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DIE

SCHWARZE

SIEBEN

LEGT LOS


DIE

SCHWARZE

SIEBEN

LEGT LOS

Aus dem Englischen von Gundula Müller-Wallraf

Mit Illustrationen von Tony Ross

KNESEBECK

– urheberrechtlich geschütztes Material –


Inhalt

Titel der Originalausgabe: The Secret Seven

Erschienen bei Éditions de La Martinière SA, Paris 2008

Copyright © 2018 Éditions de La Martinière SA, Paris, Frankreich

Deutsche Erstausgabe

Copyright © 2018 von dem Knesebeck GmbH & Co. Verlag KG, München

Ein Unternehmen der La Martinière Groupe

Umschlagadaption: Leonore Höfer, Knesebeck Verlag

Lektorat: Veronika Brandt, Knesebeck Verlag

Satz & Herstellung: Arnold & Domnick, Leipzig

Druck: PNB Print Ltd

Printed in Latvia

1 Vorbereitung eines Geheimtreffens 7

2 Der Geheimbund »Schwarze Sieben« 14

3 Ein böser alter Mann 22

4 Jack hat ein merkwürdiges Erlebnis 29

5 Aufregende Pläne 37

6 Erste Ermittlungen 44

7 Ein Gespräch mit dem Hausmeister 52

8 Ein weiteres Treffen 58

9 Hinaus in die Nacht 65

10 Im Inneren des leeren, alten Hauses 74

11 Der Gefangene 81

12 Das Ende des Abenteuers 89

ISBN 978-3-95728-101-2

Alle Rechte vorbehalten, auch auszugsweise.

www.knesebeck-verlag.de

– urheberrechtlich geschütztes Material –


KAPITEL EINS

Vorbereitung eines Geheimtreffens

»wir müssen unbedingt bald ein Treffen der Schwarzen

Sieben einberufen«, sagte Peter zu Janet. »Das letzte ist schon

wieder ewig her.«

»Au ja, das machen wir!«, sagte Janet und klappte lautstark

ihr Buch zu. »Aber es ist ja nicht so, dass wir den Geheimbund

vergessen hätten, Peter – wir hatten in den Weihnachtsferien

nur so viel zu tun, dass wir einfach nicht dazu

gekommen sind, uns zu treffen.«

»Umso dringender ist es jetzt«, sagte Peter. »Was nützt ein

Geheimbund, der gar nichts tut? Am besten benachrichtigen

wir die anderen sofort.«

»Puh, dann müssen wir fünf Nachrichten schreiben«,

maulte Janet. »Du schreibst viel schneller als ich, Peter.

Könntest du drei schreiben? Dann schreibe ich die anderen

beiden.«

»Wuff!«, sagte Sam, der Cockerspaniel.

»Ich weiß, du möchtest auch gern helfen, Sam. Aber du

kannst leider nicht schreiben«, sagte Janet und strich dem

Hund über den seidig weichen, goldenen Kopf. »Du darfst

einen der Briefe austragen. Das wäre doch eine prima

Aufgabe für dich, Sam!«

– urheberrechtlich geschütztes Material –

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»Und was wollen wir schreiben?«, fragte Peter, zog ein

Blatt Papier zu sich heran und kaute nachdenklich auf seinem

Stift herum.

»Na ja, wir sollten ihnen vielleicht einfach mitteilen, dass

sie herkommen sollen«, sagte Janet. »Wir könnten doch den

alten Schuppen unten im Garten als Hauptquartier nutzen,

oder? Mama hat nichts dagegen, dass wir im Winter dort

spielen, weil die Heizung für das Gewächshaus direkt daneben

liegt und es dort deshalb immer schön warm ist.«

»Stimmt«, sagte Peter und fing an zu schreiben. »Dann

schreibe ich jetzt erst einmal eine Nachricht, Janet, und die

kannst du dann abschreiben. Mal sehen: Wir brauchen eine

für Pam, eine für Colin, eine für Jack, eine für Barbara …

wer war noch gleich der siebte? Das hab ich doch glatt vergessen.«

»George natürlich«, sagte Janet. »Pam, Colin, Jack, Barbara,

George, du und ich – das sind alle sieben. Die Schwarze

Sieben. Klingt gut, oder?«

Der »Geheimbund Schwarze Sieben« war eine Idee von

Peter und Janet gewesen. Sie hatten sich überlegt, dass es

Spaß machen könnte, eine Bande von Jungen und Mädchen

zu gründen, die ein geheimes Losungswort benutzten

und ein Abzeichen – einen Anstecker, auf dem S7 stand –

trugen.

»So, fertig!«, sagte Peter und reichte Janet das Blatt. »Das

brauchst du jetzt nur noch abzuschreiben.«

»Besonders schön aussehen muss es aber nicht, oder?«,

fragte Janet. »Schön zu schreiben, dauert immer so wahnsinnig

lange bei mir.«

»Hauptsache, man kann es lesen«, sagte Peter. »Wir

müssen die Briefe ja nicht per Post verschicken.«

Janet las, was Peter geschrieben hatte: »WICHTIG! Die

Schwarze Sieben trifft sich morgen früh um zehn Uhr in

dem alten Schuppen hinten in unserem Garten. Zutritt nur

bei Nennung des geheimen Losungsworts!«

»Ach, was war denn noch das geheime Losungswort?«,

fragte Janet erschrocken. »Unser letztes Treffen ist schon so

lange her, dass ich es ganz vergessen habe.«

»Na, dann hast du ja Glück, dass ich da bin, um dich daran

zu erinnern«, sagte Peter. »Das Losungswort lautet ›Ruprecht‹.

Wir wollten etwas Weihnachtliches. Unglaublich, dass du

das vergessen konntest!«

»Ach, ja, richtig, wegen Knecht Ruprecht«, sagte Janet.

»Ach, Mist – und schon hab ich mich verschrieben. Ich sollte

wirklich nicht gleichzeitig reden und schreiben!«

Während die beiden die restlichen Nachrichten schrieben,

wurde also geschwiegen. Wenn Janet schrieb, biss sie sich

immer auf die Zunge, was sehr komisch aussah. Aber sie

behauptete steif und fest, sie könne überhaupt nur richtig

schreiben, wenn sie die Zunge herausstreckte, also streckte

sie sie eben heraus.

Peter war als Erster fertig. Er ließ Sam die Briefumschläge

anlecken. Sams schöne, lange, nasse Zunge schien wie dafür

gemacht.

»So gern, wie du immer herumschlabberst, ist es bestimmt

toll für dich, wenn du endlich mal etwas anschlabbern darfst«,

sagte Peter. »Schade, dass wir keine Briefmarken auf die

Briefe kleben, sonst könntest du die auch noch anlecken.«

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– urheberrechtlich geschütztes Material –


»Sollen wir los und die Nachrichten überbringen?«, fragte

Janet. »Mama hat schon erlaubt, dass wir rausgehen. Die

Sonne scheint so schön – es ist nur ein bisschen kalt.«

»Wuff! Wuff!«, kläffte Sam und rannte zur Tür, als er das

Wort »raus« hörte. Ungeduldig kratzte er mit der Pfote

daran.

Kurz darauf waren die drei draußen in Eis und Schnee. Es

war herrlich. Ihre Runde führte zunächst zu Colins Haus.

Der war nicht da, also gaben sie die Nachricht seiner Mutter.

Dann gingen sie weiter zu George. Der war zu Hause und

ganz aufgeregt, als er von dem geheimen Treffen im Schuppen

hörte.

Die nächste Adresse auf der Liste war die von Pam. Jack

war zufällig gerade bei ihr, also konnte Peter gleich zwei

Nachrichten übergeben. Jetzt fehlte nur noch Barbara. Leider

war die für ein paar Tage weggefahren.

»Mist!«, sagte Peter. Aber als er erfuhr, dass sie schon am

gleichen Abend wiederkommen würde, war sein Ärger sofort

verflogen. »Kann sie gleich morgen früh zu uns kommen?«,

fragte er Barbaras Mutter, und die meinte, ja, das lasse sich

bestimmt einrichten.

»Damit hätten wir alle fünf«, sagte Janet auf den Heimweg.

»Komm, Sam. Wir gehen noch ein bisschen in den Park

zum Spielen.«

Sie hatten viel Spaß im Park. Sie bewarfen sich gegenseitig

mit Schneebällen und machten Spuren in den klirrend

kalten, frischen Schnee. Sam entdeckte einen zugefrorenen

Teich. Übermütig sprang er auf die Eisfläche, aber seine

Pfoten rutschten unter ihm in alle vier Himmelsrichtungen

– urheberrechtlich geschütztes Material –

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auseinander. Verzweifelt versuchte er, wieder auf die Beine zu

kommen, aber ohne Erfolg. Schließlich blieb den lachenden

Kindern nichts anderes übrig, als ihn gemeinsam vom Eis zu

ziehen.

Sam war sauer. Er drehte sich um und knurrte in Richtung

Teich. Was war denn bloß passiert? Im Sommer hatte er

noch aus dem Wasserloch getrunken und darin gebadet, und

jetzt das! Irgendetwas Seltsames war geschehen, und das

gefiel ihm gar nicht.

Am Nachmittag gingen die beiden Kinder mit Sam im

Schlepptau durch den Garten zum alten Schuppen hinunter.

Dort war es kuschelig warm, denn der Kessel zum Beheizen

des großen Gewächshauses nebenan lief auf Hochtouren.

Peter sah sich um.

»Eigentlich ist es ganz gemütlich hier. Lass uns ein paar

Obstkisten zum Draufsetzen zusammenschieben und die

alten Sitzkissen darauflegen. Und wir fragen Mama, ob wir

etwas zu trinken und Kekse bekommen. Dann wird das eine

richtige Versammlung!«

Sie zogen ein paar Kisten heran und holten die alten

Kissen aus einer Truhe. Als Teppiche legten sie Säcke auf

dem Boden aus und Janet wischte ein kleines Regal ab, damit

sie Limonade und Kekse darauf abstellen konnten, falls ihre

Mutter ihnen welche gab.

»Wir haben leider nur fünf Kisten«, sagte Peter. »Also

muss irgendjemand auf dem Boden sitzen.«

»Nein, nein. Da drüben in der Ecke stehen noch zwei

riesige Blumentöpfe«, sagte Janet. »Wenn wir die herholen

und umdrehen, geben sie prima Stühle ab.«

Mit fünf Kisten und zwei Blumentöpfen hatten sie nun

also genug Sitzplätze für alle sieben.

Aus dem Haus war eine Glocke zu hören. Zeit für den

Nachmittagstee. »Na, da sind wir ja genau rechtzeitig fertig

geworden«, sagte Peter. »Ich weiß schon, was ich heute

Abend mache, Janet.«

»Was denn?«, fragte Janet.

»Ich bastle uns ein Schild«, sagte Peter. »Ich male ein

großes, grünes S und eine schwarze 7. Die schneide ich dann

aus, klebe sie auf ein Stück Pappe und hänge das Ganze an

die Schuppentür.«

»Au ja, S7 – Schwarze Sieben!«, sagte Janet. »Das wäre

echt super!«

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– urheberrechtlich geschütztes Material –


Der Geheimbund

KAPITEL ZWEI

schwarze Sieben

am nächsten Morgen machten sich fünf Kinder aus

verschiedenen Ecken des Dorfes auf den Weg zum alten

Mühlenhaus, in dem Peter und Janet wohnten. Seinen

Namen hatte es von der zerfallenen Mühle, die in unmittelbarer

Nähe auf dem Hügel stand und seit vielen Jahren nicht

mehr in Betrieb war.

George traf als Erster ein. Er lief durch den Garten zum

Schuppen hinunter. Sofort entdeckte er das Schild an der

Tür – S7. Da stand es, klar und deutlich in leuchtendem

Grün und glänzendem Schwarz.

Er klopfte an die Tür. Nichts. Er klopfte noch einmal und

bekam wieder keine Antwort, obwohl er sich ganz sicher war,

dass Peter und Janet da waren. Er hatte Janets Gesicht an

dem kleinen Fenster gesehen. Nun war eindeutig ein Schnüffeln

an der Tür zu hören. Das musste Sam sein! Ungeduldig

hämmerte er an die Tür.

»Wie lautet das Losungswort, du Trottel?«, erklang Peters

Stimme.

»Ach, daran hab ich gar nicht gedacht!«, entschuldigte

sich George. Er überlegte einen Augenblick und sagte dann:

»Ruprecht!«

Sofort öffnete sich die Tür. George grinste und trat ein. Er

sah sich um. »Das ist ja richtig gemütlich hier. Können wir

hier die ganzen Ferien über unsere Treffen abhalten?«

»Ja. Nett und warm hier, was?«, sagte Peter. »Wo ist dein

Abzeichen? Der Anstecker mit dem S und der 7?«

»Ach, Mist – den hab ich nicht dabei«, sagte George. »Ich

hoffe, ich finde ihn wieder.«

»Du bist mir ja ein schönes Mitglied«, sagte Janet streng.

»Erst vergisst du das geheime Losungswort und dann auch

noch dein Abzeichen!«

»Tut mir leid«, sagte George. »Um ehrlich zu sein, hatte

ich den ganzen Geheimbund schon fast wieder vergessen!«

»Na, dann verdienst du eigentlich nicht, noch länger dazu

zu gehören!«, sagte Peter.

»Das lag doch nur daran, dass wir uns so lange nicht

getroffen haben! Ich würde behaupten…«

Wieder klopfte es an der Tür. Es waren Pam und Barbara.

Sofort verstummten die Kinder im Inneren des Schuppens

und lauschten.

»Ruprecht«, zischte Barbara in einem so verschwörerischen

Tonfall, dass alle zusammenzuckten.

»Ruprecht«, flüsterte auch Pam. Die Tür sprang auf und

die beiden Mädchen traten ein.

»Gut, ihr beide tragt euer Abzeichen!«, sagte Peter erfreut.

»Jetzt fehlen nur noch Colin und Jack. Wo bleiben die denn

nur?«

Jack stand am Gartentor und wartete auf Colin. Er hatte

nämlich das geheime Losungswort vergessen! Mann, was

war es denn bloß gewesen? Zahllose Wörter gingen ihm

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– urheberrechtlich geschütztes Material –


durch den Kopf. Lebkuchen? Balthasar? Was konnte es nur

gewesen sein? Er war sich ganz sicher, dass es irgendetwas

mit Weihnachten zu tun gehabt hatte.

Er wollte auf keinen Fall bei der Versammlung aufkreuzen,

ohne das Losungswort zu wissen. Peter konnte wahnsinnig

streng sein, und Jack konnte überhaupt nicht leiden,

vor allen anderen einen Anpfiff zu bekommen. Also zermarterte

er sich das Hirn, um auf das Wort zu kommen. Dann

plötzlich sah er Colin kommen und beschloss, auf ihn zu

warten. Colin erinnerte sich ganz bestimmt an das Wort!

»Hallo!«, sagte Colin, als er das Gartentor erreichte. »Hast

du die anderen schon gesehen?«

»Ich habe Pam und Barbara reingehen sehen«, sagte Jack.

»Hoffentlich weißt du noch, was das Losungswort war, Colin!«

»Klar«, sagte Colin.

»Das glaube ich dir nicht!«, sagte Jack.

»Aber sicher – es ist ›Ruprecht‹!«, sagte Colin. »Ätsch –

und du dachtest, ich wüsste es nicht mehr!«

»Danke, du hast mir sehr geholfen!«, grinste Jack. »Ich

hatte es nämlich vergessen. Aber verrate bitte Peter nichts

davon. Und jetzt komm. Hey, guck mal! Hier ist sogar ein

Schwarze-Sieben-Schild an der Tür!«

Sie klopften. »Ruprecht«, sagte Colin sehr laut und deutlich.

Gleich öffnete sich die Tür einen Spalt und Peters wütendes

Gesicht erschien. »Schrei doch nicht so rum! Soll das

ganze Dorf unser geheimes Losungswort hören, du Idiot?«

»Entschuldigung«, sagte Colin und ging hinein. »Allerdings

ist hier weit und breit niemand, der uns hören könnte.«

»Ruprecht«, sagte Jack, als ihm klar wurde, dass Peter ihn

nicht einfach so hineinlassen würde. Hinter ihm schloss sich

die Tür und die sieben Kinder ließen sich nieder. Peter und

Janet nahmen auf den Blumentöpfen Platz, die anderen auf

den Kisten.

»Das ist aber wirklich ein tolles Hauptquartier«, sagte

George. »Warm, gemütlich und weit genug vom Haus

entfernt.

»Ja. Ich muss sagen, Janet und du habt es sehr hübsch

eingerichtet«, sagte Barbara. »Da hängt ja sogar eine Gardine

am Fenster.«

Peter musterte die kleine Truppe. »Lasst uns zuerst alles

Wichtige besprechen. Danach gibt es etwas zu essen und zu

trinken«, sagte er.

Alle Augen wanderten zu dem sauberen kleinen Regal

hinter Colin. Darauf waren sieben Becher aufgebaut, ein

Teller mit Haferkeksen und eine Flasche mit einer

geheimnisvollen, dunklen Flüssigkeit darin. Was mochte

das sein?

»Als Allererstes müssen wir uns ein neues Losungswort

ausdenken. Da Weihnachten vorbei ist, passt ›Ruprecht‹

irgendwie nicht mehr. Außerdem hat Colin es eben so laut

herausposaunt, dass es jetzt sowieso jeder kennt.«

»Sei doch nicht so …«, setzte Colin an, aber Peters strenger

Blick bremste ihn.

»Unterbrich mich nicht. Ich bin der Vorsitzende des

Geheimbunds und ich sage, wir wählen ein neues Losungswort.

Außerdem sehe ich gerade, dass zwei von euch ihr

Abzeichen nicht tragen. George? Colin?«

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– urheberrechtlich geschütztes Material –

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»Ich habe dir ja schon gesagt, dass ich meins vergessen

habe«, sagte George. »Sobald ich wieder zu Hause bin, werde

ich es suchen.«

»Und meins ist irgendwie nicht mehr da«, sagte Colin.

»Vergessen habe ich es jedenfalls nicht. Ich habe überall

gesucht. Meine Mutter hat mir versprochen, mir heute

Abend ein neues zu machen.«

»Okay«, sagte Peter. »Also was ist mit einem neuen Passwort?«

»Dideldi-didödeldu!«, kicherte Pam.

»Bleib ernst«, sagte Peter. »Dieser Geheimbund ist eine

ernste Sache, also Schluss mit dem Blödsinn.«

»Ich habe gestern Abend schon ein bisschen darüber

nachgedacht«, sagte Jack. »Wie wäre es mit ›Wochentage‹?«

»Wie kommst du denn darauf?«, fragte Peter.

»Na ja, es gibt sieben Wochentage, oder? Und wir sind der

Geheimbund der Schwarzen Sieben«, sagte Jack. »Ich finde,

das passt ziemlich gut.«

»Ah, jetzt verstehe ich. Stimmt, das passt wirklich ziemlich

gut«, sagte Peter. »Auch wenn es eigentlich nur fünf richtige

Wochentage gibt! Wer für ›Wochentage‹ ist, hebt die Hand.«

Alle Hände gingen nach oben. Ja, ›Wochentage‹ war ein

prima Losungswort für die sieben! Jack grinste zufrieden.

»Ehrlich gesagt, hatte ich unser Losungswort heute

vergessen«, gab er zu, »und musste es aus Colin herauskitzeln.

Deshalb bin ich froh, dass mir ein neues eingefallen ist.«

»Gut, aber dieses darf jetzt keiner mehr vergessen«, sagte

Peter. »Eines Tages könnte das sehr wichtig sein. Wie wäre es

jetzt mit etwas zu futtern?«

»Schmacker!«, sagte Barbara und alle fingen an zu lachen.

»Was meinst du nun, ›schmackhaft‹ oder ›lecker‹?«, fragte

Janet.

»Beides natürlich«, sagte Barbara. »Was ist denn das für

ein seltsames Zeug in der Flasche da, Janet?«

Die Flüssigkeit war dunkelviolett und kleine schwarze

Punkte hopsten darin herum, als Janet die Flasche schüttelte.

»Mama hatte keine Limonade mehr im Haus, und auf

Milch hatten wir irgendwie keine rechte Lust, weil wir schon

so viel davon zum Frühstück getrunken haben«, sagte sie.

»Da fiel uns ein, dass wir ja noch ein Glas Johannisbeermarmelade

hatten! Das hier ist Johannisbeermarmeladentee!«

»Wir haben die Marmelade mit kochendem Wasser

aufgegossen und noch ein bisschen Zucker dazugetan«,

erklärte Peter. »Schmeckt wirklich gut – man könnte fast

sagen, ›leckhaft‹!«

»Oh, das ist ja auch eine Mischung aus ›schmackhaft‹ und

›lecker‹!«, kicherte Barbara. »Schmackhaft und lecker trifft es

in den meisten Fällen ziemlich genau.«

Erstaunlicherweise schmeckte der Johannisbeermarmeladentee

wirklich prima und passte ausgezeichnet zu den

Haferkeksen. »Außerdem ist er gut gegen Erkältung«, sagte

Janet und saugte genussvoll die schlaffen Johannisbeeren

aus ihrer Tasse. »Falls also gerade jemand das Gefühl hat,

einen Schnupfen zu bekommen, bekommt er den jetzt wohl

nicht.«

Alle verstanden, was Janet mit dieser seltsamen Bemerkung

sagen wollte, und nickten. Sie stellten die Tassen ab

und leckten sich die Lippen.

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– urheberrechtlich geschütztes Material –


»Schade, dass nicht noch mehr da ist«, sagte Janet. »Aber

die Marmelade war schon fast alle, sonst hätten wir ganze

Wannen voll gemacht.«

»Eigentlich haben wir auch noch ein paar Punkte zu

besprechen«, sagte Peter und streckte Sam eine Handvoll

Krümel hin. »Was nützt ein Geheimbund, der keine Ziele

hat – irgendwelche Geheimmissionen?«

»Wie letzten Sommer«, sagte Pam. »Wisst ihr noch? Da

haben wir Geld gesammelt haben, um Kindern mit Behinderungen

einen Ausflug ans Meer zu schenken.«

»Genau. Hat jemand eine Idee?«, fragte Peter.

Niemandem fiel etwas ein. »So kurz nach Weihnachten ist

es nicht so einfach, anderen zu helfen«, sagte Pam. »Ich

meine, gerade erst sind alle beschenkt und verwöhnt worden,

sogar die Ärmsten und Ältesten im Dorf.«

»Können wir nicht ein Geheimnis aufdecken oder ein

Verbrechen aufklären?«, schlug George vor. »Wenn es gerade

keine gute Tat zu tun gibt, finden wir vielleicht ein Rätsel,

das gelöst werden muss.«

»Welche Art von Rätsel meinst du?«, fragte Barbara

verwirrt.

»Ich weiß auch nicht genau«, sagte George. »Wir müssen

einfach die Augen offenhalten – ihr wisst schon, darauf

achten, ob uns irgendetwas Sonderbares oder Ungewöhnliches

auffällt. Und dann finden wir heraus, was es damit auf

sich hat.«

»Klingt aufregend«, sagte Colin. »Aber ich kann mir nicht

vorstellen, dass wir zufällig einen ungelösten Fall entdecken

– und wenn doch, ist die Polizei doch bestimmt schon dran.«

»Trotzdem sollten wir einfach aufmerksam bleiben und

abwarten«, sagte Peter. »Wer eine gute Tat entdeckt, die getan

werden sollte, oder auf ein ungelöstes Rätsel stößt, beruft

sofort ein Treffen der Schwarzen Sieben ein. Ist das klar?«

Alle waren einverstanden. »Und wenn es etwas Neues

gibt, können wir hier im Schwarze-Sieben-Hauptquartier

eine Nachricht hinterlassen, oder?«, fragte George.

»Das wäre das Beste«, stimmte Peter zu. »Janet und ich

werden jeden Morgen herkommen und nachsehen, ob einer

von euch etwas entdeckt hat! Ich hoffe, das passiert bald!«

»Ich auch. Es macht keinen Spaß, einem Geheimbund

anzugehören, der gar nichts zu tun hat«, sagte Colin. »Ich

werde aufpassen wie ein Schießhund. Man weiß ja nie, wo

die Geheimnisse verborgen sind.«

»Und jetzt lasst uns rausgehen und auf der Wiese bei dem

alten Haus unten am Fluss Schneemänner bauen«, sagte

George und stand auf. »Da ist der Schnee noch ganz unberührt.

Wir könnten eine ganze Armee von Schneemännern

bauen. Wäre es nicht witzig, wenn auf einmal ganz viele

davon auf der Wiese stünden.«

»Au ja, lasst uns das machen«, sagte Janet, die längst genug

vom Stillsitzen hatte. »Ich nehme diese alte Mütze mit, die

können wir einem der Schneemänner aufsetzen. Die hängt

hier schon ewig!«

»Und den Mantel hier können wir auch nehmen!«, sagte

Peter und zog einen zerlumpten Mantel von einem Nagel in

der Wand. »Weiß der Himmel, wem der mal gehört hat.«

Und dann machten sich alle auf den Weg zu der Wiese am

Fluss, um eine ganze Armee von Schneemännern zu bauen!

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– urheberrechtlich geschütztes Material –


KAPITEL DREI

Ein böser alter Mann

eine ganze Armee wurde es natürlich nicht! Immerhin

schafften sie es aber, vier Schneemänner zu bauen. Der

Schnee auf der Wiese war dick und weich und ließ sich gut

zu den großen Kugeln rollen, die man für Schneemänner

brauchte. Auch Sam war mit viel Spaß bei der Sache.

Janet setzte einem der Schneemänner die Mütze auf den

runden Kopf und Peter legte ihm den alten Mantel um die

eisigen Schultern. Sie suchten passende Steine für Augen

und Nase und ein Stück Holz für den Mund. Dann gaben sie

ihm noch einen Stock in die Hand. Dieser Schneemann war

der schönste von allen.

»Ich muss mich langsam auf den Heimweg machen«,

sagte Colin schließlich. »Bei uns gibt es heute dummerweise

schon um halb eins Mittagessen.«

»Ich glaube, es wird Zeit für uns alle«, sagte Pam. »Wir müssen

uns ja vor dem Essen alle noch waschen, etwas Trockenes

anziehen und die Handschuhe zum Trocknen aufhängen.

Meine sind klitschnass und meine Hände sind eiskalt! Brrrr!«

»Meine auch. Das tut bestimmt richtig weh, wenn die

wieder warm werden«, sagte Barbara und schüttelte Arme

und Hände aus. »Es geht schon los

Sie ließen die Schneemänner auf der Wiese stehen und

kletterten über das Gatter auf die Straße. Gegenüber stand

ein altes Haus. Es stand leer bis auf ein Zimmer im Erdgeschoss,

an dessen Fenster dreckige Vorhänge hingen.

»Wer wohnt da eigentlich?«, fragte Pam.

»Nur ein Hausmeister«, sagte Janet. »Er ist schon mächtig

alt und mächtig taub – und immer fürchterlich schlecht

gelaunt.«

Sie lehnten sich über das Tor zu dem Grundstück und

betrachteten das verlassene alte Haus.

»Es ist ziemlich groß«, sagte Colin. »Ich möchte mal

wissen, wem es gehört und warum niemand es nutzt.«

»Sieht die Auffahrt nicht hübsch aus? So sauber und glatt

mit dem unberührten Schnee.«, sagte Janet. »Da ist noch

nicht einmal der alte Hausmeister entlanggegangen. Ich

nehme an, er benutzt das hintere Tor. Nein, Sam, böser Hund,

komm sofort zurück!«

Sam war unter dem Tor hindurchgeschlüpft und sprang

nun schnurstracks den tief verschneiten Weg hinauf. Seine

Pfotenspuren zeichneten sich deutlich ab. Er bellte freudig.

Am Fenster im Erdgeschoss bewegte sich der Vorhang

und ein mürrisches, zerfurchtes altes Gesicht erschien. Dann

wurde das Fenster aufgerissen.

»Verschwindet gefälligst! Und nehmt euren Köter mit!

Ich dulde hier keine Kinder oder Hunde, lästige Brut!«

Sam war stehengeblieben und kläffte den alten Hausmeister

nun herausfordernd an. Der verschwand. Dann

öffnete sich seitlich am Haus eine Tür und der alte Mann

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kam mit einem dicken Knüppel in der Hand, den er drohend

in Richtung der erschrockenen Kinder schwenkte, heraus.

»Jetzt kriegt der Köter erst einmal eine Abreibung!«, rief

der Mann.

»Sam, Sam, komm sofort her!«, rief Peter. Aber Sam schien

ganz und gar taub geworden zu sein. Der wütende Hausmeister

bewegte sich bedrohlich mit erhobenem Knüppel

auf den Spaniel zu.

Peter stieß das Tor auf und schoss den Weg hinauf aus

Angst, der Hund könnte verletzt werden.

»Ich hole ihn ja schon, ich hole ihn ja schon!«, rief er dem

alten Man zu.

»Was sagst du?«, sagte der böse alte Mann und ließ den

Stock sinken. »Wie kommst du dazu, deinen Hund hier

reinzuschicken?«

»Das habe ich gar nicht. Er ist von ganz allein reingelaufen!«,

rief Peter und packte Sam am Halsband.

»Sprich lauter, ich kann dich nicht verstehen«, brüllte der

alte Mann, als sei Peter taub und nicht er selbst. Peter brüllte

zurück:

»ICH HABE MEINEN HUND NICHT REINGE-

SCHICKT!«

»Schon gut, schon gut, du brauchst ja nicht gleich so zu

brüllen«, murmelte der Hausmeister. »Macht gefälligst, dass

ihr wegkommt, und lasst euch nie wieder hier blicken, sonst

ruf ich die Polizei!«

Durch den Seiteneingang verschwand er wieder im Haus.

Peter zog Sam die Auffahrt hinunter und durch das Tor auf

die Straße.

»Was für ein böser alter Mann«, sagte er zu den anderen.

»Mit diesem riesigen Knüppel hätte er Sam übel zurichten

können.«

Janet schloss das Tor. »Jetzt haben Sam und du den schönen,

unberührten Weg zertrampelt«, sagte sie. »Ach je, hört

ihr die Kirchturmuhr? Es ist schon Viertel vor eins. Jetzt

müssen wir uns aber wirklich beeilen.«

»Wir geben allen Bescheid, wann das nächste Treffen

stattfindet!«, rief Peter, als sie sich an der Ecke trennten.

»Und vergesst nicht das Losungswort und eure Abzeichen.«

Alle gingen nach Hause. Jack kam als Erster an, denn er

wohnte ganz in der Nähe. Schnell lief er ins Badezimmer, um

sich die Hände zu waschen. Dann kämmte er sich noch die

Haare.

»Ich sollte mein Abzeichen lieber ablegen«, dachte er und

griff danach. Aber es war weg. Er erschrak und ging zurück

ins Bad. Er musste es dort verloren haben.

Aber da war es auch nicht. Dann musste es beim Schneemannbauen

mit den anderen auf der Wiese heruntergefallen

sein. So ein Mist!

»Mama ist nicht da, die kann mir also kein neues basteln«,

dachte er. »Und Miss Ely wird es ganz sicher nicht

tun.«

Miss Ely war das Kindermädchen seiner kleinen Schwester.

Sie mochte zwar Susie, Jacks Schwester, sehr, fand aber,

dass Jack schlampig, laut und ungezogen war. Jack war nichts

von alledem. Aber irgendwie ging immer alles schief, wenn

Miss Ely in der Nähe war.

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