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Verfahrenstechnik 12/2018

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19098<br />

<strong>12</strong><br />

www.verfahrenstechnik.de<br />

Dezember <strong>2018</strong><br />

Gute Luft<br />

Brauerei optimiert Druckluftversorgung<br />

mit ölfreien Kompressoren<br />

Partikel im Zwiebel-Look<br />

Flüssigkeiten trocknen mit<br />

Wirbelschicht-Sprühgranulation<br />

Batchprozesse optimieren<br />

Virtuelle Prozesslösungen<br />

unterstützen Anlagenbetreiber<br />

Sicherheitsstandard ausgebaut<br />

Effektiver Arbeitsschutz in<br />

einem Chemieunternehmen


Wärmeübertrager Messtechnik<br />

TECHNIKWISSEN FÜR INGENIEURE<br />

19098<br />

2016<br />

Handbuch Prozesstechnologie<br />

Sonderausgabe<br />

www.verfahrenstechnik.de<br />

19098<br />

10<br />

Oktober 2016<br />

www.verfahrenstechnik.de<br />

der Zeitschrift<br />

<strong>Verfahrenstechnik</strong><br />

10 Print-Ausgaben im Jahr<br />

+ Sonderausgabe VERFAHRENSTECHNIK<br />

Handbuch Prozesstechnologie (1x jährlich)<br />

+ Sonderausgabe ACHEMA-Report (im Messejahr)<br />

+<br />

Kommentare – Marktübersichten Lieferantenverzeichnisse<br />

Armaturen Lagern und Verpacken<br />

Alle wichtigen<br />

Informationen von ca.<br />

800 Anbietern<br />

VTK_AG_2015_99_hb_001 1 07.<strong>12</strong>.2015 13:49:55<br />

Mehr<br />

Anlagenverfügbarkeit<br />

Modernisierte EMSR-Technik für<br />

Pharmarohstoffe<br />

JUBILÄUMSAUSGABE: 50 JAHRE VERFAHRENSTECHNIK<br />

Trenntechnik<br />

Hochleistungszentrifuge mit<br />

Doppelfunktion<br />

5J AHRE<br />

Temperaturmessung<br />

Problemloser Einsatz im<br />

Ex-Bereich<br />

VTK_AG_2016_10_001 1 28.09.2016 <strong>12</strong>:49:45<br />

Abo-Begrüßungsgeschenk:<br />

Der Bluetooth-Lautsprecher<br />

MSS-560.bt3<br />

Akku, Freisprecher & NFC, 5W, inkl. Zubehör;<br />

kompatibel mit Bluetooth-Smartphones, Tablets und PCs<br />

max. Akkulaufzeit: bis zu 6 Stunden<br />

Sichern Sie sich den lückenlosen Bezug wertvoller Informationen!<br />

6 Telefax: 06131-992/100 @ E-Mail: vertrieb@vfmz.de Internet: engineering-news.net & Telefon: 06131-992/147<br />

Ja, ich möchte die Zeitschrift „VERFAHRENSTECHNIK“ abonnieren<br />

Das Jahresabonnement umfasst 10 Ausgaben und kostet € 96,- (Ausland € 111,- netto) inkl. Versandkosten. Als Begrüßungsgeschenk<br />

erhalte ich den Bluetooth-Lautsprecher. Das Abonnement verlängert sich jeweils um ein weiteres Jahr, wenn es nicht spätestens<br />

4 Wochen zum Ende des Bezugsjahres schriftlich gekündigt wird.<br />

Unser Dienstleister, die Vertriebsunion Meynen, Eltville, erhebt Ihre Daten im Auftrag der Vereinigte Fachverlage (VFV) zum Zweck der Vertragsdurchführung, zur Erfüllung der<br />

vertraglichen und vorvertraglichen Pflichten. Die Datenerhebung und Datenverarbeitung ist für die Durchführung des Vertrags erforderlich und beruht auf Artikel 6 Abs. 1 b) DSGVO.<br />

Zudem verwenden wir Ihre Angaben zur Werbung für eigene und VFV verwandte Produkte. Falls Sie keine Werbung mehr auf dieser Grundlage erhalten wollen, können Sie jederzeit<br />

widersprechen. Weitere Infos zum Datenschutz: ds-vfv.vfmz.de<br />

Name/Vorname<br />

Position<br />

Firma<br />

Abteilung<br />

Straße oder Postfach<br />

PLZ/Ort<br />

Telefon/E-Mail<br />

Datum, Unterschrift<br />

Vereinigte Fachverlage GmbH . Vertrieb . Postfach 10 04 65 . 55135 Mainz . Telefon: 06131/992-0 . Telefax: 06131/992-100<br />

E-Mail: vertrieb@vfmz.de . Internet: www.engineering-news.net<br />

„VERFAHRENSTECHNIK“ ist eine Zeitschrift der Vereinigten Fachverlage GmbH, Lise-Meitner-Straße 2, 55<strong>12</strong>9 Mainz, HRB 2270, Amtsgericht Mainz,<br />

Geschäftsführer: Dr. Olaf Theisen, Umsatzsteuer-ID: DE 149063659, Gerichtsstand: Mainz


EDITORIAL<br />

In Modulen denken<br />

Wie kann die Prozessindustrie schneller und flexibler produzieren und<br />

dabei den Wunsch nach individuelleren Produkten erfüllen? Die Antwort<br />

darauf sind modulare Anlagen nach dem Lego-Prinzip, die ein festes, aber<br />

dennoch flexibles Gefüge geben. Am besten sollte der Planer schon in<br />

Funktionen, also in Modulen und Systemlösungen denken. Das spart Zeit<br />

und Kosten, weil nicht bei jedem Projekt alle Details neu analysiert werden<br />

müssen. Außerdem – und das ist noch viel wichtiger – machen es modularisierte<br />

Baugruppen möglich, fertige und bewährte Lösungen auch in neuen<br />

Projekten wiederzuverwenden. Der Betreiber kann seine Anlagen aus<br />

einzelnen Bausteinen mit unterschiedlichen Funktionen immer wieder neu<br />

zusammenstellen und so alle möglichen Produktionsverfahren abbilden.<br />

Inbetriebnahme- und Umrüstzeiten verkürzen sich, bei Produktanpassungen<br />

kann sehr schnell reagiert werden.<br />

Das alles funktioniert natürlich nur mit modularem Equipment: Eine<br />

bestimmte Baureihe bietet dieselben Funktionalitäten bei verschiedenen<br />

Betriebsgrößen. Das kann eine Pumpenserie sein mit verschiedenen<br />

Volumenstrom- und Druckbereichen, aber auch bei den Kompressoren<br />

denken die Hersteller in Modulen. Wie das in der Praxis aussieht,<br />

lesen Sie in unserem Top-Thema ab Seite 14.<br />

Wir sehen uns an dieser Stelle wieder in 2019. Bis dahin wünsche<br />

ich allen Leserinnen und Lesern frohe Weihnachten und einen<br />

guten Rutsch.<br />

Eva Linder<br />

Chefredakteurin<br />

e.linder@vfmz.de


VTK_SO_Titel_<strong>2018</strong>_<strong>12</strong>_2309562.indd 1 16.11.<strong>2018</strong> 09:09:56<br />

INHALT<br />

10<br />

16<br />

26<br />

Kosmetik: Die Herstellung von Emulsionen<br />

und Suspensionen stellt hohe Anforderungen<br />

an die Mischsysteme<br />

Mineralwasser: Für Druckluft bester<br />

Qualität sorgen trockenverdichtende<br />

Schraubenkompressoren<br />

Arzneimittel: Eine Software-Lösung<br />

verbessert die Sichtbarkeit der Prozesse<br />

und die Produktionsverwaltung<br />

AKTUELLES<br />

5 Personen, Märkte, Unternehmen<br />

5 Seminare, Tagungen, Kurse<br />

VERFAHREN UND ANLAGEN<br />

8 Trocknung von Flüssigkeiten durch<br />

Wirbelschicht-Sprühgranulation<br />

10 Energiedissipation bei Homogenisierprozessen<br />

<strong>12</strong> Produktinformationen<br />

TOP-THEMA DRUCKLUFTTECHNIK<br />

14 TITEL Brauerei bringt Druckluftversorgung mit ölfreien<br />

Kompressoren auf den neuesten Stand<br />

16 Saubere Druckluft für die Getränkeproduktion<br />

22 Produktinformationen<br />

MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN<br />

24 Modernisiertes Engineering schöpft Anlagendaten<br />

optimal aus<br />

26 Pharma 4.0: von der Serialisierung zum<br />

Connected Enterprise<br />

28 Bestehende Anwendungen einfach in die Cloud bringen<br />

30 Virtuelle Lösungen optimieren Batch-Prozesse<br />

32 Produktinformationen<br />

BETRIEBSTECHNIK<br />

34 Predictive Maintenance optimiert Instandhaltung in der<br />

Prozessindustrie<br />

36 Effektiver Arbeitsschutz bei einem Hersteller von Chlor<br />

und Epoxidharzen<br />

38 Produktinformationen<br />

RUBRIKEN<br />

3 Editorial<br />

27 Impressum<br />

40 Inserentenverzeichnis<br />

42 <strong>Verfahrenstechnik</strong> im Alltag<br />

43 Vorschau<br />

ANZEIGE<br />

SUMMER OF ENGINEERING<br />

18 „Aerzen hat es in sich“ – zu Gast bei Aerzener Maschinenfabrik<br />

TITELBILD<br />

Atlas Copco Kompressoren<br />

und Drucklufttechnik GmbH,<br />

Essen<br />

4 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


AKTUELLES<br />

SEMINARE, TAGUNGEN, KURSE<br />

Veranstaltung Datum, Ort Anmeldung<br />

FACHFORUM Digital Twinning –<br />

von der Anlagenplanung zum Betrieb<br />

SEMINAR Validierung computergestützter<br />

Analysensysteme (CSV)<br />

WORKSHOP Verfahrenstechnische Anlagenplanung<br />

in der Praxis<br />

04./05.<strong>12</strong>.18,<br />

Berlin<br />

06./07.<strong>12</strong>.18,<br />

Frankfurt/M.<br />

06./07.<strong>12</strong>.18,<br />

Wuppertal<br />

SCHULUNG Betriebsbeauftragter für Abfall 17.–20.<strong>12</strong>.18,<br />

Offenbach<br />

KURS Certified Training for PROFIBUS PA<br />

Engineer<br />

LEHRGANG Fachkunde Gefahrstoffe<br />

(Gefahrstoffbeauftragter)<br />

SEMINAR Von der GMP-Risikoanalyse bis<br />

zur GMP-Qualifizierung<br />

15.–18.01.19,<br />

Reinach, Schweiz<br />

30./31.01.19,<br />

Stuttgart<br />

13.02.19,<br />

Essen<br />

SEMINAR Auditvorbereitung für Auditierte 14.02.19,<br />

Saarbrücken<br />

FORTBILDUNG Schadensanalyse von<br />

Dichtungen<br />

21./22.02.19,<br />

Frankfurt/M.<br />

Erfolgreiches Themenforum auf der Solids<br />

T.A. Cook Conferences, Tel. 030/884307-0,<br />

www.tacook.de<br />

GDCh, Tel. 069/7917-485,<br />

www.gdch.de/fortbildung<br />

Technische Akademie Wuppertal, Tel. 0202/7495-0,<br />

www.taw.de<br />

Umweltinstitut Offenbach, Tel. 069/810679,<br />

www.umweltinstitut.de<br />

Endress + Hauser, Tel. 07621/975-610,<br />

www.de.endress.com<br />

Tüv Süd, Tel. 089/5791-2388,<br />

www.tuev-sued.de/akademie<br />

Haus der Technik, Tel. 0201/1803-1,<br />

www.hdt-essen.de<br />

Klinkner & Partner, Tel. 0681/98210-0,<br />

www.klinkner.de<br />

Deutsche Gesellschaft für Materialkunde,<br />

Tel. 069/75306-757, www.dgm.de<br />

Explosionsschutz von filternden Abscheidern war Thema<br />

des Forums, das die VERFAHRENSTECHNIK auf der Solids<br />

in Dortmund veranstaltet hat. Christian Schwerte von der<br />

DMT GmbH & Co. KG in Dortmund erklärte den zahlreichen<br />

Zuhörern, welche Rolle die Gefährdungsbeurteilung<br />

und die Prüfung des Explosionsschutzes an Filteranlagen<br />

spielen. Im Anschluss diskutierte Carlo Saling von der<br />

Rembe GmbH in Brilon die Möglichkeiten, Filteranlagen<br />

mit konstruktivem Explosionsschutz abzusichern. Dem<br />

vorbeugenden Explosionsschutz widmete sich Ulrike Ruppert,<br />

die bei der Herding GmbH in Amberg für das Thema<br />

Sicherheitstechnik zuständig ist. Fazit aller Referenten: Explosionsschutz<br />

ist sehr beratungsintensiv und sollte von einem Experten bzw. einem entsprechend<br />

ausgebildeten Mitarbeiter geplant, ausgeführt und ständig überprüft werden. Das Messeduo Solids und<br />

Recycling-Technik konnte an zwei Tagen über 6 000 Besucher nach Dortmund locken, der Veranstalter<br />

und die 500 Aussteller zogen ein zufriedenes Resümee.<br />

www.easyfairs.com<br />

<strong>12</strong>5 Jahre Uraca Pumpen<br />

Im Jahr 1893 gründeten die beiden Vettern, Friedrich Krumm und Gustav Magenwirth, einen kleinen<br />

Betrieb in Urach (heute Bad Urach). Die Krumm & Magenwirth Maschinen-Werkstätte benutzte einen<br />

selbst entwickelten, liegenden Petroleum-Motor mit etwa 3,5 PS Leistung zum Antrieb ihrer Werkzeugmaschine.<br />

Mit dieser Entwicklung einer Kolbenmaschine war der Grundstein für die später gebauten<br />

Plungerpumpen gelegt. Heute konstruiert und fertigt<br />

Uraca Plungerpumpen und Hochdruck-Reinigungssysteme<br />

bis 3 000 bar und mit Antriebsleistungen<br />

bis 2 600 kW für nahezu alle Industriebereiche,<br />

ob als einzelne Pumpe oder als System. Mit<br />

dem Erwerb der Firma Dynajet soll das Produktprogramm<br />

der Hochdruckreinigung weiter ausgebaut<br />

werden. „Wir setzen auf Topqualität, dafür<br />

steht Uraca seit nunmehr <strong>12</strong>5 Jahren“, bilanziert<br />

Gunter Stöhr, Geschäftsführer der Uraca in seiner<br />

Ansprache anlässlich des Firmenjubiläums.<br />

www.uraca.de<br />

Almatec jetzt in<br />

Duisburg<br />

Die zur amerikanischen PSG-<br />

Gruppe gehörende Almatec<br />

Maschinenbau GmbH, ein Hersteller<br />

von druckluftbetriebenen<br />

Doppelmembranpumpen<br />

und Quattroflow 4-Kolben-<br />

Membranpumpen für die Biopharma-Industrie,<br />

hat ihr neues<br />

Domizil in Duisburg bezogen.<br />

Der neue Hauptsitz mit<br />

rund 70 % mehr Fläche soll<br />

dem erzielten und weiter erwarteten<br />

Firmenwachstum gerecht<br />

werden. „Dieser Schritt ist<br />

ein großer Meilenstein für unser<br />

Unternehmen, unsere Mitarbeiter<br />

und unsere Kunden,<br />

die alle von den Möglichkeiten<br />

des neuen Firmensitz profitieren<br />

werden“, sagte Rainer Wulf,<br />

Geschäftsführer von Almatec.<br />

„Unser Unternehmen wächst,<br />

und wir planen, dieses Wachstum<br />

bis ins Jahr 2019 und darüber<br />

hinaus fortzusetzen.“<br />

www.almatec.de<br />

Comvac wächst<br />

Vom 1. bis zum 5. April 2019 öffnet<br />

die Comvac – Internationale<br />

Leitmesse der Druckluft- und<br />

Vakuumtechnik – ihre Tore in<br />

Hannover. Die Halle 26 ist bereits<br />

seit drei Monaten komplett<br />

ausgebucht, dabei tragen insbesondere<br />

Unternehmen aus China,<br />

Deutschland und der Türkei<br />

zum starken Wachstum bei. Auf<br />

der Comvac steht Industrie 4.0<br />

im Mittelpunkt, bspw. im Bereich<br />

Predictive Maintenance<br />

oder bei maßgeschneiderten<br />

Gesamtlösungen wie Leasing<br />

oder der Abrechnung pro Einheit.<br />

Energieeffizienz und Ressourceneffizienz<br />

bleiben weiterhin<br />

wichtige Themen.<br />

www.hannovermesse.de<br />

VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 5


AKTUELLES<br />

SGL Carbon baut neues Logistikzentrum<br />

Die SGL Carbon baut an<br />

ihrem weltweit größten<br />

Standort in Meitingen nahe<br />

Augsburg ein zentrales<br />

und hochmodernes Logistikzentrum<br />

zur effektiven<br />

und effizienten Abwicklung<br />

aller Wareneinund<br />

-ausgänge. Insgesamt<br />

investiert das Unternehmen<br />

dabei 8 Mio. EUR.<br />

Dr. Jürgen Köhler (links),<br />

Vorstandsvorsitzender der<br />

SGL Carbon: „Als neue<br />

SGL mit Fokus auf unsere<br />

Kunden in den innovativen<br />

und schnell wachsenden Bereichen Mobilität, Energie und Digitalisierung<br />

ist eine hochmoderne, effiziente und effektive Logistik<br />

unerlässlich. Unser neues Logistikzentrum ist nicht nur eine weitere<br />

Investition am Standort in Meitingen, es ist ein Zeichen, dass sich<br />

die SGL Carbon für die Zukunft und nachhaltiges und profitables<br />

Wachstum aufstellt.“ Neben der SGL Carbon wird die Brembo SGL<br />

Carbon Brakes (BSCCB) mit Geschäftsführer Furio Rozza (rechts)<br />

einer der Hauptnutzer des neuen Gebäudes sein.<br />

www.sglcarbon.com<br />

Igus sucht spektakuläre<br />

Kunststoffgleitlager-Anwendungen<br />

Was haben ein Exoskelett, ein elektrischer Manipulator-Arm und<br />

ein Forschungsprojekt über Weltraumschrott miteinander gemeinsam?<br />

In all diesen Anwendungen kommen Kunststoffgleitlager zum<br />

Einsatz, und sie wurden beim letzten Manus Award – den die Firma<br />

Igus alle zwei Jahre initiiert – zu den drei Gewinner-Anwendungen<br />

gekürt. Im Oktober fiel der<br />

Startschuss für die Bewerbungsphase<br />

der nächsten Ausgabe.<br />

Den Gewinnern winkt ein<br />

Preisgeld von bis zu 5 000 EUR.<br />

Jeder Anwender kann sich bis<br />

zum 22. Februar 2019 online<br />

bewerben und mit kurzen Texten<br />

sowie Fotos und Videos der<br />

Jury seine Konstruktion vorstellen.<br />

Die Gewinner werden von<br />

einer Experten-Jury aus Wissenschaft,<br />

Forschung und Fachmedien<br />

bestimmt – Tobias Vogel<br />

(rechts) ist erstmals mit dabei,<br />

er tritt die Nachfolge von<br />

Gerhard Baus (links) an.<br />

www.manus-wettbewerb.de<br />

Aucotec legt Grundstein für neue Zentrale<br />

Die Aucotec AG, unabhängiger Entwickler von Engineering-Software<br />

seit über 30 Jahren, baut in der Nähe ihres heutigen Standorts<br />

Hannover eine neue Zentrale. Rund 3 700 m 2 auf drei Etagen sollen<br />

Platz für 160 Mitarbeiter sowie zwölf<br />

hochmoderne Meeting- und Schulungsräume<br />

schaffen. Außerdem ist ein Anbau<br />

für bis zu 110 zusätzliche Arbeitsplätze<br />

bereits geplant. Im Oktober<br />

wurde der Grundstein für das Gebäude<br />

mit einem Investitionsvolumen von<br />

knapp <strong>12</strong> Mio. EUR gelegt. Der Umzug<br />

ist für Februar 2020 geplant. „Wir sind<br />

froh und stolz, dass es jetzt endlich losgeht“,<br />

sagte Vorstandsmitglied Uwe Vogt<br />

(rechts) bei der Grundsteinlegung. Mit<br />

dabei: Horst Beran (links), Vorsitzender<br />

und Aucotec-Mitgründer.<br />

www.aucotec.com<br />

Experience Days bei Leser<br />

Im September veranstaltete die Firma Leser im Rahmen ihres<br />

200-jährigen Bestehens die Experience Days in Hamburg. Mit<br />

mehr als 300 internationalen<br />

Teilnehmern<br />

war die Veranstaltung<br />

sehr gut<br />

besucht – im Mittelpunkt<br />

stand eine<br />

Konferenz mit Vorträgen<br />

zu aktuellen<br />

Themen der Überdruckabsicherung.<br />

Martin Leser begrüßte<br />

als Sprecher<br />

der Gesellschafter<br />

die Teilnehmer und sagte: „200 Jahre alt zu werden, ist keine Leistung,<br />

aber es ist eine Leistung, die Experience Days auszurichten."<br />

www.leser.com<br />

Pfeiffer Vacuum in USA<br />

Pfeiffer Vacuum, Anbieter von Hightech-Vakuumlösungen für die Märkte<br />

Halbleiter, Industrie, Beschichtung, Analytik sowie Forschung und Entwicklung,<br />

eröffnete in Nashua im nordamerikanischen Bundesstaat New<br />

Hampshire ein neues Firmengebäude. Der moderne, zweistöckige Bau beherbergt<br />

den nordamerikanischen Hauptsitz mit Verwaltung, Vertrieb, Produktmanagement,<br />

Marketing und Kundenbetreuung. Parallel dazu wurde<br />

das bislang hierfür genutzte Gebäude zu einem Service-Kompetenzzentrum<br />

umgebaut. Hier finden sich alle Serviceaktivitäten des größten Teils des Produktportfolios<br />

von Pfeiffer Vacuum unter einem Dach vereint.<br />

www.pfeiffer-vacuum.com<br />

6 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


Workshop Kolbenverdichter <strong>2018</strong><br />

Im Oktober wurde Rheine wieder zum Treffpunkt für zahlreiche<br />

Unternehmen aus der Öl- und Gasbranche, dem Maschinen- und<br />

Anlagenbau, der chemischen Industrie sowie für Hochschulen<br />

und wissenschaftliche Institute. Ziel ihres Besuchs war der 2-tägige<br />

Workshop Kolbenverdichter, den das beratende Ingenieurunternehmen<br />

Kötter Consulting Engineers (KCE) bereits zum<br />

22. Mal ausrichtete. In einer Reihe von Fachvorträgen konnten<br />

sich die Teilnehmer über neue technische Entwicklungen informieren<br />

und Erfahrungsberichte aus der Praxis hören. Auf der begleitenden<br />

Fachausstellung präsentierten Firmen ihre spezifischen<br />

Produkte und Dienstleistungen für den Kompressorenmarkt.<br />

Der nächste Workshop Kolbenverdichter findet am 9. und<br />

10. Oktober 2019 statt.<br />

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www.koetter-consulting.com<br />

Powtech mit neuen Ideen<br />

Kurze Lieferzeiten<br />

Made in Germany<br />

ISO 9001<br />

Die nächste Powtech findet vom 9. bis 11. April 2019 in Nürnberg<br />

statt. Erstmals geht im nächsten Jahr der Networking Campus an<br />

den Start, das junge Ideenlabor für die Technologien und Märkte<br />

von morgen. Der Networking Campus ist kommunikativer Treffpunkt<br />

und Diskussionsplattform für junge Forscher, Start-ups und<br />

Entwickler. Ebenfalls neu sind die Guided Tours der VERFAH-<br />

RENSTECHNIK zum Thema Pharma-Lösungen. Nähere Informationen<br />

dazu gibt es rechtzeitig vor der Messe im Internet.<br />

www.powtech.de<br />

Lauda kooperiert mit Watttron<br />

Die Lauda Dr. R. Wobser GmbH & Co. KG hat einen umfangreichen<br />

Kooperationsvertrag mit der Watttron GmbH aus Freital geschlossen.<br />

Die Zusammenarbeit mit dem preisgekrönten Start-up<br />

aus Freital bei Dresden, das ein neues Heizsystem zum Einsatz<br />

für spezifische Industrieprozesse entwickelt, umfasst neben<br />

dem exklusiven Vertrieb von Watttron-Produkten in Nordamerika<br />

und der Analysen-, Bio- und Labortechnikindustrie weltweit auch<br />

den Einsatz der Watttron-Technologie in zukünftigen Lauda-<br />

Temperiergeräten.<br />

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www.lauda.de<br />

www.verfahrenstechnik.de<br />

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VERFAHREN UND ANLAGEN<br />

Partikel im Zwiebel-Look<br />

Trocknung von Flüssigkeiten durch Wirbelschicht-Sprühgranulation<br />

Sollen flüssige Ausgangsprodukte<br />

in Schüttgüter überführt werden,<br />

wird sowohl das Verfahren der<br />

Sprühtrocknung als auch die<br />

Wirbelschicht-Sprühgranulation<br />

genutzt. Die Wahl der Technologie<br />

hängt davon ab, welche<br />

Partikeleigenschaften eingestellt<br />

werden müssen, um spezifische<br />

Anwendungen zu ermöglichen.<br />

Die Trocknung von feststoffbeladenen<br />

Flüssigkeiten ist in der Industrie weit<br />

verbreitet: Es gilt, Produkte in eine leichter<br />

handhabbare Form zu überführen und sie<br />

unter Umgebungstemperaturen lagerfähig<br />

zu machen. Dabei wird nicht nur die Stabilität<br />

erhöht; die Schüttgüter weisen auch<br />

ein reduziertes Gewicht und ein geringeres<br />

Volumen auf, wodurch sich Transportkosten<br />

und Aufwand senken lassen.<br />

Speziell im Lebensmittelbereich kann der<br />

durch Wärmeeinwirkung erzwungene Entzug<br />

von Wasser in Abhängigkeit der Aktivität<br />

der im Trockenprodukt verbliebenen<br />

Restfeuchte die Haltbarkeit erhöhen. Um<br />

Flüssigkeiten möglichst schnell zu trocknen,<br />

eignet sich das Versprühen in einem<br />

heißen Luftstrom.<br />

Wie bei der klassischen Sprühtrocknung<br />

bieten Sprühgranulationsprozesse in der<br />

Wirbelschicht Lösungsansätze für eine<br />

Vielzahl von Stoffsystemen, Anwendungen<br />

und Industriezweigen. Im Vergleich zur<br />

Sprühtrocknung sind jedoch die Produkteigenschaften<br />

im Wirbelschichtverfahren<br />

ganz gezielt einstellbar. Je nach Wahl der<br />

verfahrenstechnischen Parameter sowie<br />

der technischen Konfiguration der Anlage<br />

können Partikelform, -aufbau und -größe<br />

nahezu frei definiert und produziert werden.<br />

Ermöglicht wird das durch die Ver­<br />

einigung der Prozessschritte der konvektiven<br />

Trocknung bzw. Erstarrung und der<br />

Partikelbildung.<br />

Wirbelbett aus Partikeln<br />

Anstelle einer leeren Prozesskammer – bei<br />

der Sprühtrocknung ein alltägliches Bild –<br />

wird die feststoffhaltige Flüssigkeit in ein<br />

Wirbelbett aus fluidisierten, arteigenen<br />

Partikeln versprüht. Das Lösungsmittel –<br />

i. d. R. Wasser oder auch organische<br />

Lösungsmittel – verdampft, sodass durch<br />

Tröpfchen und Filmtrocknung ein Partikelwachstum<br />

stattfindet.<br />

Parallel zu diesem Vorgang, der auch als<br />

Granulationstrocknung oder Aufbaugranulation<br />

bezeichnet wird, werden stetig neue<br />

Granulationskerne generiert. Granulationskerne<br />

können intern, also im Prozess selbst,<br />

erzeugt werden: Einerseits bilden sich diese<br />

durch Abrieb und verdüste Tröpfchen, die<br />

die fluidisierten Partikel im Wirbelbett verfehlen<br />

und wie bei der Sprühtrocknung<br />

direkt trocknen. Andererseits können Granulationskeime<br />

aus Feinpartikeln oder zerkleinerten,<br />

zu großen Granulaten aus dem<br />

Mahl-Sieb-Kreislauf gebildet werden.<br />

Sowohl die direkte Keimbildung nach<br />

dem Prinzip der Sprühtrocknung – das sogenannte<br />

Overspray – als auch die indirekte<br />

Keimzufuhr steuern im laufenden Prozess<br />

das stetige Wachstum der Partikel und bilden<br />

die Grundlage für den kontinuierlichen<br />

Prozessbetrieb.<br />

Trocknung von innen nach außen<br />

Kontinuierlich betriebene Wirbelschicht-<br />

Sprühgranulationsrinnen von Glatt bieten<br />

durch den Mehrkammeraufbau ein hohes<br />

Maß an Flexibilität, sodass bspw. die nachträgliche<br />

Kühlung im gleichen Apparat<br />

kombiniert werden kann. Zudem lassen<br />

sich Wirbelschicht-Sprühgranulationsanlagen<br />

für den Umgang mit organischen<br />

Lösungsmitteln oder oxidationsempfindlichen<br />

Produkten einfach im geschlossenen<br />

Kreislaufbetrieb realisieren.<br />

Ein wesentlicher Unterschied zwischen<br />

Sprühtrocknung und Wirbelschicht-<br />

Sprühgranulation liegt in der Partikelgröße<br />

und -morphologie: Bei der Sprühtrocknung<br />

erfolgt die Trocknung der Einzelpartikel<br />

von außen nach innen, während bei<br />

01 Aufbauprinzip von Partikeln<br />

mit Zwiebelstruktur<br />

Autorin: Dipl.-Ing. Katja Oppermann,<br />

Prozessingenieurin, Glatt Ingenieurtechnik,<br />

Weimar<br />

8 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


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in Echtzeit:<br />

Für die Optimierung, Qualitätssicherung<br />

oder Zertifizierung Ihrer<br />

Prozesse.<br />

der Sprühgranulation in der Wirbelschicht<br />

der Aufbau schichtweise erfolgt<br />

und die Partikel genau anders<br />

herum trocknen – nämlich von innen<br />

nach außen.<br />

Nur beim Versprühen von Schmelzen<br />

und reinen Suspensionen entstehen<br />

bei der Sprühtrocknung Vollkugeln.<br />

Sobald die Flüssigkeit eine<br />

gelöste Komponente enthält, ergeben<br />

sich unterschiedlichste Formen<br />

von Hohlkugeln. Der heiße Luftstrom,<br />

in dem die Sprühtropfen getrocknet<br />

werden, verursacht eine harte<br />

äußere Schale des Einzelpartikels mit hoher<br />

Konzentration der gelösten Komponente, während<br />

der innere Kern des Partikels noch Feuchtigkeit<br />

enthält. Mit zunehmender Temperatur<br />

entweicht diese schlagartig und verursacht, je<br />

nach Trockungsgeschwindigkeit und Feststoffkonzentration<br />

der Flüssigkeit, Hohl kugeln bzw.<br />

Einbeulungen der Partikel.<br />

In bestimmten Anwendungsfeldern wie der<br />

Mikroverkapselung aktiver Inhaltstoffe sind<br />

diese Partikeleigenschaften ungeeignet, da das<br />

Ziel der Mikroverkapselung darin besteht, im<br />

Kern der Partikel Flüssigkeiten einzuschließen<br />

und vor Umgebungsbedingungen zu schützen.<br />

Ganz spezifische Eigenschaften<br />

Sprühgranulate<br />

unterscheiden sich<br />

von Trocknungsprodukten<br />

durch die anwendungsabhängig<br />

einstellbaren<br />

Partikeleigenschaften wie<br />

Partikelgröße, -form und<br />

-aufbau.<br />

Bei der Sprühgranulation entstehen durch den<br />

schichtweisen Aufbau feste, kompakte und runde<br />

Vollkugeln mit zwiebelförmiger Struktur. Die<br />

Aufbaugranulation – das sogenannte Layering –<br />

ermöglicht ein hohes Maß an Flexibilität, da Partikel<br />

aus verschiedenen Feststoffschichten gebildet,<br />

Kerne beladen und beschichtet werden können.<br />

Das bietet Herstellern die Möglichkeit, ihre<br />

Produkte gezielt zu funktionalisieren und mit einem<br />

höheren Mehrwert auszustatten – der letztlich<br />

über den Markterfolg entscheidet.<br />

Zusätzlich kann im gleichen Apparat ein<br />

Coating der zuvor sprühgranulierten Partikel<br />

durchgeführt werden, um bspw. eine retardierende<br />

Wirkung zu erzielen, die aktive Komponente<br />

vor äußeren Einflüssen zu schützen oder<br />

einen unangenehmen Geschmack oder Geruch<br />

zu maskieren.<br />

Der Vorteil der Wirbelschicht-Sprühgranulation<br />

gegenüber der Sprühtrocknung beruht im<br />

Wesentlichen darauf, dass flüssige Ausgangsprodukte<br />

in feste Schüttgüter mit spezifischen Eigenschaften<br />

überführt werden können. Sprühgranulate<br />

unterscheiden sich von Trocknungsprodukten<br />

durch die anwendungsabhängig einstellbaren<br />

Partikeleigenschaften wie Partikelgröße,<br />

-form und -aufbau.<br />

Fotos: Glatt<br />

Katja Oppermann<br />

www.glatt.com<br />

Einfach!<br />

Keine Schleppkabel, minimaler<br />

Arbeitsaufwand.<br />

Standardsysteme für Öfen bis zu<br />

1350°C oder z.B. T6 Prozesse.<br />

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Die TUS Lösung für Kammer-,<br />

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Mit Auswertung gemäß<br />

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Die Mischung macht`s<br />

Energiedissipation bei Homogenisierprozessen<br />

Individuell konzipierte<br />

Allroundsysteme sorgen<br />

in der Kosmetik- und<br />

Pharmaindustrie für<br />

maximale Flexibilität<br />

und Produktivität auf<br />

höchstem Niveau.<br />

Autor: Dipl.-Ing. Ulf Sieckmann, Geschäftsführer,<br />

Symex GmbH & Co. KG, Bremerhaven<br />

Spezielle Zusätze bei den Pflegeprodukten,<br />

feinste Farbnuancen bei dekorativer<br />

Kosmetik und sehr speziell ausgerichtete<br />

Wirkstoffe in Medikamenten lassen Produktrezepturen<br />

und folglich die Entwicklungs-<br />

und Herstellprozesse heute immer<br />

komplexer werden.<br />

Vor eine besondere Herausforderung<br />

wird dabei die Misch- und Homogenisiertechnik<br />

gestellt. Herstellsysteme sollen<br />

nicht nur durch kurze Prozesszeiten und<br />

höchste Produkt- und Herstellmengenflexibilität<br />

für maximale Effizienz sorgen, sondern<br />

gleichzeitig auch eine 100%ig reproduzierbare<br />

Produktqualität in sehr engen<br />

Spezifikationsbereichen gewährleiten. Um<br />

allen diesen Anforderungen gleichermaßen<br />

gerecht werden zu können, ist es heute unabdingbar,<br />

die produktbeeinflussenden<br />

Mechanismen der Misch- und Homogenisierprozesse<br />

genau zu verstehen, zu kontrollieren<br />

und entsprechend ihrer Einflussnahme<br />

auf die Produkteigenschaften gezielt<br />

anwenden zu können.<br />

Moderne Misch- und Homogenisiersysteme<br />

sollten auch über Techniken im Bereich<br />

Rohstoffzugabe, Temperieren und natürlich<br />

Reinigung verfügen. Während für die produktspezifizierenden<br />

Parameter wie Partikelgrößenverteilung,<br />

Viskosität und Homogenität<br />

die Prozesse der Rohrstoff zugabe<br />

und Temperierung nur eine untergeordnete<br />

Rolle spielen, ist der Misch- und Homogenisierprozess<br />

von entscheidender Bedeutung.<br />

Kreisverkehr<br />

Idealerweise ist ein Mischsystem für semisolide<br />

(d. h. hochviskose) Produkte heute<br />

mit einem langsam laufenden Rührwerk<br />

(über den Behälterdeckel von oben in das<br />

Produkt eintretend) und einen schnell laufenden<br />

Homogenisator (unterhalb des Behälters<br />

mit externer Umpumpleitung) ausgestattet.<br />

Der Homogenisator arbeitet meistens<br />

entsprechend eines Zentrifugalpumpensystems<br />

und pumpt das zu mischende/<br />

zu homogenisierende Produkt im Kreis,<br />

während im Mischwerkzeug die Tröpfchen<br />

bzw. Partikel erzeugt werden. Hierbei wird<br />

das Produkt entweder direkt am tiefsten<br />

Punkt des Behälterbodens angesaugt oder<br />

über eine Rohrleitung extern zugeführt.<br />

Die Druckseite des Homogenisators fördert<br />

das Produkt über eine externe Umpumpleitung<br />

bei großen Ansätzen oberhalb<br />

des Produktspiegels und bei kleineren Ansätzen<br />

unterhalb des Produktspiegels in<br />

den Mischbehälter zurück. Das langsam<br />

laufende Rührwerk im Mischbehälter hat<br />

dabei die Aufgabe, den zurückgeführten<br />

(homogenisierten) Anteil im inhomogenen<br />

Rest zu vermischen. Zusätzlich stellt das<br />

Rührwerk bei temperierten Prozessen einen<br />

optimalen Wärmeübergang von der Behälterwand<br />

an das Produkt und eine optimale<br />

Temperaturverteilung innerhalb des Mischbehälters<br />

sicher. Die Homogenisierzeiten<br />

werden durch die externe Homogenisierung<br />

und Rückvermischung innerhalb des Behälters<br />

durch statistische Durchlaufhäufigkeiten<br />

durch den Homogenisator bestimmt.<br />

Bei modernen Systemen mit effizienten<br />

Misch- und Homogenisiersystemen hat<br />

sich gezeigt, dass nach einer 4–8-fachen<br />

(produktabhängigen) Umwälzung des Ansatzvolumens<br />

jedes Volumenelement mit<br />

derselben Häufigkeit den Homogenisator<br />

durchlaufen hat. Man spricht an dieser<br />

Stelle vom sogenannten Batch-Turn-Over<br />

(BTO). Die Systeme verfügen zur Sicherstellung<br />

einer 100%igen Reproduzierbarkeit<br />

und einer zuverlässigen Skalierung über ein<br />

Durchflussmessgerät in der Umpumpleitung,<br />

das neben Volumen- oder Masseströmen<br />

eine punktgenaue, volumengesteuerte<br />

Homogenisierzeit sicherstellt.<br />

Bei der Herstellung von Emulsionen und<br />

Suspensionen sind die Anforderungen an die<br />

Mischsysteme so vielfältig wie die Produktpaletten<br />

und Herstellverfahren<br />

10 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


VERFAHREN UND ANLAGEN<br />

Geschwindigkeitskontrolle<br />

Betrachtet man die Kinematik und den mechanischen<br />

Aufbau des langsam laufenden<br />

Rührwerks und des schnell laufenden Homogenisators<br />

näher, stellt man fest, dass der<br />

für die Partikel- bzw. Tröpfchengrößenverteilung<br />

erforderliche Energieeintrag maßgeblich<br />

vom Homogenisator geliefert wird,<br />

und das Rührwerk in Bezug auf Energieeintrag<br />

eher eine untergeordnete Rolle spielt.<br />

Bei Mischsystemen mittlerer Größe (2 000–<br />

3 000 l Ansatzgröße) ergeben sich am Rührwerk<br />

Umfangsgeschwindigkeiten von 2,5 m/s<br />

mit einem Abstand zwischen den Mischblättern<br />

von rd. 30 mm und am Homogenisator<br />

Umfangsgeschwindigkeiten von rd.<br />

30 m/s mit einem Abstand zwischen den<br />

Homogenisatorzähnen von rund 0,5 mm. Bezieht<br />

man Mittelwerte der o. g. Bereiche in<br />

die Berechnung der Scherraten ein, stellt<br />

man fest, dass bei Rührwerk und Homogenisator<br />

das Verhältnis des Energieeintrags im<br />

Bereich von 1:700 liegt. Hocheffiziente Homogenisiersysteme<br />

entsprechend des Rotor-<br />

Rotor-Prinzips erreichen heute bereits Scherraten<br />

von 140 000 s -1 bei Differenzgeschwindigkeiten<br />

von 70 m/s in einem Scherspalt<br />

von 0,5 mm. Vergleicht man solche Homogenisatoren<br />

mit einem Standard-Rührwerk,<br />

liegt das Verhältnis sogar bei 1:1 700.<br />

Unter den schnelllaufenden Homogenisatoren<br />

gibt es die verschiedensten technischen<br />

Ausführungen. Design und Kinematik<br />

sollen durch ihre Kombination die optimale<br />

Energiedichte liefern. Die Distanz<br />

zwischen Rotor und Stator (Scherspalt), die<br />

Anzahl der Scherstufen, die Anzahl und die<br />

Geometrie der Mischflügel (Zähne) sowie<br />

der Drehzahlbereich definieren, ob ein Homogenisator<br />

eher pumpstark, scherintensiv<br />

oder eine Kombination aus beidem ist.<br />

Energieumsetzung<br />

Den maßgeblichen Einfluss auf die Partikelbzw.<br />

Tröpfchengrößenverteilung und somit<br />

Produkteigenschaften nimmt allerdings die<br />

optimale Energiedissipation kombiniert<br />

aus Impuls, mechanischer Scherung, Kavitation<br />

und thermischer Energie. Diese<br />

Kombination ergibt sich aus der Scherrate<br />

und der Verweilzeit im Homogenisierwerkzeug<br />

(Geometrie, Widerstand und Förderleistung).<br />

Je nach Bauform und Ausführung<br />

des Homogenisatorwerkzeugs bilden dabei<br />

sowohl Fluiddynamik und Kavitation als<br />

auch mechanische Scherung und thermische<br />

Energie voneinander abhängige Wechselwirkungen,<br />

die einen maßgeblichen Einfluss<br />

auf die Effizienz des Homogenisiervorgangs<br />

nehmen.<br />

Klassische Homogenisatoren weisen aufgrund<br />

ihrer fixen Geometrie und somit mit<br />

einer variablen Drehzahl nur einen Freiheitsgrad<br />

auf, der die Gesamtenergie variieren<br />

kann, deren Zusammensetzung allerdings<br />

nicht. Durch die fixe Geometrie bleibt<br />

die proportionale Energiezusammensetzung<br />

über den gesamten Drehzahlbereich<br />

relativ gleich. Um eine an die Produkteigenschaften<br />

angepasste Energiekombination<br />

liefern zu können, bedarf es bei klassischen<br />

Rotor-Stator-Systemen einer Änderung der<br />

Geometrie, die nur durch mechanische<br />

Umbauten erreicht werden kann. Eine Ausnahme<br />

bildet das Rotor-Rotor-Prinzip, in<br />

dem der Stator nicht fest, sondern dynamisch<br />

betrieben wird. Durch die Möglichkeit,<br />

den dynamischen Stator sowohl in die<br />

gleiche als auch in die entgegengesetzte<br />

Richtung des Rotors zu drehen, kann mit<br />

dem Rotor-Rotor-Prinzip nicht nur die die<br />

Gesamtenergie, sondern auch die Zusammensetzung<br />

variiert werden. Das System<br />

bietet somit die Möglichkeit, allen Prozessanforderungen<br />

und Produkteigenschaften<br />

flexibel und kompromisslos durch<br />

reine Parameteränderung zu entsprechen.<br />

Fotos: Fotolia (#58143201, Sergey_Rasulov), Symex<br />

www.symex.de<br />

VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 11


VERFAHREN UND ANLAGEN<br />

Modernisierte Kosmetikherstellung<br />

Für die Werkserweiterung eines führenden Kosmetikkonzerns in<br />

Thailand liefert Gea die Prozesstechnologie. In Bangkok werden<br />

die Ingenieure bis April 2019 die Prozessstrecke von der Rohstoffannahme<br />

bis zur Abfüllung inklusive der benötigten Reinigungssysteme<br />

für Rohrleitungen und IBCs in Betrieb nehmen. Zudem ist<br />

Gea für die Automatisierung verantwortlich, die die Steue rungsvorgaben<br />

der Prozesse umsetzt. Insgesamt sollen dadurch die<br />

Produktverluste während<br />

der Herstellung wesentlich<br />

reduziert werden.<br />

Im Modernisierungsprojekt<br />

hat das Reinigungsverfahren<br />

eine besondere<br />

Bedeutung, denn die<br />

Fertigprodukte müssen<br />

auf ihrem Weg durch das<br />

Rohrsystem möglichst<br />

verlustfrei bis in den<br />

jeweiligen Zieltank oder zur Abfüllanlage entleert werden. Bei<br />

Produktwechsel werden die Rohrleitungen mit einem CIP-Medium<br />

gereinigt, das wiederum komplett aus der Rohrleitung entfernt<br />

werden muss. Dazu setzt der Hersteller Molchtechnologie ein.<br />

Bei der Deodorant-Herstellung mischt der Kunde schwierig zu<br />

verarbeitende Komponenten wie Alkohol und Zink-Komplexe, die<br />

oft empfindlich, anhaftend und abrasiv sind. Gea baut deshalb<br />

das Rohstoffannahme- und Dosiersystem aus speziellen Elastomeren,<br />

die für Sterilisationsprozesse geeignet sind und aggressive<br />

Medien unter Atex-Explosionsschutzgesichtspunkten handhaben.<br />

www.gea.com<br />

Seit 1919<br />

Kammer- und Durchlauftypen<br />

mit gesteuerter Ab- und Umluft<br />

definierte Frischluftzufuhr<br />

sehr exakte Temperatur- und<br />

Feuchteführung<br />

Will & Hahnenstein GmbH<br />

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mit SPS-Steuerungen<br />

Temperaturbereich 0-500°C<br />

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Regalgestelle und<br />

Förderbahnen nach Wunsch<br />

Abluftwäscher mit neuem Magnetventil<br />

Die Fridurit Abluftwäscher<br />

sind für ihre hohen<br />

Wirkungsgrade und ihren<br />

umweltschonenden<br />

Betrieb bekannt. Ein<br />

neues Magnetventil soll<br />

nun eine höhere Verträglichkeit<br />

mit jeder Art Betriebswasser – ganz<br />

besonders mit entsalztem Wasser (VE-Wasser)<br />

bieten. Es setzt Wasserleitungen geringeren<br />

Druckschwankungen aus und arbeitet geräuscharm. Die Ventile<br />

regeln die Zufuhr des Betriebswassers für die Fridurit Abluftwäscher.<br />

Das Magnetventil ist aus Kunststoff gefertigt und besteht<br />

nur in einigen wasserführenden Teilen zusätzlich aus Edelstahl.<br />

Damit sind die neuen Ventile für jedes Betriebswasser tauglich,<br />

ohne höhere Kosten zu verursachen. Ein weiterer Vorzug ist, dass<br />

die neuen Ventile sogenannte Wasserschläge verhindern. Die<br />

neuen Magnetventile werden ab sofort in allen Fridurit Abluftwäschern<br />

standardmäßig verbaut. Ältere Geräte können mit den<br />

neuen Ventilen nachgerüstet werden. Mit bis zu 97 % erzielen die<br />

Fridurit Abluftwäscher besonders hohe Abscheidegrade säurehaltiger<br />

Luft. Die Geräte arbeiten dezentral, ressourcenschonend<br />

und wartungsfreundlich und können aufgrund ihrer kompakten<br />

Bauweise selbst unter engen Raumverhältnissen – etwa integriert<br />

in Laborabzügen – eingesetzt werden.<br />

www.friatec.de<br />

Schlagelemente steigern Durchsatz bei<br />

Mühlen<br />

Bis zu 20 % höherer Durchsatz, geringerer Temperatureintrag,<br />

unkompliziertes Nachrüsten – die neuen Schlagelemente<br />

„E3 Beater“ für die ACM-Sichtermühlen sollen die Kapazität<br />

erhöhen und den Energieverbrauch senken. Resultierend aus den<br />

Energieeinsparungen reduzieren sich die Produktionskosten auf<br />

ein Minimum. Durch die Geometrie der Schlagelemente verbessert<br />

sich die Effektivität der Zerkleinerungsprozesse doppelt:<br />

Neben der Beanspruchungsintensität<br />

optimiert sich auch<br />

die -häufigkeit. Die<br />

nach innen gerichtete<br />

Staupunktströmung,<br />

die als Leistungshemmnis<br />

wirkt,<br />

wurde minimiert.<br />

Dadurch wird eine<br />

optimale Energieausnutzung<br />

der Schlagelemente<br />

erzielt. Das<br />

Ergebnis: ein verringerter<br />

spezifischer<br />

Energieverbrauch. Ihren Einsatz finden die Schlagelemente vor<br />

allem im Bereich der Pulverlackvermahlung und der Mahlung<br />

zäher, schlecht mahlbarer Stoffe wie Wachse und Stearate. Der<br />

Austausch der alten durch eine neu bestückte Mahlscheibe ist laut<br />

Hersteller einfach und garantiert ein unkompliziertes Nachrüsten.<br />

Beim Wechsel der Mahlscheiben sind keine Veränderungen an<br />

weiteren Komponenten notwendig. So ist die Anlage innerhalb<br />

kürzester Zeit voll betriebsbereit.<br />

www.hosokawa-alpine.com<br />

<strong>12</strong> VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong><br />

WH.indd 1 05.11.<strong>2018</strong> 15:14:55


VERFAHREN UND ANLAGEN<br />

Moderne Anlagenintegration in der Rothaus-Brauerei<br />

Die Brauerei Rothaus wollte eine in die Jahre gekommene Abfüllanlage<br />

ersetzen, die mittelfristig die hohen Hygiene- und<br />

Qualitätsstandards der Brauerei nicht mehr garantieren konnte.<br />

Außerdem konnte sie das umfangreiche Mehrweg-Leergut<br />

anderer Hersteller nicht mit den eigenen hochproduktiven<br />

Steuerroutinen verarbeiten, ohne das hohe<br />

Effizienzziel der neuen Abfüllanlage zu<br />

gefährden.<br />

Das Gebo Cermex Team lieferte die Integrationsleistungen<br />

für die Einrichtung einer<br />

neuen Sortier- und einer neuen Abfüllanlage.<br />

In enger Zusammenarbeit mit dem Kunden<br />

gelang es dem Unternehmen, 30 verschiedene<br />

Maschinen von einem Dutzend<br />

unterschiedlicher Anbieter vollständig zu<br />

integrieren und eine neue Produktionslinie zu schaffen, die<br />

3 200 Kisten pro Stunde sortieren und bis zu 50 000 Flaschen pro<br />

Stunde füllen kann. Außerdem lieferte Gebo Cermex die Kronkorkenzuführungen,<br />

die Fördertechnikkomponenten und das<br />

Palettenmanagement innerhalb der Brauerei.<br />

Die Lösung von Gebo Cermex liefert Zuverlässigkeit<br />

und Effizienz, die vom Anteil der<br />

Fremdflaschen am Mehrweg-Leergut<br />

praktisch unabhängig ist. Das heißt, dass die<br />

Kisten im Durchschnitt bis zu 40 % und in der<br />

Spitze bis zu 80 % Flaschen anderer Hersteller<br />

enthalten können, ohne dass Probleme<br />

entstehen.<br />

www.gebocermex.com<br />

Flexibles<br />

Extrusionssystem<br />

Die Kautschukverarbeitung<br />

stellt Gummi- und Reifenhersteller<br />

vor große Herausforderungen.<br />

Gefordert ist ein<br />

Höchstmaß an Produktqualität<br />

bei gleichzeitiger Steigerung<br />

der Wirtschaftlichkeit. Unter<br />

diesem Gesichtspunkt bietet<br />

UTH mit Roll-ex 220 TRF ein<br />

Extrusionssystem an, um die<br />

Herstellung von Reifen-,<br />

Gummi- und Silikonprodukten<br />

zu optimieren. Die Maschine<br />

SAVETHE DATE<br />

9.-11.4.2019<br />

NURNBERG, GERMANY<br />

ist für einen Durchsatz von bis<br />

zu 2 500 kg/h ausgelegt.<br />

Auch bei häufigem Mischungswechsel<br />

sowie farbigem<br />

Material bieten sich Zahnradextruder<br />

an, da sie aufgrund<br />

ihrer patentierten Bauart<br />

schnell und gründlich<br />

gereinigt werden können. Das<br />

modulare System kann sowohl<br />

mit Zweiwalzen-Fütteraggregat<br />

(TRF) als auch Einschneckenextruder<br />

oder konischem<br />

Doppelschneckenextruder<br />

kombiniert werden. Die<br />

Durchsatzleistungen betragen<br />

bis zu 10 000 kg/h.<br />

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VERFAHRENSTECHNIK 4/<strong>2018</strong> 13


TOP-THEMA I TITEL<br />

Gute Luft für gutes Bier<br />

Brauerei bringt Druckluftversorgung mit ölfreien Kompressoren auf den neuesten Stand<br />

Als bei der Warsteiner Brauerei der<br />

Austausch mehrerer in die Jahre<br />

gekommener Kompressoren<br />

anstand, wurden gemeinsam zwei<br />

neue Konzepte für die Erzeugung<br />

der Betriebs- und der Steuerluft<br />

erarbeitet. Insgesamt fünf ölfrei<br />

verdichtende Schraubenkompressoren<br />

der neuesten<br />

Generation stellen heute eine<br />

hocheffiziente und verlässliche<br />

Druckluftversorgung sicher.<br />

Autorin: Stephanie Banse, freie Journalistin,<br />

Hamburg<br />

1753 gegründet, zählt die Warsteiner<br />

Brauerei Haus Cramer KG heute zu den<br />

größten Privatbrauereien Deutschlands.<br />

Der Weg vom Gerstenmalz zum Gerstensaft<br />

ist komplex. Diverse Prozesse müssen<br />

durchlaufen werden, und bevor das Bier im<br />

letzten Schritt in Flaschen oder Fässer abgefüllt<br />

wird, vergehen Wochen. Entlang des<br />

Brauprozesses erfüllt Druckluft diverse Aufgaben;<br />

sie kommt in zwei Qualitäten zum<br />

Einsatz. „Wir haben seit jeher zwei getrennte<br />

Netze für Steuerluft mit einem<br />

Überdruck von 8 bar und für Betriebsluft<br />

mit 6 bar“, erklärt Facility-Manager Julian<br />

Behr. „Erstere benötigen wir im Wesentlichen,<br />

um Antriebe und Ventile zu schalten.<br />

Für die Betriebsluft gibt es einen deutlich<br />

breiteren Anwendungsbereich. Die brauchen<br />

wir unter anderem, um Tanks auszublasen,<br />

zur Belüftung der Würze und zur<br />

Förderung des Trebers.“<br />

Während die Lastschwankungen im Bereich<br />

der Steuerluft überschaubar sind, ist<br />

der Bedarf an Betriebsluft komplett von der<br />

jeweiligen Produktionslage abhängig, was<br />

mit großen Bedarfsspitzen verbunden ist.<br />

Der Luftbedarf liegt bei bis zu <strong>12</strong>0 m³/min,<br />

die kurzfristigen Bedarfsschwankungen<br />

können bis zu 30 bis 40 m³/min betragen.<br />

„Dieser Punkt hat bei der Auslegung der<br />

neuen Druckluftversorgung eine große<br />

Rolle gespielt“, erklärt Behr. „Bereits vor fünf<br />

Jahren haben wir einen ersten drehzahlgeregelten<br />

Kompressor ins Betriebsluftnetz<br />

hineingenommen. Um die hohen Bedarfsschwankungen<br />

abfahren zu können, wurde<br />

jetzt noch ein zweiter ergänzt. Darüber<br />

hinaus arbeiten wir mit Pufferbehältern.“<br />

Historisch gewachsen<br />

Das Druckluftnetz bei Warsteiner ist mit der<br />

Brauerei stückweise gewachsen. Als das<br />

Unternehmen in den 70er-Jahren seine Produktion<br />

von der Stadtmitte auf die „grüne<br />

Wiese“ am Stadtrand verlegte, gab es<br />

zunächst nur eine Station im heutigen<br />

Maschinenhaus 1. Es folgte ein weiteres<br />

Maschinenhaus, das neben einer zweiten<br />

Druckluftstation auch andere Energieformen<br />

beherbergte. Vor den jüngsten<br />

Sanierungsmaßnamen, die 2015 begannen,<br />

verteilten sich insgesamt sechs Betriebsluftmaschinen<br />

und vier Steuerluftmaschinen<br />

auf beide Stationen.<br />

„Die älteste Anlage, die wir damals hatten,<br />

war von 1986, die jüngste von 1994“,<br />

beschreibt Behr die Situation. „Das heißt,<br />

die Kompressoren waren bereits 20 oder<br />

mehr Jahre alt. Da hätte bald eine zweite<br />

Generalüberholung angestanden.“ Hinzu<br />

kam, dass die Maschinen von ihrer Leistung<br />

her zu groß ausgelegt waren, um den<br />

schwankenden Bedarf effizient zu bedienen<br />

14 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


TITEL I TOP-THEMA<br />

01 Die ölfrei verdichtenden Schraubenkompressoren ZT 75 und<br />

ZT 132 VSD stellen Steuerluft bereit, ihr Zusammenspiel wird von einer<br />

übergeordneten Steuerung effizient geregelt<br />

02 Drei ölfrei verdichtende Schraubenkompressoren sorgen für die<br />

Produktion von Betriebsluft, zwei Kältetrockner stellen den<br />

gewünschten Drucktaupunkt sicher<br />

und auszuregeln. Daraus ergaben sich hohe<br />

Leerlaufzeiten und ein insgesamt ineffizientes<br />

Laufverhalten. „Ziel unseres Projektes<br />

war es, die Druckluftversorgung auf moderne<br />

energieeffiziente Kompressoren umzustellen<br />

und dabei mit kleineren Maschinen<br />

eine feinere Staffelung zu erreichen“,<br />

erklärt Behr „Zudem sollten weitere Maschinen<br />

mit variabler Drehzahl eine bedarfsgerechte<br />

Erzeugung sicherstellen.“<br />

Mithilfe der übergeordneten Steuerung<br />

für die damalige Druckluftversorgung ermittelte<br />

Behrs Team dann zunächst die Bedarfe<br />

und Schwankungen und erstellte auf<br />

dieser Basis ein Konzept für die aktuelle<br />

Druckluftversorgung. „Zu einem relativ<br />

späten Zeitpunkt der Planung kam dann die<br />

Frage auf, wo die Maschinen positioniert<br />

werden sollen“, erinnert sich der Facility-<br />

Manager. „Da wir auf jeden Fall die Abwärme<br />

der Kompressoren nutzen wollten,<br />

haben wir einen Ort gesucht, wo es Abnehmer<br />

gibt.“ So ist in einer Versandhalle noch<br />

eine weitere Station entstanden, die in der<br />

kalten Jahreszeit die Heizung unterstützt.<br />

Zwei Netze, drei Stationen<br />

Heute werden die Netze für Betriebs- und<br />

Steuerluft von insgesamt drei Druckluftstationen<br />

versorgt. Im Maschinenhaus 1 ist<br />

eine komplett neue Station entstanden.<br />

Hier stellen ölfrei verdichtende Schraubenkompressoren<br />

der Typen ZT 75 und<br />

ZT 132 VSD (VSD steht für Variable Speed<br />

Drive beziehungsweise Drehzahlregelung)<br />

von Atlas Copco die Steuerluft bereit. Von<br />

der alten Station ist lediglich der über<br />

30 Jahre alte ölfrei verdichtende ZR3 übrig<br />

geblieben, der bei Bedarf noch als Reserve<br />

für die Betriebsluft genutzt werden kann.<br />

Die Station im Maschinenhaus 2 blieb<br />

unverändert. Von hier aus speist ein drehzahlgeregelter<br />

Fremdkompressor ins Betriebsluftnetz.<br />

Ein weiterer Reserve-ZR3<br />

dient als absolute Sicherheit für die Steuerluft.<br />

Die neue Station 3 beherbergt drei<br />

ölfrei verdichtende Schrauben für die<br />

Produktion von Betriebsluft: einen ZT 160,<br />

einen ZT 160 VSD und einen ZT 145 FF. Bei<br />

der FF-Version (Full Feature) sind ab Werk<br />

bereits Adsorptionstrockner, Druckluftfilter,<br />

Kondensatableiter und -trenner im Kompressorgehäuse<br />

integriert. Bedarfsgerecht<br />

geregelt wird die Betriebslufterzeugung<br />

von einer übergeordneten<br />

Steuerung.<br />

„Im Bereich Betriebsluft bedienen<br />

die Maschinen mit fester Drehzahl<br />

die Grundlast“, beschreibt Behr<br />

das Zusammenspiel. „Die Schwankungen<br />

werden von den beiden<br />

VSD-Maschinen ausgeglichen. Im<br />

Regelfall laufen zwei Maschinen mit<br />

fester Drehzahl und eine VSD-Maschine.“<br />

Eine zweite übergeordnete<br />

Steuerung regelt die beiden neuen<br />

Steuerluftkompressoren. Um die Versorgungssicherheit<br />

zu jeder Zeit zu gewährleisten,<br />

fungiert der ZT 145 FF aus Station 3 als<br />

Redundanzmaschine. „Die kann in beide<br />

Netze speisen und wird bei Bedarf über<br />

einen Druckumschalter vom Betriebsluftnetz,<br />

wo sie normalerweise mitläuft, an das<br />

Steuerluftnetz übergeben“, erläutert Behr.<br />

Hauptsache ölfrei<br />

Ziel unseres Projektes war es,<br />

die Druckluftversorgung<br />

auf moderne energieeffiziente<br />

Kompressoren umzustellen<br />

und dabei mit kleineren<br />

Maschinen eine feinere<br />

Staffelung zu erreichen.<br />

Julian Behr, Facility-Manager,<br />

Warsteiner Brauerei<br />

Ein wesentlicher Punkt bei der Auswahl der<br />

Kompressoren war ihr absolut ölfreier Betrieb<br />

– ein Kriterium, das Atlas Copco mit<br />

den Maschinen aus der Z-Serie sicher erfüllen<br />

kann. Die zweite Anforderung an die<br />

Druckluftqualität ist ihr Taupunkt. Dieser<br />

wird bei der Betriebsluft mittels Kältetrockner,<br />

bei der Steuerluft mittels Adsorptionstrockner<br />

sichergestellt. Nachgeschaltete<br />

DD-Partikelfilter sorgen in beiden Netzen<br />

für einen Restpartikelgehalt gemäß Klasse 2,<br />

DIN 8573.<br />

Aufgrund ihrer absolut ölfreien Verdichtung<br />

und des ebenso zuverlässigen wie effizienten<br />

Betriebs konnten die ZT-Kompressoren<br />

gegenüber dem Wettbewerb durchsetzen.<br />

Heute läuft die Druckluftanlage zu<br />

Behrs vollster Zufriedenheit. Auch für die<br />

neuen Kompressoren hat Warsteiner wieder<br />

einen Wartungsvertrag mit Atlas Copco<br />

abgeschlossen. Inzwischen werden die notwendigen<br />

Intervalle aber von Smartlink,<br />

dem Datenüberwachungssystem von Atlas<br />

Copco, ermittelt. „Wir haben die Software<br />

in der Basisversion“, berichtet Behr. „Wenn<br />

Wartungen anstehen, bekomme ich eine<br />

E-Mail. Ich muss also keine Betriebsstunden<br />

mehr notieren.“<br />

Jeder Einspeisepunkt besitzt zudem eine<br />

eigene Verbrauchsmessung. „Diese Messung<br />

wird über Impulse aufgenommen und<br />

geht in eine übergeordnete Datenbank, wo<br />

wir alle Verbräuche in der Brauerei sammeln“,<br />

erläutert Behr. „Außerdem messen<br />

wir kontinuierlich die Volumenströme und<br />

tragen die Ergebnisse einmal monatlich<br />

ebenfalls in die Datenbank ein. Daraus<br />

generieren wir dann unsere Kennzahlen,<br />

denn für unser Energiemanagementsystem<br />

nach ISO 50001 müssen wir zeigen, dass<br />

wir die Werkzeuge für ein Verbrauchs­<br />

Monitoring haben.“<br />

Fotos: Atlas Copco, Warsteiner Brauerei<br />

www.atlascopco.com<br />

VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 15


TOP-THEMA I DRUCKLUFTTECHNIK<br />

Nur beste Qualität in der Flasche<br />

Saubere Druckluft für die Getränkeproduktion<br />

Beim Christinen-Brunnen in<br />

Bielefeld sorgen zwei trocken<br />

verdichtende Schraubenkompressoren<br />

im Verbund mit zwei Kältetrocknern<br />

und diversen Filtern für lebensmittelreine<br />

Arbeits- und Steuerluft zum<br />

Aufbereiten, Mischen und Abfüllen<br />

des Mineral-Quellwassers.<br />

Natürlich so energieeffizient und<br />

zuverlässig wie möglich.<br />

Autorin: Daniela Koehler, Pressesprecherin,<br />

Kaeser Kompressoren SE, Coburg<br />

In vielen industriellen Anwendungen<br />

ist es wichtig, dass die eingesetzte<br />

Druckluft möglichst sauber ist. So auch<br />

in der Getränkeindustrie: 1895 gründete<br />

Franz Bunte in Gütersloh einen Getränkehandel,<br />

der rasch wuchs und bald zu einer<br />

bekannten Adresse in Ostwestfalen wurde.<br />

Heute gehört u. a. die Marke „Christinen“<br />

zum Portfolio – eines der bekanntesten<br />

deutschen Mineralwässer, das auch europaweit<br />

sehr erfolgreich ist.<br />

Als Energieträger und Steuermedium ist<br />

Druckluft im Abfüllbetrieb der Getränkeproduktion<br />

allgegenwärtig – wobei in dieser speziellen<br />

Arbeitsumgebung natürlich spezielle<br />

Anforderungen an ihre Reinheit gelten. Hinzu<br />

kommt die Nutzung als Basisluft für die<br />

Nachverdichter der beiden PET-Behälterfertigungslinien.<br />

Als es daher vor kurzem darum<br />

ging, die Druckluftversorgung grundlegend<br />

zu erneuern, stand von vornherein fest:<br />

Die neuen Schraubenkompressoren mussten<br />

trocken verdichten. Und die Druckluftaufbereitung<br />

muss die erforderliche Druckluftqualität<br />

zuverlässig sicherstellen.<br />

01<br />

16 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


DRUCKLUFTTECHNIK I TOP-THEMA<br />

Analyse ist wichtig<br />

Häufig wird in Druckluftstationen mehr<br />

Druckluft erzeugt, als tatsächlich abgenommen<br />

wird, da die Endverbraucher ein<br />

unterschiedliches Nutzungsverhalten an<br />

den Tag legen. Erzeugung und Verbrauch<br />

stimmen mitunter nicht immer überein.<br />

Es empfiehlt sich daher, zunächst eine<br />

Analyse des tatsächlichen Bedarfs vorzunehmen<br />

und anschließend das Druckluftsystem<br />

entsprechend der ermittelten Daten<br />

zu konzipieren.<br />

In die Kompressoren integrierte Kontrollund<br />

Regelgeräte ermöglichen die Auswahl<br />

zwischen bis zu fünf Steuerungsmodi. Diese<br />

sorgen dafür, dass Leerlauf- und Schaltverluste<br />

minimiert werden – abhängig davon,<br />

ob ein Kompressor zur Deckung der Grundoder<br />

Spitzenlast eingesetzt wird.<br />

Bei großen Druckluftstationen tragen darüber<br />

hinaus maschinenübergreifende<br />

Steuerungen mit Managementfunktion dazu<br />

bei, dass die einzelnen Kompressoren<br />

02<br />

optimal zusammenspielen und ideal an den<br />

Druckluftverbrauch angepasst arbeiten.<br />

Zusätzlich stehen inzwischen auch trockenverdichtende<br />

Schraubenkompressoren<br />

mit Drehzahlregelung über einen Frequenzumrichter<br />

zur Verfügung. Werden<br />

diese Anlagen im Verbund mit Kompressoren<br />

mit konstanter Drehzahl betrieben, sind<br />

Energieeinsparungen von bis zu 25 % und<br />

mehr erreichbar.<br />

Aus acht macht zwei<br />

Die von den Druckluftfachleuten vorgenommene<br />

Analyse der Druckluft-Auslastung<br />

(ADA) und deren Auswertung mit der<br />

Kess-Software (Kess = Kaeser Energie-<br />

Spar-System) ergab als optimale Anlagen-<br />

Konstellation für Christinen-Brunnen zwei<br />

luftgekühlte, trocken verdichtende Schraubenkompressoren<br />

der Baureihe CSG 130-2<br />

SFC (7,5 bar) mit zweistufigem Schraubenkompressorblock.<br />

Jeder Kompressor liefert<br />

einem Secotec-Energiespar-Kältetrockner<br />

Der Aufwand für Wartung und Instandhaltung<br />

ist um 75 % gesunken<br />

des Typs TF 173 zu, bevor die getrocknete<br />

Druckluft in einem Mikrofilter FE-177 D gereinigt<br />

und ins Netz entlassen wird.<br />

Betriebsleiter Peter Wohlberg ist die Zufriedenheit<br />

mit der neuen Druckluftversorgung<br />

förmlich anzusehen. So richtig ins<br />

Schwärmen kommt er allerdings, wenn er<br />

sich für die Effizienz der Anlagen begeistert.<br />

Schließlich erledigen mittlerweile lediglich<br />

zwei Kompressoren das, wofür in der vorherigen<br />

Installation acht Anlagen eines<br />

anderen Anbieters erforderlich waren. Das<br />

bedeute nicht nur Einsparungen beim<br />

Energieverbrauch zum Erzeugen und Aufbereiten<br />

der Druckluft, sondern auch der<br />

Aufwand für Wartung und Instandhaltung<br />

ist um 75 % weniger geworden.<br />

Hinzu kommt der Wegfall der Kosten für<br />

Bereitstellung und Betrieb der Kühlmittelversorgung<br />

für die wassergekühlten Altanlagen:<br />

Die Kaeser-Kompressoren sind luftgekühlt<br />

und brauchen keine aufwändigen zusätzlichen<br />

Installationen. Zudem lässt sich<br />

die in den Kühlern erwärmte Abluft praktisch<br />

ein zweites Mal verwenden. Sie wird für<br />

die Beheizung der an die Kompressorstation<br />

angrenzenden Werkhallen genutzt. Das<br />

senkt die Aufwendungen für Heizkosten.<br />

Peter Wohlberg ist sicher, dass sich die<br />

Druckluftversorgung in deutlich unter zwei<br />

Jahren amortisiert haben wird.<br />

Fotos: Kaeser<br />

www.kaeser.com<br />

01 Die übergeordnete Steuerung ist ein<br />

Druckluft-Managementsystem, mit dem sich<br />

die einzelnen Komponenten einer Druckluftstation<br />

überwachen und optimal aufeinander<br />

abstimmen lassen<br />

02 Dafür, dass die Druckluft beste Qualität<br />

hat, sorgt eine hochmoderne Druckluftanlage<br />

mit trockenverdichtenden Schraubenkompressoren,<br />

Secotec Energiespartrockner<br />

und entsprechendem Filter<br />

VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 17


SUMMER OF ENGINEERING<br />

ZU GAST<br />

BEI AERZEN<br />

AERZEN HAT ES IN SICH<br />

SUMMER OF ENGINEERING<br />

Kennen Sie Aerzen? Aerzen<br />

ist eine Kleinstadt in<br />

Niedersachsen mit ca.<br />

8 000 Einwohnern. Aber<br />

Aerzen ist auch ein<br />

erfolgreiches Familienunternehmen,<br />

das<br />

innovative Lösungen für<br />

die Komprimierung von<br />

Gasen anbietet und seit<br />

mehr als 150 Jahren für<br />

höchste Qualitätsansprüche<br />

steht.<br />

Die Fahrt nach Aerzen hat sich gelohnt: Das lag aber nicht an dem eher unspektakulären<br />

„Flecken“ Aerzen, der sich im Landkreis Hameln-Pyrmont im südlichen Niedersachsen<br />

befindet, sondern an der Aerzener Maschinenfabrik, die wir auf unserer<br />

SUMMER of ENGINEERING-Tour besucht haben. Der Hersteller von Maschinen<br />

zur Förderung und Verdichtung von Gasen kann auf mehr als 150 Jahre Firmengeschichte<br />

zurückblicken. An innovativen Ideen und begeisterten Mitarbeitern mangelt es dem in<br />

vierter Generation geführten Familienunternehmen nicht. Davon konnten wir uns bei<br />

dem Rundgang durch zahlreiche Produktionshallen und in den Gesprächen mit Klaus-<br />

Hasso Heller, Stephan Brand, Markus Leidinger und Sebastian Meißler überzeugen.<br />

Besonders beeindruckend ist die Halle, in der die Großgebläse für die Stahlindustrie<br />

montiert werden – die kommen von den Dimensionen her locker an einen Kleinwagen heran.<br />

Marketingreferent Sebastian Meißler erläutert: „Wir bauen hier in Aerzen das weltweit<br />

größte Drehkolbengebläse mit einem Fördervolumen von 100 000 m 3 /h, das z. B. in der<br />

Stahlerzeugung eingesetzt wird. Die Maschine hat ein Gewicht von ca. 30 t sowie eine Antriebsleistung<br />

von 1,5 MW und ist trotzdem ein absolutes Präzisionsgebläse.“<br />

Innovativ ist Aerzen seit 150 Jahren – bereits 1868 wurde das erste Drehkolbengebläse<br />

Europas entwickelt. Weitere Meilensteine folgten 1911 mit dem Turbogebläse, 1943 mit<br />

dem Schraubenverdichter, 1987 mit den dreiflügeligen Gebläsen, 2010 mit dem weltweit<br />

ersten Drehkolbenverdichter und <strong>2018</strong> mit dem neuen Turbogebläse G5.<br />

Autorinnen: Dipl.-Geogr. Martina Laun, Redakteurin DER BETRIEBSLEITER, Dipl.-Ing. (FH) Eva Linder,<br />

Chefredakteurin VERFAHRENSTECHNIK und wlb UMWELTTECHNIK, Vereinigte Fachverlage GmbH, Mainz<br />

18 VERFAHRENSTECHNIK SUMMER of ENGINEERING <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 2017


SUMMERof <strong>2018</strong><br />

ENGINEERING<br />

INDIVIDUELLE LÖSUNGEN<br />

Beim Rundgang fällt uns auf – viele Maschinen sind für Aerzen-Kunden<br />

maßgeschneidert und keine Lösung von der Stange. Dazu Marketingleiter<br />

Stephan Brand: „Wir stellen das Kundeninteresse in den<br />

Mittelpunkt und sind im ständigen Dialog mit Planern, Anlagenbauern<br />

und Betreibern, um die wirtschaftlichste und langfristig<br />

zukunftsorientierteste Prozessluftlösung zu finden. Deshalb haben<br />

wir auch die Kampagne ‚Let’s talk‘ ins Leben gerufen.“<br />

Da die Gebläse und Verdichter in den unterschiedlichsten Branchen<br />

zum Einsatz kommen, ist die individuelle Lösung erst recht<br />

entscheidend. „Gase müssen überall verdichtet oder gefördert werden,<br />

und trotzdem hat jeder Anwender ganz spezielle Anforderungen“,<br />

ergänzt Brand. „In der Abwassertechnik geht es um den Sauerstoffeintrag<br />

in Kläranlagen, bei Schüttgütern reden wir über den pneumatischen<br />

Transport – das kann u. a. in der Zement-, aber auch in<br />

der Lebensmitteltechnik sein.“<br />

Beim Gang durch die Hallen entdecken wir noch Maschinen für die<br />

Chemie-, Vakuum-, Kälte-, Druckluft- und <strong>Verfahrenstechnik</strong>. Aber<br />

auch Aggregate, die zur Produktion von Flachbildschirmen und Solarzellen<br />

oder für die Schifffahrt und als Jetstarter für Flugzeugturbinen<br />

eingesetzt werden, stehen zur Auslieferung an den Kunden bereit.<br />

INVESTITIONEN IN DIE ZUKUNFT<br />

An Mut zur Weiterentwicklung mangelte es der Firma Aerzen noch<br />

nie: 2014 wurden die kompletten Strukturen neu aufgestellt, um<br />

den hohen Ansprüchen an Qualität und Liefertreue weiterhin gerecht<br />

werden zu können. Geschäftsführer Klaus-Hasso Heller ist<br />

Treiber der Lean Transformation und legt sein Augenmerk besonders<br />

auf die Modernisierung des Standorts Aerzen. Bereits in seinem<br />

ersten Jahr an der Spitze des Unternehmens entstanden auf<br />

dem Werksgelände eine neue Lagerhalle sowie eine Montage- und<br />

Aufbauhalle. 2008 wurde mit der Halle 21 ein neues Produktionscenter<br />

eingeweiht. Ausgestattet mit neuesten Bearbeitungsanlagen<br />

können die Standardmaschinen dort komplett hergestellt<br />

werden: von der Anlieferung des Rohmaterials bis zur Endmontage<br />

der Gebläse inklusive Prüfstandslauf, Lackierung und Verpackung.<br />

01 Für den Geschäftsführenden<br />

Gesellschafter<br />

Klaus-Hasso Heller liegt der<br />

Erfolg der Firma Aerzen vor<br />

allem am Engagement und<br />

in der Unterstützung<br />

fähiger und begeisterter<br />

Mitarbeiter<br />

02 Für Marketingleiter<br />

Stephan Brand steht das<br />

Kundeninteresse im<br />

Mittelpunkt<br />

DIE VORTEILE DES NEUEN<br />

TURBOGEBLÄSES TURBO G5PLUS<br />

n Erhöhung der Energieeffizienz um bis zu 10 % gegenüber<br />

konventioneller Turbotechnologie<br />

n verlängerte Lagerlebensdauer dank innovativer Luftlagerung<br />

mit Doppelbeschichtung, höchste Zuverlässigkeit<br />

auch bei extremen Betriebsbedingungen<br />

n 100 Prozent ölfrei<br />

n geringster Wartungsaufwand, nur der Filter muss<br />

regelmäßig gewechselt werden<br />

n erweiterte Einsatzmöglichkeiten bei Umgebungstemperaturen<br />

bis 50 °C<br />

n aktiver Pumpschutz durch automatische Drehzahlerhöhung<br />

n platzsparendes Design<br />

03 Marketingreferent Sebastian Meißler (Mitte) führt uns durch<br />

die zahlreichen Produktionshallen des Familienunternehmens<br />

Aber auch in allen anderen Produktionshallen stehen riesige CNC-<br />

Maschinen, auf denen Teile gedreht, geschliffen, gefräst und gebohrt<br />

werden. Über 50 verschiedenen Werkzeuge können an den<br />

Maschinen angebracht werden – nur so lässt sich das große Produktprogramm<br />

realisieren. Am Standort in Aerzen werden 2- und<br />

3-flügelige Drehkolbengebläse, Drehkolbenverdichter und Schraubenverdichter<br />

produziert, Turbogebläse stellt die Tochter Aerzen<br />

Turbo Europe in Rinteln her. Beim Drehkolbenverdichter Delta<br />

Hybrid kommt Stephan Brand ins Schwärmen: „Der Delta Hybrid<br />

ist eine ganz besondere Entwicklung – das ist eine Synthese aus<br />

SUMMER VERFAHRENSTECHNIK of ENGINEERING <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 2017 19


04 In der komplett autarken Halle 21 werden Standardmaschinen<br />

hergestellt<br />

05 Über 50 verschiedene Werkzeuge können an den<br />

CNC-Maschinen angebracht werden – nur so lässt sich das<br />

große Produktprogramm realisieren<br />

SUMMER OF ENGINEERING<br />

Gebläse und Verdichter mit einer außergewöhnlichen Energieeffizienz.“<br />

Seit seiner Markteinführung 2010 wird der innovative<br />

Drehkolbenverdichter im neuen Produktionscenter gefertigt.<br />

ABWASSERTECHNIK IM FOKUS<br />

Dass in diesem Jahr besonders viele Innovationen im Bereich Abwassertechnik<br />

auf den Markt kamen, liegt an der Tatsache, dass bei<br />

den Kläranlagenbetreibern das Thema Energieeffizienz auf der<br />

Agenda ganz oben steht. Besonders stolz wird uns das neue Turbogebläse<br />

G5plus präsentiert, das kleiner, effizienter und einfach besser<br />

sein soll. Und auch das Thema Digitalisierung spielt hier eine sehr<br />

große Rolle. Abwasserspezialist Markus Leidinger erklärt: „Auf dem<br />

Weg zu Wasser 4.0 begleiten wir die Kläranlagenbetreiber mit dem<br />

ganzheitlichen Konzept Aerwater, das Lösungen zur Digitalisierung,<br />

Automatisierung und Ressourceneffizienz umfasst.“ (s. Interview)<br />

NATIONAL UND INTERNATIONAL<br />

20 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong><br />

Nach dem beeindruckenden Rundgang fragen wir uns, was das Erfolgsrezept<br />

der Firma Aerzen ist, die sich im Gegensatz zum doch<br />

eher verschlafenen Städtchen Aerzen sehr agil und kreativ präsentiert.<br />

Stephan Brand klärt uns auf: „Wir haben uns schon früh auf<br />

Gebläse- und Verdichtertechnik spezialisiert und setzen kontinuierlich<br />

auf Innovation, Qualität und eine Weiterentwicklung unserer<br />

Produkte. Als Familienunternehmen haben wir kurze Entscheidungswege,<br />

hier wird Kreativität gefördert und Gestaltungsspielraum<br />

angeboten. Die Gruppe Aerzen mit 50 Tochtergesellschaften<br />

und insgesamt rund 2 200 Mitarbeitern weltweit beweist, dass man<br />

als deutscher Mittelständler auch international sehr erfolgreich<br />

sein kann.“<br />

Der Geschäftsführende Gesellschafter Klaus-Hasso Heller sieht<br />

den Erfolg der Firma Aerzen in den hohen Qualitätsstandards, einer<br />

tief verankerten Innovationskultur, einer konsequenten Kundenorientierung<br />

in allen Unternehmensbereichen und vor allem im<br />

Engagement und in der Unterstützung fähiger und begeisterter<br />

Mitarbeiter.<br />

Fotos: Aerzen, Martina Laun, Holger Seybold<br />

www.aerzen.com<br />

WAS STECKT HINTER SUMMER OF ENGINEERING?<br />

Im Sommer <strong>2018</strong> gingen unsere Redakteure bereits im dritten<br />

Jahr auf multimediale Deutschland-Tour. Diesmal drehte sich<br />

alles um „Innovation Excellence“, also Unternehmen, die von<br />

uns wegen ihrer besonderen Fähigkeiten ausgewählt wurden.<br />

Eine Station dieser Roadshow führte uns zu Aerzen in Aerzen.<br />

VIDEO<br />

www.summer-of-engineering.de/aerzen_<strong>2018</strong><br />

Sie möchten mehr über unsere Tour erfahren? Spannendes<br />

finden Sie auf unserem Blog:<br />

www.summer-of-engineering.de<br />

Warum das Unternehmen<br />

Aerzen so<br />

erfolgreich ist, erfahren<br />

Sie in unserer Video-<br />

Reportage:<br />

SUMMERof <strong>2018</strong><br />

ENGINEERING


06 Abwasserspezialist Markus Leidinger begleitet<br />

die Kunden gerne auf dem Weg zu Wasser 4.0<br />

MIT SIEBEN BAUSTEINEN ZU<br />

WASSER 4.0<br />

Was kann Aerzen<br />

Klär anlagenbetreibern<br />

anbieten, um ihre Anlagen<br />

zukunftsfit zu machen?<br />

Hier kommt das Aerzen-Performance³-Konzept ins<br />

Spiel. Dahinter verbirgt sich nicht nur unser Produktportfolio<br />

Drehkolbengebläse Delta Blower, Drehkolbenverdichter<br />

Delta Hybrid und Turbo gebläse Aerzen<br />

Turbo, sondern vielmehr die indi viduelle Lösung<br />

und das mögliche Zusammenspiel der Technologien.<br />

Denn jede Technologie hat Stärken, gleichzeitig aber<br />

auch physikalische Grenzen. Auf der Suche nach der<br />

effizientesten Lösung gilt es, die Möglichkeiten der<br />

Maschinentechnologien auf die individuellen Anforderungen<br />

der jeweiligen Anlage zu konfigurieren.<br />

Wurden in der Vergangenheit vielfach nur Gebläse<br />

Ein gutes Beispiel für ein gelungenes Abwasserprojekt:<br />

In der Kläranlage Aachen-Soers wurden<br />

zehn Turboverdichter durch 17 energiee ffiziente<br />

Drehkolbenverdichter ersetzt<br />

einer Baugröße installiert, so findet heute häufig ein Mix aus unterschiedlichen Baugrößen oder gar Technologien<br />

statt. Einsparungen von bis zu 30 % sind möglich. Das Performance³-Konzept erlaubt damit<br />

maßgeschneiderte Lösungen basierend auf den Technologien Blower, Hybrid und Turbo.<br />

Was bieten Sie über<br />

die Maschinentechnik<br />

hinaus an?<br />

Die Aerzener Maschinenfabrik ist Mitglied im German Water Partnerchip, einer Institution des Bundeswirtschafts-<br />

und Bundesumweltministeriums. Dort gibt es das Fachgremium Wasser 4.0, das die Digitalisierung<br />

und Automatisierung in den Mittelpunkt einer Strategie für eine ressourceneffiziente, flexible<br />

und wettbewerbsfähige Wasserwirtschaft stellt. Um hier richtungsweisend mit dabei zu sein, haben wir<br />

bei Aerzen unter der Bezeichnung AERwater sieben Bausteine für einen ganzheitlichen Lösungsansatz<br />

konzipiert, um den Kunden zu Wasser 4.0 zu führen.<br />

Können Sie mehr zu den<br />

sieben Bausteinen sagen?<br />

Aus Erfahrung wissen wir, dass die Anlagenbetreiber die Leistungsdaten ihrer Kläranlage oft gar nicht<br />

kennen. Daher haben wir als ersten Baustein das AERaudit entwickelt, ein Messsystem, das mithilfe<br />

von Sensoren Volumenstrom, Temperatur, Druck sowie die Leistungswerte der Maschine ermittelt. Ein<br />

Daten-Logger wertet die Daten aus, und so können wir genau feststellen, wie es aktuell in der Anlage<br />

aussieht. Im zweiten Schritt, der Performance³-Auslegung, analysieren wir die Anlage und legen dann<br />

mit unseren drei Maschinentechnologien Tubro/Hybrid/Blower die passende Maschinenkombination<br />

fest, sodass der Kunde schließlich eine maßgechneiderte Technik für seine Anwendung erhält. Aber wir<br />

schauen mehr als nur die Maschinentechnik an: Ein weiterer Baustein unseres Angebotsspektrums ist<br />

daher die Maschinenraumoptimierung. Wir unterstützen bei Raumbelüftungs- und Schallkonzepten,<br />

Rohrleitungauslegung sowie Wärmerückgewinnung. Ein anderer wichtiger Aspekt, bei dem wir helfend<br />

zur Seite stehen, ist die Finanzierung und Unterstützung bei Anträgen für staatliche Subventionen.<br />

Als nächsten Baustein von AERwater bieten wir schließlich Unterstützung bei Rückbau und Inbetriebnahmen<br />

und stellen bei Bedarf Mietmaschinen bereit. Der folgende Baustein ist dann die „Champions-League“:<br />

AERsmart – die übergeordnete Maschinensteuerung zur Energieoptimierung, Vernetzung<br />

und Datenanalyse. Die intelligente Steuerung erkennt, welche Maschinen installiert sind und entscheidet<br />

für jeden einzelnen Betriebspunkt, welche Maschine oder welche Maschinenkombination optimal in<br />

Bezug auf Energieeffizienz ist. Zudem ist sie auch die Basis für den Nachweis der energetischen Optimierungen,<br />

der nötig ist, um staatliche Fördermittel zu erhalten. Am Ende des AERwater-7-Punkte-Plans<br />

steht dann Service 4.0, d. h. Ersatzteil- und Servicemanagement. z<br />

VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 21


TOP-THEMA I DRUCKLUFTTECHNIK<br />

Produkterweiterung bei<br />

Drehkolbengebläsen<br />

Die breit aufgestellte Aggregatserie der Aerzener Maschinenfabrik<br />

ist um die Ansaugvolumenströme von 6 600 und 7 800 m 3 /h<br />

erweitert worden. Mit den neuen Baugruppen innerhalb der Delta<br />

Blower Generation 5 werden die bisher größeren Volumensprünge<br />

von 5 400 und 9 000 m 3 /min noch differenzierter geclustert<br />

bei einer Nennweite von DN250 und in allen Ausführungen<br />

bis zu einem Druckbereich von 1 000 mbar.<br />

Der Volumenstrombereich der verschiedenen Baugruppen reicht<br />

von 30 bis 15 000 m 3 /h, der Regelbereich reicht von 25 bis 100 %,<br />

wobei Nennweiten von DN50 bis DN400 abgedeckt werden.<br />

Gemäß dem Aerzen-Versprechen „100 % clean“ garantieren alle<br />

Delta-Blower-Aggregate Produktreinheit/Prozessluftreinheit,<br />

denn das Unternehmen verzichtet auf Absorptionsmaterial bei<br />

der Schalldämpfung. Der Grundträger fungiert als Druckschalldämpfer,<br />

bei dem der Schall durch Luftumlenkung<br />

reduziert wird. Vorteil: Dadurch entsteht<br />

kein Verschleiß, der das nachgeschaltete<br />

System verunreinigen könnte. Die<br />

ölfreie Förderung gemäß Klasse 0<br />

garantiert eine absolute Reinheit in<br />

der Erzeugung von Prozessluft,<br />

sodass auch sensible Produktionsbedingungen<br />

100-prozentig sicher<br />

bedient werden können.<br />

www.aerzen.com<br />

E-Learning-Kurs zur Drucklufttechnik<br />

Ein Druckluftspezialist, der Lösungen und Konzepte für eine<br />

passende Aufbereitung und Überwachung des Mediums<br />

Druckluft in verschiedensten industriellen Prozessen entwickelt,<br />

bietet Fortbildungen in Form von E-Learning-Kursen und<br />

Präsenz-Trainings an. Im E-Learning-Kurs wird der Lerninhalt in<br />

acht Modulen – angefangen bei der Drucklufterzeugung im<br />

Kompressor über die Aufbereitung durch Filtration und<br />

Trocknung bis hin zum Thema Kondensataufbereitung und<br />

Energieeffizienz – anhand zahlreicher Beispiele anschaulich<br />

vermittelt. Die neue Version ist auf jedem Endgerät und in den<br />

gängigen Browsern nutzbar. Über https://www.beko-technologies.<br />

com/de/de/know-how/training/druckluft-basics/ können Interessierte<br />

am kostenlosen E-Learning-Kurs teilnehmen.<br />

www.beko-technologies.com<br />

Ölfreie und ölgeschmierte Verdichter<br />

Ölfreie Gasförderung<br />

mit System<br />

RKR Gebläse und VerdichterGmbH<br />

Braasstraße 1•31737 Rinteln<br />

Tel.+49 (0) 5751 4004-0<br />

info@RKR.de •www.RKR.de<br />

Die Verdichter von Sauer Compressors sind seit vielen Jahren<br />

in der Prozessindustrie bewährt. Auf der Achema zeigte der<br />

Hersteller sein umfassendes Portfolio, bestehend aus ölgeschmierten<br />

Sauer Kompressoren sowie den ölfreien Verdichtern<br />

von Haug Sauer.<br />

Der Haug.Sirius HP 450 ist der erste Kompressor, der das langjährige<br />

Sauer Know-how im Hochdruckbereich und die Kompetenz<br />

von Haug Sauer in der Herstellung ölfreier trockenlaufender<br />

Verdichter vereint. Das Resultat ist ein leistungsstarker Hochdruckkompressor,<br />

der vollständig auf Öl verzichtet und maximale<br />

Gasreinheit ermöglicht. Der hermetisch gasdichte Aufbau<br />

erlaubt besonders niedrige Leckraten bei der vierstufigen<br />

Verdichtung nahezu jeden Gases. Die Verdichtung erfolgt mit<br />

einem Ansaugdruck von 5 bar.g. Der Kompressor erzeugt einen<br />

Volumenstrom von 60 Nm³/h bei einem Enddruck von 450 bar.g.<br />

Die Modellreihe Haug.Pluto ist für die Rückgewinnung und<br />

Nachverdichtung von Gasen wie Helium, SF 6<br />

, Sauerstoff und<br />

Stickstoff geeignet. Die ölfreien Verdichter stehen seit jeher für<br />

Prozessreinheit und<br />

-sicherheit. Selbst in<br />

Anwendungen mit<br />

langen Stillstandzeiten,<br />

häufigen Unterbrechungen<br />

und Kaltstarts<br />

bestechen die Kompressoren<br />

durch einen<br />

verlässlichen Betrieb.<br />

Ihre robusten<br />

Komponenten erlauben<br />

besonders lange<br />

Standzeiten.<br />

www.sauercompressors.com<br />

22 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong><br />

RKR.indd 1 09.10.<strong>2018</strong> 15:55:53


DRUCKLUFTTECHNIK I TOP-THEMA<br />

Erzeugung ölfreier<br />

Druckluft<br />

Ölfreie Druckluft ist eine der<br />

Voraussetzungen für die<br />

Hochwald Sprudel Schupp<br />

GmbH. Hochwald betreibt<br />

zwei hochmoderne Abfüllanlagen.<br />

Sie sind die Hauptverbraucher<br />

für die erzeugte<br />

Druckluft. Zur Versorgung des<br />

Werkes mit 7 bar Arbeitsluft<br />

wurden bisher drei ölfreie<br />

Verschleiß- und wartungsarm<br />

Dauerhaft niedrige Betriebskosten im Niederdrucknetz – mit<br />

dem neuen Low Pressure Turbo 150 verspricht der Hersteller<br />

beste Effizienzwerte bei einem Betriebsdruck bis 4 bar. Im<br />

Gegensatz zu ölfreien Schraubenkompressoren soll die Low<br />

Pressure Turbo-Technologie durch eine herausragende Spezifik,<br />

eine kompakte Bauweise und einen leisen Lauf überzeugen. Mit<br />

100 % ölfreier Druckluft ist der Kompressor besonders für<br />

sensible Einsatzgebiete geeignet. Die Technologie ist besonders<br />

verschleiß- und wartungsarm – regelmäßige Öl- und Filterwechsel<br />

entfallen. Durch seine kompakte Bauweise benötigt der<br />

Kompressor weniger Platz als vergleichbare Schraubenkompressoren.<br />

Zudem ist die Turbo-Technologie deutlich leiser als<br />

ölfrei verdichtende Schraubenkompressorvarianten.<br />

www.boge.de<br />

Schraubenverdichter mit je<br />

90 kW Motorleistung<br />

eingesetzt. Nun erfüllt ein<br />

neuer Verdichter diese<br />

Aufgabe mit 110 kW: Ein<br />

Ultima-Kompressor aus der<br />

PureAir-Serie von Compair.<br />

www.compair.de<br />

Kompakte<br />

Vakuumpumpe<br />

Die ölfreie Schraubenpumpe<br />

Varodry sorgt für den erforderlichen<br />

Betriebsdruck, eine<br />

kurze Zykluszeit sowie letztlich<br />

eine hohe Anlagenverfügbarkeit<br />

und Robustheit – gerade in<br />

feuchten oder staubigen<br />

Prozessen. Durch ihre<br />

kompakte Bauform lässt sich<br />

die Vakuumpumpe einfach in<br />

neue oder bestehende Systeme<br />

integrieren. Ausgestattet mit<br />

einer vollständigen Luftkühlung<br />

macht die Pumpe eine<br />

Wasserkühlung überflüssig.<br />

Außerdem ist sie absolut<br />

trocken und sauber. Dadurch<br />

werden Öl- und Partikelemissionen<br />

oder Ölleckagen sowie<br />

Ölmigrationen in den<br />

Produkten verhindert.<br />

www.leybold.com<br />

Mehr Luft als<br />

du erwartest!<br />

Die Druckluft-Revolution von Atlas Copco: Die komplett<br />

überarbeiteten GA-Kompressoren sind maximal effiizient.<br />

Sie sparen mit ihren IE5-Motoren, Drehzahlregelungund<br />

intelligenten Algorithmen bis zu35%Energie. Gebaut für<br />

den harten Industrieeinsatz mit Feuchtigkeit, Staub und<br />

Umgebungstemperaturen bis zu55°C.<br />

Wie Sie Ihre CO 2 -Bilanz verbessern, erfahren Sie hier:<br />

www.druckluft-revolution.de


MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN<br />

Mehrwert steckt in jeder Anlage<br />

Modernisiertes Engineering schöpft Anlagendaten optimal aus<br />

Hexion ist ein Spezialchemieunternehmen,<br />

das mit Bakelite<br />

einen der ersten Kunststoffe<br />

weltweit entwickelte. Als<br />

Anlagenbauer und -betreiber, der<br />

die Herstellung von rund 400<br />

Produkten managen muss, begann<br />

die Duisburger Hexion GmbH 2016<br />

mit dem Einsatz von Engineering<br />

Base (EB) in der EMR-Planung. Einer<br />

der wichtigsten Gründe war die<br />

Datenzentrierung von EB.<br />

„Wir wollten lieber in die Zukunft investieren<br />

als in ein – wenn auch bewährtes – Altsystem.<br />

EB wird für uns mehr und mehr zur<br />

‚single source of truth‘ für alle As-built-Daten.<br />

Das sehen wir als einzig wahren Weg“,<br />

erklärt Christian Marschner, Senior Project<br />

Ingenieur bei Hexion.<br />

Da EB alle Projekte in einer zentralen Datenbank<br />

hält, sei jetzt das Abgleichen von<br />

Objekten, die zuvor in verschiedenen Projekten<br />

mehrfach dargestellt wurden, im Nu<br />

erledigt. Die Zentralisierung reduziert Fehler<br />

und Abspracheaufwand, jeder Beteiligte<br />

sieht stets den neuesten Stand. „Das spart<br />

viel Zeit“, so Marschner.<br />

Zudem überzeugte die relativ unkomplizierte<br />

Einführung von EB, das flexible Managen<br />

der Nutzerrechte und das komfor-<br />

table Einbinden von Zuliefererdaten. „Die<br />

Verknüpfung extern erstellter Daten mit Betriebsmitteln<br />

oder Funktionen ist gerade<br />

unter Zeitdruck sehr hilfreich. EB zeigt sofort<br />

alles, was man zu einem Objekt wissen<br />

muss, auch via Webservice“, berichtet der<br />

Keyuser Nils Stellmacher.<br />

Für ihn sind EBs Arbeitsblätter ein weiterer<br />

Pluspunkt. „Damit lassen sich selbst<br />

umfangreiche Wünsche schnell umsetzen.“<br />

Zum Beispiel die Ergänzung des Stellenplans<br />

durch Ex-I-Typicals: Anpassungen<br />

im Arbeitsblatt zeigen sich unmittelbar<br />

auch in Grafik und Explorer. Die Listen<br />

seien außerdem ideal, um Unstimmigkeiten<br />

oder Fehler schnell zu beheben –<br />

eine effiziente Unterstützung auch bei<br />

der Datenmigration.<br />

EB soll nach und nach konzernweit ausgerollt<br />

werden. In Duisburg ist bereits über<br />

die Hälfte der Bestandsprojekte in EB verfügbar.<br />

Die Erweiterung einer Anlage für<br />

Verbundwerkstoffe, etwa für Windanlagen-<br />

Flügel oder Formel-1-Karosserieteile, wurde<br />

von vornherein in EB angelegt. „Hier<br />

konnten wir die Datenbankstruktur voll<br />

ausnutzen“, sagt der Projektmanager. Zurzeit<br />

arbeitet sein Team daran, mit EB künftig<br />

auch die P&IDs zu erstellen. Christian<br />

Marschners Fazit: „Erst dann wird die Plattform<br />

ihre ganze Macht entfalten. Da ist<br />

noch einiges drin!“<br />

Fotos: Hexion, Aucotec<br />

www.aucotec.de<br />

Herr Bigvand, wie kommt es, dass kostbare Anlagendaten ihren<br />

Wert verlieren?<br />

Im Anlagen-Engineering werden Millionen Daten generiert, geändert,<br />

aktualisiert und dokumentiert. Das kostet Zeit, Geld und<br />

Know-how. Und dann? Die Anlage ist ausgeliefert und in Betrieb,<br />

die Dokumentation jedoch schlummert in irgendwelchen Dateien.<br />

In erstaunlich vielen Fällen sogar nur in Pappordnern. Doch Anlagen<br />

verändern sich, wachsen, altern. Ihre Dokumentation geht<br />

diese Entwicklung meist nicht mit, Änderungen fließen nicht ins<br />

Planungstool zurück. Papier-Pläne enthalten zwar Redlining-<br />

Einträge aus der Wartung, doch dabei geht leicht die Übersicht<br />

verloren. Oft ist vor lauter Rot der aktuelle Stand nicht mehr<br />

erkennbar. Und je überholter eine Dokumentation ist, desto<br />

schwieriger wird gezielte, effiziente Wartung. So verlieren nicht<br />

nur alternde Anlagen an Wert, sondern auch ihre einmal mit viel<br />

Aufwand erstellten Daten.<br />

Wie kann man in solchen Fällen gegensteuern und welche Rolle<br />

spielt dabei das Datenmodell in Engineering Base?<br />

Eines der größten Chemieunternehmen der Welt bezifferte den<br />

Bestandsdaten-Wert allein für seinen Standort in Köln einmal auf<br />

rund fünf Millionen Euro. Das war für das Unternehmen ein guter<br />

Grund, auf Engineering Base (EB) umzusteigen. EBs universelles<br />

Daten modell hält disziplinübergreifend alle Engineeringdaten vor<br />

24 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN<br />

und unterstützt auch die Wartung mit praxisnahen Lösungen. Es<br />

ermöglicht Technikern, unkompliziert und zeitnah, auch ohne<br />

spezielles Engineeringwissen, die Resultate ihrer Arbeit weiterzugeben.<br />

Per App über die Cloud senden sie ihre Redlining-Informationen<br />

direkt an die Konstruktionsabteilung, die sie prüft und<br />

an passender Stelle umsetzt. In EB sind die entsprechenden Änderungen<br />

an einem Objekt – wenn gewünscht – unmittelbar in all<br />

seinen Repräsentanzen sichtbar, oder sie werden über Vorschlagsfelder<br />

gesteuert. So bleiben Daten konsistent und aktuell.<br />

Würden Sie das etwas konkretisieren?<br />

Der Wert solcher Daten zeigt sich zum Beispiel bei Störungsfällen,<br />

wenn es auf jede Minute ankommt. Sofort genau zu wissen, was<br />

wo ausgetauscht werden muss und das richtige Gerät dabeizuhaben,<br />

spart viel Geld. Anlagen haben oft lange Wege. Auch bei<br />

geplanten Umbauten sind aktuelle Anlagendaten von ungeheurem<br />

Wert. Im Datenmodell ist zum Beispiel sofort ersichtlich,<br />

wieviel Reserven die Anlage etwa bei den Signal-Eingängen noch<br />

hat oder wie es um die Schaltschrankkapazitäten bestellt ist. Darüber<br />

hinaus bietet EB ein hocheffizientes Management größerer<br />

Änderungsmaßnahmen. Sie werden direkt auf dem zentralen<br />

Anlagenmodell vorgenommen. EB koordiniert dabei die Sublieferanten,<br />

auch bei mehreren Vergabe-Ebenen. Zudem ist die Planung<br />

neuer Messfunktionen, Aktoren und Verbraucher, die in EB<br />

eigenständige Objekte sind, erleichtert. Die Software-Bausteine<br />

für ihre Steuerung lassen sich gleich passend zum Leitsystem<br />

mitplanen. Zeitraubende Parametrierungen per Hand werden<br />

überflüssig. Ein weiterer Mehrwert.<br />

Und wie kommt man zu einem aktuellen Anlagenmodell, wenn<br />

man bislang ohne EB gearbeitet hat?<br />

Dafür haben wir die intelligente Migrationslösung von Altdaten<br />

weiterentwickelt. Ein süddeutscher Chemieparkbetreiber hat<br />

damit an nur einem Wochenende 1 800 Prozessleitstellen mit<br />

insgesamt 6 700 Plänen verschiedenster Anlagen erfolgreich übertragen.<br />

Die Daten werden in gängigen Formaten wie DWG oder<br />

XLS konfiguriert, gemappt und importiert. So fasst das System alle<br />

Informationen über ein bestimmtes Objekt aus verschiedenen<br />

Disziplinen zu einem Objektmodell zusammen. Alle importierten<br />

Objekte – von der Pumpe im R&I bis zu den Klemmen im Schaltschrank<br />

– bilden dann das EB-typische, übergreifende Anlagenmodell<br />

mit allen Logik-Verknüpfungen, das für sämtliche Beteiligten<br />

bearbeitbar ist.<br />

EB vergleicht beim Import Altdaten mit den Belegungslisten im<br />

Leitsystem. Denn ein Leitsystem spiegelt naturgemäß den aktuellen<br />

Stand einer laufenden Anlage wider. Bei jedem Import<br />

zeigt EB automatisch das Delta zwischen bestehendem Modell<br />

und hinzukommenden Daten auf. Die Diskrepanzen lassen sich<br />

direkt beheben, und so konsolidiert EB nach und nach die Dokumentation<br />

zu einer konsistenten „single source of truth“ für alle<br />

Beteiligten – egal mit welchem System sie ursprünglich erarbeitet<br />

wurde.<br />

So werden dann aus Big Data quasi Smart Data?<br />

Genau. Dieses universelle Modell bildet die höchste Stufe der<br />

Digitalisierung und wertet die vorhandenen Daten weiter auf.<br />

Denn sie lassen sich, anders als in PDFs, DWG-Grafiken oder<br />

Scans, jederzeit auch im Sinne von Industrie 4.0 nutzen. Genau<br />

wie ein Navigationssystem aus einem einfachen digitalen Straßenplan<br />

weder Einbahnstraßen noch Stauinformationen herauslesen<br />

kann, behindern PDF & Co. die Engineering-Fachleute, weil die<br />

Objekte darin nicht separat verfügbar sind. EBs korrespondierendes<br />

Datenmodell macht dagegen aus Big Data Smart Data, die<br />

ohne Disziplin- und Formatgrenzen zukunftsgerechte Nutzung<br />

ermöglichen, auch über Wartung und Umbau hinaus.<br />

Ein Kunde von uns nutzt beispielsweise die strukturierten Daten<br />

in EBs aktuellem Datenmodell, um sein Predictive-Maintenance-<br />

System nicht manuell konfigurieren zu müssen. Damit kann das<br />

Unternehmen seinen Kunden weltweit vorausschauende Wartung<br />

anbieten und gleichzeitig seine Produkte kontinuierlich optimieren.<br />

Ein Geschäftsmodell, das ohne EB so nicht zu verwirklichen<br />

gewesen wäre.<br />

Digitaler geht’s also nicht mehr?<br />

Pouria Bigvand, Produktmanager,<br />

Aucotec AG, Hannover<br />

Nein, digitaler geht’s tatsächlich nicht mehr. Konventionelle Anlagenübersichten<br />

können Objekte nur grafisch darstellen, die<br />

nicht sichtbare Intelligenz dahinter ist nur mit einem Datenmodell<br />

erfassbar. EB enthält die logische Abbildung von Mechanik,<br />

Elektrik und Steuerungsdaten. Zum einen spart das auch in angeschlossenen<br />

Systemen wie Automation, ERP oder 3-D, Arbeit und<br />

Fehler. Zum anderen ist ein zentrales Modell die Voraussetzung,<br />

um den digitalen Zwilling einer Anlage abzubilden. Nicht nur aus<br />

mechanischer Sicht, sondern mit kompletter Struktur samt Logiken,<br />

Verbindungen und Geräte-Herstellerdaten. Mehrwert steckt<br />

in jeder Anlage, man muss den Schatz nur heben – das geht so nur<br />

mit Engineering Base.<br />

(eli)<br />

VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 25


MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN<br />

Raus aus den<br />

eigenen vier Wänden<br />

Pharma 4.0: von der Serialisierung zum Connected Enterprise<br />

Serialisierungsvorschriften zum<br />

Kampf gegen Arzneimittelfälschungen<br />

waren für ein<br />

Pharmaunternehmen die ideale<br />

Gelegenheit, um im Unternehmen<br />

den digitalen Wandel einzuleiten.<br />

Dies gelang mit einer modularen<br />

und flexiblen Software-Lösung.<br />

IBI Lorenzini ist ein geschichtsträchtiges<br />

Pharmaunternehmen mit Sitz im italienischen<br />

Aprilia. Um neuen Serialisierungsvorschriften<br />

gerecht zu werden, entschied<br />

sich das Unternehmen, den digitalen<br />

Wandel voranzutreiben. Das 1918 von Professor<br />

Giovanni Lorenzini gegründete und<br />

immer noch im Familienbesitz befindliche<br />

Unternehmen muss sich auf eine 2019 in<br />

Kraft tretende EU-Verordnung vorbereiten.<br />

In diesem Zusammenhang kam der Einstieg<br />

in den US-Markt, einem wichtigen Marktsegment<br />

für das Unternehmen, gerade recht.<br />

Hier traten die Bestimmungen für Hersteller<br />

bereits im November 2017 in Kraft.<br />

Mit den neuen Herausforderungen der<br />

Richtlinie 2011/62/EU zur Vermeidung von<br />

Arzneimittelfälschungen durch Serialisierung<br />

wird sich demnächst der gesamte<br />

europäische Pharmamarkt beschäftigen<br />

müssen. Dabei werden Arzneimittel über<br />

Autor: Armin Wenzel, Sales Team Leader Enduser,<br />

Rockwell Automation, Linz, Österreich<br />

Seriennummern nachverfolgt, um eine<br />

Identifizierung von gestohlenen oder gefälschten<br />

Produkten zu ermöglichen. Die<br />

neuen Bestimmungen sind Bestandteil<br />

rechtlicher Vorgaben, die 2013 auf dem US-<br />

Markt eingeführt wurden.<br />

Um den Bestimmungen gerecht zu werden,<br />

sind Systeme erforderlich, mit denen<br />

sich verschreibungspflichtige Arzneimittel<br />

sicher identifizieren und nachverfolgen<br />

lassen. „Für eine Verwaltung des gesamten<br />

Vertriebsprozesses und die Gewährleistung<br />

einer vollständigen Nachverfolgbarkeit<br />

sind Seriennummern unerlässlich“, erläutert<br />

Luca Pezzano, Betriebsleiter bei IBI<br />

Lorenzini. „Jede Verkaufseinheit, jeder Karton<br />

mit den einzelnen Einheiten und jede<br />

Palette mit diesen Kartons wird mit Seriennummern<br />

gekennzeichnet.“<br />

Flexible Software-Lösung<br />

Um Serialisierung einzuführen, hat sich IBI<br />

Lorenzini für die Software-Lösung Pharma-<br />

Vorteile der Software PharmaSuite<br />

Suite von Rockwell Automation entschieden.<br />

„Rockwell Automation bietet eine<br />

vollständige und von Ebene 0/1 bis Ebene 3<br />

sofort einsatzbereite Lösung mit Funktionen,<br />

die auch Schnittstellen zu anderen externen<br />

Systemen bieten (MES, ERP, EPCIS<br />

Repository Zertifikate)“, erklärt Pezzano.<br />

„Mit dieser flexiblen Lösung können wir<br />

dank ihrer Modularität, Skalierbarkeit und<br />

Konfigurierbarkeit sowohl aktuelle als auch<br />

zukünftige internationale Bestimmungen<br />

erfüllen. Die Technologie basiert auf bereits<br />

validierten Komponenten, die mit GxP-<br />

Computersystemen gemäß 21 CFR Part 11<br />

kompatibel sind, und nutzt standardisierte<br />

offene Kommunikationsprotokolle. Dadurch<br />

kann PharmaSuite auch problemlos<br />

mit der bereits in der Anlage vorhandenen<br />

Ausrüstung vernetzt werden. Außerdem<br />

lassen sich sowohl ein MES als auch eine<br />

elektronische – also digital, statt im Papierformat<br />

– Chargendokumentation (EBR –<br />

Electronic Batch Recording) einbinden, die<br />

ein erstklassiges Projektmanagement ge-<br />

n Möglichkeit zur einfachen Vernetzung mit bereits in der Anlage installierten<br />

Geräten sowie zur Einbindung eines MES und eines ERP-Systems,<br />

n Schnittstellen zu externen Systemen (MES, ERP, EPCIS Repository Zertifikaten),<br />

n modulare, flexible, skalierbare und konfigurierbare Lösung zur Einhaltung aktueller<br />

und zukünftiger internationaler Bestimmungen,<br />

n auf bereits validierten Komponenten aufbauende Technologie, die mit GxP-Computersystemen<br />

gemäß 21 CFR Part 11 konform ist,<br />

n standardisierte offene Kommunikationsprotokolle,<br />

n Offenheit gegenüber externen Systemen als Grundvoraussetzung für ein intelligentes<br />

Fertigungsunternehmen.<br />

26 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN<br />

währleisten.“ Zu den erzielten Ergebnissen<br />

gehört u. a. eine Zertifizierung für die<br />

Tracelink-Verbindung, einer von der EU<br />

für den Pharmabereich anerkannten<br />

Cloud-Plattform.<br />

Die Einführung von Serialisierung im<br />

industriellen Bereich ist ein gutes Beispiel<br />

dafür, wie sich die Geschäftsprozesse jetzt<br />

und in den kommenden Jahren wandeln<br />

werden. Dank Cloud- und Softwareanwendungen<br />

können Unternehmen aus den verschiedensten<br />

Teilen der Welt interagieren.<br />

Dadurch lässt sich nicht nur die Qualität der<br />

pharmazeutischen Produkte auf dem Markt<br />

erhöhen, sondern auch die Sicherheit und<br />

Effizienz des Dienstes am Patienten.<br />

Die Einführung der Software-Lösung war für<br />

das Pharmaunternehmen ein grundlegender<br />

Schritt, um die Sichtbarkeit der Prozesse und<br />

die eigentliche Produktionsverwaltung zu<br />

verbessern<br />

„Aufgrund der weltweiten Vernetzung kann<br />

der Weg eines Arzneimittels von der<br />

fertigenden Anlage bis hin zum Anwender<br />

nachvollzogen werden, wodurch Fälschungen<br />

eliminiert und das Risiko für die Patienten gesenkt<br />

werden können“, ergänzt Pezzano.<br />

Mission intelligentes<br />

Unternehmen<br />

Die Offenheit gegenüber externen Systemen<br />

ist unerlässlich beim Wandel zu einem<br />

intelligenten Unternehmen, also einer Produktionsumgebung<br />

in der intelligente<br />

Maschinen und Anlagen sowie hochgradig<br />

intelligente Steuersysteme zum Einsatz<br />

kommen. Durch diese offene Vernetzbarkeit<br />

mit anderen Systemen werden auch<br />

eine Optimierung der Energie- und Produktionseffizienz,<br />

eine Erhöhung des Arbeitsschutzes<br />

und eine Senkung des Schadstoffausstoßes<br />

ermöglicht.<br />

IBI Lorenzini war sich der Bedeutung<br />

dieser Offenheit bewusst und hat bereits die<br />

Möglichkeit eingeführt, den Produktionsfortschritt<br />

aus der Ferne zu kontrollieren.<br />

Außerdem wird daran gearbeitet, die Maschinen<br />

aus der Ferne zu verwalten. „Das<br />

wird ein grundlegender Schritt sein, der es<br />

uns ermöglicht, die Sichtbarkeit der Prozesse<br />

und die eigentliche Produktionsverwaltung<br />

zu verbessern“, meint Pezzano.<br />

Die Serialisierung geht bereits in diese<br />

Richtung, und die Installation von Plattformen<br />

wie PharmaSuite ist ein erster<br />

wichtiger Schritt, um das offene und vernetzte<br />

Konzept der Industrie 4.0 umzusetzen.<br />

„Wir haben eine Notwendigkeit als<br />

Geschäfts gelegenheit genutzt. Die Einbindung<br />

des Managements war von grundlegender<br />

Bedeutung für die Einführung<br />

eines umfassenderen Ansatzes für Industrie<br />

4.0. In der Zukunft wird das Unternehmen<br />

nicht mehr durch seine eigenen<br />

vier Wände definiert, sondern weltweit<br />

vernetzt sein – mit enormen Vorteilen. Die<br />

Anforderungen der Anwender lassen sich<br />

mit der gesamten Lieferkette im Blick<br />

ermitteln. Durch die Technologien und<br />

Lösungen, die nun eine Vernetzung auf<br />

allen Ebenen ermöglichen, wird letztendlich<br />

das perfekte Fundament für eine Weiterentwicklung<br />

unserer Anlagen gelegt“,<br />

schließt Pezzano.<br />

Fotos: Rockwell Automation<br />

www.rockwellautomation.de<br />

IMPRESSUM<br />

vereinigt mit BioTec<br />

erscheint <strong>2018</strong> im 52. Jahrgang, ISSN 0175-5315<br />

Redaktion<br />

Leitender Chefredakteur: Dipl.-Ing. (FH) Dirk Schaar,<br />

Tel.: 06131/992-345, E-Mail: d.schaar@vfmz.de<br />

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VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 27


Rundum vernetzt<br />

Bestehende Anwendungen einfach in die Cloud bringen<br />

Im Zuge der fortschreitenden<br />

Automatisierung und Digitalisierung<br />

ergeben sich unterschiedliche Herausforderungen.<br />

Dazu gehört die Frage,<br />

wie ältere Komponenten mit neuen<br />

Technologien interagieren können.<br />

Ein Gateway bietet eine Lösung zur<br />

einfachen Integration bestehender<br />

Infrastrukturen in eine Cloud.<br />

Autor: Arno Martin Fast, B. Eng., Phoenix<br />

Contact Electronics GmbH, Bad Pyrmont<br />

Die Einsicht, dass aus der zunehmenden<br />

Vernetzung der Industrie über das<br />

Internet zahlreiche Vorteile resultieren, ist<br />

mittlerweile in allen Industriebereichen<br />

gereift. Doch kein Unternehmen möchte<br />

seine bisherigen Strukturen und Anlagen<br />

aufgrund des zu erwartenden Nutzens neu<br />

entwickeln. Davon abgesehen dürften die<br />

so entstehenden Kosten in den wenigsten<br />

Fällen zu rechtfertigen sein. Die Lösung für<br />

das geschilderte Problem stellen IoT-Gateways<br />

dar. Dabei handelt es sich um kleine<br />

Geräte, die die vorhandene Infrastruktur<br />

an das Internet anschließen und so bspw.<br />

die Verwendung von Cloud-Services ermöglichen.<br />

Die Lösung zeichnet sich dadurch<br />

aus, dass keine Veränderungen an<br />

den existierenden Systemen notwendig<br />

sind. Das Gateway wird einfach als zusätzliche<br />

Komponente in das System eingebunden<br />

und verrichtet seine Aufgabe anschließend<br />

selbstständig, ohne die anderen<br />

Geräte zu stören oder zu beeinflussen.<br />

Auf diese Weise lassen sich bestehende<br />

Anwendungen einfach um neue Funktionen<br />

erweitern.<br />

Typisches Beispiel für ein solches IoT-<br />

Gateway ist das Proficloud-Gateway von<br />

Phoenix Contact. Mit dem Gerät können<br />

Unternehmen einen ersten Schritt in das<br />

Internet of Things gehen. Als Cloud-Lösung<br />

erlaubt die Proficloud den Anwendern<br />

einen intuitiv zu konfigurierenden<br />

und sicheren Einstieg in die IoT-Welt sowie<br />

die Nutzung der vielfältigen Vorteile<br />

einer Cloud. Die wesentlichen Merkmale<br />

der Proficloud – Offenheit, einfache Bedienbarkeit<br />

und Zugriffssicherheit – sind<br />

beim Proficloud-Gateway ebenfalls umgesetzt<br />

worden. Als vorteilhaft erweist sich<br />

die direkte Anbindung des Proficloud-<br />

Gateways an die Proficloud beispielsweise,<br />

28 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN<br />

weil die Daten von Geräten mit verschiedenen<br />

Feldbusschnittstellen in der Cloud<br />

gespeichert und visualisiert werden können.<br />

Dieser Dienst wird als Proficloud TSD<br />

Service bezeichnet. TSD steht für Time Series<br />

Data, also Zeitreihendaten. Damit ist<br />

die Verknüpfung eines Zeitstempels und<br />

eines relevanten Werts zu einem gemeinsamen<br />

Datenpunkt gemeint. Eine Voraussetzung<br />

für die Analyse von Zeitreihendaten<br />

ist, dass die Werte nicht kontinuierlich,<br />

sondern in bestimmten zeitlichen Abständen<br />

anfallen. So kann aus einem analogen<br />

Messsignal durch Abtastung eine Zeitreihe<br />

gewonnen werden.<br />

Das Cloud-IoT-Gateway und die Proficloud<br />

umfassen offene Schnittstellen,<br />

weshalb der Anwender mit einem Software<br />

Development Kit (SDK) eigene<br />

Dienste für die Proficloud entwickeln<br />

Das Cloud-IoTkann.<br />

Trotz der Offenheit des Systems<br />

ist das Cloud-IoT-Gateway ein­<br />

Gateway bindet<br />

die vorhandene<br />

Infrastruktur an fach zu installieren oder in bestehende<br />

Systeme zu integrieren. Aufgrund<br />

das Internet an<br />

der Nutzung von Standard-Übertragungsprotokollen<br />

wie Modbus TCP/<br />

RTU können die Komponenten unterschiedlicher<br />

Hersteller mit der Proficloud<br />

verbunden werden. Phoenix<br />

Contact bietet verschiedene Geräte mit<br />

einer Modbus-TCP-Kommunikation an.<br />

Dazu gehören Kleinsteuerungen sowie<br />

Energiemessgeräte.<br />

Optimierungspotenziale<br />

erkennen und nutzen<br />

Im Zusammenspiel mit dem Cloud-IoT-<br />

Gateway lassen sich somit beliebige Daten<br />

aus der Steuerung in der Proficloud speichern<br />

und dort analysieren, um bspw.<br />

Optimierungspotenziale in der Anlage zu<br />

erkennen. Darüber hinaus kann mit den<br />

Daten der Energiemessgeräte ein webbasiertes<br />

Energiedaten-Monitoring in der<br />

Proficloud erstellt werden. Zur Konfiguration<br />

der Kommunikationswege stellt das<br />

Proficloud-IoT-Gateway ein webbasiertes<br />

Management zur Verfügung. Ein handelsüblicher<br />

Browser reicht also für die Einstellungen<br />

aus, sodass keine Kosten für eine<br />

Engineering-Software anfallen.<br />

Da sowohl die Datenübertragung der<br />

Cloud-IoT-Gateways als auch die Kommunikation<br />

mit der Proficloud durch eine TLS-<br />

Verschlüsselung (Transport Layer Security)<br />

geschützt ist und die Verbindung lediglich<br />

durch die Proficloud-Teilnehmer initiiert<br />

werden kann, sind grundlegende Aspekte<br />

für die Daten sicherheit berücksichtigt.<br />

Selbstverständlich steht es dem Anwender<br />

frei, zusätzliche Security-Maßnahmen zu<br />

installieren.<br />

Fotos: Phoenix Contact<br />

www.phoenixcontact.de<br />

Einfache Integration weiterer<br />

Geräte<br />

Der TSD Service der Proficloud stellt zunächst<br />

ein leicht verständliches Device Management<br />

zur Verfügung. Neben dem Proficloud-IoT-Gateway<br />

können weitere Geräte<br />

von Phoenix Contact in die Lösung integriert<br />

und verwaltet werden, z. B. die PLCnext-<br />

Steuerung AXC F 2152. Jede Komponente<br />

wird durch eine UUID (Universally Unique<br />

Identifier) identifiziert und lässt sich über<br />

diese in die Proficloud einbinden. Nachdem<br />

die Geräte zur Proficloud hinzugefügt worden<br />

sind, erscheinen die von ihnen gesendeten<br />

Daten sofort. Ein weiterer Mausklick führt<br />

dann zur Anwendung TSD Analytics. Mit der<br />

Open-Source-Plattform lassen sich eigene<br />

Dashboards online aufbauen und frei konfigurieren.<br />

Sämtliche Webseiten der Proficloud<br />

werden in einem responsiven Webdesign<br />

erstellt, sodass dem Nutzer die Daten<br />

in einer an das Endgerät angepassten Ansicht<br />

dargestellt werden.<br />

VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 29


MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN<br />

Mit weniger mehr produzieren<br />

Virtuelle Lösungen optimieren Batch-Prozesse<br />

Die heutigen virtuellen Prozesslösungen<br />

überwinden lange<br />

bekannte Frustrationen bei<br />

Batch-Betreibern durch ein<br />

bisher unerreichtes Niveau an<br />

Verfügbarkeit, Effizienz, Agilität<br />

und Zuverlässigkeit.<br />

Autor: Chris Peters, Experion Product Manager,<br />

Honeywell Process Solutions, Offenbach<br />

Hersteller von Spezialchemikalien, Pharmazeutika<br />

sowie Nahrungsmitteln und<br />

Getränken sind zunehmend gefordert, mit<br />

weniger mehr zu produzieren – und das mit<br />

erhöhter Qualität. Der Betreiber muss mehr<br />

aus den Anlagen herausholen, die Fehlerbehandlung<br />

in Batch-Prozessen effektiver<br />

gestalten, neue Ansätze zur Reduktion der<br />

Produktionskosten ermitteln und komplexe<br />

Software-Abläufe managen.<br />

Jüngste Untersuchungen zeigten, dass<br />

aufgrund technologischer Limitierungen<br />

viele Bediener in der Messwarte keinen angemessenen<br />

Überblick und keinen Zugriff<br />

auf ihren Batch-Prozess haben. Einige vermissen<br />

die Möglichkeit, frühzeitig Verzögerungen<br />

zu erkennen, die zu Engpässen<br />

führen könnten. Viele gaben auch an, dass<br />

die verwendeten Methoden der Fehlerbehandlung<br />

ineffektiv seien, selbst wenn<br />

sie das Problem bereits kannten. Außerdem<br />

ergaben die Untersuchungen, dass sich die<br />

Mehrzahl der Teams auf reaktive Arbeiten<br />

wie Wartungen und Anpassungen der<br />

Batch-Server konzentrieren.<br />

Eine zusätzliche Herausforderung stellt<br />

die zunehmende Anzahl älterer Mitarbeiter<br />

dar, die durch ihren Ruhestand von weniger<br />

erfahrenem Personal ersetzt werden und<br />

eine Qualifikationslücke hinterlassen. Das<br />

Ergebnis der Studie ist wenig überraschend:<br />

die Produktionsleiter wünschen sich weitgehend<br />

automatisierte Systeme, mit denen<br />

verschiedene Aufgaben gleichzeitig ausgeführt<br />

werden können.<br />

Arbeitsabläufe visualisieren<br />

Automatisierungsanbieter wie Honeywell<br />

lösen diese Herausforderungen durch die<br />

Nutzung aktueller Technologien, um so<br />

die Transparenz und das Verständnis<br />

der Betreiber für die Batch-Produktion<br />

zu erhöhen.<br />

Beispielsweise verwendet die Honeywell<br />

Experion Batch-Lösung eine Mensch-Maschine-Schnittstelle<br />

mit intuitiver visueller<br />

Analytik, die Anlagenbediener bei der Erkennung<br />

von Anomalitäten unterstützt. Die<br />

Visualisierungstechnologie ermöglicht den<br />

Ingenieuren, sowohl rückblickend als auch<br />

vorrausschauend Abläufe zu untersuchen<br />

30 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN<br />

Experion Batch verwendet eine patentierte<br />

Technologie, um Bediener vermehrt vorausschauend<br />

zu informieren, ihre Arbeitsabläufe<br />

zu planen sowie Verfügbarkeit und Ablaufzeit<br />

von Teilanlagen zu sichern<br />

und entsprechend zu reagieren. Insgesamt<br />

bietet die visuelle Analytik den Ingenieuren<br />

einen tieferen Einblick in anstehende Ereignisse<br />

oder mögliche Verzögerungen und<br />

erlaubt den Bedienern, parallele Aufgaben<br />

stabil auszuführen.<br />

Für Betriebsingenieure ist von erheblichem<br />

Nutzen zu wissen, wie sich der aktuelle<br />

Batch im Vergleich zu einem typischen<br />

Batch verhält. Selbst weniger erfahrene Ingenieure<br />

können so nachvollziehen, welche<br />

Schritte ihre gestandenen Kollegen zur Optimierung<br />

des Prozesses einleiten würden.<br />

In ähnlicher Form kann die Analyse bewährte<br />

und in allen Operationen angewandte<br />

Vorgehensweisen aufzeigen und<br />

dadurch Zykluszeiten reduzieren und die<br />

Produktivität verbessern.<br />

Technologische Lösungen dieser Art<br />

adressieren somit maßgeblich die Qualifikationslücke,<br />

indem Informationen zum<br />

aktuellen und zukünftigen Betriebszustand<br />

in natürlicher und intuitiver Form präsentiert<br />

werden und damit den erforderlichen<br />

technologischen Wissensstand gleichbleibend<br />

halten.<br />

Effizienz verbessern<br />

Bei der Projektierung der Batch-Abläufe<br />

können Hersteller entweder an der traditionellen,<br />

zentralisierten Batch-Konzeption<br />

festhalten, oder sie können sich für die<br />

progressivere, an DIN EN 615<strong>12</strong> (IEC<br />

615<strong>12</strong> / ISA88) ausgerichtete modulare<br />

Batch-Umgebung entscheiden; mit verteiltem<br />

Risiko und Unterstützung behördlicher<br />

Anforderungen.<br />

Die modulare Vorgehensweise löst viele<br />

Probleme der Bediener: Die Installation der<br />

Batch-Funktionalität in prozessnahen<br />

Komponenten (Controllern), die den Teilanlagen<br />

zugeordnet sind, minimiert drastisch<br />

das Risiko, da eine einzige, zentrale<br />

Komponente keine stabile Basis für den Anlagenbetrieb<br />

darstellt. Der Vorteil der modularen<br />

Auslegung besteht auch darin, dass<br />

das Projektierungs- und Wartungspersonal<br />

einen Teilanlagen-Controller außer Betrieb<br />

nehmen kann, ohne dadurch die anderen<br />

Teilanlagen zu beeinträchtigen. Die modular<br />

verteilte Batch-Auslegung eliminiert zusätzlich<br />

die Installation eines Batch-Servers<br />

und damit den mit Windows-Systemen gegebenen<br />

Aufwand für Wartung und Aktualisierung.<br />

Ein controller-basiertes System ist<br />

naturgemäß robuster und benötigt lediglich<br />

eine einzige Betriebs- und Projektierungsplattform<br />

für die Ausführung des Batchs.<br />

Flexibilität erhöhen<br />

Ein virtueller Controller unterstützt eine<br />

flexible Rezepterstellung, umfangreiche<br />

Testabläufe sowie die Ausführung leittechnischer<br />

Applikationen (wie in Pilotanlagen<br />

oder Laboratorien) in einer virtuellen Umgebung.<br />

Zudem verringert ein virtueller<br />

Auf die visuelle Intelligenz kann auch von den<br />

Mitarbeitern im Feld über eine App zugegriffen werden<br />

Controller den Platzbedarf für die Hardware<br />

und bietet in Verbindung mit fehlertoleranter<br />

Virtualisierungstechnologie eine<br />

erhöhte Verfügbarkeit. Ebenfalls erlauben<br />

virtuelle Controller eine anwenderspezifische<br />

Ressourcenverwaltung (z. B. für<br />

Speicherbedarf oder Prozessorleistung).<br />

Das gibt den Anwendern weitere Parameter<br />

zur Optimierung ihres Batch-Betriebs.<br />

Die heutigen virtuellen Prozesslösungen<br />

überwinden lange bekannte Frustrationen<br />

bei Batch-Betreibern durch ein bisher unerreichtes<br />

Niveau an Verfügbarkeit, Effizienz,<br />

Agilität und Zuverlässigkeit. Anwendererfahrungen<br />

wurden inzwischen umgesetzt<br />

– und bieten dem Anlagenpersonal<br />

klare, intuitive, berührungssensitive Darstellungen<br />

sowie interaktive Arbeitsabläufe,<br />

mit denen eine bessere Planung unterstützt,<br />

Überraschungen eliminiert und Stress reduziert<br />

werden kann. Wesentlich ist, dass<br />

angepasste Batch-Prozesse den Durchsatz<br />

und die Anlagenauslastung erhöhen, Kosten<br />

senken, die Produktqualität verbessern<br />

und behördliche Konformität erreichen.<br />

Fotos: Honeywell<br />

www.honeywellprocess.com<br />

BUCHTIPP<br />

Dieses Buch erleichtert durch<br />

eine möglichst anschauliche und<br />

anwendungsorientierte Darstellung<br />

der Zusammenhänge dem Leser<br />

den Zugang zu dem interessanten<br />

Fachgebiet der elektrohydraulischen<br />

Antriebe und Steuerungen, ohne<br />

allerdings auf die notwendigen<br />

physikalischen und mathematischen<br />

Grundlagen zu verzichten.<br />

Grundlagen elektrohydraulischer<br />

Antriebe<br />

und Steuerungen<br />

von Prof. Dr.-Ing. Siegfried Helduser<br />

380 Seiten, zahlreiche Abbildungen,<br />

broschiert, ISBN 978-3-7830-0387-1<br />

€ 32,- (zzgl. Versandkosten)<br />

Online-Shop<br />

unter<br />

www.engineering-news.net<br />

Bitte bestellen Sie bei:<br />

Vereinigte Fachverlage GmbH<br />

Vertrieb . Postfach 10 04 65 . 55135 Mainz<br />

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VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 31<br />

OUP_Buch_elektrohydraulische_Antriebe_60x265_2016_02.indd 02.10.<strong>2018</strong> 1 10:25:18


MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN<br />

Sauerstoff zuverlässig bestimmen<br />

Visitrace DO ist ein<br />

optischer Sauerstoffsensor,<br />

der mit schnellen und präzisen Messergebnissen im<br />

niedrigen ppb-Bereich überzeugt. Dank einer kurzen Reaktionszeit<br />

detektiert er Veränderungen schnell und liefert innerhalb<br />

kürzester Zeit exakte Messwerte. Diese werden, neben der<br />

drahtgebundenen Übertragung, auch über eine eingebaute<br />

Bluetooth-4.0-Schnittstelle und mittels der ArcAir-App an ein<br />

Smartphone oder Tablet übertragen. Ein Mikro-Transmitter im<br />

Sensorkopf verarbeitet die Messwerte zu einem robusten<br />

4–20-mA-Signal und speichert alle relevanten Daten, einschließlich<br />

Kalibrierung und Standzeit-Informationen. Darüber hinaus<br />

ist das sauerstoffempfindliche Luminophor gegen Chlor und<br />

Chlordioxid stabilisiert und übersteht so deutlich mehr<br />

Reinigungszyklen.<br />

www.hamiltoncompany.com<br />

Radar ist der Renner<br />

Die Frequenz ist ein entscheidender Parameter, um effizient<br />

Füllstände zu erfassen. Wie entscheidend, das überraschte jedoch<br />

selbst den Messtechnik-Hersteller Vega. In kürzester Zeit fand die<br />

80-GHz-Radartechnologie eine Markt-Akzeptanz, die mit dieser<br />

Geschwindigkeit niemand erwartet hatte. Sie löste entsprechend<br />

schnell den bisherigen Technologiestandard 26 GHz in weiten<br />

Bereichen erfolgreich ab. Mit mehr als 100 000 verkauften<br />

80-GHz-Radargeräten gibt es in der Firmenzentrale einen guten<br />

Grund zum Feiern.<br />

Für den Großteil industrieller Füllstandanwendungen sind<br />

80-GHz-Radarsensoren universell einsetzbar. Flüssigkeiten erfasst<br />

der Vegapuls 64 auch bei Kondensat oder Anhaftungen an der<br />

Antenne mit gleichbleibender<br />

Genauigkeit. Und<br />

weil der Sensor zudem mit<br />

der kleinsten Antenne<br />

seiner Art ausgestattet<br />

werden kann, gibt es kaum<br />

einen Einbauort, der zu eng<br />

wäre. Auch bei Schüttgütern<br />

setzen 80 GHz Maßstäbe.<br />

www.vega.com<br />

Temperaturtransmitter mit neuem<br />

Hart-7-Protokoll<br />

Der Temperaturtransmitter T32.xS von Wika ist jetzt auch in einer<br />

Ausführung lieferbar, die über das neue Hart-7-Protokoll<br />

kommuniziert. Zu dessen neuen Funktionen gehört unter<br />

anderem eine erweiterte Messstellenbeschreibung (Long Tag).<br />

Alle übrigen Leistungsmerkmale des Geräts sind unverändert. Der<br />

Tüv Rheinland hat den Transmitter zum wiederholten Mal in<br />

einem Full Assessment für Sicherheitsanwendungen bis zu SIL3<br />

zertifiziert. Aufgrund seiner Kompatibilität mit nahezu allen<br />

offenen Soft- und Hardwaretools ist das Gerät universell<br />

einsetzbar. Den Transmitter, von dem bisher mehr als eine<br />

Million Stück ausgeliefert wurden, gibt es auch weiterhin in der<br />

bisherigen Version mit Hart 5.<br />

www.wika.de<br />

Intelligente und kreative Datennutzung<br />

Produktionsprozesse integrieren zunehmend neue Methoden<br />

und Dienstleistungen, die erst durch die Vernetzung mit<br />

modernster Informations- und Kommunikationstechnik möglich<br />

werden. Zwar installiert Linde schon seit Jahren digitale Technologien<br />

in allen Geschäftsbereichen, neu ist aber der in der Startup-Branche<br />

übliche Accelerator-Prozess, der die Realisierung von<br />

Ideen beschleunigt: Drei Monate lang arbeiten interdisziplinäre<br />

Teams an solchen<br />

Projekten und transferieren<br />

sie bei Erfolg<br />

schnell ins Business.<br />

Was in dieser Zeit nicht<br />

funktioniert, wird nicht<br />

weiterverfolgt.<br />

Ein erfolgreiches<br />

Projekt ist ein Virtual-<br />

Reality-Training für<br />

eine Gasaufbereitungsanlage,<br />

die Linde<br />

Engineering derzeit in der Amur-Region in Ostrussland baut.<br />

Noch bevor diese Anlage fertiggestellt ist, kann sich das Fachpersonal<br />

an einem digitalen Abbild mit dem Betrieb vertraut<br />

machen. Das erleichtert die spätere Inbetriebnahme und macht<br />

das Betreiberpersonal fit für kritische Situationen. Der Simulator<br />

entsteht auf Basis der digitalen Konstruktionszeichnungen.<br />

www.linde.com<br />

Flexible Flaschenproduktion<br />

KHS Corpoplast (KHS) hat jüngst eine hochautomatisierte<br />

TriBlock-Anlage für Single-Serve-Produkte entwickelt, die<br />

besonders kompakt und flexibel ist. Das grundlegende<br />

Steuerungs- und Antriebskonzept wurde gemeinsam mit Siemens<br />

entwickelt und mit Siemens-Komponenten umgesetzt. Mit der<br />

durchgängigen Automatisierung sind ein über alle Produktionsgeschwindigkeiten<br />

zuverlässiger Prozess, geringe Wartungskosten<br />

und eine flexible<br />

Anlagenkonfiguration<br />

sichergestellt.<br />

Single-Serve-Verpackungen,<br />

die etwa<br />

Portionen für eine<br />

Person enthalten, sind<br />

ein wichtiger Wachstumsmarkt<br />

in der<br />

Getränkemittelbranche.<br />

Um sich hier entsprechend<br />

zu positionieren,<br />

hat KHS eine speziell<br />

für dieses Segment<br />

ausgelegte TriBlock-<br />

Anlage mit Streckblas-, Etikettier- und Füllmodul entwickelt. Die<br />

kompakte Anlage benötigt nur rund 140 qm Stellfläche und ist<br />

hinsichtlich der Modulzusammensetzung flexibel. Grund dafür ist<br />

die gemeinsam mit Siemens entwickelte Verblockung der Module<br />

über das Motion Control System Simotion. Damit ist es möglich,<br />

je nach Kundenanforderung bspw. eine reine Streckblas-Füll-<br />

Anlage zu realisieren. Zudem sind alle für das Handling der<br />

Preforms (Pet-Flaschen-Rohlinge) relevanten Bewegungen<br />

maschinenübergreifend in einem Master synchronisiert. Dadurch<br />

laufen die verblockten Module stets synchron.<br />

www.siemens.de<br />

32 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN<br />

Füll- und Pegelstände aus der Ferne verfolgen<br />

Der Datenlogger mit Fernübertragungseinheit GSM-2 wurde von<br />

Keller weiterentwickelt und hat einen neuen Namen erhalten:<br />

Autonomous Remote Data Collector, kurz ARC-1. Nun wird über<br />

das Mobilfunksystem 3G kommuniziert, optional auch über 4G.<br />

Die neuen Funkmodule erlauben zudem die Lokalisierung per<br />

Mobilfunknetz. Zu den System-Status-Informationen,<br />

wie Batteriezustand und Signalstärke, ist ein<br />

Feuchtigkeitssensor hinzugekommen. Zudem<br />

können bereits vorhandene GSM-2-Datenlogger<br />

einfach zu ARC-1-Datenloggern aufgerüstet<br />

werden, falls das 2G-Netz an der bestehenden<br />

Messstelle nicht mehr zur Verfügung steht.<br />

Die zylindrische Bauform mit nur 48 mm<br />

Durchmesser kann einfach in das Kopfende eines in<br />

der Grundwassermesstechnik üblichen Peilrohrs<br />

mit 2" Durchmesser platziert werden. Das Gehäuse ist auf Beständigkeit<br />

gegen Betauung und kurzzeitige Überflutung ausgelegt.<br />

Ausgestattet mit energieeffizienter Elektronik und einer hochwertigen<br />

Lithium-Batterie kann der Logger bis zu zehn Jahre lang<br />

täglich Ergebnisse von 24 Messungen per E-Mail, SMS oder FTP<br />

übertragen. Die höchste Messrate beträgt eine<br />

Messung/Minute. Zwei Spannungseingänge (0–5 V),<br />

zwei Digitaleingänge, eine Bus-Schnittstelle (RS485)<br />

für den Betrieb von bis zu fünf Pegelsonden sowie<br />

eine optionale SDI<strong>12</strong>-Schnittstelle für Wasseranalysegeräte<br />

machen den ARC-1-Datenlogger zu einem<br />

universellen Datenerfassungsmodul für Wide Area<br />

Messnetzwerke.<br />

www.keller-druck.com<br />

Vorfertigung von Rohrleitungen<br />

Es ist nachzuvollziehen, dass die Vor-Ort-Montage von Rohrleitungen<br />

auf einer zumeist beengten, staubigen Baustelle unter<br />

eigentlich allen Aspekten vergleichsweise schlechter abschneiden<br />

wird als eine Vorab-Montage in der Werkstatt. Möglich ist die<br />

Vorfertigung allerdings erst durch die zeichnerische Vorplanung<br />

mithilfe eines 3-D-CAD/CAE-Systems wie Tricad MS in Verbindung<br />

mit dem Rohrplanungs-Tool Isogen. Die Schnittstelle Iso X<br />

ermöglicht es, die mit Tricad MS erstellten Daten für Isogen lesbar<br />

zu machen. Um das Erstellen und Verwalten von Fertigungs-<br />

Isometrien mit Isogen noch effizienter zu gestalten, wurden nun<br />

Oberfläche und Funktionalität stark erweitert. Neu ist, dass bei<br />

Isogen der Faktor Kosten einbezogen werden kann. Konkret<br />

können Montage- und Schweißzeiten in die Fertigungs-Isometrie<br />

einfließen. Fazit: Die Vorfertigung von Rohr-Baugruppen ist im<br />

Anlagenbau im Zeichen der<br />

zunehmenden Modularisierung<br />

ein zentrales Thema.<br />

Anlagenbauer wie Betreiber<br />

profitieren von einer<br />

höheren Kosteneffizienz<br />

und Zeitersparnis, die<br />

Qualität der Bauausführung<br />

ist signifikant besser.<br />

www.venturis.it<br />

Präzises Taupunktspiegel-Hygrometer<br />

Die Hochleistungs-Taupunktspiegel-Hygrometer<br />

S8000 von<br />

Michell verfügen über verbesserte<br />

Funktionalität und bieten eine<br />

einheitliche Benutzeroberfläche.<br />

Die Geräte arbeiten wahlweise mit<br />

fest integrierten oder abgesetzten Sensoren an und decken damit<br />

einen Gesamtmessbereich von – 100 bis + <strong>12</strong>0 °C T d<br />

ab. Der<br />

Remote Sensor kann Umgebungstemperaturen von bis zu + <strong>12</strong>0 °C<br />

standhalten und daher auch direkt im Prozess installiert werden.<br />

Die Produktlinie nutzt nun ein einheitliches, intuitives<br />

Touchscreen Interface. Für alle Modelle steht mit USB, RS232,<br />

RS485, Ethernet (ModBus TCP/IP) eine Auswahl an Kommunikationsschnittstellen<br />

zur Verfügung. Standardmäßig ist auch eine<br />

Datenerfassung auf SD-Karte für den komfortablen Einzelbetrieb<br />

möglich. Die Gehäuse wurden ebenfalls aktualisiert, sind mit<br />

reinigenden Oberflächen ausgestattet und servicefreundlich.<br />

Die hochpräzisen Instrumente verwenden das fundamentale<br />

Taupunktspiegel-Sensorprinzip und garantieren so akkurate und<br />

driftfreie Taupunktmessungen. Das S8000 RS setzt laut Hersteller<br />

Standards mit einer Genauigkeit von ± 0,1 °C Taupunkt und einem<br />

Taupunktmessbereich bis zu – 90 °C T d<br />

, ohne dass eine separate<br />

Kühlung erforderlich ist.<br />

www.michell.de<br />

Tool für die Analysen- und<br />

Prozessmesstechnik<br />

Der Digitale Wartungsmanager (DWM) ist eine Service-Plattform<br />

für die Verwaltung, die Visualisierung, den Betrieb und die<br />

Erfassung der Wartungserfordernisse analysen- und prozessmesstechnischer<br />

Sensoren und Messsysteme in verfahrenstechnischen<br />

Anlagen. Dabei bildet der DWM die gesamte installierte Sensorund<br />

Messtechnik digital ab und liefert dem Anlagenbetreiber<br />

zeitnahe Informationen über deren aktuellen und im Zeitverlauf<br />

zu erwartenden Betriebszustand. Hierauf basierend meldet der<br />

DWM automatisch einen betriebstechnisch erforderlichen oder<br />

gesetzlich vorgeschriebenen Wartungsbedarf und koordiniert die<br />

fälligen Servicetermine. Das integrierte Dokumentenmanagement<br />

verwaltet alle durchgeführten Serviceaktivitäten.<br />

www.sick.com<br />

Näherungsschalter bis – 60 °C<br />

EGE bietet die eigensicheren induktiven Näherungsschalter der<br />

Polar-Serie IGEXPa jetzt auch mit IECEx-Zertifizierung an. Die<br />

Sensoren halten Umgebungstemperaturen von – 60 bis + 60 °C<br />

stand und verfügen über Schutzart IP69. Abhängig vom Temperaturbereich<br />

lassen sie sich in den Zonen 0/20 oder 1/21 einsetzen.<br />

Die Sensoren sind in den Bauformen M<strong>12</strong>, M18 und M30 erhältlich.<br />

Bei bündigem Einbau betragen die Nennschaltabstände 2, 5<br />

bzw. 10 mm. Der Anschluss erfolgt über ein 2 m langes<br />

PUR-Kabel, auf Anfrage liefert EGE die Näherungsschalter auch<br />

mit anderen Kabellängen. Zur Auswertung der Schaltsignale<br />

dienen die IECEx-zertifizierten<br />

Auswertegeräte der Serie IKMb<br />

<strong>12</strong>2 Ex mit programmierbarer<br />

Ausgangsfunktion.<br />

www.ege-elektronik.com<br />

VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 33


BETRIEBSTECHNIK<br />

Wartung<br />

just in time<br />

Predictive Maintenance optimiert<br />

Instandhaltung in der Prozessindustrie<br />

Das Industrial Internet of Things<br />

(IIoT) wird von der Industrie<br />

zunehmend genutzt, um mit der<br />

Hilfe von Sensoren Betriebsdaten<br />

von Maschinen zu erfassen und zu<br />

kommunizieren. Mit einer neuen<br />

Echtzeit-Überwachung ist nun die<br />

vorausschauende Wartung von<br />

Elektromotoren möglich.<br />

Bei einem reaktiven Wartungsmodell<br />

wird eine Maschine erst bei Auftreten<br />

eines Fehlers repariert oder ersetzt. Im Falle<br />

eines defekten Motors bedeutet dies aber<br />

auch, dass mit seinem Ausfall ganze Produktionsabläufe<br />

zum Erliegen kommen<br />

können. Diese ungeplanten Stillstandzeiten<br />

verursachen erhebliche Produktions- und<br />

Verdienstausfälle.<br />

Auch die präventive Wartung hat Schwächen:<br />

Auf Intervallbasis entwickelte Wartungspläne<br />

können unzuverlässig sein, weil<br />

der tatsächliche Betriebszustand einer<br />

Maschine eventuell ein anderer ist als der<br />

empfohlene Betriebszustand, auf dem die<br />

vorgegebenen Reparaturpläne üblicherweise<br />

basieren.<br />

Predictive Maintenance betrachtet dagegen<br />

den Ist-Zustand der Maschine rund um<br />

die Uhr und legt auf dieser Basis fest, wann<br />

Service erforderlich ist. Die zuständigen<br />

Autor: Ingo Broich, Key Account Manager, WEG<br />

Germany GmbH, Kerpen<br />

Mitarbeiter werden so vor einem drohenden<br />

Versagen eines Motors gewarnt und<br />

können geeignete Maßnahmen ergreifen,<br />

bevor es aufgrund verschlissener Bauteile<br />

zu einem Ausfall kommt. Denn ungeplante<br />

Stillstandzeiten verursachen erhebliche<br />

Produktions- und Verdienstausfälle.<br />

In Echtzeit<br />

Auf kosteneffiziente Weise ermöglicht<br />

WEG Motor Scan die Echtzeit-Überwachung<br />

von WEG-Elektromotoren über eine<br />

intelligente Geräte-App, die für Android<br />

und iOS zur Verfügung steht. Mit Dimensionen<br />

von 44 × 38 × 25 mm lässt sich der<br />

kleine Sensor an Elektromotoren der IEC-<br />

Baugrößen 63 bis 450 nachträglich als<br />

Retrofit befestigen. Er misst neben der<br />

Oberflächentemperatur und Betriebsdauer<br />

auch die Vibrationen des Motors. Dies<br />

wird durch eine 3-Achsen-Schwingungsmessung<br />

von 1–3 kHz ermöglicht.<br />

Mittels Bluetooth (später auch über Gateway-Technologie)<br />

werden die gesammelten<br />

Daten in eine sichere Cloud übermittelt, wo<br />

sie dann durch eine mobile App oder ein<br />

Web-Portal, die WEG IoT-Plattform, aufgerufen<br />

werden können. Dadurch wird eine<br />

detaillierte Analyse des überwachten Elektromotors<br />

ermöglicht. Die IoT-Plattform<br />

bietet umfangreiche Analysetools für eine<br />

Fehlerdiagnose und erlaubt das Konfigurieren<br />

von Warnungen. Wartungsmitarbeitern<br />

ist es so möglich, die Echtzeitdaten zur<br />

aktuellen Leistung des Elektromotors von<br />

überall aufzurufen, direkt zu analysieren<br />

und entsprechend zu handeln.<br />

Im Einsatz<br />

Der Hersteller setzt selbst seine neue Lösung<br />

bei der Überwachung von Motoren in seinen<br />

brasilianischen Produktionsstand orten ein.<br />

Dabei handelt es sich um ganz unterschiedliche<br />

Anwendungen wie Abluftventilatoren,<br />

Förderanlagen, Sandstrahl anlagen, Umluftkühler,<br />

Kompressoren und Hydraulikpumpen.<br />

Kürzlich konnte sich der Motor Scan<br />

dabei erstmals bewähren. Der Sensor er-<br />

34 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


BETRIEBSTECHNIK<br />

Der Motor Scan hat sich aufgrund seines<br />

Designs und der Art der Befestigung auch<br />

bei Anwendungen unter widrigen Umgebungsbedingungen<br />

als robust und zuverlässig<br />

erwiesen. Am Produktionsstandort<br />

überwacht der Sensor bspw. Elektromotoren,<br />

die an Außenabgassysteme angeschlossen<br />

sind. Ein anderes Einsatzgebiet<br />

ist eine Gießerei, wo Motoren und Sensoren<br />

unter extremen Bedingungen zuverlässig<br />

ihre Aufgabe erfüllen.<br />

Das Wartungsteam am brasilianischen<br />

Standort freut sich über die Möglichkeiten,<br />

die der Sensor bietet: „Unsere Erfahrungen<br />

mit Motor Scan haben gezeigt, dass der<br />

Sensor einfach zu installieren ist. Er hat auf<br />

einfache Weise dabei geholfen, unsere<br />

Prozesse zuverlässiger zu gestalten und die<br />

Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen.“<br />

Heute und morgen<br />

Predictive Maintenance gestattet es also,<br />

mögliche Störfälle vorherzusagen und diese<br />

vor deren Eintreten abwenden zu können.<br />

Sie ermöglicht die vorausschauende Erkennung<br />

von Defekten und Fehlern außerhalb<br />

des Standards und des normalen Toleranzbereichs.<br />

Durch die Überwachung der Leistungsfähigkeit<br />

und des ordnungsgemäßen<br />

Betriebszustands der Motoren in Echtzeit<br />

minimiert Predictive Maintenance die zur<br />

Durchführung von Reparaturen erforderliche<br />

Stillstandzeit.<br />

Zu einem späteren Zeitpunkt wird die<br />

Lösung von WEG zusätzlich noch die Werte<br />

der Drehzahl, Start-/Stopp-Zeit, Last und<br />

Wirkungsgrad ermitteln und protokollieren.<br />

Energieeffizienz und Motorzustand, wie<br />

Unwucht und Fehlausrichtung, werden in<br />

Zukunft ebenfalls messbar sein.<br />

Fotos: WEG GmbH<br />

www.weg.net<br />

kannte eine Anomalie und sendete automatisch<br />

eine Warnung an das Wartungsteam.<br />

Einer von vier in der Fertigung befindlichen<br />

Umluftkühlern zeigte hohe Vibrationen.<br />

Bei dem folgenden vorausschauenden<br />

Wartungstermin konnten die Ingenieure<br />

den Fehler beheben. Nach der Korrekturmaßnahme<br />

unterblieben die Vibrationen.<br />

Aufgrund dieser zeitnahen Maßnahmen<br />

kam es in der Fabrik zu keinen unerwarteten<br />

Stillstandzeiten.<br />

Vorteile nutzen<br />

Der Motor Scan ermittelt und protokolliert neben der<br />

Oberflächentemperatur und Betriebsdauer auch die<br />

Vibrationen der Elektromotoren<br />

VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 35


BETRIEBSTECHNIK<br />

Die Sicherheits-Netzwerker<br />

Effektiver Arbeitsschutz bei einem Hersteller von Chlor und Epoxidharzen<br />

Um seine hohen Sicherheitsstandards<br />

weiter auszubauen,<br />

arbeitet ein Chemieunternehmen<br />

seit 2015 mit einer Online-Lösung,<br />

die sämtliche Mitarbeiter an Bord<br />

holt. Durch definierte Workflows<br />

können alle dazu beitragen,<br />

mögliche Gefahrenquellen zu<br />

reduzieren – und so Arbeitssicherheit<br />

nachhaltig stärken.<br />

Der betriebliche Arbeits- und Umweltschutz<br />

ist zu einem komplexen Feld aus<br />

Regeln und Pflichten angewachsen. „Mehr<br />

als 600 Unternehmen stärken ihre Rechtssicherheit<br />

und Zusammenarbeit mittlerweile<br />

mit Quentic“, sagt Quentic-Geschäftsführer<br />

Markus Becker. Seit 2015 ist die<br />

Online-Software auch bei Olin im Einsatz.<br />

Das US-amerikanische Unternehmen ist<br />

ein weltweit führender Hersteller von Chlor<br />

Autorin: Jennifer Riedasch, Quentic, Berlin<br />

und Epoxidharzen und beschäftigt in<br />

Deutschland rund 500 Mitarbeiter. Von seinen<br />

Standorten in Stade, Rheinmünster<br />

und Baltringen aus beliefert Olin Industriekunden<br />

rund um den Globus. In den Anlagen<br />

entstehen Basismaterialien für Kunststoffe<br />

und Kältemittel. Die<br />

Spezialprodukte werden in<br />

den verschiedensten Anwendungen<br />

des modernen<br />

Lebens verwendet, unter anderem<br />

in Smartphones, Rotorblättern<br />

für Windkraftanlagen<br />

oder Industrie-Böden.<br />

Darüber hinaus produzieren<br />

Unternehmen damit Kältemittel<br />

für Fahrzeug-Klimaanlagen<br />

oder Kühlschränke.<br />

Da in den Werken auch<br />

Stoffe zum Einsatz kommen,<br />

die unter die Gefahrstoffverordnung fallen,<br />

sind Sicherheit und Sorgfaltspflicht fest in<br />

der Unternehmens-DNA verankert. Als Teil<br />

der „Responsible-Care“-Initiative der chemischen<br />

Industrie endet das Engagement<br />

von Olin nicht bei der Erfüllung gesetzlicher<br />

Vorgaben. Das Unternehmen verfügt<br />

über ein umfassendes Sicherheitsmanagementsystem.<br />

Werksprozesse unterliegen<br />

einer systematischen Risikobewertung.<br />

Die Unternehmensrichtlinien legen die<br />

Verantwortung jedes einzelnen Mitarbeiters<br />

sowie seine Pflicht zur Mitwirkung fest.<br />

Deshalb werden Beschäftigte und Fremd-<br />

firmen kontinuierlich in allgemeinen<br />

Schutzmaßnahmen unterwiesen. Zusätzlich<br />

lässt Olin fortlaufend Audits vornehmen:<br />

Das Unternehmen ist zertifiziert nach<br />

ISO 14001 (Umweltmanagement), ISO 9001<br />

(Qualitätsmanagement) und ISO 50001<br />

Da Daten konsistent, strukturiert<br />

und aktuell sind, können wir<br />

Prozesse effizient und sicher<br />

steuern. Aus intransparenten<br />

Dokumenten-Inseln entsteht eine<br />

integrative HSE-Landschaft.<br />

Jörg Fuchs, OMS-Koordinator,<br />

Olin-Management-System<br />

(Energiemanagement). In regelmäßigen<br />

Abständen steht auch ein HSE-Audit<br />

(Health, Safety, Environment) auf dem Plan.<br />

Daten, Prozesse und Menschen<br />

intelligent vereinen<br />

Um sein Portfolio auszubauen, übernahm<br />

Olin im Jahr 2015 das Epoxy- und Teile des<br />

Chlorgeschäfts des Chemiekonzerns Dow<br />

Chemical. Damit mussten auch die zu<br />

dokumentierenden und auszuwertenden<br />

HSE-Informationen zusammengeführt<br />

werden. Diese sollten einheitlich verfügbar<br />

36 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


BETRIEBSTECHNIK<br />

sein und so den Informationsaustausch<br />

und die Zusammenarbeit verbessern. Deshalb<br />

suchte das Unternehmen nach einer<br />

Alternative zur bisherigen Systematik. „Wir<br />

verglichen verschiedene Softwareanbieter<br />

und stießen auf der Achema erstmals auf<br />

die Online-Lösung Quentic. Diese überzeugte<br />

uns vor allem mit ihrem ganzheitlichen<br />

Ansatz und modularen System“,<br />

berichtet Jörg Fuchs, OMS-Koordinator<br />

(Olin-Management-System) in Europa.<br />

Mit acht Modulen umfasst Quentic die<br />

Bereiche Arbeitssicherheit, Risks & Audits,<br />

Gefahrstoffe, Legal Compliance, Online-<br />

Unterweisungen, Prozesse sowie Umweltmanagement<br />

und Nachhaltigkeit. Anwender<br />

können sich die einzelnen Bausteine<br />

flexibel zusammenstellen. Dadurch<br />

erhalten sie eine individuelle Lösung,<br />

die exakt auf ihre Bedürfnisse abgestimmt<br />

ist. Der maximale Nutzen resultiert aus<br />

den zahlreichen Querver bindungen, die<br />

Arbeitsschritte über Ab teilungen, Standorte<br />

und Länder hinweg ineinandergreifen<br />

lassen. Dabei erhält jeder Mitarbeiter<br />

bedarfsgerecht Zugriff auf die Bereiche,<br />

die er benötigt – sei es für Detailinformationen<br />

im Fachbereich oder den Rundumblick<br />

im Management. „Da Daten konsistent,<br />

strukturiert und aktuell sind, können<br />

wir Prozesse effizient und sicher steuern.<br />

Aus intransparenten Dokumenten-Inseln<br />

entsteht eine integrative HSE-Landschaft“,<br />

erklärt der OMS-Koordinator. Weiterer<br />

Vorteil: In der SaaS-Lösung (Software as a<br />

Service) entfallen aufwändige Installationen<br />

oder zusätzliche Administration. Das<br />

spart Zeit und Geld.<br />

Digitale Verbindung für Gefahrstoffe<br />

und Arbeitssicherheit<br />

Während der EcoWebDesk-Implementierung<br />

bildete Olin die deutschlandweite<br />

Unternehmensstruktur in der Produktion<br />

ab: Organisationseinheiten, Arbeitsmittel,<br />

Stellen und Personen. Dies ermöglicht es,<br />

Dokumente und Aufgaben richtig zuzuordnen<br />

und nachzuvollziehen, welcher Mitarbeiter<br />

in welchen Prozess involviert ist.<br />

Anschließend startete das Chemieunternehmen<br />

mit dem Modul Gefahrstoffmanagement.<br />

Im Gefahrstoffkataster werden<br />

heute über 1 500 Arbeits- und Gefahrstoffe<br />

zentral verwaltet. Dank anpassbarer Filterfunktionen<br />

finden Nutzer schnell die ver-<br />

01 Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen oder Qualifizierungs- und<br />

Schutzmaßnahmen – mit der Software ist alles im Blick<br />

wendeten Inhaltsstoffe – samt Kennzeichnung<br />

nach gängigen Standards (GefStoffV,<br />

GHS/CLP). Informationen zu Freigaberegulierungen,<br />

Einsatzbereichen und der<br />

Gefahrstoff-Zusammenlagerung können<br />

Verantwortliche automatisch prüfen.<br />

Durch die Verknüpfung mit dem Modul<br />

Arbeitssicherheit hinterlegen Mitarbeiter<br />

Sicherheitsdatenblätter direkt in EcoWeb-<br />

Desk. An die Aktualisierung erinnert die<br />

Software nach festgelegter Frist. „Auch Gefährdungsbeurteilungen<br />

und Betriebsanweisungen<br />

erzeugen wir im System. Per<br />

Mausklick kombinieren wir die benötigten<br />

Angaben – inklusive Schutzmaßnahmen“,<br />

so Jörg Fuchs.<br />

Geteiltes Wissen, einheitliche<br />

Standards<br />

Relevante Rechtsnormen sind bei Olin im<br />

Modul Legal Compliance erfasst. „Durch<br />

den automatischen Abgleich mit einer<br />

Onlinedatenbank für Rechtstexte bleibt<br />

unser Rechtskataster stets aktuell. Beim<br />

Aufbau unterstützte uns der Quentic-<br />

Partner Tüv Nord“, erläutert Fuchs. Dank<br />

der Verknüpfung von Arbeitsmitteln und<br />

Gesetzen werden zuständige Fachkräfte<br />

automatisch über Gesetzesänderungen informiert<br />

und leiten Rechtspflichten mühelos<br />

ab. Technische Prüfungen bereiten sie<br />

effizient vor. Im Prüfungsplan werden<br />

diese samt Wiederholungsintervallen angezeigt.<br />

Die Erinnerungsfunktion sorgt dafür,<br />

dass dabei jeder Termin im Blick bleibt.<br />

Die Instandhaltung von genehmigungspflichtigen<br />

Maschinen ist dadurch bei Olin<br />

strukturiert organisiert.<br />

Die SaaS-Lösung ist geeignet, Managementsysteme<br />

gemäß ISO 14001, ISO 50001<br />

und OHSAS 18001 zu unterstützen. „Unsere<br />

externen Auditoren kennen EcoWebDesk<br />

bereits. Da alles nachvollziehbar in der Software<br />

hinterlegt sind, können wir nicht nur<br />

besser zusammenarbeiten, sondern auch<br />

Zertifizierungsprozesse effizienter durchlaufen“,<br />

sagt Jörg Fuchs.<br />

Fotos: Quentic/Olin<br />

www.quentic.de<br />

02 Seit drei Jahren nutzt Jörg Fuchs die<br />

Software Quentic, die sämtliche HSE-<br />

Akteure in einem System verbindet<br />

VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 37


BETRIEBSTECHNIK<br />

Präzise Kontrollwaagen<br />

Die dynamischen Kontrollwaagen<br />

HKW von Höfelmeyer erlauben<br />

eine präzise und vollautomatische<br />

Gewichtsermittlung bei<br />

verpackten und unverpackten<br />

Produkten. Sie finden ihren<br />

Einsatz als I-Punkte in der<br />

Produktion als auch im Rahmen<br />

der klassischen End-of-Line-<br />

Kontrolle. Produkte von 10 g bis<br />

zu 150 kg können verwogen<br />

werden. Je nach Anforderungen<br />

können Durchsätze über<br />

300 Stück/min erreicht werden. Durch das Erstellen von gesetzlich<br />

vorgeschriebenen als auch zeitbezogenen Statistiken ist es<br />

möglich, die Produktionsprozesse lückenlos zu dokumentieren,<br />

zu überwachen und zu steuern. So können bei Erkennen von<br />

Über- und Unterfüllungen im laufenden Prozess Verstellanweisungen<br />

an vorgeschaltete Anlagen gesendet werden (Tendenzregelung).<br />

Fehlgewichtige Einheiten werden selbsttätig aus dem<br />

Produktstrom ausgeschleust. Durch ihren modularen Aufbau<br />

passen sich die Höfelmeyer Kontrollwaagen flexibel an die<br />

Produktionslinie an und eignen sich auch für komplexe Mehrspuranwendungen.<br />

Zu den Optionen gehören verschiedene<br />

Transportanpassungen, produktspezifische Ausschleuseorgane<br />

und Auffangkörbe sowie optische oder akustische Signalgeber.<br />

www.hoefelmeyer.de<br />

Robustes Smartphone<br />

Das Outdoor-Smartphone RG850 bietet Android 8.1 und ein<br />

5,99"-Display im 18:9-Format. Darüber hinaus erfüllt das Gerät<br />

den Standard IP68 und den Militärstandard<br />

MIL-STD 810G. Es ist damit laut Hersteller<br />

gegen alle Arten von Flüssigkeiten, Staub,<br />

Ölnebel, Vibrationen, Stöße und auch<br />

Stürze aus bis zu 1,5 m auf Beton geschützt.<br />

3 GB Arbeitsspeicher und 32 GB interner<br />

Speicher sind verfügbar. Mittels MicroSD-<br />

Karte lässt sich der Speicher auf bis zu<br />

<strong>12</strong>8 GB erweitern.<br />

www.ruggear.com<br />

Schnell zur passenden Signalisierung<br />

Evosignal von Werma ist ein<br />

übersichtliches modulares<br />

System, das laut Hersteller<br />

nahezu sämtliche Anwendungsbereiche<br />

abdeckt. Dabei wird der<br />

Interessent in wenigen Schritten<br />

zum passenden Produkt für seine<br />

Anwendung geleitet – so sollen<br />

Fehlkäufe und zeitraubende Umtauschprozesse der Vergangenheit<br />

angehören. Über drei verfügbare Größenklassen (Mini/Midi/<br />

Maxi) in Kombination mit optischen/akustischen Signalisierungsmöglichkeiten<br />

und Montageadaptern decken die neuen Produkte<br />

zukünftig sämtliche Einsatzbereiche ab.<br />

www.werma.com<br />

Mitarbeiter-Unterweisungen<br />

organisieren<br />

Beschäftigte müssen unterwiesen werden, um Gefährdungen am<br />

Arbeitsplatz zu kennen und geeignete Schutzmaßnahmen<br />

anwenden zu können. UTA ist eine Plattform für Unterweisungen<br />

und Schulungen, die Führungskräfte und Personalverantwortliche<br />

beim Planen, Organisieren, Durchführen und Verwalten<br />

unterstützt. Mit der webbasierten Lösung können Anwender u. a.<br />

Unterweisungen vorbereiten, Medien einbinden, Unterschriften<br />

der Teilnehmer elektronisch speichern und durchgeführte<br />

Wirksamkeitskontrollen dokumentieren.<br />

Eine aufwändige Installation von Software entfällt, Updates<br />

erfolgen kontinuierlich. Derartige Software as a Service (SaaS)<br />

Lösungen sind besonders geeignet, um Daten für mehrere<br />

Nutzer – auch in verschiedenen Abteilungen oder an unterschiedlichen<br />

Standorten – zur Verfügung zu stellen und zu verwalten.<br />

www.qumsult.de<br />

Berstscheibe trotzt hohen Temperaturen<br />

Die neue Berstscheibe GRX wurde entwickelt<br />

für Prozesse mit korrosiven Medien, niedrigen<br />

Drücken und Temperaturen zwischen – 180 und<br />

+ 1 500 °C. Die GRX ist sowohl mit einer<br />

Kunstharz-Beschichtung (Prozesstemperaturen<br />

bis 200 °C) als auch mit einer eigens für die GRX entwickelten<br />

PyC-Beschichtung (Temperaturen über 200 °C) erhältlich. Durch<br />

diese Beschichtung hält die Berstscheibe wesentlich länger sehr<br />

hohe Temperaturen aus und bleibt dabei dauerhaft dicht.<br />

Optional kann eine Vakuumstütze integriert werden, die ohne<br />

Kleber installiert wird. Außerdem ist die Berstscheibe auf Wunsch<br />

auch mit Signalisierung erhältlich. Der Einbau erfolgt direkt<br />

zwischen Flansche.<br />

www.rembe.de<br />

Effiziente Getränkeabfüllung<br />

Für die Produktion und<br />

Füllung von 500-ml-PET-<br />

Flaschen mit Wasser und<br />

Säften wurde die Sidel-<br />

Matrix-Blasmaschine in<br />

einer Combi-Konfiguration<br />

an einen peruanischen<br />

Getränkehersteller geliefert.<br />

Die Maschine integriert die<br />

Funktionen Streckblasen, Füllen und Verschließen in ein Gehäuse<br />

und optimiert das Anlagenlayout mit ihrer kleineren, kompakteren<br />

Stellfläche und ihrem ergonomischen Design. Außerdem<br />

gewährleistet der Wegfall von Fördertechnik, Handling von<br />

Leerflaschen, Pufferung und Lagerung ein höheres Hygieneniveau.<br />

Die Lösung steigert den Wirkungsgrad laut Hersteller<br />

verglichen mit eigenständigen Maschinen – bei einer geringeren<br />

Anzahl Komponenten – um bis zu 4 % und trägt zu einer Reduzierung<br />

der Betriebskosten um bis zu <strong>12</strong> % bei. Die Blasmaschine<br />

bietet 200 mögliche Konfigurationen, um jedem Produktionsbedarf<br />

genau zu entsprechen; außerdem reduziert sie den<br />

Verbrauch von Strom, Luft und Material und die Stillstandszeiten.<br />

www.sidel.com<br />

38 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


BETRIEBSTECHNIK<br />

Flurförderzeuge im Ex-Bereich und<br />

Reinraum<br />

Das Thema Explosionsschutz hat heutzutage in<br />

vielen Bereichen der Industrie absolute Priorität.<br />

Auch ex-geschützte Flurförderzeuge tragen ihren<br />

Teil zur Anlagensicherheit bei. Die Firma<br />

Sichelschmidt entwickelt umfangreiche<br />

Programme an Serienfahrzeugen für die<br />

Ex-Zonen 1 und 2 bzw. 21 und 22 sowie Ex IIC<br />

nach Atex 95, die dann zum Einsatz kommen,<br />

wenn Wasserstoff oder Acetylen in die<br />

Atmosphäre gelangen können. Zu den<br />

internationalen Normen bezüglich des<br />

Ex-Schutzes der Förderzeuge gesellen sich je<br />

nach Anwendung zahlreiche weitere Regularien, die ebenfalls<br />

erfüllt sein wollen. Im Bereich der pharmazeutischen Industrie<br />

z. B. wurde für den Einsatz in GMP-Reinraumklasse C ein<br />

Maßnahmenpaket entwickelt, das u. a. die Verwendung eines<br />

Isopropanol-resistenten Sonderlacks für die Stahlblechkomponenten<br />

sowie den Einsatz von lösemittelbeständigen Kunststoffen<br />

beinhaltet. Auch die Ausgestaltung der gesamten Blechkonstruktion<br />

unter dem Aspekt des Hygienic Designs ist Teil dieses Pakets.<br />

Die entsprechend ausgerüsteten Systeme kommen u. a. bei der<br />

Abfüllung von endsterilisierten Produktionen oder bei der<br />

Herstellung von Lösungen für die anschließende Sterilfiltration<br />

zum Einsatz.<br />

www.sichelschmidt.de<br />

Modifizierbare Recyclingkunststoffe<br />

Mit dem eigens entwickelten und mehrfach ausgezeichneten<br />

Produktionsverfahren Recycled-Resource, das auf einem<br />

komplexen Upcycling-Recompounding-Prozess basiert, stellt<br />

Interseroh die Kunststoffrezyklate Procyclen und Recythen her.<br />

Deren Einsatz liefert laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts<br />

Umsicht im Vergleich zur Verwendung von Neugranulat einen<br />

wertvollen Beitrag zum nachhaltigen<br />

Umgang mit Ressourcen und reduziert<br />

die bei der Herstellung entstehenden<br />

Treibhausgase um 30 bis 50 %.<br />

Procyclen ist ein individuell modifizierbares<br />

Recompound. Durch spezielle<br />

Rezepturen lässt es sich in puncto<br />

Fließfähigkeit, Stabilität, UV- und<br />

Hitzebeständigkeit oder Farbgebung<br />

exakt an die Wünsche der Kunden<br />

anpassen. Dabei gilt: Ähnlich wie rohölbasiertes Neumaterial<br />

erfüllt Procyclen hohe Anforderungen an die Eigenschaften neuer<br />

Produkte oder Verpackungen – und kann zudem im Spritzgussoder<br />

Extrusionsverfahren verarbeitet werden.<br />

www.interseroh.de<br />

Aluminiumbronze als Gleitlager<br />

Aluminiumbronze bietet sich für Lagerungen in einem extrem<br />

schwierigen Umfeld an. Denn sie ist wenig empfindlich<br />

gegenüber Schmutz oder Gegengleitflächen, auch wenn diese<br />

eine schlechte Oberflächenqualität haben. Auch bei Stößen oder<br />

Schwingungen bewährt sie sich, was bspw. für Verpackungsmaschinen<br />

wichtige Faktoren sind. Für Werkstücke, die besonders<br />

belastbar sein müssen, bieten sich CuAlFe-Legierungen mit<br />

eingeengter Toleranz in den Legierungselementen an. Bereits als<br />

Strangguss verweist die Legierung A 200 auf eine Härte von<br />

180–190 HB (Härte nach Brinell) und eine Zugfestigkeit von über<br />

600 N/mm 2 . Auch der Gleitreibungskoeffizient von 0,1–0,2<br />

(geschmiert) erlaubt Tribosysteme mit hohen Belastungen.<br />

Das Portfolio umfasst außerdem hoch entwickelte Werkstoffe die<br />

in 200–380 HB erhältlich sind. Die Festigkeitswerte ermöglichen<br />

nicht nur eine kompakte Konstruktionsweise. Unmagnetische<br />

Aluminiumbronze wird auch deshalb genutzt, weil sie sich nicht<br />

statisch auflädt. Damit werden keine<br />

Stäube angezogen, was sowohl bei der<br />

Lebensmittelverarbeitung, insbesondere<br />

aber im Bereich von Pharma- und<br />

Medizingütern ein entscheidendes<br />

Kriterium ist. A 200 ist ausdrücklich für<br />

die Lebensmittelindustrie zugelassen.<br />

www.albromet.de<br />

Auffangwannen aus GFK<br />

Für den betrieblichen Umweltschutz sind Auffangwannen<br />

unverzichtbare Ausstattungsgegenstände. Gefahrstoffe lassen sich<br />

darauf sicher abstellen und lagern – in IBC, Fässern oder<br />

Kanistern. GFK ist ein universell einsetzbarer Verbund-Werkstoff<br />

für die Lagerung wassergefährdender Stoffe. Es ist langzeitstabil,<br />

kältefest und witterungsbeständig. Seine duroplastische<br />

Grundstruktur in Verbindung mit einer Glasfaserverstärkung<br />

sorgen für ein positives Brandverhalten und hohe chemische<br />

Beständigkeit.<br />

GFK-Auffangwannen verbinden die positiven Eigenschaften von<br />

Stahl und Kunststoff. Aufgrund der absoluten Korrosionsbeständigkeit<br />

dürfen GFK-Auffangwannen direkt auf dem Boden<br />

aufgestellt werden. Die niedrige Bauhöhe vereinfacht das<br />

Handling in den Betrieben. Zu den Medien, für die sich<br />

GFK-Wannen besonders eignen,<br />

gehören z. B. Diesel, Frisch- und<br />

Gebrauchtöl, schwache Laugen<br />

und Säuren. Absolut glatte<br />

Innenflächen ermöglichen im<br />

Bedarfsfall eine leichte Reinigung.<br />

Die Materialstruktur ermöglicht<br />

eine hohe Festigkeit bei geringen<br />

Wandstärken.<br />

www.protecto.de<br />

SICHERE LAGERUNG VON GEFAHRSTOFFEN<br />

SICHERHEITS-<br />

SCHRÄNKE F90<br />

AUFFANG-<br />

WANNEN<br />

GEFAHRSTOFF-<br />

REGALE<br />

GEFAHRSTOFF-<br />

LAGERCONTAINER<br />

WEITERE ARTIKEL<br />

&INFORMATIONEN AUF:<br />

SAFE-CONTAINER.DE<br />

SÄBU Morsbach GmbH |Tel.: 02294 694-0 |E-Mail: safe@saebu.de |Internet: t t www.safe-container.de<br />

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VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 39


BETRIEBSTECHNIK<br />

Sichere Gefahrstofflagerung<br />

Das kompakte Gefahrstoffdepot<br />

wurde für die<br />

Lagerung kleinerer<br />

Mengen Gefahrstoffe im<br />

Freien entwickelt. Es ist<br />

ein rundum geschütztes<br />

diebstahlsicheres<br />

Außenlager gemäß den<br />

Anforderungen des<br />

Wasserhaushaltsgesetz<br />

(WHG) für die Lagerung<br />

von Medien der Wassergefährdungsklassen<br />

1-3<br />

und brennbaren Stoffen (GHS 1-3) gemäß BetrSichV und<br />

zugelassen durch das Deutsche Institut für Bautechnik Berlin.<br />

Durch entsprechendes Zubehör kann das Gefahrstoffdepot auch<br />

für die liegende Lagerung oder für die Lagerung von Kleingebinden<br />

ausgestattet werden. Eine kombinierte Lagerung ist<br />

ebenfalls möglich.<br />

Das handliche Depot für Gefahrstoffe verfügt über eine komplett<br />

verzinkte Konstruktion aus stabilen Trapezblechen sowie eine<br />

integrierte flüssigkeitsdicht verschweißte und anschließend<br />

verzinkte Stahl-Auffangwanne aus 3 mm Stahlblech (S235 JR).<br />

www.saebu.de<br />

Halbzeuge im chemischen Behälterbau<br />

Simona Hohlkammerplatten zeichnen sich durch hohe Steifigkeit,<br />

niedriges spezifisches Gewicht und gute Wärmedämmung aus.<br />

Sie sind einfach zu verarbeiten und dank ihrer Leichtbauweise<br />

und der hohen chemischen Widerstandsfähigkeit für den Einsatz<br />

im Behälter- und Apparatebau geeignet. Die Hohlkammerplatten<br />

sind in längsverrippter und in kreuzverrippter Ausführung erhältlich.<br />

Das Lieferprogramm der neuen kreuzverrippten Hohlkammerplatte<br />

wurde neben den bereits erhältlichen 40 mm dicken<br />

Platten in PE 100 und PP-C um Platten in 30 mm Dicke und<br />

passende 90°-Eckelemente erweitert.<br />

Simona PFA wird im Korrosionsschutz bei besonders hoher<br />

chemischer und thermischer Belastung eingesetzt. Es ist als<br />

unkaschierte Platte sowie mit einer Glas- und Aramidkaschierung<br />

erhältlich.<br />

Simodual ist ein standardisiertes Komplettsystem von Industriedoppelrohren,<br />

die voll druckbelastbar sind. Statt eines einfachen<br />

Spritzschutzes verfügt das Rohrsystem über einen durchgängigen,<br />

überwachbaren und druckfesten Leckagerückhalteraum. Neben<br />

den Rohrmodulen ist ein komplettes Formteilprogramm in<br />

doppelwandiger Ausführung erhältlich und verschiedene<br />

Werkstoffkombinationen aus PE 100 und PP bei Medien- und<br />

Schutzrohr realisierbar.<br />

www.simona.de<br />

Inserentenverzeichnis Heft <strong>12</strong>/<strong>2018</strong><br />

Atlas Copco, Essen23<br />

Bühler Technologies, Ratingen3<br />

Gather, Wülfrath7<br />

Keller AG, CH-Winterthur 4. US<br />

NürnbergMesse, Nürnberg13<br />

PhoenixTM, Bad Oeynhausen9<br />

RKR, Rinteln22<br />

Ruwac, Melle41<br />

Säbu, Morsbach39<br />

VEGA Grieshaber, Schiltach22a+b<br />

Will & Hahnenstein, Herdorf<strong>12</strong><br />

Beilage:<br />

easyFairs Deutschland, München<br />

(Teilbeilage)<br />

Schnelle Entsorgung von Verpackungen<br />

Der Liquidrainer entleert laut Hersteller zuverlässig volle Getränkebehälter.<br />

Die Flüssigkeiten und Umverpackungen werden durch<br />

die Maschine sauber getrennt und sicher abgeführt. Die Getränkebehälter<br />

werden entwertet, damit Missbrauch von Flüssigkeiten<br />

und Getränkebehältern vermieden wird.<br />

Die Styropress ist eine Brikettierpresse für die Volumenreduzierung<br />

von losem EPS (Styropor). Für den Einsatz der Maschine ist<br />

kein Bedienpersonal erforderlich. Die Maschine kann kontinuierlich<br />

betrieben und händisch oder automatisch befüllt werden. Mit<br />

ihrer hohen Brikettdichte sichert sie eine volle Auslastung von<br />

LKW- und See-Containern. Das<br />

Füllvolumen wird von ca. 800 kg<br />

losem EPS auf 24 t gepresste<br />

EPS-Briketts erhöht. Die<br />

Transportkosten werden drastisch<br />

gesenkt und die Briketts werden<br />

zudem gewinnbringend verkauft.<br />

www.strautmann-umwelt.de<br />

Smarte Alarmierungslösung<br />

Mit SafeGuard24h<br />

bringen die Experten<br />

für Sicherheit,<br />

Ziemann und die<br />

Spezialisten für<br />

Kommunikationsund<br />

Sicherheitstechnologie,<br />

Saferworx,<br />

jetzt gemeinsam eine<br />

smarte Lösung für<br />

die IP-basierte Notrufübermittlung auf den Markt, die rund um<br />

die Uhr für eine laut Hersteller absolut sichere Alarmierungskette<br />

sorgt. Ziemann stellt dabei seine vom Verband der Schadenversicherer<br />

(VdS) anerkannte Notruf- und Serviceleitstelle (NSL) zur<br />

Verfügung. Dort werden ab sofort alle SafeGuard24h-Systeme<br />

aufgeschaltet, damit im Ernstfall sofort eine zuverlässige Alarmierungs-<br />

und damit Hilfekette in Gang gesetzt wird.<br />

Dabei umfasst die Lösung programmierbare Optionen, wie etwa<br />

einen 3-D-Bewegungssensor für einen Neigungs-, Aufprall- oder<br />

Fluchtalarm bzw. Bewegungslosigkeit. Die Kommunikation<br />

erfolgt redundant per SMS, GPRS oder WLAN (VoIP).<br />

www.ziemann-sicherheit.de<br />

Online-Angebotskonfigurator zur<br />

ISO 9001<br />

Tüv Süd bietet seit diesem Jahr einen Online-Konfigurator, mit<br />

dem Unternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern die Kosten für eine<br />

Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015 innerhalb kurzer Zeit<br />

ermitteln können. Damit können Betriebe die Kosten für eine<br />

ISO-9001-Zertifizierung binnen weniger Minuten kalkulieren<br />

lassen und erhalten so sehr schnell eine solide Grundlage für ihre<br />

Entscheidung. Nötig sind dafür nur wenige Daten zum Kunden<br />

und dessen Zertifizierungsstatus. Sollte das Angebot zusagen,<br />

können Unternehmen das angefügte Auftragsblatt sofort ausfüllen<br />

und per E-Mail zurücksenden.<br />

www.tuev-sued.de<br />

40 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


BETRIEBSTECHNIK<br />

Intelligente Prüflösungen für die<br />

Pharmaindustrie<br />

Aufgrund der rasant steigenden<br />

Absatzzahlen von Autoinjektoren<br />

und Injektions-Pens (z. B. für<br />

Insulin) sind die Pharmahersteller<br />

auf effiziente, aber gleichzeitig<br />

sichere Prüfsysteme angewiesen.<br />

Neben höherem Probendurchsatz<br />

sind vor allem Steigerungen im<br />

Bereich Sicherheit und die<br />

Integration von neuen Prüfprozessen<br />

ein Hauptanliegen der<br />

Hersteller. ZwickRoell hat ein<br />

spezielles Prüfsystem entwickelt,<br />

das aktuellen, aber auch zukünftigen<br />

Anforderungen der Pharmaindustrie<br />

gerecht wird. Basis des<br />

Prüfsystems ist eine statische Prüfmaschine der AllroundLine. Die<br />

Maschine ist mit zusätzlicher Sensorik (Kameras, Laser, Mikrofon)<br />

ausgestattet, um neben der Ermittlung der Kräfte auch Kennwerte<br />

wie die austretende Nadellänge oder Klickgeräusche zu messen.<br />

www.zwickroell.com<br />

Doppel-Molchsystem sorgt für Hygiene<br />

Doppel-Molchsysteme verbessern den bisherigen Abfüll- und<br />

Reinigungsprozess der Behälter, die ein Eishersteller für seine<br />

Produkte verwendet. Bisher wurden diese mit Containersystemen<br />

vom Mixer zur Abfüllanlage gefahren. Mit Ventilen, Verschraubungen<br />

und Schläuchen werden die Container manuell<br />

angeschlossen und entleert. Danach müssen alle Komponenten<br />

aufwändig sterilisiert werden.<br />

Das neue hygienische Molchsystem von Uresh ist voll automatisiert<br />

und verbessert den Abfüll- und Reinigungsprozess deutlich.<br />

Das Produkt befindet sich in einem geschlossenen System und<br />

wird nicht kontaminiert. Angetrieben durch Wasser laufen die<br />

Molche durch die DN65 dicken und bis zu 60 m langen Rohre und<br />

stoßen dabei das in den Rohren enthaltene Speiseeis aus.<br />

Edelstahl-IBC als Ersatz für Einweg-IBC<br />

Das von der EU diskutierte Verbot für Einweg-Plastik-Produkte<br />

könnte auch Einweg-IBC betreffen. Mehrweg-IBC aus Edelstahl<br />

können einfach und rückstandslos gereinigt und wiederverwendet<br />

werden. Zudem ermöglicht der verwendete Edelstahl ein<br />

100-prozentiges Recycling. Allgemein können Edelstahl-IBC in<br />

fast allen Industriezweigen für die unterschiedlichsten Stoffe<br />

verwendet werden: von Chemikalien über Kosmetik bis zu<br />

Lebensmitteln, von Flüssigkeiten bis zu Granulaten. Durch<br />

regelmäßige Inspektionen beträgt die Lebensdauer dabei über<br />

20 Jahre und amortisiert damit die höheren Anschaffungs- und<br />

Instandhaltungskosten im Vergleich zu Kunststoff-IBC deutlich.<br />

Am Ende trägt jedoch<br />

auch die höhere Sicherheit<br />

zur Nachfrage von<br />

Edelstahl-IBC bei.<br />

Beispielsweise ist die<br />

Gefahr nicht gegeben,<br />

dass im IBC gelagerte<br />

Stoffe mit dem Edelstahlbehälter<br />

reagieren oder<br />

umgekehrt. Gleichzeitig<br />

erfüllen sie höhere<br />

Schutzanforderungen<br />

hinsichtlich Explosion,<br />

Druck, Brand und<br />

Elektrostatik, so der<br />

Hersteller.<br />

www.schaefer-container-systems.de<br />

anz-90-130-vfm_Layout 1 18.02.18 14:00 Seite 1<br />

www.uresh.ch<br />

Mehr Sicherheit durch<br />

Trockenhitze-Sterilisation<br />

Die GMP- und FDA-gerechten Heißluftsterilisatoren SteriEvent<br />

arbeiten mit dem Trockenhitze-Sterilisationsverfahren. Dieses<br />

setzt sehr hohe Temperaturen ein, benötigt keine zusätzlichen<br />

Chemikalien und ist daher zeitsparend, effizient und umweltfreundlich.<br />

Zu den Merkmalen gehören bspw. eine Innendruckregelung,<br />

eine anwenderfreundliche Türschließ automatik und<br />

das Hepa-Filter-Monitoring gemäß DIN EN ISO<br />

14644-1 für sicheres Sterilisieren unter<br />

Reinraumbedingungen. Die Heißluftsterilisatoren<br />

sind in den Reinraumklassen ISO 5 und<br />

7 gemäß DIN EN ISO 14644-1 verfügbar. Jede<br />

Reihe umfasst vier Gerätegrößen mit einem<br />

Nutzraumvolumen zwischen 340 und 3 <strong>12</strong>5 l.<br />

www.weiss-technik.com<br />

www.ruwac.de<br />

05226-9830-0<br />

VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 41<br />

Ruwac.indd 1 <strong>12</strong>.03.<strong>2018</strong> 15:56:13


VERFAHRENSTECHNIK IM ALLTAG I SERIE<br />

Wider das Kleben<br />

Struktur der Arbeitsflächen und Kontaktdauer beeinflussen Teighaftung<br />

Weihnachtszeit ist Plätzchenzeit.<br />

Für viele hat das große Backen<br />

bereits begonnen. Wer gern nascht,<br />

freut sich über die Teigreste, die an<br />

Knethaken oder Schüssel kleben<br />

bleiben. Doch auch in Bäckereien<br />

oder Industriebetrieben bleiben<br />

nicht unerhebliche Mengen des<br />

Teiges an Transportbändern und<br />

Gärtüchern haften.<br />

Autorin: Sandra Wiebe, Gesamtkommunikation,<br />

Karlsruher Institut für Technologie<br />

rung kommen. Die Folge: Es werden zusätzliche<br />

Hilfsstoffe wie teure Spezialmehle, die<br />

nicht stauben, benötigt, die Reinigung wird<br />

aufwändiger, die Maschinen stehen währenddessen<br />

still und es kommt zu Produktionsausfällen.<br />

Speziell auf Gärtüchern, wie<br />

man sie für manche Brotteige oder Hefeteig<br />

braucht, schimmeln Teigreste außerdem<br />

sehr schnell, da sie im Gärschrank bei Temperaturen<br />

um die 30 °C und hoher Luftfeuchtigkeit<br />

liegen. Die Tücher müssen daher<br />

immer wieder ersetzt werden.<br />

Unter der Lupe<br />

„Wir haben untersucht, welchen Einfluss<br />

die Kontaktdauer von Teig und Werkstoff<br />

hat und wie sich die Oberflächenstruktur<br />

der Werkstoffe auf die Teighaftung auswirkt“,<br />

sagt Sebastian Moeller vom Institut<br />

für Mechanische <strong>Verfahrenstechnik</strong> und<br />

Mechanik des KIT. Mit einem Laser-Raster-<br />

Mikroskop nahmen die Wissenschaftler die<br />

Struktur der Oberflächen von Gärtüchern,<br />

Transportbändern und Backblechen aus<br />

Edelstahl auf. Die Bilder werteten sie dann<br />

nach Oberflächenparametern wie Rauheitswerte,<br />

Höhenverteilung des Materials<br />

und Aufteilung des Oberflächenprofils in<br />

Spitzen-, Kern- und Talbereiche aus.<br />

„Mit Versuchen in einer Zentrifuge haben<br />

wir außerdem die Haftkräfte von Teig ermittelt.<br />

Dabei haben wir Teigproben von den<br />

Teigreste an Transportbändern und Gärtüchern<br />

führen im schlimmsten Fall zu<br />

Hygieneproblemen und Produktionsausfällen.<br />

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler<br />

des Karlsruher Instituts für Technologie<br />

(KIT) und der TU München haben<br />

untersucht, wie sich Kontaktzeit und<br />

Oberflächenstrukturen der unterschiedlichen<br />

Arbeitsmaterialien auf die Teighaftung<br />

auswirken.<br />

Teige haften fest an allen Oberflächen,<br />

mit denen sie beim Verarbeiten in Berühunterschiedlichen<br />

Arbeitsmaterialien geschleudert.<br />

Wir fanden heraus, dass auch<br />

die Dauer des Kontakts zwischen Teig und<br />

Oberfläche dafür entscheidend ist, wie stark<br />

er klebt“, so Moeller. Bei den Transportbändern<br />

beeinflussten Waffel- oder Rippenstruktur<br />

die Klebrigkeit des Teiges. Sie verringerten<br />

die Kontaktfläche zum Teig, sodass<br />

sich geringere Adhäsionskräfte entwickelten.<br />

„Vor allem an Tüchern aus Polyester blieb<br />

deutlich mehr Teig kleben als an Baumwollgärtüchern.<br />

Eine Zunahme der Teighaftung<br />

war mit längerer Kontaktdauer aber bei allen<br />

Materialien zu erkennen“, sagt Sebastian<br />

Moeller. Durch Reinigungsvorgänge wie das<br />

Abbürsten und Waschen rauten sich außerdem<br />

die Polyestergärtücher auf, der Teig<br />

klebt damit weniger stark fest. Die Baumwolltücher<br />

hingegen bekamen eine flachere<br />

Struktur, was die Teighaftung verstärkte.<br />

Die Ergebnisse der Studie sollen in Zukunft<br />

dabei helfen, Materialien und Werkstoffe<br />

auszuwählen oder zu entwickeln, an<br />

denen Teige weniger stark haften und auf<br />

denen sich weniger Keime bilden. So wollen<br />

die Wissenschaftler Hygiene und Produktivität<br />

von Bäckereien steigern, die Rohstoff-,<br />

Entsorgungs- und Reinigungskosten senken<br />

und die Arbeitssicherheit erhöhen.<br />

Foto: Fotolia (#<strong>12</strong>0378508, J.Mühlbauer exclus.)<br />

www.kit.edu<br />

42 VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong>


VORSCHAU<br />

IM NÄCHSTEN HEFT: 1-2/2019<br />

ERSCHEINUNGSTERMIN: 15. 02. 2019 • ANZEIGENSCHLUSS: 31. 01. 2019<br />

01<br />

02<br />

03<br />

04<br />

01 Mit den Kesselanlagen verbessern Brauereien ihre Energiebilanz,<br />

reduzieren den Brennstoffeinsatz und können insgesamt flexibler und<br />

effizienter arbeiten<br />

02 Damit eine Gasreinigung effizient arbeitet, sollte genau analysiert<br />

und individuell entschieden werden, welches Verfahren sich für eine<br />

bestimmte Anwendung am besten eignet<br />

03 Ein neues Abgasreinigungsverfahren sorgt bei einem Glashersteller<br />

für saubere Luft<br />

04 In der neuen NXT-Anlage in Leverkusen werden Zuschlagstoffe für<br />

sparsamere Reifen hergestellt<br />

Der direkte Weg<br />

(Änderungen aus aktuellem Anlass vorbehalten)<br />

Internet:<br />

www.verfahrenstechnik.de<br />

E-Paper:<br />

digital.verfahrenstechnik.de<br />

Redaktion:<br />

redaktion@verfahrenstechnik.de<br />

VERFAHRENSTECHNIK <strong>12</strong>/<strong>2018</strong> 43


KELLER extended!<br />

ARC-1 Autonomous RemoteDataCollector<br />

Autonomer Datenlogger mit Fernübertragungseinheit<br />

bringt Sensoren insInternet der Dinge<br />

• Funknetz wählbar –2G/3G /4G/LoRa<br />

• Lange Lebensdauer –batteriebetrieben biszu10Jahren<br />

• Hohe Datensicherheit –IntegrierterSpeicher,TLS-Verschlüsselung<br />

• Max. Kompatibilität – mit allen Pegelsonden und<br />

Drucktransmitter<br />

• Statusüberwachung –Sensoren und Echtzeituhr (RTC)<br />

• LizenzfreieSoftware–DatamanagerundKELLER-Cloud<br />

• Upgrade möglich –vom Vorgängermodell GSM-2 zu<br />

ARC-1 aufrüstbar<br />

ARC-1<br />

mit Pegelsonde<br />

Serie36XiW<br />

ISM Band<br />

Funk-Manometer<br />

Sender und<br />

Remote-Display<br />

ARC-1 Box<br />

mit Drucktransmitter<br />

Serie23SY<br />

LOWPOWER<br />

PRESSURE SENSORS<br />

OPTIMIZED FOR<br />

INTERNETOFTHINGS<br />

Schnittstellen-<br />

Konverter<br />

K-114 BT<br />

für digitale +analoge<br />

Druckmessgeräte<br />

Manometer LEO 5<br />

mit LoRaWAN<br />

Manometer LEO 5<br />

mit Bluetooth classic<br />

RFID Datenlogger<br />

Serie21DC<br />

RFID<br />

Drucktransponder<br />

Serie21D<br />

Funk-<br />

Drucktransmitter<br />

mit Bluetooth smart<br />

44 VERFAHRENSTECHNIK 9/2015<br />

keller-druck.com/arc-1

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