REGIOBOTE Herbst 2018

Druckerpresse

Regionalmagazin für den Raum um Ottersberg, Oyten, Achim und Rotenburg.

Hinrich Pape unterwegs im Tuk Tuk

Annegret & Hinrich Pape

FLAGGE ZEIGEN!

Vom Glück, gemeinsam offen durch das Leben gehen zu dürfen

Text / Fotos:

Ralf G. Poppe

http://www.gaestehauskiekmolrin.de

Annegret Pape ist ein Rotenburger Original,

eine waschechte Waffensennerin. Mittlerweile

71 Jahre alt, hat sie nicht nur mit Ehemann

Hinrich eine Deutschland-Tour im TukTuk hinter

sich, sondern im eigenen Haus stets ein Bett

frei für Menschen aus aller Welt!

Annegret und Hinrich Pape sind ein zeitloses

Paar. Und das nicht nur, weil in ihren Gästezimmern

anfangs Uhren fehlten. Man merkt ihnen

weder ihr Alter an, noch haben sie antiquierte

Ansichten. Das Paar geht offen auf neue Mitbürger

zu, engagiert sich, fährt bevorzugt mit

einem TukTuk durch die Region, und liebt den

jährlichen Urlaub in Sri Lanka. Im Gespräch

mit dem Regioboten kamen einige Anekdoten

aus einem erfüllten Leben zum Vorschein …

Sehr geehrte Frau Pape, Sie sind in Rotenburg

geboren und aufgewachsen?

„Geboren bin ich in Waffensen auf „Kösters

Hof“. Als zweites von fünf Geschwisterkindern.

Außerdem lebten dort neben meinen Eltern

zudem die Großeltern. Es war also ein

Neun-Personen-Haushalt. Zuhause haben wir

nur plattdeutsch gesprochen. Zeit zum Spielen

war nicht viel, denn wir hatten eine kleine

Landwirtschaft. Alle mussten mit anpacken,

um z. B. Schweine, Kühe, Hühner usw. zu verpflegen.

Gegessen wurde, was wir selbst hatten

Hausschlachtung und Gemüse aus dem Garten.

Unsere Mutter verkaufte auch Gemüse auf

dem Wochenmarkt in Rotenburg. Das Waschen

der Kleidung war ebenfalls mühsam, denn wir

hatten weder eine Waschmaschine noch eine

Schleuder, in der heutigen Zeit undenkbar. Irgendwann

bekamen unsere Nachbarn dann

eine Wäscheschleuder. Es war eine Sensation.

Fortan durfte ich dann mit zwei Eimern Wäsche

zum Schleudern hingehen. Auf dem Hinweg

ganz schön schwer, zurück dann etwas

leichter.“

Und eben dort, in Waffensen, haben Sie auch geheiratet,

nachdem Sie ihren Ehemann Hinrich in

Sottrum kennengelernt hatten…

„Unsere Familie gehört zur SELK in Sottrum.

Meine Freundin nahm mich eines Tages mit zu

einem Jugendtreffen der SELK im Missionshaus

in Bleckmar bei Hermannsburg. Etwa 150 junge

Leute hatten sich dort eingefunden. Plötzlich

ging die Tür auf und Hinrich (mein zukünftiger

Mann) kam mit seinem Freund Helmut herein.

Die Beiden waren extra gekommen, um eine

Frau kennenzulernen, erzählte mein Mann später.

Bei mir funkte es sofort, aber wie sollte ich

eben diesen Mann in der Menge wiederfinden?

Irgendwie hat es nach vielem Hin und Her doch

geklappt. Meine Freundin hat sich in Hinrichs

Freund verliebt. Die Zwei haben ebenfalls geheiratet

und sind sieben Jahre später nach Kanada

ausgewandert.“

Die Heimfahrt von der eigenen Hochzeit in den

neuen Wohnort Gnarrenburg gestaltete sich sicher

sehr aufregend…

„Ein Jahr nach dem Kennerlernen, im August,

haben wir unsere Hochzeit gefeiert. Natürlich

in Waffensen auf unserer Diele. Morgens um

4.00 Uhr sind wir dann mit unserem Fiat 770

in unsere kleine Wohnung nach Gnarrenburg

gefahren. Als wir durch Rhade fuhren, merkte

ich, dass ich einen Hasen überfahren hatte.

Was nun? Natürlich konnten wir den Hasen

nicht einfach liegen lassen. Auch wusste ich,

dass das Blut raus muss aus dem Tier. Aber wie?

Schließlich fanden wir eine Lösung. In unserer

Wohnung angekommen, habe ich den Hasen in

die Dusche gehängt. So konnte er ausbluten.

Doch wie sah mein schönes Brautkleid danach

aus? Das habe ich noch in der Nacht dann erst

einmal intensiv gewaschen... Als wir später von

unserer Hochzeitsreise (im Zelt) zurückkamen,

hatte unser Opa dem Hasen das Fell über die

Ohren gezogen. So hatten wir einen wunderbaren

Hasenbraten. Heute undenkbar!“

4 04/18

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