Dompfarrbrief 3/2018

SigridStadler

Pfarrbrief der Dompfarre Linz

Ester - Karriere einer Jüd

Die Ester-Geschichte kenne ich aus meiner Kindheit – vom Vorlesen in der Familie. Als Theologiestudent habe ich zugehört,

wie eine Religionslehrerin in einer dritten Klasse Volksschule von Ester erzählt hat. Ich weiß, dass die Kinder

und auch wir Studenten 40 Minuten lang fasziniert zugehört haben.

Es ist schon spannend zu hören, dass ein einfaches jüdisches Mädchen, ein Waisenkind, das bei seinem Vormund

Mordechai aufgewachsen ist, zur persischen Königin aufsteigt.

4

Die Erzählung kurz zusam-

mengefasst

Die Königin Waschti hatte Artaxerxes‘

Gunst verscherzt, weil sie sich

geweigert hatte, bei einem Festmahl

mit den Großen des Perserreichs

ihre Schönheit zu zeigen. Auf Grund

dieses „Ungehorsams“ hat Artaxerxes

seine Frau verstoßen, wobei seine

Ratgeber gesagt hatten, ein solches

Beispiel einer Weigerung dürfe

nicht Schule machen. Als der König

eine neue Frau suchte, war auch

Ester unter den Mädchen, die in die

engere Wahl kamen. Ihr Vormund

Mordechai war damit durchaus einverstanden.

Mordechai und Ester

waren Juden, die in der Fremde lebten,

aber ihren Glauben nicht aufgegeben

hatten. Ester sagte allerdings

nichts von ihrer jüdischen Herkunft,

als sie Königin wurde. Mordechai

begab sich jeden Tag in die Nähe

des Königspalastes und fragte nach

dem Befinden Esters.

Dabei erfuhr er, dass zwei Mitarbeiter

des Königs einen Anschlag auf

den König planten. Er sagte es der

Königin Ester, und diese deckte dem

König das Komplott auf. Die beiden

Verschwörer wurden gehängt, diese

Vorgänge in der Chronik festgehalten.

Beim Eingang zum Königspalast

begegnete Mordechai fast täglich

einem gewissen Haman, den der

König in besonderer Weise ausgezeichnet

und dem er einen höheren

Rang als den anderen Fürsten des

Reichs gegeben hatte. Alle fielen

vor Haman nieder, wenn er vorbeiging,

nur der Jude Mordechai nicht.

Dies erregte Hamans Zorn, und als

er erfuhr, dass Mordechai Jude sei,

wollte Haman alle Juden im Reich

vernichten und (so ganz nebenbei)

ihren Besitz an sich bringen.

Nun liegt es an Ester, für ihr Volk

beim König einzutreten und die Vernichtung

der Juden abzuwenden.

Eine gar nicht einfache Sache, denn

vor dem König durfte niemand erscheinen,

der nicht von ihm gerufen

worden war. Eine Person, die zum

König ging, ohne gerufen zu sein,

war mit der Todesstrafe bedroht; das

galt auch für die Königin. Für Ester

war es klar, sie musste ihr eigenes

Leben riskieren, um ihrem Volk helfen

zu können. Nach drei Tagen kleidet

und schmückt sie sich besonders

schön und geht zum König. Der

streckt ihr das goldene Zepter entgegen,

sie berührt die Spitze des Zepters,

und er legt es auf ihren Nacken.

Das bedeutete, dass ihr Kommen

vom König angenommen war, der

König tut noch mehr, er fragt sie, was

für einen Wunsch sie habe. Ester lädt

den König und Haman zu einem

Festmahl ein. Haman ist sicher, dass

er die Juden vernichten kann, allen

voran Mordechai, und lässt schon

einen Galgen für ihn errichten. Der

König konnte am Abend nicht einschlafen

und ließ sich aus der Chronik

vorlesen. Dabei hörte er auch,

wie Mordechai den Anschlag gegen

den König aufgedeckt und ihm das

Leben gerettet hatte. Am Abend beim

Festmahl fordert der König Ester auf,

ihre Bitte zu sagen. Sie bittet den

König, ihr und ihrem Volk das Leben

zu schenken. Auf die Frage des Königs,

wer denn den Juden nach dem

Leben trachte, nennt sie den gefährlichen

Feind, den verbrecherischen

Haman. Den König überkommt Zorn,

er verlässt den Festsaal, Haman wirft

Esther und mordechai, Stahlstich nach einem Gemälde von Aert de Gelder. Albert

Henry payne - Der Kunstverein; neue Serie: Stahlstich-Sammlung der vorzüglichsten

Gemälde der Dresdener Gallerie. nebst Text von Adolph Görling; Verlag der

Englischen Kunst-Anstalt von A. H. payne (Leipzig und Dresden)

Dompfarrbrief 3/2018

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gem%C3%A4ldegalerie_Alte_Meister_(Dresden)_Galeriewerk_Payne_005.jpg

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