ART Aurea - Gelungene Vereinigung
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Sabine Müller macht Schmuck. Ihr<br />
Mann Felix wurde mit originellen<br />
Metallobjekten bekannt. Das Ende<br />
ihres Studiums in Halle an der Saale<br />
und die gemeinsamen<br />
Ateliergründung in Schielo fiel mit<br />
dem Fall der Mauer und der<br />
Wiedervereinigung Deutschlands<br />
zusammen.<br />
Photos Nikolaus Brade<br />
Text Reinhold Ludwig<br />
<strong>Gelungene</strong> <strong>Vereinigung</strong><br />
28 art aurea 2—2018
<strong>Gelungene</strong> <strong>Vereinigung</strong><br />
1989 öffnete sich nach der friedlichen Revolution im Osten die<br />
Mauer zwischen beiden Teilen Deutschlands. Zehn Jahre zuvor hat<br />
Sabine Müller, geboren 1963 in einem Dorf im Harz, ihre Ausbildung<br />
begonnen. Auf dem Grundstück ihrer Eltern gab es verschiedene<br />
Schuppen mit den unterschiedlichsten Werkzeugen. Als<br />
Kind hat sie dort gerne gespielt und aus Holz, Pappe und Blech<br />
Objekte gebaut. Die Lust am Schöpferischen hatte eine Goldschmiedeausbildung<br />
zur Folge, obwohl sie auch an eine weiterführende<br />
Schule gedacht hatte. „Es war eine ganz neue Erfahrung in<br />
Sachen Geduld und Ausdauer“, blickt Sabine Müller auf ihren Berufsstart<br />
zurück. Jedes Handwerk wurde in der DDR dringend gebraucht.<br />
Reparaturen waren wichtig, ob es um ein altes Schmuckstück,<br />
ein kaputtes Auto oder ein undichtes Dach ging. Ersatzteile<br />
und Halbzeuge waren rar, Ideen waren gefragt. „Heute würde<br />
man sagen, dass wir damals nachhaltig mit den Ressourcen umgegangen<br />
sind.“<br />
1984 begann Sabine Müller in der Schmuckklasse an der<br />
Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle zu studieren. Abitur<br />
zuvor per Abendschule. Während der Lehrzeit hatte sie erkannt,<br />
dass ihr das konventionelle Goldschmieden nicht genügen<br />
würde. „Der Traum war ein Studium in Design oder Kunst.“ An der<br />
„Burg“ hatte sie das Glück, von zwei namhaften Professorinnen<br />
betreut zu werden. „Renate Heintze und Dorothea Prühl haben<br />
auf eigene, unnachahmliche Weise an ihren Stücken gearbeitet“,<br />
sagt Sabine Müller. Dadurch habe sie gelernt, Ideen reifen zu lassen.<br />
Der langsame Prozess über Beobachtungen, Zeichnungen,<br />
Collagen, plastische Modelle und Proben für technische Lösungen<br />
sei damals typisch gewesen. „Und dann habe ich immer dieses<br />
Dranbleiben, speziell bei Dorothea Prühl, gesehen.“ Deren Ohrschmuck<br />
„Goldblumen“ und die bekannten „Frösche“, Faltungen<br />
aus Silberblech, entstanden während ihrer Studienzeit. Ebenso<br />
die hohl gearbeiteten Stücke „Goldfisch“ und die „Große Perlkette“<br />
von Renate Heintze. „Sie haben meine Arbeiten sehr beeinflusst“,<br />
bekennt Sabine Müller.<br />
Dorothea Prühl zählt zu den wichtigsten SchmuckkünstlerInnen<br />
der Gegenwart. Vollkommen frei und skulptural fertigt sie<br />
ausschließlich Unikate, was auch für die 1991verstorbene Renate<br />
Heintze galt. Hingegen hat sich Sabine Müller direkt nach dem<br />
Studium entschieden, Kollektionen zu entwickeln und seriell zu<br />
arbeiten. „Die Serienfertigung war früher in Halle Teil jeder Diplomarbeit,<br />
wurde aber recht stiefmütterlich behandelt“, sagt sie.<br />
Ihre Neugier auf technische Lösungen habe sie an der Serie gereizt,<br />
erklärt sie. Aber Sabine Müller war nie für die Industrie tätig.<br />
„Meine Stücke sind handgearbeitete Variationen einer Idee.<br />
Modelliert in Wachs, jedesmal neu, und gegossen in meiner Werkstatt.“<br />
Auch bei den Stilrichtungen ihrer Kollektionen ist Sabine<br />
Müller vielseitig. Ihre Schmuckkollektion „boxes“ erscheint konstruktivistisch,<br />
architektonisch und kubistisch, wogegen die „Becherlinge“<br />
einer verträumten Märchenwelt entsprungen sein<br />
könnten.<br />
Gibt es zwei Seelen in ihrer Brust? „Ja, vielleicht“, sagt die Designerin.<br />
Beide Serien behandeln das Wachstum. Die „Becherlinge“<br />
verkörpern organische Materie, Fruchtbarkeit, Vielfalt und<br />
Lust. Die Grundform ist eine Halbkugel. Durch verformen, schneiden<br />
und wieder zusammenfügen der Wachsteile ergeben sich viele<br />
Möglichkeiten. Das Modellieren hinterlässt eine natürliche<br />
Struktur auf der Oberfläche: die ihrer Fingerabdrücke. Das Femi-<br />
In ihrer komplett eingerichteten Werkstatt<br />
im Örtchen Schielo im Harz fertigt Sabine<br />
Müller ihre Schmuckserien. Vom Entwurf über<br />
die Wachsmodelle, den Guss, das Finish und<br />
den Vertrieb liegt alles in einer Hand. „Meine<br />
Stücke sind handgearbeitete Variationen einer<br />
Idee. Modelliert in Wachs, jedesmal neu“,<br />
sagt sie.<br />
In her fully equipped workshop in the village<br />
of Schielo in the Harz hills, Sabine Müller<br />
produces her jewelry series. From design to<br />
wax models, casting, finishing and distribution<br />
is everything in one hand. „My pieces are<br />
handmade variations of an idea. Modeled in<br />
wax, each on is new“, she says.<br />
30 art aurea 2—2018
Zweimal Unendlichkeit<br />
32 art aurea 2—2018
<strong>Gelungene</strong> <strong>Vereinigung</strong><br />
nine der „Becherlinge“ wird durch unterschiedliche Farben verstärkt.<br />
Manche Schmuckstücke sind kräftig orangerot, manche<br />
zart graublau. „Jedes sucht seine Trägerin“, sagt Sabine Müller.<br />
Die „boxes“ behandeln das Wachstum der Kristalle. Mikroskopisch<br />
betrachtet ist jeder einzelne geradlinig und architektonisch.<br />
Im Wachstum ergeben sich fast organische Strukturen. In ihrer<br />
neuen Serie „snowy“ werden Element beider Serien kombiniert:<br />
die geradlinige Architektur der „boxes“ und die körnige Oberfläche<br />
der „Schneebecherlinge“. Seit 1990 lebt und arbeitet Sabine<br />
Müller mit ihrem Mann Felix in Schielo bei Harzgerode in Sachsen-Anhalt.<br />
Doch ist sie mit ihrem Schmuck längst in Galerien und<br />
Geschäften in ganz Westeuropa und sogar in den USA vertreten.<br />
Und dass die ehemalige Hallenser Schmuckstudentin einen nicht<br />
unwesentlichen Teil zur Existenz ihrer fünfköpfigen Familie beiträgt,<br />
sei auch erwähnt.<br />
Im Gegensatz zu seiner Frau hat Felix Müller keine Lehre gemacht,<br />
sondern direkt nach dem Abitur 1985 sein Studium im Bereich<br />
Metall/Email an der Burg Giebichenstein begonnen. Halb<br />
orientierungslos, wie das Leben nach der Schule in der DDR weiter<br />
gehen soll, hat er in der 11. Klasse die Eignungsprüfung für den<br />
Fachbereich Malerei gemacht. Noch vor der Immatrikulation<br />
wechselte er in die Metallklasse. Das Studium, das mit einem<br />
zweijährigen Praktikum in Magdeburg, Thale und Halle begann,<br />
versprach eine umfassende handwerkliche Ausbildung, die ihn<br />
reizte. Es sei eine sehr wichtige Zeit gewesen, „in der ein Großteil<br />
meiner handwerklichen Ausbildung erfolgte und in der ich die<br />
Möglichkeiten, die mir das Arbeiten mit Metall bot, schätzen gelernt<br />
habe“, erzählt Felix Müller.<br />
Schon während der Schulzeit war er sehr an Musik interessiert.<br />
Deshalb habe er die Möglichkeiten, die ihm das Studium<br />
bot, „nicht allzu intensiv genutzt“, bekennt er. Andererseits habe<br />
das zu interessanten Verknüpfungen geführt, etwa zum Bau eines<br />
Klangobjektes beim Diplom. Die mangelnde Intensität in seiner<br />
Studienzeit erklärt Felix Müller auch mit den damaligen gesellschaftlichen<br />
und politischen Anforderungen in der DDR. „Mit Ausnahme<br />
des Diplomjahres war die wenigste Zeit dem eigentlichen<br />
Fachstudium gewidmet.“ Das Jahr vor und während der Wende<br />
war sein Diplomjahr. „Die politische Unsicherheit war natürlich zu<br />
spüren und zeigte sich offen in Veränderungen der gesellschaftspolitischen<br />
Fächer. Da wurde der Unterricht teilweise ausgesetzt<br />
oder neu besetzt und vorsichtiger reagiert.“<br />
Seit 1990 baut Felix Müller nun in Schielo Metallobjekte. Seine<br />
Leuchten und Kaffeemaschinen sehen aus als seien sie für historische<br />
Science Fiction Filme entworfen. Begriffe wie Retro-Futurismus<br />
oder Steam Punk würden immer wieder im Zusammenhang<br />
mit seinen Arbeiten fallen, sagt der Metallgestalter. Als er<br />
angefangen habe, diese Objekte zu bauen, seien ihm diese Begriffe<br />
noch nicht geläufig gewesen. Er wollte vor allem gebrauchsorientierte<br />
Objekte gestalten, wobei ihm das Handwerk am Herzen<br />
liegt. „Für mich ist es wichtig, den Entstehungsprozess selbst in<br />
der Hand zu haben – gestalterisch und handwerklich.“ Sofern er<br />
diese beherrscht oder einsetzen kann, nutzt Felix Müller auch moderne<br />
Fertigungstechniken. „Die Wechselwirkung von Zweck,<br />
Material und Form möglichst plausibel zusammenzuführen, bildet<br />
oft den Anstoß für meine Arbeit.“<br />
Nach ihrer Ausbildung im Sozialismus musste sich das Paar sofort<br />
in der Markwirtschaft behaupten. Dass die ganze Sache<br />
schwierig wird, haben sie geahnt, die Entscheidung, freiberuflich<br />
Felix Müller liebt die Musik und das Handwerk.<br />
In seiner Werkstatt baut der Metallgestalter<br />
originelle Leuchten, Kaffeemaschinen und<br />
andere Objekte. Dabei nutzt er auch moderne<br />
Fertigungstechniken. „Die Wechselwirkung<br />
von Zweck, Material und Form möglichst<br />
plausibel zusammenzuführen, bildet oft den<br />
Anstoß für meine Arbeit“ sagt er.<br />
Felix Müller loves music and craftsmanship.<br />
In his workshop, the metal designer builds<br />
original lamps, coffee machines and other<br />
objects. He also uses modern production<br />
techniques. “A frequent impetus of my work<br />
is to plausibly bring together the interaction<br />
among purpose, material and form”, he says.<br />
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<strong>Gelungene</strong> <strong>Vereinigung</strong><br />
signerin. Beide Serien behandeln das Wachstum. Die „Becherlinge“<br />
verkörpern organische Materie, Fruchtbarkeit, Vielfalt und<br />
Lust. Die Grundform ist eine Halbkugel. Durch verformen, schneiden<br />
und wieder zusammenfügen der Wachsteile ergeben sich viele<br />
Möglichkeiten. Das Modellieren hinterlässt eine natürliche<br />
Struktur auf der Oberfläche: die ihrer Fingerabdrücke. Das Feminine<br />
der „Becherlinge“ wird durch unterschiedliche Farben verstärkt.<br />
Manche Schmuckstücke sind kräftig orangerot, manche<br />
zart graublau. „Jedes sucht seine Trägerin“, sagt Sabine Müller.<br />
Die „boxes“ behandeln das Wachstum der Kristalle. Mikroskopisch<br />
betrachtet ist jeder einzelne geradlinig und architektonisch.<br />
Im Wachstum ergeben sich fast organische Strukturen. In ihrer<br />
neuen Serie „snowy“ werden Element beider Serien kombiniert:<br />
die geradlinige Architektur der „boxes“ und die körnige Oberfläche<br />
der „Schneebecherlinge“. Seit 1990 lebt und arbeitet Sabine<br />
Müller mit ihrem Mann Felix in Schielo bei Harzgerode in Sachsen-Anhalt.<br />
Doch ist sie mit ihrem Schmuck längst in Galerien und<br />
Geschäften in ganz Westeuropa und sogar in den USA vertreten.<br />
Und dass die ehemalige Hallenser Schmuckstudentin einen nicht<br />
unwesentlichen Teil zur Existenz ihrer fünfköpfigen Familie beiträgt,<br />
sei auch erwähnt.<br />
Im Gegensatz zu seiner Frau hat Felix Müller keine Lehre gemacht,<br />
sondern direkt nach dem Abitur 1985 sein Studium im Bereich<br />
Metall/Email an der Burg Giebichenstein begonnen. Halb<br />
orientierungslos, wie das Leben nach der Schule in der DDR weiter<br />
gehen soll, hat er in der 11. Klasse die Eignungsprüfung für den<br />
Fachbereich Malerei gemacht. Noch vor der Immatrikulation<br />
wechselte er in die Metallklasse. Das Studium, das mit einem<br />
zweijährigen Praktikum in Magdeburg, Thale und Halle begann,<br />
versprach eine umfassende handwerkliche Ausbildung, die ihn<br />
reizte. Es sei eine sehr wichtige Zeit gewesen, „in der ein Großteil<br />
meiner handwerklichen Ausbildung erfolgte und in der ich die<br />
Möglichkeiten, die mir das Arbeiten mit Metall bot, schätzen gelernt<br />
habe“, erzählt Felix Müller.<br />
Schon während der Schulzeit war er sehr an Musik interessiert.<br />
Deshalb habe er die Möglichkeiten, die ihm das Studium<br />
bot, „nicht allzu intensiv genutzt“, bekennt er. Andererseits habe<br />
das zu interessanten Verknüpfungen geführt, etwa zum Bau eines<br />
Klangobjektes beim Diplom. Die mangelnde Intensität in seiner<br />
Studienzeit erklärt Felix Müller auch mit den damaligen gesellschaftlichen<br />
und politischen Anforderungen in der DDR. „Mit Ausnahme<br />
des Diplomjahres war die wenigste Zeit dem eigentlichen<br />
Fachstudium gewidmet.“ Das Jahr vor und während der Wende<br />
war sein Diplomjahr. „Die politische Unsicherheit war natürlich zu<br />
spüren und zeigte sich offen in Veränderungen der gesellschaftspolitischen<br />
Fächer. Da wurde der Unterricht teilweise ausgesetzt<br />
oder neu besetzt und vorsichtiger reagiert.“<br />
Seit 1990 baut Felix Müller nun in Schielo Metallobjekte. Seine<br />
Leuchten und Kaffeemaschinen sehen aus als seien sie für historische<br />
Science Fiction Filme entworfen. Begriffe wie Retro-Futurismus<br />
oder Steam Punk würden immer wieder im Zusammenhang<br />
mit seinen Arbeiten fallen, sagt der Metallgestalter. Als er<br />
angefangen habe, diese Objekte zu bauen, seien ihm diese Begriffe<br />
noch nicht geläufig gewesen. Er wollte vor allem gebrauchsorientierte<br />
Objekte gestalten, wobei ihm das Handwerk am Herzen<br />
liegt. „Für mich ist es wichtig, den Entstehungsprozess selbst in<br />
der Hand zu haben – gestalterisch und handwerklich.“ Sofern er<br />
diese beherrscht oder einsetzen kann, nutzt Felix Müller auch mo-<br />
Das Leben auf dem Land bietet Sabine und<br />
Felix Müller neben der Einheit von Wohnen<br />
und Arbeiten auch einen eigenen Garten.<br />
„Als der Fotograf Nikolaus Brade seine<br />
Aufnahmen in Schielo machte, wurde er von<br />
dem Gestalterpaar mit Leckerbissen vom<br />
großen Gartengrill verwöhnt, konstruiert vom<br />
Hausherrn ebenso wie die Leuchte rechts.<br />
The life on the countryside offers Sabine and<br />
Felix Müller not only the unity of living and<br />
working but also their own garden. When<br />
Nikolaus Brade shot photos in Schielo, the<br />
Müllers kept his body and soul together by<br />
serving him tasty tidbits from their big outdoor<br />
grill, which, of course, was built by the man of<br />
the house as well as the lamp on the right.<br />
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Blindtext<br />
derne Fertigungstechniken. „Die Wechselwirkung von Zweck,<br />
Material und Form möglichst plausibel zusammenzuführen, bildet<br />
oft den Anstoß für meine Arbeit.“<br />
Nach ihrer Ausbildung im Sozialismus musste sich das Paar sofort<br />
in der Markwirtschaft behaupten. Dass die ganze Sache<br />
schwierig wird, haben sie geahnt, die Entscheidung, freiberuflich<br />
zu arbeiten aber nie bereut. „Wir beide sind ja sehr vielfältig ausgebildet<br />
und haben inzwischen gut ausgestattete Werkstätten.“<br />
Felix Müller hatte in den ersten Jahren einige Aufträge in der Restaurierung.<br />
In dieser Zeit wurden die drei Kinder geboren. Sabine<br />
Müller hatte dadurch wenig Zeit zum Schmuckmachen. Trotzdem<br />
hat sie Kontakt zu Galerien gesucht, Ausstellungen und Präsentationen<br />
vereinbart und ihren Vertrieb aufgebaut. Auch ein eigenes<br />
Geschäft war immer mal wieder im Gespräch: „Es hätte aber einen<br />
Umzug in eine größere Stadt bedeutet und den enormen Zeitaufwand<br />
für einen Laden haben wir gescheut.“ Außerdem arbeite sie<br />
gern an ihren Kollektionen, ohne den Einfluss von Kundenwünschen.<br />
Da sei die abgelegene Position auf dem Land doch ganz<br />
gut, sagt Sabine Müller. „Das heißt nicht, das ich Kundenaufträge<br />
ablehne, die sich an meinen Arbeiten orientieren.“<br />
Bei Felix Müller ist das anders. Auf Messen und Ausstellungen<br />
präsentiert er die frei entstandenen Objekte, die dann Kunden inspirieren,<br />
baugebundene Arbeiten in Auftrag zu geben. Das können<br />
besondere Möbel, Raumobjekte, Leuchten oder Werke für<br />
den Garten sein. Felix Müller ist offen für moderne ebenso wie für<br />
traditionelle Aufgaben. Gerne visualisiert er Entwürfe in 3D oder<br />
erstellt Konstruktionen für Laserschnitte. An einer riesigen Drückbank<br />
kann er Kupferbleche zu Lampenschirmen formen, er dreht<br />
und schweißt Stahl oder ziseliert Messing. Als Nikolaus Brade seine<br />
Aufnahmen in Schielo machte, wurde er von Sabine und Felix<br />
Müller mit Leckerbissen vom großen Gartengrill verwöhnt, den<br />
natürlich der Hausherr konstruiert hat, ebenso wie das eine oder<br />
andere eindrucksvolle Metallobjekt bei den Müllers in Schielo.<br />
Successful Union<br />
Sabine Müller makes jewelry. Her husband Felix earned fame<br />
with imaginative metal objects. The end of their studies in Halle<br />
an der Saale and the co-founding of their atelier in Schielo<br />
coincided with the fall of the Berlin Wall and the reunification of<br />
Germany.<br />
After the peaceable revolution in Eastern Europe, the wall that<br />
had divided Germany opened in 1989. Ten years before, Sabine<br />
Müller, who was born in a village in the Harz Mountains in 1963,<br />
had begun her training. Several sheds filled with diverse tools<br />
stood on her parent’s land, where the girl played and constructed<br />
objects from wood, cardboard and sheet metal. Although she had<br />
attended a college-preparatory high school, her pleasure with creative<br />
pursuits prompted her to begin learning the goldsmith’s<br />
craft. Sabine Müller recalls the start of her career: “It was a totally<br />
new experience with patience and perseverance.” Every craft was<br />
urgently needed in the GDR. Repairs were crucial, whether for an<br />
Ihre Ringe gießt Sabine Müller in Gold oder<br />
wie hier zu sehen in Silber. Teils wird das<br />
weiße Edelmetall anschließend geschwärzt.<br />
Das Modellieren hinterlässt eine natürliche<br />
Struktur auf der Oberfläche: die ihrer<br />
Fingerabdrücke. Edelsteine oder transparentes<br />
Acrylat setzen farbige Akzente.<br />
Sabine Müller casts a large part of her rings<br />
in gold or as seen here in silver, sometimes<br />
the whit metal is blackened. The modeling<br />
marks the surface with a natural texture:<br />
her fingerprints. Gemstones or transparent<br />
acrylate set colorful accents.<br />
old piece of jewelry, a broken-down automobile or a leaky roof.<br />
Spare parts and semi-finished goods were rare, so ideas were in<br />
demand. “Nowadays, one would say that we used resources sustainably.”<br />
Sabine Müller began studying in the jewelry class at Burg<br />
Giebichenstein University of Art and Design in Halle in 1984, after<br />
having earned her high school diploma in night school. As a student,<br />
she realized that she wasn’t satisfied with the conventional<br />
goldsmith’s craft: “My dream was to study design or art.” At the<br />
“Burg,” she was lucky to have two renowned professors as her<br />
mentors: “Renate Heintze and Dorothea Prühl made their pieces<br />
in an idiosyncratic and inimitable way,” Sabine Müller recalls. This<br />
taught her to allow her ideas to mature. The slow process, which<br />
progresses through observations, sketches, collages, 3D models<br />
and tests of technical solutions, was characteristic at the time. “I<br />
also saw persistence, especially when I watched Dorothea Prühl,”<br />
whose “Goldblumen” (“Gold Flowers”) jewelry for the ears and<br />
whose well-known “Frogs,” folded from sheets of silver, were created<br />
during Müller’s student years. Renate Heintze’s hollow<br />
“Goldfish” and “Large Strand of Pearls” also took shape while<br />
Müller was a student in Halle. “Those two professors strongly influenced<br />
my work,” Sabine Müller admits.<br />
Dorothea Prühl ranks among the most important contemporary<br />
jewelry artists. Entirely freely and sculpturally, she fabricates<br />
exclusively one-of-a-kind items, as did Renate Heintze, who died<br />
in 1991. By contrast, Sabine Müller decided immediately after<br />
graduation to develop collections and to work serially: “Serial<br />
fabrication was formerly part of every diploma project in Halle,<br />
but it was treated rather neglectfully.” Sabine Müller’s curiosity<br />
about technical solutions prompted her to experiment with working<br />
in series, but she never worked for the industry. “My pieces<br />
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<strong>Gelungene</strong> <strong>Vereinigung</strong><br />
1<br />
3<br />
2 4<br />
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<strong>Gelungene</strong> <strong>Vereinigung</strong><br />
are handmade variations on an idea. Modeled in wax, each one is<br />
new. And each is cast in my workshop.” Versatility also distinguishes<br />
the various styles in Sabine Müller’s collections. Her “boxes”<br />
jewelry collection looks constructivist, architectonic and cubist,<br />
while her “Becherlinge” (“Little Cups”) seem to have come<br />
from an enchanted fairytale world.<br />
Do two souls dwell in her chest? “Yes, maybe,” the designer<br />
says. Both series explore the theme of growth. The “Becherlinge”<br />
embody organic material, fertility, diversity and desire. The basic<br />
shape is a hemisphere; reshaping, cutting and reassembling the<br />
wax pieces yield many possibilities. The modeling marks the surface<br />
with a natural texture: her fingerprints. Various colors accentuate<br />
the feminine quality of the “Becherlinge.” Some pieces of<br />
jewelry are a vibrant shade of orangey red, others are delicately<br />
grayish blue. “Each seeks its wearer,” Sabine Müller says. The<br />
“boxes” are inspired by the growth of crystals. Viewed through a<br />
microscope, each crystal is straight-lined and architectonic. Almost<br />
organic structures take shape as the crystals grow. Müller’s<br />
new “snowy” series combines elements from both the straightlined<br />
architecture from “boxes” and the grainy surface texture of<br />
the “Schneebecherlinge” (“Snowy Little Cups”). She and her husband<br />
Felix have lived and worked in Schielo, near Harzgerode in<br />
Sachsen-Anhalt, since 1990, but her jewelry long ago found its<br />
way into galleries and stores throughout Western Europe and<br />
even in the USA. It’s also worth mentioning that this erstwhile student<br />
of jewelry in Halle substantially contributes toward supporting<br />
her family of five.<br />
Unlike his wife, Felix Müller never apprenticed, but began<br />
studying metals and enamel at Burg Giebichenstein immediately<br />
after graduation from high school in 1985. At a loss for orientation<br />
and unsure where his life in the GDR would lead him after high<br />
school, he took the aptitude test for the painting department<br />
when he was in the eleventh grade, but transferred into the metals<br />
class before beginning his studies at the “Burg.” The curriculum<br />
started with two years of on-the-job training in Magdeburg,<br />
Thale and Halle, thus promising a comprehensive craftsmanly education<br />
that appealed to him. Felix Müller recalls this as an enormously<br />
important period “when I received the majority of my artisanal<br />
training and learned to value the opportunities offered by<br />
working with metal.”<br />
He was already interested in music during his school years, so<br />
Felix Müller admits that he “didn’t make very intensive use” of the<br />
opportunities offered by his studies. But this led to interesting<br />
1. David Bielander, Armreif Wellpappe (Herz), 2016. Gelb- und<br />
Weissgold, ø 9 cm / Bangle Cardboard (heart), 2016. Yellow and<br />
white gold, ø 9 cm. Photo Dirk Eisel<br />
2. Helen Britton, Brosche Cloud, 2016. Silber, deutscher Lapis /<br />
Brooch, silver, German Lapis. Photo Helen Britton<br />
3. Helen Britton, Kette Industrial 2016. Silber, Farbe / Chain, silver,<br />
color. Photo Dirk Eisel<br />
4. David Bielander, Anhänger Maiskolben. Edition von 12, 2008.<br />
Musterbeutelklammern, Silber, L 20 cm / Pendant Corncob, edition<br />
of 12. Split pins, silver, L 20 cm. Photo Simon Bielander<br />
connections: for example, it prompted him to build a sound-making<br />
object as his diploma project. Felix Müller explains the lack of<br />
intensity during his student years as a consequence of the social<br />
and political situation in the GDR. “Except for the diploma year,<br />
very little time was devoted to specialized study.” His diploma<br />
year coincided with the year before and the year after Germany’s<br />
reunification. “The political uncertainty was palpable and often<br />
expressed itself as personnel changes in the sociopolitical faculties.<br />
Sometimes the classes were temporarily suspended or taught<br />
by new instructors, who were very cautious.”<br />
Felix Müller has made his metal objects in Schielo since 1990.<br />
His lamps and coffee machines look like props from vintage sci-fi<br />
movies. The metal designer says that ideas such as “retro futurism”<br />
or “steam punk” have often been mentioned in describing his<br />
work, but he wasn’t familiar with such concepts when he began<br />
building these objects. Above all, he wanted to design practical<br />
and useful items, which also explains why he values craftsmanship<br />
so highly. “For me, it’s important to have control over the creative<br />
process – both as a designer and as a craftsman.” Felix Müller also<br />
uses modern manufacturing techniques whenever he has mastered<br />
or can utilize them. “A frequent impetus for my work is to<br />
plausibly bring together the interaction among purpose, material<br />
and form.”<br />
After studying under a socialist regime, the couple immediately<br />
had to survive in a free-market economy. They expected difficulties,<br />
but never regretted their decision to work as freelancers.<br />
“We’re both diversely trained and we have well-equipped workshops.”<br />
Felix Müller was commissioned to do restoration work<br />
several times during the early years of his career, which coincided<br />
with the births of the Müllers’ three children. Sabine Müller naturally<br />
had little time free for making jewelry, but she sought contact<br />
with galleries, organized exhibits and presentations, and expanded<br />
her sales network. The Müllers frequently talked about<br />
founding their own store, “but that would have meant relocating<br />
to a bigger city. And we were not attracted to the hugely time-consuming<br />
work of running a store.” They also liked being able to<br />
work on their collections without the influence of customers’ requests.<br />
Their remote location in the countryside is favorable in<br />
this respect, Sabine Müller says, “but it doesn’t mean I turn down<br />
customers’ commissions – if their requests are oriented toward my<br />
work.”<br />
Felix Müller’s situation is different. He shows freely created<br />
objects at trade fairs and exhibitions, where they inspire customers<br />
to commission him to make objects associated with architecture.<br />
The pieces could be special furnishings, spatial objects,<br />
lamps or artworks to be installed outdoors in a garden or park. Felix<br />
Müller is open for modern and traditional tasks. He enjoys visualizing<br />
designs in 3D or creating constructions for laser cuts. He<br />
forms sheets of copper into lampshades on a gigantic spinning<br />
lathe. He welds steel and engraves brass. When Nikolaus Brade<br />
shot photos in Schielo, the Müllers kept his body and soul together<br />
by serving him tasty tidbits from their big outdoor grill, which,<br />
of course,, was built by the “man of the house,” as were other impressive<br />
metal objects at the Müllers’ home in Schielo.<br />
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