VERITAS - Das Genussmagazin / Ausgabe - 25-2018

oberkircher

Das Kundenmagazin der Oberkircher Winzer

DAS GENUSSMAGAZIN

25 // 2018

Wegewart

Der macht den Weg frei!

Sägekünstler

Schnittstelle Kunst

Wein trifft ins Herz

Das Mittagessen

Die Kolumne von

Vincenzo De Biase

Europa-Park-Sommelier

Titelthema

BERGE BEWEGEN!

TERRASSENBAU – DIE STUFEN ZUM ERFOLG

DAS KUNDENMAGAZIN DER OBERKIRCHER WINZER

veritas-genuss.de


Liebe Weinfreundin,

lieber Weinfreund!

er mit Wein und Essen zu tun hat,

trifft oft auf Zeitgenossen, die ihren

Beruf „leben“, wie es so schön heißt. Liberty-Chefkoch Jan

Maxheim ist auch einer mit Leidenschaft im Überfluss

(Seite 14). Während unseres Besuchs schwärmte er von der

„Schönheit des Essens“. Ohne Ästhetik schmeckt’s einfach

nicht. Aber Schönheit und Klasse fallen bekanntlich nicht

vom Himmel, sondern sind das Ergebnis langer Jahre harter

Arbeit. Noch einmal Jan Maxheim: „Je länger man kocht, desto

mehr entwickelt man seinen eigenen Stil.“ Im Weinbau ist

es ganz ähnlich, Winzer, Kellermeister, Sommeliers lernen

auch ein Leben lang und werden im Idealfall immer besser.

Sie sammeln Erfahrungswerte, besprechen, diskutieren und

wenn’s sein muss, denken sie noch mal mutig von vorne.

Unsere Weinberge sind ein Produkt der Erfahrung – und der

Tat, wie Sie in unserer Titelgeschichte lesen können (Seite 8).

Es fing damit an, dass man wilde Natur in Kulturlandschaft

verwandelte und Terrassen anlegte. Dann wurden die Terrassen

aufgegeben, und mittels Maschine oder Mensch

wurden die Steillagen beackert und bearbeitet. Heute weiß

man es besser und die Terrassen erleben eine Renaissance.

Das wirklich Wunderbare daran ist, dass diese Leistung

augenscheinlich gefällt und gut ins Landschaftsbild passt.

So findet Entwicklung in Stufen statt. Ähnlich wie im

Wald, wo das Gesetz der Nachhaltigkeit seit Hans Carl von

Carlowitz 1713 das Leitmotiv für einen nachwachsenden

Erfolg ist, so sind auch Terrassen mehr als nur eine Fläche,

um Wein anzubauen. Sie sind ein Teil der Natur. Mit einem

Wort: nachhaltig. Oder, wie unser Experte für Terrassenbau

Franz Benz formuliert: Man darf nie gegen den Berg handeln,

sondern immer nur mit ihm. Wir freuen uns, wenn Sie nach

der Lektüre unsere Weinberge mit anderen Augen sehen,

genauso wie unsere properen Wanderwege. Wir sind mit

Wegewart Norbert Gmeiner (Seite 16) über Stock und Stein

und konnten erleben, was alles getan werden muss, damit

im schönen Renchtal die Wege frei bleiben. Viele Wanderwege

führen durch die Reben, falls nicht, haben Wanderer

die Weinberge garantiert im Blick. Am Wein führt kein Weg

vorbei! Haben wir Ihnen Lust auf den Originalschauplatz

gemacht? Das wär doch was! Der Herbst wird bunt und er

wird Ihnen viele Gelegenheiten für Spaziergang oder Wanderung

oder ein Picknick in den Reben geben. Auch dafür

sind Terrassen gut.

Herzlichst

Ihr VERITAS-Team

VORWORT

„Die Freiheit nehm ich mir.“ Für Instagram, Facebook oder Mutti?

Dennis Schiml, Jule Stiefelhagen und Jigal Fichtner fotografieren Food

im Liberty.

INHALT

In Wahrheit schön »SEITE 6

Titelgeschichte »SEITE 8

Kettensäge »SEITE 12

Leibspeise »SEITE 14

Schwarzwaldverein »SEITE 16

Wein-ABC »SEITE 18

Kolumne »SEITE 19

Weinbekenntnisse von Europa-Park-Sommelier Vincenzo De Biase »SEITE 20

Gewinnspiel »SEITE 21

Termine & Kalender »SEITE 22

Unterhaltung »SEITE 23

Titelbild: Jigal Fichtner – herrfichtner.de

IMPRESSUM:

Herausgeber: Oberkircher Winzer eG I Postanschrift Redaktion: YUPANQUI, Hauptstraße 57, 77652 Offenburg I Chefredakteur (v. i. S. d. P.): Rafael Yupanqui

Redaktion: Pascal Cames I Artdirektion: Jule Stiefelhagen I Fotos: Jigal Fichtner, Franz Benz, Oberkircher Winzer I Produktion: YUPANQUI GmbH, Offenburg I

Anzeigenleitung: Martin Benz I Druck: B&K Offsetdruck GmbH, Gutenbergstraße 4–10, 77833 Ottersweier I Auflage: 16.000

Bei dieser Ausgabe haben mitgewirkt: Markus Ell, Martin Benz, Rafael Yupanqui, Jule Stiefelhagen, Luisa Engel, Pascal Cames, Jigal Fichtner I

VERITAS im Abo: Heftbestellung: 0 78 02 / 9 25 80


Genussvoll

FEIERN

Jedes Jahr sagen die Oberkircher

Winzer Dankeschön und laden die

Winzerinnen ein. Zum ersten Mal

war das neue Vinotorium in diesem

Jahr Schauplatz für ein „Alles

lecker“ mit den damit korrespondierenden

Weinen. Das Schmankerl

des Abends war der Catwalk mit

Models, die vom Kaufhaus Peters

eingekleidet wurden. Es traten auf:

Markus Ell, Martin Bäuerle und

Frank Männle sowie sieben Damen

aus der Geschäftsstelle und der

Nachwuchs. Applaus! Wer hat wem

die Show gestohlen?

5


IN WAHRHEIT SCHÖN

»Prima fürs

Wochenende«

KOCHBUCH VON

TANJA GRANDITS

Das Glück liegt im Kleinen und

Leidenschaft hört nie auf. Wenn die

aus dem Schwäbischen stammende

Köchin Tanja Grandits mal nicht in

ihrer Profiküche im Stucki (Basel)

steht, hat sie trotzdem Lust auf

kulinarische Zauberei. Die mehrfach

ausgezeichnete Köchin (Köchin des

Jahres 2014 etc.) backt Müsliriegel

für ihre Tochter oder kocht für

ihre Mitarbeiter mal ein besonderes Menü. Dieses Kochbuch

würdigt die andere Medaillenseite der Sterneküche, die auch

glänzt, nur anders. Mit 100 alltagstauglichen Rezepten.

Tanja Grandits „Tanjas Kochbuch: Vom Glück der

einfachen Küche“, AT Verlag, 34 Euro

FRIEDRICHSBAD

BADEN-BADEN

Beauty oder Wellness?

In dem früher von den

Römern genannte Aquae

(gemeint ist Baden-Baden)

ist beides möglich.

Ein Hotspot in Sachen

Wärme und Wasser ist

das Friedrichsbad, das

römische Badekultur mit irischen Heißluftbädern kombiniert.

In 17 verschiedenen Stationen lässt sich dort prima

der Alltag abdampfen und abwaschen. Das wirklich Tolle

aber ist, dass in diesem „textilfreien Bad“ alles geboten wird:

Tücher, Seifen, Badeschlappen. Perfekt. Einfach kommen

und entspannen!

Friedrichsbad, Römerplatz 1, 76530 Baden-Baden,

3 Stunden / 25 Euro, Tel. 0 72 21 / 27 59 20,

www.carasana.de/de/friedrichsbad

»Sehr gut für

den Alltag«

»Die alte

rote Kugel«

SCHMUCK VON

BOLLE ROT

Upcycling ist immer noch

der Trend der Stunde.

Heike Wellershaus aus

Kappelrodeck ist eine ganz

Pfiffige: Zusammen mit

Freundinnen gestaltet

sie aus gebrauchten

Kaffeekapseln

Schmuck. Das Beson-

»Ein neuer

roter Tropfen«

SYRAH

Die rote Syrahtraube wird vor allem im

Rhonetal kultiviert, ist aber weltweit vertreten

und unter unterschiedlichen Namen bekannt,

zum Beispiel als Shiraz oder Balsamia.

Da „die beste rote Traube an der Rhone“

(Hugh Johnson) trockenes Gelände und Sonne

liebt, wird sie auch in Deutschland zunehmend

heimisch. Der 2016er Syrah aus Oberkirch ist

eine echte Entdeckung und am Gaumen eine

Granate mit herrlichen Aromen von weißem

Pfeffer und Kirschen. Obacht Spätburgunder,

hier kommt die Konkurrenz!

Vinum Nobile, Syrah, 2016,

www.oberkircher-winzer.de

dere daran ist, dass sie

damit den Schwarzwald hochleben lässt. Mit ihrer Marke

„Bolle Rot“ beweist sie, dass die roten Kugeln (badisch:

Bollen) nicht nur auf dem Kopf schön ausschauen, sondern

auch als schmuckes Element auf Ringen, Broschen, Clips.

Jedes Teil ein Unikat! Schmuck ab 12 Euro.

Bolle Rot, Hauptstraße 55, 77876 Kappelrodeck,

Tel. 0 78 42 / 25 70, heike@bollerot.de, www.bollerot.de

»Hier spielt die Musik!«

ENDE GUT, ALLES GUT: DIE EHEMALIGE WEIN-

PRINZESSIN SOPHIA MÜLLER BLEIBT BEIM WEIN

Wenn man

25 Hektar Obst

hat und die Früchte

den Tag, ach was,

die Monate diktieren,

hat man dann

noch Lust auf

Wein? Ja!

Das beste Beispiel

dafür ist Sophia

Müller (21), die bis

Ende August Oberkircher Weinprinzessin war. Die in Stadelhofen

bei ihren Eltern lebende Gärtnerin mit Fachrichtung

Obstbau lernte ihren Beruf an drei verschiedenen

Orten. Im ersten Lehrjahr war sie in Karlsruhe in einer

Versuchsanstalt für Obstbau, dann auf einem Erdbeerhof

in Ravensburg und im dritten Lehrjahr auf einem Apfelhof

sowie einer Baumschule in Tiergarten. Damit ist sie

bestens präpariert für den elterlichen Betrieb, den sie

irgendwann einmal übernehmen möchte. Als neue Idee

brachte Sophia Müller die Erdbeertunnel mit. Dafür hat

sie viele gute Gründe: Zum einen schützt der Tunnel die

Früchte vor Hagel und Starkregen, zum anderen muss

man weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen. Die Qualität

ist besser und die Früchte werden

natürlich früher reif. Da der

Geschmack der Tunnel-Erdbeeren

wie ein Gedicht ist, gibt’s auch kein

Argument dagegen. Das leuchtet

ein und alle sind begeistert.

Bei 25 Hektar Fläche mit Erdbeeren,

Äpfeln, Johannisbeeren, Stachelbeeren,

Mirabellen, Zwetschgen,

natürlich Kirschen und „einem

bisschen Klingelberger“ auf dem

Stadelhofer Rebberg ist immer

Arbeit angesagt. Die Vermarktung

läuft zu über 90 Prozent über den

Obstgroßmarkt, der Rest über Direktvermarktung und

Brennerei. Von Mitte April bis Ende Oktober sind die

Tage voller Arbeit für Sophia Müller und ihre Eltern und

Großeltern, die auch mithelfen. Auf dem Obsthof Müller

ist immer was los, viel freie Zeit bleibt nicht, trotzdem

hat sie sich 2017 für das Amt der Oberkircher Weinprinzessin

beworben. Die Ausbildung zum Weinguide auf

Exkursionen und in Seminaren half, das bereits vorhandene

Weinwissen zu vertiefen. Sie habe viel dazugelernt,

sagt Sophia Müller. Oft musste sie mit wildfremden Leuten

reden, irgendwann verliert man die Scheu und wird

selbstbewusster.

Seit dem 31. August ist sie keine Weinprinzessin mehr.

Was kommt jetzt für Sophia Müller? Fehlt ihr das prominente

Amt und wird gar Erdbeerprinzessin? Nein, sie

bleibt dem Wein und den Oberkircher Winzern treu.

Und die begeisterte Musikerin weiß natürlich eine Brücke

zu schlagen vom Wein zum Obst: Erdbeeren passen gut

in eine Weinbowle, weiß sie, aber auch zum Weißburgunder

schmecken sie klasse. Wir hören heraus, dass es zu

Obst und Wein noch einiges zu sagen und zu probieren

gibt. Wir freuen uns schon auf das kommende Frühjahr.

Da ist Musik drin!

6

7


IN TITELGESCHICHTE

WAHRHEIT SCHÖN

Die Stufen

Und sie bewegt sich doch! Die Erde. Gemeint ist nicht

der blaue Planet, sondern die grünen Weinberge.

Mittels immenser Maschinenkraft lassen sich Weinberge

so gestalten, dass Winzer und Natur einen Vorteil daraus

ziehen. Terrassenbau ist eine uralte Methode in der

Landwirtschaft und im Weinbau.

zum Erfolg

Weinberge sind schön, machen aber viel Arbeit.

Wer wüsste das nicht besser als Franz Benz (55)

aus Bottenau? Der Winzer und Destillateur hat sechs

Hektar Wein, die meisten Reben stehen dort, wo es

schön in Waden und Knien zwickt, wenn’s bergauf bzw. bergab geht. Steillagen!

Für Oberkirch und das Renchtal sind sie typisch. Logisch, wo es viele

Täler hat, hat es auch viele Hänge. Diese sind für Riesling und andere Weinsorten

ideal, aber der Winzer hat das Nachsehen. Hacken, Laubschnitt und Herbsten sind

für die Generation Ü 30 kein Traumjob.

Franz Benz könnte auch ein Lied über die beschwerliche Arbeit im Weinberg singen, aber

die Zeiten sind für ihn schon lange vorbei. Gut gelaunt steht er mitten in seinen Müller-

Thurgau-Reben und zeigt in die Gasse. „Das geht 150 Meter nach hinten“, sagt er, „aber 300

Meter wären auch möglich, wären vielleicht sogar noch besser.“ Franz Benz’ „Hausberg“ genannter

Weinberg war nicht immer so, die Terrassen wurden erst 1989 angelegt. Mit schwerem Gerät (siehe

Infokasten) wurde Erde verschoben und planiert. Heute können Franz Benz und Erntehelfer gemütlich

durchspazieren, ja sogar mit dem Kleinschlepper durchfahren. Damals sagte seine Oma: „Ja, warum hast

du das nicht früher gemacht?“

Dann zeigt der Winzer auf die Weinberge gegenüber, auf deren Spitze Wald wächst. Schmuck sehen die Reben

aus und das geübte Auge sieht, dass einige von ihnen parallel zum Berg verlaufen und andere kaskadenartig

nach unten. Ein Teil der terrassierten Reben gehört ihm. „Dort steht hochkarätiger Klingelberger“,

sagt er, aber im Grunde sei es egal, ob nun Riesling oder Burgunder. „Terrassenbau tut jeder Sorte

gut!“ Die Reben haben sogar einen Standortvorteil, denn sie werden durch ihn noch besser durchlüftet,

Sonne kriegen sie eh genug ab. Und die Sache mit dem Wind ist sehr gut, denn frischer

Wind schützt die Trauben vor Pilzbefall.

8

9


TITELGESCHICHTE

Terrassen sind weltweit eine Erfolgsgeschichte, ob nun im

Zweistromland, in den Anden oder in Südostasien für den

Reisanbau. Wahrscheinlich wäre der Hunger nach Reis gar

nicht zu befriedigen, hätte man die unwegsamen Berge

nicht in Kulturlandschaften verwandelt. Auch in der

Ortenau waren Terrassen lange Zeit ein Mittel, um Mutter

Natur Kulturland abzuringen. Die Arbeit war ohne Hilfe

von Maschinen mühsam, aber im unwegsamen Gelände

Terrassen anzulegen und zu bauen, war eine enorme

Schufterei. Mit der Erfindung der Seilwinde wurden Terrassen

überflüssig, jetzt konnte man „bequem“ von unten

nach oben schaffen und sogar die Anbaufläche vergrößern.

Damit wurde die traditionelle Arbeitsweise quasi auf den

Kopf gestellt. Aber ideal war das natürlich nicht, da sich

Steillagen nur rentieren, solange sich jemand findet, der

bereit ist, die schwere Arbeit für wenig Geld zu erledigen.

„Die Arbeitsstunden halbieren“, war eine Motivation, um

die Berge neu zu modellieren. „Früher brauchte man 800

bis 1.200 Stunden im Jahr pro Hektar, heute sind es nur

400“, erklärt Franz Benz. Da die Kosten davonlaufen, aber

die Preise für Wein im Grunde gleich geblieben sind, wur-

DER AUFWAND MAG

GROSS SEIN, ABER DER

EFFEKT IST ES AUCH.

Frank Männle, Qualitätsmanager Oberkircher Winzer

den Terrassen fast schon alternativlos. In Oberkirch wurde

die Technik im Laufe der Zeit optimiert und das findet

überregional Beachtung. Franz Benz gibt dazu Seminare.

Was ist das Geheimnis einer erfolgreichen Terrassierung?

„Man muss dem Berg folgen.“ Das heißt, man kann nicht

gegen den Berg arbeiten oder diesen gar versetzen wollen.

Das geht nicht. Also müssen die Maschinen das Erdreich

dorthin schieben und drücken, wo es passt, und es dann

verdichten, damit die Erde hält.

Weinberge bzw. Teilstücke von Weinbergen, die dafür infrage

kommen, müssen an der Basis mindestens 50 Meter

breit sein und sie dürfen auch nicht steiler als 65 Prozent

sein. Sonst sind die Gassen zu schmal bzw. die Böschungen

zu hoch. Damit das Erdreich besser hält, lässt Benz

tiefwurzelnde Pflanzen wie z. B. das kleine Habichtskraut

in den Böschungen wachsen. Vom Rebstock wächst ein

Teil der Ruten den Hang hinunter. Dieses Laubband war

„eine Idee vom QM“, wie Franz Benz den Qualitätsmanager

Frank Männle nennt. Durch die zusätzlichen Blätter kann

die Rebe mehr Sonne einfangen, das bringt mehr Oechsle

und Aroma. Sogar für den Naturschutz haben sich die Terrassen

als sinnvoll erwiesen. Auf den Böschungen sprießen

und blühen alle möglichen Kräuter und Gräser. Weinbergschnecken,

Zikaden und Eidechsen haben ein neues Biotop

gefunden. Dadurch, dass der Berg ein paar zusätzliche Stufen

hat, fließt das Regenwasser nicht mehr sturzbachartig

talwärts und reißt Erdreich mit (Erosion), sondern versickert

und bleibt im Berg. So bleibt der Berg heil und die

Rebe kann auch bei größter Dürre noch Wasser aus dem

Erdreich ziehen. „Wasser sparen, Wein trinken“: Vielleicht

kommt der Spruch aus dem Terrassenbau?

i

Franz Benz (links) und

Frank Männle (rechts) in den

Reben, hier mit dem im Text

erwähnten Laubband.

WINZER, DIE IHRE

STEILLAGEN IM TERRASSEN-

BAU BEWIRTSCHAFTEN,

LEBEN GESÜNDER UND

WENIGER GEFÄHRLICH.

Frank Männle

Die Firma Schwörer Erd- und Wegebau modelliert

seit 30 Jahren Weinberge zwischen Bodensee und der

Mosel. Die von Firmenchef Bernhard Schwörer (77)

eingeführte Methode, Weinberge mittels Planierraupe

und Bagger zu gestalten, ist effektiver und kostengünstiger

als vergleichbare Methoden. Die beste Jahreszeit

für den Terrassenbau ist das Frühjahr, je nach

Gelände beträgt die Tagesleistung zwischen 50 Ar und

einem Hektar Berg. Der Badische Weinbauverband

ehrte 2016 die Steinacher Firma für ihre besonderen

Verdienste um den Steillagenweinbau.

www.schwoerer-bau.de

10 Schritte für eine erfolgreiche Umsetzung

20 Jahre Moderner

Kleinterrassenbau

in der Ortenau

http://www.benz-bottenau.de/files/terrassenbaubroschuere_300309.pdf

10

11


KETTENSÄGE

Ein Sägen

für die

Kunst

CHRISTOPH WIDMER AUS STADELHOFEN

MACHT MIT DER KETTENSÄGE AUS HEIMISCHEN

HÖLZERN KUNST

Der kommt nicht von hier, das hört man. Der

Schreinermeister Christoph Widmer (55) stammt

aus dem Berner Oberland und kam vor 25 Jahren

beruflich und der Liebe wegen nach Stadelhofen.

„Ich mag die freie Landschaft, das Hügelige“, sagt der

große muskulöse Mann mit der Kettensäge. Dabei ist nicht

ganz klar, ob er mit „hügelig“ die Vorbergzone meint oder

den Schwarzwald. Bekanntlich sind Schweizer in Sachen

Berge Größeres gewohnt.

Widmers Atelier hat freie Sicht auf eine Postkarte von Landschaft.

Aber hat er überhaupt Zeit dafür? Wahrscheinlich

nicht. Der Holzbildhauer ist ein schaffiger Typ, übergroße

Äpfel und Birnen versperren den Weg und etliche lange,

schmale Figuren stehen in der Ecke. Diese gesichtslosen

Körper sprechen durch ihre Haltung. Maschinen befinden

sich auch im Raum. Der Boden ist mit Spänen übersät.

Christoph Widmers Leidenschaft ist die Bearbeitung von

Holz mittels Kettensäge.

Vor ungefähr 25 Jahren kam er zu diesem Hobby, das seinen

Beruf ergänzt. Er hat schon immer gemalt, gezeichnet,

fotografiert und als er mehr Platz für seine Künstlerei hatte,

probierte er sich mit der Kettensäge aus. Mal findet er seine

Inspirationen in der Form des Holzes oder in der Maserung,

mal entdeckt er während des Sägens neue Möglichkeiten.

Die innere Vorstellungskraft sei wichtig, sagt er. Eine Skizze

braucht er nicht immer. Auch Aufträge bekommt er, wie

das eingangs erwähnte Obst, das einen Schulhof verschönern

soll. In jedem Werkstück steckt eine Überraschung und

eventuell ein Risiko. Kirschen und andere Hölzer können

auch brechen. So einige Kunstwerke haben extrem schmale

Stellen, aber er kriegt es hin.

„Holz ist nicht für die Ewigkeit gemacht“, sagt er, „genauso

wenig wie der Mensch.“ Seine Werkstücke belässt er möglichst

roh, er schleift nicht ab, nimmt höchstens ein paar

Fasern weg. Er mag es, wenn die Hölzer bei Wind und Wetter

„vergrauen“, denn auch das schaut schön aus, wie man

an den Schattierungen sehen kann. Bleibt das Holz aber im

Trockenen, dann erhält sich die Farbe. 50 Meter weg von

Haus und Werkstatt hat er unter einem Kastanienbaum einen

weiteren Schaffensplatz für Kurse sowie sein Holzlager.

Viele Holzstücke kann er mit einer Schubkarre transportieren,

aber manche sind so groß und schwer, dass er dafür

den Traktor braucht. Das meiste bezieht er von Nachbarn,

Obstbauern, die von seiner Leidenschaft wissen.

Christoph Widmer liebt sein Hobby. Er sagt, wenn er mit

dem Gehörschutz das Geräusch der Stihl abdämpft, ist er

„in einem anderen Raum“. Er ist in seine Arbeit versunken

und taucht erst wieder auf, wenn er die Motorsäge weglegt.

Abends ist er glücklich, auch wenn der Schwertarm vor Anstrengung

zittert. Er hat was geschaffen, etwas, das bleibt,

zumindest ein bisschen die Zeit überdauert. So geht es auch

allen, die an seinen Kursen teilnehmen.

Christoph Widmer

Am Rebhag 13

77704 Oberkirch-Stadelhofen

Tel. 07802 / 50284

www.christoph-widmer.de

12

13


LEIBSPEISE

Im Knast geht’s

ans Eingemachte

EINGEMACHTES KALBSFLEISCH: LEIBSPEISE MIT JAN MAXHEIM VOM RESTAURANT

WASSER & BROT IM HOTEL LIBERTY, OFFENBURG

Text: Pascal Cames Foto: Jigal Fichtner

Erst wenn eine Stadt ein Gefängnis hat, ist sie eine richtige

Stadt. In Offenburg war man schon immer ein bisschen

(verschämt) stolz auf das „Café Viereck“ in der Grabenallee.

Lahr hat kein Gefängnis … Neuerdings ist man auf etwas

anders ganz stolz und das ist das Hotel Liberty mit seinem

Restaurant „Wasser & Brot“, das Zeitschriften wie den Feinschmecker

zum Jauchzen bringt. „Freiwillig ins Gefängnis?

Mit Vergnügen!“

Der zwischen 1843 und 1849 erbaute Sandsteinklotz war

früher von erdrückender Enge. Die Türen der „Villa Hübsch“

waren so schmal, dass nur Hungerkünstler problemlos

durchkamen, die Fenster waren Schlitze, die Toiletten nicht

der Rede wert und das Essen ein Fraß mit Schwarzbrot.

Heute ist alles anders, die Zellen wurden in Zimmer und

Suiten verwandelt und das Interieur ist mit Mobiliar vom

Feinsten ausgestattet. Hier könnte auch eine Dependance

des Vitra Design Museums sein. Die klaustrophobische

Enge wurde mit einem Höher! Weiter! Besser! ausgetrieben.

In Leuchtschrift steht auf den alten Steinen: „Liberty

is the key to feel free“ (Freiheit ist der Schlüssel, um sich

frei zu fühlen). Und das Essen ist auch ein Fest!

Dafür verantwortlich ist Jan Maxheim (52), der ein sportlicher

und markanter Typ ist. Manchmal fährt der Küchenmeister

die Strecke von seinem Wohnort Baden-Baden

nach Offenburg mit dem selbst gebauten Rennrad. Die

Tätowierung ist nach einer Zeichnung seiner Mutter und

zeigt sein Sternbild Skorpion. Jan Maxheim kann auf einige

Stationen zurückblicken, so zum Beispiel Jörg Müller auf

Sylt, in Locarno kochte er im La Palma au Lac, dem ersten

Frontcooking-Restaurant der Schweiz. In Offenburg wird

das auch Programm sein. Die Speisekarte lebt die kulinarische

Vielfalt, man findet Ceviche von der Eismeerlachsforelle

und eine sous-vide-gegarte Ochsenbrust, aber auch

ein Rib-Eye Nebraska Greater Omaha Dry Aged Steak. Viel

mehr und viel besser geht Fleischeslust nicht. 400 Gramm!

Wenn er vom Essen spricht, dann schwärmt er von der

Schönheit des Essens. Jeder Teller hat eine künstlerische

Note. Für die Leibspeise hat er sich eingemachtes Kalbsfleisch

ausgesucht. Warum? „Weil es lecker ist!“, sagt er mit

rauchiger Stimme. Für die kalte Jahreszeit will er weitere

Klassiker der badischen Küche auftischen, wie geschmorte

Ochsenbäckchen. Dafür würde er „einen kräftigen Roten“

wählen (er liebt Rotweine), aber zum Kalbsfleisch natürlich

einen Weißen. „Nehmen Sie einen Weißburgunder oder einen

Riesling!“ Einer wie Jan Maxheim weiß natürlich, was

passt und was nicht.

WASSER & BROT | HOTEL LIBERTY | Grabenallee 8 | 77652 Offenburg

Tel. 07 81 / 28 95 30 00 | www.hotel-liberty.de

Eingemachtes Kalbsfleisch

ZUTATEN (4 PERSONEN):

800 g Kalbsfleisch (Hals oder Schulter), 1 Bund Suppengemüse,

ca. 1,5 l Wasser, Salz, 1 Zitronenscheibe

Für die helle Soße: ca. 30 g Butter, ca. 2 EL Mehl (40 g), 100 ml

trockener Weißwein, Kalbsfleischbrühe nach Bedarf, 50 ml

Schlagsahne, Salz, Muskatnuss, weißer Pfeffer, etwas Zitronensaft,

nach Wunsch ein Eidotter, Petersilie zum Bestreuen

ZUBEREITUNG:

Kalbsfleisch am Abend zuvor in kochendem gesalzenem

Wasser mit Suppengemüse und einer Zitronenscheibe gut

weich kochen. Das Fleisch in der Brühe auskühlen lassen.

Für die Soße das vorgekochte Fleisch grob würfeln. Butter in

Topf oder tiefer Pfanne schmelzen, Mehl einrühren und eine

helle Mehlschwitze zubereiten. Danach den Topf sofort von

der Kochstelle nehmen. Die Mehlschwitze mit etwas kalter

Kalbsbrühe ablöschen und mit Schneebesen oder Rührlöffel

gründlich umrühren, damit sich keine Klümpchen bilden.

Den Topf wieder auf die Herdplatte stellen und unter Rühren

aufkochen lassen. Wein, Salz, etwas Zitronensaft, eventuell

Muskatnuss und weißen Pfeffer hinzugeben und die Soße

8 bis 10 Minuten köcheln lassen, damit sich der Mehlgeschmack

in der Soße etwas verflüchtigt. Zuvor das Fleisch

in die Soße geben, damit es gut erwärmt wird. Sachte

umrühren und so lange Brühe dazugeben, bis die Soße sämig

genug ist. Eventuell nachwürzen und mit Sahne verfeinern.

Beilagen: Spätzle, Rote Bete, Salat

WEINEMPFEHLUNG: Oberkircher Winzer, Vinum Nobile,

Weißer Burgunder, Qualitätswein trocken

14 15


SCHWARZWALDVEREIN

Der Weg ist das Ziel

NORBERT GMEINER VOM SCHWARZWALDVEREIN

HÄLT DIE WEGE UND PFADE IM RENCHTAL FREI

Norbert Gmeiner (vorne) und

Herbert Hildenbrand (hinten) in Aktion

Unverkennbar gehören die fünf Leute vor dem

Oberkircher Bahnhof zusammen, alle tragen sie

ein rotes Shirt mit einer roten Raute auf weißem

Grund und dem Schriftzug „Schwarzwaldverein“.

Norbert Gmeiner (66) und seine Frau Elfriede sowie drei andere

Männer gehören im Schwarzwaldverein zu den Aktiven.

Gmeiner und Co. werden Farne und Gräser mähen, das

Gebüsch zurückstutzen, damit die Wanderwege frei bleiben

und an schönen Stellen die Fernsicht nicht zuwuchert.

Weitere Helfer von der Volksbank Ortenau stoßen dazu, sie

unterstützen dieses Projekt in ihrer Freizeit.

Norbert Gmeiner ist der Bezirkswegewart vom Renchtal

und zuständig von Renchen bis Bad Peterstal-Griesbach. Der

Elektriker in Rente wandert seit jeher gerne, zuerst kleine

Touren, dann größere im Tessin und sonstwo in den Alpen.

„Natürlich auch im Schwarzwald, da ist es doch auch wunderschön“,

sagt Elfriede. Ihren Aktionsradius mussten sie

aus gesundheitlichen Gründen verkleinern. Seit drei Jahren

ist Norbert Gmeiner Bezirkswegewart und dokumentiert

die Arbeitseinsätze des Vereins und übermittelt sie nach

Freiburg zum Hauptwegewart, der sie sammelt und nach

Stuttgart sendet. Der Schwarzwaldverein bekommt für seine

Arbeit vom Land Baden-Württemberg eine Vergütung.

So hat jeder was davon.

Jetzt sind alle da. Was steht heute an? Gewann-Namen

wie Bergle, Ofenloch und Geisschleißsattel fallen, da geht’s

hin, um Wege freizulegen und Gebüsch zu stutzen. Wenn

es feucht ist, wuchert alles schnell zu, berichtet Norbert

Gmeiner. Bei großer Trockenheit sprießen dagegen die Dornenhecken.

Manchmal passiert fast nichts an einem Weg

und dann ist er nach ein paar Wochen schon wieder halb

verbuscht oder Äste hängen herab.

Die Gruppe verteilt sich auf mehrere Autos und man fährt

zum Ortenauer Hausberg Moos, der auf verschiedenen

Wanderwegen um- und übergangen werden kann. Kandelhöhenweg,

Renchtalsteig, aber auch Brennersteig und Weinwanderweg

gehören zu Norbert Gmeiners ehrenamtlicher

Arbeit. 260 Kilometer Wanderwege gilt es auf Oberkircher

Gebiet frei zu halten.

Heute transportiert der Wegewart mit seinem VW Allrad Sägen

und Sensen, Heugabeln und Handsägen und was sonst

noch gebraucht wird. Unterhalb des Moosturms werden

Farne gemäht und die Zickzackwege vom Unkraut befreit,

an der Liegebank oberhalb vom Lotharbrunnen wird das

Vogelbeergebüsch zurückgedrängt. Der erste Schweiß rinnt

die Stirn herunter und alle sind froh, wenn sie von Pferdebremsen,

Schnaken oder Wespen verschont bleiben. Jeder

freut sich aufs gemeinsame Mittagsessen, das sie an einer

besonders schönen Stelle einnehmen werden, natürlich an

einem Wanderweg mit einer großartigen Fernsicht.

SCHWARZWALDVEREIN

Der Schwarzwaldverein ist der älteste Gebirgsund

Wanderverein Deutschlands und betreut

23.000 Kilometer Wanderweg. Der Schwarzwaldverein

(kurz SWV) entstand 1863 durch den Zusammenschluss

des Badischen und des Württembergischen

Schwarzwaldvereins. Der Verein besteht aus

230 selbstständigen Ortsvereinen und hat um die

65.000 Mitglieder. Die Ortsgruppe Oberkirch hat

554 Mitglieder und bietet geführte Wanderungen an.

Die sechs ehrenamtlichen Wegewarte in Oberkirch

werden von weiteren Helfern unterstützt.

www.schwarzwaldverein-oberkirch.de

16

17


WEIN-ABC

DIE WEINKOLUMNE

MIT VINCENZO DE BIASE

In Wahrheit schön

DIE

GRAUBURGUNDER-

STORY

Kaum ein Wein in Deutschland hat solche

Veränderungen erfahren wie der Grauburgunder,

der noch vor einigen Jahrzehnten

auf Deutschlands Weinfesten als Ruländer

der Zechwein Nummer eins war.

Wie es der Name Grauburgunder schon ahnen

lässt, stammt er wie seine Geschwister Blauer

Spätburgunder und Weißer Burgunder aus dem

Burgund und kam wahrscheinlich durch Mönche

von dort zu uns an den Oberrhein. Die Rebe

wurde dank günstiger Bedingungen

der Böden und des Klimas auch

hier heimisch. Und bis heute ist

Baden ein Burgunderland. Rund

2.000 Hektar Grauburgunder

wachsen hier (fast ein Drittel des

deutschen Anbaus), damit ist die

Sorte, nach Spätburgunder und Müller-Thurgau,

die dritthäufigste. Der Grauburgunder zählt zu

den klassischen deutschen Weinsorten.

Es war der Speyerer Kaufmann Johann Ruland (1683–1745),

der zwei verwilderte Stöcke Grauburgunder auf seinem Grundstück

in Speyer fand und kultivierte. Damit fing der Siegeszug

dieser Sorte in Deutschland an. Auch in anderen Gegenden fand

man an dieser rötlich schimmernden Traube Gefallen und kultivierte

sie. Die Italiener sagen Pinot Grigio zum Grauen Burgunder

und die Franzosen Pinot Gris, im Elsass war er lange Zeit

als Tokay bzw. Tokay d’Alsace bekannt, musste aber den Namen

ändern, da Tokaj bekanntlich in Ungarn liegt und nicht im Elsass.

WEIN-ABC von:

Frank Männle

Qualitätsmanager

Weinbau

Oberkircher Winzer

(Der Tokajer ist in der Regel ein Süßwein, der Grauburgunder

nicht unbedingt.) Einen Namenswechsel erfuhr

die Traube auch in Deutschland. Lange Zeit war der

schwere, bernsteinfarbene Ruländer der Wein der

Stunde. Weil die Trauben oft mit dem Pilz Botrytis

cinerea (Stichwort Edelfäule) befallen waren, wurde

ein Ruländer oft zum alkoholreichen und süßen Getränk.

Als sich aber die Essgewohnheiten zum leichteren

Genuss hin veränderten, wurde dies vom Wein auch

erwartet. Wie macht man einen Wein leichter?

Beim Ruländer / Grauburgunder verhindert

man den Pilzbefall und setzt

die Lese früher an. Damit hat man

zwar mitunter weniger Öchsle,

aber da die Grauburgunder-Traube

von Natur aus genug Substanz

hat, verträgt diese Sorte das gut. Seitdem

gibt es den feinen Unterschied zwischen

dem trockenen Grauburgunder und dem lieblichen

Ruländer, der aber immer noch seine treue

Kundschaft hat. Grauburgunder zählt zu den Sorten,

die man auch im Barriquefass ausbauen kann, da seine Säure

mild und die Fülle meist vorhanden ist. Die Traube ist zwar

sensibel im Weinberg, gute Winzer wissen aber mit ihr umzugehen.

Durch die neue Stilistik wird Grauburgunder jetzt nicht

nur „einfach so“ und gut gekühlt getrunken, sondern gilt als ein

idealer Essensbegleiter, also als gastronomischer Wein – ob nun

in der Sterneküche oder gutbürgerlich: Ein Grauburgunder passt

fast immer.

Wein

ein berühmter Mann soll gesagt haben, dass es in Italien

keine Provinz gibt. Richtig! Italien ist ein großes Land und

jede seiner 22 Regionen ist stolz auf ihre Kultur und ihre

Küche mit ihren großartigen Spezialitäten. Aber, ob nun

Fisch oder Fleisch, Risotto oder Spaghetti, das Mittagessen

ist überall heilig. Es gehört zur italienischen Kultur

wie der Petersdom nach Rom. Das ist uns längst in Fleisch

und Blut übergegangen. Natürlich ist es im industrialisierten

Norden ein bisschen anders gekommen. Dort regiert

schon die Globalisierung und Kinder und Erwachsene

sitzen unter der Woche selten gemeinsam bei Tisch.

Da kommt einer nach dem anderen nach Hause zum

Essen, schade.

In Süditalien dagegen ist das Leben noch nicht so hektisch.

Wenn die Kinder von der Schule kommen, sind so gut wie

alle Familienmitglieder daheim. Unter der Woche ist die

Auswahl an Speisen klein. Schnitzel oder Steak gibt es

nicht, dafür: Pasta! Pasta! Pasta! Das macht der Norden

nicht anders als der Süden. Oft ist die Pasta nach einem

geheimen Familienrezept hausgemacht. Manchmal reicht

es unter der Woche zeitlich nicht, aber am Sonntag ist eine

Pasta à la Nonna (wie’s die Oma macht) fast schon Pflicht.

An einem Sonntag oder einem Festtag steht la Nonna

schon früh auf, macht die Pasta und lässt ein „Ragù“ auf

dem Herd köcheln. Die ganze Wohnung duftet dann nach

Tomaten, frischen Kräutern und Zwiebeln. Natürlich hat

um 12 Uhr jeder Hunger. Aber halt, der Pasta haben wir

noch ein Gang vorgeschaltet, die Antipasti, die es zum

Aperitif gibt. Wir haben Pane (Brot), Grissini, Olivenöl,

dazu noch etwas Prosciutto, Salame oder Pancetta, einen

Büffelkäse und so gut wie immer sauer eingelegtes Gemüse.

Das ist genauso typisch für unser Land wie der passende

Wein oder Sekt dazu. Diese Kombination regt die

Säfte an und macht Appetit.

Zum Mittagessen gehört Wein. Auch diese Tradition ist

im ganzen Land verbreitet. Im Süden trinken sie oft einen

Hauswein, weil vielleicht die Familie noch einen kleinen

Weinberg bewirtschaftet oder ein Verwandter oder

Freund Reben hat. Keine Frage, dieser Wein kommt auf

den Tisch! Anders als in Deutschland macht sich keiner

Lesen

W EIN TRIFFT INS HERZ

E ST 1973

Gedanken darüber, denn ein Glas Rotwein zum Mittag ist

Teil Italiens. Wir machen das übrigens auch so. Meine Frau

ist gelernte Köchin und kocht das Mittagessen. Ich bin für

die Weine zuständig. Für mich ist das eine Chance, neue

Tropfen auszuprobieren, und meine Frau macht dabei gerne

mit. Nach ein, zwei Schlucken wissen wir: „Der passt“

oder „der passt nicht“. Ein Mittagessen mit Wein ist für

uns nicht nur gelebte Tradition, sondern auch eine prima

Gelegenheit, Weine zu entdecken. Das ist unser Tischgespräch.

Probieren Sie’s auch mal aus! Ein Gläschen Wein

zum Mittagessen ist wunderbar!

Herzlichst

Ihr

Das

Mittagessen

VERITAS-Kolumnist Vincenzo De Biase stammt

aus der Basilicata in Süditalien und lebt und liebt

Wein. „Würde ich noch mal auf die Welt kommen,

würde ich es wieder machen“, sagt er über

seinen Beruf als Sommelier im Europa-Park.

18


WEINBEKENNTNISSE

»... Wein hat Stil ...«

Nichts als Wahrheiten. VERITAS-Leser erzählen, was ihnen zum Wein schmeckt, und andere Bekenntnisse.

Name: Achim Kempf // Alter: 45 // Leibspeise: indisches

Gemüsecurry // Wohnort: Wackersberg //

Beruf: Trainer und Coach für Teamentwicklung in

der Natur // Wenn ich ein Glas zu viel getrunken

habe: Gab es einen besonderen Anlass mit guten

Freunden.

Ich trinke Wein, weil ...

ich den Geschmack liebe

und mich ein kleines

Gläschen entspannt.

TRINKEN & GEWINNEN

Schlemmermenü für zwei Personen

Gewinnen Sie ein Schlemmermenü für zwei Personen mit

begleitenden Weinen im Landhotel Salmen in Oberkirch-Ringelbach.

FRAGE:

„Traube“

Wie heißt die Traube, die vor allem im

Rhonetal kultiviert und nun auch in

Oberkirch angepflanzt wird?

MITMACHEN BIS

31. 12. 2018

Viel Glück!

Name: Thomas Streif // Alter: 44 //

Leibspeise: Selbst gemachte Spätzle mit

Sauerbraten // Wohnort: Offenburg //

Beruf: Logopäde, Maler und Wanderer //

Wenn ich ein Glas zu viel getrunken habe:

Werde ich redselig.

Ich trinke Wein, weil ...

es für eine kleine gesellige Runde

das passende Getränk ist. Wein hat Stil!

Zu gewinnen gibt es ein Schlemmermenü für zwei Personen mit begleitenden Weinen im Landhotel Salmen in Oberkirch-Ringelbach.

Und so geht’s: Einfach die Antwort auf unserer Facebook-Pinnwand (www.facebook.com/oberkircherwinzereG)

posten oder eine E-Mail an info@oberkircher-winzer.de senden.

Alternativ können Sie uns die Lösung auch auf einer Postkarte an folgende Adresse senden: Oberkircher Winzer eG, Renchener Straße 42, 77704 Oberkirch. Nur ausreichend

frankierte Einsendungen mit vollständiger Absenderadresse nehmen an der Verlosung teil. Einsendeschluss ist der 31. 12. 2018. Teilnehmen kann jeder mit Ausnahme der Mitarbeiter

der beteiligten Unternehmen und deren Angehörigen. Eine Barauszahlung des Gewinnes und der Rechtsweg sind ausgeschlossen. Der Gewinner wird schriftlich benachrichtigt.

Gewinner des letzten Gewinnspiels: Klaus Schmer aus Plüderhausen

SCHÖN

Name: Dr. Manfred Ulitzka // Alter:

49 // Leibspeise: Ein schönes

T-Bone-Steak – dry aged – mit

Salat // Wohnort: Offenburg //

Beruf: Lehrer und Insektenforscher

// Wenn ich ein Glas zu viel

getrunken habe: Das kommt eher

selten vor, da dann der Genuss

aufhört.

Ich trinke Wein, weil ...

er ein gutes Essen ebenso abrundet

wie einen schönen Sommerabend.

Allerdings trinke ich nur Rotwein, eher

schwer, sonnenverwöhnt und ganz

trocken.

„Ein Riesling

mit Holzton wäre

wie Fred Astaire

in Gummistiefeln.“

Wolfram Siebeck (1928–2016),

Kochbuchautor und Gastrokritiker

Name: Miriam Henninger // Alter: 37 //

Leibspeise: Fisch in verschiedensten

Variationen // Wohnort: Michelstadt //

Beruf: Agraringenieurin und Tierheimleiterin

// Wenn ich ein Glas zu viel

getrunken habe: Hatte ich Spaß!

Ich trinke Wein, weil ...

er schmeckt!

WELTWEIT WEIN

Der kleinste Weinberg der Welt ist

1,6 Quadratmeter groß und liegt im

Schweizer Kanton Wallis, sein Besitzer

ist der Dalai Lama. Bei einer Versteigerung

wurden für 100 Flaschen

10.000 Franken erzielt. (Quelle: NZZ)

GESAGT

20

21


TERMINE & KALENDER

UNTERHALTUNG

TERMINE

THEMA DATUM ORT

Genuss-Seminar

„Wein & Käsefondue“

29. November 2018

Oberkircher

Winzer eG

Humor

Genuss-Seminar

„Wein & Käse“

31. Januar 2019

Oberkircher

Winzer eG

WineStyle

Weinmesse

02. / 03. Februar 2019

Hamburg Cruise

Center Altona

GENUSS-SEMINAR

WeinHannover 09. / 10. Februar 2019

Hannover Congress

Centrum

Was passt besser? Ein kräftiger Wein zu

einem kräftigen Käse? Oder sollte es doch

lieber ein leichter Wein sein? Bekanntlich

ziehen sich ja Gegensätze an! Vielleicht

sogar ein Weißwein? Das herauszufinden ist

eine spannende Frage mit vielen köstlichen

Antworten in unserem „Wein & Käse“-Genussseminar

am 31. 1. 2019.

8. Oberkircher

Comedy-Night mit

Zeus & Wirbitzky und

Roberto Capitoni

30. Mai 2019

Fest der Sinne 2. Juni 2019

Oberkircher

Winzer eG

Oberkircher

Winzer eG

Nähere Infos zu den einzelnen Veranstaltungen erhalten Sie auf

unserer Website unter: www.oberkircher-winzer.de

Rätsel

1. Wie nennt man veraltet einen Korkenzieher?

1

KALENDER 2018 / 2019

MUSIK & KUNST DATUM ORT

Paul Panzer „GLÜCKSRITTER

… vom Pech verfolgt!“

Plaza Culinaria 2018

Samstag,

27. Oktober 2018

Freitag, 9. bis Sonntag,

11. November 2018

SICK-Arena,

Messe Freiburg

SICK-Arena,

Messe Freiburg

2. Lateinisches Wort für „Wein“

3. Vorname der aktuellen Oberkircher Weinprinzessin

4. Wie nennt man das Ernten von Wein?

5. Wie wird die Entstehung von Alkohol

durch Zucker genannt?

6. Wie heißt der obere Teil eines Weinglases?

4

1

3

2

3

8

Gregory Porter & Orchester

„A Tribute To Nat King Cole“

Mittwoch,

14. November 2018

Festspielhaus

Baden-Baden

4

KIM WILDE

Hits wie „Kids in America“ oder

„Cambodia“ sind unvergessen,

die Sängerin Kim Wilde auch.

Damals verkaufte die Engländerin

30 Millionen Platten, zwischendurch

war sie vergessen und out, aber jetzt

rockt sie wieder! Die ultimative

80er-Party kann kommen!

22

Slayer – Final World

Tour 2018

Lisa Bassenge

„Borrowed and Blue“

Kim Wilde

Samstag,

24. November 2018

Samstag,

1. Dezember 2018

Montag,

14. Januar 2019

SICK-Arena,

Messe Freiburg

Tempel, Karlsruhe

La Laiterie, Straßburg

Lösung

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7.

Die Lösung finden Sie ab dem 31. 12. 2018 auf unserer

Facebook-Seite oder unter: www.oberkircher-winzer.de

5

5

8.

7

6

2

6

23


Besuchen Sie unser Vinotorium und erleben Sie Wein in einer

einzigartigen Atmosphäre. Unter der Erde gebaut, schafft die

harmonische Gewölbe-Architektur aus hölzerner Decke und

Lehmwänden einen außergewöhnlichen Schauplatz

für Weingenuss. Erleben Sie dieses besondere Weinerlebnis,

wir freuen uns auf Sie.

Probier- und Einkaufsmöglichkeiten

in unserer Vinothek:

Montag bis Freitag von 9.00 bis 17.30 Uhr

Samstag von 9.00 bis 13.00 Uhr

Weinproben und Betriebsbesichtigungen für Gruppen sind jederzeit nach

Vereinbarung möglich.

www.oberkircher-winzer.de

Weitere Magazine dieses Users