Aichacher Zeitung - Landtagswahl

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POLITIK

LANDTAGSWAHL

DIREKTMANDATE

Nr. 238 /Montag, 15. Oktober 2018 2

Ergebnisse der Landtagswahl 2018 in Bayern inden Stimmkreisen im Verbreitungsgebiet.

Erststimmenanteile der Gewählten und in Klammern die Erststimmenanteile der Partei 2013.

Stimmkreis 512

Roth

Stimmkreis 303

Neumarkt

Volker Bauer

CSU

36,9 % (42,1%)

Roth

Neumarkt

512 303

Albert Füracker

CSU

50,3 % (56,6%)

Stimmkreis 115

Eichstätt

Eichstätt

115

Kelheim

Stimmkreis 203

Kelheim

Grund zur Freude haben Katharina Schulze und Ludwig Hartmann.

Die neue zweite Kraft

Schulze und Hartmann bringen Grüne zum Jubeln

Von Christoph Trost

und Ralf Isermann

München (dpa/AFP) Bei den

Grünen war gestern Abend ein

Wort in aller Munde: „historisch“.

Die Partei verdoppelte

bei der Landtagswahl in Bayern

ihr Ergebnis auf mehr als

18 Prozent –und wurde klar

zweitstärkste Kraft. Die Gesichter

hinter dem Erfolg sind

die beiden Spitzenkandidaten

Ludwig Hartmann und Katharina

Schulze.

„Mein Herz hat gehüpft“,

sagt Schulze strahlend am

Wahlabend. „Dieses Ergebnis

hat Bayern jetzt schon verändert“,

jubelt sie. Doch in die

Regierung dürfte das Rekordergebnis

die Grünen dennoch

nicht tragen. Die CSU machte

bereits am Wahlabend deutlich,

dass sie eine „bürgerliche“

Koalition mit den Freien

Wählern anstrebt. Auf die Grünen

kommt somit wohl die Oppositionsführung

zu vor AfD

und SPD.

„Die beiden haben nicht geschlafen“,

sagt Parteichef Robert

Habeck über Schulzes

und Hartmanns Erfolg. Von einem

historischen Wahlsieg

sprechen sie alle an diesem

Abend – von Schulze über

Habeck bis hin zu Cem Özdemir

und Claudia Roth: Endlich

zweistellig zu werden in Bayern,

das sei zwar das erklärte

Ziel gewesen, sagt Roth. „Aber

dass wir es so deutlich schaffen

würden, hätte ich mir gar nicht

erträumen können.“

Wenn jemand im Landtagswahlkampf

so etwas wie die

personifizierte Anti-CSU war,

der Gegenentwurf zu Söder,

Seehofer &Co., dann war das

Katharina Schulze. Die erst 33

Jahre alte Fraktionschefin der

Grünen hat ihre Partei zum

bislang größten Erfolg ihrer

Geschichte im Freistaat geführt,

zusammen mit ihrem

Co-Fraktionschef Ludwig

Hartmann (40). Die beiden bilden

ein gut harmonierendes

und doch ungleiches Spitzenduo.

Schulze, ledig, keine Kinder,

hat es geschafft, auch über die

bayerischen Landesgrenzen

hinaus Bekanntheit zu erlangen.

Auf Demonstrationen ist

sie omnipräsent, in Reden und

Debatten kämpferisch und en-

gagiert, quirlig,

manchmal

überschwänglich-hektisch.

Kurz vor der

Wahl kürte sie

„Mein Herz

hat gehüpft.“

Katharina Schulze

Foto: Imago

der Redenschreiber-Verband

VRdS zur

besten Rednerin im bayerischen

Wahlkampf –frech, mit

den Bürgern auf Augenhöhe

und mit einem klaren roten

Faden in ihrer Argumentation.

Die 33-Jährige trete jung und

frisch auf, selbst lautstarke Angriffe

auf politische Gegner

wirkten authentisch.

Schulze war und ist der lautere

Part der Doppelspitze –

und der, der die meiste Aufmerksamkeit

bekommt. Am

Wahlabend drängen sich Journalisten

und Kameraleute um

die junge, jubelnde Frau, die

sagt, sie werde den großen Erfolg

erst einmal mit „vier Spezi“

feiern. Ihr Kollege Hartmann

bewegt sich dagegen

fast unbehelligt durch den

Saal. „Ich war nicht der lauteste

Lautsprecher“, sagt er über

den Wahlkampf. „Das hat meine

Kollegin übernommen.“

Schulze begann ihre Karriere

in der Münchner Kommunalpolitik.

Bekannt wurde sie

beispielsweise als eine der Initiatoren

des erfolgreichen

Bürgerentscheids gegen eine

dritte Startbahn am Münchner

Flughafen. 2013 zog sie in den

Landtag ein, wurde innenpolitische

Sprecherin und 2017 bereits

zur Fraktionsvorsitzenden

gewählt. Sie gilt als fleißige

Arbeiterin, die sich leidenschaftlich

für ihre Überzeugungen

einsetzt. Nicht wenige

in ihrer Partei sagen ihr schon

länger eine große

Karriere voraus.

Hartmann,

ledig, ein Kind,

stammt aus einer

durch und

durch grünen Familie. Er zog

2008 erstmals in den Landtag

ein. Dort hat sich der Kommunikationsdesigner

einen Namen

als Energieexperte gemacht.

Er gilt als ehrgeizig und

ebenfalls als ein Mann markiger

Worte, der, wenn nötig,

auch vor Streit nicht zurückschreckt.

Allerdings ist ihm das

Laute und Quirlige fremd.

Hartmann war es auch, der

beim ersten schwarz-grünen

TV-Duell in Bayern an den

Start ging, gegen Ministerpräsident

und Medienprofi Markus

Söder –sonst durfte das die

SPD. Zur Überraschung vieler

Beobachter war es über weite

Strecken ein Duell auf Augenhöhe.

Gestern gewann Hartmann

in seinem Münchner

Wahlkreis das Direktmandat.

Tanja Schorer-Dremel

CSU

43,2 % (54,3%)

Stimmkreis 125

Neub.-Schrobenh.

Matthias Enghuber

CSU

34,6 % (61,5%)

Stimmkreis 703

Aichach-Friedberg

Peter Tomaschko

CSU

41,7 % (52,5%)

Aichach

So hat die Region gewählt

Ingolstadt (DK) Auch in der

Region hat die CSU zum Teil

deutliche Verluste hinnehmen

müssen. So verlor sie im Landkreis

Neuburg-Schrobenhausen

bei den Gesamtstimmen

20,6 Prozentpunkte, bei den

Erststimmen sogar 26,9 Prozentpunkte.

Allerdings war

dort vor fünf Jahren Horst Seehofer

als Direktkandidat angetreten.

Die AfD fuhr in allen

Stimmkreisen außer Roth und

Dachau zweistellige Ergebnisse

ein. In Ingolstadt erreichte

sie in zwei Stimmbezirken sogar

mehr als 30 Prozent. Im

Landkreis Pfaffenhofen wurden

die Rechtspopulisten

zweitstärkste Kraft. Die folgende

Auflistung gibt jeweils den

Anteil einer Partei an der Zahl

der Gesamtstimmen (Erstund

Zweitstimmen)an:

n Stimmkreis 119 Ingolstadt

CSU 36,3 Prozent der abgegebenen

Stimmen (Landtagswahl

2013: 49,9), Grüne 16,6

(7,6), AfD 12,9 (-), SPD 9,1

(20,3), FW 7,4 (7,6), FDP 6,9

(3,2).

Neuburg

703

119

125 126

Schrobenhausen

Stimmkreis 113

Dachau

113

Bernhard Seidenath

CSU

34,2 % (47,3%)

Dachau

Ingolstadt

Pfaffenhofen

Freising

n Stimmkreis 125

Neuburg-Schrobenhausen

CSU 39,2 Prozent der abgegebenen

Stimmen (Landtagswahl

2013: 59,8), FW 21,3

(10,1), AfD 11,4 (-), Grüne 11,1

(5,2), SPD 5,8 (14,6), FDP 3,4

(1,8).

n Stimmkreis 115

Eichstätt

CSU 44,0 Prozent der abgegebenen

Stimmen (Landtagswahl

2013: 57,4), FW 12,2 (9,1),

Grüne 11,7 (4,5), AfD 11,4 (-),

SPD 7,5 (17,6), FDP 4,1 (1,7).

n Stimmkreis 126

Pfaffenhofen

CSU 37,8 Prozent der abgegebenen

Stimmen (Landtagswahl

2013: 52,2), AfD 12,9 (-),

Grüne 12,5 (5,7), FW 12,4 (9,0),

SPD 8,7 (19,8), FDP 7,2 (3,2).

n Stimmkreis 512

Roth

CSU 40,8 Prozent der abgegebenen

Stimmen (Landtagswahl

2013: 45,0), Grüne 14,9

(6,9), FW 12,8 (11,0), SPD 10,3

(24,1), AfD 9,7 (-), FDP 3,5 (2,4).

203

117

Stimmkreis 119

Ingolstadt

Alfred Grob

CSU

36,0 % (45,7%)

Petra Högl

CSU

35,5 % (53,4%)

Stimmkreis 117

Freising

Florian Herrmann

CSU

27,4 % (38,8%)

Stimmkreis 126

Pfaffenhofen

Karl Straub

CSU

35,7 % (47,1%)

n Stimmkreis 203

Kelheim

CSU 33,7 Prozent der abgegebenen

Stimmen (Landtagswahl

2013: 49,4), FW 24,6

(12,8), AfD 11,5 (-), Grüne 11,0

(6,1), SPD 6,4 (16,7), FDP 3,3

(3,7).

n Stimmkreis 303

Neumarkt in der Oberpfalz

CSU 47,2 Prozent der abgegebenen

Stimmen (Landtagswahl

2013: 56,4), FW 13,6

(12,7), Grüne 12,4 (6,6), AfD

10,2 (-), SPD 6,1 (13,4), FDP 3,3

(1,7).

n Stimmkreis 703

Aichach-Friedberg

CSU 41,7 Prozent der abgegebenen

Stimmen (Landtagswahl

2013: 53,6), Grüne 15,9

(7,3), AfD 11,7 (-), FW 11,5 (6,7),

SPD 7,2 (17,0), FDP 4,9 (3,4).

n Stimmkreis 113 Dachau

CSU 35,8 Prozent der abgegebenen

Stimmen (Landtagswahl

2013: 50,4), Grüne 17,1

(6,0), FW 13,4 (8,3), SPD 10,6

(22,5), AfD 9,1 (-), FDP 5,4 (2,3).

Grafik: DK

Ziel: Regierungsbeteiligung

Hubert Aiwanger und seine Freien Wähler dienen sich nach ihrem Wahlerfolg der CSU an

Hubert Aiwanger strebt eine Koalition

mit der CSU an. Foto: dpa

München (DK/AFP) Hubert

Aiwanger gehört zu den Siegern

des Wahlabends in Bayern: Seine

Freien Wähler erreichten mit

rund 11,5 Prozent ein Rekordergebnis

und sind nun die erste

Wahl der CSU bei der Suche

nach einem Koalitionspartner.

Aiwanger machte umgehend

deutlich, dass er dazu bereit ist:

Er werde Ministerpräsident

Markus Söder (CSU) „machbare

Vorschläge auf den Tisch legen",

kündigte er an.

Schon bisher gab es in der

deutschen Politik wohlh keinen

Politiker, der so viele Ämter auf

sich vereint wie Aiwanger. Er ist

Stadtrat, Kreisrat, Kreisvorsitzender,

Landesvorsitzender,

Landtagsfraktionschef und Bundesvorsitzender

der Freien Wähler.

Nun kann er sich nach zehn

Jahren Opposition auch noch

auf ein Ministeramt freuen.

Der am 26. Januar 1971 in Ergoldsbach

in Niederbayern geborene

Aiwanger konnte als Erster

an der Vormachtstellung der

CSU kratzen. Er stieg mit seiner

Wählergruppe zur ernst zu nehmenden

Kraft auf, als die CSU

von 2003 bis 2008 noch mit einer

Zweidrittelmehrheit regierte.

Die Unzufriedenheit der

Wähler nach der Reformwut von

CSU-Chef und Ministerpräsident

Edmund Stoiber und des-

sen Sturz konnten Aiwanger und

seine Mitstreiter nutzen und

2008 mit über zehn Prozent erstmals

in den Landtag einziehen.

Bei seinem späten Einstieg in

die Politik entschied sich Aiwanger

für die Freien Wähler, obwohl

er als studierter Agraringenieur,

Landwirt und Hobbyjäger

eigentlich der idealtypische

CSU-Politiker wäre. Die Christsozialen

seien ihm zu arrogant,

sagte er einmal. Nun strebt er

also eine Koalition mit eben jener

CSU an. Eine entsprechende

Forderung richtete er jedenfalls

schon fünf Minuten nach der

ersten Prognose an CSU-Generalsekretär

Markus Blume.

Die FDP zittert sich

durch den Wahlabend

München (dpa) Die Wangen

vieler Liberaler sind gerötet.

Das mag an der stickigen Luft

im Saal liegen. Ganz sicher ist

aber auch der gelbe Balken

schuld, der immer wieder auf

dem großen Monitor neben der

Bühne erscheint. Er zeigt an,

wie viele Menschen bei der

Landtagswahl in Bayern für die

FDP gestimmt haben. Für die

Partei geht es an diesem Abend

um alles: Sie will die Rückkehr

in den Landtag schaffen und

muss dafür die Fünf-Prozent-

Hürde nehmen.

Nach der ersten Prognose, die

mit zaghaftem Applaus quittiert

wird, sieht es zwar danach aus,

die ersten Gäste auf der FDP-

Wahlparty in München trauen

sich zu jubeln. Doch mit Werten

knapp über fünf Prozent ist es

eng. „Es wird ein sauspannender

Abend“, sagt FDP-Spitzenkandidat

Martin Hagen. In den

vergangenen fünf Jahren war

die FDP nicht im Maximilianeum

vertreten. Man merkt dem

37-Jährigen die Anspannung

an, doch er gibt sich betont gut

gelaunt, lacht viel, erzählt, dass

er den Wahltag mit seiner Familie

in den Bergen verbracht habe.

Nach den ersten Prognosen

verabschiedet er sich, er will in

den Landtag. „Wenn ich wiederkomme,

wird das Ergebnis so,

wie wir es haben wollen“, ruft er

von der Bühne.

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