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Dortmund bauen – Masterplan für eine Stadt

ISBN 978-3-86859-495-9 https://www.jovis.de/de/buecher/product/dortmund-bauen.html

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DIETER NELLEN, WOLFGANG SONNE

UND LUDGER WILDE

Dortmund

bauen

Masterplan

für eine Stadt

Strategien und Perspektiven der Dortmunder

Stadtentwicklungspolitik in den ersten

beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts


Einführung

14 Vorwort

ULLRICH SIERAU

ULRICH PAETZEL

16 Editorial

18 Dortmund

macht Zukunft

ULLRICH SIERAU

LUDGER WILDE

STEFAN THABE

DIETER NELLEN

WOLFGANG SONNE

LUDGER WILDE

Urbanität — Architektur

und Städtebau

28 Dortmunds Metamorphosen

JÖRN WALTER

34 Architektur und Stadtraum

im 21. Jahrhundert —

Beobachtungen

und Empfehlungen

RICHARD SCHMALÖER

42 Dortmunder Citywandel —

Die reurbanisierte Innenstadt

der Ruhrmetropole

JÜRGEN TIETZ

58 Straßen- und Aufenthaltsräume

in und für Dortmund

BERT LEERKAMP

WINFRIED SAGOLLA

64 Mobilität und Städtebau

im neuen Maßstab —

Das Zukunftsareal

Hauptbahnhof Nord

FRANZ PESCH

74 Die Stadt als Bauherr

REINER LIMBERG

52 Stadträume bilden

EIN GESPRÄCH ZWISCHEN

ECKHARD GERBER UND DIETER NELLEN


Baukultur, Stadtgeschichte

und Identität

92 Der Gestaltungsbeirat —

Einblicke in die Dortmunder

Planungs- und Baukultur

CHRISTA REICHER

100 Aufgaben und Ziele der

Stadtbaukunst

CHRISTOPH MÄCKLER

104 Baukunstarchiv NRW —

Dortmund auf dem Weg

zur Stadt der Baukunst

KLAUS FEHLEMANN

WOLFGANG SONNE

108 Historisches Erbe und Identität

SVENJA SCHRICKEL

114 Zugehörigkeit und

(bau-)kulturelle Teilhabe

BARBARA WELZEL

118 Dortmunds Dörfer —

Zur identitätsstiftenden und

funktionalen Bedeutung

der Stadt- und Ortsteile sowie

ihrer Zentren

STEFAN THABE

Transformation und neue

Stadt- und Wachstumsräume

126 Nachhaltig erneuerte

Stadt- und

Wachstumsräume

BIRGIT NIEDERGETHMANN

LUDGER WILDE

160 Unionviertel —

Stadtumbau

historischer Areale

166 Hafenquartier Speicherstraße —

Wasser als Standortfaktor

THOMAS WESTPHAL

172 Wohnraum für eine

wachsende Stadt

WALTER NICKISCH

BIRGIT NIEDERGETHMANN

SUSANNE LINNEBACH


Kultur und Bildung —

Politik für die Stadtgesellschaft

198 Der Weg aus der Industriestadt

Dortmunds

Stadtinszenierungen via Kultur

JÖRG STÜDEMANN

224 Digitales Upgrade —

Theaterlabor und Theaterakademie

Dortmund

DIETER NELLEN

206 Offensiven für

urbane Attraktivität

EIN GESPRÄCH ZWISCHEN

GERHARD LANGEMEYER UND DIETER NELLEN

210 U-Turm Dortmund — Teil einer

Strategie für das Ruhrgebiet

HANS-HEINRICH GROSSE-BROCKHOFF

214 Brauchen wir Tauben über den

Dächern der Stadt?

ADOLF WINKELMANN

220 Das Konzerthaus Dortmund

Aufwertung eines

ganzen Stadtviertels

BENEDIKT STAMPA

228 Deutsches Fußballmuseum

Dortmund

MANUEL NEUKIRCHNER

232 Schulbau in Dortmund

im 21. Jahrhundert

SONJA HNILICA

238 Bildungs- und Wissenschaftslandschaften

für das

21. Jahrhundert — Campus 2030

MAIK DRAXLER

242 Internationale Frühjahrsakademie

Ruhr —

Mehrwert universitärer

Entwurfsprojekte in Dortmund

OLAF SCHMIDT

MICHAEL SCHWARZ

Zukunfts- und Qualitätspotenziale

für Stadt und Landschaft —

Frei- und Grünräume, Klima, Energie

248 Kontinuität der Inwertsetzung —

Der Wandel der Dortmunder

Stadtlandschaft geht weiter

MICHAEL SCHWARZE-RODRIAN

252 Dortmunds Rolle als Avantgarde

beim Emscher-Umbau

REINER BURGER

258 Ziele und Bedingungen einer

ökologischen Stadtentwicklung

LOTHAR FINKE

WILHELM GROTE

264 Die klimaresiliente Stadt

Ein Denkansatz

WERNER HÖING

268 »100 EnergiePlusHäuser

für Dortmund«

GERALD KAMPERT


Strategieformate und Entwicklungsprozesse

für die Gesamtstadt

274 IBA Emscher Park und die

weiteren Formate der

Stadt- und Regionalentwicklung

DIETER NELLEN

280 Raus aus Montan-Ruhr und rein

in die ruhrbane Kulturlandschaft

CHRISTOPH ZÖPEL

288 Masterpläne & Co — Stadtentwicklung

mit Strategie und System

STEFAN THABE

292 »nordwärts« — Bürgerschaftliches

Engagement als Motor der

Stadtentwicklung

MICHAELA BONAN

UBBO DE BOER

296 »nordwärts« — Ein Großprojekt

besonderer Art …

KLAUS SELLE

300 »Dortmund all-inclusive« —

Ein Projekt zur Förderung des

innerstädtischen Grenzverkehrs

304 Strategien für die

Gesamtstadt —

Neue Formen der

Zusammenarbeit vor Ort

SUSANNE LINNEBACH

308 Mobilitätsoffensive —

Mit dem Masterplan

Mobilität die Zukunft

gestalten

ANDREAS MEISSNER

312 »Ein gutes Monitoring

ist die halbe Miete« —

Wohnungsmarktbeobachtung

als Basis

für wohnungspolitische

und -wirtschaftliche

Entscheidungen

JULIA MEININGHAUS

316 »Urban Villages« —

Gute Nachbarschaften

für Dortmund

CHRISTOPH GUNSSER

REINER STAUBACH

Dortmunder Stadtentwicklung —

Transformation und

Urbanität mit Methode

322 Dortmunder Stadtentwicklung —

Transformation und

Urbanität mit Methode

DIETER NELLEN

CARSTEN URBAN

332 Großstadt Dortmund

Manifest —

Architektonische und

städtebauliche Wünsche

WOLFGANG SONNE


16

14

13

15

12

29

28

21

22

19

23

20

24

25

26

6

7

11

10

27

8


Projekte im

Raum Dortmund

5

Transformationsräume

1 Stadtkrone Ost

2 Bundesbank

3 Hohenbuschei

4 BVB-Trainingsgelände

5 Zeche Gneisenau

6 PHOENIX West

7 HÖRDE Zentrum

8 PHOENIX See

9

4

3

9 Westfalenhütte

10 WILO Campus 2020

11 Luisenglück

12 »Emscher nordwärts« /

Hoesch-Spundwand-Areal

13 IKEA Logistikzentrum Ellinghausen

Neue Wohnquartiere

14 Erdbeerfeld

15 Im Odemsloh / Schloßstraße

16 Brechtener Heide

17 Auf dem Hohwart

18 Apolloweg

19 Tremonia

20 Wohnquartier an der Berswordtstraße

21 Güterbahnhof Ost / Stadtquartier Ost

17

2

22 Güterbahnhof Süd / Kronprinzenviertel

23 Betriebshof / Wohnquartier Mitte

24 KRONEN-Viertel

25 Berufskolleg /

Wohnquartiere Sckellstraße

26 Alte Gleisfabrik

27 Generationenpark Brünninghausen

1

Hafenquartier Speicherstraße

28 Lensing Media Port

29 Leuchtturm

8

18

9


Projekte im

Innenstadtbereich

City im Fokus

30 Zukunftsareal Hauptbahnhof Nord

31 Deutsches Fußballmuseum

32 Dortmunder U

33 Mikroapartments am Dortmunder U

34 Robert-Bosch-Berufskolleg

Robert-Schuman-Berufskolleg

35 Wohn- und Büroareal Am Königswall

36 BaseCamp

37 Baukunstarchiv NRW

38 Thier-Galerie

39 Boulevard Kampstraße / Brüderweg

40 RWE TOWER

41 Hauptverwaltung Volkswohl Bund

Versicherungen

42 Berufskollegs Brügmannblock

(mit Fritz-Henßler-Berufskolleg)

Areale

Gebäude

10


30

42

31

40

34

32

35

39

36

33

37

38

41


Vorwort

ULLRICH SIERAU

Oberbürgermeister der Stadt Dortmund

DR. ULRICH PAETZEL

Vorstandsvorsitzender Emschergenossenschaft

14


Einführung

Dortmund bauenMasterplan für eine Stadt. Strategien

und Perspektiven der Dortmunder Stadtentwicklungspolitik

im 21. Jahrhundert zeigt eindrucksvoll

den Wandel der achtgrößten Stadt Deutschlands in

den ersten beiden Dekaden dieses Jahrhunderts.

Die zentrale Fragestellung des Buches ist: Was hat die

Stadtentwicklungspolitik in Dortmund erreicht?

Um Dortmund bauen zu können, wurden die Herausforderungen

des Strukturwandels mutig, engagiert

und erfolgreich in Angriff genommen. Die Stadt hat

sich zu einer modernen Metropole entwickelt, indem

die notwendigen Prozesse in Gang gebracht und die

richtigen Projekte realisiert wurden.

Dortmund ist die Blaupause für eine Nachhaltigkeitsorientierung

im Strukturwandel. Die Faktoren Ökonomie,

Soziales, Beteiligung und Ökologie stehen für

»Bleiben, Qualifizieren und Neuentwickeln« und damit

für einen zukunftsfähigen Standort.

Ein zentraler Faktor für eine zukunftsfähige Stadt ist

die Wirtschaft. Die Dortmunder Wirtschaft basiert

heute auf vielen Säulen einschließlich einer breiten

Wissenschaftslandschaft. Der ehemalige US-amerikanische

Botschafter John B. Emerson fühlte sich bei

seinem Besuch in Dortmund im Jahr 2014 an die

Anfangszeit des Silicon Valley erinnert und prägte den

Begriff des »Silicon Dortmund«. Das ist sicher ein

Zeichen dafür, dass der ehemalige Dortmunder

Dreiklang aus Kohle, Bier und Stahl Geschichte ist.

Zu den Hauptaufgaben in der Transformation der

Stadt zählt die Abfederung der sozialen Folgen

des Strukturwandels. Der Aktionsplan Soziale Stadt

machte deutlich, dass 11 der 13 Schwerpunkte im

Dortmunder Norden lagen. Ein integriertes Stadtkonzept

musste her. Nachdem für den Süden und die

Mitte der Stadt die wichtigsten Strukturimpulse

gesetzt waren und sich die Entwicklung dort selbst

trug, musste der Norden in den Mittelpunkt rücken,

um nicht abgehängt zu werden. Daher hat die Stadt

Dortmund das Beteiligungs- und Dialogprojekt

»nordwärts« gestartet. Durch dieses auf zehn Jahre

angelegte Projekt werden die Potenziale der nördlichen

Dortmunder Stadtteile gefördert. Damit stellt

sich Dortmund ganz klar gegen eine soziale Spaltung

der Stadt.

Es ist in Dortmund präsent, dass Partizipation notwendig

ist. Nutzungskonflikte müssen minimiert und

Interessen frühzeitig abgewogen werden. Hierfür

wurde eine umfassende Beteiligungskultur aufgebaut.

Die Kommunikation zu und die Multiplikatorenwirkung

auf verschiedene Interessengruppen erhöht die

Transparenz und Akzeptanz notwendiger Stadtentwicklungsprozesse,

schafft passgenaue Mitgestaltungsangebote

und bezieht die Vielfalt der Stadtgesellschaft

ein. Die Dortmunder Planungskultur hat zur

»Befriedung« beigetragen, das belegen zahlreiche

Projekte. Die Verfahren formaler Instrumente wie

Bebauungspläne lassen sich durch vorgeschaltete

informelle Instrumente beschleunigen. Zugleich ist

eine ausgereifte Beteiligungs- und Planungskultur ein

Instrument, das den Standort durchsetzungs- und

zukunftsfähig macht.

Die ökologischen Themen sind weitere wesentliche

Faktoren einer zukunftsfähigen Stadt. Ein Meilenstein

war in Dortmund der Umbau des Emschersystems.

Aus der ehemaligen »Köttelbecke«, wie sie früher

gerne genannt wurde, ist ein intaktes Gewässer

geworden. Im Dreistromgebiet von Emscher, Ruhr und

Lippe steht die Emscher symbolisch für die qualifizierte

Neuentwicklung eines Lebensraumes. Die

Emschergenossenschaft realisiert die Renaturierung

der kanalisierten Emscher und ist ein wichtiger

operativer Partner bei der Gestaltung zurückgewonnener

Lebensräume.

Dortmund ist mit diesen Bausteinen und integrativen

Ansätzen ein erfolgreiches Modell für einen gelungenen

Strukturwandel und dies dokumentiert die

Veröffentlichung durch die Darstellung von Strategien

und Perspektiven der Dortmunder Stadtentwicklungspolitik

auf anschauliche Weise.

15


Editorial

DIETER NELLEN

WOLFGANG SONNE

LUDGER WILDE

Dortmund ist eine historisch gewachsene Stadt

mit nicht zuletzt großen Leistungen bei der Trans -

for mation seiner altindustriellen Areale. Wie in

kaum einer anderen ehemaligen europäischen

Montan region wurden dazu integrative Strategien

und Per spektiven zur Bewältigung des industriellen

Strukturwandels entwickelt. Die drittgrößte

Stadt Nordrhein-Westfalens hat die Zukunft angenommen

und sich in Teilen gleich mehrfach neu

aufgestellt: städte baulich, gesellschaftlich und

kulturpolitisch. Dazu wurde die Stadtentwicklungspolitik

sparten-, ressort- und beteiligungsübergreifend

organisiert.

Eine Kampagne unter dem Slogan »nordwärts«

hebt Potenziale und setzt Impulse für die bisher

weniger beachteten Stadtteile des Nordens.

Die Strategie ist dabei geradezu universal: Anstelle

räumlicher Segregation und partikularer Stadtreparatur

steht das kommunale Gesamtgebilde

im Blick.

Die für 2027 geplante Internationale Gartenausstellung

(IGA) Metropole Ruhr soll einen großen

Landschafts gürtel an Emscher und westlicher Peripherie

entstehen lassen. Formate der Regionalentwicklung

sind inzwischen durchaus geschätzt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Urbane Adressen,

Quartiere und Projekte wachsen inzwischen

an vielen Orten in der Stadt heran. Am 27. September

2018 erhielt PHOENIX den von der Deutschen Akademie

für Städtebau und Landesplanung ausgelobten

Deutschen Städtepreis 2018 für »zukunftsweisende

Planungs- und Stadtbaukultur«. Die City erhält

nach den kriegsbedingten Zerstörungen und funktionalen

Verwerfungen der jüngeren Moderne wieder

ein an sprechendes Gesicht. Das Wohnen kehrt auch

in zentrumsnahen Lagen dank Konversion und

zeit gemäßem Städtebau zurück.

Dortmund entdeckt nach der Renaturierung der

Emscher und der Anlage des PHOENIX Sees das

Wasser als belebendes Element der Stadtentwicklung.

Der Hafen soll unter Beibehaltung seines industriellen

Kerns auch ein Gründerstandort im Gleichklang

von Leben und Arbeiten werden.

Die vorliegende Publikation dokumentiert für Dortmund

Städtebau, Urbanität, Architektur, Baukultur

und Landschaft. Der innere Masterplan strategischer

Stadtgestaltung wird damit les- und sichtbar.

Es geht um den inneren Faden, die Relevanz von

Konzepten, Formaten und Projekten in der Stadtund

Regionalentwicklung.

Als Status- und Zukunftsbuch behandelt Dortmund

bauen für die bestimmenden thematischen Cluster

der Stadtentwicklung die Strategie, Kon zeption,

Governance und Partizipation bei Programmen,

Leitprojekten und Schlüsselarealen für die ersten

beiden Dekaden des 21. Jahrhunderts.

16


Einführung

Der Berichtszeitraum reicht also von der Jahrhundertwende

bis zum Jahr 2020:

Denn 1999 begannen die Vorbereitungen für einen

neuen (dann in 2004 verabschiedeten) Flächennutzungsplan,

der die Bedürfnisse des politischen

industriellen Strukturwandels zur Grundlage einer

großen stadtentwicklungspolitischen Transformation

durch qualifizierte Konversion von Militär- und

Montanflächen und behutsame Stadterneuerung in

der Gesamtstadt macht. Begleitet, vielleicht sogar

ermöglicht wird dieser Paradigmenwechsel durch

personelle Neubesetzungen an der Spitze der Stadt

und der erstmalig in Nordrhein-Westfalen möglichen

Wahl eines hauptamtlichen Oberbürgermeisters.

Das Jahr 2020 markiert wiederum einen weiteren

Einschnitt bei der Stadt- und Regionalentwicklung:

Denn dann werden wesentliche Leit- und Dekadenprojekte

in der Stadt (fast) vollendet sein. Die Emscher

wird auf ihrer ganzen Länge abwasserfrei und ein

europäisches Vorzeigeprojekt gelungener Renaturierung

sein. Und das Ruhrgebiet schließlich erhält

erstmalig wieder einen Regionalplan für die gesamte

eigene Gebietskulisse, worin auch Dortmund als

größte Mitgliedskörperschaft involviert ist.

Der Band richtet sich an die Stadtgesellschaft

sowie die regionale und nationale Öffentlichkeit.

Er ver mittelt einen grundsätzlichen Optimismus in

der Sache und jene konstruktive Stimmungslage,

ohne die Zukunft (in) einer Stadt nicht möglich ist.

Die Publikation ist weder vordergründige PR noch

deren mögliches Gegenstück, eine wissenschaftliche

Untersuchung. Den Editoren und Autoren geht es

vielmehr um die Dokumentation jener Strategie und

Erzählung, die die Stadtentwicklung in den letzten

beiden Dekaden geprägt hat.

Der Bericht von innen verbindet sich dabei mit der

Sicht von außen: Zu Wort kommen deshalb sowohl

interne wie auswärtige Akteure, Beobachter und

Autoren, die wir für dieses Stadt-Buch gewinnen

konnten.

Der Band erscheint — welch glückliche Koinzidenz —

zeitgleich zur Eröffnung des neuen Baukunstarchivs

NRW (Herbst 2018) im ehemaligen Dortmunder

Museum am Ostwall. Denn die neue Adresse soll

neben ihrer originären Bestimmung des Sammelns,

Archivierens und Dokumentierens auch ein

Ort des städtebaulichen und architektonischen

Diskurses werden.

Die institutionelle Herausgeberschaft obliegt der

Stadt Dortmund und der Emschergenossenschaft.

Beide sichern selbst oder über ihre Tochterunternehmen

die Finanzierung. An dieser beteiligen sich

auch bekannte namhafte Dortmunder Akteure,

Baugesellschaften, Architektur- und Planungsbüros.

Allen Beteiligten danken wir für die hilfreiche Unterstützung

und konstruktive Mitarbeit.

17


Dortmunds

Metamorphosen

JÖRN WALTER

Prof. Jörn Walter war nach seinem Studium in Dortmund

zuletzt achtzehn Jahre Oberbaudirektor der Freien

und Hansestadt Hamburg. Neben seinem beruflichen

Werdegang engagierte er sich unter anderem beim

Deutschen Städtetag und in der Lehre, wo er seit 2014

Honorarprofessor an der HafenCity Universität

Hamburg ist.

28


Urbanität — Architektur und Städtebau

Fundamentale Veränderung

Blickt man am Abend über den von der untergehenden

Sonne rötlich angestrahlten PHOENIX See,

scheint im sich spiegelnden Wasser manchmal die

monumentale Silhouette des Stahlwerkes auf,

die noch vor wenigen Jahrzehnten des Nachts in ein

ebenso magisches Rot getaucht wurde. Und es fällt

einem schwer zu glauben, dass man sich noch am

gleichen Ort befindet und eine derart fundamentale

Veränderung des Gesichts und der Gestalt der

Stadt überhaupt möglich ist. An kaum einem anderen

Ort ist der Wandel, den Dortmund in den letzten Jahrzehnten

erlebt hat, so offensichtlich und auch so

unbegreiflich wie hier. Es lag aus der Perspektive der

1960er und 1970er Jahre nicht nur am Rande, sondern

schlichtweg außerhalb des Vorstellungsvermögens,

eine solche Transformation für denkbar zu halten.

Die Stadt des Stahls, der Kohle und des Bieres war

noch allgegenwärtig und man hatte zwar eine Ahnung

davon, dass es mit dieser Prägung eines Tages zu

Ende sein würde, aber überhaupt nicht, was an ihre

Stelle treten könnte.

Sicher, einst war sie eine stolze Handels- und Hansestadt

gewesen, woran man gern erinnerte, aber dann

war sie für lange Zeit in die Rolle einer Ackerbürgerstadt

zurückgefallen, bevor der Bergbau und die

Stahlindustrie sie zu einer der bedeutendsten Großstädte

des Industriezeitalters heranwachsen ließen.

Dortmund als lebendige Stadt war deshalb ohne diese

Schwerindustrie eigentlich nicht vorstellbar und

Szenarien der Schrumpfung und des Brachfallens

erschienen sehr viel plausibler als solche des Wachstums

und der Erneuerung. Und tatsächlich war es

auch ein langer und schwieriger Weg, Stück für Stück,

von Standort zu Standort neue Perspektiven zu

gewinnen, denn die eine, neue und große Erzählung

für die ganze Stadt, die gab es nicht. Ausdauer,

kleine Schritte und lokale Initiativen waren gefragt,

aber auch die Entschlossenheit, an den allgemeinen

Zukunftstrends zumindest partizipieren zu wollen.

Und so ist aus einer Vielzahl zunächst unscheinbarer

und überregional weitgehend unbemerkt gebliebener

Projekte, aber auch einiger mutiger und strategischer

Impulse und Interventionen der Politik, ein Prozess

der Häutungen und Neuerungen in Gang gekommen,

der sicher noch lange nicht am Ende, aber doch

mittlerweile deutlich sichtbar ist.

Intervention und Erneuerung

Die langfristig wirksamste Intervention war wohl im

Rückblick die Gründung der Universität, die im Jahr

1969 ihren regulären Betrieb aufnahm und inzwischen

aus 16 Fakultäten, über 6 000 Mitarbeitern und

nahezu 35 000 Studenten besteht. Sie hat durch

ihre Dimension nicht nur den Dortmunder Südwesten

völlig neu geprägt, sondern vor allem durch ihre

Ausgründungen im städtebaulich sehr gelungenen

Technologiepark und an vielen anderen Stellen der

Stadt zu zahlreichen neuen Unternehmen und Arbeitsplätzen

geführt, die die Wirtschaft diversifiziert

und auf völlig neue Beine gestellt haben. Man mag

sich im Rückblick gar nicht ausdenken, wo die Stadt

ohne dieses breite Angebot an hochqualifizierten

Arbeitskräften in den technischen und sozialwissenschaftlichen

Disziplinen heute stehen würde. Ein

höchst ambitionierter Büro- und Gewerbepark von

beeindruckenden Ausmaßen unterhalb der monumentalen

Stahlskulptur des ehemaligen Hochofens

PHOENIX West wäre jedenfalls kaum denkbar und

auch die Gestaltung einer »Stadtkrone« entlang der

Autobahnallee B 1 mit großflächigen Dienstleistungsunternehmen

wäre trotz der Nachbarschaft zum

dreigestirnigen Kraftzentrum Dortmunder Identität

aus Westfalenhalle, Westfalenstadion und Westfalenpark

wohl nicht so weit vorangeschritten.

Der schon erwähnte PHOENIX See steht wegen seiner

Dimension und seines Wagemutes wiederum wie kein

anderes Projekt für die Erneuerung des Wohn- und

Freizeitwertes der Stadt. Eine verwegene Idee mit

einem höchst anspruchsvollen städtebaulichen und

naturräumlichen Konzept hat durch eine konsequente

Umsetzung und langen Atem zu einem ebenso

verblüffenden wie überzeugenden Ergebnis geführt,

das Beachtung weit über Deutschland hinaus verdient.

Die herausragenden und niveauvoll bebauten Wohnlagen

am Hang tragen dazu genauso bei wie das

gelungene Zentrum der Hafenmole am Rande der Hörder

Altstadt; und die programmatische Verwandlung

der Emscher aus einem unterirdisch einbetonierten

Abwasserkanal in einen großzügigen See ebenso

wie die gelungene Einbindung von Erholungsmöglichkeiten

in eine natürlich anmutende Umgebung. Hier

ist den verantwortlichen Akteuren ein Streich gelungen,

der Dortmund mit einer weitsichtigen und

noblen Setzung profiliert hat, die sich im nationalen

und internationalen Maßstab sehen lassen kann

und der dem Anspruch einer zukunftsorientierten

Metropole Westfalens wirklich gerecht wird.

29


Dortmunder Citywandel — Die reurbanisierte Innenstadt der Ruhrmetropole

Der Hauptbahnhof mit Empfangshalle aus den

1950er Jahren, die 2011 renoviert wurde.

Die großen Fenster wurden den Originalfenstern

nachgebildet, die jetzt im LWL-Industriemuseum

Zeche Zollern zu sehen sind.

Dortmunder Hauptkirchen St. Reinoldi und St. Petri

folgt ab 2019. Mit Terrassen vor den Cafés, Stadtmöbeln

zum Verweilen und Spielarealen entlang eines

Wasserlaufes wird die Kampstraße so zum begrünten

Fußgängerboulevard. Ein schnurgerades Lichtband

in rund 4,5 Meter Höhe wird ihren optischen Zusammenhalt

unterstreichen. Die Kampstraße wird

die traditionelle Einkaufsmeile des vergleichsweise

schmalen Osten- bzw. Westenhellwegs entlasten,

der parallel dazu verläuft. Diese Aufwertung der

Stadt räume stärkt die Identifikation der Dortmunder

und ihrer Gäste mit der Innenstadt. Zugleich setzt

sie neue Impulse — nicht nur für den Handel. Mit dem

Neubau am Platz von Leeds für studentisches

Wohnen (Entwurf Eckhard Gerber) wird zudem eine

weitere Nutzungsvariante in der Innenstadt verankert.

Einen wichtigen Impuls für die urbane Entwicklung

be deutete das 2002 eröffnete Konzerthaus (Architekten

Schröder Schulte-Ladbeck) für das Brückstraßenviertel

im nördlichen Teil der City, an dessen kleinteiliger

Parzellierung noch die städtische Textur des

19. Jahrhunderts ablesbar ist.

Urbane Paradigmenwechsel

So wie sich die Vorstellungen von Mobilität in der

Innenstadt verändert haben, hat sich auch der Umgang

mit der historischen Bausubstanz gewandelt.

Heute kaum noch vorstellbar wäre etwa der Abriss

46


Urbanität — Architektur und Städtebau

des Haus der Bibliotheken am weitläufigen Hansaplatz.

1954 / 56 nach Entwurf von Walter Höltje

verwirklicht, ist mit ihm 1996 ein wichtiges Stück der

Dortmunder Bauidentität der Nachkriegsmoderne

verloren gegangen. Zugleich bildete dieser Abbruch

aber auch die Initialzündung für den 1999 eröffneten

ikonischen Bibliotheksneubau Mario Bottas und die

Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Inzwischen

ist sich Dortmund der Bedeutung und Qualität

seines innerstädtischen Nachkriegserbes bewusster.

Beispielhaft sind dafür Umbau und Instandsetzung

der denkmalgeschützten ehemaligen WestLB von

Harald Deilmann durch die Düsseldorfer Architekten

Eller + Eller oder die aktuelle Transformation des

Museums am Ostwall zum Baukunstarchiv NRW

(Architekten Spital-Frenking und Schwarz). Die Um -

nutzung des von Will Schwarz entworfenen einzigartigen

Gesundheitshauses (1957/ 61) steht derweil

noch bevor. Mit seiner filigranen 1950er Jahre

Architektur und seiner kost baren Innenraumgestaltung

stellt es das bedeutendste Baudenkmal dar,

das in Dortmund seit dem Mittelalter entstanden ist.

Zu den neuen Zeugnissen der gebauten Identität

eines städtischen Selbstverständnisses gehören

die Turmbauten der Innenstadt, der sanft geschwungene

RWE TOWER sowie die elegante Scheibe des

Harenberg City-Centers, die beide nach Entwurf von

47


Dortmunder Citywandel — Die reurbanisierte Innenstadt der Ruhrmetropole

Blick von Süden auf die Dortmunder

City: Rechts ist die vierreihige Allee der

Klepping straße zu erkennen, mittig im

Bild der große Hansaplatz vor der renovierten

Karstadt-Fassade. Im Vordergrund zeigen

sich Stadtgarten und Friedensplatz mit

Rathaus und Stadthaus.

50


Urbanität — Architektur und Städtebau

51


Die Stadt als

Bauherr

REINER LIMBERG

Reiner Limberg ist Fachbereichsleiter der

städtischen Immobilienwirtschaft.

Zum guten Bauen einer

Stadt gehört, dass die

Bauten der Kommune

mit hoher Qualität

errichtet und renoviert

werden. In Dortmund

sind in den letzten Jahren

viele städtische Gebäude

und Baudenkmale

angefasst worden:

74


Urbanität — Architektur und Städtebau

Das Südbad entstand als erstes Dortmunder Hallenbad nach dem

Krieg. Bei der Renovierung wurde das Schwimmbecken verlängert,

der Sprungturm neu konzipiert und die Raumakustik verbessert.

Das Wandgemälde von Harry Fränkel wurde aufgearbeitet.

75


Baukultur,

Stadtgeschichte

und Identität


Aufgaben und Ziele der Stadtbaukunst

Zehn Grundsätze zur Stadtbaukunst heute

»1. STADTTHEORIE: KOMPLEXITÄT STATT REDUKTION

Stadtbaukunst muss alle Aspekte der Stadt umfassen

und ihnen Gestalt geben. Städte lassen sich nicht

auf einzelne Aspekte und deren Bewältigung durch

einzelne Disziplinen reduzieren.

2. STADTBILD: STÄDTEBAU STATT FACHPLANUNG

Das Stadtbild entsteht aus der bewussten Anordnung

und Gestaltung städtischer Bauwerke und bedarf

eines auf dauerhafte Schönheit bedachten Städtebaus.

Die Vernachlässigung des überkommenen

Stadtbildes in der Stadtplanung, die durch die Trennung

der unterschiedlichen Planungsbereiche verursacht

wird, verhindert die Entwicklung umfassend

qualitätvoller Lebensorte.

3. STADTARCHITEKTUR: GEBAUTES ENSEMBLE STATT

INDIVIDUALISTISCHER EVENTARCHITEKTUR

Städtische Architektur muss Ensembles mit ausdrucksreichen

Fassaden bilden und ein gegliedertes

Ganzes von zusammenhängender Textur und Substanz

schaffen. Ausschließlich individualistische

Eventarchitektur löst den städtischen Zusammenhang

und die Verständlichkeit des öffentlichen

Raums auf.

4. STADTGESCHICHTE: LANGFRISTIGE STADTKULTUR

STATT KURZFRISTIGER FUNKTIONSERFÜLLUNG

Städtebau ist eine kulturelle Tätigkeit, die auf historischer

Erfahrung und Bildung aufbaut. Vorgeblich

wissenschaftliche Modelle und spontan verfasste

Leitbilder wie beispielsweise die ‚verkehrsgerechte

Stadt’ verkennen den langfristigen und umfassenden

Charakter der Stadt.

5. STADTIDENTITÄT: DENKMALPFLEGE STATT BRANDING

Die Identität der Stadt entsteht durch ihre langfristige

Geschichte sowie die Pflege ihrer Denkmäler,

ihres Stadtgrundrisses und ihrer Baukultur. Individu

alistisches Branding verleugnet die bestehenden

Eigenheiten des Ortes und leistet dem Identitätsverlust

im Zeitalter der Globalisierung Vorschub.

6. STADTGESELLSCHAFT: STADTQUARTIER

STATT WOHNSIEDLUNG UND GEWERBEPARK

Das Stadtquartier mit Funktionsmischung und

architektonisch gefassten Räumen bildet das Grundelement

der auf vielfältigen Lebensweisen beruhenden

Stadt. Monofunktionale Siedlungen sowie

Einkaufs- und Gewerbeparks vor der Stadt zerstören

die Urbanität und verhindern die Identifikation der

Stadtgesellschaft mit ihrer Stadt.

7. STADTPOLITIK: STADTBÜRGER ALS GESTALTER

STATT ANONYMER IMMOBILIENWIRTSCHAFT

Städtisches Bauen soll vor allem von verantwortungsbewussten

Bürgern als künftigen Nutzern getragen

werden und auf einem gleichberechtigten Zugang

zu einem auf der Parzelle gegründeten Bodenmarkt

beruhen. Institutionelle Bauträger wie öffentliche

Wohnungsbaugesellschaften oder Immobilienfonds

ohne langfristiges Interesse an der Qualität des

Ortes schaffen keine guten Stadtbauten.

8. STADTÖKONOMIE: EINZELHANDEL STATT KETTEN

Die Stadtökonomie sollte stärker vom diversifizierten

innerstädtischen Einzelhandel und Gewerbe getragen

werden. Allein Großketten und ausgelagerte Großbetriebe

machen die Stadtökonomie krisenanfälliger

und vernichten urbane und selbstbestimmte

Arbeitsplätze.

9. STADTVERKEHR: STADTSTRASSEN

STATT AUTOSCHNEISEN

Stadtstraßen sind vielfältige und wohlgestaltete

Aufenthaltsräume, die neben den verschiedenen

Arten des Verkehrs auch dem Einkaufen, dem Spazieren,

dem sozialen Kontakt, der politischen Manifestation

und dem Vergnügen dienen. Monofunktionale

Autoschneisen und Fußgängerzonen zerstören

die Stadt.

10. STÄDTISCHE UMWELT: NACHHALTIG BAUEN

STATT SCHNELL VERPACKEN

Die Nachhaltigkeit der städtischen Umwelt entsteht

durch umfassende und solide Dauerhaftigkeit und

Urbanität. Die Reduktion der notwendigen Energieeinsparungsmaßnahmen

auf ölbasierte Wärmedämmverpackungen

und solitäre Energiehäuser schafft

die Umweltprobleme von morgen.«*

Wenn Planung und Architektur diese Grundsätze

wieder berücksichtigen, wenn das Verständnis von

öffentlichem Raum, Straßen- und Platzraum als

wichtigstem Teil gesellschaftlichen Zusammenlebens

der Stadt wieder selbstverständliche Grundlage

des Städtebaus wird, wenn Dichte, soziale und funktionale

Mischung wieder grundsätzliche Akzeptanz in

der Planung unserer Stadtquartiere erfahren, wird

die Qualität der neuen Stadt wieder mit der Qualität

der alten Stadt vergleichbar sein.

* Christoph Mäckler, Wolfgang Sonne (Hg.):

Konferenz zur Schönheit und Lebensfähigkeit

der Stadt 1, Sulgen 2011, S. 187—189.

102


Baukultur, Stadtgeschichte und Identität

Gelungenes Beispiel für die Nachverdichtung

einer 1950er-Jahre-Siedlung in Dortmund-Wambel,

das von einem Forschungsprojekt zum energiesparenden

Bauen begleitet wurde. Architektur:

Christoph Mäckler, Martin Cors, Imke Woelk, Frank Fietz

103


Historisches Erbe und Identität

Etablierte und neue Potenziale

Die Gründe für die gestärkte Rolle des bauhistorischen

Erbes im Dortmunder Planen und Bauen sind

vielschichtig: Die Bedeutung geschichtsträchtiger

Bauten und Quartiere im Wettbewerb der Städte um

Alleinstellungsmerkmale ist sicherlich ein etablierter

Parameter. In diesem Sinne spielen Monumente, wie

das Dortmunder U, der Florianturm, oder die Evangelische

Stadtkirche St. Reinoldi, auch bei Dortmunds

Stadtmarketing eine wichtige Rolle. Ein weiterer

anerkannter Grund liegt in ihrer adressbildenden

und impulsgebenden Wirkung bei zu entwickelnden

Flächen. Was wäre beispielsweise PHOENIX West

ohne seine Industriedenkmäler? Unbestritten ist auch

die Rolle historischer Bauten als weicher Standortfaktor,

wenn sie Kulturangebote darstellen, wie das

LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Bövinghausen

oder die Kokerei Hansa in Huckarde. Nicht zuletzt

besteht Einigkeit, dass die Zukunft einer nachhaltigen

Stadtentwicklung zwangsläufig im Bestand liegen

muss. Doch diese Potenziale sind längst erkannt. Sie

allein hätten keinen Wandel bewirkt. Was ist also neu?

110


Baukultur, Stadtgeschichte und Identität

Der denkmalgeschützte Fernsehturm Florian

im Westfalenpark wurde von 1957 bis 1959

nach einem Entwurf von Will Schwarz gebaut.

Der Flamingoteich im Vordergrund wie

auch der gesamte Westfalenpark wurden

zur Bundes gartenschau 1959 realisiert.

Dortmunds besondere Stärke

In Dortmund scheinen die genannten Trends mit

lokalen Besonderheiten zusammenzuwirken und eine

zunehmende Wertschätzung der historischen

Baubestände zu begünstigen, die vor dreißig Jahren

noch nicht denkbar gewesen wäre. In den Jahrzehnten,

in denen große innerstädtische Brachflächen

und ungenutzte Industriebauten in Dortmund täglich

an den Niedergang einer stolzen Industriestadt

erinnerten, war sicherlich nicht der richtige Moment

für die Verantwortlichen, zum Bewahren des Alten

aufzurufen. Es waren Mut, neue Ideen und Signale

eines Wandels gefragt. Dortmund ist diesen schweren

Zeiten, befördert durch die IBA Emscher Park,

den Masterplan Emscher-Zukunft und das

Kulturhauptstadtjahr 2010, mit innovativen Projekten

begegnet und heute zurecht stolz, den

Struktur wandel weitgehend geschafft zu haben.

Bereits im Jahr 2007 berichtete das Magazin

Der Spiegel vom »Vorbild Dortmund«, wo der

Strukturwandel besser als anderswo gelänge.

Das neue Selbst bewusstsein erlaubt heute wieder

einen stolzen Blick in die Geschichte der Stadt

und auf ihre baulichen Zeugnisse. Die Schärfung

des Blicks auf das Alte wurde in den letzten

Jahren durch eine besondere Stärke Dortmunds

beeinflusst: ihr bau kulturelles Netzwerk.

111


Nachhaltig erneuerte Stadt- und Wachstumsräume

PHOENIX See

Die Entstehungsgeschichte des PHOENIX-See-Areals

begann 2001 mit der Stilllegung des Oxygenstahlwerks

sowie dessen Demontage im Jahre 2002 —

das Stahlwerk wurde anschließend in China wiederaufgebaut.

Die eigens gegründete PHOENIX See

Entwicklungsgesellschaft, eine hundertprozentige

Tochter der Dortmunder Stadtwerke, hat das Gelände

nach dem Erwerb von Thyssen Krupp 2004 entwickelt;

bereits 2005 erfolgte der erste Spatenstich

zum Seeaushub.

Der PHOENIX See mit einer Wasserfläche von

24 Hektar wird durch Grundwasser gespeist und

ist funktionstechnisch eine Talsperre mit entsprechender

Regenrückhaltefunktion. Mit seiner

umgebenden Gewässerlandschaft von Emscher

und Hörder Bach ist er Mittelpunkt und Identifikationsmerkmal

des insgesamt 99 Hektar großen

Geländes — planerisch begründet in der historisch

naturräum lichen Situation der Emscherniederung.

Entstanden ist ein neuer nachhaltiger Standort

für Wohnen, Arbeiten und Freizeit — eine radikale

Konversion, die neben der Hörder Burg nur wenige

historische Gebäude integriert. Das Planungs -

konzept wurde zunächst mit distanziertem Wohl -

wollen bewertet. Letztendlich haben es der damalige

Oberbürger meister und Planungsdezernent

zur »Chefsache« erklärt. Machbarkeitsstudien

haben dann die Umsetzungs fähigkeit des kühnen

Entwurfes be stätigt.

Im Jahre 2017 waren nahezu alle 2 200 Wohneinheiten

realisiert. Die Einfamilienhausgebiete werden

insbesondere im Übergang zu den Bestandslagen

von Geschosswohnungsbau ergänzt. Zahlreiche

Unternehmensansiedlungen und gastro nomische

Ein richtungen sorgen für den gewünschten

Nutzungsmix. Durch die Ansiedlung der Sparkassenakademie

in der historischen Hörder Burg ist es

außerdem gelungen, eine für Nordrhein-Westfalen

bedeutende Einrichtung in Dortmund zu etablieren.

STANDORT

Stadtbezirk Hörde zwischen B 54

und Kohlensiepenstraße,

ca. 200 Hektar Entwicklungsfläche

PLANUNGSPHASE

seit 1998

STÄDTEBAULICHER ENTWURF

PHOENIX West von stegepartner Dortmund

(jetzt: SPAP Architektur Stadt Landschaft / Kai Stege),

PHOENIX See von Norbert Kelzenberg,

Stadtplanungsamt;

3 Bebauungspläne PHOENIX See

(Rechtskraft seit 2010, 2012, 2013),

Bebauungsplan PHOENIX West im Verfahren

BAUPHASE

2013: Fertigstellung der öffentlichen Infrastruktur

(PHOENIX West)

Mai 2011: Ende der Seeflutung und Freigabe an die

Öffentlichkeit

BETEILIGTE

NRW.URBAN, PHOENIX See Entwicklungsgesellschaft,

Stadt Dortmund

PROJEKTBESONDERHEITEN

verwaltungsinterne Projektgruppe PHOENIX,

Planungswerkstatt PHOENIX West,

Wettbewerbe PHOENIX West

(Brücken, Park, Beleuchtung)

Gestaltungshandbücher, Architekturmessen

neue Heimat für Kreuzkröte, Wanderfalke

und Flussregenpfeiffer

oben — Die Promenade am Hafen des

PHOENIX Sees hat sich zu einem Ausflugsziel

mit Restaurantmeile entwickelt.

Die Gestaltung und Reali sierung aller

Außenanlagen erfolgte durch Landschaft

planen + bauen.

mittig — Visualisierung des Kontors am Kai

für Büro, Handel und Gastro nomie nach

einem Entwurf von Kleihues + Kleihues aus

Dülmen; Bauherr ist das Dortmunder

Unternehmen Freundlieb.

unten — Schrägluftbild des Hafens am

PHOENIX See mit der Hörder Burg vorne,

RIVA und S.E.A. House links oben sowie

der Baustelle des Kontors am Kai rechts

144


Transformation und neue Stadt- und Wachstumsräume

145


Hafenquartier

Speicherstraße —

Wasser als

Standortfaktor

THOMAS WESTPHAL

Thomas Westphal ist Geschäftsführer der

Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund.

166


Transformation und neue Stadt- und Wachstumsräume

Mehr als hundert Jahre Industriebaukultur im Dortmunder Hafen:

links die mächtigen Laufkräne des Containerterminals,

mittig das Alte Hafenamt im Stil der Neorenaissance von 1899

und rechts die frühere Schmiede

Entwicklungsschwerpunkt für

Dortmund und die Nordstadt

Der Dortmunder Hafen ist ein Industrie- und Logistikstandort

von internationaler Bedeutung. Mit der

Entwicklung der nördlichen und südlichen Speicherstraße

und der damit verbundenen städtebaulichen

Öffnung des Hafenquartiers wird der klassische

Hafen um urbane Nutzungen erweitert und neue

Arbeits- und Freizeitqualitäten für die angrenzende

Nordstadt werden geschaffen. Mit seinen historischen

und hafentypischen Merkmalen, insbesondere

der Lage am Wasser, birgt der Hafen ein enormes

Entwicklungspotenzial für bis zu 5 000 neue

Arbeitsplätze entlang der Speicherstraße.

Dieses Ziel soll durch die Schaffung eines lebendigen

Quartiers mit eigenständigem Charakter erreicht

werden. Mit einem attraktiven Arbeitsumfeld

und besonderen städtebaulichen Qualitäten sollen

zukunftsorientierte Nutzer angesprochen werden,

die sich das Quartier als urbane Pioniere erobern

und eine sich selbst verstärkende Entwicklungsdynamik

anstoßen. Zunächst wird ein digitalkreatives

Milieu für Start-ups, Tüftler und Kreative

aufgebaut, in dem neue Geschäftsideen reifen

und branchenübergreifende Netzwerke wachsen

können. Hierdurch werden etablierte Unternehmen

und Investoren angezogen, die mehr und mehr

den Austausch und die Zusammenarbeit mit Querund

Neudenkern suchen.

Für den Aufbau dieser Netzwerke spielen eine

authentische Hafenatmosphäre, kommunikative

Räume sowie flexible bauliche Strukturen eine

bedeutende Rolle. Die Sanierung der markanten

Speichergebäude im südlichen Teil der Speicherstraße

geschieht daher nicht aus denkmal -

pflege rischen Überlegungen, sondern als Erfolgs-

167


Offensiven für

urbane Attraktivität

EIN GESPRÄCH ZWISCHEN

GERHARD LANGEMEYER UND

DIETER NELLEN

Der Kunsthistoriker Dr. Gerhard Langemeyer war

in Dortmund zunächst Direktor des Museums

für Kunst und Kulturgeschichte, dann 1986

Kulturdezernent, ab 1995 auch Kämmerer und

Stadt direktor, um schließlich eine Dekade lang

von 1999 bis 2009 als erster hauptamtlicher

Oberbürgermeister der Stadt zu wirken.

Mit seiner Amtszeit verbindet sich nicht zuletzt

eine die City verändernde Strategie neuer

öffentlicher Bauten für Kultur und Freizeit:

Bibliothek, Konzerthaus, Dortmunder U und

Deutsches Fußballmuseum.

206


Kultur und Bildung — Politik für die Stadtgesellschaft

Dieter Nellen (DN) — Was waren die grundsätzlichen

Motive und Ziele Ihrer offensiven

Urbanitäts strategie?

Gerhard Langemeyer (GL) — Die Lebensfähigkeit

einer Stadt hängt am wirtschaftlichen Erfolg und den

Arbeitsplätzen. Im Dortmunder Strukturwandel

mit dramatischen Verlusten bei Kohle, Stahl und Bier

mussten Technologiepolitik und Unternehmensgründungen

allerdings flankiert werden. Im Wettbewerb

mit anderen Städten galt es, in die Qualität

von Kultur, Sport und Grünflächen zu investieren.

Exemplarisch ist dafür das Konzerthaus, gestartet als

Initiative der Stadtverwaltung unter Oberstadtdirektor

Harald Heinze mit dem Plan einer Mehrzweckhalle

im Verbund der Westfalenhallen. Das Projekt wurde

bis zum Architektenwettbewerb vorangetrieben,

scheiterte aber an der fehlenden Kofinanzierung.

Ein Ortstermin der Verwaltungsführung unter

Oberstadtdirektor Hans-Gerd Koch im Brückstraßen-

Viertel führte zum Durchbruch. Eine Besichtigung

des geschlossenen Universum-Kinos, in dem in den

1920er Jahren auch Konzerte stattfanden, war für

mich Anlass, das Projekt wieder aufzugreifen. Der

erste Gedanke: In der Stadtmitte, wo seit Jahrzehnten

das Kino mit Konzert zum Freizeitangebot gehörte,

sollten die Philharmoniker ein Zuhause bekommen.

Eine Machbarkeitsstudie machte schnell klar, dass

das Raumvolumen zu gering, die Bühne zu klein und

die Akustik unzureichend waren. Als Lösung wurde ein

Neubau an gleicher Stelle konzipiert, mit dem Ziel,

eine reine Konzerthalle mit höchsten akustischen

Ansprüchen zu realisieren. Zusätzliche Grundstücke

wurden erworben, ein Architektenwettbewerb ausgelobt.

Die neue Nutzung sollte helfen, das Viertel

zu reaktivieren. Ich konnte das Vorhaben politisch

durchsetzen, weil neben kulturellen zugleich städtebauliche

Ziele erreicht wurden, die eine Mitfinanzierung

durch das Land NRW ermöglichten.

DN — Für das Dortmunder U war zunächst eine

vornehmlich museale Nutzung angedacht, die sich

dann zugunsten eines multithematischen und

interdisziplinären Modells erweiterte, also mehr in

Richtung Centre Pompidou als Louvre. Wie ist Ihre

Sicht zur Genese und Zukunft des U?

GL — Dem Brauereikonzern Brau und Brunnen

ist es über mehr als fünfzehn Jahre nicht gelungen,

eine Folgenutzung für das nicht mehr benötigte

Grundstück der ehemaligen Union-Brauerei an der

Rheinischen Straße zu realisieren. Erst als der Konzern

vorschlug, durch den Bau einer Unternehmenszentrale

einen Anker zu setzen und der Stadt den

Turm unentgeltlich mit der Maßgabe anbot, eine

Nutzung zu finden, konnte die städtebauliche Lösung

an der Rheinischen Straße angegangen werden.

Die Verlegung der Brinkhoffstraße und die Neuordnung

der Kreuzung am Wallring war zuvor schon

durch ein städtebauliches Konzept von Richard

Rogers vorgeschlagen worden.

Wieder war es das Bündnis von Städtebau und

Kulturinvestition, das zum Erfolg führte. Einen Neubau

für das Museum am Ostwall hatte ich schon bei der

Wahl zum Kulturdezernenten propagiert, damals mit

dem Standortvorschlag gegenüber dem Hauptbahnhof,

wo jetzt die Stadt- und Landesbibliothek nach

dem Entwurf von Mario Botta neben dem Deutschen

Fußballmuseum steht.

Im Turm legten die großen Raumtiefen und das

geringe Tageslicht eine museale Nutzung nahe. Im

ersten Anlauf schlug ich vor, das Gebäude insgesamt

im Messebaustandard für Ausstellungszwecke herzu -

richten und die Bestände des Museums am Ostwall

dort zu präsentieren. Im Dialog mit dem Land

Nordrhein-Westfalen wurde das Vorhaben zu einem

Zentrum für Kunst und Kreativität weiterentwickelt.

Der Entwurf von Eckhardt Gerber und seinen Partnern

mit der vertikalen Erschließung durch Rolltreppen

erinnert durchaus an das Centre Pompidou. Auch dort

gibt es neben moderner Kunst Film und Fotografie.

Die Sammlung ist ebenso in den oberen Geschossen

untergebracht. Im Dortmunder U sind die größeren

Raumhöhen oben zu finden.

Durch die Einbindung weiterer Partner im U — dem

Hartware MedienKunstVerein (HMKV), der Universität

und der Fachhochschule — ist es enger und komplizierter

geworden. Die darin liegenden Chancen

kann man aber nutzen. Wenn es gelingt, aus den

ersten Jahren die richtigen Konsequenzen zu ziehen,

gebe ich dem Dortmunder U eine sehr gute Prognose,

nicht nur als Wahrzeichen der Stadt seine Beliebt -

heit zu steigern.

207


Das Konzerthaus Dortmund —Aufwertung eines ganzen Stadtviertels

Konzerthaus als Marke

Nun reichen Nahbarkeit, Hochkultur und die brillante

Akustik des Saals allein nicht aus, um das Konzerthaus

überregional als Dortmunder Marke zu etablieren.

Unverwechselbar und interessant für ein Publikum,

das aus ganz Deutschland anreist, wird das Konzerthaus

durch eine intelligente und vorausschauende

Spielplangestaltung. Die sogenannte »Dortmunder

Dramaturgie« ist das Alleinstellungsmerkmal.

Dazu gehören Konzepte und Reihen wie die »Jungen

Wilden«, »Zeitinseln«, die »Konzertante Oper«, der

»Exklusivkünstler« oder auch das in Dortmund entwickelte

»Pop-Abo«. Künstler zu erkennen, denen

eine Weltkarriere bevorsteht, sie frühzeitig zu binden

und zu halten, ist die Erfolgsstrategie des Hauses

und lässt es mit der Weltspitze der Konzerthäuser auf

Augenhöhe agieren. Seit 2012 ist das Konzerthaus

Dortmund Mitglied der European Concert Hall Organisation

(ECHO) und gehört damit zu den 21 besten

Häusern Europas.

Synergieeffekte

Und es passiert etwas im Brückviertel. Zeitgleich

mit dem Konzerthaus siedelte sich auch die Chorakademie

dort an, die inzwischen als Europas größte

Singschule gilt. Im Jahr 2009 wurde das Orchesterzentrum

NRW gebaut. Es zieht Studenten in das

Viertel, die wiederum das Konzerthaus besuchen.

Auch der renommierte Jazzclub domicil in der

Hansastraße hat einen deutlichen Anteil daran, dass

das Brückviertel zunehmend mit Musik und Kultur

in Verbindung gebracht und weniger als Problembezirk

empfunden wird. Die gewünschten Synergieeffekte

sind also deutlich greifbar. Daneben entstehen

neue, höherwertige Gastronomieangebote

und mit dem Abriss des jahrelang als Schandfleck

empfundenen alten Karstadt-Technikhauses

und dem anschließenden Neubau eines Komplexes

mit Studenten apartments wird ein weiterer

Meilenstein erreicht sein. Das Brückviertel ist auf

einem guten Weg.

Die Entwürfe für das Konzerthaus

stammen vom Büro

architekten schröder schulteladbeck

aus Dortmund. Die

General unternehmer waren

Freundlieb und Hochtief. Die

Planung der Raum akustik

des Saales und des Gebäudes

lag beim Ingenieurbüro

Graner + Partner.

222


Kultur und Bildung — Politik für die Stadtgesellschaft

223


Kontinuität der INWERT SETZUNG — Der Wandel der Dortmunder Stadtlandschaft geht weiter

Masterplan Emscher Landschaftspark 2010

Ein wirksamer regionaler Dortmunder Impuls bei der

Planung und beim Ausbau des Emscher Landschaftsparks

(ELP) war der gut vorbereitete Input der

Stadt Dortmund bei dem ersten Bilanzworkshop des

Masterplans ELP 2010 nach der Internationalen

Bauausstellung im August 2001. Als wichtige Erneuerung

wurde die Süderweiterung des ELP entlang

der Emscher bis zur Quelle in Holzwickede, die Einbringung

aller PHOENIX-Flächen und die Entwicklung

eines Grünen Ringes rund um den Dortmunder

Stadtkern vorgeschlagen. Eine Empfehlung, die sich

durchgesetzt hat und die wichtige andere Flächenerweiterungen

des ELP zur Folge hatte.

Der umfassende Wandel des Stahlwerksgeländes zum

PHOENIX See, die Kombination von Wohnungsbau,

Dienstleistungen, Gastronomie sowie Freiflächen und

Wegeführung am Seeufer, der direkte Verbund mit

dem Umbau des Emscher-Oberlaufs, die Verbindung

mit der Hörder Stadtentwicklung, die Umwandlung

der Eliasbahn zum verbindenden Radweg, der Wandel

des Hochofenwerksgeländes zum Techno logiepark

PHOENIX West und die Weiterentwicklung zum

Landschaftskreuz mit dem Rombergpark und dem

Westfalenpark sind viel mehr als nur ein besonders

großes Projekt.

Integriertes Handeln

Es ist das gebündelte aufeinander abgestimmte

Zusammenwirken verschiedener Potenziale,

Träger und Interessen, Instrumente und Budgets,

zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und

mit den richtigen Personen. Was auf den ersten Blick

wie besonderes Glück anmutet, erweist sich im

Wiederholungsfall als integriertes Handeln einer

ganzen Stadt.

Dinslaken

Rhein

Rhein

Bergpark Lohberg

Emscher

Kleine Emscher

Duisburg

Landschaftspark

Duisburg-Nord

Kreis Wesel

Rhein-Herne-Kanal

Garten der

Erinnerungen

RheinPark

Tiger & Turtle

RVR-Besucherzentrum

Emscher Landschaftspark

Haus Ripshorst

Ruhr

Halde Haniel/

Bergtheater

Oberhausen

Bottrop

Halde Beckstraße/

Tetraeder

Gehölzgarten

Ripshorst

Gleispark

Frintrop

Mülheim

a. d. Ruhr

Der Emscher Landschaftspa

im Freiraumsystem Metropo

Gladbeck

Halde Rungenberg

Nachtzeichen

Schurenbachhalde/

Bramme für das

Ruhrgebiet

Essen

Nordsternpar

Gelse

Zollverein

Park

La

M

Dieses integrierte Handeln ist gelerntes und erprobtes

Know-how, öffentliche Software und mentales

Kapital im Verbund mit der Offenheit für Innovationen.

Hier hat die Stadt Dortmund eine hohe Anschlussfähigkeit

für die Umsetzung der europäischen,

nationalen und regionalen Initiativen für Entwicklung,

Ausbau und Betrieb Grüner Infrastrukturen.

Grüne Infrastruktur

Für das Ruhrgebiet hat der Regionalverband Ruhr das

Konzept regional konkretisiert. Die Grüne Infrastruktur

Ruhr ist eine Plattform und ein Vorschlag für

die folgenden fünf Handlungsfelder, die sich wechselseitig

ergänzen und die Ruhrgebietsstädte und Kreise

sowie die bestehenden thematischen Netzwerke

zu neuen Formen der regionalen und interdisziplinären

Zusammenarbeit in der Metropole Ruhr einladen:

1. Urbane Kulturlandschaft — mit dem Emscher

Landschaftspark als Herzstück,

2. Wasser in der Stadt — mit dem Umbau des

Emschersystems als Rückgrat,

3. Grüne Stadtentwicklung — mit naturbasierten

Lösungen in Städten und Quartieren,

4. Emissionsneutrale Mobilität — mit den regionalen

und kommunalen Radwegesystemen und

5. Nachhaltiger Klimaschutz im Verbund mit der

Steigerung der Energieeffizienz — mit der Innovation

City Ruhr und der KlimaExpo.NRW / klimametropole

RUHR 2022.

250


Zukunfts- und Qualitätspotenziale für Stadt und Landschaft — Frei- und Grünräume, Klima, Energie

rk

le Ruhr

Emscher

Rhein-Herne-Kanal

Kreis Recklinghausen

Recklinghausen

Schleusenpark

Waltrop

Dortmund-Ems-Kanal

Emscher

Datteln-Hamm-Kanal

Waltrop

Halde

Brockenscheidt/

Herten

Spurwerkturm

Kreis Recklinghausen

Seepark

Kreis Recklinghausen

Lünen

RVR-Bersucherzentrum

Hoheward/

Horizontastronomie

Castrop-

Waltrop

Waltrop

Lünen

Schleusenpark

Lünen

/

Rauxel

Schleusenpark

Waltrop

Recklinghausen

Waltrop

Recklinghausen

Halde

Halde Schwerin/

Brockenscheidt/

Halde

Herten

Sonnenuhr

Brockenscheidt/

Herten

Spurwerkturm

Seepark

Spurwerkturm

Seepark Lünen

RVR-Bersucherzentrum

Lünen

RVR-Bersucherzentrum

Erin Hoheward/

Park

Herne Stadtteilpark Horizontastronomie

Hoheward/

Kokerei Castrop-

Horizontastronomie

Mont-Cenis

Hansa Castrop-

Gladbeck

Halde Rungenberg/

Gladbeck

Halde Rungenberg/

Rauxel

Nachtzeichen

Rauxel

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Nachtzeichen

Dortmund

k

Halde Schwerin/

aniel/

Halde Schwerin/

aniel/

Sonnenuhr

eater

Sonnenuhr

eater

nkirchen Bottrop

Bottrop Schurenbachhalde/

Erin Park

Schurenbachhalde/

Erin Park

Halde Beckstraße/ Bramme für das

Herne Stadtteilpark

Kokerei

Halde Bramme für das

Beckstraße/

Stadtteilpark

Herne

Kokerei Hansa

Tetraeder

Ruhrgebiet

Mont-Cenis

sen

Ruhrgebiet

Mont-Cenis

Hansa

Tetraeder

sen

Consol-Park

Dortmund

Nordsternpark

Consol-Park

Dortmund

cherzentrum

Nordsternpark Bochum

PHOENIX See/

ndschaftspark

cherzentrum

Halde Rheinelbe/ Gelsenkirchen

PHOENIX West

Ripshorst

ndschaftspark

Gelsenkirchen

Ripshorst Himmelstreppe Westpark Bochum/

Jahrhunderthalle

Gehölzgarten

Bochum

PHOENIX See/

ndschaftspark Gehölzgarten

Ripshorst

Bochum

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Ripshorst

Zollverein

Halde Rheinelbe/

PHOENIX West

Gleispark

Zollverein

Halde Rheinelbe/ Westpark Bochum/

PHOENIX West

Park

Himmelstreppe

Gleispark Frintrop

Essen

Park

Himmelstreppe Westpark Jahrhunderthalle

Bochum/

Frintrop Essen

Jahrhunderthalle

Hagen

Landschaftspark

Landschaftspark

Mechtenberg

Mechtenberg

Hagen

Hagen

Mülheim

Mülheim

a. d. Ruhr

a. d. Ruhr

Der Emscher Landschaftspark

Der Emscher Landschaftspark

im Freiraumsystem Metropole Ruhr

im Freiraumsystem Metropole Ruhr

Emscher

Emscher

Rhein-Herne-Kanal

Rhein-Herne-Kanal

Ennepe-Ruhr-Kreis

Lippe

Dortmund-Ems-Kanal

Dortmund-Ems-Kanal

Dortmund-Ems-Kanal

Dortmund-Ems-Kanal

Ennepe-Ruhr-Kreis

Ennepe-Ruhr-Kreis

Kreis Unna

Datteln-Hamm-Kanal

Datteln-Hamm-Kanal

Emscher Emscher

Emscher

Lünen

Lippe

Lippe

Dortmund-Ems-Kanal

Dortmund-Ems-Kanal

Dortmund-Ems-Kanal

Kreis Unna

Kreis Unna

Ökologiestation

Schulze-Heil

Emscher

Werne

Halde

Großes Holz

Bergkamen

Lippe

NSG Beversee

Ökologiestation

Ökologiestation

Schulze-Heil

Schulze-Heil

Kamen

Unna

Lippe

Lippe

Seseke

Bönen

Seseke

Seseke

Hamm

Im Raum Dortmund wurde der

Holzwickede

Unna

Unna

Emscher Landschaftspark

entlang der Emscher bis zur

Quelle erweitert, was die PHOENIX

Flächen und einen Grünen Ring

Holzwickede

Holzwickede Regional um den und Dortmunder überregionalStadtkern

bedeutsame einschließt. Standorte im ELP

Emscher

Emscher

Werne

Werne

Halde

Großes Halde Holz

Großes Holz

Bergkamen

Bergkamen

NSG Beversee

NSG Beversee

Kamen

Kamen

Bönen

Bönen

Hamm

Hamm

Emscher Regional Landschaftspark

und überregional

regional Regional und und überregional

bedeutsame Standorte im ELP

bedeutsame Standorte Standorte im ELP im ELP

Emscher Emscher Park Landschaftspark

Radweg

Emscher Landschaftspark

= Route der Industriekultur per Rad

Emscher Park Radweg

Emscher Park Park Radweg Radweg =

= Route der Industriekultur per Rad

Route der Industriekultur per Radper Rad

Das Konzept der Grünen Infrastruktur geht weit über

das traditionelle Landschaftsverständnis hinaus

und fokussiert unter anderem auf die Entwicklung

des Naturkapitals und den gesellschaftlichen Nutzen

naturbasierter grüner Lösungen. Die Umsetzung

dieses Konzeptes setzt auch in Dortmund auf ein

zu sammenhängendes System grüner Infrastrukturen

— einschließlich dauerhafter Investitionen und

nach haltiger Unterhaltung einer attraktiven und

leistungsfähigen Stadtlandschaft. Dass sich grüne

Infrastrukturen bereits heute wirtschaftlich,

ökologisch, sozial und stadträumlich rechnen, hat die

Stadt Dortmund mit dem PHOENIX-Projekt bereits

sehr anschaulich gemacht. Hier sind alle genannten

fünf Handlungsfelder aktiviert und überzeugend

zusammengeführt worden. Dem PHOENIX-Projekt

als Ganzes kommt daher heute im europäischen

Kontext die Rolle der Best practice Projects for Green

Infrastructure Ruhr zu.

IGA Metropole Ruhr 2027

Die kombinierten Flächenpotenziale der Zukunftsgärten

»Emscher nordwärts«, die die Stadt Dortmund

für die Internationale Gartenausstellung (IGA) Metropole

Ruhr 2027 angemeldet hat, haben es in diesem

Sinne erneut in sich. Sie reichen vom Wandel der

HSP-Hallen über die Umnutzung und Zusammenführung

von Gewerbe-, Verkehrs- und Infrastrukturflächen

mit ihren erheblichen Geländesprüngen,

dem industriekulturell behutsamen Umgang mit alten

Industriebahnen und -brücken bis zum Haldensprung

zwischen dem Deusenberg und der Kokerei Hansa.

Neue Flächen, neue Rahmenbedingungen, neue Player,

neue Entwürfe und engagierte Ziele: Glückauf für den

Ausbau Grüner Infrastrukturen und für die nachhaltige

Nordwanderung der Dortmunder Stadtlandschaft.

251


Ziele und Bedingungen einer ökologischen Stadtentwicklung

Somit ergeben sich aus unserer Sicht

für zukunftsorientierte Städte eine Reihe

von Handlungserfordernissen:

——

Im Bereich des Klimaschutzes sind die bisherigen

Anstrengungen weiter zu intensivieren.

——

Die Klimaanpassung inklusive der Niederschlagsbewirtschaftung

bei Starkregenereignissen

wird in Dortmund in der Bauleitplanung bereits

behandelt, weitere Maßnahmen wie zum Beispiel

die in Dortmund aktuell beschlossene Dachbegrünung

als Verpflichtung bei Neubauten

müssen rasch umgesetzt werden.

——

Das seit Jahren verfolgte 30-Hektar-Ziel der

Bundesregierung wird in Dortmund in den letzten

zwanzig Jahren mit Erfolg betrieben, dies muss

aber auch für die Zukunft gesichert werden.

Ziel sollte ein Nullsummenspiel als Element einer

flächen sparenden Stadtentwicklung sein.

——

Die Stadt sollte konsequenten Grundwasserschutz

auf ihren eigenen Flächen betreiben, die Luftreinhaltung

und den Lärmschutz konsequent

durchsetzen sowie aktiven Artenschutz noch mehr

als bisher durch Bereitstellung weiterer öffentlicher

Flächen verbessern.

Um abschließend einen Bogen zum Titel dieses

Buches zu schließen: Dortmund bauen heißt aus

stadtökologischer Sicht, die reichlich vorhandenen

Kenntnisse in die Köpfe der Bürger, Handlungsund

Entscheidungsträger zu bringen, um gemeinsam

stadtökologisch effek tives Handeln in der gebotenen

Form umzusetzen und auf diese Weise die An -

strengungen für eine ökologische Stadtent wicklung

intensiv zu verstärken.

Dieser Teich ist ein wichtiges Element

im Regenmanagement von PHOENIX

West. Er sammelt das Regenwasser

aus den vorgeschalteten Stationen,

bevor es gedrosselt in die Emscher

eingeleitet werden kann.

262


Zukunfts- und Qualitätspotenziale für Stadt und Landschaft — Frei- und Grünräume, Klima, Energie

263


280


Raus aus Montan-Ruhr

und rein in die ruhrbane

Kulturlandschaft

CHRISTOPH ZÖPEL

Prof. Dr. Christoph Zöpel war von 1978 bis 1990 NRW-Minister

unter anderem für Stadtentwicklung, Staatsminister im

Auswärtigen Amt von 1999 bis 2002 und ist Honorarprofessor

an der TU Dortmund.

Die denkmalgeschützte Hochofenanlage

auf PHOENIX West mit dem ergänzten

Skywalk auf der früheren Gichtgasleitung

281


»nordwärts« — Ein Großprojekt

besonderer Art …

KLAUS SELLE

Univ.-Prof. Dr. Ing. Klaus Selle bis 2018 Lehrstuhl

Planungstheorie und Stadtentwicklung, RWTH Aachen;

sowie NetzwerkStadt GmbH (www.netzwerk-stadt.eu).

296


Strategieformate und Entwicklungsprozesse für die Gesamtstadt

Großprojekt ohne »Leuchtturm«?

Der Strukturwandel in Dortmund folgte dem Lauf der

Kohle: Im Süden stand sie hoch an, im Norden taucht

sie ab. Im Süden gab es daher schon früh Impulse

für die Gestaltung des Wandels — beginnend mit den

Entwicklungen im Umfeld der Technischen Universität

bis hin zur Entwicklung der PHOENIX-Standorte. Im

Nordteil der Stadt hingegen »fielen in großem Umfang

Arbeitsplätze weg. Dazu kam ein Verlust an Kaufkraft,

der wiederum mit Segregation einher ging. Der

Norden drohte abgehängt zu werden. Und das darf

nicht sein.«* So fasste Oberbürgermeister Sierau den

Hintergrund für ein Programm besonderer Art zusammen,

mit dem die ganze nördliche Hälfte der Stadt in

den Blick genommen wurde: »nordwärts« wurde in

Gang gesetzt, um dem Süd-Nord-Gefälle in der Stadt

entgegenzuwirken.

Strategie der vielen Schritte

Für diese Entwicklung wurde eine Strategie gewählt,

die man ansonsten vor allem aus dem Kontext

Internationaler Bauausstellungen kennt und die

exem plarisch mit der IBA Emscher Park (1989—1999) —

nicht zufällig auch in der Gebietskulisse des nördlichen

Ruhrgebietes — vorexerziert wurde: Es gibt

keinen »großen Plan«, auf den hinentwickelt wird,

sondern Ziel- und Wertvorgaben, die einem offenen,

projektorientierten Prozess Orientierung geben.

In diesem Fall gilt als Oberziel die »Harmonisierung

der Lebensbedingungen«. Dies soll sich auf alle

Eckpunkte der Nachhaltigkeit — soziale, ökologische

und ökonomische Entwicklung — sowie die Stärkung

der Zivilgesellschaft beziehen.

Mit dieser Ausrichtung wurden inzwischen drei

Projektgenerationen ins Leben gerufen — mit über

200 Projekten. Deren thematische Spannweite ist

groß und reicht von der Restaurierung eines Kirchturms

bis zur Dortmunder Seenplatte, von Bildungsnetzwerken

bis zu einer Fußballgolfanlage … und

vielem mehr. Nicht zuletzt sind auch die — was ihre

Ausdehnung betrifft — ganz großen Projekte wie

die Entwicklung des 450 Hektar umfassenden Standortes

Westfalenhütte Teil dieses Spektrums.

* Ullrich Sierau, »Ohne die Stadtgesellschaft

geht es nicht.« — Dortmunds

Oberbürgermeister Ullrich Sierau im

Gespräch mit Klaus Selle, in: pnd | online

Ausgabe I / 2018 (www.planung-neudenken.de

/ images / stories / pnd /

dokumente / 1_2018 / sierau_selle.pdf,

Zugriff: 17. 04. 2018)

Wer diese Projekte sichtet, wird zu dem Ergebnis

kommen, dass der Vergleich mit Internationalen

Bauausstellungen an einem Punkt nicht greift:

Während bei einer IBA der Aspekt der internationalen

Sichtbarkeit eine ganz zentrale Rolle spielt und nicht

selten in spektakulären Projekten seinen Ausdruck

finden soll, geht es in Dortmund deutlich »bodenständiger«

zu. Viele Projekte setzen an Alltagssorgen

der Menschen in den Stadtbezirken an — gehe es um

den Erhalt eines Nahversorgungszentrums oder die

Verbesserung der Bildungschancen von Kindern

aus marginalisierten Milieus. Auch die ganz großen

Aufgaben, die schon bei der IBA Emscher Park von

besonderer Bedeutung waren, insbesondere die

Wiedernutzung von vielen hundert Hektar Industrieflächen,

werden in Dortmund mit anderer Ambition

angegangen. Hier spielt etwa die Frage, wie viele

Arbeitsplätze mit der Ansiedlung von Logistikzentren

(IKEA, Amazon) geschaffen werden, eine größere Rolle

als die besondere bauliche Umsetzung eines solchen

Projekts. »Sichtbarkeit« ist zwar auch ein Kriterium,

aber sie richtet sich vorrangig nach Innen — auf

Stadt und Region selbst und soll dort auch zur Image-

Verbesserung des Dortmunder Nordens beitragen.

Das schließt natürlich nicht aus, dass es noch

Projekte mit besonderer Symbolkraft geben wird. Der

Prozess ist offen — auch für solche Vorhaben. Aber

auch für Dortmund gilt: Solche Projekt-Leuchttürme

sind weder Ursache noch Motor des Wandels, sondern

deren sichtbarer Ausdruck — und der muss zu Ort

und Aufgabe passen.

Governance einer

Gemeinschaftsaufgabe

»nordwärts« ist von Beginn an als Projekt der

ganzen Stadtgesellschaft angelegt worden. Der Rat

der Stadt Dortmund hat es 2015 beschlossen und

begleitet ebenso wie die Bezirksvertretungen die

Aktivitäten kontinuierlich. Auch die Verwaltung spielt

eine wichtige Rolle bei vielen Teilprojekten und bei

dem Bemühen, den Prozess im Zusammenhang

zu gestalten. Aber es war von vornherein klar, dass

das »Dekadenprojekt« nur gelingen kann, wenn viele

Kooperationspartner gefunden werden — in der

Wirtschaft, in der Wissenschaft und in der Zivilgesellschaft.

297


Dortmunder Stadtentwicklung


Transformation und

Urbanität mit Methode

DIETER NELLEN

Dr. Dieter Nellen ist nach seiner Tätigkeit beim Regionalverband

Ruhr (RVR) freier Berater und Publizist sowie Lehrbeauftragter

an der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund.

CARSTEN URBAN

Carsten Urban ist Masterstudent der Raumplanung

an der TU Dortmund.

Am Königswall in Höhe des

Hauptbahnhofs zeigen sich

Architektur und Städtebau

der letzten hundert Jahre:

in der Mitte der jüngste

Zuwachs mit dem Gebäude

des Deutschen Fußballmuseums

von HPP Architekten,

das 2015 eröffnet wurde.

322


Dortmunder STADT ENTWIcklung — Transformation und Urbanität mit Methode

Frühe Modernität und Stadtlandschaft

Die »Unwirtlichkeit unserer Städte« — Titel der

berühmten Streitschrift von Alexander Mitscherlich

aus dem Jahre 1965 — gehörte lange zum Topos

einer jeden städtebaulichen Diskussion. Sie machte

namentlich auch nicht vor Dortmund halt: »Wer

durch Amsterdam, Arles oder Venedig wandert, spürt

das Unverwechselbare dieser Gebilde. Ob jemand

hingegen die Wohnsilos von Ludwigshafen oder

von Dortmund vor sich hat, weiß er nur, weil er daoder

dorthin gefahren ist«.

2002 veranstaltete das lokale Museum für Kunst und

Kulturgeschichte eine Ausstellung über »Das neue

Dortmund« der jungen Bundesrepublik. Sie dokumentierte

textlich und bildlich den radikalen Umbau

des historischen Stadtgefüges in eine funktionalistische

und autogerechte Stadtlandschaft. Die kriegsbe

dingte Zerstörung wird damals als Chance für

eine neue Zukunft gesehen, die Architektur der Stadt

sollte ein radikal neues Gesicht erhalten.

323


332


Großstadt Dortmund

Manifest — Architektonische

und städtebauliche Wünsche

WOLFGANG SONNE

Prof. Dr. Wolfgang Sonne ist seit 2007 Professor für

Geschichte und Theorie der Architektur an der TU Dortmund,

seit 2012 Dekan der Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen

sowie wissenschaftlicher Leiter des Baukunstarchivs

NRW und stellvertretender Direktor des Deutschen

Instituts für Stadtbaukunst.

Die Präsidentensiedlung aus den 1920er

Jahren zeichnet sich bis heute durch einen

hohen Lebens- und Wohnkomfort aus.

Die Verwendung von Klinker war typisch für

diese Zeit. Die 650 Gebäude mit grünen

Innenhöfen hat Ludwig Feldmann entworfen.

333


Biografien der Herausgeber

Biografien der

Herausgeber

Dieter Nellen

(*1949) Abitur 1968, Studium der Fächer Geschichte,

Latein und Germanistik mit Staatsexamen 1974 und

Promotion 1977 an der Ruhr-Universität Bochum.

Nach Landesdienst NRW und politischen Funktionen

ab 1989 Direktor der Volkshochschule Bottrop

und von 1996 bis 2014 Fachbereichsleiter und

Geschäftsführer (Ruhrtourismus GmbH) mit dem

Schwerpunkt Kommunikation, Kultur, Destinationsmanagement

beim Regionalverband Ruhr (RVR).

Jetzt freier Berater und Publizist. Lehraufträge

an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

(Fachbereich Geschichte/Philosophie), der Ruhr-

Universität Bochum (Institut für Theaterwissenschaft)

und ab 2012 an der Fakultät Raum planung

der Technischen Universität Dortmund.

Wolfgang Sonne

(*1965) Studium der Kunstgeschichte und

Archäo logie an der Ludwig-Maximilians-Universität

München, der Sorbonne in Paris und der Freien

Universität Berlin, dort M. A. 1994. 1994 bis 2003

Assistent und Oberassistent am Institut für

Geschichte und Theorie der Architektur (gta) an

der ETH Zürich, dort 2001 Promotion. 2003 bis

2007 Lecturer und Senior Lecturer am Department

of Architecture an der University of Strathclyde

in Glasgow, seit 2007 Professor für Geschichte

und Theorie der Archi tektur an der Technischen

Universität Dortmund, seit 2012 Dekan der Fakultät

Architektur und Bau ingenieurwesen. Ebenfalls

wissenschaftlicher Leiter des Bau kunstarchivs NRW

und stellvertretender Direktor des Deutschen

Instituts für Stadtbaukunst.

338




Ludger Wilde

(*1957) Studium an der Fakultät Raumplanung der

Technischen Universität Dortmund mit Abschluss

1983, 1984 bis 1986 Städtebau-Referendariat

bei der Bezirksregierung Münster. Seit 1986 in

verschiedenen Funktionen für die Stadt Dortmund

tätig, zuletzt bis 2015 als Leiter des Stadtplanungs-

und Bauordnungsamtes, seit Februar 2015

Beigeordneter der Stadt Dortmund für Umwelt,

Planen und Wohnen; Lehrauftrag an der Fakultät

Architektur und Bauingenieurwesen an der

Technischen Universität Dortmund.

339

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