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kunst:stück magazin c/o Bremen/Oldenburg + Hannover, Nov/Dez 2018

Ausgabe für November + Dezember 2018 | Das Kunst- und Kultur Magazin im Taschenformat für die Region Bremen/Oldenburg + Hannover.

. hannover Abb. links:

. hannover Abb. links: Teresa Burga, Untitled (Bar), 1966, Courtesy die Künstlerin, Galerie Barbara Thumm, Berlin | Abb. rechts: Teresa Burga, La Ilmana, 1966, Courtesy die Künstlerin, Galerie Barbara Thumm, Berlin war und es wenig Raum für freies, künstlerisches Schaffen gab, war sie gezwungen, anderweitig ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Burga arbeitete von diesem Zeitpunkt an beim Zoll, eine Tätigkeit, die ihrer Vorliebe für Mathematik, Strukturen und Organisation entgegenkam. In den zahlreichen Werken der Ausstellung zeigt sich immer wieder Teresa Burgas Interesse an Kommunikation, insbesondere an der Übermittlung und Wirkungsweise von Informationen. Mit Bauanleitungen für Apparaturen, Handlungsanweisungen, Diagrammen und gezeichneten Zeitungsartikeln liefert sie den Besuchern eine Vielzahl von Daten und Fakten. Ebenso experimentiert sie damit, Kunst und Poesie bis auf die Grundstrukturen der enthaltenen Informationen zu reduzieren. Dabei protokolliert sie häufig minutiös den Produktionsprozess und entwickelt so eine Form der Subjektivität, die sich in einer ständigen Reflektion über die eigene Rolle als Künstlerin ausdrückt. Teresa Burgas Arbeiten wurden lange Zeit sowohl im nationalen wie auch im internationalen Kontext nicht beachtet, was unter anderem auch auf die politischen und ökomischen Verhältnisse in ihrem Heimatland Peru zurückzuführen ist. Die Ausstellung in der Kestner Gesellschaft knüpft an die zunehmende Kritik an einer eurozentrisch ausgerichteten Kunstgeschichte und die Forderung nach einer Neubewertung insbesondere weiblicher Positionen an. »Aleatory Structures« steht damit programmatisch in einer losen Verbindung mit vorhergegangen Präsentationen von u.a. Rochelle Feinstein oder Christa Dichgans – allesamt Künstlerinnen, die viele Jahre warten mussten, bis sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert wurden – – – Nevin Aladağ | Teil 2: Social Fabric 01. Dezember 2018 bis 03. Februar 2019 Kestner Gesellschaft | www.kestnergesellschaft.de Mit der Ausstellung »Social Fabric« der Berliner Künstlerin Nevin Aladağ (*1972 in Van, Türkei) geht das experimentelle Ausstellungsformat ab dem 1. Dezember 2018 in die zweite Runde: Themen der diversen Gesellschaft, Identität und Gemeinschaft, die bereits im ersten Teil eine Rolle spielten, werden darin nun auf abstrakter Ebene verhandelt. Zu sehen sind vier textile Werke aus der gleichnamigen, aktuellen Serie sowie die beiden Videoarbeiten »Top View« (2012) und »City Language I« (2009). 50 kunst:stück

. hannover Abb. links: Nevin Aladağ, Social Fabric, hang gilde, 2018 ,Teppichstücke auf Holz, 172 x 116 x 6 cm Abb. rechts: Nevin Aladağ, Social Fabric, cosmos, 2018 (Detail) ,Teppichstücke auf Holz, 172 x 116 x 6 cm Courtesy die Künstlerin und WENTRUP, Berlin | Fotos: Trevor Good Darüber hinaus werden neue Fotografien der Serie »Best Friends« (2018) gezeigt, die im Sommer in Hannover entstanden sind. Während im ersten Teil die aktuellen gesellschaftlichen Fragen am Sujet des Individuums in den Medien Fotografie und Video verhandelt wurden, nimmt der zweite Ausstellungsteil verschiedene Ausdrucksformen von Gesellschaften in den Blick. Das Handwerk in Form von Teppichen und musikalischen Klängen können dabei als Stellvertreter von unterschiedlichen kulturellen Identitäten verstanden werden. In der Serie »Social Fabric« collagiert Aladağ verschiedene Textilien: von geknüpften Kelims über Schurwoll- und Seidenteppiche bis hin zu Sisal- und Wollteppichen. Deren Herstellungsverfahren und Produktionsorte reichen von traditionellen Knüpfungen aus Indien, dem Iran und der Türkei über kommerzialisierte orientalische Teppiche sowie industriell gefertigte Massenware des globalisierten Teppichsektors. Ohne sich zu überlagern, stehen die einzelnen Teile gleichwertig nebeneinander, ergeben ein »gesellschaftliches Gefüge« (»Social Fabric«). Schauplatz der Filme, Fotografien, Installationen, Skulpturen und Performances von Nevin Aladağ, deren Werk auf der documenta 14 einem breiten Publikum vorgestellt wurde, ist oftmals der öffentliche Raum, in dem das Spannungsverhältnis zwischen Gemeinschaft und Individualität besonders deutlich wird und im Sound der Stadt seinen Ausdruck findet. In der Videoarbeit »Top View« erzeugen die unterschiedlichen Rhythmen von Füßen auf Pflastersteinen und Straßen Münchens einen gemeinsamen Rhythmus, der zu einem Porträt des vielfältigen öffentlichen Stadtraumes wird. In »City Language I« erzeugt der städtische Raum in Istanbul mittels inszenierter Musikinstrumente neue Töne. Nicht der Atem oder eine spielende Hand erzeugen hier Klänge, sondern die Bewegung der Musikinstrumente durch die Stadt erzeugen darin Musik: Beispielsweise eine Flöte, die aus einem fahrenden Auto gehalten wird, sowie Klanghölzer, die eine Straße hinabrollen, oder Tauben, die an den Saiten einer mit Körnern bestreuten »bağlama« (einer türkischen Laute) rupfen. Kestner Gesellschaft Goseriede 11, 30159 Hannover kunst:stück 51

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