Allersberg 2018-09

burgblatt15

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Eröffnung der Gilardi-Ausstellung

Mit einem Festakt eröffnete die Marktgemeinde Allersberg

das künftige Drahtzug - und Christbaumschmuckmuseum im Gilardihaus

ALLERSBERG – Premiere im großen, neuen

Gilardi-Saal: Mit einem Festakt vor geladenen

Gästen eröffnete die Marktgemeinde

Allersberg die Gilardi-Ausstellung, die den

Grundstock für ein Museum über den leonischen

Drahtzug und den Christbaumschmuck

in Allersberg bilden wird.

Seit kurzem sind die Sanierungsarbeiten

des ersten Bauabschnittes, dem ehemaligen

Fabrikgebäude, abgeschlossen. Dies

nahm die Gemeinde zum Anlass, das

künftige Gilardi-Museum zu präsentieren.

Musikalisch umrahmte das „Pfarrei-Quartett“

die Feierstunde mit flotter Musik.

Diese Formation besteht aus Pauline Urban

(Querflöte), Richard Mederer (Tenorhorn),

Rüdiger Habel (Klavier) und Diakon

Korbinian Müller (Violine).

Im Saal begrüßten „Sybilla Gilardi“ (Petra

Schmidt-Lerzer) und „Jakob Gilardi“

(Dieter Koszil) in „barocker“ Kleidung

die vielen Gäste. „Heute ist für mich ein

ganz besonderer Tag“, sagte „Sybilla Gilardi“,

„ein Tag, der in die Geschichte Allersbergs

eingehen wird“. Zur Eröffnung

der musealen Ausstellung spannte sie

einen historischen Bogen von den Anfängen

der leonischen Industrie bis hin zur

Herstellung von Christbaumschmuck im

Allersberger Gilardihaus. Auch über den

persönlichen Werdegang von Sybilla und

Jakob Gilardi berichtete sie Interessantes.

Nach der symbolischen Schlüsselübergabe

an Bürgermeister Daniel Horndasch

wünschte „Sybilla Gilardi“ der neuen musealen

Einrichtung alles Gute und viele Besucher.

„Ihnen und Ihren Vorfahren ist es

zu verdanken, dass die Exponate erhalten

geblieben sind“, wandte sich der Bürgermeister

an Dr. Alexander Schulenburg, „Sie

haben das Ausstellungskonzept mit gestaltet

und sich vorbildlich mit eingebracht“.

Daniel Horndasch dankte einer Vielzahl

von Persönlichkeiten und Institutionen,

die bei der Sanierung des Gilardihauses

und beim Aufbau des neuen Museums beteiligt

waren und immer noch sind. „2006

hat die Gemeinde das gesamte Anwesen

erworben mit dem Ziel der Sanierung,

2008 gab es eine Nutzungskonzeption,

2013 ein erstes Grobkonzept, 2015 ein

Feinkonzept und heute können wir eine

Gilardi-Ausstellung präsentieren“, erklärte

der Bürgermeister.

„Heute wird ein neues Kapitel in der Geschichte

des Gilardihauses geschrieben“,

unterstrich Bürgermeister Horndasch,

„nur wer weiß, woher er kommt, kennt

auch den richtigen Weg in die Zukunft“.

1689 habe Bürgermeister und Bierbrauer

Johann Georg Heckel der Ältere den

Grundstein für die älteste Drahtzugfabrik

Deutschlands und für eine industrielle

Zukunft gelegt. „Mit den Geschäftsreisen

des Jakob Gilardi bis nach Indien begann

die Globalisierung“, hob der Bürgermeister

hervor. Der Drahtzug habe unter Jakob

Gilardi Weltgeltung erreicht. „Die Allersberger

hatten den Mut, etwas Neues zu

wagen und sie hatten genug Selbstbewusstsein,

den Neid anderer zu ignorieren“,

so Horndasch. Der Bürgermeister

verschwieg auch nicht einen Tiefpunkt

der Geschichte: Als Fabrikbesitzer Otto

Geiershoefer 1936 starb, ging der Besitz

an Else Geiershoefer über. Weil sie Jüdin

war, wurde sie 1938 von den Nationalsozialisten

zwangsenteignet. Else kam

im Ghetto um. Die Familie Schulenburg

musste nach England fliehen. 1946 kehrte

Erik Geiershoefer nach Allersberg zurück

und nahm die Christbaumschmuck-Herstellung

wieder auf. „Ihm war es zu verdanken,

dass die Firma wieder in alle Welt

lieferte und wieder über 50 Beschäftigte

hatte“, sagte Daniel Horndasch. „Als Erik

Geiershoefer 1971 starb, übernahm die

Familie Schulenburg die Firma. Es wurde

Lametta gefaltet und viele Familien fanden

einen Verdienst in Heimarbeit“. Seit 1996

lebt die Familie Schulenburg in England.

„Ich entschuldige mich dafür, was den

Geiershoefern und Schulenburgs angetan

wurde“, sagte der Bürgermeister, „das ist

mir ein besonderes Anliegen“. „Es gab

Diskussionen um das Gilardihaus“, blickte

Landrat Herbert Eckstein zurück, „für eine

Gemeinde wie Allersberg ist die Sanierung

dieses Anwesens keine leichte Aufgabe,

sondern eine Aufgabe, die sich über Jahre

hinzieht“. In unserer „beliebig werdenden“

Welt sei es wichtig, sich an die Vergangenheit

zu erinnern und zu erkennen,

wie sich die Dinge entwickelt haben. „Tragt

dies mit eurem neuen Museum ein Stück

mit!“, wünschte sich Herbert Eckstein. „Es

ist heute ein Anfang mit einer musealen

Ausstellung, die eröffnet wird“, erklärte

Kreisheimatpflegerin Dr. Annett Haberlah-

Pohl. Sie ging der Frage nach, warum in

Allersberg der Drahtzug entstand. „Der

Anfang war eine Wirtschaftssanktion auf

höchster Ebene, als der deutsche Kaiser

es verbot, französische Waren einzukaufen“,

berichtete sie. „Der Name leonische

Industrie kommt aus Lyon. Aus Kupfer

wurden extrem dünne Drähte gezogen

und diese wurden mit Silber, Gold und

Messing überzogen“. Aus den Drähten seien

schöne Dekor-Sachen hergestellt und

Uniformen geschmückt worden. „Mit der

Eröffnung der Gilardi-Ausstellung stehen

wir am Anfang“, sagte Haberlah-Pohl, „die

Eröffnung des Museums ist ein wichtiger

Meilenstein für ein kulturelles Zentrum“.

„2014 wurde der gestalterische Ansatz

gemacht“, blickte Franziska Schmidt von

„Demirag Architekten“ zurück. „Demirag

Architekten“ betreuen die Modernisierung

denkmalgeschützter Gebäude und

erstellen ein Nutzungskonzept. „Jedes

Detail wurde bedacht und entworfen“,

unterstrich Franziska Schmidt. Das neue

Gilardi-Museum solle Authentizität und

Atmosphäre zeigen. „Es ist eine kleine,

aber feine Ausstellung entstanden“, so

Schmidt, „Allersberg ist ein geschichtsträchtiger

Ort geworden, die gemeinsame

Arbeit hat sich gelohnt“.

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