thema 1/18

Ingenieurkammer.Bau.NRW

Thema ist ein Reflexions- und Inspirationsmedium. Wir begeben uns damit bewusst ein wenig weg vom Ingenieurwesen, wechseln munter Kontexte und schlagen Bögen zu gesellschaftsbindenden Bereichen wie Wissenschaft und Kunst. Diesmal geht es um vernetztes Lernen

Ingenieurkammer-Bau

Nordrhein-Westfalen

Zeitung der

Ingenieurkammer-Bau NRW

thema:

1.18

VERNETZTES LERNEN

Thema will ein Reflexions- und Inspirationsmedium sein. Wir begeben uns damit

bewusst ein wenig weg vom Ingenieurwesen, wechseln munter Kontexte und

schlagen Bögen zu gesellschaftsbildenden Bereichen wie Wissenschaft und Kunst.

Diesmal geht es um: vernetztes Lernen.

Konnektivismus ist eine relativ junge

Theorie fürs Lernen in der digitalen Ära.

Die Basisidee: Der Mensch ist kein

isoliertes, sondern ein über Knoten und

Verbindungen vernetztes Individuum.

I. Was ist Lernen? Welche Formen gibt es, welche Bedeutung hat es?

Lernen ist ein weites Feld. Seit Menschen denken, hat das Thema viele Wissenschaftler

beschäftigt und unzählige Theorien, Modelle, Konzepte und Glaubensstreite

über richtige Lernwege und -formen hervorgebracht. Vielleicht

einigen wir uns zunächst auf einige kurze Lerngrundsätze als kleinsten

Definitionsnenner: a) Lernen ist der individuelle oder kollektive Erwerb von

geistigen, körperlichen, sozialen Kenntnissen oder Fähigkeiten. b) Lernen

ist ein Prozess der relativ stabilen Veränderung des Verhaltens, Denkens

oder Fühlens – aufgrund von Erfahrung oder neu gewonnenen Einsichten.

c) Wer nicht lernt, bleibt doof.

Lehrstoff, viel stillsitzen und Zuhören, das Suchen der einen richtigen

Lösung. Diese etwas strenge und enge europäische Art ist aber nicht die einzige,

um Wissen, Können, Werte und Grundüberzeugungen zu vermitteln.

Es gibt z. B. auch japanisches Lernen, bei dem die Beziehung Lehrer/Schüler

von ganz besonderer Bedeutung ist. Lernen ist hier ein intensiver spiritueller

Prozess, der von den Lehrern ein konsequentes Vorbild fordert. Es geht

nicht um Abfrage von Gelerntem oder die eine richtige Lösung, sondern

darum, die eigene gedankliche Beschränktheit zu überwinden. Lehrer sind

dafür da, neue, existenzielle Suchbewegungen im Schüler anzuregen.

Lernen im dritten

Jahrtausend

Lernen kann man auf europäische Art. Oder anders.

Das gute alte europäische Schullernen ist gekennzeichnet durch Frontalunterricht,

eine wissende Lehrerautorität, in Büchern zusammengefassten


1.2018 thema: Vernetztes Lernen

Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen

QUELLEN UND LINKS

Bröckling, Ulrich/Krasmann,

Susanne (Hrsg.): Glossar der

Gegenwart. Suhrkamp, Frankfurt,

2004

Henning Schmidgen (Hrsg.):

Bruno Latour – zur Einführung.

Junius Verlag, Hamburg, 2011

bildungsserver.de

elearnspace.org

itdl.org

sueddeutsche.de

wikipedia.de

zukunftsinstitut.de

Lernen ist überlebenswichtig.

Gesellschaften und die Menschen darin agieren heute unter verschärften

Bedingungen. Demografischer Wandel, Globalisierung und Digitalisierung

sind dabei, eine neue soziale und ökonomische Realität zu schaffen. Es gilt:

Der clevere Umgang mit Informationen und die selbstständige Wissensaneignung

sind so etwas wie Superqualifikationen – und „lebenslanges Lernen“

dient als eine Art Supermotto. Nur wer permanent willig und fähig ist zu

lernen, kann sich dem Leben und Arbeiten heute anpassen, sinnvoll darin

agieren und es (vielleicht sogar) im eigenen Interesse verändern.

II. Was ist ein Netzwerk? Was bedeutet „vernetzt sein“?

Netzwerk ist so etwas wie der Schlüsselbegriff der Gegenwartsbeschreibung.

Er stammt aus der Morphologie und bezeichnet ein Geflecht von Linien und

Knoten, von Kanälen und Kreuzungen. Uns interessiert hier aber besonders

der soziale und humane Aspekt des Netzwerks. Und diesbezüglich gilt:

Netzwerke haben sich seit den 1980er Jahren als Gegenmodell zu bürokratisch-hierarchischen

Strukturen etabliert. Bürokratien haben klare Hierarchien,

feste Zuständigkeiten und Dienstwege, sie steuern das Regelmäßige

und Absehbare durch lineare, kausale Kommunikation. Soziale Netzwerk-

Strukturen dagegen setzen auf flache (oder ganz abgeschaffte) Hierarchien,

auf informelle Bindungen, sie wertschätzen das Unvorhersehbare und

bilden untergründige, weit verzweigte Geflechte. Während Bürokratien und

Autokratien auf die Macht von Ämtern und Positionen setzen, setzen Netzwerke

auf die Stärke von Beziehungen.

Netzwerke wollen Kooperation ermöglichen, ohne die Autonomie der einzelnen

Elemente zu untergraben. Sie gelten deshalb als die genau richtige Form,

um mit den gesteigerten Komplexitäten und Dynamiken der Moderne umzugehen.

Konnektivität als Megatrend

Kein Wunder, dass Konnektivität, also die Fähigkeit, Verbindungen herzustellen,

einer der Megatrends unserer Zeit ist. Dahinter steckt: Unser Leben

wird total vernetzt – und es entstehen neue Formen der Gemeinschaft, des

Zusammenarbeitens und -lebens. Alle Bereiche des menschlichen Seins

und Handelns werden erfasst. Einige Stichworte dazu: Industrie 4.0 als

zunehmende Digitalisierung und Virtualisierung industrieller Prozesse.

Augmented Reality als computergestützte Verknüpfung der realen mit der

virtuellen Welt. Big Data als Sammlung, Verarbeitung und Analyse komplexer

Mengen computergenerierter Daten. Carsharing als Systemwechsel in der

Automobilität: weg vom Besitz, hin zur geteilten Nutzung von Fahrzeugen.

Das Crowdfunding als kollektive Finanzierung von Ideen, Projekten, Initiativen.

Und natürlich die im World Wide Netz allgegenwärtigen (und beinahe

allmächtig erscheinenden) Social Networks als Internetgemeinschaften

zum Austausch von Nachrichten, Bildern, Videos – als Zusammenschluss

von „Freundschafts-Netzwerken“.

III. Was ist das Besondere am Lernen heute, am vernetzten Lernen?

Der Konnektivismus ist eine relativ junge Theorie fürs Lernen in der digitalen

Ära. Entwickelt hat sie der kanadische Lerntheoretiker George Siemens

rund um eine starke Idee: Der Mensch ist kein isoliertes, sondern ein

über Knoten und Verbindungen vernetztes Individuum. So entsteht ein

Netzwerk sowohl zu anderen Menschen als auch zu nicht menschlichen

Quellen. Dieses große Netzwerk ist maßgeblich fürs Lernen, da der Mensch

jederzeit darauf zugreifen kann. „Lernen“ nennt man deshalb im Sinne des

Konnektivismus den Prozess, neue Verbindungen zu anderen Knoten anzulegen.

Dabei wird das Know-where immer wichtiger: das Verständnis, wo

Wissen zu finden ist, wenn man es braucht.

Ein Beispiel für vernetztes Lernen in diesem Sinne sind Massive Open

Online Courses (deutsch: offene Massen-Onlinekurse), kurz MOOC:

Onlinekurse vor allem in der Hochschul- und Erwachsenenbildung, die

workshopartig und gebührenfrei sind und keine Zugangs- und Zulassungsbeschränkungen

haben. Sie können deshalb mit oft massiven Teilnehmerzahlen

rechnen.

MOOC kombinieren traditionelle Formen der Wissensvermittlung wie

Videos, Lektürematerial und Problemstellungen mit neuen, konnektiven

Formen. Zum Beispiel mit Foren, in denen Lehrende und Lernende auf

Augenhöhe interagieren und virtuelle Lerngruppen bilden. Die Beteiligung

und Interaktion erfolgt typischerweise in vier Stufen:

1. Orientieren: sich einen Wissensüberblick verschaffen und auswählen,

was interessant erscheint.

2. Ordnen: ein Thema für sich strukturieren und nach Verbindungen zum

eigenen Alltag suchen.

3. Beitragen: einen Artikel oder Kommentar zu einem Thema verfassen.

4. Teilen: die eigenen Beiträge mit anderen teilen.

Willkommen zum Lernen im dritten Jahrtausend.


1.2018 thema: Vernetztes Lernen

Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen

Prinz Stefan von und zu Liechtenstein ist nicht nur Botschafter des Fürstentums

Liechtenstein beim Heiligen Stuhl, sondern als Mit-Initiator der

Initiative heute Präsident der gemeinnützigen Stiftung „Liechtenstein

Languages (LieLa)“. LieLa, eine ausgeklügelte Strategie, um einfach und

schnell neue Sprachen zu lernen. Ein Interview.

Man soll mit LieLa in 60 Stunden 600 Vokabeln lernen. Oder an 2 Nachmittagen das

Alphabet. Wie ist das möglich?

Prinz Stefan von und zu Liechtenstein: Es ist möglich, weil spielerisch unterrichtet wird

und die Lernenden permanent zum Sprechen in der neuen Sprache animiert und aufgefordert

werden. Eine klare nonverbale Kommunikation vereinfacht die Aufnahme. In

der Ausgestaltung der Unterrichtsmittel wird auf eine abwechslungsreiche Unterweisung

geachtet und darauf, dass möglichst viele Lernende gleich zeitig aktiv sind. Die Tätigkeiten

sind so aufeinander abgestimmt und rhythmisiert, dass die Unterrichtseinheiten

ohne Probleme mehrere Stunden dauern können. Dabei nimmt der Lehrer die

Rolle des Animateurs ein.

Was LieLa alles

kann

Wie funktioniert und was bewirkt „neues Lernen“? Was ist so neu daran?

Prinz Stefan von und zu Liechtenstein: „Neues Lernen“ ist der Begriff, den wir in Liechtenstein für ein

Bündel von Unterrichtsmethoden verwenden, die in Liechtenstein seit beinahe 30 Jahren durch den

Verein Neues Lernen für unsere Grundschüler angewendet werden. Im Grunde geht es darum, eine

neue Sprache so zu erlernen, wie wir unsere Muttersprache gelernt haben. Es ist also so neu wie die

Geschichte des sprechenden Menschen. Die Stärken und Potenziale der Lernenden sowie unterschiedliche

Lernstile werden beachtet. Die Schaffung einer positiven Lernatmosphäre steht im Zentrum.

Kern der Methode ist die in den 1960er Jahren entwickelte Lozanov-Methode. Dazu wurden andere

Schlüssel elemente genommen, wie z. B. neurolinguistisches Programmieren, Total Physical Response,

Mindmapping, Nonviolent Communication und Brain Gym.

Welche neuen Erkenntnisse aus der Lern- und Gehirnforschung werden dabei umgesetzt?

Prinz Stefan von und zu Liechtenstein: Es ist eigentlich schon seit vielen Jahrzehnten oder noch länger

bekannt, dass unser Gehirn emotionale Informationen sehr lange speichern kann und auch über

emotionales Lernen und die rechte Gehirnhälfte sehr viel Informationen verarbeiten kann. Die vorher

erwähnten Methoden nehmen diese Erkenntnisse auf.

Beschreiben Sie bitte die besondere Lernatmosphäre von LieLa.

Prinz Stefan von und zu Liechtenstein: All das bisher Gesagte macht schon deutlich, dass

es sich hier nicht um einen frontalen Unterricht im Klassenzimmer handelt. Die Lernenden

betreten einen nett gestalteten Raum und nehmen die im Halbkreis aufgestellten

Sitzmöglichkeiten wahr. Angenehme Musik läuft im Hintergrund. Nach der Begrüßung

ändert sich die Musik und wird zünftiger. Dann wird man eingeladen, durch besondere

rhythmische Bewegungen die Hirn tätigkeit und den Kreislauf anzuregen. Nach einem

kräftigen Schluck Wasser – wichtig für das Gehirn, den Kreislauf und überhaupt – sind

alle hellwach, und es geht los. Es wird viel gelacht.

Seit unserem ersten Liechtenstein-Languages-Sprachkurs für Flüchtlinge im Februar

2016 in Essen konnte ich an vielen solchen Kursen teilnehmen. Indem das LieLa-Team


1.2018 thema: Vernetztes Lernen

Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen

konkret mit Flüchtlingen arbeitet, werden in der Praxis zukünftige Sprachtrainer und Sprachtrainerinnen

ausgebildet. Dieses Train-the-Trainer-Prinzip hat es ermöglicht, dass in den letzten zweieinhalb

Jahren durch ein Team von fünf Ausbildern aus Liechtenstein über 350 solche Sprachtrainer/-

innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv geworden sind. Diese haben sicher weit

über 15.000 Flüchtlinge in die deutsche Sprache eingeführt.

Was soll aus LieLa werden?

Prinz Stefan von und zu Liechtenstein: „LieLa“ ist ein gemeinnütziges Projekt mit dem Fokus auf Flüchtlinge

in deutschsprachigen Ländern. Die sehr gute Resonanz und die tollen Resultate haben aber

auch Interesse von anderen Seiten geweckt. In allen Ländern mit einem wachsenden Anteil von migrierter

Bevölkerung wird das Thema Spracherwerb eine Herausforderung. Denken Sie an die Schulen

und Berufsschulen, aber auch die berufliche Ausbildung. Überall könnte man mit

weniger Aufwand und viel mehr Spaß die neue Sprache erwerben. Aus den etwa 50 Berufskollegs

in NRW, die bereits LieLa-Kurse für schlecht oder gar nicht deutschsprechende

Schülerinnen und Schüler geben, erhielten wir sehr ermunternde Rückmeldungen.

Am meisten freut uns, dass so auch das unterrichtende Personal wieder mehr

Freude an der herausfordernden Arbeit hat. Die Lehrerinnen und Lehrer werden oft von

der Politik vergessen, sind aber ein Schlüssel für die Zukunft unserer Gesellschaft.

Vielen Dank für das Gespräch.

Glossar

des

vernetzten

Lernens

A wie Augmented Reality

Wird die Zukunft des (vernetzten) Lernens mit -

prägen. Schon heute lassen sich z. B. per Smartphone

vertiefende 3-D-Animationen in entsprechend

angelegte Lehrbücher projizieren.

Willkommen in der „erweiterten Realität“.

B wie Big Data

Durch Netz plus Suchmaschine stehen uns so

viele Informationen wie noch nie zur Verfügung.

Z. B. um zu lernen, lernen, lernen …

C wie Community

Gruppe, die ein gemeinsames Ziel verfolgt, sich

austauscht, ergänzt und im Idealfall inspiriert.

Privat oder professionell, dann z. B. als Scientific

Community.

J wie Jam-Session

Musiker vernetzten sich zwanglos zu einer

musikalischen Improvisation. Unersetzbare

Takt-, Einsatz- und Gefühlsschulung.

K wie Künstliche Intelligenz

Ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit der

Automatisierung von intelligentem Verhalten

befasst. Maschinen lernen zu lernen …

L wie Latour, Bruno

Französischer Soziologe, Philosoph und Begründer

der viel beachteten Akteur-Netzwerk-

Theorie (zur angemessenen Vertiefung siehe

B wie Big Data).

M wie Massive Open Online Course (MOOC)

Onlinekurs, der traditionelle Formen der

Wissensvermittlung wie Lesematerial, Videos

etc. mit Foren kombiniert, in denen Lernende

und Lehrende in virtuellen Gruppen interagieren

können. Man sieht sich.

U wie User Interface Design

Design der Benutzeroberfläche, die zwischen

Mensch und Maschine steht (z. B. beim vernetzten

Lernen). Kann glücklich machen (wenn

es intuitiv funktioniert) oder zur Verzweiflung

treiben (Wo bin ich?!).

W wie WeQ (statt IQ)

Heißt: vom Konkurrenzmodus zum Kollaborationsmodus.

Zu mehr Wir-Qualität, Gemeinschaft,

Kreativität, Innovation und Emanzipation.

Manche sprechen gar von einer Potenzialentfaltungsrevolution.

Für den Einzelnen, aber auch

für Unternehmen und Organsationen.

W wie Wikipedia

Freie, kollektiv und ehrenamtlich erstellte

Online-Enzyklopädie. Heute das umfangreichste

Lexikon der Welt in ca. 300 Sprachen. Lebensversicherung

für Schülerinnen, Schüler und

Studierende von Australien bis Zypern.

X wie xref

Chat-Slang für Crossreference (Querverweis),

also die Bezugnahme in einem Text auf einen

anderen Text. Die xref-Verfolgung funktioniert

übrigens nicht nur digital (Hyperlinks), sondern

auch analog (Bibliothek).

Y wie YouTube

Wohl immer noch die meistgenutzte Plattform,

wenn es um vernetztes Lernen geht. Mit Videos von

„Augenschminken für Anfänger“ bis „Doppelspaltexperiment

& Quantenverschränkung“.

Z wie Zuse, Konrad

Legendärer Entwickler des Z3, des ersten frei

programmierbaren Computers der Welt. Legt

damit bereits 1941 den Grundstein für vernetztes

Lernen. Kleine Randnotiz in eigener

Sache: Zuse war nicht nur begnadeter Erfinder,

sondern auch diplomierter Bauingenieur.


1.2018 thema: Vernetztes Lernen

Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen

Vernetztes Lernen – drei Beispiele

Jenseits des

Tellerrands

01. Im All

02. Im Kopf

03. In der Erde

Die International Space Station (kurz ISS) ist das derzeit

wohl exklusivste Lernnetzwerk. Teilnehmer sind die USamerikanische

NASA, das russische Pendant Roskosmos, die

europäische ESA sowie die kanadische CSA und die japanische

JAXA.

In rund 400 km Höhe kreist die Station um die Erde und

bildet dabei u. a. den Rahmen für physikalische und humanmedizinische

Experimente, eine umfängliche Erdbeobachtung

oder das sogenannte Veggie-Programm der NASA, das

2016 mit einer orangefarbenen Zinnie die erste Blume im All

zum Blühen brachte. Worauf der US-Astronaut Scott Kelly von

der ISS aus twitterte: „Yes, there are other life forms in space! “

Das menschliche Gehirn besteht aus hundert Milliarden

Nervenzellen, den sogenannten Neuronen. Diese sind wiederum

durch Billiarden synaptischer Verbindungen miteinander

verknüpft. Gemeinsam bilden sie das neuronale Netz.

Und damit die Voraussetzung um zu lernen.

Etwa durch die Fähigkeit, komplexe Muster in einer Menge

von Daten, Wiederholungen oder Ähnlichkeiten zu erkennen.

Erst diese Fähigkeit bringt Ordnung in den chaotischen

Strom von Wahrnehmungen und Impulsen. Wieder was gelernt?

Danken Sie Ihrem neuronalen Netz.

Heute scheint für die Forschung klar zu sein, was schon Darwin

vermutet hat: Pflanzen verfügen über eine Art Intelligenz.

Und damit auch über die Fähigkeit zu lernen. Dazu vernetzen

sie sich untereinander über ihre Wurzeln und tauschen sich

aus. Von der Schwerkraftberechnung bis zum Aufspüren elektro

magnetischer Felder kommt alles aufs Tapet.

Der italienische Pflanzenforscher Stefano Mancuso ist daher

der Meinung, dass ein besseres Verständnis der Intelligenz

der Pflanzen uns nicht nur lehren könnte, auf Pestizide zu

verzichten, sondern auch bessere Computer und Netzwerke

zu entwickeln. Klingt intelligent.


1.2018 thema: Vernetztes Lernen

Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen

„Erzähl mir etwas, und ich vergesse es; lehre mich etwas, und ich erinnere mich vielleicht daran; binde mich ein – und ich

lerne.“ Benjamin Franklin (1706 –1790),Verleger, Schriftsteller, Natur wissenschaftler, Erfinder und Politiker

„Tell me and I forget,

teach me and I may remember,

involve me and I learn.“

Kleines Manifest

des

Konnektivismus

Hier ist der Konnektivismus, die große neue Idee hinter dem vernetzten Lernen,

verdichtet auf 10 Thesen:

1. Konnektivismus ist das Lernen für die digitale Ära.

2. Neue Technologien verändern unsere Gehirne.

Also müssen wir auch anders lernen.

3. Verbinde dich mit Knoten und Informationsquellen.

Sich verknüpfen ist das neue Pauken.

4. Liebe, ehre und pflege deine Verbindungen. Auch die schwachen.

5. Hör nicht auf, neue Verbindungen zu anderen Knoten zu knüpfen.

6. Viel wichtiger als das, was du schon weißt, ist:

dass du immer mehr wissen willst.

7. Know-where wird immer wichtiger. Also such das aktuelle Wissen.

8. Bring dich ins Lernen ein. Diskutiere in Foren.

Schreib Blogeinträge, triff dich in Virtual Classrooms.

9. Chaos ist die neue Realität für Wissensarbeiter.

10. Liebe das Chaos. Es ist nur eine kryptische Form von Ordnung.


1.2018 thema: Vernetztes Lernen

Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen

Ohne Ingenieurinnen und Ingenieure im Bau- und Vermessungswesen

gäbe es keine Messehallen, keine Häuser, keine Brücken,

keine Bahnstrecken, keine Kläran lagen, keine Deiche, keine Flughäfen

und keine Ampeln. Ingenieurinnen und Ingenieure

haben überall ihr Gehirn und ihre Hände im Spiel. Sie gestalten

wesent liche Bereiche des Lebens.

Die Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen (IK-Bau NRW)

unterstützt ihre Mitglieder umfassend. Sie fördert den Ingenieurnachwuchs.

Sie sorgt für Qualität. Sie schärft das Bewusstsein für

hochwertiges Bauen. Und einiges mehr.

Drei Kammern in einer

Die IK-Bau NRW ist das Dach für mittlerweile mehr als 10.000 Beratende Ingenieure, sonstige Beratende

Ingenieure, Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure, selbstständig oder gewerblich tätige,

angestellte oder beamtete Ingenieure im Bau- und Vermessungswesen. Sie übernimmt für ihre Mitglieder

u. a. Aufgaben wie diese:

Als Aufsichtskammer verleiht und schützt sie konsequent die Berufsbezeichnung „Beratender Ingenieur“,

anerkennt staatlich anerkannte Sachverständige und ist ermächtigt, Sachverständige öffentlich zu

bestellen und zu vereidigen.

Als Dienstleistungskammer übernimmt sie für Mitglieder die rechtliche Erstberatung in allen Fragen

der Berufsausübung und im Rahmen von Vergabeverfahren; außerdem vertritt sie die Interessen der

Mitglieder, z. B. gegenüber den Institutionen des Landes NRW.

Ohne

Ingenieurinnen und

Ingenieure

läuft, geht und steht

gar nichts

Als Kammer für Baukultur fördert sie das Qualitäts- und Verantwortungsbewusstsein der Mitglieder,

indem sie ihre Berufsausübung überwacht und sie verpflichtet, sich regelmäßig fort- und weiterzubilden.

Alles Gute für den Ingenieur

Die Kammer tut auch ganz pragmatisch Gutes für ihre Mitglieder: Sie trägt z. B. ihren Teil dazu bei, sie

durch eine zusätzliche Altersversorgung sozial abzusichern. Und sie sorgt für eine prägnante, interessante

Darstellung des Inge nieurberufs in der Öffentlichkeit. Sie macht öffentlich klar, wie faszinierend

und wichtig Ingenieurleistungen sind.

Einladung zur Horizonterweiterung

Seit 1995 gehört die Ingenieurakademie West e. V. als Fortbildungswerk zur IK-Bau NRW. Sie ist der

Ort für fachliche wie persönliche Horizonterweiterung. Hier bilden sich Mitglieder (aber auch andere

interessierte Ingenieure) regelmäßig fort und weiter. Das Akademieangebot umfasst jährlich mehr als

160 Lehrgänge, Seminare und Veranstaltungen zu unterschiedlichsten baupraktischen und baurechtlichen

Themen (von der Energieeinsparverordnung über Kosten- und Leistungsrechnung im Ingenieurbüro

bis zur Rhetorik erfolgreicher Verhandlungsführung). Außer dem veranstaltet die Ingenieurakademie

regelmäßig Tagungen, um die Wissensvermittlung und den Gedankenaustausch unter

den am Bau Beteiligten zu fördern. In der Akademie sind alle richtig, die sich im Bauwesen stärker,

weiter und tiefer qualifizieren möchten.


1.2018 thema: Vernetztes Lernen

Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen

50

Häufigkeit in %, bezogen auf die Anzahl der Teilnehmer (758)

40

30

20

10

0

30,74

39,84

35,36

47,63

10,82

40,77

24,54

Ranking der

Bedeutung im

Themenkomplex

Nachhaltigkeit

23,61

24,8

21,64

Verantwortung der

Ingenieure:

Dialog für die Zukunft

Im Frühsommer hatte die Ingenieurkammer-Bau NRW eine Umfrage in der Mitgliedschaft gestartet,

um die erlebte Bedeutung von zentralen gesellschaftlichen Themen, mit denen sich Ingenieurinnen

und Ingenieure befassen, kennen zu lernen. Über 10 % der Kammermitglieder haben teilgenommen.

Mobilität sichern

Beruf und Familie

Schonender Ressourceneinsatz

Bildung und Qualifikation

Digitalisierung in der Baubranche

Klimaschutz

Schutz von Böden und Gewässern

Maßvoller Konsum

Umwelteinflüsse auf Mensch und Natur

Infrastruktur

Und das Ergebnis: „Klimaschutz“, „Beruf und Familie“ und „Bildung und Qualifikation“ sind die

großen Herausforderungen, mit denen sich Ingenieurinnen und Ingenieure auseinandersetzen. Ein

wenig überraschend, viele hatten mit deutlich fachlicheren Themen gerechnet. Aber ein spannendes

Ergebnis und so wird im Oktober eine Dialogveranstaltung zu folgenden Leitthemen angeboten:

„Hitzewellen und Dürreperioden – brauchen wir in 30 Jahren noch einen Wärmeschutznachweis?“

„Arbeitsmodelle der Zukunft – maximal 5 Stunden pro Tag effektiv von unterwegs oder zu Hause

arbeiten?“

„Von der Uni bis zur Rente – neue Lernmodelle für die Fort- und Weiterbildung“

Die Veranstaltung findet statt am 2.10.2018, 13.00 Uhr in der Zinkfabrik in Altenberg, ist kostenfrei

und mit Fortbildungspunkten von der Ingenieurkammer-Bau NRW anerkannt. Informationen

unter www.ikbaunrw.de, Anmeldung über anmeldung@ikbaunrw.de

Wenn Sie mehr über uns und den Beruf des Bauingenieurs erfahren

möchten, besuchen Sie uns doch:

www.ikbaunrw.de und www.kammer-der-moeglichkeiten.de

Die Thema als E-Magazin und als PDF-Download finden Sie unter

www.ikbaunrw.de

Die Initiative für den Ingenieurberuf finden Sie unter dieser Adresse:

www.kein-ding-ohne-ing.de

HERAUSGEBER

Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen, Zollhof 2, 40221 Düsseldorf,

T 0211-1 30 67-0, E-Mail info@ikbaunrw.de, www.ikbaunrw.de

VERANTWORTLICH

Dr. Wolfgang Appold, Hauptgeschäftsführer der Ingenieurkammer-Bau NRW

REDAKTION

IK-Bau NRW, Andrea Wilbertz; Kröger Schulz

INHALTLICHES KONZEPT, GESTALTERISCHES KONZEPT UND AUSARBEITUNG

Kröger Schulz und Büro Grotesk

DRUCK UND VERARBEITUNG

druckhaus köthen, Köthen

ABBILDUNGEN

Titel: iStock, exdez; Seite 2: Prinz Stefan von und zu Liechtenstein und LieLa;

Seite 3: iStock, 3DSculptor, cosmin4000 und andreusK

Weitere Magazine dieses Users