FINE Das Weinmagazin 03/2018 - Die Vignobles Silvio Denz

tretorri

FINE Das Weinmagazin ist in der Welt der großen Weine zu Hause. Hauptthema: Matarocchio

3| 2018 Deutschland € 15 Österreich € 16,90 Italien € 18,50 Schweiz chf 30,00

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MATAROCCHIO

WELTKLASSE: DER CABERNET FRANC VON GUADO AL TASSO

Bordeaux Burgund Loire Pfalz Großbritannien

Dreimal Faugères: Familientradition: Die Kunst der Perlage: Im Einklang mit der Natur: Auf der Weltbühne:

Die Vignobles Silvio Denz Die Domaine Faiveley Bouvet Ladubay Das Weingut Odinstal English Sparkling Wines


D E M N Ä C H S T

A U C H I N

Braunschweig

E R Ö F F N U N G

I M O K T O B E R

Die besten

Weingüter der Welt

Das Gute leben.

DAS WEINCABINETT IN DER MARKTHALLE KREFELD

Als interessierter Weinliebhaber, der Sie aufgrund dieser Lektüre zu sein scheinen,

sollten Sie einmal das WeinCabinett in Krefeld besuchen. Hier, inmitten des

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FINE

DAS WEINMAGAZIN 3|2018

BORDELAISER TRIO: FAUGÈRES 12 DIE DOMAINE DE CHEVALIER 28 DAS WEINGUT ODINSTAL 134

ENGLISH SPARKLING WINES 60

DER MATAROCCHIO VON GUADO AL TASSO 46

9 FINE EDITORIAL _________________ Thomas Schröder

12 FINE BORDEAUX ________________ Dreimal Faugères: Die Vignobles Silvio Denz

28 FINE BORDEAUX ________________ Die Domaine de Chevalier

36 FINE BURGUND _________________ Familientradition: Die Domaine Faiveley

46 FINE TOSKANA _________________ Furioses Solo: Der Matarocchio von Guado al Tasso

54 FINE VENETO ___________________ Das Weingut Monte del Frá

60 FINE GROSSBRITANNIEN _______ Auf der Weltbühne: English Sparkling Wines

72 FINE CHAMPAGNE ______________ Zweihundert Jahre Veuve Clicquot Rosé

MONTE DEL FRÁ 54 DER WINZER JOACHIM HEGER 102

TRÉSOR BLANC

SAUMUR BRUT AOC 86

DIE MAISON BOUVET LADUBAY 76

76 FINE LOIRE ______________________ Die Schaumweine der Maison Bouvet Ladubay

86 FINE DAS GROSSE DUTZEND ___ Trésor Blanc Saumur Brut AOC

90 FINE DIE PIGOTT KOLUMNE ____ La Rioja: Zwei Planeten für sich

94 FINE WEIN UND SPEISEN _______ Jürgen Dollase im Restaurant Atelier in München

102 FINE BADEN ____________________ Unbändige Gelassenheit: Der Winzer Joachim Heger

110 FINE FRAUEN IM WEIN __________ Alex Belson und der Masseto

116 FINE DIE WÜRTZ KOLUMNE ____ Herkunft statt Zucker: Das deutsche Weingesetz

118 FINE VINOTHEKEN ______________ Der Weinhandel Bürgerheim in Essen

124 FINE WEIN UND ZEIT ____________ Karl Marx und der Notstand der Moselwinzer (2)

132 FINE GENIESSEN _______________ Zu Steak nicht nur Rot

DER WEINHANDEL

ALEX BELSON 110 BÜRGERHEIM IN ESSEN 118 DIE DOMAINE FAIVELEY 36

VEUVE CLICQUOT ROSÉ 72

134 FINE PFALZ _____________________ Im Einklang mit der Natur: Das Weingut Odinstal

146 FINE ABGANG___________________ Ralf Frenzel

6 FINE 3 | 2018 INHALT INHALT FINE 3 | 2018 7


MUST BE GRAND VINTAGE

MUST BE MOËT & CHANDON

VEREHRTE LESERIN, LIEBER LESER,

wie mag wohl Ihr Sommer gewesen sein: Heiß? Sehr heiß? War er anstrengend, staubtrocken, schweiß- und

blutdruck treibend? Erschien er Ihnen womöglich makel- und endlos? Oder war er schlicht und poetisch »sehr

groß«? Wie auch immer – mein Sommer in den italienischen Marken war, nach einem recht nassen Frühjahr,

einfach wunderbar; im Kopf die irritierenden Nachrichten von der dauerhaft extremen Hitze zuhause, durfte ich

über Wochen sehr warme, doch ungewohnt wohltemperierte Tage im Schatten der Loggia oder des alten Walnussbaums

genießen, kühlen Wein und schöne Lektüre zur Hand, und nachts den leichten Wind fühlen, der von den

Bergen zum Meer herunterstrich, die Luft und das Haus durchfrischte. Wenn dies nicht nur Wetter gewesen sein

sollte, sondern schon Klima: so hielte man den Wechsel aus. Und doch: verkehrte Welt. Ich weiß, die Bauern

daheim und die Feuerwehren hatten ihre liebe Not – auch darum hätte niemand, nicht diesseits, nicht jenseits

der Alpen, diesem Sommer noch zwei südlichere Tage geben, geschweige denn den Winzern die letzte Süße in

den schweren Wein jagen wollen. Auf das Wetter dieses Jahres hätte sich Rainer Maria Rilke, der Dichter des

Versbildes »Herbsttag«, wohl keinen Reim machen können. Die Weinbauern, die mit einiger Sorge die eminent

steigenden Öchslegrade in ihren Trauben verfolgten, waren es im Großen und Ganzen dann doch zufrieden. Ob

es ein bedeutender Jahrgang wird, steht dahin – und im Zweifel darf ja nachgesäuert werden. Auf den nächsten

Sommer jedenfalls sind alle, im Norden wie im Süden, besser vorbereitet. Aber dann kommt’s wahrscheinlich

noch einmal ganz anders. »Vor der Natur«, hebt Rilke den Finger, »gibt es kein Urteil; sie hat immer recht.«

Fehler also machen nur wir Menschen. Oder auch nicht, und dann gibt es Erfolgsgeschichten. Dieses Heft

ist voll davon: FINE-Autor Stefan Pegatzky zum Beispiel hat die Weingüter Faugères in Saint-Emilion besucht,

drei Châteaus, die, mit Abwandlungen, alle diesen Namen auf den Etiketten ihrer Flaschen tragen. Silvio Denz,

der durchaus glamouröse Schweizer Unternehmer, der auch der Kristallerie des berühmten Art-Déco-Künstlers

René Lalique zu neuem Leben in moderner Eleganz verholfen hat, konnte die Weine des Trios wieder zu höchstem

Niveau führen und die Weingüter mit seriöser und zugleich spektakulärer Architektur zu einer Landmarke der

Region machen. »Alle, die in Schönheit gehn, werden in Schönheit auferstehn«, kommentiert der Dichter.

Noch so eine Geschichte: Wer hätte je ernstlich geglaubt, dass ausgerechnet die britischen Inseln, wo man

zwar eine große Weingenuss-, aber kaum eine Weinbau-Tradition pflegt, die Welt mit First-Class-Schaumweinen

beglücken würden – im Meer der schlechten Nachrichten doch einmal eine frohe Botschaft, die tatsächlich nicht

dem Klimawandel, sondern dem Ehrgeiz, dem festen Willen und dem Know-how britischer Winzer geschuldet

ist. »Fucking marvellous« – mit diesem Zitat eines englischen Weinbau-Pioniers belegt auch unser Autor Till

Ehrlich den Rang des perlenden Stoffs. We totally agree – und lassen den Dichter sprechen: »Dass etwas schwer

ist, muss ein Grund mehr sein, es zu tun!«

Die tollste Geschichte aber erzählt Rainer Schäfer – eine des produktivsten Zufalls. Als Unfall betrachteten

die Önologen des Bolgheri-Weinguts Guado al Tasso den Inhalt jener Fässer, in die der Jahrgang 2007 des Vigneto

Matarocchio gefüllt worden war. Reinsortiger Cabernet Franc – aber (vermeintlich) viel zu früh, weit vor der

Reife gelesen. Das konnte ja nichts werden. Doch dann mussten sie zu ihrer Verblüffung wahrnehmen, dass sich

der Wein zu sensationeller Aromatik entwickelte: Ein Stern war geboren! Heute, in seinem achten Jahrgang,

zählt der Matarocchio schon zu den raren Mitgliedern der neuen, jungen Weltklasse. Rilke, erfahrungsweise:

»Selbst der Irrtum erweist sich ja oft als Plattform, auf der sich fußen lässt.«

Nun erwartet uns der Herbst, ein goldener vielleicht, der die Winzer für ihr Bangen belohnt, Feldern und

Wäldern endlich schenkt, wonach sie dürsten, und auch uns Weinfreunden gibt, worauf wir ein langes Jahr

hoffen. Und wir bedenken: »Nur das Wahre ist groß, das wirklich Ehrliche« – in einer Zeit, in der Ehrlichkeit

zum Kampfbegriff der Verdreher und Verschwörer geworden ist, mag Rilkes Maxime doppelt nachdenklich

stimmen. Ihnen und uns wünsche ich klare Tage und reinen Wein.

Thomas Schröder

Chefredakteur

EDITORIAL FINE 3 | 2018 9


FINEAUTOREN

KRISTINE BÄDER Als Winzertochter aus Rhein hessen freut sie sich über die positive Entwicklung dieser Weinregion,

als ehemalige Chefredakteurin des Sommelier Magazins über die der deutschen Weine im Allge meinen.

Darüber hinaus hat die studierte Germanistin eine besondere Beziehung zu den Weinen aus Portugal.

DANIEL DECKERS Die Lage des deutschen Weins ist sein Thema – wenn er nicht gerade als Politik- Redakteur

der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Gott und die Welt, über Lateinamerika oder Rauschgift zur Feder

greift. An der Hochschule Geisenheim lehrt er Geschichte des Weinbaus und -handels. In seinem Buch »Wein.

Geschichte und Genuss« beleuchtet er durch mehr als dreitausend Jahre die Rolle dieses unschätzbaren Kulturguts

als Spiegel der Zeitläufte.

ARMIN DIEL Einerseits ist er Winzer – seine Weine von der Nahe spielen im nationalen wie im internationalen

Ranking eine Rolle. Andererseits ist er Publizist. Als einstiger Mitherausgeber des Wein-Gault-Millau hat er den

Guide an die Spitze der weinkritischen Publikationen in Deutschland gebracht.

JÜRGEN DOLLASE Kunst, Musik und Philosophie hat er in Düsseldorf und Köln studiert. Er war Rockmusiker

und Maler. Heute ist er der bei weitem einflussreichste Kritiker der kulinarischen Landschaft in Deutschland und

Europa. Vielbeachtet sind seine Bücher über die Kunst des Speisens; zuletzt erschien der Band »Geschmacksschule«

in der Reihe SZ Gourmet Edition (bei Tre Torri). Sein visionäres Kochbuch »Pur, präzise, sinnlich«

widmet sich der Zukunft des Essens.

TILL EHRLICH Der profilierte Weinkritiker und mehrfach ausgezeichnete Journalist hat sich als Autor von

unabhängigen Weinbüchern, kulinarischen Kolumnen und Essays einen Namen gemacht. Er kann Weine, Berge

und gedeckte Tafeln zum Sprechen bringen.

URSULA HEINZELMANN Die Gastronomin und gelernte Sommelière schreibt unter anderem für die

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, für Efflee und Slow Food sowie Bücher zum Thema Essen und

Trinken. Das jüngste Buch, »China – Die Küche des Herrn Wu«, (bei Tre Torri) gibt tiefe Einblicke in die vielfältige

Kochkunst der Chinesen.

UWE KAUSS In Weinkellern kennt er sich aus: Der Autor und Journalist schreibt seit zwanzig Jahren über

Wein, etwa für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und das Internetportal wein-plus.eu. Daneben hat

er sechzehn Sach- und Kindersachbücher, einen Roman und zwei Theaterstücke publiziert.

STEFAN PEGATZKY Der promovierte Germanist kam 1999 nach Berlin und erlebte hautnah mit, wie sich

die Metropole von der Bier- zur Weinstadt wandelte. Seit einigen Jahren schreibt er regelmäßig über Wein und

Genuss. In der Tre-Torri-Reihe »Beef!« erschien der Band »Raw. Meisterstücke für Männer«, in der »Gourmet

Edition – Kochlegenden« die Bücher zu Hans Haas und Marc Haeberlin.

STUART PIGOTT In der gehobenen Weinwelt ist er ein Begriff. Seit der 1960 in London geborene studierte

Kunsthistoriker und Maler im Wein, im deutschen Wein zumal, sein Lebensthema fand, hat er sich mit unkonventioneller

Betrachtungsweise in die Ränge der weltweit geachteten Autoren und Kritiker geschrieben. Sein

letztes Buch »Planet Riesling« erschien bei Tre Torri.

RAINER SCHÄFER wuchs in Oberschwaben auf und lebt seit zwanzig Jahren in Hamburg, wo er über die

Dinge schreibt, die er am meisten liebt: Wein, gutes Essen und Fußball, stets neugierig auf schillernde Persönlichkeiten,

überraschende Erlebnisse und unbekannte Genüsse. Als Ko-Autor hat er über »100 Länder, 100 Frauen,

100 Räusche« berichtet.

CHRISTIAN VOLBRACHT Der Journalist, Autor und Antiquar schreibt über Wein und Gastronomie, seit er

für die Deutsche Presse-Agentur in Paris gearbeitet hat. Seine besondere Leidenschaft gehört neben Wein und

gutem Kochen den Pilzen und Trüffeln. Er ist Sammler und Inhaber des Buchantiquariats MykoLibri, als Buchautor

ergründete er das Thema »Trüffeln – Mythos und Wirklichkeit« (bei Tre Torri).

DIRK WÜRTZ ist eigentlich Winzer. Seit 2018 ist er in einer Beteiligungsgesellschaft zuständig für die Wein-

Sparte. Seit 2008 schreibt er in seinem Blog über alles rund um den Wein. Er hat das erste Live-Wein-TV-Format

im Internet produziert und mit dem Magazin Stern die Video-Weinschule zu zahlreichen Themen gedreht.

MARTIN WURZER-BERGER Der studierte Künstler und katholische Theologe arbeitet in Münster als Maler

und importiert Weine, vor allem französische. Er ist Chefredakteur und Herausgeber der Avantgarde-Zeitschrift

»Journal Culinaire. Kultur und Wissenschaft des Essens« und Vorsitzender der Deutschen Akademie für Kulinaristik.

VERLEGER UND HERAUSGEBER

Ralf Frenzel

ralf.frenzel@fine-magazines.de

CHEFREDAKTEUR

Thomas Schröder

thomas.schroeder@fine-magazines.de

REDAKTION

Carola Hauck

ART DIRECTION

Guido Bittner

MITARBEITER DIESER AUSGABE

Kristine Bäder, Dr. Daniel Deckers,

Armin Diel, Jürgen Dollase, Till Ehrlich,

Gila Hausen, Ursula Heinzelmann, Uwe

Kauss, Dr. Stefan Pegatzky, Stuart Pigott,

Rainer Schäfer, Christian Volbracht, Dirk

Würtz, Martin Wurzer-Berger

FOTOGRAFEN

Guido Bittner, Rui Camilo, Marco

Grundt, Christof Herdt, Arne Landwehr,

Marc Volk, Thilo Weimar

VERLAG

Tre Torri Verlag GmbH

Sonnenberger Straße 43

65191 Wiesbaden

www.tretorri.de

Geschäftsführer: Ralf Frenzel

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Judith Völkel

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FINE Das Weinmagazin erscheint

vierteljährlich zum Einzelheft-Preis

von € 15,– (D), € 16,90 (A),

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Titel-Foto: Matarocchio, GUIDO BITTNER

10 FINE 3 | 2018 IMPRESSUM

Editorial-Foto: PEKKA NUIKKI

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht

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Verlag haftet nicht für unverlangt eingereichte

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sind urheberrechtlich geschützt.


GRENZÜBER SCHREITEND

DAS BORDELAISER TRIO FAUGÈRES

Von STEFAN PEGATZKY

Fotos MARCO GRUNDT

Vom Farnkraut leitet sich der alte

Gemarkungsname Faugères an der

Grenze der Appellationen Saint-

Emilion und Castillon ab. Heute

freilich wachsen auf den Kalksteinböden

fast ausschließlich Merlot-

Reben. Zu den Vignobles Silvio

Denz, die in beiden Regionen

liegen, gehören Château Faugères,

Château Péby Faugères und

Château Cap de Faugères. Hier

werden Weine in drei stilistischen

Varianten gekeltert: Der klassische

Saint-Emilion Grand Cru Classé

Faugères, die Luxus-Cuvée Péby

Faugères und der fruchtbetonte

Côtes de Castillon Cap de Faugères.

Klasse hat jeder von ihnen.

12 FINE 3 | 2018 BORDEAUX BORDEAUX FINE 3 | 2018 13


CHÂTEAU FAUGÈRES

Lange lag der Osten der Appellation Saint-Emilion im Dornröschenschlaf. Doch

dann machten in den neunziger Jahren auf einmal aufregende Weine aus der

Gemeinde Saint-Etienne-de-Lisse auf sich aufmerksam. Zu den Pionieren gehörte

schon damals Château Faugères. Seit der Schweizer Unternehmer Silvio Denz

das Weingut übernommen hat, ist dessen Renommee noch einmal merklich

gewachsen. Mit der aufsehenerregenden Kelterhalle von Star-Architekt Mario

Botta hat die Region nun auch eine Architektur-Ikone.

Austern über Austern. Nicht ein oder zwei Dutzend.

Tausende, zehntausende. Freilich nicht frisch und verzehrbereit,

sondern zu Kalk versteinert. Auch für das

Team von Château Faugères war es eine Überraschung, als an

ihrer Gemarkungsgrenze ein Nachbar bei Bodenarbeiten einen

etwa dreißig Meter breiten Aufschluss mit reinem »Calcaire à

huitres« freilegte. Denn diese Erdschicht kommt vor allem im

vierzig Kilometer entfernten Sainte-Croix-du-Mont vor. Entstanden

ist sie im älteren Miozän, vor zwanzig Millionen Jahren,

als der Atlantische Ozean die Mündungsarme von Dordogne

und Garonne flutete.

Der Kalkboden aus Austernschalen ist ein kleines, aber

wichtiges Puzzleteil, das Château Faugères seine besondere

geologische Charakteristik verleiht: Daneben gibt es den

älteren »Calcaire à Astéries«, den Bordeaux-Kalkstein aus

unzähligen versteinerten Knöchelchen von Seesternarmen,

und verschiedene Varianten von Tonerde: grauen, roten und

blauen Lehm, wie man ihn auch auf Château Petrus findet. Sie

prägen die drei unterschiedlichen Weinbergstypen des Gutes:

Hanglagen, Terrassen und Plateaus mit ihren teilweise verschiedenen

Unterböden (reiner Kalk oder Kalk-Lehm-Molasse).

Maßgeschneidert daran angepasst sind die Rebsorten: Merlot

(85 Prozent) in den kühleren Hanglagen, Cabernet Franc (10

Prozent) auf den Plateaus und Cabernet Sauvignon (5 Prozent)

in den wärmespeichernden Terrassen. Der Rebspiegel entspricht

diesen Bodenverhältnissen ebenso genau wie der späteren Verteilung

der Rebsorten in der Flasche. Dazu kommt eine Parzelle

mit Sauvignon Blanc und Gris sowie Sémillon, aus denen

der trockne Bordeaux Blanc von Faugères gewonnen wird.

Stephan Graf Neipperg von Château Canon-la-Gaffelière

hatte eine gute Nase, als er seinem Freund Silvio Denz den Vorschlag

zum Kauf von Château Faugères machte. Er hatte tatsächlich

einige Erfahrung mit unterbewerteten Weinbergslagen:

Das heruntergekommene Château d’Aiguilhe aus den Côtes de

Castillon hatte er zu einer ernstzunehmenden Alternative für

viele überteuerte Saint-Emilion-Weine gemacht und innerhalb

weniger Jahre aus dem unklassifizierten Saint-Emilion-Weingut

La Mondotte einen der Superstars der Region. Château Faugères,

das erst 1823 als Besitz der Familie Esquissaud aus dem Nebel

der Geschichte getreten war, bot im Prinzip eine vergleichbare

Ausgangsposition: ein Teil der Weinberge in den Côtes

de Castillon (Château Cap de Faugères), ein klassisches Saint-

Emilion-Weingut als Basis (Château Faugères) und eine Micro-

Cuvée mit höchsten Ambitionen (Château Péby Faugères).

Tatsächlich aber war Château Faugères längst kein Rohdiamant

mehr, der nur noch darauf wartete, geschliffen zu

werden. Als Silvio Denz den Besitz im März 2005 erwarb,

war das Gut auf einem ersten Höhepunkt seiner Geschichte

angelangt. Robert Parker hatte den Cap von 2003 als »Home

Run« bezeichnet, den 2000er Faugères einen der Weine mit

dem besten Preisleistungsverhältnis der Region genannt und

der Luxus-Cuvée Péby Faugères aus demselben Jahr als einem

der »Superstars des Jahrgangs« 96 Punkte verliehen. Das war

nicht schlecht für ein Weingut, das noch bis in die achtziger

Jahre seine Ernte als Fassware abgegeben hatte. Der Vater dieses

Aufschwungs, der Filmproduzent und Manager Pierre-Bernard

Guisez, der das Weingut 1987 von seinem Cousin Philippe

Esquissaud geerbt und durch erhebliche Investitionen wieder

ertüchtigt hatte, starb jedoch schon zehn Jahre später. Seine

Witwe Corinne, die es fast acht Jahre untadelig weiterführte,

sah jedoch keine Perspektive mehr, nachdem ihre Töchter sich

gegen eine Existenz im Weinbau entschieden hatten.

Silvio Denz, zu diesem Zeitpunkt achtundfünfzig Jahre

alt, war mit dem Verkauf von Parfum groß geworden.

1980 war er in die Zürcher Alrodo AG seiner Familie

eingestiegen, ein kleines Handelsunternehmen mit acht Mitarbeitern,

das er auf einhundertzwanzig Filialen mit achthundert

Beschäftigten ausbaute, bevor er es im Jahr 2000 an die

französische Parfumkette Marionnaud verkaufte. Der Deal bezog

sich allerdings nur auf das Vertriebsgeschäft – und da Alrodo mit

Alain Delon das vor allem in Japan äußerst erfolgreiche Parfum

Samurai geschaffen hatte, beschloss Silvio Denz, Kreation und

Produktion von Parfum auszuweiten, und gründete das Unternehmen

Art and Fragrance. Die Zusammenarbeit mit Delon

Für die neue Kellerei, ein Entwurf des

Schweizer Star-Architekten Mario Botta,

hat sich der Begriff »Weinkathedrale«

eingebürgert. Mitarbeiter sprechen

wegen des traumhaften Blicks über die

Rebzeilen von Château Faugères weniger

pathetisch von »Belvedere«. Hier in den

Weinbergen ist Yann Buchwalter, seit

2016 Gutsdirektor der Vignobles Silvio

Denz, häufig anzutreffen.

hatte ihn auf alte Parfumflakons aufmerksam gemacht, besonders

auf die kostbaren Art-Déco-Exemplare des französischen Glaskünstlers

René Lalique. 2008 wollte Denz die Parfumsparte

des Unternehmens erwerben, doch das war nur als Ganzes

zu haben. Also schlug er zu und ist seither auch Besitzer einer

Kristallglasmanufaktur, die seit 2016 seinem Unternehmenskonglomerat

als Lalique Group den Namen gibt.

Auch in der Weinwelt hatte sich Silvio Denz schon

intensiv engagiert, als er 2005 Château Faugères erwarb. Aufgewachsen

in einer vinophilen Familie, begann er seit dem

En-Primeur-Verkauf des fabelhaften Bordeaux-Jahrgangs 1982

Wein zu sammeln – bis heute fanden etwa fünfunddreißigtausend

Spitzenweine Eingang in seinen Keller. 1994 hatte er

mit Franz Wermuth und fünf weiteren Investoren Les Grands

Vins Wermuth gegründet, das heute in Weinvertrieb (Denz

Weine) und Auktionen (Wermuth Auktionen) in Zürich aufgeteilt

ist. Vier Jahre später hatte der Eigentümerkreis aus der

Idee heraus, gemeinsam ein Weingut als Urlaubsdomizil zu

besitzen, das katalanische Weingut Clos d’Agon an der Costa

Brava gekauft. Ganz ohne Ambitionen war freilich auch dieses

Projekt nicht: Als Berater wurde kein Geringerer als Peter

Sisseck verpflichtet, der Schöpfer des legendären Dominio

de Pingus aus dem spanischen Ribera del Duero. Der Traum

von Silvio Denz aber blieb Bordeaux, wegen seiner Schwäche

14 FINE 3 | 2018 Bordeaux Bordeaux FINE 3 | 2018 15


Zypressen säumen

den Eingang zu

Château Faugères.

Hier sind Yann

Buchwalter und

Kellermeister Daniel

Romero für sämtliche

Faugères-Weine

zuständig.

für Merlot vor allem das rechte Ufer der Gironde. Nachdem

er etwa dreißig Weingüter besucht hatte, fiel seine Wahl auf

Château Faugères.

Hier hatte die Besitzerfamilie Guisez schon früh ein ausgezeichnetes

Team versammelt. Betriebsleiter Alain Dourthe war

1997 zu Faugères gestoßen; zuvor war er unter anderem Gutsverwalter

von Château La Gaffelière gewesen, einem Premier

Grand Cru Classé von Saint-Emilion. Zahlreiche Engagements

als Flying Winemaker in Frankreich und der Neuen Welt hatten

ihn offen für neue Impulse gemacht, und so bestand sein erstes

großes Projekt 1999 in dem Entwurf einer bodenkundlichen

Karte für Château Faugères – eine Pioniertat im seinerzeit noch

sehr kellertechnisch orientierten Bordelais. Seit 1993 war zudem

der Merlot-Guru Michel Rolland als önologischer Berater des

Weinguts verpflichtet worden. Eine glückliche Konstellation,

auf der Silvio Denz aufbauen konnte.

Sein erstes großes Ziel war die Klassifizierung von Château

Faugères als Saint-Emilion Grand Cru, die dem Eintritt in einen

elitären Club gleichkommt: Von den etwa zwölfhundert Weingütern

der Appellation Saint-Emilion sind nur etwa achtzig als

Grand Cru Classé eingestuft. Immerhin gibt es hier, anders

als im Médoc, wo die Klassifikation seit 1855 nahezu unverändert

gilt, etwa alle zehn Jahre eine Neujustierung der seit

1955 bestehenden Regelung. Die Familie Guisez hatte bereits

einen Anlauf für 2006 vorbereitet, ihn wegen der Umstände

aber abgebrochen. Nun richtete sich der Blick auf 2012, das

Jahr der nächsten Aktualisierung.

Dabei waren die Hürden gerade auf Château Faugères

immens. Nicht wegen der Qualität des Weins, sondern wegen

der historischen Verhältnisse: Denn Verwaltung und Kellerei

befanden sich auf dem Gebiet der Gemeinde Sainte-Colombe –

das weinrechtlich zur Appellation Côtes de Castillon zählt, die

Weinberge hingegen etwa je zur Hälfte in Saint-Emilion und

in Castillon verteilt (siehe Seite 21, Cap de Faugères). Seit

einigen Jahren hatte man von einer Ausnahmegenehmigung

profitiert, aber die neuen Regularien des Syndicat Viticole von

Saint-Emilion ließen das nicht mehr zu. Für die Saint-Emilion-

Weingüter von Faugères war klar: Sie brauchten eigenständige

Keltermöglichkeiten.

Neben der Optimierung der Weinberge – durch Drainage

und den Zukauf von geeigneten hochklassigen sowie

den Verkauf von schwächeren Lagen – verschlangen

Planung und Bau der neuen Kellerei von Château Faugères in

den ersten Jahren einen Großteil der Energie. Besondern Wert

legte der perfektionistische Ästhet Silvio Denz auf den richtigen

Architekten. Drei kamen in die engere Auswahl: der spanischschweizerische

Künstler und Bauingenieur Santiago Calatrava,

der durch spektakuläre organisch-futuristische Entwürfe

berühmt geworden war, Frankreichs Architekturlegende Jean

Nouvel sowie der Schweizer Mario Botta, Erbe der Klassischen

Moderne und Gründer der Tessiner Schule. Calavatras Ideen

erschienen Silvio Denz zu futuristisch, Nouvel forderte schon vor

der ersten Zeichnung einen zu großen Scheck – Botta dagegen,

der nur Aufträge annahm, die ihn interessierten, stellte ihn vor

die Wahl, seinen Entwurf entweder zu akzeptieren oder die

Sache zu vergessen.

Denz verliebte sich sofort in den Entwurf und akzeptierte

ihn ohne Vorbehalte – und nach vier Jahren Planungs- und

Bauzeit nahm die neue Kellerei mit dem Jahrgang 2009 ihren

Betrieb auf. Tatsächlich ist der Bau eine großartige Schöpfung,

die zwar den Hügel gegenüber von Château Faugères dominiert,

sich aber durch den gelben Kalkstein von Saint-Emilion in die

Landschaft einfügt. Mit dem markanten schmalen Riegel, dem

sichtbaren Teil des dreistöckigen Weinkellers, und dem sich

wuchtig aufschwingenden Turm mit dem Verwaltungstrakt

und einem Degustationsraum, erinnert das Bauwerk an ein in

den Hügel gerammtes christliches Kreuz, zumal eine gläserne

Öffnung an der Front die Form eines Kelchs hat. Das mag der

Grund sein, warum sich bald der Name »Weinkathedrale« einbürgerte.

Mitarbeiter sprechen gern weniger pathetisch vom

»Belvedere«, wegen des traumhaften Blicks von hier über den

Besitz von Faugères.

Vor allem aber bietet das Gebäude optimale Bedingungen

zum Ausbau und zur Lagerung großer Weine. Über eine Rampe

wird das Lesegut direkt nach der Ernte in das oberste Stockwerk

der Kellerei gebracht, wo es nach manueller Sortierung

zunächst für zwölf Stunden in einen Kühlraum kommt. Nach

der optisch-digitalen Sortierung und dem Entrappen gelangen

die Beeren nach Parzellen getrennt durch natürliche Gravitation,

also ohne Pumpen, einen Stock tiefer in sechsundvierzig große,

aufrecht stehende Fermentationsfässer aus Eichenholz, in denen

nach fünf Tagen Kaltmazeration die etwa drei Wochen dauernde

Gärung stattfindet.

Der biologische Säureabbau und die anschließende

Lagerung finden im Barriquekeller in der untersten Etage

statt. Hier reift der Wein zunächst vier Monate auf der postmalolaktischen

Hefe und dann zehn weitere Monate zur Hälfte

in Neuholz, zur Hälfte in einmal gebrauchten Fässern. Für den

Grand Vin werden die besten Weine ausgesucht, zur Cuvée

assembliert und ohne Schönung abgefüllt – etwa neunzigtausend

Flaschen, das entspricht fünfzig Prozent der Ernte.

Der Rest fließt in den Zweitwein Chartreuse de Faugères oder

wird fassweise verkauft.

Der Durchbruch blieb nicht aus. Gleich der

Jungfernjahrgang aus dem neuen Keller 2009

war ein großer Erfolg. 2012 kam der Ritterschlag:

Château Faugères wurde in den Rang

eines Saint-Emilion Grand Cru Classé erhoben.

Silvio Denz freilich dachte gar nicht daran, es

dabei zu belassen. 2016 übernahm – nach einem

intensiven, vielstufigen Bewerbungsverfahren –

Yann Buchwalter die Aufgabe des Gutsdirektors

der Vignobles Silvio Denz. Der Absolvent der

Universität von Bordeaux und Schüler von Denis

Dubourdieu und Michel Rolland hatte nach

Stationen in Südafrika für die Médoc-Weingüter

der Compagnie Vinicole Baron Edmond de Rothschild

als Technischer Direktor gearbeitet, insbesondere

für Château Clarke in Listrac.

Mit einem Team von fünfunddreißig

festen Mitarbeitern, allen voran der

erfahrene Weinbergsmanager Jean-Claude Sales

und der junge Kellermeister Daniel Romero, die für sämtliche

Weine des Gutes verantwortlich sind, will Yann Buchwalter

den Gewächsen von Château Faugères noch mehr Frische verleihen:

durch eine feine Balance der wuchtigen, aromatischen

Weine der Hanglagen und der eher mineralisch-salzigen des

Plateaus sowie durch noch genaueres Säure- und Tannin-

Management, das für den Weinmacher zu den Schlüsselparametern

der modernen Önologie zählt. Dazu gehört auch eine

minutiöse Arbeit in den siebenunddreißig Hektar Weinbergen

mit durchschnittlich fünfunddreißig Jahre alten Reben: eine biologisch

nachhaltige Bewirtschaftung etwa, eine frühere Lese

und intelligentes Laubwandmanagement. In den östlich ausgerichteten

Rebzeilen wird die Frontseite möglichst entlaubt,

um viel kühle Morgensonne einzufangen, während auf der nach

Westen ausgerichteten Rückseite eine volle Blätterwand die

Trauben vor der brennenden Nachmittagssonne schützen soll.

Die Probe des gerade abgefüllten Jahrgangs 2016

bestätigt, dass Château Faugères sich mitten in einem vielversprechenden

stilistischen Wandel zu noch mehr Präzision

und Eleganz befindet. Täglich, sagt Yann Buchwalter, sei er mit

Silvio Denz in Kontakt, per Mail, per Telefon. Er möge diesen

hohen Anspruch. Nicht umsonst ziert La Calice, der Kelch von

der Front der Weinkathedrale, die Flaschen des neuen Jahrgangs

von Château Faugères,

umgesetzt von Glaskünstlern

des Hauses Lalique. Früher

sollen die Priester die Sitte,

nur die besten Weine zum

Abendmahl zu verwenden,

listig mit dem Satz begründet

haben: »Wir wollen doch

nicht, dass der Herr bei der

Heiligen Kommunion das

Gesicht verzieht.« Bei einem

Glas Château Faugères hätten

sie sich wahrlich keine Sorge

zu machen brauchen.

Die Rückseite der

Weinkathedrale

präsentiert sich

funktional. Hier

werden die Trauben

angeliefert, die nach

manueller Sortierung

zunächst für zwölf

Stunden in einen

Kühlraum kommen.

16 FINE 3 | 2018 Bordeaux Bordeaux FINE 3 | 2018 17


CHÂTEAU

PÉBY

FAUGÈRES

Seit dem Jahrgang 2009 ziert »Le Merle et les Raisins«

nach einer Glasskulptur von René Lalique jede Flasche Péby

Faugères. Hier wird darauf verwiesen, das sich das Wort

Merlot von »Merle«, der Amsel, ableitet. Das Weinglas kommt

natürlich auch aus der Manufaktur Lalique von Silvio Denz.

Ohne Zweifel gehören die Weine von Château Péby Faugères zu den großen

dieser Welt. Was Pierre-Bernard Guisez in den achtziger Jahren begonnen und

seine Witwe Corinne seit dem ersten Jahrgang 1998 fortgesetzt hatte, ist heute

das Kronjuwel der Vignobles Silvio Denz geworden. Anfang des Jahrtausends

hatte reinsortiger Merlot mit Gegenwind zu kämpfen; nun wird ein Anlauf

genommen, dem Weingut einen angemessenen Platz in der Appellation Saint-

Emilion einzuräumen.

Er muss ein charismatischer Mann gewesen sein: Pierre-

Bernard Guisez, oder Péby, wie ihn seine Freunde

nannten. Aus der Werbung kommend hatte er sich 1974

der französischen Filmvertriebsfirma UGC angeschlossen, deren

wichtigster Teilhaber er schließlich wurde. 1985 gründete er

innerhalb des Unternehmens die Sparte Video-Rechte, die

zum größten Inhaber von Videorechten in Frankreich wurde;

damit saß er in der Goldgräberzeit des Videozeitalters direkt an

der Quelle. Nach dem Verkauf seiner Anteile vier Jahre später

verlegte er sich unter eigenem Namen auf Filmproduktion

und -vertrieb, bevor er schließlich 1990 gemeinsam mit dem

Filmproduzenten Tarak Ben Ammar und Silvio Berlusconi die

Firma Quinta gründete, ein Schwergewicht des europäischen

Fernsehens dieser Jahre, an dem sich schließlich auch Leo

Kirch beteiligte.

Aber Pierre-Bernard Guisez hatte 1987 auch ein Weingut

ganz im Osten der Appellation Saint-Emilion geerbt, in das er

mindestens so viel Leidenschaft und Energie stecke wie in seine

Filme, von den Kosten gar nicht zu reden. Zehn Jahre später

starb er mitten in der Weinlese, gerade einmal zweiundfünfzig

Jahre alt. Mit dem Berater Michel Rolland entschied seine Witwe

Corinne, eine Spezialcuvée abzufüllen, eine »hommage à un

homme rare«, wie der Önologe es nannte. Doch weil das Wetter

nicht mitspielte, wurde das Projekt um ein Jahr verschoben.

Schließlich wurde 1998 der Debüt-Jahrgang von Château Péby

Faugères, ein reinsortiger Merlot von den besten Parzellen des

Gutes. Der Weinkritiker Robert Parker bezeichnete ihn als

einen der »Superstars des Jahrgangs« und vergab 95 Punkte.

Damit war der Wein von einem Tag auf den anderen auf der

imaginären Landkarte der Sammler in aller Welt gelandet. Zwei

Jahre später sah Parker das Fassmuster des 2000ers schon bei

95 bis 98 Punkten. Der Hype konnte beginnen.

Von null auf (nahezu) hundert Punkte zu kommen, war

in diesen Jahren zwar immer noch ungewöhnlich, aber diese

Geschichten gab es, und sie nahmen zu. Und irgendwie ähnelten

sie einander: eine Mikro-Cuvée, von Außenseitern oder Neueinsteigern

in einem abgelegenen Terroir erzeugt, mit einem möglichst

hohen Merlot-Anteil und nicht selten mit der Beratung

von »Monsieur Merlot« Michel Rolland. Tatsächlich waren

die neunziger Jahre die Blütezeit der »Garagistes«, die ihre

unkonventionellen Weine in improvisierten Kellern abfüllten,

und die der »Merlot Mania«, einer fast blinden Konsumentenliebe

für die französische Rebsorte. 2004 begann sich diese

Zuneigung allerdings in ihr Gegenteil zu verkehren: Nach dem

amerikanischen Independent-Film »Sideways«, der Pinot

Noir zum neuen It-Drink verklärte, vor allem aber nach dem

Dokumentarfilm »Mondovino« von Jonathan Nossiter, der

Michel Rolland und seine Merlot-Präferenz zur Karikatur verzerrte,

war Merlot auf einmal nur noch so sexy wie Papas alte

Jeans.

Tatsächlich hatten sich am Merlot schon immer Diskussionen

entzündet. Zunächst natürlich wegen der

grundlegenden Gegensätze von linkem und rechtem Ufer

im Bordelais, also den Cabernet-betonten Weinen von Médoc

und Graves und den Merlot-betonten von Pomerol und Saint-

Emilion. Diese Zweiteilung ist zum einen eine Sache von Geologie

und Klima: Während links der Gironde die spätreifenden

Cabernet-Trauben auf den hitzespeichernden Kieselböden in

guten Jahren zur vollen Reife gelangen, reichen den frühreifen

Merlot-Trauben die kühleren tonigen Kalkböden rechts des

Flusses. Dort aber bestehen gravierende historische Vertriebsnachteile:

Die Weine des Médoc und aus den Graves konnten

via Bordeaux schon früh in alle Welt gelangen, während sich

für Pomerol und Saint-Emilion erst 1822 durch den Bau der

Gironde-Brücke die internationalen Handelswege öffneten. Das

sorgte nicht zuletzt auch dafür, dass diese Regionen nicht in die

Klassifizierung von 1855 eingebunden wurden. Zum anderen

spielten die deutlich unterschiedlichen Charaktere der Rebsorten

eine Rolle: hier die tanninbetonten, langlebig-aristokratischen

Cabernets, dort die alkoholreichen, opulent-fruchtbetonten

Merlots. Die lange bestehende Allianz des Médoc zum

Hauptabsatzmarkt England formte insbesondere in Weinhandel

und -kritik eine deutliche Hierarchie zugunsten des Cabernet.

Aber auch innerhalb der Appellation Saint-Emilion gab es

Differenzen zum Thema Merlot. Hier galten nur zwei Terroirs

als würdig, wirklich große Weine hervorzubringen: die kieshaltigen,

wärmespeichernden Graves an der Grenze zu Pomerol

und die tonigen Kalkböden um die Stadt Saint-Emilion. Tatsächlich

bestand die Appellation seit 1289 aus neun Pfarreien

mit weitaus mehr Bodenformationen, aber sämtliche 1955 als

Grand Cru Classé klassifizierten Weine stammten entweder

von den »Côtes« oder den »Graves«, und damit nahezu ausnahmslos

aus der Gemeinde Saint-Emilion. Das änderte sich

mit den Jahren ein wenig, aber nahezu alle Kartenwerke bis

zu Hugh Johnsons »World Atlas of Wine« (6. Auflage, 2007)

zeigen Details der Appellation nur bis zur Gemeinde Saint-

Laurent-des-Combes im Zentrum.

Als Jean-Luc Thunevin 1991 ausgerechnet ganz im Osten

der Region, in der Gemeinde Saint-Etienne-de-Lisse, mit

Château Valandraud die Bewegung der Garagenwinzer in Saint-

Emilion ins Rollen brachte, war das sowohl den konservativen

Winzern im Bordelais wie

der angelsächsischen Presse

zunächst ein Dorn im Auge.

Sie sahen das als Auswirkung

des damals grassierenden

»Kalifornien-Virus« an, wie

der amerikanische Weinautor

Elin McCoy die Vorstellung

nannte, an einem

beliebigen Ort, nur durch

niedrigste Erträge überextrahierten,

superreifen

Leseguts Weine mit opulenter

Fülle und überbordender

Frucht zu gewinnen, die

der (amerikanischen) Weinkritik

wie dem hedonistischen

Publikum der neunziger Jahre

möglichst viel unmittelbare

Freude bringen sollten und,

noch schlimmer, als Vorbilder

für all die unseriösen

und massenhaft erzeugten

Industrie-Merlots auf der

ganzen Welt dienten.

Tatsächlich war diese

erbittert geführte Debatte

in großen Teilen ein Scheingefecht.

Guisez, Thunevin

und die vielen, die ihnen nachfolgten,

waren ja nicht nach

Saint-Etienne-de-Lisse gezogen wie Immobilieninvestoren

auf der Suche nach billigem Grund und Boden. Sondern weil

sie die gleichen Bodenverhältnisse wie in den Côtes von Saint-

Emilion vorgefunden hatten: die einzigartigen Kalkböden auf

dem Untergrund von Seeigel-Kalkstein oder der Molasse-Böden

des Fronsadais. Mit Château Rol Valentin kam ein weiteres

Garagenweingut (das zumindest die Hälfte seiner Trauben

aus Saint-Etienne-de-Lisse

bezieht) in den Osten der

Appellation, und mit Château

Pressac und Château Fleur-

Cardinale zeigten sich zwei

Nachbarn von Château

Faugères bald in neuem Glanz.

Doch Château Péby

Faugères hatte etwas ganz

Besonderes. 1998 hatte Michel

Rolland zwei Merlot-Parzellen

für die Cuvée ausgesucht: La

Butte,südlich ausgerichtet,

mit altem Rebbestand, und

die Hanglage Rolland, deren

ältester Teil 1965, der jüngste

1990 angelegt worden war,

Noch werden die

Weine von Château

Péby Faugères in

einem Provisorium

ausgebaut. Hier soll

in zwei Jahren zur

Freude nicht nur von

Yann Buchwalter und

Weinbergsmanager

Jean-Claude Sales

eine neue Kellerei

gebaut werden.

18 FINE 3 | 2018 Bordeaux Bordeaux FINE 3 | 2018 19


In sogenannten

Oxo-Lines, einem

modularen Fass-

Stapel-System,

stehen die Barriques

von Château Péby

Faugères. Hier wird

Platz gespart, an

dem es in dem

einstigen Garagenweingut

noch fehlt.

insgesamt siebeneinhalb Hektar auf Kalksteinboden über

Molasse-Untergrund, den Kees van Leeuwen, Professor für

Weinbau an der Universität von Bordeaux, zu den wertvollsten

von ganz Saint-Emilion zählt. Die Klone dieser Rebstöcke waren

durch Selection massale in einer eigenen Rebanlage gewonnen

worden und ergaben gerade einmal achtzehn Hektoliter pro

Hektar. Der Gutsverwalter Alain Dourthe sprach damals von

einem »burgundischen Ansatz« auf Péby Faugères: mit Lagen

im Sinne burgundischer Crus, mit einer einzigen Rebsorte (und

keinem Blend) und altem, selbst selektioniertem Rebmaterial.

Das war das glatte Gegenteil der Merlot-Karikaturen, die

allenthalben als Drohbilder

den Untergang europäischer

Weinkultur beschworen.

Sicher waren auch auf Château

Péby Faugères anfangs die

zeittypischen Übertreibungen

der neunziger Jahre zum Teil

übernommen worden: zu

reifes Lesegut, zu intensiver

Holzeinsatz. Doch unbestreitbar

war Péby Faugères ein

Wein aus eigenem Recht.

Nachdem Silvio Denz

die Guisez-Besitzungen

2005 gekauft

hatte, setzten sofort die

Bemühungen um die Höhergruppierung

des Weins ein.

Corinne Guisez hatte eine

Bewerbung für 2006 vorbereitet,

sie aber wegen mangelnder

Betriebsgebäude für

die Weingüter Faugères, Péby

Faugères und Cap de Faugères

nicht eingereicht. Silvio

Denz zögerte ein paar Jahre,

ob er den Péby Faugères weiter

als eigene Schlossabfüllung

oder – wie zwischen 2005 und

2008 – als Château Faugères

Cuvée Spéciale Péby vermarkten sollte. Der enorme Erfolg des

Weins ließ ihn für die Eigenständigkeit optieren. So richtete

man sich für beide Châteaus auf 2016 als nächsten Termin ein –

da üblicherweise die Neuklassifikationen des Syndicat Viticole

de Saint-Emilion im Zehnjahresabstand vorgenommen werden.

Die Klassifikation von 2006 war von Skandalen begleitet gewesen

und hatte erhebliche juristische Nachspiele nach sich gezogen,

weshalb sie erst 2009 in Kraft trat – freilich nur für drei Jahre.

In der nächsten Runde, im Jahr 2012, erreichten die Châteaus

Faugères und Péby Faugères endlich Grand-Cru-Classé-Status.

Doch die Zeit war reif für den nächsten Schritt. Über

den Grands Crus Classés thront der erhabene Olymp der

Premiers Grands Crus Classés A und B, mit derzeit achtzehn

Weingütern, in den freilich in den letzten Jahren erhebliche

Bewegung gekommen war. Unter den Aufsteigern von 2012

in diesen erlauchten Kreis befand sich etwa mit La Mondotte

von Stephan Graf Neipperg ein Weingut ohne den üblichen

»Stammbaum« – und mit Château Valandraud ein Nachbar

aus derselben Gemeinde Saint-Etienne-de-Lisse. Doch das

Pflichtenheft, das es vor der Bewerbung abzuarbeiten gilt,

hat es in sich: Gefragt wird nach der Qualität der Böden und

dem Niveau der Weinbergsbewirtschaftung, den Methoden

und der Ausstattung der Kellerei, der Qualifizierung der Mitarbeiter,

aber auch nach den Möglichkeiten des Empfangs und

der Degustation, nach der Position des Weins im Weinmarkt,

den erzielten Preisen sowie den Ratings bei Kritikern – und

schließlich muss in einer Verkostung eine über fünfzehn Jahre

gleichbleibend hohe Qualität des Weins nachgewiesen werden.

Die Entwürfe für eine eigene Kellerei von Château Péby

Faugères legte Mario Botta 2013 vor: eine erstaunliche Planung,

im gleichen gelben Kalkstein gehalten wie die nahe »Weinkathedrale«

von Château Faugères und inspiriert von den

gallorömischen Taufkirchen Südfrankreichs wie von bauchigen

Tonvasen, aber auch an eine asiatische Jurte erinnernd. Als

die Bürgermeisterin von Saint-Etienne-de-Lisse protestierte,

wurde das Projekt erst einmal auf Eis gelegt. Ein neuer Entwurf

ist in Arbeit, voraussichtlicher Baubeginn wird in zwei

Jahren sein: Wenig dringt davon nach außen, nur dass er dem

neuesten Stand der Technik entsprechen soll und den Eingang

eine plastische Umsetzung der Glasskulptur »Le Merle

et les Raisins« von René Lalique schmücken wird, deren Bild

seit dem Jahrgang 2009 jede Flasche des Péby Faugères ziert –

eine Anspielung auf den Inhalt, denn das Wort »Merlot« leitet

sich von »Merle« ab, und das heißt: Amsel.

Seit 2011 werden die Weine von Péby Faugères in einem

Provisorium ausgebaut, das an die Anfänge des Châteaus

als Garagenweingut erinnert. Der Ausbau verläuft ähnlich

wie bei Faugères (inklusive Kaltmazeration und optischem

Sortiertisch), allerdings werden die entstielten Beeren teilweise

in Barriques vergoren, die in sogenannten Oxo-Lines stehen,

einem modularen Fass-Stapel-System. Das ist nicht nur praktisch

und platzsparend, sondern erlaubt auch die Anwendung des

patentierten Fermentationsprozesses »Vinification intégrale«,

das etwa eine digital kontrollierte Rotation beim Umrühren der

Hefe ermöglicht und zu erhöhter Farbausbeute und Extraktion

führt. Die Trauben werden in kleinen Vertikal-Pressen entsaftet,

was einen aromatischen Presswein von höchster Qualität ergibt,

der in manchen Jahren bis zu fünf Prozent des Grand Vin ausmachen

kann. Der Erstwein lagert achtzehn Monate in zu 80

Prozent neuen Barriques auf der Feinhefe (der Zweitwein La

Merle de Péby Faugères in einjährigen kleinen Fässern), bevor

er ungefiltert abgefüllt wird. Die Ausstattung der Flaschen ist

exklusiv: Neben der Lalique-Gravur fällt sofort das Art-Déco-

Etikett auf; weniger offensichtlich ist dagegen die beste Korkqualität

von Bouchons Trecases, das Stück zu gut einem Euro –

das ist bei zwölftausend Flaschen pro Jahrgang schon ein Betrag.

Heute gehen achtzig Prozent des Péby Faugères in den

Export, hauptsächlich in die Vereinigten Staaten, nach China,

Japan Südkorea. Vielleicht hat sich die alte Welt noch nicht

recht vom Merlot-Bashing erholt. Immerhin: 2015 hat Robert

Parker dem Jahrgang 2005 bei einer Nachverkostung 100 Punkte

verliehen. Gutsdirektor Yann Buchweiler ist sicher: »In der

Zukunft werden wir das Potential unserer großen Lagen noch

besser umsetzen.« Ab 2022 dann vielleicht als Premier Grand

Cru Classé B.

CHÂTEAU

CAP DE FAUGÈRES

In Castillon errang Frankreich im Hundertjährigen Krieg einen der größten militärischen Siege seiner

Geschichte. Weinhistorisch standen die Côtes de Castillon dagegen immer im Schatten von Saint-Emilion.

Zu Unrecht, wie ein genauer Blick erweist. Doch das kann dem Konsumenten nur recht sein, denn von hier

kommen viele herausragende Weine zu moderaten Preisen. Auf Château Cap de Faugères übertrumpft man

sogar so manchen Grand Cru Classé.

Wer aus Berlin stammt, hat ein sensibles Gespür für

Grenzen, sichtbare wie unsichtbare. In Deutschlands

Hauptstadt kann man sie hie und da noch erkennen,

Mauerteile, manchmal nur eine Markierung auf dem Boden.

Hier findet sich nichts davon. Steht man am Ursprung der drei

Châteaus Faugères, Péby Faugères und Cap de Faugères, gibt

es keine Linie und kein Hinweisschild. Und doch verläuft hier

die Appellationsgrenze zwischen Saint-Emilion und Castillon.

Für Weinkenner war sie lange Zeit fast so einschneidend wie

der Eiserne Vorhang. Dabei wachsen hüben wie drüben die

gleichen Trauben auf nahezu identischem Boden. Wie kam

es also zu dieser Abgrenzung?

Eigentlich kann man den Vicomtes de Castillon keinen

Vorwurf machen. Meist standen sie auf der richtigen Seite der

Geschichte. Ausgezahlt hat es sich freilich nie, im Gegenteil.

Tatsächlich waren sie mächtige Fürsten, die den Flussübergang

der Dordogne im Südwesten Frankreichs sichern sollten.

Den ersten schweren Fehler beging Olivier de Castillon, als er

im Jahr 1079 auf Bitten des Erzbischofs von Bordeaux einigen

Mönchen den Ort überließ, an dem sich das Grab des Einsiedlers

Aemilianus befand, der zu seinen Lebzeiten Wunder

gewirkt haben soll. Und aus Geldnot verkaufte er kurz darauf

auch noch die nach dem Eremiten benannte Kirche Saint-

Emilion für zweitausend Sous.

Das wäre kaum erwähnenswert, hätte sich nicht gut hundert

Jahre später einer seiner Nachfahren am Aufstand der Barone

gegen Richard Löwenherz beteiligt, der durch die Heirat seines

Vaters König Heinrich II. mit Eleonore von Aquitanien zum

Herrscher der Region geworden war. Richard Löwenherz wusste,

wie er den Vicomte ärgern konnte, und verlieh Saint-Emilion

die Stadtrechte. Aus dem kleinen Stachel im weiten Besitz von

Castillon war ein veritabler Fremdkörper geworden. Als dann

aus ungeklärten Gründen das entsprechende Dokument verlorenging,

bestätigte Johann Ohneland, Richards Nachfolger als

König von England und Herzog von Aquitanien, noch in dessen

Todesjahr 1199 diese Stadtrechte in der berühmten Charter of

Falaise. Als fünfzig Jahre später die Castillons erneut den Aufstand

probten, diesmal gegen Simon de Montfort, den Statthalter

Edwards I., bedankte der sich, indem er Saint-Emilion acht

Von etwa fünfundvierzig

Hektar Rebland

ist Château

Cap de Faugères

umgeben. Hier

in den Côtes de

Castillon wachsen

wie in Saint-Emilion

überwiegend

Merlot sowie etwas

Cabernet Franc und

Cabernet Sauvignon.

20 FINE 3 | 2018 Bordeaux Bordeaux FINE 3 | 2018 21


Um die Bio diversität

zu erhöhen, wurden

auf Château Cap de

Faugères allein vier

Hektar mit Hecken

und Sträuchern

bepflanzt und

die Rebzeilen

begrünt. Hier ist

die Landschaft

hügeliger und reizvoller

als anderswo

im Bordelais.

Pfarreien aus dem Besitz der Castillons zuschlug und schließlich

1289 dem Distrikt der »Neun Pfarreien« unter anderem das

alleinige Recht zusprach, einen Wein namens »Saint Emilion« zu

erzeugen: de facto eine der frühesten, noch heute existierenden

Herkunftsbezeichnungen der Weingeschichte. 1936 legte der

französische Staat die Appellationen für ausgewählte Weinanbaugebiete

fest, im Fall von Saint-Emilion entsprachen sie

exakt den Grenzen der neun Pfarreien.

Keine Frage der Qualität also, sondern einfach eine der

Machtpolitik. Dass die Pfarrei von Saint-Étienne-de-Lisse im

Osten von Saint-Emilion zur Appellation gehörte und nicht etwa

die benachbarte Pfarrei Sainte-Colombe, hatte seine Ursache

in dem Strafmaß der englischen Krone gegen den Vizegrafen

von Castillon. Und dass sich der Gesetzgeber gut sechshundertfünfzig

Jahre später bei der Festlegung der Appellationsgrenzen,

anders als etwa im Burgund, einfach der mächtigen Weinhandelsorganisation

Syndicat Viticole de Saint-Emilion, dem Erben der

mittelalterlichen Weinhändlergilde »Jurade«, anschloss, war nur

mehr eine Folge von geschicktem Lobbying. Immerhin wurde

Castillon durch historischen Ruhm entschädigt, denn hier war

es, wo die französischen Soldaten 1453 den entscheidenden

Sieg über England errangen, was das Ende des Hundertjährigen

Krieges und die Räumung Südwestfrankreichs von englischen

Truppen bedeutete. Noch heute trägt Castillon – das seit 1953

Castillon-la-Bataille heißt – ausschließlich vier französische

Lilien im Wappen, während sich in dem von Saint-Emilion

auch der englische Löwe findet. Honi soit qui mal y pense.

Anders als im Nachbarweingut Château de Pressac,

wo 1453 die englische Kapitulationsurkunde unterschrieben

wurde, sind auf Château Faugères diese Ereignisse

nicht unmittelbar greifbar. Vermutlich erst um 1550 gab es

eine Niederlassung namens Faugères, und erst um 1770 wurde

das kleine Jagdschloss erbaut. »1783« ist in den Schlussstein

über dem Eingang zum Weinkeller gemeißelt, und der erste

Name eines Eigentümers taucht erst im Jahr 1823 auf: die Familie

Esquissaud. Aber ohne einen Blick in den fernen Spiegel des

Mittelalters ist die Gegenwart des Weinguts, das Rebbesitz

sowohl in Saint-Emilion als auch in Castillon hat, kaum verständlich.

Das beginnt schon beim Namen. Denn ein Château

Cap de Faugères gibt es erst seit dem 1990er Jahrgang. Zuvor

wurde die gesamte Ernte – sowohl die aus der Gemeinde Sainte-

Colombe (Castillon) wie die aus Saint-Etienne-de-Lisse (Saint-

Emilion) – fassweise an Négociants abgegeben, die die Weine

dann unter den unterschiedlichen Appellationen vermarkteten.

Winziger Unterschied: Der Saint-Emilion des Gutes wurde lange

Jahre als »Château Faugère« etikettiert, der Castillon »Château

Faugères« mit dem Plural-s. Das Weingut selbst befand sich

nur wenige Meter auf der »falschen« Seite der Appellation,

gehörte also zur Gemeinde Sainte-Colombe.

Nicht nur der Name, auch die Appellation hatte sich auf

Faugères mehrfach verändert. Bis in die Zwanzigerjahre hatten

die Nachbarregionen von Saint-Emilion häufig die Bezeichnung

»près Saint-Emilion« oder »Saint-Emilionais« geführt, was

man in Saint-Emilion als blanke Usurpation verstand und deshalb

mit aller Kraft auf gesetzliche Regeln zur Einführung einer

AOC »Saint-Emilion« drängte. Nach 1936 durfte die Konkurrenz

ihre Weine nur noch als einfachen »Bordeaux« etikettieren,

was wiederum lang anhaltende Proteste auslöste, die 1955 für

die Weine aus Castillon zu dem Zusatz »Bordeaux Côtes de

Castillon« beziehungsweise »Bordeaux Supérieur – Côtes de

Castillon« führte – im Renommee immer noch Galaxien entfernt

von den Bezeichnungen »Saint-Emilion« oder gar »Saint-

Emilion Grand Cru«. Erst 1989 hat der Gesetzgeber darauf

mit einer eigenständigen AOC »Côtes de Castillon«, seit 2009

»Castillon – Côtes de Bordeaux«, reagiert.

Mehr war nicht zu erwarten. Es blieb die Aufgabe

engagierter Winzer, den Blick auf die Weine aus Castillon zu

lenken. Als Pionier tat sich damit ein Seitenspross der Familie

Esquissaud hervor, der Filmproduzent und Manager Pierre-

Bernard Guisez, der Château Faugères 1987 von seinem Cousin

Philippe Esquissaud erbte. Er investierte erheblich und schuf

fünf Jahre später mit dem Neubau des Weinkellers die Grundlage

für die Renaissance der Region. 1999 riefen der berühmte

Weinberater Stéphane Derenoncourt und seine Frau Christine in

unmittelbarer Nähe die Domaine de l’A ins Leben, 2001 konnte

Gérard Perse, der Besitzer von Château Pavie, das benachbarte

Château Lapeyronie erwerben und als Clos Lunelle zum Erfolg

führen. Schon 1989 hatte Stephan Graf Neippberg von Château

Canon-La-Gaffeliere dem weiter nördlich gelegenen Château

d’Aiguilhe zu neuem Glanz verholfen.

Das jüngste Kapitel von Château Cap de Faugères brach

2005 mit dem Verkauf der Guisez-Weingüter an den

Schweizer Unternehmer Silvio Denz an, den sein Freund

Stephan Graf Neipperg auf die Gegend aufmerksam gemacht

hatte. Pierre-Bernard Guisez war 1997 mit zweiundfünfzig

Jahren verstorben, seine Witwe Corinne hatte acht Jahre lang

die Weingüter allein geführt, bis das Desinteresse der beiden

Töchter den Verkauf nahelegte. Die Pläne von Silvio Denz

konnten sie davon überzeugten, dass er das Lebenswerk ihres

Mannes fortsetzen würde. Der hatte durch den Neubau des

Kellers das »Mise en Bouteille au Château« und damit die

Klassifizierung von Château Faugères als Saint-Emilion Grand

Cru ermöglicht, nun nahmen Silvio Denz und sein Team auch

die Höherstufung als Grand Cru Classé ins Auge. Dazu aber

mussten vor allem für Château Faugères und das mittlerweile

hinzugekommene Château Péby Faugères neue Produktionsorte

geschaffen werden – und zwar innerhalb der Appellation Saint-

Emilion –, während Château Cap de Faugères am historischen

Château Faugères in den Côtes de Castillon verbleiben konnte.

Heute werden auf den etwa fünfundvierzig Hektar von

Château Cap de Faugères einhundertfünfzigtausend Flaschen

des Hauptweins gleichen Namens erzeugt, dazu gelegentlich

ein Zweitwein sowie seit 2009 etwa zweitausendvierhundert

Flaschen des Lagenweins La Mouleyre. Die Böden weisen neben

grauem Ton grundsätzlich einen etwas höheren Kalkanteil auf

als im Emilionais, dennoch steht der Rebspiegel von Cap de

Faugères im selben Verhältnis wie der des Grand Vin aus Saint-

Emilion: 85 Prozent Merlot, 10 Prozent Cabernet Franc und 5

Prozent Cabernet Sauvignon. Die Landschaft ist hier allerdings

reizvoller: hügeliger und weniger monokulturell genutzt. Auf

Château Cap de Faugères wurden allein vier Hektar mit Hecken

und Sträuchern bepflanzt, um die Biodiversität zu erhöhen.

Natürlich werden die Rebzeilen begrünt, die Bewirtschaftung

erfolgt nachhaltig und die Lese komplett mit Hand.

La Mouleyre entstammt einer knapp drei Hektar großen

Plateaulage mit sehr alten Weinstöcken und demonstriert mit

Kraft und Würzigkeit, was in Castillon an Weinqualität möglich

ist. Dennoch ist seine Zukunft ungewiss: Als nach den Frösten

von 2017 beschlossen wurde, auf ihn zu verzichten und die entsprechenden

Partien mit dem Hauptwein zu vermählen, hat

das Resultat alle fasziniert. Vielleicht ist die Stärkung des Cap

de Faugères tatsächlich der bessere Weg: Denn hat nicht oft

in den letzten Jahren das Ausbluten des klassischen Aushängeschilds

eines Hauses zugunsten diverser Mikro-Cuvées dessen

Renommee beschädigt?

Erzeugt wird der Cap de Faugères vom selben Team wie

die Weine der beiden Schwesterweingüter, und auch hier steht

Michel Rolland als Weinberater bei Lese und Assemblage zur

Verfügung. Im Keller glänzen dreißig hochmoderne konische

Inoxtanks mit einem Fassungsvermögen von einhundertzwölf

bis einhundertvierundfünfzig Hektolitern, die – nach Sönderung

der Trauben auf manuellen Sortiertischen und schonender

Pressung – per Schwerkraft befüllt werden und eine temperaturgeführte

Gärung ermöglichen. Dagegen fermentiert La Mouleyre

in sechs Fünfzig-Hektoliter-Gärständern aus Eichenholz. Nach

der etwa dreißigtägigen Gärung reifen die Weine zwölf bis vierzehn

Monate in einjährigen (60 Prozent) und zweijährigen (40

Prozent) Barriques und werden schließlich ungeschönt gefüllt.

Wie für die anderen Weine unter seiner Verantwortung sucht

Gutsdirektor Yann Buchwalter vermehrt Frische und Saftigkeit,

was eine Probe des gerade gefüllten 2016ers aufs Schönste

bestätigt: kaum merkliches Holz, sehr viel purer Merlot-Saft,

dabei mit guter Statur und noblen Bitternoten.

Mit dem Jahrgang 2016 erhielt der Château Cap de Faugères

dann auch das neue Art-Déco-Etikett der Vignobles Silvio Denz,

mit dem die Verzahnung zur Glasmanufaktur Lalique verdeutlicht

werden soll – ein glanzvoller Auftritt. Der größte Triumph

für die Weine aus Castillon war allerdings die Tatsache, dass

ein Château Cap de Faugères Castillon 2012 zum Lunch des

diamantenen Thronjubiläums der Königin von England serviert

wurde. Ob Robert Lange, der Wächter der Royal Cellars, wusste,

dass er damit eine, wenn auch kleine historische Wiedergutmachung

für diese aufstrebende Weinregion geleistet hat?

In dreißig hochmodernen

konischen

Stahltanks wird der

Hauptwein Château

Cap de Faugères

ausgebaut. Hier ist

eine temperaturgeführte

Gärung

möglich. Der Lagenwein

La Mouleyre

hingegen fermentiert

in Gärständern aus

Eichenholz.

22 FINE 3 | 2018 Bordeaux Bordeaux FINE 3 | 2018 23


FINE

TASTING

Kristine Bäder verkostet

einundzwanzig Weine der Châteaus

Faugères, Cap de Faugères und Péby Faugères

aus den Jahrgängen 2015 bis 1998

Ihre Kunstsammlung wird neidisch werden.

Insgesamt sieben Weingüter besitzt der Schweizer Unternehmer

Silvio Denz, darunter im Bordelais Château Faugères, Château

Cap de Faugères und Château Péby Faugères. Mit Blick auf den

Bei heißen 35 Grad Celsius waren die Bedingungen denkbar schwierig,

dennoch zeigten die Weine ihre Klasse – dabei waren die hervorragende

Küche von Maria Appel und der aufmerksame Service von

Zürichsee fand im Lieblingsrestaurant des Schweizers, dem Pflug-

Jeannine Meili nicht zu unterschätzen.

stein in Erlenbach bei Zürich, die Verkostung statt.

VERANSTALTER: FINE Das Weinmagazin

ORT:

Restaurant Zum Pflugstein in Erlenbach,

am 5. August 2018

PRÄSENTIERT VON: Silvio Denz und Ralf Frenzel

GÄSTE: Kristine Bäder, Fabio Chiarelotto, Claudio Denz, Florentina

Denz, Rita Denz, Silvio Denz, Andreas Dünner, Frank Ebinger,

Ralf Frenzel, Vilson Krasnic, Urs Ribi, Marcus Schmitt

2015 Château Faugères Bordeaux Blanc 90 P

Die Cuvée aus je einem Drittel Sauvignon Gris, Sémillon und Sauvignon Blanc

ist absolut trocken und zeigt schon in der Nase intensive Aromen von Brioche,

Toffee und Karamell. Im Mund mit einer ganz weichen Textur und Säure, sehr

würzigen Aromen, einer gelben reifen Frucht, etwas Zitrus und Kumquats und

einem salzig-jodigen, langen Abgang.

2015 Château Cap de Faugères 90 P

Jugendlich rubinrote Farbe, der Duft beerig mit frischen Aromen von Himbeere

und Kirsche; auch noch deutlicher Holzeinfluss. Der zeigt sich auch im Mund;

am Gaumen cremig mit weicher Säure und dem Eindruck von Kakao und Zimt.

Etwas kurz und ruppig im Abgang.

2012 Château Cap de Faugères La Mouleyre 92 P

Komplett anderer Charakter mit dem Duft nach Kaffeebohnen, Earl Grey und

Mokka. Im Mund überzeugt die auffallend seidige Textur und eine würzige

Beerenfrucht, Brombeere und Pflaume, dazu dunkle Schokolade und Kräuterlikör;

langer Abgang.

2009 Château Cap de Faugères La Mouleyre 93 P

Üppige Nase von dunkler Gewürzschokolade, dunklen, reifen Brombeeren,

Schlehe und Heidelbeere, von einem herben Unterton begleitet. Wirkt zwar

etwas alkoholisch, was aber nicht stört und im Mund von dem ätherischen

Duft von Thymian und schwarzer Olive aufgefangen wird; dunkel und dicht

mit einem langen Abgang.

2012 Château Cap de Faugères 89 P

Auffallend klare Farbe, auch die Nase sehr klar mit dem intensiven Duft von

Kirsche und Kirschlikör, auch etwas brandig und alkoholisch. Der Geschmack

ist deutlich holzbetont und sehr würzig, dazu etwas Nelke und eine leicht

grüne Aromatik.

2015 Château Faugères Grand Cru Classé 90 P

Dunkle Amutung im Duft von Teer, Schlehe und Schwarzkirsche, noch etwas

zu viel Holz. Im Mund saftig und mollig. Aromen von Kirschlikör, würzig,

wirkt fast leicht, dabei aromatisch und frisch mit angenehmer Tanninstruktur,

macht Laune.

2010 Château Cap de Faugères 90 P

In der Nase zunächst noch verhalten mit Noten von würzigem Schwarzbrot

und dezenter Kirsche. Wirkt im Mund weich bei frischer Säurestruktur, das

Holz ist gut eingebunden. Im Abgang frisch, saftig und säurebetont, aber auch

etwas unharmonisch und ruppig.

2007 Château Cap de Faugères 90 P

Deutlicher Holzeinfluss mit dem Duft von Kokos und Vanille, üppige Beerenfrucht.

Die Textur im Mund ist weich, mit recht angenehmer Frische. Saftig

und lang, aber noch etwas unausgewogen im Abgang.

2015 Château Cap de Faugères La Mouleyre 91 P

Intensiver, aromatischer Beerenduft, weich und saftig, von einer sehr eleganten

Note getragen und mit gutem Holzeinfluss. Am Gaumen noch etwas jung, mit

angenehmer Säure, erdigem Touch und Feuerstein, dazu etwas Zartbitterschokolade

und Kirsch-Rumtopf. Mit angenehmer Säure und einem langen,

frischen Abgang.

2012 Château Faugères Grand Cru Classé 89 P

Auch eher dunkler Typ mit Aromen von Kakao, Bitterschokolade, Schwarztee

und Kaffee. Im Mund Röstaromen und duftige, ätherische Noten, etwas Kirschlikör,

saftig und weich; ein wenig knapp im Abgang.

2010 Château Faugères Grand Cru Classé 92 P

In der Nase angenehmer Duft von geröstetem Kaffeepulver, dunklen Beeren,

Waldbeere und Brombeere. Im Geschmack florale, duftige Noten, Kirsche, noch

etwas adstringent, jugendlich und frisch.

2009 Château Faugères Grand Cru Classé 90 P

Duftet nach frischem Brot und gerösteten Pinienkernen und ist noch geprägt

von deutlichem Holzeinfluss, Vanille, Rosinen und Rumschokolade. Am Gaumen

mit weicher Säure, adstringent, schöne Tanninstruktur, es fehlt aber etwas an

Unterbau und Substanz.

Abgebildetes Produkt ist der RW 466 364| Energieeffizienzklasse: A |

auf einer Skala der Effizienzklassen von A+++ bis G.

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24 FINE 3 | 2018 Bordeaux


FINE TASTING | CHÂTEAU FAUGÈRES, CAP DE FAUGÈRES UND PÉBY FAUGÈRES

93 P

2005 Château Faugères Grand Cru Classé

Duftet würzig, saftig und noch erstaunlich jung, viel Kirschfrucht, fast Likör.

Am Gaumen mit schöner Säurestruktur, Holz perfekt eingebunden, stoffig und

lang, mit festem Rückgrat, etwas schwarze Brotkruste, kräuterwürzig, leicht

adstringent im Abgang.

2015 Château Péby Faugères Grand Cru Classé 89 P

Noch sehr jung, die Nase duftig und ätherisch, mit würzigen Aromen von

Thymian, dunklen, reifen Brombeeren, Pflaumen, Mokka. Im Mund saftig,

würzig, etwas adstringent und fast ein wenig bitter.

2012 Château Péby Faugères Grand Cru Classé 91 P

In der Nase mit viel Brombeere, Schlehe und Kirschlikör. Der Geschmack ist von

einer leichten Bitternote geprägt, aber elegant und konzentriert, etwas Mokka

und dunkle Pflaume, sehr saftig, intensiv und sehr klar im Abgang.

2010 Château Péby Faugères Grand Cru Classé 92 P

Wirkt im Duft leicht gekocht, Süßkirsche, reife Feige, etwas Mokka, saftig und

würzig. Am Gaumen mit angenehmer Struktur und animierender Säure, stoffig,

adstringent und lang im Abgang.

2007 Château Péby Faugères Grand Cru Classé 90 P

Zeigt deutlich animalische Noten in der Nase, dazu eine kühle Frucht von Kirsche

und Waldbeere. Am Gaumen klarer Saft mit deutlicher Ledernote, würzig und

angenehm frisch, im Abgang etwas grünlich.

2005 Château Péby Faugères Grand Cru Classé 91 P

In der Nase herb, dunkel, mit intensiver Beerenfrucht, Aromen von Schoko,

Kakao, Kaffee und Teer. Am Gaumen mit weicher, seidiger Textur; eine leicht

grünliche Bitternote verleiht dem Wein eine herbe Eleganz.

2003 Château Péby Faugères Grand Cru Classé 89 P

Sehr reif mit leichten Oxidationsnoten, duftet intensiv beerig und würzig, wirkt

etwas alkoholisch, passt gut zu Gänseleber und leicht süßer Schärfe.

2000 Château Péby Faugères Grand Cru Classé 90 P

Saftiger Typ mit würzigem Duft, herber, dunkler Beerenfrucht, Rumtopf und

Kirschlikör, intensiver dunkler Schokolade. Am Gaumen mit reifen Tanninen

und einem bitter-herben Abgang.

1998 Château Péby Faugères Grand Cru Classé 93 P

Duftet wunderbar gereift, mit floralen Noten, am Gaumen mit herrlich mürben

Tanninen und intensiver Reifearomatik, noch immer präsenter Säure und reifer

Komplexität; intensiver, langer Abgang.

„Schlumberger Weingarten“, Poysdorf © Schlumberger

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DIE GROSSEN WEINHANDELSHÄUSER DER BOURGOGNE [4]

FAMILIEN-

TRADITION

SEIT FAST ZWEIHUNDERT JAHREN WIRD DIE

DOMAINE FAIVELEY IN NUITS-SAINT-GEORGES

VOM VATER AUF DEN SOHN VERERBT

Von ARMIN DIEL

Fotos MARC VOLK

Erwan Faivelay hat vor dreizehn Jahren die Nachfolge

seines Vaters François angetreten. Seit 2014

steht mit seiner Schwester Eve, die überwiegend für

die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, zum ersten

Mal eine Frau mit an der Spitze des Hauses.

Mit ihrem Sitz in Nuits-Saint-Georges ist die Maison Faiveley das einzige alt

eingesessene burgundische Handelshaus, das nicht in Beaune residiert. Aus

kleinen Anfängen im Jahr 1825 ist ein prachtvolles Weingut mit mehr als einhundertvierzig

Hektar Weinbergen erwachsen. Nach einer zweieinhalb Jahre

dauernden Umbauphase wurde in diesem Frühjahr eine der spektakulärsten

Kellereien der Bourgogne in Betrieb genommen.

36 FINE 3 | 2018 BURGUND BURGUND FINE 3 | 2018 37


UNSERE LESER HABEN GEWÄHLT:

DIE LIEBLINGSWEINHÄNDLER

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Wir sind überwältigt: Mehrere hundert Leser haben uns auch in diesem

Jahr ihren Lieblingsweinhändler ver raten. Annähernd fünfhundert

Weinhandlungen in Deutschland, Öster reich und der Schweiz haben

sich mit ihrer fachkundigen Beratung diese Auszeichnung verdient.

Danke für Ihre Teilnahme!

Unter den Einsendern haben wir per Losentscheid die Gewinner ermittelt.

Diese wurden von uns bereits schriftlich benachrichtigt.

Die Namen und Adressen aller genannten Weinhändler finden Sie auch

unter www.fine-magazines.de/weinhandlungen. Viel Spaß bei Ihrem nächsten

Weineinkauf!

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SALZBURG Enoteca Settemila enotecasettemila.at Interspar Weinwelt

weinwelt.at Rieger Weinloft riegerweine.at SPITZ/DONAU IWB - Hubert Fohringer -

Die Vinothek der Wachau fohringer.at ST. CHRISTOPH / ARLBERG Arlberg Hospiz

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WeinArt Wolf weinart.at WIEN AOC Genusscréateure egourmetshop.eu Kastner

Wien kastner.at Vinothek St. Stephan vinothek1.at Weinhandlung Rudolf Polifka

wein-polifka.at/die-weinhandlung

SCHWEIZ BASEL Mövenpick Wein moevenpick-wein.com Wyhuus am Rhy

wyhuus-am-rhy.com BERN Terravigna Weinshop Bern terravigna.ch BIRRHARD

Weinkeller Riegger riegger.ch HOMBRECHTIKON Wein und Kultur weinundkultur.ch

LUZERN Carl Studer Vinothek studer-vinothek.ch MÜNCHENSTEIN Paul Ullrich

ullrich.ch NEFTENBACH Vinoversum vinoversum.ch SPREITENBACH Gerstl

Weinselektionen gerstl.ch ST. GALLEN Martel AG St. Gallen martel.ch Caratello

Weine St.Gallen caratello.ch STANS Lucullus SA lucullus.ch ZUG Vinothek Josef

vinothek-josef.ch ZÜRICH Denz Weine denzweine.ch MARTEL am Bellevue martel.ch

selection schwander selection-schwander.ch Smith & Smith smithandsmith.ch

Vinothek Brancaia vinothek-brancaia.ch


»IT’S FUCKING

MARVELLOUS«

MIT ATEMRAUBENDEN SPARKLINGS

HAT ENGLAND DIE BÜHNE DER GROSSEN

WEINE BETRETEN

Von TILL EHRLICH

Fotos CHRISTOF HERDT

In Englands Südosten ist das Meer allgegenwärtig und das Wetter ähnlich wie auf Sylt, nur milder.

Schnell und tief fliehen die Wolken über die schneeweiße Klippenfront der Steilküste am Ärmelkanal

mit den Kreidefelsen Seven Sisters und Beachy Head. Das Meer ändert im wechselnden Licht

rasch seine Farben von blassem Aquamarin bis Schwarz und bringt Bilder von fantastischer Schönheit

hervor. Hinter der Kliffüste beruhigt sich das Land, zerfließt in die freundlichen Hügel der

South Downs. Ein schönes, ein altes Land. Und neuerdings auch Heimat von Reben, aus denen

nach der Champagnermethode erstklassige Schaumweine entstehen, die English Sparkling Wines.

60 FINE 3 | 2018 GROSSBRITANNIEN GROSSBRITANNIEN FINE 3 | 2018 61


DAMEN

WAHL

AUF ZWEIHUNDERT JAHRE VEUVE CLICQUOT

ROSÉ STIESSEN IN DÜSSEL DORF ZEHN

MANAGERINNEN STIL ECHT MIT VIER

VARIANTEN ROSÉ-CHAMPAGNER AUS MADAME

PONSARDINS KELLERGEWÖLBEN AN.

Von GILA HAUSEN

Fotos GUIDO BITTNER

Ein lauer Sommerabend am Rheinufer in Düsseldorf. Über die Terrasse im vierten Stock des kühn verglasten

Bürokomplexes in der Kaistraße streicht eine leichte Brise. Die Strahlen der Abendsonne glitzern

auf dem Fluss und den silbrigen Sektkühlern. Kaviar wird kredenzt. Und Champagner. Rosé-Champagner

aus Magnumflaschen. Eine Genießerstunde, arrangiert für eine kleine Schar Frauen in Top-Positionen. Um

eine der Ihren zu feiern: Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin.

Und das, obwohl eben sie schon seit dem 29. Juli 1866

in himmlischen Sphären weilt. Wovon auszugehen ist,

schließlich ist sie die Schöpferin eines geradezu göttlichen

Getränks: eines Rosé-Champagners, den sie nicht, wie

damals in der Branche üblich, simpel mit Holundersaft kolorierte,

sondern dem sie seinen feinen Farbton mit einer raffnierten

Assemblage aus erlesenen Rot- und Weißweinen verpasste.

Ein genialer Schachzug, der sie – und ihre köstliche Kreation –

unsterblich machte. Der Coup gelang der geschäftstüchtigen

Witwe des französischen Champagnerunternehmers François

Clicquot vor zweihundert Jahren in Reims.

Das muss gefeiert werden. Wer wäre dafür prädestinierter

als Frauen, die sich – wie weiland Witwe Clicquot – beruflich

in einer Männerwelt behaupten? Unter dem Motto »Zehn

Frauen und ein Butler« bat Gastgeber Ralf Frenzel lauter erfolgreiche

Managerinnen zur Geburtstagsfeier »200 Jahre Veuve

Clicquot Rosé«.

Den Butler spielt er an diesem Abend mit einem Augenzwinkern

selbst, durchaus versiert im mundgerechten Anreichen

von Amuse-Gueule-Blinis an Crème fraîche und reichlich Caviar

St. James. Dabei bewegt er sich auf für ihn ungewohntem Parkett:

dem der Beauty Academy eines Kosmetikkonzerns. Normaler-

72 FINE 3 | 2018 CHAMPAGNE CHAMPAGNE FINE 3 | 2018 73


AUS DEM

LABYRINTH

DIE SCHAUMWEINE DER MAISON

BOUVET LADUBAY VON DER LOIRE

Von TILL EHRLICH

Fotos RUI CAMILO

Tausend Jahre alt und acht Kilometer lang sind die Kellergänge

der Maison Bouvet Ladubay in Saint-Hilaire-Saint-

Florent bei Saumur. Gegraben wurden sie von Benediktinermönchen

der Abtei Saint-Florent d’Anjou, um den weißen

Tuffstein abzubauen, ein kostbares Baumaterial, aus dem

Gotteshäuser und Paläste entstanden. In diesem unterirdischen

Labyrinth, das dem Haus seit seiner Gründung im

Jahr 1851 als Keller dient, ließ Patrice Monmousseau 2002

von einem Bildhauer die Cathédrale Engloutie schaffen, die

versunkene Kathedrale: Fragmente von Säulen, Kapitellen,

Ornamenten und Portraits wurden in den Tuffstein gehauen.

Er war es auch, der Ende der 1970er Jahre aus der Not eine

Tugend machte und die manuelle Gyropalette erfand: Weil er

sich keine elektrisch gesteuerten Rüttelmaschinen leisten

konnte, entwickelte er die mechanische Version selbst.

76 FINE 3 | 2018 LOIRE LOIRE FINE 3 | 2018 77


DAS GROSSE DUTZEND

BOUVET LADUBAY

TRESOR BLANC SAUMUR BRUT AOC

Von KRISTINE BÄDER

Fotos GUIDO BITTNER

86 FINE 3 | 2018 DAS GROSSE DUTZEND DAS GROSSE DUTZEND FINE 3 | 2018 87


VINOTHEKEN [3]

Auch wenn der Umgang mit so illustren

Namen wie Haut-Brion, Lafite oder Rieussec

etwas salopp erscheint – solche Raritäten

locken auch Kunden aus China und Asien.

mich halt nicht interessiert«, brummelt Torsten Görke, »eingeladen

hat mich mein Vater immer, hingegangen bin ich aber

nie«. Um 1997 hatte er sein Erweckungserlebnis: Es war ein

1989er Château L’Eglise-Clinet. »Das hat mich nicht mehr losgelassen.

Wow. Seitdem ist guter Bordeaux mein Nullmeridian.«

Hardy Rodenstock gab ihm später Tipps zum Probieren

und Subskribieren, zum 40. Geburtstag organisierte er

für seinen Sohn eine Probe aus einer Doppelmagnum

1964er Petrus. »Mein größter Fehler war, dass ich zu spät mit

dem Wein angefangen habe«, sinniert der, »ich habe drei- bis

vierhundert Flaschen zu wenig verkostet.« Bei den Kontakten ins

Bordelais habe sich Torsten Görke von Rodenstock nicht helfen

lassen, betont er: »Ich spreche

kein Französisch, mehr als

fünfundneunzig Prozent

meiner Geschäftsbeziehungen

im Bordelais habe ich mir

selbst erarbeitet.« Doch zur

Person seines Vaters pflegt

er eine liebevolle Distanz:

»Ich lebe mein Leben, er

hatte seins.« Die Nachricht

seines Todes hat er den Weggefährten

und der Öffentlichkeit

bekannt gemacht, nun

ordnet er den Nachlass.

In den gut zwanzig Jahren

seit der Eglise-Clinet-Probe

ist der ehemalige Werbeprofi

zum Experten geworden:

»Ich lerne heute, indem ich

etwas höre oder koste. Das

genügt. Lange Erklärungen

brauche ich nicht mehr.«

Doch er geht auch mit sehr

teuren Flaschen und Verkostungen

entspannt, lässig

und völlig bodenständig um.

Weintheater ist Torsten Görke

fremd; er stammt aus Gelsenkirchen, da trägt man das Herz auf

der Zunge. Das hat sich herumgesprochen. So rief 2017 etwa

die Künstlermanagerin der Arena in Oberhausen an: Er würde

sich doch mit französischen Weinen auskennen? Torsten Görke

bejahte. Sie war verzweifelt, denn die Mitglieder der berühmten

britischen Heavy Metal Band Iron Maiden wollten unbedingt

einen Wein hinter der Bühne haben, den sie nicht auftreiben

konnte. Ob er nicht …? »Die wollten Le Montrachet nach dem

Gig trinken – nicht so schlecht«, erinnert er sich, »ich habe

sie gefragt, welcher Jahrgang es sein solle und wieviel sie pro

Flasche ausgeben wollte.« Nach tiefem Durchatmen bestellte

die Managerin den von ihm empfohlenen, viel günstigeren

Puligny-Montrachet eines renommierten Betriebs. Später erfuhr

er: Die Band war damit happy. Auch eine sehr laute Punkband

gehört zu seinen Kunden: »Die ›Toten Hosen‹ bestellen

bei mir Jahrgangs-Champagner für ihre Gigs. Sehr anständige

Flaschen, etwa Agrapart oder Bollinger Vintage. Die wissen,

was sie wollen.« Torsten Görke hat die Tradition seiner Weinhandlung

noch einmal erfunden. Seine Zukunft beschreibt er

wie ein Werbeprofi bei der Kundenpräsentation: »Ich führe

nicht die größte Weinhandlung des Ruhrgebiets, aber meine

ist sexy.« So ist es.

Jetzt in der 2. Auflage!

280 Seiten | zahlreiche Farbfotos

28,0 × 29,0 cm | Hardcover | € 69,90 (D)

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iese Ausgabe von FRENZEL S

WEINSCHULE will Ihnen Wein praktisch und unmittelbar nahebringen. Renommierte

Autoren vermitteln auf neue und informative Weise das Grundwissen rund um das Thema Wein. Im Mittelpunkt stehen

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umfassende und tiefgründige Geschichte des modernen Weins und das Thema Essen und Wein mit vielen hilfreichen Hinweisen

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122 FINE 3 | 2018 VINOTHEKEN


URKRÄFTE

IM PFÄLZER WEINGUT ODINSTAL

ARBEITET WEIN MACHER ANDREAS SCHUMANN

IM EINKLANG MIT DER NATUR

Von KRISTINE BÄDER

Fotos GUIDO BITTNER

Grau hängt der Himmel über dem Odinstal. Zögernd bricht die Morgendämmerung

durch die Wolkendecke und gibt den Blick frei über die Ruine

Wachtenburg am Fuß der Haardt bis in die Rheinebene. Trotz der unchristlichen

Tageszeit rührt Andreas Schumann im funzeligen Licht der Kellerlampe mit

energischen Bewegungen in einem kleinen Holzfass etwa zweihundert Liter

Wasser – immer abwechselnd nach links und nach rechts, immer wieder gegen

den entstehenden Strudel. Dynamisieren nennt man das in der Biodynamie,

und selbstverständlich ist in dem Fass nicht nur Wasser, sondern auch Hornkiesel,

ein Gesteinsmehl, das aus Bergkristall gewonnen wird. »Man kann

natürlich auch irgendeinen anderen Quarz nehmen, aber ich meine, es soll

am besten Bergkristall sein«, erklärt der Weinmacher des Weinguts Odinstal,

während er unbeirrt weiter rührt. Unterbrechungen darf es nicht geben in der

Stunde vor dem Morgengrauen, sonst war alle Arbeit umsonst.

134 FINE 3 | 2018 PFALZ PFALZ FINE 3 | 2018 135


DAS MAGAZIN FÜR WEIN UND GENUSS

Viermal im Jahr richtet FINE Das Weinmagazin einen faszinierenden Blick auf die

großen Weine der Welt – mit wissenswerten Infor mationen, fesselnden Reportagen,

spannen den Porträts, exklu siven Verkostungen und vielem mehr, geschrieben und

recherchiert von sachkundigen, sprachmächtigen Autoren, bebildert mit ausdrucksstarker,

lebendiger Fotografie, präsentiert in groß zügiger, repräsentativer Auf machung:

ein unverzichtbares Lesevergnügen für Weinliebhaber, Sammler und Genießer.

FINE DAS WEINMAGAZIN 4|2018

erscheint im Dezember 2018

... voraussichtlich mit folgenden Themen: CAHORS Schwarzer Wein

und schwarze Trüffel BURGUND Die Maison Bouchard Père &

Fils BORDEAUX Château Lafaurie-Peyraguey CHAMPAGNE

Krug-Assemblage · Wachwechsel bei Dom Pérignon SÜDTIROL Die

Kellerei St. Michael-Eppan · Das Weingut J. Hofstätter · Die Tenuta

Manincor ÖSTERREICH Der Weinlaubenhof Kracher im Burgenland

· Das Weingut Rebenhof in der Südsteiermark · Das Weingut Loimer

im Kamptal MOSEL Das Weingut Nik Weis St. Urbans-Hof FRAUEN

IM WEIN Liv Vincendeau VINOTHEK K & U Weinhalle Nürnberg DAS

GROSSE DUTZEND San Leonardo TASTINGS Ten Years After:

Riesling 2008 · Die großen Taurasi von Mastroberardino WEIN UND

SPEISEN Jürgen Dollase im Restaurant Einsunternull in Berlin WEIN

UND ZEIT Einhundertfünfzig Jahre Saar-Mosel-Karte DIE PIGOTT

KOLUMNE · DIE WÜRTZ KOLUMNE Große Gewächse des Jahrgangs

2017 GENIESSEN Süßes

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FINEABGANG

HOCHACHTUNG

Als mich im Mai die Nachricht vom Tod Hardy Rodenstocks erreicht

hatte, war ich überrascht von der auffallenden Zurückhaltung, mit der

die Weinszene auf diese Meldung reagierte. Immerhin war er eine der

schillerndsten Persönlichkeiten der Weinwelt, ein Kenner, aber auch einer, der

polarisierte. Viele, die glaubten, manches über ihn zu wissen, hatten indes einige

wesentliche Dinge aus den Augen verloren.

Als Wegbegleiter über lange Jahre, in denen ich Hardy Rodenstock sehr

nahestand, war für mich vor allem eines besonders: sein Sachverstand, namentlich

über alte Weine. Seine Sensorik, seine Erinnerungsfähigkeit und seine Art

zu verkosten waren herausragend. Doch nicht nur dadurch war er den meisten

seiner Zunft stets einen Schritt voraus. Sein Verdienst um die Weinwelt im Allgemeinen

und den deutschen Wein im Besonderen ist nicht hoch genug einzuschätzen.

Mit seiner einzigartigen Art und Weise, Verkostungen auf hohem Niveau

zu organisieren, hat er in Deutschland den Anstoß zu einer kulinarischen Form

der Weinprobe gegeben, wie sie so bis dato unbekannt war – und inzwischen

leider auch wieder in Vergessenheit gerät: Verkostungen von beeindruckender

Opulenz und Großzügigkeit, die Wein als Essensbegleiter in den Fokus rückten.

Nicht nur als ehemaliger Sommelier, vor allem als leidenschaftlicher Weinliebhaber

muss ich mich vor so viel Größe verneigen.

Ralf Frenzel

Herausgeber

146 FINE 3 | 2018 ABGANG

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