Berliner Kurier 20.11.2018

BerlinerVerlagGmbH

HINTERGRUND

Berliner sterben

im Outback

Im Februar 2017 suchten

die australischen Behörden

nach einem Ehepaar

aus Berlin, das nicht

voneinem Ausflug in den

Trephina-Gorge-Nationalpark

zurückgekehrtwar.

Erst vier Tage später wurden

Wilfried und Gisela T.

gefunden –beide tot.

Jetzt,knapp zwei Jahre

später,liegen die Ermittlungsergebnisse

zum genauen

Hergang der Tragödie

endlich vor.

Links: Der Mietwagen

des Ehepaars wurde am

Rand des Nationalparks

verlassen aufgefunden.

Rechts: Eine Luftaufnahme

zeigt,wie groß das

Naturschutzgebiet ist.

Unten: Wilfried und

Gisela T. kurzvor

ihrem Tod.

Tod im Outback

Auf den Spuren

einerBerliner

Tragödie

Wilfried und Gisela T. verliefen sich in einem riesigen

Naturschutzgebiet in Australien und starben. Jetzt liegen

die Ermittlungsergebnisse der australischen Polizei vor

Von

P. DEBIONNE

Es war eine Reise, auf die

sich Wilfried und Gisela

T. lange gefreut hatten.

Endlich nach Australien, ins

Land der Koalas und der Kängurus.

Doch der Trip nach

Down Under endete in einer

furchtbaren Tragödie. Das Berliner

Ehepaar verirrte sich im

weitläufigen Buschland des rie-

sigen Kontinents. Bei Temperaturen

von über 40 Grad begann

ein Wettlauf gegen den Tod.

Ein Wettlauf, den das sympathische

Pärchen verlor. Ihre

Leichen wurden erst Tage später

gefunden. Jetzt sind die Ermittlungen

zum genauen Hergang

des Dramas beendet. Und

die Kinder der Toten flogen von

Berlin nach Australien – um

endlich zu verstehen, warum

ihre Eltern sterben mussten.

Gemeinsam mit den örtlichen

Ermittlern fuhren die Angehörigen

Anfang November in den

Nationalpark Trephina Gorge,

den Ort, an dem ihre Eltern sich

verliefen. Hier gingen sie an die

Stelle, an der Wilfried (76) und

Gisela T. (73) den offiziellen

Wanderweg unwissentlich verließen

und sich von dort aus immer

tiefer in der australischen

Wildnis verirrten.

Sie habe „ein Gefühl bekommen

wollen, was sie (ihre Eltern)

möglicherweise gefühlt

haben“, so Michaela T. in einem

Beitrag des australischen Sendes

ABC. Zudem habe sie „verstehen

wollen, was sie getan

und gedacht haben“, so die

Tochter weiter.

Die Behörden rekonstruieren

die Tragödie nach knapp zweijähriger

Ermittlungsarbeit so:

Am 10. Februar 2017 lassen

Wilfried und Gisela T. ihren

Mietwagen am Eingang zum

Nationalpark stehen und gehen

auf dem offiziellen Wanderweg

los. Doch bereits nach wenigen

Hundert Metern übersehen sie

einen umgefallenen Zaun. –

und damit auch einen Wegweiser,

der ihnen die richtige Richtung

gezeigt hätte. Stattdessen

marschieren beide direkt in die

Wildnis.

Hier verlieren sie die Orientierung,

zudem sind sie nicht

für einen Überlebenstrip im

Outback ausgerüstet. Bei Temperaturen

von über 40 Grad im

Schatten sind die Senioren bald

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