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Wagnereinmalig No. 7

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Das Buchmagazin der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung — 10.2018<br />

Wagner<br />

eı˙nmalı˙g<br />

#<strong>No</strong>. 7


© Florian Schneider / Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />

Impressum<br />

Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:<br />

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,<br />

Museumstraße 4, 6020 Innsbruck<br />

info@wagnersche.at — www.wagnersche.at<br />

Redaktion: Robert Renk<br />

© der Textbeiträge bei den Autorinnen und Autoren<br />

Grafische Ausstattung: himmel. Studio für Design und Kommunikation<br />

Fotografie (so nicht anders angegeben): © Florian Schneider<br />

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />

© der Abbildungen bei den jeweiligen Rechteinhabern<br />

Titelbild: Literarischer Porträtbalken V, Acryl auf Holz (100×20),<br />

Christian „Yeti“ Beirer, christian.beirer@gmx.at<br />

Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten.<br />

© 10.2018 – alle Rechte vorbehalten<br />

2 Wagner’sche.


Bücher seit 1639<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Der Herbst präsentiert sich<br />

auch heuer wieder mit spannenden<br />

Neuerscheinungen,<br />

Jonas Jonasson bringt mit<br />

seiner Fortsetzung „Der<br />

Hundertjährige, der zurückkam,<br />

um die Welt zu retten“<br />

wohl einen neuerlichen<br />

Bestseller auf den Markt.<br />

Bernhard Aichner entführt<br />

uns ins Bösland, Michael<br />

Köhlmeier zeichnet in seinem<br />

Buch „Bruder und Schwester<br />

Lenobel“ ein grandioses Bild<br />

unserer Zeit. Autoren wie<br />

Alex Capus, Timur Vermes,<br />

Wolf Haas, oder Juli Zeh garantieren<br />

ebenfalls ein tolles<br />

Lesevergnügen. Aber auch bei<br />

den Ratgebern kristallisieren<br />

sich die Bestseller heraus.<br />

So erscheint eine Autobiografie<br />

von Michelle Obama,<br />

der Autor des Bestsellers<br />

„Der holistische Mensch“<br />

Johannes Huber, erfreut uns<br />

mit einem weiteren Buch.<br />

Wie immer bringt der Herbst<br />

auch wieder viele schöne<br />

Autorenbegegnungen in der<br />

Wagner’schen, eine Übersicht<br />

stellen wir Ihnen hier vor.<br />

Markus Renk (re.), Markus Hatzer<br />

3<br />

Inhalt<br />

6 Eine Buchhandlung mit Verlag<br />

Die Reihe „Erinnerungen an Innsbruck bringt drei weitere Titel<br />

12 Der literarische Herbst in Tirol<br />

Eine kurze Reise durch das Herbstprogramm mit Robert Renk<br />

14 Energiequellen für zu Hause<br />

Es wird geräuchert …<br />

16 Bernhard und Innsbruck<br />

Künstlergespräch mit Stefan Maurer und Prof. Dr. Wolfgang Hackl<br />

am 7. <strong>No</strong>vember 2018<br />

18 Diogenes – ein besonderer Verlag<br />

Im Gespräch: Verleger Philipp Keel und Autor Erich Hackl<br />

26 Literatur; aber lustig<br />

Lesungen mit Thomas Maurer und Thomas Stipsits –<br />

12. Oktober und 6. <strong>No</strong>vember 2018<br />

30 Literatur; aber tödlich<br />

Das Krimifest Tirol mit Bernhard Aichner macht wieder Halt –<br />

am 17. Oktober und 22. <strong>No</strong>vember 2018<br />

36 Schaufenstergalerie<br />

Christian „Yeti“ Beirer im Porträt<br />

38 Literatur zu Gast<br />

Lesungen mit Olivier Guez und Peter Henisch –<br />

am 16. Oktober und 19. <strong>No</strong>vember 2018<br />

40 Georgien – made by Characters<br />

Tipps zum Buchmessenschwerpunkt: Susanne Gurschler im Gespräch<br />

mit Übersetzerin Rachel Gratzfeld<br />

44 Mit den besten Empfehlungen<br />

46 3×7 Best aber Seller<br />

54 Grenzgänge:<br />

Felix Mitterer & Joachim Zelter<br />

Gespräch und Lesung in der neu eröffneten Stadtbibliothek<br />

57 Asterix auf Tirolerisch &<br />

der neue Kalender<br />

2 Produkte aus eigenem Anbau, die man haben MUSS<br />

60 Sensation: T. C. Boyle in IBK !<br />

Der weltberühmte Autor mit einer Weltpremiere – 12. Februar 2019


Service heißt,<br />

das ganze<br />

Geschäft mit<br />

den Augen<br />

des Kunden<br />

zu sehen.<br />

Markus Renk<br />

© Martin Vandory<br />

4<br />

Wagner’sche.


Wer aufhört, besser zu werden,<br />

hat aufgehört, gut zu sein.<br />

Guter Service dient allen: den Kunden,<br />

den Angestellten, dem Unternehmen<br />

Bücher seit 1639<br />

Nathan Pine hat einmal gesagt: „Es ist<br />

etwas Besonderes um Menschen, die am<br />

gedruckten Wort Interesse haben. Sie sind<br />

eine eigene Spezies: kundig, freundlich,<br />

wissbegierig – einfach menschlich.“ So erleben<br />

wir tagtäglich unsere Kunden! Daher<br />

haben wir uns weitere tolle Ideen einfallen<br />

lassen, um unseren Besucherinnen und<br />

Besuchern die Zeit in der Wagner’schen<br />

Buchhandlung weiter zu verschönern.<br />

Neben unserem beliebten Bistro im ersten<br />

Stock gibt es jetzt auch im Erdgeschoss<br />

die Möglichkeit, bei einer Kaffeebar in<br />

Ruhe die Kombination Buch und Kaffee zu<br />

genießen. Großzügige Sitzmöglichkeiten,<br />

eine reichliche Auswahl an Kaffee und<br />

sonstigen warmen Getränken, bis zum<br />

Chai tea Latte, laden zum Verweilen ein.<br />

So wird das schönste literarische Wohnzimmer<br />

Tirols, die Wagner’sche Buchhandlung,<br />

noch gemütlicher! Auch wird<br />

unser Angebot, die Buchhandlung exklusiv<br />

außerhalb der Öffnungszeiten zu nutzen,<br />

massiv ausgebaut, neben den „Langen<br />

Nächten – Buchgenuss nach Ladenschluss“,<br />

wo Sie mehr oder weniger in der Buchhandlung<br />

eingesperrt werden und exklusiv<br />

die Atmosphäre und das Buchangebot<br />

außerhalb der regulären Öffnungszeiten<br />

genießen können, werden wir dieses Konzept<br />

noch weiterentwickeln.<br />

Buchgenuss nach<br />

Ladenschluss Plus<br />

Das Paket „Buchgenuss nach Ladenschluss<br />

Plus“ bietet zusätzlich noch exklusive Buchempfehlungen<br />

unserer Buchhändlerinnen<br />

und Buchhändler: Sie verraten uns im Vorfeld<br />

Ihre Interessengebiete und unsere Fachkräfte<br />

stellen Ihnen eine Stunde passende<br />

Buchempfehlungen vor. Danach gehört<br />

die Buchhandlung wieder Ihnen alleine.<br />

Termine und nähere Informationen finden<br />

Sie unter: buchgenuss.wagnersche.at.<br />

5<br />

Buchhändler buchen<br />

Ist Ihnen das Buchsuchen oft etwas zu<br />

stressig, oder sind Sie mit der Auswahl<br />

in der Wagner’schen, mit rund 90.000<br />

lagernden Büchern, überfordert? Buchen<br />

Sie Ihren Buchhändler! Einfach Termin vereinbaren<br />

und eine Stunde exklusiv beraten<br />

werden. Haben Sie sich das immer schon<br />

gewünscht? In der Wagner’schen ist das<br />

möglich! Näheres unter:<br />

buchhaendlerbuchen.wagnersche.at<br />

Bücherabos<br />

Der Erfolg unserer Blind Dates – hier<br />

handelt es sich um Bücher, die wir zusätzlich<br />

schön verpacken und kurz besprechen;<br />

der Kunde weiß nicht, welches Buch er<br />

kauft – hat uns motiviert, dieses Angebot<br />

ebenfalls auszubauen. Jetzt neu gibt es die<br />

Möglichkeit, Bücherabos bei der Wagner’schen<br />

zu buchen. Sie verraten uns Ihre<br />

Interessengebiete und wir stellen Ihnen<br />

Monat für Monat die gewünschte Anzahl<br />

an Empfehlungen zusammen. Diese versenden<br />

wir kostenlos an Sie, bzw. liefern sie<br />

mit unserem kostenlosen Fahrrad-Lieferservice<br />

direkt zu Ihnen nach Hause. Natürlich<br />

mit „Gefällt-mir-Garantie“. Sollte<br />

Ihnen ein Buch nicht gefallen, nehmen wir<br />

dieses gerne zurück, auch wenn Sie schon<br />

angefangen haben, es zu lesen. Näheres<br />

unter: buecherabo.wagnersche.at<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Buchhandlung<br />

Bis 1916 hatte die Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />

einen eigenen<br />

Buchverlag. Schon bei der Übernahme<br />

der Wagner’schen war klar, dass man die<br />

Tradition des hauseigenen Verlags wieder<br />

aufleben lassen möchten. Beginnend mit<br />

dem alljährlich erscheinenden Innsbruck<br />

Kalender von DDr. Lukas Morscher<br />

„Innsbruck, wie es früher war“, haben die<br />

beiden Gesellschafter Markus Hatzer und<br />

Markus Renk gemeinsam begonnen, mit<br />

der Unterstützung des Haymon Verlags<br />

und des Universitätsverlags Wagner, Ideen<br />

für Buchprojekte zu sammeln. Inzwischen<br />

sind bereits 5 Bücher erschienen. Es freut<br />

uns sehr, dass die Reaktionen so positiv<br />

ausfallen. Der Titel „Kindheit in Pradl“ ist<br />

bereits in der dritten Auflage, „Kindheit<br />

in Hötting“ in der zweiten. Auch im<br />

Herbst erscheinen drei weitere Bände,<br />

mehr lesen Sie in dieser Ausgabe unseres<br />

Kundenmagazins.<br />

Schlernschriften<br />

Sie interessieren sich für die Tiroler<br />

Geschichte? Dann haben wir ein besonderes<br />

Angebot für Sie! Die Schlern-Schriften<br />

des Universitätsverlags Wagner sind die<br />

älteste bestehende Schriftenreihe Tirols.<br />

Ab sofort werden wir alle lieferbaren Bände<br />

dieser Serie auf Lager nehmen und ständig<br />

verfügbar haben. Tauchen Sie ein in die<br />

Geschichte unseres Landes.<br />

Asterix<br />

Eine Tirolensie der anderen Art war der<br />

1999 erschienene Asterix Band in Tiroler<br />

Mundart – Obelix und’s groasse Gschäft.<br />

Da diese Ausgabe, geschrieben von Felix<br />

Mitterer, schon viele Jahre nicht mehr<br />

verfügbar ist, haben wir das Heft nachproduziert.<br />

Ab 22. Oktober können Sie<br />

den Tiroler Asterix kaufen und das<br />

exklusiv in der Wagner’schen.<br />

Lesereisen<br />

Sie sind Fan der Ferrante Bücher? Dann<br />

haben wir genau das Richtige für Sie! Fahren<br />

Sie mit uns nach Neapel und begeben<br />

Sie sich auf die Spuren der Romanserie.<br />

Gemeinsam mit Lüftner Reisen und unserem<br />

Fremdenführer Ewald Strohmar-<br />

Mauler haben wir für Sie eine tolle Reise<br />

zusammengestellt, natürlich mit literarischen<br />

Höhepunkten. Alle Informationen<br />

finden Sie ebenfalls in diesem Magazin,<br />

oder unter ferrante.wagnersche.at<br />

Wenn Sie jetzt das Gefühl haben, da tut<br />

sich was in der Wagner’schen, können wir<br />

Ihnen versichern, das ist noch lange nicht<br />

alles! Was wir sonst noch alles für Sie vorbereitet<br />

haben, können Sie auf den nächsten<br />

Seiten finden!<br />

Viel Spaß beim Lesen!<br />

Ihr Markus Renk


Aus dem Verlag der Wagner’schen<br />

Von Markus Renk<br />

Wir alle sind Bücher mit<br />

tausenden von Seiten.<br />

Der Wagner’sche Buchverlag<br />

hat es sich zur Aufgabe gemacht,<br />

möglichst viele davon in<br />

gedruckter Form festzuhalten.<br />

Bereits fünf Bände sind in<br />

unserer Serie „Erinnerungen an<br />

Innsbruck“ erschienen. Mit den<br />

Büchern von Josef Wallinger:<br />

„Kindheit in Pradl“, Hubert<br />

Flattinger: „Kindheit in Hötting“,<br />

Gernot Zimmermann:<br />

„Eine Million Kilometer durch<br />

Innsbruck“, Ewald Strohmar-Mauler:<br />

„Wahre Kriminalgeschichten<br />

aus Innsbruck“ und<br />

Markus Koschuh: „Olympisches<br />

Dorf“ hat sich unsere Serie<br />

„Erinnerungen an Innsbruck“<br />

erfreulich am Markt behaupten<br />

können. Grund genug für uns, im<br />

Herbst weitere Bände herauszubringen.<br />

Es freut uns, dass wir<br />

dafür auch den erfolgreichen<br />

Autor Bernd Schuchter gewinnen<br />

konnten.<br />

Erinnerungen<br />

an Innsbruck<br />

Bernd Schuchter über das Innsbruck<br />

der 1980er-Jahre<br />

Bernd Schuchter wurde 1977 in Inns -<br />

bruck geboren und ist neben seiner<br />

schriftstellerischen Tätigkeit<br />

als Verleger des Limbus Verlags<br />

(www.limbusverlag.at) aktiv. Zuletzt<br />

erschienen die Romane „Link<br />

und Lerke“ (2013) und „Föhntage“<br />

(2014), der literarische Reiseführer<br />

„Innsbruck abseits der Pfade“ (2015),<br />

die historischen Essays „Jacques<br />

Callot und die Erfindung des Individuums“<br />

(2016) und „Herr Maschine<br />

oder vom wunderlichen Leben und<br />

Sterben des Julien Offray de La Mettrie“<br />

(2018) sowie die „Gebrauchsanweisung<br />

für Tirol“ (2017). In seinem<br />

neuesten Buch entführt er uns in seine<br />

Kindheit und bringt uns das Innsbruck<br />

der Achtziger Jahre näher.<br />

Hötting, Wilten, dem Saggen oder<br />

Pradl. Das Herz der Stadt gehört all<br />

jenen, die es flanierend erkunden.<br />

Bernd Schuchter unternimmt in<br />

„Aufwachsen in Innsbruck“ auch<br />

einen Gang in die Vergangenheit, in<br />

ein altes Innsbruck mit seinen verschwundenen<br />

Geschäften und Plätzen,<br />

erinnert an berühmte Jugendhäuser<br />

oder Sozialprojekte, erzählt<br />

von Hausbesetzungen und dem naiven<br />

Zugang zur Welt in vordigitalen<br />

Zeiten – und besucht Orte, die sich erhalten<br />

haben und ihren Teil zum Gedächtnis<br />

der Stadt beitragen.<br />

© Peter Gründhammer<br />

„Langsam durch belebte Straßen<br />

zu gehen, ist ein besonderes Vergnügen.<br />

Man wird überspült von der Eile<br />

der andern, es ist ein Bad in der<br />

Brandung.“ – Franz Hessel<br />

Franz Hessel mit Spazieren in Berlin<br />

steht ebenso Pate wie Walter Benjamin<br />

mit Stadt des Flaneurs, wenn<br />

Bernd Schuchter über sein „Aufwachsen<br />

in Innsbruck“ nachdenkt.<br />

Wie kaum eine andere Stadt ist<br />

Innsbruck ein Refugium des Spaziergängers,<br />

dem Flanieren zur Kunst<br />

wird. So sehr sich Innsbruck in den<br />

letzten Jahrzehnten auch verändert<br />

hat, die Altstadt mit ihren Gassen,<br />

Läden und versteckten Orten hat sich<br />

wenig verändert – vor allem nehmen<br />

alle Innsbrucker an ihr Anteil,<br />

kommen sie auch ursprünglich aus<br />

Buchtipp:<br />

Bernd Schuchter:<br />

Aufwachsen in Innsbruck<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Universitätsbuchhandlung,<br />

128 S., € 9,95<br />

6<br />

Wagner’sche.


Universitätsbuchhandlung :<br />

Reichenauer<br />

Rattler<br />

Gernot Zimmermann über die Reichenau<br />

zur Zeit der „heimlichen Bürgermeister“<br />

Lesung:<br />

Bücher seit 1639<br />

Gernot Zimmermann ist 1962 geboren<br />

und hat die wichtigsten Kinder- und<br />

Jugendjahre in der Reichenau verbracht.<br />

In seinen Erinnerungen erzählt Zimmermann<br />

von einer Reichenau, die es in dieser<br />

Form heute nicht mehr gibt. In zahlreichen<br />

humorigen Anekdoten führt uns der Autor<br />

in eine Zeit zurück, in der es im Osten<br />

Innsbrucks noch heimliche Bürgermeister<br />

gegeben hat, die ganze Siedlungen<br />

regiert haben, und wo an allen Ecken und<br />

Enden ununterbrochen neue Hochhäuser<br />

und Wohnblocks hochgezogen worden<br />

sind. Er nimmt den Leser mit zum<br />

Schwarzfischen an den „Sillspitz“, zeigt<br />

7<br />

Buchtipp:<br />

Gernot Zimmermann:<br />

Ich war ein Reichenauer Rattler<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Universitätsbuchhandlung,<br />

176 S., € 9,95<br />

ihm den jungen Baggersee in der<br />

beinahe unbebauten Rossau und erzählt<br />

von seinen teilweise ziemlich heftigen<br />

Jugendstreichen.<br />

Zimmermann nennt sich in seinem<br />

Buch selber einen „Reichenauer Rattler“,<br />

wohl wissend, dass dieser Begriff ein sehr<br />

umstrittener ist. Aber für den Autor war<br />

ein Rattler nichts anderes als ein Kind der<br />

Straße, das den ganzen Tag ohne Aufsicht<br />

in der Gegend herumgestreunt ist. Ein Rattler<br />

war wild, rabaukenhaft, frech, wagemutig<br />

und immer neugierig. Ein richtiger<br />

Rattler konnte jederzeit vulgär werden, er<br />

hat stets die wildesten Ausdrücke verwendet,<br />

ist Auseinandersetzungen nur ungern<br />

aus dem Weg gegangen und fürchtete<br />

auch das Watschenduell nicht. Aber – in<br />

Zimmermanns Welt waren Rattler keineswegs<br />

Kriminelle, sie sind nicht straffällig<br />

geworden – sie waren sozusagen ehrliche<br />

Gauner. Auch wenn man für einen gewonnenen<br />

Raufhandel keine Auszeichnung<br />

bekommen wird. Als Reichenauer Rattler<br />

schon gar nicht.<br />

In seinem Buch lässt Gernot Zimmermann<br />

mehrere Personen zu Wort<br />

kommen, die ebenfalls in der Reichenau<br />

groß geworden sind. Darunter die berühmten<br />

Kampfsport-Zwillinge Charly<br />

und Peter Weinold oder Bertl Morajer,<br />

dessen Großeltern zu den allerersten<br />

Siedlern in der Reichenau gehörten.<br />

Gemeinsam zeichnen sie ein vielfältiges<br />

und lebendiges Bild der Reichenau, vom<br />

Anfang des 20. Jahrhunderts bis hinein<br />

in die 1980er Jahre. Und so vermittelt das<br />

Buch einen guten Eindruck darüber, was es<br />

bedeutet, ein Reichenauer zu sein und wie<br />

es war, in diesem Stadtteil von Innsbruck<br />

aufzuwachsen.<br />

© Andreas Friedle<br />

Ich war ein<br />

Reichenauer Rattler<br />

mit Gernot Zimmermann<br />

Mi., 14. <strong>No</strong>vember 2018,<br />

19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Eintritt frei!<br />

Moderation:<br />

Markus Renk


Zwischen Zeitgeist und<br />

Heiligem Geist<br />

Martin Kolozs bringt erstmals alle Innsbrucker Bischöfe<br />

in einem Buch zusammen. Ein Gespräch mit Markus Renk<br />

Wie sehr haben sich die Aufgaben<br />

des Innsbrucker Bischofs im Laufe<br />

der Jahrzehnte verändert?<br />

Weniger haben sich die Aufgaben verändert<br />

als die Wirkweise bzw. Wirkmöglichkeiten<br />

der Bischöfe in einer<br />

fortschreitend säkularen Welt. Dementsprechend<br />

werden heute im Vergleich<br />

zu damals die Schwerpunkte in der<br />

Kirche, ihrer Lehre und Glaubensvermittlung<br />

quasi von außen gesetzt. Eine<br />

Herausforderung aller Bischöfe ist somit<br />

geworden, den Abstand zwischen kirchlichem<br />

und gesellschaftlichem Leben<br />

zu schließen oder wenigstens zu überbrücken,<br />

wenn etwa eine völlige Angleichung<br />

von Zeitgeist und Heiligem<br />

Geist nicht möglich ist.<br />

ErinnE rungE n an Innsbruck<br />

Martin Kolozs<br />

Die Bischöfe<br />

von Innsbruck<br />

Paulus Rusch | Reinhold Stecher<br />

Alois Kothgasser | Manfred Scheuer<br />

Hermann Glettler<br />

Buchtipp:<br />

Martin Kolozs:<br />

Die Bischöfe von Innsbruck<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Universitätsbuchhandlung,<br />

152 S., € 9,95<br />

Buchpräsentation:<br />

mit Martin Kolozs<br />

Di., 30. Oktober um 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Eintritt frei! – Es haben sich u.a.<br />

angesagt: Bischof Kothgasser<br />

und Bischof Glettler<br />

Es ist das erste Buch, das alle<br />

Bischöfe von Innsbruck in einem<br />

Band vereint, wie bist du die Sache<br />

angegangen?<br />

Ich wollte trotz der notwendigen Kürze<br />

der einzelnen Kapitel ein jeweils vollständiges<br />

und authentisches Porträt der<br />

fünf Exzellenzen geben. Darum habe ich<br />

mich zu Beginn meiner Arbeit dazu entschlossen,<br />

neben den Quellen wie Bücher<br />

und Zeitungsartikel auch Interviews mit<br />

Alois Kothgasser, Manfred Scheuer sowie<br />

dem amtierenden Bischof Hermann Glettler<br />

zu führen, um mir zum angelesenen<br />

Wissen noch einen persönlichen Eindruck<br />

von der „Person des Bischofs“ zu machen.<br />

Dabei ist mir aufgefallen, dass dieser<br />

Aspekt in der öffentlichen Darstellung oft<br />

übersehen oder bewusst ignoriert wird,<br />

was natürlich ein verzerrtes Bild von einem<br />

Menschen und seinen Bemühungen gibt.<br />

Diesen Fehler wollte ich nicht machen,<br />

daher die Gespräche.<br />

© privat<br />

Jeder Bischof hat eine andere<br />

Herangehensweise, wie er das Amt<br />

ausfüllt, was sind die markanten<br />

Unterschiede?<br />

Bischöfe sind auch nur Menschen, das<br />

wird im Hinblick auf Amt und allfälliger<br />

Machtfülle immer wieder leicht vergessen.<br />

Wie bei jedem anderen haben auch die<br />

Bischöfe von Innsbruck ihren familiären,<br />

spirituellen usw. Hintergrund, der sie<br />

persönlich geprägt und ihr Wirken in der<br />

Diözese gelenkt hat bzw. es noch tut. Um<br />

Genaueres zu erfahren, sollte man aber<br />

mein Buch lesen, da etliche Unterschiede<br />

tatsächlich bestehen und etwa für Beliebtheit<br />

und Erinnerung ausschlaggebend sind.<br />

Wie hast du die persönlichen<br />

Gespräche empfunden?<br />

In allen Fällen war es ein herzliches und<br />

offenes Zusammentreffen. Mich hat<br />

vor allem das Vertrauen geehrt, das mir<br />

von den Bischöfen entgegengebracht wurde;<br />

keiner hat sich vor mir „versteckt“ oder<br />

eine Maske getragen. Das hilft ungemein,<br />

wenn man eine gute Biographie schreiben<br />

möchte.<br />

8<br />

Wagner’sche.


Valentinstag<br />

in der Wagner’schen<br />

Liebesgeschichten stehen in<br />

vielen Büchern, aber eine der<br />

schönsten schreibt das Leben selber. –<br />

Der Ort dieser Geschichte:<br />

Die Meierei in der Wagner’schen<br />

Buchhandlung in Innsbruck am<br />

romatischsten Tag des Jahres.<br />

© Thomas Schrott<br />

Bücher seit 1639<br />

9<br />

Hier das Rezept des weltbesten<br />

Schoko-Schokoladekuchens nach<br />

Brownie-Art – zum Verlieben!<br />

Für die Schokomasse:<br />

Langsam schmelzen (nicht heiß!!):<br />

250 g Butter<br />

1 Prise Salz<br />

3 EL neutrales Öl<br />

1 EL Kakao<br />

200 g Bitterkuvertüre<br />

Für die Eiermasse:<br />

Cremig aufschlagen:<br />

3 Eier<br />

100 g brauner Zucker<br />

80 g Zucker<br />

200 g weiße Kuvertüre grob hacken<br />

240 g glutenfreies Universalmehl abwiegen<br />

Schokomasse kurz in Eiermasse einarbeiten, gehackte Schokolade<br />

dazu und Mehl beimengen. Ganz kurz aufschlagen.<br />

Bei 165 Grad Heißluft 25 Minuten backen.<br />

Deine Nina<br />

Buchtipp:<br />

Lisl Wagner-Bacher:<br />

Meine österreichische Küche<br />

Brandstätter Verlag,<br />

272 S., € 35,–<br />

Veranstaltung:<br />

Ein verzauberter<br />

Abend mit einem<br />

wunderbaren<br />

6-Gänge-Menü<br />

Mit viel Liebe kreiert. Dazu<br />

hervorragender Wein, Kerzenlicht,<br />

Rosen und leise Jazz-<br />

Musik … all das verspricht<br />

unvergessliche Stunden und<br />

vielleicht eine wunderschöne<br />

Liebesgeschichte.<br />

Valentinstag, 14.2.2019<br />

ab 18:30 Uhr<br />

Reservierungen ab Jänner 2019:<br />

meierei.wagnersche@gmail.com<br />

Die Meierei in der<br />

Wagner’schen Buchhandlung


Wir glauben wetter unabhängig<br />

an gute Gestaltung sowie die Schönheit<br />

im Allgemeinen.<br />

himmel. Studio für Design und Kommunikation<br />

www.himmel.co.at


In den Kräutern liegt die Kraft !<br />

Natürliche, aromatische Kraftlackl …<br />

von Anita Winkler<br />

Wenig Kohlenhydrate, kein Zucker, nur<br />

natürliche Zutaten – das ist die gesunde<br />

Wohlfühlküche von Lisa Hauser!<br />

Die Verbindung von altem Wissen und modernen<br />

Ernährungskonzepten macht Lisa<br />

Hausers Kochphilosophie so besonders. Sie<br />

bringt Schwung in unsere Essgewohnheiten,<br />

indem sie durch den bewussten Einsatz von<br />

Kräutern und Gewürzen für eine Extraportion<br />

an gesunder Energie sorgt, und als<br />

wunderbarer Nebeneffekt werden gleichzeitig<br />

unsere Geschmacksknospen gekitzelt!<br />

Es verwundert also nicht, dass die<br />

Kochworkshops der erfolgreichen Tiroler<br />

Ernährungstrainerin meist in kürzester Zeit<br />

ausgebucht sind. Für alle, die neugierig darauf<br />

sind, die Grundzüge der Low-Carb-Ernährung<br />

kennenzulernen und etwas über<br />

die spannenden Inhaltsstoffe heimischer<br />

Kräuter und exotischer Gewürze zu<br />

erfahren, ist der 12. Oktober ein Pflichttermin.<br />

Es erwartet Sie ein interessanter<br />

Workshop rund um die gesunde Ernährung,<br />

Sie werden motiviert, neue Rezepte und<br />

Zutaten auszuprobieren, und Sie werden<br />

erstaunt sein, wie viele Energiespender<br />

direkt vor unserer Haustüre wachsen und<br />

wie einfach Sie damit Ihren Speiseplan mit<br />

wirkungsvollen Inhaltsstoffen aufpeppen<br />

können. Kräuter sind nämlich viel zu kostbar,<br />

um nur als Dekoration auf unseren<br />

Tellern zu landen. Warum also auf die positiven<br />

Effekte verzichten, die wir ohne viel<br />

Aufwand für unser Wohlbefinden nutzen<br />

können? Als Immunstärker, Abnehmhilfe<br />

oder Seelentröster sind die aromatischen<br />

Stars unschlagbar.<br />

Und weil Probieren über Studieren<br />

geht, gibt es selbstverständlich auch etwas<br />

Schmackhaftes zum Verkosten!<br />

© Nadja Hudovernik<br />

Bücher seit 1639<br />

11<br />

Lisa Hauser (BSc.) sprüht vor Leidenschaft<br />

und Tatendrang für das, was sie tut, und macht<br />

ihre Ernährungsphilosophie mit ihren Ernährungstrainings,<br />

Kochworkshops und Blogbeiträgen<br />

zugänglich und schmackhaft. Die Autorin ist<br />

selbständige Ernährungstrainerin, führt eine Kochschule<br />

und bloggt über Low-Carb, Ernährung,<br />

Restaurants und Reisen auf www.kochmitherz.com.<br />

Buchtipp:<br />

Lisa Hauser:<br />

Gesunde Wohlfühlküche.<br />

Kochen mit der Kraft der<br />

Kräuter und Gewürze<br />

Löwenzahn Verlag,<br />

144 S., € 19,90<br />

Workshop:<br />

Gesunde Wohlfühlküche<br />

mit Lisa Hauser<br />

Fr., 12. Oktober 2018, 14 – 16 Uhr<br />

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />

Teilnahmegebühr: € 28,– inkl. Buch.<br />

Anmeldung unter: innsbruck@vhs-tirol.at,<br />

T. +43 512 58 88 82-0 oder unter<br />

www.vhs-tirol.at


Tiroler Literatur im Herbst 2018<br />

Böse und lyrisch …<br />

Wenn der Herbst beginnt, laufen die<br />

Druckerpressen auf Hochtouren. Fast<br />

täglich trudeln Neuerscheinungen ein und<br />

alles steuert auf die zwei Highlights der<br />

Branche zu: Frankfurter Buchmesse und<br />

Weihnachten. Ohne Weihnachtsgeschäft<br />

wäre wohl die Hälfte der Buchhandlungen<br />

schon zu. Die herbstlichen Vorboten sind<br />

längst in der Öffentlichkeit angekommen,<br />

Shortlisten div. Buchpreise veröffentlicht,<br />

Herbsttitel in der Presse besprochen. Doch<br />

wo findet sich die Tiroler Literatur? Kein<br />

neuer Hotschnig, keine neuen Bücher von<br />

Barbara Hundegger, Markus Köhle oder<br />

Judith W. Taschler. Und noch immer kein<br />

Debüt von Martin Fritz.<br />

Klar, manche wie <strong>No</strong>rbert Gstrein, Felix<br />

Mitterer, Hans Platzgumer oder Angelika<br />

Rainer haben im Frühjahr gut vorgelegt.<br />

Eine besondere Überraschung war das<br />

Debüt von Niko Hofinger, in „Maneks Listen“<br />

(Limbus) beschreibt der Historiker die<br />

skurrile Geschichte des 1987 verstorbenen<br />

Präsidenten der Innsbrucker Kultusgemeinde,<br />

Ernst Beschinsky. Plötzlich gibt<br />

es ihn zweimal. Und schon brodelt die Gerüchteküche.<br />

Die Lösung dieses geschichtsbedingten<br />

Rätsels ist so irreal wie das Leben<br />

selbst. Unbedingt lesen!<br />

© 8ung Kulutr Robert Renk mit Markus Köhle<br />

Aber der Herbst? Letztes Jahr fand sich<br />

mit Robert Prosser noch ein Tiroler auf der<br />

Liste zum Deutschen Buchpreis. Heuer ist<br />

kein einziger Österreicher darauf zu finden.<br />

Ok, Herbst heißt seit letztem Jahr Krimi.<br />

Dort wird alles überstrahlt von Bösland<br />

(btb). Ein Interview mit Bernhard Aichner<br />

gibt’s auf S. 30/31. Joe Fischler schickt<br />

noch die coolste Ermittlerin Tirols in eine<br />

Kuppelshow („Veilchens Show“ –<br />

Haymon), dann ist aber auch hier<br />

Schluss mit lustig.<br />

Alles kein Grund, um in literarische<br />

Herbstdepressionen zu verfallen, viel<br />

mehr gilt es die Fühler auszustrecken.<br />

Zu entdecken gibt es allerhand, allein<br />

beim Namen Jäger klingelt’s gleich 2 ×.<br />

Gerhard Jäger steht mit seinem Roman<br />

„All die Nacht über uns“ (Picus) als einziger<br />

Tiroler noch auf der Shortlist des<br />

Österreichischen Buchpreises. Ein Roman<br />

über Schuld und Verlust, Flucht und<br />

Heimat, die Liebe und ihre Vergänglichkeit<br />

– dicht komponiert und packend erzählt.<br />

Ein Soldat allein auf dem Wachturm.<br />

Er bewacht die Grenze, egal ob es regnet,<br />

stürmt oder schiere Verzweiflung ob dieser<br />

ausweglosen Situation einsetzt. Der Soldat<br />

kennt beide Seiten, hat zwei Familien, die<br />

beide ihre Verluste verarbeiten. Er, der die<br />

Grenze vor Flüchtlingen bewachen muss,<br />

kommt selbst aus einer Flüchtlingsfamilie!<br />

Das kann & soll auch als literarischer<br />

Beitrag zur Flüchtlingsdebatte gelesen<br />

werden. Jäger meint dazu in einem Interview:<br />

„In unserem Bewusstsein soll der<br />

Gedanke verankert werden, dass die Flucht<br />

so alt ist wie die Menschheit selbst und<br />

jeder von uns jederzeit selbst zum Flüchtling<br />

werden kann.“ Am Ende soll sich das<br />

Publikum selbst, ohne Hass und Häme,<br />

mit Fragen der Migration beschäftigen,<br />

hofft Jäger, der das ganze noch mit einer<br />

Buchtipps:<br />

<strong>No</strong>rbert C. Kaser:<br />

meine floete trinkt musik<br />

Mandelbaum Verlag,<br />

32 S., (m. 1 Audio-CD)<br />

€ 24,90<br />

Hans Augustin:<br />

Don Livio oder die Vertreibung<br />

aus dem Paradies<br />

Ed. Laurin Verlag,<br />

288 S., € 21,90<br />

Gerhard Jäger:<br />

All die Nacht über uns<br />

Picus Verlag, 240 S., € 22,–<br />

Sabine Gruber:<br />

Am Abgrund und im<br />

Himmel zuhause. Gedichte<br />

Haymon Verlag, 28 S., € 18,–


Liebesgeschichte garniert. Ein gelungenes<br />

Experiment.<br />

Markus Jäger verschreibt sich in seinem<br />

historischen Roman „Helden für immer“<br />

(Querverlag) auch einem doppelten Kampf.<br />

Die Voraussetzungen sind per se nicht rosig,<br />

wird man als junger Mann in die Zeit des<br />

aufkommenden Nationalsozialismus hineingeboren!<br />

Dann aber 1936 am Heldenplatz<br />

die Liebe seines Lebens kennen zu lernen,<br />

die Kilian heißt, macht es nicht leichter.<br />

Ist es unter diesen Umständen möglich,<br />

ein freies und offenes schwules Leben zu<br />

führen? Eine Mut machende Beziehungsgeschichte,<br />

die zeigt, wie man gestärkt aus<br />

einem historisch-gesellschaftlichen Windkanal<br />

kommt, der gleich von zwei Seiten<br />

bläst.<br />

Ein wunderbarer Roman ist Hans<br />

Augustin gelungen. „Don Livio oder die<br />

Vertreibung aus dem Paradies“ (laurin)<br />

ist eine fein gezeichnete Geschichte über<br />

ein italienisches Dorf, dessen Einwohner<br />

und ihrem Pfarrer Don Livio. Ein bisschen<br />

Don Camillo, ein bisschen Köhlmeier und<br />

das allein wäre schon lesenswert. Dazu<br />

kommt aber noch der Augustin-Ton, der<br />

ein geschult lyrischer ist. Dem das Schwere<br />

leicht von der Hand geht und der es schafft,<br />

Tiefenschärfe mit eleganter Ernsthaftigkeit<br />

zwischen feinen – sprachlichen wie menschelnden<br />

– Pointen zu platzieren.<br />

Bernd Schuchter wird erneut zum Chronisten:<br />

„Der Braumüller Verlag – 235 Jahre<br />

– eine Verlagschronik“. Schuchter legt es<br />

wieder als sprachlichen souveränen Spaziergang<br />

an, quer durch Zeiten und viele – teils<br />

vergessene – Bücher. Wir begegnen dem<br />

Gründer Johann Ritter von Mösle, der am<br />

Vorabend der französischen Revolution in<br />

Wien um eine Konzession für ein Verlagsund<br />

Sortimentsgeschäft ansucht, oder dem<br />

„Untergang des Abendlands“ von Oswald<br />

Spengler.<br />

Die Wiederauflage von Hubert Flattingers<br />

„Liftboy“ (Aravaipa) muss erwähnt<br />

werden. Die Geschichte um Claudia, die<br />

eigentlich lieber ein Junge wäre, denn Boys<br />

haben’s einfach leichter. Leichten Tons<br />

führt uns Wortverführer Flattinger in dieser<br />

schön gemachten Neuauflage durch Claudias<br />

Welt, die da heißt: Außerfern in den<br />

70ern, mehr braucht’s nicht. Ansonsten ist<br />

der Herbst lyrisch angehaucht!<br />

Wer jetzt kein Buch hat,<br />

liest lang keines mehr.<br />

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben.<br />

Kann weder lesen noch lange Briefe schreiben<br />

und wird in den Alleen hin und her<br />

unruhig wandern, wenn die Blätter treiben*<br />

Von Christoph W. Bauer gibt es eine<br />

wunderfeine CD zu vermelden. Dafür<br />

haben er und der Musiker Oliver Welter<br />

24 Jonke-Gedichte eingelesen und vertont.<br />

Ein äußerst gelungenes Zusammentreffen,<br />

das mir vor allem durch seine unaufgeregte<br />

Selbstverständlichkeit imponiert. Die setzt<br />

Einfühlungsvermögen, Respekt und Können<br />

voraus. Von allem ist bei den beiden<br />

mehr als genug vorhanden!<br />

Robert Prosser tritt als Herausgeber in<br />

Erscheinung. In „wo warn wir? ach ja:“<br />

(Limbus, gm. mit C. Szalay) kann man<br />

einige Tiroler LyrikerInnen entdecken, u.a.<br />

die junge Siljarosa Schletterer!<br />

Überhaupt hält der Limbus Verlag<br />

die Fahnen der Lyrik hoch. Eine hervorragend<br />

editierte Lyrikreihe (Hrsg. Erwin<br />

Uhrmann) bringt Autorinnen wie Isabella<br />

Feimer, Cornelia Travnicek oder – aktuell<br />

– die junge Daniela Chana, die uns mit<br />

ihrem Gedichtband „Sagt die Dame“ das<br />

Magische des Alltags vorführt.<br />

Außerhalb dieser Reihe, als Nebenprodukt,<br />

ist noch ein Gedichtbüchlein des<br />

in Zürich lebenden Tirolers Heinz Heisl<br />

erschienen.<br />

Große Lyrik erleben wir hingegen wieder<br />

bei Sabine Gruber. „Am Abgrund und im<br />

Himmel zuhause“ (Haymon) ist eines ihrer<br />

persönlichsten Werke. Hat man nur ein<br />

Gedicht daraus gehört, überkommt einen<br />

ein fröstelndes Gefühl, das zeitgleich in<br />

freudiges Erstaunen versetzt!<br />

Der gewitzte Peter Giacomuzzi<br />

geigt auch wieder groß auf. „trampino –<br />

61 fake poems in fake language“ ist eine<br />

hochpolitische Sprach- und Politikverwurschtung.<br />

Hallo donald<br />

Hau ar iu<br />

Ai em peter<br />

Wer bist du<br />

Giw mi pies<br />

Ai giw iu pauer<br />

Scheik iur locke<br />

Lets häw a schauer.**<br />

Somit landet eine präsidiale Figur, die wie<br />

kaum eine andere die Bücher unserer Zeit<br />

bevölkert, auch in der Tiroler Literatur.<br />

Slamig ist die erste Veröffentlichung<br />

von Rebecca Heinrich. Die junge Eminenz<br />

des Haller Poetry Slams schreibt „aus gegebenem<br />

anlass“. Das ist schon um € 9,90<br />

zu haben, am besten gleich bei ihr bestellen<br />

(auskunft@rebecca-heinrich.com).<br />

Ja, der Herbst ist die Zeit der Lyrik. Wer<br />

jetzt kein Buch hat, kauft sich keines mehr.<br />

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben …<br />

Und wer ist schon gerne alleine, so ganz<br />

ohne Gesellschaft zumindest eines Buches?<br />

Süffig ist allemal die Gesellschaft von<br />

<strong>No</strong>rbert C. Kaser. Bei Haymon erschien<br />

„hier bin ich niemand d.h. ich – Briefe aus<br />

Stord“ (Hrsg. Ralf Höller).<br />

Und ein tolles „Klangbuch“ legt der<br />

Mandelbaum Verlag vor. „meine floete<br />

trinkt musik“ heißt das Wunderding, auf<br />

dem Otto Lechner und Peter Rosmanith zu<br />

hören sind. Großartig eingelesen und in die<br />

Musik eingebettet werden die Kasertexte<br />

von Tobias Moretti.<br />

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;<br />

gib ihnen noch zwei südlichere Tage,<br />

dränge sie zur Vollendung hin, und jage<br />

die letzte Süße in den schweren Wein.***<br />

Ein feines Glas Wein und ein gutes Buch –<br />

oder auch zwei.<br />

Ja, der Herbst kann kommen!<br />

Ihr Robert Renk<br />

* Robert Renk frei nach Rilke „Herbsttag“<br />

** Peter Giacomuzzi „trampino –<br />

61 fake poems in fake language“ (KDP)<br />

*** Auszug aus Rilke „Herbsttag“<br />

Markus Jäger:<br />

Helden für immer<br />

Querverlag Berlin,<br />

288 S., € 18,–<br />

Hubert Flattinger:<br />

LIFTBOY<br />

ARAVAIPA Verlag,<br />

180 S., € 15,40<br />

Prosser/Szalay, (Hrsg.):<br />

wo warn wir?<br />

ach ja: Junge österreichische<br />

Gegenwartslyrik<br />

Limbus Verlag, 180 S., € 18,–<br />

Christoph W. Bauer &<br />

Oliver Welter: Jonke<br />

CD, Freundeskreis Gert Jonke<br />

€ 15,–


Natur – Ritual, Spiritualität<br />

und Heilkraft<br />

Persönliche Energiequellen für zu Hause.<br />

Von Marlene Walder<br />

21 Bäumen, denen Charakterzüge und<br />

Stärken zugesprochen werden. Kennen Sie<br />

Ihren Lebensbaum?<br />

Räuchern – das älteste Ritual<br />

der Menschheitsgeschichte<br />

Immer mehr Menschen sehnen sich in<br />

dieser lauten und hektischen Zeit nach<br />

Stille, Harmonie und Ausgeglichenheit.<br />

Man möchte innere Stabilität und ein Zentrum<br />

der Ruhe finden. Persönliche Energiequellen<br />

erkennen und bei Bedarf darauf<br />

zugreifen. Die eigenen Wurzeln (wieder)<br />

entdecken und stärken. Achtsamer mit sich<br />

selbst und der Natur umgehen.<br />

Bereits im Herbst 2017 haben wir die<br />

Abteilungen Esoterik und Lebenshilfe<br />

großzügig ausgebaut. Doch das stetige<br />

Interesse an diversen esoterischen Themen,<br />

wie Achtsamkeit, Sinnfindung und alternativen<br />

Heilungsmethoden, haben uns<br />

dazu veranlasst, die Abteilung nochmals<br />

zu erweitern. Neben Klangschalen, Musik<br />

CDs und fertigen Räucherungen haben<br />

wir nun auch Produkte von Aura Soma,<br />

energetische Wasserstäbe und Baum-Handschmeichler<br />

vorrätig. Das Herzstück bildet<br />

die tiefe und breitgefächerte Buchauswahl<br />

zu Themen wie Energiearbeit, Heilen,<br />

Bewusstsein, Schamanismus und Magie.<br />

Zudem haben wir unser Räuchersortiment<br />

mit reinen Harzen, Kräutern und Hölzern<br />

ergänzt. Mit Drachenblut und Kampfer,<br />

Styrax und Palo Santo und dem notwendigen<br />

Räucherzubehör haben wir alles<br />

vorrätig, was man zum Räuchern und für<br />

Rituale benötigt.<br />

Sind Sie heute schon<br />

im Wald baden gewesen<br />

und haben Ihren<br />

Lebensbaum umarmt?<br />

Ein Trendthema, welches sich schon seit<br />

einiger Zeit auf dem Buchmarkt erkennen<br />

lässt, ist das sogenannte Shinrin Yoku, bei<br />

uns bekannt als „Waldbaden“. In Japan<br />

zählt es längst zur ganzheitlichen Gesundheitsvorsorge,<br />

in den Wald zu gehen und<br />

diesen auf intensive Art und Weise zu<br />

erleben. Zahlreiche Untersuchungen zeigen,<br />

dass dabei der Blutdruck sinkt und Stresshormone<br />

reduziert werden. Das hat unter<br />

anderem mit dem sogenannten Waldinnenklima<br />

zu tun: Die Kronen der Bäume halten<br />

die Sonnenstrahlen ab und die Bäume<br />

verdunsten Wasser. Das führt zu einer<br />

kühleren Temperatur und zu einer höheren<br />

Luftfeuchtigkeit. Nebenbei werden Sauerstoff<br />

und ätherische Öle produziert. Zudem<br />

haben Bäume noch eine ganz besondere<br />

Auswirkung auf Menschen: sie inspirieren.<br />

Der Baum nimmt in vielen Mythologien<br />

eine bedeutsame Rolle ein. Bekannt ist der<br />

Lebensbaum „Yggdrasil“ aus der nordischen<br />

Mythologie. Oder etwa die Eiche als<br />

Weltenbaum der Druiden. Im Zuge des<br />

Neopaganismus hat sich aus den keltischen<br />

Pflanzen-Mythen das keltische Baumhoroskop<br />

entwickelt. Das besteht aus<br />

© privat<br />

Das Räuchern hat eine lange Tradition und<br />

geht mit der Entdeckung des Feuers einher.<br />

Schon damals erkannten die Menschen,<br />

dass der Duft von Kräutern, Blättern und<br />

Hölzern, der beim Räuchern entsteht, verschiedene<br />

Wirkungen auf das Wohlbefinden<br />

hat. Beispielsweise wirkt Engelwurz immunstärkend<br />

auf Körper und Geist, Sandarak<br />

hingegen beruhigend und reinigend.<br />

In vielen Hochkulturen wurden Räucherungen<br />

als Opfergabe an die Götter<br />

vollzogen, Krankheiten behandelt oder in<br />

Ritualen verwendet, die Reinigung oder<br />

Vertreibung von negativen Einflüssen zum<br />

Zweck hatten. Auch im Totenkult fand das<br />

Räuchern eine wichtige Verwendung, da<br />

man glaubte, der aufsteigende Rauch sei<br />

der Träger der Seele ins Jenseits.<br />

Besonders zur Sommersonnenwende<br />

wurde zum Vertreiben der Dämonen geräuchert.<br />

Mit der Christianisierung wurden<br />

diese kultischen Räucherungen allerdings<br />

als heidnisch angesehen, verboten oder in<br />

christlicher Weise umgedeutet. Einige dieser<br />

alten Bräuche wurden in den Regionen<br />

<strong>No</strong>rdeuropas wie der Alpenlandschaft<br />

Deutschlands, Österreichs und in der<br />

Schweiz den nachfolgenden Generationen<br />

weitergegeben. Hier ist es beispielsweise üblich,<br />

in den sogenannten Rauhnächten zum<br />

Jahreswechsel die Häuser auszuräuchern,<br />

um diese von bösen Geistern und negativen<br />

Energien zu reinigen.<br />

14<br />

Wagner’sche.


Ásatrú, Heidentum<br />

und Wicca<br />

Buchtipps:<br />

Heidnische Bräuche und Weltbilder erfahren<br />

seit Ende des 19. Jahrhunderts eine<br />

Wiederbelebung, welche als Neopaganismus<br />

oder Neuheidentum bezeichnet wird. Ásatrú,<br />

Odinismus und Wicca sind einige der<br />

vielzähligen Strömungen, welche in ihrer<br />

Mitgliederzahl immer größer werden. So<br />

wurde beispielsweise in Island ein Tempel<br />

für Thor und Odin errichtet und die von<br />

Gerald Gardner in den 60ern gegründete<br />

neureligiöse Bewegung „Wicca“ ist in<br />

Amerika seit 1994 und mittlerweile in den<br />

meisten europäischen Ländern als Religion<br />

anerkannt.<br />

So vielzählig und umfangreich jede<br />

einzelne neuheidnische Bewegung auch<br />

sein mag, so haben sie doch alle eines gemeinsam:<br />

die Verbindung zur Natur, welche<br />

als heilig betrachtet wird. Darüber hinaus<br />

spielen Ökologie, Ganzheitlichkeit und<br />

Spiritualität eine große Rolle.<br />

Bill Plotkin:<br />

Natur und<br />

Menschenseele<br />

Arun Verlag<br />

591 S., € 30,80<br />

Yoshifumi Miyazaki:<br />

Shinrin Yoku –<br />

Heilsames Waldbaden<br />

Irisiana Verlag<br />

192 S., € 17,50<br />

Spätestens nach Büchern wie „Der Biophilia<br />

Effekt“ von Clemens Arvay oder<br />

„Heilen mit der Kraft der Natur“ von Andreas<br />

Michalsen ist die Natur für viele als<br />

gesundheitliches Hilfsmittel und als Quelle<br />

für Wohlbefinden nicht mehr wegzudenken.<br />

Das sieht man auch an den zahlreichen<br />

Neuerscheinungen im Ratgeberbereich,<br />

welche weiterhin ununterbrochen aus den<br />

Verlagshäusern sprießen.<br />

Hermann-Josef<br />

Weidinger:<br />

Mensch und Baum<br />

Kosmos Verlag<br />

464 S., € 25,70<br />

Friedrich Kaindlstorder:<br />

Räuchern<br />

Kneipp Verlag<br />

128 S., € 18,00<br />

Workshop:<br />

Räucher-Seminar<br />

mit Brigitte Wiedhofer<br />

Fr., 19. Oktober 2018,<br />

19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Eintritt: € 9,– /<br />

mit Kundenkarte € 7,–<br />

Christine Fuchs,<br />

Caroline Maxelon:<br />

Räuchern mit Weihrauch<br />

und heimischen Harzen<br />

Kosmos Verlag<br />

128 S., € 18,50<br />

Adolfine Nitschke:<br />

Heilsames Räuchern<br />

mit Wildpflanzen<br />

Gräfe und Unzer<br />

192 S., € 20,60<br />

Bücher seit 1639<br />

15<br />

Jan Fries:<br />

Helrunar – Handbuch<br />

der Runenmagie<br />

Edition Ananael<br />

396 S., € 29,90<br />

Jan Fries:<br />

Der Kessel der<br />

Götter – Handbuch der<br />

keltischen Magick<br />

Edition Roter Drache,<br />

616 S., € 36,–


Das Gebirge<br />

ist gegen<br />

die Menschen.<br />

Thomas Bernhard<br />

© www.guentheregger.at<br />

16 Wagner’sche.


Thomas Bernhard: Amras<br />

Thomas Bernhards zweite Erzählung, die er selbst oft<br />

als sein Lieblingsbuch bezeichnete, ist in Innsbruck verortet.<br />

Das Tiroler Landestheater bringt die Prosaarbeit nun<br />

auf die Bühne. Von Romana Lautner<br />

Bücher seit 1639<br />

„Kinder der Felsen und der Schluchten,<br />

der Pornographie der Natur, haben wir<br />

immer nur in der ahnungsvollen, wahrsagetollen<br />

Chemie der Tiroler Alpen gelebt, ein<br />

jeder von uns als ein Unglücksrutengänger,<br />

ein Feuchtigkeitsmesser, ein Heilanzeiger<br />

zwischen Hafelekar und Patscherkofel …“<br />

(Thomas Bernhard: Amras)<br />

Innsbruck war Thomas Bernhard durchaus<br />

vertraut. Auf jeden Fall ist er mehrmals hier<br />

zu Gast gewesen, zum ersten Mal vermutlich<br />

1955 bei den Innsbrucker Jugendkulturwochen,<br />

bei denen einige Gedichte<br />

von ihm gelesen wurden. Jurorin Christine<br />

Busta hat schon damals Bernhards Talent<br />

erkannt, während Raoul Henrik Strand<br />

noch skeptisch war, abwarten wollte: „Lassen<br />

wir ihm noch Zeit, er wird sich sicher<br />

ganz zurechtfinden und noch Stärkeres<br />

zustande bringen …“ In der Tat!<br />

Über Bernhards Aufenthalte in Innsbruck<br />

ist in den Berichten der Jugendkulturwochen<br />

leider nicht mehr viel zu finden.<br />

Aber wir wissen, dass er in den Jahren<br />

nach 1955 noch mehrmals als Teilnehmer<br />

der „Treffen der jungen Kunstschaffenden“<br />

eingeladen war, mit anderen SchriftstellerInnen,<br />

MusikerInnen und bildenden<br />

KünstlerInnen zu diskutieren. „Netzwerken“<br />

würde man das heute nennen.<br />

Dabei hat Thomas Bernhard neben<br />

wertvollen Kontakten auch konkrete Impressionen<br />

aus Innsbruck und Umgebung<br />

mitgenommen, eine Besichtigung der<br />

damals umstrittenen Weiler-Fresken in der<br />

Bahnhofshalle mit Paul Flora stand zum<br />

Beispiel auf dem Programm oder auch ein<br />

Gang mit Ludwig von Ficker zum Grab<br />

Georg Trakls in Mühlau.<br />

Vor allem in seinem Prosawerk der<br />

frühen sechziger Jahre hat Bernhard seine<br />

Eindrücke aus Innsbruck und Tirol dann<br />

wiederholt literarisch verarbeitet. Und da<br />

geht es Innsbruck wie vielen anderen Städten,<br />

Orten und Landschaften – es kommt<br />

17<br />

nicht wirklich gut weg bei Thomas Bernhard:<br />

„Innsbruck ist mir verhasst!“<br />

Ganze Bücher kann man füllen mit<br />

seinen „Städtebeschimpfungen“ – so<br />

geschehen in dem 2016 bei Suhrkamp<br />

erschienenen Band. Und wenn man<br />

dieses recht vergnüglich zu lesende Buch<br />

in den Händen hält, ist schnell klar,<br />

dass Innsbruck noch vergleichsweise gut<br />

davonkommt. Auch wenn es als Ort von<br />

„Hochgebirgsinzucht“, Selbstmorden,<br />

ja sogar Familiensuiziden in Bernhards<br />

Werk erscheint, als Ort, an dem man Tiere<br />

erschießen muss, um endlich schlafen zu<br />

können. Wer kann schon schlafen, wenn er<br />

die „unnachgiebig perverse Felswand des<br />

Hafelekars vor dem Kopf“ hat? Ein Ort, an<br />

dem Eltern wiederholt ihre Kinder quälen,<br />

ihnen Verbrechen unterstellen, wo doch sie<br />

die eigentlichen Verbrecher sind und wo das<br />

Hochgebirgsfieber immerzu die Menschen<br />

plagt! „Das Gebirge ist gegen die Menschen.“<br />

Seine „Innsbrucker“ Erzählungen tragen<br />

Titel wie „Das Verbrechen eines Innsbrucker<br />

Kaufmannssohns“, „Der Wetterfleck“<br />

oder „Zwei Erzieher“. Die umfangreichste<br />

ist freilich: „Amras“, in dem es<br />

heißt: „Wie viele unserer Talente hätten wir<br />

zu erstaunlicher Größe in uns entwickeln<br />

können, wären wir nicht in Tirol geboren<br />

worden und aufgewachsen.“<br />

Das „wir“ sind die beiden Brüder, die<br />

den Familiensuizid überlebten und vom<br />

Onkel schnell aus dem Elternhaus in der<br />

Herrengasse 6 (!) in einen Turm nach<br />

Amras gebracht werden, um dort der drohenden<br />

Zwangseinweisung in die Psychiatrie<br />

und dem brutalen Innsbrucker Volk zu<br />

entgehen. „Das Sillwasser stürzte vor uns<br />

in die Tiefe und trennte uns lärmend von<br />

Innsbruck, der Vaterstadt, und dadurch<br />

von der so unerträglich gewordenen Welt<br />

…“ Doch die völlige Isolation bekommt<br />

ihnen nicht gut: „Durch nichts als durch<br />

uns von uns abgelenkt, erblickten wir uns in<br />

Amras in unserem brodelnden, dann wieder<br />

starren Geschwisterzusammenhang.“ Ihre<br />

innere Unruhe, die Erinnerungen und die<br />

Krankheit Walters (eine nur in Tirol bekannte<br />

Epilepsie) machen ihnen schwer zu<br />

schaffen, ganz zu schweigen von der Bösartigkeit<br />

der Föhnstürme …<br />

Die Tiroler Nachrichten urteilten 1964:<br />

„Bernhard beobachtet den realen Schau-<br />

platz seiner Geschichte präzise wie ein<br />

Landkartenzeichner, aber verfremdet dann<br />

alle Perspektiven … So entsteht ein dämonisches,<br />

bizarres, abstruses Tirol, in dem Ironie<br />

gelb aufblitzt …“ Ein Stück abstruses<br />

Tirol wird wohl auch die Inszenierung von<br />

Stefan Maurer werden, der sich der Herausforderung<br />

stellt, Bernhards sprachgewaltige<br />

und zum Teil fragmentarisch gebaute<br />

Erzählung auf die Bühne zu bringen.<br />

Mit dem Literaturwissenschaftler<br />

Wolfgang Hackl spricht er zwei Wochen<br />

vor der Premiere über dieses nicht ganz<br />

einfache Unterfangen.<br />

Buchtipp:<br />

Thomas Bernhard:<br />

Amras, Text und Kommentar<br />

Suhrkamp Verlag, 143 S., € 7,20<br />

Veranstaltung:<br />

Künstlergespräch mit dem Autor<br />

Regisseur und der Bühnenfassung<br />

Stefan Maurer und<br />

Prof. Dr. Wolfgang Hackl<br />

Mi., 7. <strong>No</strong>vember 2018, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Eintritt frei!<br />

Theatertipp:<br />

Thomas Bernhard: Amras<br />

Premiere am 25. <strong>No</strong>vember 2018<br />

Regie: Stefan Maurer<br />

Bühne & Kostüme: Luis Graninger<br />

Mit: Janine Wegener,<br />

Jan-Hinnerk Arnke, Tom Hospes<br />

und Christoph Schlag<br />

Weitere Details und Termine<br />

unter: www.landestheater.at


Bücher<br />

machen auch<br />

einen guten<br />

Eindruck,<br />

wenn man<br />

sie nicht liest.<br />

Philipp Keel<br />

© Maurice Haas / Diogenes Verlag<br />

18 Wagner’sche.


Diogenes – ein Verlag mit Stil<br />

Der Verlag aus Zürich setzt auf Kontinuität und Humor.<br />

Interview mit Philipp Keel. Von Martin Oehlen<br />

Bücher seit 1639<br />

Herr Keel, vor 66 Jahren wurde<br />

der Diogenes Verlag von Ihrem Vater<br />

gegründet. Vor über sechs Jahren<br />

übernahmen Sie die Leitung.<br />

Wie geht es dem Verlag heute?<br />

Dem Verlag geht es sehr viel besser, als ich<br />

es mir habe vorstellen können. Ich erachte<br />

das als ein kleines Wunder, weil die<br />

Unabhängigkeit, vor allem heutzutage, so<br />

etwas Seltenes und Teures ist. In unserer<br />

Familie, aber auch im Verlag war es immer<br />

wichtig, dass man sich so gibt, wie man ist,<br />

und so spricht, wie einem der Schnabel gewachsen<br />

ist. Einem Konzern anzugehören,<br />

können wir uns bei Diogenes eigentlich<br />

nicht vorstellen.<br />

Aber der Buchmarkt ist<br />

schwieriger geworden?<br />

So wie die Buchwelt einmal war, ist sie<br />

nicht mehr. Das merkt jeder. Natürlich<br />

wäre es angenehmer gewesen, hätte ich in<br />

den „goldenen Jahren“ – sie begannen ja<br />

ausgerechnet 1997, als es mit dem Internet<br />

so richtig losging, und dauerten an bis 2006<br />

– als Verleger starten können.<br />

Was hat das Internet mit der Krise<br />

des Buchmarkts zu tun?<br />

Die Menschen haben verlernt, sich zu<br />

konzentrieren. Auch ist bewiesen, dass wir<br />

uns nicht mehr so gut in Themen vertiefen<br />

können. Wir haben bestimmt viel an Fantasie<br />

und Sehnsucht verloren. Überhaupt<br />

sind wir in unserem Denken und Handeln<br />

furchtbar praktisch geworden. Schade, dass<br />

wir nicht so praktisch sind und erkennen,<br />

dass Lesen für den Geist äußerst gesund<br />

ist. Darüber sollte man am Frühstückstisch<br />

sprechen. Das Buch konkurriert mit dem<br />

Smartphone und zieht natürlich den Kürzeren,<br />

weil man beim Lesen nicht gleichzeitig<br />

einen Flug buchen oder einen neuen Freund<br />

auf Facebook finden kann. Lesen sollte<br />

aber keine Herausforderung sein, sondern<br />

die beste Medizin für ein paar entspannte<br />

Stunden.<br />

19<br />

Das drückt sich auch in gesunkenen<br />

Auflagenzahlen aus?<br />

Absolut. Es ist gar nicht anders möglich, es<br />

werden weniger Bücher gelesen. Das sage<br />

ich nicht aus einem Pessimismus heraus,<br />

zumal ich ein Optimist bin, auch wenn ich<br />

gerne jammere. Wenn Menschen mir erzählen,<br />

dass sie keine Zeit haben zum Lesen,<br />

aber regelmäßig Bücher kaufen, freue ich<br />

mich genauso. Bücher machen auch einen<br />

guten Eindruck, wenn man sie nicht liest.<br />

Wie reagiert man auf die Krise?<br />

Man muss klug und flink sein und mit unkonventionellen<br />

und erfrischenden Methoden<br />

versuchen, das scheinbar schwierige<br />

Produkt Buch auch an jüngere Leser zu<br />

bringen – die sehe ich immer nur im Club.<br />

Hinzu kommt, dass man dem Leser nicht<br />

nur das Buch präsentieren muss, sondern<br />

auch den Geist und die Persönlichkeit<br />

dahinter.<br />

Die Autorenpflege ist in Ihrem<br />

Haus intensiv ausgeprägt …<br />

Natürlich, Autoren und Künstler sind<br />

anspruchsvolle Wesen. Kontinuität und<br />

Humor sind dabei ganz wichtig für uns. Wir<br />

möchten einen Autor, den wir zu Diogenes<br />

an Bord holen, so lange wie möglich begleiten.<br />

Da kommen vor allem unsere Lektorinnen<br />

ins Spiel – der Verleger klingt auch<br />

wichtig, aber sie sind es, die unsere Autoren<br />

mit all ihrer Leidenschaft betreuen.<br />

Gehört es bei Diogenes zum<br />

Markenkern, dass man den<br />

Autoren die Treue hält?<br />

Es ist die Tradition unseres Hauses, die<br />

auch früh von meinem Vater geprägt wurde,<br />

nämlich an kurzfristigen Beziehungen nicht<br />

interessiert zu sein.<br />

Jetzt gibt es einige Neuzugänge …<br />

Das stimmt, seit ich Verleger bin, haben wir<br />

rund 60 neue Autorinnen und Autoren gefunden,<br />

darunter auch ein paar großartige<br />

deutschsprachige. Ich war mir zuvor nicht<br />

sicher, ob mir das gelingen würde. Dabei<br />

geht es auch immer um eine Dramaturgie<br />

des Erzählens, die uns entspricht. Wenn<br />

ich in einem Manuskript einen Stil entdecke,<br />

der mir gefällt, dann passt das auch<br />

meistens zu dem Menschen, der den Text<br />

geschrieben hat.<br />

Können Sie den Diogenes-Stil<br />

genauer beschreiben?<br />

Er ist nicht bierernst, nicht manieriert, nicht<br />

ums Verrecken literarisch. Unsere Autoren<br />

sind Talente, die wirklich erzählen können.<br />

Das kann man nicht lernen – genauso<br />

wenig, wie man lernen kann, musikalisch zu<br />

sein oder eine Leidenschaft zu haben. Unser<br />

Credo war schon immer: Diogenes Bücher<br />

sind weniger langweilig.<br />

Sie sind auch als Künstler bekannt.<br />

Dabei lassen Sie sich etwa für Ihre<br />

Fotografien viel Zeit im Labor. Aber<br />

im Verlagsalltag ist doch gewiss ein<br />

anderes Tempo gefragt – oder?<br />

Künstler brauchen tatsächlich viel Zeit<br />

zum Nachdenken und Zweifeln. Diese<br />

Zeit ist mir verloren gegangen. Doch ich<br />

sehe meine Kunst trotzdem wachsen, seit<br />

ich die Verlagsaufgabe übernommen habe,<br />

vielleicht sogar stärker als früher. Literatur<br />

und Kunst nähren sich gegenseitig überraschend<br />

gut.<br />

Was bedeutet das für die<br />

Verlagsarbeit?<br />

Ich neige dazu, die Gespräche im Verlag in<br />

einer gemütlichen Art zu führen. Gleichwohl<br />

entspricht ein Tag im Büro einer<br />

Woche Arbeit in jener früheren Zeit, als ich<br />

noch nicht Verleger war. Es ist ein bisschen<br />

so wie im Zirkus, in dem chinesische Akrobaten<br />

immer wieder an den Stangen rütteln<br />

müssen, damit die Teller oben bleiben.<br />

Wenn ich im Atelier bin und male, ist das<br />

Zeitgefühl ein ganz anderes.<br />

Philipp Keel, 1968 in Zürich geboren, ist Verleger,<br />

Künstler und Autor. Er lebte lange in den USA, ehe<br />

er 2012 die Leitung des Diogenes Verlags übernahm.<br />

Begründet wurde der Verlag von seinem Vater<br />

Daniel Keel, der 2011 gestorben ist.<br />

Interview von Martin Oehlen, Kölner Stadt-<br />

Anzeiger vom 16. <strong>No</strong>vember 2017


Erich Hackl<br />

Diese Erfahrungen brauchen wir.<br />

Erich Hackl im Gespräch mit Johann Holzner<br />

© Maurice Haas / Diogenes Verlag<br />

Buchtipp:<br />

Erich Hackl:<br />

Am Seil<br />

Diogenes Verlag,<br />

128 S., € 20,60<br />

Am Seil. Deine Geschichte entwickelt<br />

sich aus den Erinnerungen von<br />

Lucia Heilman, die nach dem<br />

so genannten Anschluss (damals<br />

noch ein 12-jähriges Kind)<br />

gemeinsam mit ihrer Mutter kurz<br />

vor der Deportation in ein NS-<br />

Vernichtungslager von einem Freund<br />

ihres Vaters versteckt und so gerettet<br />

worden ist. Erinnerungen – das heißt<br />

so viel wie Rekonstruktion. Aber<br />

Deine Geschichte ist doch in erster<br />

Linie eine / Deine Konstruktion?<br />

Sie ist die Konstruktion einer Rekonstruktion,<br />

würde ich sagen. Der Versuch, speziell<br />

Lucia Heilmans Erinnerungen – dazu die<br />

der wenigen anderen Informanten sowie<br />

die Ergebnisse meiner Recherchen – in eine<br />

Form zu bringen, ihnen eine Gestalt zu<br />

geben. Insofern konnte ich nicht frei über<br />

die literarischen Mittel verfügen: Ich durfte<br />

nichts erfinden, oder wenn schon, dann<br />

mußte ich das Erfundene, winzige Details<br />

dort, wo Frau Heilman sich nicht mehr erinnern<br />

konnte, als erfunden ausweisen. Das<br />

empfinde ich einerseits als Einschränkung,<br />

andererseits als Bereicherung: weil es mich<br />

davor bewahrt, ins Blaue hinein zu fiktionalisieren.<br />

Der Held dieser Geschichte, Reinhold<br />

Duschka, hat jahrelang sein Leben<br />

riskiert; er versteckt und versorgt<br />

Lucia und ihre Mutter Regina<br />

zunächst im Werkstättenhof in<br />

Wien und schließlich (nach dessen<br />

Zerstörung durch einen Luftangriff)


Bücher seit 1639<br />

in den letzten Kriegsmonaten<br />

in einem Ausweichquartier, das<br />

einmal ein Geschäftslokal gewesen<br />

ist: eine Heldengeschichte, die<br />

Gattungsbezeichnung dieses Buches<br />

ist ganz gewiss berechtigt; aber doch<br />

heikel, weil sie zunächst einmal<br />

Konnotationen weckt, die sich an<br />

ganz andere Geschichten knüpfen,<br />

an Geschichten zum Beispiel, die<br />

Kriegsveteranen aufgezeichnet<br />

haben?<br />

Nicht heikel, sondern notwendig: dem<br />

Begriff des Helden, oder der Heldin, die<br />

Bedeutung zu geben, die ihm zusteht. Wenn<br />

ich es mir so überlege, habe ich in allem,<br />

was ich geschrieben habe, nichts anderes<br />

zu tun versucht: den Spuren von Menschen<br />

zu folgen, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt<br />

haben, um andere Menschen zu retten,<br />

unter widrigen gesellschaftlichen Umständen,<br />

in Diktaturen, unter Terrorregimen.<br />

Der sogenannte Werkstättenhof:<br />

Soziale Kohäsion, Solidarität,<br />

Menschenwürde – Begriffe wie diese<br />

werden dort (jedenfalls nach Deiner<br />

Erzählung) noch groß geschrieben.<br />

Ein utopisches Modell, noch immer?<br />

Schon wieder, würde ich sagen. Wobei – im<br />

Werkstättenhof, in dem weit über hundert<br />

Werkstätten untergebracht waren, gab es,<br />

soweit bekannt, nur diesen einen Fall eines<br />

Handwerkers, der in der Nazizeit Verfolgte<br />

versteckt hat. Es gab allerdings in Wien<br />

auch organisierte und das heißt: kollektive<br />

Bemühungen, von der Deportation bedrohte<br />

Juden zu retten. Ljuba Arnautović<br />

hat in ihrem Debutroman „Im Verborgenen“<br />

unlängst über ihre Großmutter<br />

geschrieben, die im Rahmen einer Aktion<br />

im Umfeld der evangelischen Kirchengemeinde<br />

mehrere Verfolgte versteckt hat.<br />

Ein anderes Beispiel ist die kommunistische<br />

Widerstandsgruppe um Laurenz Genner,<br />

in der die Schriftstellerin Doris Brehm das<br />

„U-Boot-Referat“ über hatte, also damit<br />

beschäftigt war, Juden und Deserteure bei<br />

Helferinnen, Helfern unterzubringen. Es<br />

gab und gibt Menschen, in ganz Europa,<br />

nicht nur in Österreich, die angesichts der<br />

Jagd auf illegale Flüchtlinge auch heute<br />

ähnliches unternehmen.<br />

21<br />

Es gibt auch, Du deutest das hin<br />

und wieder in der Erzählung an,<br />

durchaus dunkle Seiten im Leben<br />

des Reinhold Duschka; so recht<br />

sichtbar werden sie indessen nicht.<br />

Schrammt das nicht doch, wie schon<br />

einmal die Geschichte über Hans und<br />

Josefa Breirather in Abschied von<br />

Sidonie, hart an einer Schwarz-Weiß-<br />

Zeichnung vorbei?<br />

Was meinst Du denn mit „dunklen Seiten“?<br />

Daß er kein idealer Familienvater war, zur<br />

eigenen Tochter nicht so geduldig war wie<br />

zu Lucia, daß er nicht gesellig war? Das<br />

hat mir Duschkas Tochter erzählt, und<br />

das habe ich im selben Ausmaß, wie sie es<br />

erzählt hat, wiedergegeben. Ich sehe das<br />

Problem nicht, das sich Dir dabei stellt,<br />

rückblickend auch nicht bei Sidonies Pflegeeltern,<br />

über die ich seinerzeit nichts Negatives<br />

in Erfahrung bringen konnte. Hätte ich<br />

es erfahren, hätte ich es auch erwähnt. Wir<br />

sollten damit leben lernen, daß es schwarz<br />

und weiß und nicht nur grau gibt. Es gibt,<br />

anders gesagt, gute Menschen. Subversive<br />

Elemente offenbar, weil das Wissen um sie<br />

die Selbstgefälligkeit der Grauen gefährdet.<br />

<strong>No</strong>ch einmal zurück zu Reinhold<br />

Duschka. „Er war der beste Freund<br />

ihres Vaters, zu einer Zeit, in der<br />

Männer noch beste Freunde und<br />

Frauen beste Freundinnen hatten,<br />

vor einer halben Ewigkeit also.“ Der<br />

erste Satz Deiner Geschichte ist<br />

(wie sich bald einmal herausstellt)<br />

ironisch zu verstehen. – Aber von<br />

einem Stimmengewirr kann in<br />

dieser Erzählung keine Rede sein.<br />

Unterm Vorzeichen der Demokratie<br />

darf man hingegen (im Tross der<br />

Hauptströmung der Literaturkritik)<br />

von der zeitgenössischen Literatur<br />

doch erwarten, dass sie ein ganzes<br />

Bündel von Stimmen (und nicht mehr<br />

nur eine einzige Stimme) präsentiert.<br />

Oder – erfordert die aktuelle<br />

gesellschaftspolitische Situation<br />

Deiner Auffassung nach am Ende<br />

doch wieder ein neues Prinzip der<br />

Parteilichkeit?<br />

Die Beobachtung, daß es heutzutage kaum<br />

noch Männer mit besten Freunden, Frauen<br />

mit besten Freundinnen gibt, stammt von<br />

Lucia Heilman. Sie hat damit zu erklären<br />

versucht, warum Reinhold Duschka sein<br />

Leben riskiert hat, um sie und ihre Mutter<br />

zu retten: weil ihr Vater sein bester Freund<br />

war. Ich hab, als sie das gesagt hat, überlegt<br />

und mir gedacht, eigentlich hat sie recht.<br />

Der Kapitalismus ist mit seinem Erfolgs-,<br />

Konsum- und Konkurrenzprinzip inzwischen<br />

so tief in die Psyche der Menschen<br />

eingedrungen, daß die meisten von ihnen<br />

eine innige Freundschaft auf Lebensdauer<br />

gar nicht mehr durchhalten. Genauso wenig<br />

wie eine Ehe, der – vor allem von männlicher<br />

Seite – eine Lebensabschnittspartnerschaft<br />

vorgezogen wird. So ironisch ist die<br />

Sache also nicht zu verstehen. Was Deinen<br />

anderen Einwurf betrifft, so verstehe ich<br />

nicht das Postulat der Zusammengehörigkeit<br />

von Demokratie, Literatur und Vielstimmigkeit.<br />

Vielstimmigkeit in der Literatur<br />

finden wir auch in außereuropäischen<br />

Kulturen, die weiß Gott nicht demokratisch<br />

waren, und im Barock, in dem genug Köpfe<br />

rollten. Ob eine, zwei oder viele Stimmen,<br />

die Entscheidung ist für mich abhängig<br />

von der jeweiligen Quellenlage. In der<br />

„Hochzeit von Auschwitz“ habe ich so viele<br />

präsentiert, daß es manchen Rezensenten<br />

schon zu viele waren, die Geschichte von<br />

Gisi Tenenbaum, in „Als ob ein Engel“, aus<br />

vielerlei Perspektiven erzählt, weil es auch<br />

da viele Informanten gab, ihre Eltern, ihre<br />

Schwestern, ihre Freundinnen, ihre Schulkameraden,<br />

die mir jeweils ihre Sichtweise<br />

anvertraut hatten. „Am Seil“ bot diese<br />

Möglichkeit nicht. Was alle Erzählungen<br />

miteinander verbindet, ist meiner Meinung<br />

nach die Zurückhaltung des Autors, der<br />

sich als Erzähler möglichst zurücknimmt,<br />

um mit seinen Emotionen nicht den Blick<br />

auf das, was er erzählt, zu verstellen.<br />

Parteilich ist er, keine Frage. Aber nicht im<br />

Sinne eines neuen Prinzips, sondern um auf<br />

verschüttete Traditionen anzuschließen.<br />

Auch hier hat der Kapitalismus, in seiner<br />

faschistischen Spielart, ein Niemandsland<br />

errichtet, durch das möglichst keine Erfahrungen<br />

dringen sollen, von damals auf<br />

heute. Aber diese Erfahrungen brauchen<br />

wir. Das ist im Grunde mein Thema, auch<br />

in dieser „Heldengeschichte“.<br />

Erich Hackl wurde am 1954 in Steyr in Oberösterreich<br />

geboren. Nach dem Studium der Germanistik<br />

und Hispanistik in Salzburg, Salamanca und Malaga<br />

ging er vorübergehend nach Spanien, wo er von 1977<br />

bis 1979 als Lektor an der Universität Complutense<br />

Madrid tätig war. Er übersetzte Werke von<br />

spanischen und lateinamerikanischen Autoren und<br />

war Herausgeber von Werken, die sich mit dem Exil,<br />

dem Widerstand und dem Spanischen Bürgerkrieg<br />

beschäftigen. So machte er als Editor auf das Werk<br />

des nach Argentinien emigrierten Alfredo Bauer aufmerksam,<br />

veröffentliche fotografische Zeugnisse von<br />

Internierten in Frankreich (Album Gurs, 2000) und<br />

gab mit dem Veteranen Hans Landauer gemeinsam<br />

das „Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer<br />

1936 –1939“ (2003) heraus. Seinen Erzählungen, die<br />

in 25 Sprachen übersetzt wurden, liegen authentische<br />

Fälle zugrunde, wie auch dem vorliegenden Roman<br />

„Am Seil“. „Auroras Anlaß“ und „Abschied von Sidonie“<br />

sind inzwischen Schullektüre. Unter anderem<br />

wurde er 2017 mit dem Menschenrechtspreis des<br />

Landes Oberösterreich ausgezeichnet.


Prominente Empfehlungen<br />

aus dem Forum Alpbach<br />

Ganze 18 Tage war die Wagner’sche mit einer eigenen kleinen<br />

Buchhandlung in Alpbach. Mit rund 5.000 Büchern im Gepäck<br />

waren wir auf Tuchfühlung mit <strong>No</strong>belpreisträgern, Politikern,<br />

Wissenschaftlern, Künstlern und vielen mehr. — Im Vorfeld<br />

haben wir die rund 200 Referentinnen und Referenten gefragt,<br />

Ewald <strong>No</strong>wotny<br />

Gouverneur<br />

Österreichische Nationalbank<br />

Martin Kušej<br />

Direktor Burgtheater Wien<br />

Ernst Ulrich<br />

von Weizsäcker<br />

Naturwissenschaftler und Politiker<br />

Das Buch zeichnet anhand von berührenden<br />

Geschichten und erschütternden Biografien<br />

ein sehr persönliches Porträt der<br />

bulgarischen Hauptstadt und verdeutlicht<br />

den täglichen Kampf gegen die Armut.<br />

„Ich habe den Verfasser vor einiger Zeit<br />

kennengelernt, bin aber erst kürzlich<br />

dazugekommen, sein Buch zu lesen. Der<br />

ehrliche und letztlich optimistische Einblick<br />

in Aspekte einer Welt, die wir sonst<br />

nur aus Statistiken und offiziellen Besuchen<br />

kennen, hat mich sehr berührt.“<br />

Markus Inama:<br />

Der Hoffnung ein Zuhause geben<br />

Styria Verlag, 208 S., € 22,90<br />

„Dieses Buch lässt das Herz eines<br />

Theatermachers natürlich höher schlagen.<br />

Von Menschen verlassene Orte, apokalyptisch<br />

zerstört oder einfach nur von<br />

der wilden Natur zurückerobert – alleine<br />

diese ‚Verrückung‘ der <strong>No</strong>rmalität ist<br />

schon aufregend und spornt die Phantasie<br />

an. Nun hat Henk van Rensbergen<br />

in diese verwitterten Salons, verstaubten<br />

Krankensäle und überwucherten Parkplätze<br />

lauter unglaubliche Tiere platziert<br />

– oder geradezu ‚deplatziert‘ –, sodass<br />

sich noch ein weiterer Kosmos an Assoziationen<br />

und Geschichten im Kopf des<br />

Betrachters ergeben.“<br />

Henk van Rensbergen:<br />

<strong>No</strong> Man’s Land<br />

Knesebeck Verlag,<br />

192 S., € 51,80<br />

Die Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus<br />

nimmt die heute entscheidenden<br />

Themen in den Blick; es geht um soziale,<br />

ökologische und politische Zusammenhänge.<br />

Wohl selten war ein päpstliches<br />

Schreiben so aktuell und brisant und<br />

vor allem relevant für alle Gesellschaftsschichten<br />

und Menschen weltweit.<br />

„Endlich hat ein Papst den Mut, die tiefe<br />

ökologische Krise für unser gemeinsames<br />

Haus (die Erde) beim Namen zu nennen<br />

und auch die ökonomistische Selbstsucht<br />

als wesentliche Ursache zu benennen.“<br />

Papst Franziskus:<br />

Enzyklika Laudato si<br />

Herder Verlag, 304 S., € 25,70<br />

22<br />

Wagner’sche.


welches Buch sie in letzter Zeit<br />

besonders beeindruckt oder<br />

gar geprägt hat. Diese Empfehlungen<br />

haben wir für Sie in einem<br />

eigenen Magazin gesammelt —<br />

zu finden in der Wagner’schen oder<br />

unter wagnereinmalig.onlinelesen.at<br />

— Und hier ein kleiner<br />

Vorgeschmack:<br />

Alexander<br />

Van der Bellen<br />

Österreichischer Bundespräsident<br />

Heinz Fischer<br />

ehemaliger österreichischer<br />

Bundespräsident<br />

Andreas Salcher<br />

Politiker und Buchautor<br />

© Forum Alpbach<br />

„Ich schwanke zwischen dem ganz aktuellen<br />

und wichtigen Buch von Stephan<br />

Schulmeister „Der Weg zur Prosperität“<br />

und dem Klassiker von Manès Sperber<br />

„Wie eine Träne im Ozean“. Diesmal<br />

entscheide ich mich für das viel früher<br />

erschienene Buch von Manès Sperber, das<br />

mich seit 50 Jahren begleitet, das die individuelle<br />

und gesamtgesellschaftliche Tragödie<br />

autoritärer Systeme in eindrucksvollster<br />

Weise darstellt, das uns viel über<br />

Mitteleuropa erzählt und dessen Autor<br />

mich in mehreren Gesprächen durch seine<br />

Bildung, seine Weisheit und seine Erzählkunst<br />

sehr beeindruckt hat.“<br />

Manès Sperber:<br />

Wie eine Träne im Ozean<br />

DTV Verlag, 1040 S., € 20,50<br />

„Mein absoluter Favorit ist ‚Stoner‘<br />

von John Williams. In Zeiten von Stars<br />

und Glamour zeigt ‚Stoner‘, dass es<br />

darum geht, sein eigenes Leben zu<br />

leben. Wer das so wie er trotz vieler<br />

Widrigkeiten und Rückschlägen schafft,<br />

der ist ein wahrer Held. Zeit Online<br />

schrieb: Wir begreifen: Man kann das<br />

Leben nur leben, so gut es eben geht.<br />

[…] Vielleicht ist das die größte Stärke<br />

dieses bewegenden Buches: Dass es<br />

seinen Helden nicht durchschaut, nicht<br />

zurechtdefiniert. Es stellt ihn in all seinen<br />

Stärken und Schwächen, in all seiner<br />

mittleren Menschlichkeit vor uns hin<br />

und sagt: Seht, euer Bruder.“<br />

John Williams:<br />

Stoner<br />

DTV Verlag, 352 S., € 11,30<br />

„Éric Vuillard skizziert in „Die Tagesordnung“<br />

die teils beklemmende Banalität<br />

entscheidender Momente rund um<br />

den Aufstieg der Nationalsozialisten<br />

und den Anschluss 1938. Es ist ein Lehrstück<br />

über Macht und Verantwortung,<br />

in dem die kleinen Fußnoten der Weltgeschichte<br />

große Rollen spielen. Diese<br />

Melange aus literarischem Werk und<br />

faktentreuer Recherche eröffnet neue<br />

Blickwinkel auf die politische Genese der<br />

großen Katastrophe.“<br />

Éric Vuillard:<br />

Die Tagesordnung<br />

Matthes & Seitz Berlin,<br />

118 S., € 18,50


© 8tung Kultur<br />

„Was uns umbringt,<br />

sind nicht die<br />

Ozonlöcher, sondern<br />

die Arschlöcher.“<br />

Peter Turrini<br />

24<br />

Wagner’sche.


Zwei „Giganten“ im Doppel –<br />

eine Nachschau<br />

Peter Turrini und Gerhard Haderer begeisterten<br />

auf Schloss Ambras. Von Christine Frei<br />

Er liebt es, die Großen der zeitgenössischen<br />

Literatur immer wieder aufs Neue nach<br />

Innsbruck zu locken. Und erst neulich ließ<br />

Robert Renk und sein Verein 8ung Kultur<br />

mit der spektakulären Ankündigung<br />

aufhorchen, dass er am 12. Februar, quasi<br />

zum Ende der literarischen Herbst/Wintersaison,<br />

den US-Kultautor T.C. Boyle nach<br />

Innsbruck bringen wird. Doch auch der<br />

Auftakt am vergangenen Freitag hatte bereits<br />

Kultcharakter. Denn während draußen<br />

in unmittelbarer Nähe unter lautstarkem<br />

Hubschraubereinsatz für einen allfälligen<br />

WM-<strong>No</strong>tfall geübt wurde, saßen drinnen<br />

im Spanischen Saal zwei Giganten der<br />

österreichischen Kultur tiefenentspannt<br />

nebeneinander, ließen sich von Moderatorin<br />

Sylvia Treudl kundig präsentieren, ehe sie<br />

selbst launig das Wort ergriffen, schließlich<br />

sogar mit verteilten Rollen vorlasen und das<br />

Publikum derart in ihren Bann zogen, dass<br />

die Warteschlange der Signierwilligen gar<br />

kein Ende nehmen wollte. Immerhin hat der<br />

eine aus dem einstigen Skandalstück des<br />

anderen eine Graphic <strong>No</strong>vel gezeichnet. Die<br />

erste waschecht-österreichische Graphic<br />

<strong>No</strong>vel, wie der Haymon Verlag nicht ganz<br />

ohne Stolz verkündet.<br />

Gerhard Haderer, laut Eigendefinition<br />

Schulwart in der von ihm im Vorjahr begründeten<br />

Schule des Ungehorsams und<br />

einer der größten Karikaturisten dieses<br />

Landes, hat also Peter Turrinis „Rozznjogd“<br />

zeichnerisch neu inszeniert. Und<br />

Peter Turrini, der schon mal poltern oder<br />

seiner Verzweiflung wortreich Ausdruck<br />

verleihen kann, wenn Inszenierungen der<br />

Intention seiner Texte zuwiderlaufen,<br />

immerhin sei er Halbitaliener, sah sich hier<br />

vollauf erkannt. Der Gerhard habe ihn<br />

richtig glücklich gemacht, gesteht er. Wild<br />

und zart seien die beiden Figuren in seiner<br />

Rozznjogd, erklärt er. So präsentiert er sich<br />

auch selbst, in seiner Lyrik, seinen Stücken.<br />

Und immer mit einem gewissen Schalk<br />

im Nacken. Er solle ja auch eine Rede zu<br />

irgendeiner Republikfeier halten, erzählt<br />

er plötzlich, den Titel habe er bereits:<br />

„Was uns umbringt, sind nicht die Ozonlöcher,<br />

sondern die Arschlöcher“. Und<br />

fügt dann noch schelmisch lächelnd hinzu:<br />

Seither habe er allerdings nichts mehr von<br />

denen gehört.<br />

Buchtipp:<br />

Peter Turrini / Gerhard Haderer<br />

Rozznjogd<br />

Haymon Verlag<br />

224 S., € 24,90


Oktoberfest<br />

in Wien?<br />

Wo samma …<br />

Thomas Maurer<br />

© Ingo Pertramer<br />

26 Wagner’sche.


Maurer ab Hof –<br />

Texte aus eigenem Anbau<br />

Der „Münchhausen des 21. Jahrhunderts“ (Der Standard)<br />

gibt sich die Ehre. Von Robert Renk<br />

Bücher seit 1639<br />

Was ist das Faszinierende an Thomas<br />

Maurer? Er ist extrem vielseitig, bleibt sich<br />

dabei aber extrem treu.<br />

Er ist wohl einer der besten Akteure im<br />

deutschsprachigen Kabarett und wurde<br />

u.a. mit dem Deutschen Kabarettpreis 2016<br />

ausgezeichnet. Bisher hat er 17 Programme<br />

gestemmt. Daneben arbeitet er aber gerne<br />

und regelmäßig mit Kollegen zusammen<br />

(z.B. Hader, Palfrader, Scheuba, Puntigam,<br />

Armin Wolf, Thomas Glavinic), arbeitet<br />

federführend an Fernsehprojekten mit (Die<br />

kranken Schwestern, Die 4 da, Wir Staatskünstler)<br />

und verfasst Kolumnen, Reportagen,<br />

Kurzgeschichten und Drehbücher.<br />

Mit seinen Programmen, die er ausschließlich<br />

selbst schreibt, ist er immer am<br />

Puls der Zeit. Ok, manchmal ist er ihr voraus<br />

und uns auch, aber er stellt sich dabei<br />

nie über uns (allenfalls als Staatskünstler),<br />

sondern bestenfalls neben uns.<br />

Dementsprechend heißt sein neues Programm<br />

„Zukunft“ (zu sehen im Treibhaus).<br />

Und in der Zukunft hat zum Beispiel der<br />

Stammtischcapo schlechte Karten, denn der<br />

stille, nickelbebrillte Pubertätsspargel, der<br />

vis à vis am naturtrüben Apfelsaft nuckelt,<br />

entlarvt via google am handy alle seine<br />

„G’schichterln“ als fakenews. Wikipedia als<br />

Tod des Wirtshaus-Klassensprechers. Diese<br />

Aussicht muss man erst einmal verkraften.<br />

Die Macht<br />

der Maschinen<br />

27<br />

Doch es geht weiter. Es geht um von<br />

Maschinen dahingeraffte Jobs, selbstfahrende<br />

Autos, die man effizienterweise<br />

gleich bei der Formel 1 einsetzen sollte, und<br />

natürlich um Google, Amazon und Co, die<br />

heute „viel besser wissen als du, was dir als<br />

Nächstes am besten gefällt“.<br />

Es geht noch weiter, denn Maurer<br />

erzählt auch von jener Schar an New-Economy-Milliardären,<br />

die sich seit einiger<br />

Zeit mit Nachdruck darum kümmern, ihr<br />

eigenes Dahinscheiden zu stoppen. Paypal-Gründer<br />

und Facebook-Investor Peter<br />

Thiel zum Beispiel erneuert neuerdings mit<br />

Erfolg seine Zellen durch die Verabreichung<br />

von Blut jüngerer Artgenossen.<br />

Maurer dazu in einem Interview: „Ja,<br />

US-Investor Peter Thiel hat überhaupt<br />

erklärt, dass er nicht sterben wird. Und<br />

in dieses Ziel – Lebensverlängerung und<br />

Altersprozessumkehrung – stecken diese<br />

Leute von der Google-Partie unpackbare<br />

Summen. Was Science Fiction war, versucht<br />

man momentan mit einem hohen Kapitalund<br />

Know-how-Einsatz zu realisieren. Elon<br />

Musk, PayPal- und Tesla-Gründer, dem<br />

auch das private Raumfahrtunternehmen<br />

SpaceX gehört, investiert in Richtung Hirn-<br />

Maschine-Verschmelzung und Überleben<br />

auf Silicium-Basis“.<br />

Natürlich bekommt auch die aktuelle<br />

Politik ihr Fett ab und nicht nur die<br />

Regierung Schwarz-Blau 2.0, von der es im<br />

Programm heißt, sie sei „so sinnvoll, wie<br />

sich die Milchzähne noch einmal einsetzen<br />

zu lassen“. Es heißt eben auch: „Früher<br />

konnten die Grünen ihn nicht kontrollieren,<br />

heut geht’s Peter Pilz selbst so mit seinen<br />

Händen“.<br />

Texte aus<br />

eigenem Anbau<br />

Der Wiener Starkabarettist schreibt nicht<br />

nur selbst, was er dann auf der Bühne<br />

spricht, sondern auch Texte, die zum stillen<br />

Lesen gedacht, aber auch zum lauten Vorlesen<br />

geeignet sind.<br />

Im Oeuvre des Großmeisters der<br />

tiefenentspannten Pointe finden sich<br />

satirische Glossen zu Politik und Kulinarik,<br />

skurrile Kurzgeschichten, schräge<br />

Karl-May-Schwärmereien und sogar Drehbuchauszüge<br />

aus einem Krimi, die man<br />

lesen kann.<br />

<strong>No</strong>ch besser natürlich, wenn Thomas<br />

Maurer selbst eine Auswahl trifft und sie<br />

bühnentauglich vorträgt!<br />

Sardinienprodukte untermalt den Abend<br />

kulinarisch mit Wein und einer Vorab-Verkostung<br />

von sardischen Köstlichkeiten!<br />

Kommen Sie also rechtzeitig.<br />

Buchtipp:<br />

Thomas Maurer:<br />

Das Hirn muss einen<br />

Saumagen haben<br />

Czernin Verlag, 176 S., € 18,–<br />

Veranstaltung:<br />

Ab Hof – Texte aus eigenem<br />

Anbau; ein literarischsatirischer<br />

Abend<br />

mit Thomas Maurer,<br />

Fr., 12. Oktober 2018,<br />

19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Eintritt: € 9,– /<br />

mit Kundenkarte € 7,–<br />

Eine Veranstaltung der<br />

Wagner’schen Universitätsbuchhandlung,<br />

Sardinienprodukte<br />

und 8ungKultur<br />

sardinienprodukte


Zur<br />

Weihnachtszeit<br />

ein Kiachl mit<br />

Sauerkraut.<br />

Thomas Stipsits<br />

©Ingo Pertramer<br />

28 Wagner’sche.


Mit 18 startet er schon seinen kometenhaften<br />

Aufstieg, so dass er jetzt – mit knapp 35 –<br />

zu den Arrivierten gehört. Und zwar nicht<br />

nur als Kabarettist, nein auch als Schauspieler<br />

gehört er zu den heimischen Größen.<br />

Nun ist Thomas Stipsits auch als Autor<br />

durchgestartet, sein Episodenroman „Das<br />

Glück hat einen Vogel“ (Ueberreuter) ist<br />

zum Bestseller avanciert. Bevor er das Buch<br />

– samt Gitarre, wie er uns versprochen hat –<br />

in der Wagner’schen präsentiert, hat er uns<br />

noch ein paar Fragen beantwortet.<br />

2004 bist du zum ersten Mal vor<br />

Tiroler Publikum gestanden, seitdem<br />

sind deine Beziehungen zu<br />

Tirol auf jeden Fall intensiver.<br />

Was hat sich verändert?<br />

Ich bin seit über vier Jahren mit einer Tirolerin<br />

verheiratet und dadurch komme ich<br />

öfter nach Innsbruck. Ich mag diese Stadt<br />

sehr gerne, zumal sie nicht nur Urbanes<br />

bietet, sondern auch die Möglichkeit zu<br />

wandern. Und zur Weihnachtszeit ist ein<br />

Kiachl mit Sauerkraut ein Fixpunkt.<br />

2001 begann die Kabarettkarriere,<br />

danach kam die Filmkarriere<br />

dazu und jetzt bastelst<br />

du an der Autorenkarriere?<br />

Ich sehe mich nicht als Autor im klassischen<br />

Sinn, sondern mehr als ein Geschichtenerzähler.<br />

Die Erfahrung, ein Buch geschrieben<br />

zu haben, möchte ich auf keinen<br />

Fall missen, es öffnet einem wieder neue<br />

Blickwinkel, die auch für die Bühne hilfreich<br />

sein können.<br />

„Das Glück hat einen Vogel“<br />

kann man als Episodenroman in<br />

25 Kapiteln und einem Extra-I<br />

bezeichnen. Wie bist du auf<br />

diese Form gekommen?<br />

Ich hatte ganz großen Respekt davor.<br />

Schließlich schreibt sich ein Buch ja nicht<br />

von heute auf morgen. Ich habe die Form<br />

der Kurzgeschichte gewählt, weil ich mir<br />

noch nicht zutraute, einen dramaturgischen<br />

Bogen über 300 Seiten zu spannen. Über<br />

fünf bis sechs Seiten schon. Der Beginn war<br />

das schwierigste, danach, als ich drei, vier<br />

Wie geht’s mit dem Kabarettisten<br />

Stipsits weiter?<br />

Ich spiele aktuell mein Solo-Programm<br />

„Stinatzer Delikatessen“. Zum Glück ist<br />

die Nachfrage sowohl von Publikum als<br />

auch von Veranstaltern so groß, dass ich<br />

die nächsten zwei Jahre gut beschäftigt sein<br />

werde.<br />

Und wie mit dem Schauspieler?<br />

Am 1. Februar 2019 kommt mein neuer<br />

Film „Love Machine“ in die Kinos. Eine<br />

romantische Komödie über einen arbeitslosen<br />

Musiker, der aus Verzweiflung<br />

Callboy für reifere Damen wird.<br />

Was hat der Autor Stipsits vor?<br />

Ich werde einen Krimi schreiben, der in<br />

Stinatz angesiedelt ist. Die Hauptfigur wird<br />

eine burgenländische Variante von Columbo<br />

sein.<br />

Lieber Oscar oder <strong>No</strong>belpreis?<br />

Ich würde mich schon über eine Romy<br />

freuen.<br />

Thomas<br />

Stipsits<br />

Thomas Stipsits, geboren 1983 in Leoben,<br />

aufgewachsen u. a. in der südburgenländischkroatischen<br />

Gemeinde Stinatz, für die er immer<br />

noch gerne ein Freibad bauen würd’, ist einer der<br />

bekanntesten Kabarettisten Österreichs. Auch als<br />

Schauspieler („Braunschlag“, „Vorstadtweiber“<br />

oder „Tatort“) ist er längst kein Unbekannter mehr.<br />

Im Treibhaus ist er noch einmal mit seinem<br />

Bühnenpartner Manuel Rubey in „Gott & Söhne“<br />

zu erleben. Im ORF sieht man ihn zur Zeit mit<br />

seiner Ehefrau, der Tirolerin Katharina Strasser,<br />

in der Comedy-Serie „Gemischtes Doppel“.<br />

Bücher seit 1639<br />

Einer der auszog,<br />

die Herzen zum<br />

Lachen zu bringen.<br />

Thomas Stipsits<br />

im Gespräch mit<br />

Robert Renk<br />

29<br />

Geschichten geschrieben hatte, kam ich in<br />

einen regelrechten Schreibrausch. Es hat<br />

enorm viel Spaß gemacht. Es freut mich<br />

auch wahnsinnig, dass sich das Buch so gut<br />

verkauft hat.<br />

Auch im aktuellen Kabarettprogramm<br />

„Gott & Söhne“,<br />

gemeinsam mit Manuel Rubey, geht’s<br />

ums Glück. Im Treibhausprogramm<br />

liest man vom „Abschied als Duo“.<br />

Echt jetzt?<br />

Nein. Es ist nur ein Abschied auf Zeit.<br />

Wir sind die letzten sieben Jahren gemeinsam<br />

unterwegs gewesen und brauchen<br />

einfach künstlerischen Abstand. Sollten<br />

wir jetzt gleich ein drittes Programm nachschießen,<br />

wäre die Gefahr sehr groß, dass<br />

wir uns zu wiederholen beginnen, und das<br />

wollen wir beide nicht. Lieber ein paar<br />

Jahre Pause, um den eigenen Rucksack<br />

kreativ zu bestücken, und dann wieder<br />

künstlerisch aufeinandertreffen, um mit<br />

freiem Kopf und neuen Ideen an einem<br />

Programm zu arbeiten. Es wird also sicher<br />

wieder ein neues Programm von uns geben.<br />

Buchtipp:<br />

Thomas Stipsits:<br />

Das Glück hat einen Vogel<br />

Ueberreuter Verlag,<br />

160 S., € 19,95<br />

Lesung:<br />

Das Glück hat einen Vogel<br />

mit Thomas Stipsits,<br />

Gitarre und Buch<br />

Di., 06. <strong>No</strong>vember 2018,<br />

19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Eintritt: € 9,– /<br />

mit Kundenkarte € 7,–


© www.fotowerk.at<br />

Hass, Liebe,<br />

Freundschaft<br />

und Todeskampf.<br />

Bernhard Aichner<br />

Buchtipp:<br />

Bernhard Aichner<br />

Bösland<br />

btb Verlag, 445 S., € 20,60<br />

30 Wagner’sche.


Bücher seit 1639<br />

Er ist der Exportschlager in Sachen Thriller,<br />

wurde mit der Bestattungsunternehmerin<br />

Blum weit über die Grenzen bekannt, wird<br />

in den USA verfilmt, hat zwischendurch –<br />

ebenso erfolgreich – das größte Krimifest<br />

Österreichs gegründet (gem. mit Markus<br />

Hatzer) und führt uns jetzt im Herbst – mit<br />

seinem lang erwarteten neuen Roman – ins<br />

Bösland! Dabei ist er selbst gar nicht böse,<br />

ist vielmehr bei den Kollegen rasend beliebt<br />

und ein absoluter Publikumsliebling.<br />

Im Rahmen des zweiten Krimifests<br />

Tirol wird auch dein neuer Roman<br />

„Bösland“ präsentiert.<br />

Ja und das gleich zweimal. Einmal im Treibhaus<br />

und dann noch einmal später in der<br />

Wagner’schen. Es ist eine große Freude für<br />

mich, dass nach der Blum-Trilogie nun ein<br />

neuer, abgeschlossener Thriller erscheint.<br />

Ganz neue Helden, eine völlig neue Geschichte,<br />

die es aber mindestens so in sich<br />

hat wie die Totenfrau.<br />

Bernhard<br />

Aichner<br />

Kommt mit ins<br />

Bösland.<br />

Robert Renk im<br />

Gespräch mit<br />

Bernhard Aichner<br />

31<br />

Hauptfiguren, das kann man schon<br />

verraten, sind zwei ehemalige<br />

Jugendfreunde, die sich nach 30<br />

Jahren wieder begegnen. Und das hat<br />

seine Gründe.<br />

Genau. 1987 kommt es auf einem Dachboden<br />

zu einem Mord. Ein 13-Jähriger erschlägt<br />

seine Mitschülerin. 30 Jahre später,<br />

kommen Dinge ans Licht, die damals noch<br />

nicht so klar waren, es kommt zum megaspannenden<br />

Showdown in Thailand.<br />

Eine Art Duell der Freunde.<br />

Ja, das Buch spielt mit dieser Mischung<br />

aus Hass und Liebe, aus Freundschaft und<br />

Todeskampf. Das geht dann schon sehr ans<br />

Eingemachte, bis es sich am Ende dramatisch<br />

zuspitzt, gespickt natürlich wieder mit<br />

einer wunderbaren Liebesgeschichte.<br />

Also verrätst du uns schon ein<br />

Happy End?<br />

Naja, ein Happy End ist auch immer eine<br />

Frage der Perspektive, es kann nicht für alle<br />

gut ausgehen.<br />

Deine Bücher sind besonders,<br />

vor allem durch den typischen Stil.<br />

Es gibt so diesen bestimmten<br />

Aichner-Ton.<br />

Ich wollte immer meinen eigenen Ton finden,<br />

mit dem ich meine Geschichten erzähle,<br />

unverwechselbar sein. Dass das nun von<br />

so vielen LeserInnen angenommen wird,<br />

freut mich extrem. Ich bin sehr dankbar.<br />

Wichtig bei deinem Stil sind auch<br />

die sehr gekonnt eingesetzten<br />

rauschhaften Dialoge …<br />

Ich wollte eine neue Form im Roman<br />

etablieren, Dialoge so schreiben, dass sie<br />

ohne Erzähler auskommen. Ping, Pong.<br />

Die Frage war, ob man das einem breiten<br />

Publikum zumuten kann? Die Antwort<br />

war ganz eindeutig Ja.<br />

War es schwer, das beim Lektorat so<br />

durchzusetzen.<br />

Ich habe mit Regina Kammerer eine sehr<br />

mutige und tolle Verlegerin, die mich auch<br />

lektoriert. Sie hat mich immer bestärkt<br />

und mir Mut gemacht.<br />

Dein Verlag hat sich auch einiges<br />

einfallen lassen, um das Bösland zu<br />

bewerben.<br />

Ja, auf einer eigenen Homepage (www.<br />

boesland.de) kann man das Bösland erkunden,<br />

wir machen Lust auf das Buch,<br />

es gibt Leseproben, die Figuren werden<br />

vorgestellt, der btb-Verlag ist hier mal ganz<br />

neue Wege gegangen.<br />

Auch bei deinen Lesungen lässt du<br />

dir immer was einfallen.<br />

Klar, bei der BÖSLAND-TOUR bin ich<br />

gemeinsam mit Florian Eisner unterwegs.<br />

Ein toller Schauspieler, Regisseur und<br />

Musiker, der u. a. langjähriger Leiter des<br />

theater präsent in Innsbruck war und nun<br />

in Salzburg lebt. Mit ihm war ich heuer im<br />

Frühjahr schon 30mal auf Tour mit „Totenrausch“,<br />

auf der neuen Tour werden wir<br />

wieder gemeinsam rocken.<br />

Und für das Krimifest, das ja<br />

wieder über 40 AutorInnen in ganz<br />

Tirol präsentiert, hast du da einen<br />

Geheimtipp für uns?<br />

Neben dem wunderbaren Abend in der<br />

Wagner’schen am 17.10., den Lesungen von<br />

Marc Elsberg und Stefan Fitzek, freue ich<br />

mich ganz besonders auf den Finnenabend<br />

mit Antti Tuomainen und Jan Costin Wagner<br />

am 14.10. im Treibhaus. Wir werden da<br />

ganz großes Krimikino erleben!<br />

Bernhard Aichner (geb. 1972) lebt als Schrift steller<br />

und Fotograf in Innsbruck. Aichner schreibt<br />

Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Für seine<br />

Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen<br />

und Stipendien ausgezeichnet. Für seinen Thriller<br />

„Totenfrau“ erntete er begeisterte Kritiken, er stand<br />

damit sowohl in Österreich als auch in Deutschland<br />

auf der Bestsellerliste, der Roman wurde in<br />

zwölf Länder verkauft, eine Fernsehserie ist in<br />

Vorbereitung. Im Haymon Verlag erscheint seine<br />

Krimi-Reihe rund um Totengräber Max Broll.<br />

Buchpräsentation:<br />

Bösland<br />

2×Bernhard Aichner gemeinsam<br />

mit Florian Eisner<br />

Do., 18.10.2018, 20 Uhr<br />

Treibhaus<br />

Do., 22.11.2018, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Eintritt: € 9,– /<br />

mit Kundenkarte € 7,–


Ein Panoptikum<br />

des Verbrechens<br />

Das Krimifest Tirol zu Gast in der Wagner’schen.<br />

Von Linda Müller<br />

Zum zweiten Mal steht das Krimifest Tirol<br />

ins Haus. Alle Indizien deuten darauf hin,<br />

dass es auch dieses Jahr wieder mörderisch<br />

spannend wird. In der Wagner’schen geben<br />

sich mit Thomas Baum, Simone Buchholz,<br />

Ursula Poznanski und Arno Strobel gleich<br />

vier Krimi-Größen die Ehre.<br />

Buchtipp:<br />

Ursula Poznanski<br />

und Arno Strobel:<br />

invisible<br />

Wunderlich Verlag,<br />

368 S., € 15,50<br />

Krimifest Innsbruck:<br />

Mit Thomas Baum, Simone Buchholz,<br />

Ursula Poznanski & Arno Strobel<br />

Mi., 17. Oktober 2018, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />

Eintritt: € 9,– / mit Kundenkarte € 7,–<br />

Moderation: Markus Renk<br />

© Gaby Gerster<br />

Wut. Wut ist das bestimmende Gefühl in<br />

„invisible“, dem neuen Thriller von Ursula<br />

Poznanski und Arno Strobel. Nina Salomon<br />

und Daniel Buchholz stehen vor einem<br />

Rätsel: Eine Serie von grausamen Morden<br />

erschüttert Deutschland – und alle scheinen<br />

mehr oder weniger ohne Motiv geschehen<br />

zu sein. Keiner der Täter hat sein Opfer<br />

gekannt. Aber sie alle waren ergriffen von<br />

einer unbändigen Wut …<br />

Was ist geschehen? Wurden die Täter<br />

manipuliert? Die Spur führt ins Internet<br />

– und ist verstörend aktuell … „Für den<br />

Durchschnittsuser ist vieles nicht zu durchschauen“,<br />

sagen Poznanski und Strobel<br />

auf die Frage, ob das World Wide Web<br />

und Fake News für sich genommen schon<br />

eine bedrohliche Atmosphäre aufbauen.<br />

„Man kann nie ganz sicher sein, mit<br />

wem man es zu tun hat. Das ist wirklich<br />

guter Nährboden für Spannungsromane<br />

aller Art.“ Ein Spannungsroman der besonderen<br />

Art ist Poznanski und Strobel<br />

mit „invisible“ gelungen – wo zwei Profis<br />

aufeinandertreffen, verdoppelt sich die<br />

Spannung!<br />

Ähnlich aktuell ist „Mexikoring“, der<br />

neue Kriminalroman von Simone Buchholz.<br />

Im Hamburger <strong>No</strong>rden brennen<br />

Autos, und zwar jede Nacht. Und dann<br />

passiert es: Als wieder einmal ein Wagen in<br />

Flammen aufgeht, sitzt noch jemand am<br />

Steuer. Die toughe Staatsanwältin Chastity<br />

Riley ermittelt – und taucht ein in die<br />

32<br />

Wagner’sche.


weit verzweigte Parallelwelt des organisierten<br />

Verbrechens und der kriminellen<br />

Clans, mitten im Zwielicht des Hamburger<br />

Schanzenviertels. Der verstorbene <strong>No</strong>uri<br />

Saroukhan war ein Clanabkömmling, der<br />

seiner Familie den Rücken gekehrt hat. Als<br />

Chas Riley seiner Geschichte nachspürt,<br />

findet sie heraus, wer der Grund für seinen<br />

Ausbruch aus der Familie war: Aliza. Weiß<br />

die junge Frau mehr über <strong>No</strong>uris Tod?<br />

Wahlhamburgerin Simone Buchholz,<br />

früher Kellnerin, Kolumnistin und Redakteurin,<br />

erzählt „von der Liebe, vom Tod<br />

und vom Fußball“. Mit sehr viel Feingefühl<br />

zeichnet sie ein Abbild der Gesellschaft<br />

und von deren Schattenseiten. In ihren<br />

Kriminalromanen zeigt sie nicht nur das<br />

Verbrechen selbst, sondern auch die Strukturen,<br />

aus denen es entsteht.<br />

Auch im Linzer Konzerthaus geht ein Verbrecher<br />

um: Kommissar Robert Worschädl<br />

ermittelt, nachdem ein Musiker mit einer<br />

Saite erdrosselt wurde. Was erst nach<br />

Konkurrenzkämpfen innerhalb des Orchesters<br />

aussieht, führt Worschädl schließlich<br />

nach Italien – und auf die Spur von Geldfälschern.<br />

Thomas Baum, der sich unter anderem<br />

als Drehbuchautor verdient gemacht<br />

hat – er steckt hinter dem österreichischen<br />

Kinohit „In 3 Tagen bist du tot“ sowie<br />

hinter mehreren „Tatort“- und „Rosenheim-Cops“-Folgen<br />

– versteht es auch auf<br />

dem Papier, atemlose Verfolgungsjagden,<br />

schnelle Wendungen und größtmögliche<br />

Spannung zu erzeugen. „Beim Drehbuchschreiben<br />

lernt man viel über das Handwerk<br />

des Erzählens“, sagt Baum. Aber auch aus<br />

einem ganz anderen Bereich bringt Baum<br />

Erfahrung mit: Er arbeitet als Supervisor<br />

und psychologischer Berater. Hier lernt er<br />

verschiedenste, auch sehr schwierige, Welten<br />

und Wirklichkeiten kennen. Seinen Figuren<br />

ist das anzumerken – sie sind vielschichtig<br />

und nachvollziehbar, authentisch und<br />

individuell.<br />

Drei Romane, vier AutorInnen, unzählige<br />

Facetten und Überraschungen: Der Krimifest-Abend<br />

in der Wagner’schen wird ein<br />

absolutes Highlight!<br />

© Achim Multhaupt<br />

Buchtipp:<br />

Simone Buchholz:<br />

Mexikoring<br />

Suhrkamp Verlag,<br />

250 S., € 15,40<br />

© Reinhard Winkler<br />

Buchtipp:<br />

Bücher seit 1639<br />

33<br />

Thomas Baum:<br />

Tödliche Fälschung<br />

Haymon Verlag,<br />

312 S., € 12,95


Es ist<br />

viel Arbeit,<br />

die richtigen<br />

Sachen<br />

wegzulassen.<br />

Wolf Haas<br />

© Josef Perndl<br />

34 Wagner’sche.


Bücher seit 1639<br />

Ein literarisches Roadmovie, das nach<br />

Benzin riecht, nach Griechenland schmeckt<br />

und nach George Harrison klingt. <strong>No</strong>ch<br />

knapper, noch direkter und noch dichter als<br />

bisher erzählt Wolf Haas in mitreißendem<br />

Ton aus der Perspektive eines 13-Jährigen.<br />

Der ist „ein bisschen zu dick und ein bisschen<br />

zu jung“ für seine erste große Liebe. Daran<br />

kann man arbeiten, denkt er sich, und stört<br />

sich daher auch nicht daran, dass „sie ein<br />

bisschen zu schön und ein bisschen zu verheiratet<br />

für ihn“ ist. Und wie das Leben so<br />

spielt, sitzt er plötzlich neben ihrem Mann,<br />

dem schweigenden Tscho, im LKW Richtung<br />

Griechenland. Wie sich eine freundschaftliche<br />

Beziehung zum Nebenbuhler dennoch<br />

ausgeht und wie es so ist, auf der Schnellstraße<br />

ins Erwachsen-Werden, das zeigt<br />

dieser wunderbare, flotte, direkte und kluge<br />

Roman. Bevor Wolf Haas diesen auch in<br />

Innsbruck präsentiert, hat er uns netterweise<br />

noch ein paar Fragen beantwortet.<br />

Wolf<br />

Haas<br />

Ein schlankes<br />

Buch über einen<br />

dicken Jungen.<br />

Robert Renk<br />

35<br />

Der dritte Roman abseits der<br />

Brennerkrimis. Es gibt gewisse<br />

Parallelen zwischen der Hauptfigur,<br />

dem 13-jährigen Ich-Erzähler und<br />

dem Autor Wolf Haas. Ist es das<br />

persönlichste Buch?<br />

Persönlich ist jedes Buch, man kann ja auch<br />

dem Brenner oder seinem Widersacher die<br />

eigene Erinnerung an die Lieblingstante<br />

unterjubeln. Aber natürlich ist „Der junge<br />

Mann“ stärker autobiographisch gefärbt.<br />

Dabei geht es aber nicht nur um die Fakten,<br />

sondern einfach um das Lebensgefühl, an<br />

das man sich erinnert …<br />

Der Roman erzeugt sprachlich und<br />

durch die Erzählperspektive einen<br />

Sog, der noch stärker ist, als z. B. bei<br />

den Brenner-Romanen. Es scheint<br />

mir – so locker-lässig das alles klingt<br />

– doch knochenharte Arbeit am Text,<br />

vor allem am Verdichten und Kürzen<br />

gewesen zu sein. Lieg ich falsch?<br />

Wenn Sie diesen Sog wahrnehmen, freut<br />

mich das. Es ist tatsächlich viel Arbeit, die<br />

richtigen Sachen wegzulassen, damit er<br />

entsteht. Vor allem am Beginn der Arbeit,<br />

wo die Geschichte ja noch in jedem vorstellbaren<br />

Tonfall erzählt werden könnte. Aber<br />

wenn man den Ton einmal gefunden hat,<br />

geht es fast von selbst.<br />

Wenn man sagt, der Roman riecht<br />

nach Benzin, schmeckt nach<br />

Griechenland und klingt nach George<br />

Harrison, ist das nur die halbe<br />

Wahrheit, was wäre – Ihrer Meinung<br />

nach – die andere Hälfte?<br />

Ich bin ja ein Freund der halben Wahrheit,<br />

also lass ich das mal so stehen.<br />

Inuit haben – der Legende nach<br />

– über 20 Wörter für Schnee,<br />

Yanomani aus dem Amazonasgebiet<br />

noch viel mehr, um die Nuancen der<br />

Farbe Grün zu verdeutlichen. Wolf<br />

Haas schafft es – witzig und schlau –<br />

fast eben so viele Beschreibungen fürs<br />

Schweigen zu liefern. Kennt er sich<br />

da so gut aus?<br />

Das ist eigentlich weniger eine private als<br />

eine literarische Vorliebe, weil es in der<br />

Natur des Schweigens liegt, dass es einen an<br />

die Grenzen des sprachlich Darstellbaren<br />

bringt.<br />

Was darf das Tiroler Publikum am<br />

21.11.2019 im Treibhaus erwarten<br />

und was erwarten Sie vom Tiroler<br />

Publikum?<br />

Leider denke ich immer nur einen Tag voraus,<br />

das macht die Leute in meinem Umfeld<br />

wahnsinnig.<br />

Wolf Haas wurde 1960 in Maria Alm am Steinernen<br />

Meer geboren. Er ist ein Exportschlager der österreichischen<br />

Literatur. Seine Brenner-Krimis erschienen<br />

ab 1996 in acht Bänden, zuletzt Brennerova<br />

(2014). Vier davon wurden auch verfilmt, mit Josef<br />

Hader in der Hauptrolle. Auch die Idee zu „Vier<br />

Frauen und ein Todesfall“ stammt von ihm. Der<br />

Roman „Das Wetter vor 15 Jahren“ erschien 2006,<br />

„Verteidigung der Missionarsstellung“ 2012 bei<br />

Hoffmann und Campe. Wolf Haas lebt in Wien.<br />

Buchtipp:<br />

Wolf Haas:<br />

Junger Mann<br />

Hoffmann und Campe Verlag,<br />

240 S., € 22,70<br />

Lesung:<br />

Junger Mann<br />

Wolf Haas<br />

Mi. 21.11.2018 um 20:00 Uhr<br />

Treibhaus<br />

Eintritt: € 23,– / € 18,– (VVK)<br />

direkt im Treibhaus!


Radl, Bücher &<br />

Kaspressknödel<br />

Christian Beirer<br />

© Wilfried Gostner<br />

36 Wagner’sche.


7 Fragen an Christian Beirer<br />

Die Septemberschaugalerie der Wagner’schen hat etwas<br />

besonderes gezeigt: vier Fenster, die nicht nur vom Tiroler<br />

Künstler, den alle „Yeti“ rufen, gestaltet wurden, nein,<br />

er hat die Bilder – meist Acryl auf Holz – extra passend<br />

zu unseren Büchern und Veranstaltungen gefertigt.<br />

So auch die fünf AutorInnenporträts am Titelbild.<br />

Bücher seit 1639<br />

Womit kann man<br />

Sie bestechen?<br />

mit einer knackigen radltour z.b. auf die<br />

innsbrucker seegrube. weiters mit selbstgemachten<br />

kaspressknödeln, guten büchern<br />

und einem brauchbaren radl<br />

(kein e-bike!)<br />

Wobei vergessen Sie<br />

völlig die Zeit?<br />

beim bücherlesen, beim radln und beim<br />

zeichnen und malen.<br />

Was bewundern Sie an<br />

anderen Männern?<br />

in zeiten wie diesen, ich sag da nur „me<br />

too-debatte“ ...., den humor nicht zu verlieren.<br />

mut, improvisionsgabe und durchhaltevermögen.<br />

Was möchten Sie werden,<br />

wenn Sie groß sind?<br />

als ich zarte 6 jahre alt war: astronaut<br />

– mittlerweile, einige zarte jahre älter:<br />

würde ich gerne irgendwann mit dem holz<br />

verwittern .... nein besser, berühmt werden<br />

wie der dings, eine luxuslimousine, drinks,<br />

monica und .... ok, ich hör eh schon wieder<br />

auf.<br />

37<br />

Worauf hoffen Sie?<br />

eine bessere welt – ja, sie haben sich nicht<br />

verlesen, das sollte eigentlich das primärziel<br />

von uns menschen sein!<br />

und ganz persönlich, wenn es soweit ist,<br />

dann bitte mit stil, also mit dem radl am<br />

berg heroben, die flasche bier<br />

austrinken, das panorama<br />

bewundern und ende.<br />

Mit welcher berühmten<br />

Person, lebend oder schon<br />

gestorben, würden Sie<br />

gerne noch ein Gläschen<br />

heben?<br />

mit dem orginal yeti würde ich gerne auf<br />

der serles die eine oder andere flasche wein<br />

aus reinhold messners exzellenten (!!!) weinbestand<br />

trinken, ja das wäre schön!<br />

Sie verbringen eine<br />

Nacht in der Wagner’schen.<br />

Über welche Bücher gebeugt<br />

würde man Sie in<br />

der Früh finden?<br />

oh schwierig, wo fängt man da an .... also<br />

aufwachen würde ich mit einem gedicht<br />

von norbert c. kaser, sepp mall und josé<br />

f.a. oliver, dann würde ich das leere weinglas<br />

beiseite schieben und die fabelhafte<br />

abhandlung des herrn martin fritz über<br />

den genuss von bier lesen. es folgen wieder<br />

gedichte, diesmal von friederike mayröcker.<br />

schnell noch eine melange und mit antonio<br />

fians dramolette beschließen wir das ganze<br />

und schlafen wieder ein.<br />

Christian Yeti Beirer, geboren in Oberletzen/<br />

Reutte in Tirol an einem Sonntag im September des<br />

Jahres 1966. Hat dort leidlich, aber mit Erfolg eine<br />

Kochlehre gemacht und später Politikwissenschaft<br />

in Innsbruck studiert. Zahlreiche Ausstellungen,<br />

Performances (u.a. „Die Knödelsprengung“),<br />

Karikaturen, Transparente, Bühnenbilder sowie<br />

Kalender-, Buch-, und Plakatillustrationen umfassen<br />

seinen künstlerischen Werdegang. Außerdem bietet<br />

er Buch- und Kunstwerkstätten für Kinder an!<br />

Zuletzt hat er gemeinsam mit Peter Wallgram das<br />

Tiroler Almquartett, das Vorarlberger Alpquartett<br />

sowie das Südtiroler Almquartett (alle Haymon)<br />

hervorgebracht.<br />

Buchtipp:<br />

José F.A. Oliver:<br />

Wundgewähr Gedichte<br />

Matthes & Seitz Verlag,<br />

224 S., € 24,70


Peter Henisch – ein Autor<br />

mit politischem Anspruch<br />

Eine Veranstaltung von Literaturhaus am Inn<br />

in Kooperation mit der Wagner’schen Buchhandlung<br />

Forum:<br />

© Heribert Corn<br />

Montagsfrühstück. Forum für<br />

strategische Langsamkeit<br />

„Mythos 1968 – was bleibt von<br />

der Protestbewegung?“<br />

mit Marcel Amoser und Peter<br />

Henisch im Gespräch<br />

Moderation: Gabriele Wild<br />

Mo., 19. <strong>No</strong>vember 2018<br />

um 09:00 Uhr<br />

Literaturhaus am Inn,<br />

Josef-Hirn-Str. 5/10. Stock<br />

Eintritt frei!<br />

Buchtipp:<br />

Peter Henisch:<br />

Siebeneinhalb Leben<br />

Deuticke Verlag,<br />

128 S., € 18,50<br />

Peter Henisch, der heuer seinen 75. Geburtstag<br />

feierte, hat sich längst in die<br />

österreichische Gegenwartsliteratur eingeschrieben.<br />

Henisch versteht sich als „Autor<br />

mit politischem Anspruch“ und als solcher<br />

begleitet er seit über 40 Jahren kritisch und<br />

stets mit Ironie die österreichische Zeitgeschichte.<br />

Im Diskussionsforum „Montagsfrühstück“<br />

im Literaturhaus am Inn wird Peter<br />

Henisch zum Thema „Mythos 1968 – was<br />

bleibt von der Protestbewegung?“ mit dem<br />

Historiker Marcel Amoser ins Gespräch<br />

kommen. Wie üblich ist das Publikum nicht<br />

nur zu Croissants und Kaffee, sondern auch<br />

zur Beteiligung an der Diskussion eingeladen.<br />

Abends präsentiert Peter Henisch in<br />

der Wagner’schen seinen aktuellen Roman<br />

„Siebeneinhalb Leben“ (Deuticke), eine<br />

politische und geistreiche Auseinandersetzung<br />

mit der Gegenwart, in der sich<br />

Peter Henisch einmal mehr als einer der<br />

ganz großen Erzähler präsentiert.<br />

Buchpräsentation:<br />

Siebeneinhalb Leben<br />

mit Peter Henisch<br />

Moderation: Gabriele Wild<br />

Mo., 19. <strong>No</strong>vember 2018<br />

um 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Eintritt frei!<br />

38<br />

Wagner’sche.


Ein Zeitdokument.<br />

Ein Roman. Eine Wucht!<br />

Die Herbstsensation aus Frankreich.<br />

Von Robert Renk<br />

Die französische Literatur blüht auf, in<br />

den letzten Jahren hat sich sehr viel getan<br />

und Michel Houellebecq hat potente<br />

Konkurrenz bekommen. Éric Vuillard hat<br />

mit „Die Tagesordnung“ (Matthes & Seitz)<br />

im Frühjahr schon einen grandiosen Roman<br />

vorgelegt, in dem er die Tage der Machtergreifung<br />

der Nazis punktgenau Revue<br />

passieren lässt. Nun lässt Olivier Guez<br />

aufhorchen und zeichnet den Weg eines der<br />

bestialischsten Verbrecher dieser Zeit nach!<br />

1949 flüchtet Josef Mengele, der grausame<br />

Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien.<br />

In Buenos Aires trifft er auf ein<br />

dichtes Netzwerk aus Unterstützern, unter<br />

ihnen Diktator Perón, und baut sich Stück<br />

für Stück eine neue Existenz auf. Mengele<br />

begegnet auch Adolf Eichmann, der ihn<br />

zu seiner großen Enttäuschung nicht einmal<br />

kennt. Der Mossad sowie Nazi-Jäger<br />

Simon Wiesenthal und Generalstaatsanwalt<br />

Fritz Bauer nehmen schließlich die Verfolgung<br />

auf. Mengele rettet sich von einem<br />

Versteck ins nächste, lebt isoliert und wird<br />

finanziell von seiner Familie in Günzburg<br />

unterstützt. Erst 1979, nach dreißig Jahren<br />

Flucht, findet man die Leiche von Josef<br />

Mengele an einem brasilianischen Strand.<br />

Dieser preisgekrönte Tatsachenroman von<br />

Olivier Guez, der in Frankreich sofort zum<br />

Sensationsbesteller wurde, liest sich wie ein<br />

rasanter Politthriller und wahrt zugleich die<br />

notwendige Distanz.<br />

Olivier Guez,1974 in Straßburg geboren, ist Autor<br />

und Journalist. Er arbeitete unter anderem für Le<br />

Monde, die New York Times und die Frankfurter<br />

Allgemeine Zeitung (FAZ). Für das Drehbuch von<br />

„Der Staat gegen Fritz Bauer“ erhielt er den deutschen<br />

Filmpreis. Olivier Guez lebt in Paris.<br />

© JF Paga – Grasset<br />

Buchpräsentation:<br />

Buchtipp:<br />

Olivier Guez:<br />

Das Verschwinden<br />

des Josef Mengele<br />

Aufbau Verlag,<br />

224 S., € 20,60<br />

Lesung mit Olivier Guez (zweisprachig)<br />

in Zusammenarbeit mit dem<br />

Institut franco-tyrolien d’Innsbruck<br />

Bücher seit 1639<br />

39<br />

Dienstag, 16. Oktober 2018 um 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung<br />

Eintritt frei!


Ein Lächeln mit Tränen<br />

Georgien ist das heurige Gastland bei der Frankfurter<br />

Buchmesse. Ein Interview mit der in Tbilissi lebenden<br />

Übersetzerin Rachel Gratzfeld über die Bedeutung der<br />

georgischen Literatur. Von Susanne Gurschler<br />

Könnten Sie die Geschichte der<br />

Literatur in Georgien kurz umreißen?<br />

Das Georgische besitzt mindestens seit dem<br />

5. Jahrhundert eine eigene Schrift und die<br />

altchristliche georgische Literatur ist eine<br />

der ältesten der Welt. Als Geburtsstunde<br />

der aktuellen georgischen Literatur gilt der<br />

Beginn der 1990-er Jahre. In diesen Jahren<br />

begann der erstaunlich schnelle Abbau<br />

des alten, kommunistisch-zentralistisch<br />

geprägten Literaturbetriebs. Nach den<br />

siebzig Jahren sowjetischer Strangulierung<br />

von Denken, Kunst und Literatur, nach den<br />

Bürgerkriegsjahren in den 1990-ern, nach<br />

dem empfindlichen Rückschlag durch den<br />

kurzen Krieg mit Russland 2008 blüht die<br />

georgische Literatur wieder auf.<br />

© Gilbert Schmidt<br />

Wie würden Sie die Literatur<br />

charakterisieren?<br />

In Form wie Inhalten ist die Lage Georgiens<br />

zwischen Orient und Okzident<br />

spürbar. Der orientalische Einfluss äußert<br />

sich darin, dass meist nicht linear erzählt<br />

wird, sondern in nicht chronologisch<br />

angeordneten Episoden; Erzählstränge<br />

sind oft ineinander verschlungen. Die<br />

georgischen Autoren und Autorinnen sind<br />

experimentierfreudig. Der Übergang zwischen<br />

Realem und Phantastisch-Absurdem<br />

ist oft fließend. Es gibt eine spezifisch<br />

georgische Ausprägung von Humor, der<br />

schwarz gefärbt ist und manchmal ins Skur-<br />

Buchtipps:<br />

Giwi Margwelaschwili:<br />

Das Lese-Liebeseheglück<br />

Verbrecher Verlag,<br />

448 S., € 14,40<br />

Beka Adamaschwili:<br />

Bestseller<br />

Voland & Quist Verlag,<br />

176 S., € 18,50<br />

Otar Tschiladse:<br />

Der Korb<br />

Übers. v. Kristiane Lichtenfeld<br />

Matthes & Seitz Verlag,<br />

464 S., € 30,90<br />

Ekaterine Togonidze:<br />

Einsame Schwestern<br />

Übers. v. Nino Osepashvili u.<br />

Eva Profousová<br />

Septime Verlag,<br />

180 S., € 20,–


ile oder Slapstickhafte spielt oder mit tiefer<br />

Melancholie durchwirkt ist, ein Lächeln<br />

durch Tränen hindurch. Und natürlich ist<br />

die Literatur geprägt von der Sprache – eine<br />

reiche, komplexe, bildhafte Sprache.<br />

Gibt es besonders prägnante<br />

Themen oder Genres?<br />

Es gibt kaum sogenannte Unterhaltungsliteratur,<br />

keine Krimitradition (obwohl<br />

natürlich Unterhaltungsliteratur aus dem<br />

Ausland gelesen wird). Heute dominierend<br />

ist – im Gegensatz zur Literatur des<br />

19. und 20. Jahrhunderts – eher die<br />

Kurzform: Erzählungen, Kurzromane.<br />

Der Lyrik kommt seit jeher eine große<br />

Bedeutung zu. Bemerkenswert zudem: Bis<br />

weit ins 20. Jahrhundert traten Autorinnen<br />

wenig in Erscheinung. Neben den patriarchalen<br />

Strukturen könnte eine Erklärung<br />

darin liegen, dass Frauen seltener in<br />

Schriftstellervereinigungen und an kulturellen<br />

Schaltstellen tätig waren. Das ändert<br />

sich jetzt: Autorinnen (und Verlegerinnen)<br />

haben an Präsenz und Stärke gewonnen.<br />

Und welche Themen<br />

werden bevorzugt?<br />

Zu den Themen, die die neue Generation<br />

umtreibt, gehören die Bedeutung von Heimat<br />

vor dem Hintergrund der wechselvollen<br />

Geschichte, die Natur, die sehr präsent im<br />

ländlich geprägten Leben Georgiens ist,<br />

Tbilissi als Stadt und (multikultureller)<br />

Lebensraum, Emigration, Sexualität und<br />

ihre Tabuisierung in der georgischen Gesellschaft;<br />

Geschlechterbeziehungen; die<br />

Zwänge von Tradition, Kirche und Familie;<br />

die Kluft, die durch die Gesellschaft geht;<br />

die Bedrohung durch Russland. Die mehrfache<br />

Kriegserfahrung in den letzten dreißig<br />

Jahren hinterlässt tiefe Spuren auch in der<br />

Literatur. Fast in allen in der letzten Zeit<br />

erschienenen Werken ist sie mehr oder<br />

weniger gegenwärtig.<br />

Vor welche Herausforderungen<br />

stellt die georgische Literatur<br />

Übersetzerinnen und Übersetzer?<br />

Da es bis vor kurzem kaum Übersetzungen<br />

aus dem Georgischen gab, fehlen Vorbilder.<br />

Die wenigen bestehenden Wörterbücher<br />

sind veraltet, bei Jargon und Umgangssprache<br />

müssen sich die Übersetzer selbst<br />

behelfen. Kartwelologie, die Wissenschaft,<br />

die sich mit den südkaukasischen Sprachen<br />

befasst, und Kaukasiologie werden nur an<br />

zwei, drei deutschsprachigen Universitäten<br />

gelehrt. Der Gastlandauftritt Georgiens<br />

an der Frankfurter Buchmesse 2018 ist<br />

auf wenige, acht bis neun professionelle<br />

Übersetzerinnen und Übersetzer angewiesen.<br />

Spezifische Schwierigkeiten der<br />

Übersetzung aus dem Georgischen liegen<br />

v. a. in den Eigenheiten der Sprache. Die<br />

Zeitformen unterscheiden sich grundlegend<br />

vom Deutschen. Das Substantiv kennt<br />

weder einen bestimmten noch einen unbestimmten<br />

Artikel. Eine Besonderheit ist<br />

das Fehlen des grammatischen Geschlechts.<br />

Das führt in manchen Texten zu Ungewissheit<br />

über das Geschlecht von handelnden<br />

Personen bzw. das Geschlecht ist nur an<br />

kleinsten Nuancen oder im Kontext festzumachen.<br />

Was macht die georgische Literatur<br />

für deutschsprachige Leserinnen und<br />

Leser besonders spannend?<br />

Georgien ist ein Land der Extreme und<br />

der starken Gefühle. Es gibt keine Mitte,<br />

nichts Lauwarmes. Nebeneinander finden<br />

sich hier Orient und Okzident, Tradition<br />

und Moderne, reaktionär Patriarchales und<br />

Zukunftsweisendes, enge Selbstbezogenheit<br />

und Weltoffenheit, tiefe Frömmigkeit<br />

und fundamentalistische Tendenzen der<br />

orthodoxen Kirche, Glorifizierung stalinistischer<br />

Vergangenheit und überbordende<br />

Emotionalität. Georgien ist ein Land der<br />

Widersprüche, des Aufbruchs, der Vielfalt<br />

und der Koexistenz von Verschiedenem.<br />

Und gerade deshalb lohnt es sich, auf<br />

Entdeckungsreise zu gehen.<br />

Welche Rolle spielt die<br />

Literatur in Georgien?<br />

Georgiens Buchmarkt ist mit nur<br />

3,7 Millionen Einwohnern ein sehr kleiner<br />

Markt. Aber: Die Verlage bringen Jahr für<br />

Jahr mehr <strong>No</strong>vitäten heraus, weil immer<br />

mehr Menschen Bücher kaufen oder leihen.<br />

Die Sprache, die Schrift und damit die<br />

Literatur blieben neben der Religion die<br />

einzige Konstante und Identifikationsquelle<br />

während der wechselvollen Geschichte<br />

und wurden leidenschaftlich immer wieder<br />

verteidigt. In der neueren Vergangenheit,<br />

während der Sowjetherrschaft, konnte es<br />

seine Identität nur durch die Kultur ausdrücken<br />

und bekräftigen. Nicht umsonst ist<br />

das Motto des Gastlandauftritts „Georgia<br />

Made by Characters“ und das Leitmotiv<br />

das georgische Alphabet: „Nichts passt so<br />

zum georgischen Wort und Charakter wie<br />

das georgische Alphabet, und nichts ist so<br />

georgisch wie das georgische Alphabet.“<br />

(Aka Mortschiladse)<br />

Rachel Gratzfeld, lebt als freie Übersetzerin und<br />

Lektorin in Tbilissi. Sie übersetzte u. a. Werke von<br />

Davit Gabunia, Lasha Bugadze, Dawit Kldiaschwili<br />

und Tatia Nadareischwili; sie ist Herausgeberin und<br />

Mitübersetzerin der Anthologie „Bittere Bonbons<br />

– Georgische Geschichten“ (edition fünf) sowie Mitübersetzerin<br />

von „Georgien. Eine literarische Reise“<br />

(Frankfurter Verlagsanstalt).<br />

Naira Gelaschwili:<br />

Ich bin sie<br />

Übers. v. Sybilla Heinze<br />

Verbrecher Verlag,<br />

169 S., € 22,70<br />

Nino Haratischwili:<br />

Die Katze und der General<br />

Frankfurter Verlagsanstalt,<br />

750 S., € 30,90<br />

Olia Hercules: Kaukasis.<br />

Eine kulinarische Reise durch<br />

Georgien und Aserbaidschan<br />

Knesebeck Verlag,<br />

240 S., € 30,80<br />

Tamar Tandaschwili:<br />

Löwenzahnwirbelsturm<br />

in Orange<br />

Übers. v. Natia Mikeladse-<br />

Bachsoliani<br />

Residenz Verlag,<br />

124 S., € 18,–


NEAPEL - AUF DEN SPUREN VON ELENA FERRANTE<br />

Assisi<br />

Der Süden Italiens ist an natürlicher Schönheit und Charme kaum zu übertreffen und bietet außerdem<br />

zahlreiche archäologische Schätze sowie Kunst- und Kulturstätten. Lassen Sie sich in den Bann<br />

dieser traumhaften Gegend ziehen und lernen Sie gemeinsam mit Idealtours und der Wagner´schen<br />

Buchhandlung „Auf den Spuren von Elena Ferrante“ Neapel als eine Stadt der Kontraste kennen.<br />

Vesuv<br />

Neapel - Piazza del Plebiscito<br />

Termine & Preise<br />

IT-NEAPEL<br />

12.05.-17.05.19 6 Tage 2x HP 3x ÜF € 959,-<br />

Einzelzimmer € 1.239,-<br />

Reise- & Stornoschutz ab € 59,-<br />

Frühbucher bis 12.02.2019 statt € 959,- nur € 911,-<br />

Leistungen<br />

9 Hausabholung in <strong>No</strong>rdtirol<br />

9 Eintritt Tyrol Lounge am Flughafen in Innsbruck<br />

9 Flug Innsbruck – Lamezia Terme<br />

9 1 Stück Freigepäck (max. 23 kg)<br />

9 Rundreise im Komfortbus<br />

9 1x Übernachtung/Halbpension<br />

im Hotel Borgo la Tana in Maratea<br />

9 3x Übernachtung/Frühstücksbuffet<br />

im Hotel San Francesco al Monte in Neapel<br />

9 1x Übernachtung/Halbpension<br />

im Grand Hotel in Assisi<br />

9 Eintritte Pompeji & Vesuv<br />

9 Ausflüge lt. Reiseverlauf<br />

9 Stadtrundgang Neapel „Auf den Spuren von Elena<br />

Ferrante“<br />

9 Marco Polo-Reiseführer (pro Zimmer)<br />

9 in Kooperation mit der Wagner´ schen Buchhandlung in<br />

Innsbruck<br />

9 Reiseleiter Ewald Strohmar-Mauler<br />

1. Tag: Innsbruck - Lamezia Terme - Maratea<br />

Flug von Innsbruck nach Lamezia Terme - in Maratea mit<br />

den engen Gassen können Sie zum ersten Mal die Zauberkraft<br />

des Mezzogiorno genießen.<br />

2. Tag: Pompeji - Neapel<br />

Vormittags Besuch des UNESCO Weltkulturerbes Pompeji,<br />

einer der wichtigsten archäologischen Fundstätten Italiens<br />

- bei einer Führung entdecken Sie die gut erhaltenen Überreste<br />

dieser antiken römischen Stadt, die der Ausbruch des<br />

Vesuvs im Jahr 79 unter riesigen Aschebergen verschüttet<br />

hat - Weiterfahrt nach Neapel, Zimmerbezug und Freizeit.<br />

3. Tag: „Auf den Spuren von Elena Ferrante“<br />

Heute erwartet Sie das Highlight dieser Reise - bei einem<br />

Stadtrundgang zeigen wir Ihnen die spannendsten Romanschauplätze<br />

und Sie erleben die wichtigsten Sehenswürdigkeiten<br />

von Neapel „Auf den Spuren von Elena<br />

Ferrante“. Den restlichen Tag haben Sie zur freien Verfügung.<br />

Am Abend haben Sie die Möglichkeit, an literarischen<br />

Diskussionen mit Ihrem Reiseleiter teilzunehmen.<br />

4. Tag: Ausflug zum Vesuv<br />

Wanderung auf dem „Il Gran Cono“ mit beeindruckenden<br />

Blick in den Vulkanschlund und grandioser Rundumsicht<br />

über den Golf von Neapel bis zu den Kuppen des Appenin<br />

(Wanderung ist wetterabhängig, reine Gehzeit: ca. 2,5<br />

Stunden).<br />

5. Tag: Neapel - Assisi<br />

Auf direktem Weg geht es nach Assisi - genügend Zeit, um<br />

das mittelalterliche Stadtbild mit seiner noch gut erhaltenen<br />

Stadtmauer und die Festungsruine Rocca Maggiore<br />

sowie die Basilika zu erkunden.<br />

6. Tag: Assisi - Tirol<br />

Nach dem Frühstück Heimreise über Verona nach Tirol.<br />

0810/208030<br />

und in jedem Idealtours-Reisebüro


Wir gratulieren Ilija Trojanow<br />

Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels 2018<br />

„Ilija Trojanow kennt die Erfahrung der<br />

Flucht und des Fremdseins“, so die Jury in<br />

ihrer Begründung. Er kenne die Situation<br />

des Ausgegrenzt-Seins und weiß um die<br />

<strong>No</strong>twendigkeit, das Verbindende in der<br />

Welt und zwischen den Menschen herauszustreichen<br />

und zu fördern. Die Jury fährt<br />

fort: „Als Mittel dafür hat er die Literatur<br />

gewählt und setzt sich in seinem Werk und<br />

durch sein Engagement für Toleranz gegenüber<br />

den anderssprachigen und kulturell<br />

anders geprägten Nachbarn in herausragender<br />

Art und Weise ein. Somit leistet er<br />

einen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander<br />

in Europa und der Welt und wird<br />

damit dem Anspruch des Ehrenpreises des<br />

österreichischen Buchhandels für Toleranz<br />

in Denken und Handeln auf idealtypische<br />

Weise gerecht.“<br />

Der Ehrenpreis des Österreichischen<br />

Buchhandels für Toleranz in Denken und<br />

Handeln ist mit 10.000 Euro dotiert und<br />

wird seit 1990 vom Hauptverband des<br />

Österreichischen Buchhandels (HVB)<br />

und dem Fachverband Buch- und Medienwirtschaft<br />

der Wirtschaftskammer Österreich<br />

(WKO) ausgerichtet. Die feierliche<br />

Ehrung für Ilija Trojanow wird am Sonntag,<br />

den 25. <strong>No</strong>vember mit einer Matinee<br />

im Rahmen der Europäischen Literatur -<br />

tage in Spitz an der Donau stattfinden.<br />

Die Laudatio hält Robert Renk.<br />

Bücher seit 1639<br />

43<br />

© Thomas Dorn


Jung,<br />

aber<br />

oho!<br />

Bücher<br />

für<br />

Kinder<br />

und<br />

Jugend:<br />

Flinn Nachtigall ist ein unscheinbares<br />

Mädchen. Das<br />

schlimmste, was ihr passierte,<br />

war, als vor zwei Jahren ihr<br />

Bruder verschwunden ist und<br />

ihr nur eine Postkarte hinterließ.<br />

Immer wieder geht sie zu<br />

dem verlassenen Bahnhof. Als<br />

eines Abends plötzlich ein Zug<br />

einfährt, überlegt sie nicht lange<br />

und fährt mit. Der sogenannte<br />

Weltenexpress ist ein fahrendes<br />

magisches Internat mit vielen<br />

Geheimnissen – aber wird<br />

sie ihren Bruder hier finden?<br />

Wunderbare, fantastische<br />

Geschichte.<br />

Andrea Scheiber<br />

Anca Sturm:<br />

Der Weltenexpress<br />

Carlsen Verlag, 384 S., € 15,50<br />

Am Blümchenhof beginnen<br />

endlich die Sommerferien.<br />

„Juhuu“! Was Schoko, das<br />

niedliche Pony, sehr freut:<br />

wieder mehr Zeit mit Lotte zu<br />

verbringen. Aber die Chefin<br />

hat für dieses Jahr was anderes<br />

geplant, nämlich ein Zeltlager.<br />

Die Zweibeiner haben jede<br />

Menge Spaß dabei und die<br />

Vierbeiner auch, jeder hilft mit.<br />

Als die Chefin mit Finchen zu<br />

einer Ausstellung fährt, lässt sie<br />

ihnen eine Büchse mit Taschengeld<br />

hier, aber die verschwindet.<br />

Somit muss jetzt ein Diebstahl<br />

aufgeklärt werden – ein Fall für<br />

Schoko. Andrea Scheiber<br />

Suza Kolb, Nina Dulleck:<br />

Die Haferhorde – Eins, zwei Ponyzei!<br />

Magellan Verlag, 153 S., € 13,40<br />

44<br />

Wagner’sche.<br />

Für ihre neue Trilogie hat sich<br />

Rose Snow in die mystische<br />

Landschaft Cornwall’s begeben.<br />

Im prächtigen Herrenhaus<br />

ihres Onkels bereitet sich June<br />

auf ihr Abschlussjahr vor und<br />

entdeckt eine Gabe an sich, die<br />

ihr eine gewisse Macht verleiht:<br />

Sie kann Lüge oder Wahrheit<br />

in den Augen der Menschen<br />

erkennen. Die Zwillinge Blake<br />

und Preston sind sehr unterschiedlich<br />

und geheimnisvoll.<br />

Für wen wird sich June entscheiden?<br />

Toll fand ich, dass<br />

man richtig abtauchen kann in<br />

diese Geschichte. Fortsetzung<br />

im Mai. Andrea Scheiber<br />

Rose Snow:<br />

Ein Augenblick für immer –<br />

Das erste Buch der Lügenwahrheit<br />

Ravensburger Verlag,<br />

414 S., € 18,50<br />

Im 12. Band von „Dork diaries“<br />

leidet Nikki unter Verknallitis.<br />

Mit Brandon läuft alles super,<br />

dann wird sie als Schülerpate<br />

auserkoren und freut sich<br />

auf die Austausch-Schülerin<br />

Andrea, die sich als Typ, nämlich<br />

Andre, entpuppt und ein<br />

supersüßer Junge ist. Nikkis<br />

Welt steht Kopf, dann tauchen<br />

auch noch falsche Fotos von<br />

ihr mit Andre im Internet<br />

auf, was zur Folge hat, dass<br />

Brandon stinksauer wird, was<br />

ja auch was Süßes hat. So ein<br />

Kuddelmuddel, aber Nikki hat<br />

nicht nur diese Probleme zu<br />

bewältigen. Andrea Scheiber<br />

Rachel Renée Russell:<br />

Dork diaries – Nikkis (nicht ganz so)<br />

heimliches Herzklopfen<br />

Schneiderbuch Verlag, 272 S., € 14,40


Wieder einmal muss Apollo sich<br />

unterschiedlichsten Gefahren<br />

stellen. Als Sterblicher mit dem<br />

Namen Lester ist er unterwegs<br />

und muss alle alten Orakel<br />

aufsuchen, damit er wieder ein<br />

Gott werden kann. Er begegnet<br />

auch komischen Wesen, seinen<br />

Gegnern, die dem Triumvirat<br />

angehören und ihn daran hindern<br />

wollen. Wird es Apollo mit<br />

seinen Freunden schaffen? Der<br />

unvergleichliche Stil von Rick<br />

Riordan macht auch diesen<br />

Band zu einem wahrhaftigen<br />

Lesegenuss. Andrea Scheiber<br />

Rick Riordan:<br />

Apollo – Die dunkle Prophezeiung<br />

Carlsen Verlag, 443 S., € 19,60<br />

Merle und Felix sind Gewinner<br />

eines Theater-Workshops und<br />

landen auf einer alten Burg,<br />

die viel Unheimliches verbirgt<br />

in ihren alten Mauern. Und<br />

auch der Burgherr macht ihnen<br />

Angst. Ihre Aufgabe wird es, ein<br />

Stück zu schreiben, das später<br />

aufgeführt werden sollte, eine<br />

nicht so einfache Sache. In den<br />

alten Gemäuern finden sie eine<br />

Truhe mit Kostümen und auf<br />

einmal ist das Theaterstück<br />

nicht mehr steuerbar. Ein wirklich<br />

sehr lyrischer und detailreicher<br />

Roman für junge Leser<br />

mit Anspruch. Andrea Scheiber<br />

Anna Herzog:<br />

Agalstra<br />

Coppenrath Verlag,<br />

282 S., € 16,50<br />

Dieser Roman beschreibt die<br />

wahre Geschichte des ersten<br />

Detektivs, dessen Ermittlungsmethoden<br />

zur Grundlage für<br />

die Pariser „Sûreté“, später<br />

dann für „Scotland Yard“ und<br />

heute für das FBI wurden. Er<br />

spielt in Paris 1809. Francois<br />

Vidocq ist ein Verbrecher, dem<br />

es gelingt, 25 Mal aus dem<br />

Gefängnis auszubrechen und<br />

in der Unterwelt Unterschlupf<br />

zu finden. Dem Polizeidirektor<br />

schlägt er eines Tages vor, dass<br />

er die Seite wechselt und selbst<br />

auf Verbrecherjagd geht.<br />

Andrea Scheiber<br />

Walter Hansen:<br />

Der Detektiv von Paris –<br />

Das Abenteuerliche Leben<br />

des Francois Vidocq<br />

Ueberreuter Verlag,<br />

283 S., € 15,40<br />

Wer hat sich nicht schon<br />

gewünscht, die Zeit zurückdrehen<br />

zu können? Mit einem<br />

magischen Erbstück gelingt den<br />

Freundinnen Claire und Lulu<br />

genau das: Zeitreisen. Was kann<br />

da schon schiefgehen, wenn<br />

man nur ganz kurz mal in die<br />

Vergangenheit hüpft? Allerdings<br />

zieht der Zeitumkehrer auch<br />

unerwünschte Aufmerksamkeit<br />

auf sich und schon bald müssen<br />

Claire und Lulu gegen dunkle<br />

Mächte kämpfen. Charmante<br />

Charaktere, Humor und eine<br />

ordentliche Prise Spannung lassen<br />

dieses Zeitreisenabenteuer<br />

wie im Flug vergehen.<br />

Klaudia Grünfelder<br />

Katrin Lankers:<br />

Zurück auf Gestern<br />

Coppenrath Verlag, 368 S., € 16,50<br />

Emily wacht eines Nachts am<br />

Friedhof Père Lachaise in Paris<br />

auf – in einem Grab. Schockiert<br />

muss sie feststellen, dass sie<br />

tatsächlich gestorben ist. Aber<br />

keines natürlichen Todes. Sie<br />

will sich ihr Leben unbedingt<br />

zurück erkämpfen und wird<br />

dabei von den schrulligsten und<br />

liebenswürdigsten Bewohnern<br />

des Friedhofes unterstützt. Ein<br />

spannendes, lustiges und gruseliges<br />

Lesevergnügen für Kinder<br />

ab 10 Jahren. Marlene Walder<br />

Gesa Schwartz:<br />

Emily Bones<br />

Thienemann Verlag,<br />

416 S., € 15,50<br />

Die Wissenschaft hat endlich<br />

die DNA entschlüsselt und<br />

Menschen können über Apps<br />

ihre Gene beliebig verändern.<br />

Kann so unsere Zukunft<br />

aussehen? Als ein Virus<br />

ausbricht, ist Cat die einzige<br />

Gen-Hackerin, die den Impfstoff<br />

ihres Vaters entschlüsseln<br />

kann. Zusammen mit Cole,<br />

einem gentechnisch veränderten<br />

Supersoldaten, macht sie sich<br />

auf die gefährliche Reise zum<br />

Labor ihres Vaters. Actionreiche<br />

Sci-Fi, eine toughe Protagonistin<br />

und fantastische Plot-twists<br />

machen dieses Debüt zu einem<br />

Must-Read. Klaudia Grünfelder<br />

Emily Suvada:<br />

Cat & Cole – Die letzte Generation<br />

Thinemann Verlag, 480 S., € 17,50<br />

Was macht man als Mutter,<br />

wenn der eigene Sohn drogenabhängig<br />

wird? In ihrem Buch<br />

schildert Franziska Krafft die<br />

Verzweiflung und den Mut<br />

einer Mutter, ihren Teenager zu<br />

retten. Wie alles begann und die<br />

Suche nach einer Lösung all der<br />

Probleme. Die alleinerziehende<br />

Mutter von drei Kindern begibt<br />

sich dafür auf eine abenteuerliche<br />

Reise, allein mit ihren<br />

Kindern besegelt sie die <strong>No</strong>rdsee.<br />

Spannend und ehrlich wird<br />

die Geschichte dieser kleinen<br />

Familie geschildert. Lena Kripahle<br />

Franziska Krafft<br />

(mit Katharina Gerhardt)<br />

Wendemanöver<br />

Eden Books Verlag,<br />

256 S., € 15,40<br />

In diesem packenden Thriller<br />

wagt die Autorin den Schritt in<br />

eine vielleicht nicht allzu ferne<br />

Zukunft, in der Bienen von<br />

Bestäubungsdrohnen unterstützt<br />

werden. Als Mel eines<br />

Tages eine schwarze bienenähnliche<br />

Drohne findet, die<br />

nichts mit Bestäubung zu tun<br />

hat, weiß sie, dass sie einer<br />

gefährlichen Sache auf der<br />

Spur ist. Praxmayer greift mit<br />

Bienensterben und Drohnenentwicklung<br />

zwei immer<br />

wichtiger werdende Themen auf<br />

und verpackt sie in einen fesselnden<br />

Jugendthriller, der aber<br />

auch zum Nachdenken anregt.<br />

Klaudia Grünfelder<br />

Claudia Praxmayer:<br />

Bienenkönigin<br />

CBJ Verlag, 352 S., € 17,50


Alles<br />

außer<br />

gewöhnlich<br />

7 Bücher mit wirklich<br />

ungewöhnlichen Titeln<br />

3×7<br />

Best<br />

aber<br />

Seller:<br />

46<br />

Wagner’sche.<br />

1<br />

2<br />

Ich<br />

3<br />

Der<br />

4<br />

Heute<br />

5<br />

Empirisch<br />

6<br />

Schau<br />

7<br />

Räusper<br />

Die Welt ist groß und<br />

Rettung lauert überall<br />

Ilija Trojanow<br />

dtv Verlag, € 11,30<br />

reiß mir eine Wimper aus<br />

und stech dich damit tot<br />

Josef Winkler<br />

Suhrkamp, € 12,40<br />

Tag, an dem es 449<br />

Franz Klammers regnete<br />

Gion M. Cavelty<br />

lectorbooks, € 18,60<br />

wär ich mir lieber<br />

nicht begegnet – Herta Müller<br />

S. Fischer, € 11,40<br />

belegte Brötchen<br />

Marco Tschirpke<br />

Ullstein, € 12,40<br />

mich an, wenn ich<br />

mit dir rede! – Monika Helfer<br />

Jung und Jung, € 20<br />

– Max Goldt<br />

rororo, € 10,30


Ride<br />

with<br />

passion<br />

7 Bücher zum Radfahren<br />

(gem. mit Thomas Pupp)<br />

Georgia -<br />

made by<br />

characters<br />

7 Tipps zum Buchmessenschwerpunkt<br />

in Frankfurt<br />

1<br />

Im Feld<br />

Joachim Zelter<br />

1<br />

Du bist in einer Luft mit mir<br />

Ruska Jorjoliani<br />

Klöpfer & Meyer, € 20,60<br />

Ed. Blau im Rotpunkt Verlag, € 22,90<br />

2<br />

Ventoux<br />

Bert Wagendorp<br />

btb, € 10,30<br />

2<br />

Das<br />

achte Leben<br />

Nino Haratischwili<br />

Ullstein, € 18,50<br />

3<br />

Das<br />

Rennen<br />

Tim Krabbé<br />

Reclam, € 12,30<br />

3<br />

Reise<br />

nach Karabach<br />

Aka Morchiladze<br />

Weidle, € 20,60<br />

4<br />

Die<br />

Fahne der Wünsche<br />

Tijan Sila<br />

KiWi, € 22,70<br />

4<br />

Wer<br />

hat die Tschaika getötet<br />

Anna Kordsaia-Samadaschwili<br />

Schieler, € 17,30<br />

5<br />

Bicycle<br />

Diaries<br />

David Byrne<br />

S.Fischer, € 11,30<br />

5<br />

Verfasser<br />

unser<br />

Giwi Margwelaschwili<br />

Verbrecher Verlag, € 18,60<br />

6<br />

Das<br />

Land der zweiten Chance<br />

Tim Lewis<br />

Covadonga, € 17,30<br />

6<br />

Der<br />

aufblasbare Engel<br />

Zaza Burchuladze<br />

Blumenbar, € 20,60<br />

7<br />

Die<br />

Philosophie<br />

des Radfahrens<br />

Ilundáin-Agurruza, J. M. Austin;<br />

P. Reichenbach<br />

7<br />

Der<br />

Literaturexpress<br />

Lasha Bugadze<br />

Frankfurter Verlagsanstalt, € 24,70<br />

Suhrkamp, € 10,30


Mit<br />

den<br />

besten<br />

Empfehlungen:<br />

Leben und Literatur, Fakten<br />

und Fiktion – gibt es jemand,<br />

der das aktuell schöner ineinander<br />

verwebt als Peter<br />

Henisch? Neuestes literarisches<br />

Verwirrspiel: Paul Spielmann,<br />

Autor des Romans Steins Paranoia<br />

(so hieß auch ein Buch<br />

von Peter Henisch aus dem<br />

Jahr 1988 …), sitzt im Türkenschanzpark<br />

auf einer Bank,<br />

Max Stein, Protagonist ebendieses<br />

Romans, setzt sich dazu<br />

und begehrt gegen seinen Autor<br />

auf. Witzig, klug, poetisch und<br />

politisch – Lesegenuss nicht nur<br />

für Henisch-Fans. Joe Rabl<br />

Peter Henisch:<br />

Siebeneinhalb Leben<br />

Deuticke Verlag, 127 S., € 18,50<br />

Ein Mexikaner in den USA,<br />

der auf Englisch einen Bestseller<br />

landete. In acht Kurzgeschichten<br />

schildert er aus<br />

acht Ich-Perspektiven den<br />

Zerfall einer schwerreichen<br />

mexikanischen Familie. Nach<br />

der Entführung des Großvaters<br />

ist keiner seiner Angehörigen<br />

in diesem von wilden Gewalttaten<br />

gebeutelten Land sicher.<br />

Sie flüchten aus der Oberschicht-Geborgenheit,<br />

die<br />

heimischen Zustände spielen<br />

aber ins Anderswo hinein.<br />

Harte und kunstvoll erzählte<br />

Momente der Angst und Verzweiflung,<br />

des Findens und vor<br />

allem des Verlusts. Klaus Zeyringer<br />

Antonio Ruiz-Camacho:<br />

Denn sie sterben jung. Stories.<br />

C.H. Beck Verlag, 205 S., € 20,60<br />

48<br />

Wagner’sche.<br />

Ein charmanter Ritt durch die<br />

aktuelle Weltgeschichte! Diesmal<br />

bekommen es Putin, Merkel,<br />

Kim Jong Un und – nicht<br />

zuletzt – Präsident Trump mit<br />

Alan Karlson, dem 100-Jährigen,<br />

zu tun. „Was zum Teufel<br />

… sagte Präsident Trump zu<br />

seinem Sicherheitsberater A.R.<br />

McMaster, der gerade seinen<br />

Sicherheitsberater Michael T.<br />

Flynn ersetzt hatte, der sich<br />

als Sicherheitsrisiko entpuppt<br />

hatte.“ Wenn man zum 100-<br />

Jährigen greift, ist das höchstens<br />

ein Sicherheitsrisiko für<br />

die Bauchmuskulatur. Hörbuch<br />

eingelesen von Didi Hallervorden!<br />

Empfehlung! Robert Renk<br />

Jonas Jonasson:<br />

Der Hundertjährige, der zurückkam,<br />

um die Welt zu retten<br />

Bertelsmann Verlag, 350 S., € 20,60<br />

Der Band versammelt „Texte,<br />

die bleiben sollten“, einfach,<br />

weil sie der 2013 freiwillig aus<br />

dem Leben geschiedene Autor<br />

nicht zur Vernichtung bestimmt<br />

hat. Die meisten sind Beiträge<br />

für das Internetforum Wir höflichen<br />

Paparazzi, das Herrndorf<br />

unter dem Pseudonym „Stimmen“<br />

belieferte. Gemeinsam<br />

mit Jugenderinnerungen, einem<br />

durchgeknallten Dramolett,<br />

kleinen Polemiken und konventionellen,<br />

aber berührenden<br />

Jugendgedichten belegen sie,<br />

dass Herrndorf eine der aufregendsten<br />

Stimmen seiner<br />

Generation war. Klaus Nüchtern<br />

Wolfgang Herrndorf:<br />

Stimmen. Texte, die bleiben sollten<br />

Rowohlt Berlin Verlag, 192 S., € 18,50


In das karge Leben einer ärmlichen,<br />

gläubigen Gesellschaft,<br />

deren höchstes Gut die<br />

Zeit ist, gerät ein junger<br />

Pfarrer, der sich mit seinem<br />

Modernisierungsdrang anfänglich<br />

nicht unbedingt beliebt<br />

macht. Sein Arbeitsplatz ist<br />

eine mittelalterliche Kirche, die<br />

über zwei besondere Glocken<br />

verfügt. Ein Grabgeschenk für<br />

zwei verstorbene Zwillingsschwestern.<br />

Die Präsenz des<br />

Todes und der winterliche Frost<br />

schüren die Sehnsucht nach<br />

menschlicher Wärme.<br />

Katharina J. Ferner<br />

Lars Mytting:<br />

Die Glocke im See<br />

Insel Verlag, 400 S., € 24,70<br />

Matias Faldbakken hat ein<br />

herzzerreißend langsames<br />

Buch geschrieben. „The Hills“<br />

heißt das Buch und das Wiener<br />

Café in Oslo, in dem sich absolut<br />

nichts tut. Der Autor ist<br />

bildender Künstler und sein<br />

zwänglerischer Ich-Erzähler beschreibt<br />

Gäste und Inventar mit<br />

perfekter Präzision. Jeder Tag<br />

verläuft gleich, bis eine schöne,<br />

junge Frau das Café betritt und<br />

den immer gleichen Rhythmus<br />

stört. Ein Buch für Menschen<br />

mit schwachen Nerven, für<br />

jene, die beim Lesen ab und zu<br />

die Augen schließen, um selbst<br />

Bilder im Kopf zu malen.<br />

Erich Ledersberger<br />

Matias Faldbakken:<br />

The Hills<br />

Heyne Verlag, 240 S., € 22,70<br />

Stell dir vor, die Nazis hätten<br />

schon Komputer, bewegliche<br />

Telefonie, Weltnetz, Datensilos,<br />

Plastikgeld etc. gehabt …<br />

Andreas Eschbach stellt sich<br />

dies bis zum bitteren Ende vor,<br />

lässt die Programmstrickerin<br />

Helene einen Deserteur lieben<br />

und verstecken, gleichzeitig<br />

aber auch Software entwickeln,<br />

um untergetauchte Juden zu<br />

finden; lässt Eugen, Mitarbeiter<br />

im Nationalen Sicherheits-Amt,<br />

Daten für seine Rachefeldzüge<br />

missbrauchen. Grauenvolle<br />

Zwangslektüre für IT-Nerds<br />

und digitale Nackerbatzln,<br />

spannende Bestätigung für<br />

Weltverschwörungsfans.<br />

Andreas Hauser<br />

Andreas Eschbach:<br />

NSA<br />

Lübbe Verlag, 800 S., € 23,60<br />

Frédéric Lenoir formuliert<br />

einen offenen Brief an die Tiere.<br />

Die Entwicklung des zwischentierlichen<br />

Zusammenlebens<br />

stellt die ausgiebige Einleitung<br />

dar, wobei tunlichst darauf<br />

geachtet wird, dass der Mensch<br />

nicht überhöht dargestellt wird.<br />

Nach der Abwendung von<br />

Gewalt gegenüber Tieren wird<br />

der Schutz der Arten ins Zentrum<br />

gestellt und die Gesetzeslage<br />

in verschiedenen Ländern<br />

beleuchtet. Ein breit gefächertes<br />

Plädoyer. Eine durchdachte<br />

Konsumkritik. Vorschläge zu<br />

einem bewussten Miteinander.<br />

Katharina J. Ferner<br />

Frédéric Lenoir:<br />

Offener Brief an die Tiere und alle,<br />

die sie lieben<br />

Reclam Verlag, 144 S., € 18,50<br />

Knalleffekt in Satz 1: Eine Frau<br />

erschießt ihren Mann. Rückblende,<br />

37 Jahre früher: Rachel<br />

wächst mit einer dominanten<br />

Mutter und ohne Vater auf,<br />

dessen Abwesenheit bestimmt<br />

Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden.<br />

Als Journalistin<br />

macht sie Karriere, nach<br />

Nervenzusammenbrüchen verliert<br />

sie Job, Mann und Lebensfähigkeit.<br />

Ins Leben zurück<br />

holt sie Brian, ihr Held. Bis der<br />

Traum platzt, denn Brain ist<br />

nicht der, der er zu sein vorgibt.<br />

Psychodrama, Charakterstudie,<br />

Thrill & Humor – ein<br />

ungewöhnlicher, aber meisterhafter<br />

Dennis Lehane.<br />

Andreas Hauser<br />

Dennis Lehane:<br />

Der Abgrund in dir<br />

Diogenes Verlag, 528 S., € 25,70<br />

„Schattenfroh“ klingt nach<br />

Emo-Band. Der Untertitel verspricht<br />

„Ein Requiem“. Es wird<br />

also abgesungen und zwar alles<br />

(auf 1008 Seiten). Ein Buch<br />

über das Schreiben, über das<br />

Anfangen, über Erwartungen,<br />

über das Aufhören und über<br />

den Über-Vater. Das Ich der<br />

Niemand. Schattenfroh der, der<br />

das Sagen hat. Es gilt, die Seele<br />

zu verschriftlichen. Es geht<br />

auch um Schrift an sich, um<br />

die Niederschrift der Wahrheit<br />

und das Austropfen des Gedächtnisses.<br />

Eine Seelentransferierung<br />

in Buchform.<br />

Markus Köhle<br />

Michael Lentz:<br />

Schattenfroh<br />

S.Fischer Verlag, 1008 S., € 37,10<br />

Tanger 1956, sengende Hitze<br />

& blauer Himmel. Abseits der<br />

Postkartenidylle brodelt es, die<br />

Unabhängigkeit liegt in der<br />

Luft. Auf diese Atmosphäre<br />

treffen Alice und John. Während<br />

er in Tanger aufblüht,<br />

isoliert sich die psychisch labile<br />

Alice. Eines Tages steht College-Freundin<br />

Lucy vor der Tür,<br />

doch über der Uni-Zeit schwebt<br />

ein dunkles Geheimnis. Und<br />

wieder nimmt Lucy Besitz von<br />

Alice. Leicht und locker liest<br />

sich Christine Mangans Erstling,<br />

pendelt raffiniert zwischen<br />

Wahnsinn und Realität – leider<br />

zu spät als perfekte Strandlektüre.<br />

Andreas Hauser<br />

Christine Mangan:<br />

Nacht über Tanger<br />

Blessing Verlag, 368 S., € 22,70<br />

Auf seine unvergleichliche<br />

Weise entführt Otto Schenk uns<br />

in die Welt der Musik und Oper.<br />

Berühmte Sänger, Musiker,<br />

Dirigenten und Regisseure<br />

werden lebendig. Er erzählt von<br />

Kollegen und Mitstreitern, von<br />

Birgit Nilsson, Mario del Monaco<br />

über Plácido Domingo bis<br />

Anna Netrebko. Auch Höhepunkte<br />

wie die vom Publikum<br />

geliebten Kabinettstücke über<br />

die „Zauberflöte“, „Tristan und<br />

Isolde“, die „Meistersinger“,<br />

„Fidelio“, „Otello“ oder<br />

den „Troubadour“ ergänzen<br />

Schenks Streifzug durch die<br />

Welt der Musik. Markus Renk<br />

Otto Schenk:<br />

Wer’s hört, wird selig<br />

Amalthea Verlag, 240 S., € 26,–


Im London des Jahres 1945<br />

werden der 14-jährige Nathaniel<br />

und dessen ältere Schwestern<br />

von ihren Eltern ver- und der<br />

Obhut zweier zwielichtiger<br />

Männer überlassen. Aus der<br />

Distanz von Jahrzehnten<br />

erinnert sich Nathaniel und<br />

erzählt auf diese Weise nicht<br />

nur eine Coming of Age-Geschichte,<br />

die, packend, poetisch<br />

und märchenhaft, an<br />

Charles Laughtons filmisches<br />

Meisterwerk „The Night of<br />

the Hunter“ erinnert, sondern<br />

schlägt auch ein finsteres, bislang<br />

kaum bekanntes Kapitel<br />

der Nachkriegsgeschichte auf.<br />

Klaus Nüchtern<br />

Michael Ondaatje:<br />

Kriegslicht<br />

Deutsch von Anna Leube<br />

Hanser Verlag, 320 S., € 24,70<br />

Wenn es nach Leopold Paur<br />

geht, sollen Träumer gleiches<br />

Ansehen genießen wie Handwerker<br />

und Doktoren. Und<br />

natürlich versteht auch Leopold<br />

selbst etwas von der Kunst des<br />

Tagträumens, als er sich 1753<br />

nach Wien aufmacht, um seine<br />

großen Visionen an den scharfen<br />

Kanten einer neuen Epoche<br />

zu messen. Der auf historischen<br />

Fakten basierende Debütroman<br />

von Andreas Schindl lädt<br />

auf die Unternehmung einer<br />

spannenden Zeitreise, dessen<br />

Held alle Höhen und Tiefen des<br />

menschlichen Daseins erfährt.<br />

Hubert Flattinger<br />

Andreas Schindl:<br />

Paurs Traum<br />

Braumüller Verlag, 384 S., € 24,–<br />

Vita und Student Lazar leben<br />

nebeneinander im selben Haus.<br />

Plötzlich erkrankt Lazy an<br />

Leukämie. Als sie sich nach<br />

einiger Zeit im Treppenhaus<br />

begegnen, trifft Vita einen abgemagerten<br />

Mann mit Glatze.<br />

Der Beginn einer ungewöhnlichen<br />

Freundschaft. Vita und<br />

Lazy schließen einen Pakt<br />

und planen, gemeinsam auf<br />

die letzte Reise zu gehen. Eine<br />

berührende Geschichte, die<br />

sich durch den philosophisch<br />

tiefgründigen und humorvollen<br />

Schlagabtausch der Protagonisten<br />

auszeichnet. Als säße man<br />

mit Vita und Lazy am Tisch …<br />

Isabel Karoline Hörmann<br />

Angelika Waldis:<br />

Ich komme mit<br />

Wunderraum Verlag,<br />

224 S., € 20,60<br />

Der Biss der Einsiedlerspinne<br />

reicht nicht aus, um einen Mann<br />

zu töten, im Süden Frankreichs<br />

sind gleich mehrere Männer<br />

durch das Gift der Einsiedlerin<br />

gestorben. Doch war es wirklich<br />

Mord? Die Ermittlungen<br />

führen Kommissar Adamsberg<br />

nach Nimes. Er und sein Team<br />

besuchen ein Waisenhaus und<br />

müssen zurück in die 40er Jahre.<br />

Hier beweist Fred Vargas wieder<br />

einmal, dass sie nicht ohne<br />

Grund den Krimipreis für ihr<br />

Gesamtwerk erhalten hat.<br />

Lena Kripahle<br />

Fred Vargas:<br />

Der Zorn der Einsiedlerin<br />

Limes Verlag, 512 S., € 23,70<br />

Erscheint am: 29.10.2018<br />

Drei ungleiche Charaktere begeben<br />

sich auf eine abenteuerliche<br />

Reise mit einer gefrorenen<br />

Leiche im Kofferraum. Doch<br />

dient dieses Ereignis, welches<br />

Lucía, Richard und Evelyn<br />

verbindet, lediglich als Klammer.<br />

Wir erfahren nämlich so<br />

einiges (und viel Unerfreuliches)<br />

über die „Flüchtlinge“, die uns<br />

mit ihren Schilderungen nach<br />

Guatemala, Chile und Brasilien<br />

entführen. Doch beginnt<br />

die Erzählung in Brooklyn mit<br />

einem wilden Schneesturm und<br />

einem Unfall und endet mit<br />

einer späten Liebe.<br />

Evelyn Unterfrauner<br />

Isabel Allende:<br />

Ein unvergänglicher Sommer<br />

Suhrkamp Verlag, 350 S., € 24,70<br />

Der Tausend-Zeichen-Klassiker<br />

ist mehr als eine Schulfibel<br />

zum Erlernen und Kopieren<br />

chinesischer Schriftzeichen<br />

– das von Kaiser Wu im 6.<br />

Jahrhundert zur Erziehung der<br />

Prinzen gedachte und beim<br />

Hofgelehrten Zhou Xingsi in<br />

Auftrag gegebene Werk umfasst<br />

auch das Weltwissen des China<br />

der damaligen Zeit; Anstand,<br />

Strebsamkeit und konfuzianische<br />

Weisheit sind nur ein paar<br />

Themen. Die Übertragung der<br />

Bedeutungseinheiten in deutsches<br />

Versmaß macht dieses<br />

faszinierende Wissen auch für<br />

Langnasen erfahrbar.<br />

Bernd Schuchter<br />

Eva Lüdi Kong (Ü. & Hrsg.):<br />

Der 1000 Zeichen Klassiker<br />

Qianziwen<br />

Reclam Verlag, 155 S., €24,70<br />

Bodo Kirchhoff, Deutscher-<br />

Buchpreis-Träger und Seelenerkunder<br />

zwischen Sexualität<br />

und Liebe, legt mit Dämmer<br />

und Aufruhr einen Schlüsselroman<br />

sowohl zu seinem umfangreichen<br />

Werk als auch zur<br />

Erkenntnis des Autors Bodo<br />

Kirchhoff vor. Schonungslos<br />

ehrlich und changierend<br />

zwischen den menschlichen<br />

Abgründen wie etwa sexuellem<br />

Missbrauch und einem<br />

ödipal-sexuellen Erlebnis mit<br />

der Mutter, bei dem das „gute<br />

Ende“ eines Bleistifts eine<br />

Rolle spielt. Auch eine Ahnung<br />

davon, wie man Schriftsteller<br />

wird. Bernd Schuchter<br />

Bodo Kirchhoff:<br />

Dämmer und Aufruhr.<br />

Roman der frühen Jahre<br />

Frankfurter Verlagsanstalt,<br />

480 S., € 28,80<br />

Der Musiker spricht, der<br />

Erzähler hört vornehmlich<br />

zu. Soviel zu Konstellation.<br />

Drumherum: Wiener Kaffeehausrituale.<br />

Oder, bisweilen:<br />

der Italiener des Vertrauens.<br />

Es geht um alles: ums (Über-)<br />

Leben, um Leidenschaften,<br />

Liebe, ums Geschäft. Um das<br />

Früher einmal, natürlich. Und<br />

um das, was davon übrig blieb.<br />

Wolf Wondratscheks Roman<br />

verzichtet auf alle Kraftmeierei,<br />

auf angestrengtes Pathos. Beseelt<br />

sind die Sätze trotzdem.<br />

Oder genau deswegen. Und:<br />

Die Sätze sitzen. Die Sentenzen<br />

(„Suchen Sie nicht nach dem,<br />

was Sie verstehen!“) sowieso.<br />

Joachim Leitner<br />

Wolf Wondratschek:<br />

Selbstbild mit russischem Klavier<br />

Ullstein Verlag, 270 S., € 22,70


Arminuta, die Zurückgekommene.<br />

Aufgewachsen in<br />

der Stadt bei ihrer Mutter und<br />

dem Carabiniere, ihren Eltern.<br />

Doch auf einmal sind es nicht<br />

mehr ihre Eltern, zurück im<br />

Dorf, weiß sie nicht mehr, was<br />

sie glauben soll. Jetzt schläft<br />

sie mit Adriana und den Jungs<br />

in einem Zimmer. Ein junges<br />

Mädchen, das ihrer Identität<br />

beraubt wurde, versucht sich in<br />

ihr neues Leben einzufinden.<br />

Mit diesem Buch gelang der<br />

internationale Durchbruch, eine<br />

sehr berührende Geschichte.<br />

Lena Kripahle<br />

Man(n) kennt sie, Frauen<br />

definitiv. Stammtischwahrheiten,<br />

Mythen und Vorurteile<br />

gegenüber uns Frauen. Häufig<br />

sind es Meinungen, die nicht<br />

immer mit Fakten bestätigt<br />

werden können. Dieses Buch<br />

liefert zu Vorurteilen die passenden<br />

Antworten. Ein kleiner<br />

Ratgeber für alle, die keine Lust<br />

mehr haben auf Klischees und<br />

Engstirnigkeit. Von Stefanie<br />

Sargnagel (Autorin) über Renée<br />

Schröder (Molekularbiologin)<br />

hin zu Bettina Zehetner (Philosophin),<br />

sie alle räumen auf:<br />

„<strong>No</strong> More Bullshit.“<br />

Der Autor internationaler<br />

Bestseller, Tom Rachman, legt<br />

nach seinem vielumjubelten<br />

Roman „Die Unperfekten“ mit<br />

„Die Gesichter“ sowohl ein<br />

Künstler- als auch ein Vaterund-Sohn-Buch<br />

vor. Stilsicher<br />

und mit einem guten Sinn für<br />

Pointen blickt Rachman hinter<br />

die glitzernden Fassaden der<br />

Kunstwelt und zeichnet das<br />

Porträt eines berühmten Malergenies<br />

als Ekel im Privaten, das<br />

seine jeweiligen Musen und die<br />

wahllos gezeugten Kinder seiner<br />

Kunst opfert. Ehe der vom<br />

Übervater fast erdrückte Sohn<br />

Ein Vater, der zu viel arbeitet<br />

und zu wenig Zeit mit der<br />

Familie verbringt, Kinder, die<br />

glauben, auf ewig befreundet zu<br />

bleiben, eine Schriftstellerin, die<br />

den Erfolg der Liebe vorzieht …<br />

Jede einzelne der 10 Erzählungen<br />

berührt, regt zum Denken<br />

an und stellt die Frage in den<br />

Raum, ob wir uns vielleicht ein<br />

bisschen selbst belügen. Wer Betroffenheit<br />

beim Lesen verspürt,<br />

ist selber schuld. Ich freue mich,<br />

dass uns Benedict Wells mit<br />

dem Erzählband das Warten<br />

bis zu seinem nächsten Roman<br />

erträglicher macht.<br />

Donatella Di Pietrantonio:<br />

Arminuta<br />

Antje Kunstmann Verlag,<br />

220 S., € 20,60<br />

Lena Kripahle<br />

Sorority e.V. (Hrsg.):<br />

<strong>No</strong> More Bullshit<br />

Kremayr & Scheriau Verlag,<br />

192 S., € 19,90<br />

zurückschlägt.Bernd Schuchter<br />

Tom Rachman:<br />

Die Gesichter<br />

dtv Verlag<br />

412 S., € 22,70<br />

Evelyn Unterfrauner<br />

Benedict Wells:<br />

Die Wahrheit über das Lügen<br />

Diogenes Verlag, 256 S., € 22,70<br />

Henning, ein Mann, nicht wie<br />

ein Baum, sondern wie er noch<br />

nie in der deutschen Literatur<br />

festgemacht wurde. Ein 50%-<br />

Mann in Haushalt und mit den<br />

Kindern, ganz normal überfordert.<br />

Und geschlagen mit<br />

ES, das sind Panikattacken, die<br />

ihn heimsuchen.Der Neujahrsurlaub<br />

auf Lanzerote reißt<br />

unerwartet eigene Kindheitswunden<br />

auf und erzählt von<br />

zwei kleinen Kindern, die<br />

mitten im Ferienparadies in die<br />

Hölle geraten. Juli Zeh setzt der<br />

Figur des überforderten Vaters<br />

ein literarisches Denkmal.<br />

Robert Renk<br />

Juli Zeh:<br />

Neujahr<br />

Luchterhand Verlag,<br />

192 S., € 20,60<br />

Hauptprotagonist von Marjana<br />

Gaponenkos Roman „Der<br />

Dorfgescheite“ katalogisiert<br />

gerne (auch Frauen), ist einäugig<br />

und macht trotzdem<br />

haarscharfe Beobachtungen seiner<br />

Umgebung. Er ist der erste<br />

weltliche Bibliothekar von Stift<br />

W. und der Nachfolger eines<br />

Mannes, der unter dubiosen<br />

Umständen ums Leben kam.<br />

Ernest Herz fängt zum Schnüffeln<br />

an. Gaponenko beschreibt<br />

– unterhaltsam und klug – eine<br />

Armada skurriler Gestalten und<br />

lehnt sich dabei auch an den<br />

Klassiker „Der Name der Rose<br />

an“. Ágnes Czingulszki<br />

Marjana Gaponenko:<br />

Der Dorfgescheite<br />

S.Fischer Verlag, 287 S., € 22,70<br />

Das Grauvieh ist in Tirol<br />

heilig. Das schimmert in<br />

diesem Prachtband zwischen<br />

den Zeilen mehr als durch, die<br />

Fotografien illustrieren den<br />

Mythos dieser urwüchsigen<br />

Kuhrasse ebenso wie die sie<br />

umgebende Kulturlandschaft.<br />

Frau Grau als Symbol für den<br />

Trend zur Entschleunigung, als<br />

Botschafterin der Behutsamkeit,<br />

dazu das Bedauern von<br />

Sepp Forcher darüber, dass der<br />

Herrgott den Menschen nicht<br />

zum Wiederkäuer gemacht hat.<br />

Abgeschlossen wird das Buch<br />

sinnigerweise mit Rezepten bekannter<br />

Tiroler Köche.<br />

Bernd Schuchter<br />

Raphael Kuen (Hrsg.):<br />

Grauvieh Tirol<br />

Brandstätter Verlag, Wien 2018<br />

240 S., € 40,–<br />

Heinz Fischer hat wie wenige<br />

Politiker die moderne Geschichte<br />

Österreichs mitgeprägt und<br />

mitgestaltet. Sein 80. Geburtstag<br />

ist ein geeigneter Zeitpunkt,<br />

um zurückzublicken und die<br />

privaten und politischen Wege<br />

von früher noch einmal zu<br />

begehen. Wege, die mit markanten<br />

politischen Ereignissen<br />

verknüpft sind. Es ist aber auch<br />

eine Reise in die Familiengeschichte<br />

– in seine eigene und<br />

in die dramatische seiner in der<br />

schwedischen Emigration<br />

geborenen Frau Margit.<br />

Markus Renk<br />

Heinz Fischer:<br />

Sparziergang durch die Jahrzehnte<br />

Ecowin Verlag, 220 S., € 24,–


Didi Drobna hat schon mit<br />

ihrem ersten Buch – Zwischen<br />

Schaumstoff – die Latte hochgesetzt.<br />

Auch in ihrem zweiten<br />

Roman hat sie die Gabe,<br />

gesellschaftliche Tabus so zu<br />

thematisieren, dass sie gar nicht<br />

als verwerflich wirken. Hauptprotagonist<br />

Daniel ist um die<br />

zwanzig, seine Eltern scheiden<br />

sich, er hasst den Vater und ist<br />

verliebt in die Schwester. Plötzlich<br />

geht es drunter und drüber<br />

in der heilen Familienwelt.<br />

Drobna macht mit einer klaren<br />

Bildsprache auch diesen Roman<br />

zu einem absoluten Genuss.<br />

Ágnes Czingulszki<br />

Didi Drobna:<br />

Als die Kirche den<br />

Fluss überquerte<br />

Piper Verlag, 320 S., € 20,60<br />

Deutschland, 1902, der junge<br />

Mathis führt ein einfaches<br />

Leben auf den Feldern im kleinen<br />

Dorf, bis eines Tages der<br />

Jahrmarkt mit seinen Artisten<br />

und Kuriositäten im Dorf halt<br />

macht. Mathis begibt sich auf<br />

eine große Reise. Berlin 1935,<br />

Mathis lebt mit seiner großen<br />

Liebe Meta in einer Wohnwagensiedlung<br />

am Rande der<br />

Stadt. Warmherzig, lebendig<br />

und mit großem Talent präsentiert<br />

die junge Autorin ihren<br />

zweiten Roman.<br />

Lena Kripahle<br />

Vera Buck:<br />

Das Buch der vergessenen Artisten<br />

Limes Verlag, 752 S., € 22,70<br />

Hier geht es um Randfiguren<br />

der Gesellschaft, um jene,<br />

die nicht auf die Butterseite<br />

gefallen sind, die aber durch<br />

Strunks klare und erbarmungslose<br />

Sprache so schön zu strahlen<br />

beginnen, dass man diese<br />

Kurzgeschichten einfach in sich<br />

aufsaugt. Weil sie so schön böse<br />

und tiefgründig sind. Und weil<br />

sie nachhaltig nach Literatur<br />

duften. Strunk ist ein genialer<br />

Erzähler, mit wenigen Strichen<br />

entwirft er große Tragödien, die<br />

wunderbar unterhalten. Unbedingte<br />

Leseempfehlung!<br />

Bernhard Aichner<br />

Heinz Strunk:<br />

Das Teemännchen<br />

Rohwolt Verlag, 208 S., € 20,60<br />

Yejide ist mit Akin verheiratet,<br />

sie und er, beide wünschen sich<br />

ein Kind. Auch die Schwiegereltern<br />

erwarten es, aber das<br />

Kind kommt trotzdem nicht.<br />

Jeder hat eine andere Idee,<br />

keine führt zum gewünschten<br />

Ergebnis. Eine neue Lösung für<br />

das Problem treibt Yejide an<br />

ihre Grenzen. Adebayo ist eine<br />

neue Stimme am nigerianischen<br />

Literaturhimmel und hat einen<br />

eindrucksvollen Debütroman<br />

geschrieben. Lena Kripahle<br />

Ayobami Adebayo:<br />

Bleib bei mir<br />

Piper Verlag, 350 S., € 22,70<br />

María C. Barbetta hat sich in<br />

die deutsche Sprache verliebt<br />

und das kann man lesen.<br />

Das alleine spricht schon für<br />

den neuen Roman. In ihren<br />

Geschichten entführt sie<br />

uns dennoch in ihre Heimat<br />

Argentinien. Genauer nach<br />

Buenos Aires, in das Einwanderungsviertel<br />

Ballester.<br />

Wie sich die Rückkehr von<br />

Peron darauf auswirkt, wie<br />

sein überraschender Tod und<br />

wie politische Spannungen das<br />

Land schier zerreißen, davon<br />

erzählt sie mit feinem Gespür<br />

für die Poesie des Alltags. Eine<br />

Hommage an Argentinien als<br />

Einwanderungsland!<br />

Robert Renk<br />

María Cecilia Barbetta:<br />

Nachtleuchten<br />

S. Fischer Verlag, 528 S., € 24,70<br />

Endlich ermittelt Armand Gamache<br />

wieder auf Deutsch! Der<br />

frischgebackene Chief Superintendent<br />

von Québec hat sich<br />

von der Arbeit Mühen in sein<br />

Haus in Three Pines zurückgezogen.<br />

Aber seit Agatha<br />

Christie wissen wir, ländliche<br />

Idylle trügt. Gar sehr. Kann<br />

Gamache diesmal vielleicht<br />

einen Mord verhindern, statt<br />

nach der Tat zu ermitteln?<br />

Aber man kann niemanden<br />

verhaften, nur weil er stumm<br />

mit schwarzem Kapuzenmantel<br />

und Maske auf dem Dorfanger<br />

herumsteht. Auch wenn er wie<br />

der personifizierte Tod wirkt.<br />

Susann Urban<br />

Louise Penny:<br />

Hinter den drei Kiefern<br />

Kampa Verlag, 496 S., € 17,40<br />

Aus dem kanadischen Englisch von<br />

Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck<br />

Ein Entwicklungsroman in gewisser<br />

Weise und die Geschichte<br />

eines Aufbruchs ist dieser<br />

Roman von Christian Torkler.<br />

In einer dystopischen Nachkriegswelt<br />

schlägt sich Josua<br />

Brenner durch ein zerstörtes<br />

Berlin des zu Ende gehenden<br />

20sten Jahrhunderts. Und<br />

obwohl ihm alles zu gelingen<br />

scheint, bricht er schließlich auf<br />

nach Afrika, Sehnsuchtsort des<br />

Wohlstandes und des Friedens …<br />

Wir lesen eine spannende Geschichte,<br />

die trotz des Settings<br />

in einem alternativen Universum<br />

stets plausibel bleibt.<br />

Michael Carli<br />

Christian Torkler:<br />

Der Platz an der Sonne<br />

Tropen Verlag, 592 S., € 25,80<br />

Die bekannte Klimaforscherin<br />

Helga Kromp-Kolb und der<br />

Meteorologe Herbert Formayer<br />

setzen sich seit Langen mit<br />

dem Klimawandel und seinen<br />

Folgen auseinander. Jetzt legen<br />

die beiden WissenschafterInnen<br />

eine Sammlung wissenschaftlicher<br />

Essays vor, die das<br />

Phänomen Klimawandel erklären,<br />

die Herausforderungen<br />

und Gefahren beleuchten und<br />

Strategien der Gegensteuerung<br />

und der Anpassung skizzieren.<br />

Ein Buch, das die Augen<br />

öffnet, aber auch zeigt, dass der<br />

Klimawandel kein nicht zu bewältigendes<br />

Schicksal ist.<br />

Michael Carli<br />

H. Kromp-Kolb und H. Formayer:<br />

+ 2 Grad – Warum wir uns für die<br />

Rettung der Welt erwärmen sollten<br />

Molden Verlag, 208 S., € 23,–


Es ist ein optimistisches Buch,<br />

das Energieexperte Dieter<br />

Helm hier vorlegt. Der Wissenschaftler,<br />

der an der Universität<br />

Oxford lehrt, sieht die (Energie)<br />

zukunft durchaus positiv. Neue<br />

Technologien ebnen den Weg<br />

aus der Klimakrise, ist Helm<br />

überzeugt und er warnt gleichzeitig,<br />

dass ein zaghaftes Weiterwurschteln<br />

wie bisher keine<br />

Option ist. Denn der vom Menschen<br />

verursachte Klimawandel<br />

ist Realität und so liegt es auch<br />

an uns, sinnvoll gegenzusteuern.<br />

Dieses Buch macht Mut und es<br />

macht Lust darauf, auch selbst<br />

etwas beizutragen. Michael Carli<br />

Dieter Helm:<br />

Burnout<br />

Langen-Müller Verlag,<br />

352 S., € 35,–<br />

Entschleunigung. Das Wort der<br />

nahen Zukunft. Viele predigen<br />

es, eine schreibt es: Agnes Beier!<br />

Das Sich finden, das Einander<br />

finden, das die richtigen<br />

Worte finden, darum kreist<br />

die Geschichte rund um Lina<br />

und Romed. Der sehr eigene<br />

Ton der Erzählerin mischt<br />

den Stil mystischer Sagen und<br />

persönlich-literarische Traumsequenzen.<br />

Eine ganz direkte<br />

Ansprache an den Leser macht<br />

dieses Buch aus und das berührt.<br />

Zumindest mich! Eine<br />

Wortmalerin von archaischer<br />

Wucht, die aber auch wortzart<br />

zu erzählen weiß! Robert Renk<br />

Agnes Beier:<br />

Rückwärtsbuch<br />

BdP Verlag, 128 S., € 18,–<br />

Ach, die Liebe! Wunderbar<br />

und grausam zugleich. Drei<br />

Menschen suchen das Glück:<br />

ein Mann, seine Frau Lempi,<br />

ihre Magd. Eine Dreiecksgeschichte,<br />

die keine ist, kann<br />

das gutgehen? In Rückblenden<br />

erhellt – oder verdunkelt? – sich<br />

unser Blick auf Lempi, die keinen<br />

loslässt. Letztendlich bleibt<br />

jeder Mensch ein Geheimnis.<br />

Und Glück wie immer flüchtig.<br />

Eine kleine lappländische<br />

Geschichtsstunde, fern aller<br />

Skandinavienromantik, gibt’s<br />

noch obendrein. Ein Buch –<br />

schön und traurig. Wie die<br />

Liebe. Susann Urban<br />

Minna Rytisalo:<br />

Lempi, das heißt Liebe<br />

Hanser Verlag, 224 S., € 21,–<br />

Aus dem Finnischen von<br />

Elina Kritzokat<br />

Hannelore Huber wollte<br />

eigentlich ihr Leben als Witwe<br />

genießen. Ein Leben im ebenso<br />

beschaulichen wie idyllischen<br />

Dorf Glaubenthal. Diese Idylle<br />

zerbricht bei der Beerdigung<br />

von Frau Hubers Ehemann,<br />

denn eine andere Leiche kommt<br />

zum Vorschein. Die alte Dame<br />

beginnt zu ermitteln und vorbei<br />

ist es mit ihrem ruhigen Lebensabend.<br />

Eine Portion Humor,<br />

Spannung und Charaktere, die<br />

viel Spaß machen, genau die<br />

richtige Mischung. Thomas<br />

Raab hat eine tolle neue Krimireihe<br />

geschaffen.<br />

Lena Kripahle<br />

Thomas Raab:<br />

Walter muss weg<br />

Kiepenheuer & Witsch Verlag,<br />

384 S., € 20,60<br />

Seit jeher ist die traditionelle<br />

Alpenmedizin ein wichtiger Bestandteil<br />

des täglichen Lebens<br />

in den Bergen. Experte Arnold<br />

Achmüller greift den Begriff<br />

ganzheitliche Gesundheit auf<br />

und zeigt, wie man sich mit<br />

Kräutern, Bädern und Ölen<br />

bei kleinen und großen Beschwerden<br />

selbst helfen kann.<br />

Von richtiger Ernährung über<br />

Kopf- bis hin zu Muskelschmerzen<br />

wird ein großer<br />

Bereich abgedeckt. Zahlreiche<br />

Rezepte mit Anwendungs- und<br />

Sammelhinweise, sowie ein ausführliches<br />

Glossar runden den<br />

Band ab. Klaudia Grünfelder<br />

Arnold Achmüller:<br />

Alpenmedizin<br />

Raetia Verlag, 288 S., € 24,90<br />

Die Autorin von „Trümmerkind“<br />

legt nach. Behutsam und<br />

unaufgeregt macht Borrmann<br />

die frühen 50er spürbar, gibt<br />

den schwarz-weiß-Bildern<br />

wieder Farbe. Es geht um die<br />

17-jährige Henni und ihre<br />

Geschwister. Henni kommt<br />

wegen Kaffeeschmuggels in<br />

eine Besserungsanstalt, ihre<br />

Geschwister, um die sie sich<br />

nach dem Tod der Mutter gekümmert<br />

hat, müssen deswegen<br />

in ein Kinderheim. Dort stirbt<br />

der kleine Matthias. Das Leben<br />

ist nicht gerecht, schon gar<br />

nicht in den 50ern. Eine düstere<br />

Zeit, aufwühlend beschrieben.<br />

Robert Renk<br />

Mechtild Borrmann:<br />

Grenzgänger<br />

Droemer Verlag, 352 S., € 20,60<br />

Adrian und Anna leben zusammen<br />

und beide vom Schreiben.<br />

Während Anna aber die<br />

Freiheiten eines Schriftstellerlebens<br />

genießt, ist Adrian in der<br />

Werbebranche gefangen. Gefangen<br />

durch die monatlichen<br />

Zahlungen für das Heim, in<br />

dem sein Vater wohnt, zu dem<br />

er alles andere als eine friktionsfreie<br />

Beziehung hat. Aber auch<br />

durch den Erfolg, den er hat.<br />

Die Werbefigur, die er erfunden<br />

hat, übersiedelt in ein vollautomatisiertes,<br />

überwachtes Haus<br />

und er weiß nicht, was unheimlicher<br />

ist. Das Haus oder seine<br />

Verwandlung.<br />

Robert Renk<br />

Angelika Stallhofer:<br />

Adrian<br />

kremayr&scheriau Verlag,<br />

190 S., € 19,90<br />

Was nützt alle Politik, ob sie<br />

Mauern baut oder „Wir schaffen<br />

das“ ruft, wenn 150.000<br />

Flüchtlinge sich zu Fuß aufmachen?<br />

Eine Idee des jungen<br />

Lionel, der schon viel zu lange<br />

im größten Lager jenseits der<br />

Sahara festsitzt. Als Starmoderatorin<br />

Nadeche Hackenbusch<br />

das Lager besucht, erkennt<br />

er die einmalige Gelegenheit,<br />

nutzt die Aufmerksamkeit<br />

und macht sich mit 150.000<br />

Flüchtlingen auf den Weg, begleitet<br />

von Kareas. Die Schöne<br />

und die Flüchtlinge werden zum<br />

Quotenhit. Vermes fängt dort<br />

an, wo der Spaß aufhört.<br />

Robert Renk<br />

Timur Vermes:<br />

Die Hungrigen und die Satten<br />

Eichborn Verlag, 512 S., € 22,70


Grenzgänge XII<br />

Joachim Zelter und Felix Mitterer am 21. <strong>No</strong>vember zu Gast<br />

in der neuen Stadtbibliothek Innsbruck.<br />

Die neuen Räumlichkeiten locken mit einem<br />

tollen Eröffnungsprogramm (siehe Seite 56)<br />

– und auch die zwölfte Ausgabe der Grenzgänge<br />

wird dort groß aufgeigen.<br />

Die erfolgreiche und beliebte Reihe<br />

„Grenzgänge“ übersiedelt in die neue<br />

Stadtbibliothek. Dieser neue Standort<br />

ermöglicht die Umsetzung eines modernen<br />

Bibliothekskonzeptes: „Ein öffentlicher<br />

Raum mit Wohnzimmer-Flair“, meint<br />

Leiterin Christina Krenmayr.<br />

Ein neuer Raum; da muss etwas besonderes<br />

her, haben sich die Veranstalter –<br />

8ungKultur und Stadtbibliothek – gedacht,<br />

und sind stolz darauf, dass Felix Mitterer,<br />

einer der bedeutendsten Dramatiker des<br />

Landes, zugesagt hat. – Im Mittelpunkt<br />

dabei seine aktuelle Autobiografie mit dem<br />

schlichten Titel „Mein Lebenslauf“.<br />

Jemanden zu finden, der dazupasst, ist<br />

schwer und leicht zugleich. Schwer, weil<br />

eine solch charismatische und authentische<br />

Persönlichkeit nicht leicht zu begleiten ist.<br />

Leicht, weil man sich keine Sorgen machen<br />

muss, dass niemand kommt, denn Mitterer<br />

füllt in Tirol noch jeden Raum. Man kann<br />

also aus dem Vollen schöpfen und auch an<br />

jene denken, die zwar grandios, aber kaum<br />

bekannt sind hier zu Lande. –<br />

Und wir wurden schnell fündig. Denn<br />

Joachim Zelter ist – wie wohl er wunderbar<br />

ist – ein ebenso wunderbarer Geheimtipp<br />

hier zu Lande. Unser Lieblingsmoderator<br />

Klaus Zeyringer weiß – wie immer – alles<br />

zu vereinen. Er entführt Sie auch in die<br />

wunderschönen neuen Räumlichkeiten der<br />

Stadtbibliothek Innsbruck!<br />

© www.joachimzelter.de<br />

Pointenzauberwerk<br />

Joachim Zelter und seine<br />

„Briefe aus Amerika“<br />

Klaus Zeyringer, geboren 1953, war Universitätsprofessor<br />

für Germanistik in Angers (FR),<br />

ist Literaturkritiker (u.a. für „Der Standard“,<br />

„Volltext“, „Literatur und Kritik“), Moderator<br />

der Veranstaltungsreihe „Grenzgänge“ sowie<br />

Autor u.a. von „Fußball. Eine Kulturgeschichte”,<br />

„Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte von<br />

1896 bis heute.“ (alle S. Fischer).<br />

Veranstaltung:<br />

Grenzgänge XII<br />

Mit Felix Mitterer,<br />

Joachim Zelter und Klaus Zeyringer<br />

Di. 20. <strong>No</strong>vember 2018 um 19:00 Uhr<br />

Innsbrucker Stadtbibliothek<br />

Amraser Straße 2<br />

Eintritt frei!<br />

Eine Veranstaltung der<br />

Stadtbibliothek Innsbruck und 8ungKultur<br />

Die letzten werden die ersten sein,<br />

so sagt die Bibel. Die ersten werden<br />

die letzten sein, kontert Zelter! Mit<br />

„Briefe aus Amerika“ macht er sich<br />

auf den Weg nach Innsbruck, denn<br />

nun liegt der Erstlingsroman des 1962<br />

geborenen, in Tübingen lebenden Autors,<br />

sacht überarbeitet, wieder vor.<br />

Darin wird ein gewisser Joachim<br />

Zelter für ein Jahr an die Yale University<br />

geschickt, um dort nicht nur<br />

„Deutsch in 100 Tagen“ zu unterrichten,<br />

sondern auch sonst allerhand<br />

Unglaubliches zu erleben. Ein Jahr,<br />

das sich als urkomische Apokalypse in<br />

der Nussschale erweist. Vor allem die<br />

Divergenz zwischen der reichen Uni<br />

und dem bitterarmen New Haven,<br />

so wie ein genialer, aber höchst ominösen<br />

Dozenten namens Schwartz,<br />

Buchtipp:<br />

Joachim Zelter:<br />

Briefe aus Amerika<br />

Klöpfer & Meyer Verlag,<br />

192 S., € 19,60


Sein Lebenslauf<br />

Felix Mitterer und seine eindrucksvolle<br />

Autobiografie. Von Robert Renk<br />

Bücher seit 1639<br />

der eine obskure „Philosophie des<br />

Fingers“ veröffentlicht hat, machen<br />

ihm schwer zu schaffen.<br />

Eine Tour de Farce durch den amerikanischen<br />

Universitätsdschungel, als<br />

hätten sich Jonathan Swift und Mark<br />

Twain eine Welt ausgedacht, nachdem<br />

sie eine Überdosis Kafka inhaliert<br />

haben. Oder wie Alexander Kluy<br />

meint: „Briefe aus Amerika“: Don<br />

Quijote trifft Buster Keaton.<br />

Geschrieben und gefeilt mit dem<br />

britischen Understatement eines<br />

Baden-Württembergischen Radprofis.<br />

Das heißt kurz&bündig und mit flottem,<br />

perfekten Rhythmus.<br />

Zelter ist tatsächlich passionierter<br />

Rennradler, kommt gerne einmal mit<br />

dem Rad zur Lesung (wir werden<br />

sehen), ist auch häufig in Theatern<br />

anzutreffen. Am liebsten, wenn einer<br />

seiner Romane fürs Theater adaptiert<br />

wurde. Und mit Monica Bleibtreu<br />

und Dietmar Mues saß er selbst auf<br />

der Bühne und sprach seine wunderfeine<br />

„Würde des Lügens“ ein.<br />

Joachim Zelter ist ein hochliterarischer<br />

Pointenzauberer, der die<br />

Sprache gezähmt hat, um sich von ihr<br />

treiben zu lassen! Einer der größten<br />

Satiriker unserer Zeit, in der schönen<br />

Tradition von Tucholsky, Kästner<br />

und Thomas Bernhard. Doch während<br />

es beim großen Österreicher das<br />

Redundante ist, macht es bei Zelter<br />

die Variation! Und ebenso variantenreich<br />

geruht der Vortragskünstler<br />

Zelter auch zu lesen, Sie sollten es<br />

nicht versäumen.<br />

55<br />

© Fotowerk Aichner<br />

Die Autobiografie, die zu Felix Mitterers<br />

Siebziger unter dem schlichten Titel „Mein<br />

Lebenslauf“ (Haymon Verlag) erschien,<br />

liest sich wie ein sehr persönlicher, zeitgeschichtlicher<br />

Roman. Doch bevor er über<br />

sich schreibt, schreibt er lieber über all seine<br />

Wegbegleiter. Und das waren wahrlich viele!<br />

Da findet sich naturgemäß viel über Hans<br />

Brenner, Kurt Weinzierl oder Ruth Drexel.<br />

Auch jüngere – wie Markus Plattner –<br />

werden von Mitterer erkannt, gefördert und<br />

dementsprechend auch in seinem Lebenslauf<br />

erwähnt.<br />

Man liest, wie sich am Beispiel von<br />

Wolfgang Pfaundler Skepsis in Freundschaft<br />

wandeln kann, oder wie sich Mitterer<br />

gelegentlich einen persönlichen Spaß<br />

erlaubt: Einen kleinen Bergunfall, der ihm<br />

selbst mit Tobias Moretti widerfahren ist,<br />

lässt er Moretti in der Piefke Saga eins zu<br />

eins noch einmal erleben.<br />

Am berührendsten geraten die Passagen,<br />

in denen er über seine Mütter schreibt – er<br />

hatte ja zwei. Seine leibliche Mutter, die<br />

schon 12 Kinder hatte, gab ihn „einfach“<br />

einer kinderlos gebliebenen Freundin weiter.<br />

Das Aufwachsen am Fuße des Wilden<br />

Kaisers war nicht leicht. Die Härte der<br />

Stiefmutter bekam der kleine Felix oft zu<br />

spüren, Trost waren ihm sein Adoptivvater,<br />

der „Dati“, und die Phantasie der Bücher.<br />

In Innsbruck schließlich fängt er am<br />

Schreibtisch im Zollamt an, seine ersten<br />

Szenen zu schreiben – am selben Tisch<br />

übrigens, an dem etwas später der leider<br />

viel zu früh verstorbene Osttiroler Autor<br />

Gerold Foidl saß. Berührend auch die<br />

Szenen, in denen er über Chryseldis oder<br />

seine jetzige Liebe Agnes schreibt. Und<br />

immer wieder schön zu lesen, dass sich ein<br />

Felix Mitterer selbst nicht zu ernst nimmt.<br />

Sein erster Roman sei ein „ziemlicher Kas“<br />

gewesen, nach seinem ersten Tatort-<br />

Drehbuch schwor er sich: „Nie wieder“.<br />

Zum Glück hat er sich nicht daran<br />

gehalten!<br />

Buchtipp:<br />

Felix Mitterer:<br />

Mein Lebenslauf<br />

Haymon Verlag,<br />

528 S., € 29,90


Eröffnungswochenende<br />

Die letzten Arbeiten sind bald abgeschlossen,<br />

am 9. <strong>No</strong>vember ist es so weit: Die neue Stadtbibliothek<br />

Innsbruck wird eröffnet. Die neuen Räumlichkeiten<br />

locken mit einem tollen Eröffnungsprogramm:<br />

Freitag, 9. <strong>No</strong>vember 2018:<br />

Entdecken<br />

10:00 Uhr<br />

Eröffnung der Stadtbibliothek<br />

10:30 Uhr<br />

Eröffnung der Galerie Plattform 6020<br />

13:00 –18:00 Uhr<br />

Führungen durch das Haus<br />

zu jeder vollen Stunde<br />

19:30 Uhr<br />

Ein Abend mit Wladimir Kaminer<br />

Der Verfasser der „Russendisko“<br />

kommt erstmals nach Innsbruck<br />

und präsentiert sein neues Buch<br />

„Die Kreuzfahrer“.<br />

Samstag, 10. <strong>No</strong>vember 2018:<br />

Mitmachen<br />

10:00 –17:00 Uhr<br />

Wir bauen die Bibliothek unserer Träume<br />

Eine Jugendland-Woodschtock-Bauaktion<br />

für alle ab 5 Jahren<br />

10:00 –17:00 Uhr<br />

Der Raum im Buch: lesen & bauen<br />

Ein Kunst-Workshop von bilding<br />

für alle ab 5 Jahren<br />

Ein Kommen und Gehen ist bei beiden Angeboten<br />

den ganzen Tag über möglich.<br />

19:00 Uhr<br />

Jedes Wort wert: Bibliotheks-Poetry-Slam<br />

SlammerInnen präsentieren Texte<br />

rund um das Thema Bibliothek<br />

Moderation: Stefan Abermann<br />

Danach kalte Getränke und heiße Sounds<br />

von DJ Martin Fritz.<br />

Alle Veranstaltungen der Stadtbibliothek<br />

Innsbruck sind kostenlos,<br />

es ist keine Anmeldung notwendig!<br />

© Stadtbibliothek Innsbruck<br />

56<br />

Wagner’sche.


Asterix auf Tirolerisch<br />

Der erste und einzige Asterix Band in Tiroler Mundart –<br />

geschrieben von keinem Geringeren als Felix Mitterer.<br />

Jetzt in einer Neuauflage.<br />

„Fuchzg Johr, bevor insa Heilond auf<br />

d’ Welt kemmen isch, do wor gonz Gallien<br />

vo die Röma eingsackelt. Gonz Gallien?<br />

Sell tat i wieda nit sogn! Weil do hots in<br />

oana kloanen Gmoand a poor so wilde Hund<br />

gebm, de hobm si oanfoch nix gfolln lossn<br />

vo die wallischn Besotza. Und deratwegn<br />

wor der Dianscht schun a bissl zaach fir<br />

die römischn Legionäre, de wos in eahnane<br />

Loga Babaorum, Aquarium, Laudanum und<br />

Kloanbonum kaust hobm.“<br />

1999 erschien der legendäre Asterix Band<br />

„Obelix und’s groasse Gschäft“, der erste<br />

und einzige Asterix Band in Tiroler Mundart.<br />

Geschrieben von keinem Geringeren als<br />

Felix Mitterer. Inzwischen ist das Sammlerstück<br />

seit vielen Jahren vergriffen. Immer<br />

wieder wurden wir danach gefragt. Grund<br />

genug für uns, uns für eine Neuauflage einzusetzen.<br />

Wir mussten feststellen, dass dies<br />

kein leichtes Unterfangen war, aber jetzt ist<br />

es so weit! Gemeinsam mit dem Egmont<br />

Verlag haben wir liebevoll einen Nachdruck<br />

vorgenommen und verkaufen die Asterix<br />

Bände exklusiv in der Wagner’schen.<br />

© Asterix – aus Buch „Obelix und’s groasse Gschäft“<br />

Bücher seit 1639<br />

Wenn das kein Grund<br />

zum Feiern ist …<br />

Am 22. Oktober erscheint die Neuauflage<br />

dieses Tirol-Gallischen Klassikers und das<br />

Abenteuer von Asterix, Obelix und Idefix<br />

kann neu beginnen! Für uns ein Grund<br />

zum Feiern! Am Montag, den 22. Oktober<br />

gibt es daher in der Wagner’schen Buchhandlung<br />

eine große Asterix und Obelix<br />

Party. Feiern Sie mit uns und holen Sie sich<br />

als einer der ersten den Asterix Band auf<br />

Tirolerisch. Unter allen, die verkleidet<br />

zu uns kommen (Verkleidung aus der<br />

Asterix und Obelix Welt), verlosen wir<br />

15 Asterix Bände und viele andere Preise.<br />

Mehr Informationen unter:<br />

asterix.wagnersche.at<br />

57<br />

Party<br />

Asterix Party<br />

in der Wagner’schen<br />

Buchhandlung<br />

Montag, 22. Oktober<br />

ab 19:30 Uhr<br />

Eintritt frei!<br />

Buchtipp:<br />

Felix Mitterer:<br />

Obelix und’s groasse Gschäft<br />

Egmont Verlag<br />

48 S., € 14,95


58<br />

Wagner’sche.


Innsbruck, wie es früher war.<br />

Gewinnen Sie einen<br />

Innsbruck-Kalender 2019<br />

Die Bilder unseres heurigen Kalenders<br />

stammen aus dem Besitz einer namentlich<br />

leider nicht bekannten Innsbrucker<br />

Bürgersfamilie, die in einer Villa im Saggen<br />

gelebt hat. Als das Gebäude vor wenigen<br />

Jahren ausgeräumt wurde, sind diese und<br />

noch eine weitere große Zahl an Aufnahmen<br />

auf den Markt gekommen. Über<br />

mehrere Hände wurden die Innsbruck<br />

betreffenden Glasplatten dem Stadtarchiv /<br />

Stadtmuseum Innsbruck angeboten. Auch<br />

hier dauerte es noch einige Zeit, bis die<br />

Platten digitalisiert werden konnten. Mit<br />

dem neuen Kalender der Wagner’schen<br />

Universitätsbuchhandlung hat nun jeder die<br />

Möglichkeit, diese Bilder Innsbrucks der<br />

Jahre 1910 bis 1920 zu bewundern.<br />

DDr. Lukas Morscher hat 27 ganz<br />

besondere Aufnahmen ausgewählt. Begleitet<br />

werden sie mit humorvollen, spannenden<br />

und interessanten Texten. 14-tägiges<br />

Kalendarium – exklusiv erhältlich in der<br />

Wagner’schen Buchhandlung.<br />

© Stadtarchiv Innsbruck<br />

Gewinnspiel:<br />

Innsbruck,<br />

wie es früher war<br />

Mit Texten von Lukas Morscher<br />

Kalender<br />

2019<br />

Ein Bild für Innsbruck-<br />

Kenner: Wo ist das?<br />

Ein Ort, an dem garantiert schon jeder<br />

Einwohner der Stadt viele Male war. <strong>No</strong>ch<br />

dazu sieht das große Gebäude am linken<br />

Rand bis heute relativ ähnlich aus, auch<br />

wenn wir meist entlang der Vorderseite<br />

gehen; hier ist aber die Rückseite zu sehen.<br />

Und noch ein Hinweis: Der Turm im<br />

Hintergrund rechts ist nicht Teil des Gebäudes,<br />

sondern gehört zu einer Kirche auf<br />

der westlichen Straßenseite. Und – erkannt?<br />

Mitraten und gewinnen!<br />

Hier können Sie Ihr Innsbruck-Wissen<br />

unter Beweis stellen. Welches Gebäude ist<br />

auf dem oben abgebildeten Foto zu sehen?<br />

Gewinnen Sie ein IVB-Jahresticket im Wert<br />

von je € 350,–.<br />

Bücher seit 1639<br />

59<br />

Bitte senden Sie Ihre Antwort an<br />

office @ wagnersche.at —<br />

oder geben diese direkt in der<br />

Wagner’schen Buchhandlung ab.


Weltpremiere mit T. C. Boyle<br />

T. C. Boyle at his best! – Sein neuer Roman,<br />

den es nur auf Deutsch gibt.<br />

Buchtipp:<br />

T.C. Boyle:<br />

Good Home – Stories<br />

Aus dem Englischen von Anette<br />

Grube und Dirk van Gunsteren<br />

Hanser Verlag, 432 S., € 23,70<br />

Lesung:<br />

Es hat sich schon herumgesprochen, im<br />

Februar 2019 ist es tatsächlich so weit<br />

und das jahrelange Arbeiten an einer<br />

literarischen Sensation hat sich gelohnt.<br />

T.C. Boyle kommt endlich nach Innsbruck.<br />

Und nicht nur das, der Kultautor hat ein<br />

Überraschungsgeschenk in Form einer<br />

Weltpremiere im Gepäck, sein neuer Roman<br />

erscheint auf Deutsch, bevor er auf Englisch<br />

erscheint. Eine schöne Hommage an seine<br />

deutschsprachigen Fans.<br />

© Peter-Andreas Hassiepen Winzererstr. 48 80797 München Tel.: 0163 681 6857<br />

Worum geht’s im neuen Boyle: ein kreischend<br />

greller Trip an die Grenzen des<br />

Bewusstseins und darüber hinaus. Harvard-Professor,<br />

Psychologe und LSD-Guru<br />

Timothy Leary schart Anfang der 60er<br />

einen Kreis von Jüngern um sich, für neuartige<br />

Experimente mit psychedelischen<br />

Drogen. Unter dem Deckmantel seriöser<br />

Wissenschaft steuert das Ganze auf den<br />

totalen Kontrollverlust zu.<br />

Endlich wird der aufstrebende wissenschaftliche<br />

Assistent Fitz auf eine der<br />

LSD-Partys seines Professors Leary eingeladen.<br />

Er erhofft sich davon einen wichtigen<br />

Karriereschritt, merkt aber bald, dass<br />

Learys Ziele weniger medizinischer Natur<br />

sind; es geht dem Psychologen um eine<br />

Revolution des Bewusstseins und eine von<br />

sozialen Zwängen losgelöste Lebensform.<br />

Fitz wird mitgerissen von dieser Vision, mit<br />

Frau und Sohn schließt er sich der Leary-Truppe<br />

an: Sie leben in Mexiko, später<br />

in der berühmten Kommune in Millbrook,<br />

mit Drogen und sexuellen Ausschweifungen<br />

ohne Ende. Ein rauschhaftes Leseerlebnis –<br />

T.C. Boyle at his best.<br />

T. Coraghessan Boyle, 1948 in Peekskill, N.Y., geboren,<br />

unterrichtete an der University of Southern<br />

California in Los Angeles. Bei Hanser erschienen<br />

zuletzt „Wenn das Schlachten vorbei ist“ (Roman,<br />

2012), „San Miguel“ (Roman, 2013), die Neuübersetzung<br />

von „Wassermusik“ (Roman, 2014), „Hart<br />

auf hart“ (Roman, 2015), die Neuübersetzung<br />

von „Grün ist die Hoffnung“ (Roman, 2016), „Die<br />

Terranauten“ (Roman, 2017) und „Good Home“<br />

(Stories, 2018).<br />

Dirk van Gunsteren übersetzte u.a. John Irving,<br />

Colum McCann, Thomas Pynchon, Philip Roth,<br />

Oliver Sacks und Richard Stark. 2007 erhielt er<br />

den Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis, 2018 den<br />

Übersetzerpreis der Stadt München.<br />

T.C. Boyle live in Innsbruck<br />

60<br />

Di., 12. Februar 2019<br />

Lesung englisch und deutsch<br />

Details werden noch bekannt<br />

gegeben, u.a. unter<br />

www.wagnersche.at<br />

Wagner’sche.


Ein besonderer Plan<br />

John Wray und sein neuer Roman „Gotteskind“.<br />

Von Robert Renk<br />

Der sympatische Austroamerikaner beehrt<br />

uns wieder. Er präsentiert seinen neuen<br />

Roman „Gotteskind“ (Rowohlt), in dem er<br />

sich auf äußerst unsicheres Terrain vorwagt.<br />

Niemand aber vermag literarisch so trittfest<br />

auf politisch unsicherem Terrain zu wandeln,<br />

wie dieser 1971 in Washington D.C. als<br />

Sohn eines amerikanischen Vaters und einer<br />

österreichischen Mutter geborene Autor.<br />

Das bewies er schon mit seinen Romanen<br />

„Der Retter der Welt“ oder „Das Geheimnis<br />

der verlorenen Zeit“ (beide Rowohlt).<br />

Im neuen Roman macht er sich auf, die<br />

junge Aden Sawyer auf ihrer eigentümlich<br />

und – auf den ersten Blick – unverständliche<br />

Reise zu begleiten.<br />

Aden Sawyer, achtzehn, hat nämlich<br />

einen besonderen Plan. Der soll sie vorerst<br />

einmal weit, weit weg bringen vom Einfluss<br />

ihres dominanten Vaters, der das Leben<br />

aller zur Hölle macht. Und vom Haus<br />

ihrer Mutter, in dem alle Familienfotos<br />

zur Wand gedreht sind. Sie ist entschlossen,<br />

nach Peschawar in Pakistan zu reisen,<br />

um dort in einer Medrese den Islam zu<br />

studieren. Mit Hilfe eines Freundes organisiert<br />

sie die heimliche Reise. In Pakistan<br />

schlüpft sie in eine neue Identität und verkleidet<br />

sich als junger Mann. Doch<br />

bald gerät sie in größere Gefahr, als sie<br />

sich jemals vorstellen konnte. Denn der<br />

Weg zur Erlösung ist lang und gefährlich,<br />

und er führt direkt in die Kriegswirren<br />

Afghanistans. John Wray verfolgt das<br />

Schicksal seiner jungen Heldin mit<br />

der zwingenden Logik der Paranoia und<br />

erzeugt so eine überaus atemberaubende<br />

Spannung!<br />

© Ali Smith<br />

Buchpräsentation:<br />

Buchtipp:<br />

Bücher seit 1639<br />

John Wray wurde 1971 in Washington, D.C.,<br />

als Sohn eines amerikanischen Vaters und einer<br />

österreichischen Mutter geboren. Studium am<br />

Oberlin College, an der Columbia University und an<br />

der Universität Wien. Er lebt als freier Schriftsteller<br />

in Brooklyn und Friesach (Kärnten). 2007 wurde<br />

er von dem Literaturmagazin „Granta“ unter die<br />

zwanzig besten jungen US-Autoren gewählt, 2017<br />

errang er beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in<br />

Klagenfurt dem zweiten Platz.<br />

61<br />

Gotteskind<br />

Lesung mit John Wray,<br />

deutsch mit amerikanischen<br />

Einsprengseln! – In Zusammenarbeit<br />

mit 8ungKultur<br />

Mi., 20. Feb. 2019, 19:30 Uhr,<br />

Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung<br />

Eintritt: € 9,– /<br />

mit Kundenkarte € 7,–<br />

John Wray:<br />

Gotteskind<br />

Rowohlt Verlag,<br />

368 S., € 23,70


Verlautbarungen<br />

4o Tonnen<br />

Schulbücher<br />

Was kann<br />

Literatur?<br />

Menschenrechte<br />

© Elisabeth Wiederin<br />

#WasKannLiteratur<br />

Im Rahmen ihres Netzwerks mitSprache<br />

laden die österreichischen Häuser der<br />

Literatur die interessierte Öffentlichkeit<br />

ein, sich zwei Monate lang mit ihren<br />

Antworten an dem Projekt #WasKann-<br />

Literatur zu beteiligen. MitSprache ist ein<br />

freier Zusammenschluss österreichischer<br />

Häuser der Literatur, die vor gesellschaftspolitischem<br />

Hintergrund seit 2004<br />

gemeinsam Projekte entwickeln und<br />

bundesweit umsetzen.<br />

Mit der Frage des diesjährigen Projekts<br />

„Was kann Literatur?“ soll ein Nachdenken<br />

über die Bedeutung und Möglichkeit<br />

der Literatur angeregt werden: Was<br />

kann Literatur für Sie ganz persönlich?<br />

Welche Wirkung hat Literatur auf Sie?<br />

Welchen Stellenwert hat Literatur für Sie<br />

in der Gesellschaft?<br />

Antworten auf diese Fragen können<br />

via Aktions-Postkarte (liegt u.a. in der<br />

Wagner’schen auf), Facebook, Twitter<br />

oder auf der Website www.mit-sprache.net<br />

gesendet werden.<br />

Im Literaturhaus am Inn erwartet<br />

Sie am Aktionstag, dem 23. Oktober 2018<br />

eine Tiroler Impro-Lesebühne der<br />

besonderen Art:<br />

Inspiriert von den eingesendeten Beiträgen<br />

werden Stefan Abermann, Martin Fritz,<br />

Peter Giacomuzzi, C. H. Huber, Käthl<br />

und Ramona Pohn live Texte produzieren<br />

und vortragen.<br />

Nähere Infos unter:<br />

www.literaturhaus-am-inn.at<br />

© Literatur Haus am Inn<br />

Wir machen auf eine Veranstaltung zum<br />

70sten Geburtstag der Erklärung der<br />

Menschenrechte aufmerksam: Die Erklärung<br />

der Menschenrechte wird dieses<br />

Jahr 70! Ihnen wird am 10.12.2018 ab<br />

18.00 Uhr im HAUS DER MUSIK eine<br />

Bühne gegeben. Performances, Musik<br />

und Lesungen setzen Menschenrechte<br />

ins Zentrum. Denn was vor 70 Jahren<br />

erklärt wurde, ist gerade heute wichtig.<br />

Auch ein gut sortierter Büchertisch der<br />

Wagner’schen ist mit dabei!<br />

Weitere Infos unter:<br />

artagainstracism @ gmx.net<br />

oder<br />

www.facebook.com/ART-againstracism-2257142094515620/<br />

© Shutterstock<br />

Neben dem Weihnachtsgeschäft ist<br />

für uns die Schulbuchauslieferung<br />

ein besonderes Highlight. 40 Tonnen<br />

Bücher werden hier mehrmals in die<br />

Hand genommen, kontrolliert und<br />

für die Schulen vorsortiert. Auch<br />

die E-Book-Codes werden von uns<br />

ausgedruckt und auf die Bücher<br />

aufgebracht. – Diese logistische<br />

Herausforderung muss bewältigt<br />

werden, geht manchmal etwas an die<br />

Substanz. Es macht aber auch extrem<br />

viel Spaß!<br />

Seit Beginn der Schulbuchaktion<br />

beliefert die Wagner’sche Schulen in<br />

ganz Tirol, von kleinen Volksschulen<br />

mit 30 Kindern, bis zu Schulen mit<br />

1.400 Schülern. Heuer konnten<br />

wir sieben neue Schulen begrüßen,<br />

was uns ganz besonders freut! Alle<br />

anderen Schulen sind schon seit<br />

vielen Jahren Partnerschulen der<br />

Wagner’schen, hierfür möchten wir<br />

uns herzlichst bedanken! Als Inhabergeführte<br />

Buchhandlung legen wir<br />

dabei größten Wert auf zuverlässigen,<br />

schnellen und bestmöglichen Service<br />

für unsere Kunden.<br />

Schulbuchbetreuung,<br />

wie sie im Buche steht.<br />

Uns ist bester Service wichtig, Zuverlässigkeit<br />

und höchste Bequemlichkeit<br />

bei Bestellung und Lieferung machen<br />

bei uns Schule, außerdem bieten wir<br />

100 % Kulanz und Verlässlichkeit<br />

inkl. kostenloser Leseförderung.<br />

Möglich macht dies das motivierte<br />

Schulbuch-Team der Wagner’schen,<br />

allen voran Lisi, die alles organisiert,<br />

aktiv unterstützt von Anna, Hannah,<br />

Melanie, Dominik. Martin, Thomas<br />

und Chef Markus, der selbst fleißig<br />

mit anpackt und bei allen Schulen<br />

dabei ist.


Autorinnen und Autoren<br />

dieser Ausgabe<br />

Bernhard Aichner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller und<br />

Fotograf in Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und<br />

Theaterstücke. Seine Totenfrau-Trilogie katapultierte ihn<br />

auf die internationalen Bestsellerlisten. Soeben erschien sein<br />

neuer Thriller „Bösland“ (btb).<br />

Michael Carli, gelernter Kulturvermittler, Werber und<br />

Lebensmittelhändler. Lebt in Innsbruck, liebt Sardinien.<br />

Ágnes Czingulszki, 1987 geboren in Baja (Südungarn), lebt<br />

– nach einigen Stationen in Europa – nun als Journalistin<br />

und Autorin in Innsbruck. U. a. „ich dachte an siracusa“<br />

(ed. Exil)<br />

Katharina Johanna Ferner, wurde 1991 in Salzburg geboren.<br />

Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift &Radieschen<br />

und der österreichischen Dialektzeitschrift „Morgenschtean.“<br />

2015 erschien ihr Debütroman „Wie Anatolij<br />

Petrowitsch Moskau den Rücken kehrte und beinahe eine<br />

Revolution auslöste“ im Verlag Wortreich. Von Juli bis<br />

September 2017 verbrachte sie ihre Zeit als Stadtschreiberin<br />

in Hausach (Deutschland).<br />

Hubert Flattinger, geboren 1960 in Innsbruck. Grafiker,<br />

Autor und Journalist. Lebt in Niederösterreich und vermittelt<br />

seine Erfahrungen im Bereich Kinder- und Jugendliteratur<br />

am Institut für Sozialpädagogik in Stams. Bücher<br />

(Auszug): „Der größte Fisch entwischt“ (2015), „Sommersprossen<br />

auf dem Asphalt“ (2016), „Als ich Lord Winter<br />

war“ (2017).<br />

Christine Frei ist Kommunikationsmanagerin und Autorin<br />

und lebt seit ihrem Studium der Germanistik und Geschichte<br />

in <strong>No</strong>rdtirol.<br />

Klaudia Grünfelder, 1995 in Brixen (Südtirol) geboren. Hat<br />

dort und in Salzburg im Buchhandel gearbeitet und ist seit<br />

2016 in der Wagner’schen tätig und für die Bereiche Fantasy<br />

und Young Adult zuständig.<br />

Susanne Gurschler, lebt als freie Journalistin und Autorin<br />

in Innsbruck. Zuletzt erschienen: „111 Orte in Tirol, die<br />

man gesehen haben muss“ und „111 Orte in Innsbruck,<br />

die man gesehen haben muss“ (beide Emons Verlag) sowie<br />

„Zeitblende Tirol. Defner Fotografien von 1925 bis heute“<br />

zusammen mit Thomas Defner (Tyrolia Verlag). Weitere<br />

Infos unter: www.susannegurschler.at<br />

Andreas Hauser erbte die Liebe zur Kriminalliteratur von<br />

seinem Vater, schrieb lang im Tiroler Magazin ECHO Beiträge<br />

zu Wissenschaft und Zeitgeschichte, Empfehlungen von<br />

Krimis, Thrillern und Literatur. Seit 2015 Mitarbeiter und<br />

CP-Redakteur der KULTIG Werbeagentur in Innsbruck.<br />

Johann Holzner, lange Jahre Univ.-Prof. am Institut für<br />

Germanistik der Uni Innsbruck. Von 2001–2013 war er<br />

Leiter des Brenner-Archivs. Lehrtätigkeit u. a. auch an den<br />

Unis von Wroclaw (PL), Salzburg, Santa Barbara (California),<br />

St. Petersburg, Jyväskylä und Maribor. Seit 2014 ist er<br />

Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer des<br />

Theodor-Fontane-Archivs Potsdam, seit 2016 Vorsitzender<br />

des Internationalen Trakl-Forums in Salzburg. Johann Holzner<br />

ist mit der Schriftstellerin Dragica Rajčić verheiratet.<br />

Isabel Karoline Hörmann, geb. 1979 in Innsbruck, als Texterin<br />

im Alpenresort Schwarz tätig. Lesehungrig, schreibverliebt,<br />

fasziniert von Wort und Sprache.<br />

Markus Köhle ist Sprachinstallateur, Literaturzeitschriftenaktivist<br />

und Papa Slam Österreichs. Zahlreiche Publikationen,<br />

zuletzt: „Jammern auf hohem Niveau““ (Sonderzahl).<br />

www.autohr.at<br />

Lena Kripahle, 1984 geboren und Buchhändlerin. Bereits<br />

seit der 1. Klasse süchtig nach Druckerschwärze und Hörbüchern.<br />

Seit <strong>No</strong>vember 2015 ist die Wagner’sche ihre neue<br />

Heimat.<br />

Romana Lautner, geboren 1975 in Bayreuth, studierte Germanistik,<br />

Literaturvermittlung und Politikwissenschaften<br />

in Bamberg und an der University of Edinburgh. Schon<br />

während des Studiums Einstieg in die Theaterwelt als Regieassistentin<br />

an der Studiobühne Bayreuth. Ihre Inszenierung<br />

der eigenen Dramatisierung von Michael Endes „Traumfresserchen“<br />

gewann 2000 den Preis der Kinderjury beim<br />

7. Bayerischen Kinder- und Jugendtheaterfestival. Danach<br />

wechselte sie zum Suhrkamp Theaterverlag. Seit der Saison<br />

2004/2005 ist sie Dramaturgin am Tiroler Landestheater in<br />

Innsbruck.<br />

Erich Ledersberger, seit ungefähr 20 Jahren in Innsbruck<br />

lebender Wiener. Ehemaliger Lehrer, permanenter Autor,<br />

nicht nur auf seiner Website www.kakanien.eu, sondern auch<br />

in Büchern. Zu finden in der Wagner’schen.<br />

Joachim Leitner, studierter Komparatist, ist seit 2012<br />

Kulturredakteur der Tiroler Tageszeitung - und macht<br />

gelegentlich Radio.<br />

Linda Müller, geboren 1988, Studium der Neueren deutschen<br />

Literaturwissenschaft in Innsbruck. Seit 2011 Lektorin im<br />

Haymon Verlag, seit 2017 verantwortet sie dort auch die<br />

inhaltliche Seite des Krimi-Schwerpunkts mit. Darüber<br />

hinaus ist sie Projektkoordinatorin des Krimifest Tirol.<br />

Klaus Nüchtern, geboren 1961 in Linz, lebt in Wien. Schreibt<br />

seit 1989 für den Falter, dessen Feuilleton er 25 Jahre lang<br />

geleitet hat; seine Kolumnen „Nüchtern betrachtet“ liegen<br />

gesammelt in 5 Bänden vor. Zuletzt erschien „Kontinent<br />

Doderer“ (Beck Verlag).<br />

Thomas Pupp, geboren 1962 in Innsbruck. Jusstudium. War<br />

Landesrat für Sport und Abgeordneter zum Tiroler Landtag.<br />

Ist Manager des Tirol Cycling Teams.<br />

Joe Rabl, geboren in Kufstein; Studium der Komparatistik<br />

und Germanistik in Innsbruck; arbeitet als freier Lektor;<br />

veranstaltet zusammen mit Birgit Holzner die Innsbrucker<br />

Wochenendgespräche.<br />

Markus Renk, seit 33 Jahren in der Buchbranche. Fachgruppen-Obmann<br />

der Buch- und Medienwirtschaft Tirol<br />

und seit Oktober 2015 neuer Chef der Wagner’schen.<br />

Robert Renk, Buchhändler und Kulturveranstalter. Gastdozent<br />

an der Uni Innsbruck. Sortimentsleiter in der<br />

Wagner’schen. Gibt das Wagner-Magazin heraus.<br />

Nina Rettenbacher brachte uns der Koch- und Gärtnerhimmel<br />

in die Wagner’sche. Erste Stadtgärtnerin und<br />

grandiose Köchin & Gastgeberin im 1. Stock.<br />

Andrea Scheiber, seit 1992 in der Wagner’schen Buchhandlung,<br />

liest natürlich gerne Kinderbücher und Krimis,<br />

liebt Backen und lange Spaziergänge.<br />

Bernd Schuchter, geboren 1977 in Innsbruck, studierte<br />

Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität<br />

Innsbruck. Autor und Verleger (Limbus Verlag). Zuletzt:<br />

„Gebrauchsanweisung für Tirol“ (Piper) und „Aufwachsen<br />

in Innsbruck“ (Wagner’sche).<br />

Evelyn Unterfrauner, Programmleiterin bei Tirol TV und<br />

Buchbloggerin im Netz und im TV. Sie schaffte es zwei Jahre<br />

in Folge auf die Shortlist des Buchblog Awards und betreibt<br />

den Blog Book Broker auf www.bookbroker.wordpress.com<br />

Susann Urban studierte Germanistik, Anglistik und Politikwissenschaft.<br />

Nach vielen Jahren im Buchhandel arbeitet<br />

sie heute als Lektorin und als freie Übersetzerin aus dem<br />

Englischen. Sie lebt in Stuttgart.<br />

Marlene Walder (Lena W.), geb. 1994. Seit 2013 in der Wagner’schen.<br />

Steckt hinter den Blind Dates und ist seit <strong>No</strong>vember<br />

2017 Abteilungsleiterin für Ratgeber und Kinderbuch.<br />

Anita Winkler hat in Innsbruck Germanistik studiert<br />

und ist seit 2008 für das Programm des Löwenzahn<br />

Verlags verantwortlich.<br />

Klaus Zeyringer, Habilitation in Graz; war Univ.-Prof.<br />

für Germanistik in Frankreich. Literaturkritiker u. a. für<br />

Der Standard, Jurymitglied der ORF-Bestenliste; Literaturmoderationen<br />

in Österreich, Deutschland, der Schweiz und<br />

Frankreich. Zuletzt: „Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte<br />

von 1896 bis heute. Bd. 2: Winter“ (2018).<br />

Bücher seit 1639<br />

63


Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Museumstraße 4<br />

6020 Innsbruck<br />

T. +43 512 59505 0<br />

info@wagnersche.at<br />

www.wagnersche.at

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