Leseprobe_Die_Schwarze_Sieben_legt_los
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DIE<br />
SCHWARZE<br />
SIEBEN<br />
LEGT LOS
DIE<br />
SCHWARZE<br />
SIEBEN<br />
LEGT LOS<br />
Aus dem Englischen von Gundula Müller-Wallraf<br />
Mit Illustrationen von Tony Ross<br />
KNESEBECK<br />
– urheberrechtlich geschütztes Material –
Inhalt<br />
Titel der Originalausgabe: The Secret Seven<br />
Erschienen bei Éditions de La Martinière SA, Paris 2008<br />
Copyright © 2018 Éditions de La Martinière SA, Paris, Frankreich<br />
Deutsche Erstausgabe<br />
Copyright © 2018 von dem Knesebeck GmbH & Co. Verlag KG, München<br />
Ein Unternehmen der La Martinière Groupe<br />
Umschlagadaption: Leonore Höfer, Knesebeck Verlag<br />
Lektorat: Veronika Brandt, Knesebeck Verlag<br />
Satz & Herstellung: Arnold & Domnick, Leipzig<br />
Druck: PNB Print Ltd<br />
Printed in Latvia<br />
1 Vorbereitung eines Geheimtreffens 7<br />
2 Der Geheimbund »<strong>Schwarze</strong> <strong>Sieben</strong>« 14<br />
3 Ein böser alter Mann 22<br />
4 Jack hat ein merkwürdiges Erlebnis 29<br />
5 Aufregende Pläne 37<br />
6 Erste Ermittlungen 44<br />
7 Ein Gespräch mit dem Hausmeister 52<br />
8 Ein weiteres Treffen 58<br />
9 Hinaus in die Nacht 65<br />
10 Im Inneren des leeren, alten Hauses 74<br />
11 Der Gefangene 81<br />
12 Das Ende des Abenteuers 89<br />
ISBN 978-3-95728-101-2<br />
Alle Rechte vorbehalten, auch auszugsweise.<br />
www.knesebeck-verlag.de<br />
– urheberrechtlich geschütztes Material –
KAPITEL EINS<br />
Vorbereitung eines Geheimtreffens<br />
»wir müssen unbedingt bald ein Treffen der <strong>Schwarze</strong>n<br />
<strong>Sieben</strong> einberufen«, sagte Peter zu Janet. »Das letzte ist schon<br />
wieder ewig her.«<br />
»Au ja, das machen wir!«, sagte Janet und klappte lautstark<br />
ihr Buch zu. »Aber es ist ja nicht so, dass wir den Geheimbund<br />
vergessen hätten, Peter – wir hatten in den Weihnachtsferien<br />
nur so viel zu tun, dass wir einfach nicht dazu<br />
gekommen sind, uns zu treffen.«<br />
»Umso dringender ist es jetzt«, sagte Peter. »Was nützt ein<br />
Geheimbund, der gar nichts tut? Am besten benachrichtigen<br />
wir die anderen sofort.«<br />
»Puh, dann müssen wir fünf Nachrichten schreiben«,<br />
maulte Janet. »Du schreibst viel schneller als ich, Peter.<br />
Könntest du drei schreiben? Dann schreibe ich die anderen<br />
beiden.«<br />
»Wuff!«, sagte Sam, der Cockerspaniel.<br />
»Ich weiß, du möchtest auch gern helfen, Sam. Aber du<br />
kannst leider nicht schreiben«, sagte Janet und strich dem<br />
Hund über den seidig weichen, goldenen Kopf. »Du darfst<br />
einen der Briefe austragen. Das wäre doch eine prima<br />
Aufgabe für dich, Sam!«<br />
– urheberrechtlich geschütztes Material –<br />
7
»Und was wollen wir schreiben?«, fragte Peter, zog ein<br />
Blatt Papier zu sich heran und kaute nachdenklich auf seinem<br />
Stift herum.<br />
»Na ja, wir sollten ihnen vielleicht einfach mitteilen, dass<br />
sie herkommen sollen«, sagte Janet. »Wir könnten doch den<br />
alten Schuppen unten im Garten als Hauptquartier nutzen,<br />
oder? Mama hat nichts dagegen, dass wir im Winter dort<br />
spielen, weil die Heizung für das Gewächshaus direkt daneben<br />
liegt und es dort deshalb immer schön warm ist.«<br />
»Stimmt«, sagte Peter und fing an zu schreiben. »Dann<br />
schreibe ich jetzt erst einmal eine Nachricht, Janet, und die<br />
kannst du dann abschreiben. Mal sehen: Wir brauchen eine<br />
für Pam, eine für Colin, eine für Jack, eine für Barbara …<br />
wer war noch gleich der siebte? Das hab ich doch glatt vergessen.«<br />
»George natürlich«, sagte Janet. »Pam, Colin, Jack, Barbara,<br />
George, du und ich – das sind alle sieben. <strong>Die</strong> <strong>Schwarze</strong><br />
<strong>Sieben</strong>. Klingt gut, oder?«<br />
Der »Geheimbund <strong>Schwarze</strong> <strong>Sieben</strong>« war eine Idee von<br />
Peter und Janet gewesen. Sie hatten sich über<strong>legt</strong>, dass es<br />
Spaß machen könnte, eine Bande von Jungen und Mädchen<br />
zu gründen, die ein geheimes Losungswort benutzten<br />
und ein Abzeichen – einen Anstecker, auf dem S7 stand –<br />
trugen.<br />
»So, fertig!«, sagte Peter und reichte Janet das Blatt. »Das<br />
brauchst du jetzt nur noch abzuschreiben.«<br />
»Besonders schön aussehen muss es aber nicht, oder?«,<br />
fragte Janet. »Schön zu schreiben, dauert immer so wahnsinnig<br />
lange bei mir.«<br />
»Hauptsache, man kann es lesen«, sagte Peter. »Wir<br />
müssen die Briefe ja nicht per Post verschicken.«<br />
Janet las, was Peter geschrieben hatte: »WICHTIG! <strong>Die</strong><br />
<strong>Schwarze</strong> <strong>Sieben</strong> trifft sich morgen früh um zehn Uhr in<br />
dem alten Schuppen hinten in unserem Garten. Zutritt nur<br />
bei Nennung des geheimen Losungsworts!«<br />
»Ach, was war denn noch das geheime Losungswort?«,<br />
fragte Janet erschrocken. »Unser letztes Treffen ist schon so<br />
lange her, dass ich es ganz vergessen habe.«<br />
»Na, dann hast du ja Glück, dass ich da bin, um dich daran<br />
zu erinnern«, sagte Peter. »Das Losungswort lautet ›Ruprecht‹.<br />
Wir wollten etwas Weihnachtliches. Unglaublich, dass du<br />
das vergessen konntest!«<br />
»Ach, ja, richtig, wegen Knecht Ruprecht«, sagte Janet.<br />
»Ach, Mist – und schon hab ich mich verschrieben. Ich sollte<br />
wirklich nicht gleichzeitig reden und schreiben!«<br />
Während die beiden die restlichen Nachrichten schrieben,<br />
wurde also geschwiegen. Wenn Janet schrieb, biss sie sich<br />
immer auf die Zunge, was sehr komisch aussah. Aber sie<br />
behauptete steif und fest, sie könne überhaupt nur richtig<br />
schreiben, wenn sie die Zunge herausstreckte, also streckte<br />
sie sie eben heraus.<br />
Peter war als Erster fertig. Er ließ Sam die Briefumschläge<br />
anlecken. Sams schöne, lange, nasse Zunge schien wie dafür<br />
gemacht.<br />
»So gern, wie du immer herumschlabberst, ist es bestimmt<br />
toll für dich, wenn du endlich mal etwas anschlabbern darfst«,<br />
sagte Peter. »Schade, dass wir keine Briefmarken auf die<br />
Briefe kleben, sonst könntest du die auch noch anlecken.«<br />
8 9<br />
– urheberrechtlich geschütztes Material –
»Sollen wir <strong>los</strong> und die Nachrichten überbringen?«, fragte<br />
Janet. »Mama hat schon erlaubt, dass wir rausgehen. <strong>Die</strong><br />
Sonne scheint so schön – es ist nur ein bisschen kalt.«<br />
»Wuff! Wuff!«, kläffte Sam und rannte zur Tür, als er das<br />
Wort »raus« hörte. Ungeduldig kratzte er mit der Pfote<br />
daran.<br />
Kurz darauf waren die drei draußen in Eis und Schnee. Es<br />
war herrlich. Ihre Runde führte zunächst zu Colins Haus.<br />
Der war nicht da, also gaben sie die Nachricht seiner Mutter.<br />
Dann gingen sie weiter zu George. Der war zu Hause und<br />
ganz aufgeregt, als er von dem geheimen Treffen im Schuppen<br />
hörte.<br />
<strong>Die</strong> nächste Adresse auf der Liste war die von Pam. Jack<br />
war zufällig gerade bei ihr, also konnte Peter gleich zwei<br />
Nachrichten übergeben. Jetzt fehlte nur noch Barbara. Leider<br />
war die für ein paar Tage weggefahren.<br />
»Mist!«, sagte Peter. Aber als er erfuhr, dass sie schon am<br />
gleichen Abend wiederkommen würde, war sein Ärger sofort<br />
verflogen. »Kann sie gleich morgen früh zu uns kommen?«,<br />
fragte er Barbaras Mutter, und die meinte, ja, das lasse sich<br />
bestimmt einrichten.<br />
»Damit hätten wir alle fünf«, sagte Janet auf den Heimweg.<br />
»Komm, Sam. Wir gehen noch ein bisschen in den Park<br />
zum Spielen.«<br />
Sie hatten viel Spaß im Park. Sie bewarfen sich gegenseitig<br />
mit Schneebällen und machten Spuren in den klirrend<br />
kalten, frischen Schnee. Sam entdeckte einen zugefrorenen<br />
Teich. Übermütig sprang er auf die Eisfläche, aber seine<br />
Pfoten rutschten unter ihm in alle vier Himmelsrichtungen<br />
– urheberrechtlich geschütztes Material –<br />
11
auseinander. Verzweifelt versuchte er, wieder auf die Beine zu<br />
kommen, aber ohne Erfolg. Schließlich blieb den lachenden<br />
Kindern nichts anderes übrig, als ihn gemeinsam vom Eis zu<br />
ziehen.<br />
Sam war sauer. Er drehte sich um und knurrte in Richtung<br />
Teich. Was war denn bloß passiert? Im Sommer hatte er<br />
noch aus dem Wasserloch getrunken und darin gebadet, und<br />
jetzt das! Irgendetwas Seltsames war geschehen, und das<br />
gefiel ihm gar nicht.<br />
Am Nachmittag gingen die beiden Kinder mit Sam im<br />
Schlepptau durch den Garten zum alten Schuppen hinunter.<br />
Dort war es kuschelig warm, denn der Kessel zum Beheizen<br />
des großen Gewächshauses nebenan lief auf Hochtouren.<br />
Peter sah sich um.<br />
»Eigentlich ist es ganz gemütlich hier. Lass uns ein paar<br />
Obstkisten zum Draufsetzen zusammenschieben und die<br />
alten Sitzkissen darauflegen. Und wir fragen Mama, ob wir<br />
etwas zu trinken und Kekse bekommen. Dann wird das eine<br />
richtige Versammlung!«<br />
Sie zogen ein paar Kisten heran und holten die alten<br />
Kissen aus einer Truhe. Als Teppiche <strong>legt</strong>en sie Säcke auf<br />
dem Boden aus und Janet wischte ein kleines Regal ab, damit<br />
sie Limonade und Kekse darauf abstellen konnten, falls ihre<br />
Mutter ihnen welche gab.<br />
»Wir haben leider nur fünf Kisten«, sagte Peter. »Also<br />
muss irgendjemand auf dem Boden sitzen.«<br />
»Nein, nein. Da drüben in der Ecke stehen noch zwei<br />
riesige Blumentöpfe«, sagte Janet. »Wenn wir die herholen<br />
und umdrehen, geben sie prima Stühle ab.«<br />
Mit fünf Kisten und zwei Blumentöpfen hatten sie nun<br />
also genug Sitzplätze für alle sieben.<br />
Aus dem Haus war eine Glocke zu hören. Zeit für den<br />
Nachmittagstee. »Na, da sind wir ja genau rechtzeitig fertig<br />
geworden«, sagte Peter. »Ich weiß schon, was ich heute<br />
Abend mache, Janet.«<br />
»Was denn?«, fragte Janet.<br />
»Ich bastle uns ein Schild«, sagte Peter. »Ich male ein<br />
großes, grünes S und eine schwarze 7. <strong>Die</strong> schneide ich dann<br />
aus, klebe sie auf ein Stück Pappe und hänge das Ganze an<br />
die Schuppentür.«<br />
»Au ja, S7 – <strong>Schwarze</strong> <strong>Sieben</strong>!«, sagte Janet. »Das wäre<br />
echt super!«<br />
12 13<br />
– urheberrechtlich geschütztes Material –
Der Geheimbund<br />
KAPITEL ZWEI<br />
schwarze <strong>Sieben</strong><br />
am nächsten Morgen machten sich fünf Kinder aus<br />
verschiedenen Ecken des Dorfes auf den Weg zum alten<br />
Mühlenhaus, in dem Peter und Janet wohnten. Seinen<br />
Namen hatte es von der zerfallenen Mühle, die in unmittelbarer<br />
Nähe auf dem Hügel stand und seit vielen Jahren nicht<br />
mehr in Betrieb war.<br />
George traf als Erster ein. Er lief durch den Garten zum<br />
Schuppen hinunter. Sofort entdeckte er das Schild an der<br />
Tür – S7. Da stand es, klar und deutlich in leuchtendem<br />
Grün und glänzendem Schwarz.<br />
Er klopfte an die Tür. Nichts. Er klopfte noch einmal und<br />
bekam wieder keine Antwort, obwohl er sich ganz sicher war,<br />
dass Peter und Janet da waren. Er hatte Janets Gesicht an<br />
dem kleinen Fenster gesehen. Nun war eindeutig ein Schnüffeln<br />
an der Tür zu hören. Das musste Sam sein! Ungeduldig<br />
hämmerte er an die Tür.<br />
»Wie lautet das Losungswort, du Trottel?«, erklang Peters<br />
Stimme.<br />
»Ach, daran hab ich gar nicht gedacht!«, entschuldigte<br />
sich George. Er über<strong>legt</strong>e einen Augenblick und sagte dann:<br />
»Ruprecht!«<br />
Sofort öffnete sich die Tür. George grinste und trat ein. Er<br />
sah sich um. »Das ist ja richtig gemütlich hier. Können wir<br />
hier die ganzen Ferien über unsere Treffen abhalten?«<br />
»Ja. Nett und warm hier, was?«, sagte Peter. »Wo ist dein<br />
Abzeichen? Der Anstecker mit dem S und der 7?«<br />
»Ach, Mist – den hab ich nicht dabei«, sagte George. »Ich<br />
hoffe, ich finde ihn wieder.«<br />
»Du bist mir ja ein schönes Mitglied«, sagte Janet streng.<br />
»Erst vergisst du das geheime Losungswort und dann auch<br />
noch dein Abzeichen!«<br />
»Tut mir leid«, sagte George. »Um ehrlich zu sein, hatte<br />
ich den ganzen Geheimbund schon fast wieder vergessen!«<br />
»Na, dann verdienst du eigentlich nicht, noch länger dazu<br />
zu gehören!«, sagte Peter.<br />
»Das lag doch nur daran, dass wir uns so lange nicht<br />
getroffen haben! Ich würde behaupten…«<br />
Wieder klopfte es an der Tür. Es waren Pam und Barbara.<br />
Sofort verstummten die Kinder im Inneren des Schuppens<br />
und lauschten.<br />
»Ruprecht«, zischte Barbara in einem so verschwörerischen<br />
Tonfall, dass alle zusammenzuckten.<br />
»Ruprecht«, flüsterte auch Pam. <strong>Die</strong> Tür sprang auf und<br />
die beiden Mädchen traten ein.<br />
»Gut, ihr beide tragt euer Abzeichen!«, sagte Peter erfreut.<br />
»Jetzt fehlen nur noch Colin und Jack. Wo bleiben die denn<br />
nur?«<br />
Jack stand am Gartentor und wartete auf Colin. Er hatte<br />
nämlich das geheime Losungswort vergessen! Mann, was<br />
war es denn bloß gewesen? Zahl<strong>los</strong>e Wörter gingen ihm<br />
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– urheberrechtlich geschütztes Material –
durch den Kopf. Lebkuchen? Balthasar? Was konnte es nur<br />
gewesen sein? Er war sich ganz sicher, dass es irgendetwas<br />
mit Weihnachten zu tun gehabt hatte.<br />
Er wollte auf keinen Fall bei der Versammlung aufkreuzen,<br />
ohne das Losungswort zu wissen. Peter konnte wahnsinnig<br />
streng sein, und Jack konnte überhaupt nicht leiden,<br />
vor allen anderen einen Anpfiff zu bekommen. Also zermarterte<br />
er sich das Hirn, um auf das Wort zu kommen. Dann<br />
plötzlich sah er Colin kommen und besch<strong>los</strong>s, auf ihn zu<br />
warten. Colin erinnerte sich ganz bestimmt an das Wort!<br />
»Hallo!«, sagte Colin, als er das Gartentor erreichte. »Hast<br />
du die anderen schon gesehen?«<br />
»Ich habe Pam und Barbara reingehen sehen«, sagte Jack.<br />
»Hoffentlich weißt du noch, was das Losungswort war, Colin!«<br />
»Klar«, sagte Colin.<br />
»Das glaube ich dir nicht!«, sagte Jack.<br />
»Aber sicher – es ist ›Ruprecht‹!«, sagte Colin. »Ätsch –<br />
und du dachtest, ich wüsste es nicht mehr!«<br />
»Danke, du hast mir sehr geholfen!«, grinste Jack. »Ich<br />
hatte es nämlich vergessen. Aber verrate bitte Peter nichts<br />
davon. Und jetzt komm. Hey, guck mal! Hier ist sogar ein<br />
<strong>Schwarze</strong>-<strong>Sieben</strong>-Schild an der Tür!«<br />
Sie klopften. »Ruprecht«, sagte Colin sehr laut und deutlich.<br />
Gleich öffnete sich die Tür einen Spalt und Peters wütendes<br />
Gesicht erschien. »Schrei doch nicht so rum! Soll das<br />
ganze Dorf unser geheimes Losungswort hören, du Idiot?«<br />
»Entschuldigung«, sagte Colin und ging hinein. »Allerdings<br />
ist hier weit und breit niemand, der uns hören könnte.«<br />
»Ruprecht«, sagte Jack, als ihm klar wurde, dass Peter ihn<br />
nicht einfach so hineinlassen würde. Hinter ihm sch<strong>los</strong>s sich<br />
die Tür und die sieben Kinder ließen sich nieder. Peter und<br />
Janet nahmen auf den Blumentöpfen Platz, die anderen auf<br />
den Kisten.<br />
»Das ist aber wirklich ein tolles Hauptquartier«, sagte<br />
George. »Warm, gemütlich und weit genug vom Haus<br />
entfernt.<br />
»Ja. Ich muss sagen, Janet und du habt es sehr hübsch<br />
eingerichtet«, sagte Barbara. »Da hängt ja sogar eine Gardine<br />
am Fenster.«<br />
Peter musterte die kleine Truppe. »Lasst uns zuerst alles<br />
Wichtige besprechen. Danach gibt es etwas zu essen und zu<br />
trinken«, sagte er.<br />
Alle Augen wanderten zu dem sauberen kleinen Regal<br />
hinter Colin. Darauf waren sieben Becher aufgebaut, ein<br />
Teller mit Haferkeksen und eine Flasche mit einer<br />
geheimnisvollen, dunklen Flüssigkeit darin. Was mochte<br />
das sein?<br />
»Als Allererstes müssen wir uns ein neues Losungswort<br />
ausdenken. Da Weihnachten vorbei ist, passt ›Ruprecht‹<br />
irgendwie nicht mehr. Außerdem hat Colin es eben so laut<br />
herausposaunt, dass es jetzt sowieso jeder kennt.«<br />
»Sei doch nicht so …«, setzte Colin an, aber Peters strenger<br />
Blick bremste ihn.<br />
»Unterbrich mich nicht. Ich bin der Vorsitzende des<br />
Geheimbunds und ich sage, wir wählen ein neues Losungswort.<br />
Außerdem sehe ich gerade, dass zwei von euch ihr<br />
Abzeichen nicht tragen. George? Colin?«<br />
16<br />
– urheberrechtlich geschütztes Material –<br />
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»Ich habe dir ja schon gesagt, dass ich meins vergessen<br />
habe«, sagte George. »Sobald ich wieder zu Hause bin, werde<br />
ich es suchen.«<br />
»Und meins ist irgendwie nicht mehr da«, sagte Colin.<br />
»Vergessen habe ich es jedenfalls nicht. Ich habe überall<br />
gesucht. Meine Mutter hat mir versprochen, mir heute<br />
Abend ein neues zu machen.«<br />
»Okay«, sagte Peter. »Also was ist mit einem neuen Passwort?«<br />
»Dideldi-didödeldu!«, kicherte Pam.<br />
»Bleib ernst«, sagte Peter. »<strong>Die</strong>ser Geheimbund ist eine<br />
ernste Sache, also Schluss mit dem Blödsinn.«<br />
»Ich habe gestern Abend schon ein bisschen darüber<br />
nachgedacht«, sagte Jack. »Wie wäre es mit ›Wochentage‹?«<br />
»Wie kommst du denn darauf?«, fragte Peter.<br />
»Na ja, es gibt sieben Wochentage, oder? Und wir sind der<br />
Geheimbund der <strong>Schwarze</strong>n <strong>Sieben</strong>«, sagte Jack. »Ich finde,<br />
das passt ziemlich gut.«<br />
»Ah, jetzt verstehe ich. Stimmt, das passt wirklich ziemlich<br />
gut«, sagte Peter. »Auch wenn es eigentlich nur fünf richtige<br />
Wochentage gibt! Wer für ›Wochentage‹ ist, hebt die Hand.«<br />
Alle Hände gingen nach oben. Ja, ›Wochentage‹ war ein<br />
prima Losungswort für die sieben! Jack grinste zufrieden.<br />
»Ehrlich gesagt, hatte ich unser Losungswort heute<br />
vergessen«, gab er zu, »und musste es aus Colin herauskitzeln.<br />
Deshalb bin ich froh, dass mir ein neues eingefallen ist.«<br />
»Gut, aber dieses darf jetzt keiner mehr vergessen«, sagte<br />
Peter. »Eines Tages könnte das sehr wichtig sein. Wie wäre es<br />
jetzt mit etwas zu futtern?«<br />
»Schmacker!«, sagte Barbara und alle fingen an zu lachen.<br />
»Was meinst du nun, ›schmackhaft‹ oder ›lecker‹?«, fragte<br />
Janet.<br />
»Beides natürlich«, sagte Barbara. »Was ist denn das für<br />
ein seltsames Zeug in der Flasche da, Janet?«<br />
<strong>Die</strong> Flüssigkeit war dunkelviolett und kleine schwarze<br />
Punkte hopsten darin herum, als Janet die Flasche schüttelte.<br />
»Mama hatte keine Limonade mehr im Haus, und auf<br />
Milch hatten wir irgendwie keine rechte Lust, weil wir schon<br />
so viel davon zum Frühstück getrunken haben«, sagte sie.<br />
»Da fiel uns ein, dass wir ja noch ein Glas Johannisbeermarmelade<br />
hatten! Das hier ist Johannisbeermarmeladentee!«<br />
»Wir haben die Marmelade mit kochendem Wasser<br />
aufgegossen und noch ein bisschen Zucker dazugetan«,<br />
erklärte Peter. »Schmeckt wirklich gut – man könnte fast<br />
sagen, ›leckhaft‹!«<br />
»Oh, das ist ja auch eine Mischung aus ›schmackhaft‹ und<br />
›lecker‹!«, kicherte Barbara. »Schmackhaft und lecker trifft es<br />
in den meisten Fällen ziemlich genau.«<br />
Erstaunlicherweise schmeckte der Johannisbeermarmeladentee<br />
wirklich prima und passte ausgezeichnet zu den<br />
Haferkeksen. »Außerdem ist er gut gegen Erkältung«, sagte<br />
Janet und saugte genussvoll die schlaffen Johannisbeeren<br />
aus ihrer Tasse. »Falls also gerade jemand das Gefühl hat,<br />
einen Schnupfen zu bekommen, bekommt er den jetzt wohl<br />
nicht.«<br />
Alle verstanden, was Janet mit dieser seltsamen Bemerkung<br />
sagen wollte, und nickten. Sie stellten die Tassen ab<br />
und leckten sich die Lippen.<br />
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– urheberrechtlich geschütztes Material –
»Schade, dass nicht noch mehr da ist«, sagte Janet. »Aber<br />
die Marmelade war schon fast alle, sonst hätten wir ganze<br />
Wannen voll gemacht.«<br />
»Eigentlich haben wir auch noch ein paar Punkte zu<br />
besprechen«, sagte Peter und streckte Sam eine Handvoll<br />
Krümel hin. »Was nützt ein Geheimbund, der keine Ziele<br />
hat – irgendwelche Geheimmissionen?«<br />
»Wie letzten Sommer«, sagte Pam. »Wisst ihr noch? Da<br />
haben wir Geld gesammelt haben, um Kindern mit Behinderungen<br />
einen Ausflug ans Meer zu schenken.«<br />
»Genau. Hat jemand eine Idee?«, fragte Peter.<br />
Niemandem fiel etwas ein. »So kurz nach Weihnachten ist<br />
es nicht so einfach, anderen zu helfen«, sagte Pam. »Ich<br />
meine, gerade erst sind alle beschenkt und verwöhnt worden,<br />
sogar die Ärmsten und Ältesten im Dorf.«<br />
»Können wir nicht ein Geheimnis aufdecken oder ein<br />
Verbrechen aufklären?«, schlug George vor. »Wenn es gerade<br />
keine gute Tat zu tun gibt, finden wir vielleicht ein Rätsel,<br />
das gelöst werden muss.«<br />
»Welche Art von Rätsel meinst du?«, fragte Barbara<br />
verwirrt.<br />
»Ich weiß auch nicht genau«, sagte George. »Wir müssen<br />
einfach die Augen offenhalten – ihr wisst schon, darauf<br />
achten, ob uns irgendetwas Sonderbares oder Ungewöhnliches<br />
auffällt. Und dann finden wir heraus, was es damit auf<br />
sich hat.«<br />
»Klingt aufregend«, sagte Colin. »Aber ich kann mir nicht<br />
vorstellen, dass wir zufällig einen ungelösten Fall entdecken<br />
– und wenn doch, ist die Polizei doch bestimmt schon dran.«<br />
»Trotzdem sollten wir einfach aufmerksam bleiben und<br />
abwarten«, sagte Peter. »Wer eine gute Tat entdeckt, die getan<br />
werden sollte, oder auf ein ungelöstes Rätsel stößt, beruft<br />
sofort ein Treffen der <strong>Schwarze</strong>n <strong>Sieben</strong> ein. Ist das klar?«<br />
Alle waren einverstanden. »Und wenn es etwas Neues<br />
gibt, können wir hier im <strong>Schwarze</strong>-<strong>Sieben</strong>-Hauptquartier<br />
eine Nachricht hinterlassen, oder?«, fragte George.<br />
»Das wäre das Beste«, stimmte Peter zu. »Janet und ich<br />
werden jeden Morgen herkommen und nachsehen, ob einer<br />
von euch etwas entdeckt hat! Ich hoffe, das passiert bald!«<br />
»Ich auch. Es macht keinen Spaß, einem Geheimbund<br />
anzugehören, der gar nichts zu tun hat«, sagte Colin. »Ich<br />
werde aufpassen wie ein Schießhund. Man weiß ja nie, wo<br />
die Geheimnisse verborgen sind.«<br />
»Und jetzt lasst uns rausgehen und auf der Wiese bei dem<br />
alten Haus unten am Fluss Schneemänner bauen«, sagte<br />
George und stand auf. »Da ist der Schnee noch ganz unberührt.<br />
Wir könnten eine ganze Armee von Schneemännern<br />
bauen. Wäre es nicht witzig, wenn auf einmal ganz viele<br />
davon auf der Wiese stünden.«<br />
»Au ja, lasst uns das machen«, sagte Janet, die längst genug<br />
vom Stillsitzen hatte. »Ich nehme diese alte Mütze mit, die<br />
können wir einem der Schneemänner aufsetzen. <strong>Die</strong> hängt<br />
hier schon ewig!«<br />
»Und den Mantel hier können wir auch nehmen!«, sagte<br />
Peter und zog einen zerlumpten Mantel von einem Nagel in<br />
der Wand. »Weiß der Himmel, wem der mal gehört hat.«<br />
Und dann machten sich alle auf den Weg zu der Wiese am<br />
Fluss, um eine ganze Armee von Schneemännern zu bauen!<br />
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– urheberrechtlich geschütztes Material –
KAPITEL DREI<br />
Ein böser alter Mann<br />
eine ganze Armee wurde es natürlich nicht! Immerhin<br />
schafften sie es aber, vier Schneemänner zu bauen. Der<br />
Schnee auf der Wiese war dick und weich und ließ sich gut<br />
zu den großen Kugeln rollen, die man für Schneemänner<br />
brauchte. Auch Sam war mit viel Spaß bei der Sache.<br />
Janet setzte einem der Schneemänner die Mütze auf den<br />
runden Kopf und Peter <strong>legt</strong>e ihm den alten Mantel um die<br />
eisigen Schultern. Sie suchten passende Steine für Augen<br />
und Nase und ein Stück Holz für den Mund. Dann gaben sie<br />
ihm noch einen Stock in die Hand. <strong>Die</strong>ser Schneemann war<br />
der schönste von allen.<br />
»Ich muss mich langsam auf den Heimweg machen«,<br />
sagte Colin schließlich. »Bei uns gibt es heute dummerweise<br />
schon um halb eins Mittagessen.«<br />
»Ich glaube, es wird Zeit für uns alle«, sagte Pam. »Wir müssen<br />
uns ja vor dem Essen alle noch waschen, etwas Trockenes<br />
anziehen und die Handschuhe zum Trocknen aufhängen.<br />
Meine sind klitschnass und meine Hände sind eiskalt! Brrrr!«<br />
»Meine auch. Das tut bestimmt richtig weh, wenn die<br />
wieder warm werden«, sagte Barbara und schüttelte Arme<br />
und Hände aus. »Es geht schon <strong>los</strong>!«<br />
Sie ließen die Schneemänner auf der Wiese stehen und<br />
kletterten über das Gatter auf die Straße. Gegenüber stand<br />
ein altes Haus. Es stand leer bis auf ein Zimmer im Erdgeschoss,<br />
an dessen Fenster dreckige Vorhänge hingen.<br />
»Wer wohnt da eigentlich?«, fragte Pam.<br />
»Nur ein Hausmeister«, sagte Janet. »Er ist schon mächtig<br />
alt und mächtig taub – und immer fürchterlich schlecht<br />
gelaunt.«<br />
Sie lehnten sich über das Tor zu dem Grundstück und<br />
betrachteten das verlassene alte Haus.<br />
»Es ist ziemlich groß«, sagte Colin. »Ich möchte mal<br />
wissen, wem es gehört und warum niemand es nutzt.«<br />
»Sieht die Auffahrt nicht hübsch aus? So sauber und glatt<br />
mit dem unberührten Schnee.«, sagte Janet. »Da ist noch<br />
nicht einmal der alte Hausmeister entlanggegangen. Ich<br />
nehme an, er benutzt das hintere Tor. Nein, Sam, böser Hund,<br />
komm sofort zurück!«<br />
Sam war unter dem Tor hindurchgeschlüpft und sprang<br />
nun schnurstracks den tief verschneiten Weg hinauf. Seine<br />
Pfotenspuren zeichneten sich deutlich ab. Er bellte freudig.<br />
Am Fenster im Erdgeschoss bewegte sich der Vorhang<br />
und ein mürrisches, zerfurchtes altes Gesicht erschien. Dann<br />
wurde das Fenster aufgerissen.<br />
»Verschwindet gefälligst! Und nehmt euren Köter mit!<br />
Ich dulde hier keine Kinder oder Hunde, lästige Brut!«<br />
Sam war stehengeblieben und kläffte den alten Hausmeister<br />
nun herausfordernd an. Der verschwand. Dann<br />
öffnete sich seitlich am Haus eine Tür und der alte Mann<br />
22 23<br />
– urheberrechtlich geschütztes Material –
kam mit einem dicken Knüppel in der Hand, den er drohend<br />
in Richtung der erschrockenen Kinder schwenkte, heraus.<br />
»Jetzt kriegt der Köter erst einmal eine Abreibung!«, rief<br />
der Mann.<br />
»Sam, Sam, komm sofort her!«, rief Peter. Aber Sam schien<br />
ganz und gar taub geworden zu sein. Der wütende Hausmeister<br />
bewegte sich bedrohlich mit erhobenem Knüppel<br />
auf den Spaniel zu.<br />
Peter stieß das Tor auf und schoss den Weg hinauf aus<br />
Angst, der Hund könnte verletzt werden.<br />
»Ich hole ihn ja schon, ich hole ihn ja schon!«, rief er dem<br />
alten Man zu.<br />
»Was sagst du?«, sagte der böse alte Mann und ließ den<br />
Stock sinken. »Wie kommst du dazu, deinen Hund hier<br />
reinzuschicken?«<br />
»Das habe ich gar nicht. Er ist von ganz allein reingelaufen!«,<br />
rief Peter und packte Sam am Halsband.<br />
»Sprich lauter, ich kann dich nicht verstehen«, brüllte der<br />
alte Mann, als sei Peter taub und nicht er selbst. Peter brüllte<br />
zurück:<br />
»ICH HABE MEINEN HUND NICHT REINGE-<br />
SCHICKT!«<br />
»Schon gut, schon gut, du brauchst ja nicht gleich so zu<br />
brüllen«, murmelte der Hausmeister. »Macht gefälligst, dass<br />
ihr wegkommt, und lasst euch nie wieder hier blicken, sonst<br />
ruf ich die Polizei!«<br />
Durch den Seiteneingang verschwand er wieder im Haus.<br />
Peter zog Sam die Auffahrt hinunter und durch das Tor auf<br />
die Straße.<br />
»Was für ein böser alter Mann«, sagte er zu den anderen.<br />
»Mit diesem riesigen Knüppel hätte er Sam übel zurichten<br />
können.«<br />
Janet sch<strong>los</strong>s das Tor. »Jetzt haben Sam und du den schönen,<br />
unberührten Weg zertrampelt«, sagte sie. »Ach je, hört<br />
ihr die Kirchturmuhr? Es ist schon Viertel vor eins. Jetzt<br />
müssen wir uns aber wirklich beeilen.«<br />
»Wir geben allen Bescheid, wann das nächste Treffen<br />
stattfindet!«, rief Peter, als sie sich an der Ecke trennten.<br />
»Und vergesst nicht das Losungswort und eure Abzeichen.«<br />
Alle gingen nach Hause. Jack kam als Erster an, denn er<br />
wohnte ganz in der Nähe. Schnell lief er ins Badezimmer, um<br />
sich die Hände zu waschen. Dann kämmte er sich noch die<br />
Haare.<br />
»Ich sollte mein Abzeichen lieber ablegen«, dachte er und<br />
griff danach. Aber es war weg. Er erschrak und ging zurück<br />
ins Bad. Er musste es dort verloren haben.<br />
Aber da war es auch nicht. Dann musste es beim Schneemannbauen<br />
mit den anderen auf der Wiese heruntergefallen<br />
sein. So ein Mist!<br />
»Mama ist nicht da, die kann mir also kein neues basteln«,<br />
dachte er. »Und Miss Ely wird es ganz sicher nicht<br />
tun.«<br />
Miss Ely war das Kindermädchen seiner kleinen Schwester.<br />
Sie mochte zwar Susie, Jacks Schwester, sehr, fand aber,<br />
dass Jack schlampig, laut und ungezogen war. Jack war nichts<br />
von alledem. Aber irgendwie ging immer alles schief, wenn<br />
Miss Ely in der Nähe war.<br />
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