Werkstatt B2: Lehrerausgabe

praxisdaf

Werkstatt B2

Judith ist unverschuldet in eine Opferrolle geraten. Mit einem sehr guten Abitur, dem begehrten

Abschluss in Kommunikationswissenschaften von der Freien Universität Berlin, mit einem Jahr USA,

einem Praktikum in Amsterdam und mehreren Fremdsprachen fühlte sich Judith gut gerüstet. Doch

jetzt scheint all dies nichts mehr wert zu sein. Die junge Frau verbringt ihre Tage damit, Bewerbungen

zu schreiben - bisher ohne Erfolg.

Die Bundesagentur für Arbeit meldete ein Anwachsen der Arbeitslosigkeit unter Akademikern von

150.000 auf 167.000 innerhalb eines Jahres. Das ist der stärkste Anstieg seit dem Anfang des Jahrhunderts.

Damals war zwischen 2001 und 2002 die Zahl arbeitsloser Hochschulabsolventen von 180.000

auf 224.000 gewachsen.

Grund für die dramatische Entwicklung ist wieder eine konjunkturelle Krise. Die Experten sind nicht

überrascht: „Wir haben das erwartet“, sagt Klaus Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Die derzeitige Krise ist vor allem eine Krise der Exportnation Deutschland. Betroffen sind

Elektro-, Metall- und Hochleistungstechnologie - Branchen, in denen traditionell viele Facharbeiter

mit Hochschulabschluss beschäftigt werden.

Das Phänomen ist auch deshalb so beeindruckend, weil gleichzeitig die Arbeitslosigkeit bei denjenigen

ohne abgeschlossene Berufsausbildung gesunken ist: Von 1,4 Millionen im Januar auf 1,26

Millionen im Dezember - und das im Krisenjahr. Ιm Bereich Gesundheitswesen sind beispielsweise

letztes Jahr viele Geringqualifizierte eingestellt worden. Die Krise macht sich offenbar unterschiedlich

bemerkbar.

Sorgen um die Akademiker müsse man sich nicht machen, meint Brenke. „Ich halte das für einen konjunkturellen

Effekt und keinen langfristigen Trend. Sobald sich die Weltwirtschaft erholt, wird auch

die Anzahl arbeitsloser Akademiker sinken.“

Dabei kann sich Brenke auf die Statistik berufen. Demnach ist über Jahre die Zahl arbeitsloser Akademiker

ziemlich stabil geblieben: 1991 waren 180.000 Hochschulabsolventen arbeitslos, heute sind

es 170.000. „Wir dürfen nicht vergessen, dass Akademiker im Vergleich zu anderen bei der Jobsuche

privilegiert sind“, sagt Brenke.

Aufgabe 5 dient als Vorlage für die mündliche (Teil A) oder auch schriftliche (Teil B, als Hausaufgabe)

Sprachproduktion, in Anlehnung an SPRECHEN - Teil 2 bzw. SCHREIBEN - Teil 1. Sie beginnt mit einer Art

Brainstorming über etwaige Kriterien für die Entlassung von Mitarbeitern in Krisenzeiten und kann sehr

wohl in eine leidenschaftliche Debatte münden.

Aufgabe 6 zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich die Bildung von Adjektiven sein kann.

Aufgabe 7 ist eine eher leichte Umformungsaufgabe mit dem Ziel, die Lerner zum Nachdenken über den

freien Umgang mit Sprache und Satzelementen anzuregen.

In Aufgabe 8 müssen die Lerner in einem kurzen, authentischen Abschnitt aus dem Text acht verschiedene

Präpositionen ergänzen, ein schönes Beispiel dafür, wie bunt die Landschaft der deutschen Präpositionen

ist und wie aufmerksam man bei deren Gebrauch sein muss.

AB - Nicht verwechseln: „mehr“ und „mehrer-“

Die Komparativform „mehr“ und das unbestimmte Pronomen „mehrer-“ werden häufig miteinander

verwechselt. Der Lehrer nutzt das Auftauchen beider Wortformen im Text, um auf den Unterschied

im Gebrauch hinzuweisen. Die Aufgabe 9 kann arbeitsteilig bearbeitet werden (Gruppe A: Satz 1 bis 6,

Gruppe B: Satz 7 bis 12).

© Praxis

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