Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald

neomedia

Weggefährten.

Landkreis

Breisgau-Hochschwarzwald

Weggefährten


Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald

Weggefährten


FRANKFURT

STRASSBURG

FREIBURG i. Br.

STUTTGART

Breisgau-Hochschwarzwald

FRANKREICH

BASEL

SCHWEIZ

Vogtsburg im Kaiserstuhl

Eichstetten am Kaiserstuhl

Breisach am Rhein

Bötzingen

March

Ihringen

Gottenheim

Umkirch

Merdingen

Gundelfingen

Heuweiler

Glottertal

Stegen

St. Peter

St. Märgen

Merzhausen

Schallstadt

Ebringen Au

Wittnau

Pfaffenweiler

Hartheim

Sölden Horben

Eschbach

Bad Krozingen

Bollschweil

Ehrenkirchen

Neuenburg am Rhein Heitersheim Staufen im Breisgau

Buggingen Ballrechten-Dottingen Münstertal/Schwarzwald

Kirchzarten

Oberried

Buchenbach

Breitnau

Hinterzarten

Titisee-Neustadt

Lenzkirch

Feldberg (Schwarzwald)

Eisenbach (Hochschwarzwald)

Friedenweiler

Löffngen

Müllheim

Sulzburg

Schluchsee

Auggen

Badenweiler


Landkreis

Breisgau-Hochschwarzwald

Weggefährten

Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald

in Zusammenarbeit mit der neomediaVerlag GmbH


4 5 IMPRESSUM

IMPRESSUM

Herausgeber

neomediaVerlag GmbH

Industriestraße 23, 48653 Coesfeld

Tel. 02546 9313-0

info@neomedia.de

www.neomedia.de

In Zusammenarbeit mit:

Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald

Stadtstraße 2

79104 Freiburg

Tel. 0761 2187-0

poststelle@lkbh.de

www.breisgau-hochschwarzwald.de

Idee und Konzeption

Rainer Wendorff

Redaktion/Lektorat/Texte

Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald

Matthias Fetterer

Hubert Matt-Willmatt

neomediaVerlag GmbH,

Günter Poggemann

Grafik/Layout

Kerstin Katemann

Projektakquise

Andreas Dreßler

Bildnachweis

Daniel Schoenen: Seiten 14, 15, 18, 19, 21, 23,

27, 29, 30, 31, 36, 37, 44, 45, 46, 47, 49, 51, 52,

56, 57, 58, 59, 60, 61, 63, 68, 69, 71, 72, 74,

75, 76, 77, 81, 83, 84, 86, 96, 97, 100, 101,

103, 107, 110, 111, 112, 113, 114, 115, 117,

118, 120, 121, 125, 126, 128, 129, 132, 135,

138, 139, 140, 141, 143, 145, 148, 149, 150,

152, 155, 156, 157, 158, 160, 169, 171, 172,

174, 175, 177, 179, 180, 182, 183, 184, 187,

193, 194, 197, 198, 199

Aaronka: S. 38

Joss Andres: S. 50

Karin Blüher: S. 20

Breisacher Ruderverein: S. 25

Benedikt Doll: S. 105

Deutsches Weininstitut: S. 70

Peter Faller: S. 192

Julian Gaymann: S. 122

Peter Gaymann: S. 123

Felix Grotewohl: S. 106

Hofgut Himmelreich: S. 157

Juri Junkov: S. 35

Eduards Kapsa: S. 166

Heinz Linke: S. 17

Steven Mahner: S. 181

Markgräfler Museum Müllheim: S. 66

Hubert Matt-Willmatt: S. 98

Oliver Münzer: S. 39

Musées de Strasbourg, M. Bertola: S. 16

Sentiolo Rieber: S. 159

Antje Rießle: S. 176

Frank Paul Steiner: S. 62

Simon Straetker: S. 162, 163, 164, 165

sv solutions GmbH: S. 78

Dorothee Walter: 178

Sebastian Wehrle: S. 196

Michael Wissing BFF: S. 28

Porträt- und Firmenfotos stammen, soweit

nicht anders vermerkt, von den jeweiligen

Personen und Unternehmen.

Printed in Germany 2018

Das Manuskript ist Eigentum des Verlages.

Alle Rechte vorbehalten.

Dem Buch liegen neben den Beiträgen

der Autoren Darstellungen und Bilder der

Firmen und Einrichtungen zugrunde, die mit

ihrer finanziellen Beteiligung das Erscheinen

des Buches ermöglicht haben.

Druck

BerlinDruck GmbH + Co KG, 28832 Achim

Bibliographische Information der Deutschen

Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese

Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie;

detaillierte Daten sind im Internet

über http://dnb.dbb.de abrufbar.

ISBN 978-3-931334-81-9

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird

häufig, z. B. auf dem Titel, auf die gleichzeitige

Verwendung der männlichen und

weiblichen Sprachformen verzichtet. Sämtliche

Personenbezeichnungen beziehen die

Weiblichkeitsform selbstverständlich mit ein.

Das Buch „Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald – Weggefährten“ wird herausgegeben in einer Buchreihe

der neomediaVerlag GmbH, in der bisher folgende Bücher erschienen sind:

- Der Landkreis Ravensburg – ganz persönlich

- Der Ostalbkreis – ganz persönlich

- Das Coburger Land – ganz persönlich

- Landkreis Lörrach – ganz persönlich

- Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald - AugenBLICKE

- Kursbuch Zukunft – Landkreis Ravensburg

- Der Ortenaukreis – ganz persönlich

- Der Landkreis Schwäbisch Hall – ganz persönlich

- Landkreis Heidenheim – ganz persönlich

- Bottrop – meine Stadt

- Rhein-Pfalz-Kreis – rein persönlich

- Landkreis Göppingen – Überraschend.Persönlich.

- 200 Jahre – Landkreis Merzig-Wadern – ganz persönlich

- Rheingau-Taunus-Kreis – ganz persönlich

- Landkreis Aichach-Friedberg – ganz persönlich

- Landkreis Oberallgäu – ganz persönlich

- Hagen – ganz persönlich

- Der Landkreis Marburg-Biedenkopf – ganz persönlich

- Kreis Plön – ganz persönlich

- Der Landkreis Gifhorn – ganz persönlich

- Landkreis Vechta – Starke Argumente.Starke Persönlichkeiten

- Landkreis Friesland – Faszination.Sehnsucht.Heimat.


INHALT

INHALT

Landkreis

Breisgau-Hochschwarzwald

Weggefährten

10 Unsere Weggefährten

Editorial Landrätin Dorothea Störr-Ritter

14 Idyllische Weinregion und kulinarische

Highlights

Die Badische Weinstraße

16 Zwischen Romantik und Witz

Tomi Ungerer

20 Eine schräge Nummer aus dem

kreativen Südbaden

Interview mit Gogol & Mäx

24 Rudern, Studium und ab und zu Heimat

Jakob Schneider

28 Eine Liebeserklärung an das Markgräflerland

Douce Steiner

32 Solutions for a world in motion

AUMA Riester GmbH & Co. KG

34 Vom Energieversorger zum

Energiedienstleister

Energiedienst Holding AG

36 Moderne Form- und Gesenksprühanlagen

GERLIEVA Sprühtechnik GmbH

38 Die Erfolgsgeschichte des besonderen

Gewerbeparks

Gewerbepark Breisgau

40 Mehr als Präzisions-Drehteile ganz

nach Kundenwunsch

Heckel Präzisionsteile GmbH

42 Kulturell hochprozentig:

Auerbachs Kellertheater

Eberhard Busch

45 Im Abfall steckt die Energie

TREA Breisgau

46 Schöpferisch gestalten und Kraft schöpfen

Prof. Franz Gutmann und Karin Gutmann-Heinrich

50 Streifzüge durch ein Biotop

Jost Grosspietsch

52 Gut versorgt vor Ort

Helios Kliniken Breisgau-Hochschwarzwald

54 Mit Vergangenheit in die Zukunft

KNOBEL Bau-Gruppe

56 Im Kleinen ganz groß

micrometal GmbH


6 7 INHALT

58 Wo Kunst und Natur eine Einheit bilden

Interview mit Gerhard Helmers

62 Mit einem Glas Burgunder die

untergehende Sonne im Blick

Arno Landerer

65 Wellness und Wohlfühlen im

Markgräflerland

Kur und Bäder GmbH Bad Krozingen

66 Das Markgräflerland ist eine reiche

Schatzkammer

Jan Merk

70 Vertraut mit der Landschaft,

dem Wein und den Menschen

Josefine Schlumberger

73 40 Jahre Wassmer – Maschinen auf

höchstem Niveau

Wassmer Spezialmaschinen GmbH

74 Entwicklung und Produktion

von Arzneimitteln

Losan Pharma GmbH

78 Planungen für kommunalen

Wasser- und Straßenbau

Ingenieurbüro Raupach & Stangwald GbR

79 Sicherheit für Menschen und Werte

ZIEMANN GRUPPE

80 Weinlandschaften von mediterran

bis kontinental

Interview mit Peter Wohlfarth

84 Brückenkopf, Herzkammer und Notherberge

Dr. Thomas Schmidt

87 Eine Denkfabrik der Verfahrenstechnik

ystral gmbh

88 Die Trinkwasser-Experten aus Müllheim

Neoperl GmbH

90 Mit Leidenschaft unterwegs

Rast Reisen GmbH

92 Ankommen, wohlfühlen

und gesund werden

Theresienklinik Bad Krozingen

94 Regional und bundesweit:

mit Herz – fürs Herz

Universitäts-Herzzentrum Freiburg • Bad Krozingen

96 Herrliche Ausblicke und

vielfältige Kulturgeschichte

Schwarzwald-Panoramastraße


INHALT

Landkreis

Breisgau-Hochschwarzwald

Weggefährten

98 Drei Männer im ... Schwarzwälder

Skimuseum

Interview mit Georg Thoma, Hansjörg Eckert

und Alfred Faller

104 Natur erleben im Feldberggebiet

Benedikt Doll

106 Müllers Unlust am Wandern

Jess Jochimsen

108 Spaß, Action und Wellness

BADEPARADIES SCHWARZWALD

110 Der Feldberg punktet zu jeder Jahreszeit

Gemeinde Feldberg

112 Mit Spaß Leute für die Natur begeistern!

Achim Laber

116 Skisport-Mekka und Sonnenterrasse

Interview mit Franz Lickert

120 Badische Genüsse und

wunderbare Landschaften

Die Grüne Straße – Route Verte

122 Unterwegs mit liebevoll

kritischem Zeichenstift

Peter Gaymann

126 Grenzlos: Wein und gutes Essen

Interview mit Fritz Keller

130 Mehr als eine langjährige

freundschaftliche Beziehung

Interviews mit Brigitte Klinkert

und Landrätin Dorothea Störr-Ritter

136 Menschen begleiten und unterstützen

Caritasverbände Freiburg-Stadt und

Breisgau-Hochschwarzwald

138 Mit der Datenbrille schnell durchs Lager

ECOMAL Europe GmbH

140 Internationalität als Unternehmensgen

Kleyling Spedition GmbH

142 Ein Traum wird wahr: Weinprinzessin

für ein Jahr!

Madleen Baumgartner

144 Bodenständig – gottverbunden

Erzbischof Stephan Burger

146 Ein ideales Umfeld mit perfekten

Bedingungen

Interview mit Martin Fleig


8 9 INHALT

Landkreis

Breisgau-Hochschwarzwald

Weggefährten

150 (M)ein Himmelreich im Höllental

Jochen Lauber

153 Damit wird gebaut

Saint-Gobain Weber GmbH

154 Besonderes Modell für besondere

Wohnformen

wohnbau bogenständig eG

156 Historische Bausubstanz instand setzen

und nutzen

Sutter³KG

158 So kann es kommen oder ganz anders

Stefan Pflaum

162 Wie verlieben sich Menschen wieder

in die Natur?

Simon Straetker

166 Von der Côte d’Ivoire in den Fôret-Noire

Interview mit Cécile Verny

170 Grüne Straße – Route Verte,

ein europäischer Leuchtturm

Alfred Vonarb

176 Wo der Sport und das Theater

zu Hause sind

Interview mit Barbara und Alfred Rießle

180 Ort der Kindheit und des Heimwehs

Irene Fischer

184 Quell-Gedanken zwischen

Kapfen und Ohm

Monika Eder-Waubert de Puiseau

188 Wie aus Zahnrädern Antriebslösungen

werden

Franz Morat Group

190 Marktführer industrieller

Reinigungstechnik

Wandres GmbH micro-cleaning

192 Tief im schwarzen Wald do simer deheim

Nikolaus König

196 Die Uhr schlägt – das Entertainment

gibt den Takt

Hansy Vogt

200 Übersicht der PR-Bildbeiträge

174 Zeit-Geschichte aus dem Schwarzwald

Die deutsche Uhrenstraße


INHALT


10 11

LANDRÄTIN DOROTHEA STÖRR-RITTER

UNSERE

WEGGEFÄHRTEN

EDITORIAL DER LANDRÄTIN

DOROTHEA STÖRR-RITTER

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

kürzlich traute ich kaum meinen Augen: Da schaue ich mir am

Abend die Fernsehnachrichten an und siehe da, eine Meldung,

die aufhorchen lässt: In einer Deutschlandstudie der Prognos

AG für das ZDF zum Thema „Wo lebt es sich am besten“ liegt

der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald weit vorne im Ranking.

Insgesamt 401 Kreise und kreisfreie Städte in Deutschland

wurden untersucht. Und der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald

erreicht insgesamt den 11. Rang in dieser Skala. Bei den Aspekten

„Arbeit und Wohnen“ sogar Rang 8. Spitze ist der Landkreis

Breisgau-Hochschwarzwald bei der Lebenserwartung, bei

den Frauen Rang 1, bei den Männern Rang 3. Hier lässt es sich

im wahrsten Sinne also offenbar „gut leben“!

Genau dies bezeugen unsere „Weggefährten“ – höchst freiwillig

selbstverständlich –, die im Folgenden als Autoren mit ihren Beiträgen

dieses Buch bereichern.

Mancher von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wird vielleicht

noch das Erstlingswerk „AugenBLICKE“ in Erinnerung haben, das

wir vor fünf Jahren aus Anlass des 40-jährigen Bestehens des

Landkreises zusammen mit dem neomediaVerlag in ähnlicher

Form herausgegeben hatten. Dieses Mal nun haben wir zur

inhaltlichen Gliederung und Orientierung die touristischen

Straßen als „Wege“ verwendet, die durch unseren Landkreis

verlaufen. Die „Gefährtinnen und Gefährten“ am Weg sind

Persönlichkeiten aus allen gesellschaftlichen Bereichen und

Unternehmen, die dem Kreis verbunden sind, ihn mit ihrem


LANDRÄTIN DOROTHEA STÖRR-RITTER

Engagement zu etwas Besonderem machen und damit zur

Spitzenposition des Landkreises im angesprochenen Ranking

beitragen.

Die Straßen wurden ausgewählt, weil der Tourismus in unserem

Landkreis mit drei Weinbaubereichen sowie dem Hochschwarzwald

auch über die Region hinaus weltweit bekannte Destinationen

besitzt. Die Badische Weinstraße macht dabei den Anfang.

Die Route führt zu mehreren Höhepunkten im Kaiserstuhl, bevor

sie sich im Markgräflerland dann sogar in zwei parallele Routen

Richtung Süden teilt. Orte wie Vogtsburg, Breisach, Ihringen,

Glottertal, Ehrenkirchen, Staufen, Sulzburg, Müllheim, Auggen,

Heitersheim, Bad Krozingen säumen den Weg. Dann folgt die

Schwarzwaldpanoramastraße, die ihrem Namen alle Ehre

macht, mit wunderbaren Ausblicken, an guten Tagen bis ins benachbarte

Elsass. Von dort führt die Route Verte, die Grüne Straße,

bis zu uns in den Hochschwarzwald. Entstanden in den Tagen

der deutsch-französischen Versöhnung nach dem Zweiten

Weltkrieg ist die Route Verte ein Meilenstein auf dem Weg zum

vereinten Europa. Den Abschluss des Buches bildet dann das Kapitel

zur Deutschen Uhrenstraße, die nochmals ein ganz besonderes

Hauptaugenmerk auf die Geschichte der Industrialisierung

im Hochschwarzwald legt.

Entlang der touristischen Straßen zeigen sich in den interessanten

Beiträgen die ganze Vielfalt und die Stärken unseres Landkreises.

Es sind die persönlichen Blickwinkel der einzelnen „Weggefährtinnen

und Weggefährten“ auf ihre Heimat, teils geprägt


12 13 LANDRÄTIN DOROTHEA STÖRR-RITTER

durch ihr Schaffen und Wirken im Landkreis, teils geprägt von

Erlebnissen, teils mit einem Blick von außen, teils analysierend,

teilweise mit einem wohltuenden Schuss Humor und Ironie formuliert.

Und so ergibt sich ein Bild des Landkreises, wie es ehrlicher

und unverfälschter eigentlich nicht sein kann. Genießen

Sie, liebe Leserinnen und Leser, die in vielen persönlichen Interviews

entstandenen Geschichten. Lernen Sie dabei unseren

Landkreis – vielleicht auch ganz neu – kennen, zum Beispiel

auch als außergewöhnliche literarische Landschaft.

Es ist mir wichtig, allen, die als „Weggefährtinnen und Weggefährten“

dieses Buch begleitet haben, von Herzen zu danken.

Die Zeit aufzuwenden, um Gedanken zu sammeln, zu formulieren

und für ein „Vergelt’s Gott“ seine ganz persönlichen Sichtweisen

öffentlich preiszugeben, ist keine Selbstverständlichkeit.

Schön, dass wir solche Menschen bei uns haben dürfen.

Danken will ich auch allen Firmen und Institutionen, die als

Sponsoren die Chance nutzen, in diesem Buch ihre Leistungsfähigkeit

zu präsentieren. Der Landkreis ist stolz auf seine tatkräftigen

Unternehmerinnen und Unternehmer. Mit ihren

Belegschaften tragen sie tagtäglich und zuverlässig zu unserer

Stärkung als Wirtschaftsstandort bei. Das wissen wir zu schätzen.

Mein Dank gilt auch allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

im Haus, die mit ihrem außerordentlichen Tatendrang

zum Gelingen dieses Projekts beigetragen haben. Gleiches gilt

für Herrn Hubert Matt-Willmatt, der als externer redaktioneller

Begleiter mit seinen Kontakten, seiner Beharrlichkeit und seiner

Kreativität riesigen Anteil an der Umsetzung dieses Buches in

dieser professionellen Form hat.

Jetzt bleibt mir noch, Sie, liebe Leserinnen und Leser, aufzumuntern,

sich auf den Weg über die beschriebenen Straßen in

diesem Buch zu machen. Lassen sie sich dabei von den wunderschönen

Bildern und treuen „Weggefährten“ führen.

Ihre

Dorothea Störr-Ritter

Landrätin


LANDRÄTIN DOROTHEA STÖRR-RITTER

Badische Weinstraße

Vogtsburg

Kaiserstuhl und Tuniberg

Breisach

DREISAM

Glottertal

Freiburg im Breisgau

St. Peter

St. Märgen

B 500

Deutsche Uhrenstraße

RHEIN

A5

Bad Krozingen

Müllheim

Sulzburg

Staufen

BELCHEN

Kirchzarten

DREISAMTAL

Hinterzarten

FELDBERG

Feldberg

Schwarzwald-Panoramastraße

Titisee-Neustadt

TITISEE

Lenzkirch

Eisenbach

Löffngen

Grüne Straße

DIESES MAL NUN HABEN WIR ZUR INHALTLICHEN GLIEDERUNG UND ORIENTIERUNG DIE TOURISTISCHEN

STRAßEN ALS „WEGE“ VERWENDET, DIE DURCH UNSEREN LANDKREIS VERLAUFEN. DIE STRAßEN WURDEN

AUSGEWÄHLT, WEIL DER TOURISMUS IN UNSEREM LANDKREIS MIT DREI WEINBAUBEREICHEN SOWIE DEM

HOCHSCHWARZWALD AUCH ÜBER DIE REGION HINAUS WELTWEIT BEKANNTE DESTINATIONEN BESITZT.


14 15

BADISCHE WEINSTRAß E

EINSTIEG


Müllheim liegt

eingebettet in den

Rebhügeln der Markgräfler

Vorbergzone

EINSTIEG

BADISCHE WEINSTRAß E

Vogtsburg

Kaiserstuhl und Tuniberg

RHEIN

Breisach

DREISAM

GLOTTERTAL

Freiburg im Breisgau

B 500

Verwinkelte Gassen und

badische Gastronomie

in der mittelalterlichen

Altstadt von Staufen

A5

Bad Krozingen

DREISAMTAL

Sulzburg

Staufen

BELCHEN

FELDBERG

TITISEE

Müllheim

Idyllische Weinregion und kulinarische Highlights

DIE BADISCHE WEINSTRAßE

Runde 500 km lang ist die Badische Weinstraße mit ihrem

60. Geburtstag im Mai 2014 geworden, denn im Jubiläumsjahr

wurde sie um Strecken im Taubertal, an der

Badischen Bergstraße und im Kraichgau erweitert.

Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ist einer der wenigen

Landkreise in Baden-Württemberg, der unterschiedliche

Weinbauregionen beheimatet. Im nördlichen Bereich des

Kreises liegt der Breisgau, bekannt nicht nur durch den Glottertäler

„Roter Bur“. Verläuft die Badische Weinstraße immer

der rebbestockten Vorbergzone des Schwarzwaldes entlang,

so bilden im Westen des Kreises die vulkanische Erhebung

des Kaiserstuhls mit der landesweit größten weinbautreibenden

Gemeinde Vogtsburg und der kalksteinhaltige Tuniberg

einen besonders erlebnisreichen Verlauf. Hier gedeihen

die Burgundersorten, wie Grau- und Spätburgunder, prächtig.

Die einst umstrittenen Rebterrassierungen prägen wie die

traditionellen Steillagen das Gesicht der Weinlandschaft. Im

Süden dehnt sich der Landkreis weit in das Weinbaugebiet des

Markgräflerlands aus. Seit 1780 dominiert, bedingt durch das

Engagement des Markgrafen Friedrich von Baden, der Gutedel

den Sortenspiegel.

Unterkünfte in Weinhotels, Führungen mit Weinerlebnisführern,

Weinlehrpfade in den Weinbergen, eine zeitgemäße

Weinarchitektur, Weinverkostungen in Winzergenossenschaften

und bei privaten Weinbaubetrieben sowie gemütliche Einkehr

in Straußenwirtschaften, historischen Dorfgasthäusern oder

(sternebekränzten) Restaurants lassen

die Badische Weinstraße zum

kulinarischen Erlebnis werden.

(www.badische-weinstrasse.de)

Sulzburg mit seinen Weinbergen,

stattlichen Wäldern und

üppigen Wiesen


16 17

BADISCHE WEINSTRAß E

TOMI UNGERER

TOMI

UNGERER

geb. 1931 in Straßburg | Kinderjahre während der deutschen Besatzung

in Logelbach bei Colmar | Vater Théodore war Turmuhrenfabrikant, der

bereits 1935 verstarb | unstete Wanderjahre durch Frankreich und ganz Europa

– landet kurz bei der Fremdenlegion | 1956 Auswanderung in die USA

– Erfolg mit dem Kinderbuch der „Mellops“ | erfolgreicher Werbegrafiker,

gesellschaftskritischer Karikaturist, der u. a. mit erotischen Zeichnungen

provoziert | in der McCarthy-Ära Übersiedlung nach Neuschottland, später

als Farmer nach Irland | international bekannter Künstler, mit zahlreichen

renommierten Preisen ausgezeichnet | 2007 Eröffnung des Musée Tomi

Ungerer in Straßburg mit Dauer- und Wechselausstellungen

ZWISCHEN

ROMANTIK UND WITZ

TOMI UNGERER BERICHTET, WIE ER IM OBERMÜNSTERTAL DAS

„PARADIES AUF ERDEN“ GEFUNDEN HAT UND DER LANDSTRICH

IHN IN SEINEN WERKEN INSPIRIERT HAT.

Ich liebe den Schwarzwald und das Elsass. Der Schwarzwald

mit seiner romantisch abwechslungsreichen „deutschen“

Landschaft hat mich besonders bei den Zeichnungen zum

„Großen Liederbuch“ stark und inspirierend beeinflusst. Gerade

die vom Schwarzwald insgesamt ausgehende Ruhe habe ich

schätzen gelernt.

Ein Freund riet mir vor fast drei Jahrzehnten, nachdem ich mich

von einer Operation erholen sollte, zu einem Aufenthalt im Romantik

Hotel Spielweg im Obermünstertal. Ich kannte den Ort

nicht und kam nach der Fahrt über den Rhein und durch Freiburg

dann in diesem fast zeitlos erscheinenden und aus der Zeit

gefallenen Münstertal, das sich am Fuße des Blechens befindet,

gespannt und zugleich neugierig an. Es klingt enthusiastisch,

wenn ich sage: „J’ai enfin trouvé mon paradis sur terre – Im

Spielweg habe ich endlich mein Paradies auf Erden (und im

Wald) gefunden.“

Seit 1861 und damit heute in der sechsten Generation ist das

charmante Hotel Spielweg im Besitz der Familie Fuchs. Ich war

sofort begeistert vom herzlichen Empfang und der Großzügigkeit

der damaligen Gastgeberfamilie Josefine und Hans-Jörg

Fuchs und ihres Sohnes Karl-Josef mit seiner Frau Sabine. Schnell

waren freundschaftliche Bande geknüpft und ich konnte meine

Mahlzeiten zusammen mit der Familie und den Angestellten

hinter der Holzwand in der Alten Stube einnehmen. Wir parlier-


TOMI UNGERER

BADISCHE WEINSTRAß E

Badische Gastfreundschaft

Seit 1861 und damit heute in der sechsten Generation

ist das Hotel Spielweg im Obermünstertal im

Besitz der Familie Fuchs. Badische Gastfreundschaft

und ausgezeichnete Kochkunst gehen hier Hand in

Hand. Jägersmann Karl-Josef Fuchs hat Tomi Ungerer

zu einer Reihe von humorvollen Zeichnungen zum

Thema Jagd inspiriert, die im Hotel zu sehen sind.

Münstertal

ten und sprechen immer noch auf Deutsch – Elsässisch-alemannisch,

Französisch und Englisch, wie es halt passt!

Karl-Josef Fuchs hat mich als ein großer Jägersmann „vor dem

Herrn“ sehr beeindruckt, vor allem auch damit, dass das erlegte

Wildbret zu herrlich mundenden Speisen zubereitet wurde. Ich

wollte einfach zum Zeichen der Dankbarkeit, auch für diese

außergewöhnliche Freundschaft, ein paar grafische „Überbleibsel“

hinterlassen. Die zeichnerischen Resultate sind wie immer

voller Humor und einer Portion Frechheit – ohne die beiden

Elemente kann ich nichts zeichnen.

Die Jagdszenen haben dann 1999 Eingang in das Buch „Hallali –

Waidmanns Last & Lust“ gefunden, wo ich im Vorwort schrieb:

„Das Glück, das ich empfinde, wenn ich die Ruhe und den Frieden

des Ortes genieße, findet man in den Zeichnungen wieder…“

Die Originale hängen in der Ungerer-Stube – und der Käse,

den Karl-Josef seit 1995 herstellt, wird auf dem von mir entworfenen

Käseteller serviert, auf dem ein Fuchs eine Kuh melkt... die

Weinedition Spielweg ziert ein jagdliches Etikett aus Hallali.

Wie Thérèse Willer, die Leiterin des Tomi-Ungerer-Museums

richtig festgestellt hat, ist es das Tiermotiv, was mich seit meiner

Kindheit beschäftigt, denn meine Mutter brachte mir die Liebe

zur Natur bei. „Meine Mutter betrachtete jedes Lebewesen, sei

es ein Tier oder eine Pflanze, als ein Wunder der Schöpfung“,

schrieb ich im Buch Tierleben.

„Zahlreiche Zeichnungen, Beobachtungsstudien und Illustrationen

für Kinder zeugen vom großen Interesse an diesem Stoff“,

meint Thérèse Willer, „und im Buch Amnesty Animal macht sich


18 19 BADISCHE WEINSTRAß E TOMI UNGERER

Ungerer gar zum Verteidiger der vom Menschen misshandelten

Tierwelt. Die Jagd als Thema eröffnet ihm einen neuen künstlerischen

Horizont, bei dem er sich nicht mit einer satirischen Darstellung,

ähnlich wie bei Daumier, wo das Wild den Jäger jagt,

zufrieden gibt. Er erfindet immer neue Konstellationen dieses

Gespanns in immer neuen unerwarteten Situationen. Er stellt

den Jäger mit seinem Tierpartner als Torero dar, als Gast einer

Bar, als Dirigent eines Orchesters, als Krankenträger oder als

Trauernder bei der Aufbahrung eines Hirsch in einem Sarg.

Doch Ungerer treibt es noch weiter und macht den Jäger zum

Zeugen gewagter Liebesszenen, wo sich Fuchs und Hase nicht

nur ‚Gute Nacht‘ sagen… Der Stil der Zeichnungen in dieser

Serie ist geprägt von Wilhelm Busch und den Künstlern des

Biedermeiers. Mit leichter Feder aufs Blatt geworfen, wurden die

Zeichnungen mit luftigen Pinselstrichen angereichert und dann

auf skurrile Weise einander gegenübergestellt oder als Collagen

mit Pflanzen dargestellt.“


TOMI UNGERER

BADISCHE WEINSTRAß E

„Mein Bleistift tritt an die Stelle des Jagdgewehrs“, hat Ungerer

zu Recht geschrieben, meint Thérèse Willer: „Hier zeigt sich das

wahre Talent des Künstlers – er zielt und trifft ins Schwarze, indem

er das Thema vermeintlich ernst behandelt und dabei ein

Lächeln, wenn nicht ein Lachen hervorruft. Ist das nicht das

Wesen eines Witzes, wie man ihn gerne im Alemannischen anwendet?

Genau das gefällt Tomi Ungerer, der sich sowohl auf

der einen wie auf die andere Seite des Rheins zu Hause fühlt“.

DIE ZEICHNERISCHEN RESULTATE SIND WIE

IMMER VOLLER HUMOR UND EINER PORTION

FRECHHEIT – OHNE DIE BEIDEN ELEMENTE

KANN ICH NICHTS ZEICHNEN.


24 25 BADISCHE WEINSTRAß E JAKOB SCHNEIDER

JAKOB

SCHNEIDER

geb. 1994 in Ihringen am Kaiserstuhl | Studium der Biologie sowie

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft an der Ruhr-Universität Bochum

| im Breisacher Ruderverein das Rudern erlernt | mit einer Größe

von 1,98 m und einem Gewicht von 96 kg mittlere Position im

Deutschland-Achter | aktueller Verein: Ruderklub am Baldeneysee

| bisherige internationale Erfolge: 2012 Bronze bei den

Juniorenweltmeisterschaften im „Vierer ohne Steuermann“, 2014

U23-Vizeweltmeister im „Vierer ohne Steuermann“, 2015

Vizeweltmeister im „Zweier mit Steuermann“, 2016 Bronze bei den

U23-Weltmeisterschaften im Achter | 2017 und 2018 Weltmeister,

Europameister und Gesamtweltcupsieger im Achter

RUDERN, STUDIUM

UND AB UND ZU HEIMAT

DER PLATZ DES KAISERSTÜHLERS JAKOB SCHNEIDER IM DEUTSCHLAND-

ACHTER IST IN DER MITTE DES BOOTES UND DAMIT GENAU DORT, WO DIE

KRAFT SITZT, UM DAS BOOT ZU BESCHLEUNIGEN.

Wenn man an einem Sonntagmorgen in Breisach

einen Spaziergang am Rhein macht, kann man

stets Boote sehen, die ruhig über das Wasser gleiten.

Vom Zielturm, der an den Regattatagen das

Ende der Rennen markiert, geht es zuerst flussaufwärts Richtung

Basel und irgendwann wieder zurück an den Steg. Glaubt

man der Version meiner Mutter, dann wurde die Idee, mich mal

zum Schnupperkurs beim Breisacher Ruderverein anzumelden,

an einem solchen Sonntagmorgen geboren.

Was in dieser Version der Geschichte fehlt, aber genauso zum

Rudern gehört, sind die Männer, die auf Fahrrädern oder Motorbooten

neben den Booten herfahren und ihre Anweisungen

und Kommandos laut schreiend zu ihren Ruderern hinüber-

rufen. Der Trainer ist im Rudersport genauso entscheidend wie

die Kameraden im Team, da ein gutes Boot nicht von allein zusammenfindet

und da es gerade ihre Arbeit ist, das Boot schnell

zu machen. Rudern ist immer ein Knochenjob, aber ein gut abgestimmtes

Boot hat eine Kraft, die aus der Abstimmung rührt.

Mein erster Vierer in Breisach hatte das Glück, von einem wirklich

engagierten und guten Jugendtrainer gefördert zu werden.

Im Vierer von damals, mit dem wir Zweite bei den Landesmeisterschaften

wurden, war ich noch der Kleinste. Das Gardemaß

fürs Rudern habe ich erst viel später erreicht.

Meinen ersten Kaffee habe ich auch erst dann getrunken, als ich

knapp zwei Meter erreicht hatte – was auch ein gewisses Maß

an (notwendiger) Verrücktheit erkennen lässt, da mein damali-


JAKOB SCHNEIDER

BADISCHE WEINSTRAß E

ger Trainer Raphael meinte, dass optimales Wachstum nur mit

Nachtschlaf und dem dazugehörigen Verzicht auf Kaffee erreichbar

sei. Trainer sind Weggefährten, die mich immer auch

geprägt haben – auch wenn sie nicht mit im Boot sitzen.

Nach dem Abschluss der Mittleren Reife an der Hugo-Höfler-

Schule in Breisach hatte ich einen Platz am Biotechnischen

Gymnasium in Freiburg. Das wäre für größere sportliche Ansprüche

wahrscheinlich das Aus gewesen. Da tat sich auf einmal

eine Tür auf, und ich zog – gerade 16 geworden – mit meinem

Teamkollegen Ben aus dem Breisacher Vierer nach Essen, um

mich an der dort ansässigen Eliteschule des Sports auf das Abitur

und unter optimalen Bedingungen auf den Einstieg in den

Leistungssport vorzubereiten. Dabei habe ich Aufnahme im

Ruderclub am Baldeneysee gefunden. Während mein Kollege

irgendwann das Leistungsrudern aufgab und sich anderweitig

engagierte, blieb ich dem Metier treu.

An den Wänden des Internats hingen immer

wieder auch Bilder von Absolventen, die

einen großen sportlichen Erfolg verbuchen

konnten. Als ich einzog, überlegte ich, ob mir

der Einzug in die internatsinterne „Hall of

DER RHEIN BEI BREISACH,

GESCHÜTZT HINTER DEN

UFERWEGEN, IST SICHERLICH

EINE DER SCHÖNSTEN RU-

DERSTRECKEN DER WELT.

Fame“ wohl gelingen würde. Mittlerweile müsste auch ein Bild

von mir dort irgendwo aufgehängt sein. Der Wechsel nach

Essen fiel mir nicht immer leicht, aber es war wirklich der richtige

Zeitpunkt – und ich konnte mich in der neuen Umgebung

gut entwickeln. Für das Abitur hatte ich gute Französischkenntnisse

aus meiner Intensivklasse in Breisach mitgebracht, die

mich bis zum Abschluss trugen. Gedankt sei es der Rheinschiene.

Gekrönt wurde die Essener Zeit dann mit dem Deutschen

Meistertitel im Vierer bei den Junioren und dem dritten Platz mit

demselben Boot bei den U19-Weltmeisterschaften.

Bei der Weinlese am Kaiserstuhl in den Weinbergen meiner

Eltern in Ihringen oder meiner Großeltern in Kiechlinsbergen

konnte ich nun nur noch ganz selten helfen. Der Erfolg forderte

aber noch eine stärkere Konzentration der Kräfte.

So war der Umzug nach Dortmund, um am

dortigen Olympiastützpunkt, der Heimat der

deutschen Riemen-Nationalmannschaft und

somit auch des Deutschland-Achters, trainieren

zu können, der nächste notwendige

Schritt. Der neue Balanceakt in Dortmund

bestand darin, ein härteres Training zu absol-


26 27

BADISCHE WEINSTRAß E

JAKOB SCHNEIDER

vieren, um an das Leistungsniveau der anderen Kaderathleten

heranzukommen und zugleich auch den Weg ins Studium an

der nahe gelegenen Ruhr-Universität in Bochum zu finden.

Wieder gab es Gefährten, von denen ich mich trennen musste.

Aber mit jeder Tür, die zuging, gingen auch neue Türen auf.

Manche Gefährten trifft man auch mehrmals, so sitzt Johannes,

einer der Gefährten aus dem U19-Vierer, nun mit mir im

Deutschland-Achter. Wir haben ein paar Jahre in einer Ruderer-

WG zusammengewohnt und holten 2014 den Vizeweltmeistertitel

bei der U23-WM am Lago di Varese in Italien.

Das sind für mich als Ruderer die wohl wichtigsten Weggefährten:

die Bootspartner – meistens die Zweierpartner, mit denen

man sich für eines der größeren Boote, die aus den Zweiern

zusammengesetzt werden, qualifiziert und mit denen man

manchmal mehr Zeit verbringt als mit der eigenen Freundin. Ich

hatte bisher das Glück, immer wieder den richtigen „Gefährten“

zu finden. Angefangen mit dem Breisacher

Partner, mit dem ich ins Internat ging, bis zu

meinem jetzigen Zweierpartner Hannes, der

in unserem Boot Schlagmann ist. Gefährten

sind Menschen, die mit mir im Boot sitzen

und auf die ich mich für eine gewisse Wegstrecke

verlassen kann und die sich genauso

auf mich verlassen können.

IN ZWEI JAHREN SIND DIE

Der Rhein bei Breisach war immer wieder vor den großen Wettkämpfen,

wie den Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen,

auch Trainingsstätte für den Deutschland-Achter. So kam ich

als Dreizehnjähriger an ein Poster mit allen Unterschriften des

damaligen Achters, das von nun an in meinem Zimmer hing.

Einmal in den Deutschland-Achter zu kommen, war zu dieser

Zeit jedoch nie mein Ziel, dafür war der Abstand zu den Sportlern,

die wir eher als Helden bewunderten, einfach noch zu

groß.

2017 war dann das Jahr, in dem der große Kraftaufwand belohnt

wurde. Ich wurde für den Deutschland-Achter nominiert. Und

ich weiß noch genau, wie zu der Freude über die Nominierung

sich sogleich auch das Gefühl der Verantwortung einstellte: Du

OLYMPISCHEN SPIELE IN TO-

KIO. NATÜRLICH MÖCHTE ICH

DABEI SEIN. UND DANACH AM

KAISERSTUHL AUSSPANNEN.

bist jetzt nicht im Boot, um dabei zu sein, sondern um dein

Bestes zu geben – am besten, um zu gewinnen.

Dann gab es die Siegesserie, wir gewannen den Gesamtweltcup,

stellten eine neue Weltbestzeit auf, gewannen den Grand

Challenge-Cup bei der traditionsreichen Henley-Regatta in England

und wurden am Ende der Saison in Sarasota Weltmeister.

Auch in der Saison 2018 habe ich mit meiner Leistung das Vertrauen

der Trainer gewinnen können, um wieder für den begehrten

Achter nominiert zu werden. Während wir in der letzten

Saison mit unserer Leistung alle überraschen konnten, sind

wir nun von Beginn an die Favoriten und damit auch die Gejagten.

So schön es ist, in meinem Verein in Essen nach einer erfolgreichen

Saison gefeiert zu werden, so schön ist es auch, beim Breisacher

Ruderverein oder in meiner Geburtsgemeinde Ihringen

zu sein. Die Besuche sind meist kurz und

spontan und dauern selten länger als zwei

Tage – nur an Weihnachten sind es dann

auch mal vier Tage, bevor es ins Trainingslager

in den Süden geht.

An diesem Ab-und-Zu wird sich, solange ich

vorne dabei sein möchte, nichts ändern. Aber

dieses Ab-und-Zu heißt immer wieder auch

Kraft tanken können, ob es bei den Eltern, den Freunden oder

an einem Trainingstag mit dem Jugendachter des Breisacher

Rudervereins ist. Der Rhein bei Breisach, geschützt hinter den

Uferwegen, ist sicherlich eine der schönsten Ruderstrecken der

Welt – mit an vielen Tagen wunderbar glattem Wasser. Um ganz

nach vorne zu kommen, muss man aber auch in raueren Gewässern

rudern lernen.

In zwei Jahren sind die Olympischen Spiele in Tokio. Natürlich

möchte ich dabei sein. Und danach am Kaiserstuhl ausspannen

– auch um ein paar Gefährten oder eben auch mal den Zielturm

am Rhein wieder zu sehen. Schön sind Zieltürme ja selten, aber

beim Rennen, wenn es darauf ankommt, sind sie das Maß aller

Dinge – auf jeden Fall für einen Ruderer.


98 99 SCHWARZWALD-PANORAMASTRAßE GEORG THOMA / HANSJÖRG ECKERT / ALFRED FALLER

Interview mit Georg Thoma, Hansjörg Eckert und Alfred Faller

DREI MÄNNER IM ...

SCHWARZWÄLDER SKIMUSEUM

Georg Thoma | geb. 1937, verheiratet, eine Tochter | Hütejunge, Holzfäller, Gebirgsjäger, Postbote, staatl. gepr. Skilehrer, Tennislehrer, TV-Kommentator | 1960 Olympiasieger

in der Nordischen Kombination in Squaw Valley | 1964 Bronzemedaillengewinner in der Nordischen Kombination bei den Olympischen Spielen in Innsbruck | 1963

bis 65 dreimal in Folge Sieger der Nordischen Kombination am Holmenkollen in Oslo | 19 Mal Deutscher Meister | 1966 Weltmeister in der Nordischen Kombination | 1960

Sportler des Jahres | achtfacher Seniorenweltmeister im Skilanglauf | begeisterter Mountainbiker | Initiator des 1997 eröffneten Schwarzwälder Skimuseums in Hinterzarten

Hansjörg Eckert | geb. 1946, verheiratet, zwei Töchter | Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) | Hauptamtsleiter der Gemeinde Kirchzarten | Ski-Club Vorsitzender

in Kirchzarten | 1986 bis 2010 Bürgermeister von Hinterzarten | Organisation der 850-Jahrfeier von Hinterzarten und Breitnau | 2004 offzielle Verschwisterung mit

Eguisheim-Elsass | 1996 bis 2002 Präsident des Schwarzwald Tourismus Verbandes | Bundesvorsitzender des Verbandes Heilklimatischer Kurorte Deutschland | Mitbegründer

der Hochschwarzwald Tourismus GmbH | 2016 Südbadischer Sportpreis

Alfred Faller | geb. 1948, verwitwet | Jugend am Thurner | Volksschule St. Märgen-Schweighöfe | dreijährige Handelsschule in Neustadt | Abitur am Walter-Eucken Wirtschaftsgymnasium

in Freiburg | Studium an der Päd. Hochschule in Freiburg | ab 1972 Lehrer in Bonndorf | 2002 bis 2012 Rektor der Grundschule Bonndorf | ehrenamtlicher

Leiter des Skimuseums seit 1. Januar 2013


GEORG THOMA / HANSJÖRG ECKERT / ALFRED FALLER

SCHWARZWALD-PANORAMASTRAßE

IM SONNIGEN HERRGOTTSWINKEL DER GEORG-

THOMA-STUBE DES SCHWARZWÄLDER SKIMU-

SEUMS SITZEN DIE DREI „MACHER“ DES SKI-

MUSEUMS AN EINEM MASSIVEN, ECHTEN UND

AUTHENTISCHEN HOLZTISCH: DIE SKILEGENDE

GEORG THOMA, DER EHEMALIGE, LANGJÄHRIGE

BÜRGERMEISTER HANSJÖRG ECKERT UND DER

LEITER DES MUSEUMS ALFRED FALLER.

Herr Thoma, Ihre Lebensgeschichte haben Sie recht oft erzählen

müssen, zuletzt im August 2017 an Ihrem 80. Geburtstag. Viel ist

über Sie und Ihre Karriere geschrieben worden?

Thoma: Ja, das stimmt, ich meine sogar viel zu viel ist über mich

geschrieben worden. Manchmal staune ich immer noch, was ich

in meinem Leben alles erleben durfte. Ich war und blieb immer

geerdet und bescheiden, als junger Hütebub auf dem einsam

gelegen Wunderlehof war ich barfuß und dadurch der Schwarzwald-Natur

und den wärmenden Kuhfladen zwar sehr nahe,

aber auch der harten Arbeit. Ich bin da reingewachsen und

niemand hat sich Fragen wegen Kinderarbeit gestellt, ich habe

die Wiese gemäht und Kartoffeln gesetzt, das war für mich alles

normal. Ebenso normal war der sechs Kilometer lange Schulweg,

den ich im Winter mit den Skiern zurückgelegt habe. Als Jugendlicher

bin ich mit heute abenteuerlich anmutenden Brettern von

der Hochfirstschanze gesprungen und ab 1950 mehrmals

Schwarzwaldjugend- und Deutscher Jugendmeister, 1958 erstmals

Deutscher Meister geworden. Die Olympiateilnahme 1960

in Squaw Valley hat dann alles verändert, doch etwas Besonderes

habe ich damit nicht geleistet. Ich habe halt als Kombinierer eine

goldene und danach eine bronzene Olympiamedaille geholt.

Im Skimuseum kann man aus einem alten Radio, das neben der

„Chuscht“ (Kachelofen) steht, lauschen, mit welchem Jubel der

Sportreporter aus den USA von Ihrem Erfolg berichtete.

Thoma: Da gab’s noch eine kleine Panne, mir war entgangen,

dass die gesamtdeutsch angetretene Mannschaft sich bei einer

Ehrung auf Beethovens Neunte als Musikstück geeinigt hatte.

Ich hatte die deutsche Nationalhymne erwartet und als die

nicht kam, meinte ich: „Di hän falsch gschpielt.“ (Die haben die

falsche Hymne gespielt).

Und der anschließende Empfang in Hinterzarten gestaltete sich

triumphal?

Thoma: Es waren an die 25.000 Besucher in unser Dorf gekommen

und Bürgermeister Ketterer, der neben mir im offenen

Wagen saß, ermunterte mich immer zum Winken, während

meine Mutter mahnend fragte: „Jörgle wa häsch au du do

agschtellt?“ (Was hast du denn da angestellt?).

Damit waren Sie in Deutschland zu einer Berühmtheit und

einem sportlichen Idol geworden und wurden in der Bekanntheit

mit Max Schmeling, Rudi Altig und Uwe Seeler gleichgesetzt?

Thoma: Mir waren diese Vergleiche immer etwas peinlich, klar,

ich bekam das Silberne Lorbeerblatt aus der Hand des Bundespräsidenten,

wurde zum Sportler des Jahres gewählt. Und Fritz

Walter aus der Fußballmannschaft von 1954, die die WM gewonnen

hatte, war 1960 Trauzeuge bei der Hochzeit mit meiner Frau

Annemarie, die aus Bahlingen am Kaiserstuhl stammt.

Der Kreis Breisgau-Hochschwarzwald wurde ja erst 1973

gegründet – meine Annemarie und ich kennen uns seit 1957

und leben diese glückliche Verbindung damit schon erheblich

länger...

Und was war ein besonders markantes Erlebnis in Ihrer aktiven

Laufbahn?

Thoma: Immer wieder gerne erinnere ich mich an den norwegischen

Kronprinzen und späteren König Olav V., der selbst ein

begeisterter Skifahrer war und der mich bei der Siegerehrung der

legendären Holmenkollen-Skispiele, die ich dreimal gewonnen

hatte, mit den Worten begrüßte: „Herr Thoma, Sie schon wieder?“

Im Mekka des nordischen Skisportorts Holmenkollen in Oslo befindet

sich im Schanzenturm seit 1923 ein Skimuseum. Wenn es

mal schneite oder stürmte und wir nicht springen und laufen

konnten, bin ich halt ins Museum. Die ausgestellten Skier haben

mich nicht so interessiert, diese Modelle kannte ich ja – mich faszinierte

dort die Geschichte des Skisports. Und ich fand, so ein Skimuseum

sollten wir im Schwarzwald doch auch hinbekommen.

Das war beim 50. Geburtstag Georg Thomas 1987 der Startschuss

zum Schwarzwälder Skimuseum in Hinterzarten?

Eckert: Ich war gerade ein Jahr ins Amt gewählt worden und es

war klar, dass der runde Geburtstag von Georg Thoma zu einem


100 101 SCHWARZWALD-PANORAMASTRAßE GEORG THOMA / HANSJÖRG ECKERT / ALFRED FALLER

besonderen Anlass werden sollte. Der großartige Sportler wurde

zum Ehrenbürger der Gemeinde Hinterzarten ernannt und

äußerte dabei öffentlich seinen Wunsch, ob es nicht möglich

wäre, ein Museum einzurichten, das die Geschichte des

Schwarzwälder Skisports dokumentieren könnte? Im Schwarzwald,

in Todtnau, wurde bekanntlich 1891 der erste deutsche

Skiclub gegründet; die 1900 auf dem Feldberg ausgetragenen

Meisterschaften werden vom Deutschen Skiverband (gegründet

1905) als erste Deutsche Meisterschaften gelistet…

Und ein passendes Gebäude war rasch gefunden?

Eckert: Mit dem 1446 erbauten und nach einem Brand 1788

wieder aufgebauten gemeindeeigenen Hugenhof, einem Hof,

den es heute in der Form nicht mehr gibt, waren recht schnell

Räume für ein Museum gefunden. Mit Theo Gremmelspacher

aus Hinterzarten wurde ein sachkundiger Architekt ausgemacht,

der die Umbau-Baukosten auf happige 700.000 D-Mark schätzte.

Als wir hörten, was der Umbau kosten würde, schauten wir

uns zunächst erschrocken an, aber wir packten es auch an.

Einen „Konjunktiv“ gibt’s in unserem Sprachgebrauch nicht. Die

Finanzierung lief dann zu einem Großteil über ein LEADER-

Projekt, das die Kosten zu fast 70 Prozent deckte.

Wie kamen Sie aber an das noch benötigte Restkapital?

Eckert: Georg Thoma und auch ich verzichteten bei unseren

runden Geburtstagen auf Geschenke und baten stattdessen um

finanzielle und Sachspenden für das geplante Museum. Mit tatkräftiger

publizistischer Begleitung durch den Freiburger Sportreporter

Werner Kirchhofer, durch viele kleine und besonders

große Spenden von Erivan und Helga Haub (Tengelmann), die

Georg Thoma seit der Jugendzeit kannte, wurde das Projekt verwirklicht.

Ein Highlight war die Spende eines Ehepaares aus

Norddeutschland, das sich von mir unbedingt an einem

„Schmutzigen Dundschdig“ (Schmutziger Donnerstag, Fastnachtsbeginn)

im Skimuseum trauen lassen wollte. Ich versuchte

zu erklären, dass die Fasnet bei uns ein hoher lokaler Feiertag

sei, an dem eigentlich keine Trauungen stattfänden. Die Trauung

fand statt. Dafür kam eine sechsstellige Spende für das

Skimuseum. Zahlreiche Handwerker arbeiteten „im Jörgle zlieb“

(Georg Thoma zuliebe), ohne einen Arbeitslohn zu verlangen.

Und für die Innengestaltung des Museums räumten Sie zu Hause

Ihre Schränke?

Thoma: Ich hatte alle Pokale und Medaillen zu Hause in einem

Schrank verwahrt und konnte sie ins Museum geben – relativ

oft fuhren Leute einfach zu unserem Haus, wollten mit mir sprechen

und alles anschauen. Nach der Einrichtung des Museums

konnte ich immer sagen, ich bin hier nur der Gärtner, der Herr

Thoma ist nicht zu Hause und alle seine Pokale sind im Museum.

Die Museumskonzeption konnte die Gemeinde aber nicht

leisten?

Eckert: Als Bürgermeister gehörte das ja nicht zu meiner

Hauptaufgabe, aber es war uns ein Herzensanliegen. Mit dem

Gemeinderat haben wir in meiner 24-jährigen Dienstzeit große

Maßnahmen durchgeführt. Wir haben 30 Mio. € in verschiedene

Projekte investiert. Dafür 15 Millionen Zuschüsse erhalten. Zum

Beispiel die Adlerschanze, auf der Georg Thoma 1964 einen

Rekordsprung absolvierte, auf drei Schanzen erweitert und zu

einem Adler-Skistadion umgebaut.

Ich habe mich beim Skimuseum auf Anraten von Dr. Maximilian

Triet, dem Leiter des Schweizer Sportmuseums in Basel, an das

Freiburger Institut für Volkskunde gewandt und zwei Absolventinnen,

Elke Gaugele und Sibylle Scharrenberg, für die Konzeption

gewinnen können. Frau Gaugele, eine Schwäbin, hat vorher

noch nie auf Skiern gestanden, doch das ermöglichte ihr, das

Museum mit einem gewissen Blick von außen einzurichten,

sodass es bei den Besuchern von Anfang an begeistert aufgenommen

wurde. Die ehemalige Wohnstube, die Georg-Thoma-

Stube, behielt ihren Charakter als „Bauernstube“, die nicht mit


GEORG THOMA / HANSJÖRG ECKERT / ALFRED FALLER

SCHWARZWALD-PANORAMASTRAßE

Vitrinen ausgestattet wurde, sondern auch als Trauzimmer der

Gemeinde genutzt werden kann.

Zum 60. Geburtstag von Georg Thoma erfolgte 1997 die

Einweihung?

Thoma: Ja, das war ein großer Tag, auch weil Ministerpräsident

Erwin Teufel mir das Bundesverdienstkreuz überreichte. Im Skimuseum

fanden sogar Besprechungen der baden-württembergischen

Ministerien mit den Ministern und Staatssekretären

statt. Zahlreiche prominente Skifahrer wie Willy Bogner und

Markus Wasmeier, der Porsche-Vorstand, das literarische Quartett

und der Verleger Hubert Burda, selbst ein guter alpiner Skifahrer,

mit seiner Frau Maria Furtwängler waren schon hier. Auf

ihr Anraten ließ ich mich von der Fotografin Jorinde Gersina für

eine neue Autogrammkarte ablichten…

Mit Georg Thoma und seinen sportlichen Erfolgen war der

„nordische“ Teil des Skisports abgedeckt…

Eckert: Genau, der alpine Bereich war im Museum unterrepräsentiert,

so kam die Idee auf, den ehemaligen Stall für einen weiteren

Umbau ins Auge zu fassen. Als LEADER-Projekt erhielten

IM HOLMENKOLLEN/OSLO BEFINDET SICH EIN SKIMUSE-

UM – UND ICH FAND, SO EIN SKIMUSEUM SOLLTEN WIR

IM SCHWARZWALD DOCH AUCH HINBEKOMMEN.

Georg Thoma

wir als Spezialmuseum eine Förderung von 90 Prozent. Dieser

Gebäudeteil wurde dann 2007 und pünktlich zu Georg Thomas

70. Geburtstag eingeweiht. Dort finden nun verschiedene Veranstaltungen

für einen größeren Publikumskreis statt.

Wie wurden Sie denn Museumsleiter?

Faller: Seit den 1990er-Jahren bin ich wohnhaft in Hinterzarten,

war Lehrer und später Rektor an der Grundschule in Bonndorf.

Ich trainierte im Skiclub Bonndorf die Skijugend und konnte

einige Mädchen und Jungen für den weißen Sport und zu Wettkämpfen

begeistern. Bei einem Besuch mit meinen Schülern im

Skimuseum, der regelmäßig auf dem Programm stand, führte

uns Georg Thoma persönlich durch „sein“ Museum. Dabei wurde

ich von Georg Thoma angesprochen, ob ich mir vorstellen

könne, nach meiner Pensionierung als Museumsleiter des seit


102 103 SCHWARZWALD-PANORAMASTRAß E

GEORG THOMA / HANSJÖRG ECKERT / ALFRED FALLER

Anbeginn von einem Förderverein betriebenen Museums tätig

zu werden, und auf diese Weise kam die Sache ins Rollen.

Eckert: Die Hinterzartener Ganztagsgrundschule erhielt 2015

auch den Namen Georg-Thoma-Schule und in Freiburg wurde

der Olympiastützpunkt nach ihm benannt.

Was hat sich in den Jahren, seit das Museum besteht, denn

verändert?

Faller: Wir haben aktuell im Museum, das von der FIS offziell

anerkannt ist, über zwei Geschosse eine Ausstellung zur Geschichte

des Hugenhofs, Fotos zum Beginn des Skilaufens im

Schwarzwald am Feldberg – wir zeigen die ersten Skifilme der

Schneefilmpioniere Arnold Fanck und Sepp Allgaier, die Entwicklung

der Skier, der Ski-Mode und -Ausrüstung. Einen wichtigen

Platz nehmen auch die Wintermaler Hermann Dischler, Karl

Hauptmann und Franz Eberlin ein.

In weiteren Räumen kommen die „Schwarzwaldadler“ mit Georg

Thomas Neffen Dieter Thoma, Sven Hannawald, Martin Schmitt,

Christof Duffner, Hansjörg Jäkle, sowie weitere Wintersportler

mit Steff Böhler, Sandra Ringwald, die Zipfel Brüder aus Kirchzarten,

Georg Hettich, Andreas Wank oder Carina Vogt, Simon

Schempp, Simone Hauswald und die beiden Behindertensportler

Alexander Spitz und Klaus Kleiser zu Ehren. Zu den „Jungen“

Benedikt Doll und Fabian Rießle, seinem „Nachfolger“ in der

Nordischen Kombination, hält Thoma schon lange und stets

Kontakt.

Gibt es ein besonderes Ausstellungsstück?

Faller: Klar, ganz besonders stolz sind wir auf ein Paar Langlauf-Ski

des Papstsekretärs und Kurienerzbischofs Dr. Georg

Gänswein, der von Riedern am Wald stammt und als Skilehrer

am Feldberg tätig war. Er vermittelte 2007 auch einen Papstbesuch

der Familien Thoma und Eckert bei Papst Benedikt XVI. in

Rom. Ansonsten legen wir Wert darauf, in Wechselausstellungen

Werke aktueller Künstler aus dem Schwarzwald zu zeigen,

wie zum Beispiel die Gemälde von Albi Maier aus Titisee-Neustadt.

Außerdem finden immer wieder Lesungen oder Konzerte

statt und alljährlich veranstalten wir einen Adventsmarkt mit

bis zu 20 Ausstellern. Regelmäßig präsentieren wir im Museum

Sonderausstellungen, die wie die Veranstaltungen um die Themen

Winter und Wintersport sowie die Schwarzwald-Heimat

kreisen.

Eine Vision für die Zukunft des Museums?

Faller: Wir haben noch einen nicht ausgebauten Speicher, und

da wir alle zehn Jahre erweitert haben, wäre da noch was zu

tun. Die Geschichte des Skilaufs und des Wintersports entwickelt

sich ja weiter. Zudem hat Georg Thoma noch einen

„kleinen“ Rest von 400 Urkunden, Pokalen und Medaillen, die in

Kisten verpackt sind.


GEORG THOMA / HANSJÖRG ECKERT / ALFRED FALLER

SCHWARZWALD-PANORAMASTRAß E

Thoma: Das hat noch Zeit, ich bin lieber draußen in der Natur

unseres Hochschwarzwaldes. Ich habe nach meiner aktiven Zeit

an allen großen Ski-Volksläufen in Skandinavien und Mitteleuropa

erfolgreich teilgenommen. So halte ich noch heute den Streckenrekord

beim Schwarzwälder Rucksacklauf von Schonach

zum Belchen. Ich legte die 100 km in 5 Std. 51 Min. zurück. Der

Einzige, der seitdem unter einer Zeit von sechs Stunden blieb,

war Charly Doll aus Hinterzarten. Mein Geheimnis ist: „Den Berg

rauf kannst du so schnell sein, wie du willst, nur runter musst du

es halt gnadenlos rennen lassen.“ Mehrmals war ich Meister meiner

Altersklasse beim Black-Forest-Ultra-Bike Marathon. Das

Mountainbike hat aber inzwischen einen elektrischen Antrieb

bekommen, aber bei meinen Schneeschuhwanderungen ist

nach wie vor eigene Kondition gefragt.


122 123 GRÜNE STRAß E – ROUTE VERTE PETER GAYMANN

PE TER

GAYMANN

geb. 1950 in Freiburg, verheiratet, zwei Kinder | einer der

erfolgreichsten und beliebtesten Cartoonisten Deutschlands

| Studium der Sozialpädagogik | seit 1976 Karriere

als humoristischer Zeichner | Veröffentlichung von über 70

Büchern | Markenzeichen wurden die Hühner, die mit dem

Kürzel P.GAY in Zeitschriften und Zeitungen, auf Postkarten,

Kalendern, Postern und Radierungen erschienen | seit

1990 Arbeit für die Frauenzeitschrift „Brigitte“ (Paar Probleme)

| 2014 Entwurf von zwei Briefmarken (Auflage 70

Millionen) | lebt mit seiner Frau Viktoria Steinbiß-Gaymann

am Starnberger See | neben seiner Familie liebt er Italien

und besonders Rom, wo er fünf Jahre gewohnt hat | nicht

nur in seinem Atelier, sondern auch in den Ferien und auf

Reisen zeichnet er gerne

UNTERWEGS MIT LIEBEVOLL

KRITISCHEM ZEICHENSTIFT

CARTOONIST PETER GAYMANN UNTERNIMMT EINE KLEINE ZEITREISE VON SEINEN

ERSTEN ZEICHNUNGEN AUF DEM SCHLOSSBERG, ÜBER SEINE STATIONEN IN ROM,

KÖLN, AM STARNBERGER SEE ZURÜCK NACH FREIBURG.

Mitte der 70er-Jahre, ich war damals Student der

Fachhochschule für Sozialwesen in Freiburg-

Herdern, bin ich während der Vorlesungen häufig

ausgebüchst und auf den Schlossberg marschiert.

Mit Skizzenbuch und Stiften habe ich mich unter einen Baum

oder eine Parkbank gesetzt und gezeichnet. So gut ich es damals

eben konnte. Die vor mir liegende Stadt, die umliegenden

Villen, einen knorrigen Baum…alles war gut genug als Motiv.

Ich liebte diesen Blick von da oben, ich war innerhalb weniger Minuten

dem Alltag enthoben. Im Westen sah ich den Kaiserstuhl

und davor die Orte in der March. In Buchheim lebten meine

Großeltern. Bei ihnen habe ich als Kind zusammen mit meinem


PETER GAYMANN

GRÜNE STRAß E – ROUTE VERTE

MEHRMALS IM JAHR KOMME

ICH ALS BESUCHER ZURÜCK IN

MEIN „NEST“. SCHON WENN ICH

MICH AUF DER A 5 SÜDLICH VON

KARLSRUHE BEFINDE, SEHE

ICH RECHTS DIE VOGESEN

(„THIS IS UNGERER-LAND“) UND

LINKS DEN SCHWARZWALD

(„THIS IS MY LAND“).

Bruder oft die Schulferien verbracht. Schon als Sechs- oder Siebenjähriger

habe ich dort die Störche gezeichnet, die auf dem alten

Schulhaus ihr Nest hatten. Wie sie da so elegant geflogen kamen

und klappernd von ihrem Partner begrüßt wurden, das hat

mich beeindruckt. Noch heute sind mir diese Tiere am liebsten

(nicht die Hühner), vielleicht auch deshalb, weil sie ihre Nester auf

hohen Kirchtürmen einrichten. Der Ausblick von oben auf ihre

Gemeinde scheint auch ihnen zu gefallen.

Zurück zum Schlossberg. Meine „Gemeinde“, die Stadt Freiburg,

lag wie hingegossen am Schwarzwaldrand. Der Münsterturm,

„schönster Turm der Christenheit“, wie wir im Heimatkunde-Unterricht

gelernt hatten, ragt spitz in den Himmel. Darum herum

schmiegen sich die Häuser der „Bobbele“. Andere markante

Punkte sind das Martinstor, das Schwabentor, die Uni. Dahinter

der Schönberg und dann im Dunst die Weinberge des Markgräflerlandes.

Ach wie romantisch! Und Gott sah, dass alles gut

war… wie es schon in der Bibel heißt.

War denn alles gut? Sah man da nicht in der Ferne das AKW

Fessenheim auf der anderen Seite des Rheins? Sah man nicht in

den Altstadtgässle die Geschäftemacher, die alteingesessene

Freiburger aus ihren Häusern ekelten, um neue, schmucke

Apartments für teures Geld anzubieten? Und war man etwa

nicht im Begriff, den Kaiserstuhl im wahrsten Sinn des Wortes

plattzumachen. Wie viel Millionen Tonnen Erde wurden bewegt,

um im Namen der sogenannten Flurbereinigung Steilhänge zu

riesigen Terrassen umzuwandeln. Und im Freiburger Westen, wo

ich zu Hause war, schauten hinter dem Mooswald, der für uns

Kinder noch Abenteuerspielplatz war, plötzlich die Hochhäuser

der Trabantenstadt Landwassermatten hervor.

Es gibt von mir noch Zeichnungen und Collagen aus jener Zeit,

die zeigen zum Beispiel das Münster mit „alternativen“ Windradflügeln.

(Sozusagen als Vorbote der vielen Windräder, die

man heute verteilt in der Landschaft stehen sieht). Oder wie

das Münster nur noch als kleiner Zipfel hinter Hochhausfassa-


124 125

GRÜNE STRAß E – ROUTE VERTE

PETER GAYMANN

den zu erkennen ist. Solche Zeichnungen erschienen dann in

Literaturzeitschriften wie dem „Nachtcafé“ oder wurden als

Postkartenserie angeboten und waren damals meine ersten

Veröffentlichungen. Und eine erste Ausstellung zeigte meine

Fotos und Zeichnungen aus der Fischerau, wo gerade auch, zu

unserem Missfallen, saniert wurde. Trotz allem: Der Blick auf

Freiburg war nie ganz getrübt. Es war schon noch Liebe.

Noch ein anderes Gefühl schob sich plötzlich in den Vordergrund.

Während meiner kleinen Fluchten auf den Schlossberg

oder Schönberg überfiel mich immer häufiger auch ein großes

Fernweh. Ich träumte mich nach Rom, wo Federico Fellini in

Cinecitta diese Filme drehte, nach denen ich verrückt war. Oder

ich stellte mir vor, wie es wäre, in Paris Truffaut zu treffen oder in

Nizza die Ateliers von Renoir oder Matisse zu besuchen.

Es sollte dann noch etwa zehn Jahre dauern, bis 1986 einer

dieser Wünsche in Erfüllung gehen sollte. Ich zog mit meiner

Familie nach Rom und fühlte mich wunderbar. (Ich konnte damals

schon von meiner Arbeit leben.) Fellini habe ich dann tatsächlich

einmal getroffen und Marcello Mastroianni auch. Aber

das ist eine andere Geschichte. 1991 ging es dann wieder zurück

nach Deutschland und in die Domstadt Köln, wo ich die

letzten 26 Jahre gelebt und gearbeitet habe. Und ganz aktuell

wohne ich seit wenigen Monaten mit meiner Frau Viktoria in

einem 500-Seelen Dorf in einem ehemaligen Gasthaus

gegenüber der Dorfkirche, vier Kilometer vom Starnberger See

entfernt.

Und Freiburg? Und der Schwarzwald? Mehrmals im Jahr komme

ich als Besucher zurück in mein „Nest“. Schon wenn ich mich auf

der A 5 südlich von Karlsruhe befinde, sehe ich rechts die

Vogesen („This is Ungerer-land“) und links den Schwarzwald

(„This is my land“).

In Freiburg treffe ich dann meine beiden Brüder, besuche gute

Freunde, arbeite mit Winzern vom Kaiserstuhl oder aus dem

Markgräflerland. Gebe Signierstunden in Freiburger Buchläden

(jedes Mal ein Heimspiel). Manchmal verbringen wir die Weihnachtsferien

im „Spielweg“ im Münstertal oder in Todtnauberg

im Haus eines ziemlich besten Freundes. Muss dann natürlich

sofort Wurstsalat und „Brägele“ (Bratkartoffeln) essen. Und Weihnachten

ohne Linzertorte geht gar nicht.

Der liebevolle Blick und der kritische Blick auf meine Heimat (ja

es ist für mich Heimat) sind mir geblieben. Manches allerdings

relativiert sich auch, wenn man von außen auf die Stadt sieht.

Wenn man einmal den Verkehr in Rom oder Köln erlebt hat, findet

man eine mittelgroße Baustelle in Freiburg nicht so furchtbar.

Wenn die Freiburger klagen, weil in ihrer Stadt Hochhäuser

entstehen (welche Hochhäuser?) oder sich schier die Köpfe einschlagen,

weil ein neues Fußballstadion geplant wird, dann

muss ich zum Stift greifen und einen Cartoon zeichnen.

Zu meinem 65. Geburtstag habe ich mir selbst ein Geschenk

gemacht und einen Band mit Zeichnungen unter dem Titel

„Typisch Badisch“ veröffentlicht und das „Museum für Neue Kunst“

hat mir eine große Ausstellung mit dem Titel „Kunst kommt von

Kaufen“ gewidmet, die von 21.000 Besuchern gesehen wurde.

Während dieser Ausstellung habe ich viele alte Freunde, Bekannte,

Klassenkameraden und Mitstreiter getroffen. Ich habe mich

selten so stark mit meiner Stadt verbunden gefühlt.

Wenn ich heute wieder mal auf dem Schlossberg spazieren

gehe, spüre ich nach wie vor diese Nähe und Verbundenheit

mit Freiburg, mit dieser Region, aber ich wäre nicht ich, wenn da

nicht auch die Neugierde auf andere Städte, Menschen und

Länder wäre, der ich immer nachgegangen bin. Ich bin nach

wie vor gerne in Italien, habe viele Freunde, meine Kinder und

Enkel in Köln und genieße die Stadt München und die Seen

darum herum. So isches halt.


PETER GAYMANN

GRÜNE STRAß E – ROUTE VERTE

DER SCHÖNBERG UND DANN IM DUNST DIE WEINBERGE DES MARKGRÄFLER-

LANDES. ACH WIE ROMANTISCH! UND GOTT SAH, DASS ALLES GUT WAR ...

WIE ES SCHON IN DER BIBEL HEIßT.


IRENE FISCHER

UHRENSTRAß E

IRENE

FISCHER

geb. 1959 in Frankfurt am Main, hat zusammen mit dem

Regisseur Dominikus Probst drei Kinder, lebt in Kirchzarten |

Schauspielerin und Drehbuchautorin | Abitur an der Internatsschule

Birklehof in Hinterzarten | 1979 bis 1983 Ausbildung

zur Schauspielerin in München und Prag | Zusammenarbeit

u. a. mit Ingmar Bergmann, Christoph Schlingensief |

zahlreiche Film- und Fernsehproduktionen | seit 1987 in der

Rolle der Anna Ziegler in der Fernsehserie „Lindenstraße“ |

Drehbuchautorin für Kinofilme, Serien und Fernsehspiele |

Engagement als Botschafterin der Antidiskriminierungsstelle

des „Bundes für Menschen mit Behinderung“

ORT DER KINDHEIT

UND DES HEIMWEHS

DER HINTERWALDKOPF IST FÜR IRENE FISCHER DER PERFEKTE, VOLLKOMMENE

ORT. DAS HEIMWEH NACH DIESEM BERG HAT VIELE GRÜNDE, DIE BIS IN DIE

KINDHEIT ZURÜCKREICHEN.

Neulich, bei einem langen Abendessen mit Freunden,

kam das Thema auf „alte Gefühle“. Was war das erste

Gefühl, an das man sich erinnern kann? Als Kind, als

Jugendlicher? Alle waren seltsam berührt und von

sich selber überrascht, wie präsent scheinbar längst Vergessenes

plötzlich wieder auffammte. Die Angst vor Dunkelheit oder Panik

beim Anblick von Spinnen war vielen gemeinsam. Der erste

Liebeskummer natürlich. Und alle waren froh, diese Gefühle

überwunden oder zumindest in den Griff gekriegt zu haben.

Bei mir ist das anders. Das erste, schlimmste Gefühl, an das ich

mich erinnern kann, ist bis heute unvermindert gleich geblieben

und nistet immer noch gnadenlos und glühend direkt hinter

meinen Augen: Heimweh. Wo immer ich auch bin, ich habe

Heimweh nach einem Berg.

Ich war noch keine vier Jahre alt und es muss in den Tagen

gleich nach dem Umzug meiner Familie von Frankfurt hierher

gewesen sein, als ich zum ersten Mal dort oben war. Der Weg

hinauf schien mir endlos und sicher habe ich den größten Teil

des Weges auf den Schultern meines Vaters verbracht.

Dieser hatte im Frühling stets die größte Freude am Suchen und

Finden von seltenen Pflanzen (Silberdistel! Aronstab! Leuchtmoos!),

die hier oben wuchsen und natürlich nicht angerührt,

aber mit einer schon damals uralten Leica umständlich fotogra-


182 183 UHRENSTRAß E IRENE FISCHER

fiert wurden, um danach, in Diakästen konserviert, in ewiger

Dunkelheit weiter zu blühen. Während des Sommers musste

unbedingt der beste Berg-Sauerampfer gepflückt werden, der

dann abends ein feines Süppchen mit unfassbar viel saurer

Sahne ergab.

Mit einem Fernglas von geradezu prähistorischer

Größe wurden natürlich auch sämtliche

Vögel bestimmt, die man nur in dieser

Höhe immer belauschen konnte: Lerchen,

Sommergoldhähnchen, Dompfaffen, Neuntöter.

Im Herbst waren es die Pilze, die meinen

Vater zu hellen Begeisterungsstürmen

hinreißen konnten (Krause Glucke! Totentrompeten! Judasohr!),

mit einem rostigen Taschenmesserchen sorgfältig geerntet, wurden

sie später zu einem Festessen verarbeitet. Unsere Nachbarn,

die dazu stets eingeladen waren, konnten diese Euphorie meines

DIE STILLE OBEN AUF DER BERG-

SPITZE WAR DER EIGENTLICHE

HÖHEPUNKT DIESER AUSFLÜGE

UND UNSER SCHWEIGEN HATTE

ETWAS ANDÄCHTIGES.

Vaters allerdings nie teilen, wie sie mir später beichteten. Im Gegenteil:

nur widerwillig und mit größter Skepsis wurden diese

Glitschlinge mit den gefährlichen Namen heruntergewürgt. Doch

da man meinen Vater um nichts in der Welt kränken wollte, sind

wohl tatsächlich niemals Ausreden erfunden

worden, um diesen gefürchteten Mahlzeiten

zu entrinnen.

Schließlich, wenn dann endlich alle Pflanzen

und Tiere bestimmt und hinreichend bejubelt

waren, stand den letzten Metern bis zur

Bergspitze nichts mehr im Wege. Oben angekommen,

ging es allerdings mit dem

Jauchzen und Frohlocken erst richtig los. Diese Aussicht! Und

die Kühe mit ihren Glocken, kein Kunstwerk kann schöner sein!

Natürlich wurden auch jeder andere Berg und sämtliche Hügel,

die man von dort aus sehen konnte, mit Namen begrüßt und


IRENE FISCHER

UHRENSTRAß E

ob ihrer Schönheit gelobt. Und erst, wenn dies ausführlich und

in manch lieber Endlosschleife geschehen war, gab es endlich

die ersehnten Apfelschnitze und das mittlerweile lauwarme Mineralwasser.

Und dann: wurde eine Weile nichts mehr gesprochen.

Die Stille oben auf der Bergspitze war der eigentliche Höhepunkt

dieser Ausflüge und unser Schweigen hatte etwas Andächtiges.

Ich weiß nicht, was es eigentlich genau gewesen ist, was mich

schon damals so dermaßen und unverbrüchlich mit diesem

Berg verband: dieses besondere Blau der Luft vielleicht. Oder

der Wind. Ich weiß nur ganz genau, dass ich dachte: So muss es

sein. So ist es richtig, so fühlt es sich an, wenn das Leben gut ist

und so sieht es aus, wenn die Welt schön ist.

Diese Empfindung habe ich heute, als mittlerweile dreifache

Großmutter, noch immer, wenn ich auf dem Hinterwaldkopf

bin. Es ist schlechthin der perfekte, nein, der vollkommene Ort

für mich. Natürlich hat sich vieles verändert in all den Jahren; es

ist nicht mehr so still, es blühen weniger Blumen und singen

viel weniger Vögel, aber nichts kann meine tiefe Liebe zu diesem

Berg verwässern. Auf den Hinterwaldkopf zu gehen, ist

wie nach Hause kommen, mehr noch: wie ein bisschen wieder

gesund werden.

Meinen Kindern konnte ich dieses Lebensgefühl weitergeben:

Kein Kummer, den ein Spaziergang dorthin nicht ein wenig lindern

konnte. Keine Sorge, die nach einer halben Stunde

Schweigen auf dem Gipfel nicht etwas leichter zu ertragen wäre.

Wir sind immer viel gereist und haben die fernsten Länder,

die unglaublichsten Landschaften, die faszinierendsten Städte

gesehen, aber, so schön, so unvergesslich diese Eindrücke

auch waren: Im Grunde hatte ich immer und überall Heimweh

nach dem Hinterwaldkopf. Es gibt keinen Ort, wo ich lieber bin.


184 185

UHRENSTRAß E

MONIKA EDER-WAUBERT DE PUISEAU


200 ÜBERSICHT DER PR-BILDBEITRÄGE

ÜBERSICHT DER PR-BILDBEITRÄGE

WIR DANKEN DEN FOLGENDEN UNTERNEHMEN UND EINRICHTUNGEN, DIE MIT IHREN

BEITRÄGEN DAS ZUSTANDEKOMMEN DIESES BUCHES ERMÖGLICHT HABEN.

AUMA Riester GmbH & Co. KG 32 – 33

www.auma.com

BADEPARADIES SCHWARZWALD TN GmbH 108 – 109

www.badeparadies-schwarzwald.de

Caritasverbände Freiburg-Stadt

und Breisgau-Hochschwarzwald 136 – 137

www.caritas-freiburg.de

ECOMAL Europe GmbH 138 – 139

www.ECOMAL.com

Energiedienst Holding AG 34 – 35

www.energiedienst.de

Gemeinde Feldberg 110 –111

www.hochschwarzwald.de

www.gemeinde-feldberg.de

GERLIEVA Sprühtechnik GmbH 36 – 37

www.gerlieva.com

Gewerbepark Breisgau 38 – 39

www.gewerbepark-breisgau.de

Heckel Präzisionsteile GmbH 40 – 41

www.heckel-gmbh.de

Helios Kliniken Breisgau-Hochschwarzwald 52 – 53

www.helios-gesundheit.de

Kleyling Spedition GmbH 140 – 141

www.kleyling.de

KNOBEL Bau-Gruppe 54 – 55

www.knobel-bau.de

Kur und Bäder GmbH Bad Krozingen 65

www.vita-classica.de

Losan Pharma GmbH 74 – 77

www.losan-pharma.com

micrometal GmbH 56 – 57

www.micrometal.de

Franz Morat Group 188 – 189

www.franz-morat.com

Neoperl GmbH 88 – 89

www.neoperl.net

Rast Reisen GmbH 90 – 91

www.rast-reisen.de

Ingenieurbüro Raupach & Stangwald GbR 78

Saint-Gobain Weber GmbH 153

www.sg-weber.de

Sutter³KG 156 – 157

www.sutter3kg.de

Theresienklinik Bad Krozingen 92 – 93

www.theresienklinik.de

TREA Breisgau 45

www.eew-energyfromwaste.com

Universitäts-Herzzentrum Freiburg •

Bad Krozingen 94 – 95

www.universitaets-herzzentrum.de

Wandres GmbH micro-cleaning 190 – 191

www.wandres.com

Wassmer Spezialmaschinen GmbH 73

www.wassmer.de

wohnbau bogenständig eG 154 – 155

www.bogenstaendig.de

ystral gmbh 87

www.ystral.de

ZIEMANN GRUPPE 79

www.ziemann-gruppe.de

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