Allersberg 2018-09

burgblatt15

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80. Geburtstag - Dietrich von Heckel

Dietrich von Heckel gab zu seinem 80. Geburtstag einen großen Empfang im

Allersberger Gilardihaus

ALLERSBERG – Zu seinem 80. Geburtstag

gab Dietrich von Heckel, ein direkter

Nachfahre des „Drahtbarons“ Johann Georg

von Heckel, der 1689 den Drahtzug in

Allersberg eingeführt hatte, im Gilardihaus

einen Empfang, an dem zahlreiche Ehrengäste

teilnahmen. Altbürgermeister Bernhard

Böckeler würdigte in seiner Laudatio,

dass der ehemalige Berufsschuldirektor

Dietrich von Heckel nach dessen Pensionierung

seine Jugendträume wahrmachen

konnte und als Schauspieler und Regisseur

ganz unterschiedlicher und vielfältiger

Theaterstücke zwölf Jahre lang das kulturelle

Leben in Allersberg bereichert hat:

Jugendträume, die Dietrich von Heckel im

aktiven Berufsleben aus Zeitgründen nicht

realisieren konnte.

Zur Geburtstagsfeier waren Gäste bis aus

Berlin und München angereist. „Die schöne

barocke Dame Gilardihaus ist exakt 290

Jahre alt, da sind meine 80 Jahre ein Klacks

dagegen“, witzelte der Jubilar beim Sektempfang

im Foyer des Gilardihauses. Er

lobte die Anstrengungen der Marktgemeinde,

das Gilardihaus zu sanieren und

mit neuem Leben zu erfüllen. Mit einer

launigen und humorvollen Rede würdigte

der frühere SPD-Landtagsabgeordnete

Max von Heckel, der in München lebt, die

Verdienste seines Bruders Dietrich von

Heckel. „Beide sind wir nach dem Krieg

aufgewachsen, unser Haus in München

war zerbombt, wir hatten nichts mehr“,

erzählte Max von Heckel, „trotz Krieg war

unsere Kindheit erstaunlich friedlich, später

haben sich unsere Wege getrennt“.

„Wir haben beide studiert, ich wurde

Jurist, mein Bruder wollte Bierbrauer in

Weihenstephan werden.“ Daraus sei jedoch

nichts geworden, nachdem Dietrich

seine spätere Frau Renate kennen gelernt

habe. „Dietrich wurde Studienrat, Diplomhandelslehrer,

Oberstudienrat, und eines

Tages war er Chef im Berufsschulzentrum

Nürnberg.“ In späteren Jahren, so Max von

Heckel weiter, habe sich der Bruder mehr

dem Kulturbetrieb zugewandt und habe

auch mal Sänger oder Schauspieler werden

wollen. „Das machte er nach seiner

Pensionierung und erfüllte sich dadurch

seine Jugendträume.“ Er – Max von Heckel

– freue sich, dass in Allersberg keine Betonklötze

und Hochhäuser stehen. „Es ist

wunderbar, dass das Gilardihaus keinerlei

kommerziellem Nutzen zugeführt wird,

eine sinnvolle soziale Nutzung ist prima“,

so Max von Heckel, der auch Dietrich von

Heckels Rolle als „Heimatdichter“ und Autor

von Aphorismen würdigte.

„Die Beziehung der Heckels zu Allersberg

soll aufrecht erhalten bleiben“. „Ihre Vorfahren

waren in Allersberg tätig und hatten

dort wichtige Funktionen inne“, wandte

sich Alt-Bürgermeister Bernhard Böckeler,

der auch 1. Vorsitzender des Fördervereins

zur Sanierung des Gilardianwesens

ist, an den Jubilar. Er erinnerte daran, dass

Dietrich von Heckel am 6. November 1996

zum Gedächtnis an den 300. Todestag

von Johann Georg Heckel, dem Begründer

der Allersberger Drahtzugindustrie,

einen Vortrag gehalten hatte. Auch beim

Heimatspiel, das anlässlich des 750-jährigen

Jubiläums im Jahre 2004 aufgeführt

wurde, habe sich Dietrich von Heckel in

einer Doppelrolle eingebracht, als er seinen

Vorfahren Johann Georg Heckel und

den Bänkelsänger „Singgut“ verkörperte.

„Ihr Wunsch war es, dass die Drahtzieher-

Familie nicht auseinander fallen dürfe“, erinnerte

Bürgermeister Böckeler, „deshalb

haben Sie 2005 an der Mittelschule mit

Schauspielern das Lustspiel `Der Diener

zweier Herren` aufgeführt.“ Bei dem Stück

„Die Welle“ habe Dietrich von Heckel

2007 Regie geführt und zusammen mit

der Schulspielgruppe den Schulleiter Direktor

Owens gespielt. Dr. Rochus Castner

aus Nürnberg habe das ernste Stück „Die

unterbrochene Schulstunde oder Warum

Stanislaus sterben musste“ geschrieben,

das einen direkten Bezug zur Allersberger

nimmt und das unter der Regie von Dietrich

von Heckel 2009 in Allersberg uraufgeführt

wurde. Stanislaus war ein junger

polnischer Zwangsarbeiter, der 1941 am

Weinberg gehängt wurde, weil er ein Verhältnis

mit einem Allersberger Mädchen

hatte. Dieses Stück, bei dem Dietrich von

Heckel einen Schulrat spielte, wurde 2009

mit dem Karl- Heinz-Hiersemann-Preis der

bayerischen SPD in Erlangen ausgezeichnet.

Auch in Nürnberg hat Dietrich von

Heckel im Reichsdokumentationszentrum

als Schauspieler zwei Charakterrollen gespielt:

So verkörperte er in dem Stück

„Zwischen den Verhören“ den Reichsmarschall

Göring und in dem Stück „Hitler

vor dem Weltgericht“ spielte Dietrich von

Heckel die Hauptrolle. „Sie haben Impulse

gesetzt mit historischen Theaterstücken“,

würdigte Bernhard Böckeler, „Sie wollten

`selbst gemachte Kunst ´ für alle machen

und das ist Ihnen vorzüglich gelungen“.

Zur Erinnerung an die vielfältigen Aktivitäten

Dietrich von Heckels in und für Allersberg

überreichte Bernhard Böckeler dem

Jubilar im Namen des Fördervereins ein

von Grete Farsbotter zusammengestelltes

Fotobuch. Dankesworte sprach auch Moritz

von Heckel, ein Enkel des Jubilars. „Du

hast uns die Augen geöffnet für Kultur“,

sagte er, „die Digitalisierung findet auch

bei dir statt, denn du hast jetzt seit einigen

Jahren auch ein Handy“.

Text und Foto: Robert Unterburger

Anzeigenschluss

für die

Ausgabe

Okt. 2018

ist der

30. Sept. 2018

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