Quarterly-2-2018

GGSHeilbronn

Das Hochschulmagazin der GGS - Schwerpunkt Lernen

02 18

W i s s e n s c h a f f t V o r s p r u n g

Lernen? Ja, Gerne!


Editorial

01

zu behalten, und der Wissensdurst auf

das Neue, ohne sich vom Unbekannten

verrückt machen zu lassen.

Prof. Dr. Tomás Bayón

„Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins.”

Dieser weise Satz der mährisch-österreichischen

Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach

ist auch über einhundert Jahre nach seiner Schöpfung

aktueller denn je.

Doch wie kann man heutzutage Gelassenheit erlangen

oder sich bewahren? Unsere Umwelt ist geprägt

von Dynamik, neuen Technologien und einer Flut von

Kommunikation, die immer häufiger von Oberflächlichkeit

oder gar Fake News geprägt wird. Das sind nicht

gerade die besten Voraussetzungen für Besonnenheit.

Für mich liegt daher der Schlüssel im Schaffen persönlicher

Freiräume sowie der ständigen Reflexion unseres

eigenen Tuns und dem Verhalten unseres beruflichen

und privaten Umfelds.

Wissensdurst lässt sich mit Lernen löschen.

Und hierfür ist man bekanntlich nie zu alt. In der

aktuellen Ausgabe unseres Magazins Quarterly durchleuchten

wir deshalb das Thema Lernen von allen Seiten

und diskutieren mit namhaften Experten über den Wert

von Bildung. Wir sind uns einig, Lernen ist ein menschliches

Bedürfnis und permanente Weiterbildung wird zu

einer Pflicht, um zukünftige Herausforderungen meistern

zu können. Denn disruptive Prozesse lösen einen

Kulturwandel aus und verändern damit nicht nur unsere

Arbeitswelt, sondern auch die Wissenskultur.

Wir alle – Lehrende und Lernende – müssen beweglich

bleiben und unsere Kompetenz zum lebenslangen

Lernen immer wieder überprüfen. Wer flexibel agiert und

reagiert, wird sich durch den Umgang mit Unsicherheiten

und schnellen Veränderungen nicht irritieren oder

abschrecken lassen. Wir müssen uns die kontinuierliche

Veränderung immer wieder in Erinnerung rufen, ohne in

Panik zu verfallen. Und dabei hilft Gelassenheit.

Viel Gelassenheit und positive Energie wünscht Ihnen

Ihr

Gelassenheit ist ein wichtiger Wert, den wir als Business

School transportieren können. Nur wer in hitzigen

Diskussionen ruhig bleibt, mit Ausgeglichenheit einseitige

Sichtweisen kontert und ein ehrliches Interesse

an Menschen hat, kann eine verantwortungsvolle

Führungskraft sein und seinem Umfeld positive Energie

spenden. Dazu gehören, das große Ganze im Auge


02

Inhalt

Impressum

Herausgeber:

German Graduate School of Management and Law gGmbH

Bildungscampus 2 · D-74076 Heilbronn

Tel.: +49 (0) 7131 - 64 56 36 - 0

Fax: +49 (0) 71 31 - 64 56 36 - 27

Geschäftsführer:

Prof. Dr. Tomás Bayón

V.i.S.d.P.:

Thomas Rauh, Public Relations

Tel.: +49 (0) 7131 - 64 56 36 - 45

40

Redaktion:

Kerstin Arnold-Kapp

Tel.: +49 (0) 7131 - 64 56 36 - 22

E-Mail: kerstin.arnold-kapp@ggs.de

Autoren dieser Ausgabe:

Kerstin Arnold-Kapp, Norbert Barnikel, Renée Ricarda Eisel-

Billau, Anja Förster, Armin Himmelrath, Lennart Jäger, Oliver

Kössel, Dr. Peter Kreuz, Jürgen Paul, Karina Piersig, Thomas

Rauh, Ina Rudolph, Ralf Schnörr, Mara Stolle

Verantwortlich für die Anzeigen:

Verena Kruppa, Marketing

Tel.: +49 (0) 7131 - 64 56 36 - 18

20

Auflage:

700 Exemplare

Gestaltung:

www.spezial-kommunikation.de

Druck:

oeding print GmbH

Bildquellen:

Terzo Algeri: (24, 38), Norbert Barnikel: (27, 31), Mario Berger:

(2, 20-23, 40-43), dfv Mediengruppe: (50), Tobias Fischer/Unsplash:

(12-13), Anja Förster und Dr. Peter Kreuz: (17), Armin

Himmelrath: (19), Fotolia: (19, 27, 44-45, 46, 47), GGS: (3, 4-9,

25, 36-37, 44, 45, 46-47, 50), Thomas Halder: (13), Gaelle

Marcell/Unsplash: (15), Ina Rudolph: (11, 45), Ralf Schnörr:

(10), Matt Stark: (1, 3, 32-35), Dieter Schwarz Stiftung GmbH:

(48-49), Mara Stolle: (10), Maarten van den Heuvel/Unsplash:

(16-17), Rawpixel/Unsplash: (52)

Stand:

Oktober 2018

01 Editorial

02 Impressum

04 „Lernen ist ein menschliches

Bedüfnis“

Interview mit Tatjana Linke und

Prof. Dr. Tomás Bayón

10 Heute schon gelernt?

Die GGS fragt nach

12 „Lebenslanges Lernen wird

zu einer Pflicht“

Interview mit Thomas Halder

16 Wann war das letzte Mal das

erste Mal?

Kolumne von Anja Förster und Dr. Peter Kreuz


03

32

12

04

18 Echtes Plus mit nachhaltigen Effekten

Kommentar von Armin Himmelrath

20 Führung will gelernt sein

Der Unternehmer Fabian Hauff im Portrait

24 Vom Wissensvermittler zum Lernbegleiter

Standpunkt von Karina Piersig

27 Mehrwert durch Weiterbildung

Seminarangebote der Executive Education

28 Digital Marketing in der Transformation

von Norbert Barnikel

32 Faculty Days 2018

36 Im Aufzug mit...

Prof. Dr. Benjamin von Bodungen

38 Zwischen den Zeilen

Lennart Jäger

40 Keine halben Sachen

Gesichter der GGS: Jan Fries

44 Alumni-Verein

46 Zwiebelrostbraten und Deutscher

Mittelstand

Studierende der Universität Nebraska-Lincoln zu Gast

48 Der Bildungscampus Heilbronn

50 kurz notiert/Termine

52 Life Science Kongress


04

»Lernen ist

ein menschliches

Bedürfnis«


05

Im Interview treffen Tatjana Linke, Geschäftsführerin der Akademie für Innovative

Bildung und Management (aim), und GGS-Vorstand Prof. Dr. Tomás Bayón aufeinander.

Sie diskutieren über Trends auf dem Bildungsmarkt, Qualifikationen für die Zukunft und

erklären, wie wir uns die kindliche Leichtigkeit des Lernens bewahren können.

Die Menschheitsgeschichte ist auch eine Geschichte

des Lernens. Was treibt die Menschen an, sich

weiterzubilden? Welche Ziele können sie dadurch

erreichen?

Tatjana Linke: Lernen ist ein menschliches Bedürfnis.

Jedes kleine Kind hat eine intrinsische Motivation zu lernen,

um selbstständiger und unabhängiger zu werden

und sich zu verwirklichen. Ich habe einmal gehört, dass

jedes Kind, das Laufen lernt, im Durchschnitt 8000

Mal hinfällt und noch keines hat es aufgegeben. Das

Dranbleiben ist eine substantielle Notwendigkeit, um

selbstständig zu werden. Das Lernen dient später dazu,

sich ändernden Verhältnissen und Umständen anzupassen,

sich weiterzuentwickeln und letztlich einfach

auch zu überleben. Also, das wirtschaftliche und auch

das physische Überleben abzusichern.

Tomás Bayón: Auch ich glaube, dass jeder Mensch

nach dem Lernen strebt. Wir können an der GGS beobachten,

dass natürlich auch extrinsische Reize eine

Rolle spielen. Je älter wir werden, desto wichtiger wird

der Abschluss an sich, weil die notwendigen Investitionen

gegengerechnet werden. Ich bin trotzdem davon

überzeugt – auch wenn die Leute sagen, sie seien nur

am Abschluss interessiert – dass es einen intrinsischen

Reiz beim Lernen gibt. Sonst könnten sie nicht in einem

berufsbegleitenden Weiterbildungsformat wie bei uns in

den Studiengängen zwei Jahre durchhalten.

Welche Trends gibt es auf dem Bildungsmarkt?

Bayón: Im Vergleich zu vor zwanzig, dreißig Jahren

geht es heutzutage stärker um Reputation. Natürlich

sind Inhalte nach wie vor wichtig. Die Marke und

Innovation spielen bei der Auswahl des Bildungspartners

eine wichtige Rolle. Da geht es um Innovation in

der Methodik und um Innovation in den behandelten

Themen. Hinzu kommt natürlich die ganze Thematik

der Digitalisierung, die momentan ein bisschen hoch

„gehyped“ wird.

Linke: Das Thema Digitalisierung muss man von zwei

Seiten sehen. Ganz explizit wird von uns gefordert –

das ist auch im Bildungsplan von Baden-Württemberg

verankert –, dass Mediennutzung und -kompetenz im

Fachunterricht mitvermittelt werden müssen. Das heißt,

dass wir Angebote aufgenommen haben, um Lehrkräfte

in die Lage zu versetzen, die entsprechenden

Kompetenzen zu erwerben. Die Grundsätze wie

Datenschutz spielen eine Rolle, aber zum Beispiel auch

zu lernen, den Unterricht aufzubauen und dabei sinnvoll

neue Medien einzubinden. Und dann gilt es eben einen

Fachunterricht zu gestalten, der unterschiedliche Aspekte

von Medienkompetenz mitvermittelt. Im Vordergrund

steht dabei die kritische Auseinandersetzung mit

Inhalten, was in der Schule ein ganz wichtiges Thema

ist. Die Bedeutung der Digitalisierung für den Bildungsmarkt

wird sich aber nach und nach relativieren. Als

Methode setzen wir digitale Instrumente nur ganz

gezielt ein, weil wir festgestellt haben, sie müssen Sinn

machen und es ist bei weitem nicht so, dass sie an

jeder Stelle das beste Mittel sind. Doch sie haben ihre

Berechtigung. Wenn wir uns den Bereich der Computerspiele

genauer anschauen, stellen wir fest, dass man

im Rahmen von Strategiespielen wichtige Zukunftskompetenzen

wie Verantwortung zu übernehmen, vorauszudenken,

strategisch zu planen oder zu reflektieren,

erwerben kann.

Abschließend möchte ich das Thema Soft Skills betonen.

Dazu gehören: Wie verkaufe ich mich richtig? Wie

präsentiere ich mich richtig? Das ist für mich auch ein

wichtiger Trend auf dem Bildungsmarkt.


06

Es ist essenziell, dass man

offen bleibt für Neues. »Prof. Dr. Tomás Bayón

Bayón: Dieses Thema ist auch für

Management und Leadership sehr

wichtig. Wir nehmen wahr: Persönlichkeitsbildung

und individueller Nutzen

stehen im Vordergrund. Vor allem bei

unseren Firmenkunden geht der Trend

zu maßgeschneiderten und individuellen

Lösungspaketen.

Das Angebot an Weiterbildung ist

unheimlich groß. Was gilt es bei der

Auswahl der richtigen Weiterbildungsmaßnahme

zu beachten?

Linke: Auf der einen Seite gilt es

natürlich, eine passende Fortbildung zu

finden. Aber dann muss es auch darum

gehen, eine wirksame Fortbildung zu

finden. Was macht eine Fortbildung

qualitativ gut? Wo entsteht ein großer

Lerneffekt? Wer die richtige Weiterbildung

finden will, muss sich zunächst klar

darüber sein, was er erreichen möchte.

Nur dann kann man beurteilen: Was

leisten die Weiterbildungsanbieter und

kann ich damit das Ziel erreichen, das

ich vor Augen habe. Dann ist es natürlich

sinnvoll, Institutionen auszuwählen, die

erfolgreich arbeiten, also nachweisen

können, dass sie zertifiziert sind und gute

Dozenten beschäftigen. Sich da eine

gewisse Transparenz zu schaffen, ist ein

wichtiges Thema.

Der für mich noch wichtigere Punkt ist

die reflektierte Praxis. Theoretischen Input

zu bekommen, ihn in der Praxis umzusetzen

und dann zu reflektieren, ob die

Dinge tatsächlich so umgesetzt werden

konnten. Dieser Punkt hat bei uns dazu

geführt, dass wir fast keine Seminare

mehr anbieten, sondern überwiegend

Lehrgänge oder Seminarreihen, in denen

auch praktische Erfahrungen gesammelt

werden und jeder das Erlernte reflektieren

muss.

Bayón: Gerade für Weiterbildung ist

das sehr wichtig. Das funktioniert nur,

wenn die jeweilige Person oder das Unternehmen

wissen, was sie wollen und

welche Kompetenzen erreicht werden

sollen. Dann kann man gemeinsam mit

dem Weiterbildungsanbieter definieren,

wie und welche Methodik erarbeitet wird.


07

Weiterbildung ist ein klassisches Erfahrungs-

und Vertrauensgut. Da geht es

selbstverständlich auch um Referenzen

und Zertifikate. Aber ich glaube, das ist

gar nicht so wichtig. Das Wichtigste ist,

dass man selbst weiß, was man will,

sich einen Überblick verschafft und dann

Programme anschaut und testet. An der

GGS bieten wir dafür Formate wie den

LL.M. for a Day oder Webinare an.

Linke: Es gibt noch einen weiteren

Punkt, der wichtig ist. Man muss die notwendigen

Voraussetzungen richtig einschätzen

können. Das heißt, Ehrlichkeit

mit sich selbst und zu wissen, wo man

steht und ob man das, was man sich

vornimmt, auch wirklich schaffen kann.

Man muss sich schon ein Stück fordern,

aber es darf keine zu starke Überforderung

sein. Dann gibt es Misserfolge und

das ist eher kontraproduktiv.

Bei vielen Chefs scheint Weiterbildung

kein beliebtes Thema zu sein. Woran

liegt das?

Bayón: Erfolgreiche Unternehmen

müssen innovativ sein. Dafür ist es essenziell,

dass man offen bleibt für Neues,

sich austauschen kann und Input in der

ein- oder anderen Form reinholen kann.

Dazu gehört, sich selbst zu fordern,

geistig vital zu bleiben und Dinge zu

reflektieren. Das bringt kurzfristig nicht

unbedingt einen Tagesnutzen für den

Chef. Führungskräfte sehen bei Weiterbildungsmaßnahmen

zunächst das Fehlen

der Mitarbeiter am Arbeitsplatz. Stattdessen

sollten sie Weiterbildung auch

langfristig von der Nutzenseite sehen.

Linke: Weiterbildung ist eine Investition.

Und jede Investition kostet einfach

mehr, als sie im ersten Moment bringt.

Wir machen aber auch die Erfahrung,

dass Leidensdruck eine gute Motivation

ist, jemanden zur Fortbildung zu

schicken. Dann wird sichtbar, dass

man mit einem gewissen Problem nicht

umgehen kann. Wir haben zum Beispiel

seit Jahren Angebote im Programm,

wie man Fachunterricht für Kinder, die

nicht Deutsch als Muttersprache gelernt

haben, gestalten kann. Diese Angebote

wurden seither nicht genutzt. Doch seit

viele Zuwanderer im Land sind, deren

Kinder oft kein Deutsch können, wird der

Druck viel größer.

Ein interessanter Ansatz ist für mich

auch, Fortbildung als Incentive zu platzieren.

Fortbildung wird ja auch von vielen

Chefs gern genutzt. Wenn Mitarbeiter

beispielsweise Englisch lernen, dann ist

es zwar für ihren Job wichtig, aber man

hat auch privat etwas davon, was den

Incentive-Ansatz untermauert.

Hat man als Mitarbeiter ein Anrecht

auf Weiterbildung?

Linke: Jeder Arbeitnehmer hat in

Baden-Württemberg Anspruch auf fünf

Tage Bildungsurlaub im Jahr. Man kann

das auf zwei Jahre ansparen, sodass

man dann zehn Tage hat. Im Unterschied

zu anderen Bundesländern werden

in Baden-Württemberg nicht Einzelmaßnahmen,

sondern Bildungsträger

anerkannt. In anderen Bundesländern

können Arbeitgeber unter bestimmten

Voraussetzungen auch eigene Fortbildungen

auf den Bildungsurlaub anrechnen.

Unternehmen, die weniger als zehn

Mitarbeiter haben, können den Bildungsurlaub

ablehnen. Größere Unternehmen

können Bildungsurlaub ablehnen, wenn

schon zehn Prozent davon in Anspruch

genommen worden sind. Unabhängig

vom Anspruch auf Weiterbildung gefällt

mir die Argumentation „Es ist nicht nur

rechtlich festgeschrieben, sondern es

macht auch ganz viel Sinn“ noch besser.

Schlagwörter wie „Industrie 4.0“ oder

„Bildung 4.0“ sind en vogue. Welche

Qualifikationen sind auf dem Arbeitsmarkt

von morgen besonders gefragt?

Bayón: Vor allem mittelständische

Firmen sind nicht wirklich gut auf diese

Entwicklung vorbereitet. Sie wissen oft

nicht, wie sie neue Technologien mit

einer herkömmlichen Produktion oder mit

herkömmlichen Prozessen verknüpfen

können. Sie setzen auf eine kontinuierliche

Weiterentwicklung anstatt sich zu

fragen: „Wo stehe ich in fünf oder zehn

Jahren?“ Versucht man diese Frage zu

beantworten, kommt man nicht umhin

den Nutzen von Digitalisierung, Individualisierung

und Dezentralisierung zu

diskutieren. Gerade die jüngere Generation

legt starken Wert auf Freiräume,

Wertschätzung und gestalterische Dinge.

Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern

Räume für Weiterbildung schaffen und

sie auf dem Weg zur dezentralen Arbeit

unterstützen.

Linke: Ich möchte noch so ein Schlagwort

in die Runde werfen, das heißt

„Future Skills“. Ich war neulich bei einem

Workshop zu diesem Thema und da haben

wir zuerst einmal das Wort „Future“

gestrichen, weil es eigentlich um Dinge

geht, die man schon jetzt braucht. Die

Basis ist eine natürliche Fachkompetenz.

Dazu kommt soziale Kompetenz. Wenn

man zum Beispiel räumlich getrennt

arbeitet, werden eine ganz andere Empathie

und ein stärkeres Einfühlungsvermögen

benötigt. Eine wesentlich stärkere

Rolle als bisher wird Selbstkompetenz

spielen. Das heißt, sich selbst motivieren

zu können und Selbststeuerungsmechanismen

anzuwenden, um mit Frustration

fertig zu werden und die Persönlichkeit

zu stärken. Ich persönlich finde auch eine

gute Allgemeinbildung wichtiger denn

je. Nur ein breites Allgemeinwissen und

auch geschichtliches und politisches

Wissen versetzen einen in die Lage,

rasant stattfindende neue Entwicklungen

einordnen und bewerten zu können.

Allgemeinbildung und Wertebewusstsein

geben Stabilität, Orientierung und

dienen als Leitplanken für die Entwicklung.

Man muss sich auch zukünftig auf

das besinnen, was früher hochgehalten

wurde: Generalist zu sein und in der

Lage zu sein, sich immer wieder in neue


08

Dinge rein zu finden. Das ist eigentlich

wichtiger denn je.

Bayón: Es ist schwer zu definieren,

was in fünf Jahren sein wird. Wird

unsere Arbeitswelt noch schnelllebiger,

und werden sich bestimmte Dinge noch

radikaler ändern? Wir wissen es nicht,

aber mit Sozial- und Selbstkompetenz

ist man gut für den Wandel vorbereitet.

Das ist das Entscheidende.

Linke: Zur Selbstkompetenz gehört,

dass man ein Selbstkonzept hat, indem

Lernen positiv besetzt ist. Dieses Thema

muss man schon früh mit auf den Weg

geben. Eigentlich schon im Kindergarten

bei den kleinen Kindern, weil diese

bereits die Motivation haben. Sie nicht

kaputtzumachen – das ist eigentlich der

entscheidende Punkt. Den Kindern zu

vermitteln: Lernen ist etwas Tolles. Das

ist auch etwas, was einen durch das

ganze Leben trägt. Es hilft außerdem,

Frust zu überwinden und durchzuhalten.

Hier zu motivieren, das ist unsere

Aufgabe.

Die Arbeitsanforderungen scheinen

immer komplexer zu werden und es

gibt einen Trend zur Höherqualifizierung.

Werden ungelernte Arbeitskräfte

und ältere Arbeitnehmer bald nicht

mehr benötigt?

Linke: Es darf nicht passieren, dass

ein Teil der Bevölkerung überflüssig

wird. Ich meine, dass man früh gute

Bedingungen schaffen sollte, dass jeder

Mensch im Rahmen seiner Möglichkeiten

eine gute Bildung mitbekommt.

Ich glaube, dass ist unstrittig. Aber

dennoch ist es so, dass nicht jeder die

Möglichkeiten hat, sich in gleicher Weise

und auf dem selben Niveau zu qualifizieren.

Ich finde, wir müssen differenzierter

denken und zum Beispiel sehen,

dass es einen sehr hohen Bedarf an

Menschen gibt, die Dienstleistungen für

andere erbringen. Zum Beispiel im Gesundheitsbereich

oder in der Pflege. Wir

müssen eine gesellschaftliche Änderung

hinbekommen, Kompetenzen, die nicht

auf „Future Skills“ und Digitalisierung

ausgerichtet sind, höher zu schätzen

und auch materiell besser zu honorieren.

Dann ist auch keiner überflüssig,

weil es dann einfach individuelle Talente

und Begabungen zu erkennen gilt. Von

so einer Hierarchie, in der ein Studium

oder eine Promotion das Nonplusultra

sind, weg- und zu einem Gleichgewicht

zu kommen, würde dazu führen, dass

sich niemand mehr überflüssig fühlt.

Bayón: Es es gibt einen Unterschied

zwischen beruflicher und akademischer

Bildung und man sollte den Meister nicht

mit dem Master gleichsetzen. Trotzdem

sollte eine akademische Bildung

per se nicht höher bewertet werden als

berufliche Bildung. Das ist eine Frage

der Gesellschaft, dass wir uns dessen

bewusst werden. Im Moment haben wir

ein Problem auf der Fachqualifikationsebene

und leiden unter dem Mangel an

Fachkräften. Denken wir langfristig kann

es schon passieren, dass einfache oder

ungelernte Arbeitskräfte – ich sage es

einmal so wie vor dreißig Jahren – durch

den Computer ersetzt werden. Aber gerade

deswegen ist das Thema Bildung im

Kinder- und Jugendalter extrem wichtig.

Hier müssen wir motivieren, damit die

heutigen Kinder- und Jugendgenerationen

so qualifiziert sind, dass sie am

Arbeitsmarkt nicht verloren gehen.

Linke: Und dass man dran bleibt. Wir

sehen das aktuell an vielen Stellen, zum

Beispiel mit jugendlichen Flüchtlingen.

Die kommen hierher und sind im dualen

System sehr gerne gesehen. Wir führen

ein Vorbereitungsprogramm durch, in

dem sie Deutsch lernen. Die meisten

haben aber große Schwierigkeiten, das

B1- oder B2-Level zu erreichen. Dann

geht es darum, dass man sie nicht fallen

lässt und aussortiert, sondern sie durch

Weiterbildung und Begleitung in der

Ausbildung und im Berufsleben unterstützt,

sodass sie dann im Rahmen ihrer

Möglichkeiten partizipieren können und

auch einen Beitrag leisten. Dazu gibt es

im Moment eine Bereitschaft, weil wir

einen Fachkräftemangel haben.

Wie können wir uns die kindliche Leichtigkeit

des Lernens bis ins hohe Alter

bewahren?

Bayón: Ich glaube wir können uns den

Lernwillen vor allem bewahren, indem wir

uns frühzeitig mit dieser Frage beschäftigen.

Entscheidend ist, die Motivation zu

aktivieren, sodass man mit Freude lernt

und es nicht als Druck empfindet.

Linke: Es wird leider nicht klappen, die

kindliche Leichtigkeit hundertprozentig

zu behalten, denn das hat unter anderem

etwas mit Synapsenbildung zu tun.

Im Alter wird man einfach ein bisschen

träger. Aber ich glaube, man kann sich

selbst aktiv unterstützen, indem man nicht

aufhört, zu lernen und in keinem Moment

nachlässt, sondern immer in irgendeiner

Weise lernt. Es gibt immer etwas Neues

zu entdecken: Wir können Sportarten

lernen oder Kochrezepte ausprobieren

und damit den Lernprozess fördern. Hat

man Übung im Lernen, fällt es einem auch

leichter. Aktiv unterstützend für diejenigen,

die später einmal ins Berufsleben kommen.

Und für die Kleinen, da gilt es die

intrinsische Motivation zu erhalten sowie

zu fördern und nicht zu zerstören.

Wie läuft das ab, wenn die intrinsische

Motivation zum Lernen bei Kindern

zerstört wird?

Linke: Das geht ganz einfach. Zum

Beispiel im Kindergarten, wenn zu Kindern,

die sich gerade mit etwas beschäftigen,

gesagt wird: „So jetzt ist Schluss.

Jetzt machen wir alle zusammen etwas

anderes. Wir malen jetzt“. Indem man

Kindern einfach nicht die Möglichkeit

lässt, sich wirklich konzentriert mit einer

Aufgabe auseinanderzusetzen und den

kindlichen Interessen nicht genug Raum

gibt. Mein Sohn hat zum Beispiel, als er


09

Zur Selbstkompetenz gehört, dass man

ein Selbstkonzept hat, indem Lernen »positiv besetzt ist.

Tatjana Linke

klein war, ein ganz tiefes Loch im Garten

gegraben und wollte sehen, ob er irgendwo

auf der anderen Seite rauskommt.

Das hat eine Woche gedauert und wurde

später auch ein bisschen gefährlich, weil

man das Ganze abstützen musste. Im

Anschluss wurde ein Gartenteich daraus.

Das war eine ganz wichtige Erfahrung und

das Ergebnis hat am Ende auch gezeigt,

dass gute Rahmenbedingungen und eine

förderliche Umgebung zu schaffen, Kindern

Anregung bringt und sie unterstützt.

Es ist nicht wichtig, dass Kinder nur das

machen können, was sie wollen. Sie

brauchen auch ein Gegenüber, jemanden

mit dem sie über diese Dinge reflektieren

können und der ihnen weiterführende

Fragen stellt. Es gibt ein Projekt, das heißt

„Ich bin ich“ und findet in Kindergärten

statt. Dort möchte man erfahren, was

für ein Selbstkonzept Kinder haben. Es

gibt Klötzchen und den Kindern werden

Fragen gestellt, wie: „Kannst du gut Turnen?“.

Die Kinder können dann anhand

der Größe der Klötzchen zeigen, wie gut

sie in diesem Gebiet sind. Dabei wurde

festgestellt, dass sich das Selbstkonzept

von Kindern zu 100 Prozent von dem

von Eltern und Erziehern unterscheidet.

Kinder wissen genau, was sie können

und was sie nicht so gut können. Das ist

dann eben die Grundlage für Förderung.

Dass man Lernen als etwas Positives

empfindet, ist ein ganz wichtiger Punkt.

Wir reden ja auch viel darüber, was Kinder

mitbringen müssen, wenn sie in die

Schule kommen. Dann heißt es immer:

„Sie müssen wissen wo die Turnhalle ist“.

Ich bin anderer Meinung. Ich finde, die

Kinder müssen Lernen als etwas Positives

erfahren haben. Wenn man das geschafft

hat und das noch weiter unterstützen

kann, bekommt man das nicht mehr

kaputt. Das hält an und trägt durch das

ganze Leben.


10

Heute schon gelernt?

Was treibt Menschen an zu lernen? Welche Ziele stecken sie sich dabei und was möchten sie

im Leben durch Lernen erreichen? Das Quarterly hat eine Schauspielerin, einen Personalleiter,

eine Studentin und den Geschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken befragt.

Was möchte

ich unbedingt

noch

lernen?

Warum

ist lebenslanges

Lernen

wichtig

für Sie?

Ich möchte die Frage umdrehen: Wann wäre denn der richtige

Zeitpunkt, um mit dem Lernen aufzuhören? Nach dem Studium?

Nach einem Jobwechsel? Nach der Familiengründung?

Nach Erreichen eines Alters von 40, 50 oder 60 Jahren?

Es fällt mir nicht schwer, immer mindestens einen Grund zu

finden, warum dies eben nicht der richtige Zeitpunkt wäre.

Folglich werde ich mein Leben lang lernen. Und aus der Sicht

einer Bankerin ist Bildung, und damit gleich gesetzt Erfahrung,

für mich eine, wenn nicht sogar die risikoloseste Anlagemöglichkeit.

Mara Stolle, Studentin LL.M. in Business Law an der GGS

Schon seit meiner Kindheit faszinieren mich Autos und Motorsport.

Als Jugendlicher wollte ich beruflich irgendetwas rund

um das Thema Kraftfahrzeuge lernen. Wie bei so vielen kam

es aber auch bei mir ganz anders: Ich absolvierte eine Ausbildung

in der Rathausverwaltung mit anschließendem Studium

der Verwaltungswissenschaften.

Heute bin ich als Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer

Heilbronn-Franken immerhin auch für das Kfz-Handwerk

zuständig und konnte dadurch beispielsweise schon Gesellen-

und Meisterprüfungen im Kfz-Handwerk live miterleben.

Die Branche hat in den letzten Jahrzehnten tolle Entwicklungen

und Innovationen hervorgebracht und wird dies auch

in Zukunft tun. Man denke nur an das Antiblockiersystem,

Notbrems- und Spurhalteassistenten, Müdigkeitswarner oder

die Elektromobilität.

Trotz dieser herausragenden technischen Innovationen

üben auch Youngtimer und Oldtimer eine ganz besondere

Anziehungskraft auf mich aus. Sehr gerne würde ich eines

Tages ein Auto meines Geburtsjahrgangs 1973 mein Eigen

nennen. Vielleicht einen VW Käfer oder einen Ford Mustang.

Wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, möchte ich aber

auch gerne selbst an diesem Fahrzeug herumschrauben

können. Deshalb möchte ich mich im Bereich Kfz-Technik

unbedingt noch fortbilden und lernen, wie man ältere Kraftfahrzeuge

technisch und optisch in Schuss hält.

Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer

Heilbronn-Franken


11

Als Minister für Bildung

und Forschung

würde ich….

Was

haben

Sie zuletzt

gelernt?

Seit einigen Monaten hält mich das Studium der Quantenphysik

in Atem. Aus Büchern, Vorträgen und Filmen erfahre

ich, dass höchstwahrscheinlich vieles, was ich über das,

„was die Welt im Innersten zusammenhält”, gelernt habe,

nicht stimmt. Weite ich meinen Blick, sehe ich, dass das

schon immer so war. Es gab Zeiten, da war die Erde eine

Scheibe, und Zeiten, in denen wir geglaubt haben, dass

unsere Gene alles bestimmen und unveränderlich festgelegt

sind. Ich helfe seit fast zwanzig Jahren Menschen, blockierende

gedankliche Konstrukte abzulegen. Wie ich die Welt

wahrnehme, hängt davon ab, was ich glaube. Ich nehme

Dinge, Eigenschaften und Umstände, an die ich nicht glaube,

schlicht nicht wahr.

Nun könnte es sein, dass unsere Welt eine 3D-Projektion von

im Universum gespeicherten Informationen ist, das Universum

ein Hologramm und von allem, was wir Materie nennen, gibt

es mehrere Möglichkeiten, bevor wir es durch unsere Beobachterrolle

in eine bestimmte Form materialisieren. Mir gefällt

die Vorsicht, mit der Wissenschaftler den Konjunktiv benutzen:

„Es könnte sein...“. Es streichelt mich geradezu innerlich, dass

nicht einfach behauptet wird: Es ist so. Dann wird es von vielen

geglaubt, bis neue Entdeckungen diesen Glauben wieder

ablösen und man in der Zeitung liest: Entdeckung! Es ist doch

anders, als wir dachten!

…als erstes für die Flexibilisierung der Bildung eintreten.

Früher wurde oft nach Lehrberuf oder Studium ein Leben lang

im jeweiligen Fachgebiet gearbeitet. Heute benötigen wir deutlich

mehr Anpassungsbereitschaft und eben auch -fähigkeit.

Das heißt, wir müssen organisations- und unternehmensübergreifend

Möglichkeiten zur Querqualifizierung bieten und diese

gesellschaftlich anerkennen. Damit können wir Menschen aller

Altersklassen die Möglichkeit geben, ihre Qualifikation den

Bedürfnissen anzupassen. Industrie 4.0 und digitale Transformation

führen am Arbeitsmarkt zu einer gewaltigen Nachfrage

an Software-Experten, die aktuell nicht gestillt werden kann.

Schmerzhaft spüren wir das bei technischer Software, die für

den Betrieb modernster Maschinen und im Kontext digitaler

Geschäftsmodelle wichtig ist. Wir müssen früh damit anfangen,

Kinder für Digitalisierung zu begeistern. Mit Smartphone

und Tablet kommen die meisten frühzeitig in Kontakt und

können damit umgehen. Entscheidend ist aber das Interesse

daran, wie die Geräte funktionieren. Hier muss schon in der

Grundschule die Basis geschaffen werden, um das Interesse

der Kinder an Technik, Software und digitalen Medien zu

wecken. Auch in den Lehrberufen und in den Studiengängen

muss dieses Thema stärker integriert werden.

Als Minister würde ich den Austausch des Lehr- und Wissenschaftsbetriebs

mit Industrie und den anwendenden

Organisationen forcieren. Damit könnten Lehrpläne frühzeitig

und flexibel den Bedürfnissen angepasst werden. Auch in

den späteren Phasen des Arbeitslebens muss dafür gesorgt

werden, dass digitale Medienkompetenz zur Bereicherung und

nicht zur Belastung wird. Hier gilt es, attraktive Angebote zur

Weiterbildung zu schaffen. Schließlich werden viele von uns

zukünftig deutlich länger leben, arbeiten und lernen. Dabei

bedarf es neben einem „Ohr am Markt“ auch der Bereitschaft,

mehr und gezielt in Bildung zu investieren. Weil die Karrierewege

nicht mehr linear sein werden, müssen wir als Gesellschaft

jedem die Möglichkeit zum Links- und Rechtsabbiegen

bieten. Deshalb setze ich mich für die Weiterbildung in allen

Lebensphasen ein. Und noch eines: Deutschland verfügt im

internationalen Vergleich über ein starkes duales Ausbildungssystem.

Das ist ein wesentliches Element unseres Erfolgsmodells.

Wir dürfen uns daher auch nicht von irgendwelchen

OECD-Statistiken ins Bockshorn jagen und in ein reines Studiensystem

zwängen lassen. Hier muss die Politik entschieden

widerstehen!

Ina Rudolph, Schauspielerin

Oliver Kössel, Personalleiter WITTENSTEIN SE


12

Lebenslanges

einer Pflicht


13

Lernen

wird zu

Interview mit Thomas Halder, Geschäftsführer

des Verbands der Privaten Hochschulen

Zur Person:

Thomas Halder ist seit 2011 Geschäftsführer des Verbands

der Privaten Hochschulen (VPH) in Heidelberg. Nach seinem

Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen arbeitete er

von 1979 bis 2011 als Landesbeamter in Baden-Württemberg,

unter anderem in führenden Positionen des Kultusministeriums

und als Amtschef im Ministerium für Arbeit und

Soziales. Der Volljurist ist verheiratet, hat drei Töchter und

wohnt in Schwäbisch Gmünd.


14

Was fasziniert Sie besonders am

Wissenschaftsbetrieb?

Mich fasziniert einerseits, dass die Forschung

in unterschiedlichsten Bereichen

unser menschliches Wissen ständig

erweitert und andererseits, dass mittlerweile

– gerade an privaten Hochschulen –

vor allem durch berufsbegleitende, duale,

Teilzeit- und Fernhochschul-Studiengänge

Personen an das tertiäre Bildungssystem

herangeführt werden, die sonst

vermutlich nie ein Studium begonnen

hätten.

Viele werfen der Wissenschaft vor, im

Elfenbeinturm zu hausen. Wie kann

man die Wissenschaft einer breiten

Bevölkerungsschicht verständlich

machen?

Schon heute schafft es der Wissenschaftsbetrieb

über Formate wie Tag

der offenen Tür, Nacht der Wissenschaft

oder laienverständliche Veröffentlichungen

Verständnis zu wecken und

Informationen zu streuen. Mit dem Vormarsch

der tertiären Weiterbildung wird

dies auch dadurch flankiert werden.

Bildung und Forschung sind in

Deutschland Ländersache. Ist das ein

Vorteil oder eher ein Nachteil im internationalen

Wettbewerb?

Kirchturmpolitik ist nachteilig, Bildungsföderalismus

als Wettbewerbsföderalismus

von Vorteil. Bund und Länder

arbeiten in der Kultusministerkonferenz

(KMK) oder der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz

(GWK) eng zusammen.

Im internationalen Wettbewerb

sind dezentrale Strukturen durch das

flächendeckende Vorhandensein gleichmäßiger

Forschungs- und Hochschullandschaften

von Vorteil, jedoch durch

weitgehendes Fehlen absoluter Hochschul-

und Forschungs-Leuchttürme

teilweise auch von Nachteil. Bund und

Länder versuchen hier mit verschiedenen

Hochschulpakten wie der Exzellenzinitiative

entgegen zu steuern. Hinweisen

möchte ich an dieser Stelle, dass sich

die privaten Hochschulen durch die

bisher nicht gleichberechtigte Teilhabe

an den Hochschul-Förderprogrammen

in Bund-Länder-Vereinbarungen massiv

benachteiligt sehen.

Bei der Digitalisierung hinkt Deutschland

hinterher – inwiefern kann die

Wissenschaft dazu beitragen, einen

Vorsprung zu erarbeiten?

Die Hochschulen wirken im Hochschulforum

Digitalisierung des Stifterverbands

für die Deutsche Wissenschaft zusammen.

Dort wurde das Diskussionspapier

„20 Thesen zur Digitalisierung der Hochschulbildung“

erarbeitet. Gerade die innovationsfreudigen,

privaten Hochschulen

marschieren hier mit Online-Campus,

Online-Vorlesungen, Fernhochschul-Studiengängen

voran und können Vorbild

für Wirtschaft und Verwaltungen sein.

Die Rahmenbedingungen für schnelles

Internet und Digitalisierung müssen aber

Staat und Kommunen bereitstellen.

Der deutsche Forschungsbetrieb

steht im internationalen Wettbewerb um

die besten Wissenschaftler. Was muss

passieren, damit Deutschland nicht den

Anschluss verliert?

Forscher benötigen ein Forschungsumfeld,

das ihnen praktisch „den Rücken

freihält“, um ihre Forschungen voranzutreiben:

sachliche, regulatorische

und finanzielle Rahmenbedingungen,

Mitarbeiter und kooperierende Unternehmen.

Dank der Unterstützung staatlicher

Programme gelingt es deutschen Hochschulen

und Forschungseinrichtungen

immer besser, mit ausländischen Einrichtungen

erfolgreich zu konkurrieren.

Es gibt immer mehr Abiturienten und

damit auch Studenten. Dafür bleiben

zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt.

Wieso hat Ausbildung einen so

schlechten Stellenwert? Wie kann

man das ändern?

Die OECD-Vorgaben zu Abiturientenquoten

missachten, dass außerhalb

Deutschlands die Berufsausbildung

meistens an Hochschulen und nicht

im dualen System, in den Betrieben,

stattfindet. Der Europäische und der

Deutsche Qualifikationsrahmen (EQR

und DQR) für lebenslanges Lernen

haben glücklicherweise schon eine

gewisse Gleichstellung (hoch)schulischer

und beruflicher (Aus-)Bildung bewirkt.

Außerdem wirken Handwerks- und

Industrie- und Handelskammern mit

Berufspraktika, Bildungspartnerschaften

und Kontaktbörsen auf ein positives Bild

von Ausbildungsberufen hin. Zusätzlich

könnte eine Schulpolitik, die mehr auf

die Förderung der unterschiedlichen

Talente als auf Gleichmacherei und Abiturientenschwemme

setzt, das Ausbildungsimage

nachhaltig stärken.

Welche Ausbildungsform wird zukünftig

an Bedeutung gewinnen?

Die duale Ausbildung ist ein Exportschlager

Deutschlands und wird auch

künftig die bevorzugte Ausbildungsform

in Deutschland sein. Warum sollen die

oberen Klassen von Haupt- und Realschulen

nicht noch mehr mit denen der

Beruflichen Schulen kooperieren bis hin

zur Verschmelzung? Auch die Flexibilisierung

der Studienangebote wird

eine bedeutende Rolle spielen, damit

Personengruppen den Zugang zum

Studium finden, die bisher aufgrund ihrer

Berufstätigkeit oder familiärer Aufgaben

kein klassisches Vollzeitpräsenzstudium

machen können.

Sie haben ein Studium der Rechtswissenschaften

abgeschlossen

und danach zahlreiche Ämter in der

Politik ausgeübt. Wie wichtig ist für

Sie lebenslanges Lernen?

Lebenslanges Lernen ist unabdingbar

in jedem Beruf. Zu meinem Berufsstart

1979 gab es weder Handy noch

Internet. Nur wer auf der Höhe der Zeit


15

bleibt, wird seinen Arbeitsplatz dauerhaft

sichern können. Da das in Zukunft

für fast alle Arbeitnehmer gelten wird,

lässt sich festhalten, dass lebenslanges

Lernen zu einer Pflicht wird.

Wie werten Sie aktuell die Verknüpfung

von Wissenschaft und Wirtschaft? Entstehen

hier Abhängigkeiten, die nicht

gut sind?

Private Hochschulen kooperieren in

positiver Weise mit der Wirtschaft, etwa

bei der Trägerschaft, im Hochschulrat,

bei der Entwicklung praxisnaher Studiengänge,

Praktika oder mit Dozenten

aus der Wirtschaft. Wirtschaftsnahe und

anwenderbezogene Forschung ist für die

Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts

Deutschland unabdingbar. Werden

die hier gegebenen Regeln eingehalten,

ist dies in keinster Weise zu beanstanden.

Zu guter Letzt: Welche Ziele haben

Sie sich persönlich als Geschäftsführer

des Verbands der Privaten Hochschulen

gesetzt?

Ich möchte die plurale Hochschulbildung

in Deutschland fördern und

dafür sorgen, dass private Hochschulen

an wettbewerblichen staatlichen

Hochschul-Förderprogrammen und an

Wissenschaftsgremien gleichberechtigt

teilhaben können. Ein ganz persönlicher

Wunsch ist es, die Zahl der VPH-Mitgliedshochschulen

von 14 in 2004

über 48 in 2011 und aktuell 79 auf

90 zu erhöhen.


16 Kolumne

ls Sie das fünfte Mal Sex hatten …

wird Ihnen kaum im Gedächtnis geblieben sein.

Jede Wette, dass Sie sich nicht mehr daran erinnern.

Genauso wenig wie an Ihren dreizehnten Schultag, den

sechsten Tag, als Sie Ihr neugeborenes Baby auf dem Arm

hatten oder den Tag, an dem Sie zum dritten Mal an einer Wahl

teilnehmen durften.

Nein, Sie erinnern sich an die Premieren! An die erste eigene

Wohnung. An das erste selbstverdiente Gehalt. An den ersten

Kuss, an die erste Freundin, an den ersten Urlaub ohne Eltern.

Mit dem Alter nimmt die Zahl der Premieren

stetig ab

Wir können uns an viele Premieren in unserem Leben erinnern.

Das sind fantastische Erinnerungen, die unser Leben enorm

bereichert haben. Ihnen wird es genauso gehen. Natürlich

erinnern wir uns an die Premieren genau deshalb so viel besser

als an das zweite oder dritte Mal, weil beim ersten Mal so viel

mehr Emotionen im Spiel waren. So funktioniert unser Gehirn:

Je emotionaler, desto tiefer der Eindruck, desto länger die Halbwertszeit

der Erinnerung.

Aber wer hat gesagt, dass Premieren nur etwas für Ihre Jugendzeit

sind? Für die meisten Menschen gilt leider: Mit dem

Alter nimmt die Zahl der Premieren stetig ab. Und das nicht


17

etwa, weil die Möglichkeiten beschränkt wären. Das Gegenteil

ist doch der Fall: Wenn Menschen älter werden, haben die

meisten sogar mehr Möglichkeiten, Geld und Gelegenheiten

etwas auszuprobieren. Aber dennoch vermeiden sie die neuen

Erfahrungen mehr und mehr und richten sich in den Erinnerungen

an die Premieren der Vergangenheit ein.

Das Geheimnis jung zu bleiben

Das ist kein kluges Konzept. Denn das Geheimnis jung

zu bleiben, besteht darin, immer wieder bewusst Premieren

zu suchen und sich förmlich in die ersten Male zu verlieben.

Werden Sie süchtig danach! Halten Sie es mit Mark Twain:

„Wirf die Leinen und segle fort aus deinem sicheren

Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln. Forsche.

Träume. Entdecke.“

Flottenmanagement betreibt. Oder wie der mittelständische

Büroartikelhersteller, der eine Flatrate für Büromaterial erfindet.

Sie arbeiten mit ungewöhnlichen Partnern. Wie zum Beispiel

das Krankenhaus, das mit Ferrari kooperiert.

Alles, was Sie brauchen, ist ein kleines bisschen Mut, um ein

kleines bisschen verrückt zu sein. Ihr Lohn dafür ist, dass Sie

sich Ihr Funkeln in den Augen bewahren.

Werden Sie wieder süchtig nach Premieren!

Werden Sie süchtig nach Premieren

Denn es ist doch so: Sie sind nur so jung, wie die Anzahl der

Premieren, die Sie in Ihrem Leben zulassen. Wir stellen immer

wieder fest, dass die erfolgreichsten und interessantesten Menschen,

die wir in den letzten 15 Jahren kennengelernt und über

die wir in unseren Büchern und Artikeln geschrieben haben,

eine Sache gemeinsam haben: Sie brennen für Premieren!

Sie treiben das Neue an, selbst wenn das Alte noch bestens

funktioniert. Wie zum Beispiel René Redzepi, der Küchenchef

und Mitbesitzer des Noma in Kopenhagen. Oder wie Gisbert

Rühl vom Stahlhändler Klöckner & Co. aus Duisburg.

Sie lernen von anderen Branchen und kombinieren Geschäftsmodelle.

Wie zum Beispiel der schweizerische Matratzenhersteller,

der Mikrochips in Matratzen baut und mit ihnen

zur person:

Anja Förster und Dr. Peter Kreuz sind Bestsellerautoren

und Managementberater. In einem Umfeld

der Digitalisierung, Disruption und tiefgreifenden

Veränderung unterstützen sie Führungskräfte

und ihre Teams, erfolgreich zu navigieren und fit

für das Morgen zu sein.

www.foerster-kreuz.com.

remierentipps

Besuchen Sie das erste Mal eine Konferenz oder Messe, die Sie noch nie besucht haben! – Premiere!

Gehen Sie einfach mal mit jemand aus Ihrer Firma zum Essen, mit dem Sie noch nie zusammen gearbeitet,

diskutiert oder gesprochen haben! – Premiere!

Setzen Sie ein Projekt auf, das es so in Ihrem Unternehmen oder gar Ihrer Branche noch nie gegeben hat! –

Premiere!

Machen Sie eine völlig andere Art von Urlaub – Rucksack, Luxus, Camping, Hiking, Trampen, AirBnB,

Tauchen, Angeln, Kreuzfahrt – in Ländern, in denen Sie noch nie zuvor waren! – Premiere!

Probieren Sie eine neue Sportart aus! – Premiere!

Besuchen Sie eine Stadt, ein Museum, ein Konzert, eine Oper, ein Theater, ein Fußballspiel, einen Fastnachtsumzug,

einen Gottesdienst, einen Shop, ein Restaurant, wo Sie noch nie zuvor waren! – Premiere!


18

E c h t e s P l u s

m i t

n a c h h a l t

E f f e k t e n

D

Disruptive

Prozesse verändern die Wissenskultur. Welche Chancen bietet das für die Bildung?

Ein Kommentar von Armin Himmelrath

as Tempo, mit dem unser Wissen umgeschlagen,

erneuert und teilweise auch wieder entsorgt wird,

hat sich dramatisch erhöht. Früher haben sich

solche Erneuerungszyklen über Generationen

erstreckt. Und diese langen Zeiträume entließen die Gestalter

von Bildungsprozessen gewissermaßen aus der individuellen

Verantwortung, mit der jeweiligen Entwicklung Schritt halten zu

müssen. Denn: Beim Wissen und beim Vermitteln hinterherzuhinken

hatte nur geringe Auswirkungen, wirkte vielleicht schrullig

oder allenfalls veraltet und ein wenig aus der Zeit gefallen

– aber eben nicht komplett überholt.

Das hat sich massiv geändert. Die Gefahr, als einzelner Lehrender

oder als gesamte Bildungsinstitution heute komplett

abgehängt zu werden, ist längst real und allgegenwärtig. Denn

wenn es irgendwo auf der Welt jemanden gibt, die oder der

besser erklärt, moderner vermittelt und Neueres weiß, dann

werden heutige Lernende als digital natives diesen Menschen

auftreiben und sein Wissen und didaktisches Können in Vergleich

zu den eigenen Lehrerinnen und Lehrern setzen.

Klingt nach einer Bedrohung? Vielleicht – aber bei genauerer

Betrachtung überwiegen doch die Chancen und Vorteile. Das

fängt bei der eigenen Beweglichkeit an: Die Kompetenz zum

lebenslangen Weiterlernen muss von Lehrenden nicht mehr

nur vermittelt, sie muss auch selbst gelebt und immer wieder

überprüft werden. Sich nicht behaglich auf dem didaktischen

Wissensstand der eigenen Ausbildung einrichten zu können,

führt im besten Fall zu einer verstärkten Selbstreflexion und

gesteigerter fachlicher und didaktischer Aufmerksamkeit: Das

höhere Tempo der Wissensgenerierung durch disruptive Prozesse

würde damit für bessere Lehrstrategien sorgen.

Vorteil Nr. 2: Auch Lernende sind stärker gefordert, müssen

flexibler agieren und reagieren – und bereiten sich damit auf

genau das Szenario vor, das im zukünftigen Arbeitsalltag

erwartet werden kann. Wer heute Kompetenzen erwirbt, die

für noch unbekannte Berufsbilder und Tätigkeiten nutzbar sein

sollen, der darf sich durch den Umgang mit Unsicherheiten,

Unklarheiten und schnellen Veränderungen nicht irritieren oder

abschrecken lassen. Sich diese Selbstsicherheit im eigenen

Handeln schon früh im Bildungsprozess aneignen zu können,

ist ein echtes Plus mit nachhaltigen Effekten.

Und dann gibt es noch einen dritten Vorteil, den disruptive

Entwicklungen auf die Wissenskultur haben. Sie machen

eindrücklich klar, wie vergänglich ein bestimmter Entwicklungsstand

sein kann – und werden damit zum Warnsignal, sich

nicht auf dem auszuruhen, was als gesichert und festbetoniert

wahrgenommen wird. Wissen und Technologie, Gesellschaft

und Kommunikation sind in Bewegung und werden mutmaßlich

nicht mehr zur Ruhe kommen. Gut, wenn uns das Wissen um

diese kontinuierliche Veränderung immer wieder in Erinnerung

gerufen wird.

Das alles klingt nach Lernprozessen, die in Zukunft deutlich anstrengender

für alle Beteiligten werden, könnte man einwenden.

Eine andere Formulierung ist aus meiner Sicht jedoch passender:

Das Lernen wird pädagogischer und didaktischer, es

wird individueller und damit nachhaltiger. Natürlich müssen sich

Bildungsinstitutionen dafür verändern, reformieren und neue

Wege gehen. Na und? Viel zu lange haben sich Akteure im

Bildungssektor auf dem ausgeruht, was sie gelernt und dann


19

i g e n

als dauerhaft gesetzt betrachtet hatten. Doch das war schon

früher eine Illusion – und jetzt wird sie, endlich, als Trugschluss

spürbar. Lernen ist (und war schon immer) ein dynamischer

Prozess, und zwar nicht nur auf Seiten der Lernenden, sondern

auch bei denen, die Wissen und Kompetenzen weitergaben

und vermittelten. Gute Lehrer haben das gespürt und verstanden,

aber die Umstände erlaubten es eben auch den weniger

Guten, trotzdem im Lehrberuf zu bestehen. Wenn sich hier

durch die äußeren Wandlungen der Druck erhöht, Lehre und

Unterricht nicht von irgendwem, sondern nur noch von den am

besten Geeigneten durchführen zu lassen, ist das so ziemlich

das Beste, was dem Bildungssektor passieren kann.

Ob es gelingt, diejenigen auch zu finden, hängt dann noch

einmal von ganz anderen Faktoren ab. Da geht es unter anderem

um das Image von wissensvermittelnden Berufen, um die

finanziellen Rahmenbedingungen von Bildungsinstitutionen und

nicht zuletzt um Arbeitsbedingungen, die die Wertschätzung

gegenüber Lehrenden und Forschenden deutlich machen. Hier

anzusetzen, ist eine notwendige Folgerung aus den Befunden

zu den sich wandelnden Bildungsprozessen. Das tastende

Vorangehen mit dem Mut zur Wandlung und zum Irrtum sollte

also nicht nur innerhalb von Lehreinrichtungen, sondern auch in

der Bildungs- und Wissenschaftspolitik und darüber hinaus in

der gesamten Gesellschaft geübt und praktiziert werden. Denn

ohne die Bereitschaft, nachhaltige Bildung im oben beschrieben

Sinn umfassend zu ermöglichen und abzusichern, droht

Stillstand – und der wäre sofort ein Rückschritt. Wir haben die

Chance, das zu verhindern. Nutzen wir sie.

Zur Person:

Armin Himmelrath ist Bildungs- und Wissenschaftsjournalist

in Köln und arbeitet unter anderem für Spiegel Online,

WDR und Deutschlandfunk. Er ist außerdem Autor

mehrerer Sachbücher zu bildungspolitischen Themen.

Zuletzt erschienen: „Berufsschulen auf dem Abstellgleis.

Wie wir unser Ausbildungssystem retten können“ (mit

Katharina Blaß) und „Fake News. Ein Handbuch für

Schule und Unterricht“ (mit Julia Egbers).


20

Führung will gelernt

Von Jürgen Paul

Der Leingartener Unternehmer Fabian Hauff setzt auf

Weiterbildung – bei sich selbst und seinen Mitarbeitern.

Fabian Hauff hätte es sich einfach machen können. Als Unternehmersohn

hätte er nach der Schule in den elterlichen Holzfachmarkt einsteigen

und diesen irgendwann komplett übernehmen können. Doch Fabian

Hauff ist keiner, der sich gerne ins gemachte Nest setzt. Er geht lieber seinen

eigenen Weg, auch wenn dieser länger und unbequemer ist.


21

sein


22

D

as war schon zu Schulzeiten

so. Nachdem Fabian Hauff die

Realschule in Schwaigern abgeschlossen

hatte, wollte er unbedingt

noch etwas draufsatteln. Also ging er

aufs Wirtschaftsgymnasium nach Heilbronn

und machte dort sein Abitur.

Den Zivildienst leistete er im Rettungsdienst

beim Deutschen Roten Kreuz

ab – keine leichte Aufgabe, aber eine

Tätigkeit, die Fabian Hauff viel füs Leben

gebracht hat.

Nach Abitur und Zivildienst wusste der

junge Mann nicht so genau, wie es

weitergehen sollte. Klar war ihm lediglich,

dass ein Einstieg ins Unternehmen

seines Vaters (noch) nicht in Frage kam.

„Als Juniorchef wäre ich dort entweder

in Watte gepackt oder von den Kollegen

nicht wirklich respektiert worden“, sagt

der 32-Jährige rückblickend. Beides

wollte Hauff unbedingt vermeiden – und

entschied sich 2007, an der Dualen

Hochschule in Mosbach Holzbetriebswirtschaft

zu studieren. Damit war der

Pfad ins Familienunternehmen angelegt,

der allerdings erst 2013 zum Ziel führte.

ging es in Nürnberg nicht mehr weiter,

auch weiterbilden konnte ich mich dort

nicht so, wie ich es mir gewünscht

hätte“, blickt Hauff zurück. Sein Vater

Werner Hauff war damals überzeugt,

dass seine Söhne – Fabians Bruder

Sebastian ist vier Jahre älter und heute

ebenfalls Geschäftsführer – nun in der

Lage sind, Verantwortung im Familienunternehmen

zu übernehmen. „Ich habe

mich reif gefühlt“, erinnert sich Fabian

Hauff. Die Jahre fernab von zu Hause

haben ihm einen unverstellten Blick auf

die Branche und den Beruf ermöglicht,

den er so in Leingarten wohl nie bekommen

hätte.

Hauff unter anderem eine EDV-gestützte

traditionell geführten Betrieb gibt. So hat

Tourenplanung eingeführt und dafür

Im April 2013 war es schließlich soweit.

Fabian Hauff stieg ins elterliche eingesetzt wird, die Betriebsabläufe zu

gesorgt, dass die moderne Technik dafür

Unternehmen ein, aber nicht gleich als optimieren. Die Aufträge werden nun beispielsweise

automatisch an die zustän-

Geschäftsführer, sondern zunächt als

Prokurist. Das war ein wichtiges Zeichen digen Mitarbeiter geleitet – digital, ohne

für die Belegschaft, dass hier nicht der den aufwendigen Papierkram von früher.

neue Chef kommt, der alles besser weiß Fabian Hauff ist überzeugt: „In zwei bis

oder alles anders machen will. Aber drei Jahren haben wir ein volldigitalisiertes

Lagersystem.“ Seit Mitte 2017 führt

eben auch keiner, der vom Holzhandel

und den Gegebenheiten in der Branche Fabian Hauff gemeinsam mit seinem

keine Ahnung hat. „Ich war auf Augen-

Bruder Sebastian die Geschäfte bei

höhe mit den Kollegen, konnte von Anfang

an überall mitreden“, erinnert sich

Fabian Hauff an diese wichtige Zeit.

Ganz bewusst hat der Sohn des Chefs

zunächst auch keine konkrete Zuständigkeit

im Betrieb übernommen. „Ich

habe mir alle Prozesse und Abläufe im

Unternehmen in aller Ruhe angeschaut

und mir meine Gedanken gemacht“, berichtet

Fabian Hauff. Mit seinem Wissen

aus dem Studium und seiner beruflichen

Erfahrung hat er schnell erkannt, wo es

Verbesserungspotenzial im bisher eher

Denn nach dem Studium zog es Fabian

Hauff erst einmal weg vom Unterland.

Beim bayerischen Holzhändler Thalhofer

begann er seine berufliche Karriere,

lernte dort die Holzbranche kennen.

In Hof und in Nürnberg hat Hauff das

Geschäft „von der Pike auf gelernt“.

„Da wusste ich recht schnell, dass mir

der Beruf Spaß macht und eine Zukunft

hat“, erinnert sich Hauff. Im Vertrieb und

im Innendienst übernahm Fabian Hauff

bei Thalhofer schnell Verantwortung,

führte ein kleines Team mit zwei Mitarbeitern.

In dieser Zeit baute er sich auch

ein Netzwerk auf – „davon profitiere ich

noch heute“, sagt Hauff.

Nach dreieinhalb Jahren in Bayern, in

denen Hauff auch konjunkturell schwierige

Phasen erlebt hatte, spürte der

damals 27-Jährige, dass es Zeit wird

für den nächsten Schritt. „Karrieremäßig

»

nehmen, da sollte jeder Mitarbeiter Bescheid wissen

«

Wir haben so viele verschiedene Bereiche im Unter-


23

Informationen zum Unternehmen:

Holz-Hauff wude 1933 von Karl Hauff gegründet.

Das Familienunternehmen gilt heute als einer der

führenden Holzhändler für den gewerblichen und

privaten Bereich in der Region. Geführt wird die

Firma von Fabian (32) und Sebastian Hauff (36)

in vierter Generation. Fabian Hauff ist verheiratet

und hat einen kleinen Sohn. In seiner Freizeit

treibt er gerne Sport, auch der Urlaub mit der

Familie ist dem Unternehmer sehr wichtig.

zu kurz kommen. „Das geht manchmal

unter“,räumt er ein. Deswegen beschäftigt

sich Fabian Hauff auch in seiner

knapp bemessenen Freizeit mit Fachund

Branchenthemen, um auf der Höhe

der Zeit zu sein.

Im Unternehmen wollen Fabian und

Sebastian Hauff eine gewisse Weiterbildungskultur

einführen, ohne die Mitarbeiter

zu gängeln oder zu überfordern. So

gibt es seit einigen Monaten das interne

Programm „Von Kollegen für Kollegen“.

Dabei geht es schlicht darum, dass

erfahrene Mitarbeiter jüngere Kollegen

an ihrem theoretischen und praktischen

Know-how teilhaben lassen. Und zwar

abteilungsübergreifend und authentisch.

„Wir haben so viele verschiedene

Bereiche im Unternehmen, da sollte

jeder Mitarbeiter Bescheid wissen“, sagt

Hauff. Ziel sei es, die Mitarbeiter aus

ihrer Komfortzone herauszuholen und sie

fit für die anstehenden Veränderungen zu

machen. Die Geschäftsführer wollen ihre

100 Mitarbeiter auch ermutigen, selbst

die Initiative zu ergreifen und Seminare

zu beantragen. „Wir wollen das forcieren“,

betont Fabian Hauff.

schließlich lösen Veränderungsprozesse

gerade bei altgedienten Mitarbeitern mitunter

Ängste und Verunsicherung aus.

Entsprechend wichtig sind Fabian Hauff

die Themen Führung und Fortbildung.

„Ich war und bin immer bereit, mich

fortzubilden“, sagt der Geschäftsführer.

Nur wenn man selbst als Vorbild

vorangeht, kann man auch von seinen

Mitarbeitern verlangen, dass sie offen

sind für Qualifizierung und Fortbildung.

Hier kamen Fabian Hauff seine guten

Kontakte zur German Graduate School

Holz-Hauff, Vater Werner Hauff mischt of Management and Law (GGS) in Heilbronn

zu Gute. Im Rahmen der Executi-

als Prokurist noch mit. Fabian kümmert

sich um die Bereiche Lager, Logistik, ve Education nahm der Geschäftsführer

Bearbeitung, Buchhaltung und IT, Sebastian

verantwortet Verkauf, Einkauf, Certificate“ teil. „Das Studium war

2016 am GGS-Programm „Leadership

Marketing und Personal. Die Brüder schon sechs Jahre her, da hatte ich das

wissen, dass sie das Unternehmen Bedürfnis, mich fortzubilden“, erinnert

Stück für Stück modernisieren müssen, sich der Unternehmer. Im Mittelpunkt

um wettbewerbsfähig und zukunftsfest des intensiven einwöchigen Programms

zu bleiben. Die Digitalisierung ist für stand das Thema Führung. „Wie kann

einen Mittelständler wie Holz-Hauff eine ich meine eigene Führung verbessern?“

enorme Herausforderung. Doch den Diese Frage war zentral für Fabian Hauff.

Geschäftsführern ist auch bewusst, dass Das Programm an der GGS hat ihm viel

man die Beschäftigten mitnehmen muss, gebracht. „Mein Bewusstsein in Führungsfragen

und im Umgang mit den

Mitarbeitern wurde geschärft“, sagt der

Geschäftsführer. Auch der Austausch

mit den anderen Teilnehmern, die aus

unterschiedlichen Branchen kamen, hat

Hauff als spannend empfunden.

Für seine Arbeit im eigenen Unternehmen

hat Fabian Hauff einige Impulse

und Instrumente aus dem GGS-Seminar

mitnehmen können. Gleichwohl weiß

der Geschäftsführer, dass Fort- und

Weiterbildung trotz der enormen Fülle

an Angeboten im Alltagsstress häufig

Breites Wissen über das Unternehmen

und die Geschäftsabläufe sollen auch

die Auszubildenden bei Holz-Hauff vermittelt

bekommen. Die 14 Lehrlinge

in den Berufen Groß- und Außenhandelskaufmann

und -kauffrau, Fachkraft

für Lager und Logistik, Holzbearbeitungsmechaniker

und IT-Kaufmann

durchlaufen alle Abteilungen im Familienunternehmen,

um stets das große Ganze

im Blick zu behalten. Und natürlich

respektieren es die Geschäftsführer,

wenn sich ein Lehrling nach der Berufsausbildung

weiterentwickeln möchte

und studieren geht – auch wenn er dem

Betrieb dann verloren geht. „Aber bisher

konnten wir immer alle Stellen besetzen“,

betont Fabian Hauff. Schließlich bietet

das Unternehmen dem engagierten

Nachwuchs eine Menge Entwicklungsmöglichkeiten

– Weiterbildung inklusive.


24

vom wissensvermittler

..............................................

zum lernbegleiter

.......................................

Über den einsatz digitaler bildungsformate

von Karina Piersig

Es gibt kaum einen Gesellschaftsbereich,

der nicht vom digitalen Wandel

durchdrungen wird. Das gilt auch für

Hochschulen. Digitale Medien und Technologien

nehmen Einfluss darauf, wie

wir lernen, lehren und forschen.

Das Spektrum reicht vom Einsatz digitaler

Medien in der Präsenzlehre, über

Online-Lernplattformen bis hin zu komplett

virtualisierten Lernumgebungen.

Die Gegenüberstellung von analog und

digital weicht zunehmend auf. Stattdessen

wird zukünftig die Integration

digitaler Technologien in die Lehre eine

der zentralen Aufgaben von Hochschulen

sein.

Digitale Bildungsrevolution

Als 2008 der erste Massive Open Online

Course (MOOC) mit über 2000 Teilnehmenden

durchgeführt wurde und die

New York Times 2012 das MOOC-Jahr

ausrief, war die Rede von einer digitalen

Bildungsrevolution. Es wurden grundlegende

Veränderungen im Bildungssystem

propagiert, die bis zum Ende

der Präsenzlehre an den Hochschulen

reichten. In den folgenden Jahren

wurden weltweit tausende Online-Kurse

entwickelt und über Plattformen wie

edX, Coursera und Udacity mit hunderttausenden

Teilnehmenden durchgeführt.

Inhalte werden in diesen Kursen multimedial

vermittelt, beispielsweise durch

Lehrvideos und Online-Konferenzen.

Das Besondere ist, jede Person, die

über eine E-Mail-Adresse verfügt, kann

sich – egal wo sie auf der Welt sitzt – zu

den Kursen anmelden. Das ermöglicht

den Austausch mit einer internationalen

Lerngemeinschaft.

Digitales Lernen hält zunehmend Einzug

in die betriebliche Weiterbildung. Dabei

stehen die neuen Formate aus Unternehmenssicht

für skalierbaren und effizienten

Wissenstransfer. Sie bieten die

Möglichkeit, zeit- und ortsunabhängig

zu lernen und das Lernen besser in das

Berufs- und Privatleben zu integrieren.

Berufstätige sehen darin die Möglichkeit,

berufsrelevante Kompetenzen zu

erlangen, sich zu vernetzen und ihre

Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu


25

...............................................................

erhöhen. Bei der Bereitstellung digitaler

Lernangebote für das lebenslange Lernen

von Studierenden und Arbeitnehmenden

können insbesondere Business

Schools mit ihren engen Verbindungen

zu Wirtschafts- und Industrieunternehmen

eine wichtige Rolle einnehmen.

Herausforderungen meistern

Trotz der beschriebenen Potentiale ist

die Verwendung digitaler Werkzeuge

kein Garant für effizientes Lernen. Zwar

steigen die Anzahl und die Popularität

digitaler Formate rapide an, aber fehlende

Lernmotivation der Teilnehmenden

und hohe Abbruchquoten stellen seit

Beginn eine große Herausforderung dar.

Ein wesentlicher Grund ist die oft mangelnde

Qualität der Angebote. Digitale

Lehre ist nicht automatisch besser als

analoge Lehre. Denn wie in der traditionellen

Lehre hängt der Erfolg digitaler

Lernformate von der didaktischen

Ausgestaltung ab. Technologische Innovationen

führen somit nur zum Erfolg,

wenn sie in sinnvolle Lernstrategien

eingebettet sind.

Hinzu kommt, dass die Entwicklung und

Produktion technologiebasierter Lernumgebungen

aufwendig und kostspielig

ist. Es gibt zwar bereits eine Vielzahl von

Einzelprojekten, aber es bedarf noch immer

erheblicher Anstrengungen, um die

Mehrwerte digitalen Lernens flächendeckend

zu implementieren. Anstatt den

digitalen Wandel als ein zusätzliches

Ärgernis zu begreifen, sollte er als ein

Lösungsansatz für bestehende Herausforderungen

angesehen werden. Die

Frage, ob sich digitales Lernen durchsetzen

wird, stellt sich damit nicht mehr,

sondern nur noch die Entscheidung, ob

die Hochschulen den digitalen Wandel

aktiv mitgestalten wollen.

Innovation in der Lehre

Vor diesem Hintergrund setzte die

GGS die entsprechenden Ressourcen

für die Entwicklung eines neuen Lehrund

Lernformats frei. Ziel war es, das

interaktive, praxisnahe Lehrprofil der

Business School in die Online-Welt

zu überführen und den Anspruch an

qualitative und vor allem innovative

Lehre zu untermauern. Das Ergebnis

ist der Online-Kurs „Human Resource

Management in the Digital Age“, der als

Pflichtmodul im MBA-Programm der

GGS curricular verankert ist, und im

Herbst 2016 erstmals stattfand.

Der Kurs beleuchtet, wie sich die Digitalisierung

auf zentrale Funktionsbereiche

im Personalwesen auswirkt und bietet

den berufsbegleitenden Studierenden

ein flexibles Format, das die Komplexität

der digitalen Arbeitswelt widerspiegelt.

Im Kurs werden selbstorganisiertes

Lernen, kollaborative Arbeitsweisen und

virtuelle Teamzusammenarbeit geschult.

Die Studierenden arbeiten über Foren

und Chats und mittels digitaler Tools

zusammen, lösen interaktive Gruppenaufgaben

und bilden kleine Lerngruppen.

Dabei ist der Kurs neben den

GGS-Studierenden auch für externe

Teilnehmer mit Interesse an den Themen

Personalmanagement, Digitalisierung

und digitale Bildung geöffnet.


26

Digitale Lehre gestalten

Unsere Praxis hat gezeigt, der Einsatz digitaler Formate in der

Lehre ist kein Selbstzweck. Nur mit einem schlüssigen didaktischen

Konzept können digitale Medien die Wissensvermittlung

bereichern und die Kompetenzbildung steigern. Daraus

ergeben sich folgende Empfehlungen:

....................................................

01

02

03

04

05

06

Mit Hilfe von Lehrvideos, Videokonferenzen oder Livestreams können Unternehmenspartner in den

virtuellen Seminarraum eingeladen werden, um wertvolle Einblicke in die Praxis zu geben und per Chat

Fragen der Studierenden zu beantworten. Die Fähigkeit, mit digitalen Werkzeugen umzugehen, sollte

durch ergänzende Tutorials oder Live-Veranstaltungen geschult werden, um Frust zu vermeiden und

eine positive Lernerfahrung zu gewährleisten.

Technische Schwierigkeiten und Unsicherheiten im Umgang mit digitalen Werkzeugen sind Teil der

Lernerfahrung. Der MOOC bietet einen sicheren Ort zum Ausprobieren und Experimentieren.

Die Rolle des Lehrenden verschiebt sich vom Wissensvermittler zum Lernbegleiter. Während die medial

aufbereiteten Inhalte jederzeit zur Verfügung stehen, moderiert und steuert er – just in time – die Zusammenarbeit

in den Gruppen und unterstützt die individuellen Lernprozesse der Teilnehmenden.

Während des Kurses sollte mit Hilfe von Learning Analytics der Lernfortschritt der Teilnehmenden sowie

der Lerngruppen ermittelt werden, um eine zeitnahe und zielgerichtete Unterstützung bieten zu können.

Ein aktives Community Management ist für eine gute Kursdynamik wesentlich, auch wenn es mit erheblichen

personellen Ressourcen einhergeht.

Formate wie der GGS-MOOC lassen sich effektiv in die Präsenzlehre integrieren. In sogenannten Blended

Learning Szenarien bauen jeweils analoge und digitale Lerneinheiten aufeinander auf und werden

auf diese Weise optimal miteinander verzahnt.

....................................................

digitales lernen kultivieren

An vielen Hochschulen sind bereits Experimentierräume

für neue, digitale Lehr- und Lernszenarien entstanden. Oft

beschränken sich die Aktivitäten jedoch auf wenige Leuchtturmprojekte.

Diese entstehen meist parallel zum regulären

Lehrbetrieb und werden von ambitionierten Einzelpersonen

vorangetrieben, leider allzu oft ohne nachhaltigen Erfolg. Um

die Potentiale digitaler Lehre flächendeckend zu nutzen und

die neuen Formate in die Studienprogramme zu integrieren,

müssen übergreifende Strategie- und Veränderungsprozesse

angestoßen werden. Die sinnvolle Nutzung von Technologien

in der Hochschulbildung ist nicht nur von vorhanden

technischen Infrastrukturen und medial aufbereiteten Inhalten

abhängig. Voraussetzung sind zentrale Entscheidungen

auf strategischer Ebene. Medienlabore und Strukturen für

unterstützendes Personal müssen aufgebaut, Weiterbildungsprogramme

für das Lehrpersonal entwickelt und durchgeführt

sowie Anreizsysteme geschaffen werden. Nur dann entwickeln

sich Hochschulen von einer lehrenden zur lernenden

Organisation. Digitales Lehren und Lernen will gelernt sein.

Mehr zum GGS-MOOC unter: https://www.ggs.de/digihrm/


27

Das Seminarangebot der Executive Education ist vielseitig und reicht von individuell

konzipierten Inhouse-Schulungen für Unternehmen über offene Seminare und Zertifikatslehrgänge

bis hin zu langfristigen Projekten des berufsbegleitenden Lernens.

Mehrwert durch Weiterbildung

Projektmanagement für

Rechtsdienstleister in der

Digitalen Transformation

Modul 2: Projektmanagement bei Transaktionen - Ablauf und Anwendungsfälle | 19.-20.10.2018

Das Management von komplexen Rechtstransaktionen stellt eine große Herausforderung hinsichtlich Konzeption

und Durchführung dar. Dabei gilt es, unterschiedliche Beteiligte und Informationen zu verknüpfen und

effizient zu steuern. Um diese Aufgaben erfolgreich zu meistern, werden erfolgreiche Projektmanagement-Konzepte

vorgestellt und deren Umsetzung auf das juristische Projekt- und Transaktionsmanagement anhand von

Praxisbeispielen vermittelt.

Dozenten:

Prof. Dr. Heinz-Theo Wagner, Professor für Management und Innovation, GGS

Prof. Dr. Martin Schulz, Professor für deutsches und internationales Privat- und Unternehmensrecht, GGS

Modul 3: Projektmanagement in der juristischen Wertschöpfungskette | 23.-24.11.2018

Dieses Modul gibt einen Überblick über die Bestandteile des rechtlichen Risikomanagements in Unternehmen.

Außerdem werden die Grundelemente eines effektiven Compliance-Management-Systems (CMS) vermittelt

und die Projektschritte beim Aufbau eines CMS im Unternehmen vorgestellt. Im Kapitel „Internal Investigation“

lernen die Teilnehmer die Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung interner Durchsuchungen sowie das

erforderliche Krisenmanagement im Rahmen behördlicher Untersuchungen kennen.

Dozenten:

Prof. Dr. Martin Schulz, Professor für deutsches und internationales Privat- und Unternehmensrecht, GGS

Dr. Michael Holzhäuser, Rechtsanwalt, Partner der Kanzlei Ashurst, Frankfurt am Main

Leadership Masterclass

Digital Marketing Bootcamp für Führungskräfte | 22.-23.11.2018

Digitales Marketing für Führungskräfte bedeutet, aktuelle Trends und Innovationen in der technologischen Entwicklung

für das Digitale Marketing frühzeitig zu erkennen und Wettbewerbsvorteile zu sichern. Aber auch die

Arbeitswelt und deren Prozesse unterliegen einem Kulturwandel. Mitarbeiter erwarten Kommunikation und Motivation.

Das Bootcamp unterscheidet sich deshalb von klassischen Seminaren oder Workshops und nutzt agile

Elemente wie das Arbeiten mit Business Model Canvas, World Caffee, Fishbowl, Sketch Notes und Mock-Ups.

Dozent:

Norbert Barnikel, Experte für Digital Marketing Transformation


28

Digital Marketing

in der Transformation:

Agilität und Dynamik sind gefordert.

von Norbert Barnikel

Auch den Marketing Abteilungen sitzt

seit geraumer Zeit das Gespenst

Digitalisierung im Nacken. Unsere Welt

wird rasanter und tiefer denn je technologisiert.

Der Lifestyle, das Kauf- und

Nutzungsverhalten der Kunden adaptiert

dies. Sie verlangen immer mehr – aktiv

wie passiv – nach digitalisierten Prozessen

und Services. Darum werden

Arbeitsgruppen gegründet, neue Stellen

und Verantwortlichkeiten geschaffen

und Mottos wie „Digital first“ ausgegeben.

Trotzdem gelingt es den meisten

tradierten Unternehmen noch nicht über

mehr oder weniger gelungene Einzelprojekte

hinaus zu kommen. Es fehlen wesentliche

Dynamiken in Strategie, Investition

und vor allem bleiben viele Prozesse,

insbesondere im Marketing, tradiert und

nicht mehr zeitgemäß. Woran liegt das

und was sollten wir dagegen tun?

In vielen Marketing-Abteilungen aber

auch in Agenturen arbeitet man häufig

noch im finsteren Mittelalter des Digital-

Marketings. Das erlebe ich in meinen

über 200 Seminartagen pro Jahr und in

der Beratung nahezu täglich. Das Tagesgeschäft

hat vorrangigen Stellenwert

– weit vor Veränderung, Innovation und

kontinuierlicher Weiterentwicklung. Dabei

ist das Tagesgeschäft häufig fern vom

aktuellen Kundenbedarf und beschäftigt

sich mit Interna, Prozessen und Inhalten,

die irgendwann festgelegt wurden, aber

längst überholt sind. Man hört und liest

zwar von datengetriebenem, automatisiertem

Arbeiten, Chat-Bots, künstlicher

Intelligenz und Algorithmen. Es bleibt

aber nach theoretischen oder halbherzigen

Versuchen am Ende doch beim

Stillstand. Ein exzellentes Beispiel dafür

ist die DSGVO, die bekanntlich verpflichtend

ist und zwei Jahre Vorlaufzeit hatte.

Kurz vor der Einführung wurden wir dann

„überrascht“ und die Panik zog in die

Marketing-Abteilungen ein. Sorry Marketers.

Aber das ist typisch. Hört auf, die

Getriebenen zu sein und fangt stattdessen

an zu treiben.

Deshalb möchte ich in diesem Artikel auf

wichtige Säulen des Digital Marketings

eingehen, die sich dringend ändern oder

verbessern müssen, und für die I H R

anfangen solltet zu kämpfen – am besten

gestern. Dabei handelt es sich um Kundennutzen

– Technologie – Plattformen

– Arbeitsweisen.

Den Einsatz von Marketingtechnologien

verbindet man zuerst mit dem Wunsch

nach Performance-Orientierung. Man

trifft Entscheidungen anhand der KPIs,

die auf aktuellen Zahlen, Daten und

Fakten beruhen. Die kontinuierliche Anpassung

der Kanäle und Inhalte sind hier

der Weg zum Erfolg. Zum anderen steht

Marketing-Automation, also halb- oder

vollautomatisiertes Abarbeiten definierter

Prozesse im Fokus der Marketer. Idealerweise

in Echtzeit.

Beides bedeutet Aufwand und Investitionen

für Unternehmen. Die Umstellung

fällt nicht leicht. Zumal für beide Einsatzgebiete

mittlere bis große, aber valide

Datenmengen benötigt werden. So

argumentieren „analoge“ Unternehmen

meist auf eine der beiden Arten.

„Wir haben zu viele Daten, das können

wir nicht handeln“ – das passiert, zum

Beispiel wenn jahrelanger Investitionsstau

in moderne Technologien, massive

Datensilos fabriziert hat.

Oder das Gegenteil: „Wir haben zu

wenig Daten, dadurch bekommen wir

nicht ausreichend Daten“ – das passiert

durch mangelnde Weitsicht und Investitionsstau,

Reichweitengenerierung und

insbesondere Markenbildung. Und genau

hier trifft der Lösungsansatz. Wir müssen

uns mit Technologie künftig wesentlich

schneller auseinandersetzen, offene

Möglichkeiten finden, die zu uns passen,

und vor allem Investitionsstau vermeiden.

Weniger als die Hälfte aller Unternehmen

hat sich bisher mit e-commerce, Plattformökonomie

und modernen Vertriebsmethoden

beschäftigt. Sie setzen weiterhin

auf: „Gute Produkte und Lösungen

findet der Kunde schon von selbst“ oder:

„Wir haben Vertriebspartner, wir können

doch nicht …“. Das sind gefährliche

Werte in einer digitalen Welt, die nichts

dergleichen verzeiht.


29

Digitalisierung in deutschen Unternehmen

Pioniere, Wegbereiter und

Avant Garde

12%

Modus Vivendi, Digitale Denker ,

Hohe Unternehmensdurchdringung

Ressourcen und Kompetenzen

kompetent

51%

excellence

Verständnis für

Relevanz & Priorität

37%

akzeptanz

Verweigerung und Ablehnung

dinosaurier

Hohe Software- und Implementierungskosten

schrecken den Mittelstand ab.

Leider wird dadurch der Investitionsstau

und die Schere zu den digitalen Unternehmen

immer größer. Insbesondere

Entscheider, die keine Digital Natives

sind oder in einem Umfeld der Digitalen

Avantgarde oder Excellence denken und

handeln, müssen deshalb dringend an

ihrem Skill- und Mind-Set feilen.

Disruption und Innovation kommen meist

von außen, weil uns intern die Kapazitäten,

der Mut und der tatsächliche

Wille zum Change fehlen. Das sollten wir

ändern.

Technologien und Methoden

für erfolgreiches Digital-

Marketing

Marketing Automation – Software

für regelbasierte, immer häufiger

mit künstlicher Intelligenz versehene

Kampagnenprozesse, die den Nutzer

profilieren und ihm individualisierte und

hoch personalisierte Informationen und

Produkte auf seinen Devices und je nach

Ausbaustufe, Omni-Channel ausspielen.

> Warum brauche ich das?

Weil die Individualisierung von komplexen

Datenmengen nur mit Automatisierung

gelingt. Außerdem entscheiden

Kunden eigenständig, wann, wo und

welche Informationen und Angebote

sie erhalten möchten. Mittelgroße und

große Adressdatenbanken können

unmöglich manuell gepflegt werden.

Mit Marketing Automatic qualifiziert sich

der Kunde durch seine Interaktion mit

uns selbst. Wir können mittels Scoring

und Bewertung der jeweiligen Kunden-

Aktionen feststellen, wohin die Reise in

der Beziehung geht.

Eintönige, sich wiederholende Tätigkeiten

werden dadurch im Marketing

reduziert, fallen im Idealfall weg und

schaffen endlich Freiraum für die elementare

Aufgabe, die das Marketing

leider zu oft hintanstellen muss: Den

Kundennutzen.

> Ist es schon perfekt im Einsatz?

Marketing Automation und seine Funktionen

sehe ich, insbesondere wegen

des künftig hohen Einsatzgrades der

künstlichen Intelligenz, als eine Brückentechnologie.

Allerdings eine mit hohem

Reifegrad. Insbesondere marktführende

Lösungen lassen kaum Wünsche offen.

Lediglich die Usability der Administrationsbereiche

ist oftmals extrem komplex

und gewöhnungsbedürftig.

Plattform Ökonomie - Google,

Facebook, Amazon und andere wesentliche

Plattformen des zweiten und dritten

digitalen Zeitalters arbeiten verstärkt

am „vendor log-in“. Das bedeutet, dass

wir uns immer mehr auf die großen

Plattformen verlassen müssen, weil sich

dort, und nur dort, die Menschen aufhalten.

Google setzt verstärkt Services

wie Cards, Snippets oder Accelerated

Mobile Pages in der Suchmaschine ein,

die Klicks zur Website weitestgehend

obsolet machen. Mit den von künstlicher

Intelligenz gesteuerten Instrumenten

Google Ads, Google Marketing Plat-


30

form und Google Ad Manager setzt das

Unternehmen den Werbemarkt erneut

unter Druck. Ähnliches versuchen Facebook

und Co. mit ihren Messengern

und entsprechenden Formaten wie in

Plattform-landing-pages. Amazon ist

der Shopping-Suchkanal Nummer 1

geworden und erweitert täglich sein

Sortiment und seine Service-Bandbreite,

insbesondere mit Alexa. Die Gesetzmäßigkeiten

der Plattformökonomie

basieren auf Verdrängung und Monopolisierung.

Das setzt langsame, konservativ

agierende Unternehmen über kurz oder

lang Schachmatt.

> Warum brauche ich das?

Reichweite und Kunden, die sich gezielt

informieren oder kaufen, gewinnt man

kaum noch auf anderem Weg als durch

Cross-Plattform Präsenz. Aber Achtung!

Aus meiner Sicht kann man nirgends

so schnell Geld im Marketing verbrennen

wie hier. Halten sie Ihre Customer-

Journey also immer präsent, messen Sie

diese permanent und entscheiden Sie

danach, wo sie am meisten Erfolg für Ihr

Budget haben.

Jede Plattform hat Stärken und Regeln,

die uns nützen. Eignen Sie sich

fundiertes Fachwissen an, nutzen Sie

die klaren Vorteile der Plattformen.

Adaptieren Sie deren Stärken für Ihre

eigene Strategie und Kanäle. Und im

Idealfall nutzen Sie deren Schwachstellen

für sich. Lange schon plädiere ich

dafür, dass sich deutsche Unternehmen

zusammenschließen, eigene Plattformen

gründen und den internationalen Playern

Konkurrenz machen. Dabei gilt es keine

Klone zu erstellen, sondern einmalige

neue Plattformen zu entwickeln.

> Ist es schon perfekt im Einsatz?

Etwa 15 Prozent der Unternehmen

verstehen bereits die Notwendigkeit,

konzentrieren sich aber wieder einmal

der Einfachheit halber auf one-size-fitsall-Strategien.

Und das funktioniert eben

nicht für die digitalen Kunden. Individualität

auf den Plattformen und der

Fokus auf „Stars“ und „Cash Cows“,

anstatt Masse, erfordern Investitionen

und Umdenken.

Post-Web – Keine andere Technologie

hat bisher so schnell den Modus Vivendi

erreicht wie digitale Assistenten und

ChatBots mit Sprachein und -ausgabe.

Augmented und Virtual Reality haben

in Nischen ebenfalls ihre Anwendung

gefunden, warten aber noch auf den

großen Technologie-Sprung, um ganz

nach oben zu kommen. Typische Marketers

leben aber immer noch im WWW-

SocMed-geschriebenes-Wort-Zeitalter.

Vielleicht ist das ein Grund warum ich

diesen Artikel noch tippe, anstatt ihn auf

Podcast, Video oder anderen Medien

zu veröffentlichen. Die Website „ist und

bleibt unser wichtigster Kanal“ ist das

Verständnis von digitalem Marketing in

den Unternehmen. Das ist wenig vorausschauend

und offensichtlich falsch.

Das digitale Zeitalter ist in Deutschland nicht angekommen

INFORMATION

(1990 – 2010)

73%

COMMUNICATION

(2005 – 2015)

55%

DATA & MOBILE

(2010 – 2020)

13%

1%

COGNITION

(2015 – 2025)

DIGITAL

EVERYTHING

(2020 – )

Hyperlinks

E-Mail

Homepages

Onlineshops

Unfiltered &

branded Content

DIGITAL SANDPIT

Something new and

we act like we always did

Online-marketplaces

Social networks

Blogs

Wikis

Instant messaging

Filtered content

DIGITAL PLAYGROUND

Startup actude leads

the way

Triumphal march of

the cloud & edge

Big data & business

intelligence

User centered

Internet of things

Blockchain

DIGITAL WONDERLAND

and Data is it’s emperor

Bot & agent systems

Deep & machine

learning

Augmented & virtual

reality

Voice is the new UI

Data means big

business

Understanding

VUCA WORLD

plexity and ambiguity)

Machine content

AI (Weak / Narrow)

Connected world

Biological &

Quantum

Robots

…..

AI (Strong)

MODUS VIVENDI

If its not digital –

its not real?!

(

(


31

> Warum brauche ich das?

Erfahrungen möglichst früh zu sammeln,

ist in einer sich digitalisierenden Welt

zunehmend existenziell für Unternehmen

und den Menschen darin. Pionier zu

sein erwartet man nur von hoch-dynamischen

Unternehmen, aber Early Adopter

zu sein ist vital. Die dynamischen

Unternehmen setzen diese Terchnologien

und Methoden professionell ein.

> Ist es schon perfekt im Einsatz?

Nein, das kann es auch nicht! Aber zu

warten bis Technologie oder Methodik

IT soll sparen, Vertrieb soll die Produkte

an den Kunden bringen und Marketing

die Kunden „verzaubern und alle

bestmöglich unterstützen“. Dann sind

da noch die Mitarbeiter, die durch die

starren Strukturen nicht in der Lage

sind, sich zu entwickeln und schlimmstenfalls

resigniert haben. Agilität in

Zusammenarbeit und Budgetverantwortung

ist sicher nicht das Allheilmittel.

Im Gegenteil. Die Komfortzone zu

verlassen, ist eine Herausforderung

der Extra Klassen.

wie Echtzeitdashboards, Messenger,

Kanban und Lean Project Management-

Software ersetzen unflexible Software

wie beispielsweise E-mail für die Interne

Kommunikation völlig.

> Ist es schon perfekt im Einsatz?

Agiles Arbeiten ist in vielen Unternehmensbereichen

sinnvoll einsetzbar. Insbesondere

im digitalen Marketing kann

man Ursache und Wirkung hervorragend

messen und schnell und iterativ anpassen.

Damit schafft man, auch gegenüber

dem Wettbewerb, einen klaren Zeit- und

Budget-Vorteil.

Entwickeln einer digitalen Organisations DNA

Selbstbestimmung NEW WORK Freiraum

Weiter auf tradierte Marketingkanäle und

Prozesse zu bestehen, ist falsch, verwerflich

und für Ihr Unternehmen absolut

bedrohlich. Denn das Marketing hat eine

viel zu zentrale Rolle bei der Zukunftssicherung

als das dies lange gut gehen

kann: Datengetriebenes Arbeiten und

exzellente Erfolgskontrolle in Echtzeit.

Digitale Skills & Lernen Kultur- und Werte Experimente

„ausgereift“ sind, kann und wird heute

und in der Zukunft nicht mehr funktionieren.

Denn das wird sie nie mehr sein.

Ständig im Flow zu sein und kontinuierliche

Iteration werden unser Alltag

sein. Gewöhnen wir uns also schnellstmöglich

daran.

Agiles Führen und Arbeiten

Unsinnigerweise sind die meisten Unternehmen

nach wie vor in Linienhierarchie

und Abteilungen aufgebaut und starren

Budgetplanungen unterworfen. Schlimmer

noch: Sie haben oft konträre Ziele

und kämpfen schlimmstenfalls in unterschiedlichen,

wechselnden Bündnissen

gegeneinander, anstatt zu kooperieren.

> Warum brauche ich das?

Agile oder Ambidexe Teams haben den

Vorteil, dass sie interdisziplinär zusammengestellt

werden und fokussiert auf

ein übergeordnetes Ziel hinarbeiten.

Schnelligkeit und situative Reaktion

auf aktuelle Ereignisse ersetzen lange

Freigabeprozesse. Experimentieren

ist Pflicht. Fehler machen ist erlaubt.

Insbesondere komplexe Themen mit

unsicherer Kausalität lassen sich so

ergebnisorientierter bearbeiten. Management-Methoden

wie Objectives

and Key Results verknüpfen wesentliche

Teile einer Organisation und schaffen

Transparenz, schränken aber möglichst

wenig ein. Moderne digitale Werkzeuge

Zur Person:

Norbert Barnikel ist internationaler

Trainer und Architekt für Innovation,

Digitale Transformation und Digital

Leadership für führende Akademien,

Hochschulen und Unternehmen.


32

Faculty

days 2018

Mit einem Jubiläum starteten die Faculty Days am

15. Juni in der Aula auf dem Bildungscampus: Zum

zehnten Mal fand die Graduierungsfeier der GGS statt.

44 Absolventen der Studiengänge MBA in Management,

LL.M. in Business Law und M.Sc. in Management erhielten

ihre Urkunden und zelebrierten mit dem klassischen

Hütewurf ihren Master-Titel. Zusätzlich wurden

noch 26 Studenten des MSc in Business Management

offiziell verabschiedet. Darüber hinaus wurden fünf neu

Promovierte aus dem gemeinsamen Graduiertenkolleg

der GGS mit der Europa-Universität Viadrina Frankfurt

(Oder) geehrt.


Auszeichnung als Jahrgangsbeste im LL.M. in Business Law für Sebastian Eckhardt und Florian Susewind

33

Gastredner Prof. Dr. Albrecht Söllner

Alumni Award für Florian Sager


34

Der Tag nach der Graduierungsfeier stand ganz im Zeichen der Netzwerkpflege.

Was Unternehmen von Schauspielern lernen können, präsentierte Ina Rudolph zum

Auftakt in ihrem vom Alumni-Verein organisierten Vortrag. Die vielseitige Schauspielerin

demonstrierte wie man Blockaden eliminiert und damit Lösungen finden kann,

wo man sie bisher noch nicht gesucht hat. In der anschließenden Paneldiskussion

„Inkubatoren, Acceleratoren & Co: Kurzlebiger Trend oder nachhaltige Strategie?“

unter der Leitung von Heinz-Theo Wagner, Professor für Management und Innovation

an der GGS, debattierten Dr. Thomas Lindner, Geschäftsführer vom Startup

Inkubator Innowerft, Katina Schneider, Business Developer beim Heidelberger

Mitfahr-Anbieter MatchRiderGO sowie die GGS-Professoren Elisabeth Müller

und Martin Schulz über aktuelle Entwicklungen in der Gründerszene.

Schon traditionell endeten die Faculty Days am Samstagabend mit

einer ausgelassenen Party auf Burg Stettenfels.

PARTY

Workshops


35


36

Prof. Dr. Benjamin von Bodungen

Professor für deutsches und internationales Handels- und

Gesellschaftsrecht, Finanz- und Steuerrecht

E-Mail: benjamin.vonbodungen@ggs.de


37

Offen für Neues

Im Aufzug mit Prof. Dr. Benjamin von Bodungen

Am 13. November findet zum zweiten Mal die Fachkonferenz

„Automatisiertes und autonomes Fahren“ an der GGS statt.

Was erwartet die Konferenzteilnehmer?

Auch in diesem Jahr haben wir großen Wert darauf gelegt, ein interdisziplinär

ausgerichtetes Programm mit hochkarätigen Referenten zusammenzustellen. Wir

wollen die Fahrzeugautomation erneut aus technologischer, ökonomischer, rechtlicher

und gesellschaftlicher Perspektive beleuchten. Nur wer sämtliche Ebenen

im Blick behält, wird es schaffen das autonome Fahrzeug erfolgreich auf die Straße

zu bringen. Um den ganzheitlichen Ansatz unserer Fachkonferenz zu unterstreichen,

haben wir uns zu einer Co-Moderation aus technischer und rechtlicher

Perspektive entschieden. Ich freue mich sehr, dass wir hierfür mit Herrn Prof. Dr.

Meroth von der Fakultät für Mechanik und Elektronik der Hochschule Heilbronn

einen echten Experten gewinnen konnten, mit dem ich gemeinsam durch das

Programm führen werde.

Was hat sich seit der letzten Konferenz im Juni 2017 beim

autonomen Fahren getan? In welchen juristischen Bereichen

konnten Fortschritte erzielt werden?

Zwischenzeitlich ist das 8. StVG-Änderungsgesetz in Kraft getreten, welches

hoch- und vollautomatisierte Fahrzeuge – unter im Detail freilich weiterhin umstrittenen

Voraussetzungen – legitimieren will. Was die bislang der Fahrzeugautomatisierung

entgegenstehenden technischen Bauvorschriften angeht, konnten auf

internationaler Ebene Fortschritte erzielt werden. Allerdings ist hier vieles weiterhin

im Fluss, zumal sich die Anpassung der technischen Vorschriften im Detail

als – nicht zuletzt zeitintensive – Herausforderung darstellt. Schließlich ist bekanntlich

jüngst die Europäische Datenschutz-Grundverordnung in Kraft getreten,

welche die Konstruktion und den Betrieb vernetzter Fahrzeuge nachhaltig

beeinflussen wird.

Sie forschen bereits seit einigen Jahren zu diesem Thema.

Was fasziniert Sie persönlich daran?

Für mich persönlich ist der interdisziplinäre Diskurs von besonderer Bedeutung.

Im Rahmen eines EU-Förderprojektes war ich kürzlich in Brüssel daran beteiligt,

eine Roadmap zu entwickeln, die die verschiedenen Dimensionen des autonomen

Fahrens abbildet. Den Austausch mit den anderen Disziplinen habe ich als

extrem bereichernd empfunden. Nur wenn man sich als Jurist offen zeigt, kann

die voranschreitende Setzung von Recht in diesem Bereich gelingen. Zugleich gilt

es aber auch, die anderen Disziplinen für die mit Innovationen einhergehenden

Rechtsrisiken zu sensibilisieren.

Programm und kostenfreie Anmeldung zur 2. Fachkonferenz „Automatisiertes

und autonomes Fahren“ am 13.11.2018 unter www.ggs.de/auto-fahren


38

Zwischen den Zeilen

Die GGS-Forscher kommen mit vielen wissenschaftlichen Artikeln in Berührung. In der Rubrik

„Zwischen den Zeilen“ präsentieren sie Artikel, die ihre Arbeit in den vergangenen Monaten

beeinflusst haben. In der neuen Folge stellt Lennart Jäger einen Artikel über Bewältigungsstrategien

bei der Erkennung von Phishing vor.

Bewältigungsstrategien bei der Erkennung von Phishing:

Eine Untersuchung von Ursachen und Folgen

Jingguo Wang, Yuan Li, H. Raghav Rao (2017) Coping Responses in Phishing Detection: An Investigation

of Antecedents and Consequences. Information Systems Research 28(2): 378-396

Lennart Jäger

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

am Institut für Innovation

Darum geht es

Der Artikel untersucht, welche

Coping-Strategien (dt. Bewältigungsstrategien)

Nutzer bei der Erkennung

von Phishing ausüben, welche

Faktoren diese beeinflussen und wie

sich diese auf die Performance der

Phishing-Erkennung auswirken.

Lesenswert für

IT-Abteilungen, CIOs, Manager,

Teamleiter und Berater mit Fokus

auf Informationssicherheit sowie

alle Interessierte, die ihren Umgang

mit Phishing-Mails vor dem Hintergrund

der eigenen Verletzlichkeit

reflektieren möchten.

Die Quintessenz

Phishing-Angriffe mittels betrügerischer

E-Mails zum Diebstahl von

sensiblen Daten sind eine erhebliche

Bedrohung für Unternehmen und

Individuen. Trainingsmaßnahmen sind

eine Möglichkeit zur Verbesserung

der Fähigkeit von Nutzern, Phishing-

E-mails zu erkennen. Die meisten

Trainingsmaßnahmen behandeln

jedoch den menschlichen Prozess

bei der Erkennung von Phishing als

eine Black Box, indem sie Wissen

über Phishing als Input sehen und

Erkennungsgenauigkeit als Output.

Die Autoren behaupten in ihrer

Studie, dass kognitive und verhaltensbezogene

Reaktionen bei der

Phishing-Erkennung die effektive

Übertragung des Inputs, z.B. Wissen

und Bewusstsein, auf den Output,

z.B. Erkennungsgenauigkeit, wesentlich

beeinflussen. Drei gemeinsame

Reaktionen werden basierend auf

der Coping-Literatur identifiziert:

aufgabenorientiertes Coping, also

der aktive Versuch Phishing-Mails

zu erkennen, emotionsorientiertes

Coping – die Sorge und Selbstkritik,

Phishing-Mails nicht ausreichend

erkennen zu können – und vermeidungsorientiertes

Coping, das

Aufgeben, Phishing-Mails zu erkennen.

Diese werden verwendet, um ein


39

Mein Lieblingssatz

“Humans are an integral part, rather than a secondary

constraint, of information security.“

Konstrukt höherer Ordnung namens

„Coping Adaptiveness“ zu entwickeln,

das auf einem Kontinuum zwischen

maladaptiven und adaptiven Coping

liegt; manifestiert als verstärktes

aufgabenorientiertes- und vermindertes

emotionsorientiertes und

vermeidungorientiertes Coping. Die

Autoren untersuchen Ursachen und

Folgen von „Coping Adaptiveness“.

Die Ergebnisse eines Umfrageexperiments

mit 547 US-Verbrauchern

zeigen, dass „Coping Adaptiveness“

durch wahrgenommene Phishing-Bedrohung,

Erkennungswirksamkeit und

Angst vor Phishing beeinflusst wird,

die wiederum Erkennungsaufwand

und -genauigkeit beeinflussen.

Darüber lässt sich

diskutieren

Nach der Lektüre des Artikels stellt

sich unmittelbar die Frage, inwiefern

potenzielle negative Auswirkungen

von Phishing-Angst auf „Coping

Adaptiveness“ ausgeglichen werden

können. Während vorherige Forschung

argumentierte, dass Angst

einen positiven Effekt auf die Motivation,

sich vor Phishing zu schützen

hat, zeigt die Studie, dass Angst

ein zweischneidiges Schwert ist,

indem es maladaptive Reaktionen,

also emotionsbasiertes Coping wie

Selbstkritik erhöht. Eine interessante

Fragestellung wäre hier, wie Trainingsmaßnahmen

gestaltet werden

müssen, damit Mitarbeiter über

Phishing-Attacken informiert und alarmiert

werden können, ohne unnötig

übertriebene Angst zu schüren, die

einen lähmenden Effekt haben kann.

Praxistransfer

Phishing-Trainingsmaßnahmen

haben sich bislang in erster Linie auf

einen kognitiven Ansatz konzentriert,

bei dem Angestellten Merkmale

zur Erkennung von Phishing-Mails

gezeigt wurden. Jedoch könnte es

nicht ausreichen, Erkennungsergebnisse

wie Erkennungsaufwand und

Erkennungsgenauigkeit zu verbessern,

da Nutzer solche Merkmale im

Alltag oft ignorieren. Managern wird

deshalb vorgeschlagen, die „Coping-

Skills“ von Mitarbeitern während des

Trainings zu verbessern. Positives

Denken und geeignete Problemlösungsstrategien,

die in Beziehung mit

der Erkennung von Phishing gesetzt

werden, könnten zur Verbesserung

der „Coping Adaptiveness“ hervorgehoben

werden. Darüber hinaus

sollten Angestellte auf die Unwirksamkeit

von emotionsorientiertem

und vermeidungsorientiertem Coping

aufmerksam gemacht werden und

lernen, ihre psychologischen Prozesse

besser zu überwachen und

zu regulieren, damit sie genügend

Aufwand bei der Erkennung von

Phishing betreiben.

Und nun?

Technologische Maßnahmen allein

reichen nicht aus, um die Organisation

vor externen Sicherheitsbedrohungen

zu schützen. Der Faktor

Mensch rückt zunehmend in den

Vordergrund. In Bezug auf Phishing

besteht jedoch nach wie vor die

Gefahr, dass Angestellte keine Kenntnis

über die Risiken von Phishing-

Angriffen haben oder glauben,

dass technlogische Lösungen das

Blockieren aller Phishing-Mails garantieren,

sodass sie das Erkennen

von Phishing-Mails, als irrelevant

betrachten. Für diese Individuen

wäre eine effektive Kommunikation

über die Bedrohung von Phishing

notwendig, um sie für die aktive

Erkennung von Phishing-Mails zu

motivieren. Mit der Entwicklung von

Antiphishing-Technologien, zum

Beispiel visueller E-Mail-Authentifizierungs-

und Identifizierungsdiensten,

könnte in Zukunft untersucht werden,

wie technologische Unterstützung

die eigene Bewältigung mit Phishing-

Attacken verändert.


40 Gesichter der GGS


41

Keine halben

Sachen

Die frisch gepflanzten Rosen blühen in voller Pracht, der Karlssee ist mit

35.000 Kubikmeter Wasser gefüllt und seine Ufer üppig mit Schilf umrandet.

Das 40 Hektar große Gelände der Bundesgartenschau 2019

nimmt sichtbar immer weiter Formen an. Doch Jan Fries‘ Blick

schweift über die weitläufigen Grünflächen hinweg und bleibt an

den Häuserfassaden hängen, die am östlichen Ende des Areals

emporragen. Er ist bei der Buga Heilbronn für die Stadtausstellung

verantwortlich – die 23 Gebäude, die hier in den vergangenen Monaten

hochgezogen wurden, sind somit auch sein Projekt.


42

Z

um ersten Mal in ihrer 70-jährigen

Geschichte ist mit der Bundesgartenschau

in Heilbronn eine Stadtausstellung

verbunden, mit der die Entstehung

des Neckarbogens und damit eines

komplett neuen Stadtquartiers einhergeht.

Das heißt auch, dass erstmals

Menschen auf dem Bugagelände wohnen.

Die ersten sind bereits eingezogen,

erzählt Jan Fries. Etwa ein Dutzend sind

es jetzt, bis zur feierlichen Eröffnung am

17. April 2019 sollen es um die 500 sein.

Für diese ist der 37-Jährige ein wichtiger

Ansprechpartner, denn noch sind Teile

der Buga eine staubige Baustelle und

nicht öffentlich zugänglich. Trotz Lärm

und aufwirbelndem Staub sollen die

Bewohner sich in ihrem neuen Zuhause

wohl fühlen. „Schließlich sollen sie ja

auch Botschafter für die Buga sein.“

Mammutprojekt Buga

Seit 2015 arbeitet Fries jetzt für die Buga

Heilbronn 2019 GmbH, die eigens für

die Planung und Durchführung dieser

Großveranstaltung gegründet wurde.

Zuvor war der Diplomverwaltungswirt bei

der Stadt Heilbronn im Amt für Liegenschaften

und Stadterneuerung tätig.

Für den gebürtigen Heilbronner ist seine

Position bei der Bundesgartenschau

mehr als nur ein Job, sie ist ein Privileg.

Schließlich werde das Projekt die

Stadt nachhaltig verändern. „Die Buga

in Heilbronn ist etwas Besonderes“,

sagt Jan Fries und vermittelt trotz seiner

ruhigen Art die Leidenschaft, ohne die so

ein Mammutprojekt wohl auch nicht zu

stemmen wäre. Und die vielen Aufgaben,

die damit zusammenhängen.

Als Buga-Mitarbeiter war Jan Fries von

der Investorenauswahl, der Planung,

dem Verkauf der Grundstücke sowie bis

hin zur Realisierung involviert. Aktuell ist

er stark in die „eigentliche“ Stadtausstellung

eingebunden, die die Besucher

während des Großereignisses vom 17.

April bis zum 6. Oktober im kommenden Neckarturm. Nach seinem Abschluss

Jahr besichtigen können. Die macht zum Diplomverwaltungswirt hatte er

nicht nur die Entwicklung des Neckarbogens

nachvollziehbar, sie beinhaltet auch doch schon damals war er überzeugt:

sich zunächst ins Berufsleben gestürzt,

eine Schau zu nachhaltigen Baustoffen. Ausgelernt hat man nie. Als er dann auf

So ist etwa bei der Hälfte der Gebäude das neue Angebot der privaten Hochschule

aufmerksam wurde, das mit dem

Holz verarbeitet, darunter das mit 34 Metern

bislang höchste aus Holz gebaute Business Law auch noch die perfekte

Haus Deutschlands. Außerdem ist Fries Ergänzung zu seinem Erststudium

mit Partnern wie den Heilbronnern Hochschulen

in Kontakt, die auch ihren Teil zur es noch keine Minute bereut. „Die Inhalte

bildete, fackelte er nicht lange – und hat

Ausstellung beitragen werden. Darüber haben perfekt zu meinen Bedürfnissen

hinaus betreut er einige Sonderprojekte im Job gepasst“, den er dank des Wochenendformats

nicht aufgeben musste.

etwa zur Digitalisierung. Ganz klar, Jan

Fries muss derzeit viele Bälle in der Luft Stattdessen profitierte er vom direkten

halten – doch mit Aufgaben zu jonglieren Wissenstransfer von der Hochschule in

hat er in seiner Zeit an der GGS gelernt. den beruflichen Alltag.

Perfekte Ergänzung

„Ich bin sehr dankbar, diese

Entwicklung begleiten

zu dürfen“

2008 hat er sein berufsbegleitendes

Masterstudium im LL.M. in Business Law

an der GGS aufgenommen. Die hieß

damals noch heilbronn business school

(hbs) und hatte ihren Sitz im Heilbronner

Das Studium helfe ihm bis heute, erklärt

Fries. Von der Vertragsgestaltung über

Vergabeverfahren bis zum Grundstücksmanagement

war und ist er ständig

mit rechtlichen Prozessen konfrontiert.

Doch neben den juristischen Bausteinen


43

Bundesgartenschau Heilbronn

Vom 17. April bis 6. Oktober 2019 können Gäste aus

nah und fern eine ungewöhnliche Garten- und Stadtausstellung

in Heilbronn genießen. Auf 40 Hektar

Fläche präsentiert die BUGA außergewöhnliche Gärten,

Highlights aus Kunst, Musik, Tanz und Sport sowie interessante

Wissensangebote. Die Hochschulen aus der

Region Heilbronn-Franken präsentieren auf einem eigenen

Stand ihre Forschung aus den Bereichen Mobilität,

Digitale Vernetzung und Smarte Produktionswelten.

Ein neu gebautes, von unterschiedlichen Interessenträgern

entwickeltes Stadtquartier, die Stadtausstellung,

wird Teil der BUGA sein.

www.buga2019.de

schätzt er bis heute seine Erfahrungen

im Projektmanagement, die er aus dem

Studium an der GGS mitgenommen

hat. „Man lernt organisieren, kommunizieren

und strukturieren.“ Fähigkeiten,

die gerade bei einem komplexen Projekt

wie der Buga nicht nur hilfreich, sondern

zwingend notwendig sind.

Kein Zuckerschlecken

Natürlich, ein Zuckerschlecken waren

die zwei Jahre mit der Doppelbelastung

aus Studium und Beruf damals nicht.

Aber: „Wenn man es will, schafft man

es!“ Ein Satz, der Jan Fries über sein

Studium hinaus bis heute begleitet –

beruflich wie privat. Als er im Sommer

2011 seine Graduierung feiert, hätte

die zusätzliche Belastung durch Wochenendvorlesungen,

Hausarbeiten

und Klausuren ein Ende haben können.

Eigentlich. Denn nur wenige Monate

nach Studienabschluss stürzt sich der

begeisterte Sportler ins nächste Abenteuer:

die Ironman Europameisterschaft

in Frankfurt.

Gemeinsam mit GGS-Alumni Alexander

Michelfelder, den er durch die GGS

kennenlernt, nimmt er die Herausforderung

an. Dafür trainieren sie bis zu 20

Stunden in der Woche. Zum Laufen,

Radfahren und Schwimmen kommen

Balanceübungen, um den Körper und

das Gleichgewicht zu stärken. Für sein

Ziel quält sich Jan Fries, der über sich

selbst sagt, kein Frühaufsteher zu sein,

regelmäßig morgens aus den Federn,

um um 6 Uhr im Fitnessstudio oder auf

der Laufstrecke zu sein. Die GGS begleitet

die beiden ehrgeizigen Triathleten

hautnah auf ihrem Weg zur Ironman Europameisterschaft

nach Frankfurt. Nach

anderthalb Jahren strapaziöser Vorbereitung

ist es soweit: Am 7. Juli 2013 treten

Fries und Michelfelder beim Wettkampf

in der Mainmetropole an – und erringen

sich nach 3,8 Kilometer Schwimmen,

180 Kilometer Radfahren und 42,195

Kilometer Laufen den Titel Ironman.

Man merkt, der 37-Jährige macht keine

halben Sachen. „Jetzt lasse ich mich mit

Haut und Haaren auf das Bugaprojekt

ein.“ Und mit ganzem Herzen. Er sei sehr

dankbar, sagt Jan Fries, die Entwicklung

in seiner Heimatstadt begleiten zu dürfen,

die mit der Bundesgartenschau zwar

ihren vorläufigen Höhepunkt, aber längst

nicht ihr Ende erreicht. Im Gegenteil: Aus

der Stadtausstellung soll sich bis 2030

langfristig das Stadtquartier Neckarbogen

entwickeln, in dem künftig 3500

Menschen leben und etwa 1000 arbeiten

werden. Doch auch darüber hinaus

möchte Jan Fries dazu beitragen, dass

sich Heilbronn durch attraktiven, nachhaltigen

und bezahlbaren Lebensraum zu

einer Stadt der Zukunft mausert. Er sieht

die Stadt am Neckar dabei auf einem guten

Weg. „Heilbronn ist sehr dynamisch.

Da wird noch viel auf uns zukommen.“


44

Gute Laune beim Golfevent auf dem Pfullinger Hof

Ein Sommer mit Schwung

Ein besonders umfangreiches

und vielseitiges Programm hat der

Alumni-Verein im Hitzesommer 2018 auf

die Beine gestellt. Dank der perfekten Mischung

aus Business und Social Events kamen der praxisbezogene

Mehrwert, das Networking und natürlich der Spaß nicht zu kurz.

Das Fußballfieber hat GGS-Alumni und internationale Studierende, unter anderem

aus Kanada, Südafrika und China, beim internationalen Alumni-Stammtisch

am 11. Juli gepackt. Die Multikulti-Truppe verfolgte das spannende Halbfinale

zwischen Kroatien und England im Biergarten Lehner‘s. Nach einem

Fußballspiel mit Verlängerung, bei dem die Sympathien dank der anwesenden

Leeds Studenten dem Team aus England galten, klang der Sommerabend mit

tollen Gesprächen über Land und Leute aus.

Es ist mittlerweile eine schöne Tradition: Bereits zum sechsten Mal fand am 12.

Mai das Alumni-Golfevent auf der Golfoase Pfullinger Hof statt. Dort trainierten

Anfänger und Profis unter Anleitung einer Trainerin auf der Driving Range und

dem Putting Green ihren Schwung. Die neu erworbenen Golffähigkeiten bewiesen

die Teilnehmer beim abschließenden 9-Loch-Turnier.


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Garantiert bügelfrei: Hemden von Olymp

Zu einem besonderen Firmenbesuch fanden sich die Mitglieder des

Alumni-Vereins am 17. Mai beim Hemdenhersteller Olymp in Bietigheim

ein. Großen Spaß daran hatten aber nicht nur die 18 Teilnehmer,

sondern auch Marc Fritz, Leiter Marketing bei Olymp, der überzeugend,

witzig, offen und ehrlich aus dem Nähkästchen plauderte

und die Geheimnisse über bügelfreie Hemden lüftete.

Bei den diesjährigen Faculty Days präsentierte der Alumni-

Verein als schlagfertige Gastrednerin die Schauspielerin

Ina Rudolph. Bekannt aus Tatort, Hinter Gittern und vielen

Fernsehserien, sprach sie über die Kunst des Schauspiels

und davon, wie Unternehmer sich diese Kunst zu Nutzen

machen können. Mit cleveren Beispielen der Schauspielkunst

untermalte sie ihre Hypothese, dass Manager viel von

Schauspielern lernen können. So zeigte sie, wie Emotionen

kanalisiert und durch Atemtechniken Energie gewonnen werden

können. Rudolph bescherte den rund 40 Teilnehmern viele

Einblicke und nährte so den Boden für spannende Diskussionen bei

anschließendem Kaffee und leckerem Erdbeerkuchen.

Rednerin mit Weitblick: Ina Rudolph

Termine

27. Oktober 2018

24. November 2018

25. Januar 2019

26.-27. Januar 2019

General Management Programme: Stress und Achtsamkeit

Jahresabschluss im Schloss Ludwigsburg

Jahresauftakt und Hauptversammlung

Ski-Ausfahrt Montafon

Weitere Infos unter: www.ggs.de/alumni/events


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Zwiebelro

und deutscher

A

uf Deutsch ein Eis oder einen Zwiebelrostbraten

bestellen konnten sie bereits nach wenigen Tagen.

Nachdem die 14 Studierenden der University of Nebraska-Lincoln

einen Sprachkurs in Schwäbisch Hall besucht

hatten, besuchten sie im Juni für eine Woche die GGS, um

Supply Chain-Systeme und den Mittelstand in Heilbronn und

der Region kennenzulernen. Dabei wechselten sich Vorlesungen

mit Firmenbesichtigungen ab. Eine gute Mischung,

bei der die Studierenden schon nach kurzer Zeit viel über die

deutsche Unternehmenskultur kennenlernen konnten.


47

stbraten

Mittelstand

„Es geht nicht nur ums Verkaufen“, fasst Chris Lawson seine

Erkenntnisse zusammen. Die Unternehmen seien sehr langfristig

aufgestellt und legten Wert auf nachhaltiges Wirtschaften.

„Der deutsche Mittelstand ist einzigartig“, findet auch Brenda

Tran. Sie ist begeistert von der Loyalität in familiengeführten

Firmen. „Es geht nicht nur ums schnelle Geld, sondern darum

langfristig zu bestehen und gute Produkte auf den Markt

zu bringen.“

Der Austausch mit der University of Nebraska-Lincoln fand

das erste Mal statt. Entstanden ist der Kontakt über Regina

Frey-Cordes, ehemalige Assistant Professorin an der GGS, die

inzwischen in Nebraska lehrt. Sie begleitete die jungen Studierenden

auf ihrem Trip nach Deutschland, wo einige von ihnen

auch ein mehrwöchiges Praktikum absolvieren konnten.


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8

7

6

9

9

5

4

Campus für lebenslanges Lernen

Der Bildungscampus der Dieter Schwarz Stiftung vernetzt und verzahnt unterschiedliche Bildungseinrichtungen.

Einmalig in Deutschland deckt er damit die Lernbedürfnisse einer breiten Zielgruppe ab: von Vorschulkindern

bis hin zu berufstätigen Erwachsenen. Mit Angeboten für Jugendliche, die im nahe gelegenen Science Center

„experimenta“ ihren Wissensdurst in Sachen naturwissenschaftlicher und technischer Themen stillen. Für Abiturienten,

die an der DHBW Heilbronn und der Hochschule Heilbronn ihren ersten berufsqualifizierenden Abschluss

erwerben. Und schließlich für Absolventen, die am TUM Campus Heilbronn, der GGS oder dem Center for

Advanced Studies (DHBW CAS) ihren Master-Abschluss erlangen. Ebenso wichtig ist die didaktische Weiterbildung

für Lehrende und Pädagogen von Kindertagesstätten und Schulen – eines von vielen Angeboten der

Akademie für innovative Bildung und Management (aim).

1

2

3

4

DHBW Heilbronn

German Graduate School of Management and Law (GGS)

Forum mit Bibliothek und Mensa

Aula


49

9

1

1

3

2

10

5

Akademie für innovative Bildung und Management (aim)

9 Hochschule Heilbronn (HHN)

6

DHBW Center for Advanced Studies (CAS)

10

Hofkammer-Gebäude

7

Technische Universität München (TUM) – Campus Heilbronn

8

Bibliothek (ab Herbst 2019)


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+++ kurz notiert

+++ Compliance-Experte: Beim Compliance-Forum Mittelstand, das am 6. Juni in

Frankfurt a.M. stattfand, übernahm Prof. Dr. Martin Schulz erneut die Moderation. Schulz,

der an der GGS das Institut für Compliance und Unternehmensrecht leitet, hielt außerdem

einen Vortrag zu „Haftungsrisiken und Compliance Management im Mittelstand“.

+++ Forschungstransfer: GGS-Forscher Dr. Michael Hartmann (Foto links) hat für

die ISPIM Innovation Conference in Stockholm gleich zwei Beiträge erfolgreich eingereicht.

Beide Artikel beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Geschäftsmodellinnovation.

Mit der Einreichung geht auch eine Veröffentlichung im Tagungsband, dem sog.

Conference Proceeding einher.

+++ Nichts für schwache Nerven: Aufregend und anstrengend: Beim Drachenbootrennen

am 30. Juni paddelten die GGS Masters um den Cup der Hochschulen.

Mit den Teams der Hochschule Heilbronn, der DHBW Heilbronn und des DHBW

CAS lieferten sie sich einen spannenden Wettkampf und krönten ihren Einsatz mit dem

dritten Platz.

+++ Best Paper Award: Wissenschaftler aus aller Welt kamen im August beim 78. Jahrestreffen

der Academy of Management (AoM) in Chicago zusammen. Besonders erfolgreich

lief die Teilnahme für Prof. Dr. Kai Förstl (Foto links). Er und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter

Henrik Franke erhielten vom Institute for Supply Management den Best Paper Award für ihren

Beitrag „How Rational are Sourcing Teams? The Effect of Goals and Knowledge on Politics

and Rationality“. Einen Tag zuvor sicherte sich Förstl bereits zusammen mit Prof. Dr. Christian

Busse (Foto Mitte) von der ETH Zürich den Best Paper Runner-Up Award des renommierten

Journal of Supply Chain Management.

+++ Ausgezeichnete Forschung: Großer Erfolg auf der European Conference on

Information Systems: Auf der wichtigsten europäischen Wirtschaftsinformatik-Konferenz

wurden Victoria Reibenspiess, Lennart Jäger (Foto) und Prof. Dr. Andreas Eckhardt mit dem

Best Research in Progress Paper Award ausgezeichnet. Damit haben sie sich unter 263

Einreichungen durchgesetzt. Jäger hatte neben dem prämierten Poster auch ein zweites mit

Co-Autor Andreas Eckhardt verfasstes Paper vorgestellt.

+++ Lernen durch Austausch: Start-ups und Grown-ups zusammen bringen, um

voneinander zu lernen: Das ist die Idee hinter dem neuen von Dr. Frederik Metzger und

Prof. Dr. Elisabeth Müller konzipierten Format „Start-ups/Grown-ups“. Dabei treffen junge

Gründer für einen Nachmittag auf Vertreter etablierter Unternehmen und diskutieren ihre

Positionen zu einem Thema. Nach dem erfolgreichen Auftakt ist die nächste Veranstaltung

bereits in Planung.


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Termine...

Oktober bis Dezember 2018

27.10.2018

Alumni-Verein: Stress & Achtsamkeit

Wolfgang Sauer

Uhrzeit: 10:00 - 17:30 Uhr

Ort: GGS

22.11.2018

General Context: Speed Reading –

Filtern im Sekundentakt

Kia Böck

Uhrzeit: 09:00 - 17:00 Uhr

Ort: GGS

06.12.2018

Forschungsseminar: Qualitative

Disclosure in Corporate Filings and

Loan Terms

Dr. Benedikt Franke

Uhrzeit: 13:00 - 14:15 Uhr

08.11.2018

Forschungsseminar: How pair programming

influences Team Performance

Thomas Kude

Uhrzeit: 13:00 - 14:15 Uhr

27.11.2018

Life Science Kongress: Digital

Health – Opportunities & Challenges

Uhrzeit: 09:00 - 16:00 Uhr

08.11.2018

Heilbronner Gespräche zum

Wirtschaftsrecht: Legal Tech –

Überblick und Anwendungsbeispiele

Dr. Micha-Manuel Bues

Uhrzeit: 18:30 - 20:00 Uhr

29.11.2018

Heilbronner Gespräche zur Unternehmensführung:

Zusammenarbeit bei

Alnatura - Mehr Kundenorientierung

durch eine höhere Selbstverantwortung

Joachim Schledt

Uhrzeit: 18:30 - 20:00 Uhr

13.11.2018

2. Fachkonferenz Automatisiertes

und autonomes Fahren

Uhrzeit: 10:30 - 17:30 Uhr

14.11.2018

Innovationsforum:

Innovationsmanagement der Zukunft

Martin Allmendinger

Uhrzeit: 18:00 - 20:00 Uhr

29.11.2018

Bürger-Uni: Ja oder nein?:

Die Kunst der Entscheidung in

Zeiten der Multioptionalität

Dr. Rebekka Reinhard

Uhrzeit: 18:30 - 20:15 Uhr

Ort: Aula auf dem Bildungscampus

der Dieter Schwarz Stiftung

öffentliche Veranstaltung

mit Anmeldung

Hochschulinterne

Veranstaltung

geschlossene

Veranstaltung

Alumni-Veranstaltung

Seminar


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Fit für die Zukunft

Zum vierten Mal findet am 27. November der Life Science Kongress auf dem Bildungscampus Heilbronn

statt. Der interdisziplinäre Branchentreff steht unter dem Motto „Digital Health: Opportunities & Challenges“

und befasst sich mit der Zukunft des digitalen Gesundheitswesens.

Die digitale Transformation führt nicht nur in der Industrie zu radikalen Umbrüchen. Sie beeinflusst auch

zahlreiche Bereiche des Gesundheitswesens. Der beschleunigte Informationsaustausch, die zunehmende

Vernetzung sowie intelligente Big Data-Analysen bergen großes Potenzial für eine Verbesserung der Patientenversorgung

und eine effizientere Informationsverarbeitung: Von der Prävention und Diagnose über die

Patienten-Überwachung bis hin zur Therapie. Zudem revolutioniert die Digitalisierung die Entwicklung neuer

Medikamente sowie Innovationen in der Medizintechnik.

Der Life Science Kongress bietet Wissenschaftlern, Gründern, Investoren und etablierten Unternehmen der

Branche eine ideale Plattform zum gegenseitigen Austausch und Netzwerken. Unter dem Motto „Digital

Health: Opportunities & Challenges“ beleuchtet der Kongress die wichtigsten Chancen und Herausforderungen

für die Zukunft des digitalen Gesundheitswesens.

Referenten aus internationalen Technologie- und Life Science-Unternehmen wie IBM, Roche oder SAP

geben in Impulsvorträgen und Diskussionsrunden interessante Einblicke in neueste Anwendungen und

Lösungsansätze. Regionale Unternehmen wie Schunk als Spezialist für Greifsysteme und Spanntechnik,

der Medizintechnikhersteller Seleon sowie ausgewählte Start-ups aus der Life Science Branche runden das

Programm ab. Darüber hinaus werden die Perspektiven von Ärzten und Krankenkassen thematisiert.

Veranstaltet wird der Life Science Kongress vom Investment Lab Heilbronn in Zusammenarbeit mit der GGS

und dem Zukunftsfonds Heilbronn.

Weitere Informationen finden Sie unter www.life-science.management


German Graduate School

of Management and Law

Bildungscampus 2

D-74076 Heilbronn

www.ggs.de

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