Kulturfenster Nr. 05|2017 – Oktober 2017

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Nr. 5 | OKTOBER | 2017

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

K. Geroldinger: Musik bringt Lebensqualität

Heimatpfleger bei Landeshautpmann

O fortuna velut luna von Carl Orff


• Geleitwort •

• Inhalt •

Der Wert musikalischer Ausbildung

für die Jugend

Karl Geroldinger ist kein Unbekannter in

Südtirol. Oft weilte der in Ried (Oberösterreich)

tätige Direktor des dortigen Landesmusikschulwerkes

und Dirigent des Sinfonischen

Blasorchesters Ried auf Einladung

des VSM als Referent zu Seminaren in Südtirol.

In dieser Ausgabe des KF erörtert der

renommierte Musikfachmann die Bedeutung

von musikalischer Ausbildung insbesondere

für junge Menschen. „Die Südtiroler Musikkapellen

sind eine kultur- und gesellschaftspolitische

Größe“, stellt Geroldinger fest. Sie

stünde für die Erhaltung und Verbesserung

von Lebensqualität. Aus der Gehirnforschung

sei bekannt, dass der Umgang mit Musik in

hervorragender Weise die Entwicklung von

jungen Menschen zur reifen Persönlichkeit

fördere. Daher müsse schon in frühester Jugend

mit musikalischer Ausbildung begonnen

werden. Wie fördert man junge Menschen

am besten? In dem man sie fordert,

so Geroldinger.

Der Verbandsobmann des VSM Pepi Fauster

bricht im Vorweg eine Lanze für die neue

Funktionärsausbildung. Er wendet sich dabei

besonders an die Obleute und Kapellmeister.

Wenn diese mit gutem Beispiel vorausgingen,

sei das auch eine Motivation für

die andren. „Ihr seid die Antriebsfedern!“ erklärt

Fauster.

Die Heimatpfleger waren zum Antrittsbesuch

bei Landeshauptmann Arno Kompatscher.

Sie trugen eine Reihe von zentralen

Problemen vor und er signalisierte Verständnis

für ihre Anliegen.

Der Südtiroler Chorverband widmet seinen

Aufmacher einem Konzert im November

in Schlanders und Meran. Bezirkschorleiter

Josef Sagmeister bringt mit engagierten

Sängerinnen und Sängern aus dem Bezirk

Burggrafenamt -Vinschgau eines der bedeutendsten

Chorwerke des 20. Jahrhunderts,

die „Carmina Burana“ von Carl Orff, zur

Aufführung - eine echte Herausforderung..

Alfons Gruber

• Blasmusik

Neue Funktionärsausbildung und

Kapellmeistersuche 3

Musizieren in einer Musikkapelle bringt

Lebensqualität 5

Abschied vom Jungmusiker-Leistungsabzeichen 7

Funktionärsausbildung neu organisiert 8

Ein Fest der Blasmusik im Pustertal 10

Siebte Aufl age der Jungbläsertage

in St. Johann (Ahrntal) 13

VSM-Südtiroler Blasmusiktage in Meran 13

Erste Gsieser Jungbläsertage 14

Vierte Südtiroler Dirigentenwerkstatt 14

Euregio-Landes-Jugendblasorchester 2017 15

Exzellente Kammermusik der

Österreichichen Blasmusikjugend 16

Verdienstmedaille des Landes Tirol für

Manfred Horrer 17

„Peterloo Overture“ von Malcom Arnold 18

„Zwiefache Symphonique“ von Serge Lancen 19

„Musikpanorama 23

• Heimatpflege

Heimatpfl eger bei Landeshauptmann 29

Mit vereinten Kräften für Natur,

Landschaft und Mensch 30

Antrittsbesuch der Heimatpfl eger

bei Landesrat Schuler 31

Raum und Landschaft:

Aufwertung durch Sanierung 32

Knapp 1,5 Millionen Euro

für Landschaftspfl ege 33

Ehrfurcht walten lassen

Haus in Kaltenbrunn nicht abreißen 34

Gsies: Alte Bausubstanz

wertvoll und zukunftsfähig 35

Heimatpfl egeverband an

verschiedenen “Fronten“ aktiv 36

Heimatschutzverein Lana:

Kulturfahrt ins Hochpustertal 37

Gesamttiroler Freundschaftstreffen

am Nonsberg und in Ulten 38

Lebendige Tracht:

„Ciüf da zacan“ für Hochzeitslader 40

Bozen: Jahrhundertealter

Bindertanz in Bozen aufgeführt 41

• Chorwesen

Carmina Burana in Schlanders

und Meran 43

Tag der Chöre in den

Gärten von Schloss Trauttmansdorff 45

Achter Tag des

Ladinischen Liedes in Wolkenstein 47

Chor- und Stimmbildungswoche

in Burgeis 48

Musical-Talente zeigen ihr Können 49

Verdienstmedaille des Landes Tirol

für Gebhard Piccolruaz 50

Kulturfahrt nach München zu „Cats“

des Bezirkes Bozen 51

Erfolgreiche Bubensingwoche im

Vinzentinum in Brixen 52

Chorleiterseminar des

SCV und VKS in Dietenheim 53

Erinnerung an Alfred Gasser 54

Stimmgabel 56

Titelbild: Blasmusik vereint

2

KulturFenster


Vorweg

Blasmusik

Wer motiviert für die neue

Funktionärsausbildung?

Verbandsobmann

Pepi Fauster

Auf Grund von

Rückmeldungen

aus verschiedenen

Mitgliedskapellen

und von etlichen Funktionären

hat der Verbandsvorstand beschlossen,

die Ausbildung für Funktionäre

nicht inhaltlich, aber organisatorisch

neu zu planen.

Wie sie ab Jänner 2018 abläuft, welche

Module wann und wo angeboten werden,

fi ndet ihr in der Rubrik des Verbandes

und in einer eigens gedruckten

Broschüre, welche Ende November-Anfang

Dezember verteilt wird.

In diesem VORWEG geht es mir in erster

Linie darum, euch davon in Kenntnis zu

setzen und euch auf die Neuausrichtung

vorzubereiten. Dass die Ausbildung

unserer Verantwortungsträger (Obleute,

Kapellmeister, Jugendleiter, Stabführer,

Schriftführer, Kassiere, …) in der heu-

tigen Zeit unerlässlich

ist, braucht wohl nicht

mehr gesagt zu werden.

Wir haben in unseren

Vereinen - sei es

musikalisch wie vereinsmäßig

- einen hohen

Standard erreicht,

den wir weitertragen

wollen zu dem Zwecke,

dass sich Mitglieder

wohl fühlen, eine

Freude haben, einen tieferen Sinn darin

finden und gern dabei sind.

Alle müssen wir uns an diesem Entwicklungsprozess

beteiligen! In erster Linie

wende ich mich dabei aber an euch, liebe

Obleute und Kapellmeister: Ihr als die beiden

zentralen Figuren seid in erster Linie

dafür verantwortlich! Ich bitte euch, selbst

ein gutes Beispiel zu geben und euch anzumelden.

Dann könnt ihr auch Motivatoren

und Antriebsfedern für die anderen

sein! Wenn ihr es nicht macht, wer

soll es dann tun? Und ganz besonders

wende ich mich mit viel Hoffnung an

die Jungen, welche noch wenig Erfahrung

haben und Hilfen dankbar annehmen

sollten!

Ich freue mich sehr, wenn es großes Interesse

und viele Anmeldungen gibt! Die

Ausbildung organisieren wir für euch!

Verbandskapellmeister

Sigisbert Mutschlechner

Kapellmeistersuche

Spätestens im Herbst

beginnt für einige

Musikkapellen die

Suche nach einem

Kapellmeister oder

einer Kapellmeisterin.

Meist ist dies

eine Suche nach einem geeigneten und

kompetenten Menschen, welcher es versteht,

die Musikantinnen und Musikanten

zu motivieren und zu fordern.

Musikalisch und pädagogisch ist

er „up to date“. Ebenso menschlich

und rhetorisch.

Wie schafft es ein Kapellmeister,

diesen Anforderungen gerecht

zu werden? Wie kann ein Obmann

oder jeder einzelne Musikant

den eigenen Kapellmeister

in seiner Tätigkeit unterstützen?

Fordert ein Obmann seinen Kapellmeister

auf, sich weiterzubilden?

Oder verlangt er das nur

von seinen Musikanten? Bildet

sich ein Kapellmeister weiter? Oder verlangt

er das nur von seinen Musikanten?

Was tun wir als Musikkapelle für den Kapellmeister-Nachwuchs?

Diese Gedanken

müssen zu einem zentralen Punkt in der

musikalischen Weiterentwicklung einer

Musikkapelle, aber auch eines Kapellmeisters

werden, da wir uns nicht immer

auf die anderen Musikkapellen oder Kapellmeister

verlassen können, dass diese

sich weiterbilden oder etwas für den Kapellmeisternachwuchs

tun. So wie wir in

den Kapellen Klarinettisten oder Posaunistinnen

aus- und weiterbilden lassen,

so müssen wir das auch mit den Dirigenten

machen. Die beste Ausbildung ist

nur durch ständige Weiterbildung etwas

wert. Das gilt für die Musikanten, das gilt

aber auch und ganz besonders für uns

Kapellmeister.

In Südtirol haben wir viele Möglichkeiten

der Aus- und Weiterbildung

in Sachen Kapellmeister.

Der Fachgruppe Kapellmeister

ist es ein Anliegen, unsere Kapellmeister

in ihrer Tätigkeit zu

unterstützen und gezielte Fortbildungen

in den verschiedenen

Bereichen anzubieten. Diese

Fortbildungen sind ALLEN zugänglich,

doch leider sehe ich immer

nur die gleichen Gesichter.

Diese zwar gerne, aber gerne

auch mal andere.

Nr. 05 | Oktober 2017 3


Vorweg

Musik in kleinen Gruppen…

Verbandsjugendleiter

Meinhard Windisch

Musizieren im kleinen

Kreis hat die

Menschen schon

immer fasziniert.

Denken wir nur an

das große Repertoire

der Kammermusik,

die ausgehend vom 16. Jahrhundert

die europäische Musikgeschichte

mitgeprägt hat. Dies gilt heute natürlich

auch für das Musizieren in kleinen Gruppen.

Wenn ihre Entstehung auch nicht

direkt aus der Kammermusik abzuleiten

ist, hat es aber wohl den gleichen Reiz.

Das Spiel in kleinen Gruppen (seit 1990

„Musik in kleinen Gruppen“) wurde 1947

erstmals eingeführt und in regelmäßigen

Abständen wurden hierzu Wettbewerbe

ausgeschrieben. 1976 wurde in Linz der

erste Bundeswettbewerb „Spiel in kleinen

Gruppen“ veranstaltet. Dies bewirkte natürlich

auch, dass damit einhergehend Literatur

für die verschiedenen Besetzungen

entstand. Dank dieser Entwicklung kön-

Das Hornoktett der MS Klausen beim Wettbewerb MUSIK IN KLEINEN GRUPPEN 2016

nen wir heute auf ein reichhaltiges Repertoire

an Ensemble-Literatur zurückgreifen.

Das Musizieren im Ensemble vom Duo bis

zum Oktett begleitet heute Klein und Groß

auf ihrem musikalischen Weg und stellt so

einen wichtigen Bestandteil in den Musikschulen

und Musikkapellen zur Förderung

des musikalischen Niveaus dar.

Der Wettbewerb „Musik in kleinen Gruppen“

ist ein wichtiger Anreiz, dies auch zu

fördern und weiter zu tragen. Am 24.Februar

2018 fi ndet in Auer die 11.Auflage

des Landeswettbewerbes statt. Ich

würde mich über eine hohe Teilnehmerzahl

sehr freuen, ganz nach dem Motto

„Der Weg ist das Ziel“.

Verbandsstabführer

Klaus Fischnaller

Das Auge spielt mit...

„Unsere Leidenschaft

und Begeisterung

für eine

Sache ist die Voraussetzung

für Erfolg“.

Wir bereiten uns

vor, üben und proben bestimmte Passagen,

lernen dabei immer wieder dazu, sind

interessiert, neugierig und offen für Neues.

Obwohl die Vorbereitung oft mühsam ist,

freuen wir uns, wenn wir feststellen können,

dass das Geübte plötzlich gelingt.

Wir trauen uns dann mehr zu, gewinnen

an Zuversicht und es gibt uns Sicherheit

und Freude, die wir dann meistens unbewusst

weitergeben. Wir erzählen anderen

stolz davon, denn wir wollen unsere

Freude teilen.

Ja, wir zeigen unsere Begeisterung und

stellen dabei fest, dass wir andere damit

anstecken können. Dies gibt uns das Gefühl

für Gemeinschaft und Freude zugleich.

Egal was wir also tun, wichtig ist, wie wir

es tun. Unsere Körpersprache wird ver-

raten, mit welchem Enthusiasmus wir bei

der Sache sind, das Auge unserer Zuhörer

wird es sehen. Somit sollten wir im-

mer hinterfragen, ob wir unsere Begeisterung

teilen wollen und können aber

warum nicht?

Die MK Waidbruck bei der Marschmusikbewertung in Brixen 2017

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KulturFenster


Das Thema

Blasmusik

Musizieren in einer Musikkapelle

bringt Lebensqualität

Karl Geroldinger: Wie sich das Blasmusikwesen zukunftsfähig gestalten lässt

Musikkapellen sind ebenso wie andere Vereine herausgefordert, Voraussetzungen zu

schaffen, dass die Mitglieder möglichst lange aktiv im Verein sein können (im Bild:

Musikkapelle Naturns).

Die Blasmusikszene in einer sich

verändernden Gesellschaft

Die Südtiroler Musikkapellen sind eine kultur-

und gesellschaftspolitische Größe geworden,

die für Erhaltung und Verbesserung

von Lebensqualität steht. Wir wissen

nicht zuletzt aus der Gehirnforschung, dass

aktiver Umgang mit Musik eine wertvolle

Förderung der Entwicklung der Persönlichkeit

von Menschen ist und daher schon in

frühester Jugend begonnen werden sollte.

Die musikalische Sensibilisierung weckt

schöpferische Kräfte und intellektuelle wie

emotionale Fähigkeiten, die dem Menschen

auch anderweitig zugutekommen, wie z.B.im

allgemeinen Lernverhalten oder in der Qualität

des eigenen Erlebens.

Betrachten wir die Blasorchester in Südtirol!

Hier beweist sich, dass Musizieren

Menschen jeden Alters verbindet und soziale

Unterschiede überwindet - es ist bekanntlich

selbst da noch wirksam, wo unsere

Sprache versagt. Musizieren wird sich

daher auch im nun geeinten, aber nach

wie vor im Aufbruch befi ndlichen Europa

über Sprachgrenzen hinwegsetzen und

zum positiven Ausdruck der Mobilisierung

unseres geistigen und kulturellen Kräftepotentials

werden. Neben aller Planung und

Finden die jungen Musikantinnen und Musikanten noch überhaupt genug Zeit zum

Üben, und wäre die Hilfe des Vereins bei der Zeitplanung notwendig?

Organisation wird dabei das gelebte Vorbild

ein wesentlicher Faktor für die Wirksamkeit

unserer Arbeit sein. Und tonangebend

sollte immer die Freude am Musizieren

sein, denn die Freude ist in allen Lebensbereichen

der entscheidende Auftakt, im Rahmen

von persönlich gesteckten Zielen das

Beste aus den vielfältigen Möglichkeiten im

Leben zu machen.

In diesem Sinn ist es klar, dass sich auch

eine auf Traditionspflege ausgerichtete Bewegung

wie der Südtiroler Blasmusikverband

stets weiterentwickeln muss, um Veränderungen

in der Gesellschaft so früh wie möglich

zu berücksichtigen und so für junge und

jung gebliebene Menschen attraktiv bleiben

zu können. Junge Menschen sind heutzutage

sehr selbstbestimmt und können aus

vielfältigen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung

wählen. Sie wollen Entscheidungen mitgestalten

und sich aktiv einbringen.

In den meisten Musikkapellen gelingt dies

meiner Meinung nach Dank umsichtiger

Funktionäre sehr gut. Die Blasmusikszene

floriert ich sehe ganz viele positive Aspekte.

Dennoch gibt es auch einige Themenbereiche,

die wir kritisch betrachten sollten:

Zeit zum Üben

Die Zeit zum regelmäßigen und ausreichend

langen Üben ist durch die Einführung

der 5-Tagewoche an Schulen in Bedrängnis

gekommen. Junge Musikanten müssen

sich, wollen sie vorwärts kommen, die Freizeit

nach der Schule sehr gut einteilen, damit

genügend Zeit zum Üben bleibt. Vielen

Eltern ist die Tragweite dieser organisatorischen

Änderung im Schulwesen noch nicht

bewusst. Ich denke, dass Funktionäre der

Musikkapelle dieses Thema mit den jungen

Musikanten ansprechen sollten und eventuell

bei der Erstellung des wöchentlichen

Übeplans behilflich sein könnten. Die nun

am Wochenende mehr zur Verfügung stehende

Zeit wird ja meist für andere Aktivitäten

verwendet.

Nr. 05 | Oktober 2017 5


Das Thema

Zur Person:

Karl Geroldinger war nach dem Trompetenstudium

am Bruckner-Konservatorium in Linz bis

1886 Trompetenlehrer an der Landesmusikschule

Schärding. Im Anschluss daran übernahm er die

Direktorenstelle an der Landesmusikschule Ried

und seit 1995 ist er als Direktor des Öberösterreichischen

Landesmusikschulwerkes tätig. Zudem

leitet er als Dirigent das Sinfonische Blasorchester

Ried und den Musikverein Enzenkirchen.

Jugend und Marschmusik

Musik in Bewegung ist für die Wahrnehmung

der Musikkapellen in der breiten Öffentlichkeit

ein wirksamer Faktor, schauen

und hören uns bei diesen Ausrückungen

doch wesentlich mehr Menschen zu als

bei unseren Konzerten. Gelegentlich habe

ich den Eindruck, dass für das Funktionieren

der einheitlichen Bewegungen bei

Marschproben viel Zeit investiert wird, für

ein gutes klangliches Ergebnis aber etwas

zu wenig. Man sollte vielleicht auch kritisch

überlegen, ob stundenlanges Marschieren

für die Entwicklung des Ansatzes sehr junger

Musiker nicht negative Auswirkungen

haben kann Musikschullehrer berichten

immer wieder davon, dass in den Wochen

vor Marschwertungen die Leistungen der

Schüler eher stagnieren bis zurückgehen.

Familientaugliches Vereinsleben

Die Verweildauer von jungen hoffnungsvollen

Musikanten nimmt ab, d.h. Musiker

sind weniger lang beim Musikverein als früher.

Ich beobachte in Oberösterreich, wie

junge Väter und noch mehr junge Mütter

in Gewissenskonflikte kommen, wenn auch

von ihnen erwartet wird, dass sie bei jeder

Ausrückung dabei sind. Wie kann - oder

kann überhaupt - die Kinderbetreuung organisiert

werden, wenn beide Elternteile im

Verein aktiv sind?

Wir sollten uns ehrlich fragen, ob unser

Vereinsleben familientauglich ist! Dies

ist für die Zukunft von besonderer Bedeutung,

weil im Verhältnis mehr Mädchen ein

Instrument erlernen als Burschen. Ich bin

sicher, dass viele ehemalige aktive Musikantinnen

wegen Kinderbetreuung und Familie

nicht mehr aktiv musizieren. Es ist doch

schade, wenn einer langen Lernzeit in der

Musikschule nur eine kurze Aktivzeit folgt.

Karl Geroldinger

Über den Tellerrand schauen und

Kompetenzen von

Nachwuchskräften nutzen

Für eine Musikkapelle ist es sicherlich

nicht leicht hinzunehmen, dass gerade die

besten Jungmusiker terminlich nicht mehr

regelmäßig zur Verfügung stehen, wenn sie

auch anderweitig sich musikalisch betätigen.

Ich kann aber durch langjähriger Erfahrung

gestärkt den Kapellmeistern anraten,

die besonders begabten und engagierten

Jungmusiker nicht nur „ziehen“ zu lassen,

sondern sie aktiv zu ermuntern auch anderswo

Erfahrung zu machen sie werden

dadurch in guter Verbindung mit dem

Verein bleiben und nach Möglichkeit bei

den Konzerten mitspielen, weil sie spüren,

dass sie willkommen sind, auch wenn sie

nicht jede Probe besuchen können. Dies

kann ich insbesondere auch nach 30 Jahren

Arbeit mit dem SBO-Ried bestätigen.

Ein großer Teil der heute aktiven Kapellmeister

und Funktionäre der Musikkapellen

unserer Region war einmal Mitglied im

SBO und nimmt die dabei gewonnen Eindrücke

und Erfahrungen in seine Arbeit als

Kapellmeister mit. Ich würde es sogar als

wichtige Aufgabe eines Kapellmeisters bezeichnen,

diese besonders guten Jungmusiker

zu animieren sich über die Ansprüche

der Musikkapelle hinaus zu entwickeln.

Die Mitwirkung im Südtiroler Jugendblasorchester,

in einer Jugendbrassband, in

einer Bigband,.... bringen für „hungrige“

Jungmusiker oft einen großen Motivationsschub

ein innerer Antrieb, der täglich

stundenlanges Üben erst möglich macht.

Ich kenne viele Bläser und Schlagwerker in

den Berufsorchestern, die ihre Wurzeln in

der Blasmusik haben und dies auch stolz

erzählen. Die Vorbildwirkung dieser Profi s

auf die nächste Generation von Jungmusikern

ist nicht zu unterschätzen.

Es ist sicherlich eine besondere Herausforderung

für die Vereinsfunktionäre, ihre

jungen Musikanten nach ihren Potenzialen

zu fördern. Nur wenige werden Musik

studieren, aber möglichst viele sollten im

besten Fall ihr Leben lang mit Freude aktiv

musizieren und sich in den Verein einbringen.

Vielleicht hat ein junger Musiker,

der im Tutti gut mitspielt, sich aber solistischen

Aufgaben eher nicht gewachsen

sieht, großes Kommunikationstalent, das

zur guten Betreuung des Nachwuchses

bestens eingesetzt werden kann. Ein anderer

Jungmusiker hat kreative Ideen und

kümmert sich um die Website des Vereines,...

Jedenfalls gilt: Am besten fördert

man jemanden, wenn man ihn auch fordert!

Was ich damit sagen will, ist, dass

wir den jungen Musikanten ruhig etwas

zutrauen dürfen und ihnen die Möglichkeit

zur Mitgestaltung geben sollten, dann

ist die Chance auf langjährige aktive Mitarbeit

im Verein hoch.

Karl Geroldinger

Jungen Musikantinnen und Musikanten sollte man ruhig etwas zutrauen und deren

Kompetenzen nutzen (im Bild: Jugendkapelle der Bürgerkapelle Lana)

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KulturFenster


Aus Verband und Bezirken

Blasmusik

Abschied vom

Jungmusiker-Leistungsabzeichen

Das neue ÖBV-Leistungsabzeichen wird auch in Südtirol eingeführt.

Premiere für das Junior

Abzeichen - Pilotprojekt der

Fachgruppe Horn

Das Jungmusiker-Leistungsabzeichen wird zukünftig „ÖBV-Leistungsabzeichen“

heißen und für alle Altersgruppen offen sein im Bild eine der letzten Verleihungen

der Jungmusikerleistungsabzeichen 2017 in Schlanders.

So dramatisch wie die Überschrift erscheint,

ist es zum Glück nicht. Mit den neuen

Richtlinien der Österreichischen Blasmusikjugend

hat sich für uns vorerst nur die Bezeichnung

geändert.

Die Jungmusikerabzeichen und Musiker-Leistungsabzeichen

haben in diesem

Zusammenhang die Bezeichnung „ÖBV-

Leistungsabzeichen“ erhalten. Somit ist die

Trennung der Altersgrenze weggefallen, da

es sich inhaltlich auch um dieselbe Prüfung

handelt. Auch wir sind bestrebt, uns den

neuen Richtlinien schrittweise anzupassen.

Da die Prüfungen in Österreich zum Großteil

an den Musikschulen abgenommen werden,

ergibt sich für uns im VSM eine völlig neue

Situation für die Rahmenbedingen der Prüfungen,

die wir nur in enger Zusammenarbeit

mit den Musikschulen unseres Landes

umsetzen können. Gespräche hierzu wurden

bereits geführt und es ist allen Beteili-

gten klar, dass hierzu noch viel Fragen geklärt

werden müssen, und zwar gemeinsam

mit den Fachgruppen, den Direktorinnen

und Direktoren der einzelnen Musikschulen

bis hin zur politischen Ebene. Änderungen,

die für die Prüfungen 2018 zur Anwendung

kommen, werden in nächster Zukunft mit

Rundschreiben und Newsletter mitgeteilt

und auf unserer Homepage veröffentlicht.

Die Prüfungen wurden wie in den letzten

Jahren im Laufe des Schuljahres im März

und Juni in Bruneck, Klausen, Eppan, Lana,

Schlanders und Auer abgenommen. Zudem

gab es die Möglichkeit, bei zwei Jungbläserwochen

die Prüfungen in Bronze abzulegen.

Insgesamt wurde 474mal das

Leistungsabzeichen in Bronze, 160mal in

Silber und 37mal in Gold verliehen. An dieser

Stelle möchte ich nochmals allen, die

das Leistungsabzeichen erworben haben,

herzlich gratulieren.

Die Einführung des Junior-Abzeichens

ist

ein lange gehegter

Wunsch der Fachgruppe

Jugend im

VSM. Ziel des Junior-

Abzeichens ist es, die

Spielfreude der Kinder

auf ihrem Instrument zu

wecken, zu fördern und zu erhalten sowie

Freude am Musizieren zu vermitteln.

Die Prüfung, die erstmals als Pilotprojekt

der Fachgruppe Horn an den Musikschulen

durchgeführt wurde, hat bereits bei der

ersten Auflage großen Zuspruch erhalten,

und so haben sich im vergangenen Schuljahr

28 Kandidatinnen und Kandidaten für

das Junior- Abzeichen angemeldet. Die

Prüfungen wurden an den Musikschulen

Deutschnofen, Ritten, Auer, Eppan, St. Leonhard,

Klausen und Brixen durchgeführt.

Die Verleihung der Urkunden und Abzeichen

erfolgten am 2. Juni im Rahmen der

Verleihungen der Bronze- und Silber-Urkunden.

Herzlich bedanken möchte ich

mich bei allen Beteiligten, im Besonderen

aber bei der Fachgruppe Horn mit ihrem

Fachberater Manfred Messner, die dieses

Projekt beispielhaft umgesetzt hat.

Meinhard Windisch

VSM-Verbandsjugendleiter

Prüfungstermine der Leistungsabzeichen 2018

Termin Stufe Ort/e

Sa, 17. März 2018 Bronze Silber Musikschule Bruneck

Sa, 17. März 2018 Bronze Silber Gold Musikschule Auer

Sa. 02. Juni 2018 Bronze Silber Musikschulen Schlanders, Lana, Eppan, Bruneck, Klausen

So. 10 Juni 2018 Gold Musikschule Auer

Juli 2018 Bronze Jungbläserwoche

Nr. 05 | Oktober 2017 7


Aus Verband und Bezirken

Funktionärsausbildung neu

organisiert

Neues Konzept für 2018-2020

Verbandsobmann Pepi Fauster und Verbandsjugendleiter Meinhard Windisch, die Leiter

der Seminare für Führungskräfte und Jugendleiter, schlugen für eine neu organisierte

Aus- und Weiterbildung folgende Ziele vor:

a) das neue Konzept soll auf drei Jahre angelegt sein

b) gleiche Themen und Inhalte (Module) müssen in einem Jahr nicht doppelt und

dreifach angeboten werden

c) Überschneidungen sollen vermieden werden

d) einzelne Module sollen auf das ganze Land (in allen Bezirken) verteilt werden

e) die Bezirke bringen sich aktiv in dieses neue Ausbildungskonzept ein

f) Kosten sollen gespart werden

Verbandsobmann Pepi Fauster und

seine Mitarbeiter im VSM-Vorstand

starten mit einer neuen Form der

Funktionärsausbildung.

Die Aus- und Weiterbildung der Funktionäre

der Musikkapellen ist seit vielen

Jahren neben der Bläser- und Kapellmeisterausbildung

ein wichtiges Anliegen der

Landesleitung und der sechs Bezirke des

Verbandes Südtiroler Musikkapellen. Viele

Tagungen und Workshops wurden bisher

für Obleute, Jugendleiter, Schriftführer,

Kassiere, … organisiert. Manchmal auch

zu viele, wie man von einigen Mitgliedern

aus den Kapellen zu hören bekam. Und

dazu noch das Seminar für Führungskräfte

und das Seminar für Jugendleiter, welche

für die Teilnehmer einen ziemlich großen

Zeitaufwand voraussetzten! Da braucht es

Änderungen!

Auf Grund verschiedener Rückmeldungen

von Musikkapellen und sehr

unterschiedlichen Teilnehmerzahlen hat

sich der Verbandsvorstand entschieden,

ein neues Konzept der Funktionärsausbildung

zu entwickeln. Dabei ging es nicht

darum, große Korrekturen bei den Inhalten,

sondern hauptsächlich in der Organisation

und Verteilung der einzelnen Themen

und Schwerpunkte vorzunehmen.

Im neuen Konzept wurden zunächst bereichsübergeifende Module festgelegt. Das sind

solche Angebote, welche verschiedenen Funktionären, also Obleuten, Kapellmeistern,

Jugendleitern, Stabführern, Ausschussmitgliedern, … für ihre Arbeit in der Musikkapelle

ganz besonders nützlich sind:

Modul Titel Zeit in Std.

A Der VSM: Geschichte, Struktur, Bereiche, Tätigkeiten, … 2

B Die Musikkapelle als Verein: Ehrenamt, Statuten, Organigramme, … 2

C VSM-Office allgemein 3

D Jahres- und Projektplanung in der Musikkapelle 3

E Musikalisch-fachliche Aspekte der Vereinsarbeit 3

F Jugendarbeit in einer Musikkapelle 3

G Das Konservatorium und die Musikschulen als Partner 2

H Führen - Leiten - Teamarbeit 3

I Sich und andere motivieren 3

J Konfliktlösung - Kommunikation 3

K Vereinsrecht, Haftung und Versicherungsschutz 3

L Presse- und Öffentlichkeitsarbeit 3

M Rhetorik: Begrüßung - Die gute Rede - Moderation 3

N Sitzungen und Versammlungen effizient führen 3

O Alkohol- und Suchtprävention 2

P Lampenfieber 2

Q Trachten: Historisches, Identität, Bild, Besonderheiten 3

total 46 Std.

Wie lässt sich die Funktionärsausbildung im VSM zeitlich optimal und zielgerichtet

anbieten? Diese Frage will der Verband mit einem neuen Konzept beantworten.

8

KulturFenster


Blasmusik

Neben diesen Themen bekommen die einzelnen Bereiche noch fachgruppenspezifische

Module dazu. Diese sind dann entweder nur für Obleute, für Kapellmeister, für Jugendleiter

oder für Stabführer und deren Stellvertreter vorgesehen und runden die jeweiligen

Ausbildungsanforderungen ab. Zu ihnen gehören:

Module für Führungskräfte

Modul Titel Zeit in Std.

AF Führungskraft im Verein sein 3

BF Vereinsführung wie Unternehmensführung? 3

CF Projektplanung - Veranstaltungsmanagement - Sponsoring 3

DF Volontariat und Steuerrecht 3

EF Kassengebarung und Finanzplanung 2

GF VSM-Office-Kassaführung 3

HF Konzertsprecher: Rhetorik - Inhalt - Präsentation 3

IF Chronik verfassen 3

JF Nützliche Tipps beim Warten von Instrumenten 3

Module für Kapellmeister

total 26 Std.

Modul Titel Zeit in Std.

AK Die Rolle des Kapellmeisters in der Musikkapelle 3

BK Wertvolle BLO-Literatur 3

CK Musizieren im liturgischen Jahreskreis 3

DK Ensemblespiel in der Musikkapelle 3

Module für Jugendleiter

total 12 Std.

Modul Titel Zeit in Std.

AJ Die Rolle des Jugendleiters in der Musikkapelle 3

BJ Entwicklungspsychologie: Jugendliche zwischen 10 - 18 Jahren 2

CJ Besondere Projekte für Jugendliche 3

DJ Das Üben lehren und lernen - Neue Unterrichtsformen 3

EJ Praktische Arbeit mit einem Vorstufenorchester 3

FJ Leichte Literatur für JBLO und Ensembles 3

GJ Klassenmusizieren 2

HJ Grundzüge des Dirigierens (Schnuppern) 3

IJ Probendynamik und Motivation 3

JJ Kennenlernen - Lernsiuationen - Kommunikation 2

KJ Musik und Bewegung im Jugendblasorchester 2

LJ Der VSM und der ÖBV als dessen Partner 2

MJ Präsentation der Arbeiten 3

NJ Feedback der Seminararbeiten 3

Module für Stabführer

total 29 Std.

Modul Titel Zeit in Std.

Ast Die Rolle des Stabführers in der Musikkapelle 3

BSt Vom Marschieren bis zur Show 3

total 6 Std.

Die neue Kursorganisation sieht nun folgende

Regelungen vor (einige Auszüge

daraus):

a) Viele dieser Module, aber ganz besonders

alle bereichsübergreifenden,

werden in den kommenden 3 Jahren

geografisch je einmal für die Bezirke

im Osten (Bruneck, Sterzing, Brixen)

und je einmal für die Bezirke im Westen

(Bozen, Meran, Schlanders) angeboten.

b) Die Module können auch einzeln besucht

werden.

c) Zudem gibt es - so wie bisher - für

sehr Fortbildungswillige je ein GE-

SAMTPAKET an Modulen für den

Abschluss zum geprüften Vereinsfunktionär

bzw. zum geprüften Jugendleiter

(Ausbildung mit Zertifikat)

d) Auch MINI-Versionen mit ca. der

Hälfte der Module/Stunden sind vorgesehen.

e) Sollten Module schon in einer anderen

anerkannten Bildungseinrichtung

absolviert worden sein, werden sie als

Bildungsguthaben angerechnet.

Nicht enthalten in diesen Modulen sind

die spezielle Kapellmeister- und Stabführerausbildung

und Themen wie Dirigieren,

Harmonielehre oder die Zeichengebung

des Stabführes usw… Die dort dazugehörenden

Themenbereiche stellen ein eigenes

Ausbildungskonzept dar.

Das neue Konzept wird in den nächsten

Wochen ausführlich in einer eigenen Broschüre

bekannt gegeben und im Laufe

der nächsten Monate in den einzelnen

Fachgruppen und Bezirken vorgestellt.

Es tritt ab Jänner 2018 in Kraft.

Ziel dieser Neuorganisation soll sein,

dass Verantwortungsträger in den Musikkapellen

- je nach den eigenen zeitlichen

Ressourcen und Möglichkeiten -

Aus- und Weiterbildungsangebote noch

besser und gezielter auswählen können

und durch diese Bildungsschritte gerüstet

auf die Anforderungen im Verein reagieren

und agieren können, um in der täglichen

Arbeit noch mehr Motivation und

Sicherheit zu erlangen. Wenn zudem dadurch

noch Freude am Leiten eines Vereines

entsteht und junge Leute sich Führungsaufgaben

zutrauen, dann hat dieses

Ausbildungskonzept reiche Früchte getragen.

Ich hoffe, dass möglichst viele davon

Gebrauch machen!

Pepi Fauster, Verbandsobmann

Nr. 05 | Oktober 2017 9


Aus Verband und Bezirken

22. Bezirksmusikfest im Pustertal

Ein Fest der Blasmusik trotz Donner und Blitz

Gemeinschaftskonzert der Musikkapellen Toblach und Villnöß

Am ersten Augustwochenende fand das 22.

Bezirksmusikfest der Pustertaler Musikkapellen

statt. Nach 25 Jahren waren wiederum

die Gemeinde und die Musikkapelle

von Toblach Gastgeber dieses Festes der

Musik, der Kultur und der Tradition. Wegen

des Unwetters am Samstagabend und

des Regens am Sonntagnachmittag mussten

das Festprogramm geändert und die

Marschmusikbewertung abgesagt werden.

Musikalisch wurde das Bezirksmusikfest

bereits am 30. Juli mit dem beeindruckenden

Gemeinschaftskonzert der Musikkapellen

von Toblach und Villnöß unter

der Leitung von Sigisbert Mutschlechner

und Hans Pircher eröffnet.

Dank der akribischen Vorbereitung

durch den Bezirksausschuss rund um

Bezirksobmann Johann Hilber und des

großartigen Engagements der Musikkapelle

Toblach sowie der vielen freiwilligen

Helferinnen und Helfer in Zusammenarbeit

mit der Gemeindeverwaltung

und der Verwaltung des Kulturzentrums

Grand Hotel Toblach wurde das darauf

folgende Festwochenende trotz der witterungsbedingten

Einschränkungen zu

einem „Fest der Blasmusik“, ganz nach

dem Motto des Verbandes Südtiroler Musikkapellen

(VSM): „Blasmusik vereint!“

Am Samstagnachmittag eröffneten die

Musikkapellen von Dietenheim/Aufhofen

und Pfunders sowie die Pfarrmusik Olang

und der Trachtenmusikverein St. Ulrich im

Greith (Steiermark) das Bezirksmusikfest

mit einem Sternmarsch und dem gemeinsam

gespielten Heimatland-Marsch von

Sepp Thaler. „Es ist ein Fest der Musik,

der Kultur und der Tradition“, freute sich

Bürgermeister Guido Bocher. Neben den

Kurzkonzerten verschiedener Musikkapellen

begeisterten im Gustav-Mahler-Saal die

eigens zu diesem Fest zusammengestellten

Jugendkapellen der 4 Unterbezirke

des Pustertals und die Bezirksseniorenkapelle

das Publikum. Das Unterhaltungsprogramm

im Festzelt am Samstagabend

musste wegen Unwetters teilweise gestri-

Kurzkonzerte im Freien (im Bild die MK Enneberg)

...und im Gustav-Mahler-Saal (im Bild die Bezirksseniorenkapelle)

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KulturFenster


Blasmusik

Sternmarsch und Eröffnung des Bezirksmusikfestes am Samstagnachmittag

Sternmarsch und Empfang der VSM-

Fahne am Sonntagvormittag

Die Ehrengäste beim Festakt

Bezirksobmann Johann Hilber

Der Festwagen mit der VSM-Lyra beim

Festumzug

Landesrat Philipp Achammer

chen werden. Weil das Festzelt daraufhin

auch am Sonntag nicht mehr zur Verfügung

stand, haben die Musikkapelle Toblach

und viele freiwillige Helferinnen und

Helfer über Nacht fast Unmögliches geleistet

und kurzerhand logistische Alternativen

für die gastronomische Verpflegung

der teilnehmenden Musikkapellen

und des Publikums geschaffen.

Mit einem Sternmarsch der Musikkapellen

von Vierschach/Winnebach, Lappach,

St. Jakob in Defreggental und Niederdorf

wurde am Sonntagmorgen der

Festgottesdienst eröffnet. Dieser wurde

von Pfarrer Josef Gschnitzer zelebriert

und von der Musikkapelle St. Georgen unter

der Leitung von Thomas Kiniger musikalisch

gestaltet. Beim anschließenden

Festakt bedankte sich Bezirksobmann

Johann Hilber bei den Gastgebern und

den Musikkapellen, die zum guten Gelingen

des Bezirksmusikfestes beigetragen

und einmal mehr bewiesen haben,

dass „die Musik über Generationen und

Grenzen hinweg verbindet“. Bürgermeister

Guido Bocher, Kulturlandesrat Philipp

Achammer und Familienlandesrätin

Waltraud Deeg, Andreas Berger, der Vizeobmann

des Tiroler Blasmusikverbandes,

und VSM-Obmann Pepi Fauster hoben

in ihren Grußworten die wertvolle Arbeit

der Musikkapellen im Allgemeinen und

ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Besonderen

hervor und dankten dem Bezirksvorstand

für die hervorragende Organisation

des Festes.

Bei strahlendem Sonnenschein präsentierten

sich anschließend die Musikkapellen

im großen Festumzug hin zum Grand

Hotel. Dort bot sich dem Zuschauer ein

beeindruckendes Erlebnis für Auge und

Ohr, als rund 2000 Musikantinnen und

Musikanten gemeinsam den Heimatland-

Marsch von Sepp Thaler, die Uraufführung

des Marsches „Pustertaler Musikantengruß“

von Sigisbert Mutschlechner und

die Tiroler Landeshymne spielten.

Weil kurz nach Mittag wieder heftiger

Regen einsetzte, mussten die Kurzkonzerte

im Freien und die geplante Marschmusikbewertung

abgesagt werden. Mit

Kurzkonzerten im Saal, einer „improvisierten“

Böhmischen im Spiegelsaal und

dem musikalischen Ausklang mit der

urigen Showband „Die 3 Verschärft‘n“

fand das Bezirksmusikfest seinen krönenden

Abschluss.

Stephan Niederegger

Nr. 05 | Oktober 2017 11


Aus Verband und Bezirken

... einige Eindrücke aus Toblach

Pfarrer Josef Gschnitzer zelebrierte den feierlichen Festgottesdienst am Musikpavillon

Die MK St. Georgen unter der

Leitung von Thomas Kiniger hat den

Festgottesdienst und den anschließenden

Festakt musikalisch gestaltet.

Der Festumzug bei herrlichem

Sommerwetter (im Bild die MK Toblach)

Die Musikkapellen von Winnebach

und Vierschach präsentierten sich

gemeinsam beim Festumzug.

Die Ehrentribüne beim Festumzug

Die Stabführer der Musikkapellen

mit Bezirksstabführer Hansjörg

Algrang (Bildmitte), die sich auf die

Marschbewertung vorbereitet haben.

Musikanten der MK Toblach formierten

sich zu einer „improvisierten“ Böhmischen

und sorgten für entsprechende

Unterhaltung im Spiegelsaal.

Verbandskapellmeister Sigisbert Mutschlechner dirigierte die „Pustertaler

Klangwolke“ zur Uraufführung seines eigens zu diesem Anlass komponierten

Marsches „Pustertaler Musikantengruß“.

Bezirksstabführer Hansjörg Algrang

hatte ein akribisches Auge auf den genauen

Ablauf der Aufmärsche und des

Festumzuges.

Unterhaltungsabend mit der

renommierten Bläserformation

„Vierablech“ unter der Leitung von

Martin Scharnagl

Die urige Showband „Die 3 Verschärft‘n“

gestalteten den unterhaltsamen

Abschluss des Bezirksmusikfestes in

Toblach.

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KulturFenster


Blasmusik

Erlebnisreiche Tage in

musikalischer Gemeinschaft

DABEI

7. Auflage der Jungbläsertage St. Johann

VSM-Südtiroler

Blasmusiktage

in Meran

28.10.2017

Die Musik stand bei der Jungbläserwoche in St. Johann neben anderen Aktivitäten

eindeutig im Mittelpunkt.

Die Tage vom 8. bis zum 12. August standen

ganz im Zeichen jugendlichen Elans, der Gemeinschaft

und der musikalischen Vielfalt.

83 Teilnehmer, vorwiegend aus dem Tauferer

Ahrntal, legten dabei nicht nur ihr musikalisches

Können an den Tag.

Unter der Leitung von 12 Lehrkräften aus

ganz Südtirol wurde sowohl im Ensemble

als auch im Gesamtorchester musiziert. In

Teilproben und Vollproben mit viel Detailarbeit

nahmen Schüler und Lehrer das anspruchsvolle

Programm, das es zu erarbeiten

galt, in Angriff. Das Marschieren in der

Gruppe mit Stabführer Helmuth Gasteiger

stellte einen weiteren Eckpfeiler dar. Neben

den intensiven Proben wurden von fleißigen

Helfern Tag für Tag auch abwechslungsreiche

Freizeitaktivitäten organisiert, wie

etwa ein Spielnachmittag, bei dem Schüler

wie Lehrer im Team ihre sportlichen Fähigkeiten

unter Beweis stellen konnten. 11

Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die be-

reits im Besitz des Jungmusiker-Leistungsabzeichens

in Bronze waren, absolvierten

ein zusätzliches Programm: Ihnen wurden

von Bezirksjugendleiter Matthias Kirchler

sowie Verbandskapellmeister Sigisbert Mutschlechner

die Aufgaben des Jugendleiters,

des Stabführers und des Kapellmeisters in

kurzen Schnupperkursen nähergebracht.

Am darauffolgenden Samstag brachten

die jungen Protagonisten beim Abschlusskonzert

im Rahmen des Musikfestes das

Gelernte dem zahlreichen Publikum näher.

Einige der „Bronzeschüler“ konnten dabei

als Stabführer bei der Marschiershow oder

beim Dirigieren eines Chorals ein erstes Mal

das große Rampenlicht genießen.

Dank der tollen Organisation, des kompetenten

Lehrerteams, der motivierten Schüler

und der vielen fleißigen Helfer wurde die

mittlerweile zur Tradition gewordene Woche

wiederum zum Erfolg.

Lukas Künig

• Eröffnung Blasmusiktage

Kurhaus

• Podiumsdiskussion

“Blasmusik in Südtirol …“

Pavillon des Fleurs

• Werkstatt-Konzert mit der

BK St.Michael-Eppan

• Galakonzert des BBLO

Meran mit Verleihung des

Südtiroler Blasmusikpreises

http://www.vsm.bz.it/2017/09/11/

suedtiroler-blasmusiktage-2017-2/

Beim Abschlusskonzert konnten einige Kursteilnehmer/innen ihre Fähigkeit beim

Dirigieren unter Beweis stellen.

vsm.bz.it

Nr. 05 | Oktober 2017 13


Aus Verband und Bezirken

1. Gsieser Jungbläsertage

75 Jugendliche aus dem oberen Pustertal probten in St. Martin-Gsies

Die Freude am Musizieren und am gemeinsamen Spiel war auch bei den ersten Gsieser Jungbläsertagen zu sehen … und zu hören.

Mitte August waren die Grundschule, das Vereinshaus,

das Probelokal der Musikkapelle

und das Widum für eine Woche ganz in jugendlicher

Hand: 75 junge Musikantinnen

und Musikanten aus dem Gsiesertal und dem

oberen Pustertal nahmen an den ersten Jungbläsertagen

in Gsies teil.

Täglich von 8.30 Uhr bis 16.30 Uhr wurden

die Jungmusikanten von einem fachkundigen

Lehrerteam unter der musikalischen

Leitung von Matthias Kirchler und der organisatorischen

Leitung von Elias Lamp betreut:

Sarah Hintner (Flöte), Stefanie Watschinger

und Georg Lanz (Klarinette), Lisa

Klocker (Saxofon), Felix Außerhofer (Horn),

Markus Erlacher und Viktoria Dorfmann

(hohes Blech), Thomas Baur und Andreas

Gasteiger (tiefes Blech) und Matthias Kirchler

und Simon Burger (Schlagzeug). Stabführer

Matthias Hintner leitete die Marschierproben.

Um das Mittagessen und die Freizeitaktivitäten

kümmerten sich viele fl eißige

Helferinnen und Helfer.

Das Kursprinzip lehnte sich an die bereits

bewährten Jungbläsertage in Bruneck

und St. Johann an. Wegen der jährlich steigenden

Anmeldungen und der doch für einige

zu großen Entfernungen entstand die

Idee einer zusätzlichen musikalischen Sommerwoche

vor Ort für das Einzugsgebiet des

oberen Pustertals, um dadurch auch die

beiden anderen Kurswochen im Pustertal

zu entlasten. Das Ergebnis gibt den Verantwortlichen

recht.

Für die örtliche Musikkapelle sei die Organisation

einer solchen Kurswoche eine große

Herausforderung, bestätigt Elias Lamp, der

Jugendleiter der Pater Haspinger Musikkapelle.

Die gute Zusammenarbeit mit der Musikkapelle

St. Johann und deren Kapellmeister

Matthias Kirchler, seines Zeichens auch

Bezirksjugendleiter, sei dabei eine große

Hilfe gewesen, bedankte er sich.

Zum Abschluss sind die Jungmusikanten

zur Interessentschaftshütte in St. Martin in

Gsies aufmarschiert und haben beim Abschlusskonzert

gezeigt, was sie in diesen 6

Tagen gelernt hatten. Anschließend sorgte

die Jungböhmische Pichl für den gemütlichen

Ausklang.

Stephan Niederegger

DABEI

09.11.11.2017

4. Südtiroler

Dirigentenwerkstatt

Musikschule Klausen und

Probelokal der MK Villnöß

www.vsm.bz.it/2017/09/11/4-suedtiroler-dirigentenwerkstatt

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KulturFenster


Blasmusik International

Blasmusik

Euregio-Jugendblasorchester 2017

Das Auswahlorchester des Tiroler, Südtiroler und Trentiner Blasmusikverbandes

gastierte in Riva del Garda, Toblach und Innsbruck

Das Euregio-Jugendblasorchester ist gewissermaßen der musikalische Teil der

Europaregion Tirol. (Weitere Bilder unter: euregio.pictureprocutions.eu)

Das Euregio-Jugendblasorchester ist ein

Auswahlorchester des Tiroler, Südtiroler

und Trentiner Blasmusikverbandes und

wurde 2015 gegründet. Nach dem riesigen

Erfolg im ersten Jahr war es ein Anliegen

der drei Landeshauptleute Günther Platter,

Ugo Rossi und Arno Kompatscher, dass das

Projekt fortgesetzt wird.

Jeder Verband hatte schon seit vielen

Jahren eigene Jugendorchesterprojekte.

Nach der Gründung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino

wurde bewusst in die

drei Schlüsselbereiche für die Entwicklung

der Gesellschaft Kultur, Bildung und Forschung

investiert. Die Bestrebungen wurden

daher im Bereich Musik auf ein gemeinsames

Orchester ausgerichtet. Junge

Menschen aus allen drei Landesteilen kommen

zusammen, um gemeinsam zu musizieren

und ein Konzertprogramm zu erarbeiten.

Dieses Vorzeigeprojekt soll die

Verständigung der zukünftigen Generationen

untereinander fördern. Mittlerweile

gab das Orchester 2016 drei Konzerte

und im Jahr 2017 insgesamt 4 Konzerte.

2016 und 2017 wurde dem Orchester

ein Sommer-Camp angeschlossen, bei

dem intensiv geprobt und ein abwechslungsreiches

Programm erarbeitet wurde.

Nach den Konzerten in Toblach und Riva

del Garda gastierte das Orchester bei den

Innsbrucker Promenadenkonzerten. Das

Ziel dieser Konzerte ist es, gemeinsame

Werte und Traditionen, die uns auf hohem

musikalischen Niveau verbinden, neu zu

entdecken, um eine gemeinsame Zukunft

zu gestalten.

Und so gastierte das Orchester zunächst

im Rahmen des RIVA MUSIC FE-

STIVAL am 28. Juli, im Gustav Mahler Saal

in Toblach am 29. Juli sowie am Sonntag,

30. Juli, bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten.

Die Innsbrucker Promenadenkonzerte,

die davon leben, dass Musik eine internationale

Sprache ist, die alle Grenzen überwindet

und selbst keine Grenzen kennt,

unterstützen mit Begeisterung diese Initiative,

die stark geprägt ist von den drei Dirigenten

Wolfram Rosenberger, dem Direktor

der Musikschule Innsbruck, Meinhard

Windisch, dem Landesjugendreferenten

des Südtiroler Blasmusikverbandes, und

Franco Puliafito, dem Dirigenten des Trentiner

Verbandes. Weiters stehen die jeweiligen

Blasmusikverbände mit Pepi Fauster,

Renzo Braus und Elmar Juen hinter diesem

Projekt.

Die von den drei Dirigenten geleiteten

Konzerte riefen wiederum große Begeisterung

beim Publikum hervor, das sich mit

Standing Ovations bedankte. Voraussetzung

war zweifelsfrei wiederum das interessante

Programm, das die Musizierenden und Zuhörenden

zum Abschluss der Konzertreihe

noch einmal von der Renaissance bis in

die Gegenwart führte und von der Unterhaltungsmusik

zur Kunstmusik eine Brücke

baute. Werke von Dimitri Schostakowitsch

waren im Programm dabei ebenso

zu hören wie von Tielmann Susato, Gaetano

Donizetti, Carl Michael Zieherer , Hannes

Finatzer, Percy Aldridge Grainger, Hardy

Mertens und Arturo Márquez.

Wolfram Rosenberger

Nr. 05 | Oktober 2017 15


Blasmusik International

Exzellente Kammermusik der

Österreichischen Blasmusikjugend

Oboistin Julia Horrer aus Schlanders mit dabei

Kammermusik in all ihren

Facetten

Leuchtende Augen junger Musikerinnen und

Musiker, außergewöhnliches musisches

Geschick, fesselndes Zusammenspiel im

Ensemble und die gemeinsame Begeisterung

zum Musizieren waren die Zutaten für

zwei beeindruckende Konzerte des „Kammermusikensembles

der Österreichischen

Blasmusikjugend“, das unter der künstlerisch-musikalischen

Leitung von Matthias

Schorn (Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker)

stand. Neben dem tosenden

Beifall des Publikums erlangten die jungen

Instrumentalistinnen und Instrumentalisten

im Rahmen des Kammermusikprojektes musikalische

Fertigkeiten, die über das Studium-Curriculum

hinausreichen.

Das „Kammermusikprojekt der Österreichischen

Blasmusikjugend“ wurde heuer

bereits zum zweiten Mal ausgetragen; es

ist eine Plattform für herausragende Musikerinnen

und Musiker sowie Studierende

der österreichischen Musikuniversitäten,

die in kammermusikalischer Besetzung

dementsprechende Literatur interpretieren.

Im Zuge einer einwöchigen Probenphase

erarbeitete der Hauptdozent

Matthias Schorn mit 14 ausgewählten Musikerinnen

und Musikern ein anspruchsvolles

Programm im stimmigen Ambiente

der Carinthischen Musikakademie Stift Ossiach.

Mit welcher Leidenschaft und Hingabe

zur Musik Schorn das Ensemble für

die ausgewählte Kammermusikliteratur begeistern

und entzünden konnte, war vom

ersten gespielten Ton an regelrecht spürbar.

Ergebnis einer intensiven Probenzeit

waren zwei Konzerte, im Zuge derer das

erarbeitete Repertoire dem interessierten

Publikum präsentiert wurde.

Besonders anspruchsvoll gestaltete

sich das Konzertprogramm, das Mozarts

„Gran Partita“ und Dvoráks „Bläserserenade“

umfasste. Dementsprechend beeindruckt

waren die Zuhörerinnen und

Zuhörer der beiden Konzerte von den musikalisch

ausgearbeiteten Feinheiten und

dem stimmigen Zusammenspiel des Ensembles.

Seine Premiere feierte das Kammermusikensemble

im Barocksaal der Carinthischen

Musikakademie Stift Ossiach

am 10. August, worauf einen Tag später

ein weiteres Konzert in der Frauenkirche

Bischofshofen im Zuge des Festspielsommers

folgte.

Mit tosendem Beifall und Standing Ovations

zeigte sich das Publikum sichtlich

beeindruckt und berührt von den beiden

Konzerten. Wer den feinen Klängen künftig

gerne lauschen möchte, hat am Samstag,

28. Oktober 2017, erneut die Möglichkeit.

Da wird das Kammermusikensemble

im Zuge der Preisverleihung des „zweiten

internationalen Jugendblasorchester-Wettbewerbes

der Kategorie Superior Jugendblasorchester“

das Linzer Brucknerhaus

klanglich füllen.

Österreichische Blasmusikjugend

Die Oboistin Julia Horrer aus Schlanders hat an diesem exzellenten Musikprojekt

teilgenommen. Sie schildert ihre persönlichen Eindrücke folgendermaßen:

Das Kammermusikprojekt der Österreichischen Blasmusikjugend unter der Leitung

von Matthias Schorn war ein einmaliges Erlebnis für mich! Die Leidenschaft zur Musik

war bereits vom ersten Ton an spürbar. Tolle Musiker, ein sehr inspirierender Dozent,

tolle Werke, eine wunderschöne Probenkulisse im Stift Ossiach und zwei unvergessliche

Konzerte in Ossiach und Bischofshofen machten das Ganze zu etwas

Besonderem. Mit sehr viel Energie, Begeisterung und Liebe zur Musik hat uns unser

Animator, wie sich Matthias Schorn immer genannt hat, durch das Projekt begleitet.

Gänsehaut beim Musizieren und neue Freundschaften waren und sind das Ergebnis

einer wirklich sehr berührenden Woche!

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KulturFenster


Zur Person

Blasmusik

Verdienstmedaille des Landes

Tirol für Manfred Horrer

Ein aufrichtiges „Danke“ und herzliche Gratulation

Am vergangenen Hochunserfrauentag, 15.August

2017, erhielt Manfred Horrer, Blasmusikfunktionär

aus Schlanders, aus den

Händen der Landeshauptleute Arno Kompatscher

und Günther Platter für seine großen

Verdienste um die Blasmusik die Verdienstmedaille

des Landes Tirol.

Manfred trat 1977 mit dem Instrument

Tenorhorn in die Bürgerkapelle Schlanders

ein, welches er heute noch spielt, und er ist

somit 40 Jahre lang deren aktiver Musikant.

Seit 1984 also 33 Jahre gehört er dem

Ausschuss der BK Schlanders an und hat

sich von den Mitgliedern bis ganz an die

Spitze, zum Obmann, wählen lassen. Diese

Aufgabe führt er nun 23 Jahre lang ununterbrochen

mit viel Einsatz und Fleiß aus.

1992 wurde er in den Bezirksausschuss

Schlanders gewählt, bekleidete dort zunächst

das Amt des Schriftführers und Kassiers,

bis er im Jahre 2001 zum Bezirksobmann

bestellt wurde und dort seitdem viel

Schwung und Qualität in die Vinschger Musikkapellen

bringt. Insgesamt ist er nun 25

Jahre lang aktives Mitglied im Bezirksausschuss

und 16 Jahre lang Bezirksobmann.

Als Bezirksobmann wurde Manfred auch

zugleich Mitglied im Vorstand des Verbandes

der Südtiroler Musikkapellen, an deren Sitzungen

und Treffen er sehr fleißig und engagiert

teilnimmt. Seine Kompetenzen im

Bereich der Blasmusik und in ihrem weiten

Umfeld sind sehr umfangreich, seine

Ideen und Konzepte wohl durchdacht und

zukunftsorientiert.

Manfred Horrer (Mitte) bei der Verleihung der Verdienstmedaille des Landes Tirol

mit Landeshauptmann Arno Kompatscher (rechts) und dessen Tiroler Amtskollegen

Günther Platter

Ein besonderes Anliegen sind dem Geehrten

die kleinen Musikkapellen seines Bezirkes

und deren Erhaltung. Deshalb übt

er seit 22 Jahren zusätzlich das Amt des

Kapellmeisters aus, zuerst in Goldrain/Morter,

dann in Tarsch, in Martell und nun in

Glurns. Neben diesen musikalischen Aufgaben

betätigte sich Manfred ehrenamtlich

viele Jahre im KVW, im Sportverein, im

Katholischen Männerbund, im Männergesangsverein


Der Vorstand des VSM gratuliert Manfred

Horrer sehr herzlich zur Verleihung der

Verdienstmedaille und bedankt sich ganz

aufrichtig für die vielen verdienstvollen Tätigkeiten

und den enormen Einsatz für die

Musikkapellen. Er wünscht seinem Vorstandsmitglied

im Namen aller Musikkameraden

viel Glück und Segen für die weiteren

Jahrzehnte und ganz besonders Gesundheit

und Freude an der Musik.

Pepi Fauster, Verbandsobmann

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it

Nr. 05 | Oktober 2017 17


Werke im Blickpunkt

„Peterloo Overture“ von

Malcolm Arnold

Tongemälde eines geschichtlichen Ereignisses

In dieser Ausgabe präsentiert Michael Vikoler,

Bezirkskapellmeister des VSM-Bezirkes

Bozen und Kapellmeister der Musikkapelle

Völs am Schlern, ein besonderes

Tongemälde.

Der Komponist

Malcolm Arnold

Sir Malcom Henry Arnold, geboren am

21. Oktober 1921 in Northampton, studierte

am Royal College of Music in London

Komposition bei Gordon Jacob und Trompete

bei Ernest Hall. Seine musikalische

Laufbahn begann er als zweiter Trompeter

des London Philharmonic Orchestra.

Gegen Ende der 1940er Jahre widmete

er sich ganz der Komposition. Er erhielt

1970 den „Order of the British Empire“

und 1993 den Ritterschlag. Sir Malcolm

Arnold galt als ein konservativer, aber zugleich

auch als sehr produktiver Komponist

tonaler Werke.

Seine neun Sinfonien, original für Orchester

oder Blasorchester komponiert, gelten

allgemein als seine wichtigsten Werke. Sein

Werkverzeichnis umfasst zudem noch 132

Filmmusiken, 28 Werke für Orchester und

32 Werke für Blasorchester. 1958 gewann

er den Oscar für die Filmmusik „Die Brücke

am Kwai“. Er verstarb am 23. September

2006 in Norfolk.

Die „Peterloo Overture“

Das Werk beschreibt das Peterloo-Massaker

auf dem St. Peter´s Fiels bei Manchester

am 16. August 1819. Bei einer Kavallerieattake

auf eine friedliche Protestkundgebung,

die sich gegen die restriktiven Corn

Laws (Korngesetze) richtete, wurden 15

Menschen getötet und über 400 verletzt.

Diese Overture versucht diese Geschehnisse

musikalisch darzustellen.

Nach einem Klagelied auf die Getöteten

und die Verletzten endet die Overture

im Triumph, der sich im festen Glauben,

dass das Leiden und Sterben für die Einheit

der Menschheit nicht vergeblich war,

widerspiegelt.

Spieldauer: ca. 10 Minuten

Instrumentation:

Piccolo, 1./2. Flöte, 1./2. Oboe, Es-Klarinette,

1./2./3. Klarinette, Altklarinette, Bassklarinette,

Kontrabassklarinette (optional),

1./2. Fagott, 1./2. Altsaxophon, Tenorsaxophon,

Baritonsaxophon, 1./2./3. Trompete,

1./2./3./4. Horn, 1./2./3. Posaune, Euphonium,

Tuba, Kontrabass, Harfe, Pauken,

Percussion ( Röhrenglocken, Xylophon,

Glockenspiel, Vibraphon, Hängebecken,

Tamburin, Toms, Gong, große Trommel,

Becken, 3x kleine Trommel).

Genre

Programmmusik, Brass Band (arr. für Blasorchester

von Charles Sayre)

Schwierigkeit

Das Musikstück wird aufgrund der erforderlichen

vollen Besetzung (besonders bei

den Schlaginstrumenten), der teilweise dissonanten

Akkordfolgen und durch gleichzeitiges

Auftreten verschiedenartiger Rhythmen

in den einzelnen Stimmen mit Grad

4,5 eingestuft.

Michael Vikoler

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KulturFenster


Schätze des Blasmusik-Repertoires

Blasmusik

„Zwiefache Symphonique“

von Serge Lancen

Ein interessantes, vom Volkstanz inspiriertes Stück für Blasorchester

Unser Mitarbeiter Joachim Buch hat wieder

die Schatzkiste des Blasmusik-Repertoires

geöffnet und mit der „Zwiefachen Symphonique“

von Serge Lancen ein Werk hervorgeholt,

das Beachtung verdient.

So manchen Komponisten, der es in

der Blasmusik zu internationalem Ruhm

gebracht hat, kann man mit Fug und

Recht als „Seiteneinsteiger“ bezeichnen.

Neben dem im vergangenen Heft vorgestellten

Klaus-Peter Bruchmann gehört

auch der 2005 verstorbene Franzose

Serge Lancen dazu, der am 5. November

vor 95 Jahren in der Metropole Paris

zur Welt kam. Fast 40 Jahre war er alt,

als er seine fünfsätzige „Manhattan Symphonie“

schrieb. Angeregt hatte ihn sein

Freund Désiré Dondeyne (1921 - 2015).

Der damalige Chefdirigent der „Musique

des Gardiens de la Paix“ hat ihm damals

auch bei der Instrumentation für das für

ihn neue Medium geholfen.

Lancen, Sohn eines Rheumatologen,

komponierte bereits mit viereinhalb Jahren

sein erstes Stück. Am Pariser Konservatorium

belegte er die Fächer Klavier,

Harmonielehre, Kontrapunkt und Komposition

und erhielt schon früh nationale

Auszeichnungen für verschiedene Kompositionen.

Stilistisch entwickelte er eine

gewisse Eleganz, wie sie für viele französische

Kompositionen aus dem frühen

20. Jahrhundert kennzeichnend ist.

Seine Musik bleibt trotz aller manchmal

kühnen harmonischen Wendungen stets

tonal gebunden.

Seit den sechziger Jahren schrieb Lancen

verstärkt für Blasorchester. Dabei entstanden

technisch einfache Werke mit

hohem musikalischem Gehalt wie die

„Hymne à la Musique“ oder den „Marche

Nuptiale“, aber auch zahlreiche sinfonische

Dichtungen wie „Le Mont Saint

Michel“, „Cape Kennedy“, „Le Chant de

Notenbeispiel 1

Der französische Komponist Serge

Lancen (1922 2005) komponierte

ab den 60er Jahren Musik für

Blasorchester.

Notenbeispiel 2

Nr. 05 | Oktober 2017 19


Schätze des Blasmusik-Repertoiresertoires

l’Arbre“ oder die „Symphonie de l’Eau“.

Außer in der „Symphonie Ibérique“ oder

der „Symphonie de Paris“ erscheint das

Attribut „sinfonisch“ auch in recht ungewohntem

Zusammenhang. Es geht um die

hier etwas näher vorgestellte viersätzige

Suite „Zwiefache Symphonique“.

Der Zwiefache ist ein vor allem in Ostbayern

verbreiteter Volkstanz mit Wechsel

von geradem und ungeradem Takt

(z.B. je 2 Takte im 3/4 und im 2/4-Takt;

aber auch andere Modelle sind möglich).

Der junge Serge Lancen hörte in den frühen

fünfziger Jahren während eines Aufenthaltes

in Düsseldorf solche Tänze im

Radio und war sofort fasziniert davon. Er

komponierte sieben Zwiefache für Klavier

und stellte in den frühen neunziger Jahren

vier davon zu einer Suite für Blasorchester

zusammen. Das Attribut „sinfonisch“ legitimiert

sich dabei durch die Besetzung

(Sinfonisches Blasorchester) und die zahlreichen

Temposchwankungen in der Partitur

(ritardando, rubato) - im Gegensatz

zum „geraden“ Tempo beim Volkstanz.

Nach einer viertaktigen Einleitung, die

sich vom tiefen Blech über die Saxophone

zum Tutti aufbaut, präsentiert Lancen das

Thema des ersten Satzes (Notenbeispiel

1, hier reduziert auf den Klarinettensatz).

Der immer noch recht schnelle Mittelteil

(Tempo 176 statt 192) fasst die beim

Zwiefachen üblichen Taktwechsel zwischen

3er- und 2er-Takt gleich zu einem

5/4-Takt zusammen (Notenbeispiel 2 zeigt

den Einsatz von Oboe und Klarinetten nach

der Einleitung).

Notenbeispiel 3

Notenbeispiel 4

Der zweite Satz mit der Spielanweisung

Grazioso nimmt dem Zwiefachen etwas

von seinem rustikalen Charakter und es

scheint auch ein wenig von der oben erwähnten

französischen Eleganz auf (Notenbeispiel

3). Nach einem langsamen dritten

Satz mit expressiven Soli in der 1. Posaune

kehrt der Komponist im Finale wieder zum

Ausgangstempo zurück. Der Satz beginnt

in der Art eines Walzers, bevor die ersten

Einschübe im 2/4-Takt daran erinnern, dass

man es ja eigentlich mit einem Zwiefachen

zu tun hat (Notenbeispiel 4).

Joachim Buch

DABEI

15.17.02.2018

VSM-Bläserwerkstatt 2018

Infos folgen demnächst mit einer

eigenen Ausschreibung unter

www.vsm.bz.it

vsm.bz.it

20

KulturFenster


Neues

Blasmusik

„Die Tage des Wassers“ von wind.music.project

Suite für sinfonisches Blasorchester in 6 Sätzen von Simon Gamper

CD-Cover „Die Tage des Wassers“

Im vergangenen Winter haben sich Musikantinnen

und Musikanten der Passeirer Musikkapellen

von Riffian, St. Martin, St. Leonhard,

Walten, Moos und Platt für ein ganz

besonderes Projekt zusammengefunden: die

von Simon Gamper (Text: Thomas Torggler)

komponierte Suite für sinfonisches Blasorchester

in 6 Sätzen „Die Tage des Wassers“

- eine Geschichte um die großen existentiellen

Fragen des Lebens.

Das Blasorchesterprojekt „wind.music.project“

gibt es seit 2 Jahren mit dem

Ziel, „besondere Programme zu erarbeiten,

die man sonst bei den Musikkapellen

nicht zu hören bekommt“, erklärt der musikalische

Leiter Lukas Erb. Im November

2016 wurden die „Tage des Wassers“ für

Konzertsprecher und Blasorchester in der

eindrucksvollen Kulisse einer Autobus-Remise

in St. Leonhard in Passeier uraufgeführt:

Verstärkt durch das packende Spiel

des Schauspielers Dietmar Gamper, dem

Bruder des Komponisten, hat die Musik

monumentale Bilder vor dem inneren Auge

der Zuhörer entstehen lassen und diese

mit einer mitreißenden musikalischen Geschichte

gefesselt.

Nach dem Erfolg der Aufführung wurde

die Idee einer CD-Aufnahme geboren, um

dieses einmalige Erlebnis zu dokumentieren

und einer breiteren Öffentlichkeit zu

präsentieren. Mit der Unterstützung der

Gemeinden Kuens, Riffian, St. Martin i.P.,

St. Leonhard i.P. und Moos i.P. wurde der

Tonträger Anfang Jänner aufgenommen

und am 1. Juni offiziell vorgestellt.

Simon Gamper ist seit 3 Jahren freischaffender

Komponist und Musiker aus

St. Leonhard in Passeier und komponiert

für Filme, Theaterstücke und den Konzertsaal.

Die CD sowie die Noten zum Werk

sind im eigenen Tonverlag erschienen und

über diesen erhältlich: www.tonverlag.com

Stephan Niederegger

Under the Spell of Spain - Im Zauber Spaniens

Das Debüt-Album von „Superbrass“

Das britische Blechbläserensemble „Superbrass“

besteht aus den besten Profimusikern

der Londoner Musikszene, allesamt Mitglieder

der bedeutendsten Londoner Orchester, unter

der Leitung des Posaunisten Roger Argente in

der „klassischen“ Besetzung des Philip-Jones-

Brass-Ensembles (1951-1986): 4 Trompeten, 4

Posaunen, 1 Horn, 1 Tuba plus Schlagzeuger.

6 Jahre nach seiner Gründung hat das

Ensemble 2011 sein Debüt-Album „Under

the Spell of Spain“ im eigenen unabhängigen

CD-Label veröffentlicht. Ganz dem Titel

gerecht besticht der Tonträger durch seine

beeindruckende Mischung von originaler und

arrangierter Musik, die vom Zauber Spaniens

und der magischen Anziehungskraft seiner

Einwohner inspiriert ist: kristallklare Bläserklänge,

imposante Akkorde, feurige Rhythmen

und verführerische Melodien. Musik aus

dem Mittelalter, dem Barock, aus dem 20.

Jahrhundert sowie zeitgenössische Kompositionen

der (Jazz)Komponisten Steve Waterman,

Mark Bassey, Mark Lockheart und

David Powell in einer einzigartigen Bläserinstrumentation

machen die CD zu etwas

Besonderem. Es ist keine Allerweltsmusik,

keine Musik zum Zurücklehnen oder Nebenbei-Genießen

und ebenso ungeeignet als

Geräuschkulisse. Sie verlangt volle Aufmerksamkeit

und wer dazu bereit ist, bekommt

70 Minuten Bläsermusik vom Allerfeinsten.

2 Jahre später veröffentlichte Superbrass

seine zweite - und bislang letzte - CD „Brass

Taps“ und bleibt dem musikalischen Prinzip

treu - wohl auch deshalb, weil die Spitzenmusiker

abseits von kommerziellen Konventionen

„ihr eigenes Ding machen wollen“, den Live-

Auftritt und den direkten Kontakt zum Publikum

bevorzugen ohne unnötigen Firlefanz

oder technische Adaptierungen am Mischpult.

Am 7. Oktober gab es die Gelegenheit,

die Britischen Spitzenmusiker live zu erle-

ben zum Auftakt des heurigen 16. Internationalen

Brassfestivals im Meraner Kursaal.

Stephan Niederegger

Cover der CD

„Under the

Spell of Spain“

- Superbrass

2011

Cover der

CD “Brass

Taps” -

Superbrass

2013

Nr. 05 | Oktober 2017 21


Neues

Konzertmusik vom Feinsten!

Jüngst hat der Musikverlag RUNDEL 3 neue

CDs präsentiert, die sich als qualitativ hochwertige

Aufnahmen mit hervorragenden Blasorchestern

nahtlos in die Tonträger-Reihe

des Verlages einreihen. Sämtliche Titel sind

auch als Notenausgaben erschienen.

3 neue CDs von RUNDEL

baumission zur Ausbildung afghanischer

Militärmusiker in Kabul. Am Dirigentenpult

des Musikkorps der Bundeswehr trat

er 2012 die Nachfolge von Walter Ratzek

an, der das Musikkorps 11 Jahre dirigierte.

Der mittlerweile pensionierte Musikoffizier

Ratzek leitet seit November 2016

das Studium für Blasorchesterdirektion

am Bozner Musikkonservatorium „Claudio

Monteverdi“.

EUPHORIA

Die CD „Euphoria“ wurde vom Heeresmusikkorps

Ulm unter der Leitung von

Oberstleutnant Matthias Prock eingespielt

und enthält ein breit gefächertes Spektrum

neuer Blasmusikwerke von Polka, Walzer

und Marsch bis hin zu Fernsehmelodien,

Medleys und Originalkompositionen.

www.rundel.de/de/euphoria/a-3/9095

MASKARADE

Die CD „Maskarade“ reiht sich in die produktive

Zusammenarbeit zwischen dem

Musikverlag RUNDEL und dem Musikkorps

der Bundeswehr unter der Leitung

von Oberstleutnant Christoph Scheibling

ein. Entstanden ist ein Tonträger mit 14

vielseitigen neuen Werken für Blasorchester

Konzertmusik vom Feinsten!

www.rundel.de/de/maskarade/a-3/8934

Detail am Rande: Vor rund 5 Jahren hat

Christoph Scheibling die musikalische

Leitung des Orchesters übernommen.

Scheibling leitete 2009/2010 im Rahmen

des ISAF-Mandats eine 3-monatige Auf-

FREEDOM

Die CD „Freedom“ ist bereits die 7. Produktion

des Musikverlages RUNDEL

mit dem renommierten amerikanischen

Studio-Blasorchester „The Washington

Winds“. Unter der Leitung von Edward

Petersen ist erneut eine ausgewogene

und vielfältige Mischung an originalen

Konzertwerken und modernen Arrangements

entstanden.

www.rundel.de/de/freedom/a-1/8649

Stephan Niederegger

Weihnachtslieder für Klarinetten

und Trompeten

11 Lieder in 44 Arrangements auf 76 Seiten

Franz Zaunschirm

Weihnachtslieder

für

Klarinetten

Nach Bearbeitungen für Flöten- und

Horn-Ensemble hat der Salzburger Komponist

und Professor im Mozarteum Franz

Zaunschirm dieses Jahr Arrangements für

Klarinetten und Trompeten veröffentlicht.

Wie bei den bisherigen Arrangements kann

jedes Weihnachtslied auf mehrere Arten

musiziert werden: 4-stimmig, 3-stimmig,

2-stimmig und einstimmig mit Klavier. Damit

eignet sich das Heft besonders für das

Spiel in kleinen Gruppen für Jugendensembles

im Klarinetten- und Trompetenregister.

Eine zusätzliche Hilfestellung bietet Zaunschirm

auf www.einfachenoten.at an: Wer

keinen Pianisten zur Verfügung hat, kann

nach einem kurzen Vorspiel auf dem

Handy die Klavierbegleitung zur Melodie

als Play-along mitlaufen lassen.

Alle Stimmen sind für B-Klarinetten und

B-Trompeten. Als 4. Stimme wird zusätzlich

Bassklarinette bzw. Posaune/Tenorhorn

angeboten.

Details auf www.einfachenoten.at

Kontakt: 0043-650 41 50 786. franz.zaunschirm@aon.at

Klarinette mit Klavier

2 Klarinetten

3 Klarinetten

4 Klarinetten

Zaunschirm Musikverlag

Das Heft mit den 11 ausgewählten

Weihnachtsliedern vsm.bz.it gibt es für Klarinetten

und Trompeten

22

KulturFenster


Blasmusik

Zu einem musikalischen Großereignis gestalteten sich die gemeinsamen Konzerte der

Musikkapelle und des Kirchenchores Reischach sowie des Gemischten Chores Pfalzen

(Foto: Paul Oberlechner).

•Musikpanorama

„O Belle Nuit“ in Pfalzen und Reischach

Musikkapelle und Kirchenchor Reischach sowie der Gemischte Chor Pfalzen konzertieren gemeinsam

Die Musikkapelle Reischach und die Chöre

aus Reischach und Pfalzen luden am 12.

und 13. August 2017 zu zwei besonderen

Konzerten ein. Unter dem passenden Titel

„O Belle Nuit Welch schöne Nacht“

sorgten die 55 Musikanten und 80 Sänger

dafür, dass die beiden Konzerte in

Pfalzen und Reischach zu einem unvergesslichen

Höhepunkt des Pusterer Konzertsommers

wurden.

Kapellmeister Pepi Fauster (MK Reischach)

sowie die Chorleiter Ludwig Rindler

(Kirchenchor Reischach) und Markus

Federer (Gemischter Chor Pfalzen) wussten

mit einem breiten Repertoire ihr Publikum

zu fesseln. Die Konzerte begannen

mit einem folkloristischen Teil, gingen

über in einen klassischen Mittelteil und

fanden im Opernteil ihren Höhepunkt.

Während im ersten Teil traditionelle Melodien

und Lieder teils in Dialekt und ladinischer

Sprache aufgeführt wurden,

umfasste der klassische Mittelteil mehrere

Stilrichtungen der europäischen Musiktradition

von Vincenzo Bellini über Johannes

Brahms bis Johann Strauß Sohn.

Der dritte Teil war dem Gemeinschaftsspiel

gewidmet: bekannte Opernmelodien,

wie „O Belle Nuit“ aus Jaques Offenbachs

Oper „Hoffmanns Erzählungen“,

der Zigeunerchor aus Giuseppe Verdis

„Troubadour“ und der Gefangenenchor

aus „Nabucco“ fanden beim Publikum

großen Anklang. „Time to say Goodbye“

hieß es dann mit den Solisten Patrizia

Hainz, Chorsängerin aus Pfalzen, und

Ludwig Rindler, Chorleiter in Reischach.

Mit der „Ode an die Freude“ aus Beethovens

9. Symphonie und der damit verbundenen

Botschaft, das Gemeinsame

über das Trennende zu stellen, verabschiedeten

sich die drei Vereine vom begeisterten

Publikum.

FL

Nr. 05 | Oktober 2017 23


Musikpanorama

MK Prissian grüßt mit

alpenländischen Weisen vom Berg

Eine besondere Initiative zum 60-jährigen Jubiläum

Zum Jubiläum der MK Prissian erklangen am Laugen alpenländische Weisen. -

(Foto: Armin Köhl, aufgenommen mit einer Drohne)

Im Rahmen ihres 60-Jahre-Jubiläums organisierte

die Musikkapelle Prissian eine musikalische

Darbietung besonderer Art: ein

„Weisenblasen“ am Laugen, oberhalb des

Gampenpasses.Auf verschiedenen Wegen

wanderten die Musikanten und Musikantinnen

mit Angehörigen und Freunden hinauf

zum See; von dort stieg eine Gruppe

auf den Großen (2434 m) und eine auf den

Kleinen Laugenspitz (2297 m). Von 11.00

bis 12.00 Uhr erklangen abwechselnd von

den beiden nebelverhangenen Bergspitzen

alpenländische Weisen. Zu den Weisenbläsern

der MK-Prissian mit Lena, Anna,

Martha, Andreas, Peter und Elmar Windegger

sowie Manfred Holzner gesellten sich

noch zwei Musikfreunde hinzu: Erich Abler

aus dem Passeier und Peter Moser, der

allseits bekannte Weisenbläser aus Alpbach

in Tirol. Am Nachmittag musizierten

beide Gruppen gemeinsam am Laugensee.

Die dort vorgetragenen Weisen bekamen

in der idyllischen Bergmulde eine besondere

Klangfarbe und sie erfreuten Jung

und Alt. Schade, dass das Wetter nicht die

richtige Melodie gefunden hatte, trotzdem

war es für die anwesenden Berg- und Musikfreunde

ein einmaliges Erlebnis.

Musikkapelle Prissian

Blasmusik erschallt durch das Schnalstal

Viertes Sommercamp der Jugendkapelle Naturns/Schnals

Die Jungmusikanten aus Naturns und

Schnals brachen Ende Juli zum traditionellen

Sommercamp auf. Unter der

organisatorischen und musikalischen

Leitung von Charlotte Rainer und Daniel

Götsch konnten rund 36 Kinder und

Jugendliche in Katharinaberg vier abwechslungsreiche

und spannende Tage

verbringen. Die Musik stand zwar im Vordergrund,

geplant waren jedoch noch

andere Freizeitbeschäftigungen. Neben

einer Frühmesse in Katharinaberg mit

dem Schnalser Pfarrer Franz Messner

gehörten auch eine Wanderung und ein

buntes Abendprogramm zum Sommercamp.

Den Höhepunkt des Zelt- und Hüttenlagers

bildete das Abschlusskonzert

am Freitag, 28. Juli, das anlässlich des

„Annatages“ auf dem Dorfplatz in Karthaus

veranstaltet wurde. Beim Konzert

stand heuer neben den verschiedenen

Instrumentalregistern auch zum ersten

Die Jugendkapelle Naturns/Schnals verbrachten vier abwechslungsreiche Tage in

Katharinaberg.

Mal eine zusammengestellte Jung-Böhmische

auf der Bühne. Den Hauptteil des

Konzertes bildete wie immer das große,

vollbesetzte Orchester, das mit einem bunt

gemischten Programm aus modernen

und bewährten Stücken für Jugendblasorchester

die Zuhörer begeisterte. Das

heurige Sommercamp war wiederum

ein voller Erfolg mit vielen neuen, schönen

Erfahrungen für alle! Ein besonderer

Dank geht an die Gemeinde Schnals und

die Musikkapelle Katharinaberg für die

Unterstützung vor Ort. Kulinarisch verwöhnt

wurden wir heuer von Paul Grüner

mit seinem Catering „Ö wie Knödel“.

Daniel Götsch

24

KulturFenster


Blasmusik

Musizieren unter den Geislern

Musikalisches Hüttenlager der Jugendkapelle „y.m.b. Vintl“ in Villnöß

Vor einer derart prächtigen Kulisse lässt sich gut musizieren die Jugendkapelle

„y.m.b. Vintl“ beim Hüttenlager in Villnöß

Zum 9. Mal gab es bereits ein Hüttenlager

für die Jugendkapelle „y.m.b. Vintl“.

In diesem Jahr wurde dafür zum 3. Mal

das AVS-Bergheim Zans in Villnöß auf

1.680 m ausgesucht.

Mitte August verbrachten 15 Jungmusikanten

der „y.m.b. Vintl“ fünf spannende

und musikalische, aber auch abwechslungsreiche

Tage auf der Zanser Alm im

schönen Villnößtal.

Die Jugendleiter Andreas Messner und

Hannes Zingerle studierten in dieser

Zeit mit ihnen ein Konzertprogramm ein.

Für die Leitung von verschiedenen Registern

und die Betreuung der Teilnehmer

bekamen sie zusätzlich Unterstützung

von Sarah Mayr, Philipp Seebacher,

Daniel Messner und Elvira Weissteiner.

Gemeinsam waren sie der Garant dafür,

den Jungmusikanten eine möglichst gute

musikalische Vorbereitung zu geben. Verena

Geier hat zudem für die hervorragende

Verköstigung gesorgt.

Auch der Spaß durfte in dieser Woche

auf keinen Fall fehlen, und so sorgten

Frühsport, eine Wanderung und verschiedene

Spiele für die nötige Abwechslung.

Erstmals gab es dieses Jahr auch eine

Kino-Night. In der letzten Nacht wurden

die Jungmusikantinnen und Jungmusikanten

noch „überfallen“ wobei sich

später herausstellte, dass sich bloß einige

„Vintila“ einen Scherz erlaubten.

Die einstudierten Musikstücke wurden

beim Kirchtag in Vintl sowie am Samstag,

2. September, beim Fest des Jugenddienstes

Unteres Pustertal in Vintl

zum Besten gegeben.

Hannes Zingerle,

Jugendleiter MK Vintl

DABEI

24.02.2018

11. Landeswettbewerb

„Musik in kleinen Gruppen“ 2018

Infos folgen demnächst mit einer

eigenen Ausschreibung unter

www.vsm.bz.it

vsm.bz.it

Nr. 05 | Oktober 2017 25


Musikpanorama

20. Musikcamp der Zwölfmalgreiner

Mehr als 30 Jungmusikanten mit dabei

Ende August fand am Lochgietl-Hof in

Pens wieder das Jugendcamp der Musikkapelle

Zwölfmalgreien statt. Seit mittlerweile

20 Jahren ist diese Woche für

die Jungmusikanten und deren Betreuer

nicht mehr wegzudenken und wird mit

viel Vorfreude erwartet. Mit großer Begeisterung

musizierten die mehr als 30

Jugendlichen gemeinsam und probten

für das Abschlusskonzert vor ihren Eltern.

Nicht nur die Musik, sondern auch Spaß

und Unterhaltung standen im Mittelpunkt

dieses Sommercamps. Ein gut eingespieltes

Team aus Betreuern und Köchinnen

begleitete und versorgte die Jugendlichen

und unterrichtete sie auf ihren Instrumenten.

Das in Pens Erlernte konnten die jungen

Musikanten schließlich bei der gemütlichen

Abschlussfeier am Unterganznerhof

vor zahlreichen Zuhörern zum Besten

geben.

Brigitte Thurner

Das Bild zeigt es mehr als deutlich: das Jugendcamp beinhaltet neben der Musik

auch jede Menge Spaß.

Jugendcamp der Musikkapellen Klausen-Gufidaun

Intensive Tage für 55 Jungmusikanten

Zum 10. Mal richteten die Jugendleiterinnen

Melanie Plunger und Ruth Grünfelder

aus Gufidaun sowie Nadia Rainer

Wieser aus Klausen das Jugendcamp

aus. Diesmal fand es vom 31. Juli bis 3.

August beim Fürstenhof in Natz statt. 55

motivierte Jungmusikanten im Alter von 9

bis 19 Jahren gaben während der Proben

und auch in der probenfreien Zeit gehörig

„Gas“. Die Jugendkapelle hatte tagsüber

ein straffes Programm. Es wurde viel

geprobt und musiziert. Am Dienstag und

am Mittwoch wurde nach dem Abendessen

noch eine kurze Marschiereinheit abgehalten.

Die Jugendleiterinnen sind mit

der Jugendkapelle sehr zufrieden und finden,

dass die Jungmusikanten gut drauf

sind. Sie lernen schnell, zeigen sich während

der Proben diszipliniert und sind sehr

musikalisch. So war auch das Konzert am

5. August in Gufidaun ein großer Erfolg

und das Publikum war von der musikalischen

Darbietung begeistert. Dies alles

hätten die Jugendleiterinnen ohne die helfenden

Hände von Lisa Deltedesco, Christina

Niederegger, Dagmar Messner, Fabian

Gottardi und Christian Gfader nicht

geschafft. Weiters bedankt sich die Jugendkapelle

Klausen-Gufidaun bei der Südtiroler

Volksbank Klausen, die einen finanziellen

Beitrag geleistet hat.

Nadia Rainer Wieser (NRW)

Die Teilnehmer des Jugendcamps 2017 in Natz mit Jugendleiterinnen und Betreuern

26

KulturFenster


Blasmusik

125 Jahre Musikkapelle Oberinn

Großes Jubiläumsfest vom 30. Juni bis 2. Juli 2017

1892 wurde die Musikkapelle Oberinn erstmals

im Totenbuch der Pfarre Oberinn erwähnt.

Ganze 125 Jahre sind vergangen,

seitdem Alois Burger die Gründung einer

Musikkapelle in der eigenständigen Pfarre

Oberinn vorschlug.

Dieses Jubiläum wurde mit einem dreitägigen

Zeltfest im Hochsommer gebührend

gefeiert. Den Höhepunkt der Feierlichkeiten

stellte der festliche Umzug

am Samstag, den 1. Juli, dar, bei dem

alle sechs Rittner Kapellen, unsere Partnerkapelle

aus Ebersbach im Raum Ravensburg

sowie zahlreiche lokale Gruppierungen

auftraten.

Beim Festakt am Sonntag war der Verband

der Südtiroler Musikkapellen mit der Verbandsfahne,

dem Bezirksobmann Stefan

Sinn und dem Bezirkskapellmeister Michael

Vikoler vertreten. Die zahlreich erschienenen

Fahnenabordnungen aus dem

Die Jubelkapelle während des Festumzuges

Bezirk Bozen waren ein Blickfang während

der vom ehemaligen Ortspfarrer Pater

Oswald Vienna abgehaltenen Feldmesse.

Dass die mitgliedermäßig kleine Musikkapelle

ein solches Fest überhaupt abhal-

ten konnte, ist den zahlreichen freiwilligen

Helfern und den Vereinen im Dorf zu

verdanken. Diesen und den vielen Festbesuchern

gilt unser Dank!

Christian Seebacher - MK Oberinn

Musik und Licht auf dem Kirchplatz von Steinegg

Abendkonzert der Musikkapelle mit besonderer Atmosphäre

Ein ganz besonderer Abend wurde den

Gästen beim Abendkonzert am 26. Juli

in Steinegg geboten. Die Musikkapelle

konzertierte nämlich nicht wie üblich auf

dem Festplatz, sondern auf dem Kirchplatz.

Dafür wurde neben anderen Vorbereitungen

eine spezielle Lichttechnik

installiert, die für eine besondere Stimmung

sorgen sollte.

Nach dem Einzug der Musikkapelle

und einem Eröffnungsstück begrüßte

Sprecher Werner Mahlknecht alle Gäste

und führte anschließend gekonnt durch

das Programm. Kapellmeister Christoph

Rieder und die Musikanten sorgten mit

einer bunten Auswahl an Musikstücken

für die richtige Atmosphäre, welche

durch die besondere Beleuchtung

der Pfarrkirche noch verstärkt wurde.

Die Kapelle freute sich besonders über

die Anwesenheit vieler Steineggner, die

den Abend trotz der nicht ganz sommerlichen

Temperaturen zu genießen wussten.

Ein Dank geht somit an alle Zuhörer,

aber auch an Alexander Rieder und

Jürgen Ebenkofler für die Beleuchtung,

an das Altersheim für den zur Verfügung

gestellten Strom sowie an alle freiwilligen

Helfer.

MK Steinegg

Eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre zauberte die Musikkapelle Steinegg

beim sommerlichen Abendkonzert auf dem Kirchplatz.

Nr. 05 | Oktober 2017 27


Musikpanorama

Stimmungsvolles Sommernachtskonzert in Naturns

Musikkapelle, Chor und Solisten begeistern das Publikum

Die Musikkapelle Naturns bot auch in diesem Sommer wieder ein stimmungsvolles Abendkonzert (Foto: Klaus Huber).

Bereits zum 4. Mal lud die Musikkapelle

Naturns zum Sommernachtskonzert ein.

Was vor drei Jahren noch als Experiment

gegolten hatte, entpuppte sich mittlerweile

zum Publikumsmagnet. Kapellmeister

Dietmar Rainer bot mit den Musikantinnen

und Musikanten auch diesmal vor

der vollbesetzten Freilichtarena ein ebenso

spannendes wie auch ansprechendes

Konzertprogramm, das von Judith Leiter

und Daniel Götsch ebenso fachkundig

wie witzig moderiert wurde. Den musikalischen

Auftakt bildete „MacArthur Park“

von Jimmy Webb. Darauf folgte „Saxophoning“

von Luigi di Ghisallo, bevor man mit

„New York, New York“ und „May Way“ in

die Swing-Ära eintauchte. Thomas Moriggl

schlüpfte dabei mit viel Können und

Charme in die Rolle des unvergessenen

Entertainers Frank Sinatra. Mit „Chanson

d’Amour“ von Wayne Shanklin fand anschließend

ein Besuch in Paris statt und

bei „Happy Trombone“, „Tenormonantic“,

„Children of Sanchez“ hatten die Solisten

an Posaune, Tenorsaxophon und Flügelhorn

das Publikum auf ihrer Seite. „Jesus

Christ Superstar“, „Melody in Five“

und „Music“ von John Miles rundeten

das Konzert ab, wobei Sänger Thomas

Moriggl, begleitet von einem Chor noch

einmal „alles“ gab und die gesamte Kapelle

mit E-Piano und E-Gitarren die Freilichtbühne

nochmal so richtig erbeben ließen.

Als Zugabe erklang „The Power of

the Dream“ von David Foster, wobei der

Chor mit den beiden Solisten Teresa Putzer

und Anna Platzgummer noch einmal

zur Geltung kam.

Musikkapelle Naturns

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

Redaktion KulturFenster

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des KulturFensters ist

Mittwoch, 15. November 2017. Bitte Termin genau beachten!

28

KulturFenster


Vorweg

Heimatpflege

Heimatpfleger bei

Landeshauptmann Kompatscher

Raumordnung im Mittelpunkt

Die Spitze des Heimatpflegeverbands um Landesobfrau Plaikner ist erstmals mit Landeshauptmann Kompatscher

zusammengetroffen. (Foto: LPA/mgp)

Die neue Spitze des Heimatpflegeverbandes

ist erstmals mit LH Kompatscher zusammengetroffen.

Beteiligung auch weiterhin

gewährleistet

Derzeit wird dem Entwurf eines neuen

Gesetzes für Raum und Landschaft, der

über einen Beteiligungsprozess entwickelt

wird, der letzte Schliff gegeben. Die Möglichkeit

für Vereine und Verbände, sich im

Rahmen dieses partizipativen Prozesses

einzubringen und diesen mitzugestalten,

wurde von der Delegation des Heimatpflegeverbandes

ausdrücklich begrüßt. Gegenüber

dem Landeshauptmann äußerten

Obfrau Plaikner sowie die Vorstandsmitglieder

Franz Fliri, Johannes Ortner und

Bernhard Lösch den Wunsch, dass dieser

Beteiligungsprozess auch bei der Erstellung

der Durchführungsverordnung fortgesetzt

werde.

„Der Beteiligungsprozess führt zwar

dazu, dass sich angesichts der vielen

Stellungnahmen die Arbeiten am Gesetz

in die Länge ziehen“, erklärte gegenüber

den Heimatpfl egern Landeshauptmann

Kompatscher, „er macht aber einen Interessensausgleich

möglich. Dies ist für ein

Gesetz wie das Raumordnungsgesetz, mit

dem die Weichen für die Entwicklung des

Landes gestellt werden, unumgänglich“.

Daher, so der Landeshauptmann, solle

die Vorgehensweise auch in Zukunft beibehalten

werden.

Mit Kulturgrund sparsam

umgehen

Weiteres Gesprächsthema war der Umgang

mit dem Kulturgrund. Dabei verwies

Obfrau Plaikner auf die Bedeutung des

Kulturgrundes und sprach sich für einen

sparsamen Umgang damit aus, gerade Natur

und Landschaft würden für die Bewerbung

Südtirols als touristische Destination

herangezogen. Es gelte, die bestehende

Infrastruktur bestmöglich zu nutzen und

Zersiedelung zu vermeiden, betonten die

Heimatpfleger. Landeshauptmann Kompatscher

sprach sich auch bei diesem Thema

für einen Interessensausgleich aus.

Johannes Ortner (Bild links),

Mitglied des Vorstandes

Nr. 05 | Oktober 2017 29


Das Thema

Mit vereinten Kräften im Einsatz für

Natur, Landschaft und Mensch

Zusammenarbeit zwischen Alpenverein, Dachverband für Natur- und

Umweltschutz und Heimatpflegeverband

Bereits seit vielen Jahren arbeiten der Alpenverein

Südtirol, der Dachverband für Naturund

Umweltschutz und der Heimatpflegeverband

Südtirol im Bereich Erhaltung unserer

Natur- und Kulturlandschaft eng zusammen

und wehren sich gegen zerstörerische

Großprojekte. Die neue Landesobfrau des

Heimatpflegeverbandes, Claudia Plaikner,

möchte diese Tradition nicht nur beibehalten,

sondern will sie weiter ausbauen. Aus

diesem Grunde hat sie am 12.06.2017 die

Vor sitzenden von AVS und Dachverband,

Georg Simeoni und Klauspeter Dissinger, mit

ihren Geschäftsführern, Ausschussmitgliedern

und Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen

zu einer Aussprache eingeladen.

Raumordnung

Die Zusammenkünfte in Bozen sollen regelmäßig stattfinden.

Erfreut darüber, dass so viele ihrer Einladung

gefolgt sind, geht die Landesobfrau

gleich in medias res und spricht das neue

Raumordnungsgesetz an. Jetzt, wo der zuständige

Landesrat den partizipativen Teil

für abgeschlossen erklärt hat, kommt bei

allen drei Verbänden großes Unbehagen

auf, denn nur sehr wenige der eingebrachten

Vorschläge wurden, so geht es aus dem

letzten Entwurf hervor, in das Gesetz bisher

aufgenommen. Nun wird auf der Ebene

der Beamten, die oftmals einem Diktat unterliegen,

was der Sache nicht unbedingt

dienlich ist, weitergearbeitet. Die drei Verbände

sehen mit großer Sorge dem neuen

Raumordnungsgesetz entgegen, denn der

Druck auf den Raum und die Landschaft,

der von wirtschaftlich geprägten Interessensgruppen

kommt, ist enorm und birgt

große Gefahren.

In diesem Zusammenhang wird auch

der geplante skitechnische Zusammenschluss

Langtaufers-Kaunertal angesprochen,

ein Projekt, das von den Betreibern

sehr präpotent vorangetrieben wird und auf

reinem Profitdenken fußt. Dabei haben die

drei Verbände mehrfach Alternativen aufgezeigt

und auf den Wert der Kulturlandschaft

des Langtauferertales hingewiesen.

Mountainbiker stören

zunehmend Bergwelt

Sorgen bereiten den Verbänden auch die

Bergradfahrer (Mountainbiker), die sich in

immer höhere Regionen vorwagen und mit

ihren rasanten Abfahrten (Downhill) nicht

nur das Wild stören, sondern die sensiblen

Böden ruinieren und für die friedliebenden

Bergwanderer mitunter eine Lebensbedrohung

darstellen.

Heikles Thema: Almerschließung

Ähnlich wie beim Raumordnungsgesetz

ist es den drei Verbänden auch beim Thema

Almerschließungen ergangen, denn obwohl

sie in die vom Land eingerichtete „Arbeitsgruppe

Almerschließungen“ geholt wurden

und ihre Vorschläge deponieren durften,

wurden diese bis heute nicht in ein

verbindliches Gesetz aufgenommen, sondern

das zuständige Landesamt hat Kriterien

ausgearbeitet, die mit den Mitgliedern

nicht vereinbart wurden. Die Liste mit den

verschiedenen zu schützenden Almen ist

hingegen verschwunden.

Am Ende der rund zweistündigen Unterredung

wurde festgehalten, dass es zu einer

ihrer institutionellen Aufgaben gehört, sich

für den Erhalt unserer einzigartigen Naturund

Kulturlandschaft sowie für die Gesundheit

und das Wohlergehen der Menschen

und der künftigen Generationen einzusetzen.

Dementsprechend will man auch weiterhin

die Kräfte bündeln und punktuell die

notwendigen Initiativen ergreifen. Es wurde

beschlossen, sich künftig mindestens zwei

Mal pro Jahr zusammenzusetzen, um über

die verschiedenen Anliegen zu diskutieren

und den operativen Teil über die digitalen

Medien abzuwickeln. Zufrieden über die

Aussprache und voller neuer Impulse haben

sich die drei Verbände wieder getrennt,

um ihrem Tagesgeschäft nachzugehen.

Josef Oberhofer

Verbandsgeschäftsführer

30

KulturFenster


Heimatpflege

Heimatpfleger vertreten keine Lobby,

sie vertreten die Allgemeinheit

Landesobfrau stattete Landesrat Arnold Schuler einen Antrittsbesuch ab

Dass Heimatpflege und Landwirtschaft

viele Berührungspunkte haben, darin waren

sich Landesrat Arnold Schuler und die

Vertreter des Heimatpflegeverbandes einig.

Der Schutz von Grund und Boden sowie

der sparsame Umgang damit, sei ein

Gebot der Stunde und muss gemeinsam

vorangetrieben werden.

Verbesserungsvorschläge

überreicht

Die Delegation der Heimatpfleger bei Landesrat Schuler

Landesrat Schuler meinte, dass der

Druck auf jeden Quadratmeter in unserem

Lande enorm sei, und es somit auch weiterhin

viele Detailregelungen brauchen

wird. Die Landesobfrau überreichte in diesem

Zusammenhang dem Landesrat die

vom Heimatpflegeverband erarbeitete Stellungnahme

mit Verbesserungsvorschlägen

zum neuen Landesgesetz für Raum und

Landschaft und hofft, dass dieses in seiner

endgültigen Fassung auch die Handschrift

des Verbandes trägt. Der Landesrat

ist der Auffassung, dass es nicht möglich

sein wird, ein einfaches Gesetz zu schreiben.

„Wo niemand mehr bauen will, braucht

es kein Raumordnungsgesetz. Südtirol ist

jedoch ein begehrtes Bauland und es gilt,

die Entwicklung von Neubauten in unserer

Landschaft in die bestmögliche Richtung

zu begleiten“, so Schuler.

Ensembleschutz vs. „Käseglocke“

Ein weiteres Thema, welches die Heimatpfleger

bereits seit langem beschäftigt,

ist der Ensembleschutz. Plaikner beklagt,

dass sich vielfach die örtlichen Bauernvertreter

speziell im Pustertal dagegen aussprechen

und immer die Angst vor der sogenannten

„Käseglocke“ schüren. Für die

Vertreter des Heimatpflegeverbandes entspricht

dies nicht der Wahrheit. Für sie stellt

der Ensembleschutz einen Mehrwert dar,

da er viel Gestaltungsfreiheit zulasse und

die betreffende Umgebung aufwerte. Was

fehlt, sei ein finanzieller Anreiz. Landesrat

Schuler ist überzeugt, dass die Ängste

und das Misstrauen gegenüber dem Ensembleschutz

abgebaut werden müssen.

Finanzielle Anreize sind laut Schuler nicht

der richtige Weg, es könnte jedoch an andere

Anreize gedacht werden.

Streitthemen Ski- und

Almerschließung

Landesobfrau Plaikner sprach anschließend

die Skierschließungspläne im Land

an und hofft auf eine Solidarisierung von

Seiten des Landesrates und der Bauern

im Kampf gegen diese Projekte. Es geht

nach Ansicht des Verbandes auch hier

um Grundverbrauch und vielfach um die

Zerstörung von intakter Natur- und Kulturlandschaft.

Dem Landesrat bereiten indes die Seitentäler

speziell im Vinschgau große Sorgen.

Diese sind aufgrund geringer Arbeitsmöglichkeiten

von Abwanderung bedroht.

Die Wirtschaftstreibenden sind gefordert,

innovative Vorschläge umzusetzen, um attraktive

Arbeitsplätze auch in der Peripherie

zu erhalten.

Einig waren sich die Heimatpfleger und

der Landesrat in Sachen Almerschließungen

dahingehend, dass nicht jede Alm erschlossen

werden muss und dass jene, welche

laut der von der Arbeitsgruppe erstellten

Liste erschlossen werden dürfen, von Fall

zu Fall begutachtet werden müssen.

Werden Biker zum Problem?

Des Weiteren kam die Entwicklung der

vermehrten Mountain- und E-Biker zur Sprache.

Landesrat Schuler berichtete von einer

Arbeitsgruppe, welche an verschiedenen Lösungen

für ein neues Zukunftsmodell arbeitet.

Landesobfrau Plaikner plädiert für eine

rigide Regelung mit Lenkungsmaßnahmen:

„Die Fahrwege für die Bergradler müssen

klar ausgewiesen werden und die anderen

Wege und Steige gehören den Wanderern.“

Eine solche rigide Trennung effizient

zu kontrollieren, sei sehr schwierig, so die

abschließende Meinung des Landesrates.

Abschließend sprach der Bezirksobmann

der Vinschger Heimatpfleger, Franz

Fliri, den Landesrat auf die Bannzone um

die Stadt Glurns an und brachte seine

Sorge zum Ausdruck, dass der jüngste Fall

Schule machen könnte. Landesrat Schuler

erklärt, dass das Vorgehen des Landwirtes

dem Beschluss der Landesregierung entspricht.

Grundsätzlich sollten nicht Auflagen

das Ziel sein. Um Schutzzonen sowie

denkmalgeschützte Bauten und Orte sollte

ein Flächentausch angestrebt werden. „Ich

bin bemüht, auch im Falle von Glurns eine

entsprechende Lösung zu finden“, so Landesrat

Schuler abschließend.

Die rund einstündige Aussprache endete

mit der gegenseitigen Absichtserklärung,

künftig enger zusammenzuarbeiten und

sich gegenseitig zu unterstützen.

Josef Oberhofer

Nr. 05 | Oktober 2017 31


Informiert & Reflktiert

Raum und Landschaft

Bestehende Kubatur nutzen, Kulturgrund schonen,

Wohnraum leistbar machen. Diese Ziele

verfolgt das neue Landesgesetz. Glurns zeigt,

wie es geht.

„Bestehendes hat Vorrang vor Neuem“,

betont Landesrat Richard Theiner. „Das ist

eine Notwendigkeit, die sich aus der knappen

Verfügbarkeit von Grund und Boden

in Südtirol ergibt.“ Das neue Landesgesetz

„Raum und Landschaft“ sei ein Instrument,

sagt Theiner, um Wohnraum wieder leistbar

zu machen: „Wenn im Siedlungsgebiet gebaut

wird, senkt das die Kosten, zudem können

mit dem neuen Landesgesetz auch Gelder

aus dem Wertausgleich in die Wiedergewinnung

bestehender Bausubstanz fließen.“

Darüber hinaus sehe das Gesetz eine

Preisdeckelung vor, die Einheimischen

Wohnraum zu im Vorhinein definierten Preisen

anbiete. „Das neue Gesetz ‚Raum und

Landschaft‘ wird also jenes für die Wohnbauförderung

flankieren und dafür sorgen,

dass Quadratmeterpreise von 2300 Euro realistisch

werden“, sagt Theiner.

Ungenutzte Bausubstanz aufwerten

Für die Wiedergewinnung stellt das Land

bereits jetzt den Gemeinden Beiträge zur

Verfügung, damit ungenutzte Bausubstanz

in den historischen Ortskernen saniert und

von der einheimischen Bevölkerung als geförderter

Wohnraum erworben und genutzt

werden kann eine Möglichkeit, die von Gemeinden

genutzt wird. Zu diesen gehört auch

die Stadtgemeinde Glurns. Sie hat zwei größere

Gebäude mit insgesamt 7.500 Kubikmetern

erworben, anschließend saniert und

darin sieben Wohnungen und Gewerberäume

untergebracht. Bei einem dritten Gebäude

mit 4.500 Kubikmetern wird die Gemeinde

demnächst mit den Arbeiten beginnen und

darin sechs Wohnungen unterbringen, wie

Bürgermeister Alois Frank stolz berichtet:

"Am Anfang war es etwas zäh, aber dann

haben die Glurnser gesehen, dass wir aus

den alten Bauten hochwertige Wohnungen

zu einem günstigen Preis machen, und inzwischen

haben wir mehr Interessenten als

Wohnungen."

Aufwertung durch Sanierung

Keine finanzielle Belastung für

Gemeinden

Der Beitrag des Landes darf allerdings

nicht höher liegen als 50 Prozent der gesetzlichen

Baukosten (derzeit 359,00 Euro) pro

Kubikmeter. Außerdem darf der Betrag nicht

höher sein als die Summe, die das Schätzamt

für "angemessen" erklärt hat. „Eine allfällige

Differenz müsste die Gemeinde rückerstatten“,

erklärt der Direktor des Amtes für geförderten

Wohnbau, Martin Zelger, „aber in

den meisten Fällen entsteht den Gemeinden

keine finanzielle Belastung, es sei denn, es

wurde ein höherer Kaufpreis als die 50 Prozent

der gesetzlichen Baukosten vereinbart.“

Einbindung der Bauwilligen in

Planungsphase

Nachdem die Gemeinde Eigentümerin

der Immobilie geworden ist, kann sie ein

Maximalprojekt erstellen, in dem festgelegt

wird, wie viele Wohnungen errichtet werden,

was abgebrochen und was erneut aufgebaut

werden muss. Im Idealfall werden die Bauwilligen,

denen die geförderten Immobilien

aufgrund bestimmter Kriterien (Ansässigkeit,

Einkommen, keine geeignete Wohnung usw.)

zugewiesen werden, miteinbezogen. Denn:

Landesrat Theiner und Bürgermeister

Frank bei der Vorstellung (Foto: LPA)

Je früher sie in die Planungsphase eingebunden

werden, desto eher kann der Bau ihren

Wünschen entsprechend realisiert werden.

Anschließend führt die Gemeinde einen

Teil der Arbeiten aus (eventuell bis zum

Rohbau) und weist die Anteile den Berechtigten

zu. Oder sie überlässt alles den Bauwilligen

und weist ihnen das Areal zu, sobald

diese einen entsprechenden Vorschlag

unterbreiten. An diesem Punkt angelangt,

können die Bauwilligen um Wohnbauförderung

ansuchen.

Mit dem Zuweisungsbeschluss wird die

Sozialbindung für den geförderten Wohnbau

im Grundbuch eingetragen. Da die Wohnungen

auf "gefördertem Grund" entstehen,

ist die maximale Nettowohnfläche von

110 Quadratmeter einzuhalten. Mittlerweile

wird dieses Konzept nicht nur in Glurns, sondern

auch in anderen Gemeinden wie Mals,

Prad, Stilfs, Schluderns, Schlanders, Naturns,

Kurtatsch (in Planung) und Karneid

erfolgreich umgesetzt.

LPA

Eines der wiedergewonnenen Gebäude

im historischen Stadtkern von Glurns

(Foto: LPA)

Sechs Wohnungen entstehen in diesem

Gebäude. (Foto: LPA)

32

KulturFenster


Heimatpflege

Auf Erfolgskurs

Das Land Südtirol vergibt knapp 1,5 Millionen Euro an Landschaftspflegebeiträgen

Holzzäune: Elemente der Kulturlandschaft

Das Pflegeprogramm, das 1970 auf Anregung

des Heimatpflegeverbandes ins Leben

gerufen wurde und bis heute mitbetreut

wird, ist ein klarer Beweis für eine

Erfolgsgeschichte.

Seit 1975 werden auf der Grundlage

des Landschaftsschutzgesetzes Beiträge

für die Erhaltung und Aufwertung der traditionellen

Kulturlandschaft Südtirols gewährt.

2016 konnten 1.485.000 Euro an

Beiträgen ausgezahlt werden; der jährliche

Schnitt der vergangenen zehn Jahre lag

bei rund 1,2 Millionen Euro.

Erhaltung im Fokus

Ziel der Beiträge ist die Erhaltung von

Schindel- und Strohdächern, von traditionellen

Zäunen, Waalen, bäuerlichen Kleindenkmälern,

von landschaftlich reizvollen

Zufahrts- und Wanderwegen, die in Schutzgebietszonen

führen sowie die Erhaltung

oder Errichtung ökologisch wertvoller Trockenmauern.

Es handelt sich dabei um

landschaftlich prägende Elemente, deren

Weiterbestand ohne Förderung seitens der

öffentlichen Hand nicht gewährleistet wäre.

Die Landesregierung setzt damit ein

deutliches Zeichen zum Erhalt der bäuerlichen

Kleindenkmäler in Südtirol innerhalb

und außerhalb der Schutzgebiete, was für

Südtirol als Tourismusland unverzichtbar ist.

Teil des Kulturgutes

Bezuschusst werden ausschließlich Objekte,

die im Rahmen der landwirtschaftlichen

Bewirtschaftung notwendig sind und

die gleichzeitig zur Aufwertung des traditionellen

Landschaftsbildes und zur Erhaltung

des Südtiroler Kulturguts beitragen.

Unter das Förderprogramm fällt auch die

Erhaltung von Waal- und Wanderwegen in

Schutzgebieten, die sowohl von Touristen,

als auch von Einheimischen genutzt werden,

die Erholung in der Natur suchen.

Neben den Beitragsauszahlungen für die

Naturparke und die Landschaftsschutzgebiete

in der Höhe von 467.000 Euro gewährte

das Land in Zusammenarbeit mit

den Sachbearbeitern des Heimatpflegeverbandes

zusätzlich 911.000 Euro für landschaftspflegerische

Arbeiten außerhalb der

Schutzzonen sowie 107.000 Euro für Beitragsansuchen,

die sich auf den Nationalpark

Stilfserjoch beziehen.

LPA

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge für die Heimatpflege senden Sie bitte an: rottensteiner.sylvia@gmail.com

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie mich unter folgender Nummer: 347 0325027 (Sylvia Rottensteiner)

Nr. 05 | Oktober 2017 33


Informiert & Reflektiert

Ehrfurcht walten lassen

Ehrwürdiges Haus in Kaltenbrunn darf nicht abgerissen werden

und dem genannten Gebäude (auf Gemeindegebiet

Montan) besteht. Diese Zerrissenheit

hat leider eine Unterschutzstellung

als Ensemble verhindert.

Gebäude mit Modellcharakter

Dieses Haus ist Teil des historischen Ortskerns.

Im Ortskern von Kaltenbrunn, an der Fleimstalerstraße,

steht ein ehrwürdiges Haus, das

abgerissen werden soll. Der Heimatpflegeverband

hat sich gegen diesen Abriss ausgesprochen,

doch scheint das Vorhaben von

der Gemeindeverwaltung bereits genehmigt

zu sein und harrt nur seiner Umsetzung.

Das Haus wurde in der zweiten Hälfte

des 19. Jahrhunderts erbaut, in Zeiten

der touristischen Erschließung der Dolomiten

und war die Dependance des Brauerei-

und Hotelbetriebes Kaltenbrunn. Im

Erdgeschoss befand sich die Mühle des

Brauereibetriebes. Dieses Haus ist Teil des

historischen Ortskerns von Kaltenbrunn,

der aus dem Gastbetrieb Kaltenbrunn und

dem alten Forsthaus (auf Gemeindegebiet

Truden), dem alten Mauthaus der Straße

Nun soll dieses Haus auf Gemeindegebiet

Montan (BP 164/1) abgebrochen werden.

Dies erscheint unverständlich, ist es

doch ein Zeugnis der Pionierzeit des Tourismus.

Hinzu kommt noch, dass das Gebäude

ausgesprochen ortsbildprägend ist

und bei einem Abbruch den Viererbund

der Häuser aufreißen und zu einer unästhetischen

Leere führen würde.

Nachdem erst unlängst die Gemeinde

Glurns vor Augen geführt hat, dass man

sowohl alte, als auch stark herabgekommene

Bausubstanz qualitätsvoll sanieren

und man mit finanzieller Unterstützung des

Landes sogar erschwingliche Mietpreise erzielen

kann, ersuchte der Heimatpfl egeverband

Südtirol, dieses Vorhaben nochmals

zu überdenken und das Gebäude

vor dem unwiederbringlichen Abbruch

zu bewahren. Die Nähe des Hauses zur

vielbefahrenen Straße mag zwar auf den

ersten Blick für ein Wohnhaus unattraktiv

erscheinen, jedoch zeigen uns viele Beispiele,

dass man mit den heutigen technischen

Mitteln und Möglichkeiten auch

dieses Problem leicht in den Griff bekommen

kann.

Identität wahren

Aus der Luftperspektive

Im Siedlungsgebiet des Gemeindehauptortes

dominiert das geschlossene Haufendorf;

die umliegenden Kulturfl ächen sind

nahezu unverbaut.

Es gilt, hierbei zu bedenken, dass mit

jedem historischen Haus, das dem Erdboden

gleichgemacht wird, ein Stück

Identität und Geschichte des Landes unwiederbringlich

verloren geht. Der Heimatpfl

egeverband sei gerne bereit, über

Alternativen nachzudenken und nach einer

Lösung zu suchen.

Josef Oberhofer

34

KulturFenster


Heimatpflege

Alte Bausubstanz wertvoll

und zukunftsfähig

Qualitätsvolles Bauen in einem kulturlandschaftlichen Kontext fördern

Speckerhof

Feldererhof

Rainhof (Bilder: Kamilla Photography Thomas Reier)

In unserem Land wird nach wie vor viel gebaut.

Dabei verschwinden oft wertvolle Bauten

und plötzlich steht an der Stelle eines

jahrhundertealten Hofes oder Hauses ein

Neubau, aber leider viel zu selten in guter

architektonischer Qualität. Ein Verlust für die

Kulturlandschaft ist das im doppelten Sinn:

Einmal, weil wertvolle Bausubstanz unwiederbringlich

verloren ist, und zum anderen,

weil der Ersatzbau zu oft nicht den Kriterien

qualitätsvollen Bauens entspricht und

der architektonisch-landschaftliche Kontext

nicht berücksichtigt wird.

Viele Gemeinden besitzen kulturell wertvolle

Landschaftselemente und Bausubstanz,

auch solche, welche aber nicht unter

Denkmal- oder Landschaftsschutz stehen.

Der Heimatpflegeverband setzt sich deshalb

für deren Erhaltung, aber auch für den Ensembleschutz

ein, dessen Hauptanliegen

es ist, Eigenart und Identität eines Ortes

zu erhalten. Die Gemeinden sollten diese

baulichen, landschaftlichen und kulturellen

Schätze ihres Ortes besonders wahrnehmen

und schützen.

Wichtigkeit von Ensembleund

Denkmalschutz

Die Gemeinde Gsies hat sich auch schon

seit einigen Jahren mit diesem Thema beschäftigt

und es gibt bereits Vorschläge für

die Ausweisung von Ensembles. Allerdings

fehlt immer noch die politische Umsetzung

durch einen Gemeinderatsbeschluss. Daher

wäre es dringend an der Zeit, diese in

Angriff zu nehmen, denn der Verlust von

Kultur- und Naturlandschaft schreitet aufgrund

gedankenloser und profitorientierter

Handlungsweisen unaufhaltsam voran.

Auch der unter Denkmalschutz stehenden

Bausubstanz kommt nicht immer

die Aufmerksamkeit zu, die sie verdiente.

Neben vielen gut erhaltenen denkmalgeschützten

Gebäuden man erkennt daran

auch die Identifizierung seines Besitzers

mit seinem besonderen Baujuwel gibt

es auch solche, die dem Verfall preisgegeben

sind, obwohl der Besitzer per Gesetz

verpflichtet ist, für seine Instandhaltung

zu sorgen. Als Beispiel aus Gsies sei

der „Obergschwendt“ (Alt-Hintner) in Pichl

genannt, der dringend einer „Notfall“-

Intervention bedürfte.

Sich um finanzielle Unterstützung

für Ensembles bemühen

Freilich bedarf es auch von Seiten der

öffentlichen Hand eine finanzielle Anerkennung

des Bemühens eines Bauherrn, sein

denkmal- oder ensemblegeschütztes Gebäude

zu erhalten. Während dies für die

denkmalgeschützten Gebäude vorgesehen

ist, muss dies unbedingt auch für die Ensembles

im neuen Raumordnungsgesetz

festgeschrieben werden.

Reiches historisches Erbe in Gsies

Bezüglich Baukultur weist Gsies ein reiches

historisches Erbe auf; mit seinen Bauernhäusern

in Holz-Blockbauweise prägte

es Jahrhunderte lang dieses einmalige Tal.

Leider sind in den letzten Jahren ziemlich

einige dieser bauhistorisch wertvollen Gebäude

abgerissen worden.

Umso erfreulicher ist es, wenn öffentliche

und private Bauherren sich ihrer

Verantwortung für das bauliche historische

Erbe und für das Landschaftsbild

bewusst sind. In Gsies gibt es letzthin einige

gute Beispiele von rücksichtsvollen,

gelungenen Restaurierungen historischer

Bausubstanz:

Der denkmalgeschützte „Rainhof“ in St.

Magdalena aus dem 16. Jh. ist das jüngste

Beispiel: Hier wird der Beweis angetreten,

dass sich altes Gemäuer behutsam restauriert

neuen Wohnerfordernissen sehr

gut anpassen lässt und gegenüber einem

Neubau sicherlich einen Mehrwert an Flair

und Authentizität aufweist. Er möge auch

für anderer Bauherren Motivation sein,

diesen Weg zu beschreiten.

Historische Bausubstanz zu pflegen, zu

sanieren und zu revitalisieren muss endlich

ein Grundanliegen der Politik werden,

weil sie die Ortsbilder und die Kulturlandschaft

prägt. Gerade in einem Tourismusland

wie Südtirol ist der Erhalt des kulturellen

und baulichen Charakters eines Ortes

von großer Wichtigkeit. Dieser stellt einen

großen Identifikations- und Wertschöpfungsfaktor

dar, dem man vermehrt Aufmerksamkeit

schenken muss.

Claudia Plaikner, Obfrau des

Heimatpflegeverbandes Südtirol

Nr. 05 | Oktober 2017 35


Informiert & Reflektiert

Heimatpflegeverband aktiv

Derzeit kämpft der Heimatpflegeverband an verschiedenen „Fronten“

Im Zentrum der Tätigkeit stehen immer dieselben

Forderungen und Ziele; es geht um

Erhaltung, um Nachhaltigkeit, um zeitgemäße

und zeitgleich kulturlandschaftlich

sinnvolle Nutzung, es geht um effiziente

Nutzung und es geht um den Einklang und

die Harmonie mit der Natur und der gewachsenen

Kultur. Doch nicht immer werden

die einzelnen Schlachten gewonnen;

auch Niederlagen werden eingesteckt, bedauert,

dann aber folgt die Rüstung für einen

nächsten Versuch. Derzeit liegen dem

Heimatpflegeverband Südtirol folgende Aktionen

am Herzen:

Ganila Säge

In Zusammenarbeit mit dem Dachverband

für Natur- und Umweltschutz hat der

Heimatpflegeverband sich gegen die Genehmigung

der Abänderung des Bauleitplanes

der Gemeinde Sexten zwecks Erweiterung

der Gewerbezone „Ganila Säge“

in der Örtlichkeit Moos ausgesprochen. Allerdings

soll die Gemeindeverwaltung den

Beschluss laut neuesten Informa tionen

trotz einiger Einwände und Problematiken

bereits gefasst haben. „Mit der Änderung

beabsichtigt die Gemeinde die

bestehende Gewerbezone aufgrund der

Nachfrage eines dort ansässigen Unternehmens

zu erweitern.“ (Beschluss der

Gemeinde Sexten)

Gaulschlucht

Die Gutachten bezüglich der Gaulschlucht

für die Ausweisung als Natura-

2000-Gebiet sind positiv ausgefallen und

wurden bereits an die Landesregierung weitergeleitet.

Auch die Gemeindeverwaltung

wurde seitens des Heimatpflegeverbandes

instruiert, sich der Erhaltung eines der letzten

Naturjuwels in unserem Lande nicht zu

verschließen. Die Gemeinde befürchte nämlich

eine starke Einschränkung und meine,

der derzeitige Schutz sei vollkommen ausreichend,

um den Tier- und Artenschutz zu

gewährleisten. Die positiven Gutachten lassen

darauf hoffen, dass der Gaulschlucht

künftig ein langandauernder und allumfassender

Schutz angedeihen wird.

Bannzone Glurns

Der Heimatpflegeverband Südtirol ist entrüstet

darüber, dass die Landesregierung mit

Beschluss Nr. 914 vom 29.08.2017 die Aufsichtsbeschwerde

der Grundeigentümerin

gegen die Maßnahme des Amtes für Bauund

Kunstdenkmäler vom 04.05.2017 angenommen

hat und damit die Bannzone,

die die Landesregierung selbst im Jahr 2014

ausgewiesen hat, ad absurdum führt, weil

jetzt eine Apfelplantage mit hoher Gerüstkonstruktion

die Sicht auf die historische

Stadtmauer ein Wahrzeichen des mittelalterlichen

Städtchens stören darf.

Es ist auch widersprüchlich, dass auf der

einen Seite die Sanierung und Revitalisierung

alter Bausubstanz in Glurns vom Land

gefördert wird, andererseits die Sicht auf

dieses einmalige Gesamtensemble durch

diesen Landesregierungsbeschluss beeinträchtigt

werden darf.

Der von der Landesregierung einstimmig

gefasste Beschluss selbst der zuständige

Landesrat für Denkmalpflege hat sich

nicht für die Berücksichtigung der Bannzone

stark gemacht weist keine Art von

Kohärenz auf: Man bringt nicht den Mut

und Willen auf, getroffene Maßnahmen zum

Schutz unserer Kulturlandschaft auch konsequent

zu verteidigen. Das ist schade und

ärgerlich zugleich!

Aus den Verbandsunterlagen

Die Gaulschlucht mit ihrer hohen Biodiversität und insbesondere aufgrund ihrer Bedeutung für die dort vorkommenden

Fledermäuse, die der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU unterliegen, muss zu einem Natura 2000-Gebiet erhoben werden.

36

KulturFenster


Aus Verband und Bezirken

Heimatpflege

Auf geschichtlichen Spuren

Kulturfahrt ins Hochpustertal

Zu einer interessanten Kulturfahrt ins Hochpustertal

hat im Sommer der Heimatschutzverein

Lana unter der Leitung von Ilse Prugger

geladen.

Vielseitig und ideenreich

Zunächst wurde das Bergdorf Taisten am

Eingang ins Gsiesertal mit seinen bedeutendsten

Kunststätten besucht. Der Ortspfarrer

führte durch die prachtvolle Pfarrkirche

(erstmals erwähnt 1282), die den

Brixnern Diözesanheiligen Ingenuin und

Albuin geweiht ist. Darüber hinaus stellt

sie einen Höhepunkt der Südtiroler Rokokomalerei

dar. Anschließend besichtigte die

Gruppe das älteste Gotteshaus der Urpfarre

Taisten, die St. Georgs-Kirche, eine Kirche

zwischen Romanik und Gotik und von sehr

intensiver Ausstrahlung. Der untere Teil ist

im romanischen Stil gebaut, während der

obere Teil auf das Jahr 1498 zurückreicht

und ein gotisches Netzrippengewölbe trägt;

innen sind die sehr wertvollen und gut erhaltenen

Fresken zu bestaunten. Ein Abstecher

zum Dorfeingang führte zu einem

der schönsten Bildstöcke im ganzen Land.

Die vier Nischen bergen einen Bilderzyklus,

der die Muttergottes mit Christkind, Katharina

und Margareth, eine Ölbergszene,

Wolfgang und Martin, eine Kreuztragung,

Andreas und Leonhard, eine Kreuzigungsgruppe

und die Kirchenpatrone von Taisten,

Ingenuin und Albuin, einschließen (Brunecker

Malerschule um 1460). Beim alten

Kahnwirt in St. Martin Gsies ließen sich die

Ausflügler mittags mit typischen Spezialitäten

kulinarisch verwöhnen.

Das hier abgelichtete Gruppenfoto entstand vor der Pfarrkirche in Taisten

Burganlage, sondern auch die älteste des

Hochpustertals; mit Sicherheit eine ungewöhnliche

und sehr selten anzutreffende

Burganlage, eine sogenannte „Kernburg“.

Zu den ältesten Teilen der Burg zählt der

34 Meter hohe, sehr schlanke Bergfried,

der bereits im Jahr 1126 erbaut wurde.

Den Auftrag zum Bau des Schlosses gaben

die Brüder Schwikher und Otto von

Welsberg, aus einer bedeutenden adeligen

Familie Tirols stammend. Durch geschickte

Handels- und Verwaltungstätigkeiten vergrößerten

sie ihr Vermögen und auch ihre

Bedeutung. So kam es, dass 1359 Georg

von Welsberg die gegenüberliegende

Burg Thurn bei Taisten kaufte. Zwischen

dem 15. und 16. Jahrhundert wurde das

Schloss Welsberg erheblich erweitert und

auch umgebaut. Im Jahr 1765 kam es jedoch

zu einem Brand, der einen Großteil

der Anlage zerstörte, darunter auch den

Palas und das Wirtschaftsgebäude. Die

Gruppe besichtigte mit der Kuratorin die

neue Johanniskapelle, den Burgzwinger,

die Vorratskammern, die Burgküche, die

in Holz getäfelte große Pflegerstube, den

Rittersaal, die Grafenstube, die Räucherkammer

und die alte romanische Kapelle.

Heute wird das Schloss von einem Kuratorium

verwaltet, das u.a. umfangreiche

Renovierungsarbeiten durchführte.

Albert Innerhofer

Schloss Welsberg ein aufschlussreicher

Besuch

Am Nachmittag stand die Besichtigung

des Schlosses Welsberg auf dem Programm.

Schon immer wachte dieses Schloss über

dem Eingang des Gsieser Tales, 1126 erstmals

urkundlich erwähnt und beinahe 800

Jahre lang bis 1907 Stamm- und Verwaltungsburg

der Herren von Welsberg. Schoss

Welsberg ist nicht nur eine ungewöhnliche

Bei fachkundiger Diskussion…

Nr. 05 | Oktober 2017 37


Aus Verband und Bezirken

Entlang der Sprachgrenze

Gesamttiroler Freundschaftstreffen am Nonsberg und in Ulten

Zum 15. Mal lud der Heimatpflegebezirk

Meran-Burggrafenamt mit Obmann Georg

Hörwarter am 22. Juli den Gesamttiroler

Freundeskreis für Heimatpflege und

für Tiroler Landeskunde zu einem Treffen

ein, das alljährlich in einem der drei

historischen Landesteile, Nord-/Osttirol,

Süd- oder Welschtirol, unter der Schirmherrschaft

von Alt-Landeshauptmann Wendelin

Weingartner stattfindet.

Dieser wertvolle Gedankenaustausch

und das bessere Kennenlernen der Heimat

in den Bezirken und Unterbezirken

zieht von Jahr zu Jahr mehr Kulturschaffende,

Altbürgermeister, Lokalpolitker und

weitere Kulturträger aus Süd-und Nordtitirol

an; aus Welschtirol/Trentino waren sogar

Vertreter aus dem Fleimstal und aus

dem Fersental unter Führung des aus

dem Ultental stammenden Amtsdirektors

der Region Trentino-Südtirol für sprachliche

Minderheiten, Sieghard Gamper, erschienen.

Die rund 40 Personen erwartete

ein interessantes Programm in zwei

landschaftlich interessanten Berggebieten,

dem Deutschnonsberg und Ulten,

die seit einiger Zeit dmit einer für beide

Täler bedeutenden Straße über das Hofmahdjoch

miteinander verbunden sind.

Erste Station: Nonsberg

Gruppenfoto vor der Kirche Unsere Liebe Frau im Walde

Von den Reisebegleitern erhielten die

Teilnehmer auf der Fahrt und von den

Bürgermeistern in den jeweiligen Gemeinden

wichtige und aktuelle Informationen

über Wirtschaft, Kultur oder Schule

in diesen strukturschwachen Gebieten.

Dort hat sich die tüchtige Bevölkerung

durch Fleiß und Aufgeschlossenheit für

wirtschaftliche Neuerungen eine auch

heute noch lebenswerte Bergheimat erhalten.

Die Fahrt führte über den Gampenpass

vorerst zum bekannten und beliebten

Wallfahrtsort Unsere Liebe Frau im

Walde. In der Wallfahrtskirche sprach Georg

Hörwarter über die besonders prachtvoll

ausgestattete Pilgerkirche am früher

so wichtigen Passübergang ins Trentino/

Welschtirol. Im nächsten Kirchdorf St. Felix,

dem Gemeindesitz dieser Doppelgemeinde

Unsere Liebe Frau Im Walde/St.

Felix, gab der Vizebürgermeister, Romedius

Kofler, Auskunft über die strukturschwachen

Dörfer und Gemeinden am

Nonsberg an der deutschen Sprachgrenze.

Zweite Station: Ultental

Flott ging die Weiterfahrt über Fondo

Castelfondo über das Britschner-(Brezer)

Jöchl und durch die weiteren beiden

Deutschnonsberger Gemeinden Laurein

und Proveis und durchs Marauntal in das

Ultner Haupttal. Bei der Durchfahrt durch

die Dörfer St. Pankraz, St. Wallburg, St. Nikolaus

und St. Gertraud konnten die Teilnehmer

neben der Landschaft auch die

einmalig schönen und vorbildlich revitalisierten

Höfe und Hofgruppen bis hoch

oben auf beiden Talflanken bewundern.

Zwei kleinere Zubringerbusse brachten

die Kulturinteressierten zum Mittagessen

auf die Fiecht-Alm. Unter den Fahrtteilnehmern

waren zwei Alphornbläser aus

Naturns, die für die „Tafelmusik“ sorgten.

Am Nachmittag stand noch die Besichtigung

des reich bestückten Talmuseums

in St. Nikolaus auf dem Programm. Anny

Schwienbacher-Oberthaler, die Witwe von

Gottfried Oberthaler, dem Begründer dieses

sehenswerten Museums, führte gekonnt

durch die Räume mit den liebevoll

gesammelten alten Gegenständen des

Alltaggebrauchs und der religiösen Verehrung

und Volkskunst.

Wirtschaftlich wichtiges Ulten

Auf der Weiterfahrt durch das Ultental

berichtete der Altbürgermeister von Lana

und Heimatkundler Christoph Gufler über

die Geschichte und Gegenwart des interessanten

Tales und die heutige Struktur

und Erwerbstätigkeit der Gemeinden Ulten

und St. Pankraz. Dabei konnte er vor

allem auf die wichtige Energiewirtschaft

hinweisen, da Ulten durch die zahlreich

gestauten Gewässer 10 Prozent des Südtiroler

und 1 Prozent des gesamtitalienisch

erzeugten Stromes produziert. Beim äußersten

Gehöft von St. Pankraz, dem Weinhof

Außerhof, wurde zum Abschied ein

letztes Mal Halt gemacht und allen Teilnehmern,

besonders jenen, deren Informationen

die Schar bereichert haben, ein

aufrichtiger Dank ausgesprochen.

Martha Innerhofer

38

KulturFenster


Rundschau

Heimatpflege

Applaus für 15. Benefiz-

Heimatabend in Lana

Im Zeichen der Solidarität und Nächstenliebe

Ein volksmusikalisches Stelldichein mit Ehrengästen auf der Bühne im Raiffeisenhaus von Lana im Zeichen der „Stillen Hilfe im

Dorf“ (Foto: Kofler, Lana)

Es war ein kleines Jubiläum, der traditionelle

Benefiz-Heimatabend, der kürzlich im vollbesetzen

Saal im Raiffeisenhaus von Lana

über die Bühne ging. Mit einer Gedenkminute

wurde Luis Santer Stadler gedacht,

welcher diese gemeinnützige Veranstaltung

ins Leben gerufen hat und nunmehr von

Maria Sulzer gemeinsam mit Rosa Pfattner

und Waltraud Innerhofer weitergeführt wird.

Auch heuer wieder haben sich Musikanten,

Sänger und Tänzer in den Dienst

dieser guten Sache gestellt. Dies für die

„Stille Hilfe im Dorf“, die es sich zur Aufgabe

gemacht hat, notleidende Menschen

schnell und unbürokratisch zu unterstützen.

Es wirkten mit die Krebsbocher

Tanzlmusig, Singgruppe Madlain, Trio-

LAN, Zweigesang Maria Sulzer und Helmuth

Gruber, Mundartdichterin Anna

Lanthaler, das Doppelquartett des MGV

Lana unter der Leitung von Julia Perkmann,

Volkstanzgruppe Lana und Sprecher

Alfred Sagmeister. Unter den Gästen

weilten Vizebürgermeister Horst Margesin

und die Gemeindereferenten Helga Hillebrand

Malleier, Helmuth Holzner und Valentina

Andreis.

Zur Erfrischung kredenzte Sepp Pircher

Hofmann köstlichen Apfelsaft. Abschließend

dankte Rosa Pfattner allen

Mitwirkenden und Sponsore, sowie dem

zahlreich gekommenen Publikum für ihr

Dabeisein.

Pfarrchor Lana: Radiomesse auf Rai Südtirol

Mit der Unterstützung der Chorleiterin

Ingrid Rieder und des Obmannes Reinhard

Ladurner gestalteten Sängerinnen

und Sänger des Pfarrchores Lana kürzlich

den Sonntags-Gottesdienst im Hörfunk

auf Rai Südtirol.

Die Radiomesse wurde live aus der Benedikt-Kapelle

von Muri Gries übertragen.

Zelebrant war Michael Mitterhofer;

die Predigt hielt Dom-Dekan Ulrich Fistill;

als Kantorin fungierte Eva Torggler.

Die Lieder aus dem „Gotteslob“ begleitete

Monika Brugger an der Orgel.

Der Pfarrchor Lana in der Benedikt Kapelle von Muri Gries

Nr. 05 | Oktober 2017 39


Arge Lebendige Tracht

„Ciüf da zacan“ für

den Hochzeitslader

Im Gadertal ist es immer noch ein gern gesehener

Brauch, dass Hochzeitslader mit

einem ganz besonderen Blumenschmuck

auf dem Hut die Gäste zum großen Fest

einladen. Ottilia Dapunt Pedevilla, Jahrgang

1935, hat eben erst wieder fünf neue

Hüte für diesen Brauch kunstvoll verziert.

Eine Meisterin der

„schönen Arbeiten“

Eine wahre Meisterin beim Anfertigen

von Klosterarbeiten, wie man diese Kunst

auch nennt, war Regina Ellecosta „dl Stifler“

aus Enneberg Pfarre. Jahrzehntelang

versorgte sie das ganze Tal mit ihren kunstvollen

Blumengebinden. In ihren letzten

Lebensjahren im Altersheim von St. Martin

in Thurn gab sie ihr Wissen an Ottilia

Dapunt weiter, die seitdem mit viel Liebe,

Geduld und Fleiß das alte Kunsthandwerk

weiterführt. Seit über 15 Jahren fertigt sie

in zeitaufwendiger Handarbeit kleine und

Ottilia Dapunt aus St. Martin in Thurn

große Blüten und Blätter an, die sie dann

zu kunstvollen Blumengebinden zusammensetzt.

Über 50 verschiedene Blüten

kann sie machen, und es kommen immer

noch neue Kreationen dazu.

Klosterarbeiten statt frischer

Blumen

Seit dem 15. Jahrhundert sind Klosterarbeiten

Teil des religiösen Brauchtums.

Diese in Klöstern angefertigten „schönen

Arbeiten“ erreichten dank der stark ausgeprägten

Volksfrömmigkeit im 17. und

18. Jahrhundert ihre höchste Blüte. So genannte

„Maibuschn“ aus Flitter und Papier

wurden gerne − anstelle von frischen

Blumen − als Altarschmuck verwendet.

Auch in der Tracht fanden Klosterarbeiten

Eingang als prachtvolles Schmuckwerk,

denken wir nur zum Beispiel an die Gherlanda

spiza bei der Grödner Mädchentracht,

an die Krone der Jungfrauentracht

im Schlerngebiet oder eben an die kunstvoll

geschmückten Trachtenhüte der Gadertaler

oder Lüsner.

Filigrane Handarbeit

Heute werden Metallfolien in verschiedensten

Farben verwendet, dazu feine

Gold- und Silberspiralen, Perlen, Glassteine,

Pailletten, kleine Spiegel, Knöpfe,

Schneckenhäuschen für die Blütenstempel.

Blüten- und Blattformen werden mit

Kartonschablonen vorgezeichnet, ausgeschnitten

und mit einfachen Werkzeugen

gebogen und graviert. Jede Blüte ist ein

kleines Kunstwerk für sich. Wochenlang

wird an einer Girlande gearbeitet.

Stolz auf ihren Hutschmuck

Auf dem schwarzen Gupfhut wird hinten

in der Mitte zunächst ein stehender

Blumenstrauß befestigt, der oben mit zwei

grünen Blättern enden muss. Aus ihnen

wachsen sozusagen die weißen Hahnenfedern

heraus, zwei auf jeder Seite, und

ein weißer flauschiger Adlerflaum dazu.

Links und rechts davon laufen liegende

Girlanden nach vorne hin zart aus.

Die Gadertaler Hochzeitslader sind stolz

auf ihren Hutschmuck und hoffen, dass

dieser Ausdruck alter Volkskunst niemals

aussterben möge.

Agnes Andergassen

Je bunter, desto schöner!

Kunstvoll geschmückter Hut der

Hochzeitslader

Ottilia Dapunt Pedevilla

bei der Arbeit

Einfache

Kartonschablonen

40

KulturFenster


Arge Volkstanz

Heimatpflege

Jahrhundertealter Bindertanz

in Bozen aufgeführt

Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Südtiroler Volksmusikkreis und Verkehrsamt

Im Rahmen der Lorenzinacht wurde in diesem

Jahr der traditionelle Bozner Bindertanz

am Waltherplatz in Bozen gezeigt. Es verdient

besondere Aufmerksamkeit, denn der

Bozner Bindertanz wird nur sehr selten und

zu speziellen Anlässen aufgeführt.

Dem eigentlichen Tanz ging um 18.30

Uhr ein Umzug voraus, der von der Bindergasse

über den Rathausplatz und dem

Kornplatz zum Waltherplatz führte. Leider

musste dieser wegen des starken Regens

unterbrochen werden.

Glaslschwinger und Schalknarren

Der Bindertanz auf dem Bozner Waltherplatz

Pünktlich um 19.00 Uhr, nachdem auch

der Wettergott ein Einsehen hatte, begeisterten

32 Tänzer aus allen Landesteilen,

vier Glaslschwinger und der Schalknarr

in den alten charakteristischen Kostümen

das Publikum für diesen Reif- und Figurentanz.

Begleitet wurden die Tänzer von

fünf Schweglern, zwei Geigen und einem

Trommler unter der Leitung von Gernot

Niederfriniger.

Handwerk trifft Theater

Dieser Tanz, der überall dort gepflogen

wurde, wo das Handwerk der Fassbinder

verbreitet war so auch in Bozen mit seiner

Weinkultur hat sich vom schlichten

Handwerkstanz zum schauspielartig gestalteten

Brauchtum entwickelt. Die Bozner

Aufführungen fanden 1769, 1790 und

1822 sogar vor gekrönten Häuptern statt.

Nach 126jähriger Unterbrechung wurde

der Bindertanz anlässlich der Bozner Messe

1948 erstmals wieder in Bozen aufgeführt.

Im Jahre 1992 wurden die Kostüme für

den Bindertanz wieder aus dem Keller geholt.

Anlässlich der 70. Bozner Weinkost

und des 100-Jahr-Jubiläums der Guntschnapromenade

gab es gleich zwei Aufführungen

dieser interessanten Großform.

Die letzte Aufführung gab es bei der

75. Bozner Weinkost im Jahre 1997, also

genau vor 20 Jahren. Wer weiß, wie viele

Jahre nun diesmal ins Land ziehen, bis der

Bindertanz in all seiner Pracht wieder präsentiert

wird?

Der Schalknarr inmitten der Tänzer.

Hereinspaziert

• 52. Landes-Kathrein-Tanzfest am Samstag, 18. November 2017, im großen Saal des Meraner Kurhauses. Einlass

ab 19.00 Uhr, Auftanz um 20.00 Uhr. Zum Tanz spielt die „Sautner Tanzlmusig“, die Pausengestaltung übernimmt

die Jugendvolkstanzgruppe Pfalzen. Tracht oder festliche Kleidung erwünscht.

Tischreservierungen und weitere Informationen im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/970555

oder info@arge-volkstanz.org

• Volkstanz-Winterlehrgang von Dienstag, 26. Dezember 2017, bis Montag, 1. Januar 2018, im Haus der Familie/

Lichtenstern am Ritten. Tanzen, Musizieren und Singen mit fachkundigen Referenten. Weitere Infos im Büro der

Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/970555 oder info@arge-volkstanz.org

Nr. 05 | Oktober 2017 41


• Büchertisch •

Markus Ender/Ingrid Fürhapter/Iris Kathan/Ulrich Leitner/Barbara Siller (Hg.)

Landschaftslektüren

Lesarten des Raums von Tirol bis in die Po-Ebene

„Der Mensch bearbeitet,

bezeichnet und beschreibt

das Land. Er begeht und erkundet

es, nimmt es wahr,

spürt, ertastet und bebaut

es. Er verbindet das Land

mit Gerüchen, Klängen,

Geräuschen, Namen, Erinnerungen,

Bildern, Erzählungen

und Identitäten.

Mit all seinen Sinnen imaginiert,

konstruiert, rekonstruiert

und dekonstruiert

er es. Landschaften lassen

sich insofern wie ein Buch

lesen, das offenlegt, was in

einem bestimmten Gebiet

erzählt und erinnert werden

darf und was gehört

werden will und auch

das, was nicht.“ (S. 11)

Der vorliegende Band

vereint eine Reihe von

Lektüren wissenschaftlicher,

literarischer und

künstlerischer Ausrichtung

zum Thema Landschaft

und zeigt in diesem

Sinne Interpretationsoder

Bedeutungsvarianten

im Hinblick auf die Kulturlandschaft

von Tirol bis in die Po-Ebene auf.

Je nach Perspektive oder auch je nach

Ansatz wird mit Lesart mehr eine konventionelle

Bedeutung oder aber eine

subjektive Deutung der Landschaft angesprochen.

Die im Buch zusammengefassten

Darstellungen nehmen Bezug

auf die menschlichen Wahrnehmungsweisen,

Handlungen und Praktiken im

Raum. Perspektivenvielfalt scheint hier

willkommen, gibt sie doch Auskunft über

das kollektive Gedächtnis der BewohnerInnen

und die damit einhergehenden

Erinnerungskulturen.

„Von Tirol bis in die Po-Ebene durchqueren

wir Landschaften, die einmal eng

miteinander verbunden waren, Verbindungen,

die auch heute noch wahrnehmbar

sind. Das vorliegende Buch spricht

äußere und innere Landschaften dieses

Raumes gleichermaßen an, verweist auf

deren vielfältige Facetten und komplexe

Verknüpfungen. […] Wir gehen durch historische,

erzählte und erzählende Landschaften,

schuldig gewordene, identitätsstiftende,

konstruierte und transformierte

Landschaften, durch Kindheitslandschaften,

Wörterlandschaften, Grenzlandschaften

und transitäre Landschaften.“ (S. 12)

Kulturwissenschaftliche

Beiträge von

Christina Antenhofer,

Gerhild Fuchs, Markus

Ender, Ingrid Fürhapter,

Hans Heiss, Iris Kathan,

Carla Leidlmair-Festi,

Ulrich Leitner, Andreas

Oberhofer (alle Innsbruck),

Susanne Rau

(Erfurt), Barbara Siller

(Cork), Stefano Zangrando

(Rovereto).

Künstlerische Beiträge

von

Stefan Alber (Berlin),

Katharina Cibulka (Innsbruck),

Claudia Fritz

(Innsbruck), Arno Gisinger

(Paris), Elka Krajewska

(New York), Albert

Mayr (Florenz),

Milena Meller (Innsbruck),

Gregor Neuerer

(Wien-Salzburg-

New York), Christine S.

Prantauer (Innsbruck),

Benjamin Zanon (Innsbruck).

Literarische Beiträge von

C. W. Bauer (Innsbruck), Rut Bernardi

(Klausen), Alois Hotschnig (Innsbruck),

Kurt Lanthaler (Berlin-Zürich). Waltraud

Mittich (Bruneck), Anna Rottensteiner

(Innsbruck), Sepp Mall (Meran) u.a.m.

Markus Ender/Ingrid Fürhapter/Iris Kathan/Ulrich

Leitner/Barbara Siller (Hg.):

Landschaftslektüren. Lesarten des Raums

von Tirol bis in die Po-Ebene. 560 Seiten;

Hardcover; durchgehend vierfarbig

bebildert; ISBN 978-3-8376-3553-9;

transcript Verlag Bielefeld; 34,99 Euro.

42

KulturFenster


Vorweg

Chorwesen

O Fortuna velut luna

Am 17. und 19. November: Die Carmina Burana in Schlanders und Meran

Der Bezirkschor bei den Proben zu den Carmina Burana

„O Fortuna velut luna statu variabilis semper

crescis aut decrescis...“ heißt es in

den berühmten Carmina Burana von Carl

Orff: Wie der Mond ist das Glück veränderlich,

nimmt ab und nimmt zu...

Zum 700-Jahr-Jubliäum der Stadt Meran

hat sich der Bezirk Burggrafenamt-Vinschgau

im Südtiroler Chorverband etwas

ganz Besonderes vorgenommen: die Aufführung

dieses berühmten Chorwerks mit

Sängern und Sängerinnen aus dem Bezirk

am 17. und 19. November in Meran und

Schlanders. Die Idee hatte Bezirkschorleiter

Josef Sagmeister, dem auch bewusst

ist, dass es sich um ein anspruchsvolles

Werk handelt: „Wir dachten uns, ein weltliches

Werk passt gut zum Stadtjubiläum.

Außerdem sind es sehr schöne Melodien

und Texte, die auch heute noch aktuell sind,

geht es doch um das Rad der Fortuna, des

Schicksals, das die einen hinaufträgt, die

anderen sinken lässt. Das ist auch heute

noch so.“ Die Carmina Burana sind eines

der meistaufgeführten Chorwerke überhaupt

und gehören zu den bedeutendsten

Chorwerken des 20. Jahrhundert. „Ein

Werk, das meiner Meinung nach jeder engagierte

Chorsänger einmal im Leben gesungen

haben soll“, sagt Josef Sagmeister.

Der Komponist Carl Orff

Komponiert hat sie der Münchner Carl

Orff (1895-1982), der Klavier, Orgel und

Cello spielte und im Alter von fünf Jahren

bereits seine erste Komposition vorlegte.

Er war auch Kirchenchorsänger und

wusste deshalb, „wie man für einen Chor

schreibt“, betont Sagmeister. 1924 gründete

Orff die Orff-Schule mit freier Gymnastik,

Tanz, Rhythmischer Erziehung.

Orff war einer der ersten Musikpädagogen

und schrieb eigene Stücke für Kinder, das

„Orff-Schulwerk“.

Kinder sollten durch musikalische Erziehung

zu sich selber finden und ihre Persönlichkeit

stärken. „In diesem Punkt war

Orff sicher ein Vorreiter späterer Entwicklungen!“,

betont Sagmeister. Orff schrieb

14 Bühnenwerke, Opern, Märchen, Theatermusik,

Kantaten.

Die Carmina Burana nennt er eine „szenische

Kantate“ mit vielen rhythmischen

Elementen, viel Schlagzeug das waren

seine Lieblingsinstrumente in der Schule,

die sogenannten „Orff-Instrumente“. Die

Carmina Burana sind Orff bekanntestes

Werk sie dienten etwa in über 70 Filmen

als Filmmusik.

Carl Orff, Komponist der Carmina

Burana

Nr. 05 | Oktober 2017 43


Vorweg

Carmina Burana: Liebe, Feiern,

Gesellschaftskritik

Die Texte, die Orff vertonte, stammen aus

einer Handschrift aus dem 11. bis 12. Jahrhundert

aus dem Kloster Benediktbeuren

in Südbayern und sind zum Großteil auf Latein

verfasst. Die 254 Lieder und Dramentexte

gehören zu den wichtigsten Sammlungen

mittelalterlicher weltlicher Texte

und wurden 1803 wiederentdeckt. Neben

den lateinischen Texten gibt es auch

mittelhochdeutsche und altfranzösische

Texte, Orff hat alle drei Sprachen in sein

Werk eingebaut.

Worum geht es eigentlich in den Carmina

Burana? Großes Thema ist wie gesagt

das Rad der Fortuna, die Ungerechtigkeit

der Welt, das Auf und Ab des Schicksals.

Melancholie wechselt sich so mit Lebensfreude,

vor allem Freude am „Feiern“ und

an der Erotik ab, so dass einige Texte sicher

als „anstößig“ empfunden wurden.

Interessant ist, dass die Carmina Burana

vielleicht in Kloster Neustift in Brixen entstanden

sind, kommt doch eine Tiroler

Sage mit Brixen vor, die man nur in Neustift

kannte. Neben den 131 Liebesliedern

gibt es noch 55 moralische und Spottgesänge,

40 Trink- und Spiellieder sowie zwei

längere geistliche Stücke.

Ein wichtiges Thema ist auch die Kritik

an kirchlichen und politischen Missständen,

so kommt ein „Evangelium nach der

Silbermark“ und eine Parodie über das Klosterleben

vor. Über den Buchstaben ist die

Melodie in der Neumenschrift notiert, das

heißt die Texte waren damals schon zum

Singen gedacht. Orff erfand allerdings die

Melodie ganz neu.

1937 wurden die von Orff vertonten 24

Lieder aus den Carmina Burana in Frankfurt

uraufgeführt. Eingeteilt ist Orffs Werk

in Frühlingslieder, „Fress- und Sauflieder“

und Liebeslieder. Eingerahmt wird alles vom

Motiv der „Fortuna Imperatrix Mundi“, von

der Göttin Fortuna, die das Schicksal der

Menschheit bestimmt. Orff verwendet in

seiner Komposition mittelalterliche Ele-

mente, einfache Tanzmelodien und Kirchentonarten

der Alten Musik.

„Bei unserer Aufführung werden wir versuchen,

einen aktuellen Bezug herzustellen“,

sagt der Bezirkschorleiter. Orff sah

für die Aufführung ein Riesenorchester

vor. „Wir werden eine reduzierte Version

mit Klavier und Schlagzeug machen.“ Am

16. September begann der Bezirkschor die

Proben, 12 Probentermine folgten. Neben

dem Bezirkschor wird auch der Kinderchor

der Musikschule Meran mitsingen, insgesamt

werden so ca. 120 Sänger und Sängerinnen

teilnehmen. Bezirkschorleiter Josef

Sagmeister freut sich schon: „Nach der ersten

Probe kann ich bestätigen, dass diese

Musik eine faszinierende und magische

Wirkung auf die ängerinnen und Sänger

und das Publikum hat. Die Sängerinnen

und Sänger sind mit großem Einsatz dabei

und ich freue mich jetzt schon auf die

nächsten Proben und die Aufführungen.“

Zweifellos wird die Aufführung ein musikalisches

Erlebnis für Teilnehmer und Zuhörer.

Wie Orff selbst nach der Vollendung der

Carmina Burana sagte: „Alles, was ich bisher

gemacht habe, können Sie einstampfen.

Mit den Carmina Burana beginnen

meine gesammelten Werke.“

Die Aufführungen finden statt am

17.11.2017 um 20 Uhr im Kulturhaus

Karl Schönherr in Schlanders und am

19.11. 2017 um 18 Uhr im Kursaal in

Meran.

Bezirkschorleiter Josef Sagmeister leitet die Proben und die Aufführung der Carmina

Burana.

Genauere Informationen und alle anderen Veranstaltungen

fi nden Sie auf unserer Homepage: www.scv.bz.it

44

KulturFenster


Das Thema

Chorwesen

Tag der Chöre in den Gärten von

Schloss Trauttmansdorff

Kulturerlebnis im Geist der Europaregion

Der Algunder Frauenchor unter der Leitung von Hans Schmidhammer

Den Geist der Europaregion Tirol spürte man

am Sonntag, 3. September, in den Gärten

von SchlossTrautmansdorff: Neun Chöre

aus Nord- und Südtirol und aus dem Trentino

sangen an verschiedenen Stationen

ihre Lieder.

Von der Südtiroler Chorlandschaft waren

alle drei Sprachgruppen vertreten. So

vertrat der Frauenchor Raieta aus Wengen

die ladinische Kultur und der Coro Castel

Flavon aus Bozen die italienische Kultur

in Südtirol. Außerdem nahmen auch der

Seniorenchor „Die Junggebliebenen“ aus

Bozen, der Frauenchor Algund, die Chorgemeinschaft

La Voce aus Matrei am Brenner,

der Kirchenchor Mühlwald, die Gospelcantorei

Meran, der Singkreis Welschnofen

und der Coro Maddalene di Revó aus dem

Trentino am Tag der Chöre teil, der seit

2004 vom Südtiroler Chorverband in Zusammenarbeit

mit den Gärten von Schloss

Trauttmansdorff veranstaltet wird und auch

heuer wieder auf großes Interesse bei Besuchern

und Musikinteressierten stieß. So

erklangen Volkslieder nicht nur in den drei

Landessprachen, etwa ein Lied aus einer

ladinischen Operette, ein Volkslied aus Dal-

matien, englische Gospels oder Heimatlieder,

in denen es hieß: „Mein Hoamat,

mein Landl des hon i gearn...“ Zwei traditionelle

Kulturen trafen aufeinander, wie

Der Kirchenchor Mühlwald unter der Leitung von Sigrun Falkensteiner

Nr. 05 | Oktober 2017 45


Das Thema

Der Coro Maddalene di Revo Trentino

Der Coro Castel Flavon

Der Singkreis Welschnofen

Die Chorgemeinschaft La Voce Matrei

es Hausherr Landesrat Arnold Schuler in

seinen Grußworten bei der Abschlussveranstaltung

am Seerosenteich formulierte:

„Die Gartenkultur Südtirols und die Liedkultur

unserer Heimat.“ Er freute sich über

das hohe Niveau des Gesangs und bedankte

sich bei den Chören für ihr Engagement.

Der Dank des Verbandsobmanns

des Südtiroler Chorverbands Erich Deltedesco,

der mit seiner Stellvertreterin Margareth

Greif die Veranstaltung besuchte,

galt ebenso in erster Linie den Sängern

und Sängerinnen: „Ihr habt mit eurem Gesang

diesen Tag zu einem Kulturerlebnis

für uns alle werden lassen!“ Singen schaffe

Begegnung und Freude, betonte der Obmann

und dankte auch den befreundeten

italienischen Chorverbänden für die gute

Zusammenarbeit sowie den Sängern und

Sängerinnen, die eigens aus Nordtirol angereist

waren. Der Tag der Chöre werde sicher

auch im nächsten Jahr stattfinden.

„Der Chorverband hat schon vor 50 Jahren

die Idee der Europaregion verfolgt und lebt

sie auch heute noch“, sagte der Obmann.

Mit dem gemeinsamen Lied „Viva la Musica“

endete der Tag der Chöre.

Die Gospelcantlorei Meran

Die Junggebiebenen

Der Frauenchor Raieta aus Wengen

Der Verbandsobmann des Südtiroler Chorverbands E. Deltedesco

46

KulturFenster


Chorwesen

Ladinisches Gemeinschaftsgefühl

8. Tag des Ladinischen Liedes in Wolkenstein

Ladinische Chöre von der Schweiz bis Friaul trafen sich in Wolkenstein zum Tag des ladinischen Liedes.

„Singen ist ein großes Geschenk, es ist ein

Lebenselixier, das uns Glück und Selbstvertrauen

schenkt!“ Mit diesen Worten begrüßte

der Obmann des Südtiroler Chorverbandes

Erich Deltedesco am Sonntag, 17.

September, die Sängerinnen und Sänger,

die am 8. Tag des ladinischen Liedes in

Wolkenstein teilnahmen.

Fünfzehn Chöre aus Gröden, dem Gadertal,

Fassa, Ampezzo, aus Chur und aus

dem Friaul hatten sich trotz schlechten

Wetters auf dem Gemeindeplatz von Wolkenstein

versammelt, um mit Generalvikar

Eugen Runggaldier die Hl. Messe zu

feiern und gemeinsam zu singen und zu

feiern. Vorgesehen war ursprünglich der

Gottesdienst im Langental und ein Singen

auf den Plätzen und Straßen von Wolkenstein.

Aber auch unter dem großen Zeltdach

beim Rathaus erklangen die ladinischen

Lieder in ihrer Schönheit und

begeisterten das Publikum. Organisiert

hatte den Tag der Südtiroler Chorverband

in Zusammenarbeit mit dem Istitut Ladin

Micura de Rü und dem Cor di Jeuni Gherdeina

aus Gröden mit Obmann Matthias

Runggaldier und unter der musikalischen

Leitung von Samuel Runggaldier.

Gemeinsam mit den anderen teilnehmenden

Chören umrahmten sie den Gottesdienst.

Generalvikar Eugen Runggaldier

betonte, dass gerade in einer Zeit der

Konflikte die Vergebung und der Verzicht

auf Rache für jeden Christen eine grundlegende

Aufgabe sei.

Dass gerade der Gesang helfen könne,

andere Kulturen und Sprachen anzuerkennen

und mit ihnen in Kontakt zu treten,

betonte der Landesrat für ladinische

Kultur Florian Mussner. Er dankte den

Chören für ihren Einsatz. Auch der Dank

des Obmanns des Chorverbands galt den

Sängern und Sängerinnen, aber auch

der Gemeinde Wolkenstein für die Gast-

freundschaft sie war durch Bürgermeister

Roland Demetz vertreten dem Cor

di Jeuni Gherdeina und dem Landesrat

Florian Mussner für die finanzielle Unterstützung.

Der Tag des ladinischen Liedes sei eine

wertvolle Tradition: „Er zeigt uns den Wert

des Singens auf, lädt uns ein Freundschaften

zu schließen und zu vertiefen und im

ganzen ladinischen Kulturbereich ein Gemeinschaftsgefühl

zu entwickeln.“ Nach

dem gemeinsamen Gottesdienst trugen

die Chöre ihre Lieder vor. Auch für Speis

und Trank war gesorgt.

Der 8. Tag des ladinischen Liedes war

ein Zeichen dafür, dass Singen „Heimat

schenkt“, wie Obmann Erich Deltedesco es

formulierte, der sich auch über die Anwesenheit

von Vertretern befreundeter Chorverbände

und des Vorstands und Musikrats

des Südtiroler Chorverbands sowie

der Gemeindepolitik freute.

Nr. 05 | Oktober 2017 47


Aus Verband und Bezirken

Kein Meister fällt vom Himmel

Abschlusskonzert der Chor- und Stimmbildungswoche des

Südtiroler Chorverbandes

Die Sänger und Sängerinnen der Chor- und Stimmbildungswoche des Südtiroler Chorverbandes gestalteten ein Abschlusskonzert

im Vereinshaus von Burgeis.

Für Südtirols Sänger und Sängerinnen ist

nur der Beste gut genug: Heuer leitete die

traditionelle Chor- und Stimmbildungswoche

der gebürtige Katalane Jordi Casals,

mehrfacher Preisträger bei internationalen

Chorwettbewerben und international

gefragter Juror.

Casals lehrt an der Universität für Musik

und darstellende Kunst Wien Chorund

Ensembleleitung. Die 51 Sänger und

Sängerinnen konnte er in Burgeis sichtlich

begeistern, wie der Applaus für den

Kursleiter am Ende des Konzerts im Vereinshaus

Burgeis am 29. Juli bewies.

Zusammen mit Referent Christian Stefan

Horvath hatte Casals einen Ausschnitt

aus dem bunt gemischten Programm der

intensiven Woche zusammengestellt. „Wir

haben jeden Tag sechs bis acht Stunden

gesungen, das Programm war komplett

neu.“ Daher sei es verständlich, dass das

Konzert nicht perfekt sei: „Eine Singwoche

ist für die Teilnehmer und nicht für

das Publikum gedacht, wir zeigen deshalb

nur einen kleinen Teil von dem, was

wir gemacht haben, und auch das ist

noch nicht fertig, sondern nur schön geschminkt!“

Trotzdem konnte der Chor mit

Liedern zu den Themenblöcken Glaube

und Tod, Natur und Liebe die zahlreich

erschienenen Zuhörer davon überzeugen,

dass man sich weiterentwickelt und einen

schönen Stimmklang erarbeitet hatte. Immerhin

standen den Sängern und Sängerinnen

sechs Stimmbildner zur Verfügung.

„Eine Herausforderung war auch, dass wir

Lieder in den verschiedensten Sprachen

erarbeitet haben: Neben deutsch und italienisch

sangen wir auch katalanisch, englisch,

spanisch und auf Latein“, betonte

Casals. So erklangen neben Liedern aus

dem Burgenland der Heimat von Chorleiter

Horvath und Katalonien vor allem

Werke aus dem amerikanisch-englischen

Sprachraum, darunter Spirituals und bekannte

Ohrwürmer.

Der Werkreigen begann mit dem burgenländischen

Totenlied, in dem es hieß

„Heute bin ich rot und morgen bin ich tot“

und endete mit dem christlichen Spiritual

„I Am His Child“ und mit Jay Althouses

„Alleluia for our Time“. Der Obmann des

Südtiroler Chorverbandes Erich Deltedesco

betonte, dass „kein Meister vom Himmel

fällt“ und dass schon Johann Sebastian

Bach betont hätte, siebzig Prozent verdanke

er dem Fleiß und nur dreißig Prozent

dem Talent. Deltedesco dankte den

Referenten und Stimmbildnern, der Fürstenburg

sowie dem Landesrat für Kultur

und der Stiftung Südtiroler Sparkasse für

die finanzielle Unterstützung. Sein Dank

galt aber vor allem den Teilnehmern: „Es

ist nicht selbstverständlich, dass man die

Ferienzeit für eine Schulung nutzt und offen

ist für neue Anregungen. Vermittelt

diese Einstellung in euren Chören weiter!“

Unter den Zuhörern waren der Landtagsabgeordnete

Josef Noggler, VKS-Präsident

Theodor Rifesser und der Sekretär

des Bischofs Michael Horrer sowie zahlreiche

Vertreter des Südtiroler Chorverbandes.

Vizeobfrau Margareth Greif und

Geschäftsführer Arnold Keim hatten selbst

an der Schulung teilgenommen.

48

KulturFenster


Chorwesen

Musical-Talente zeigen

ihr Können

Abschlusskonzert der Musicalwoche

„Es war für mich ein Glück, mit so vielen

jungen talentierten Leuten zu arbeiten!“ Mit

diesen Worten blickte Stephen Lloyd, der

Leiter von „Musical Fever Plus“, beim Abschlusskonzert

am 2. September im Vinzentinum

auf die Schulung zurück.

„Das Musical gehört zum Schwierigsten

und Schönsten in der Musik, schließlich

muss man tanzen, singen und darstellen zugleich“,

sagte Lloyd. Er dankte dem Südtiroler

Chorverband, dass er auch Schulungen

mit solchen Musikrichtungen unterstütze,

das sei nicht selbstverständlich. Dass bei

dieser inzwischen traditionellen Schulung

des Südtiroler Chorverbandes auch heuer

wieder viele ihr Talent entdeckten und entwickelten,

bewies die Abschlussshow im Parzivalsaal,

zu der zahlreiche Freunde, Familienangehörige

der Teilnehmer und andere

Interessierte sowie als Vertreter des Südtiroler

Chorverbandes Verbandsobmannstellvertreterin

Margareth Greif und Geschäftsführer

Arnold Keim gekommen waren. Die

sechzehn jungen Frauen und zwei jungen

Männer im Alter zwischen 15 und 25 trugen

20 Solo-Stücke aus bekannten Musicals

sowie sechs Chorstücke vor: Darunter

waren Songs u.a. aus Carousel, The Lion

King, Elisabeth, Les Miserable, Phantom

of der Opera, aber auch aus weniger bekannten

Werken. Für zwei Chorwerke hatten

sie außerdem wieder fulminante Choreographien

einstudiert und brachten damit

wahren Musical-Geist in den Saal.

Besonders beeindruckend war neben der

solistischen Leistung der einzelnen Teilnehmer

und der hohen Qualität von Choreographie

und Gesang des Ensembles vor

allem das Stück „You Will Be Found“ aus

Dear Evan Hansen, in dem es um einen

jugendlichen Außenseiter geht, der langsam

seinen Platz in der Gesellschaft findet.

Das Musical feierte 2016 am Broadway

Premiere und wurde 2017

als „Bestes Musical“ ausgezeichnet.

Mit diesem

Stück als Zugabe endete

das Konzert,für das Obmann-

stellvertreterin Margareth Greif den Teilnehmern

und den Referenten im Namen des

Veranstalters dankte: „Ihr habt alles auswendig

und mit Temperament gesungen.

Eine großartige Leistung!“ Ihr Dank galt

vor allem auch Kursleiter Stephen Lloyd,

den Referenten für Gesang Jack Poppell

und Doris Warasin, der Choreographin Karin

Mairhofer, dem Schauspiellehrer Lukas

Spisser, der Betreuerin Michaela Stocker

sowie Andreas Partilla für die Korrepetition.

Am drumset war Marel Lloyd und am

Violoncello Raphael Lloyd. Sie alle hätten

die Woche zum Erlebnis gemacht, betonte

Greif. Für den Südtiroler Chorverband sei

es selbstverständlich, den Gesang in seiner

Vielfalt zu fördern, denn „alle Richtungen

haben Platz“. Dies sei so aber nur

durch die Unterstützung der Landesregierung

und der Stiftung Südtiroler

Sparkasse möglich,

erinnerte die Obmannstellvertreterin,

denen sie dafür

auch dankte.

Zu den vielen Höhepunkten der Show gehörten die Choreographien des Ensembles.

Nr. 05 | Oktober 2017 49


Aus Verband und Bezirken

Ehre für Helmuth Gebhard Piccolruaz

Verdienstmedaille des Landes Tirol

Am Hochunserfrauentag wurde dem langjährigen

Obmannstellvertreter des Südtiroler

Chorverbandes Helmuth Gebhard Piccolruaz

in der Hofburg in Innsbruck die Verdienstmedaille

des Landes Tirols für seine Verdienste

um die Kultur, insbesondere in Ladinien,

verliehen.

Piccolruaz wurde 1948 in Brixen geboren

und lebt in St. Ulrich-Gröden. Von

Beruf Bildhauer hegte er schon seit seiner

Kindheit die Freude am Singen und

kann als Autodidakt bezeichnet werden.

Er ist Gründer und langjähriger Obmann

des „Ensemble Gherdëina” (1996), bei

dem er auch als Sänger tätig ist; Gründer

des SONOTON Orchesters (1992).

Von 1989 bis 2001 Bezirksobmann des

Bezirkes Ladinien und war von 2001 bis

2017 Obmannstellvertreter im Südtiroler

Chorverband. 48 Jahre ist er Mitglied des

Kirchenchores St. Ulrich, dem er auch als

Obmann vorstand. Er trat als Bass-Solist bei

verschiedenen Messen, Kantaten, Orato-

Helmuth Gebhard Piccolruaz bei der Verleihung der Verdienstmedaille des Landes

Tirol mit den Landeshauptleuten von Nord- und Südtirol

rien und Opern in Südtirol auf. Dem Dank

des Landes für seine Verdienste um das

Chorwesen schließt sich auch der Südtiroler

Chorverband an.

Musizieren in und mit der Natur

Erfolgreiche Fortbildung für Kinder in Neustift

Die Kinder beim Konzert in Neustift

Rund 30 Kinder besuchten vom 17. bis 21.

Juli die Sommerwoche „Im Klang von Natur

und Stimme“, die vom Bildungshaus Kloster

Neustift und dem Südtiroler Chorverband

organisiert wurde. Singen und Musizieren

standen dabei im Mittelpunkt.

Die Kinder lernten dabei das Kloster und

seine Instrumente kennen und erlebten

außerdem die Natur mit ihren ganz eigenen

Klängen. Sie versuchten sich auch

selbst als Instrumentenbauer und stellten

alle einen Regenmacher her, der dann

auch beim Abschlusskonzert zum Einsatz

kam. Die Kinder entdeckten, dass sich

auch mit anderen Naturmaterialien und

Alltagsgegenständen verschiedene Instrumente,

wie Trommeln aus Holz oder Papier,

herstellen lassen. Spiel und Spaß verschafften

außerdem die Abendeinheiten

mit Lagerfeuer, Stockbrotbraten, Talente-

Show und Nachtwanderung. Das Singen

kam in dieser Woche natürlich nicht zu

kurz: An jedem Tag wurde fleißig geprobt.

Und dabei waren es nicht nur Lieder, die

die Musikpädagogin Renate Unterthiner

vorgab: Auch Eigenkompositionen, die

die Kinder in Kleingruppen erarbeiteten,

wurden eingeübt. Lieder aus den Themenbereichen

Wald, Wasser und Musik

wurden dann auch beim Abschlusskonzert

einem aufmerksamen Publikum

präsentiert. Außerdem stellten die Kinder

ihre Eigenkompositionen vor: Klänge aus

Naturmaterialien, eigens getextete Lieder

zur Sommerwoche und Tanzeinlagen wurden

von den Gruppen gekonnt dargestellt.

Das Publikum dankte es den Aufführenden

mit einem kräftigen und langanhaltenden

Applaus.

50

KulturFenster


Chorwesen

Kulturfahrt zum Musical „CATS“

Bezirk Bozen

Die Teilnehmer an der Kulturfahrt des Bezirks Bozen

Dieses Jahr hat sich der Bezirk Bozen wieder

ein Ziel außerhalb der Landesgrenzen ausgesucht

und besuchte die Aufführung des Musicals

„Cats“ in München.

80 Teilnehmer haben sich am 5. August

auf den Weg gemacht in die bayrische Landeshauptstadt.

Vor der Aufführung gab es

noch Zeit für eine gemütliche Stadtbesichtigung

und eine kleine Shoppingtour. „Cats“

ist ein Musical von Sir Andrew Lloyd Webber

mit Texten von T. S. Eliot. Es zählt zu den erfolgreichsten

Musicals aller Zeiten. Seit seiner

Uraufführung 1981 in London begeistert es

Millionen von Besuchern weltweit. Die Aufführung

im Deutschen Theater in München

beeindruckte durch ihre Professionalität, die

fantastischen Kostüme, die Choreographien

und das fantasievolle Bühnenbild. Im wahrsten

Sinne des Wortes in Erinnerung blieb das

weltbekannte Medley „Memory“, im Stück

verkörpert von der Katzendiva Grizabella.

Auf dem Nachhauseweg legten die Kulturreisenden

noch eine gemütliche Kaffeepause

in der Kaffeerösterei Dinzler in Irschenberg

ein, bevor sie wieder die Heimreise antraten.

Im Reisebus erklangen schließlich noch gar

einige musical-treue Stimmen.

Sangerinnen und

Sanger gesucht!

Bezirk Pustertal: „Mass of the children“ von John Rutter

Endlich ist es soweit! Der Bezirk Pustertal

des Südtiroler Chorverbandes lädt alle

Sänger und Sängerinnen im Bezirk herzlich

ein, bei einem gemeinsamen Projekt

mitzuwirken.

Dem Bezirkschorleiter Alois Gasser ist

es aus terminlichen Gründen nicht möglich,

ein Projekt umzusetzen, weshalb

nach einem anderen Chorleiter im Bezirk

Ausschau gehalten wurde. Markus

Federer, Chorleiter des Gemischten

Chores Pfalzen, hat sich bereit erklärt,

für ihn einzuspringen und ein Projekt

zu ermöglichen. Er hat die „Mass of the

children“ von John Rutter ausgewählt. Die

Auswahl ist auf dieses Werk gefallen, weil

es sowohl für altgediente Sängerinnen und

Sänger als auch für jüngere einen großen

Reiz darstellt. Das Werk ist für gemischten

Chor, Kinder- bzw. Jugendchor, Sopranund

Baritonsolisten sowie Kammerorchester.

Als Solisten konnten Stefanie Steger

sowie Hannes Tschurtschenthaler gewonnen

werden.

Den Part des Jugendchores übernehmen

Schülerinnen des Sozialwissenschaftlichen

Gymnasiums Bruneck. Obwohl das Werk

einen englischsprachigen Titel trägt, ist der

Text gleich der lateinischen Missa brevis.

Die eingefügten poetischen Texte in

englischer Sprache werden vom Jugendchor

gesungen. Für die Sängerinnen des

gemischten Chores sind nur zwei Sätze

in englischer Sprache zu singen, für die

Männer kein einziger.

Der Probenplan ist überschaubar, weshalb

sich hoffentlich viele melden und

Teile ihrer Freizeit der gemeinsamen Verwirklichung

widmen und Freude an diesem

Werk und der großen Chorgemeinschaft

haben. Markus freut sich auf alle,

die bereit sind, dieses wunderbare Werk

gemeinsam zu realisieren. Für die Interessierten,

die gerne vorab hineinhören

möchten, hier ein Link mit einer guten

Aufnahme des Werks:

www.youtube.com/ atch?v=dTI4TcY8qP0.

Anmeldungen bei Bezirksobmann Rudi

Duregger Tel.: 0474 67 81 12

Fax: 68 77 46, Handy: 340 7030385,

E-Mail: rudi.duregger@cheapnet.it.

Anmeldeschluss: 21. Oktober 2017

Nr. 05 | Oktober 2017 51


Aus Verband und Bezirken

Auch Buben singen gerne!

Come along sing along Abschlusskonzert der Bubensingwoche

des Südtiroler Chorverbandes

Die Buben bewiesen beim Abschlusskonzert, dass sie gut singen können und vor allem Freude daran haben.

42 Buben im Alter zwischen acht und 13

Jahren standen am Donnerstag, 10. August,

im Parzivalsaal des Vinzentinums auf

der Bühne und zeigten ihren Familien und

Freunden, was sie in einer viertägigen Gesangsschulung

gelernt hatten.

Dass dabei die Freude am Singen im

Mittelpunkt stand, aber auch eine intensive

Auseinandersetzung mit der eigenen

Stimme und Liedern aus den verschiedensten

Kulturkreisen, betonte Schulungsleiter

Andreas Wiedmer aus der Schweiz:

„Es war eine wunderbare Woche, die Buben

waren mit großem Einsatz dabei!“ Ihm zur

Seite standen als Chorleiter und Stimmbildner

Andrea Tasser und Clara Sattler,

die den Knaben- bzw. den Mädchenchor

des Vinzentinums leiten.

Das Vinzentinum und der Südtiroler Chorverband

veranstalteten heuer zum zweiten

Mal gemeinsam die beliebte Singwoche. Die

Buben sangen beim Konzert afrikanische

und alpenländische Volkslieder, aber auch

zeitgenössische Werke. Unterstützt wurden

sie dabei von Clara Sattler, die etwa ein afrikanisches

Lied mit ihrem Jodler begleitete,

und von Albert Frei am Klavier und an der

Ziehharmonika. Der Obmann des Bezirks

Eisacktal-Wipptal im Südtiroler Chorverband

Gottfried Gläserer war begeistert davon,

„wie viel die Teilnehmer in dieser kurzen

Zeit geschafft haben“. Er dankte den Betreuern,

die für ein abwechslungsreiches

Freizeitprogramm gesorgt hatten, den Referenten

und dem Vinzentinum, das mit Direktor

Christoph Stragenegg vertreten war.

Stragenegg betonte, dass das Vinzentinum

weiterhin mit dem Südtiroler Chorverband

zusammenarbeiten wird und dass es auch

im nächsten Sommer wieder „Come along-

sing along“ geben wird. „Ich danke vor

allem auch den Eltern, dass sie ihre Kinder

uns anvertrauen“, sagte er. Die Fortbildung

im Kindesalter sei umso wichtiger, als

die Südtiroler Chöre gute Männerstimmen

brauchten: „Wer in der Jugend schon singt,

wird sein ganzes Leben lang singen!“ Dem

Vinzentinum liege eine ganzheitliche Erziehung

und damit vor allem auch die musikalische

Erziehung am Herzen.

Dass die Buben nicht nur Spaß hatten

bei viel Sport und Spiel, etwa einer Schnitzeljagd

sondern auch singen lernten,

bewiesen unter anderem auch die vielen

jungen Solisten. Ein Teilnehmer durfte sogar

die Chorleitung bei einem Lied übernehmen.

Das Publikum bedankte sich mit

viel Applaus für das gelungene Konzert

und die Möglichkeit dieser sinnvollen Feriengestaltung.

52

KulturFenster


Chorwesen

„Ganzheitliche Chorpädagogik wichtig!“

Chorleiterseminar des SCV und des VKS in Dietenheim

55 Teilnehmer, so viele wie noch nie, nahmen

heuer am Chorleiterseminar des Südtiroler

Chorverbandes und des Verbandes der

Kirchenchöre Südtirols in Dietenheim teil.

Am 12. August zeigten die angehenden

bzw. bereits erfahrenen Chorleiter und Chorleiterinnen

in einem Konzert, dass sie unter

der Gesamtleitung von Jan Scheerer nicht

nur Schlagtechnik gelernt hatten. Beim Konzert

beeindruckte das zahlreich erschienene

Publikum vor allem der schöne Chorklang,

aber auch das hohe Niveau der Werke: Der

Schwerpunkt lang auf geistlichen Werken

aus den verschiedensten Epochen, aber

auch Lieder von Brahms, Orff oder Max Reger

erklangen.

Die Teilnehmer im Alter zwischen 18 und

65 Jahren hatten ihr Können unter der Anleitung

von Scheerer und drei weiteren Referenten

in vier Studios erweitert und jeweils

persönliche Stimmbildung erhalten. Kursleiter

Jan Scheerer betonte vor allem die Bedeutung

der Stimmbildung: „Chorleiter haben

immer mit Laienchören zu tun, was

wunderbar ist, da sie eine unverbrauchte

Neugier haben. Anderseits hat der Chorleiter

hier eine besondere Verantwortung für

die Stimmbildung.“ Chorleiter müssten selbst

Die Chorleiter zeigen ihr Können.

ihre Stimme pflegen, damit sie die Sänger

und Sängerinnen unterstützen können.

Eine besondere Freude und Herausforderung

sei gewesen, dass elf Teilnehmer

dabei waren, die noch nie einen Chor dirigiert

hatten. Fünf von ihnen dirigierten beim

Konzert u.a. „Erlaube mir feins Mädchen“

von Brahms, wobei die Strophen auf die Dirigenten

aufgeteilt wurden, damit möglichst

viele zum Zug kamen. Der Obmann des

Südtiroler Chorverbandes Erich Deltedesco

zeigte sich beeindruckt vom hohen Niveau

des Konzertes und dankte den international

renommierten Referenten und den Teilnehmern

für ihren Einsatz. „Danke für eure

Bereitschaft, offen zu sein für Anregungen

von außen“, sagte er zu den Teilnehmern.

Der Erwerb von Wissen und Können sei

niemals abgeschlossen. Gerade im Bereich

der Chorleitung sei ständige Fortbildung

wichtig, finde doch heute ein Paradigmenwechsel

statt: „Heute geht es um eine

ganzheitliche Chorpädagogik, nicht nur um

Schlagtechnik.“ Die Ansprüche an Wissen,

Können und Sozialkompetenz würden immer

höher. Besonders froh sei er, dass man

so gute Referenten gewonnen habe. Auch

im nächsten Jahr werden sie wieder nach

Dietenheim kommen, versprach der Obmann

zur Freude der Teilnehmer.

Sängerwanderung in Moos in Passeier

Bezirk Burggrafenamt-Vinschgau

Die traditionelle Sängerwanderung des Bezirks

Burggrafenamt-Vinschgau führte heuer

nach Moos in Passeier. Vorgesehen war eine

Wanderung durch die Passerschlucht.

„Weil das Wetter aber zu schlecht war,

mussten wir auf diese Wanderung verzichten“,

erzählt Bezirksobmann Karl Werner,

der sich aber darüber freute, dass trotz der

schlechten Wetterprognosen rund 50 Personen

aus allen Richtungen des Bezirks,

vom Reschen, von Ulten, Nonsberg, Burggrafenamt

und Passeier gekommen waren.

„Unsere Freunde aus Landeck wollten auch

heuer mit uns wandern, doch sie durften wegen

der Sommerreifen nicht über das Timmelsjoch

kommen und wurden zurückgeschickt.

Das war schade!“, sagt Karl Werner.

Trotzdem ließen sich die Sänger und Sängerinnen

nicht die Freude nehmen und versammelten

sich um 9 Uhr zur Probe in der

Kirche von Moos, wo um 10 Uhr eine feierliche

Messe mit Pfarrer i. R. Michael Pirpamer

gefeiert wurde. Der Wanderchor unter

der Leitung von Bezirkschorleiter Josef

Sagmeister, der auch das Liedprogramm

zusammengestellt hatte, wurde von vier

Bläsern der Musikkapelle Moos sowie vom

Organisten Alfred Gögele begleitet. Trotz des

schlechten Wetters hob sich die Stimmung

nach dem ausgezeichneten Mittagessen

im Vereinssaal, welches von der Metzgerei

Hofer vorbereitet worden war. Von Vize-Bürgermeister

Stefan Ilmer wurden die Sänger

und Sängerinnen eingeladen, das Bunker-

Mooseum zu besichtigen. Mit großem Interesse

folgten sie der Einführung und dem

Rundgang über 147 Stufen und stimmten

dort auch passend zum Anlass ihre Lieder

an. Beim gemütlichen Beisammensein im

Vereinssaal wurde noch viel gesungen und

gespielt. „Trotz des schlechten Wetters war

die Stimmung bei Kartenspiel, Ziehorgel

und viel Gesang sehr gut“, freut sich der

Bezirksobmann über die gelungene Veranstaltung

und dankt allen Teilnehmern, vor

allem aber dem Kirchenchor Moos im Passeier

mit Obfrau Gisela Fontana und Chorleiter

Martin Pirpamer. Die Sänger und Sängerinnen

dankten dem Kirchenchor mit ihren

Liedern für die Einladung und die gute Organisation

der Wanderung.

Nr. 05 | Oktober 2017 53


Im Gedenken

Erinnerung an Alfred Gasser

Leben und Wirken einer überzeugten und überzeugenden Persönlichkeit

Am 25. Juli 2017 wurde in

Innichen der Lehrer, Chorleiter,

Organist und Kapellmeister

Alfred Gasser zu Grabe

getragen. Groß war die Zahl

ehemaliger Weggefährten

aus dem Bereich Schule und

Musik, die nach Innichen gekommen

waren, um einen verdienten

Mann zu ehren, der ein

erstaunliches Lebenswerk, sei

es in der Schule wie auch in

der Kirchen- und Blasmusik,

geschaffen hatte.

Seine Innichner Musikkapelle,

deren Kapellmeister er

30 Jahre lang war, hat ihn

mit Trauermusik zum Friedhof

geleitet und auch eine

Toblacher Bläsergruppe hat

für ihren ehemaligen Kapellmeister

musiziert. Die höchsten

Vertreter des Verbandes

Südtiroler Musikkapellen mit

der Verbandsfahne, eine Fahnenabordnung

der Musikkapelle

Terenten, die er in den

1950er Jahren neu gegründet hatte

und ein langer Zug an Abordnungen

der Pusterer Musikkapellen sind gekommen.

Der Stiftschor, instrumental

ergänzt, hat für seinen verdienten Chorleiter

den Sterbegottesdienst gestaltet,

dem Pfarrer Josef Gschnitzer, Dekan Anton

Pichler und Pfarrer Florian Agreiter

vorstanden. Die Bürgermeisterin Rosmarie

Burgmann, zugleich auch Obfrau

des Stiftschores, zeigte in einem

sinnigen Lebensrückblick dankbar das

reiche Schaffen ihres Organisten, Chorleiters

und Komponisten auf.

Alfred Gasser, am 23. Juli 1932 in

Mühlbach geboren, hat in Vintl die Jahre

seiner Kindheit verbracht. 1943 wurde

er zum weiteren Unterricht im Kloster

Neustift eingeschrieben und war dort

Klavier- und Orgelschüler des großen

Tiroler Kirchenmusikers Josef Gasser.

Während des Besuchs der LBA in Meran

setzte er seine Ausbildung in Klavier und

Orgel bei Prof. Baurschafter und Prof. Cristofolini

fort.

1953 kam er als Lehrer nach Terenten,

übernahm sofort den Dienst als Organist

und die Wiedergründung der Musikkapelle,

die seit den späten 1920er Jahren

nicht mehr aktiv war. In den 1950er Jahren

lernte er auch seine spätere Frau Rosa

Stoll, eine ausgezeichnete Sopran-Solistin,

kennen. Seine nächste Lebensstation

wurde im Herbst 1958 Innichen, wo später

auch Sohn Johannes zur Welt kam. Alfred

Gasser wurde schnell ein echter „Innichner“

mit dem entsprechenden Stellenwert

als Chorleiter, Kapellmeister, Organist und

Lehrer an der Volksschule sowie als Lehrer

für Klavier und Akkordeon in Innichen

und auch in Sillian. Er wurde so auch zum

unbeirrten Vorbereiter für die heute so gute

Pusterer Musikbeziehung und

-zusammenarbeit zwischen

Süd- und Osttirol, womit er

damals nicht immer Zustimmung

gefunden hatte. Neben

seiner Tätigkeit in der Musikkapelle

Innichen, die er bald

zu einer der besten im Pustertal

geführt hatte, übernahm er

auch zwischendurch den Dirigentenstab

bei den Musikkapellen

Welsberg und Toblach.

Er hat eben nicht von der Musik,

sondern für die Musik gelebt.

Neben all diesen musikalischen

Führungsaufgaben

vor Ort war er im VSM-Bezirk

Pustertal tätig, als Gebietsvertreter

und dann als Bezirkskapellmeister.

In dieser Funktion

stand er stets für neue

und nicht selten ungewöhnliche

Ideen, die oft auch Traditionelles

in Frage stellten.

Offenbar lag er damit nicht

ganz so falsch, denn siehe -

er wurde zum VSM-Verbandskapellmeister-Stellvertreter

gewählt und in

dieser Funktion für 12 Jahre bestätigt. Außerdem

machte er sich als Juror bei verschiedenen

Veranstaltungen wie etwa bei

internationalen Wertungsspielen oder bei

der Vergabe von Leistungsabzeichen einen

Namen.

Aber um dieses Lebensbild eines unkonventionellen,

jedoch immer zugänglichen

Geistes deutlicher ins Licht zu rücken,

muss vor allem sein musikalischer

Weitwinkel beachtet werden. Der Musiker

Gasser hielt von Anfang an immer Schritt

mit der musikalischen Entwicklung, ja er

ging ihr in seinem Wirkungskreis stets voran.

Das musikalische Leitbild ließ in seiner frühen

Zeit als Kapellmeister in der Blasmusik

nur sehr knappen Spielraum für „Eskapaden“

in andere Musikrichtungen. Trotzdem

hatte er diesbezüglich richtungsweisende

Weichen gestellt: Lange vor den meisten

54

KulturFenster


Chorwesen

Kapellen im Land hatte Innichen ein Saxophonregister,

und als einer der ersten Kapellmeister

nahm Gasser Mädchen in die

Musikkapelle auf. In seiner Brust schlugen

einfach zwei musikalische Herzen. Neben

der ewig schönen Musik pflegte Gasser in

seiner Kapelle bereits früh den „Swing-Musizierstil“.

Bert Kaempfert, Glen Miller usw.

hatten ihren Platz im Programm genauso

wie Giuseppe Verdi, Lehar oder Strauß. Die

Folge war klar: In anderen Kapellen wurde

meist eine Böhmische aufgebaut, mit ihm

wurde in der Musikkapelle Innichen die

Big-Band INTICA gegründet. Auch unser

heutiger VSM-Landesobmann war einige

Zeit aktiv mit dabei. Apropos „Strauß“:

Wie sehr Gasser auch diese Wiener Musik

mochte, zeigte er mit seinem Salonorchester,

das er gemeinsam mit Osttiroler

Freunden erfolgreich auf die Beine gestellt

hatte. Eine grundverschiedene Musikgattung

kommt noch hinzu. In seinem Herzen

fand sich sogar Platz für die Alpenländische

Volksmusik, die er im kleinen Kreis

gepflegt hatte. Nicht von ungefähr hat er

sich für den Schluss seines Sterbegottesdienstes

das Kärntnerlied „Hoamgiahn, a

Gruaß, schian wie a Tram...“ gewünscht.

Sein umtriebiger Musikgeist war aber

mit diesen Musikarten noch nicht gesättigt.

Musizieren zur Ehre Gottes hat sein

weites Musikspektrum - auch der Gegensätze

- reich und bedeutend gemacht. Er

war ja dem Ruf nach einem Kapellmeister,

Chorleiter und Organist nach Innichen gefolgt

und dem wurde er gerecht. Viele außergewöhnliche

Werke, wie die Schöpfung

von Joseph Haydn oder die Lukas Passion

von H. Schütz, konnte er mit dem Stiftschor

aufführen. Manch ehrenvollen Auftritt gab

es in seiner Zeit, wie beispielsweise die Konzerte

in Stuttgart 1960 und 1961 mit den

Chören und Musikkapellen aus Innichen

und Toblach oder die Gestaltung des Festgottesdienstes

der Hl. Lucia in Syrakus

zwischen 1982 und 1991, und zwar einmal

mit dem Chor und Orchester mit Musikern

aus Süd- und Osttirol, ein weiteres

Mal mit der Musikkapelle und dem Männerquartett

Sillian sowie ein drittes Mal mit

dem Chor und der Musikkapelle Innichen.

Musikalische Höhepunkte wusste er jedes

Jahr zu setzen mit den großen Orchestermessen

zu Silvester, eine Tradition, die

weit über den Raum Hochpustertal hinaus

Begeisterung und Bewunderung fand. Es

Alfred Gasser an der Orgel

darf nicht vergessen werden, sein Wirken

an der Musikschule in Innichen zu erwähnen,

deren Gründung ihm und seiner Frau

Rosa zu danken ist, und auch nicht sein

zielstrebiges Zusammenführen von Musikern,

Chören und Musikkapellen aus dem

Südtiroler und Osttiroler Pustertal in Zeiten

streng trennender Grenzbalken.

Neben all diesen anspruchsvollen Aufgaben

gab sich Gasser auch noch der

Komposition eigener Werke hin. Es sind

dies wohlklingende und praxistaugliche

Lieder und Stücke, die noch heute im Repertoire

sind.

Alfred Gasser hatte viele Vorzüge und

Begabungen, er steckte sich große Ziele

und war so zeitlebens ein Suchender nach

dem Ungewöhnlichen. Gerade und aufrecht

in seinem Wesen nahm er kein Blatt vor

den Mund. Seine Wesensart verlieh ihm

Auftrieb zu großen Leistungen und auch

den Antrieb, an die Grenzlinien zu gehen.

So ist er mit 30 Jahren in die Wildnis

Afrikas aufgebrochen mit dem Ziel, den

großen Arzt, Philosophen und Musiker Dr.

Albert Schweitzer aufzusuchen, der damals

im Urwald als „Apostel der Nächstenliebe“

gewirkt hatte. Alfred erreichte auch

sein Ziel und stellte sich eine Zeit lang in

den Dienst Albert Schweitzers beim Aufbau

einer Krankenstation.

Zurück in der Heimat widmete er seine

ganze Tatkraft wieder voll den musikalischen

Aufgaben und Verpflichtungen im

Dienste der dörflichen Gemeinschaft, dabei

stets den Blick auf besondere musikalische

Ziele gerichtet. In seinem großen Musikerherzen

fanden ja alle erdenklichen

Musikgattungen ihren gebührenden

Platz und so gab es laufend neue musikalische

Besonderheiten zu erleben.

Blasmusik, Kirchenmusik, Wiener

Tanzmusik, Big Band- und Swing-Musik

sowie echte alpenländische Volksmusik,

all das wusste er gekonnt zu pflegen

und hatte Erfolg.

Umfassender und vielseitiger kann

man sich einen Musiker schwer vorstellen,

und so verwundert es nicht, wenn

sich im anbrechenden Lebensabend

angesichts solch dichtgestaffelter Tätigkeiten

und Verdienste im Ehrenamt

die Verleihung von Auszeichnungen

und Ehrungen einstellten, wie die Ernennung

zum Ehrenkapellmeister, Ehrenzeichen

seitens des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen, des Verbandes

der Kirchenchöre, des Landes Tirol, des

internationalen Musikbundes CISM u.a.

Alfred Gasser nahm alles erfreut und

geehrt entgegen, aber wer ihn auch nur

ein wenig kannte, der kann bezeugen,

dass er sein ganzes Musikschaffen zur

Ehre Gottes, zur Freude der Menschen

und zur Pflege der ewig schönen Musik

hingegeben hat. So bleibt er in Erinnerung

als ein beliebter und lebensnaher

Lehrer, als ein begabter, oftmals

unterbewerteter Vollblutmusiker und vor

allem als liebenswerter, stets zugänglicher

Mensch.

P.P.

Nr. 05 | Oktober 2017 55


Die Silvester Sisters laden zum Konzert.

•Stimmgabel

Blind Date - ein musikalisches Rendezvous mit

unbeSTIMMtem Ausgang

Die Ensembles Harmonisch Komisch und

Silvester Sisters laden ein!

Wird es ein unvergesslicher Abend oder

ein Abend zum Vergessen? Das ist wohl

die große Frage bei einem Blind Date…

Der Abend mit den beiden Ensembles

“Harmonisch Komisch“ und „Silvester Sisters“

wird jedenfalls mit Sicherheit ein

Abend zum Schmunzeln. Erstmals stehen

die beiden Gruppen gemeinsam auf

der Bühne. Dabei stellen sie fest, dass

Mann und Frau so gar nicht zusammenpassen…

oder doch? Das Vokalensemble

Harmonisch Komisch hat sich mit seiner

gelungenen Interpretation von Liedern der

Comedian Harmonists, der Wise Guys und

vielen mehr südtirolweit einen Namen gemacht.

Die Silvester Sisters ließen kürzlich

mit der besonderen Konzertreihe „Come

Wann und wo?

Fr, 10.11.2017

Sa, 11.11.2017

Do, 16.11.2017

Sa, 18.11.2017

Fr, 24.11.2017

Sa, 25.11.2017

fl y with me“ aufhorchen. Freuen Sie sich

auf ein musikalisches Rendezvous der beiden

Ensembles, das stimmlich bestimmt

einen guten Ausgang nimmt!

Karl-Anrather-Haus, Margreid

Gustav-Mahler-Saal, Toblach

Vereinshaus, Unterinn

Vinzentinum, Brixen

Kultursaal, Eppan

Raiffeisensaal im Aquaprad, Prad

Beginn jeweils um 20.30 Uhr, Kartenvorverkauf mit Platzreservierung:

hasis.production@gmail.com oder 39 333 830 99 42 (Mo-Fr 9-11 und 16-18 Uhr).

56

KulturFenster


Chorwesen

Singen weckt Erinnerungen

Der Seniorenchor „Die Junggebliebenen“ beim Tag der Chöre in Meran

Der Seniorenchor im SCV

2017 begann für die ältesten Sängerinnen

im Südtiroler Chorverband, "Die

Junggebliebenen", das 10. Bestandsjahr.

Den 13 sangesfreudigen Bozner Damen

der Fahrtensinggruppe im Seniorenclub

wurde das Ansuchen um Aufnahme in

den Verband am 20. Februar 2008 vom

damaligen Südtiroler Sängerbund unter

Verbandsobmann Josef Pircher genehmigt

und mit 7.April 2008 bestätigt. "Mit

Singen Freude bringen" war das Motto

bei den Tagesfahrten der Arbeitsgemeinschaft.

Es hat Reiseleiter Denis Mader auf

die Idee gebracht, den ersten Seniorenchor

im Südtiroler Sängerbund zu gründen.

Mit Frau Nandl Gasser und Prof. Gigi

Borgogno war bald ein Probelokal mit engagierter

Chorleiterin und einem professionellen

Musikbeirat am Klavier gefunden.

Mit Hilfe des Sängerbundes konnte

für den neugegründeten Chor mit der Sängerin

Erika Mussner aus Gröden eine versierte

Stimmbildnerin gewonnen werden.

Altes und neues Liedgut

Schon im ersten Jahr ihres Bestehens

im Mai 2008 trat der Chor erstmals beim

Bezirkssingen in Auer auf. Der große Erfolg

vor zahlreichem Publikum war Ansporn

zum Weitermachen. Altes und

neues Liedgut wurde stets auswendig einstudiert.

Bald waren die mittlerweile 20

Sängerinnen im Alter von 70 bis 85 Jahren

in ganz Südtirol mit kleinen Auftritten

bei Geburtstagen und Krankenhausbesuchen

unterwegs. Auch bei den Senioren-

Fahrten gab es immer wieder gesangliche

Erfolge, ebenso bei Kirchenfeiern

wie in der Wieskirche in Bayern und bei

den Dankesmessfeiern anlässlich der

„Blauen Fahrten“.

Gründung 2008

So wurde die Liste von gesanglichen

Höhepunkten seit der Gründung 2008

lang und länger. Schon ein Jahr später

wurde im Mai auf Schloss Sigmundskron

das von der damaligen Obfrau Johanna

Bernard gedichtete Potpourri mit acht

Melodien bekannter Tiroler Lieder vorgetragen.

Diese umgetexteten Lieder wurden

dann bei verschiedenen Anlässen in

Südtirol und bei einer Sängerbundfahrt

in Linz mit Erfolg aufgeführt. 2010 dann

die Krönung für die begeisterten Sängerinnen:

Unter der Leitung der Regisseurin

Hildegard Trenner und des Chorobmannes

Denis Mader wurde zu Ehren

des 80-jährigen Präsidenten der 50-jährigen

Arbeitsgemeinschaft Seniorenbetreuung,

Heinrich Oberrauch, das Singspiel

„Lebenstufen - von der Wiege bis

zum Alter“ uraufgeführt. Im Einsatz waren

neben dem Seniorenchor „Die Junggebliebenen“

Kinder und Senioren-Tänzerinnen.

Die am Klavier vertonten Texte

stammten aus der Feder von Johanna

Bernard. Der Erfolg der Uraufführung

war groß. Das Stück wurde daher noch

dreimal auf die Bühne gebracht und im

Sender Bozen unter der Seniorensendung

„Regenbogen“ gesendet.

Viele kleinere und größere Gesangserfolge

in Altersheimen, Bildungshäusern und

Kliniken folgten. Auch das jährliche Engagement

beim traditionellen "Faschings-

MIX" im Kolpinghaus ist erwähnenswert.

Seit 2008 immer wunderbar maskiert, treten

die Damen passend nach dem jeweiligen

Motto, wie z.B. "Die Nacht in Venedig",

"Rund um den Globus", "Herz und

Liebe am Valentinstag", sowie 2016 "Die

20&30 Jahre" auf. Im heurigen Jahr war

am 25.2. 2017 "Fasching in Wien" angesagt,

wie alle Jahre unter der Regie des

Ehrenobmannes des Chores, Denis Mader,

und unterstützt von Notenberaterin Prof.

Christine Tutzer. Neben weiteren Engagements

im 10. Tätigkeitsjahr, wie der Teilnahme

am Tag der Chöre in den Gärten

von Trauttmansdorff Meran, ist unter der

Leitung der gegenwärtigen Obfrau Christl

Bregenzer schon am 16.12. 2017 die Teilnahme

an der 50. Weihnachtsfeier für alle

Bozner Senioren im 50. Jubiläumsjahr des

Waltherhauses geplant. Da kann man nur

gratulieren bei so viel Liebe zum Gesang.

Freude bringen, ein Beispiel an sozialer

Begegnung und zwischenmenschlicher

Verbundenheit geben, das sind hohe idealistische

Züge, die die „Junggebliebenen“

verwirklichen. Wie diese tollen Sängerinnen

selber sagen - nach dem Singen

fühlen sie sich freier, zufriedener und im

seelischen Gleichgewicht. "Ad multos annos"-

und Gratulation für das beginnende

11. Bestandsjahr ab dem 20.2. 2018.

Nr. 05 | Oktober 2017 57


Stimmgabel

Das Ensemble Gherdëina und das Ensemble Gambe

di Legno führen Musik aus der Barockzeit auf

„Mini-Tournee“ der beiden Ensembles mit Konzerten in Gröden, Trient und Treviso

Die beiden Ensembles während des Konzertes in Treviso

Erhaben. Beeindruckend. Faszinierend.

Diese und weitere Adjektive hörte man seitens

der Zuhörer nach dem Konzert des

Ensemble Gherdëina, welches gemeinsam

mit dem Ensemble Gambe di Legno Consort

in St.Ulrich am 8. Juni ein ganz besonderes

Programm darbot.

Seit der offiziellen Gründung 1998 hat

sich das Ensemble Gherdëina die Einstudierung

und Aufführung von anspruchsvollen

Werken der klassischen Musik, von

C. Monteverdi, F. Schubert, F. Mendelssohn

Bartholdy, J.S. Bach und W.A. Mozart, sowie

auch moderner Stücke, wie “Sensibus”

von Eduard Demetz, auf die Fahne

geschrieben. Großen Wert legen die beiden

Dirigenten Felicitas Schweizer Kostner und

Claudio Kerschbaumer, welche den Chor

abwechselnd leiten, seit jeher darauf, dass

das Ensemble Gherdëina fast ausschließlich

aus Grödner Hobbysängerinnen und -sängern

besteht, denen die Musik am Herzen

liegt. Außer einigen auswärtigen Aushilfen

ist dies auch immer gelungen. So wussten

die Grödner Sängerinnen und Sänger

das Publikum im In- und Ausland mit ihren

Darbietungen stets zu begeistern. Besonders

in Erinnerung blieben den Mitgliedern

Konzertreisen nach Assisi und Spoleto,

Salzburg, Millstatt und Paris, sowie immer

wieder gelungene Auftritte in Südtirol und

im Trentino. Nach dem letzten Projekt mit

dem renommierten Ensemble Zefiro unter

der Leitung von Maestro Alfredo Bernardini

kam nun die Zusammenarbeit mit

dem Gambe di Legno Consort zustande.

Bereits seit einigen Jahren wurde der

Kontakt mit dem Gambe di Legno Consort

gepflegt; im Herbst vergangenen Jahres

war es dann endlich so weit, dass die

Pläne für ein gemeinsames Konzert konkretisiert

und letztendlich auch verwirklicht

werden konnten.

Auf Alte Musik spezialisiert

Das Ensemble Gambe di Legno wurde

2001 gegründet und hat sich in all den Jahren

seiner Tätigkeit einen Namen im In- und

Ausland gemacht. Da sich das Gambe di

Legno Consort auf Alte Musik spezialisiert

hat, wurde auch für das Projekt mit dem

Ensemble Gherdëina Musik aus der Barockzeit

gewählt, wobei Werke einstudiert

wurden, die nicht so oft zur Aufführung gelangen.

So war der zentrale Teil des Konzertes

dem aus dem Veneto stammenden

Bischof und Komponisten Agostino Steffani

gewidmet, genauer gesagt dessen Stabat

Mater. Den musikalischen Exkurs in die

Barockzeit vervollständigten das Choralvorspiel

und die Kantate „Christ lag in Todesbanden“

von Johann Pachelbel, „Vom

Leiden Christi“ von Andreas Hammerschmidt

und zwei Instrumentalstücke von Johann

Rosenmüller, „Sinfonie Nr. 11“ und

„Sonata duodecima a 5“.

Während das Ensemble Gherdëina in der

Vorbereitungsphase vom Dirigenten Claudio

Kerschbaumer geleitet wurde, lag die

Leitung des Konzertes in den Händen des

Maestro Francesco Baroni, der dem Programm

im Laufe einer intensiven Probewoche

noch den letzten Schliff gab.

Wie immer fieberten die 20 Sängerinnen

und Sänger vor allem dem Konzert vor heimischem

Publikum, in der Pfarrkirche von

St.Ulrich, entgegen. Am 8. Juni war es dann

so weit und das einstudierte Programm

konnte einem begeisterten Publikum vorgetragen

werden. Wenig Zeit zum Ausruhen

blieb den Musikern nach dem Konzert

bereits am darauffolgenden Tag wurde das

Konzert in der Kirche San Francesco Saverio

in Trient wiederholt und am 10. Juni

ging die Reise nach Treviso zum Abschlusskonzert

in der Kirche Santa Caterina. Diesen

letzten Auftritt nutzte das Ensemble

Gherdëina für einen kleinen Ausflug, sozusagen

als Belohnung für den begeisterten

Einsatz. Bei einem Stadtrundgang durfte

man die Stadt im Veneto besser kennen

lernen, außerdem stand eine Besichtigung

der Villa Maser, einer der bekannten „Ville

Venete“, auf dem Programm.

Natürlich wurde die Freizeit auch für

ein gemütliches Beisammensein genutzt

nach der intensiven Zeit eine willkommene

Abwechslung für die Sängerinnen

und Sänger.

Nach Abschluss des Projektes waren

die Beteiligten einer Meinung: Dieses besondere

musikalische Erlebnis hat allen

viel Spaß und Freude gemacht. Und das

ist schließlich das Wichtigste. Da das Ensemble

Gherdëina ein Projektchor ist,

wird sich der Vorstand nach einer wohlverdienten

Pause demnächst wieder auf

die Suche nach einer neuen Herausforderung

begeben.

Martina Rier

58

KulturFenster


Chorwesen

10 jähriges Bestehen

In der Mitte Chorleiter Antonio Lazzari, v.r. Josefine Gschnell, Jakob Werth, Antonia Hanny, Helene Bernard, Anni Morandell, Adolf

Aderlan, Edith Andergassen, Dr. Elisabeth Oberhollenzer, Frieda Werth, Arnold Morandell (wegen besonderer Verdienste). Nicht

im Bild sind die Geehrten Anni Neumaier und Erich Vorhauser.

Franziskanerchor „Pax et Bonum“, Kaltern

2006 und 2007 rief der damalige Prior

des Franziskaner-Klosters in Kaltern die

Bevölkerung auf, eine Singgruppe zur

Bereicherung des Volksgesangs bei der

hl. Messe zu bilden, worauf sich ein Chor

bildete, dessen Leitung Chorleiter Prof.

Antonio Lazzari übernahm. mDer Chor

„Pax et Bonum“ feierte am 11. Juni, am

Feste der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, sein

10-jähriges Bestehen. Beim Festgottesdienst

wurden Werke von Charles Gounod

dargeboten. Nach dem Gottesdienst

übergab Pater Thomas die Urkunden an

verdiente Chormitglieder und würdigte

den Einsatz und die vielen Proben und

Mühen bei den kirchlichen Festtagen in

der Franziskanerkirche. Im Anschluss an

die Ehrung wurden alle Mitglieder von Pater

Thomas zum gemeinsamen Mittagessen

eingeladen.

Mit frohen Liedern ging die schöne

Feier zu Ende. Ein großer Dank gilt dem

Südtiroler Chorverband und der Raika Kaltern

für die Unterstützung. Sie beide haben

es möglich gemacht, dass der Chor

diese Feier abhalten konnte. Der Dank

des Chors gilt auch allen Mitwirkenden

und Verantwortlichen, vor allem auch Pater

Thomas für die vielen schönen Gottesdienste,

welche der Chor umrahmen

durfte. Dem Chor gilt es zu wünschen,

dass sich neue Mitglieder für das Singen

begeistern und so die Gemeinschaft

sich vergrößert.

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Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge für das Chorwesen senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)

Nr. 05 | Oktober 2017 59


Impressum

Mitteilungsblatt des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen, des Südtiroler Chorverbandes

und des Heimapflegeverbandes Südtirol

Eigentümer und Herausgeber:

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen

Ermächtigung Landesgericht Bozen

Nr. 27/1948

Schriftleiter und im Sinne des Pressegesetzes

verantwortlich:

Dr. Alfons Gruber

Als Pressereferenten für die Darstellung der

entsprechenden Verbandsarbeit zuständig:

VSM: Stephan Niederegger,

E-Mail: kulturfenster@vsm.bz.it

SCV: Paul Bertagnolli,

E-Mail: bertagnolli.paul@rolmail.net

HPV: Sylvia Rottensteiner,

E-Mail: rottensteiner.sylvia@gmail.com

Unverlangt eingesandte Bilder und Texte

werden nicht zurückerstattet.

Redaktion und Verwaltung:

Verband Südtiroler Musikkapellen,

I-39100 Bozen, Schlernstraße 1, Waltherhaus

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E-Mail: info@vsm.bz.it

Einzahlungen sind zu richten an:

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Waltherhaus

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Jahresbezugspreis: Euro 20

Gefördert von der Kulturabteilung

der Südtiroler Landesregierung.

Druck: Ferrari-Auer, Bozen

Das Blatt erscheint als Zweimonatszeitschrift,

und zwar jeweils am 15. Februar, April, Juni,

August, Oktober und Dezember.

Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen

Vormonats.

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