Die Stadt Oldenburg - ganz persönlich

neomedia

Die Stadt Oldenburg möchte mit dem ganz persönlichen Buch die unterschiedlichen Perspektiven aus vielen Bereichen zur Heimat offenlegen und lässt dafür 30 namhafte Persönlichkeiten zu Wort kommen. So nehmen der Physiker Dr. Prof. Carsten Agert und der Vorstandsvorsitzen der Universitätsgesellschaft Oldenburg Werner Brinker die Leserinnen und Leser mit auf einen Streifzug der besonderen Art durch Oldenburg.
Den Feinschliff bekommt das persönliche Buch durch professionelle Fotografien, die die Stadt von ihrer besten Seite zeigen.

Die Stadt Oldenburg

ganz persönlich


Die Stadt Oldenburgganz persönlich


KIEL

Stadt Oldenburg

BREMEN

HAMBURG

AMSTERDAM

HANNOVER

NIEDERLANDE

WERPEN

DÜSSELDORF

GIEN

Stadt Oldenburg

Ofenerdiek

Etzhorn

Alexandersfeld

Flugplatz

Dietrichsfeld

Bornhorst

Rauhehorst Bürgerfelde Nadorst

Ohmstede

Ehnern

Wechloy

Ziegelhof

Donnerschwee

Bürgeresch

Kloster Blankenburg

Haarentor

Haarenesch

Bloherfelde

Bahnhofsviertel

Neuenwege

Dobben

Zentrum

Drielake

Eversten Gerichtsviertel

Osternburg

Thomasburg

Drielaker Moor

Hundsmühler Höhe

Kreyenbrück

Tweelbäke West

Bümmerstede

Krusenbusch


Die Stadt Oldenburg

ganz persönlich

Stadt Oldenburg

in Zusammenarbeit mit der

neomediaVerlag GmbH


| 4 5 IMPRESSUM

Impressum

Herausgeber

neomediaVerlag GmbH

Industriestraße 23, 48653 Coesfeld

Tel. 02546 9313-0

info@neomedia.de

www.neomedia.de

In Zusammenarbeit mit:

Stadt Oldenburg

Osterstraße 15

26105 Oldenburg

Tel. 0441 235-0

www.oldenburg.de

Idee und Konzeption

Rainer Wendorff

Redaktion/Lektorat

Stadt Oldenburg

Reinhard Schenke

neomediaVerlag GmbH,

Marc Hankmann

Günter Poggemann

Grafik/Layout

Kerstin Katemann

Projektakquise

Angelika und Andreas Dreßler

Bildnachweis

Stadt Oldenburg

sowie:

Christian O. Bruch, S. 54, 55

Andreas Burmann, S. 55 (oben)

Ulf Duda/fotoduda.de, S. 15, 60, 61

Peter Duddek, S. 32, 33, 51, 59, 63, 73

Tobias Frick, S. 14

Markus Hibbeler, S. 8, 53, 77

Lukas Lehmann, S. 24, 25

Linn Marx, S. 30

MGC, S. 42

OLDigitalEye, S. 30

Thorsten von Reeken, S. 18

Maik Rietentidt, S. 44

Daniel Schmidt, S. 16

Sascha Stüber, S. 43, 45

VfL Oldenburg, S. 37

Thomas Weber/photomas, S. 67

Hans-Jürgen Zietz, S. 35, 47

Porträt- und Firmenfotos stammen,

soweit nicht anders vermerkt, von

den jeweiligen Personen und Unternehmen.

Printed in Germany 2018

Das Manuskript ist Eigentum des

Verlags.

Alle Rechte vorbehalten.

Dem Buch liegen neben den Beiträgen

der Autoren Darstellungen und

Bilder der Firmen und Einrichtungen

zugrunde, die mit ihrer finanziellen

Beteiligung das Erscheinen des Buches

ermöglicht haben.

Druck

Druckerei Rießelmann GmbH

49393 Lohne

Bibliographische Information der

Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet

diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliographie; detaillierte

Daten sind im Internet über http://

dnb.dbb.de abrufbar.

ISBN 978-3-931334-82-6

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit

wird auf die gleichzeitige Verwendung

männlicher und weiblicher

Sprachformen weitgehend verzichtet.

Sämtliche Personenbezeichnungen

gelten gleichermaßen für beiderlei

Geschlecht.

Das Buch „Die Stadt Oldenburgganz persönlich“ wird herausgegeben in einer Buchreihe der neomediaVerlag GmbH,

in der bisher folgende Bücher erschienen sind:

- Der Landkreis Ravensburg – ganz persönlich

- Der Ostalbkreis – ganz persönlich

- Das Coburger Land – ganz persönlich

- Landkreis Lörrach – ganz persönlich

- Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald - AugenBLICKE

- Kursbuch Zukunft – Landkreis Ravensburg

- Der Ortenaukreis – ganz persönlich

- Der Landkreis Schwäbisch Hall – ganz persönlich

- Landkreis Heidenheim – ganz persönlich

- Bottrop – meine Stadt

- Rhein-Pfalz-Kreis – rein persönlich

- Landkreis Göppingen – Überraschend.Persönlich.

- 200 Jahre – Landkreis Merzig-Wadern – ganz persönlich

- Rheingau-Taunus-Kreis – ganz persönlich

- Landkreis Aichach-Friedberg – ganz persönlich

- Landkreis Oberallgäu – ganz persönlich

- Hagen – ganz persönlich

- Der Landkreis Marburg-Biedenkopf – ganz persönlich

- Kreis Plön – ganz persönlich

- Der Landkreis Gifhorn – ganz persönlich

- Landkreis Vechta – Starke Argumente.Starke Persönlichkeiten

- Landkreis Friesland – Faszination.Sehnsucht.Heimat.


DIE STADT OLDENBURG – GANZ PERSÖNLICH

Die Stadt Oldenburg

ganz persönlich

Inhalt

8 Vorwort des Oberbürgermeisters

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann

10 Menschen mit stoischer Toleranz

Prof. Dr. Carsten Agert

14 Eine Stadt mit vielen Leuchttürmen

Werner Brinker

16 Liebe auf den zweiten Blick

Prof. Dr. Gunilla Budde

20 Ein Nordlicht fern der Heimat

Jörg Butt

22 Einmaliges Gespür für Trends und

Innovationen

CEWE Stiftung & Co. KGaA

24 Fortschrittliche Medizin für die

Menschen in der Region

Klinikum Oldenburg

26 Oldenburg passt wie die

Lieblingsklamotten

Prof. Dr.-Ing. Volker Droste

28 Lebendige Stadt mit einer

lebendigen Theaterszene

Christian Firmbach

30 Lokalpatriotin im Schnellverfahren

Annie Heger

34 Das schöne Gefühl

nach Hause zu kommen

Michael Hempen

36 Für mich war es Liebe auf

den ersten Blick

Heike Horstmann

38 Menschlich, nah –

und immer in Bewegung

Landessparkasse zu Oldenburg


| 6 7 INHALT

40 Das Zuhause für Lifestyle

und Beauty

Leffers GmbH & Co. KG

42 In der Welt unterwegs, in

Oldenburg zu Hause

Horst Klemmer

44 Von der Großstadt in eine

großartige Stadt

Ines Klemmer

46 Oldenburgs virtuelle Elphie

Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier

50 Weit gekommen in Oldenburg

Anja Kramer

53 Das perfekte Team für modernen

Industriebau

SHI Planungsgesellschaft für

Städte-, Hoch- und Ingenieurbau mbH

54 Verantwortung für die Häfen

der Küstenregion

Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG

56 Vom Großen und Kleinen

Pavel Möller-Lück

58 Überzeugende Lebensqualität

und moderne Entwicklung

Eva Müller-Meinhard und Gerhardine

Müller-Meinhard Cardoso


DIE STADT OLDENBURG – GANZ PERSÖNLICH

Die Stadt Oldenburg

ganz persönlich

60 Die zweite Heimat gefunden

Rickey Paulding

62 Eine Stadt mit so viel Energie

Dietmar Schütz

66 Lebendige Innenstadt im

ständigen Wandel

Schlosshöfe Oldenburg

68 Maschinenbau zum Sattwerden

SEALPAC GmbH

70 Viele Gründe außer Grünkohl

Ruth Spelmeyer

72 Auf dem Weg zur großen Stadt

Heiko Wandscher

74 Oldenburg ist mehr als Kohl

und Pinkel!

Lutz Stratmann

77 Vom Start-up zum App- und

Cloud-Spezialisten

worldiety GmbH

78 Konzerte, Messen und

rauschende Bälle

Weser-Ems-Hallen Oldenburg

80 Übersicht der PR-Bildbeiträge


| 8 9 JÜRGEN KROGMANN

Vorwort

des Oberbürgermeisters

Liebe Leserin, lieber Leser,

Oldenburg ist eine sehr vielfältige Stadt. Fast alle 170.000

Einwohnerinnen und Einwohner haben sicherlich einen

eigenen Blick auf ihre Heimatstadt. Doch die meisten

werden Oldenburg als sehr lebendige und lebenswerte

Stadt beschreiben, die bei allem dynamischen Wachstum

ihren Charakter als überschaubare Stadt behalten

hat.

Die Autoren dieses Bandes erzählen über Oldenburg aus

sehr unterschiedlichen Perspektiven. Menschen aus vielen

Bereichen sind hier vertreten: Sport und Kultur, Wirtschaft,

Wissenschaft und Politik. Die Beiträge zeigen auch,

wie positiv Oldenburg sich in den vergangenen Jahrzehnten

entwickelt hat.

Ich danke allen Autorinnen und Autoren für ihren ganz

persönlichen Blick auf Oldenburg und dem neomedia-

Verlag für die Herausgabe des Buches.

Ich selbst bin in Oldenburg schon sehr lange zu Hause.

Gemeinsam mit meiner Familie genieße ich das Leben in

unserer Stadt, wo Mitmenschlichkeit und Toleranz nicht

nur geschätzt, sondern auch aktiv gelebt werden. Bei allen

Herausforderungen, die eine wachsende Stadt uns

stellt, kommt es mir darauf an, dieses gute Zusammenleben

zu stärken und zu erhalten.


DIE STADT OLDENBURG – GANZ PERSÖNLICH

Insofern konnte ich mir nichts Besseres vorstellen, als einmal

Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg zu werden

und für die Stadt an so verantwortlicher Stelle arbeiten zu

dürfen.

Mein Ziel ist es, Oldenburg bei allen anstehenden Veränderungen

als eine lebenswerte und attraktive Stadt zu erhalten.

Die Autoren dieses Bandes erzählen

über Oldenburg aus sehr unterschiedlichen

Perspektiven. Menschen aus vielen

Bereichen sind hier vertreten: Sport und

Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und

Politik.

Jürgen Krogmann

Oberbürgermeister


| 10 11 PROF. DR. CARSTEN AGERT

Menschen

mit stoischer Toleranz

Prof. Dr. Carsten Agert, geb. 1970 in Schwalmstadt, verheiratet, eine Tochter | Studium

der Physik in Marburg und Canterbury | Promotion am Fraunhofer-Institut für Solare

Energiesysteme und an der University of Oxford als Stipendiat der Studienstiftung des

deutschen Volkes | 2002 wissenschaftliche Projekttätigkeit in Pretoria, Südafrika |

anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer ISE, u. a. als Leiter der

Forschungsgruppe Brennstoffzellensysteme | 2008 Berufung auf die W3-Professur für

Energietechnologie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in Verbindung mit

der Leitung des EWE-Forschungszentrums NEXT ENERGY | seit 2017 Direktor des Instituts

für Vernetzte Energiesysteme im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Institut für Vernetzte Energiesysteme in Wechloy


DIE STADT OLDENBURG – GANZ PERSÖNLICH

A

n einem grauen Januar-Freitag im Jahr 2008

gegen 11 Uhr hatte die Umzugsfirma den Lkw

fertig entladen. Meine Frau und ich standen vor

unserem neuen Zuhause in Bloherfelde und

taten das einzig Richtige: Wir setzen uns ins Auto, fuhren

nach Dangast und feierten den Umzug nach Oldenburg

erst einmal mit einer Portion Grünkohl im Kurhaus. Erst

sehr viel später wurde mir klar, wie ortstypisch unser

Oldenburger Leben an diesem Tag begonnen hatte….

Dabei hatte es zunächst gar nicht so ausgesehen, als wäre

Oldenburg eine Option für uns. Ich selber hatte nach dem

Studium im hessischen Marburg, der Promotion am Fraunhofer-Institut

für Solare Energiesysteme und verschiedenen

Auslandsstationen in England und Südafrika eine

wissenschaftliche Gruppenleitung in Freiburg übernommen.

Meine Frau war in der Entwicklungszusammenarbeit

tätig und hatte nach Stationen in Brasilien, Südafrika und

Mosambik gerade frisch eine Stelle in Bonn angetreten.

Nach vielen Jahren Fernbeziehung über Kontinente hinweg

hatten wir uns in Freiburg just eine gemeinsame

Wohnung eingerichtet und den festen Plan gefasst, jetzt

erst einmal für einige Jahre im Südwesten der Republik zu

bleiben. Als ich von der beabsichtigten Gründung eines

„EWE-Forschungszentrums für Energietechnologie an der

Universität Oldenburg“ hörte und merkte, dass das wie die

Faust aufs Auge zu mir passen würde, brachte ich die Idee

einer Bewerbung zunächst vorsichtig zu Hause vor. Und

siehe da: Meine Frau, die in Oldenburg studiert hatte, war

einverstanden: „Mit keiner anderen Stadt der Welt hättest

Du mich locken können. Aber Oldenburg? Liebend gerne!“

Tatsächlich erhielt ich von der Universität im Jahr 2007 den

Ruf auf die Leitungsprofessur des zu gründenden Instituts

und so starteten wir also 2008 in unser neues Leben in

Oldenburg. Meine Frau machte sich in der Entwicklungszusammenarbeit

selbstständig. Ich selber kaufte im

Elektronik-Fachhandel Handy und Laptop, mietete einige

Büroräume an und begann, NEXT ENERGY aufzubauen.

Vielleicht erinnert sich noch jemand daran, wie Minister

Stratmann, Professor Weiler, Dr. Brinker, Oberbürgermeister

Schwandner und ich in Wechloy zur Grundsteinlegung

Sand schippten? Oldenburg hatte mich zwischenzeitlich

zünftig begrüßt: Zu einem meiner ersten norddeutschen

Frühstücke schlug ich die NWZ auf und stolperte direkt

über einen Leserbrief, dessen Verfasserin der EWE dringend

empfahl, doch mal lieber die Gaspreise zu senken als

so ein unsinniges Forschungsinstitut zu unterstützen. Über

das nicht immer einfache Verhältnis zwischen den Oldenburgern

und ihrer EWE sollte ich in den folgenden Jahren

dann noch viel hören.

Ich konnte ja nicht ahnen, dass mir in

Oldenburg die offensten, freundlichsten und

liebenswertesten Menschen begegnen würden,

die ich auf meiner Reise durch die Republik

bislang getroffen hatte.

Schnell lernte ich Oldenburg von verschiedensten Seiten

kennen: Es gab Abende, da saß ich mit Freunden im

Marvin’s beim Bier, links von mir Dreadlocks und rechts

von mir ein Vierbeiner. Und es gab andere Abende, da saß

ich im Anzug beim Essen, links von mir der Uni-Präsident

und rechts von mir ein späterer Minister. Und es gab auch

manche Tage, an denen ich Gegenwind zu spüren bekam:

In der Universität waren manche nicht sehr angetan von

dem neuen Kollegen, dessen anwendungsorientierter

Fraunhofer-Hintergrund untypisch und dessen industriebasierte

Instituts-Finanzierung akademisch irgendwie

anrüchig erschienen. Und andersherum waren manche in

der EWE nicht sehr angetan von der Idee, hart verdientes

Konzerngeld in gemeinnützige Forschung zu investieren.

Heute wissen wir: Mittlerweile ist aus NEXT ENERGY das

DLR-Institut für Vernetzte Energiesysteme geworden und

damit ein Institut der Helmholtz-Gemeinschaft, der

größten außeruniversitären Forschungsorganisation des

Bundes, noch vor der Fraunhofer-Gesellschaft, Max-Planck

oder der Leibniz-Gemeinschaft. Manchmal ist es offenbar

nicht so ganz schlecht, der eigenen Linie stur treu zu

bleiben.


| 12 13 PROF. DR. CARSTEN AGERT

Neben dem Beruflichen beeindruckten mich in Oldenburg

rasch zwei Dinge in ganz besonderer Weise.

Zum einen das Klima: Nachdem mich meine Freiburger

Kollegen angesichts meines Umzugs ins norddeutsche

Wetter für einigermaßen verrückt erklärt hatten, war ich

selber zunächst etwas unsicher. Doch dann gewann die

Insel Juist im Jahr 2010 den Wettbewerb um den sonnigsten

Ort Deutschlands und ich lernte die allgegenwärtige

Brise, die zuverlässig den Kopf freipustet, lieben. Als

Motorradfahrer vermisse ich ein wenig die Kurven und

Berge, aber der Blick über Geest, Marsch und Wasser ist

eine perfekte Entschädigung.

Seit meine Frau und ich unsere

Tochter Amahle aus Südafrika adoptiert

haben, lerne ich Oldenburg nun

nochmal von einer ganz anderen Seite

kennen: Spielplätze, Wasser rutschen

und Eisdielen sind seitdem zentrale

Elemente des Lebens geworden. Zum

Glück hat Oldenburg auch auf diesem

Feld viel zu bieten. Ich entdecke also

wieder ganz neue Seiten unserer Stadt.

Es wird nie langweilig.

Lefferseck in der Fußgängerzone


DIE STADT OLDENBURG – GANZ PERSÖNLICH

Zum anderen die Mentalität: Ich hatte damit gerechnet, im

Norden auf einen wortkargen Menschenschlag zu treffen,

der sich hinter großen Friesentee-Kannen versteckt und

niemanden so recht an sich heranlässt. Ich konnte ja nicht

ahnen, dass mir in Oldenburg die offensten, freundlichsten

und liebenswertesten Menschen begegnen würden, die

ich auf meiner Reise durch die Republik bislang getroffen

hatte – übrigens eine Einschätzung, die bis heute Bestand

hat. Gleichzeitig scheinen mir die Niedersachsen ganz

generell so gestrickt zu sein, dass sie einerseits ihre individuellen

Schrulligkeiten pflegen, aber gleichzeitig ihren

Mitmenschen deren Eigentümlichkeiten auch mit stoischer

Toleranz durchgehen lassen. Das ist ein extrem sympathischer

Zug, der die Region in besonderer Weise auszeichnet.

So entstand in Oldenburg gleichermaßen schnell wie

nachhaltig ein ganz besonderes Lebensgefühl, das weder

meine Frau noch ich an irgendeinem anderen Ort vorher

verspürt hatten: „Hier sind wir zu Hause. Hier können wir

bleiben.“

Seit meine Frau und ich unsere Tochter Amahle aus

Südafrika adoptiert haben, lerne ich Oldenburg nun nochmal

von einer ganz anderen Seite kennen: Spielplätze,

Wasser rutschen und Eisdielen sind seitdem zentrale Elemente

des Lebens geworden. Zum Glück hat Oldenburg

auch auf diesem Feld viel zu bieten. Ich entdecke also

wieder ganz neue Seiten unserer Stadt. Es wird nie langweilig.

Der Oldenburger Hafen


| 14 15 WERNER BRINKER

Eine Stadt mit vielen

Leuchttürmen

Werner Brinker, geb. 1952 in Lingen/Ems, verheiratet, zwei Töchter |

Studium der Fachrichtung Bauingenieurwesen an der TU Braunschweig,

1990 Promotion zum Dr.-Ing. an der TU Braunschweig | 1978 beruflicher

Einstieg bei der Energieversorgung Weser - Ems AG (EWE), Oldenburg |

1993 Wechsel zu PreussenElektra AG, Hannover | 1996 Technischer

Vorstand EWE AG, Oldenburg, 1998 Vorstandsvorsitzender EWE AG,

Oldenburg | 2015 Eintritt in den Ruhestand | 2000 bis 2010 Mitglied im

wissenschaftlichen Beirat OFFIS e. V. | 2002 bis 2008 Präsident VDEW /

BDEW | 2003 bis 2013 Vorsitzender des Hochschulrats der Carl von

Ossietzky Universität, Oldenburg | 2004 bis 2010 Mitglied der wissenschaftlichen

Kommission Niedersachsen | 2015 Honorarprofessur Carl

von Ossietzky Universität Oldenburg | heute: u. a. Vorstandsvorsitzender

Universitätsgesellschaft Oldenburg

W

enn ich auf meinen häufigen Dienstreisen gefragt

worden bin: „Herr Dr. Brinker, aus welcher

Stadt in Deutschland kommen Sie?“, war

jahrelang meine Standardantwort: „Ich komme

aus Oldenburg, in der Nähe von Bremen.“ „Aha, Werder

Bremen“, war die Antwort des Fragenden. Heute sage ich:

„Ich komme aus Oldenburg.“ Und die Antwort des Fragenden

lautet: „Aha, EWE Baskets Oldenburg.“

Dieser Wandel macht deutlich, welche Bedeutung die EWE

Baskets heute in Deutschland und Europa, teilweise sogar im

Basketball-verrückten Amerika, für die Stadt Oldenburg

haben. Dieser Wandel zeigt aber auch, welche Erfolge mit

etwas zielgerichteter, konsequenter und ehrlicher Arbeit im

Sport als Zusammenspiel zwischen Breitensport und

Leistungssport erreichbar sind.

Als gebürtiger Lingener war mir schon zu Schülerzeiten die

Stadt Oldenburg ein Begriff, aber der Sitz der damaligen

Bezirksregierung Osnabrück lag nun einmal im nur 65 km

von Lingen entfernten Osnabrück, sodass eine emotionale

Bindung zur Stadt Oldenburg und damit zum Land und

damaligen Herzogtum Oldenburg nicht aufgebaut werden

konnte. Das ist heute völlig anders.

Mit meiner Familie lebe ich, mit einer Unterbrechung von drei

Jahren, nun bereits fast vierzig Jahre im schönen Oldenburg.

Und manchmal habe ich das Gefühl, dass vielen Oldenburgern

nicht bewusst ist, welche hohe Lebensqualität sie hier

umgibt. Nach dem Studium an der TU Braunschweig und

Studienreisen und wissenschaftlichen Arbeiten in der Türkei

(Pergamon), Frankreich (Lyon), Israel (Jerusalem), Ägypten (Assuan),

Syrien (Resafa) und Italien (Rom) hat mich Oldenburg

nach jeder Rückkehr immer wieder begeistert, es hat mich

nachdenklich und zufrieden gemacht; es hat mir deutlich

gemacht, dass wir uns glücklich schätzen können, in einer so

harmonisch sich entwickelnden Stadt mit einem überzeugenden

Freizeit- und Bildungsangebot leben zu dürfen.

Noch als Student habe ich bei der EWE AG am 1. Juli 1978

meine berufliche Laufbahn begonnen; einem Unternehmen,

dessen Vorstand klare Vorstellungen von der Weiterentwicklung

der Märkte hatte und sich der gesellschaftlichen

Verantwortung für die Stadt und die Region bewusst


DIE STADT OLDENBURG – GANZ PERSÖNLICH

war. Diese positive Einstellung des Vorstandes zur Wirtschaftsregion

Weser-Ems hat mich sehr stark geprägt und

ich habe trotz vieler Schwierigkeiten diese enge Bindung

auch zu der größeren Region Ems-Weser-Elbe nie verloren.

Daher war es für mich folgerichtig, nach der Bestellung zum

Vorstand der EWE AG an die Erfolge meines Vorgängers anknüpfen

zu wollen, auch wenn sich durch die Liberalisierung

der Energiemärkte die Rahmenbedingungen sehr deutlich

geändert hatten. Es galt, den Wettbewerb zu bestehen, die

Kundenbasis zu vergrößern, neue Geschäftsfelder aufzubauen

und die Verbundenheit der EWE AG mit der Region durch

gesellschaftliches Engagement deutlich zu machen. Dass

nebenbei auch noch die erneuerbaren Energien gefördert

und in die bestehende Netzinfrastruktur integriert werden

mussten, versteht sich von selbst, aber wie soll das gehen?

Zum Glück haben wir gemeinsam mit Forschungsinstituten

der Universität Oldenburg Lösungen gefunden bzw. wir als

EWE AG haben unsere Visionen einer CO 2

-armen Energieerzeugung

einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ich war davon überzeugt, dass die Informations- und Telekommunikationstechnologien

die Schlüsseltechnologien für

eine zukunftsfähige Energieversorgung sein werden. Was

vor 20 Jahren noch auf Unverständnis stieß, ist heute allgemein

anerkanntes Gedankengut. Die Folge war ein sehr starkes

Wachstum des EWE-Konzerns von 1.400 Mitarbeitern im

Jahre 1996 auf über 9.000 Mitarbeiter, die meisten davon in

Oldenburg. Ein solches Wachstum ist nur dann möglich,

Nach fast 40 Jahren ist Oldenburg nicht nur meine

Heimat, sondern auch mein sportlicher, kultureller und

wissenschaftlicher Anker geworden. Es gilt, diese Säulen

weiter auszubauen und zu stärken.

wenn es gelingt, entsprechend qualifizierte Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter für die EWE AG und für Oldenburg zu begeistern.

Dabei war es mir von Beginn an ein großes Anliegen,

die Arbeitgebermarke EWE positiv durch z. B. Personalentwicklung,

KiTa, Führungskräfte-Akademie etc. zu stärken

und gemeinsam mit den Kollegen aus anderen Unternehmen

den Standort Oldenburg durch gezieltes gesellschaftliches

Engagement im Bereich Kunst, Kultur und Sport

positiv zu entwickeln. Ereignisse wie z. B. die Promenade

oder die sportlichen Erfolge der VfL-Damen und der EWE

Baskets sind Ergebnisse dieser konsequenten Ausrichtung.

Dass Oldenburg auch eine Universitätsstadt ist, hat Deutschland

spätestens mit der Wahl der Stadt Oldenburg zur Stadt

der Wissenschaft erfahren. Bedeutende Institute wie z. B.

OFFIS, Next Energy/ForWind, Hörzentrum, Karl-Jaspers-

Bibliothek etc. runden dieses positive Bild ab.

Nach fast 40 Jahren ist Oldenburg nicht nur meine Heimat,

sondern auch mein sportlicher, kultureller und wissenschaftlicher

Anker geworden. Es gilt, diese Säulen weiter auszubauen

und zu stärken. Eine Politik mit der Gießkanne bringt

Oldenburg nicht weiter. Oldenburg braucht Leuchttürme.

Spiel der EWE Baskets in der großen EWE-Arena


| 16 17 PROF. DR. GUNILLA BUDDE

Liebe

auf den zweiten Blick

Prof. Dr. Gunilla Budde, geb. 1960 in Herford | Studium der Geschichte

und Germanistik in Hamburg und Bielefeld | Promotion und Habilitation

in Neuerer Geschichte an der Freien Universität Berlin | Wissenschaftliche

Assistentin an der FU Berlin, den Universitäten Konstanz und Bielefeld und

am Wissenschaftszentrum zu Berlin | seit 2005 Professorin für Deutsche

und Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Carl von

Ossietzky Universität Oldenburg | von 2010 bis 2015 Vizepräsidentin der

Universität Oldenburg

A

pril 2005, Schlossplatz, Ostermarkt. Ein milder

Frühlingsabend in einer Riesenradgondel über

den Dächern der Stadt. Das war der Moment,

der berühmte Beginn einer wunderbaren

Freundschaft. Als frisch gebackene Professorin für Geschichte,

die Vereidigung lag wenige Stunden zurück, hatte

ich einen Meilenstein der beruflichen Karriere erreicht.

Glück genug, könnte man meinen. Wohin der „Ruf“ auf

eine Professur führte, war hier erstmal unerheblich. Aber in

diesem Augenblick im April ahnte ich bereits: ein doppelter

Glücksfall: Dies wird meine Stadt!

Oldenburg? Kannst dich ja nach einigen Jahren wegbewerben.“

Dies war eine häufige Reaktion. Schließlich

wechselte ich von der quirligen Hauptstadt, in die ich kurz

vor dem Mauerfall gezogen war, ins vermeintlich „provinzielle“

Oldenburg. Doch der prophezeite Kulturschock blieb

aus. Kultur pur lauerte an jeder Ecke: ein historischer Stadtkern,

ebenso überschaubar wie ansehnlich. Nicht nur der

Blick in die Schaufenster lohnt, sondern ein Aufschauen

eröffnet die Bilderbuchansicht klassizistischer Häuserfassaden

in Pudertönen. Und Zufall oder Schicksal? Die erste

Wohnung, die ich besichtigte, in einer im Stil der typischen

„Hundehütten“ gerade fertiggestellt, war gleich die richtige.

Gelegen in einer kopfsteingepflasterten Straße, die

langsam aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht, überdies

nur einen shoppingfreundlichen Katzensprung vom

Herzen der Stadt entfernt.

Und erst mein neuer Arbeitsplatz! Die Carl von Ossietzky

Universität Oldenburg, „big enough“, wie ein amerikanischer

Kollege es auf den Punkt zu bringen pflegt, bietet,

das merkte ich bald, eine Atmosphäre für Quer- und

Hörsaalzentrum der Carl von Ossietzky Universiät


DIE STADT OLDENBURG – GANZ PERSÖNLICH

Vordenker. Kurze Wege ihrer über 40 Jahre gewachsenen

Architektur befördern das Miteinander über

die Fachgrenzen hinaus, beflügelt eine Wohlfühlstimmung

bei den Mitarbeitern, Lehrenden und

Studierenden – mittlerweile rund 15.000. Originelle

Ansätze, Fragen und Antworten haben hier Raum

bekommen. Einen Forschungsfokus bereits in den

Gründungsjahren auf erneuerbare Energien zu setzen,

ist nur ein Paradebeispiel für diese Philosophie.

Soviel Eigen-Sinn die Universität sich leistet, so wenig

führt sie ein Eigenleben als Elfenbeinturm. Universität

und Stadt haben zwar nicht sofort, dann

aber nachhaltig zueinander gefunden und pflegen

eine innige Wahlverwandtschaft. Dass man sich gegenseitig

braucht und bereichert, ist allen bewusst

und gemeinsam wagt man – Stichwort „European

Medical School“ – Wunder. Kaum eine Universität

genießt einen ebenso starken wie engagierten

Rückenwind durch ihre Universitätsgesellschaft, die

bereits ein Jahr vor der Universität gegründet wurde.

Der stolze Titel „Stadt der Wissenschaft“, den

Oldenburg 2009 erhielt, war die verdiente Auszeichnung

dieses gedeihlichen Miteinanders.

So dynamisch sich Oldenburg entwickelt und als

„Übermorgenstadt“ nach vorne schaut, so bewusst

ist sie sich auch ihrer Wurzeln. Als Historikerin der

deutschen und europäischen Geschichte begeistert

mich immer wieder, wie stark die Oldenburger Geschichte

eine Geschichte mit einerseits regionaler

und andererseits internationaler Strahlkraft war und

ist. Sie hatte Männer wie Graf Anton Günther an der

Spitze, die mit Weitsichtigkeit und Diplomatie die

Stadt vor Krieg und Zerstörung schützten, und

Frauen wie Helene Lange in ihrer Mitte, die kämpferisch

und mit Augenmaß der Emanzipation den

Weg ebneten. Aufgeklärte Pädagogen wie Herbart

ebenso wie bahnbrechende Philosophen wie

Jaspers wuchsen hier auf und blieben ihrer Heimatstadt

stets verbunden. Ihr wertvolles Erbe ist der

Stadt wohl bewusst. Das Jaspers-Haus, das die

Bibliothek des Philosophen, Politikers und Arztes

aufs Schönste beherbergt, ist ein Forum lebhaften

Austausches, die Jaspers-Gesellschaft, der ich mit

vorstehe, erfreut sich großer Beliebtheit. Das Schloss

mit all seinen Kunstschätzen im Zentrum der Stadt

ist eindrucksvolles Symbol für Oldenburgs Rang in

der Weltgeschichte. Nicht nur das Herrscherhaus,

auch die Fluss- und Seewege legten die Weiche für

eine Weltoffenheit, die dann auch die mehr als

Das Schloss mit all seinen Kunstschätzen im

Zentrum der Stadt ist eindrucksvolles Symbol

für Oldenburgs Rang in der Weltgeschichte.


| 18 19 PROF. DR. GUNILLA BUDDE

Bei der Eröffnung des Filmfestes Oldenburg: Moritz Bleibtreu, Festival-Direktor Torsten Neumann

und Bürgermeisterin Petra Averbeck

Die bunte Palette der Angebote, Freizeit in Oldenburg zu gestalten, macht einer kleinen

Großstadt alle Ehre. Opernball und Kramermarkt, Vernissagen im Augusteum und

Horst-Janssen-Museum, Science Slam und Nacht im Botanischen Garten, Lesung in

der Landesbibliothek und Internationales Filmfest, Weihnachtsmarkt an der

Lambertikirche und Fokkis Weidenfest.

40.000 Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren

durften.

Sich mit ihrer Geschichte mit ihren Licht- und Schattenseiten

auseinanderzusetzen, ist den Oldenburgern ein

ernstes Anliegen. Kaum angekommen, erreichte mich die

Bitte, die Geschichte des Oldenburgischen Staatsorchesters

während des Nationalsozialismus zu schreiben. Der Impuls

dazu kam aus den Reihen der Musiker. Das von zwei Kollegen

und mir zweimal im Jahr gestaltete „Historische Quartett“,

bei dem Historikerinnen und Historiker mit ihren neuesten

Büchern zu Gast sind, ist seit fast zwanzig Jahren nur

deshalb ein Erfolgsmodell, weil es auf die Resonanz der geschichtsbewussten

Huntestädter trifft. Selbst kleine Gesten

zeugen davon: Wenn im Rahmen eines fröhlichen Taufaktes

eine Torte von der „Hindenburg-Torte“ zur „Herbart-Torte“

wird, ist das Ergebnis eines Sonntagsgesprächs

zwischen Konditorin und Kunde über den Tresen hinweg.

Tradition und Innovation, Ernsthaftigkeit und Heiterkeit

treffen hier zusammen. Symptomatisch dafür sind immer

wiederkehrende Festivitäten. Beim „Festlichen Abend im

Schloss“ etwa, einem Oldenburger Charitéevent, herrscht

einerseits ein strenger Dresscode – Smoking oder Uniform

(was mich regelmäßig in Verlegenheit brachte) – andererseits

wird bei Butterbrot und Bier das „Oldenburg Lied“ inbrünstig

geschmettert, Schnapsrunden mit Zinnlöffel und

Trinkspruch heben die Stimmung. Höhepunkt ist ein Gastvortrag

auf hohem Niveau, dessen Quintessenz anschließend

auf Platt und mit Humor bilanziert wird. Ein weiterer

Blick in meinen üblichen Jahreskalender erstaunt mich

selbst: Die bunte Palette der Angebote, Freizeit in Oldenburg

zu gestalten, macht einer kleinen Großstadt alle Ehre.

Opernball und Kramermarkt, Wissenschaftssoirée und

Theaterlaboratorium, Vernissagen im Augusteum und

Horst-Janssen-Museum, Landschaftstreffen und Ossietzky-Preis-Verleihung,

Kohlfahrt durch die Haaren-Niederun-


DIE STADT OLDENBURG – GANZ PERSÖNLICH

gen und Podiums-Diskussion im PFL, Science Slam und

Nacht im Botanischen Garten, Lesung in der Landesbibliothek

und Internationales Filmfest, „Rheingoldpremiere“ und

Keramiktage, Weihnachtsmarkt an der Lambertikirche und

Fokkis Weidenfest. Eine besondere Herausforderung für

mich ist immer ein Abend im November, an dem das

Stadttreffen“ der Oldenburger Service-Clubs mit meiner

DJane-Aufgabe bei der „Night-of-the-Profs“ in „Einklang“ gebracht

werden muss. Die kurzen Wege machen‘s möglich.

Vor allem aber: Auch der Weg in die Herzen der Oldenburgerinnen

und Oldenburger ist kurz. Dass mir die Herzlichkeit

der Menschen in Oldenburg so angenehm auffiel,

erklärte ich mir zunächst mit dem Kontrast zur rauen

Schnoddrigkeit der Berliner, an die ich gewöhnt war. Doch

die Herzlichkeit blieb. Wenn Oldenburger merken, dass

Newcomer sich von der Liebe zur ihrer Stadt anstecken

lassen, dann öffnen sich alle Türen. Kein Zweifel: Dies ist

meine Stadt!

Das Kulturzentrum PFL der Stadt Oldenburg, ehemals Peter Friedrich Ludwigs Hospital


| 20 21 JÖRG BUTT

Ein Nordlicht

fern der Heimat

Jörg Butt, geb. 1974 in Oldenburg, verheiratet, drei Kinder | von 1991 bis 1997 für den

VfB Oldenburg als Torhüter aktiv | 1996 Regionalligameister mit dem VfB Oldenburg

und Aufstieg in die 2. Fußballbundesliga | insgesamt 387 Bundesligaspiele für den

Hamburger SV, Bayer 04 Leverkusen und den FC Bayern München | erzielte als Torwart

26 Bundesligatore | Champions-League-Finalist 2002, 2010 und 2012 | Deutscher

Vizemeister 2002, 2009 und 2012 | Deutscher Meister, DFB-Pokal- und DFL-Supercupsieger

2010 | Vize-Weltmeister 2002 und WM-Dritter 2010 | 2002 und 2010 Auszeichnung

mit dem Silbernen Lorbeerblatt und 2010 auch als Torhüter des Jahres durch

das Fußballfachmagazin Kicker

O

ldenburg ist meine Heimat. Und das, obwohl

ich in Großenkneten aufwuchs – 30 km von

Oldenburg entfernt – und heute, nach einigen

anderen Stationen, in München lebe. In Großenkneten

befindet sich auch die Firma Butt Verladerampen,

die mein Vater im Jahr 1974 gründete und für die ich

heute tätig bin. Eltern und Geschwister leben in meiner

alten Heimat Oldenburg.

So kommt es auch, dass ich beim TSV Großenkneten das

Fußballspielen lernte. Dort ging ich zunächst als Stürmer

auf Torjagd, häufig nahm ich aber nach dem Mannschaftsauch

noch am Torwarttraining teil. Der Verein hatte zu der

Zeit einen besonders engagierten Torwarttrainer, der mein

Talent zwischen den Pfosten erkannte und förderte. Als ich

mit 16 Jahren dann als Torhüter in der Niedersachsenauswahl

spielte, wurden andere Clubs auf mich aufmerksam.

Werder Bremen und der VfL Osnabrück fragten bei mir an.

Ich aber blieb in Oldenburg, einerseits wegen der Nähe

zum Elternhaus, andererseits aber auch wegen der Schule.

Für meine Eltern hatte die schulische und berufliche Ausbildung

immer erste Priorität, wofür ich ihnen im Nachhinein

außerordentlich dankbar bin.

Nach Abitur und Abschluss meiner kaufmännischen

Ausbildung verließ ich den VfB – auf den ich gleich noch

einmal zurückkomme – und wechselte zum Hamburger

SV. Danach folgten die Stationen Leverkusen, Lissabon und

München. Der Stadt Oldenburg blieb ich dennoch treu,

hier lebten Familie und Freunde, die Innenstadt mit ihren

schönen Plätzen lockte und der Weg an die Nordsee war

kurz. Und kurz war damals auch die Strecke Hamburg –

Oldenburg, so dass ich in den trainingsfreien Zeiten viel in

Oldenburg sein konnte. In Oldenburg lernte ich meine

heutige Frau kennen, unsere Hochzeit feierten wir im

dortigen Standesamt. Und während meiner aktiven Fußballzeit

absolvierte ich an der Universität in Oldenburg

mein BWL-Studium für Spitzensportler. So konnte ich Beruf,

Familie, Ausbildung und Freizeit perfekt miteinander verbinden.

Ich mag die Stadt, die vielen wunderbaren Gebäude

und natürlich die Menschen, ihre Freundlichkeit und ihre

angenehme Zurückhaltung. Mit der kann es allerdings

schnell vorbei sein, wenn es um Fußball geht. Das konnte

ich bei unserem Aufstieg 1996 in die zweite Liga hautnah

miterleben: Die ganze Stadt stand Kopf und feierte mit

unserer Mannschaft auf dem Rathausplatz. Ein unvergessliches

Erlebnis!

Ein ebenso unvergessliches Ereignis war für mich mein

erster geschossener Elfmeter im Jahr 1996 im Spiel VfB

Oldenburg gegen St. Pauli. In der vorangegangenen Partie

hatten wir einen Strafstoß vergeben, keiner traute sich so


DIE STADT OLDENBURG – GANZ PERSÖNLICH

Ich mag die Stadt, die vielen wunderbaren Gebäude und natürlich die

Menschen, ihre Freundlichkeit und ihre angenehme Zurückhaltung.

recht, die Verantwortung zu übernehmen. Im Training

beim VfB war ich immer auch Schütze beim Elfmeterschießen,

daher forderten mich einige Mitspieler auf, den Elfer

zu schießen. Obwohl ich natürlich überrascht und nichts

dergleichen abgesprochen war, zögerte ich nicht und

konnte den Ball im gegnerischen Tor versenken. In dieser

Partie erkämpften wir uns einen weiteren Elfer, den ich

ebenfalls verwandeln konnte. So gewannen wir das Spiel

2:0 und meine Leidenschaft für Strafstöße war geweckt. In

besonderer Erinnerung sind mir dabei auch die Aufstiegsspiele

gegen Tennis Borussia Berlin, in denen ich wieder

einen Treffer erzielen konnte. So ging es ab 1997 in Hamburg

weiter – Frank Pagelsdorf, damaliger Trainer des HSV,

kannte scheinbar meine Quote bei Strafstößen und beorderte

mich in einem Spiel an den Elfmeterpunkt, nachdem

zuvor mein damaliger Mannschaftskollege und Stürmer

Toni Yeboah bei einem Elfer patzte. Da ich auch diesen

verwandelte, begann eine Serie, die mich auf insgesamt 26

Tore zurückblicken lässt. Da ich in meiner Karriere auch 14

Strafstöße hielt, war ich für viele wahrscheinlich so etwas

wie ein Experte für Elfmeter.

Vielleicht half mir dabei mein norddeutsches Gemüt, sagt

man den Oldenburgern doch eine gewisse Gelassenheit

nach. Für eine Strafstoßsituation – ein ruhender Ball, freie

Schussbahn, Konzentration auf den gegnerischen Torhüter

– braucht man die nötige Ruhe. Und die war mir ja quasi in

die Wiege gelegt. Auf dem Spielfeld konnte ich aber auch

laut werden. Vor allem, wenn es in der Abwehr vor mir

nicht so lief, wie ich mir das vorstellte. Da packte mich

dann mein Ehrgeiz, jedes Spiel unbedingt gewinnen zu

wollen. Insgesamt versuchte ich aber immer, der Mannschaft

durch meine ruhige Art Sicherheit zu geben.

Großes Getöse neben dem Platz war jedenfalls nie mein

Ding.

Auch heute noch halte ich mich häufig in Norddeutschland

auf, obwohl ich mit meiner Familie seit 2008 in München

lebe. Meine Tätigkeit im väterlichen Unternehmen –

wir sind Hersteller von Verladesystemen – führt mich

regelmäßig nach Oldenburg. Außerdem besuchen wir

Freunde und Familie, die alten Verbindungen sind uns

wichtig. So verfolge ich auch den sportlichen Werdegang

des VfB. Den jetzigen Coach Stephan Ehlers lernte ich

während meiner Trainerausbildung nach Beendigung meiner

aktiven Fußballkarriere kennen. Und als Oldenburger

verstanden wir beide uns auf Anhieb gut. Ihm und dem

VfB drücke ich bei jedem Spiel die Daumen. An diesem

Verein, an dieser Stadt hängt mein Herz. Durch meine

Fußball karriere kam ich viel herum, ich war an vielen wunderbaren

Orten, lernte viele Menschen kennen und erlebte

wahnsinnig viel. Aber nirgendwo fühle ich mich so wohl

wie in Oldenburg. Hier ist meine Heimat, hierher kehre ich

immer wieder gerne zurück.

Marschwegstadion


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Übersicht der PR-Bildbeiträge

Wir danken den folgenden Unternehmen und Einrichtungen,

die mit ihren Beiträgen das Zustandekommen dieses Buches ermöglicht haben.

CEWE Stiftung & Ko KGaA 22-23

www.cewe.de

Klinikum Oldenburg 24-25

www.klinikum-oldenburg.de

Landessparkasse zu Oldenburg 38-39

www.lzo.com

Leffers GmbH & Co. KG 40-41

www.leffers.de

Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG 54-55

www.nports.de

Schlosshöfe Oldenburg 66-67

www.schlosshoefe-oldenburg.de

SEALPAC GmbH 68-69

www.sealpac.de

SHI Planungsgesellschaft für Städte-,

Hoch- und Ingenieurbau mbH 53

www.shi-ol.de

Weser-Ems Halle Oldenburg GmbH & Co. KG 78-79

www.weser-ems-hallen.de

worldiety GmbH 77

www.worldiety.de

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