FINDORFF GLEICH NEBENAN Nr. 8

FINDORFF.GLEICH.NEBENAN

q DIE FINDORFF KOLUMNE

28215 Bremen/Findorff

Hemmstraße 157b + 212-214 + 344-346

» Nahrung, Wärme und etwas Platz.«

W

»Wie, einzeln ?«

»Etwa so wie in einer

Wohngemeinschaft, Jürgen ?«

»Genau so, Bernd, nur, dass die MieterInnen

sich eben nicht aussuchen können

mit wem sie die WG teilen.»

»Das kriegen wir doch niemals im

Leben vermietet; Jürgen, also ich weiß

nicht ...«

»Klar kriegen wir das vermietet,

Bernd. Angebot, Nachfrage, Wohnungsmangel,

Knick Knack – Tschubberlubber

– weißte doch, nech ? Und das Schöne ist,

wir verdienen doppelt so viel !«

»Doppelt so viel, Jürgen ?«

»Doppelt so viel, Bernd.«

eißt Du, Bernd, was wäre denn,

wenn wir das Haus einfach einzeln

vermieten?«

»Naja, wir vermieten nicht das ganze

Haus an eine Partei, sondern wir

bieten die Räume einzeln an.«

Dann sehen sich beide zufrieden an,

fast ein wenig wie ein Paar, das sich

gerade gegenseitig einen Heiratsantrag gemacht hat.

So, oder so ähnlich, stelle ich mir vor, muss wohl das Gespräch

in der Maklerfirma gelaufen sein, als die sich darüber austauschten,

wie sie das Haus nicht nur vermietet bekämen, sondern

eben eine möglichst hohe Marge heraushandeln könnten.

Immer noch etwas fassungslos blicke ich auf den Bildschirm

meines Laptops, der mir bei der Suchanfrage nach bezahlbarem

Wohnraum in Findorff genau neun Angebote ausgespuckt hat;

alle in einem Haus, allesamt vom gleichen Anbieter. 15 qm für

knapp 400,00 € Gesamtmiete in einem Haus, das man mit

Menschen teilt, die man nicht kennt. 400,00 € für ein Zimmer,

bei dem man natürlich Bad und Küche mitbenutzen kann, die

anderen, die man erst einmal kennen lernen muss, aber ja auch.

Eigentlich habe ich nur aus Spaß schauen wollen, was es wohl

kosten würde nach Findorff zu ziehen. Jetzt aber bin ich begeistert

von der Fülle dieses Angebots, lecke mir über die Lippen

vor Vorfreude und beginne in Gedanken bereits den Umzug

zu planen. Läppische 400,00 € für die Möglichkeit mit völlig

Fremden auf äußerst beengter Fläche zu wohnen. 400,00 €

für den Nervenkitzel sich an Menschen zu gewöhnen, die man

ansonsten niemals kennen lernen wollen würde.

Dieses Knistern, das entsteht, wenn Weltanschauungen aufeinander

treffen, breitet sich in mir aus. Mich erfüllt die Vorfreude

SIM SCHAUT HIN

auf den Streit, der daraus resultiert, dass unterschiedliche

Vorstellungen von Sauberkeit sich aneinander reiben. Endlich

streiten statt zu chillen. Endlich wohnen statt zu leben.

Ich klappe meinen Laptop entnervt zu und freue mich, dass ich

schon in einer Wohnung lebe, die ich bezahlen kann und die

mit einem Mietvertrag daher gekommen war, in dem es nicht

darum ging, möglichst viel Profit aus ihr zu schlagen. Wenn es

nicht so traurig wäre, müsste man fast schon darüber lachen,

wie viel Geld Menschen anderen Menschen dafür

abknöpfen, dass diese wohnen wollen. Aber wenn

man sehr lange über das Konzept des »Mietens«

nachdenkt, wird es ohnehin immer absurder.

Da wird man als Wunder der Natur und

nach Milliarden Jahren Evolution in diese

Welt geboren mit dem Versprechen, dass

die Welt eigentlich alles bereithält, was

man zum Überleben braucht: Nahrung,

Wärme und etwas Platz. Nur kommt man

dann auf diese Welt und alle, die vor einem

da waren, hatten nichts Besseres zu tun, als diese

Welt unfair unter sich aufzuteilen, anstatt sie zu

verteilen und dann, dann kommt jemand und verlangt

400,00 € für ein 15 qm Zimmer in

einem Haus, das man sich mit Menschen

teilt, die man nicht kennt und

man denkt sich: Immerhin. Immerhin

vermieten sie dieses Haus, anstatt es leer stehen zu lassen, um

künstlich die Mieten in der Stadt steigen zu lassen, denn:

»Das Angebot bestimmt heute die Nachfrage, Bernd, Knick-

Knack, wenn Du eine Sache nur rar genug machst, kannst Du

sie auch teurer verkaufen, so läuft der Hase. Und wenn Du

eine Sache aber nicht rar machen kannst, dann teil sie halt auf

und verkauf sie in Einzelteilen. Irgendeinen Bedürftigen, der

sie zu sehr braucht, findest Du immer.«

Bernd und Jürgen schauen verliebt auf die Bilder der Immobilie,

die sie wie einen Schrein in ihrem Büro an die Wand gehängt

haben.

»Bernd ?«

»Ja, Jürgen ?«

»Bernd, ich glaub... ich glaub, das wird richtig, richtig gut.«

»Gut im Sinne von profitabel, meinst Du, Jürgen ?«

»Yes, Bernd. Gut halt. Richtig, richtig gut.«

▼ ÜBER SIMEON BUß

Simeon Buß kennt sich aus in Findorff. Er selbst lebt auf der

anderen Seite des Bürgerparks in Schwachhausen und betrachtet

den Stadtteil aus der nahen Distanz von außen. www.simpanse.de

Text: Simeon Buß, Foto: Kerstin Rolfes ▲

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