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Berliner Kurier 16.10.2018

* HINTERGRUND

* HINTERGRUND Achtjähriger warsoforttot Es ist einer der ungewöhnlichsten Kriminalfälle in der Berliner Polizeigeschichte.Ein acht Jahre altes Kind wird in Reinickendorfvon einem schweren Baumstumpf erschlagen.Vermutlich haben Kinder den Holzklotzaus einem 15-geschossigen Haus geworfen. Vorsätzlich,glaubt die Polizei. Er traf das Kindam Kopf.Der Junge warauf der Stelle tot. Dieser Baumstamm wurde aus dem Hochhaus geworfen. Er traf Ibrahim A. (8) am Kopf,der Junge starb am Unfallort. Der Tod kam beim Spielen Die Polizei glaubt,dassIbrahim (8) vorsätzlich getötet wurde Er liebte sein Fahrrad: Ibrahim A. wollte am Sonntagmittag mit seinem BMX-Rad losfahren, als ihn vorder Haustür ein heruntergeworfener Holzklotz tödlich verletzte. Von S. STRAUSS, K. OBERSTund L.SCHNEDELBACH Auf dem Gehweg brennen Grabkerzen, Blumen liegen daneben. Nachbarn kommen, eine Gruppe Jugendlicher rückt zusammen, manche weinen. Die Menschen stehen mit gesenkten Köpfen genau an jener Stelle, an der einen Tag zuvor der acht Jahre alte Ibrahim A. von einem Holzklotz erschlagen wurde. Der abgesägte Baumstamm wurde aus einem Fenster des 15-geschossigen Hochhauses im Märkischen Viertel in Reinickendorf geworfen. Der Klotz traf den Achtjährigen am Kopf. Der Junge starb trotz sofortiger Hilfe von Notärzten am Unfallort in der Tiefenseer Straße. Seitdem ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft. Im Dunkeln bleibt, wie es zu der Tragödie kommen konnte. „Die genauen Abläufe sind noch unklar“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Martin Steltner dem KURIER. „Wir ermitteln wegen des Verdachts eines vorsätzlichen Tötungsdelikts“, so Steltner. Der Fall des Jungen, der am Sonntag von dem Baustamm erschlagen wurde (KURIER berichtete), gehört zu den bisher einmaligen Todesfällen der Berliner Polizeigeschichte. Fest steht, dass Ibrahim A. zusammen mit seinem ein Jahr älteren Cousin in der Tiefenseer Straße unterwegs war. Beide

* SEITE5 BERLINER KURIER, Dienstag, 16. Oktober 2018 Fotos: Eric Richard, Klaus Oberst saßen auf dem BMX-Rad des Achtjährigen. Plötzlich stürzte der etwa 50 Zentimeter lange und rund 30 Zentimeter dicke Klotz aus einem Hausflurfenster des 15-geschossigen Gebäudes. Er traf Ibrahim am Kopf. Der Junge hatte keine Überlebenschance. Sein Cousin, der ebenfalls in der Nachbarschaft wohnt, wurde an der linken Hand verletzt. Spuren der Kriminaltechniker im Hausflur zeugen davon, dass das Holzstück aus einem Flurfenster in der obersten Etage geworfen worden sein könnte. Der oberste Hausflur gilt als Treffpunkt von Kindern und Jugendlichen. Zigarettenkippen liegen dort auf dem Boden. Für diesen Tatort könnte sprechen, dass sich die Kriminaltechniker besonders dafür interessiert hatten. So waren der Fensterrahmen, die Scheiben sowie die Wände intensiv mit schwarzem Pulver bedeckt. Das nutzen Kriminaltechniker zur Sicherung von Fingerabdrücken. Die sichergestellten Spuren werden nun mit Fingerabdrücken auf dem Baustamm verglichen. Bislang schließen die Ermittler nicht aus, dass zwei Kinder den Klotz aus einem der Fenster geworfen haben. Es könnten aber auch Jugendliche gewesen sein, womöglich eine Art Kraftprobe – mit schrecklichem Ende. Vermutlich lag der Baumstamm schon länger im Hausflur und diente den Kids als Sitzmöglichkeit. Ausreichend Hinweise auf einen gezielten Anschlag auf beide Opfer hat die Polizei allerdings noch nicht geliefert. Am Montagvormittag kritisierten Angehörige die Ermittler. Eine Cousine berichtete dem KURIER, die Familie habe offiziell bis in die späte Nacht hinein nicht vom Tod des Kindes erfahren. „Wir durften uns nicht von dem Jungen verabschieden“, sagte Cousine Malinka. Polizisten widersprachen der Kritik. In wenigen Minuten seien Familienangehörige und Nachbarn am Unfallort gewesen. Sie hätten jedoch die Arbeit der Sanitäter massiv behindert, sagte ein Polizist. Am Tag nach dem Unglück liegt ein Brief neben den Kerzen und Blumen. „Warum? Du wolltest doch nur spielen“, steht darauf. Anwohner stehen an Häuserecken und schauen zur Unglücksstelle. Sie reden leise, sie trauern und nehmen Abschied. Über die warme Herbstsonne freut sich niemand. Der Tod des achtjährigen Jungen schockiert die Menschen im Märkischen Viertel. „Wer macht denn so was?“, fragen sie. Noch weiß niemand eine Antwort darauf.