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kunst:stück magazin c/o Bremen/Oldenburg + Hannover, Nov/Dez 2018

Ausgabe für November + Dezember 2018 | Das Kunst- und Kultur Magazin im Taschenformat für die Region Bremen/Oldenburg + Hannover.

. stade Der naive Krieg

. stade Der naive Krieg Krieg. Trauma. Propaganda. 13. Oktober 2018 bis 20. Januar 2019 Schwedenspeicher & Kunsthaus Stade | www.museen-stade.de Was bleibt vom Krieg, wenn 100 Jahre vergangen sind? Der Erste Weltkrieg wurde in der jüngeren Vergangenheit aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet. Die kommende Doppelausstellung im Museum Schwedenspeicher und im Kunsthaus Stade versucht erstmals den Blick auf eine ganz besondere Gruppe von Zeitzeugnissen zu richten, denen bisher kaum Beachtung geschenkt wurde. Es handelt sich um persönliche Hinterlassenschaften von Soldaten, die sich in ganz unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen mit ihren Kriegserlebnissen auseinandersetzten. Diese Arbeiten zeichnen ein unverfälschtes Bild des Krieges, das teilweise naiv und kindlich anmutet, gleichzeitig aber eine Nähe zu den Erfahrungen der Betroffenen herstellt. Das Grauen ist am ehesten dann zu erfassen, wenn es ein menschliches Gesicht erhält, dadurch wird diese Ausstellung zu einer unmittelbaren Erinnerung und Mahnung. Der Sammler, Künstler und Kunstprofessor Georg Barber hat eine Erinnerungskultur aufgedeckt, die offenbar in eine Grauzone fiel. Sein suchender Blick beförderte Werke zutage, die zum größten Teil erst heute über die neuen Medien auffindbar sind. Viele Bereiche dieses bisher wenig betrachteten Genres werden in der Doppelausstellung einander gegenübergestellt: Neben Bildern von Kriegsteilnehmern sind dies Modelle, kunsthandwerkliche Gegenstände, sogenannte Grabenkunst, Objekte von Kriegsgefangenen und Referenzen aus der offiziellen Bildwelt, von Schlachtfeldmalerei bis hin zur Propagandakunst, die teilweise den Bildkosmos der Laienkünstler beeinflusste. Der zeitliche Rahmen reicht über den Ersten Weltkrieg hinaus und erstreckt sich vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Neben Werken unbekannter Urhebe- 20 kunst:stück

. stade Abb.links oben: Helge Reumann, 2011, Buntstift auf Papier © Helge Reumann | Abb.links unten: Rudi Klemm, Sturmangriff, 1916 © Sammlung ATAK | Abb. oben links: Christian Kräuter, Vom Felde zurück, 1916, Feder und Deckfarbe auf Papier © Sammlung ATAK | Abb. oben rechts: ATAK, Zu Ross, 2018, Mischtechnik auf Papier © Sammlung ATAK rInnen sind auch Arbeiten der zeitgenössischen Künstler Moritz Götze, Helge Reumann, Clemens von Wedemeyer, TAL R, 44Flavours sowie Josef Wittlich und Heino Jäger zu sehen. Bis auf wenige Ausnahmen entstammen alle in dieser Ausstellung gezeigten Werke der Sammlung Georg Barbers, der als Künstler unter dem Namen ATAK arbeitet und sich mit zahlreichen eigenen Arbeiten in die Ausstellung einbringt. Auf diese Weise entsteht ein Dialog zwischen damals und heute, eine bildnerische Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart des Krieges. Es ist der rote Faden des Krieges, den Barber in der Kunst der Vergangenheit aufnimmt und ihn in seinen Werken ins 21. Jahrhundert trägt, um auf die Zeitlosigkeit der existenziellen Fragen einzugehen, die sich zu jedem Krieg, und damit zu jeder Zeit, stellen. Zum ersten Mal wird in zwei Häusern der Museen Stade eine Gemeinschaftsausstellung gezeigt. Im Kunsthaus werden in erster Linie bildnerische Arbeiten präsentiert, Zeichnungen und Gemälde, Skizzenbücher oder auch Postkarten von der Front. Die zeitliche Spannbreite der Arbeiten reicht vom 18. bis ins 21. Jahrhundert. Der Schwerpunkt des Ausstellungsteils im Schwedenspeicher liegt auf kunsthandwerklichen Arbeiten von Soldaten, die während der zehrenden Zeiten hinter den Fronten, in Lazaretten oder in Gefangenenlagern entstanden. Viele dieser Exponate haben einen unmittelbaren Bezug zur Hansestadt Stade. Neben Arbeiten aus der Stiftung Lager Sandbostel oder dem Niedersächsischen Landesarchiv Standort Stade finden sich viele Erinnerungsstücke aus Stader Familien, die einem Aufruf der Museen folgten und mit kunstvoll gearbeiteten Pfeifen, Behältnissen oder Möbeln zur Ausstellung beitragen. Neben Werken unbekannter Soldaten entsteht auf diese Weise auch ein lokaler Eindruck, ein personifizierteres Bild von Soldaten, die ihrer Zeit im Kriegsdienst kunstschaffend einen individuellen Sinn zu geben suchten. ATAK, mit bürgerlichem Namen Hans-Georg Barber, wurde 1967 in Frankfurt an der Oder geboren. Er studierte Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Künste Berlin, ist heute als Zeichner und Illustrator tätig, hat zahlreiche Bücher und Comics veröffentlicht. Seine Werke lassen Vergangenheit und Vorbilder anklingen und verknüpfen die Gegenwart mit der Historie, die Fantastik mit der Wirklichkeit. Seit 2008 ist Barber Professor an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Museen Stade, Kunsthaus & Schwedenspeicher Wasser West 39, 21682 Stade kunst:stück 21

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