />
Mo., 19. <strong>No</strong>vember 2018<br />
um 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Eintritt frei!<br />
38<br />
Wagner’sche.
Ein Zeitdokument.<br />
Ein Roman. Eine Wucht!<br />
Die Herbstsensation aus Frankreich.<br />
Von Robert Renk<br />
Die französische Literatur blüht auf, in<br />
den letzten Jahren hat sich sehr viel getan<br />
und Michel Houellebecq hat potente<br />
Konkurrenz bekommen. Éric Vuillard hat<br />
mit „Die Tagesordnung“ (Matthes & Seitz)<br />
im Frühjahr schon einen grandiosen Roman<br />
vorgelegt, in dem er die Tage der Machtergreifung<br />
der Nazis punktgenau Revue<br />
passieren lässt. Nun lässt Olivier Guez<br />
aufhorchen und zeichnet den Weg eines der<br />
bestialischsten Verbrecher dieser Zeit nach!<br />
1949 flüchtet Josef Mengele, der grausame<br />
Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien.<br />
In Buenos Aires trifft er auf ein<br />
dichtes Netzwerk aus Unterstützern, unter<br />
ihnen Diktator Perón, und baut sich Stück<br />
für Stück eine neue Existenz auf. Mengele<br />
begegnet auch Adolf Eichmann, der ihn<br />
zu seiner großen Enttäuschung nicht einmal<br />
kennt. Der Mossad sowie Nazi-Jäger<br />
Simon Wiesenthal und Generalstaatsanwalt<br />
Fritz Bauer nehmen schließlich die Verfolgung<br />
auf. Mengele rettet sich von einem<br />
Versteck ins nächste, lebt isoliert und wird<br />
finanziell von seiner Familie in Günzburg<br />
unterstützt. Erst 1979, nach dreißig Jahren<br />
Flucht, findet man die Leiche von Josef<br />
Mengele an einem brasilianischen Strand.<br />
Dieser preisgekrönte Tatsachenroman von<br />
Olivier Guez, der in Frankreich sofort zum<br />
Sensationsbesteller wurde, liest sich wie ein<br />
rasanter Politthriller und wahrt zugleich die<br />
notwendige Distanz.<br />
Olivier Guez,1974 in Straßburg geboren, ist Autor<br />
und Journalist. Er arbeitete unter anderem für Le<br />
Monde, die New York Times und die Frankfurter<br />
Allgemeine Zeitung (FAZ). Für das Drehbuch von<br />
„Der Staat gegen Fritz Bauer“ erhielt er den deutschen<br />
Filmpreis. Olivier Guez lebt in Paris.<br />
© JF Paga – Grasset<br />
Buchpräsentation:<br />
Buchtipp:<br />
Olivier Guez:<br />
Das Verschwinden<br />
des Josef Mengele<br />
Aufbau Verlag,<br />
224 S., € 20,60<br />
Lesung mit Olivier Guez (zweisprachig)<br />
in Zusammenarbeit mit dem<br />
Institut franco-tyrolien d’Innsbruck<br />
Bücher seit 1639<br />
39<br />
Dienstag, 16. Oktober 2018 um 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />
Eintritt frei!
Ein Lächeln mit Tränen<br />
Georgien ist das heurige Gastland bei der Frankfurter<br />
Buchmesse. Ein Interview mit der in Tbilissi lebenden<br />
Übersetzerin Rachel Gratzfeld über die Bedeutung der<br />
georgischen Literatur. Von Susanne Gurschler<br />
Könnten Sie die Geschichte der<br />
Literatur in Georgien kurz umreißen?<br />
Das Georgische besitzt mindestens seit dem<br />
5. Jahrhundert eine eigene Schrift und die<br />
altchristliche georgische Literatur ist eine<br />
der ältesten der Welt. Als Geburtsstunde<br />
der aktuellen georgischen Literatur gilt der<br />
Beginn der 1990-er Jahre. In diesen Jahren<br />
begann der erstaunlich schnelle Abbau<br />
des alten, kommunistisch-zentralistisch<br />
geprägten Literaturbetriebs. Nach den<br />
siebzig Jahren sowjetischer Strangulierung<br />
von Denken, Kunst und Literatur, nach den<br />
Bürgerkriegsjahren in den 1990-ern, nach<br />
dem empfindlichen Rückschlag durch den<br />
kurzen Krieg mit Russland 2008 blüht die<br />
georgische Literatur wieder auf.<br />
© Gilbert Schmidt<br />
Wie würden Sie die Literatur<br />
charakterisieren?<br />
In Form wie Inhalten ist die Lage Georgiens<br />
zwischen Orient und Okzident<br />
spürbar. Der orientalische Einfluss äußert<br />
sich darin, dass meist nicht linear erzählt<br />
wird, sondern in nicht chronologisch<br />
angeordneten Episoden; Erzählstränge<br />
sind oft ineinander verschlungen. Die<br />
georgischen Autoren und Autorinnen sind<br />
experimentierfreudig. Der Übergang zwischen<br />
Realem und Phantastisch-Absurdem<br />
ist oft fließend. Es gibt eine spezifisch<br />
georgische Ausprägung von Humor, der<br />
schwarz gefärbt ist und manchmal ins Skur-<br />
Buchtipps:<br />
Giwi Margwelaschwili:<br />
Das Lese-Liebeseheglück<br />
Verbrecher Verlag,<br />
448 S., € 14,40<br />
Beka Adamaschwili:<br />
Bestseller<br />
Voland & Quist Verlag,<br />
176 S., € 18,50<br />
Otar Tschiladse:<br />
Der Korb<br />
Übers. v. Kristiane Lichtenfeld<br />
Matthes & Seitz Verlag,<br />
464 S., € 30,90<br />
Ekaterine Togonidze:<br />
Einsame Schwestern<br />
Übers. v. Nino Osepashvili u.<br />
Eva Profousová<br />
Septime Verlag,<br />
180 S., € 20,–
ile oder Slapstickhafte spielt oder mit tiefer<br />
Melancholie durchwirkt ist, ein Lächeln<br />
durch Tränen hindurch. Und natürlich ist<br />
die Literatur geprägt von der Sprache – eine<br />
reiche, komplexe, bildhafte Sprache.<br />
Gibt es besonders prägnante<br />
Themen oder Genres?<br />
Es gibt kaum sogenannte Unterhaltungsliteratur,<br />
keine Krimitradition (obwohl<br />
natürlich Unterhaltungsliteratur aus dem<br />
Ausland gelesen wird). Heute dominierend<br />
ist – im Gegensatz zur Literatur des<br />
19. und 20. Jahrhunderts – eher die<br />
Kurzform: Erzählungen, Kurzromane.<br />
Der Lyrik kommt seit jeher eine große<br />
Bedeutung zu. Bemerkenswert zudem: Bis<br />
weit ins 20. Jahrhundert traten Autorinnen<br />
wenig in Erscheinung. Neben den patriarchalen<br />
Strukturen könnte eine Erklärung<br />
darin liegen, dass Frauen seltener in<br />
Schriftstellervereinigungen und an kulturellen<br />
Schaltstellen tätig waren. Das ändert<br />
sich jetzt: Autorinnen (und Verlegerinnen)<br />
haben an Präsenz und Stärke gewonnen.<br />
Und welche Themen<br />
werden bevorzugt?<br />
Zu den Themen, die die neue Generation<br />
umtreibt, gehören die Bedeutung von Heimat<br />
vor dem Hintergrund der wechselvollen<br />
Geschichte, die Natur, die sehr präsent im<br />
ländlich geprägten Leben Georgiens ist,<br />
Tbilissi als Stadt und (multikultureller)<br />
Lebensraum, Emigration, Sexualität und<br />
ihre Tabuisierung in der georgischen Gesellschaft;<br />
Geschlechterbeziehungen; die<br />
Zwänge von Tradition, Kirche und Familie;<br />
die Kluft, die durch die Gesellschaft geht;<br />
die Bedrohung durch Russland. Die mehrfache<br />
Kriegserfahrung in den letzten dreißig<br />
Jahren hinterlässt tiefe Spuren auch in der<br />
Literatur. Fast in allen in der letzten Zeit<br />
erschienenen Werken ist sie mehr oder<br />
weniger gegenwärtig.<br />
Vor welche Herausforderungen<br />
stellt die georgische Literatur<br />
Übersetzerinnen und Übersetzer?<br />
Da es bis vor kurzem kaum Übersetzungen<br />
aus dem Georgischen gab, fehlen Vorbilder.<br />
Die wenigen bestehenden Wörterbücher<br />
sind veraltet, bei Jargon und Umgangssprache<br />
müssen sich die Übersetzer selbst<br />
behelfen. Kartwelologie, die Wissenschaft,<br />
die sich mit den südkaukasischen Sprachen<br />
befasst, und Kaukasiologie werden nur an<br />
zwei, drei deutschsprachigen Universitäten<br />
gelehrt. Der Gastlandauftritt Georgiens<br />
an der Frankfurter Buchmesse 2018 ist<br />
auf wenige, acht bis neun professionelle<br />
Übersetzerinnen und Übersetzer angewiesen.<br />
Spezifische Schwierigkeiten der<br />
Übersetzung aus dem Georgischen liegen<br />
v. a. in den Eigenheiten der Sprache. Die<br />
Zeitformen unterscheiden sich grundlegend<br />
vom Deutschen. Das Substantiv kennt<br />
weder einen bestimmten noch einen unbestimmten<br />
Artikel. Eine Besonderheit ist<br />
das Fehlen des grammatischen Geschlechts.<br />
Das führt in manchen Texten zu Ungewissheit<br />
über das Geschlecht von handelnden<br />
Personen bzw. das Geschlecht ist nur an<br />
kleinsten Nuancen oder im Kontext festzumachen.<br />
Was macht die georgische Literatur<br />
für deutschsprachige Leserinnen und<br />
Leser besonders spannend?<br />
Georgien ist ein Land der Extreme und<br />
der starken Gefühle. Es gibt keine Mitte,<br />
nichts Lauwarmes. Nebeneinander finden<br />
sich hier Orient und Okzident, Tradition<br />
und Moderne, reaktionär Patriarchales und<br />
Zukunftsweisendes, enge Selbstbezogenheit<br />
und Weltoffenheit, tiefe Frömmigkeit<br />
und fundamentalistische Tendenzen der<br />
orthodoxen Kirche, Glorifizierung stalinistischer<br />
Vergangenheit und überbordende<br />
Emotionalität. Georgien ist ein Land der<br />
Widersprüche, des Aufbruchs, der Vielfalt<br />
und der Koexistenz von Verschiedenem.<br />
Und gerade deshalb lohnt es sich, auf<br />
Entdeckungsreise zu gehen.<br />
Welche Rolle spielt die<br />
Literatur in Georgien?<br />
Georgiens Buchmarkt ist mit nur<br />
3,7 Millionen Einwohnern ein sehr kleiner<br />
Markt. Aber: Die Verlage bringen Jahr für<br />
Jahr mehr <strong>No</strong>vitäten heraus, weil immer<br />
mehr Menschen Bücher kaufen oder leihen.<br />
Die Sprache, die Schrift und damit die<br />
Literatur blieben neben der Religion die<br />
einzige Konstante und Identifikationsquelle<br />
während der wechselvollen Geschichte<br />
und wurden leidenschaftlich immer wieder<br />
verteidigt. In der neueren Vergangenheit,<br />
während der Sowjetherrschaft, konnte es<br />
seine Identität nur durch die Kultur ausdrücken<br />
und bekräftigen. Nicht umsonst ist<br />
das Motto des Gastlandauftritts „Georgia<br />
Made by Characters“ und das Leitmotiv<br />
das georgische Alphabet: „Nichts passt so<br />
zum georgischen Wort und Charakter wie<br />
das georgische Alphabet, und nichts ist so<br />
georgisch wie das georgische Alphabet.“<br />
(Aka Mortschiladse)<br />
Rachel Gratzfeld, lebt als freie Übersetzerin und<br />
Lektorin in Tbilissi. Sie übersetzte u. a. Werke von<br />
Davit Gabunia, Lasha Bugadze, Dawit Kldiaschwili<br />
und Tatia Nadareischwili; sie ist Herausgeberin und<br />
Mitübersetzerin der Anthologie „Bittere Bonbons<br />
– Georgische Geschichten“ (edition fünf) sowie Mitübersetzerin<br />
von „Georgien. Eine literarische Reise“<br />
(Frankfurter Verlagsanstalt).<br />
Naira Gelaschwili:<br />
Ich bin sie<br />
Übers. v. Sybilla Heinze<br />
Verbrecher Verlag,<br />
169 S., € 22,70<br />
Nino Haratischwili:<br />
Die Katze und der General<br />
Frankfurter Verlagsanstalt,<br />
750 S., € 30,90<br />
Olia Hercules: Kaukasis.<br />
Eine kulinarische Reise durch<br />
Georgien und Aserbaidschan<br />
Knesebeck Verlag,<br />
240 S., € 30,80<br />
Tamar Tandaschwili:<br />
Löwenzahnwirbelsturm<br />
in Orange<br />
Übers. v. Natia Mikeladse-<br />
Bachsoliani<br />
Residenz Verlag,<br />
124 S., € 18,–
NEAPEL - AUF DEN SPUREN VON ELENA FERRANTE<br />
Assisi<br />
Der Süden Italiens ist an natürlicher Schönheit und Charme kaum zu übertreffen und bietet außerdem<br />
zahlreiche archäologische Schätze sowie Kunst- und Kulturstätten. Lassen Sie sich in den Bann<br />
dieser traumhaften Gegend ziehen und lernen Sie gemeinsam mit Idealtours und der Wagner´schen<br />
Buchhandlung „Auf den Spuren von Elena Ferrante“ Neapel als eine Stadt der Kontraste kennen.<br />
Vesuv<br />
Neapel - Piazza del Plebiscito<br />
Termine & Preise<br />
IT-NEAPEL<br />
12.05.-17.05.19 6 Tage 2x HP 3x ÜF € 959,-<br />
Einzelzimmer € 1.239,-<br />
Reise- & Stornoschutz ab € 59,-<br />
Frühbucher bis 12.02.2019 statt € 959,- nur € 911,-<br />
Leistungen<br />
9 Hausabholung in <strong>No</strong>rdtirol<br />
9 Eintritt Tyrol Lounge am Flughafen in Innsbruck<br />
9 Flug Innsbruck – Lamezia Terme<br />
9 1 Stück Freigepäck (max. 23 kg)<br />
9 Rundreise im Komfortbus<br />
9 1x Übernachtung/Halbpension<br />
im Hotel Borgo la Tana in Maratea<br />
9 3x Übernachtung/Frühstücksbuffet<br />
im Hotel San Francesco al Monte in Neapel<br />
9 1x Übernachtung/Halbpension<br />
im Grand Hotel in Assisi<br />
9 Eintritte Pompeji & Vesuv<br />
9 Ausflüge lt. Reiseverlauf<br />
9 Stadtrundgang Neapel „Auf den Spuren von Elena<br />
Ferrante“<br />
9 Marco Polo-Reiseführer (pro Zimmer)<br />
9 in Kooperation mit der Wagner´ schen Buchhandlung in<br />
Innsbruck<br />
9 Reiseleiter Ewald Strohmar-Mauler<br />
1. Tag: Innsbruck - Lamezia Terme - Maratea<br />
Flug von Innsbruck nach Lamezia Terme - in Maratea mit<br />
den engen Gassen können Sie zum ersten Mal die Zauberkraft<br />
des Mezzogiorno genießen.<br />
2. Tag: Pompeji - Neapel<br />
Vormittags Besuch des UNESCO Weltkulturerbes Pompeji,<br />
einer der wichtigsten archäologischen Fundstätten Italiens<br />
- bei einer Führung entdecken Sie die gut erhaltenen Überreste<br />
dieser antiken römischen Stadt, die der Ausbruch des<br />
Vesuvs im Jahr 79 unter riesigen Aschebergen verschüttet<br />
hat - Weiterfahrt nach Neapel, Zimmerbezug und Freizeit.<br />
3. Tag: „Auf den Spuren von Elena Ferrante“<br />
Heute erwartet Sie das Highlight dieser Reise - bei einem<br />
Stadtrundgang zeigen wir Ihnen die spannendsten Romanschauplätze<br />
und Sie erleben die wichtigsten Sehenswürdigkeiten<br />
von Neapel „Auf den Spuren von Elena<br />
Ferrante“. Den restlichen Tag haben Sie zur freien Verfügung.<br />
Am Abend haben Sie die Möglichkeit, an literarischen<br />
Diskussionen mit Ihrem Reiseleiter teilzunehmen.<br />
4. Tag: Ausflug zum Vesuv<br />
Wanderung auf dem „Il Gran Cono“ mit beeindruckenden<br />
Blick in den Vulkanschlund und grandioser Rundumsicht<br />
über den Golf von Neapel bis zu den Kuppen des Appenin<br />
(Wanderung ist wetterabhängig, reine Gehzeit: ca. 2,5<br />
Stunden).<br />
5. Tag: Neapel - Assisi<br />
Auf direktem Weg geht es nach Assisi - genügend Zeit, um<br />
das mittelalterliche Stadtbild mit seiner noch gut erhaltenen<br />
Stadtmauer und die Festungsruine Rocca Maggiore<br />
sowie die Basilika zu erkunden.<br />
6. Tag: Assisi - Tirol<br />
Nach dem Frühstück Heimreise über Verona nach Tirol.<br />
0810/208030<br />
und in jedem Idealtours-Reisebüro
Wir gratulieren Ilija Trojanow<br />
Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels 2018<br />
„Ilija Trojanow kennt die Erfahrung der<br />
Flucht und des Fremdseins“, so die Jury in<br />
ihrer Begründung. Er kenne die Situation<br />
des Ausgegrenzt-Seins und weiß um die<br />
<strong>No</strong>twendigkeit, das Verbindende in der<br />
Welt und zwischen den Menschen herauszustreichen<br />
und zu fördern. Die Jury fährt<br />
fort: „Als Mittel dafür hat er die Literatur<br />
gewählt und setzt sich in seinem Werk und<br />
durch sein Engagement für Toleranz gegenüber<br />
den anderssprachigen und kulturell<br />
anders geprägten Nachbarn in herausragender<br />
Art und Weise ein. Somit leistet er<br />
einen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander<br />
in Europa und der Welt und wird<br />
damit dem Anspruch des Ehrenpreises des<br />
österreichischen Buchhandels für Toleranz<br />
in Denken und Handeln auf idealtypische<br />
Weise gerecht.“<br />
Der Ehrenpreis des Österreichischen<br />
Buchhandels für Toleranz in Denken und<br />
Handeln ist mit 10.000 Euro dotiert und<br />
wird seit 1990 vom Hauptverband des<br />
Österreichischen Buchhandels (HVB)<br />
und dem Fachverband Buch- und Medienwirtschaft<br />
der Wirtschaftskammer Österreich<br />
(WKO) ausgerichtet. Die feierliche<br />
Ehrung für Ilija Trojanow wird am Sonntag,<br />
den 25. <strong>No</strong>vember mit einer Matinee<br />
im Rahmen der Europäischen Literatur -<br />
tage in Spitz an der Donau stattfinden.<br />
Die Laudatio hält Robert Renk.<br />
Bücher seit 1639<br />
43<br />
© Thomas Dorn
Jung,<br />
aber<br />
oho!<br />
Bücher<br />
für<br />
Kinder<br />
und<br />
Jugend:<br />
Flinn Nachtigall ist ein unscheinbares<br />
Mädchen. Das<br />
schlimmste, was ihr passierte,<br />
war, als vor zwei Jahren ihr<br />
Bruder verschwunden ist und<br />
ihr nur eine Postkarte hinterließ.<br />
Immer wieder geht sie zu<br />
dem verlassenen Bahnhof. Als<br />
eines Abends plötzlich ein Zug<br />
einfährt, überlegt sie nicht lange<br />
und fährt mit. Der sogenannte<br />
Weltenexpress ist ein fahrendes<br />
magisches Internat mit vielen<br />
Geheimnissen – aber wird<br />
sie ihren Bruder hier finden?<br />
Wunderbare, fantastische<br />
Geschichte.<br />
Andrea Scheiber<br />
Anca Sturm:<br />
Der Weltenexpress<br />
Carlsen Verlag, 384 S., € 15,50<br />
Am Blümchenhof beginnen<br />
endlich die Sommerferien.<br />
„Juhuu“! Was Schoko, das<br />
niedliche Pony, sehr freut:<br />
wieder mehr Zeit mit Lotte zu<br />
verbringen. Aber die Chefin<br />
hat für dieses Jahr was anderes<br />
geplant, nämlich ein Zeltlager.<br />
Die Zweibeiner haben jede<br />
Menge Spaß dabei und die<br />
Vierbeiner auch, jeder hilft mit.<br />
Als die Chefin mit Finchen zu<br />
einer Ausstellung fährt, lässt sie<br />
ihnen eine Büchse mit Taschengeld<br />
hier, aber die verschwindet.<br />
Somit muss jetzt ein Diebstahl<br />
aufgeklärt werden – ein Fall für<br />
Schoko. Andrea Scheiber<br />
Suza Kolb, Nina Dulleck:<br />
Die Haferhorde – Eins, zwei Ponyzei!<br />
Magellan Verlag, 153 S., € 13,40<br />
44<br />
Wagner’sche.<br />
Für ihre neue Trilogie hat sich<br />
Rose Snow in die mystische<br />
Landschaft Cornwall’s begeben.<br />
Im prächtigen Herrenhaus<br />
ihres Onkels bereitet sich June<br />
auf ihr Abschlussjahr vor und<br />
entdeckt eine Gabe an sich, die<br />
ihr eine gewisse Macht verleiht:<br />
Sie kann Lüge oder Wahrheit<br />
in den Augen der Menschen<br />
erkennen. Die Zwillinge Blake<br />
und Preston sind sehr unterschiedlich<br />
und geheimnisvoll.<br />
Für wen wird sich June entscheiden?<br />
Toll fand ich, dass<br />
man richtig abtauchen kann in<br />
diese Geschichte. Fortsetzung<br />
im Mai. Andrea Scheiber<br />
Rose Snow:<br />
Ein Augenblick für immer –<br />
Das erste Buch der Lügenwahrheit<br />
Ravensburger Verlag,<br />
414 S., € 18,50<br />
Im 12. Band von „Dork diaries“<br />
leidet Nikki unter Verknallitis.<br />
Mit Brandon läuft alles super,<br />
dann wird sie als Schülerpate<br />
auserkoren und freut sich<br />
auf die Austausch-Schülerin<br />
Andrea, die sich als Typ, nämlich<br />
Andre, entpuppt und ein<br />
supersüßer Junge ist. Nikkis<br />
Welt steht Kopf, dann tauchen<br />
auch noch falsche Fotos von<br />
ihr mit Andre im Internet<br />
auf, was zur Folge hat, dass<br />
Brandon stinksauer wird, was<br />
ja auch was Süßes hat. So ein<br />
Kuddelmuddel, aber Nikki hat<br />
nicht nur diese Probleme zu<br />
bewältigen. Andrea Scheiber<br />
Rachel Renée Russell:<br />
Dork diaries – Nikkis (nicht ganz so)<br />
heimliches Herzklopfen<br />
Schneiderbuch Verlag, 272 S., € 14,40
Wieder einmal muss Apollo sich<br />
unterschiedlichsten Gefahren<br />
stellen. Als Sterblicher mit dem<br />
Namen Lester ist er unterwegs<br />
und muss alle alten Orakel<br />
aufsuchen, damit er wieder ein<br />
Gott werden kann. Er begegnet<br />
auch komischen Wesen, seinen<br />
Gegnern, die dem Triumvirat<br />
angehören und ihn daran hindern<br />
wollen. Wird es Apollo mit<br />
seinen Freunden schaffen? Der<br />
unvergleichliche Stil von Rick<br />
Riordan macht auch diesen<br />
Band zu einem wahrhaftigen<br />
Lesegenuss. Andrea Scheiber<br />
Rick Riordan:<br />
Apollo – Die dunkle Prophezeiung<br />
Carlsen Verlag, 443 S., € 19,60<br />
Merle und Felix sind Gewinner<br />
eines Theater-Workshops und<br />
landen auf einer alten Burg,<br />
die viel Unheimliches verbirgt<br />
in ihren alten Mauern. Und<br />
auch der Burgherr macht ihnen<br />
Angst. Ihre Aufgabe wird es, ein<br />
Stück zu schreiben, das später<br />
aufgeführt werden sollte, eine<br />
nicht so einfache Sache. In den<br />
alten Gemäuern finden sie eine<br />
Truhe mit Kostümen und auf<br />
einmal ist das Theaterstück<br />
nicht mehr steuerbar. Ein wirklich<br />
sehr lyrischer und detailreicher<br />
Roman für junge Leser<br />
mit Anspruch. Andrea Scheiber<br />
Anna Herzog:<br />
Agalstra<br />
Coppenrath Verlag,<br />
282 S., € 16,50<br />
Dieser Roman beschreibt die<br />
wahre Geschichte des ersten<br />
Detektivs, dessen Ermittlungsmethoden<br />
zur Grundlage für<br />
die Pariser „Sûreté“, später<br />
dann für „Scotland Yard“ und<br />
heute für das FBI wurden. Er<br />
spielt in Paris 1809. Francois<br />
Vidocq ist ein Verbrecher, dem<br />
es gelingt, 25 Mal aus dem<br />
Gefängnis auszubrechen und<br />
in der Unterwelt Unterschlupf<br />
zu finden. Dem Polizeidirektor<br />
schlägt er eines Tages vor, dass<br />
er die Seite wechselt und selbst<br />
auf Verbrecherjagd geht.<br />
Andrea Scheiber<br />
Walter Hansen:<br />
Der Detektiv von Paris –<br />
Das Abenteuerliche Leben<br />
des Francois Vidocq<br />
Ueberreuter Verlag,<br />
283 S., € 15,40<br />
Wer hat sich nicht schon<br />
gewünscht, die Zeit zurückdrehen<br />
zu können? Mit einem<br />
magischen Erbstück gelingt den<br />
Freundinnen Claire und Lulu<br />
genau das: Zeitreisen. Was kann<br />
da schon schiefgehen, wenn<br />
man nur ganz kurz mal in die<br />
Vergangenheit hüpft? Allerdings<br />
zieht der Zeitumkehrer auch<br />
unerwünschte Aufmerksamkeit<br />
auf sich und schon bald müssen<br />
Claire und Lulu gegen dunkle<br />
Mächte kämpfen. Charmante<br />
Charaktere, Humor und eine<br />
ordentliche Prise Spannung lassen<br />
dieses Zeitreisenabenteuer<br />
wie im Flug vergehen.<br />
Klaudia Grünfelder<br />
Katrin Lankers:<br />
Zurück auf Gestern<br />
Coppenrath Verlag, 368 S., € 16,50<br />
Emily wacht eines Nachts am<br />
Friedhof Père Lachaise in Paris<br />
auf – in einem Grab. Schockiert<br />
muss sie feststellen, dass sie<br />
tatsächlich gestorben ist. Aber<br />
keines natürlichen Todes. Sie<br />
will sich ihr Leben unbedingt<br />
zurück erkämpfen und wird<br />
dabei von den schrulligsten und<br />
liebenswürdigsten Bewohnern<br />
des Friedhofes unterstützt. Ein<br />
spannendes, lustiges und gruseliges<br />
Lesevergnügen für Kinder<br />
ab 10 Jahren. Marlene Walder<br />
Gesa Schwartz:<br />
Emily Bones<br />
Thienemann Verlag,<br />
416 S., € 15,50<br />
Die Wissenschaft hat endlich<br />
die DNA entschlüsselt und<br />
Menschen können über Apps<br />
ihre Gene beliebig verändern.<br />
Kann so unsere Zukunft<br />
aussehen? Als ein Virus<br />
ausbricht, ist Cat die einzige<br />
Gen-Hackerin, die den Impfstoff<br />
ihres Vaters entschlüsseln<br />
kann. Zusammen mit Cole,<br />
einem gentechnisch veränderten<br />
Supersoldaten, macht sie sich<br />
auf die gefährliche Reise zum<br />
Labor ihres Vaters. Actionreiche<br />
Sci-Fi, eine toughe Protagonistin<br />
und fantastische Plot-twists<br />
machen dieses Debüt zu einem<br />
Must-Read. Klaudia Grünfelder<br />
Emily Suvada:<br />
Cat & Cole – Die letzte Generation<br />
Thinemann Verlag, 480 S., € 17,50<br />
Was macht man als Mutter,<br />
wenn der eigene Sohn drogenabhängig<br />
wird? In ihrem Buch<br />
schildert Franziska Krafft die<br />
Verzweiflung und den Mut<br />
einer Mutter, ihren Teenager zu<br />
retten. Wie alles begann und die<br />
Suche nach einer Lösung all der<br />
Probleme. Die alleinerziehende<br />
Mutter von drei Kindern begibt<br />
sich dafür auf eine abenteuerliche<br />
Reise, allein mit ihren<br />
Kindern besegelt sie die <strong>No</strong>rdsee.<br />
Spannend und ehrlich wird<br />
die Geschichte dieser kleinen<br />
Familie geschildert. Lena Kripahle<br />
Franziska Krafft<br />
(mit Katharina Gerhardt)<br />
Wendemanöver<br />
Eden Books Verlag,<br />
256 S., € 15,40<br />
In diesem packenden Thriller<br />
wagt die Autorin den Schritt in<br />
eine vielleicht nicht allzu ferne<br />
Zukunft, in der Bienen von<br />
Bestäubungsdrohnen unterstützt<br />
werden. Als Mel eines<br />
Tages eine schwarze bienenähnliche<br />
Drohne findet, die<br />
nichts mit Bestäubung zu tun<br />
hat, weiß sie, dass sie einer<br />
gefährlichen Sache auf der<br />
Spur ist. Praxmayer greift mit<br />
Bienensterben und Drohnenentwicklung<br />
zwei immer<br />
wichtiger werdende Themen auf<br />
und verpackt sie in einen fesselnden<br />
Jugendthriller, der aber<br />
auch zum Nachdenken anregt.<br />
Klaudia Grünfelder<br />
Claudia Praxmayer:<br />
Bienenkönigin<br />
CBJ Verlag, 352 S., € 17,50
Alles<br />
außer<br />
gewöhnlich<br />
7 Bücher mit wirklich<br />
ungewöhnlichen Titeln<br />
3×7<br />
Best<br />
aber<br />
Seller:<br />
46<br />
Wagner’sche.<br />
1<br />
2<br />
Ich<br />
3<br />
Der<br />
4<br />
Heute<br />
5<br />
Empirisch<br />
6<br />
Schau<br />
7<br />
Räusper<br />
Die Welt ist groß und<br />
Rettung lauert überall<br />
Ilija Trojanow<br />
dtv Verlag, € 11,30<br />
reiß mir eine Wimper aus<br />
und stech dich damit tot<br />
Josef Winkler<br />
Suhrkamp, € 12,40<br />
Tag, an dem es 449<br />
Franz Klammers regnete<br />
Gion M. Cavelty<br />
lectorbooks, € 18,60<br />
wär ich mir lieber<br />
nicht begegnet – Herta Müller<br />
S. Fischer, € 11,40<br />
belegte Brötchen<br />
Marco Tschirpke<br />
Ullstein, € 12,40<br />
mich an, wenn ich<br />
mit dir rede! – Monika Helfer<br />
Jung und Jung, € 20<br />
– Max Goldt<br />
rororo, € 10,30
Ride<br />
with<br />
passion<br />
7 Bücher zum Radfahren<br />
(gem. mit Thomas Pupp)<br />
Georgia -<br />
made by<br />
characters<br />
7 Tipps zum Buchmessenschwerpunkt<br />
in Frankfurt<br />
1<br />
Im Feld<br />
Joachim Zelter<br />
1<br />
Du bist in einer Luft mit mir<br />
Ruska Jorjoliani<br />
Klöpfer & Meyer, € 20,60<br />
Ed. Blau im Rotpunkt Verlag, € 22,90<br />
2<br />
Ventoux<br />
Bert Wagendorp<br />
btb, € 10,30<br />
2<br />
Das<br />
achte Leben<br />
Nino Haratischwili<br />
Ullstein, € 18,50<br />
3<br />
Das<br />
Rennen<br />
Tim Krabbé<br />
Reclam, € 12,30<br />
3<br />
Reise<br />
nach Karabach<br />
Aka Morchiladze<br />
Weidle, € 20,60<br />
4<br />
Die<br />
Fahne der Wünsche<br />
Tijan Sila<br />
KiWi, € 22,70<br />
4<br />
Wer<br />
hat die Tschaika getötet<br />
Anna Kordsaia-Samadaschwili<br />
Schieler, € 17,30<br />
5<br />
Bicycle<br />
Diaries<br />
David Byrne<br />
S.Fischer, € 11,30<br />
5<br />
Verfasser<br />
unser<br />
Giwi Margwelaschwili<br />
Verbrecher Verlag, € 18,60<br />
6<br />
Das<br />
Land der zweiten Chance<br />
Tim Lewis<br />
Covadonga, € 17,30<br />
6<br />
Der<br />
aufblasbare Engel<br />
Zaza Burchuladze<br />
Blumenbar, € 20,60<br />
7<br />
Die<br />
Philosophie<br />
des Radfahrens<br />
Ilundáin-Agurruza, J. M. Austin;<br />
P. Reichenbach<br />
7<br />
Der<br />
Literaturexpress<br />
Lasha Bugadze<br />
Frankfurter Verlagsanstalt, € 24,70<br />
Suhrkamp, € 10,30
Mit<br />
den<br />
besten<br />
Empfehlungen:<br />
Leben und Literatur, Fakten<br />
und Fiktion – gibt es jemand,<br />
der das aktuell schöner ineinander<br />
verwebt als Peter<br />
Henisch? Neuestes literarisches<br />
Verwirrspiel: Paul Spielmann,<br />
Autor des Romans Steins Paranoia<br />
(so hieß auch ein Buch<br />
von Peter Henisch aus dem<br />
Jahr 1988 …), sitzt im Türkenschanzpark<br />
auf einer Bank,<br />
Max Stein, Protagonist ebendieses<br />
Romans, setzt sich dazu<br />
und begehrt gegen seinen Autor<br />
auf. Witzig, klug, poetisch und<br />
politisch – Lesegenuss nicht nur<br />
für Henisch-Fans. Joe Rabl<br />
Peter Henisch:<br />
Siebeneinhalb Leben<br />
Deuticke Verlag, 127 S., € 18,50<br />
Ein Mexikaner in den USA,<br />
der auf Englisch einen Bestseller<br />
landete. In acht Kurzgeschichten<br />
schildert er aus<br />
acht Ich-Perspektiven den<br />
Zerfall einer schwerreichen<br />
mexikanischen Familie. Nach<br />
der Entführung des Großvaters<br />
ist keiner seiner Angehörigen<br />
in diesem von wilden Gewalttaten<br />
gebeutelten Land sicher.<br />
Sie flüchten aus der Oberschicht-Geborgenheit,<br />
die<br />
heimischen Zustände spielen<br />
aber ins Anderswo hinein.<br />
Harte und kunstvoll erzählte<br />
Momente der Angst und Verzweiflung,<br />
des Findens und vor<br />
allem des Verlusts. Klaus Zeyringer<br />
Antonio Ruiz-Camacho:<br />
Denn sie sterben jung. Stories.<br />
C.H. Beck Verlag, 205 S., € 20,60<br />
48<br />
Wagner’sche.<br />
Ein charmanter Ritt durch die<br />
aktuelle Weltgeschichte! Diesmal<br />
bekommen es Putin, Merkel,<br />
Kim Jong Un und – nicht<br />
zuletzt – Präsident Trump mit<br />
Alan Karlson, dem 100-Jährigen,<br />
zu tun. „Was zum Teufel<br />
… sagte Präsident Trump zu<br />
seinem Sicherheitsberater A.R.<br />
McMaster, der gerade seinen<br />
Sicherheitsberater Michael T.<br />
Flynn ersetzt hatte, der sich<br />
als Sicherheitsrisiko entpuppt<br />
hatte.“ Wenn man zum 100-<br />
Jährigen greift, ist das höchstens<br />
ein Sicherheitsrisiko für<br />
die Bauchmuskulatur. Hörbuch<br />
eingelesen von Didi Hallervorden!<br />
Empfehlung! Robert Renk<br />
Jonas Jonasson:<br />
Der Hundertjährige, der zurückkam,<br />
um die Welt zu retten<br />
Bertelsmann Verlag, 350 S., € 20,60<br />
Der Band versammelt „Texte,<br />
die bleiben sollten“, einfach,<br />
weil sie der 2013 freiwillig aus<br />
dem Leben geschiedene Autor<br />
nicht zur Vernichtung bestimmt<br />
hat. Die meisten sind Beiträge<br />
für das Internetforum Wir höflichen<br />
Paparazzi, das Herrndorf<br />
unter dem Pseudonym „Stimmen“<br />
belieferte. Gemeinsam<br />
mit Jugenderinnerungen, einem<br />
durchgeknallten Dramolett,<br />
kleinen Polemiken und konventionellen,<br />
aber berührenden<br />
Jugendgedichten belegen sie,<br />
dass Herrndorf eine der aufregendsten<br />
Stimmen seiner<br />
Generation war. Klaus Nüchtern<br />
Wolfgang Herrndorf:<br />
Stimmen. Texte, die bleiben sollten<br />
Rowohlt Berlin Verlag, 192 S., € 18,50
In das karge Leben einer ärmlichen,<br />
gläubigen Gesellschaft,<br />
deren höchstes Gut die<br />
Zeit ist, gerät ein junger<br />
Pfarrer, der sich mit seinem<br />
Modernisierungsdrang anfänglich<br />
nicht unbedingt beliebt<br />
macht. Sein Arbeitsplatz ist<br />
eine mittelalterliche Kirche, die<br />
über zwei besondere Glocken<br />
verfügt. Ein Grabgeschenk für<br />
zwei verstorbene Zwillingsschwestern.<br />
Die Präsenz des<br />
Todes und der winterliche Frost<br />
schüren die Sehnsucht nach<br />
menschlicher Wärme.<br />
Katharina J. Ferner<br />
Lars Mytting:<br />
Die Glocke im See<br />
Insel Verlag, 400 S., € 24,70<br />
Matias Faldbakken hat ein<br />
herzzerreißend langsames<br />
Buch geschrieben. „The Hills“<br />
heißt das Buch und das Wiener<br />
Café in Oslo, in dem sich absolut<br />
nichts tut. Der Autor ist<br />
bildender Künstler und sein<br />
zwänglerischer Ich-Erzähler beschreibt<br />
Gäste und Inventar mit<br />
perfekter Präzision. Jeder Tag<br />
verläuft gleich, bis eine schöne,<br />
junge Frau das Café betritt und<br />
den immer gleichen Rhythmus<br />
stört. Ein Buch für Menschen<br />
mit schwachen Nerven, für<br />
jene, die beim Lesen ab und zu<br />
die Augen schließen, um selbst<br />
Bilder im Kopf zu malen.<br />
Erich Ledersberger<br />
Matias Faldbakken:<br />
The Hills<br />
Heyne Verlag, 240 S., € 22,70<br />
Stell dir vor, die Nazis hätten<br />
schon Komputer, bewegliche<br />
Telefonie, Weltnetz, Datensilos,<br />
Plastikgeld etc. gehabt …<br />
Andreas Eschbach stellt sich<br />
dies bis zum bitteren Ende vor,<br />
lässt die Programmstrickerin<br />
Helene einen Deserteur lieben<br />
und verstecken, gleichzeitig<br />
aber auch Software entwickeln,<br />
um untergetauchte Juden zu<br />
finden; lässt Eugen, Mitarbeiter<br />
im Nationalen Sicherheits-Amt,<br />
Daten für seine Rachefeldzüge<br />
missbrauchen. Grauenvolle<br />
Zwangslektüre für IT-Nerds<br />
und digitale Nackerbatzln,<br />
spannende Bestätigung für<br />
Weltverschwörungsfans.<br />
Andreas Hauser<br />
Andreas Eschbach:<br />
NSA<br />
Lübbe Verlag, 800 S., € 23,60<br />
Frédéric Lenoir formuliert<br />
einen offenen Brief an die Tiere.<br />
Die Entwicklung des zwischentierlichen<br />
Zusammenlebens<br />
stellt die ausgiebige Einleitung<br />
dar, wobei tunlichst darauf<br />
geachtet wird, dass der Mensch<br />
nicht überhöht dargestellt wird.<br />
Nach der Abwendung von<br />
Gewalt gegenüber Tieren wird<br />
der Schutz der Arten ins Zentrum<br />
gestellt und die Gesetzeslage<br />
in verschiedenen Ländern<br />
beleuchtet. Ein breit gefächertes<br />
Plädoyer. Eine durchdachte<br />
Konsumkritik. Vorschläge zu<br />
einem bewussten Miteinander.<br />
Katharina J. Ferner<br />
Frédéric Lenoir:<br />
Offener Brief an die Tiere und alle,<br />
die sie lieben<br />
Reclam Verlag, 144 S., € 18,50<br />
Knalleffekt in Satz 1: Eine Frau<br />
erschießt ihren Mann. Rückblende,<br />
37 Jahre früher: Rachel<br />
wächst mit einer dominanten<br />
Mutter und ohne Vater auf,<br />
dessen Abwesenheit bestimmt<br />
Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden.<br />
Als Journalistin<br />
macht sie Karriere, nach<br />
Nervenzusammenbrüchen verliert<br />
sie Job, Mann und Lebensfähigkeit.<br />
Ins Leben zurück<br />
holt sie Brian, ihr Held. Bis der<br />
Traum platzt, denn Brain ist<br />
nicht der, der er zu sein vorgibt.<br />
Psychodrama, Charakterstudie,<br />
Thrill & Humor – ein<br />
ungewöhnlicher, aber meisterhafter<br />
Dennis Lehane.<br />
Andreas Hauser<br />
Dennis Lehane:<br />
Der Abgrund in dir<br />
Diogenes Verlag, 528 S., € 25,70<br />
„Schattenfroh“ klingt nach<br />
Emo-Band. Der Untertitel verspricht<br />
„Ein Requiem“. Es wird<br />
also abgesungen und zwar alles<br />
(auf 1008 Seiten). Ein Buch<br />
über das Schreiben, über das<br />
Anfangen, über Erwartungen,<br />
über das Aufhören und über<br />
den Über-Vater. Das Ich der<br />
Niemand. Schattenfroh der, der<br />
das Sagen hat. Es gilt, die Seele<br />
zu verschriftlichen. Es geht<br />
auch um Schrift an sich, um<br />
die Niederschrift der Wahrheit<br />
und das Austropfen des Gedächtnisses.<br />
Eine Seelentransferierung<br />
in Buchform.<br />
Markus Köhle<br />
Michael Lentz:<br />
Schattenfroh<br />
S.Fischer Verlag, 1008 S., € 37,10<br />
Tanger 1956, sengende Hitze<br />
& blauer Himmel. Abseits der<br />
Postkartenidylle brodelt es, die<br />
Unabhängigkeit liegt in der<br />
Luft. Auf diese Atmosphäre<br />
treffen Alice und John. Während<br />
er in Tanger aufblüht,<br />
isoliert sich die psychisch labile<br />
Alice. Eines Tages steht College-Freundin<br />
Lucy vor der Tür,<br />
doch über der Uni-Zeit schwebt<br />
ein dunkles Geheimnis. Und<br />
wieder nimmt Lucy Besitz von<br />
Alice. Leicht und locker liest<br />
sich Christine Mangans Erstling,<br />
pendelt raffiniert zwischen<br />
Wahnsinn und Realität – leider<br />
zu spät als perfekte Strandlektüre.<br />
Andreas Hauser<br />
Christine Mangan:<br />
Nacht über Tanger<br />
Blessing Verlag, 368 S., € 22,70<br />
Auf seine unvergleichliche<br />
Weise entführt Otto Schenk uns<br />
in die Welt der Musik und Oper.<br />
Berühmte Sänger, Musiker,<br />
Dirigenten und Regisseure<br />
werden lebendig. Er erzählt von<br />
Kollegen und Mitstreitern, von<br />
Birgit Nilsson, Mario del Monaco<br />
über Plácido Domingo bis<br />
Anna Netrebko. Auch Höhepunkte<br />
wie die vom Publikum<br />
geliebten Kabinettstücke über<br />
die „Zauberflöte“, „Tristan und<br />
Isolde“, die „Meistersinger“,<br />
„Fidelio“, „Otello“ oder<br />
den „Troubadour“ ergänzen<br />
Schenks Streifzug durch die<br />
Welt der Musik. Markus Renk<br />
Otto Schenk:<br />
Wer’s hört, wird selig<br />
Amalthea Verlag, 240 S., € 26,–
Im London des Jahres 1945<br />
werden der 14-jährige Nathaniel<br />
und dessen ältere Schwestern<br />
von ihren Eltern ver- und der<br />
Obhut zweier zwielichtiger<br />
Männer überlassen. Aus der<br />
Distanz von Jahrzehnten<br />
erinnert sich Nathaniel und<br />
erzählt auf diese Weise nicht<br />
nur eine Coming of Age-Geschichte,<br />
die, packend, poetisch<br />
und märchenhaft, an<br />
Charles Laughtons filmisches<br />
Meisterwerk „The Night of<br />
the Hunter“ erinnert, sondern<br />
schlägt auch ein finsteres, bislang<br />
kaum bekanntes Kapitel<br />
der Nachkriegsgeschichte auf.<br />
Klaus Nüchtern<br />
Michael Ondaatje:<br />
Kriegslicht<br />
Deutsch von Anna Leube<br />
Hanser Verlag, 320 S., € 24,70<br />
Wenn es nach Leopold Paur<br />
geht, sollen Träumer gleiches<br />
Ansehen genießen wie Handwerker<br />
und Doktoren. Und<br />
natürlich versteht auch Leopold<br />
selbst etwas von der Kunst des<br />
Tagträumens, als er sich 1753<br />
nach Wien aufmacht, um seine<br />
großen Visionen an den scharfen<br />
Kanten einer neuen Epoche<br />
zu messen. Der auf historischen<br />
Fakten basierende Debütroman<br />
von Andreas Schindl lädt<br />
auf die Unternehmung einer<br />
spannenden Zeitreise, dessen<br />
Held alle Höhen und Tiefen des<br />
menschlichen Daseins erfährt.<br />
Hubert Flattinger<br />
Andreas Schindl:<br />
Paurs Traum<br />
Braumüller Verlag, 384 S., € 24,–<br />
Vita und Student Lazar leben<br />
nebeneinander im selben Haus.<br />
Plötzlich erkrankt Lazy an<br />
Leukämie. Als sie sich nach<br />
einiger Zeit im Treppenhaus<br />
begegnen, trifft Vita einen abgemagerten<br />
Mann mit Glatze.<br />
Der Beginn einer ungewöhnlichen<br />
Freundschaft. Vita und<br />
Lazy schließen einen Pakt<br />
und planen, gemeinsam auf<br />
die letzte Reise zu gehen. Eine<br />
berührende Geschichte, die<br />
sich durch den philosophisch<br />
tiefgründigen und humorvollen<br />
Schlagabtausch der Protagonisten<br />
auszeichnet. Als säße man<br />
mit Vita und Lazy am Tisch …<br />
Isabel Karoline Hörmann<br />
Angelika Waldis:<br />
Ich komme mit<br />
Wunderraum Verlag,<br />
224 S., € 20,60<br />
Der Biss der Einsiedlerspinne<br />
reicht nicht aus, um einen Mann<br />
zu töten, im Süden Frankreichs<br />
sind gleich mehrere Männer<br />
durch das Gift der Einsiedlerin<br />
gestorben. Doch war es wirklich<br />
Mord? Die Ermittlungen<br />
führen Kommissar Adamsberg<br />
nach Nimes. Er und sein Team<br />
besuchen ein Waisenhaus und<br />
müssen zurück in die 40er Jahre.<br />
Hier beweist Fred Vargas wieder<br />
einmal, dass sie nicht ohne<br />
Grund den Krimipreis für ihr<br />
Gesamtwerk erhalten hat.<br />
Lena Kripahle<br />
Fred Vargas:<br />
Der Zorn der Einsiedlerin<br />
Limes Verlag, 512 S., € 23,70<br />
Erscheint am: 29.10.2018<br />
Drei ungleiche Charaktere begeben<br />
sich auf eine abenteuerliche<br />
Reise mit einer gefrorenen<br />
Leiche im Kofferraum. Doch<br />
dient dieses Ereignis, welches<br />
Lucía, Richard und Evelyn<br />
verbindet, lediglich als Klammer.<br />
Wir erfahren nämlich so<br />
einiges (und viel Unerfreuliches)<br />
über die „Flüchtlinge“, die uns<br />
mit ihren Schilderungen nach<br />
Guatemala, Chile und Brasilien<br />
entführen. Doch beginnt<br />
die Erzählung in Brooklyn mit<br />
einem wilden Schneesturm und<br />
einem Unfall und endet mit<br />
einer späten Liebe.<br />
Evelyn Unterfrauner<br />
Isabel Allende:<br />
Ein unvergänglicher Sommer<br />
Suhrkamp Verlag, 350 S., € 24,70<br />
Der Tausend-Zeichen-Klassiker<br />
ist mehr als eine Schulfibel<br />
zum Erlernen und Kopieren<br />
chinesischer Schriftzeichen<br />
– das von Kaiser Wu im 6.<br />
Jahrhundert zur Erziehung der<br />
Prinzen gedachte und beim<br />
Hofgelehrten Zhou Xingsi in<br />
Auftrag gegebene Werk umfasst<br />
auch das Weltwissen des China<br />
der damaligen Zeit; Anstand,<br />
Strebsamkeit und konfuzianische<br />
Weisheit sind nur ein paar<br />
Themen. Die Übertragung der<br />
Bedeutungseinheiten in deutsches<br />
Versmaß macht dieses<br />
faszinierende Wissen auch für<br />
Langnasen erfahrbar.<br />
Bernd Schuchter<br />
Eva Lüdi Kong (Ü. & Hrsg.):<br />
Der 1000 Zeichen Klassiker<br />
Qianziwen<br />
Reclam Verlag, 155 S., €24,70<br />
Bodo Kirchhoff, Deutscher-<br />
Buchpreis-Träger und Seelenerkunder<br />
zwischen Sexualität<br />
und Liebe, legt mit Dämmer<br />
und Aufruhr einen Schlüsselroman<br />
sowohl zu seinem umfangreichen<br />
Werk als auch zur<br />
Erkenntnis des Autors Bodo<br />
Kirchhoff vor. Schonungslos<br />
ehrlich und changierend<br />
zwischen den menschlichen<br />
Abgründen wie etwa sexuellem<br />
Missbrauch und einem<br />
ödipal-sexuellen Erlebnis mit<br />
der Mutter, bei dem das „gute<br />
Ende“ eines Bleistifts eine<br />
Rolle spielt. Auch eine Ahnung<br />
davon, wie man Schriftsteller<br />
wird. Bernd Schuchter<br />
Bodo Kirchhoff:<br />
Dämmer und Aufruhr.<br />
Roman der frühen Jahre<br />
Frankfurter Verlagsanstalt,<br />
480 S., € 28,80<br />
Der Musiker spricht, der<br />
Erzähler hört vornehmlich<br />
zu. Soviel zu Konstellation.<br />
Drumherum: Wiener Kaffeehausrituale.<br />
Oder, bisweilen:<br />
der Italiener des Vertrauens.<br />
Es geht um alles: ums (Über-)<br />
Leben, um Leidenschaften,<br />
Liebe, ums Geschäft. Um das<br />
Früher einmal, natürlich. Und<br />
um das, was davon übrig blieb.<br />
Wolf Wondratscheks Roman<br />
verzichtet auf alle Kraftmeierei,<br />
auf angestrengtes Pathos. Beseelt<br />
sind die Sätze trotzdem.<br />
Oder genau deswegen. Und:<br />
Die Sätze sitzen. Die Sentenzen<br />
(„Suchen Sie nicht nach dem,<br />
was Sie verstehen!“) sowieso.<br />
Joachim Leitner<br />
Wolf Wondratschek:<br />
Selbstbild mit russischem Klavier<br />
Ullstein Verlag, 270 S., € 22,70
Arminuta, die Zurückgekommene.<br />
Aufgewachsen in<br />
der Stadt bei ihrer Mutter und<br />
dem Carabiniere, ihren Eltern.<br />
Doch auf einmal sind es nicht<br />
mehr ihre Eltern, zurück im<br />
Dorf, weiß sie nicht mehr, was<br />
sie glauben soll. Jetzt schläft<br />
sie mit Adriana und den Jungs<br />
in einem Zimmer. Ein junges<br />
Mädchen, das ihrer Identität<br />
beraubt wurde, versucht sich in<br />
ihr neues Leben einzufinden.<br />
Mit diesem Buch gelang der<br />
internationale Durchbruch, eine<br />
sehr berührende Geschichte.<br />
Lena Kripahle<br />
Man(n) kennt sie, Frauen<br />
definitiv. Stammtischwahrheiten,<br />
Mythen und Vorurteile<br />
gegenüber uns Frauen. Häufig<br />
sind es Meinungen, die nicht<br />
immer mit Fakten bestätigt<br />
werden können. Dieses Buch<br />
liefert zu Vorurteilen die passenden<br />
Antworten. Ein kleiner<br />
Ratgeber für alle, die keine Lust<br />
mehr haben auf Klischees und<br />
Engstirnigkeit. Von Stefanie<br />
Sargnagel (Autorin) über Renée<br />
Schröder (Molekularbiologin)<br />
hin zu Bettina Zehetner (Philosophin),<br />
sie alle räumen auf:<br />
„<strong>No</strong> More Bullshit.“<br />
Der Autor internationaler<br />
Bestseller, Tom Rachman, legt<br />
nach seinem vielumjubelten<br />
Roman „Die Unperfekten“ mit<br />
„Die Gesichter“ sowohl ein<br />
Künstler- als auch ein Vaterund-Sohn-Buch<br />
vor. Stilsicher<br />
und mit einem guten Sinn für<br />
Pointen blickt Rachman hinter<br />
die glitzernden Fassaden der<br />
Kunstwelt und zeichnet das<br />
Porträt eines berühmten Malergenies<br />
als Ekel im Privaten, das<br />
seine jeweiligen Musen und die<br />
wahllos gezeugten Kinder seiner<br />
Kunst opfert. Ehe der vom<br />
Übervater fast erdrückte Sohn<br />
Ein Vater, der zu viel arbeitet<br />
und zu wenig Zeit mit der<br />
Familie verbringt, Kinder, die<br />
glauben, auf ewig befreundet zu<br />
bleiben, eine Schriftstellerin, die<br />
den Erfolg der Liebe vorzieht …<br />
Jede einzelne der 10 Erzählungen<br />
berührt, regt zum Denken<br />
an und stellt die Frage in den<br />
Raum, ob wir uns vielleicht ein<br />
bisschen selbst belügen. Wer Betroffenheit<br />
beim Lesen verspürt,<br />
ist selber schuld. Ich freue mich,<br />
dass uns Benedict Wells mit<br />
dem Erzählband das Warten<br />
bis zu seinem nächsten Roman<br />
erträglicher macht.<br />
Donatella Di Pietrantonio:<br />
Arminuta<br />
Antje Kunstmann Verlag,<br />
220 S., € 20,60<br />
Lena Kripahle<br />
Sorority e.V. (Hrsg.):<br />
<strong>No</strong> More Bullshit<br />
Kremayr & Scheriau Verlag,<br />
192 S., € 19,90<br />
zurückschlägt.Bernd Schuchter<br />
Tom Rachman:<br />
Die Gesichter<br />
dtv Verlag<br />
412 S., € 22,70<br />
Evelyn Unterfrauner<br />
Benedict Wells:<br />
Die Wahrheit über das Lügen<br />
Diogenes Verlag, 256 S., € 22,70<br />
Henning, ein Mann, nicht wie<br />
ein Baum, sondern wie er noch<br />
nie in der deutschen Literatur<br />
festgemacht wurde. Ein 50%-<br />
Mann in Haushalt und mit den<br />
Kindern, ganz normal überfordert.<br />
Und geschlagen mit<br />
ES, das sind Panikattacken, die<br />
ihn heimsuchen.Der Neujahrsurlaub<br />
auf Lanzerote reißt<br />
unerwartet eigene Kindheitswunden<br />
auf und erzählt von<br />
zwei kleinen Kindern, die<br />
mitten im Ferienparadies in die<br />
Hölle geraten. Juli Zeh setzt der<br />
Figur des überforderten Vaters<br />
ein literarisches Denkmal.<br />
Robert Renk<br />
Juli Zeh:<br />
Neujahr<br />
Luchterhand Verlag,<br />
192 S., € 20,60<br />
Hauptprotagonist von Marjana<br />
Gaponenkos Roman „Der<br />
Dorfgescheite“ katalogisiert<br />
gerne (auch Frauen), ist einäugig<br />
und macht trotzdem<br />
haarscharfe Beobachtungen seiner<br />
Umgebung. Er ist der erste<br />
weltliche Bibliothekar von Stift<br />
W. und der Nachfolger eines<br />
Mannes, der unter dubiosen<br />
Umständen ums Leben kam.<br />
Ernest Herz fängt zum Schnüffeln<br />
an. Gaponenko beschreibt<br />
– unterhaltsam und klug – eine<br />
Armada skurriler Gestalten und<br />
lehnt sich dabei auch an den<br />
Klassiker „Der Name der Rose<br />
an“. Ágnes Czingulszki<br />
Marjana Gaponenko:<br />
Der Dorfgescheite<br />
S.Fischer Verlag, 287 S., € 22,70<br />
Das Grauvieh ist in Tirol<br />
heilig. Das schimmert in<br />
diesem Prachtband zwischen<br />
den Zeilen mehr als durch, die<br />
Fotografien illustrieren den<br />
Mythos dieser urwüchsigen<br />
Kuhrasse ebenso wie die sie<br />
umgebende Kulturlandschaft.<br />
Frau Grau als Symbol für den<br />
Trend zur Entschleunigung, als<br />
Botschafterin der Behutsamkeit,<br />
dazu das Bedauern von<br />
Sepp Forcher darüber, dass der<br />
Herrgott den Menschen nicht<br />
zum Wiederkäuer gemacht hat.<br />
Abgeschlossen wird das Buch<br />
sinnigerweise mit Rezepten bekannter<br />
Tiroler Köche.<br />
Bernd Schuchter<br />
Raphael Kuen (Hrsg.):<br />
Grauvieh Tirol<br />
Brandstätter Verlag, Wien 2018<br />
240 S., € 40,–<br />
Heinz Fischer hat wie wenige<br />
Politiker die moderne Geschichte<br />
Österreichs mitgeprägt und<br />
mitgestaltet. Sein 80. Geburtstag<br />
ist ein geeigneter Zeitpunkt,<br />
um zurückzublicken und die<br />
privaten und politischen Wege<br />
von früher noch einmal zu<br />
begehen. Wege, die mit markanten<br />
politischen Ereignissen<br />
verknüpft sind. Es ist aber auch<br />
eine Reise in die Familiengeschichte<br />
– in seine eigene und<br />
in die dramatische seiner in der<br />
schwedischen Emigration<br />
geborenen Frau Margit.<br />
Markus Renk<br />
Heinz Fischer:<br />
Sparziergang durch die Jahrzehnte<br />
Ecowin Verlag, 220 S., € 24,–
Didi Drobna hat schon mit<br />
ihrem ersten Buch – Zwischen<br />
Schaumstoff – die Latte hochgesetzt.<br />
Auch in ihrem zweiten<br />
Roman hat sie die Gabe,<br />
gesellschaftliche Tabus so zu<br />
thematisieren, dass sie gar nicht<br />
als verwerflich wirken. Hauptprotagonist<br />
Daniel ist um die<br />
zwanzig, seine Eltern scheiden<br />
sich, er hasst den Vater und ist<br />
verliebt in die Schwester. Plötzlich<br />
geht es drunter und drüber<br />
in der heilen Familienwelt.<br />
Drobna macht mit einer klaren<br />
Bildsprache auch diesen Roman<br />
zu einem absoluten Genuss.<br />
Ágnes Czingulszki<br />
Didi Drobna:<br />
Als die Kirche den<br />
Fluss überquerte<br />
Piper Verlag, 320 S., € 20,60<br />
Deutschland, 1902, der junge<br />
Mathis führt ein einfaches<br />
Leben auf den Feldern im kleinen<br />
Dorf, bis eines Tages der<br />
Jahrmarkt mit seinen Artisten<br />
und Kuriositäten im Dorf halt<br />
macht. Mathis begibt sich auf<br />
eine große Reise. Berlin 1935,<br />
Mathis lebt mit seiner großen<br />
Liebe Meta in einer Wohnwagensiedlung<br />
am Rande der<br />
Stadt. Warmherzig, lebendig<br />
und mit großem Talent präsentiert<br />
die junge Autorin ihren<br />
zweiten Roman.<br />
Lena Kripahle<br />
Vera Buck:<br />
Das Buch der vergessenen Artisten<br />
Limes Verlag, 752 S., € 22,70<br />
Hier geht es um Randfiguren<br />
der Gesellschaft, um jene,<br />
die nicht auf die Butterseite<br />
gefallen sind, die aber durch<br />
Strunks klare und erbarmungslose<br />
Sprache so schön zu strahlen<br />
beginnen, dass man diese<br />
Kurzgeschichten einfach in sich<br />
aufsaugt. Weil sie so schön böse<br />
und tiefgründig sind. Und weil<br />
sie nachhaltig nach Literatur<br />
duften. Strunk ist ein genialer<br />
Erzähler, mit wenigen Strichen<br />
entwirft er große Tragödien, die<br />
wunderbar unterhalten. Unbedingte<br />
Leseempfehlung!<br />
Bernhard Aichner<br />
Heinz Strunk:<br />
Das Teemännchen<br />
Rohwolt Verlag, 208 S., € 20,60<br />
Yejide ist mit Akin verheiratet,<br />
sie und er, beide wünschen sich<br />
ein Kind. Auch die Schwiegereltern<br />
erwarten es, aber das<br />
Kind kommt trotzdem nicht.<br />
Jeder hat eine andere Idee,<br />
keine führt zum gewünschten<br />
Ergebnis. Eine neue Lösung für<br />
das Problem treibt Yejide an<br />
ihre Grenzen. Adebayo ist eine<br />
neue Stimme am nigerianischen<br />
Literaturhimmel und hat einen<br />
eindrucksvollen Debütroman<br />
geschrieben. Lena Kripahle<br />
Ayobami Adebayo:<br />
Bleib bei mir<br />
Piper Verlag, 350 S., € 22,70<br />
María C. Barbetta hat sich in<br />
die deutsche Sprache verliebt<br />
und das kann man lesen.<br />
Das alleine spricht schon für<br />
den neuen Roman. In ihren<br />
Geschichten entführt sie<br />
uns dennoch in ihre Heimat<br />
Argentinien. Genauer nach<br />
Buenos Aires, in das Einwanderungsviertel<br />
Ballester.<br />
Wie sich die Rückkehr von<br />
Peron darauf auswirkt, wie<br />
sein überraschender Tod und<br />
wie politische Spannungen das<br />
Land schier zerreißen, davon<br />
erzählt sie mit feinem Gespür<br />
für die Poesie des Alltags. Eine<br />
Hommage an Argentinien als<br />
Einwanderungsland!<br />
Robert Renk<br />
María Cecilia Barbetta:<br />
Nachtleuchten<br />
S. Fischer Verlag, 528 S., € 24,70<br />
Endlich ermittelt Armand Gamache<br />
wieder auf Deutsch! Der<br />
frischgebackene Chief Superintendent<br />
von Québec hat sich<br />
von der Arbeit Mühen in sein<br />
Haus in Three Pines zurückgezogen.<br />
Aber seit Agatha<br />
Christie wissen wir, ländliche<br />
Idylle trügt. Gar sehr. Kann<br />
Gamache diesmal vielleicht<br />
einen Mord verhindern, statt<br />
nach der Tat zu ermitteln?<br />
Aber man kann niemanden<br />
verhaften, nur weil er stumm<br />
mit schwarzem Kapuzenmantel<br />
und Maske auf dem Dorfanger<br />
herumsteht. Auch wenn er wie<br />
der personifizierte Tod wirkt.<br />
Susann Urban<br />
Louise Penny:<br />
Hinter den drei Kiefern<br />
Kampa Verlag, 496 S., € 17,40<br />
Aus dem kanadischen Englisch von<br />
Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck<br />
Ein Entwicklungsroman in gewisser<br />
Weise und die Geschichte<br />
eines Aufbruchs ist dieser<br />
Roman von Christian Torkler.<br />
In einer dystopischen Nachkriegswelt<br />
schlägt sich Josua<br />
Brenner durch ein zerstörtes<br />
Berlin des zu Ende gehenden<br />
20sten Jahrhunderts. Und<br />
obwohl ihm alles zu gelingen<br />
scheint, bricht er schließlich auf<br />
nach Afrika, Sehnsuchtsort des<br />
Wohlstandes und des Friedens …<br />
Wir lesen eine spannende Geschichte,<br />
die trotz des Settings<br />
in einem alternativen Universum<br />
stets plausibel bleibt.<br />
Michael Carli<br />
Christian Torkler:<br />
Der Platz an der Sonne<br />
Tropen Verlag, 592 S., € 25,80<br />
Die bekannte Klimaforscherin<br />
Helga Kromp-Kolb und der<br />
Meteorologe Herbert Formayer<br />
setzen sich seit Langen mit<br />
dem Klimawandel und seinen<br />
Folgen auseinander. Jetzt legen<br />
die beiden WissenschafterInnen<br />
eine Sammlung wissenschaftlicher<br />
Essays vor, die das<br />
Phänomen Klimawandel erklären,<br />
die Herausforderungen<br />
und Gefahren beleuchten und<br />
Strategien der Gegensteuerung<br />
und der Anpassung skizzieren.<br />
Ein Buch, das die Augen<br />
öffnet, aber auch zeigt, dass der<br />
Klimawandel kein nicht zu bewältigendes<br />
Schicksal ist.<br />
Michael Carli<br />
H. Kromp-Kolb und H. Formayer:<br />
+ 2 Grad – Warum wir uns für die<br />
Rettung der Welt erwärmen sollten<br />
Molden Verlag, 208 S., € 23,–
Es ist ein optimistisches Buch,<br />
das Energieexperte Dieter<br />
Helm hier vorlegt. Der Wissenschaftler,<br />
der an der Universität<br />
Oxford lehrt, sieht die (Energie)<br />
zukunft durchaus positiv. Neue<br />
Technologien ebnen den Weg<br />
aus der Klimakrise, ist Helm<br />
überzeugt und er warnt gleichzeitig,<br />
dass ein zaghaftes Weiterwurschteln<br />
wie bisher keine<br />
Option ist. Denn der vom Menschen<br />
verursachte Klimawandel<br />
ist Realität und so liegt es auch<br />
an uns, sinnvoll gegenzusteuern.<br />
Dieses Buch macht Mut und es<br />
macht Lust darauf, auch selbst<br />
etwas beizutragen. Michael Carli<br />
Dieter Helm:<br />
Burnout<br />
Langen-Müller Verlag,<br />
352 S., € 35,–<br />
Entschleunigung. Das Wort der<br />
nahen Zukunft. Viele predigen<br />
es, eine schreibt es: Agnes Beier!<br />
Das Sich finden, das Einander<br />
finden, das die richtigen<br />
Worte finden, darum kreist<br />
die Geschichte rund um Lina<br />
und Romed. Der sehr eigene<br />
Ton der Erzählerin mischt<br />
den Stil mystischer Sagen und<br />
persönlich-literarische Traumsequenzen.<br />
Eine ganz direkte<br />
Ansprache an den Leser macht<br />
dieses Buch aus und das berührt.<br />
Zumindest mich! Eine<br />
Wortmalerin von archaischer<br />
Wucht, die aber auch wortzart<br />
zu erzählen weiß! Robert Renk<br />
Agnes Beier:<br />
Rückwärtsbuch<br />
BdP Verlag, 128 S., € 18,–<br />
Ach, die Liebe! Wunderbar<br />
und grausam zugleich. Drei<br />
Menschen suchen das Glück:<br />
ein Mann, seine Frau Lempi,<br />
ihre Magd. Eine Dreiecksgeschichte,<br />
die keine ist, kann<br />
das gutgehen? In Rückblenden<br />
erhellt – oder verdunkelt? – sich<br />
unser Blick auf Lempi, die keinen<br />
loslässt. Letztendlich bleibt<br />
jeder Mensch ein Geheimnis.<br />
Und Glück wie immer flüchtig.<br />
Eine kleine lappländische<br />
Geschichtsstunde, fern aller<br />
Skandinavienromantik, gibt’s<br />
noch obendrein. Ein Buch –<br />
schön und traurig. Wie die<br />
Liebe. Susann Urban<br />
Minna Rytisalo:<br />
Lempi, das heißt Liebe<br />
Hanser Verlag, 224 S., € 21,–<br />
Aus dem Finnischen von<br />
Elina Kritzokat<br />
Hannelore Huber wollte<br />
eigentlich ihr Leben als Witwe<br />
genießen. Ein Leben im ebenso<br />
beschaulichen wie idyllischen<br />
Dorf Glaubenthal. Diese Idylle<br />
zerbricht bei der Beerdigung<br />
von Frau Hubers Ehemann,<br />
denn eine andere Leiche kommt<br />
zum Vorschein. Die alte Dame<br />
beginnt zu ermitteln und vorbei<br />
ist es mit ihrem ruhigen Lebensabend.<br />
Eine Portion Humor,<br />
Spannung und Charaktere, die<br />
viel Spaß machen, genau die<br />
richtige Mischung. Thomas<br />
Raab hat eine tolle neue Krimireihe<br />
geschaffen.<br />
Lena Kripahle<br />
Thomas Raab:<br />
Walter muss weg<br />
Kiepenheuer & Witsch Verlag,<br />
384 S., € 20,60<br />
Seit jeher ist die traditionelle<br />
Alpenmedizin ein wichtiger Bestandteil<br />
des täglichen Lebens<br />
in den Bergen. Experte Arnold<br />
Achmüller greift den Begriff<br />
ganzheitliche Gesundheit auf<br />
und zeigt, wie man sich mit<br />
Kräutern, Bädern und Ölen<br />
bei kleinen und großen Beschwerden<br />
selbst helfen kann.<br />
Von richtiger Ernährung über<br />
Kopf- bis hin zu Muskelschmerzen<br />
wird ein großer<br />
Bereich abgedeckt. Zahlreiche<br />
Rezepte mit Anwendungs- und<br />
Sammelhinweise, sowie ein ausführliches<br />
Glossar runden den<br />
Band ab. Klaudia Grünfelder<br />
Arnold Achmüller:<br />
Alpenmedizin<br />
Raetia Verlag, 288 S., € 24,90<br />
Die Autorin von „Trümmerkind“<br />
legt nach. Behutsam und<br />
unaufgeregt macht Borrmann<br />
die frühen 50er spürbar, gibt<br />
den schwarz-weiß-Bildern<br />
wieder Farbe. Es geht um die<br />
17-jährige Henni und ihre<br />
Geschwister. Henni kommt<br />
wegen Kaffeeschmuggels in<br />
eine Besserungsanstalt, ihre<br />
Geschwister, um die sie sich<br />
nach dem Tod der Mutter gekümmert<br />
hat, müssen deswegen<br />
in ein Kinderheim. Dort stirbt<br />
der kleine Matthias. Das Leben<br />
ist nicht gerecht, schon gar<br />
nicht in den 50ern. Eine düstere<br />
Zeit, aufwühlend beschrieben.<br />
Robert Renk<br />
Mechtild Borrmann:<br />
Grenzgänger<br />
Droemer Verlag, 352 S., € 20,60<br />
Adrian und Anna leben zusammen<br />
und beide vom Schreiben.<br />
Während Anna aber die<br />
Freiheiten eines Schriftstellerlebens<br />
genießt, ist Adrian in der<br />
Werbebranche gefangen. Gefangen<br />
durch die monatlichen<br />
Zahlungen für das Heim, in<br />
dem sein Vater wohnt, zu dem<br />
er alles andere als eine friktionsfreie<br />
Beziehung hat. Aber auch<br />
durch den Erfolg, den er hat.<br />
Die Werbefigur, die er erfunden<br />
hat, übersiedelt in ein vollautomatisiertes,<br />
überwachtes Haus<br />
und er weiß nicht, was unheimlicher<br />
ist. Das Haus oder seine<br />
Verwandlung.<br />
Robert Renk<br />
Angelika Stallhofer:<br />
Adrian<br />
kremayr&scheriau Verlag,<br />
190 S., € 19,90<br />
Was nützt alle Politik, ob sie<br />
Mauern baut oder „Wir schaffen<br />
das“ ruft, wenn 150.000<br />
Flüchtlinge sich zu Fuß aufmachen?<br />
Eine Idee des jungen<br />
Lionel, der schon viel zu lange<br />
im größten Lager jenseits der<br />
Sahara festsitzt. Als Starmoderatorin<br />
Nadeche Hackenbusch<br />
das Lager besucht, erkennt<br />
er die einmalige Gelegenheit,<br />
nutzt die Aufmerksamkeit<br />
und macht sich mit 150.000<br />
Flüchtlingen auf den Weg, begleitet<br />
von Kareas. Die Schöne<br />
und die Flüchtlinge werden zum<br />
Quotenhit. Vermes fängt dort<br />
an, wo der Spaß aufhört.<br />
Robert Renk<br />
Timur Vermes:<br />
Die Hungrigen und die Satten<br />
Eichborn Verlag, 512 S., € 22,70
Grenzgänge XII<br />
Joachim Zelter und Felix Mitterer am 21. <strong>No</strong>vember zu Gast<br />
in der neuen Stadtbibliothek Innsbruck.<br />
Die neuen Räumlichkeiten locken mit einem<br />
tollen Eröffnungsprogramm (siehe Seite 56)<br />
– und auch die zwölfte Ausgabe der Grenzgänge<br />
wird dort groß aufgeigen.<br />
Die erfolgreiche und beliebte Reihe<br />
„Grenzgänge“ übersiedelt in die neue<br />
Stadtbibliothek. Dieser neue Standort<br />
ermöglicht die Umsetzung eines modernen<br />
Bibliothekskonzeptes: „Ein öffentlicher<br />
Raum mit Wohnzimmer-Flair“, meint<br />
Leiterin Christina Krenmayr.<br />
Ein neuer Raum; da muss etwas besonderes<br />
her, haben sich die Veranstalter –<br />
8ungKultur und Stadtbibliothek – gedacht,<br />
und sind stolz darauf, dass Felix Mitterer,<br />
einer der bedeutendsten Dramatiker des<br />
Landes, zugesagt hat. – Im Mittelpunkt<br />
dabei seine aktuelle Autobiografie mit dem<br />
schlichten Titel „Mein Lebenslauf“.<br />
Jemanden zu finden, der dazupasst, ist<br />
schwer und leicht zugleich. Schwer, weil<br />
eine solch charismatische und authentische<br />
Persönlichkeit nicht leicht zu begleiten ist.<br />
Leicht, weil man sich keine Sorgen machen<br />
muss, dass niemand kommt, denn Mitterer<br />
füllt in Tirol noch jeden Raum. Man kann<br />
also aus dem Vollen schöpfen und auch an<br />
jene denken, die zwar grandios, aber kaum<br />
bekannt sind hier zu Lande. –<br />
Und wir wurden schnell fündig. Denn<br />
Joachim Zelter ist – wie wohl er wunderbar<br />
ist – ein ebenso wunderbarer Geheimtipp<br />
hier zu Lande. Unser Lieblingsmoderator<br />
Klaus Zeyringer weiß – wie immer – alles<br />
zu vereinen. Er entführt Sie auch in die<br />
wunderschönen neuen Räumlichkeiten der<br />
Stadtbibliothek Innsbruck!<br />
© www.joachimzelter.de<br />
Pointenzauberwerk<br />
Joachim Zelter und seine<br />
„Briefe aus Amerika“<br />
Klaus Zeyringer, geboren 1953, war Universitätsprofessor<br />
für Germanistik in Angers (FR),<br />
ist Literaturkritiker (u.a. für „Der Standard“,<br />
„Volltext“, „Literatur und Kritik“), Moderator<br />
der Veranstaltungsreihe „Grenzgänge“ sowie<br />
Autor u.a. von „Fußball. Eine Kulturgeschichte”,<br />
„Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte von<br />
1896 bis heute.“ (alle S. Fischer).<br />
Veranstaltung:<br />
Grenzgänge XII<br />
Mit Felix Mitterer,<br />
Joachim Zelter und Klaus Zeyringer<br />
Di. 20. <strong>No</strong>vember 2018 um 19:00 Uhr<br />
Innsbrucker Stadtbibliothek<br />
Amraser Straße 2<br />
Eintritt frei!<br />
Eine Veranstaltung der<br />
Stadtbibliothek Innsbruck und 8ungKultur<br />
Die letzten werden die ersten sein,<br />
so sagt die Bibel. Die ersten werden<br />
die letzten sein, kontert Zelter! Mit<br />
„Briefe aus Amerika“ macht er sich<br />
auf den Weg nach Innsbruck, denn<br />
nun liegt der Erstlingsroman des 1962<br />
geborenen, in Tübingen lebenden Autors,<br />
sacht überarbeitet, wieder vor.<br />
Darin wird ein gewisser Joachim<br />
Zelter für ein Jahr an die Yale University<br />
geschickt, um dort nicht nur<br />
„Deutsch in 100 Tagen“ zu unterrichten,<br />
sondern auch sonst allerhand<br />
Unglaubliches zu erleben. Ein Jahr,<br />
das sich als urkomische Apokalypse in<br />
der Nussschale erweist. Vor allem die<br />
Divergenz zwischen der reichen Uni<br />
und dem bitterarmen New Haven,<br />
so wie ein genialer, aber höchst ominösen<br />
Dozenten namens Schwartz,<br />
Buchtipp:<br />
Joachim Zelter:<br />
Briefe aus Amerika<br />
Klöpfer & Meyer Verlag,<br />
192 S., € 19,60
Sein Lebenslauf<br />
Felix Mitterer und seine eindrucksvolle<br />
Autobiografie. Von Robert Renk<br />
Bücher seit 1639<br />
der eine obskure „Philosophie des<br />
Fingers“ veröffentlicht hat, machen<br />
ihm schwer zu schaffen.<br />
Eine Tour de Farce durch den amerikanischen<br />
Universitätsdschungel, als<br />
hätten sich Jonathan Swift und Mark<br />
Twain eine Welt ausgedacht, nachdem<br />
sie eine Überdosis Kafka inhaliert<br />
haben. Oder wie Alexander Kluy<br />
meint: „Briefe aus Amerika“: Don<br />
Quijote trifft Buster Keaton.<br />
Geschrieben und gefeilt mit dem<br />
britischen Understatement eines<br />
Baden-Württembergischen Radprofis.<br />
Das heißt kurz&bündig und mit flottem,<br />
perfekten Rhythmus.<br />
Zelter ist tatsächlich passionierter<br />
Rennradler, kommt gerne einmal mit<br />
dem Rad zur Lesung (wir werden<br />
sehen), ist auch häufig in Theatern<br />
anzutreffen. Am liebsten, wenn einer<br />
seiner Romane fürs Theater adaptiert<br />
wurde. Und mit Monica Bleibtreu<br />
und Dietmar Mues saß er selbst auf<br />
der Bühne und sprach seine wunderfeine<br />
„Würde des Lügens“ ein.<br />
Joachim Zelter ist ein hochliterarischer<br />
Pointenzauberer, der die<br />
Sprache gezähmt hat, um sich von ihr<br />
treiben zu lassen! Einer der größten<br />
Satiriker unserer Zeit, in der schönen<br />
Tradition von Tucholsky, Kästner<br />
und Thomas Bernhard. Doch während<br />
es beim großen Österreicher das<br />
Redundante ist, macht es bei Zelter<br />
die Variation! Und ebenso variantenreich<br />
geruht der Vortragskünstler<br />
Zelter auch zu lesen, Sie sollten es<br />
nicht versäumen.<br />
55<br />
© Fotowerk Aichner<br />
Die Autobiografie, die zu Felix Mitterers<br />
Siebziger unter dem schlichten Titel „Mein<br />
Lebenslauf“ (Haymon Verlag) erschien,<br />
liest sich wie ein sehr persönlicher, zeitgeschichtlicher<br />
Roman. Doch bevor er über<br />
sich schreibt, schreibt er lieber über all seine<br />
Wegbegleiter. Und das waren wahrlich viele!<br />
Da findet sich naturgemäß viel über Hans<br />
Brenner, Kurt Weinzierl oder Ruth Drexel.<br />
Auch jüngere – wie Markus Plattner –<br />
werden von Mitterer erkannt, gefördert und<br />
dementsprechend auch in seinem Lebenslauf<br />
erwähnt.<br />
Man liest, wie sich am Beispiel von<br />
Wolfgang Pfaundler Skepsis in Freundschaft<br />
wandeln kann, oder wie sich Mitterer<br />
gelegentlich einen persönlichen Spaß<br />
erlaubt: Einen kleinen Bergunfall, der ihm<br />
selbst mit Tobias Moretti widerfahren ist,<br />
lässt er Moretti in der Piefke Saga eins zu<br />
eins noch einmal erleben.<br />
Am berührendsten geraten die Passagen,<br />
in denen er über seine Mütter schreibt – er<br />
hatte ja zwei. Seine leibliche Mutter, die<br />
schon 12 Kinder hatte, gab ihn „einfach“<br />
einer kinderlos gebliebenen Freundin weiter.<br />
Das Aufwachsen am Fuße des Wilden<br />
Kaisers war nicht leicht. Die Härte der<br />
Stiefmutter bekam der kleine Felix oft zu<br />
spüren, Trost waren ihm sein Adoptivvater,<br />
der „Dati“, und die Phantasie der Bücher.<br />
In Innsbruck schließlich fängt er am<br />
Schreibtisch im Zollamt an, seine ersten<br />
Szenen zu schreiben – am selben Tisch<br />
übrigens, an dem etwas später der leider<br />
viel zu früh verstorbene Osttiroler Autor<br />
Gerold Foidl saß. Berührend auch die<br />
Szenen, in denen er über Chryseldis oder<br />
seine jetzige Liebe Agnes schreibt. Und<br />
immer wieder schön zu lesen, dass sich ein<br />
Felix Mitterer selbst nicht zu ernst nimmt.<br />
Sein erster Roman sei ein „ziemlicher Kas“<br />
gewesen, nach seinem ersten Tatort-<br />
Drehbuch schwor er sich: „Nie wieder“.<br />
Zum Glück hat er sich nicht daran<br />
gehalten!<br />
Buchtipp:<br />
Felix Mitterer:<br />
Mein Lebenslauf<br />
Haymon Verlag,<br />
528 S., € 29,90
Eröffnungswochenende<br />
Die letzten Arbeiten sind bald abgeschlossen,<br />
am 9. <strong>No</strong>vember ist es so weit: Die neue Stadtbibliothek<br />
Innsbruck wird eröffnet. Die neuen Räumlichkeiten<br />
locken mit einem tollen Eröffnungsprogramm:<br />
Freitag, 9. <strong>No</strong>vember 2018:<br />
Entdecken<br />
10:00 Uhr<br />
Eröffnung der Stadtbibliothek<br />
10:30 Uhr<br />
Eröffnung der Galerie Plattform 6020<br />
13:00 –18:00 Uhr<br />
Führungen durch das Haus<br />
zu jeder vollen Stunde<br />
19:30 Uhr<br />
Ein Abend mit Wladimir Kaminer<br />
Der Verfasser der „Russendisko“<br />
kommt erstmals nach Innsbruck<br />
und präsentiert sein neues Buch<br />
„Die Kreuzfahrer“.<br />
Samstag, 10. <strong>No</strong>vember 2018:<br />
Mitmachen<br />
10:00 –17:00 Uhr<br />
Wir bauen die Bibliothek unserer Träume<br />
Eine Jugendland-Woodschtock-Bauaktion<br />
für alle ab 5 Jahren<br />
10:00 –17:00 Uhr<br />
Der Raum im Buch: lesen & bauen<br />
Ein Kunst-Workshop von bilding<br />
für alle ab 5 Jahren<br />
Ein Kommen und Gehen ist bei beiden Angeboten<br />
den ganzen Tag über möglich.<br />
19:00 Uhr<br />
Jedes Wort wert: Bibliotheks-Poetry-Slam<br />
SlammerInnen präsentieren Texte<br />
rund um das Thema Bibliothek<br />
Moderation: Stefan Abermann<br />
Danach kalte Getränke und heiße Sounds<br />
von DJ Martin Fritz.<br />
Alle Veranstaltungen der Stadtbibliothek<br />
Innsbruck sind kostenlos,<br />
es ist keine Anmeldung notwendig!<br />
© Stadtbibliothek Innsbruck<br />
56<br />
Wagner’sche.
Asterix auf Tirolerisch<br />
Der erste und einzige Asterix Band in Tiroler Mundart –<br />
geschrieben von keinem Geringeren als Felix Mitterer.<br />
Jetzt in einer Neuauflage.<br />
„Fuchzg Johr, bevor insa Heilond auf<br />
d’ Welt kemmen isch, do wor gonz Gallien<br />
vo die Röma eingsackelt. Gonz Gallien?<br />
Sell tat i wieda nit sogn! Weil do hots in<br />
oana kloanen Gmoand a poor so wilde Hund<br />
gebm, de hobm si oanfoch nix gfolln lossn<br />
vo die wallischn Besotza. Und deratwegn<br />
wor der Dianscht schun a bissl zaach fir<br />
die römischn Legionäre, de wos in eahnane<br />
Loga Babaorum, Aquarium, Laudanum und<br />
Kloanbonum kaust hobm.“<br />
1999 erschien der legendäre Asterix Band<br />
„Obelix und’s groasse Gschäft“, der erste<br />
und einzige Asterix Band in Tiroler Mundart.<br />
Geschrieben von keinem Geringeren als<br />
Felix Mitterer. Inzwischen ist das Sammlerstück<br />
seit vielen Jahren vergriffen. Immer<br />
wieder wurden wir danach gefragt. Grund<br />
genug für uns, uns für eine Neuauflage einzusetzen.<br />
Wir mussten feststellen, dass dies<br />
kein leichtes Unterfangen war, aber jetzt ist<br />
es so weit! Gemeinsam mit dem Egmont<br />
Verlag haben wir liebevoll einen Nachdruck<br />
vorgenommen und verkaufen die Asterix<br />
Bände exklusiv in der Wagner’schen.<br />
© Asterix – aus Buch „Obelix und’s groasse Gschäft“<br />
Bücher seit 1639<br />
Wenn das kein Grund<br />
zum Feiern ist …<br />
Am 22. Oktober erscheint die Neuauflage<br />
dieses Tirol-Gallischen Klassikers und das<br />
Abenteuer von Asterix, Obelix und Idefix<br />
kann neu beginnen! Für uns ein Grund<br />
zum Feiern! Am Montag, den 22. Oktober<br />
gibt es daher in der Wagner’schen Buchhandlung<br />
eine große Asterix und Obelix<br />
Party. Feiern Sie mit uns und holen Sie sich<br />
als einer der ersten den Asterix Band auf<br />
Tirolerisch. Unter allen, die verkleidet<br />
zu uns kommen (Verkleidung aus der<br />
Asterix und Obelix Welt), verlosen wir<br />
15 Asterix Bände und viele andere Preise.<br />
Mehr Informationen unter:<br />
asterix.wagnersche.at<br />
57<br />
Party<br />
Asterix Party<br />
in der Wagner’schen<br />
Buchhandlung<br />
Montag, 22. Oktober<br />
ab 19:30 Uhr<br />
Eintritt frei!<br />
Buchtipp:<br />
Felix Mitterer:<br />
Obelix und’s groasse Gschäft<br />
Egmont Verlag<br />
48 S., € 14,95
58<br />
Wagner’sche.
Innsbruck, wie es früher war.<br />
Gewinnen Sie einen<br />
Innsbruck-Kalender 2019<br />
Die Bilder unseres heurigen Kalenders<br />
stammen aus dem Besitz einer namentlich<br />
leider nicht bekannten Innsbrucker<br />
Bürgersfamilie, die in einer Villa im Saggen<br />
gelebt hat. Als das Gebäude vor wenigen<br />
Jahren ausgeräumt wurde, sind diese und<br />
noch eine weitere große Zahl an Aufnahmen<br />
auf den Markt gekommen. Über<br />
mehrere Hände wurden die Innsbruck<br />
betreffenden Glasplatten dem Stadtarchiv /<br />
Stadtmuseum Innsbruck angeboten. Auch<br />
hier dauerte es noch einige Zeit, bis die<br />
Platten digitalisiert werden konnten. Mit<br />
dem neuen Kalender der Wagner’schen<br />
Universitätsbuchhandlung hat nun jeder die<br />
Möglichkeit, diese Bilder Innsbrucks der<br />
Jahre 1910 bis 1920 zu bewundern.<br />
DDr. Lukas Morscher hat 27 ganz<br />
besondere Aufnahmen ausgewählt. Begleitet<br />
werden sie mit humorvollen, spannenden<br />
und interessanten Texten. 14-tägiges<br />
Kalendarium – exklusiv erhältlich in der<br />
Wagner’schen Buchhandlung.<br />
© Stadtarchiv Innsbruck<br />
Gewinnspiel:<br />
Innsbruck,<br />
wie es früher war<br />
Mit Texten von Lukas Morscher<br />
Kalender<br />
2019<br />
Ein Bild für Innsbruck-<br />
Kenner: Wo ist das?<br />
Ein Ort, an dem garantiert schon jeder<br />
Einwohner der Stadt viele Male war. <strong>No</strong>ch<br />
dazu sieht das große Gebäude am linken<br />
Rand bis heute relativ ähnlich aus, auch<br />
wenn wir meist entlang der Vorderseite<br />
gehen; hier ist aber die Rückseite zu sehen.<br />
Und noch ein Hinweis: Der Turm im<br />
Hintergrund rechts ist nicht Teil des Gebäudes,<br />
sondern gehört zu einer Kirche auf<br />
der westlichen Straßenseite. Und – erkannt?<br />
Mitraten und gewinnen!<br />
Hier können Sie Ihr Innsbruck-Wissen<br />
unter Beweis stellen. Welches Gebäude ist<br />
auf dem oben abgebildeten Foto zu sehen?<br />
Gewinnen Sie ein IVB-Jahresticket im Wert<br />
von je € 350,–.<br />
Bücher seit 1639<br />
59<br />
Bitte senden Sie Ihre Antwort an<br />
office @ wagnersche.at —<br />
oder geben diese direkt in der<br />
Wagner’schen Buchhandlung ab.
Weltpremiere mit T. C. Boyle<br />
T. C. Boyle at his best! – Sein neuer Roman,<br />
den es nur auf Deutsch gibt.<br />
Buchtipp:<br />
T.C. Boyle:<br />
Good Home – Stories<br />
Aus dem Englischen von Anette<br />
Grube und Dirk van Gunsteren<br />
Hanser Verlag, 432 S., € 23,70<br />
Lesung:<br />
Es hat sich schon herumgesprochen, im<br />
Februar 2019 ist es tatsächlich so weit<br />
und das jahrelange Arbeiten an einer<br />
literarischen Sensation hat sich gelohnt.<br />
T.C. Boyle kommt endlich nach Innsbruck.<br />
Und nicht nur das, der Kultautor hat ein<br />
Überraschungsgeschenk in Form einer<br />
Weltpremiere im Gepäck, sein neuer Roman<br />
erscheint auf Deutsch, bevor er auf Englisch<br />
erscheint. Eine schöne Hommage an seine<br />
deutschsprachigen Fans.<br />
© Peter-Andreas Hassiepen Winzererstr. 48 80797 München Tel.: 0163 681 6857<br />
Worum geht’s im neuen Boyle: ein kreischend<br />
greller Trip an die Grenzen des<br />
Bewusstseins und darüber hinaus. Harvard-Professor,<br />
Psychologe und LSD-Guru<br />
Timothy Leary schart Anfang der 60er<br />
einen Kreis von Jüngern um sich, für neuartige<br />
Experimente mit psychedelischen<br />
Drogen. Unter dem Deckmantel seriöser<br />
Wissenschaft steuert das Ganze auf den<br />
totalen Kontrollverlust zu.<br />
Endlich wird der aufstrebende wissenschaftliche<br />
Assistent Fitz auf eine der<br />
LSD-Partys seines Professors Leary eingeladen.<br />
Er erhofft sich davon einen wichtigen<br />
Karriereschritt, merkt aber bald, dass<br />
Learys Ziele weniger medizinischer Natur<br />
sind; es geht dem Psychologen um eine<br />
Revolution des Bewusstseins und eine von<br />
sozialen Zwängen losgelöste Lebensform.<br />
Fitz wird mitgerissen von dieser Vision, mit<br />
Frau und Sohn schließt er sich der Leary-Truppe<br />
an: Sie leben in Mexiko, später<br />
in der berühmten Kommune in Millbrook,<br />
mit Drogen und sexuellen Ausschweifungen<br />
ohne Ende. Ein rauschhaftes Leseerlebnis –<br />
T.C. Boyle at his best.<br />
T. Coraghessan Boyle, 1948 in Peekskill, N.Y., geboren,<br />
unterrichtete an der University of Southern<br />
California in Los Angeles. Bei Hanser erschienen<br />
zuletzt „Wenn das Schlachten vorbei ist“ (Roman,<br />
2012), „San Miguel“ (Roman, 2013), die Neuübersetzung<br />
von „Wassermusik“ (Roman, 2014), „Hart<br />
auf hart“ (Roman, 2015), die Neuübersetzung<br />
von „Grün ist die Hoffnung“ (Roman, 2016), „Die<br />
Terranauten“ (Roman, 2017) und „Good Home“<br />
(Stories, 2018).<br />
Dirk van Gunsteren übersetzte u.a. John Irving,<br />
Colum McCann, Thomas Pynchon, Philip Roth,<br />
Oliver Sacks und Richard Stark. 2007 erhielt er<br />
den Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis, 2018 den<br />
Übersetzerpreis der Stadt München.<br />
T.C. Boyle live in Innsbruck<br />
60<br />
Di., 12. Februar 2019<br />
Lesung englisch und deutsch<br />
Details werden noch bekannt<br />
gegeben, u.a. unter<br />
www.wagnersche.at<br />
Wagner’sche.
Ein besonderer Plan<br />
John Wray und sein neuer Roman „Gotteskind“.<br />
Von Robert Renk<br />
Der sympatische Austroamerikaner beehrt<br />
uns wieder. Er präsentiert seinen neuen<br />
Roman „Gotteskind“ (Rowohlt), in dem er<br />
sich auf äußerst unsicheres Terrain vorwagt.<br />
Niemand aber vermag literarisch so trittfest<br />
auf politisch unsicherem Terrain zu wandeln,<br />
wie dieser 1971 in Washington D.C. als<br />
Sohn eines amerikanischen Vaters und einer<br />
österreichischen Mutter geborene Autor.<br />
Das bewies er schon mit seinen Romanen<br />
„Der Retter der Welt“ oder „Das Geheimnis<br />
der verlorenen Zeit“ (beide Rowohlt).<br />
Im neuen Roman macht er sich auf, die<br />
junge Aden Sawyer auf ihrer eigentümlich<br />
und – auf den ersten Blick – unverständliche<br />
Reise zu begleiten.<br />
Aden Sawyer, achtzehn, hat nämlich<br />
einen besonderen Plan. Der soll sie vorerst<br />
einmal weit, weit weg bringen vom Einfluss<br />
ihres dominanten Vaters, der das Leben<br />
aller zur Hölle macht. Und vom Haus<br />
ihrer Mutter, in dem alle Familienfotos<br />
zur Wand gedreht sind. Sie ist entschlossen,<br />
nach Peschawar in Pakistan zu reisen,<br />
um dort in einer Medrese den Islam zu<br />
studieren. Mit Hilfe eines Freundes organisiert<br />
sie die heimliche Reise. In Pakistan<br />
schlüpft sie in eine neue Identität und verkleidet<br />
sich als junger Mann. Doch<br />
bald gerät sie in größere Gefahr, als sie<br />
sich jemals vorstellen konnte. Denn der<br />
Weg zur Erlösung ist lang und gefährlich,<br />
und er führt direkt in die Kriegswirren<br />
Afghanistans. John Wray verfolgt das<br />
Schicksal seiner jungen Heldin mit<br />
der zwingenden Logik der Paranoia und<br />
erzeugt so eine überaus atemberaubende<br />
Spannung!<br />
© Ali Smith<br />
Buchpräsentation:<br />
Buchtipp:<br />
Bücher seit 1639<br />
John Wray wurde 1971 in Washington, D.C.,<br />
als Sohn eines amerikanischen Vaters und einer<br />
österreichischen Mutter geboren. Studium am<br />
Oberlin College, an der Columbia University und an<br />
der Universität Wien. Er lebt als freier Schriftsteller<br />
in Brooklyn und Friesach (Kärnten). 2007 wurde<br />
er von dem Literaturmagazin „Granta“ unter die<br />
zwanzig besten jungen US-Autoren gewählt, 2017<br />
errang er beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in<br />
Klagenfurt dem zweiten Platz.<br />
61<br />
Gotteskind<br />
Lesung mit John Wray,<br />
deutsch mit amerikanischen<br />
Einsprengseln! – In Zusammenarbeit<br />
mit 8ungKultur<br />
Mi., 20. Feb. 2019, 19:30 Uhr,<br />
Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung<br />
Eintritt: € 9,– /<br />
mit Kundenkarte € 7,–<br />
John Wray:<br />
Gotteskind<br />
Rowohlt Verlag,<br />
368 S., € 23,70
Verlautbarungen<br />
4o Tonnen<br />
Schulbücher<br />
Was kann<br />
Literatur?<br />
Menschenrechte<br />
© Elisabeth Wiederin<br />
#WasKannLiteratur<br />
Im Rahmen ihres Netzwerks mitSprache<br />
laden die österreichischen Häuser der<br />
Literatur die interessierte Öffentlichkeit<br />
ein, sich zwei Monate lang mit ihren<br />
Antworten an dem Projekt #WasKann-<br />
Literatur zu beteiligen. MitSprache ist ein<br />
freier Zusammenschluss österreichischer<br />
Häuser der Literatur, die vor gesellschaftspolitischem<br />
Hintergrund seit 2004<br />
gemeinsam Projekte entwickeln und<br />
bundesweit umsetzen.<br />
Mit der Frage des diesjährigen Projekts<br />
„Was kann Literatur?“ soll ein Nachdenken<br />
über die Bedeutung und Möglichkeit<br />
der Literatur angeregt werden: Was<br />
kann Literatur für Sie ganz persönlich?<br />
Welche Wirkung hat Literatur auf Sie?<br />
Welchen Stellenwert hat Literatur für Sie<br />
in der Gesellschaft?<br />
Antworten auf diese Fragen können<br />
via Aktions-Postkarte (liegt u.a. in der<br />
Wagner’schen auf), Facebook, Twitter<br />
oder auf der Website www.mit-sprache.net<br />
gesendet werden.<br />
Im Literaturhaus am Inn erwartet<br />
Sie am Aktionstag, dem 23. Oktober 2018<br />
eine Tiroler Impro-Lesebühne der<br />
besonderen Art:<br />
Inspiriert von den eingesendeten Beiträgen<br />
werden Stefan Abermann, Martin Fritz,<br />
Peter Giacomuzzi, C. H. Huber, Käthl<br />
und Ramona Pohn live Texte produzieren<br />
und vortragen.<br />
Nähere Infos unter:<br />
www.literaturhaus-am-inn.at<br />
© Literatur Haus am Inn<br />
Wir machen auf eine Veranstaltung zum<br />
70sten Geburtstag der Erklärung der<br />
Menschenrechte aufmerksam: Die Erklärung<br />
der Menschenrechte wird dieses<br />
Jahr 70! Ihnen wird am 10.12.2018 ab<br />
18.00 Uhr im HAUS DER MUSIK eine<br />
Bühne gegeben. Performances, Musik<br />
und Lesungen setzen Menschenrechte<br />
ins Zentrum. Denn was vor 70 Jahren<br />
erklärt wurde, ist gerade heute wichtig.<br />
Auch ein gut sortierter Büchertisch der<br />
Wagner’schen ist mit dabei!<br />
Weitere Infos unter:<br />
artagainstracism @ gmx.net<br />
oder<br />
www.facebook.com/ART-againstracism-2257142094515620/<br />
© Shutterstock<br />
Neben dem Weihnachtsgeschäft ist<br />
für uns die Schulbuchauslieferung<br />
ein besonderes Highlight. 40 Tonnen<br />
Bücher werden hier mehrmals in die<br />
Hand genommen, kontrolliert und<br />
für die Schulen vorsortiert. Auch<br />
die E-Book-Codes werden von uns<br />
ausgedruckt und auf die Bücher<br />
aufgebracht. – Diese logistische<br />
Herausforderung muss bewältigt<br />
werden, geht manchmal etwas an die<br />
Substanz. Es macht aber auch extrem<br />
viel Spaß!<br />
Seit Beginn der Schulbuchaktion<br />
beliefert die Wagner’sche Schulen in<br />
ganz Tirol, von kleinen Volksschulen<br />
mit 30 Kindern, bis zu Schulen mit<br />
1.400 Schülern. Heuer konnten<br />
wir sieben neue Schulen begrüßen,<br />
was uns ganz besonders freut! Alle<br />
anderen Schulen sind schon seit<br />
vielen Jahren Partnerschulen der<br />
Wagner’schen, hierfür möchten wir<br />
uns herzlichst bedanken! Als Inhabergeführte<br />
Buchhandlung legen wir<br />
dabei größten Wert auf zuverlässigen,<br />
schnellen und bestmöglichen Service<br />
für unsere Kunden.<br />
Schulbuchbetreuung,<br />
wie sie im Buche steht.<br />
Uns ist bester Service wichtig, Zuverlässigkeit<br />
und höchste Bequemlichkeit<br />
bei Bestellung und Lieferung machen<br />
bei uns Schule, außerdem bieten wir<br />
100 % Kulanz und Verlässlichkeit<br />
inkl. kostenloser Leseförderung.<br />
Möglich macht dies das motivierte<br />
Schulbuch-Team der Wagner’schen,<br />
allen voran Lisi, die alles organisiert,<br />
aktiv unterstützt von Anna, Hannah,<br />
Melanie, Dominik. Martin, Thomas<br />
und Chef Markus, der selbst fleißig<br />
mit anpackt und bei allen Schulen<br />
dabei ist.
Autorinnen und Autoren<br />
dieser Ausgabe<br />
Bernhard Aichner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller und<br />
Fotograf in Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und<br />
Theaterstücke. Seine Totenfrau-Trilogie katapultierte ihn<br />
auf die internationalen Bestsellerlisten. Soeben erschien sein<br />
neuer Thriller „Bösland“ (btb).<br />
Michael Carli, gelernter Kulturvermittler, Werber und<br />
Lebensmittelhändler. Lebt in Innsbruck, liebt Sardinien.<br />
Ágnes Czingulszki, 1987 geboren in Baja (Südungarn), lebt<br />
– nach einigen Stationen in Europa – nun als Journalistin<br />
und Autorin in Innsbruck. U. a. „ich dachte an siracusa“<br />
(ed. Exil)<br />
Katharina Johanna Ferner, wurde 1991 in Salzburg geboren.<br />
Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift &Radieschen<br />
und der österreichischen Dialektzeitschrift „Morgenschtean.“<br />
2015 erschien ihr Debütroman „Wie Anatolij<br />
Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine<br />
Revolution auslöste“ im Verlag Wortreich. Von Juli bis<br />
September 2017 verbrachte sie ihre Zeit als Stadtschreiberin<br />
in Hausach (Deutschland).<br />
Hubert Flattinger, geboren 1960 in Innsbruck. Grafiker,<br />
Autor und Journalist. Lebt in Niederösterreich und vermittelt<br />
seine Erfahrungen im Bereich Kinder- und Jugendliteratur<br />
am Institut für Sozialpädagogik in Stams. Bücher<br />
(Auszug): „Der größte Fisch entwischt“ (2015), „Sommersprossen<br />
auf dem Asphalt“ (2016), „Als ich Lord Winter<br />
war“ (2017).<br />
Christine Frei ist Kommunikationsmanagerin und Autorin<br />
und lebt seit ihrem Studium der Germanistik und Geschichte<br />
in <strong>No</strong>rdtirol.<br />
Klaudia Grünfelder, 1995 in Brixen (Südtirol) geboren. Hat<br />
dort und in Salzburg im Buchhandel gearbeitet und ist seit<br />
2016 in der Wagner’schen tätig und für die Bereiche Fantasy<br />
und Young Adult zuständig.<br />
Susanne Gurschler, lebt als freie Journalistin und Autorin<br />
in Innsbruck. Zuletzt erschienen: „111 Orte in Tirol, die<br />
man gesehen haben muss“ und „111 Orte in Innsbruck,<br />
die man gesehen haben muss“ (beide Emons Verlag) sowie<br />
„Zeitblende Tirol. Defner Fotografien von 1925 bis heute“<br />
zusammen mit Thomas Defner (Tyrolia Verlag). Weitere<br />
Infos unter: www.susannegurschler.at<br />
Andreas Hauser erbte die Liebe zur Kriminalliteratur von<br />
seinem Vater, schrieb lang im Tiroler Magazin ECHO Beiträge<br />
zu Wissenschaft und Zeitgeschichte, Empfehlungen von<br />
Krimis, Thrillern und Literatur. Seit 2015 Mitarbeiter und<br />
CP-Redakteur der KULTIG Werbeagentur in Innsbruck.<br />
Johann Holzner, lange Jahre Univ.-Prof. am Institut für<br />
Germanistik der Uni Innsbruck. Von 2001–2013 war er<br />
Leiter des Brenner-Archivs. Lehrtätigkeit u. a. auch an den<br />
Unis von Wroclaw (PL), Salzburg, Santa Barbara (California),<br />
St. Petersburg, Jyväskylä und Maribor. Seit 2014 ist er<br />
Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer des<br />
Theodor-Fontane-Archivs Potsdam, seit 2016 Vorsitzender<br />
des Internationalen Trakl-Forums in Salzburg. Johann Holzner<br />
ist mit der Schriftstellerin Dragica Rajčić verheiratet.<br />
Isabel Karoline Hörmann, geb. 1979 in Innsbruck, als Texterin<br />
im Alpenresort Schwarz tätig. Lesehungrig, schreibverliebt,<br />
fasziniert von Wort und Sprache.<br />
Markus Köhle ist Sprachinstallateur, Literaturzeitschriftenaktivist<br />
und Papa Slam Österreichs. Zahlreiche Publikationen,<br />
zuletzt: „Jammern auf hohem Niveau““ (Sonderzahl).<br />
www.autohr.at<br />
Lena Kripahle, 1984 geboren und Buchhändlerin. Bereits<br />
seit der 1. Klasse süchtig nach Druckerschwärze und Hörbüchern.<br />
Seit <strong>No</strong>vember 2015 ist die Wagner’sche ihre neue<br />
Heimat.<br />
Romana Lautner, geboren 1975 in Bayreuth, studierte Germanistik,<br />
Literaturvermittlung und Politikwissenschaften<br />
in Bamberg und an der University of Edinburgh. Schon<br />
während des Studiums Einstieg in die Theaterwelt als Regieassistentin<br />
an der Studiobühne Bayreuth. Ihre Inszenierung<br />
der eigenen Dramatisierung von Michael Endes „Traumfresserchen“<br />
gewann 2000 den Preis der Kinderjury beim<br />
7. Bayerischen Kinder- und Jugendtheaterfestival. Danach<br />
wechselte sie zum Suhrkamp Theaterverlag. Seit der Saison<br />
2004/2005 ist sie Dramaturgin am Tiroler Landestheater in<br />
Innsbruck.<br />
Erich Ledersberger, seit ungefähr 20 Jahren in Innsbruck<br />
lebender Wiener. Ehemaliger Lehrer, permanenter Autor,<br />
nicht nur auf seiner Website www.kakanien.eu, sondern auch<br />
in Büchern. Zu finden in der Wagner’schen.<br />
Joachim Leitner, studierter Komparatist, ist seit 2012<br />
Kulturredakteur der Tiroler Tageszeitung - und macht<br />
gelegentlich Radio.<br />
Linda Müller, geboren 1988, Studium der Neueren deutschen<br />
Literaturwissenschaft in Innsbruck. Seit 2011 Lektorin im<br />
Haymon Verlag, seit 2017 verantwortet sie dort auch die<br />
inhaltliche Seite des Krimi-Schwerpunkts mit. Darüber<br />
hinaus ist sie Projektkoordinatorin des Krimifest Tirol.<br />
Klaus Nüchtern, geboren 1961 in Linz, lebt in Wien. Schreibt<br />
seit 1989 für den Falter, dessen Feuilleton er 25 Jahre lang<br />
geleitet hat; seine Kolumnen „Nüchtern betrachtet“ liegen<br />
gesammelt in 5 Bänden vor. Zuletzt erschien „Kontinent<br />
Doderer“ (Beck Verlag).<br />
Thomas Pupp, geboren 1962 in Innsbruck. Jusstudium. War<br />
Landesrat für Sport und Abgeordneter zum Tiroler Landtag.<br />
Ist Manager des Tirol Cycling Teams.<br />
Joe Rabl, geboren in Kufstein; Studium der Komparatistik<br />
und Germanistik in Innsbruck; arbeitet als freier Lektor;<br />
veranstaltet zusammen mit Birgit Holzner die Innsbrucker<br />
Wochenendgespräche.<br />
Markus Renk, seit 33 Jahren in der Buchbranche. Fachgruppen-Obmann<br />
der Buch- und Medienwirtschaft Tirol<br />
und seit Oktober 2015 neuer Chef der Wagner’schen.<br />
Robert Renk, Buchhändler und Kulturveranstalter. Gastdozent<br />
an der Uni Innsbruck. Sortimentsleiter in der<br />
Wagner’schen. Gibt das Wagner-Magazin heraus.<br />
Nina Rettenbacher brachte uns der Koch- und Gärtnerhimmel<br />
in die Wagner’sche. Erste Stadtgärtnerin und<br />
grandiose Köchin & Gastgeberin im 1. Stock.<br />
Andrea Scheiber, seit 1992 in der Wagner’schen Buchhandlung,<br />
liest natürlich gerne Kinderbücher und Krimis,<br />
liebt Backen und lange Spaziergänge.<br />
Bernd Schuchter, geboren 1977 in Innsbruck, studierte<br />
Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität<br />
Innsbruck. Autor und Verleger (Limbus Verlag). Zuletzt:<br />
„Gebrauchsanweisung für Tirol“ (Piper) und „Aufwachsen<br />
in Innsbruck“ (Wagner’sche).<br />
Evelyn Unterfrauner, Programmleiterin bei Tirol TV und<br />
Buchbloggerin im Netz und im TV. Sie schaffte es zwei Jahre<br />
in Folge auf die Shortlist des Buchblog Awards und betreibt<br />
den Blog Book Broker auf www.bookbroker.wordpress.com<br />
Susann Urban studierte Germanistik, Anglistik und Politikwissenschaft.<br />
Nach vielen Jahren im Buchhandel arbeitet<br />
sie heute als Lektorin und als freie Übersetzerin aus dem<br />
Englischen. Sie lebt in Stuttgart.<br />
Marlene Walder (Lena W.), geb. 1994. Seit 2013 in der Wagner’schen.<br />
Steckt hinter den Blind Dates und ist seit <strong>No</strong>vember<br />
2017 Abteilungsleiterin für Ratgeber und Kinderbuch.<br />
Anita Winkler hat in Innsbruck Germanistik studiert<br />
und ist seit 2008 für das Programm des Löwenzahn<br />
Verlags verantwortlich.<br />
Klaus Zeyringer, Habilitation in Graz; war Univ.-Prof.<br />
für Germanistik in Frankreich. Literaturkritiker u. a. für<br />
Der Standard, Jurymitglied der ORF-Bestenliste; Literaturmoderationen<br />
in Österreich, Deutschland, der Schweiz und<br />
Frankreich. Zuletzt: „Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte<br />
von 1896 bis heute. Bd. 2: Winter“ (2018).<br />
Bücher seit 1639<br />
63
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Museumstraße 4<br />
6020 Innsbruck<br />
T. +43 512 59505 0<br />
info@wagnersche.at<br />
www.wagnersche.at