DIE WIRTSCHAFT MS I MS-Land

hallomuenster

Macher &Märkte: Ranga Yogeshwar

im Interv

iew Seite 4

Geld &Geschäft: Private Schulden

wachsen Seite 9

Branchen &Betriebe: Gold

hat immer Saison Seite 20/21

DIE WIRTSCHAFT

Münster |Münsterland

www.agravis.de

Aschendorf

f Medien GmbH &Co. KG

An der Hansalinie 1, 48163 Münster

ZKZ 88690 PVST

Ausgabe 9/18

www.die-wirtschaft-muensterland.de

Preis: 3,50 Euro

Abhängig und abgehängt

Trotz der weltweit beachteten Arbeit des MEET in Münster hat Deutschland bis heute keine eigene

Batteriezellproduktion. Prof. Martin Winter warnt vor einem Riss in der Forschungskette.

Immer noch Boxenstopp. Hierzulande

schaltet die E-Mobilität kaum in

den zweiten Gang. Die deutschen

Konzerne und Unternehmen zaudern

und zögern. Und: Die für eine

künftige Pole-Position unerlässliche

Batteriezellproduktion ist im traditionellen

Autoland bisher überhaupt

nicht existent.

Ein Manko, das weiter bestehen

könnte, auch wenn

beispielsweise Platzhirsch

VW

milliardenschwereInvestitionen

auf diesem Feld ankündigt.

Eine Ankündigung jagt die

nächste, Umsetzungen schaffen es selten

in die Zielgerade.

Dass die Wertschöpfungskette auf dem

Zukunftsmarkt E-Mobilität reißt –davor

warnt auch Professor Dr. Martin Winter,

Wissenschaftlicher Leiter des Batterieforschungszentrums

MEET in Münster:

„Eine eigene Batteriezellproduktion in

Deutschland ist für uns ein Muss. Wir

können uns auch gleich von der Zukunft

der Automobilität verabschieden, wenn

wir sagen, dass wir nicht mehr die Kernkomponenten

beherrschen wollen“, betont

der Chemiker und Materialwissenschaftler,dessen

Arbeit eine ganze Branche

elektrifiziert, die auf den Wissenstransfer

vomLabor in den Handel lauert.

MEET –die vier Buchstaben stehen für

Münster Electrochemical Energy Technology.

Ein Forschungsstandort, der auch

das Helmholtz-Institut beherbergt, als

dessen Gründungsdirektor Winter fungiert.

Aktuell begibt sich die deutsche Automobilbranche

in noch größereAbhängigkeit

von den Asiaten, denn Weltmarktführer

CATL aus China zieht jetzt in Erfurt eine

Batteriezellfabrikhoch. „CATList ein tolles

Unternehmen, das ich auch persönlich

kenne. Aber dass die Niederlassung

in Erfurt Deutschland volkswirtschaftlich

voranbringt, bezweifl

eich“, gibt Winter

zu bedenken. Das Unternehmen werde

die Produktion kopieren, die es in China

hat und, das sageCATLauchoffen, wenig

lokale Technologieforschung betreiben.

Mit welchem Speed die Volksrepublik die

Zukunftsthemen E-Mobilität und Batteriezellproduktion

fährt und wie weit abgeschlagen

Deutschland hinterhertuckert,

davon machte sich jetzt der

NRW-Wirtschaftsminister in den nordrhein-westfälischen

Partnerprovinzen Jiangsu

und Sichuan selbst zusammen mit

40 Unternehmen aus NRW –darunter

kein einziges aus dem Münsterland –ein

Bild. In Begleitung vonAndreas Pinkwart

reiste Winter, wissenschaftlicher Weltstar

und in den Medien als der Papst der

Batteriezellforschung gewürdigt, mit

nach Fernost. In der Westfalenmetropole

hat der Chemiker mit dem MEET, das zur

Uni gehört,das deutsche Mekkadieser in

der Wertschöpfungskette unerlässlichen

Technologie aufgebaut.

►Fortsetzung auf Seite 2

OFFEN GESAGT

Aufholjagd

Über den Wohlstand in

Deutschland wird inLabors

entschieden. Wenn überhaupt,

dann können Forscher

wie Martin Winter und sein

Team dafür sorgen, dass ein

konventioneller Industriestandort

mit dem Schub von Innovationen

wieder auf die Überholspur

wechselt. Oder zumindest

bei der Aufh

oljagd gegenüber

Asien Boden wettmacht.

In Sachen E-Mobilität geht in

Fernost die Sonne auf. Damit

es im Abendland nicht zappenduster

bleibt, dringen Wissenschaftler

des MEET tief in eine

Materie ein, der in mehrfacher

Hinsicht der Status einer

Schlüsseltechnologie zukommt.

Denn: Weniger das Produzieren

als das Speichern von regenerativer

Energie stellt die entscheidende

Herausforderung in

Zeiten des Klimawandels dar.

Ebenso global wie dieses Phänomen

entwickeln sich auch

die Märkte für jedwede Technologie,

die alltagstaugliche

und wirtschaftlich tragfähige

Antworten auf dieses Problem

liefert. Und die entstehen, weil

Wissenschaftler wie das Team

in Münster Hirnschmalz, Ausdauer

und Fantasie einbringen.

Politik und Konzerne, darunter

die Autobauer, haben es hingegen

lange verpasst, die bekannte

und trügerisch erfolgreiche

Route zuverlassen und

in die richtige Ausfahrt Richtung

Zukunft zu lenken. Für

Deutschland und Europa wird

es deshalb schwieriger, bei E-

Mobilität und Batterietechnologie

das Feld von hinten aufzurollen.

Maike Harhues

Gute Rahmenbedingungen

Bundesbank rechnet im vierten Quartal mit einer deutlichen Belebung.

Nach einer Delle imSommer gewinnt

die deutsche Konjunktur

der Bundesbank zufolge wieder

an Kraft. Die Wirtschaft dürfte im

Jahresschlussquartal 2018 wieder

recht kräftig expandieren,

hieß esindem jetzt veröffentlichten

November-Monatsbericht der

Bundesbank

4 198869 003501

2 0 0 4 8

Sosei miteiner Normalisierung

der Produktion und

der Ausfuhren von Kraftfahrzeugen

bis zum Jahresende

zu rechnen. Belastet

vor allem von Problemen der

Autoindustrie war das Bruttoinlandsprodukt

von Juli bis September nach

vorläufigen Daten gegenüber dem

zweiten Quartal um0,2 Prozent geschrumpft.

Es warder ersteRückgang

seit dreieinhalb Jahren.

Einen Dämpfer bekam die Konjunktur

vorallem, weil die für Deutschland so

wichtige Autoindustrie Schwierigkeitenbei

der Umstellung auf neue europaweite

Abgastests (WLTP) hatte.

Weil nichtalle Auto-Modelle rechtzeitig

eine Genehmigung für eine Neuzulassung

hatten, mussten Hersteller

die Produktion herunterfahren.

Die Folge: Die Kfz-Exporte sanken

und in Deutschland wurden weniger

Autos verkauft. Der Privatkonsum als

wichtige Konjunkturstütze fiel vorübergehend

aus, dürfte angesichts der

historisch guten Lage auf dem

Arbeitsmarkt nach Einschätzung der

Bundesbank aber wieder an Kraft gewinnen.

„Ungeachtet dieser vorübergehenden

Sondereinfl

üsse dauert die

Hochkonjunktur in Deutschland an“,

schrieben die Volkswirte.

Vorallem im Handel mit Textilien, Bekleidung

und Schuhen sei zum Jahresende

mit einer merklichen Gegenbewegung

zu rechnen, nachdem der

Absatz in diesen Sparten während des

Sommers wetterbedingt eingebrochen

war. Darüber hinaus dürfte der

Pkw-Absatz nach den Turbulenzen im

Vorquartal wieder zulegen, auch

wenn die Verunsicherung der Verbraucher

aufgrund der anhaltenden

Diskussion um Fahrverbote für Kraftfahrzeuge

mit hohem Schadstoffausstoß

anhalte. „Insgesamt bleiben die

Rahmenbedingungen für die Konsumkonjunktur

ausgezeichnet. Die

Arbeitnehmer profitieren von deutlichen

Lohnsteigerungen.“ dpa/wk

Schneller, stabiler,

wirtschaftlicher.

Glasfaser für Ihr Unternehmen.

Wir realisieren den Glasfaserausbau inIhrem Gewerbegebiet. Für schnelles Internet, für stabile

Datenleitungen und für wirtschaftliche Kommunikation mit einem eigenen Glasfaseranschluss.

Individuelle Beratung. Mehr Informationen.

Service-Nr. 0800 281 281 2

business@deutsche-glasfaser.de

deutsche-glasfaser.de/business

Lesen Sie

weiter auf

Seite 21


2 MACHER &MÄRKTE

Batterie der Zukunft

Im MEET dreht sich fast alles um die Lithium-Ionen-Technologie.

Blick ins Innerste: Das Röntgen-Photonen-Spektrometer erlaubt

es, die Prozesse im Aktivmaterial der Batterien zu untersuchen.

Solide. Modular. Vernetzt.

Die erfolgreiche Titanium Linie von Buderus setzt sich fort und

wurde um weitere innovative Produkte ergänzt. Optisch stehen

die verschiedenen Geräte im perfekten Einklang und auch die

Technik der einzelnen Komponenten ist optimal aufeinander

abgestimmt. Mit dem Systemexperten Buderus haben Sie alles

aus einer Hand. Entdecken Sie Heizsysteme mit Zukunft – unter

www.buderus.de

Bosch Thermotechnik GmbH

Buderus Niederlassung Münster

Haus Uhlenkotten 10

48159 Münster

Tel. [0251] 78006-0

www.buderus.de

Alle Berechnungen zeigen,

dass Lithium-Ionen, wenn

es um die Vielzahl der

Eigenschaften, also nicht

Aur n um Reichweite, sondern

zum Beispiel auch um Lebensdauer,

Schnellladefähigkeit, Sicherheit und

Kosten geht, im Moment nicht schlagbar

ist“, erläutert Winter. Aber: „Vielleicht

haben wir in der Zukunft ein neues System,

welches im Moment ganz heiß diskutiert

wird, das ist die Lithium-Metall-

Batterie in ihrer Form als Feststoffbf atterie.

Aufl

adbar ist sie auch, aber im Moment

erreicht sie keine zufriedenstellende

Lebensdauer und sie ist in der Fertigung

zu teuer.“

Automobilhersteller,Zulieferer und Chemiekonzerne,

insgesamt mehr als 300

Partner aus der Wirtschaft, profitieren

von den Forschungsergebnissen Winters

und seines 200-köpfigen Teams, auf dessen

Human Ressource auch Unternehmen

begehrliche Blicke werfen.

Das Setting ist ohnehin nicht immer einfach,wenn

wöchentlich das Telefonklingelt

und einer der großen Autobauer am

anderen Ende der Leitung sitzt: „Die

Wirtschaft will schnelle Ergebnisse, die

dann in geheime Produktentwicklungen

eingehen, und unsere Wissenschaftler

wollen publizieren“, erläutert Winter das

Dilemma. „Kooperationen sind dann erfolgreich,

wenn sie die Ziele aller berücksichtigen.

Darum wird dies zu Beginn

eines Projektes ausgehandelt –das hat in

fast allen Fällen bisher sehr gut funktioniert.“

Bevorder Schritt in die Produktion

geht,soll an der Kostenschraube gedreht

werden: „Es gibt heute schon Aussagen,

nicht auf Batterieebene, sondern auf Zellebene,

dass die Zellen so 120bis 130Euro

pro Kilowattstunde kosten. Die Automobilindustrie

träumt dagegen von zweistelligen

Kostenzahlen, also 80, 90 Euro.

Die Zellhersteller, deren Macht immer

mehr steigt, werden natürlich versuchen,

dagegenzuhalten. Die Materialien werden

nicht automatisch immer billiger

werden. Die Einsparungen müssen deshalb

auf der Prozessseite angegangen

werden: Wir müssen Materialien entwickeln,

die deutlich weniger gemanagt

werden müssen, die weniger Kühlung

oder Wärme brauchen, dann wird das

Batteriesystem wesentlich günstiger werden“,

resümiert der Professor.

Die Batterie ist der prominenteste elektrochemische

Energiespeicher und im

MEET in der Lithium-Ionen-Technologie

hauptsächlicher Forschungsgegenstand.

Drehen die Forscher an einer der Komponenten

Reichweite, Leistung und damit

verbundene Schnellladekapazität, Lebensdauer,Kostenund

Sicherheit, verändern

sich immer auch die anderen vier

Faktoren. „Womit wir uns sehr intensiv

beschäftigen, ist die Elektrolyt-Forschung.

Das ist eine zentrale Komponente

der Batterie, die die Zelle sehr stark beeinfl

usst“, geht Winter ins Detail. „Das

realistische Ziel für mich wäre, und da

sind wir auch schon ziemlich am Ende

unserer bisherigen Planungen, 1,5 Kilometer

pro Kilogramm Batterie, zwei wärenschon

sehr viel, das wärebei der jetzigen

Lithium-Ionen-Technologie vielleicht

schon eine Nummer zu hoch“,

schätzt Winter.Das hieße,wenn eine Batterie

100Kilogramm schwer ist, fährt sie

150 Kilometer. Bei mittlerem Drehzahlmoment

bringen die Batterien gute Leistungen.

Ein Problem sind tiefe Temperaturen:

Die Reichweite sinkt, die Schnellladefähigkeit

leidet.

Zudem stresst das Schnellladen ohnehin

die Materialien in der Batterie: „Wir hier

im MEET sind daran interessiert, dass die

Lithium-Ionen besonders schnell wandern:

Dementsprechend erarbeiten wir

Materialien, die besonders leicht und

schnell große Mengen anLithium-Ionen

aufnehmen und abgeben können“, erklärt

der Wissenschaftliche Direktor.

Aber nicht nur an der Stellschraube Materialforschung

wollen die Wissenschaftler

drehen, auch der Anspruch an die Zeitspanne

pro Aufl fadung ist ambitioniert:

„Für einen Ladevorgang ist die Rede immer

von der Länge einer Tasse Kaffee.

Aber der Trend geht doch eigentlich zum

kurzen Espresso“, soWinter.

Immer zu 100 Prozent Wissenschaftler,

fungiert Winter aber auch als sehr engagierter

Botschafter für die E-Mobilität:

„Die Automobilindustrie hat sehr gut gelebt

mit dem Verbrenner.Aus zwei Gründen

sind die Konzerne jetzt Getriebene:

China setzt voll auf Elektromobilität und

hinzu kommt die Dieselproblematik“,

konstatiert der Pionier der Batteriezellenforschung.

In China wurde die Elektromobilität

von oben oktroyiert. „In

Deutschland muss man Rahmenbedingungen

schaffen: Waswurde da alles angedacht?

Elektrofahrzeuge dürften um-

Prof. Dr. Martin Winter, Kapazität auf dem Feld der

Batteriezellforschung

Fotos: FZ Jülich/Judith Kraft

sonst parken, die Busspur benutzen und

bekämen auf der Autobahn eine eigene

Spur, E-Fahrzeuge erhielten verbilligten

Stromzum Tanken –viel lässt sich davon

noch nicht sehen“, stellt Winter klar.

„Versuchen Sie doch mal, ein Elektroauto

zu bestellen. Wartezeiten von Monaten

und Jahren!“ Für sich selbst hat Winter,

der auch Sprecher der Batterieinitiative

2020 des Bundesministeriums für Bildung

und Forschung ist, noch nicht auf

reine E-Mobilität gesetzt. Der 53-Jährige

lenkt einen für zwei Jahregeleasten Plugin-Hybrid.

Trotzdem glaubt der Experte, dass die

Zukunftder E-Mobilität auch in Deutschland

nicht mehr gar sofern ist. Und die

sieht dann so aus: „So ein Auto muss natürlich

schon smart sein. Auch die Frage,

wie es mit den Stromtankstellen in der

Stadt funktionieren soll, wird oft diskutiert.

In ein paar Jahren hat E-Mobilität

auch Connectivity und das autonome

Fahren an Bord. Das Auto kann aufeinem

großen Parkplatz vor der Stadt, den der

Halter angemietet hat, warten und laden,

ist dort von selbst hingefahren. Morgens

beim Frühstück wirddannmit dem Handy

das Elektrofahrzeug vor die Haustür

bestellt. Während das Auto selbstständig

vors Haus fährt, kann der Halter noch

eben unter die Dusche springen.“

Maike Harhues

Verfürth Zeitarbeit GmbH &Co. KG

Unser guter Name und unser Konzept –für Ihren Erfolg, denn Zeitarbeit ist Vertrauenssache.

VerfürthZeitarbeit hat durch jahrzehntelange Erfahrung bei Kunden und Mitarbeitern

Vertrauen geschaffen. Wir setzen auf unsere Mitarbeiter, deren Qualifikation,

Motivation und deren Fähigkeiten im Interesse unserer Kunden.

Als Familienunternehmen mit langjährigen Angestellten stehen wir für den persönlichen

Kontakt und garantieren effiziente und zuverlässige Personaldienstleistungen.

Die Identifikation aller unserer Mitarbeiter mit unserem Unternehmen und für den

jeweiligen Kunden wird durch eine faire, vertrauensvolle Zusammenarbeit erreicht und

wirkt sich so unmittelbar im Arbeitsalltag aus.

Verfürth Zeitarbeit GmbH &Co. KG

Hafenweg 13 ·48155 Münster

T: +49 251 68 66 15-0 ·F:+49 251 68 66 15-20

www.verfuerth-zeitarbeit.de ·hallo@verfuerth-zeitarbeit.de


MACHER &MÄRKTE 3

Know-how sichern

NRW-Minister Pinkwart zur Zukunft der E-Mobilität

Nachhaltigkeit unter Tage: Der Komatsu-Schlepper wird mit Power-Batteriesystemen von

Voltabox betrieben.

Foto: Voltabox

In Delbrück boomt

die E-Branche

Voltabox liefert Batteriesysteme für den Großeinsatz.

Bis auf das gelegentliche Muhen

herrscht Ruhe: Wenn der Milchlaster

den Ertrag der Euter vom Hof in den

Lkw-Tank befördert, gerät dabei keine

Kuh mehr in Stress und dieMilchleistung

rutscht nicht in den Keller.

Die Pumpe ist nämlich batterie- und

nicht vom Dieselmotor betrieben.

In der Landwirtschaft 4.0 fährt

auch der Hofl

ader als Stromer,

dessen Batteriemodule über Nacht

die Überschussenergie des mit

Photovoltaik gepfl

asterten Stalldachs

getankt hat. „Die absolute Lautlosigkeit

ist ein Aspekt, der den Siegeszug

der E-Mobilität in der Landwirtschaft

noch beschleunigen wird“, ist sich Jürgen

Pampel, Vorstandsvorsitzender von Voltabox,

sicher. Das börsennotierte Delbrücker

Unternehmen bietet E-Mobilität

für Nischen an, auch für große: Trolley-

Bus-Flotten mit Batteriemodulen von

Voltabox fahreninden Küstenstädten Kaliforniens,

durch Seattle, Linz, Genf und

Luxemburg –in Deutschland allerdings

nur durch Esslingen. Deutschen Städte

scheuen bisher die Investitionskosten in

ein Oberleitungsnetz.

Die Delbrücker Batteriesysteme treiben

auch kraftstrotzende Bergbaufahrzeuge

unter Tage an.Das sind Batterielösungen

mit Lithium-Ionen-Akkus, entwickelt gemeinsam

mit den Wissenschaftlern des

MEET inMünster. Prototypen der Batteriebaukastensysteme

von Voltabox werden

immer wieder im MEET getestet.

„Auch beim Recruiting profitieren wir

sehr von der exzellenten Ausbildung im

MEET“, stellt Pampel klar. Die Suche

nach herausragenden Köpfen brennt

dem Vorstandsvorsitzenden auf den Nägeln.

„Wir verdoppeln jährlich nicht nur

den Umsatz, sondern praktisch auch die

Unternehmensgröße“, erklärt der Experte

für Prozessentwicklung den hohen Personalbedarf.

Die Branche boomt jenseits

des Münsterlandes, während Unternehmen

aus dieser Region bisher nur mit

kleinen Projekten die große Kompetenz

desMEETgenutzt haben: „Allein der Bedarf

für Gabelstapler-Batterielösungen,

die wir hier in Delbrück anbieten, soll

sich laut Expertenberechnungen verfünfhundertfachen“,

so Pampel.

Für den normalen Straßenverkehr mit

Elektro-Pkws, die kontinuierlich eine bestimmte

Energie abrufen, sind die von

Voltabox verwendeten Batterien zu leistungsstark.

„Wir verbauen echte Powerzellen,

die Batteriemodulemüssen sofort

eine gigantische Leistung bringen, wenn

etwa die Oberleitung über der Busspur

für ein paar Kilometer aussetzt“, präzisiert

der CEO. Geliefert werden die Zellen

im Moment noch aus Asien: „Es war in

den ersten Jahren gar nicht so einfach,

von den riesigen Zellkonzernen wahrgenommen

zu werden. Wir mussten uns

erst einen Namen machen und eine bestimmte

Unternehmensgröße erreichen,

bis wir bei beispielsweise bei CATL direkt

kaufen konnten“, veranschaulicht Pampel

die Handelsbeziehungen. Vomvielzitierten

Preisverfall bei Batteriezellen

spürt er nichts, sondern ist froh, dass das

Unternehmen die Hochleistungsenergiezellen

über Jahre zu einem einigermaßen

konstanten Preis beziehen konnte. Längerfristig

will sich die Firma aber nicht

von der Zellproduktion der Asiaten abhängig

machen. Pampel hofft auf eine

deutsche Fabrikation. Parallel dazu

schafft VoltaboxFakten: „Wir haben gerade

eine Batteriezellfabrik in Michigan

übernommen und produzieren jetzt etwa

fünf Prozent unseres Bedarfs selbst.“

Maike Harhues

Wirtschaftsminister

Andreas

Pinkwart sieht

NRW als idealen

Standort

für die Batteriezellproduktion in

Deutschland, mit der den asiatischen

Platzhirschen auf diesem

Feld Paroli geboten werden soll.

Ein Ziel, für das die Bundesregierung

mit einem gerade aufgelegtenMilliardenprogramm

zur Aufholjagd

in einer Schlüsseltechnologie

bläst. NRW werfe Forschungsexzellenz,

die Infrastruktur

und seine geografische Lage in

die Waagschale, um bei der Akquise

zu punkten, betont Pinkwart

gegenüber unserer Autorin

Maike Harhues.

Hat NRW, ein Land ohne

Autokonzern, eine realistische

Chance, Standort einer

Batteriezellfabrik zu werden?

Andreas Pinkwart: Nordrhein-

Westfalen ist ein im europäischen

Maßstab herausragender Elektromobilitätsstandort.

In Aachen,

Jülich und Münster verfügen wir

über geballte Forschungsexzellenz.

Produktionsstätten in

Aachen für das außerordentlich

erfolgreiche E-Nutzfahrzeug

Streetscooter, die Eröffnung der

Fabrik für den innovativen KleinwagenE.GO

Lifeund die optimale

Verkehrsanbindung in die Niederlande,

nach Belgien und Frankreich

schaffen das ideale industrielle

und logistische Umfeld für

eine BatteriezellfertigungimHerzen

Europas.

Was tun Sie konkret, um sich

dafür starkzumachen?

Pinkwart: Die EU-Kommission

hat mit der „BatteryAlliance“ eine

Allianz auf den Weggebracht, die

Europa im Standortwettbewerb

mit den asiatischen Produktionsstandorten

voranbringt. Dazu

führe ich seit Monaten intensive

Gespräche mit investitionswilligenUnternehmenimIn-

und Ausland

sowie mit der EU-Kommission

und der Bundesregierung.

Mit welchen Ergebnissenkehren

Sie vonIhrer China-Reise

zurück?

Pinkwart: Das Thema „Mobilität

der Zukunft“ spielte inden zahlreichen

Gesprächen, Unternehmensbesuchen

und auch bei der

Wirtschaftskonferenz in Beijing

eine tragende Rolle. Mit der Provinzregierung

Jiangsu haben wir

uns etwadaraufverständigt, dass

sich Experten aus beiden Regionen

zu Themen rundumdie digitale

Stadt der Zukunft vernetzen

und Ergebnisse erarbeiten, die in

einem zweiten Schritt auch auf

andereRegionen übertragen werden

können. Auch die mitreisende

Wirtschaftsdelegation konnte

wichtige Kontakte knüpfen und

vertiefte Kooperationen beginnen.

Halten Sie es für den richtigenWeg,esChina

zu ermöglichen,

mit einer großen Fabrik

nicht nur den Absatz,

sondern auchdie Produktion

nach Europa zu verlagern?

Pinkwart: Aufmeiner China-Reise

haben mich namhafte Wissenschaftler

begleitet, die sich hier

bei uns im Land mit Elektromobilität

beschäftigen. Unser Ziel ist

die Sicherung von Entwicklungsund

Produktions-Know-how, die

Unabhängigkeit von asiatischen

Zell-Produzenten und die Versorgung

kleiner, mittlerer und großer

Abnehmer.Dabei sind uns Kooperationen

und Investitionen

mit und von jedem kompetenten

Partner willkommen, gleichgültig

aus welchem Herkunftsland.

Bei der E-Mobilität hinkt

Deutschland um Jahre hinterher,

während beispielsweise

in China die staatlich

verordnete Durchdringung

viel weiter fortgeschritten

ist.Erkennen Sie hierein Beispiel

von Marktversagen,

weshalb der Staat hätte stärker

intervenieren müssen,

um technologische und ökologische

Ziele zu erreichen?

Pinkwart: In einem marktwirtschaftlichen

System entwickeln

Unternehmen neue Technologien

und treiben Innovationen voran.

Eine staatliche Verordnung ist daher

für uns in Nordrhein-Westfalen

und auch in Deutschlandnicht

der richtige Weg. Aber ich verstehe

den Kern Ihrer Frage: Wir

könnten schon weiter sein beim

Hochlauf der Elektromobilität

und gehendieses Thema nun konzentriert

an.

Verharrten die deutschen

Autokonzerne zu lange inaltenMusternund

klammerten

sich an konventionelle Motoren,

deren Absatz brummte,

stattPerspektivenfür die Zukunft

zu entwickeln?

Pinkwart: Gerade die sogenannten

konventionellen Motoren haben

die deutsche Automobilindustrie

groß gemacht. Wirbrauchen

auch künftig Verbrennungsmotoren

der nächsten Generation,umdie

Bedürfnisse der Wirtschaftund

der Bürgernach individueller

Mobilität befriedigen zu

können.

Was kann die Regierung tun,

um das zu ändern?

Pinkwart: Die Aufgabe der Politik

ist es, gesetzliche Rahmenbedingungen

zu schaffen, die innovative

Unternehmen im Fahrzeugbau

und in der Antriebstechnik

unterstützen und zum Klimaschutz

beitragen. Hier stellt das

Land Fördermittel bereit, um die

Bürger, Unternehmen und Kommunen

aufdem Wegineineelektromobile

Zukunft zu unterstützen.

Die Niederlande, Schweden,

Dänemark – nicht nur die

Asiaten machen es vor, auch

in europäischen Ländern

fl

uppt es bereits mit der E-

Mobilität. An welchen Hebeln

können Sie als Landeswirtschaftsminister

rütteln,

damit auch NRW mit den

Stromern endlich Vollgas

gibt?

Pinkwart: Wirhaben diesesThema

gleich zu Beginn priorisiert:

Um die Nutzung der Elektromobilität

voranzubringen, fördern wir

zum Beispiel intensiv die Ladeinfrastruktur

für Unternehmen,

Handwerker, aber auch für die

Bürger. Auch die Kommunen

unterstützen wir bei der Umstellung

ihrer Fuhrparks. Diese Förderung

wird sehr gut angenommen:

Mehr als 2000 Anträge für

Wallboxen und Ladepunkte wurden

seit dem Start des Sofortprogramms

Elektromobilität bewilligt.

Darüber hinaus hat die Landesregierung

alle wichtigen Akteureaneinen

Tischgebracht und

unter Leitung des Ministerpräsidentenden

Expertenrat E-Mobilität

ins Leben gerufen. Hier arbeiten

Wirtschaft, Wissenschaft und

Politik an ganz konkreten Lösungen

für die Zukunft der Elektromobilität

im Land.

Mehr erfahren?

www.westermann-lettershop.de


4 MACHER &

„In Ansätzen merken wir, wie insta

Ranga Yogeshwar schätzt die Folgen des rasanten digitalen Wandels in Teilen sehr kritisch ein und warnt davor, angesich

in Fallen zu tappen. Im Interview ruft er dazu auf, viel mehr als bisher über die Konsequenzen des Fortschritts nachzuden

„Dank maschinellen Lernens, dank

künstlicher Intelligenz, scheinen

wir manche Dinge besser lösen zu

können als früher. Aber –und dieses

Aber muss man dreimal unterstreichen

–uns ist oft nicht klar,

wie der Prozess im Detail funktioniert.

Da bleibt das fundamentale

Prinzip der Kausalität auf der

Strecke.“

Ranga Yogeshwar

Nie war technologischer Wandel so

schnell wie heute. Und vermutlich

nie so fundamental: Maschinen beginnen

zu lernen –und sich dabei

von menschlichen Lernmustern zu

entfernen. Wohin führt das? Wer behält

die Kontrolle?

Unser Autor Carsten Voß

sprach mit dem TV-bekannten

Wissenschaftsjournalisten

Ranga Yogeshwar

über Innovations-

Explosionen und Schnüfflf er-Algorithmen

–aber auch über die „enorme Chance, die

Welt besser zu machen“.

Autos können alleine fahren,

Sprachroboter Anrufe erledigen

und Assistenten wie „Alexa“ unsere

Einkäufe organisieren. Das wirkt

faszinierend und gespenstisch zugleich.

Ist digitaler Wandel Fluch

oder Segen?

Ranga Yogeshwar: Wir erleben einen

latenten Widerspruch: Privat haben wir

uns dem Wandel schnell angepasst, wir

nutzen wie selbstverständlich unser Mobiltelefon

oder Dienste wie WhatsApp,

wir buchen unsere

Reisen im

Internet. Aber

diese Entwicklungen

verändern

auch unseren Job,

und da spüren wir

plötzlich eine andereForm

vonBetroffenheit.

Der

Journalismus beispielsweise

zählt

zu den Branchen,

die am meisten

durch digitale

Disruption aus

den Fugen geraten

sind. Ist der

klassische Journalismus

in einer Welt, in der die sozialen

Netzwerke zueinem Massenmedium geworden

sind, noch zukunftsfähig? Plötzlich

stehen nicht mehr journalistische AspekteimVordergrund,

sondern das Buhlen

um Aufmerksamkeit, das Geschäft

mit Daten und Werbung. Da werden Existenzgrundlagen,

aber auch demokratische

Errungenschaften in Frage gestellt.

Was tun?

Yogeshwar: Dank maschinellen Lernens,

dank künstlicher Intelligenz,scheinen

wir manche Dinge besser lösen zu

können als früher.Aber –und dieses Aber

muss man dreimal unterstreichen –uns

ist oft nicht klar,wie der Prozess im Detail

funktioniert. Da bleibt das fundamentale

Prinzip der Kausalität auf der Strecke.

Und wir tappen in eine Falle: Am Ende

kriege ich beispielsweise keinen Kredit

mehr bei einer Bank, weil der Algorithmus

das sagt, aber niemand kann mir

eine inhaltliche Begründung nennen.

Das ist ein Widerspruch zum Selbstverständnis

unserer Demokratie, die auf

Aufk

lärung basiert. Wir müssen diese

Systeme auf sehr viel genauere Art und

Weise verstehen, bevor wir sie insbesondere

inkritischen Bereichen anwenden.

Dafür hat sich inzwischen auch ein Begriff

etabliert: „erklärbare künstliche Intelligenz“.

Menschen, die die Entscheidungslogik

der von ihnen programmierten

Maschinen nicht nachvollziehen

können? Das klingt apokalyptisch…

Yogeshwar: Nein, das klingt eher nach

einem Arbeitsauftrag – und zwar auf verschiedenen

Ebenen: Entwicklungen

kommen schneller auf den Markt als sie

wirklich durchgetestet sind. Als Google

eine App zur Verschlagwortung von Bildern

aufden Markt brachte, wurden dunkelhäutigeMenschen

anfangs als Gorillas

identifiziert. Warum? Weil selbstlernende

Systeme am Anfang ganz viele

Daten brauchen, um zu lernen.

Und wenn diese Daten

zum Beispiel nur weiße

Menschen zeigen, erkennt

das System den

dunkelhäutigen nicht als

Menschen, sondern ordnet

ihn den Affen zu. Daran

wird deutlich: Wir

brauchen ein besseres Verständnis

dafür, welche

Daten wir einfüttern – die

Validierung dieser Daten findet

im Moment nicht statt. Das ist der

erste Punkt.

Und der zweite?

Yogeshwar: Wir erleben, dass der

Fortschritt schneller ist, als wir ihn refl

ektieren. Kennen Sie das Video, in dem

Googles Sprachassistent in einem Friseursalon

anruft, um einen Termin zu

vereinbaren? Das ist schockierend. Die

Dame im Salon merkt nicht, dass sie mit

einer Maschine redet. Die Maschine verwendet

typisch menschliche Sequenzen

wie „Mmmh“ und „Ähm“ und outet sich

nicht als Roboter. Das zeigt: Wir brauchen

eine Debatte über eine Kennzeichnungspfl

icht solcher Sprachautomaten.

Diese Automatendringen immer mehr in

unser Leben ein, sind aber eben nicht nur

nette „Kumpel“ oder „Kollegen“. Es gibt

zum Beispiel eine Patentanmeldung von

Amazon, in der von einem „Schnüfflf er-

Algorithmus“ die Rede ist. Es geht darum,

Deutschlands bekanntester Wissenschaftsjournalist: Ranga Yogeshwar, von Haus aus Diplom-Physiker, führt schon seit 1

in Gesprächen zu Hause mitzulauschen,

um Vorlieben und Abneigungen zu identifizieren.

Man sieht: Die Schere zwischen

ökonomischen und Allgemeininteressen

ist mit der Digitalisierung weit

auseinandergegangen. Businessmodelle

wie die der Sozialen Netzwerkemaximieren

Erregtheit und befördern Falschmeldungen.

Damit verändern sie auf dramatische

Weise die Grundgrammatik unserer

Kommunikation und führen zu einer

Destabilisierung einer Demokratie, bei

der am Ende auch die ökonomische Seite

Schaden erleiden würde. Darüber hat

aber im Vorfeld kaum einer sorichtig

nachgedacht. Das ist schwer bei einem

Fortschritt, der ein derartiges Tempo hat.

Sie werben für „refl

ektierten Fortschritt“.

Was meinen Sie genau?

Yogeshwar: Es geht darum, die Konsequenzendes

Fortschritts zu antizipieren,

wie ich in meinem Buch „Nächste Ausfahrt

Zukunft“ beschrieben h

Vorfeld stärker zu refl

ektiere

diese Innovation auslösen? F

Fortschritt langsam. Als da

kam, gab eskeine Verkehrsr

Führerscheinpfl

icht etc., ab

sich vergleichsweise „in Ruh

lich regeln. Heute haben w

gien, die binnen wenigerals

die Eine-Milliarde-Nutzerg

steigen, das sind Innovatio

nen! Plötzlich sind die glo

Autohaus Wiens Opel Nutzfahrzeug und Flotten-Zentrum für das Münsterland

Fordern Sie Ihr individuelles Angebot an.

Wiens - lohnt sich immer!

Der Gute Service

auch nach dem Kauf!

E-Mobilität

Autohaus Wiens GmbH & Co. KG - Münsterstr. 60 - 48727 Billerbeck - Tel.: +49 (0)2543/2323-0 - www.wiens.de


MÄRKTE

5

bil Gesellschaft

en werden“

s der faszinierenden Möglichkeiten

ken.

993 durch die Wissenschaftssendung „Quarks“. Foto: dpa

abe. Also im

n: Waswird

rüher verlief

s Auto aufegeln,

keine

er das ließ

e“ nachträgir

Technolozwei

Jahren

renze überns-Explosiobal

bestimmend,

aber Verfahren und Regeln dafür

fehlen. Waswir da brauchen, sind refl

ektierteMenschen,

die sich mit der Technik

auseinandersetzen, aber eben auch die

daraus resultierenden Konsequenzen refl

ektieren. Haben wir Regeln, haben wir

Grenzen definiert? Selbst innerhalb der

großen Softwarefirmen werden dazu inzwischen

Debatten geführt. So haben interessanterweise

die Google-Mitarbeiter

–inZusammenhang mit dem Engagement

von Google im Bereich Künstliche

Intelligenz und militärische Forschung –

die rote Fahre geschwenkt und gesagt

„Das wollen wir nicht“. Man merkt: Sogar

in den Reihen der Giganten fängt ein Umdenken

an.

Was kann ich als Nutzer tun – oder

vielleicht auch besser lassen?

Yogeshwar: Ich zähle nicht zu denen,

die glauben, dass uns individuelle Lösungen,

beispielsweise digitale Abstinenz,

weiterbringen. Wirmüssen es strukturell

angehen. Wir brauchen strukturierte,

breite, zum Teil global gültigeVerfahren!

Mein Ziel ist es, mehr Sensibilität zu erzeugen:

Vieles am Fortschritt hat auch

spannende und gute Komponenten, nur

müssen wir das Neue stärkerrefl fektieren.

VorJahren hielt ich einen Vortrag in Anwesenheit

der Bauministerin. Im Vortrag

sagte ich, man müsse darüber nachdenken,

inwieweit der Onlinehandel die Topologie

unserer Innenstädte verändert.

Da hat sie mich mit großen Augen angeguckt,

weil viele überhaupt nicht darüber

nachdenken, dass die Amazonisierung

unserer Gesellschaft zur Folge hat, dass

Buchgeschäfte, der Einzelhandel etc.

Schwierigkeiten bekommen zu überleben.

Wollen Sie Städte haben, in denen

der kleine Einzelhändler keine Chance

mehr hat? Wir alle würden sagen: Nein,

das ist ein Verlust an Lebensqualität. Aber

dann müssen wir aufw

achen und etwas

dagegen tun! Beispielsweise wie in China:

China hat eine Initiativegestartet und

will Buchläden steuerfrei machen. So etwas

würde ich mir auch in Deutschland

wünschen.

Siewirken bei diesem Themaausgesprochen

leidenschaftlich.

Yogeshwar: Ja, esgeht mir um etwas!

Ich glaube, dass wir in einer Phase des

wirklich epochalen Umbruchsleben. Das

Wort „Zukunft“ klingt so, als sei das erst

in 20 Jahren, aber der Weg dahin ist ein

Weg voller Instabilitäten. Die meisten

Bergsteiger sterben nicht auf dem Gipfel,

sondern auf dem Wegdahin. In Ansätzen

merken wir bereits, wie instabil Gesellschaften

werden.Ich bin total überzeugt,

dass ein Großteil dieser Veränderung von

Demokratie, die wir nicht nur in Deutschland

erleben,sondern global, auch etwas

mit einer tiefen Verunsicherung der Menschen

in Bezug auf Zukunft zu tun hat.

Menschen spüren, dass sich etwas ändert,

aber sie wissen nicht, welche Rolle

sie selber in einer Zukunft spielen. Vor

diesem Hintergrund ist es total wichtig,

die Debattezuführen. Denn die Alternativeist,

dass wir hier irgendwanneine Destabilisierung

bekommen. Es klingt komisch,

wenn man das heutesagt, aber wir

haben die enorme Chance, die Welt auch

durch die Technik der Digitalisierung

wirklich besser zumachen. Es gibt tolle

Benefits für jeden! Aber wenn wir nicht

aufpassen, landen wir in einer Instabilität,

die wirklich bedrohlich wird. Und

dann haben wir irgendwann Strukturen,

die nicht mehr rational sind und politische

Systeme, die alles andereals liberal

sind. Dann erwachen die alten Dämonen

des Rassismus, Ausgrenzung und Nationalismus,

und plötzlich geht es Menschen

wie mir an den Kragen.

„Businessmodelle wie die der Sozialen Netzwerke

maximieren Erregtheit und befördern Falschmeldungen.

Damit verändern sie auf dramatische Weise die

Grundgrammatik unserer Kommunikation und führen

zu einer Destabilisierung einer Demokratie, bei der

am Ende auch die ökonomische Seite Schaden erleiden

würde.“

Ranga Yogeshwar

ZUR PERSON

Seit einem Vierteljahrhundert ist

der Wissenschaftsjournalist Ranga

Yogeshwar das Gesicht des TV-Formats

„Quarks“. Der 59-jährige diplomierte

Physiker, Sohn eines indischen

Wissenschaftlers und einer

luxemburgischen Künstlerin, macht

komplexe Phänomene im Fernsehen,

bei Vorträgen und in Buchveröffentlichungen

begreifbar. Sein

jüngstes Werk „Nächste Ausfahrt

Zukunft“ handelt von der digitalen

Revolution und ihren Folgen.

Ranga Yogeshwar, der vollständig

Ranganathan Gregoire Yogeshwar

heißt, ging in Indien und Luxemburg

zur Grundschule, begann zunächst

eine Musikausbildung inLuxemburg,

machte das Abitur am Lycée

classique de Diekirch und studierte

danach experimentelle Physik mit

dem Schwerpunkt „Experimentelle

Elementarteilchenphysik und Astrophysik“

ander RWTH Aachen mit

Abschluss als Diplom-Physiker.

Ab 1983 begann er zuerst bei verschiedenen

Verlagen, dann imBereich

Hörfunk und Fernsehen zu

arbeiten. Während eines Aufenthalts

in Indien leitete erdort Seminare

und Konferenzen, unter anderem

beim Indian Institute ofScience in

Bangalore.

1987 begann Ranga Yogeshwar, als

Wissenschaftsredakteur unter Jean

Pütz beim Westdeutschen Rundfunk

in Köln zu arbeiten. Er moderierte

mit Pütz bis 1990 zahlreiche Sendungen

der Wissenschaftsshow. Die

Programmgruppe Wissenschaft des

WDR, die der Journalist zeitweise

selbst leitete, entwickelte für Yogeshwar

aus dem Konzept der Wissenschaftsshow

die Sendung

„Quarks“, durch die er noch bis zum

Jahresende führen wird.

Yogeshwar wurde mehrfach ausgezeichnet

und für seine Arbeit geehrt.

Zudem gehört ermehreren

Kuratorien an und sitzt in zahlreichen

Fachjurys. Yogeshwar ist seit

2011 Testimonial des Unternehmenswettbewerbs

„Top 100 –Die innovativsten

Unternehmen imMittelstand“

und Herausgeber des jährlich

erscheinenden Top-100-Buches.

Gemeinsam

Gesund ans Ziel.

Aktiv vorsorgen mit Deutschlands sportlicher Krankenkasse.

24/7


6 MACHER &MÄRKTE

Weit mehr als ein Fahrgeschäft

Die Familie Arning betreibt seit über 80 Jahren ein Kinderkarussell. Als esvor gut einem Jahr bei einem

Feuer schwer beschädigt wurde, halfen Kollegen, Handwerker und Kunden bei der Reparatur.

Seit 1937 besitzt die Familie Arning

ihr Kinderkarussell –das älteste im

Münsterland. Der kleine Schaustellerbetrieb

behauptet sich in der Glitzerwelt

der hochtechnisierten Fahrgeschäfte.

Mehr Bürokratie“, antwortet

Ursula Arning-

Konopczynski spontan

auf die Frage, was in

den vergangenen Jahren

aufw

endiger geworden sei, um ein

kleines Kinderkarussell zu betreiben.

Einfach aufb

auen und loslegen, das habe

es zwar noch nie gegeben, aber der

Papierkram für Bewerbungen und die

Aufl

agen hätten mit den Jahren zugenommen.

Die Freude über strahlende

Kinderaugen und eine generationenübergreifende

treue Kundschaft sind

aber immer wieder Ansporn, den Traditionsbetrieb

zu erhalten.

Den 26. Oktober 2017 wird die Familie

Arning-Konopczynski nie vergessen. Auf

dem Send in Münster wurde ihr Karussell

nachts durch einen Brand stark beschädigt.

Die Flammen zerstörten Markisen,

Lichtleisten, Tragpfosten, Holzbögen.

Auch einige der kleinen Karussell-Autos

wurden in Mitleidenschaft gezogen. Es

war Brandstiftung, wie sich schnell herausstellte.

Der oder die Täter konnten

nicht ermittelt werden. Die Reaktionen

auf den Schicksalsschlag warenspontan:

Schausteller-Kollegen und langjährige

Kunden boten ihreHilfean, Handwerker

aus dem Münsterland bis ins Ruhrgebiet

machten sich sofort an die notwendigen

und aufw

endigen Reparaturarbeiten.

Zum Weihnachtsmarkt in Münster „lief

alles wieder rund“.

Auch nach einem Jahr sind Ursula Arning-Konopczynski

und ihr Ehemann

Andreas immer noch „überwältigt“ von

der großen Hilfe. Sie hätten im Notfall

Das Feuerwehrauto gehört schon seit Generationen zu den „Klassikern“ auf „Arnings Kindersportkarussell“. Die

jüngsten Fahrgäste sind begeistert.

„ganz deutlich“ gespürt, wie sehr ihr kleiner

Schausteller-Betrieb seit inzwischen

mehr als 80 Jahren in der Region verwurzelt

ist, das heben beide hervor. Außerdem

habe es sich in der schwierigen Situation

als Glücksfall erwiesen, „dass wir

seit vielen Jahrzehnten immer mit denselben

Handwerkern zusammenarbeiten“.

Die Geschichte der Schausteller-Familie

beginnt im Jahr1937.August Arning, ein

gelernter Holzschuhmacher, und seine

Ehefrau, die Witwe eines Schaustellers,

die mit ihrem ersten Ehemannein Pferdekarussell

betrieben hatte, kauften ein

modernes Fahrgeschäft. Erster Einsatzort:

die Kirmes in Greven.

„Arnings Kindersportkarussell“ dreht

sich seitdem auf Kirmesplätzen im gesamten

Münsterland, auf einigen Festen

und jedes Jahrauf dem Weihnachtsmarkt

in Münster. Die kleinen hölzernen Autos

–alle handgefertigt –sind im Ursprung

erhalten, irgendwann gabesmal ein paar

neuereExemplare. Holzpferde und Fahrräder

drehen sich auch auf der Karussell-

Plattform. 64 Plätze gibt es auf dem Fahrgeschäft.

Für den Auf- und Abbau benötigen

das Ehepaar Arning-Konopczynski

und ihre zwei festen Mitarbeiter jeweils

zwei Tage. Jedes Teil wird einzeln angebracht

und später auch entsprechend demontiert.

Hat sich das Geschäft verändert? „Der

Wettbewerb ist größer geworden“, sagt

die Schaustellerin. „Früher warenSchützenfest

und Kirmes in vielen Städten der

Höhepunkt der jährlichen Veranstaltungen.“

Das Angebot habe deutlich zugenommen,

Kirmes sei heute ein Event

unter vielen. Hinzu kommt: Die Fahrgeschäfte

sind moderner, größer, mit immer

mehr Technik ausgestattet. „Wir behaupten

uns mit Beständigkeit und Tradition“,

sagt die gelernte Erzieherin. Die

Kundenbindung erstreckt sich inzwischen

über vier Generationen.

Was das bedeutet, lässt sich immer wieder

beobachten. Kinder kommen mit

ihren Eltern, dann die erwachsenen Kinder

mit ihren Kindern, die Großeltern mit

den Enkeln. Und inzwischengibt es sogar

Urenkel, denen der Uropa die Karten für

die Karussellfahrt kauft und sich freut,

wenn die Kleinen Spaß haben. Alle kennen

„Arnings Kindersportkarussell“, weil

alle dort schon mitgefahren sind.

Bis zum Alter vonetwasechs Jahrensind

Kinder für das Karussell zu begeistern,

das weiß die Schaustellerin aus Erfahrung.

Das habe sich verschoben, denn

früher hätten sich Jungen und Mädchen

auch im Alter vonzehn Jahren noch in ein

Holzautooder auf ein Holzpferdgesetzt.

Inzwischen richte sich schon in diesem

Alter das Interesse auf moderne Fahrgeschäfte

für Kinder.

Gibt es ein „Lieblingsfahrzeug“ auf dem

Karussell? Das Feuerwehrauto ist der

Klassiker. Schon bei den jüngsten „Fahrgästen“,

bei denen auch die Eltern mitfahren

dürfen. Die erinnern sich dann

gern, dass sie vorvielen Jahrenimselben

Auto gefahren sind. Hubertus Kost

Der Werbespruch macht die Tradition deutlich: Ursula Arning-Konopczynski

freut sich über eine generationenübergreifende Stammkundschaft.

Fotos: Hubertus Kost

Schwarzer Tag in der Geschichte des Schaustellerbetriebs: Am 26.

Oktober wurden große Teil des alten Karussells bei einem Feuer

zerstört.

Foto: hpe

KARUSSELL HAT EINE LANGE GESCHICHTE

Der früheste Bericht über ein Karussell stammt aus dem

ehemaligen Osmanischen Reich, so ist es zumindest im

Internet zu lesen. Ein englischer Reisender beschrieb das

große Wagenrad mit kleinen Sitzen, auf denen Kinder

Platz nahmen, als Kuriosität, die von Menschenkraft angetrieben

wurde.

Im Mittelalter wurde so etwas wie der Vorläufer des späteren

Karussells dazu benutzt, um die Geschicklichkeit

von Rittern für den Kampf zu trainieren. Jahrhunderte

später gab die Erfindung der Dampfmaschine dem Fahrgeschäft

neuen Schub. In England wurde 1873 das erste

„dampfgetriebene“ Karussell in Betrieb genommen. Die

Konstruktion verbreitete sich in ganz Europa.

Mit der technischen Entwicklung gab es immer neue Varianten

bis zu den ganz modernen Fahrgeschäften, die mit

der ursprünglichen „Drehscheibe“ nichts mehr zu tun haben.

Historische Karussells sind aber in vielen Ländern

erhalten geblieben und werden liebevoll gepflegt. -hko-

IHREWERBUNG RICHTIG PLATZIERT

TRIFFTDIREKTDIE

ENTSCHEIDER

MEDIADATEN UNDBERATUNG

FrankMicheel Tel. 0251/690-916161|frank.micheel@aschendorff.de

LarsNormann Tel. 0251 /690-916162 |lars.normann@aschendorff.de

< DIREKT< BUSINESSTOBUSINESS

>ZIELGENAU >

MÜNSTER

MÜNSTERLAND

www.die-wirtschaft-muensterland.de

NÄCHSTE AUSGABE

18.12.2018

Der

Anzeigenschluss

ist am 7.12.2018


MACHER &MÄRKTE 7

Eine Win-win-Situation

„Willkommenslotsen“ helfen bei der Integration. Sie unterstützen damit zugleich kleine und mittlere

Unternehmen bei der Besetzung freier Lehrstellen und Arbeitsplätze.

„Passgenaue Besetzung“ heißt die

Kurzform des Programms, mit dem

das Bundesministerium für Wirtschaft

und Energie dazu beiträgt,

dass Flüchtlinge einen Ausbildungsoder

einen Arbeitsplatz bekommen.

Damitsoll auch dem Fachkräftemangel

begegnet werden. Die Beratung

der Betriebe und der potenziellen

neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

übernehmen „vor Ort“

Fachkräfte der Handwerkskammern

(HWK) und der Industrie- und Handelskammern

(IHK). Das Konzept:

Integration durch Arbeit.

Siegfried Wochnik und Michael

Völker sind „Willkommenslotsen“

bei der Handwerkskammer

Münster. Der

erste Schritt: Sie gehen in

Schulen, informieren einzelne Schüler

oder komplette Klassen über das Angebot,

knüpfen Kontakte. Interessierte

Flüchtlinge werden zu weiteren Gesprächen

eingeladen Dabeistellen die Lotsen

unter anderem fest, ob Voraussetzungen

für eine Lehreoder für einenArbeitsplatz

vorliegen, ob es Neigungen für bestimmte

Berufe gibt, ob im Herkunftsland bereits

eine Ausbildung absolviert wurde.

„Die allermeisten der überwiegend jungenLeute,

die wir beraten, wollen arbeiten“,

weiß Siegfried Wochnik aus seinen

Gesprächen.

Bei ihrer Arbeit haben die Lotsen Kontakt

zu Flüchtlingen und zu Betrieben. „Wir

beraten, unterstützen und vermitteln,“

sagt Wochnik. „Und wir sind mit den

Agenturen für Arbeit, mit den entsprechenden

Stellen bei Städten und Kreisen

und mit freien Trägern vernetzt.“ Auch

ehrenamtliche Kräfte sind in die Arbeit

eingebunden.

700 Ausbildungsverträge mit Flüchtlingen

wurden zum Beispiel von der Handwerkskammer

im Jahr 2017 vermittelt.

Die Zahl der vermittelten Arbeitsplätze

wird nicht registriert, aber die Willkommenslotsen

wissen aus ihrer Arbeit und

den vielen Kontakten, dass es auch dabei

eine Menge Erfolge gibt.

Wenn die Voraussetzungen für eine Beschäftigung

oder Lehre geprüft werden,

dann geht es nicht nur um den Aufenthaltsstatus,

sondern auch um praktische

berufl

iche Kenntnisse und Erfahrungen.

Interessierte hätten durchaus handwerkliche

Praxiskenntnisse, andere eine gute

theoretische Ausbildung, erläutert Michael

Völker. „Das ist aber nicht vergleichbar

mit unserem System der dualen

Berufsausbildung, im Betrieb und im Berufskolleg.“

Das sei in den Herkunftsländern

nicht bekannt. Unter den Flüchtlingen

gebe es eben auch zahlreiche Hilfskräfte.

Es müsse viel Überzeugungsarbeit

geleistet werden, um den Weg ineine

Ausbildung vorzubereiten. Am Beginn

stehen dann eine Probearbeit oder ein

Praktikum.

Der Wille, berufl

ich ganz neu zu beginnen,

erleichtert den Einstieg in eine Ausbildung.

Ein Beispiel dafür ist Jack Badra.

Er hat in Syrien eine Ausbildung als Bankkaufmann

absolviert und warimLebensmitteleinzelhandel

selbstständig, bevor

er mit seiner Familie nach Deutschland

gefl

ohen ist. Der 37-Jährige lernt bereits

im zweiten Ausbildungsjahr Anlagenmechaniker

im Sanitär-, Heizungs- und Klima-Handwerk

bei der Firma Johannes

Kramer in Münster.Sein Chef ist sehr zufrieden

mit ihm: „Herr Badra ist hochmotiviert,

sehr zuverlässig und möchte viel

lernen.“ Jack Badra freut sich über die

Anerkennung, In seiner Heimat hat er

Französisch gelernt, inzwischen spricht

er auch gut Deutsch. Die Fachsprache

macht ihm noch Probleme. „Aber damit

haben auch andere Lehrlinge schon mal

zu kämpfen“, weiß Johannes Kramer.

Der Handwerksunternehmer, der auch

ehrenamtlich im Prüfungswesen tätig ist,

erfuhr von Kunden, dass sich Jack Badra

für eine Ausbildung im Handwerk interessiert.

Er bot ihm spontan ein Praktikum

an, das dann in die Ausbildung führte.

Durch Kontakte zur Handwerkskammer

kannte der Meister das Programm

„Passgenaue Besetzung“. Auch Jack Badra

hatte sich bei Siegfried Wochnik über

Johannes Kramer (l.) ist mit seinem Auszubildenden Jack Badra sehr zufrieden.

Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten

informiert. Der anerkannteFlüchtling ist

davon überzeugt, dass er seinen Weg im

Handwerk machen wird. Seine Frau ist

übrigens Juristin und hat in Syrien als

Rechtsanwältin gearbeitet. Ihreerworbene

Qualifikation wird in Deutschland

nicht anerkannt. Frau Badra macht inzwischen

eine Ausbildung zur Erzieherin.

Hubertus Kost

MünsterlandManager.de

Top-Führungskräfte für das Münsterland

Fotos: Hubertus Kost

MünsterlandManager.de ist der kompetente Partner für die Vermittlung von regional ansässigen Führungskräften

und Spezialisten und für die überregionale Rekrutierung für mittelständische Unternehmen im Münsterland

und angrenzenden Regionen.

WIR SUCHEN für unsere Kunden imMünsterland und angrenzenden Regionen aktuell

mehrere:

Senior-Projektleiter Bauleiter/ P

Ingenieur/Techniker (m/w) Versorgungstechnik /TGA

Leiter IT/EDV (m/w) insb. Projektleiter und Datenbankmanager

Controller (m/w) insb

Willkommenslotsen: Siegfried Wochnik (l.) und Michael Völker helfen erfolgreich bei der

Integration.

INFOS

Die 160 „Willkommenslotsen“ in Deutschland unterstützen kleine und mittlere

Unternehmen bei der Besetzung offener Ausbildungs- und Arbeitsstellen mit

Flüchtlingen (Asylbewerber, anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthalts- oder Niederlassungserlaubnis

und Geduldete). Gemeinsam mit Betrieben wird ein Anforderungsprofil

erarbeitet, Bewerber werden gesucht, Betriebe erhalten gezielte

Vorschläge über geeignete Bewerber. Die Lotsen unterstützen auch bei Formalitäten

zum Abschluss eines Ausbildungsvertrages, bei den rechtlichen Rahmenbedingungen

für Praktika und Beschäftigung und informieren über regionale

und nationale Förder- und Unterstützungsprogramme für Betriebe, die Flüchtlinge

ausbilden bzw. beschäftigen.

-hko-

Leiter Rechnungswesen /Bilanzbuchhalter (m/w)

WeitereInformationen zu den Stellen finden Sie auf www.muensterlandmanager.de.

Interesse? Dann sind wir gespannt auf Ihre Bewerbung einschl. Gehaltswunsch und

möglichem Eintrittstermin!

Bitte senden Sie uns diese an info@muensterlandmanager.de unter Angabe der Profilnummer

oder holen Sie sich weitere Informationen bei den jeweils zuständigen Beratern

Paul-Peter Groten unter 0157 -74976657oder ReinhardLezgus unter 0177 -89890 52.

MünsterlandManager.de GmbH &Co. KG

•Münster

48155 Münster, AmMittelhafen 20 •Ahaus

Tel. 0251-38471633

•Bocholt

Mail info@muensterlandmanager.de

Weitere Info unter www.muensterlandmanager.de


SechsneueUnternehmen im ecopark

Für den ecopark ist 2018 das erfolgreichste

Jahr seiner Geschichte. Zehn Unternehmen

haben mit ihrem jeweiligen Bauvorhaben im

innovativen Gewerbepark in der Gemeinde

Emstek (Oldenburger Münsterland) begonnen

oder startenbald -sechs Neuansiedlungen, drei

Erweiterungen, ein Umzug.Auchder Zweckverband

ecopark selbst hat investiert und zur Erschließung

eines neuen Areals im Westen eine

Straße gebaut.

Die neuen Unternehmen im ecoparkerweiternden

bisher schon buntenBranchenmix.ObProduktion

oder

Dienstleistung,obLogistik oder Handwerk

–esentstehen Arbeitsplätze in

denunterschiedlichsten Bereichen.

Ein innovatives Unternehmen mit

einem„heißen Thema“ ist die Phoenix

Fire Protect Development GmbH, die

zum Jahreswechsel ihren Unternehmenssitz

in ein Mietobjekt an der

Europa-Allee verlegt. Ambisherigen

Standort in der Nachbargemeinde

Garrel konntenPhoenix-Geschäftsführer

Stephan Luker und VertriebsdirektorThomas

Städtler die angestrebten

Wachstumsoptionen nichtzeitnah realisieren.

Das Unternehmen beschäftigt sich

seit 2009 mit der Entwicklung, Planung, Fertigung,

Installation und Wartung von Brandbekämpfungssystemen

auf Hochdrucksprühnebelbasis.Phoenix

praktiziertmit seinem System

für vielfältige Anwendungen in Industrie und

Gewerbe das Prinzip des „total floating“, das

heißt der Vernebelung kompletter Schutzbereiche.

InnovativesUnternehmen neu im ecopark: DiePhoenix Fire Protect

Development GmbH ist Spezialist für Brandbekämpfungssysteme.

Stephan Luker(rechts) und Thomas Städtler freuen sich auf den Umzug.

Ähnlich wie bei Gaslöschanlagen werden bei

einem Brand die Flammen durch Sauerstoffverdrängung

erstickt. Für Spezialanwendungen

etwa beim Maschinenschutz gibt es ein System,

das flexible Anschlussmöglichkeiten einzelner

(Produktions-)Maschinen entlang eines Rohrleitungsrasters

ermöglicht.

Abgerundet wird das Tätigkeitsfeld durch

eine neue Anwendung, die einen verdeckten

Einbau des Rohrleitungsnetzes beispielsweise

in denkmalgeschützten Gebäuden und für Kunden

mit außergewöhnlichen gestalterischen

Anforderungen ermöglicht.

Im ecopark findet

Phoenix moderne Büroflächen

und eine Gewerbehalle

vor, die die

betrieblichen Anforderungen

nahezu optimal

erfüllen. Zudem passt

die markante Architektur

des Gebäudes zum

Markenauftritt des Unternehmens,

das 2014

mit dem ersten Innovationspreis

des Oldenburger

Münsterlands

ausgezeichnet wurde

und mittlerweile ein

Dutzend Angestellte

und zahlreiche Partner-Dienstleister

aus

der Region beschäftigt.

Während Mieter und

Vermieter sich in diesem

Fall gefunden

haben, baut Investor

Verdion demnächst

spekulativ im ecopark

– also ohne bereits

vorab einen Nutzer für

das spätere Objekt zu

haben. Der paneuropäische

Logistikspezialist

vertraut jedoch aus

gutem Grund auf den

Standort, da Verdion

bereits eine 25.000 m 2

große Lagerhalle im

Investor Verdion baut eine zweiteHalle: Dieses Logistikzentrum wurde

2016 fürden Fahrradhersteller DerbyCycle gebaut. Direkt nebenan

entstehen spekulativ weitere25.000 m 2 HallenflächeanA1und E233.

ecopark gebaut und seit 2016 an den Fahrradhersteller

DerbyCycle vermietet hat.

Für das neue Vorhaben nutzt Verdion die Reservierung

vonmehr als 40.000 m 2 unmittelbar

neben dem ersten Objekt,die beim damaligen

Kauf bereits vereinbart worden war. DerStandort

wird nun als „Verdion A1 Emstek“ vermarktet.

„Das Projekt passt perfekt auf alle Mieter,

die eine Logistik-, Lager- oder auch Produktionsimmobilie

suchen“, erklärt André Banschus,

Deutschland-Geschäftsführer vonVerdion.

„Die Flächennachfrage in der Region steigt

stetig“, weiß Banschus. „Einige renommierte

Unternehmen haben sich bereits für die Ansiedlung

ihrer Logistik-Hubs entschieden.“ Das

künftige Objekt mit wiederum 25.000 m 2 Hallenfläche

kann je nach Anforderung in mehrere

kleinereEinheiten unterteilt werden.

Für ecopark-Geschäftsführer Uwe

Haring ist die Entscheidung von Investor

Verdionzur Verdopplung seiner

Fläche„ein wertvolles Bekenntnis zum

Standort“.Vor allem der geplante Baubeginn

ohne Mietvertrag zeuge „von

berechtigtemVertrauen in die Qualität

des ecoparks“.

DerGewerbe-und Industriestandort

mitten im Oldenburger Münsterland

bietet dank Gestaltung und Pflege

ein ideales Umfeld für gute Arbeit.

Davon profitieren bereits mehr als 30

Unternehmen mit insgesamt etwa

900 Mitarbeitern. Perfekt ist auch die

Verkehrsanbindung zentralinder Metropolregion

Nordwest an der Schnittstelle

Nord/Süd (Hansalinie A1)und

Ost/West (E 233).

Neben der verkehrsgünstigen Lage und dem

großen Flächenvorrat überzeugen im ecopark

auch die Angebote imBereich Mitarbeiterorientierung.Soerlaubt

dieKita-Kooperationeine

arbeitsplatznahe Betreuung von Kindern der

auswärtigen Beschäftigten.

Die Besonderheiten des Standorts werden

unter www.ecopark.de dargestellt. Dort bieten

auch die „Virtuelle Tour“ und „ecopark TV“

authentische Eindrücke. Sie belegen, dass der

ecoparknichtnur Park heißt, sondernauch einer

ist.

Dasideale

Umfeld.

Unternehmer im ecopark wissen:

Wo Mitarbeitersich wohlfühlen, da

leisten siegute Arbeit.Investieren

auch Sie in ein gutes Umfeld–für Ihre

Mitarbeiter undfür IhrUnternehmen.

Im ecopark an derHansalinie A1.

ecopark –der Qualitätsstandort.

Anzeige

8 MACHER &MÄRKTE

Das Projektteam führt derzeit europaweit Workshops durch, um die Ergebnisse der Studie

„University-Business Cooperation in Europe“ vorzustellen, hier auf der UIIN-Konferenz in

Dublin.

Foto: FHMünster

Klappt die

Kooperation?

Fachhochschulteam untersuchte in 33 Ländern das

Zusammenspiel von Wirtschaft und Wissenschaft.

Um als Wissensgesellschaft global

wettbewerbsfähig zu bleiben, sind

Kooperationen von Wissenschaft

und Wirtschaft künftig unerlässlich.

Nur so lassen sich aktuelle Forschungsergebnisse

direkt in die Praxis

umsetzen. Wie genau ist es um

die Wissenschafts-Wirtschafts-Zusammenarbeit

in Europa bestellt?

Und wie steht Deutschland im Vergleich

zu anderen Ländern da? Das

von der EU-Kommission beauftragte

Projekt „University-Business Cooperation

inEurope“ hat diese und weitere

Fragen in allen europäischen

Ländern untersucht. Mit den Ergebnissen

liefert das Projektteam der

Fachhochschule (FH) Münster einen

Gesamtüberblick überden Stand der

Zusammenarbeit in Europa.

Prof. Dr. Thomas Baaken

Wenn Barrieren beseitigt

werden, passiert

zunächst einmal gar

nichts –wenn aber die

Treiber stark genug

sind, lassen sich auch die Hindernisse

überwinden.“ So formuliert Prof. Dr.

Thomas Baaken vom Fachbereich Wirtschaft

eine der Erkenntnisse der Studie.

In der Vergangenheit hätten sich die Aktivitäten

von Politik und Hochschulleitungen

hauptsächlich darauf konzentriert,

Barrieren für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

von Wissenschaftlern mit

Unternehmen zu beseitigen. Dieser Ansatz

sei jedoch nicht ausreichend. Es käme

vielmehr darauf an, die Motive der

Wissenschaftler und Unternehmen zu

entwickeln, sich für Kooperationen zu

engagieren. Dies könne unter anderem

durch Anreizsysteme sowie eine andere

Bewertung und Anerkennung erfolgreicher

Kooperationsprojekte geschehen.

Deutschland lande im europäischen Vergleich

hinsichtlich der Entwicklung von

Wissenschafts-Wirtschafts-Kooperationen

eher im Mittelfeld.

Baakens Team vom Science-to-Business

Marketing Research Centre (SBMRC)

hattedas Mammut-Projekt durchgeführt.

„Das war eine recht aufw

endige Befragung,

wir haben alle Hochschulen Europas

und über 16 000 Unternehmen kontaktiert“,

erklärt der Marketingexperte.

„Mit 17 431 realisierten Interviews in 25

Sprachen und 33 Ländern liegt nun die

weltweit größteStudie zu Wissenschafts-

Wirtschafts-Kooperationen vor.“ Die Ergebnisse

und Handlungsempfehlungen

für die verschiedenen Zielgruppen Politik,

Hochschulangehörige und -management,

aber auch Unternehmen lassen

sich im Abschlussbericht sowie in den

einzelnen Länderberichten nachlesen,

die unter http://ww

w w.ub-cooperation.eu

zum Download bereitstehen.

Derzeit ist das Projektteam damit beschäftigt,

die Ergebnisse europaweit zu

vorzustellen. „Zuletzt waren wir auf

einer Konferenz in Krakau und haben

dort den Vergleich zwischen Polen und

Deutschland vorgestellt“, berichtet Baaken.

In Brüssel diskutierten die Projektbeteiligten

mit Vertretern der EU-Kommission

über die wichtigsten Erkenntnisse.

„Existierende und künftigeFörderprogramme

sollen an die Erkenntnisse, die

wir identifiziert haben, angepasst werden“,

erklärt der Wissenschaftler.


GELD &GESCHÄFT 9

Sind private Haushalte überschuldet, müssen sie jahrelang ihr Budget diszipliniert verwalten, um aus der Schuldenfalle herauszukommen.

Foto: colourbox

Private Schulden wachsen

trotz Konjunkturhochs

Immer mehr Haushalte sind überschuldet –und das, obwohl die Arbeitslosigkeit stark gesunken ist.

Im Münsterland ist die Lage deutlich besser als inden meisten anderen Regionen Deutschlands.

Zum fünften Mal in Folge hatdie Auskunftei

Creditreform jüngst einen

neuen Überschuldungsanstieg bei

Privatpersonen in Deutschland gemeldet.

Dennoch blieb die Überschuldungsquote

fast konstant, weil

die anhaltende Zuwanderung die

Zahl der Einwohner wachsen ließ –

ein Effekt, der die Quote drückt.

Zum Stichtag 1. Oktober 2018

lag inder gesamten Bundesrepublik

die Überschuldungsquote

bei 10,04 Prozent.

Damit seien weiterhin

über 6,9 Millionen Bürger imAlter von

über 18 Jahren überschuldet, wiesendamit

„nachhaltige Zahlungsstörungen“

auf, so die Auskunftei. Der Anstieg:

19 000 Personen. Das ist ein Plus von0,3

Prozent. In den Vorjahren hatte die Zahl

überschuldeter Personen noch viel deutlicher

zugenommen: 2017 um0,9 Prozent,

2016 sogar noch um 1,9 Prozent.

Der letzteRückgang wurde laut Creditreform

im Jahr 2013 gemessen.

OFFEN GESAGT

Sparen schützt

Meist ist es nicht der Hausbau, der

die Menschen in die Überschuldung

treibt. Beim Immobilienkredit

schaut das Kreditinstitut, das das Geld

verleiht, meist genau hin, obdie nötigen

Tilgungs- und Zinszahlungen

dauerhaft zu leisten sind. Anders beim

Kleinkredit für Gebrauchsgüter: Hier

schlittern Verbraucher schnell in eine

Fülle finanzieller Verpfl

ichtungen,

denen sie dann am Ende nicht mehr

nachkommen können. Der aktuelle

Niedrigzins scheint da eher Fluch als

Segen zu sein, verleitet er doch manchen

Kunden dazu, noch bereitwilliger

auf Pump zu kaufen. Umeiner Überschuldung

vorzubeugen, hilft deshalb

letztlich nur, sich vorzunehmen, nur

Geld auszugeben, dass man vorher erspart

hat –Ausnahme sollte nur der

Häuslebau sein. Jürgen Stilling

Auffällig sei, so das Neusser Unternehmen,

dass der Zuwachs an Überschuldungsfällen

erstmals ausschließlich auf

einem Anstieg der Fälle mit geringer

Überschuldungsintensität beruht. Ein

Hoffnungsschimmer, denn von 2012 bis

2016 waren die schweren Überschuldungsfälle

kontinuierlich gestiegen.

Ursachen für diesen auf den ersten Blick

gegensätzlichen Trend gibt es laut

Creditreform vielfältige. Die Analyse der

Hauptauslöser für Überschuldungsprozesse,

die seit 2008 kontinuierlich vom

Statistischen Bundesamt erhoben werden,

zeige, dass vorwiegend ökonomische

Auslöser wie Arbeitslosigkeit (Anteil

2018:

20 Prozent) und gescheiterte Selbstständigkeit

(acht Prozent) an Bedeutung verloren

haben. Aufgrund der in den letzten

Jahren insgesamt stabilen Konjunktur in

Deutschland hätten sich deren Anteile als

Hauptüberschuldungsgründe deutlich

verringert, so das Unternehmen.

Zugleich hat sich der Trend der Vorjahre

zu den Überschuldungsauslösern Erkrankung,

Sucht, Unfall sowie unwirtschaftliche

Haushaltsführung verstärkt.

Creditreform warnt: „Insbesondere der

Auslöser unwirtschaftliche Haushaltsführung

führt in vielen Fällen ,schleichend‘

in eine Überschuldungs-Karriere.“

Der Anstieg des Überschuldungsauslösers

„Erkrankung, Sucht, Unfall“zeige,

so Creditreform, dass auch die zunehmende

„Arbeitsverdichtung“ in vielen Berufen,

also die Zunahme der proZeiteinheit

zu leistenden Menge anArbeit, zu

Krankheit und in der Folge zuzusätzlichen

finanziellen Belastungen oder Engpässen

führe.

Das Münsterland steht in Sachen Verschuldung

deutlich besser da als die

meisten anderen Regionen Deutschlands.

Hier die Verschuldungsquoten in

der Region:

Kreis Borken: 8,63 Prozent (Vorjahr:

8,59)

Kreis Coesfeld: 7,19 Prozent (7,20)

Stadt Münster: 8,54 Prozent (8,42)

Kreis Steinfurt: 8,81Prozent (8,81)

Kreis Warendorf: 8,95 Prozent (2017:

8,95) jst

Stefanie Hanrath,

Gewerbekundenbetreuerin,

Sparkasse Münsterland Ost.

Einfach

vorOrt.

sparkasse-mslo.de

Moritz Wildschütz,

Geschäftsführer,

Wäscherei Sicking, Münster.

Wirsindda, wo Sieuns brauchen.

Um schneller zu entscheidenund

flexibler zu handeln.Nähe ist

einfachwertvoll.

Wenn’s um Geld geht


10 GELD &GESCHÄFT

„Versetzung

gefährdet“

Untersuchung in Westfalen-Lippe offenbart

deutliche Wissenslücken bei Finanzthemen.

Über die persönliche Geldanlage genau

Bescheid zu wissen, ist den Menschen

in Westfalen-Lippe fast so

wichtig wie das Thema Gesundheit.

Gleichzeitig schätzen die meistenihr

Wissen über Finanzangelegenheiten

jedoch nicht als besonders groß ein.

Das ist eines der Kernergebnisse der

Befragung „ÖkonomischeBildung in

Westfalen-Lippe“, die der Sparkassenverband

Westfalen-Lippe anlässlich

des Weltspartags 2018 kürzlich

in Auftrag gegeben hat. 90Prozent

der Teilnehmer bewerteten das Thema

„Wissen über Geld und persönliche

Finanzen“ als wichtig und sehr

wichtig. Nur der Bereich Gesundheit

habe einen höheren Stellenwert (94

Prozent), bilanziert der Verband.

Prof. Dr. Liane Buchholz

IHR MAGAZIN FÜR

UNTERWEGS

Ob Ausflugstipps für das Fernweh,

spannendeInterviews mitProminenten,

unterhaltendeLifestyle-Geschichten

oder hilfreicheRatgeberartikel –die

EXTRAZEITbietetInhalte für jeden

Geschmack.

Jetzt auchals Online-Magazin.

Wählen Siedas kostenlose Abounter

www.extrazeit-magazin.de

www.nwl-info.de

Allgemeine wirtschaftliche

Zusammenhänge hingegen

interessierten die Menschen

deutlich weniger als die

Aigenen e Finanzangelegenheiten.

Nur 79Prozent der Befragten sagenlaut

der Untersuchung, dass sie Wirtschaftswissen

wichtig oder sehr wichtig

finden. „Die Menschen wollen verstehen,

wie sie mit Wertpapieren ein Vermögen

bilden oder vergrößern können. Wieeine

Aktiengesellschaft funktioniert, interessiert

da weniger“, erläuterteProf. Dr.Liane

Buchholz, Präsidentin des Sparkassenverbandes

Westfalen-Lippe.

Der hohen Bedeutung des Finanzwissens

entspreche aber nicht der tatsächliche

Kenntnisstand: Bei Geldfragen und persönlichen

Finanzangelegenheiten schätztenlediglich

42 Prozent ihr Wissen als gut

und sehr gut ein. Jeder Siebte sehe

deutliche Wissenslücken oder bezeichne

seine Kenntnis im Bereich Geld und persönliche

Finanzen sogar als schlecht.

Dieses Bild spiegele sich auch in dem Gesamtergebnis

der Befragung wider: „Im

Durchschnitt konnten nur die Hälfte der

Fragen des einfach gehaltenen Wissenstests

richtig beantwortet werden, konkret

liegt das durchschnittliche Ergebnis bei

55 von 100 Punkten“, teilte der Verband

mit. Übersetzt in die Welt der Schulen

wäre zu formulieren: „Versetzung gefährdet.

Zurzeit nur Note ausreichend.“

Diese Ergebnisse gelten nach Angaben

des Verbandes für alle Regionen in Westfalen-Lippe

über alle Altersgruppen. Geschlechterunterschiede

seien ebenfalls

nicht erkennbar.

Lediglich jeder zweite Teilnehmer habe

sein Wissen über das Themenfeld „persönliche

Finanzen“ in der Schule erworben.

Jeder Dritte habe hier sein Wissen

vom Sparkassen- bzw. Bankberater. Erst

danach folgten Eltern (29 Prozent) und

eigenes Lernen (24 Prozent).

„Die Förderung der finanziellen Eigenvorsorge

und Selbstverantwortung über

alle Altersgruppen ist tief im genetischen

Code der Sparkassen verankert. Diesen

Auftrag aus dem Sparkassengesetz nehmen

wir sehr ernst“, so Prof. Liane Buchholz.

Das Ergebnis der Befragung zeige,

wie wichtig es sei, bei der Vermittlung

von Finanzwissen „am Ball zu bleiben“.

Es bestehe Handlungsbedarf: Die größten

Probleme aufgrund mangelhaften

Wissens hätten die Befragten nach eigenen

Angaben bei der Geldanlagemit Aktien

oder Fonds und bei Fragen zur Altersvorsorge.

Doch gerade die Altersvorsorge

seies, die vonden meisten (69 Prozent

)als mit Abstand wichtigstes Thema

finanzieller Bildung angesehen werde.

Zugleich aber scheine es den Befragten

eher eine Last zusein, sich um die eigenen

Finanzen zu kümmern und Wirtschaftsthemen

zu verfolgen: Nur 59Prozent

der Menschen in Westfalen-Lippe

machten diese Aufgabe Spaß. 41 Prozent

winkten hingegen lieber ab. Darum überrasche

es nicht, dass sich 55 Prozent der

Bankkunden einen Kümmerer wünschen,

der ihnen die Finanzplanung abnimmt.

„Unsere Sparkassenberater haben darum

eine dreifach verantwortungsvolle

Aufgabe. Sie wollen diese gefühlte Last

nehmen, zum Sparen ermuntern und zugleich

das nötige Wissen vermitteln“, so

Prof. Dr.Liane Buchholz. Für sie ist klar:

„Finanzielle Bildung ist der Schlüssel zu

erfolgreicher Altersvorsorge.“ Der Weltspartag

sei ein guter Zeitpunkt, diesen

ZusammenhanginErinnerung zu rufen.

Beachten Sie

die Beilage in

dieser Ausgabe.

Unterhaltung. Lifestyle.

News rund um Bus & Bahn.

Weihnachten ist es zu spät: Wer zum Ende des Jahres noch Geld sparen möchte, muss

jetzt tätig werden.

Foto: imago

Schnell noch

Geld sparen

Zum Jahresende können Weichen neu gestellt werden.

Verbraucher können mit einigen

Weichenstellungen vor dem Jahreswechsel

Geld sparen. Neu sind etwa

Regelungen für Minijobber und Familien

mit Kindern.

INVESTITIONEN: Wer bestimmte

Ausgaben noch in das laufende

Jahr vorzieht, kann Steuern sparen.

So lohnt es sich mitunter,

Werbungskosten für berufl

ich bedingte

Ausgaben noch in diesem Jahr zu

bündeln, sofern sie die Grenze des Arbeitnehmer-Pauschbetrags

von 1000 Euro

überschreiten. Was ineinem Kalenderjahr

darüber hinausgeht, lässt sich

steuerlich geltend machen. Dazu könnte

beispielsweise die Rechnung für eine

Weiterbildung im nächsten Jahr schon

2017 beglichen werden. Auch kann es

sich lohnen, noch vordem Jahreswechsel

voneinem Fachbetrieb etwas inHaus und

Garten erledigen zu lassen.

KRANKHEITSKOSTEN: Bis zu einer individuellen

Grenze der „zumutbaren Belastungen“,

die je nach Familienstand und

-größe variieren, muss jeder die Kosten

selbst tragen, die nicht vonder Krankenkasse

übernommen werden. Wird die

Grenze aber überschritten, kann sich dies

steuerlich bemerkbar machen. So kann

es sich lohnen, die neue Brille noch im altenJahr

zu kaufen, wenn dadurch die individuelle

Grenze überschritten wird.

Auch hier ist das Datum der Zahlung entscheidend.

LOHNSTEUER: Für Minijobber gilt ab

2019 ein höherer Mindestlohn von 9,19

Euro. Wer höhere Steuern und Sozialabgaben

vermeiden möchte, sollte daher

rechtzeitig seine Arbeitszeit anpassen,

um unter der Grenze von 450 Euro im

Monat zu bleiben.

Ehepaare sollten prüfen, ob sich ein

Wechsel der Steuerklasse lohnt. Sinnvoll

kann dies etwasein, wenn ein Partner im

nächsten Jahr Leistungen erhalten wird,

die vomNettoeinkommen abhängen –also

Arbeitslosengeld, Elterngeld oder

Krankengeld. Der Partner, der sein monatliches

Netto erhöhen will, nimmt die

Klasse III, in der er wenigerSteuern zahlt.

Auch mit der Beantragungvon Freibeträgen

–etwa für Fahrtkosten zur Arbeit,

Kinderbetreuung oder Haushaltshilfen –

kann das Netto erhöht werden. Noch bis

Jahresende müssen Arbeitnehmer ihre

Freibeträge beantragen, wenn sie ab Januar

berücksichtigt werden sollen. Sämtliche

Änderungen bei den Lohnsteuermerkmalen

werden beim Finanzamt beantragt.

GELDANLAGE: Anleger sollten bei ihrer

Bank die Freistellungsaufträgefür Zinsen

und andere Kapitalerträge prüfen. Die

Verteilung des Steuerfreibetrags kann bis

Ende Dezember angepasst werden. Für

Gewinne, die über den Freibetrag von

801 Euro (1602 Euro für Ehepaare und

Lebenspartnerschaften) hinausgehen,

müssen Anleger pauschal 25 Prozent Abgeltungssteuer

bezahlen–doch auchhier

können Verbraucher die Belastung unter

Umständen senken: Verluste aus Wertpapiergeschäften

bei einer Bank können

mit Gewinnen bei einem anderen Institut

verrechnet werden. Verbraucher sollten

bei ihrer Bank deswegen bis zum 15.Dezember

eine Verlustbescheinigung anfordern.

Und Geringverdiener mit hohen Kapitaleinkünften

wie beispielsweise Rentner

sollten prüfen, ob ihre Nichtveranlagungsbescheinigung

noch gilt. Damit

können sie, wenn sie keine Einkommenssteuer

zahlen, sich auch die Kapitalertragssteuer

sparen. Die Bescheinigung

gilt in der Regel drei Jahre.

ALTERSVORSORGE: Riester-Sparer sollten

noch vor Jahresende prüfen, ob sie

die Mindestbeiträge zahlen –das sind

vier Prozent ihres Bruttoeinkommens im

Vorjahr.Ist dies nicht mehr der Fall, weil

sich zum Beispiel das Einkommen geändert

hat, werden die staatlichen Zulagen

gekürzt. Bis zum Jahresende können

Sparer noch nachzahlen. Der Maximalbetrag,

bis zu dem es staatliche Förderung

gibt, liegt bei jährlich 2100 Euro. Die

Zulagen können noch zwei Jahre im

Nachhinein beantragt werden –bis zum

Ende dieses Jahres können sich Verbraucher

also noch staatliche Leistungen für

2016 und 2017 sichern.

AUTO: Autofahrer, die 2019 zu einem

günstigeren Kfz-Versicherer wechseln

wollen, müssen ihrePolicen in aller Regel

bis zum 30. November kündigen.

BAUKINDERGELD: Familien mit Kindern,

die innerhalb dieses Jahres in ein

neues Eigenheim gezogen sind, können

bei der KfW

-Bank einen Zuschuss von

1200 Europro Kind über bis zu zehn Jahre

beantragen. Wervor dem 18. September

eingezogen ist, hat noch bis Jahresende

Zeit dafür, für Einzüge danach gilt

eine Frist von drei Monaten.

AFP


GELD &GESCHÄFT 11

+++ TERMINE +++ TERMINE +++ TERMINE +++ TERMINE +++

28. November 2018: ERCIS Launch Pad, 14Uhr, münsterLAND.digital e.V.,Ort:

Leonardo-Campus, Leonardo-Campus 10, Münster (Voranmeldung)

29. November 2018: Kostensenkung durch Ressourceneffizienz, 17 Uhr,

CLK GmbH Bildverarbeitung und Robotik, Zur Steinkuhle 3,Altenberge (Voranmeldung

bei der IHK Nord Westfalen)

29. November 2018: Gründerclub der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG)

für den Kreis Borken, 19 Uhr, ImKlatsch, Heilig-Geist-Str. 3,Borken

29. November 2018: „Selbstständig, was nun?: Das Finanzamt informiert“,

19 –21Uhr, IHK Nord Westfalen in Bocholt, Willy-Brandt-Straße 3, Bocholt

(Voranmeldung)

3. Dezember 2018: Tagesseminar für Gründungsinteressenten und Jungunternehmer

–praxisnah und kompakt, 9–17Uhr, Wirtschaftsförderungsgesellschaft

(WFG) für den Kreis Borken, Tagungsort: Rathaus Rhede (Voranmeldung)

4. Dezember 2018: „Gründung vor Ort“ inIbbenbüren, 9–16Uhr, WESt Wirtschaftsförderungs-

und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt mbH (Voranmeldung)

5. Dezember 2018: Fresh Business Weihnachtsfrühstück, 8–9.30 Uhr, AIW

Unternehmensverband, Vredener Straße 119, Stadtlohn (Voranmeldung)

6. Dezember 2018: Innovationsforum Münsterland, 12–17Uhr, Flughafen

Münster/Osnabrück, Veranstalter: Münsterland e.V.

10. Dezember 2018: „Pitch Perfect“ in Steinfurt, 17 –20Uhr, WESt Wirtschaftsförderungs-

und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt mbH, Veranstaltungsort:

Gründer- und Innovationspark Steinfurt III, Am Campus 2, Steinfurt

10. –14. Dezember 2018: Informationssystemmanagement, Westfälische Wilhelms-Universität

WWU, Weiterbildung gemeinnützige GmbH, Königsstraße 47,

Münster (Voranmeldung)

12. Dezember 2018: Info-Tag in der Gründerschmiede Beckum im Kreis Warendorf,

16 –20Uhr, Gründerschmiede Beckum, Hansaring 11, Beckum

18. Dezember 2018: Management-Werkstatt in Münster: Einsatz von EU-Subunternehmen,

17 –19Uhr, Handwerkskammer Bildungszentrum, Echelmeyerstraße

1-2, Münster (Voranmeldung)

„Grundgedanke

ist nicht schlecht“

Vor zehn Jahren begann die Zeit der Kryptowährungen.

Der Bitcoin, der Ursprung der Kryptowährungen

feiert demnächst sein

zehnjähriges Bestehen. Ende 2008

kamein Dokument in Umlauf,indem

von Bitcoin-Gründer Satoshi Nakamoto

die zugrundeliegende Technologie

beschrieben wurde, kurz darauf

die dazugehörende Open-Sorce-

Referenzsoftware. Im Anschluss entstand

der Bitcoin –als Zahlungsmittel

mit Höhen und Tiefen

Die Kryptowährungen haben

ihren Reiz – auch

nachdem beispielsweise

der Bitcoin seit dem Hoch

Ende des vergangenen

Jahresgut ein Drittel seines Wertes eingebüßt

hat. Der Kurssturz war nur logisch,

da sich der Kurs zu sehr aufgebläht hatte

und hinter Kryptowährungen im Gegensatz

zum gebräuchlichen Fiatgeld keine

Volkswirtschaft steht.

Für viele Anleger wareswohl einfach mal

etwas anderes als die gewohntenAktien,

Fondsund Anleihen. Zudem gabesjalange

Zeitnur eine Richtung für Bitocin und

Co.: aufw

ärts. Da wolltejeder etwas vom

Kuchen abhaben.

Trotz der Verluste ist der Grundgedanke

hinterdem Bitcoin (stellvertretend für alle

Kryptowährungen) nicht schlecht. Die

Kryptowährungen brachten mit dem

Prinzip der Dezentralisierung (Stichwort:

Blockchain) eine neue Hoffnung

für diejenigen, die sich von den Zentralbanken

und dem bestehenden Wirtschaftssystem

lossagen wollten. Viele

Unternehmen und Organisationen weltweit

nutzen Bitcoin als Zahlungsmittel.

Die zweite große Gruppe sind Spekulanten,

die sich durch die hohe Volatilität

kurzfristig hohe Renditen erhoffen. Der

gewöhnliche Anleger ist dagegen von

dem enormen Einbruch und der schon

immer hohen Volatilität verschreckt.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die

Blockchain-Technologie, die hinter dem

Bitcoin steht. Diese Technologie wird

auch in Zukunft weiter bestehen. Es darf

aber auch nicht unberücksichtigt bleiben,

dass immer noch zahlreiche kriminelle

Organisationen durch Kryptowährungen

eine Plattform gefunden haben, durch

welche sie anonym und schnell hohe

Summen bewegen können. Wer indirekt

in Bitcoin investieren möchte, kann sich

auf dem Zertifikatemarkt umsehen. Hier

gibt es seit geraumer Zeit Angebote, die

Bitcoin als Referenzkurs enthalten. Allerdings

hat jüngst der größte Vermögensverwalter

Blackrock die Zukunft der Bitcoin-ETFs

infrage gestellt.

Grund hierfür ist die fehlende Reife des

Kryptomarktes, aber auch das anhaltende

negative Image. Darüber hinaus wurden

bisher alle Anträgefür einen Bitcoin-

ETF verschiedenster Unternehmen von

der US-amerikanische Börsenaufsicht

SEC abgelehnt.

Stephan Witt,

Finum Private Finance AG


12 GELD &GESCHÄFT

Dynamischer als früher

Absolventen, die zu einem Assessment-Center (AC) eingeladen werden, sind heiße Stellenkandidaten.

Denn zu diesen aufwendigen Tests laden die Unternehmen nur wenige Bewerber ein.

Assessment-Center, kurz AC genannt,

zählen heute zu den Standard-Instrumentender

Personalauswahl

–zumindest in Großunternehmen.

„Denn in ihnen kann man einer

Vielzahl von Bewerbern objektiver

als in Einzelinterviews gegenübertreten“,

schwärmt zum Beispiel Bernadette

Imkamp, Leiterin Personalbetreuung

und -marketing bei der

Schwäbisch Hall-Unternehmensgruppe.

Entsprechend breit setzt das

Unternehmen AC ein: von der Azubi-

Auswahl bis zur Auswahl der Teilnehmer

für die Führungskräfte-Entwicklungsprogramme.

Assessment-Center sind nach wie vor eine Methode, um über die üblichen Bewerbergespräche hinaus das Potenzial

einer Kandidatin oder eines Kandidaten zuermitteln.

Foto: dpa

Damit agiert die Bausparkasse

laut Harald Müller,

Leiter Trainee-Programme

beim Frankfurter Bildungsdienstleister

Provadis

eher gegen den Trend: „In der Regel

kommen Assessment-Center primär zum

Einsatz, wenn es um die Auswahl hochqualifizierter

Bewerber geht.“ Also zum

Beispiel, wenn Unternehmen Trainees

auswählen. Dann werden die heißen

Kandidaten oft zu einem AC eingeladen.

Teilnehmer sind in der engen Auswahl

Übereinstimmend betonen die befragten

Unternehmen: Assessment-Center sind

nur ein Instrument in unserer „Test-Batterie“.

Und wer eine AC-Einladung erhält?

Der ist ein heißer Stellenkandidat.

Als Beispiel für das Vorgehen kann die Allianz

Deutschland dienen. Der Versicherungskonzern

nutzt AC,um„ausden Top-

Bewerbern“ für sein Trainee- und Vorstandsassistenten-Programm

„die für

unser Unternehmen passendsten herauszufiltern“,

erklärt Personalreferentin

Maike Unger. Das heißt: Wer eine AC-

Einladung erhält, dessen Lebenslauf und

Bewerbungsunterlagen erfüllten die Anforderungen

des Unternehmens. Außerdem

hinterließ er oder sie beim Telefon-

Interview, das meist auf das Sichten der

Unterlagen folgt, einen Spitzen-Eindruck.Und

auch bei den anschließenden

ein, zwei persönlichen Vorstellungsgesprächen

hatten die Personalverantwortlichen

den Eindruck: Das ist ein heißer

Kandidat! Ansonsten erfolgt keine AC-

Einladung.

Ähnlich ist das Vorgehen bei Merck –

zum Beispiel, wenn der Pharma- und

Chemiekonzern aus den circa 300 Bewerbungen

für sein Inhouse-Consulting-

Traineeprogramm die fünf, sechs Top-

Kandidaten herausfiltern möchte, wie

Martin Baltes, Gruppenleiter Recruiting,

betont.

Heute dauern die AC kürzer als früher.

„Zumeist einen Tag“, erklärt der Personalauswahl

und -diagnostikexperte Dr.

Albrecht Müllerschön,Starzeln. Auch das

Design hat sich geändert. Eine geringere

Rollespielt in ihnen die Postkorb-Übung.

Sie ist der Klassiker unter den AC-Übungen.

Bei ihr erhalten die Teilnehmer

einen „Postkorb“ mit ein, zwei Dutzend

mehr oder weniger dringlichen Aufgaben.

Diese sollen die Kandidaten unter

Stressbedingungen bearbeiten. Das

heißt, mal wird eine Info nachgereicht,

mal ruft ein Kunde an, mal kommt ein

Meeting dazwischen.

Diese Übung, mit der die Unternehmen

die Entscheidungsfreude und Selbstorganisation

der Kandidaten testen wollten,

spielt in den AC heute „eine deutlich geringere

Rolle als früher“, erklärt AC-ExperteMüller.Die

modernen AC seien „dynamischer“;

zudem branchenspezifischer

und stärker auf das Unternehmen

bezogen.

Wie Assessment-Center heute häufig ablaufen,

schildert Dr. Albrecht Müllerschön.

Das gesamteACsteht untereinem

Dachthema. Dieses kann lauten: „Unser

Geschäftsbereich xstellt sich dem Wettbewerb“.

Zu Beginn des AC erhalten alle

Kandidaten repräsentative Kennzahlen

des (fiktiven) Geschäftsbereichs. In der

ersten Übung soll jeder Teilnehmer dessen

Schwachstellen ermitteln und seine

Erkenntnisse den Beobachtern präsentieren.

Danach folgt eine Diskussionsrunde.

Die Teilnehmer erörtern gemeinsam:

Was hat Priorität? Was gehen wir an?

Dann werden Arbeitsgruppen gebildet.

Jede erstellt einen Maßnahmenplan. In

den nächsten Übungsrunden setzen die

Kandidaten die Maßnahmen um. Sie führen

zum Beispiel Zielvereinbarungsgespräche

mit Mitarbeitern und leiten Projektsitzungen.

In modernen AC wirdversucht,

betriebliche Prozesse und Herausforderungen

realitätsnah abzubilden.

Außerdem sind in sie, laut Maike Unger,

mehr Rollenspiele integriert. Anhand

ihres Verlaufs wollen sich die Beobachter

ein Urteil über die soziale und emotionale

Intelligenz der Kandidaten bilden.

Denn, dass sie fachlich die Voraussetzungenfür

die vakantePosition erfüllen, daran

bestehen bei ihnen kaum noch Zweifel.

Anderssieht es hinsichtlich der Frage

aus: Haben sie auch das Potenzial, um

Führungskräfte zuwerden? Das soll im

AC ermittelt werden. Bernhard Kuntz

Gute Zahlen

am Feiertag

Rheine spürte am Reformationstag einen starken Andrang.

Passanten in der Innenstadt von Rheine

IMPRESSUM

DIE WIRTSCHAFT Münster /Münsterland

Verlag und Herausgeber:

Aschendorff Medien GmbH &Co. KG, Ander Hansalinie 1

48163 Münster, Telefon: 0251 690-0, Telefax: 0251 690-

804801

Redaktion: Claudia Bakker (verantwortlich)

Verlagsleitung: Marc-Arne Schümann, E-Mail: verlagsleitung@aschendorff-medien.de

Objektkoordination: Frank Micheel, Lars Normann, Telefon:

0251 690-916162, Telefax: 0251 690-806190

Gestaltung/Layout: Lisa Stetzkamp

Druck: Aschendorff Druckzentrum GmbH &Co. KG, Ander

Hansalinie 1,

48163 Münster, Telefon: 0251 690-0, Telefax: 0251 690-215;

Auflage 17.000 Exemplare

www.die-wirtschaft-muensterland.de

Gut frequentierte Einkaufsstraßen

und ein großer Andrang in den Geschäften

–der im niedersächsischen

Umland von Rheine beworbene Reformationstag

war ein Erfolg für die

Emsstadt und lockte laut EWG tausende

Gäste in die Innenstadt.

Was Besucher und

Händler in den Straßen

und Geschäften

bereits vor Ort gespürt

hatten, untermauern

Passantenfrequenzdaten vom

31. Oktober, die die Entwicklungs- und

Wirtschaftsförderungsgesellschaft für

Rheine mbH an drei ausgewählten Standorten

ermittelt und jetzt der Öffentlichkeit

vorgelegt hat.

Auf Grundlage ihrer seit Jahren eingesetzten

Zählmethode hatte die EWG bei

sonnig-kühlem Wetter in den Zeiträumen

von 11bis 12 Uhr und von 14bis 15 Uhr

die Passantenströme gemessen. Durch

dieEmsstraße aufHöhe des Modehauses

H&M schritten vormittags rund 1700 und

nachmittags rund 2300 Passanten; über

die Nepomukbrücke fl

anierten amVormittag

rund 1300 und am Nachmittag

rund2300 Passanten. In der östlichen Innenstadt

wurden am Zählstandort Emsstraße/Böckmann

vormittags knapp

1200 und nachmittags knapp 1400 Passanten

registriert –jeweils pro Stunde.

An allen Messstandorten lagen die Frequenzen

in den betrachteten Zeiträumen

damit deutlich über den für die Jahreszeit

sonst üblichen Werten an einem Mittwoch.

Insbesondere zwischen 14 und 15

Uhr war der Besucherandrang in der Innenstadt

weitaus größer. Dr. Dennis

Guth, verantwortlich für die Passantenfrequenzmessungen:

„Nachmittags

konntenwir am Zählstandort H&M rund

87 Prozent mehr Passanten als im September

registrieren, auf der Nepomukbrücke

waren es 164 Prozent und am

Zählstandort Böckmann sogar 244 Prozent

mehr Passanten.“

„Die Zahlen sind für einen Mittwoch absolut

beeindruckend und werden sonst

bestenfalls samstags oder an verkaufsoffenen

Sonntagen erreicht“, erklärt EWG-

Geschäftsführer Dr. Manfred Janssen.

„Dass es so voll war, hat auch daran gelegen,

dass viele Beteiligteaneinem Strang

gezogen haben.“ Unter anderem habe die

Emsgalerie mit Werbeaktivitäten aufden

Tagaufmerksam gemacht.

Die jetzt vorgelegten Passantenzahlen

der Gesellschaft und auch derhohe Besucherzuspruch

beim Martinsmarkt sind

laut Pressemitteilung Belege für die Attraktivität

der insgesamt sehr erfolgreichen

Sonderverkaufstage inder Rheiner

Innenstadt.


NACHHALTIGKEIT 13

In der neuen Unternehmenszentrale der SuperBioMarkt AG in Münster trafen sich die Unternehmensvertreter zum Auftakt der ersten beiden CSR-Workshops. Foto: CSR-Kompetenzzentrum

Komplexität wächst

Unternehmen aus dem Münsterland erarbeiten eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie.

Die ersten beiden Gruppen der CSR-

Workshops für mittelständische

Unternehmen haben ihre Arbeit aufgenommen.

In der Zentrale der SuperBioMarkt

AG im Hafen in Münster

wurdendie für Unternehmen wichtigen

Nachhaltigkeitsfragen beleuchtet

und diskutiert.

Die Unternehmen erhalten

in der nächsten Zeit methodisches

Rüstzeug, um

in einer CSR-Selbstbewertung

ihre zentralen CSR-

Themen zu identifizieren, zu bearbeiten

und darüber zu berichten. Sie stellten

sich beim öffentlichen Start der Gruppen-

Workshops mit ihren Teilnahmemotiven

und Zielsetzungen vor.

Die Workshops wurden vom CSR-Kompetenzzentrum

Münsterland speziell für

kleinere und mittelgroße Unternehmen

entwickelt und dienen der Erreichung

folgender Meilensteine innerhalb von 18

Monaten: CSR-Selbstbewertung, CSR-

Leitbild, CSR-Strategie, CSR-Maßnahmenprogramm

sowie Kommunikationskonzept

zu einem CSR-Kurzbericht. Parallel

dazu gibt es bedarfsorientierteVertiefungen

zu den vier Handlungsfeldern:

„Arbeitsplatzund Mitarbeiter“, „Umweltschutz“,

„Produktverantwortung und

Markt“ sowie „Gemeinwesen“.

Die teilnehmenden Unternehmen aus

dem Münsterland starten in den nächsten

Wochen als Erstes mit einer CSR-

Selbstbewertung. Dabei werden bisherige

Aktivitäten erfasst und refl

ektiert, die

Bedeutung möglicher Handlungsfelder

bewertet und hieraus betriebsspezifisch

die zentralen Handlungsbedarfe priorisiert.

Die Durchführung der CSR-Selbstbewertung

wird durch Masterstudierende

der Fachhochschule Münster unterstützt,

unter anderem bei der Datenerfassung

und als Feedback-Geber.

Der Bedarffür Nachhaltigkeit ergibt sich

aus dem Wandel des Marktumfelds. Früher

waren die Haltung, positive Leitbilder

und die Handlung des „ehrbaren

Kaufmanns“ unmittelbar miteinander

verknüpft. Heute agieren Betriebe in

komplexen Geschäftsbeziehungen, die

erfordern, dass verantwortungsvolles

Handeln (CSR) in Unternehmensstrategien

und -prozessen verankert wird.

Das CSR-Kompetenzzentrum Münsterland

ist ein Projekt von future e.V. und

wird durch das Ministerium für Wirtschaft,

Innovation, Digitalisierung und

Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

aus Mitteln des Europäischen Fonds für

regionale Entwicklung (EFRE) finanziell

gefördert.

TEILNEHMER DER CSR-WORKSHOPS

Die an den CSR-Workshops teilnehmenden Unternehmen kommen aus dem gesamten

Münsterland und aus unterschiedlichen Branchen: Bernd Münstermann

GmbH &Co. KG, Telgte; Cabelo Frisuren und Kosmetik Christel Vieth e. Kfr.,

Münster; CCC Druck und Medien GmbH, Münster; Druckhaus Dülmen, Dülmen;

Heinz Vorwerk GmbH, Warendorf; HWR Handwerkerring Münster, Havixbeck;

Ingenieurbüro Bertels GmbH, Münster; Job find 4you Personalmanagement,

Gronau; Ludgerus-Apotheke, Altenberge; LWL-Kliniken, Münster, Lengerich; Modehaus

Ebbers, Warendorf; Natura Holzbau GmbH, Rheine; PHT –Beckum Partner

für Hygiene und Technologie GmbH, Beckum; Röwekamp &Stumpe, Telgte;

Spaleck GmbH &Co. KG, Bocholt; Spedition Giesker &Laakmann GmbH &Co.

KG, Nottuln; Thiekötter Druck GmbH &Co. KG, Münster; Urlaub &Pflege e. V.,

Telgte; Wilhelm Theilmeier Garten und-Landschaftsbau, Everswinkel.

Vier Vorreiter

Ministerium ernennt neue CSR-Botschafter.

Verantwortung zu übernehmen für

die gesamteGesellschaft–das ist ihr

Antrieb. Davon wollen die vier jetzt

neu ernannten CSR-Botschafter für

das Münsterland auch andere Unternehmen

überzeugen.

Ausgewählt vom CSR-Kompetenzentrum

Münsterland

wurden die Vorreiter für das

Thema „Corporate Social

Aesponsibilty“,

R

ernannt

vom NRW-Wirtschaft

sministerium. Überreicht

wurden die Urkunden in Münster

vonReferatsleiterin Heide Renz. Die Botschafter

sind:

Magdalena Münstermann, Mitglied der

Geschäftsleitung der Bernd Münstermann

GmbH &Co. KG (Telgte-Westbevern)

Michael Radau, Vorstand und Eigentümer

der SuperBioMarkt AG (Münster)

Daniel Thiekötter, Geschäftsführer

Thiekötter Druck GmbH &Co. KG (Münster)

Thomas Voß, stellvertretender kaufmännischer

Leiter der LWL-Kliniken

Münster und Lengerich

„Wir sind froh, dass wir diese Köpfe im

Münsterland haben“, freut sich Dr. Udo

Westermann vom CSR-Kompetenzzentrum.

„Sie sollen die Idee gesellschaftlicher

Verantwortung auch in die Köpfeanderer

Unternehmen bringen.“

CSR dürfe kein „grünes Mäntelchen“

sein, das sich Unternehmen nur aus

Imagegründen umhängen, Michael Radau.

Das unterstützte Magdalena Münstermann:

„Für uns ist CSR vorallem eine

Haltung.“ Die rund 250 Mitarbeiter ihres

Maschinenbau-Unternehmens gingen

diesen Weg auch gerne mit, so Münstermann.

Bereits seit dem Jahr 2004 gebe es in den

LWL-Kliniken inMünster und Lengerich

für Patienten und Mitarbeiter ökologische

Lebensmittel. „Seit acht Jahren gibt

es sogar Mittwochmittag nur vegetarisches

Essen“, zeigte Thomas Voß Teile

des CSR-Konzepts in den LWL-Kliniken

auf.

Im Druckbetrieb von Daniel Thiekötter

mit50Festangestellten liegt der Fokus der

CorporateSocial Responsibility insbesondere

auf der Schonung der Umwelt.

Jürgen Stilling

Vielfalt von der Rolle

Ro en a teti etten ür je en Be ar :

•mit Metalleffekten

•2-lagige Etiketten

•Individualisierbar

•Strukturierte Papiere

Fordern Sie einfach unsere aussagekräftige

Mustermappe an: muster@thiekoe


14:04

LETZTE SKULPTURFÜR DIE

AUSSTELLUNG FERTIGSTELLEN

06:29

MIT ZWEIPALETTEN BELADEN

08:30

NEUESTE ARBEIT

ONLINE STELLEN

15:48

UNTERLAGENFÜR DIE

BUCHHALTUNG VERSCHICKEN

DER NEUE CITROËN

BERLINGO KASTENWAGEN

GENAU WIE SIE EIN ECHTER ALLROUNDER

Audio-System RD6

Bluetooth ®

Spracherkennung

Fernlichtassistent

AB

99,- € /MTL. 1 ZZGL. MWST.

zzgl. €609,24 Überführungskosten

0€ ANZAHLUNG

1

GewerblichesKilometer-Leasingangebot der PSA Bank Deutschland GmbH, Siemensstraße 10, 63263 Neu-Isenburg, fürden

CITROËN Berlingo Control MBlueHDi 75 (55 kW) ,bei 0,– €Sonderzahlung, 10.000 km/Jahr Laufleistung, 36 MonatenLaufzeit zzgl. Zulassung. Angebot

fürGewerbetreibende zzgl. 19 %MwSt. und Zulassungskosten, zzgl. €609,24 Überführung. Angebot gültig bis zum30.12.2018 und nicht kombinierbar

mit anderen Aktionsangeboten. Widerrufsrecht gemäß § 495 BGB.Abb. zeigtevtl. Sonderausstattung/höherwertige Ausstattung.

Autohaus Bleker GmbH (H)

Firmensitz

Königsberger Str. 1

46325 Borken (H)

Königsberger Str. 1

Tel. 02861/94 38-0

48683 Ahaus (H) •Bleker Autoforum

Ahaus •Von-Braun-Str. 62-64

Tel. 02561/93 52-0

46395 Bocholt (H)

Industriestr. 40

Tel. 02871/25 59-0

TEIL DER

(H)=Vertragshändler,

(V)= Verkaufsstelle.

48249 Dülmen (H)

Münsterstr. 135

Tel. 02594/7 82 08-0

48163 Münster-Amelsbüren (V)

Autoforum Münster •Kölner Str.1

Tel. 02501/97 38-100

www.citroen-bleker.de


BRANCHEN &BETRIEBE 15

Stapelbroek geht auf Kreuzfahrt

Legdener Unternehmen verwirklicht das Innenraumkonzept für über 5000 Kabinen. Aus der Tischlerei hat sich in

25 Jahren ein Spezialist entwickelt, der neben individuellen Lösungen auch die Massenproduktion beherrscht.

Für zwei Ozeanriesen der MV-Werften richtet die Legdener Stapelbroek GmbH über 5000 Kabinen ein. Die erste Global Class soll 2020 vom Stapel laufen, die zweite ein Jahr später. Mit der Auslieferung der Objekte will das

münsterländische Unternehmen im kommenden Frühjahr beginnen

Foto: MV-Werften

Als eines von zwei Unternehmen aus

dem Münsterland ist sie mit anBord

zweier riesiger Ozeandampfer –und

es ist sicherlich der größte Auftrag,

den die Stapelbroek GmbH in der 25-

jährigen Firmengeschichte bisher

„an Land gezogen hat“. Die Legdener

realisieren das Innenraumkonzept

für mehr als 5000 Kabinen der

Kreuzfahrtliner, die gerade auf den

MV Werften, einem Unternehmen

der Genting-Gruppe mit Sitz in

Hongkong, inRostock und Wismar,

gebaut werden.

Als er vor 25Jahren mit seiner

Tischlerei an den Start

ging, sah die Welt von Geschäftsführer

Jürgen Stap

sicherlich noch Aelbroek

ganz anders aus. Der Drei-Mann-Betrieb

hatte sein Equipment in den heutigen

Vitadoor-Hallen inStadtlohn aufgestellt.

EineNotlösungineiner damals bewegten

Zeit. Das Unternehmen wuchs und

schreinerte, was die Aufträge hergaben.

Schnell waren die Lagerkapazitäten erschöpft.

Es folgtenein Neubau imHeying

Zwei der drei Geschäftsführer: Firmengründer Jürgen Stapelbroek

(l.) und Lars Albers. Für den niederländischen Markt ist Geschäftsführer

Heino TerHaar.

Foto: Stapelbroek

Esch in Legden und zahlreiche bauliche

Erweiterungen. Doch bald wurde es auch

dort zu eng. 2017 erfolgte der bislang

letzteSchritt: Der hochmoderne Firmensitz

wurde in den neuen Legdener Industriepark

verlegt.

Geändert hat sich im Laufe der zweieinhalb

Jahrzehnteaber auch die unternehmerische

Ausrichtung. „Heuteist das Projektmanagement

einer unserer Schwerpunkte“,

erklärt Lars Albers, neben JürgenStapelbroek

und Heino TerHaar (Geschäftsführer

der niederländischen Stapelbroek

BV) Geschäftsführer der Stapelbroek

GmbH in Legden. In den Heying

Esch ist das Unternehmen seinerzeit mit

14 Schreinern und zwei Verwaltungsmitarbeitern

gezogen. Im neuen, 15 000

Quadratmeter großen Headquarter sind

jetzt 50 Schreiner und rund 100 Angestellte

inder Verwaltung tätig. Darüber

hinaus wurden Büros in Meppen mit fünf

Mitarbeitern, in Düsseldorf mit drei Mitarbeitern

sowie eine Niederlassung in

Winterswijk eröffnet. Das Auftragsportfolio

umfasst Hoteleinrichtung, Ladenbau

(Retail) und Office, seit kurzem auch

die Sparte „Kreuzfahrt“.

„UnsereHauptaufgabe besteht sowohl in

der Produktion als auch in der Auftragsabwicklung

und Kundenbetreuung“, erläutert

Lars Albers. Heißt: Stapelbroek

nimmt vom Entwurf bis zur Ausführung

alles in eine, sprich: seine Hand, vergibt

einzelne Gewerkedannweiter an kooperierende

Subunternehmen. Die Produktion

in den Werkshallen ist inzwischen

derartautomatisiert, „dass wir ein hohes

Volumen bis zum Ende des Tages umsetzen

können.Heißt beispielsweise für den

Kreuzfahrtliner-Auftrag: Die Werkteile

werden hier in einer Art Baukastensystem

vorgefertigt, damit ab Frühjahr täglich

20 Kabineneinrichtungen zur Werft

geschickt werden können. An unserem

jetzigen Standort sind wir auf solche

Massenanfertigungen ausgelegt. Dennoch

sind wir natürlich in der Lage, nicht

nur seriell, sondern auch individuell zu

fertigen“, verweist Albers nicht ohne

Stolz auf die unternehmerischen Möglichkeiten.

►Fortsetzung auf Seite 16

»HERSTELLER+FACHHÄNDLER

T02581.9359-0 • info@bruns-debray.de

KATALOGBESTELLEN

»Bleiben Sie

einzigartig und

zeigen Sie es.«

Berufsbekleidung

vomHersteller

» Eigene Kollektionen

» Sonderanfertigungen

» Logoservice

» Fachhandelsware

www.bruns-debray.de

www.shop-bruns.de

BRUNS+DEBRAY GMBH

BERUFSBEKLEIDUNG

Hellegraben7 • 48231Warendorf


16 BRANCHEN &BETRIEBE

Den Teamgedanken schreibt das Unternehmen groß: Regelmäßig startet zum Beispiel eine Gruppe von Stapelbroek-Mitarbeitern

beim Mud-Master-Lauf in Weeze, einem Hindernis-Parcours durch Schlamm und Matsch.

Wachstum mit Augenmaß ist das erklärte Ziel von Stapelbroek. Um Spitzen in den einzelnen

Bereichen abzufedern, hat sich die GmbH breit aufgestellt.

Fotos: Stapelbroek

Teamarbeit und flache Hierarchie

Bisher hat die Stapelbroek GmbH keine Schwierigkeiten, neue Mitarbeiter zu finden.

Wachstum mit Augenmaß

sei weiterhin erklärtes

Ziel. Albers:

„Wir denken darüber

nach, eine zweite

Schicht einzuführen. Vor vier, fünf Jahrenlautetedie

klareZielvorgabe, der Umzug

müsse sich rentieren, Umsatz und

Mitarbeiterzahl weiter gesteigert werden.

Wir haben bewusst eine Grundstücksreservefür

eine weitereExpansion

vorgehalten.“ Allerdings wolle man nun

nicht auf Teufel komm raus weiter wachsen,

sondern die eigene Kraftund Stärke

nutzen und mit Verstand nach vorne blicken.

„Mit unseren bisher gesteckten Zielen

haben wir eine Punktlandung hingelegt.

Diesen Weg wollen wir weitergehen“,

so Albers.

Wichtigster Baustein ist dabei nach Aussagedes

Geschäftsführers, die Unternehmensphilosophiestets

im Blickzubehalten:

„Die ist ganz klar auf Teamarbeitausgerichtet.

Das hat sich auch herumgesprochen.“

Trotz ländlicher Lage habe

Stapelbroek „kein Problem, Fachkräfte

zu rekrutieren. Uns erreichen immer wieder

Initiativbewerbungen.“ Letztlich zähle

„der Charakter eines Bewerbers, nicht

nur seine Zeugnisse. Wenn ein Mitarbeiter

menschlich hier ins Unternehmen

passt, ist das wichtiger als der letzteQualifikationsnachweis.“

Eine fl

ache Hierarchie und vor allem

auch die Unterstützung der Mitarbeiter

hat Stapelbroek sich auf die Fahnen geschrieben.

Lars Albers erläutert: „Nach

den Geschäftsführern kommt noch die

Führungsebene –das war’s dann aber

auch schon an Vorgesetzten.“

Nach einer Mitarbeiterbefragung im vergangenen

Jahr mit dem Titel„Wiezufrieden

seid ihr mit eurem Arbeitsplatz?“

wurde das Programm „Mix dir was“ entwickelt.

Das beinhalteteine Vielzahl von

Zusatzleistungen, unter denen die Betriebsangehörigen

wählen können. Neben

Weiterbildungsmöglichkeiten und

vermögenswirksamen Leistungen sind

das Gesundheitsförderung (z.B. Fitnessstudio),

Erholungsbeihilfe, ein Obolus

für Autowerbung, Kindergartenzuschuss,

Unterstützungsbeihilfe oder auch ein

Arbeitgeberdarlehn.

Darüber hinaus sind bei der Arbeitszeit

individuelle Modelle wie fl

exibler Einsatz

oder Home-Office möglich. „Das

spricht sich herum“, ist sich Lars Albers

bewusst. „Wir werben nicht nur um Mitarbeiter.Wir

sind dann auch bestrebt, sie

zu halten und langeans Unternehmen zu

binden. Die sehr niedrigeFluktuation im

Hause zeigt, dass wir damit richtig liegen.“

Susanne Menzel

Von Künstlerhand gestaltet sind die Wände im neuen Verwaltungsgebäude.

Die Einblicke indie Büros schaffen Tranzparenz.

KUNDEN WÜNSCHEN IMMER STÄRKER EINE RUNDUM-DIENSTLEISTUNG

Dort, wo früher in der Tischlerei anhand einer hereingereichten Zeichnung die Ware gefertigt wurde,

hat sich inzwischen der Wandel zur Rundum-Dienstleistung vollzogen. „Wir versuchen, dem Kunden

das Problem abzunehmen und es zu lösen“, umreißt Lars Albers das Aufgabenfeld.

Natürlich kommt Stapelbroek auf diesem Wege die eigene Produktion zugute. Ob im Hotel-, Ladenbau

oder Office-Bereich –zunächst wird imLegdener Unternehmen die Machbarkeit geprüft „und am

Ende des Tages ein Design kreiert, das für den Kunden darstellbar ist“, führt der Geschäftsführer aus.

So geschehen auch beim Auftrag für die Werften, bei dem die Westfalen für die Produktion, die Verpackung

und die Logistik verantwortlich zeichnen. Der Möbelpart erstreckt sich von Schränken und

Schreibtischen über Bettkopfteilen bis hin zu Rohrverkleidungen. „Bei unseren Hotel-Aufträgen beispielsweise

können wir sämtliche Gewerke von den Elektro- bis hin zu Malerarbeiten abdecken“, sagt

Albers. „Vor acht Jahren hatte ein Bestandskunde erstmals dieses Gesamtpaket gefordert. Mit der

Planung und Umsetzung am offenen Herzen hatten wir einen guten Einstieg und haben das System

über die Jahre hinweg weiterentwickelt und verfeinert.“ Die verschiedenen Einsatzgebiete erleichterten

eine kontinuierliche Auslastung. Die Auftragsspanne reicht dabei von 5000-Euro-Projekten bis hin

zu acht Millionen Euro großen Aufträgen. Ob nun das Douglas-Headquarter inDüsseldorf oder das

Hotel Park Inn am Alexanderplatz inBerlin: Die Stapelbroek GmbH mischt mit.

Handelsfläche im traditionsreichen

RvE-Gebäude in Münster

Weseler Straße 253

48151 Münster

Hier werden Sie

gesehen!

EG ca. 1024 m 2

1. OG ca. 505 m 2

Gesamtfläche ca. 1529 m 2

Kaltmiete 18.348,– €

zzgl. Nebenkosten

Ein Energieausweis ist nicht vorhanden,

wird jedoch gerade erstellt.

0251 /9198790 ·www.vmi-muenster.de

www.vmi-muenster.de

Auf 15000 Quadratmetern (mit Ausbaureserve) erstreckt sich das neue Headquarter samt Produktionsstätten im neuen Legdener Industriepark.


BRANCHEN &BETRIEBE 17

Zurück zur eigenen Logistik

Der Warenhauskonzern Karstadt hat mit dem Grevener Logistikexperten Fiege das Joint Venture

„Fiege XLog“ gegründet. Vom neuen Unternehmen sollen auch externe Kunden profitieren.

Blick in der Innere des Fiege-Distributionszentrums für die „Region Hannover“ in Burgwedel

Foto: Günter Benning

Karstadt und der Grevener Logistikdienstleister

Fiege gründen ein neues

Logistikunternehmen. Das Joint

Venture mit dem Namen Fiege XLog

werde ab 2020 die gesamte Logistik

von Karstadt übernehmen, teilte Fiege

kürzlich mit. Zudem könne Fiege

XLog seine Expertise und Leistung

zukünftig auch anderen Unternehmen

am Markt anbieten.

Karstadt-CEO Dr. Stephan

Fanderl erklärt laut Mitteilung:

„Karstadt ist dabei,

sich erfolgreich zu einem

Kernetzten v Marktplatz mit

vielenPartnern weiterzuentwickeln, und

wir verfügen mit unseren Filialen über 79

Logistikstandorte mitten in der Innenstadt

und über ein Zentrallager.“

Das Kaufh

aus-Unternehmen werde nun

in einem Joint Venturedas Besteaus den

beiden Welten Handel und Logistikdienstleistung

miteinander kombinieren.

Im Ergebnis werde man nicht nur über

eine maßgeschneiderte und hocheffiziente

Logistik für Karstadt verfügen,

sondern auch indie Lage versetzt sein,

„diese einzigartige Erfahrung zukünftig

am Markt anzubieten“.

Der Sitz des neuen Unternehmens werde

laut Auskunft von Fiege inMünster sein.

Für die Logistikzentren in Greven werde

es keine Auswirkungen geben.

Bisher nutzt Karstadt bei der Logistik

komplett die Leistungen von DHL. „DHL

Supply Chain wird seine Logistikdienstleistungen

für den Kunden Karstadt in

Deutschland vertragsgemäß zum 31.

März 2020 einstellen“, teilte ein DHL-

Sprecher der Deutschen Verkehrszeitung

(DVZ) mit.

„Wir unterstützen Karstadt durch unser

Joint Venturedabei, ihreLogistikwieder

selbst zu verantworten und durch neue

Services ihre Kunden positiv zu überraschen“,

erklärt Jens Fiege, Vorstand des

Familienunternehmens. „Die Kunden erwarten

ein nahtloses Einkaufserlebnis

über alle Kanäle hinweg: Wirwerden daher

in einem Omnichannel-Ansatz den E-

Commerce, den stationären Handel und

das Marktplatzgeschäft besser vernetzen

und darüber hinaus den Endkunden weitere

innovative Dienstleistungen anbieten.

Wir freuen uns darauf, mit Karstadt

gemeinsam neue Standards in der Handelslogistik

zu setzen.“

Bereits jetzt wird die neue Logistikstruktur

für Karstadt entwickelt. Durch im Zuge

der Modernisierung bereits erfolgte

Maßnahmen, wie beispielsweise die

Funktionstrennung in den Filialen in Logistik,

Kasse und Verkauf, seien dazu wesentliche

Voraussetzungen geschaffen,

heißt es in der Mitteilung.

„Es war uns besonders wichtig, die seit

2005 outgesourcte Logistik wieder zu

uns zurückzuholen“, erklärt MiguelMüllenbach,

Chief Finance Officer und

Arbeitsdirektor von Karstadt. „Die Logistik

für die eigenen Standorte zubetreiben,

ist eine Kernkompetenz für einen

Einzelhändler,die wirselbstbeherrschen

müssen und wollen.“

Von der zusätzlichen Schlagkraft des

neuen Joint Ventures im Zugeder geplantenFusion

vonKarstadt und Kaufh

of mit

einer erheblichen Anzahl innerstädtischer

Logistik-Hubs würden wiederum

auch externe Kunden profitieren.

Der zuletzt beschlossene Zusammenschluss

mit Kaufh

of könntedas Netz noch

einmal deutlich verdichten. Bisher hatte

vor allem die

Deutsche-Post-

Tochter DHL die

Logistik für Karstadt

erledigt.

Die Gründung

von Fiege XLog

bedarf noch der

Freigabe durch

die zuständigen

Kartellbehörden,

so die Mitteilung.

Die Verschmelzung

der

letzten großen

Warenhauskonzerne

in

Deutschland,

Karstadt und

Kaufh

of, ist inzwischen

auch

vom Kartellamt

genehmigt. Der neue Einzelhandels-Riese

wirdeuropaweit 243 Standortehaben.

Geleitet werden soll das zusammengeschlossene

Unternehmen von Karstadt-

Chef Stephan Fanderl.

Günter Benning

„Karstadt ist dabei, sich erfolgreich

zu einem vernetzten Marktplatz

mit vielen Partnern weiterzuentwickeln.“

Stephan Fanderl

Uta-Maria Gaubitz

Rechtsanwältin

Fachanwältin für

Arbeitsrecht

Fritz Klingsporn

Rechtsanwalt

Arbeitsrecht

Betriebsverfassungsrecht

Handelsvertreterrecht

Forderungseinzug

Verkehrsrecht

Seniorenrecht

Universitätsstraße 21 ·48143 Münster

Telefon (02 51)400 79 ·Telefax (02 51)565 47

www.anwalt-muenster.de ·info@anwalt-muenster.de


18 BRANCHEN

Auf die richtige Einstellung kommt es an: Die Geräte sind so ausgestattet, dass individuelle

Trainingsrhythmen berücksichtigt werden können.

Fitnesscoach Florian Garbert vom BGM-Forum weiß, wie es geht. Im Team hilft erden Kursteilneh

Die Alternative zu

Auch der Medizinball kann beim Training sehr effektiv eingesetzt werden. Die Kernmuskulatur

muss bei solchen Übungen bewusster angespannt werden. Fotos: Alamed/BGM Forum

Mit speziellen Dienstleistungen rund um die betriebliche Gesundh

bei vielen Unternehmen einen Namen gemacht. Auch „Vorsorge-M

Viele Firmenchefs wissen es: Gesunde

Mitarbeiter sind ein wichtiges Kapital.

Angesichts des demografischen

Wandels und des Fachkräftemangels

gewinnt das Thema zunehmend

an Bedeutung. Die Idee: Prävention

statt Behandlung. Die Vorsorge,

die Unterstützung der Beschäftigten

bei einer gesunden Lebensführung,

gilt inzwischen als

eine entscheidende Investition in die

Zukunft.

Unser Ziel ist es, zusammen

mit Unternehmen Vorsorge

auf hohem medizinischen

Niveau zu betreiben

und so die Gesundheit und

Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter

zu fördern“. Das sagt Dr.med. Ludwig Föcking

(72) aus Velen im Kreis Borken. Gemeinsam

mit seinem Sohn Jan Föcking

(33) und Grego Braakhuis (57) hat er

2009 die „BGM Forum Westmünsterland

GmbH“ gegründet. Als Gesundheitsdienstleister

hat das Unternehmen sich

im Westmünsterland in Sachen Betriebsmedizin

und Betriebliches Gesundheitsmanagement

(BGM) einen Namen gemacht.

Der Ansatz: Statt Arzttermine zu koordinieren

und Zeit in Wartezimmern zu verbringen,

erhalten Mitarbeiter den Checkup

im Unternehmen. „Wir bieten eine

medizinische Rundumversorgung in den

Firmen an“, erläutert Dr.Föcking. Davon

profitierten auch „Vorsorge-Muffel“. „Es

genügt nicht, nur grüne Äpfel hinzulegen

und einmal im Monat einen Rückenkursus

anzubieten“, betont der Facharzt für

Allgemein- und Betriebsmedizin.

Das BGM-Team nimmt Arbeitsabläufe

unter die Lupe. Denn berufl

iche Erkrankungen

hingen häufig mit den Arbeitsplatzbedingungen

zusammen. Wichtig

sei es, bereits im Frühstadium Probleme

zu erkennen, die Situation zu korrigieren

und nachhaltig dafür zu sorgen, dass die

Belastung verringert werde.

Arbeitnehmer wie Arbeitgeber erhalten

Tipps zur Gesundheitsvorsorge und zur

Vermeidung von Erkrankungen durch

Teamarbeit: Jan Föcking, Dr. Ludwig Föcking und Grego Braakhuis (v.l

heitszentrum „alamed“.

Arbeit. Wie kann man beispielsweise

Herz-Kreislauf-Problemen vorbeugen,

wie den Haltungs- und Bewegungsapparat

entlasten? WeitereThemensind unter

anderem Ratschläge zuErnährung und

Bewegung sowie Strategien zum Abbau

von Stress und psychischer Belastung.

Einzel- und Gruppenangebote, Kursprogramme,

Check-ups, Fortbildungen sowie

regelmäßige Sprechstunden inden

und außerhalb der Betriebe gehören darüber

hinaus zum präventiv-medizinischen

Leistungspaket des „BGM-Forums“.

Die Begleitung der Firmen startet mit

einer verpfl

ichtenden Info-Veranstaltung

mit Gruppen von rund 30 Teilnehmern.

„Diese Aufk

lärung ist wichtig. Nur ein

Anschlag am schwarzen Brett genügt

nicht“, erklärt Dr. Föcking. Die anschließende

Untersuchung ist dagegen freiwillig.

„Über 70 Prozent der Belegschaft,

manchmal bis zu 90 Prozent nehmen

teil“, freut sich der Arzt über den Zuspruch.

Eine eineinhalbstündige Untersuchung

–„da ist alles drin“ –und ein30-

minütiges Abschlussgespräch mit dem

Mediziner schließen sich an. Sie umfasst

unterschiedliche Bausteine –von der medizinischen

Voruntersuchung über eine

Stress-Analyse bis zu

derem: ein Blutbild mi

Analyse, Wirbelsäule

messungen sowie Befr

denheit, Arbeitsfähigk

Ernährungsverhalten.

Der Ergebnisbericht w

ein individuelles Gesu

punktet dabei mit ein

Spezialisten: Dazu zäh

heits- und Ernährung

wissenschaftler, Physi

rapeuten, dazu Traine

Stress- und Burnout

rungskräfteentwicklun

eng mit dem Ärztehau

len, dem dortigen Re

dem „alamed“-Gesun

Als Vorteile nennt Dr. F

heitlicheBetrachtungs

Test. Zum Programm

tern, eine Körperzu

ter unter Einhaltun

Schweigepfl

icht persö

Darauf aufb

auend en

Das „BGB-Forum

schiedener Fachrich

und Konfl

iktmanagem

Borken zusammen.

–auch zu Fachärzten


&BETRIEBE

19

mern auf der Trainingsfläche dabei, etwas für die Fitness und den Muskelaufbau zu tun.

mWartezimmer

it hat sich die BGM Forum Westmünsterland GmbH

uffel“ profitieren von den Angeboten.

.n.r.) im Gesund-

Foto: Birgit Jüttemeier

m Herz-Kreislaufgehören

unter antbis

zu 36 Paramesammensetzungsn-Analytik,

Kraftagungen

zu Zufrieeit,

Stresslevelund

ird dem Mitarbeig

der ärztlichen

nlich übergeben.

twickelt das Team

ndheitskonzept.

Westmünsterland“

em Netzwerk von

lenMediziner vertungen,

Gesundsexperten,

Sporto-

und Psychotherund

Coaches für

-Prävention, Fühg

sowie Krisenent.

Es arbeitet

s„alamed“ in Veha-Zentrum

sowie

dheitszentrum in

öcking: eine ganzweise,

kurze Wege

–und schnelle Abstimmungsprozesse.

„Gesundheitsprogramme

in Unternehmen sind dann besonders

effektiv, wenn von der Analyse

über die professionelle Auswertung bis

zur Umsetzung eines individuell abgestimmten

Kursprogrammsalles aus einer

Hand kommt“, erläutert Grego Braakhuis,

Leiter Physiotherapie und Rehazentrum.

Durch die Vorsorgeuntersuchungen

seien unter anderem viele

Krebserkrankungen bereits im Frühstadium

erkannt worden, bei denen gute

Heilungschancen bestanden, berichtet

Föcking.

Heute betreuen das „BGM-Forum“ und

die Betriebsmedizin „alamed“ deutschlandweit

rund150 Firmen –vom Kleinbetrieb

mit zehn bis zum Großkonzern mit

2000 Beschäftigten. Dazu gehören zum

Beispiel die Unternehmen J.W.Ostendorf

(JWO) in Coesfeld, Vesuvius (Borken),

bofrost und die Stadt Borken. Die Nachfrage

sei ungebrochen. Monatlich buchtenetwazweiweitereFirmen

die professionelle

Begleitung in Gesundheitsfragen.

„Langfristig kommt jeder in BGM investierte

Euro mindestens dreifach wieder

zurück“, betont der Velener, dass Beschäftigte

und Betriebe gleichermaßen

profitierten. Die Gesundheit der Mitarbeiter

werde gefördert –das steigere

nicht nur die Leistungsfähigkeit und Produktivität,

sonderntrageauchzuMotivation

und letztlich zu einem besseren Betriebsklima

bei. Die Krankenkassen beteiligten

sich teilweise an den Kosten der

Vorsorgemaßnahmen, außerdem könne

das Unternehmen sie steuerlich absetzen.

Die Krankheitstage und damit verbunden

die Produktionsausfälle reduzierten

sich deutlich.

Einen weiteren Aspekt nennt „BGM-Forum“-Geschäftsführer

Jan Föcking: Mit

„weichen Faktoren“, wie Kinderbetreuung

oder Sport- und Gesundheitsangeboten,

könnten Firmen in der modernen

Arbeitswelt effektiver Mitarbeiter finden

und langfristig binden. „Es ist ein Riesen-

Plus und verstärkt die Reputation vor allem

bei jungen Arbeitnehmern.“

Birgit Jüttemeier

(0251) 91 98 79 -0

www.vmi-muenster.de

Ärztliche Kontrolle: Dr. Ludwig Föcking hat vor neun Jahren das BGM-Forum mitgegründet.

Inzwischen hat das Unternehmen vier Standorte.

INFOS

Im Januar 2016 eröffnete inBorken das Gesundheitszentrum „alamed“. Dort

sind auf etwa 800 Quadratmetern Fläche die Betriebsmedizin „alamed“ sowie

das Betriebliche Gesundheitsmanagement „BGM-Forum“ in Kooperation mit

dem Reha-Zentrum Velen angesiedelt. Der Name „alamed“ dient als Oberbegriff

der verschiedenen Fachrichtungen und wurde von Dr. Ludwig Föcking

(leitender Arzt), seinem Sohn Jan Föcking (Geschäftsführer) und Grego Braakhuis

(Leiter Physiotherapie und Rehazentrum) initiiert. Am Standort werden

die Bereiche Medizin, Physiotherapie und BGM gebündelt. „alamed“ arbeitet

Hand in Hand mit dem Ärztehaus „alamed“ in Velen, das Dr. Ludwig Föcking

ab 1979 im ehemaligen Velener Krankenhaus etabliert hat. Heute stellen dort

rund 30Ärzte in zwölf Fachabteilungen plus Reha-Zentrum die medizinische

Versorgung der Region sicher.

Nach Velen und Borken entstehen inBocholt und in Gescher der dritte und

vierte „alamed“-Standort imKreis Borken. Der Neubau auf dem Gescheraner

d.velop-campus eröffnete imOktober. Unter einem Dach werden dort medizinische

Dienstleistungen zusammengefasst: eine Praxis für Allgemeinmedizin

und für Physiotherapie, dazu eine Apotheke, ein orthopädischer Schuhmacher

sowie eine Trainingsfläche mit Kurs- und Trainingsangebot. Dazu kommen die

Bereiche Arbeitsmedizin und BGM. „Die Bündelung aus Gesundheitsmanagement

und Betriebsmedizin hat sich an unseren Standorten bewährt“, weist

„BGM-Forum“-Geschäftsführer Jan Föcking auf Synergieeffekte hin.

Immobilienvermittlung -

...weil wir es können!

1. Platz als bankenunabhängiges Unternehmen in Münster

Capital Maklercompass 2018 -Note: “sehr gut”

Qualifikationen, Prozessqualität, Exposé und Vertrag, Service

IVD -Immobilienverband Deutschland

Zertifiziertes Mitglied nach Aufnahmeprüfung

150 Jahre gemeinsame Berufserfahrung

Kostenlose Marktpreiseinschätzung

Marktkenntnisse auf höchstem Niveau

IHK -geprüf er Ausbildungsbetrieb

Zukunft inbesten Händen

Verantwortung für einen der hochwertigsten

und nachhaltigsten Vermögenswerte: Ihre Immobilie!


20 BRANCHEN &BETRIEBE

Faszinierendes Produkt

Die Goldschmiede haben nicht nur jetzt Saison.

Der Dezember ist für Goldschmiede

der „stärkste“ Monat. Sagt man.

Stimmtnur bedingt,sagtMathias Engels.

Ein Gespräch mit dem Obermeister

der Gold- und Silberschmiede-Innung

Münster überdie Faszination

eines glänzenden Metalls und

eines uralten Handwerks

Natürlich sei die Adventszeit

„umsatzstärker“ als

die andereZeit des Jahres,

„aber der Weihnachtsmonat

hat für unsere Branche

nicht mehr die Bedeutung wie in früheren

Zeiten“, erläutert Mathias Engels.

Schmuck habe sich zu einem Ganzjahres-

Produkt entwickelt. Das sei wirklich nur

ganz sachlich gemeint, betont der Goldschmiedemeister

sofort, denn Schmuck

„ist ja nicht irgendein Produkt, sondern

Individualität und Faszination“. Seit

Jahrtausenden und immer wieder neu.

Mit einem (Vor-)Urteil räumt Engels

gleich zu Beginn des Gesprächs in seinem

Geschäft in Ahaus auf: Schmuck als Wertanlage

und damit als Geldanlage –das

sieht er kritisch und würde es seinenKunden

auch nicht empfehlen.Schmuck habe

einen ganz großen ideellen Wert, „und

das ist die eigentliche Wertanlage“.

Der Fachmann kann diese Einschätzung

mit dem Wunsch vieler Kunden belegen,

die in seine Goldschmiede kommen, um

sich ein altes Schmuckstück umändern

zu lassen. „Familienschmuck hat enorm

an Bedeutung gewonnen“, ist seine Beobachtung.

Es handelt sich meistensumein

Erbstück, das in der Familie bleiben soll.

So kommt zum Beispiel die Großmutter

mit ihrer Enkelin, der sie ihren alten Ring

geschenkt hat, zu Mathias Engels. Beide

fragen, wie man das gute Stück verändern

kann. Dann sind fachlicher Ratund

kreativeIdeen gefragt, durch die sich das

Gold- und Silberschmiede-Handwerk immer

schon auszeichnet.

Ist Gold- und Silberschmuck konjunkturabhängig?

Die Antwort ist differenziert:

Ja und Nein.Konkret heißt das nach den

Erfahrungen der Fachleute: „Wenn die

Konjunktur gut läuft und sich positiv auf

das Einkommen auswirkt, dann wird

auch Geld für Schmuck ausgegeben.“ Das

ist der eine Teil derAntwort. Der anderer:

„Schmuck ist immer dann nicht von der

wirtschaftlichen Entwicklung abhängig,

wenn er vererbt und umgearbeitet werden

soll.“

Geändert hat sich der Wettbewerb. Nicht

die anderen Betriebe der Branche oder

die Goldschmiede in unmittelbarer Nachbarschaft

sind die direkten Wettbewerber.

„Mein Konkurrent ist zum Beispiel

das Reisebüro,“ sagt Mathias Engels,

„oder das Geschäft, das hochwertige Geräte

für die mobile Kommunikation anbietet.“

Das Geld könne eben nur einmal

ausgegeben werden. Wardas nicht schon

immer so? Ja schon, aber Urlaubsreisen

und Freizeitvergnügen waren früher

noch nicht so ausgeprägt wie heute.

Zu den Veränderungen im Goldschmiede-Handwerk

gehört auch, dass viele

Kunden bereits gut informiert und mit

festen Vorstellungen in das Geschäft oder

in die Werkstatt kommen. Zum Beispiel

beim Kauf von Trauringen. „Ich freue

Schmuck hat einen ideellen Wert: Mathias Engels und Auszubildende Doreen Everdiking.

mich, wenn Kunden eigene Idee haben“,

sagt der Handwerksmeister. Erkann die

Ideen präzisieren, Anregungen geben,

beraten. Und er freut sich ebenso, wenn

er Kunden seine eigenen Ideen vermitteln

kann.Beratung ist ein ganz wichtiger

Teil der Arbeit seines Handwerks.

Wie sieht es mit Nachwuchskräften aus?

Der Innungsobermeister sieht eine Ausbildungslücke,

weil Meister fehlen. Im

Gold- und Silberschmiede-Handwerk ist

die Meisterprüfung –wie in vielen andern

Handwerken –keine Voraussetzung

mehr für die Selbstständigkeit. Eine politische

Entscheidung, die der Innungsobermeister

überhaupt nicht nachvollziehen

kann. „Wenn wir keine Meister

mehr haben, dann können wir auchkeine

Lehrlinge mehr ausbilden.“ Gleichwohl

werben die Meisterbetriebe um Auszubildende.

Und es gibt auch noch (und wieder)

Interesse daran,die Meisterprüfung

zu machen.

Zurück zu den Trauringen. Eine Begegnung

von Tradition und aktuellem Geschmack.

„Der Trauring ist immer noch

aus Gelbgold“, weiß Engels, „und er hat

eine schlichteGrundform.“ Aber die Ringe

sollen auch sehr individuell sein. Die

Aufgabe besteht also darin, „Individualität

in den Ring bringen.“ Mathias Engels

hat dabei auch schon die Fingerabdrücke

von Brautpaaren „verewigt“.

Hubertus Kost

Foto: Hubertus Kost

Anzeige

25 Jahre Activa–Ein Grund zumFeiern!

Urkundenübergabe: v. l. n. r.:Hermann Bleker (Geschäftsführer Bleker Gruppe), Olaf Benning (Betriebsleiter

Activa Automobil-ServiceGmbH), Norbert Steinig (Standortleiter IHK Westmünsterland),Christian Voßkamp

(Geschäftsführer Bleker Gruppe), Mensur Kolic (Geschäftsführer Bleker Gruppe).

Der Name „Activa“ tauchte in der Bleker

Gruppe zum ersten Mal vor einem viertel

Jahrhundert auf. Damalswurdenunterder Firmierung

„ActivaAutovermietungGmbH“noch

Kraftfahrzeuge, sowie diedazugehörigen Verwaltungstätigkeiten

aller Art an Selbstfahrer

vermietet.

NachdemesimJahre2009 zu einerUmstrukturierung

der Ausrichtungund derGeschäftsidee

der Firma kam, steht die „Activa Automobil-Service

GmbH“ seither für automobile

Vielseitigkeit und vereint die Bereiche Sonderfahrzeugbau,

Fahrzeugeinrichtung, Fahrzeuglackierung

undSattlerei.

In jedem der vier Fachbereiche wird Qualität

und Kundenservice groß geschrieben. Das

qualifizierte Fachpersonal kümmert sich um

jedes Problem, findet immer individuelle Lösungen

undgehtdabei selbstverständlich mit

höchsterPräzisionauf speziellste Kundenwünsche

ein. So entstanden in den 25Jahren immer

neue Produktlösungen, die das Portfolio

und Know-how ständig erweitert haben. Bei

der Activa Automobil-Service GmbH ist jeder

Auftrag eine Einzelanfertigung und wird von

Spezialisten imBereich Fahrzeugumbau mit

größterPräzision ausgeführt.

4Bereiche, 25 Jahre, eine Mission.

Doch aus welchen Bereichen genau ergibt

sich die moderne „Activa Automobil-Service

GmbH“?

Der Zweig Sonderfahrzeugbau profitiert von

derlangjährigen Erfahrung des Fachpersonals

in SachenFahrzeugumbau und Spezialausbau

vonTransportfahrzeugen fürPersonenmit eingeschränkter

Mobilität, Service- und Einsatzfahrzeugen

und anderen individuell anpassbaren

Nutzfahrzeugen für jegliche Branche. Auf

einer Fläche von 1.000 Quadratmetern mit

insgesamt zwölf Bühnenplätzen geben über

30 Mitarbeiter tagtäglich ihr Bestes, um die

Sonderwünsche und hohen Ansprüche der

Kundenzuerfüllen.Dabei wirdalles daran gesetzt,

den Alltag der Kunden zu erleichtern und

die Montagearbeiten so kurz wie

möglich zu halten, ohne dass Qualität

und Kompetenzauf der Strecke

bleiben. Es gibtkaum einen Umbauwunsch,

der nichtrealisierbar ist.

Gleiches gilt für die Fahrzeuginneneinrichtung,

welche sich seit jeher

durch qualitativ hochwertige und

kompatible Regalsysteme der Firma

„Order System“ auszeichnet, für

welche die Activa seit vielen Jahren

Generalimporteur in Deutschland

ist. Durch die vielfältigen und kombinierbaren

Einbauelemente kann

nahezu jedes Fahrzeug problemlos

um- oder ausgebaut werden und

repräsentieren gleichzeitig ein flexibles,

starkeund praktisches System.

Die Fahrzeuglackierung besticht durch ihr

langjähriges Bestehen und der hohen Kompetenz

der Mitarbeiter. Der Startschuss der

erfolgreichen Entwicklung fiel am Butenwall

65 in Borken.

Heute befindet sich der Standort der Lackierung

an der Königsberger Straße 12–14. In

drei modern ausgebauten Lackierungskabinen

wirdumweltfreundlich, auf Wasserlack basierend

lackiert und durch den Einsatz von zum

Teil computergesteuerten Techniken, können

neben dem Kerngeschäft der Fahrzeuglackierung,auchIndustrie-

undMöbellackierungen

durchgeführtwerden.

Automobile Handwerkskunst wird in der

Sattlerei am Butenwall 65 in Borken ausgeübt

und ist seit den gesamten 25 Jahren wichtiger

Bestandteil der „Activa Automobilservice

GmbH“. Das Team verfügt über eine Menge

Erfahrung, Kompetenz und Qualität. Vom

Cabriodach, bis hin zu Behandlungssitzen für

Zahnärzten, aber auch die Renovierung alter

Autositze –der Vielfalt der Polsterarbeiten

sind keineGrenzen gesetzt. Fürjeden Wunsch

findet das Team eine attraktive Lösung, welche

sich sehen lassen kann.

Order System Ausbau: Hochwertigesund kompatibles

Regalsystemder Firma „Order System“, fürwelche Activa

seit vielen Jahren Generalimporteur in Deutschland ist.

ZurHeide 9

46325 Borken

Telefon+49 (0) 28 61 /66642

www.activa-automobilservice.de


BRANCHEN &BETRIEBE 21

Das Elternhaus

aus Gold

Josef Reifig erfüllte sich einen besonderen Wunsch.

Liebe zum Detail und zur Heimat: Das kennzeichnet die Arbeit des Goldschmiedemeisters

Reifig auch beim Miniatur-Nachbau seines Elternhauses.

Foto: Hubertus Kost

GOLD- UND SILBERSCHMIEDE-HANDWERK

Der Goldschmied gehört zuden ältesten Metallhandwerkern. Zeugnisse seiner

Kunst gibt es in Europa schon 5000 Jahre vor Christus. Im Mittelalter prägten

sakrale Geräte die Arbeit des Goldschmieds. Viele Schätze sind heute noch in

Kirchen, Klöstern und Museen zu bewundern. Über Jahrhunderte standen Goldschmiede

auch in Diensten weltlicher Herrscher.

Der Beruf des Goldschmieds ist nach wie vor von individueller handwerklicher

Arbeit geprägt. In die Werkstätten haben aber auch moderne Techniken Einzug

gehalten, die die Arbeit unterstützen. Gold- und Silberschmiede gehören heute

zu einem gemeinsamen Berufsbild. Wer die Meisterprüfung ablegt, führt den

Titel Gold- und Silberschmiedemeister. Meisterkurse bietet die Handwerkskammer

Münster an. Eine Erweiterung der gestalterischen Kenntnisse ist mit der

Qualifizierung zum Gestalter bzw. zur Gestalterin im Gold- und Silberschmiede-

Handwerk möglich, die von der Akademie Gestaltung der Handwerkskammer

Münster angeboten wird. Zur Gold- und Silberschmiede-Innung Münster, die

den Regierungsbezirk Münster umfasst, gehören 25 Betriebe.

-hko-

Ein Haus aus Gold? Das gibt es. Allerdings

im Maßstab 1:400. Ein Goldschmiedemeister

hat es gebaut und

er zeigt damit auch das ganz individuelle

Schaffen eines alten Handwerks.

Es war ein ganz besonderer

Wunsch, den sich Josef Reifig

selbst erfüllt hat: Er wollte

ein Haus aus Gold bauen.

Nicht irgendein Haus, sondern

sein Elternhaus, das im Jahr 1926 in

Nienberge entstand, einer ehemals

selbstständigen Gemeinde, die seit den

1970er Jahren zuMünster gehört. Der

Goldschmiedemeister hat es nach alten

Unterlagen im Maßstab 1:400 nachgebaut.

Als er von dieser besonderen Arbeit erzählt,

muss Josef Reifig unwillkürlich

schmunzeln: „Wer kann schon sagen,

dass er das Haus seiner Eltern vergoldet

hat?“Der Meister hat es getan –mit handwerklichem

Können, filigraner Arbeit

und mit ganz viel Liebe zum Detail. So

entstand ein Unikat, das kaum größer ist

als eine Streichholzschachtel –aber mit

einer beeindruckenden Ausstrahlung.

Der Ur-Nienberger, derindiesem Jahr die

Vollendung seines 85. Lebensjahres feiern

konnte, machte sich 1964 mit einer

Goldschmiedewerkstatt in der Kirchherrngasse

in Münster selbstständig. Der

Familienbetrieb fertigt hochwertigen

Schmuck nach ganz individuellen Wünschen

der Kunden an.

Als Josef Reifig die GoldschmiedeimJahr

2000 an seinen Sohn Peterübergab, wollte

er sich aber keineswegs zur Ruhe setzen.

Die Liebe zu seiner Heimat und zu

seinem Beruf brachten ihn auf eine Idee:

„Mir ging es darum, wie ich das alteNienberge

für die nächsten Generationen erhalten

könnte, denn es soll nicht in Vergessenheit

geraten.“ Ausdieser Idee entstanden

einige der ältesten Gebäude des

Ortskerns im Kleinformat. Konkret im

Maßstab 1:200 und aus 900er Silber.

Die Pfarrkirche St.Sebastian wardie erste

Meisterleistung für das Miniatur-Ensemble.

Es folgten das Ehrenmal und

Häuser rund umdie Kirche. Josef Reifig

stöberte inArchiven, machte Fotos, blätterte

inalten Bauplänen und nahm auch

Maß direkt vorOrt.Dann erst begann die

handwerkliche Arbeit des Goldschmieds

an seinem „Silberdorf“.

Der Dorfk

ern von Nienberge hatte lange

Zeit Vorrang in der Arbeit des „Unruhe-

Rentners“. Der Goldschmiedemeister

wollteaberauch sein Elternhaus nachbilden,

das vor vielen Jahren neu gebaut

wurde. Also stöberte ererneut in Archiven,

sichtete Pläne und machte sich an

die Feinarbeit. „Eine Arbeit, die mich in

ganz besonderer Weise erfüllt hat,“ sagt

der Meister. Und es musste auch ein besonderes

Material sein: Gold –„denn das

Haus meiner Eltern wollte ich nicht versilbern“,

lächelt Josef Reifig.

Hubertus Kost

Anzeige

Anzeige

Glasfasernetze: Der Mittelstand treibt die Aufholjagd

So schaltenUnternehmen,

Handelskammern und

Wirtschaftsfördereringanz

Deutschlandjetzt auf

Lichtgeschwindigkeit um.

Der Breitbandausbau in Deutschland

kommtendlich in Fahrt; Woche

für Woche geheninGewerbe- und

Industrieparksneue Glasfasernetzein

Betrieb. Hinterdiesem Umschwung

steckt nichtzuletzt das Engagement

lokaler Unternehmer,Handelskammern,

Wirtschaftsförderer und Kommunalpolitiker:

Sie warten nicht mehr

auf die große Politik,sondern treiben

die Aufholjagd aus eigener Initiative

voran.Ein junges Unternehmenaus

dem Münsterlandspielt dabei die

Rolledes Schrittmachers.

Bei vielen Unternehmen im ländlichen

Raum wachse die Unruhe über

den Rückstand beim Glasfaserausbau,

warnte der stellvertretende

DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim

DerksimSommer 2018, rund 20.000

Gewerbegebiete seien noch nicht

an das Glasfasernetzangeschlossen.

Dabei siehtdie Glasfaser-Versorgung

selbst in denIndustriegürteln der

Städte oft katastrophal aus, weil sie

vielerorts noch auf Kupferleitungen

basiert– sei es in Form vonFernsehkabelnoder

sogar alten Telefondrähten.

Um die Digitalisierung der

deutschen Wirtschaftvoranzutreiben,

brauche der Mittelstand als„Rückgrat

der deutschen Wirtschaft“ flächendeckend

verfügbare, hochleistungsfähigeGlasfaseranschlüsse

bis direkt

insUnternehmen.Das fordertauch

der Präsidentdes Bundesverbands

mittelständische Wirtschaft(BVMW)

Mario Ohoven.„Noch fehlt es zahlreichen

mittelständischen Betrieben

Uwe Nickl istseit dem 1. April

2016 Geschäftsführer der Deutsche

Glasfaser HoldingGmbH. Vor

seinem Engagementbei Deutsche

Glasfaser war er seit November

2014 CEOder pepcom Gruppe und

davor Executive Director des Board

of Directors sowie Chief SalesOfficer

der euNetworksGroup Limited.

Zuvor war Nickl 10 Jahre langin

verschiedenen Führungspositionen

beiLevel 3Communications tätig.

Zuletzt verantworteteerdort als

Senior Vice Presidentdie Strategie,

die Produkte und dasMarketing in

Europa. Gleichzeitig verantwortete

er den Betrieb und den Ausbau der

weltweiten Unterseekabel. Davor

war Nickl Geschäftsführer Zentralund

Osteuropa. Seine Karriere in der

Telekommunikation begann Uwe

Nickl 1997 in der Netzwerksparteder

Siemens AG.ErstudierteBetriebswirtschaftslehreinDeutschland

und

den Niederlanden.

insbesondereabseits der Metropolen

an einem ausreichend leistungsfähigen

Breitbandanschluss; in vielen

Regionen herrschtsogar ‚Internet-Notstand‘“,sagte

Ohoven. Wenn

aber die Chancen der Digitalisierung

konsequentgenutzt würden,könnten

mittelständischeUnternehmen ihren

Umsatz zudem deutlich steigern. „Auf

diese Weise können wirnichtnur die

rund 30 Millionen Arbeitsplätze im

Mittelstand sichern, sondern auch

neue Arbeitsplätzeinder digitalisiertenWirtschaftschaffen.“Auch

für

Ohovensteht fest:Anneuen, reinen

GlasfasernetzengehtkeinWeg vorbei.

Durch Herumdoktern an Kupfernetzen

mit Vectoring- undanderen Übergangstechnologien

istder Wirtschaft

nichtgeholfen, denn gerade bei den

Echtzeitanwendungen der Industrie

4.0kommt es auf Bandbreiten und Reaktionsgeschwindigkeiten

im Netz an,

dienur mitreinerGlasfasermachbar

ist.

Dass nurGlasfaserzukunftssicher

ist, wusste auch Sebastian Täger,

der sich als Wirtschaftsförderer der

Gemeinde Senden im Münsterland für

den Bau eines neuen Breitbandnetzesengagierte.

Der Erfolgverblüffte

jedoch auchihn:Zahlreiche Unternehmen

siedelten aus der nahen

Großstadt Münsterins beschauliche

Senden um –der überlegenen Datenleitungenwegen

–und brachtenauch

umzugswilligeMitarbeiter mit. Inzwischen

sind sämtliche Gewerbe-und

Neubauflächen in Senden ausgebucht

–und Sebastian Tägerwurde zumBürgermeister

gewählt. Auch in Straelen

istinzwischen „alles aufWachstum

geeicht“, berichtetWirtschaftsförderer

UweBons. Die Grundstücksvermarktung

in denGewerbegebietenhat

enormFahrt aufgenommen, seitdem

die ersten Gewerbegebiete mit Glasfaserversorgtsind.

Ähnlich begeistert

äußernsich seine Kollegen landauf,

landab –dabei haben sich dieErfolgsbeispiele

der ländlichen Kommunen

bisindie Groß- undMittelstädte

herumgesprochen: VonSchleswig-Holstein

bis Bayern istder terabit-fähige

Infrastrukturausbau in den GewerbeundIndustriegebietenbereits

ins Rollengekommen

–und dabei allehaben

eines gemeinsam: Partnerfürden

Glasfaserausbau isteines der jüngsten

und ungewöhnlichstenTelekommunikationsunternehmenDeutschlands:

Deutsche Glasfaseraus dem münsterländischen

Borken wurde erst 2011

gegründetund hatsich in der kurzen

Zeit als Marktführer an die Spitzedes

FttH-Glasfaserausbausgesetzt.

MonatfürMonatsetzt Deutsche

Glasfaserinrund 20 Gewerbegebieten

bundesweit den Infrastrukturwandel

eigenwirtschaftlich in Gang. Dabei verblüfftdas

Unternehmen dieBranche

durch enorme Geschwindigkeit –nicht

nur bei den Internet-Bandbreiten,

sondern auch bei der Umsetzung: Von

der Gebietsanalyse und Planung und

Vermarktung biszum Bau undder

Aktivierung der Kunden legt Deutsche

Glasfaseraußergewöhnliches Tempo

vor.

Wie istdas möglich?„Wir sindjung

und erfahren zugleich“erklärt Uwe

Nickl, CEObei Deutsche Glasfaser,

„unser Ausgangspunktwaren innovativeTechnologien

undProzesse für

diePlanung und Verlegung vonreinen

Glasfasernetzen, die sich bereits in

den Niederlanden über zwei Millionen

Malbewährt haben. Auf diese Weise

können wir ein reines Glasfasernetz

auchimdünner besiedelten ländlichen

Raum wirtschaftlich darstellen.

Also genau da, wo großeKonzerne

lieber einen Bogen schlagen oder weiterihrealten

Kupfernetzebetreiben.

Hinzukommteine andereKultur im

Umgang mit Unternehmen, Wirtschaftsförderern

und Kommunalpolitikern:

Wir sind ein mittelständisches

Unternehmenvom Land undticken

ganz ähnlich wie unsereAnsprechpartner

vorOrt. Trotzaller Erfahrung

und Routine istuns bewusst, dass

wir uns dasVertrauen jeden Tagaufs

Neue verdienenmüssen. Nichtmillionenschwere

Marketingkampagnen,

sondern die aktiveWeiterempfehlung

aus den Kommunen hatuns zum

Branchenführer gemacht.“

DieIdee der Partnerschaft, Vernetzungund

desgemeinschaftlichen

Engagementsist tiefimGeschäftsmodell

vonDeutsche Glasfaserverankert:

durch sie erst wirdder Bau eines

Glasfasernetzesmöglich: „Oftwerden

wirvon Unternehmenoder Handelskammern

auf ein Gewerbegebiet

angesprochen“erklärt UweNickl,

„wennsich eine ausreichende Zahl der

Unternehmenvor Ort entscheiden,

einen Glasfaseranschluss zu buchen,

können wirinaller Regelein Ausbauprojektstarten“.

Und dieserAnschluss

hatesinsich: Die Bandbreitestartet

bei 250 Mbit/s(bei konventionellen

DSL-Technologien istbereits 100

Mbit/sdas Ende der Fahn enstange)

und istauch bei10Gigabit/s nichtam

Ende: Technisch reichtdie Kapazität

des Lichtleitersbis in den Terabit-Bereich.Einen

besseren Start ins Industrie

4.0-Zeitalter können sich Unternehmen

nichtwünschen.

Deutsche Glasfaser Business GmbH

Am Kuhm 31 ·46325 Borken

deutsche-glasfaser.de/business


22 BRANCHEN &BETRIEBE

Hat den Säure-Basen-Haushalt imBlick: Marcus Reich mit dem Badesalz-Produkt, das

nun palettenweise nach Taiwan schippert.

Foto: Lukas Sydow

Badesalz

für Taiwan

Marcus Reich aus Nottuln ist selbst vom Erfolg

seines Start-up-Unternehmens überrascht.

Telefon 0251/690-908419

lars.normann@aschendorff.de

Soester Str. 13, 48155 Münster

Telefon 0251/690-908418

frank.micheel@aschendorff.de

Soester Str. 13, 48155 Münster

„Wir sind als junges kleines Startup

in Nottuln nicht davon ausgegangen,

dass wir in der Zentrale

der Ethik-Bank überhaupt wahrgenommen

werden.“

Marcus Reich

Badesalz aus dem Münsterland in

Taiwan? „Das erfüllt uns als Newcomernatürlichschonein

wenig mit

Stolz“,meint Marcus Reich.Dazu hat

er guten Grund: Marcus Reich hat es

geschafft, einen Importeur aus Taiwan

von seinen Produkten zu überzeugen.

Jetzt exportiert er nach

Fernost.

Die offizielle Anfrage kam

erst, nachdem der Importeur

sich 15 Badesalze über

Amazon bestellt und dann

mit erfahrenen Händlern

und Kunden vor Ort in Taiwan getestet

hat“, berichtet Reich. Am Ende ist sein

Badesalz ganz oben im Ranking gelandet

–und sein Unternehmen mit Sitz in Nottuln

lieferteüber eine Tonnedavonnach

Taiwan.

Eine besondere

Ehre für Marcus

Reich, denn erst

seit diesem Sommer

bietet sein

Start-up das volle

Produktsortiment

an: hochwertige

Lebensmittel und

Tees in Bio-Qualität

wie auch nachhaltige

Körperpfl

egeprodukte

mit dem Ziel der Säure-Basen-Regulation

und der „Entschlackung“ des Körpers.

Neudeutsch wird dieser Trend, bei dem

es darum geht, den Körper von Giften,

Säuren und Schlacken zu befreien, auch

„Detoxing“ genannt.

Das Ziel: mit einem ganzheitlichen Ansatz

Lebensqualität und Gesundheit wieder

stärker in den Blick nehmen. „Damit

einhergehend lebt so die Tradition des

Fastens und einer bewussten Lebensund

Ernährungsweise wieder neu auf“,

erklärt Marcus Reich. Für ihn persönlich

war seine überstandene Krebserkrankung

Anlass, sich diesem Thema und

den Prozessen des Säure-Basen-Haushalts

zu widmen und schließlich auch

ein Unternehmen zu gründen, das entsprechende

Produkte anbietet.

Die Marke „M. Reich“ kommt gut an.

Denn einerseits gehe zwar das Wissen

um einen ganzheitlichen Ansatz zunehmend

verloren, bedauert Marcus Reich.

Andererseits realisieren immer mehr

Menschen, dass es beispielsweise bei Ernährung

„nicht nur ums Sattwerden

geht“.

„Wir bedienen zwar eine Nische, aber es

ist eindeutig ein Wachstumsmarkt“, fügt

er hinzu. So beliefert er vonNottulnaus

Reformhäuser, Bio-Läden, Fitnessstudios

und Apotheken. Und seit Kurzem

gibt es das Badesalz von Marcus Reich

nun eben auch in Taiwan zu kaufen.

Dass gerade auch seine Unternehmensphilosophie

den Erfolg ermöglicht, hat

vorKurzem die Ethik-Bank verdeutlicht.

Sie hebt die Geschichte von Marcus

Reich und seinem Unternehmen nun auf

Flyern wie auch online hervor –als Beispiel

einer gelungenen Firmengründung.

„Wir haben die M. Reich GmbH

bewusst für unsere Geschäftspartnerkooperation

ausgewählt. Wir sind begeistert

von der nachhaltigen Ausrichtung

des Unternehmens, dessen Produkten

und dem sozialen Engagement“, so die

Ethik-Bank.

Marcus Reich war überrascht, als ihm

eine solche Kooperation angeboten wurde:

„Wir sind als junges kleines Start-up

in Nottuln nicht davon ausgegangen,

dass wir in der Zentrale der Ethik-Bank

überhaupt wahrgenommen werden“,

sagt er lachend.

Nun findet sich die Geschichte von Marcus

Reich auf den Flyern der Ethik-Bank

und das Badesalz aus dem Münsterland

ist auf dem Wegnach Taiwan –zweitolle

Zeichen für ein junges Nottulner Unternehmen

auf echtem Wachstumskurs.

Lukas Sydow


LEBEN &WISSEN 23

Ein Spiel mit dem Feuer

Der zunehmende Massentourismus bedroht venezianische Existenzen –ein junges Pärchen will nun

dagegen vorgehen und hat „Venezia Autentica“ (Echtes Venedig) gegründet.

Das Spiel mit dem Feuer beherrscht Stefano wie kein anderer. ImHandumdrehen fertigt er aus einem kleinen Stück Glas eine Schüssel.

Es pfeift und zischt, eine rote Flamme

fl

ackert auf. Stefano schaltet seine

Gerätschaften an undlegt los...So

schnell kann man gar nicht blinzeln,

wie Stefano Morasso aus einem kleinen

Stück farbigem, festem Glas mit

fl

inken Fingern etwas Neues formt.

Er dreht und dreht und dreht das

Glas im Feuer. Dann kommt der magische

Moment: Er bläst durch einen

Stab in das Glas hinein und das Glas

höhlt sich aus. Stefano dreht weiter,

wechselt kaum merklich mit geübtem

Griff die Richtung, nimmt ein

Werkzeug zur Hand. Dann dreht er

weiter. Die Glasstange, die amAnfang

nachtblau war, hat inzwischen

die Farbe eines schimmernden Türkis

angenommen. Während der arglose

Betrachter noch still steht und

staunt und sich fragt, was aus dem

kleinen Stück Glas einmal wird, hat

Stefano schon eine Schüssel geformt,

die er stolz präsentiert.

Neben Gemüse verkaufen Händler Plastikmasken. Mit

Kunsthandwerk hat das nichts zu tun. Fotos: Oliviero Tasselli

Stefano ist Glasbläser in Venedig,

der Stadt des Murano-

Glases, der Mythen und der

Masken. Venedig, die Lagunen-Stadt,

die ihre Berühmtheit

der einzigartigen Position mitten im

Wasser verdankt. Jährlich zieht die Stadt

ungefähr 25 Millionen Touristen an, das

sind circa 68.000 Touristen am Tag, die

sich wie Ameisen ihren Wegdurch dieengen

Gassen bahnen. 2016 kamen fast

260.000 Deutsche nach Venedig. Damit

belegen die deutschen Touristen Platz

vier in der Aufzählung der Touristennationen

und folgen damit auf die USA,

Großbritannien und Frankreich.

Die Touristen kaufen in Venedig Souvenirs

ein und bringen so Geld in die Stadt.

Gleichzeitig sind es die Urlauber,die der

Lagune langsam ihren Untergang bringen.

Kaum ein Asiate oder Amerikaner

verirrt sich in die Werkstatt von Stefano.

Eher tummeln sich alle auf der Piazza San

Marco, vor dem berühmten Markusdom

und kaufen bei einem fl

iegenden Händler

direkt alles auf einmal: Glas aus Murano,

Masken aus Venedig und Magneten

mit den abgebildeten Sehenswürdigkeiten.

Diese Waren kommen meist alle aus

Nahost, kein einziges Produkt ist wirklich

in Venedighergestellt worden. Die Venezianer

nennen diese Produkte„cineserie“

–was manmit „chinesisches Zeugs“ übersetzen

könnte. Dieses „Zeugs“ hat nichts

gemein mitder filigranen Arbeit einesgeübten

Meisters wie Stefano, jedesObjekt

sieht gleich aus, bunte Uniformität statt

detailverliebte Unikate.

So entsteht ein Teufelskreis: Die Touristenwollen

typische Produktekaufen, haben

aber wenig Zeit und kaufen daherdie

Billigware aus Nahost. Die Kunsthandwerker

werden ihre Produkte nicht los,

verlieren ihre Arbeit und ziehen im

schlimmsten Fall weg. Niemand kommt

nach. Venedig stirbt aus.

Für viele Venezianer steht ihrer Stadt in

naherZukunft die Apokalypse bevor. Dieses

Schreckensszenario hat ein junges

Pärchen aus Venedig zu einer Start-up-

Idee inspiriert. Valeria und Sebastian,

beide um die 30, haben die Initiative„Venezia

Autentica“ (Echtes Venedig) gegründet.

Die Idee stammte ursprünglich vonValeria.

Sie, ursprünglich aus Frankreich, hatte

sich in die Stadt (und Sebastian) verliebt

und wollte nicht zusehen, wie das

nachlässige und oftmals respektlose Verhalten

der Touristen, die an jeder Ecke

Müllliegen lassen oder voneinem Billigladen

zum nächsten rennen, die Stadt

zerstört.„Fürmich ist es traurig zu sehen,

dass in dieser Stadt keine jungen Venezianer

leben. Sie gehenalleweg,weil sie

keine Arbeit finden.“

►Fortsetzung auf Seite 24

FMO Flughafen Münster/Osnabrück GmbH Airportallee 1 48268 Greven Tel. 02571 94-1515 empfang@fmo.de fmo.de

KONFERENZEN

TAGUNGEN

Tagen mit

Atmosphäre

Individuell und professionell:

Unterstützung von der Planung bis zur Durchführung

Tagungsräume für 6bis 120 Personen

individuelle Ausstattung

modernes Equipment

Catering Service vor Ort

FMO.DE

#wirfliegenabhier


24 LEBEN &WISSEN

Zigtausend Touristen bewegen sich täglich durch Venedig. Besonderer Anziehungspunkt: der Markusplatz.

Foto: imago

Weg vom „China-Kram“

Sebastian und Valeria wollen, dass originale Masken-Macher, Papierschöpfer, Schuster und Gerber

wieder genug Kunden finden, damit die Handwerkstradition in Venedig fortleben kann.

In dem kleinen Regal präsentiert Stefano seine wertvollsten Stücke aus echtem Murano-

Glas.

Die Geschäftsidee ist simpel:

Sebastian und Valeria suchen

Bars, Werkstätten

und Ateliers nach einer 10-

Punkte-Skala aus und vergeben

dann eine Art „Güte-Siegel“. Auf

ihrer Webseitelisten sie all diese „echten“

Orteauf. So können Touristen sich informieren,

wo original venezianische Produkte

hergestellt werden, und sicher

sein, dass man sie nicht mit „China-

Kram“ übers Ohr haut. Werauf der Webseiteden

„Venezia-Autentica-Pass“ kauft,

bekommt sogar bei den Künstlern zehn

Prozent Rabatt auf einen Einkauf von

über 30 Euro.

Neben Stefano Morassos Glas-Atelier finden

sich viele originale Masken-Macher

oder Papierschöpfer, Schuster oder Gerber

unter den authentischen Orten. Valeria

und Sebastian wollen eine Schnittstelle

zwischen Touristen und Venezianern

sein. Man könnte sie als „Venedig-Diplomaten“

bezeichnen. Ihr Ziel ist es, dass

Venezianer wie Stefano genug Kundschaft

haben, um ihr Handwerk weiterführen

zu können. Im Idealfall wollen sie

Venedig für die Venezianer so attraktiv

machen, dass auch junge Menschen in

Venedig bleiben.

Eine Idee, die für Stefano sehr fruchtbar

sein könnte. Er lebt und arbeitet auf der

Aus GLasresten fertigt Stefanos Frau Nicoletta Schmuck an –ihre Arbeitsfläche grenzt an die von Stefano.

An einem ihrer Lieblingsorte –einer ruhigen Seitengasse –berichten

Sebastian und Valeria von ihrer Vision eines nachhaltigen

Tourismus.

Fotos: Oliviero Tasselli

„Giudecca“, einer kleinen Insel gegenüber

des Markusdoms. Seine Frau Nicoletta

fertigt aus Glasresten und Splittern

Schmuck, während Stefano ein Meisterwerk

nach dem anderen kreiert. Er ist

kein Mann großer Worte. Es ist Nicoletta,

die vonihrem gemeinsamen Sohn berichtet.

Er ist gerade 20 Jahre alt, einer von

jenen jungen Venezianern, deren Zukunft

ungewiss ist. Sein Vater weiht ihn

nun in einige Geheimnisse der Glasbläserarbeit

ein. Aber ob das Metier wirklich

Zukunft hat, weiß keiner vonden Dreien

so recht.

Stefanound Nicoletta sind genügsam.Sie

haben ihre Arbeit in Venedig begonnen

und warendann in den 90er Jahren zehn

JahreimAusland, in Costa Rica und Mexiko.

Seit sie wieder da sind, haben sie

eine offene Werkstatt, die gleichzeitig als

Ladenlokal dient. „Uns gefällt die Möglichkeit,

diese Werkstatt zu beleben. Und

wereinmalden Weghierher findet, kauft

meistens auch was.“ Das entspricht ganz

der Idee vonSebastian und Valeria. Ihrer

Meinung nach sind auch die Touristen

viel glücklicher, wenn sie am Ende des

Tages von einem echten venezianischen

Glasbläser oder Maskenmaler zurückkommen.

Nicht nur mit einem Produkt,

sondern auch mit dem guten Gefühl,der

Stadt geholfen zu haben.

Stefanound Nicolettafinden die Idee der

beiden jungen Leute toll, auch wenn sie

bisher kaum Auswirkungen auf ihr eigenes

Atelier spüren. Stefano zum Beispiel

hat zum ersten Mal so richtig verstanden,

dass sein Atelier auf der Seitevon „Venezia

Autentica“ verlinkt ist, als er eine

Interview-Anfrage bekam. Er hofft, dass

so ab und zu einigeTouristen auf ihn aufmerksam

werden. „Den Rabatt erlasse

ich natürlich gerne, wenn die Leutedafür

meinen Laden finden.“

Stefanos Kunst ist so berühmt, dass ihn

viele Anfragen über die sozialen Netzwerkeerreichen.Nicoletta

verschickt viele

Pakete in die ganzeWelt. Trotzdem ist

die Arbeit vor Ort und der direkte Kontakt

mit den Kunden für sie am wertvollsten.

„Für uns ist es wichtig, dass ein Besuch

in unserem Atelier gemütlich abläuft

und sich die Kunden wohlfühlen. Es

soll mehr sein als nur ein schnelles

Schauen und wieder Gehen.“ Daher ist

sie sicher, dass, wer ihr Atelier über die

Seitevon VeneziaAutentica findet, wirklich

Lust hat, sich auf ein einmaliges Glas-

Erlebnis einzulassen.

Etwas Entschleunigung und einmalige

Erlebnisse sind das, wasinVenedigs Tourismus

grundsätzlich fehlt. Sebastian

klagt darüber sehr. „Manchmal passiert

es mir auf der Straße, dass die Menschen

mich fragen, wann denn die Stadt

schließt.“ So, als sei sie der reinste Vergnügungspark.

Das sei nicht nur einoder

zweimal, sondern schon sehr oft

passiert. Valeria, die das ganze jamit

einer gewissen

Neutralität betrachten

kann,

weil sie nicht aus

Venedig kommt,

bringt die Situation

sehr nüchtern

auf den

Punkt: „Es ist ein

Nicoletta Morasso

„Für uns ist es wichtig, dass ein

Besuch in unserem Atelier

gemütlich abläuft und sich die

Kunden wohlfühlen.“

Wettlauf gegen

die Zeit. Wenn

nichts passiert, wird esVenedig in wenigen

Jahren nicht mehr geben.“

Stefano bleibt trotz allem gelassen. Er

liebt seine Arbeit, er liebt die Farben und

das Detail. Eine Existenz in Venedig ist

ein Kampfmit dem Feuer. Aber wenn das

Spiel mit den Flammen einer beherrscht,

dann ist es Stefano.

Johanna Gremme/Oliviero Tasselli


Fit aus der

Pause

Vier Unternehmen in Münster nutzen über

mehrere Wochen den Viactiv-Truck.

LEBEN &WISSEN 25

Fitnesstraining und Gesundheitsförderung

am Arbeitsplatz? Aber ja,

sagten sich vier münsterische Unternehmen

und ließen Ende Oktober

gleich eine ganze Turnhalle auf Rädern

anrollen. Jetzt steht der orangefarbene

Viactiv-Truck im Technologiepark,

umgeben von Firmengebäuden

und Neubauten. Drinnen

warten hochmoderne Trainingsgeräte,

die statt mit Gewichten mit elektronisch

erzeugten Widerständen

arbeiten,ein Sporttherapeut und ein

Fitnessexperte.

Mittagszeit. Dietmut

Sträter hat auf einem

der Trainingsgeräte

Platz genommen. „Leg

Extension“ –die Muskulatur

in den Beinen soll gezielt gestärkt

werden. Als Fachkraft für Sprache in der

Kita Uppenberg hat die sportliche Frau

eigentlich Bewegung genug. Doch das

Angebot ganz in der Nähe der Zentrale

des Kita-Trägers, der Kinder- und Jugendhilfe

Outlaw gGmbH, ist zu verlockend.

Dreimal war sie bereits zum Training

im Truck. Nach dem üblichen Checkup

vordem Start der Trainingsserie –von

der 3D-Wirbelsäulen-Analyse bis zum

Herz-Kreislauf-Test –wird jetzt nach individuellem

Plan trainiert. Eine Speicherkarte

mit den persönlichen Daten sorgt

dafür,dass Dietmut Sträter immer genau

das Richtige tut, um ihre Gesundheit zu

fördern.

Gesundheitliche Förderung der Mitarbeiter

kann sich mit dem Interesse eines

Unternehmens decken. Das weiß auch

Dr. Bernhard Maasjost. Der Geschäftsführer

des Finanz- und Versicherungsmaklers

pma: kann von seinem Büro direkt

auf den Viactiv-Truck schauen.Dass

etwa zwei Drittel der pma:-Belegschaft

bis Weihnachten dort freiwillig Arbeitspausen

mit Fitnesstraining füllen, ist

Maasjost mehr als recht. Gerade die langen

sitzenden Tätigkeiten in einem Büro

sind bekanntermaßen Gift für den Rücken.

Im Truck können pma:-Beschäftigte

etwas für die Wirbelsäule und Muskulatur

tun und sich Anleitungenfür geeignete

gesundheitsfördernde Aktivitäten

holen.

Maasjost ist selbst schon viermal die Stufen

zum „Turnhallen“-Eingang hochgestiegen

und hat sich in den modernen Geräteparkbegeben.

Die mehrmonatigeVisite

des Viactiv-Trucks zeigt, dass das

Unternehmen es mit dem 2015 eingeführten

betrieblichen Gesundheitsmanagement

und der betrieblichen Gesundheitsförderung

ernst meint. So ernst sogar,

dass in einem neuen Gebäude, das

gerade auf einem Grundstück nebenan

entsteht, ein Fitnesscenter gleich mit eingerichtet

wird.

Schon heutehaben es die Mitarbeiter des

Finanz- und Versicherungsspezialisten

und auch der im Haus ansässigen

Schmitz Cargobull Telematics durchaus

bequem. Um sich im Truck der Krankenkasse

individuell fit zu machen, müssen

sie nicht einmal die Straßenseite wechseln.

Der Truck steht vor der Haustür.

Und genutzt wird erzurzeit ebenso von

Beschäftigten der Kinder-und Jugendhilfe

Outlaw gGmbH und des Fahrradzubehör-Spezialisten

Trelock. Ein ausgeklügelter

Zeitplan sorgt dafür,dass Mitarbeiter

aller vier Unternehmen die Chance

haben, einen eigenen Trainingsrhythmus

zu entwickeln. Das Angebot kommt an:

„Ich arbeite viel am Schreibtisch, da ist

das Training im Truck ein super Ausgleich“,

sagt Ikbal Arman, bei Outlaw in

der Finanzbuchhaltung tätig.

Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems

sind seit Jahren Hauptursache für

krankheitsbedingteFehlzeiten. Der aktuelle

Gesundheitsreport der Viactiv, der

auf den Arbeitsunfähigkeitsfällen vonnahezu

377 000 Versicherten basiert, weist

diese Erkrankungen als Ursache von

einem Viertel aller Arbeitsunfähigkeitstage

aus –inSummerund 1,4Millionen Tage.

Auch deshalb legt die Krankenkasse

großen Wert auf die Vorbeugung.

Reinhard Brücker, Vorstandsvorsitzender

der Viactiv: „Als die sportliche Krankenkasse

setzen wir auf Gesundheitsförderung

und Prävention. Ein zentraler Teil

unserer Unternehmensphilosophie, der

nicht nur unseren Versicherten zugutekommen

soll. Da, wo etwa der Viactiv-

Truckzum Einsatz kommt,profitieren alle

Mitarbeitenden der Unternehmen.“

Entwickelt hat das mobile Test- und Trainingszentrum

die GeKo GmbH aus Vreden.

Bei einer Studie verbesserten schon

nach Training voninsgesamt sechs Stunden

die Teilnehmer ihre Rückengesundheit

um 23 Prozent, die Kondition um elf

Prozent. Der Kraftzuwachs betrug

23 Prozent.

ww

w w.viactiv.de

wk

Im Viactiv-Truck: Sporttherapeut Julian Reus (GeKo) zeigt Dietmut Sträter von Outlaw,

wie sie das Trainingsgerät richtig einsetzt. Im Hintergrund trainiert Nils Schulte (Schmitz

Cargobull Telematics, l.) unter Anleitung von Fitnessexperte Björn Kirsch.

Erfolg braucht

die richtigen Klamotten!

KÖNNING

BERUFSMODEN

Berufsmoden •Berufsbedarf •Arbeitsschutz

www.koenning-berufsmoden.de

Zentrale Stadtlohn • vonArdenne Str. 29 •48703Stadtlohn •Tel.02563-9050240 •Fax 02563-9020249

Vertreter der Unternehmen und der Krankenkasse am Viactiv-Truck in Münster (v.l.):

Daniel Djuhanda (Trelock), Georg Stamelos (Viactiv), Dr. Bernward Maasjost (pma:), Lars

Kröger (Viactiv), Sandra Hentschel (Schmitz Cargobull Telematics), Britta Müller und Cora

Dudeck (beide Outlaw gGmbH).

Fotos: Wolfgang Kleideiter

Filiale Ahaus

vonBraun Str.25

Tel.:02561-97 97 59

Fax: 02561-69 57 102

Filiale Vreden

Bahnhofstr.14

Tel.:02564-9 50 59 58

Fax: 02564-9 50 59 57

Filiale Coesfeld

Dülmener Str.4

Tel.:02541-8 46 63 25

Fax: 02541-8 46 63 26


26 LEBEN &WISSEN

Stern ist nicht gleich Stern

Die Buchungsportale arbeiten bei der Bewertung mit unterschiedlichen Systemen. Verbraucher

müssen wissen, dass die Angaben teilweise auch gefakt sein können.

Noch nie war es so einfach, eine

Unterkunft zu buchen. Auf Internetplattformen

können Reisende mit

geringem Suchaufwand passende

Angebote finden. Neben persönlichen

Empfehlungen und Sterne-

Klassifizierungen gehören Online-

Kundenbewertungen zu den wichtigsten

Orientierungshilfen. Etwa

die Hälfte der Reisenden schaut sich

nach Angaben des Hotelverbands

Deutschland (IHA) vor der Buchung

Gästemeinungen im Internet an.

Unter vielen zuverlässigen Rezensionen

seien jedoch auch zahlreiche

Fälschungs- oder Betrugsversuche

zu finden.

Um zu verhindern, dass falsche Bewertungen eingestellt werden, ist bei einigen Portalen der gebuchte und angetretene Hotelaufenthalt Grundvoraussetzung

für die Abgabe der persönlichen Bewertung.

Foto: Colourbox

ImUnterschied zu offenen Portalen

wie Holidaycheck, Google oder

Tripadvisor lassen Booking.com,

HRS und Expedia ausschließlich

Bewertungen von bestätigten Hotelgästen

zu. „Nur wer gebucht hat und

auch tatsächlich angereist ist, kann bewerten“,

erklärt HRS-Sprecherin Britta

Schumacher. Auch bei Expedia ist ein

Aufenthalt Voraussetzung. „So verhindern

wir,dass gefälschteHotelbewertungen

eingestellt werden“, sagt PR-Managerin

Svetlana Hirth.

Rund 40 Prozent aller Hotelbetriebe in

Deutschland sind nach den Kriterien der

Dehogabewertet. Doch längst nicht jedes

Hotel, das sich mit Sternen schmückt,

kann nach den Worten von Markus Luthe,

Hauptgeschäftsführer beim Hotelverband,

auch eine gültige Klassifizierung

vorweisen. Illegal damit werbende

Hotels können seit einiger Zeit mit spezieller

Software aufgespürt werden.

Eine starke Kombination für

einenstarken Wirtschaftsraum

Mit der Wirtschaftskombi

auf direktem Weg zu

Ihrer Zielgruppe in

Nordwestdeutschland

Bis zu

179.000 Exemplare

(Gesamtauflage)

Beratung:

Frank Micheel

Tel. 0251/690-916161

Lars Normann

Tel. 0251/690-916162

Papenburg

Meppen

Lingen

Wangerooge

OLDENBURG

Delmenhorst

BREMERHAVEN

FLENSBURG

BREMEN

Verden

KIEL

SCHLESWIG-

HOLSTEIN

HAMBURG

NIEDERSACHSEN

LÜBECK

LÜNEBURG

SCHWERIN

Rund 25 000 Hotel-Homepages werden

regelmäßig und automatisiert auf unberechtigte

Sterne-Werbung überprüft.

Auf Online-Buchungsplattformen sind

die Hotels indes mit sogenannten Portalsternen

klassifiziert, die nach eigenen

Standards vergeben werden und weltweite

Vergleiche ermöglichen sollen.

Doch Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale

Brandenburg sieht in

Sternen, Gütesiegeln und Zertifizierungen

kaum Möglichkeiten, ausreichende

Transparenz für Verbraucher zu schaffen:

„Dass Kundenbewertungen teilweise gefaktsind,

ist ein offenes Geheimnis. Doch

auch Sterne und Zertifikate beschreiben

nur einen vergangenen Zustand und sagenwenigdarüber

aus, ob der angegebene

Standard ständig verfügbar ist.“ Die

Verbraucherschützerin mahnt, von den

Klassifizierungen keine zuhohen Erwartungen

abzuleiten. Wer auf bestimmte

Angebotebesonderen Wert legt,solle lieber

direkt im Hotel anfragen, rät sie.

Lage, Ausstattung, Unterkunftsart –eine

Vielzahl von Filtern macht es möglich,

das Hotelangebot in den Buchungsportalen

nach persönlichen Vorlieben zusortieren.

Wiedie Hotels letztlich aufgelistet

werden, hängt von zahlreichen Kriterien

ab. Bei HRS sollen es mehr als 80 Faktoren

sein, die Einfl

uss darauf nehmen.

Allerdings sind nicht alle Kriterien objektiv.„Ranking

Booster“ heißt ein Tool, das

Hotels in der Auswahllistevon HRS einen

besseren Rang verschafft oder für mehr

Sichtbarkeit sorgt. Dafür zahlen Hotels

der Buchungsplattform eine höhere Provision.

Statt der üblichen 15 Prozent würden

18 Prozent oder mehr gezahlt, bestätigt

Schumacher.„Diese Möglichkeit nutzen

Hoteliers in Ballungsräumen vor allem

in auslastungsschwachen Zeiträumen

oder als Promotion“, erläutert die

HRS-Sprecherin. Für einen vorderen

Platz im Ranking müssten jedoch weitere

Kriterien erfüllt sein.

Generell lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Denn die entsprechenden Angebote

sind bei HRS nur mit einer dezenten

grauen Linie und dem Vermerk „Promo“

gekennzeichnet. Doch damit sei HRS immer

noch transparenter als der Wettbewerb,

so Schumacher. Tatsächlich sind

bei Expedia in der Hotelliste gar keine

Vermerke zufinden, die auf Promotions

hindeuten. Lediglich im Bereich Kundenservice

wirdeine Anmerkung zur Sortierfolge

gemacht: „Die Kompensation, die

uns ein Hotel für Buchungen über unsere

Website bezahlt, spielt ebenfalls eine Rolle

bei der relativen Listung vonHotels mit

ähnlichen Angeboten.“

Bei Booking.com werden Unterkünfte,

die zu den bevorzugten Partnern zählen

und als Top-Tippsangezeigt werden, mit

einem „Daumen hoch“-Symbol gekennzeichnet.

dpa

Nordhorn

Rheine

Coesfeld

OSNABRÜCK

Minden

BIELEFELD

MÜNSTER

Hameln

HANNOVER

WOLFSBURG

BRAUNSCHWEIG

NORDRHEIN-

WESTFALEN

Einbeck

GÖTTINGEN

Ohne Streuverluste ·Überregional ·Vorteilhafte Konditionen

Wer darf ein Hotel bewerten? Nur bestätigte Hotelgäste? Oder jeder? Die großen Buchungsportale

beantworten die Frage unterschiedlich.

Foto: dpa


LEBEN &WISSEN 27

Nur echt mit 25 Zacken

Die weltbekannten Herrnhuter Sterne gehen auf die Idee eines Mathematik-Lehrers zurück –seitdem

werden sie inder von der Evangelischen Brüder-Unität geprägten Ortschaft in Handarbeit hergestellt.

Nur echt mit 25 Zacken: Der Herrnhuter Stern ist ein Produkt mit langer Geschichte.

Fotos: Ulrich Traub

Weiß und Rot –Farben, die für die

Reinheit und das Blut Christi stehen,

die Geburt und Sterben symbolisieren.

In diesen Farben leuchtete der

erste der heute wohl bekanntesten

Weihnachtssterne. Auf diese Weise

wurde nicht nur seine Bedeutung

unterstrichen, sondern auch seine

christliche Herkunft.

Nichts soll das Zusammensein der Gläubigen stören: Blick in den schlichten Kirchensaal.

Die Herrnhuter Sterne, die

als Ursprung aller Weihnachtsgestirne

gelten, verweisen

mit ihrem Namen

auf eine reiche Geschichte.

Der Ort Herrnhut, der sich in der Oberlausitz

zwischen Bautzen und Zittau versteckt,

wurde 1722 von böhmischen und

mährischen Glaubensfl

üchtlingen gegründet.

Sie begaben sich unter die Obhut

des Herren Nikolaus Ludwig Graf von

Zinzendorf, eines Pietisten und Religionsreformers,

der ihnen Teile seines

Landbesitzes zur Verfügung stellte. Die

Flüchtlinge, die spätere Evangelische

Brüder-Unität oder Herrnhuter Gemeine,

dankten es ihm. Sie bauten eine Siedlung

auf, in der Standes- und Konfessionsgrenzen

unbedeutend wurden, setzten

sich für die Gleichstellung der Frau ein

und gründeten Schulen und später Kindergärten

und Altenheime. Noch heute

istdas Leben in Herrnhut vomWirken der

Brüder-Unität geprägt.

Und wie kommt nun der Stern ins Spiel?

Ein Mathematiklehrer an einer der Schulen

der Herrnhuter Gemeine soll im 19.

Jahrhundert den Startschuss gegebenhaben,

erfährt man in der Ausstellung im

neuen Sitz der Manufaktur. „Der Lehrer

wollte wohl seinen Geometrieunterricht

anschaulich gestalten“, erzählt Michael

Ullrich vonder Herrnhuter Sterne GmbH.

„Unser Stern besteht ja immer aus 25 ineinandergesteckten,

geometrischen Formen.

In jedem Exemplar sind acht dreieckige

und 17 viereckige Zacken verarbeitet,

nur die Größe variiert –und die

Farben.“ Aber den rot-weißen Stern gebe

es natürlich auch noch.

Das Sternebasteln wurde schnell zu einer

beliebten Beschäftigung, erst in den Internaten

der Brüder-Unität und dann

auch in den Familien.„Heutenoch findet

es traditionell am 1. Advent statt“, berichtet

Ullrich. Die Erfolgsgeschichte des

Weihnachtssterns begann jedoch erst

richtig, als der Inhaber eines Herrnhuter

Kunst- und Papierfachgeschäfts, Pieter

Hendrik Verbeek, 1894 erst einen Modellbogen

zum Bau eines Sterns aufl

egte

und kurz danach ein zusammensetzbares

und damit transportfähiges Exemplar

entwickelte. „1897 erhielt er dafür ein Patent

und gründete mit der Brüder-Unität

1899 eine Firma,den Vorläufer der heutigen

Herrnhuter Sterne GmbH, die nach

der Wende entstanden ist.“

Verbeeks bahnbrechende Neuerung bestand

aus einem Metallkörper, auf den

die Papierzacken aufgezogen und wieder

abgenommen werden konnten. 1925

meldeteerden ersten korpusfreien Stern

zum Patent an.Mit seinen 25 Zacken war

er der Vorläufer der heutigen Modelle.

Übrigens war der Stern zu DDR-Zeiten

Mangelware. Die manuelle Fertigung –

noch dazu von Sternen –wollte nicht

recht ins Bild sozialistischer Industrieproduktion

passen.

Ein Besuch in der Schauwerkstatt, dem

Herzen der Herrnhuter Manufaktur führt

die Fingerfertigkeit der Mitarbeiterinnen

vor Augen. „125 Arbeitsschritte sind nötig,

bis ein Stern fertig ist, fünf für jede

Zacke“, erklärt Michael Ullrich. Die sogenannte

Spitzeldreherin formt aus farbigem

Papier einen Kegel (bzw. eine Spit-

Fingerfertigkeit: Eine Mitarbeiterin, die in der Schauwerkstatt die nur 13 Zentimeter kleinen

Papiersterne herstellt. Etwa zwölf Sterne schafft sie an einem Arbeitstag.

ze), den die Rähmchenkleberin danach

mit einem Papprahmen verbindet. Hier

wird mit einem Messer gefalzt, dort mit

Pinsel und Pinzettegearbeitet. Vorallem

der kleinste Papierstern mit einem

Durchmesser von nur 13 Zentimetern ist

eine Geschicklichkeitsübung. Man brauche

rund ein Jahr,umalle Arbeitsschritte

zu beherrschen. „Unserekleinen und großen

Besucher dürfen auch selber Hand

anlegen.“

Die Papiersterne werden ausschließlich

in Handarbeit gefertigt. Daneben gibt es

eine maschinelle Produktion von Kunststoffsternen.

Die sind haltbarer, was an

Bedeutung gewonnen hat, weil man den

Stern immer häufiger das ganze Jahr

über hängen lässt –sogar im Freien. Die

Geschäftsführung sei christlicher Sozialethik

verpfl

ichtet, äußert Michael Ullrich.

„Schließlich sind wir nach wie vor

ein Unternehmen der Brüder-Unität.“

Der Mensch sei wichtiger als der Profit.

Zur Firmenphilosophie gehöre –neben

dem Qualitätsanspruch –auch, möglichst

viele Materialien und Werkzeuge selber

oder in Betrieben der Herrnhuter Gemeine

herzustellen. „Was fehlt, kaufen wir in

der Region zu, der wir uns verpfl

ichtet

fühlen.“

Ob die vielen Menschen, die in die Manufaktur

strömen, etwas wissen (wollen)

von dieser besonderen Geschichte? Gut

ist jedenfalls, dass man sich in der Ausstellung

gleich neben der Schauwerkstatt

darüber informieren kann. So werden

die Besucher angeregt, sich den kleinen,

nur 5000 Einwohner zählenden Ort

näher anzuschauen, zumal man im

Stammhaus von Pieter Hendrik Verbeek

aus dem Jahr 1897 auch Herrnhuter Sterne

und anderes Kunsthandwerk erwerben

kann.

Den Mittelpunkt Herrnhuts markiert das

Kirchensaal genannte Gotteshaus, das

kaum als solches zu erkennen ist.

Schlicht ist das barocke Gebäude außen

wie innen. Das gleichberechtigteZusammensein

der Gläubigen solle durch nichts

beeinträchtigt werden, erfährt man in

der Dokumentation vor Ort. Auch den

Gottesacker genannten Friedhof charakterisiert

die Einfachheit der liegenden

Grabsteine. Auf jeglichen Schmuck wurde

verzichtet. Dass die Herrnhuter Brüder

schon bald nach ihrer Gründung zu

Missionsreisen aufgebrochen sind, davon

berichten die Exponatedes Völkerkundemuseums.

Und auch in den Biedermeierstuben

des Heimatmuseums wird andas

erfolgreiche Wirken der Herrnhuter Gemeine

erinnert.

Die mittlerweile in der ganzen Welt

leuchtenden Herrnhuter Sterne folgen

ihren Erfindern, wenn man sowill. Die

Brüder-Unität ist heutein30Ländern auf

fünf Kontinenten aktiv.Ihresogenannten

Losungen, Bibelverse für jeden Tag, werdenweltweit

in einer Millionenaufl

agein

rund 50 verschiedenen Sprachen publiziert.

Herausgegebenwerden sie Jahr für

Jahr von der Evangelischen Brüder-Unität

in Herrnhut, erstmalig 1731 zur Zeit

des Grafen Zinzendorf, der den Glaubensfl

üchtlingen Asyl gewährt hat.

Ulrich Traub


IHRE WERBUNG

RICHTIG PLATZIERT

TRIFFTDIREKTDIE ENTSCHEIDER

Wirtschaftskompetenz aus der Region

und für die Region!

NÄCHSTE AUSGABE

18. Dezember 2018

– Relevante regionale Wirtschaftsthemen

– Reportagen, Interviews

– Hintergrundberichte und Portraits

– Standpunkte und Stimmen aus der Wirtschaftt

– Themenschwerpunkte:

Macher &Märkte

Branchen &Betriebe

Geld &Geschäft

Leben &Wissen

– Für Firmenlenker und Führungskräfte

– Wenn Sie mit Ihrem Unternehmen

etwas bewegen wollen

– 10× jährlich personalisiert an 17.000

Unternehmen im Münsterland

– Anspruchsvolles Umfeld für Ihre

Kundenansprache

– Mehr wissen – besser entscheiden –

erfolgreich werben

Branchen & Betriebe: Eisen

aus einem Guss Seite 9/10

Ausgabe 3/18

Geld & Geschäft: Der „Graue

Kapitalmarkt“ Seite 17

Die Belastung wächst

Leben

auch im

DIE WIRTSCHAFT

Mit Beilage

Hoch-/Tief- &

erbebau

Komplizierte Auflagen und gesetzliche Regelungen, lange Wartezeiten bei den Behörden und auf der

Straße machen vielen Transportunternehmen das Leben schwer. Die Kosten sind explodiert.

Sie transportierenIndustrieanlagen,

Windräder und ganze Häuser. Die

Zahl der Schwertransportewächst.

Doch die Rahmenbedingungenfür

die Spezialisten, die auch für die

WirtschaftimMünsterlandsowich-

tig sind, haben sich verschlechtert.

Die Regelungengleichenmehrund

mehr einem Dickicht.

Vo Vn Behördenwillkür will

Markus Brößkampnicht unbedingt

sprechen. Als würden

die ewigen Wartezeiten

auf die Transportgenehmigungen

bis zu acht Wochen das Unternehmen

nicht schon genug ausbremsen.

Hinzukommteine Gesetzesänderung zur

Privatisierung des Schwertransportbegleitverkehrs,

die voll ins Kontor schlägt:

Die Einschätzung der Sicherheitslage

durch Kreis und Polizei bezüglich der

vom Firmengelände Poppensieker & Derix

in Westerkappeln rollenden Schwertransporte

zur Autobahn hinterlässt ein

riesengroßes Fragezeichen im Kopf des

Geschäftsführers.

Statt lediglich eines Streifenwagens und

eines Begleitfahrzeuges der drittenGene-

ration (BF3), das den Schwertransport

auch über die Autobahn ganz bis ans Ziel

begleitet, muss fahrzeugmäßig aufgerüstet

werden: Drei private Schwertransport-Begleitfahrzeuge

der ganz neuen

Generation (BF4) müssen mit Verwaltungshelfern

am Steuer auf der 1,5 Kilometer

langen Strecke bis zur Autobahn

stattdes einzigen Streifenwagens mitfahren.

Ein Einsatz von zehn Minuten, der

statt 150 Euro für die Polizei den Holzleimbinder-Hersteller

jetzt 1050 Euro

kostet. Und dies jedes Mal bei rund 100

Schwertransporten pro Jahr. „Wir haben

schon große Aufträge an unsere Mitbewerber

in Österreich verloren, weil die

Transportkosten seit Änderung der Gesetzeslage

im Mai 2017 explodiert sind“,

bedauert der Poppensieker-&-Derix-Geschäftsführer.

Bei 30 Schwertransporten

mit Dachträgern aus Brettschichtholz für

nur eine Baustelle könne das Unternehmen

die Mehrkosten von über 30 000

Euro nicht einfach auf den Kunden abwälzen.

Fortsetzung auf Seite 2

Münster | Münsterland

3,6 Prozent mehr Gäste

Auch das Münsterland profitiert vom wachsenden Inlandstourismus.

Für die westfälisch-lippischeTou-

rismusbranchewar2017eingu-

tes Jahr. Die Übernachtungszahlen

legten um 910 000 gegenüber

dem Vorjahr zu – das entspricht

einem Plus von 3,6 Prozent – und

übertrafen erstmals die Marke

von 26 Millionen.

Damit lag Westfalen-Lippe

über dem Bundestrend

(plus 2,7 Prozent),

blieb allerdings

leicht hinter den Ergebnissen

aus Nordrhein-Westfalen (plus

3,9 Prozent) zurück. Das geht aus

dem jetzt veröffentlichten Infobrief

4 198869 003501

2 0 0 1 7

Aschendorf

f Medien GmbH & Co. KG

AnderHansalinie 1, 48163 Münster

ZKZ 88690 PVST

www.die-wirtschaft-muensterland.de Preis: 3,50 Euro

zum Sparkassen-Tourismusbarometer

hervor, das der Sparkassenverband

Westfalen-Lippe herausgibt.

Das Sauerland legte bei den Übernachtungen

am stärksten zu, verzeichnete

ein Plus von 353 000 Übernachtungen

auf 7,86 Mio. (plus 4,7

Prozent). Die Zahl der Übernachtungen

von Touristen aus dem Ausland

(plus 5,4 Prozent) legte im dritten

Jahr in Folge zu.

Platz zwei in der Rangliste der Zuwächse

bei Übernachtungen belegen

das Ruhrgebiet und das Münsterland.

Das Ruhrgebiet legte um 233 000

(plus3,6 Prozent) auf 6,69Mio. Übernachtungen

zu. Wachstumstreiber

war der Inlandstourismus mit einem

Zuwachs von 3,8 Prozent.

Das Münsterland profitierte stark von

einem Nachfragezuwachs nach Ferienwohnungen

und Campingplätzen

und verzeichnete 4,0 Mio. Übernachtungen

– das sind 139 000 mehr als im

Vorjahr (plus 3,6 Prozent).

Der Teutoburger Wald legte ebenfalls

zu (plus 2,6 Prozent / plus 174 000)

und kam auf 6,8 Mio. Übernachtungen.

Die Mittelgebirgsregion Siegen-

Wittgenstein verzeichnete 808 561

Übernachtungen. Das entspricht

einem Plus von 1,4 Prozent (plus

11 000). Erstmals verbuchten die Hotels

in der Region mehr Übernachtungen

als die Vorsorge-/Rehakliniken

und setzten damit ihren Wachstumstrend

fort.

Das Stimmungshoch der westfälischlippischen

Tourismusbranche hält

weiter an: Bei der jährlichen Online-

Stimmungsumfrage zeigten sich 82

Prozent der westfälisch-lippischen

Touristiker mit der Entwicklung zufrieden

oder sogar sehr zufrieden.

Der Anzeigenschluss

ist am

7.Dezember2018.

OFFEN GESAGT

Slalomkurs

D

ie

•LaCimbali•J

•SaecoProfessional

Kesslerw

eg 48 · 48155 Mün

Telefon (0251) 6250021

www.kaff

eeautomaten-poehler.de

Elektroinstallation

Hausgeräte ·Kaff feeautomaten

www.elektro-poehler.de

Branche tritt aufs Gaspedal,

weil der Konjunkturmotor

brummt. Doch statt

mit sperrigen Gütern Meter zu

machen, geraten die Betriebe

ins Schlingern. Sie befinden

sich auf einem Slalomkurs,

dessen Kurven immer enger

werden.

Was die Logistik-Experten auch

im Münsterland ausbremst, ist

vor allem eine Bürokratie, die

sich durch immer neue Regelungen

selbst blockiert und deren

Personalansatz weder mit

dem anschwellenden Volumen

an Anträgen noch mit der immer

komplizierteren Materie

Schritt hält.

Als zweites Nadelöhr entpuppt

sich, dass sich die Straßen und

Brücken landauf und landab in

einem immer erbarmungswürdigeren

Zustand befinden. Der

Weg aus dem Münsterland

nach Münchenführt für einen

Schwertransport mit einem

Umweg von gut 200 Kilometern

über Leipzig/Magdeburg.

Wenn dann zu allem Überfl

uss

in benachbarten Bundesländern

mit zweierlei Maß gemessen

wird, gerät den hiesigen

Betrieben noch mehr Sand ins

Getriebe. Das Wohl und Wehe

dieses Segments der Transport-

Branche schlägt aber auch auf

die Wertschöpfung in der gesamten

Region durch.

Denn ein pfiffiger Mittelstand

muss seine innovativen Lösungen,

auch wenn sie XX

L-Ausmaße

annehmen, unter fairen

Wettbewerbsbedingungen an

den Mann bringen können.

Sonst feixen andernorts die

Anbieter. Maike Harhues

Mehrfamilien-, Wohn- /Geschäftshäuser gesucht!

Mit mehr als 30Jahren Erfahrung und weltweiter Präsenz gehört Engel &Völkers

zu den führenden Dienstleistungsunternehmen für Wohn- und Gewerbeimmobilien.

Für Kunden aus unserem Netzwerk suchen wir derzeit dringend Mehrfamilien-,

Wohn- und Geschäftshäuser sowie Wohnanlagen in Münster und dem Münsterland.

Fragen Sie nach unseren Referenzen, wir freuen uns auf Sie!

Ihre Ansprechpartner:

Frank Micheel Tel. 0251/690-916161|frank.micheel@aschendorff.de

LarsNormann Tel. 0251/690-916162|lars.normann@aschendorff.de

Aschendorff Medien GmbH &Co. KG · Ander Hansalinie 1 · 48163 Münster

< DIREKT < BUSINESS TO BUSINESS > ZIELGENAU >

MÜNSTER

MÜNSTERLAND

www.die-wirtschaft-muensterland.de

Weitere Magazine dieses Users