WALLIS Magazin - November 2018

valais

J E A N - M I C H E L B O U R N I S S E N

«Sicherheit

geht vor»

Er ist Chef Sicherheit der Patrouille des Glaciers,

Bergführer und Hüttenwart. Jean-Michel Bournissen

weiss die Natur zu lesen. Er rät, sich vor Touren

immer bei Einheimischen schlauzumachen.

Text: Monique Ryser Fotos: David Carlier

3

1 Ein Super Puma der Schweizer

Armee startet zu einem Überflug

über die Strecke der Patrouille des

Glaciers. 2 Aus der Luft beobachtet

und inspiziert der Chef Technik, Jean-

Michel Bournissen, die Sicherheitslage.

Zusammen mit Mitarbeitern

an der Strecke entscheidet er über

nötige Massnahmen. 3 Wie ein

Tatzelwurm: Die Patrouillen kämpfen

sich durch das Hochgebirge.

Skitouren weitab der Pisten, in ewigem

Schnee und Eis, an spektakulären

Bergflanken, in tiefen Tälern:

Immer mehr Menschen entdecken

das einmalige Erlebnis, auf Tourenski mit

eigener Kraft und in völliger Ruhe Berge

zu ersteigen und nach gelungenem Kraftakt

befreit die Hänge hinunterzugleiten.

Einer, der das von Kindsbeinen an

machte, ist Jean-Michel Bournissen, 54.

Der Bergführer ist Hüttenwart der Cabane

des Vignettes auf 3157 Metern über

Meer ganz am Ende des Arolla-Tals gelegen.

Die Hütte liegt an der Haute Route

von Chamonix nach Zermatt und ist Ausgangspunkt

für viele Touren, unter anderem

auf den Pigne d’Arolla.

Alle zwei Jahre amtet Jean-Michel

Bournissen als Chef Technik der Patrouille

des Glaciers, eines der härtesten

Skitourenrennen überhaupt. Damit ist er

auch für die Sicherheit verantwortlich.

Die Patrouille ist militärischen Ursprungs

und wird noch heute von der Schweizer

Armee organisiert. Es sind aber auch zivile

Patrouillen zugelassen, und die Tour

hat sich zu einem wichtigen Anlass für

53

ambitionierte Skitourengänger entwickelt.

Die lange Route führt von Zermatt

nach Verbier, die kürzere von Arolla nach

Verbier. Beide Routen müssen in einer

Etappe zurückgelegt werden.

Klar, dass bei der Sicherheit keine Kompromisse

gemacht werden. So werden

in den Wochen und Tagen vor dem Start

mit dem Helikopter Couloirs überflogen,

Abhänge und Schneeverwehungen genauestens

inspiziert. «Wir beobachten

genau, ob sich Schnee gelöst oder es

Neuschnee gegeben hat, der nicht gefestigt

ist», erklärt Bournissen. Erfahrung

brauche es dazu, das Wissen aus Hunderten

von Stunden in den Bergen und

«dann ganz einfach auch das Bauchgefühl,

das man als Bergler hat». Auch

während des Rennens ist Bournissen voll

im Einsatz: Im Heli überfliegt er die

Route, lässt sich absetzen, kontrolliert,

gibt Anweisungen und funkt mit seinen

Postenchefs.

Natürlich ist Bournissen bei dieser Aufgabe

nicht allein: Er hat Mitarbeiter von

der Armee, aber auch Spezialisten des

Kantons Wallis, die den ganzen Winter

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