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DIE WIRTSCHAFT MS I MS-Land

DIE WIRTSCHAFT MS I

Macher &Märkte: Ranga Yogeshwar im Interv iew Seite 4 Geld &Geschäft: Private Schulden wachsen Seite 9 Branchen &Betriebe: Gold hat immer Saison Seite 20/21 DIE WIRTSCHAFT Münster |Münsterland www.agravis.de Aschendorf f Medien GmbH &Co. KG An der Hansalinie 1, 48163 Münster ZKZ 88690 PVST Ausgabe 9/18 www.die-wirtschaft-muensterland.de Preis: 3,50 Euro Abhängig und abgehängt Trotz der weltweit beachteten Arbeit des MEET in Münster hat Deutschland bis heute keine eigene Batteriezellproduktion. Prof. Martin Winter warnt vor einem Riss in der Forschungskette. Immer noch Boxenstopp. Hierzulande schaltet die E-Mobilität kaum in den zweiten Gang. Die deutschen Konzerne und Unternehmen zaudern und zögern. Und: Die für eine künftige Pole-Position unerlässliche Batteriezellproduktion ist im traditionellen Autoland bisher überhaupt nicht existent. Ein Manko, das weiter bestehen könnte, auch wenn beispielsweise Platzhirsch VW milliardenschwereInvestitionen auf diesem Feld ankündigt. Eine Ankündigung jagt die nächste, Umsetzungen schaffen es selten in die Zielgerade. Dass die Wertschöpfungskette auf dem Zukunftsmarkt E-Mobilität reißt –davor warnt auch Professor Dr. Martin Winter, Wissenschaftlicher Leiter des Batterieforschungszentrums MEET in Münster: „Eine eigene Batteriezellproduktion in Deutschland ist für uns ein Muss. Wir können uns auch gleich von der Zukunft der Automobilität verabschieden, wenn wir sagen, dass wir nicht mehr die Kernkomponenten beherrschen wollen“, betont der Chemiker und Materialwissenschaftler,dessen Arbeit eine ganze Branche elektrifiziert, die auf den Wissenstransfer vomLabor in den Handel lauert. MEET –die vier Buchstaben stehen für Münster Electrochemical Energy Technology. Ein Forschungsstandort, der auch das Helmholtz-Institut beherbergt, als dessen Gründungsdirektor Winter fungiert. Aktuell begibt sich die deutsche Automobilbranche in noch größereAbhängigkeit von den Asiaten, denn Weltmarktführer CATL aus China zieht jetzt in Erfurt eine Batteriezellfabrikhoch. „CATList ein tolles Unternehmen, das ich auch persönlich kenne. Aber dass die Niederlassung in Erfurt Deutschland volkswirtschaftlich voranbringt, bezweifl eich“, gibt Winter zu bedenken. Das Unternehmen werde die Produktion kopieren, die es in China hat und, das sageCATLauchoffen, wenig lokale Technologieforschung betreiben. Mit welchem Speed die Volksrepublik die Zukunftsthemen E-Mobilität und Batteriezellproduktion fährt und wie weit abgeschlagen Deutschland hinterhertuckert, davon machte sich jetzt der NRW-Wirtschaftsminister in den nordrhein-westfälischen Partnerprovinzen Jiangsu und Sichuan selbst zusammen mit 40 Unternehmen aus NRW –darunter kein einziges aus dem Münsterland –ein Bild. In Begleitung vonAndreas Pinkwart reiste Winter, wissenschaftlicher Weltstar und in den Medien als der Papst der Batteriezellforschung gewürdigt, mit nach Fernost. In der Westfalenmetropole hat der Chemiker mit dem MEET, das zur Uni gehört,das deutsche Mekkadieser in der Wertschöpfungskette unerlässlichen Technologie aufgebaut. ►Fortsetzung auf Seite 2 OFFEN GESAGT Aufholjagd Über den Wohlstand in Deutschland wird inLabors entschieden. Wenn überhaupt, dann können Forscher wie Martin Winter und sein Team dafür sorgen, dass ein konventioneller Industriestandort mit dem Schub von Innovationen wieder auf die Überholspur wechselt. Oder zumindest bei der Aufh oljagd gegenüber Asien Boden wettmacht. In Sachen E-Mobilität geht in Fernost die Sonne auf. Damit es im Abendland nicht zappenduster bleibt, dringen Wissenschaftler des MEET tief in eine Materie ein, der in mehrfacher Hinsicht der Status einer Schlüsseltechnologie zukommt. Denn: Weniger das Produzieren als das Speichern von regenerativer Energie stellt die entscheidende Herausforderung in Zeiten des Klimawandels dar. Ebenso global wie dieses Phänomen entwickeln sich auch die Märkte für jedwede Technologie, die alltagstaugliche und wirtschaftlich tragfähige Antworten auf dieses Problem liefert. Und die entstehen, weil Wissenschaftler wie das Team in Münster Hirnschmalz, Ausdauer und Fantasie einbringen. Politik und Konzerne, darunter die Autobauer, haben es hingegen lange verpasst, die bekannte und trügerisch erfolgreiche Route zuverlassen und in die richtige Ausfahrt Richtung Zukunft zu lenken. Für Deutschland und Europa wird es deshalb schwieriger, bei E- Mobilität und Batterietechnologie das Feld von hinten aufzurollen. Maike Harhues Gute Rahmenbedingungen Bundesbank rechnet im vierten Quartal mit einer deutlichen Belebung. Nach einer Delle imSommer gewinnt die deutsche Konjunktur der Bundesbank zufolge wieder an Kraft. Die Wirtschaft dürfte im Jahresschlussquartal 2018 wieder recht kräftig expandieren, hieß esindem jetzt veröffentlichten November-Monatsbericht der Bundesbank 4 198869 003501 2 0 0 4 8 Sosei miteiner Normalisierung der Produktion und der Ausfuhren von Kraftfahrzeugen bis zum Jahresende zu rechnen. Belastet vor allem von Problemen der Autoindustrie war das Bruttoinlandsprodukt von Juli bis September nach vorläufigen Daten gegenüber dem zweiten Quartal um0,2 Prozent geschrumpft. Es warder ersteRückgang seit dreieinhalb Jahren. Einen Dämpfer bekam die Konjunktur vorallem, weil die für Deutschland so wichtige Autoindustrie Schwierigkeitenbei der Umstellung auf neue europaweite Abgastests (WLTP) hatte. Weil nichtalle Auto-Modelle rechtzeitig eine Genehmigung für eine Neuzulassung hatten, mussten Hersteller die Produktion herunterfahren. Die Folge: Die Kfz-Exporte sanken und in Deutschland wurden weniger Autos verkauft. Der Privatkonsum als wichtige Konjunkturstütze fiel vorübergehend aus, dürfte angesichts der historisch guten Lage auf dem Arbeitsmarkt nach Einschätzung der Bundesbank aber wieder an Kraft gewinnen. „Ungeachtet dieser vorübergehenden Sondereinfl üsse dauert die Hochkonjunktur in Deutschland an“, schrieben die Volkswirte. Vorallem im Handel mit Textilien, Bekleidung und Schuhen sei zum Jahresende mit einer merklichen Gegenbewegung zu rechnen, nachdem der Absatz in diesen Sparten während des Sommers wetterbedingt eingebrochen war. Darüber hinaus dürfte der Pkw-Absatz nach den Turbulenzen im Vorquartal wieder zulegen, auch wenn die Verunsicherung der Verbraucher aufgrund der anhaltenden Diskussion um Fahrverbote für Kraftfahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß anhalte. „Insgesamt bleiben die Rahmenbedingungen für die Konsumkonjunktur ausgezeichnet. Die Arbeitnehmer profitieren von deutlichen Lohnsteigerungen.“ dpa/wk Schneller, stabiler, wirtschaftlicher. Glasfaser für Ihr Unternehmen. 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