ZESO 4/18 − Subsidiarität

SkosZeso

SKOS CSIAS COSAS

Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe

Conférence suisse des institutions d’action sociale

Conferenza svizzera delle istituzioni dell’azione sociale

Conferenza svizra da l’agid sozial

ZeSo

Zeitschrift für Sozialhilfe

04/18

interview

Weniger Menschen haben

Zeit für die Freiwilligenarbeit

– was nun?

Arbeitslose 55 plus

Ergänzungsleistungen für

ältere Arbeitslose – ein

Vorschlag der SKOS

Sanktionen

Richtig vorgehen, wenn

finanzielle Leistungen

gekürzt werden müssen

Subsidiarität in der

Sozialhilfe

Anspruchsvolle Suche nach dem richtigen Weg


Bieler Tagung, 14. März 2019

Subsidiarität – eine

permanente Herausforderung

Sozialhilfe wird nur dann gewährt, wenn die bedürftige Person sich

nicht selbst helfen kann, und Hilfe von dritter Seite nicht oder nicht rechtzeitig

erhältlich ist. In der Realität der Sozialdienste ist jedoch eine

beachtliche Anzahl von Personen auf die Unterstützung durch die Sozialhilfe

angewiesen, obwohl ein Anspruch auf eine vorgelagerte Leistung besteht,

dieser aber in langen Verfahren abgeklärt oder durchgesetzt werden

muss. Die Sozialhilfe ist folglich mit fachlich sehr komplexen Fragen und

Situationen konfrontiert. Die nationale Tagung in Biel bietet eine Plattform

zur Präsentation und Diskussion über das Subsidiaritätsprinzip in

der Sozialhilfe und den komplexen Fragen, die es in der Praxis aufwirft.

Praktikerinnen und Praktiker erhalten Inputs und Impulse für ihre

tägliche Arbeit.

Anmeldung bis 28. Februar 2019

Programm und Anmeldungen unter www.skos.ch/Veranstaltungen

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Ingrid Hess

Redaktionsleitung

EDITORIAL

Subsidiarität – abstrakter

begriff mit grosser Bedeutung

für die Praxis

Wörter wie «Subsidiarität» tönen nicht wirklich nach spannenden

Inhalten. Dennoch lässt sich unter diesem Begriff für

die Arbeit auf den Sozialdiensten eine ganze Reihe zentraler

und höchst anspruchsvoller Themen zusammenfassen. Die

wichtigsten haben wir im Zeso-Schwerpunkt vertieft. Um stets

sicherzustellen, dass keine andere Hilfe erhältlich ist als die

Sozialhilfe, müssen alle Ansprüche an Invalidenversicherung,

Altersvorsorge, Arbeitslosentaggeld sorgfältig geklärt sein.

Die systematische Subsidiaritätsprüfung ist zentral, um die

richtigen Massnahmen einzuleiten. Wenn im Dossier natürlich

auch nicht alle Fragen in diesem komplexen Feld beantwortet

werden können, wird es an der Bieler Tagung im März 2019

eine weitere Möglichkeit geben, sich intensiv mit den vielen

Schnittstellen zu befassen, und Antworten auf offene Fragen

zu erhalten (Seite 12).

Die fortschreitende Digitalisierung hat einen grossen Einfluss

auf zahlreiche gesellschaftliche Bereiche. Auch die Bereitschaft

Freiwilligenarbeit zu leisten, dem Wohl der Allgemeinheit

Zeit und Arbeit zu widmen, leidet darunter, stellt Markus

Freitag, Professor der politischen Soziologie an der Universität

Bern, fest. Schon jetzt gibt es Gemeinden, die Schwierigkeiten

haben, politische Ämter zu besetzen. Wie stärkt man den Sinn

fürs Gemeinwohl, wollten wir im Gespräch von Markus Freitag

wissen (Seite 8).

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1


SCHWERPUNKT

Subsidiarität

eine grosse

Herausforderung

Bevor Sozialhilfegesuche bewilligt

werden können, müssen

alle Alternativen geklärt sein.

Die Mitarbeiter der Sozialdienste

brauchen einerseits viel

Wissen und Erfahrung, andererseits

werden für sie stets die

Rechts- und Praxisänderungen

in den vorgelagerten Systemen

spürbar. Die Subsidiaritätsspinne

in Zürich ist da ein nützliches

Hilfsmittel.

12–23

12–25

ZESO

zeitschrift für sozialhilfe Herausgeberin Schweizerische konferenz für Sozialhilfe SKOS, www.skos.ch Redaktionsadresse

Redaktion ZESO, SKOS, Monbijoustrasse 22, Postfach, CH-3000 Bern 14, zeso@skos.ch, Tel. 031 326 19

© SKOS. Nachdruck nur mit genehmigung der Herausgeberin.

Die ZESO erscheint viermal jährlich.

ISSN 1422-0636 / 115. Jahrgang

Erscheinungsdatum: 3. Dezember 2018

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. März 2019

19 Redaktion Ingrid Hess, Regine Gerber MiTARBEITERINNEN und MITARBEITER dieser Ausgabe Tanja

Ägerter, Cathrine Arber, Philipp Baer, Markus Bieri, Béatrice Devènes, Silvia Domeniconi Pfister, Palma Fiacco,

Claudia Hänzi, Marianne Hochuli, Uwe Koch, Michel Mina, Fabienne Rotzetter, Meinrad Schade, Roland Schmid,

Christoph Schneider, Bettina Seebeck, Max Spring, Titelbild Heike Budig layout Marco Bernet, mbdesign

Zürich Korrektorat Karin Meier Druck und Aboverwaltung Rub Media, Postfach, 3001 Bern,

zeso@rubmedia.ch, Tel. 031 740 97 86 preise Jahresabonnement CHF 82.– (SKOS-Mitglieder CHF 69.–),

Jahresabonnement ausland CHF 120.–, Einzelnummer CHF 25.–.

2 ZeSo 4/18


04

05

inhalt

4 aktuell

erfolgreiche Bilanz des Bündner

Integrationsprojekts «Teillohn plus »

5 Kommentar

Weiterbildung für alle

– Kommentar von Bettina Seebeck

6 PRAXIS

Zu hohe Mietzinsen – wer muss sie

zahlen?

7 studie

Armutsbetroffene haben oft Schulden,

doch Prävention und Hilfe gibt es kaum.

8 INTERVIEW

Die Menschen haben immer weniger Zeit

für ein Engagement fürs Gemeinwohl –

auch als Folge der Digitalisierung, sagt

Professor Markus Freitag

08

12–25 Subsidiarität in der Sozialhilfe

14 Subsidiarität ist vor allem für kleinere

Sozialdienste eine Herausforderung

16 Zu krank für die Arbeit – zu gesund für die

Rente: Spürbare Folgen der IV-Revision

18 Altersvorsorgegelder beziehen statt Sozialhilfe?

20 Die Subsidiaritätsspinne – ein Hilfsmittel

zur Klärung subsidiärer Ansprüche

22 Hilfswerke spüren den Spar- und Zeitdruck

auf den Sozialdiensten

24 «Fast jeder Antrag auf IV wird zuerst abgelehnt»,

sagt Susanne Beck, Leiterin des

Sozialdienstes in Reinach

28 30

36

26 Fachbeitrag

Ergänzungsleistungen statt Sozialhilfe

– ein Vorschlag der SKOS für ältere

Arbeitslose

28 Reportage

Menschen mit psychischen Leiden oder

Suchterkrankungen können in der Stiftung

Weid neu anfangen

30 Plattform

Die IG Pallas hilft Mädchen und Frauen,

sich zu wehren

31 FACHBEITRAG

Die SUVA zum Umgang mit der UVG-Pflicht

in der Sozialhilfe

32 Fachbeitrag

Sanktionieren – aber wie?

34 lesetipps und veranstaltungen

36 Porträt

Ed Schumacher stellt «schwierige»

Jugendliche an

4/18 ZeSo

3


NACHRICHTEN

Datenbank@Sozialhilferecht

Eine Datenbank ermöglicht einen

schweizweiten Zugang zum Sozialhilferecht.

Gesetzgebung, Rechtsprechung

und ausgewählte Literatur sind in der

Datenbank zu finden, ebenso wie: letztinstanzliche

kantonale Entscheide,

Bundesgerichtsurteile, kantonale

Rechtsgrundlagen, die Richtlinien der

Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe

(SKOS) sowie themenspezifische

Beiträge aus Editions Weblaw (Jusletter,

digitaler Rechtsprechungs-Kommentar,

E-Books und vieles mehr). Die Datenbank@Sozialhilferecht

wird von den

wichtigsten Schweizer Akteuren im Sozialhilferecht

unterstützt: SKOS, Hochschule

Luzern (HSLU) – Soziale Arbeit

und Verein sozialinfo.ch. Die Nutzung

der Datenbank erfordert eine Zugangsberechtigung,

welche für Einzelpersonen

258 Fr./Jahr (SKOS-Mitglieder: 199 Fr.)

kostet, ein 10-Personen-Abo kostet 617

Fr., für SKOS-Mitglieder: 449 Fr. (Red.)

Link: sozialhilferecht.weblaw.ch

Neuregelung Radiound

TV-Abgabe

Ab dem 1. Januar 2019 erhalten alle

Haushalte in der Schweiz von der Erhebungsstelle

serafe eine Rechnung für die

Radio- und Fernsehabgabe von 365 Franken

pro Jahr. Ratenzahlungen sind möglich.

Während Haushalte mit einer Person,

die Ergänzungsleistungen zur AHV/IV erhält,

von der Abgabe ausgenommen sind,

sind Sozialhilfebeziehende verpflichtet,

sie zu bezahlen. Der Betrag ist im Grundbedarf

enthalten. Wer keine Möglichkeit

hat fernzusehen oder Radio zu hören,

muss jedes Jahr ein Gesuch stellen, um

von der Abgabe befreit zu werden. (Red.)

Junge im Arbeitsmarkt

Gemäss einer Studie des SECO gelingt

einem grossen Teil der Jugendlichen und

jungen Erwachsenen in der Schweiz der

Übergang von der Ausbildung ins Erwerbsleben

gut. Dieser Befund gilt trotz der

turbulenten gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen

der letzten 10 Jahre. (MM)

Fast alle Teilnehmer finden nach dem Praktikum eine Anstellung oder Lehrstelle.

Mit Teillohn zur Arbeitsstelle: Positive Bilanz

Im Kanton Graubünden wurde mit «Teillohn

plus » ein neues Modell für die berufliche

Integration von Flüchtlingen erprobt.

Statt wie üblich Flüchtlinge und vorläufig

aufgenommene Personen in Beschäftigungsprogrammen

auf den Arbeitsmarkt

vorzubereiten, setzt die zuständige Fachstelle

Integration auf eine möglichst direkte

Integration in den Arbeitsmarkt. Die

Idee: Die Teilnehmenden können während

eineinhalb Jahren Berufserfahrung in einem

Betrieb sammeln. Sie erhalten während

der Zeit vom Arbeitgeber nur einen

Teil des Lohns, einen Teillohn, der mit Sozialhilfe

ergänzt wird. Der Lohn steigt stu-

fenweise von 500 auf 2500 Franken an.

Im Gegenzug verpflichten sich die Arbeitgeber,

die Mitarbeitenden berufspraktisch

zu qualifizieren. Eine Evaluation der Hochschule

Luzern zieht nun ein äusserst positives

Fazit: Über 80 Prozent der Teilnehmenden

haben eine Festanstellung oder eine

Berufslehre angetreten. Das Modell ist

auch auf weitere Kantone übertragbar.. Als

Erfolgsfaktoren erwiesen sich die «On-the-

Job-Qualifizierungen» sowie die Tatsache,

dass eine reale, feste Arbeitsstelle in Aussicht

stand. (Red.) •

www.hslu.ch

SKOS Innovationspool:

Erste Projekte werden unterstützt

Die SKOS hat an der Mitgliederversammlung

im Mai 2018 beschlossen, einen Innovationspool

einzurichten. Nun werden

zum ersten Mal Projekte unterstützt. Die

Sozialberatung Köniz erhält einen Beitrag

für die Produktion von Kurzfilmen, die die

Sozialhilfe erklären. Zielgruppe sind die

Klienten. Die Filme sollen so produziert

werden, dass sie auch von anderen Sozial-

Bild: B. Devènes

diensten eingesetzt werden können. Ebenfalls

Unterstützung erhält die ARTIAS,

Schwesterorganisation der SKOS in der Suisse

latine. Sie untersucht die Bedürfnisse

der Langzeitbeziehenden in der Sozialhilfe

mit dem Ziel, die Beratungsmethoden zu

verbessern. Gesuche für die nächste Beurteilungsrunde

können bis am 15. Februar

2019 eingereicht werden. •

4 ZeSo 4/18


KOMMENTAR

Weiterbildung für alle!

Die Digitalisierung und die künstliche

Intelligenz verändern den Arbeitsmarkt

fundamental. Heute gefragte Fähigkeiten

werden morgen nicht mehr gesucht sein,

dafür werden neue, teilweise heute noch

nicht bekannte Kompetenzen gefragt sein.

Dieser tiefgreifende Wandel betrifft

Beschäftigte aller Qualifikationsstufen. Ob

gut qualifizierte Finanzbuchhalterinnen,

Übersetzer, Automechanikerinnen oder

geringqualifizierte Hilfsarbeiter. Jobs, die

einfache kognitive oder körperliche und

manuelle Fähigkeiten erfordern, werden in

den kommenden Jahren deutlich zurückgehen.

Wie stark der Rückgang sein wird,

ist schwierig zu beziffern, je nach Untersuchung

variiert der Anteil zwischen 20

und 60 Prozent. Aber auch die Tätigkeit

von hochqualifizierten Experten könnte in

Zukunft bis zu einem Viertel von Maschinen

übernommen werden.

Vor diesem Hintergrund stellte

das MCKinsey World Institute

jüngst in einer Studie fest, dass Ausund

Weiterbildung für den schweizerischen

Arbeitsmarkt eine zentrale Herausforderung

für die kommenden Jahre ist. Bildungsangebote

müssten noch stärker auf die

Vermittlung technologischer und emotionaler

Kompetenzen sowie lebenslanges

Lernen ausgerichtet werden. Nur so sei es

realistisch, die bevorstehenden Veränderungen

auf dem Arbeitsmarkt bewältigen zu

können.

Um für diesen Wandel bereit zu sein, müssen

im Bereich der Arbeitsmarkt-, Bildungsund

Sozialpolitik also frühzeitig die Weichen

gestellt werden. Daran will sich die SKOS

aktiv beteiligen.

Die Bedeutung der Weiterbildung in der Sozialhilfe

hat sie anfangs Jahr zusammen mit

dem Schweizerischen Verband für Weiterbildung

im Rahmen eines Positionspapiers

dargelegt.

In der Sozialhilfe erfordert der Wandel auf

dem Arbeitsmarkt einen Paradigmawechsel.

Um die Sozialhilfebeziehenden nachhaltig

in den Arbeitsmarkt integrieren zu können,

reicht heute eine reine Arbeitsvermittlung

nicht mehr aus. Arbeitssuchende Personen

müssen gezielt weitergebildet werden.

Nur so lässt sich verhindern, dass sich die

Erwerbschancen und die Lebenswelten in

der Schweiz nicht noch weiter auseinanderentwickeln.

Für die Umsetzung dieses Paradigmawechsels

braucht es ein Engagement auf

verschiedenen Ebenen.

Erstens müssen in den Bildungsbudgets

von Bund und Kantonen substantiell mehr

Gelder für die Förderung von Grundkompetenzen

und die berufliche Qualifizierung von

Sozialhilfebeziehenden eingestellt werden.

Zweitens müssen Angebote zur niederschwelligen

beruflichen Qualifikation

aufgewertet und ausgebaut werden.

Drittens müssen die Aus- und Weiterbildung

von Personen in der Sozialhilfe gezielt

gefördert werden.

Nur so lassen sich die Weichen so stellen,

dass die grosse Mehrheit der

Arbeitsbevölkerung mit dem

richtigen Rüstzeug in die

digitale Zukunft geht – und

nicht im Abseits landet.

Bettina Seebeck,

Leiterin SKOS Grundlagen

4/18 ZeSo

5


Wer muss die überhöhten

Wohnkosten bezahlen?

PRAXIS Frau Beck* ist 59 Jahre alt und lebt seit dem unerwarteten Tod ihres langjährigen Partners

alleine in einer 3-Zimmer-Wohnung. Da sie krank und auf Sozialhilfe angewiesen ist, stellt sich die

Frage, ob die überhöhten Mietkosten dennoch vollumfänglich vom Sozialamt übernommen werden.

Frau Beck hat viele Jahre selbstständig als

Coiffeuse gearbeitet. Vor etwa fünf Jahren

musste sie wegen zunehmender Schmerzen

in beiden Hüften die Arbeit aufgeben.

Sie wurde durch ihren Partner unterstützt,

erhielt jedoch kein Erbe. Nach dessen Tod

waren ihre Mittel rasch erschöpft. Die

Wohnungsmiete beläuft sich inklusive Nebenkosten

auf 1250 Franken im Monat.

Frau Beck wendet sich ans Sozialamt. Beim

Erstgespräch erzählt sie, dass sie ein neues

Hüftgelenk benötige und in 14 Tagen operiert

werde. Wenn die Rehabilitation gut

verlaufe, werde ihr etwa neun Monate später

das zweite künstliche Hüftgelenk eingesetzt.

Frau Beck ist somit bis auf Weiteres

körperlich stark eingeschränkt; sie könne

kaum mehr den Haushalt bewältigen, wie

sie sagt. Auch habe sie den Tod des Partners

noch nicht überwunden und fühle

sich oft sehr kraftlos.

PRAXIS

In dieser Rubrik werden exemplarische Fragen aus

der Sozialhilfe praxis an die «SKOS-Line» publiziert

und beantwortet. Die «SKOS-Line» ist ein webbasiertes

Beratungsangebot für SKOS-Mitglieder.

Der Zugang erfolgt über www.skos.ch Mitgliederbereich

(einloggen) SKOS-Line.

FrageN

Die Mietzinslimite für einen Ein-Personen-

Haushalt liegt bei 1000 Franken. Werden

die Mietkosten nur noch bis zum zulässigen

Maximum übernommen? Und wenn

ja, wie ist vorzugehen?

Grundlagen

Von Sozialhilfe beziehenden Personen

wird erwartet, dass sie in günstigem Wohnraum

leben. Überhöhte Wohnkosten sind

so lange zu übernehmen, bis eine zumutbare

günstigere Lösung zur Verfügung

steht. Übliche Kündigungsbedingungen

sind in der Regel zu berücksichtigen.

Bevor die Suche nach einer günstigeren

Wohnung verlangt wird, ist die Situation

im Einzelfall zu prüfen. Insbesondere sind

das Alter und die Gesundheit der betroffenen

Personen zu berücksichtigen. Weiter

zu berücksichtigen sind auch die Zusammensetzung

der Familie, eine allfällige

Verwurzelung an einem bestimmten Ort

sowie der Grad ihrer sozialen Integration.

Weigern sich unterstützte Personen,

eine günstigere Wohnung zu suchen oder

in eine effektiv verfügbare und zumutbare

günstigere Wohnung umzuziehen,

dann können die anrechenbaren Wohnkosten

auf jenen Betrag reduziert werden,

der durch den Bezug einer günstigeren

Wohnung entstanden wäre. Führt die

Leistungsreduktion zum Verlust der Wohnung,

unterbreitet das Gemeinwesen ein

Angebot zur Notunterbringung (SKOS-

Richtlinien B.3).

Antwort

Frau Beck dürfte bis zum erfolgreichen Ersatz

beider Hüftgelenke nicht in der Lage

sein, einen Umzug zu bewältigen. Der Tod

ihres Partners stellt eine zusätzliche psychische

Belastung dar, welche die Rekonvaleszenz

beeinflusst. Bis auf weiteres sind die

überhöhten Wohnkosten von der Sozialhilfe

zu übernehmen.

Ist Frau Beck genesen und fähig, umzuziehen,

ist ihr gegenüber die Auflage zu

verfügen, sich eine Wohnung zu suchen,

deren Miete innerhalb der Mietzinsrichtlinie

liegt. Dabei ist ihr aufzuzeigen, dass

ein Nichtbeachten der Auflage zu einer

Senkung der anrechenbaren Wohnkosten

führt. Gleichzeitig soll sie darauf hingewiesen

werden, dass sie auch die Möglichkeit

hat, eine Wohngemeinschaft zu gründen

resp. eine Mitbewohnerin zu suchen, um

ihre Mietkosten zu senken. Sollte die gesetzte

Frist zum Erfüllen der Auflage allerdings

unbenutzt verstreichen bzw. kommt

Frau Beck unentschuldigt der Auflage

nicht nach, kann die zuständige Behörde

verfügen, ihr zukünftig nur noch die gemäss

Mietzinsrichtlinien maximal zulässigen

Wohnkosten anzurechnen.

Verzögert sich die Genesung allerdings

wesentlich und sind günstige Wohnungen

rar bzw. liegen letztlich zwischen einem

möglichen Wohnungswechsel und einem

AHV-Vorbezug nur noch wenige Monate,

ist abzuwägen, ob ein Umzug noch verhältnismässig

erscheint. Dabei ist zu prüfen,

ob die für die öffentliche Hand mögliche

Einsparung und die Konsequenzen für

Frau Beck in einem angemessenen Verhältnis

zueinander stehen. Ist dies nicht

der Fall, ist von einer Auflage zur Suche einer

günstigeren Wohnung abzusehen und

die überhöhten Wohnkosten sind bis zur

Ablösung zu übernehmen.


*Name geändert

Dr. iur. Claudia Hänzi

Präsidentin Kommission

Richtlinien und Praxis

6 ZeSo 4/18


Empfehlungen für die Bewältigung

der Verschuldung armer Menschen

SOZIALHILFE Dass Menschen sich verschulden, ist ein weit verbreitetes Phänomen und in der Regel

kein Problem. Schulden werden dann zum Problem, wenn Zahlungsverpflichtungen über eine längere

Zeit nicht erfüllt werden können. Besonders schwierig werden sie, wenn sie im Zusammenhang

mit anderen schwer zu bewältigenden Beeinträchtigungen und Lebensereignissen stehen und zu

existenziellen Notlagen führen, wie die Studie «Armut und Schulden in der Schweiz» zeigt.

Armutsgefährdete Menschen haben überdurchschnittlich

häufig eine oder mehrere

Arten von Zahlungsrückständen. Die häufigsten

sind Krankenkassenprämien und

Steuern. Schulden ziehen in der Regel Betreibungen

nach sich, und Einträge im Betreibungsregister

erschweren wiederum

die soziale und berufliche Integration sowie

die Wohnungssuche. Zur Prävention

und Beratung bei Verschuldung stehen

mittlerweile viele Angebote zur Verfügung.

Doch richten diese sich an Personen, welche

über einen genügenden finanziellen

Spielraum verfügen, damit beispielsweise

durch Zahlungsvereinbarungen mit den

Gläubigern eine Entschuldung erreicht

werden kann. Dies ist bei armutsbetroffenen

Personen nicht der Fall. Dasselbe gilt

für die Schuldenprävention. Ein Grossteil

der Schuldenpräventionsangebote richtet

sich an junge Menschen insbesondere im

schulischen Kontext.

Zehn Massnahmen

Die Studie «Armut und Schulden in der

Schweiz» im Rahmen des Nationalen Programms

gegen Armut kommt denn auch

zu dem Schluss, dass für armutsbetroffene

Personen zu wenig Möglichkeiten und Angebote

existieren, eine Verschuldungssituation

zu bewältigen. Sie schlägt zehn Massnahmen

im Bereich Prävention und Entschuldung

vor:

• Begleitung: Von Verschuldung betroffene

Haushalte in der Sozialhilfe sollen

mit Blick auf die Schulden begleitet

werden. Dazu gehört eine lösungsorientierte

Erstberatung, die als Bestandteil

des regulären Beratungsprozesses

verankert wird. Die Erstberatung zeigt

verschuldeten Haushalten insbesondere

auf, welche Massnahmen mit Blick

auf ihre Verschuldungssituation unmit-

telbar ergriffen werden können (Ratenzahlungen,

Steuererlassantrag etc.)

• RAV-Hilfsangebote: Aufgreifen der

Schuldenthematik im Beratungsprozess

der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren

(RAV): Um die Integration arbeitsloser

Menschen in den Arbeitsmarkt mit

Blick auf Schulden und Betreibungen

nicht zu gefährden und sie nachhaltig

zu gestalten, ist Schuldenberatung für

betroffene Personen verbindlicher im

Hilfsangebot der RAV zu verankern.

• Beratungsangebote: Es sind mehr Beratungsangebote

für armutsbetroffene,

verschuldete Haushalte zur Verfügung

zu stellen, welche armutsbetroffenen

Menschen Strategien aufzeigen, wie

sie mit Schulden leben können. Als Anbieter

im Vordergrund stehen bereits

bestehende Schuldenberatungsstellen

mit Leistungsauftrag der öffentlichen

Hand.

• Schuldenprävention: Die Budgetberatung

ist als Angebot der Schuldenprävention

auszubauen und weiterzuentwickeln:

Ziel ist unter anderem eine

bessere regionale Abdeckung der Budgetberatung

– dies verbunden mit zielgerichteten

Beratungsmethoden und

geeigneten Hilfsmitteln für armutsgefährdete

Personen.

• Jugendliche: Schuldenpräventionsangebote

sollen noch mehr an den

Bedürfnissen armutsbetroffener und

armutsgefährdeter Jugendlicher und

ihrer Familien ausgerichtet sein. Um

die Wirksamkeit zu verbessern, sind die

Zielgruppen in die Konzeption der Angebote

einzubeziehen.

• Entschuldung: Mittels neuer gesetzlicher

Grundlagen soll auch Personen,

die aufgrund ihres Einkommens und

ihrer persönlichen oder familiären Situation

keine Zahlungen zur Entschuldung

an Gläubiger leisten können, eine

Lösung ihrer schuldenbedingten finanziellen

Notlage ermöglicht werden.

• Steuergesetze: Die kantonalen Steuergesetze

sollten vermehrt auf Belange

der Armutsbekämpfung ausgerichtet

werden: Es sollten beispielsweise

Grundlagen in den Gesetzen geschaffen

werden, welche den Erlass von Steuern

im Rahmen von Bemühungen zur Bewältigung

von Armut systematischer

ermöglichen.

• Steuerschulden: Angesichts der hohen

Relevanz von Steuerschulden sind

auf kantonaler Ebene die erforderlichen

gesetzlichen Grundlagen für einen freiwilligen

Direktabzug der Steuern vom

Lohn zu schaffen.

• Statistik: Im Rahmen einer Erhebung

des Bundesamts für Statistik (SILC, Sozialhilfestatistik)

sind differenziertere

Angaben zu Verschuldung und Überschuldung

verpflichtend zu erheben.

Darüber hinaus wird angeregt, das

Thema Verschuldung in bestehende

Armutsberichterstattungen aufzunehmen.

• Forschung: Bereitstellung finanzieller

Ressourcen für vertiefende wissenschaftliche

Studien: In Anbetracht der

diversen Wissenslücken zu Schulden

und Armut sind weitere Studien und

Bestandsaufnahmen zur Thematik und

zu den bestehenden Angeboten finanziell

zu fördern. (IH, Red.)


4/18 ZeSo

7


«Zeit verkommt zum Luxusgut»

INTERVIEW Freiwilligenarbeit ist ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts. In

der Schweiz engagiert sich jeder Dritte in informeller Nachbarschaftshilfe und jeder Vierte in einem

Verein, einer Organisation für das Gemeinwohl. Forschungsergebnisse deuten aber seit einigen Jahren

auf eine sinkende Bereitschaft zur Gratisarbeit hin. Auch die Digitalisierung leistet ihren Beitrag zu

diesem Trend, sagt Markus Freitag, Professor der politischen Soziologie an der Universität Bern.

«ZESO»: Herr Freitag, Sie beschäftigen

sich seit Langem mit der Freiwilligenarbeit.

Was interessiert Sie an dem

Thema?

Markus Freitag: Ganz generell bin ich

an der Erforschung des sozialen Miteinanders

interessiert und wie sich unumkehrbare

Entwicklungen der Globalisierung,

Individualisierung und Digitalisierung

darauf auswirken. Die Freiwilligenarbeit

in Vereinen und in der Nachbarschaft ist

dabei ein wesentlicher Aspekt des sozialen

Kitts der Gesellschaft, unser Sozialkapital.

Und wenn aller Orten von nachlassender

Solidarität und einer Ökonomisierung

der Lebenswelten gesprochen wird, fordert

dies eine systematische Betrachtung

geradezu heraus. Vor allem wenn es noch

um unbezahlte Leistungen geht, die unter

Marktsituationen entlohnt werden

könnten. Da fragt man sich doch zwangsläufig,

welchen persönlichen Nutzen, sei

es bewusst oder unbewusst, Menschen aus

ihrer Freiwilligenarbeit ziehen.

Und was nützt dann die Freiwilligenarbeit?

Freiwillig arbeitende Menschen fühlen

sich sozial eingebunden, können abseits

des Arbeitsmarktes ihre Fähigkeiten

einsetzen und erhalten dabei das Gefühl,

etwas Wichtiges und Sinnvolles zur Gemeinschaft

beizutragen. Zahlreiche Studien

behaupten auch, dass die Freiwilligenarbeit

die eigene Gesundheit positiv

beeinflussen kann und uns mitunter sogar

langer leben lässt. Für die Schweiz konnten

wir zudem nachweisen, dass in Kantonen

mit vielen Freiwilligen die Arbeitslosenquote

niedriger ist.

Wie sehen denn die typischen Freiwilligen

aus?

8 ZeSo 4/18

Freiwillige in der Schweiz sind tendenziell

gut in ihr Umfeld integriert, mittleren

Alters, mittel bis sehr gut gebildet,

konfessionell gebunden, leben eher in

der Deutschschweiz und auf dem Land.

Frauen sind dabei eher in der Nachbarschaftshilfe

engagiert und Männer eher in

Vereinen.

Gibt es auch einen bestimmten Charaktertyp

für die Freiwilligenarbeit?

Wer extrovertiert ist und die Gesellschaft

anderer schätzt und sucht, ist eher

aktiv tätig. Darüber hinaus engagieren sich

vor allem Personen freiwillig, die stressresistent

sind und selten nervös werden.

Warum ist jemand bereit, fürs Gemeinwohl

tätig zu sein? Was sind die

Motive von Freiwilligen?

Da gibt es eine Reihe von Beweggründen.

Manche möchten sich uneigennützig

für die Allgemeinheit engagieren oder ihre

Schuldgefühle der Besserstellung gegenüber

anderen überwinden. Wieder andere

möchten sich persönlich weiterentwickeln,

die eigenen Fertigkeiten anwenden oder

vertiefen. Über dies hinaus kann ein Engagement

Möglichkeiten bieten, sich auf

berufliche Herausforderungen vorzubereiten.

Manchmal wird freiwillig gearbeitet,

weil es von aussen erwartet oder honoriert

wird. Interessant ist, dass jüngere Freiwillige

eher aus selbstbezogenen Motiven

zur Freiwilligkeit kommen und Ältere dies

eher aus altruistischem Antrieb tun. Junge

wollen etwas geben, aber auch etwas bekommen.

«Digitalisierung und Zivilgesellschaft

– wie das Internet den sozialen Kitt

durchlöchert», lautet der Titel Ihres

neuesten Forschungsberichts. Das

tönt dramatisch. Ist das nicht übertrieben?

In den 50er Jahren war die drittliebste

Freizeitaktivität der Deutschen «aus dem

Fenster schauen». Diese Art der Beschäftigung

mit der Aussenwelt ist in den Folgejahren

komplett zurückgegangen, weil

das Fernsehen in die Haushalte einzog.

Forschungen zu den sozialen Beziehungen

haben daraufhin immer wieder festgestellt,

dass die Menschen umso weniger für

einander da waren, je mehr sie fernsahen.

Jetzt befinden wir uns seit geraumer Zeit in

einer neuen durch die technologische Entwicklung

der Digitalisierung ausgelösten

Veränderungswelle – welche fast alle Bereiche

unserer Gesellschaft betrifft. In der

Studie wollten wir deshalb wissen, ob die

Internetnutzung mit den gleichen Konsequenzen

für unsere sozialen Beziehungen

verbunden ist und den Rückzug ins Private

forciert wie seinerzeit das Fernsehen. Wir

haben die Freiwilligenarbeit in Vereinen

näher untersucht und wir stellten fest: Wie

das Fernsehen, so geht auch der Internetgebrauch

zulasten des sozialen Miteinanders.

Allerdings gilt das nicht für jede und

jeden und hängt auch noch von der Art des

Internetgebrauchs ab. Insofern, da gebe

ich Ihnen recht, ist der Einfluss des Internets

nicht durchgehend negativ.

Was genau haben Sie herausgefunden?

Unsere Untersuchung zeigt, dass der

Internetkonsum in der Schweizer Bevölkerung

einen negativen Einfluss auf die Bereitschaft

hat, Freiwilligenarbeit zu leisten.

Das gilt aber nicht für alle Bevölkerungsgruppen

gleichermassen. So sind Personen

unter 38 Jahren weniger wahrscheinlich in

Vereinen tätig, wenn sie täglich das Internet

nützen. Bei Personen im Alter von 55


4/18 ZeSo

9


Jahren oder älter ist es hingegen genau

umgekehrt. Diejenigen, die das Internet

täglich gebrauchen, engagieren sich eher

in einem Verein als diejenigen, die das

nicht tun. Durch das Internet können ältere

Freiwillige einfacher und schneller

kommunizieren, Informationen können

rascher gefunden und Termine müheloser

arrangiert werden.

Warum haben Sie gerade die Auswirkungen

auf die Freiwilligenarbeit

untersucht?

Freiwilligenarbeit – wie das unbezahlte

Engagement in Sport-, Hobby und anderen

Vereinen, die Übernahme politischer

Milizämter sowie nachbarschaftliche Hilfe

wie Alten- oder Kinderbetreuung – ist ein

wesentlicher und verbindender Bestandteil

der Gesellschaft. Im Gegensatz zur

Nachbarschaftshilfe ist die Freiwilligenarbeit

in Vereinen durch ein noch höheres

Mass an Regelmässigkeit und Verpflichtung

gekennzeichnet und damit verwundbarer,

wenn es um den Einsatz und die Abrufbarkeit

zeitlicher Ressourcen geht.

Die Jungen engagieren sich vielleicht

weniger im Sportverein, aber dafür

landen sie im Internet und gründen

eine Facebook Gruppe.

Es kommt tatsächlich darauf an, wie

und wofür das Internet genutzt wird. Es

macht einen Unterschied, ob jemand im

Internet Filme schaut und sich in erster

Linie unterhalten lässt oder via soziale Medien

zu anderen Kontakte unterhält. Vernetzende

Aktivitäten über das Internet verhindern

eine private Abgeschiedenheit, da

sie den sozialen Austausch ermöglichen.

Diese Internetnutzer sind somit nicht isoliert,

sondern ergänzen ihre Offline-Beziehungen

mit Online-Kontakten. Die berichteten

Zusammenhänge gelten deshalb

vor allem für Personen, die nicht mit den

sozialen Medien hantieren.

Sie haben beim letzten Freiwilligen-

Monitoring einen Rückgang der Freiwilligentätigkeit

festgestellt.

Ja, die Zahl an regelmässig Freiwilligen

ist in den letzten Jahren zurückgegangen,

wenn auch nicht in allen Bereichen. Den

10 ZeSo 4/18

«In Solothurn

musste sich die

Gemeinde Zullwil

unlängst zwangsverwalten

lassen,

weil sie keine Gemeinderäte

mehr

fand.»

Bilder: Philipp Baer

grössten Schwund stellen wir bei der politischen

Milizarbeit auf lokaler Ebene fest. Es

gibt andererseits aber auch viele sogenannte

episodische oder Eventfreiwillige, die

bei besonderen Veranstaltung mithelfen,

sich aber nicht zu längerfristigen Engagements

verpflichten.

Was passiert, wenn sich der Negativtrend

beschleunigt?

Schon jetzt ist der Rückgang des Engagements

im Milizwesen für jede zweite

Gemeinde in der Schweiz ein ernsthaftes

Problem. Die politische Milizarbeit im

Gemeinderat, in einer Schulkommission

oder in einem lokalen Parlament ist aber

existenziell für die Schweiz. Ohne bereitwillige

Freiwillige funktioniert das nicht.

Schon jetzt gibt es Gemeinden, die mit

dem Amtszwang drohen oder gar wie in

Simplon Dorf damit operieren. In Solothurn

musste sich die Gemeinde Zullwil

unlängst zwangsverwalten lassen, weil sie

keine Gemeinderäte mehr fand. Diese Entwicklungen

greifen den Lebensnerv der

Beteiligungsdemokratie Schweiz an.

Ist das Internet an dieser Entwicklung

schuld oder hat die Freiwilligenarbeit

in einer Gesellschaft weniger Wert

mehr, weil die Selfie-Generation vor

allem mit sich selbst beschäftigt ist?

In der Schweiz besitzt Solidarität durchaus

einen hohen Wert. Rund ein Viertel der


Bevölkerung engagiert sich regelmässig

freiwillig in Vereinen. Ungefähr ein Drittel

hilft unentgeltlich in der Nachbarschaft

oder unterstützt Freunde und Bekannte.

Allerdings fordert die Modernisierung diese

Bereitschaft heraus. Der Zeitgeist der Individualisierung

passt beispielsweise nicht

gut zu einem längerfristig gebundenen Engagement

mit vielen fixen Terminen. Freiwillige

suchen stattdessen vermehrt nach

Engagementformen, die zu ihrer Biografie

passen, absehbar sind, mitunter spektakuläre

Erlebnisse oder die Lösung aktueller

gesellschaftlicher Probleme versprechen.

Es kommt noch hinzu, dass manche

Gruppen, die früher stärker freiwillig tätig

waren, heute weniger Zeit haben. Das

trifft beispielsweise auf die Frauen zu, die

heute die Bildungslaufbahn einschlagen

und berufstätig sind. Da sie nach wie vor

den überwiegenden Teil der Familien- und

Haushaltsarbeit übernehmen, fehlt ihnen

oftmals die Zeit und die Kraft, weitere Verpflichtungen

zu übernehmen. Aber auch

der wachsende Wohlstand und die Mobilität

fordern die Zivilgesellschaft heraus.

Wochenendausflüge werden nicht selten

dem freiwilligen Engagement in Verein

und Nachbarschaft vorgezogen.

Dabei haben wir eigentlich doch mehr

Zeit als früher?

Das stimmt durchaus. Aber die Freizeitangebote

sind bezahlbarer, erreichbarer

und verlockender geworden. Dazu benötigen

wir vermehrt die Ruhepausen von der

als stresshaft wahrgenommen Erwerbsarbeit.

Die dort verankerte ständige Erreichbarkeit

lässt zudem immer mehr die Grenzen

zum Freizeitleben verschwimmen. Zeit

ist in unserer 24-Stunden-Gesellschaft

insgesamt zum Luxusgut verkommen und

man überlegt sich sehr genau, wofür man

sie einsetzt. Erst recht, wenn es dabei um

regelmässige Verpflichtungen geht.

Wie liesse sich dem Trend entgegenwirken

und die Freiwilligenarbeit

fördern?

Online-Plattformen versuchen niederschwellige

Nachbarschaftshilfen zu etablieren,

teilweise mit grossem Erfolg. Wer

dort kostenlos und flexibel Hilfe anbietet

«Bei Vereinen

scheinen vor allem

projektbezogene

und zeitlich befristete

Vorhaben mit

keiner allzu grossen

Verbindlichkeit

am ehesten

erfolgsversprechend.»

Markus Freitag

Professor Markus Freitag leitet an der Universität

Bern die Politische Soziologie. Freitag

verfasste zahlreiche Studien zum freiwilligen

Engagement in der Schweiz und

war lange Jahre für die wissenschaftliche

Durchführung des Freiwilligen-Monitors

Schweiz zuständig. In seinem Werk «Das

Soziale Kapital der Schweiz» gibt Freitag

sehr praktikable Tipps zur Förderung des

sozialen Kitts. Zum Beispiel: Grüssen Sie

Fremde! Gründen Sie einen Gemeinschaftsgarten!

In seiner neuesten Publikation

«Die Psyche des Politischen», erschienen

im NZZ-Libro Verlag 2017, analysiert Freitag

die Bedeutung unserer Persönlichkeit für

unser politisches Denken und Handeln.

Freitag verwendet hierfür das international

gängige OCEAN-Modell der Psychologie,

das auf den fünf Charaktertypen Offenheit,

Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit,

Extraversion, Neurotizismus beruht. (hi)

oder sucht, versieht dies ohne den Zwang

zur Gegenseitigkeit oder Rechtfertigungsdruck.

Eine andere Idee ist, das freiwillige

Engagement über Anreize zu steuern. Beispielsweise

werden Zertifikate für Tätigkeiten

ausgestellt, die dann vielleicht mit

Erfolg auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt

werden. Oder man operiert über Zeitguthaben.

Es werden Pflegedienstleistungen

übernommen und die dafür aufgewendete

Zeit darf zu einem späteren Zeitpunkt bei

Eigenbedarf abgerufen werden. Will man

die Freiwilligkeit aber nachhaltig stärken,

bedarf es allerdings keines Nachlassens

in der Bildungspolitik. Eine gute Bildung

bahnt den Weg zur Freiwilligenarbeit.

Braucht es auch eine andere, modernere

oder zeitgemässere Art von

Engagement in den Vereinen?

Bei Vereinen scheinen mir vor allem

projektbezogene und zeitlich befristete

Vorhaben mit keiner allzu grossen Verbindlichkeit

am ehesten erfolgsversprechend.

Einmal auf den Geschmack gekommen,

erwächst aus dem episodischen

Engagement dann vielleicht auch eine längerfristige

Tätigkeit.

Und ein Pflichtdienst – ein soziales

Jahr für alle zum Beispiel?

Ja diese Idee existiert. Ihr zufolge

sollten alle Schweizer Bürgerinnen und

Bürger oder auch die niedergelassenen

Ausländer obligatorisch 200 Tage einen

Dienst leisten, wahlweise in der Armee, in

einem Schutz- oder Gemeinschaftsdienst.

Hierunter fallen auch Pflege, Betreuung,

Behörden, Transport, Schule oder Vereine.

Natürlich hätte man dann auf einen Schlag

extrem viel Personal. Die Frage ist aber, ob

man mit dem Zwang nicht die Qualität der

geleisteten Arbeit verschlechtern und die

wirklichen Freiwilligen demotivieren würde.

Die freiwillige Dienstpflicht wäre dann

wohl immer weniger von unbezahlbarem

Wert, sondern verkäme immer mehr zu

einem Dienst nach Vorschrift. •

Das Gespräch führte

Ingrid Hess

4/18 ZeSo

11


12 ZeSo 4/18 SCHWERPUNKT

Bild: Samuel Trümpy/Keystone


Prüfung der Subsidiarität stellt höchste

Ansprüche

Sozialhilfe wird nur dann gewährt, wenn eine bedürftige Person sich nicht selbst helfen kann

und auch keine Hilfe von den Sozialversicherungen oder Angehörigen erhältlich ist. Sozialdienste

müssen der Prüfung der Subsidiarität grosse Bedeutung beimessen. Die konsequente Umsetzung

der Subsidiarität stellt jedoch höchste Ansprüche an spezifisches Fachwissen und Erfahrung der

Sozialdienst-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen.

Die Subsidiaritätsprüfung ist ein wichtiges Prinzip in der Sozialen

Arbeit und ist entsprechend auch im Gesetz verankert. Einerseits

ist es implizit im ethischen Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe verankert.

Vorab dürfen Menschen wenn immer möglich nicht zu einem

Fall der Sozialen Arbeit eingestuft werden, solange sie sich aus eigenen

Kräften helfen können. Subsidiarität kann somit auch bedeuten,

dass eine hilfsbedürftige Person befähigt wird, eigene Ressourcen

zu erkennen und damit den Alltag unabhängig und aus

eigenen Kräften zu gestalten. Wo immer möglich sollen Hilfsbedürftige

darin befähigt werden, die eigenen Ressourcen zu mobilisieren

und somit nicht zum Objekt staatlichen Handelns degradiert

werden. Im Sinne des Subsidiaritätsprinzips sind

hilfesuchende Personen denn auch verpflichtet, alles Zumutbare

zu unternehmen, um eine Notlage aus eigenen Kräften abzuwenden

oder zu beheben. Tun sie dies nicht, kann das weitreichende

Konsequenzen nach sich ziehen.

Andererseits beinhaltet das Subsidiaritätsprinzip auch, dass

die Leistungen der Sozialhilfe grundsätzlich nachrangig gegenüber

anderen Leistungen jeglicher Art sind. Sozialhilfe ist somit

subsidiär gegenüber der Selbsthilfe (Einkommen, Vermögen),

freiwilliger Leistungen Dritter und Leistungsverpflichtungen

Dritter. Sozialhilfe wird ausgerichtet, wenn die Selbsthilfe oder

die Dritthilfe nicht rechtzeitig, nicht ausreichend oder gar nicht

vorhanden ist.

Wenn ein Antrag auf Sozialhilfe gestellt wird, müssen zunächst alle anderen Leistungsansprüche geklärt werden.

Bild: Palma Fiacco

14 ZeSo 4/18 SCHWERPUNKT


Subsidiarität

Bedeutung von Subsidiarität in der Praxis eines polyvalenten

Sozialdienstes

Wenn Klienten und Klientinnen den Antrag auf Sozialhilfe stellen,

müssen Sozialdienst-Mitarbeitende konsequent überprüfen, wie

weit vorgelagerte Leistungen oder die Hilfe von Dritten in Anspruch

genommen werden können. Geprüft wird, ob sich durch

vorgelagerte materielle Leistungen ein qualitativ und quantitativ

besseres soziales Existenzminimum erreichen lässt. Im Sinne der

Handlungsmaxime, stets so zu handeln, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten

für Klienten grösser wird, können die zur Verfügung

stehenden Integrationsmöglichkeiten ebenso eine entscheidende

Rolle spielen, die Chancen der beruflichen und sozialen

Integration zu erhöhen.

Sozialarbeitende in einem polyvalenten Sozialdienst haben ein

breites Aufgabenfeld. Es reicht von der Sozialhilfe, dem Kindesund

Erwachsenenschutz, Pflegekindern und der PriMa-Beratung

bis zu präventiven Beratungen. Der Privat- und Sozialversicherungsbereich

ist in der Schweiz gut ausgebaut. Dies alles bedeutet,

dass viel besonderes Fachwissen zur Verfügung stehen muss, um

die gesamten Leistungsbereiche im Fokus zu haben. Zudem haben

relevante Erkenntnisse zur Anspruchsberechtigung jeweils eine

kurze Halbwertszeit, politische Entscheide und die Rechtspraxis

können auf die Ausgestaltung der Leistungen Einfluss nehmen.

Sozialarbeitende und selbst Juristinnen und Juristen können

in einem derart komplexen Rechtsgebiet während der Ausbildung

nicht zu Privat- und Sozialversicherungsexperten bzw. Experten

im Opferhilferecht ausgebildet werden. Dennoch besteht der Anspruch,

dass die Subsidiarität auch in einem kleineren regionalen

Sozialdienst umgesetzt und sichergestellt werden kann: Sozialarbeitende

müssen daher in der Lage sein, privat-, opferhilfe- und

sozialversicherungsrechtliche Fragen fachlich korrekt anzugehen

und Anspruchsberechtigungen fair und korrekt gegenüber allen

Beteiligten zu prüfen.

Instrumente zur Subsidiaritätsprüfung

Im Regionalen Sozialdienst Frutigen stehen dafür entsprechende

Instrumente zur Subsidiaritätsprüfung zur Verfügung. Dabei hat

sich zum einen die Anwendung einer Checkliste bewährt. Die

Checkliste beinhaltet eine Liste mit verschiedenen Privat- und Sozialversicherungen.

Zudem enthält die Checkliste Links zu weiterführenden

relevanten Informationen, welche zur Prüfung konsultiert

werden können. Die Checklisten unterstützen den

Mitarbeitenden, systematisch alle Unterstützungsmöglichkeiten

konsequent zu prüfen. Die Übersichtscheckliste beinhaltet wichtigste

Informationen zur Prüfung möglicher Ansprüche gegenüber

den Sozialversicherungen, Einzelversicherungen, Rechtsschutzversicherungen,

Kollektivversicherungen, Haftpflicht

Dritter und Opferhilfe. Zudem bietet sie eine Übersicht mit zu beachtenden

Fristen (Geltendmachung, Verjährung, Verwirkung

usw.) und unterstützt ein sorgfältiges Fristenmanagement.

Es hat sich aber auch gezeigt, dass es nützlich ist, regelmässig

Fallbeispiele im Rahmen einer angeleiteten Intervision mit einem

«In einer regelmässig

stattfindenden angeleiteten

Intervision wird ein Fachinput

gegeben und es werden

ein bis zwei Fallbeispiele

besprochen. »

Experten für Versicherungsrecht zu bearbeiten. Aus den angeleiteten

Intervisionen werden generelle Erkenntnisse abgeleitet und

nach Stichworten im internen Handbuch dokumentiert. Damit ist

kontinuierliches Lernen zum Thema Subsidiarität institutionell

verankert. In einer regelmässig stattfindenden zweistündigen angeleiteten

Intervision wird in einem ersten Teil ein Fachinput gegeben

und im zweiten Teil werden ein bis zwei Fallbeispiele dazu

besprochen. Die Ergebnisse werden anschliessend dokumentiert.

Von den Mitarbeitenden wird erwartet, dass sie in ähnlich gelagerten

Fällen nach entsprechenden Checklisten handeln.

Sensibilisierung für Subsidiaritätsfragen

Die Prüfung der Subsidiarität einzig aufgrund von Checklisten

vorzunehmen, ist jedoch heikel, Praxis und Rechtsprechung können

im Privat-, Opferhilfe- und Sozialversicherungsrecht zu wesentlichen

Änderungen der Anspruchsberechtigung führen. Aufgrund

der Erfahrungen mit anspruchsvollen privat-, opferhilfe- und

sozialversicherungsrechtlichen Fallsituationen hat sich gezeigt,

dass die Sozialarbeitenden für die relevanten Subsidiaritätsfragen

sensibilisiert werden müssen. Dabei kann nicht von einem Expertentum

ausgegangen werden. Manchmal sollten auch rasch und

zielgerichtet ausgewiesene Experten beigezogen werden, damit

Leistungsansprüche korrekt geltend gemacht werden.

Darüber hinaus bewährt es sich, die Fallbetreuung im Sinne

eines Case Managements sicherzustellen. Dadurch sollen gerade

bei komplexen Fällen Synergien genutzt werden, damit die Unterstützung

zielgerichtet und koordiniert erfolgen kann. In Anbetracht

der knappen Ressourcen in regionalen Sozialdiensten

scheint dieses Vorgehen und die institutionelle Verankerung einer

regelmässigen fachlichen Auseinandersetzung mit diesen Fällen

unter Berücksichtigung der Subsidiarität angezeigt. So kann sichergestellt

werden, dass den Ansprüchen an eine korrekte Versorgung

auf einem guten Qualitätsniveau entsprochen wird und

der Ressourceneinsatz in einem regionalen Sozialdienst vertretbar

eingesetzt wird.


Markus Bieri

Leiter Regionaler Sozialdienst Frutigen

SCHWERPUNKT 4/18 ZeSo


Zu krank für die Arbeit, zu gesund

für die Rente

Seit sich die IV nicht mehr als Rentenanstalt, sondern als Eingliederungsversicherung versteht,

handhabt sie die Gewährung von Renten deutlich restriktiver. Viele Menschen haben trotz

gesundheitlicher Einschränkungen keinen Anspruch auf eine Rente. Das politische Ziel ist, sie wieder

in die Arbeitswelt zu integrieren und eine Kostenverschiebung in die Sozialhilfe zu verhindern.

Gesundheitsprobleme sind aber gerade eine zentrale Ursache, warum Menschen auf Sozialhilfe

angewiesen sind und bleiben.

Die IV hat sich in den letzten 15 Jahren massgeblich verändert.

Zu den wesentlichen Veränderungen gehört, dass interne ärztliche

Dienste geschaffen wurden, dass die Eingliederungsabteilungen

inkl. der zur Verfügung stehenden Massnahmen ausgebaut

wurden und dass der Zugang zu einer Berentung – insbesondere

im Bereich der schwer objektivierbaren Gesundheitsschäden – erschwert

wurde. Die Beurteilung der Erwerbsfähigkeit und damit

des IV-Grades erfolgt auf Basis strenger gesetzlicher Bestimmungen.

Diese führen nicht selten zu Unverständnis bei den Betroffenen,

bei behandelnden Ärztinnen und Ärzten sowie bei weiteren

Beteiligten, z.B. bei Sozialdiensten, die mit den realen Einschränkungen

und Möglichkeiten der Betroffenen konfrontiert sind.

Neuberentungsquote halbiert

Durch die Schaffung interner ärztlicher Dienste (RAD) sowie spezialisierter

Abklärungsstellen (MEDAS) ist es der IV gelungen, ihre

Neuberentungsquote in den letzten 15 Jahren zu halbieren.

Nicht selten kommen die IV-Ärztinnen und Ärzte zu anderen Einschätzungen

als ihre unabhängigen Berufskollegen. Die Gründe

hierfür werden in der Studie von Christian Bolliger und Marius Féraud

(2015) aufgezeigt. Erstens hat die IV aufgrund der Gesetzeslage

ein engeres Gesundheitsverständnis und berücksichtigt die

Wirkung von sozialen Einflüssen auf die Gesundheit nicht. Zweitens

schätzt sie die Erwerbsfähigkeit anhand eines theoretischen

Modells ein und nicht gemäss den realen Möglichkeiten. Drittens

hat sie höhere Ansprüche an die Objektivierbarkeit von Krankheitsbildern

und viertens begegnet sie den Versicherten mit einer

kritisch-distanzierten Haltung.

Strenge Gerichtspraxis

Ebenfalls zur Verschärfung der Rentensprechungspraxis beigetragen

haben die Gerichtsurteile. 2004 fällte das Eidgenössische Versicherungsgericht

einen Leitentscheid, der dazu führte, dass bei

schwer objektivierbaren Gesundheitsschäden kaum mehr eine

Aussicht auf eine Berentung bestand. Diese Praxis wurde rund

zehn Jahre lang verfolgt. Im Sommer 2015 änderte das Bundesgericht

dann den Kurs: Seither wird nicht mehr generell von einer

willentlichen Überwindbarkeit ausgegangen, stattdessen muss jeder

Einzelfall in einem «strukturierten Beweisverfahren» geprüft

werden. Eine Untersuchung des Rechtswissenschaftlichen Instituts

der Universität Zürich zeigte zwei Jahre später allerdings, dass

das Urteil von 2015 die Rechtsprechung nicht zugunsten der Betroffenen

veränderte. Bei 220 untersuchten Gerichtsurteilen bezüglich

Schmerzpatientinnen wurde in einem einzigen Fall eine

Rente gesprochen.

Im Bereich der Depressionen wurde die Praxis der IV bis 2017

verschärft, indem auch für mittelschwere Depressionen die «Therapieresistenz»

als entscheidendes Kriterium festgehalten wurde.

Aufgrund öffentlicher Kritik wird seit Dezember 2017 von diesem

Kriterium abgesehen und es kommt auch bei Depressionen

das «strukturierte Beweisverfahren» zum Tragen. Ob dies zu einer

weniger strengen Gerichtspraxis führt, ist aber offen.

Auswirkungen auf Betroffene

Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen aus dem Arbeitsmarkt

ausscheiden, aber gleichzeitig bei der IV abgelehnt und für

arbeitsfähig erklärt werden, verstehen die Welt nicht mehr. Sie fühlen

sich vom Sozialstaat im Stich gelassen. Dies zeigen Interviews

im Rahmen einer laufenden Doktorarbeit (siehe Kasten). Die kritisch-distanzierte

Haltung der IV erleben sie als Kränkung, weil sie

sich unter den Generalverdacht des Erschleichens von Versicherungsgeldern

gestellt fühlen. Ein negativer IV-Rentenentscheid

wird als eine offizielle Verkennung des eigenen Leidens und gewissermassen

als Stoss in den «sozialen Tod» erlebt.

Die Ablehnung durch die IV erzeugt nicht nur grosse Schwierigkeiten

bei der Verarbeitung der Krankheit, sie führt auch zu

finanziellen Existenzproblemen. Durch den Entscheid der IV stellen

unter Umständen andere Versicherungen ihre Leistungen ein

(z.B. Krankentaggeld) und so kann es sein, dass von einem Tag auf

den anderen kein Einkommen mehr da ist. Dann geht das Rotieren

zwischen den Ämtern los, weil für viele unklar ist, wer in dieser

Situation zuständig ist.

Eingliederung oder Sozialhilfe?

Sozialpolitisch von grossem Interesse ist die Frage, ob die Praxis

der IV zu einer Verschiebung der Kosten in die Sozialhilfe oder zu

mehr Eingliederung in den Arbeitsmarkt führt. Die IV setzt viel daran,

die Eingliederung zu fördern. Tatsächlich fanden nach der

5. Revision 7% mehr Personen wieder eine Stelle im Vergleich zu

vorher. Dass nun mehr Betroffene statt der IV-Rente Sozialhilfe beziehen,

wird vom BSV verneint. Die Erhebung der Städteinitiative

Sozialpolitik kam 2015 allerdings zu dem Schluss, dass zwei Drit-

16 ZeSo 4/18 SCHWERPUNKT


Subsidiarität

Doktorarbeit

Fabienne Rotzetter untersucht in ihrer laufenden Doktorarbeit die

Auswirkungen der strengeren Rentensprechungspraxis der IV auf die

Betroffenen. Sie führt im Rahmen einer qualitativen Untersuchung

biographische Interviews mit Personen, die an einer chronischen

Krankheit leiden aber keinen Anspruch auf eine IV-Rente haben.

Online Kurzbericht der Studie «Berufliche Eingliederung

zwischen Invalidenversicherung und Wirtschaft» unter

https://irf.fhnw.ch/handle/11654/24649

Eine IV-Rente legitimiert Leistungseinschränkungen physischen oder

psychischen Ursprungs und erleichtert so die berufliche Integration.

Bild: Rainer Sturm/pixelio

tel der Langzeitbeziehenden in der Sozialhilfe unter nachweislichen

Gesundheitsproblemen leiden.

Arbeitsfähig mit Hilfe der Rente

Die IV will durch die Einsparung von Renten die Eingliederung

fördern. Es deutet aber Einiges darauf hin, dass gerade eine Berentung

helfen kann, die gesundheitliche Situation zu stabilisieren

und damit die Erwerbsfähigkeit zu verbessern. Die Psychiaterin

Brühlmeier-Rosenthal hat 2017 die Situation von 402 Patientinnen

und Patienten analysiert und gesehen, dass sich die Verweigerung

oder der Entzug einer Rente deutlich negativ auf die Gesundheit

und die effektive Arbeitstätigkeit der Betroffenen auswirkt.

Umgekehrt kann die Berentung dazu beitragen, dass sich die Gesundheit

stabilisiert und einer Arbeit nachgegangen werden kann.

Abgesehen von der stabilisierenden Wirkung auf die Gesundheit

und die Arbeitsfähigkeit, kann eine Rente auch aus betrieblicher

Sicht die Eingliederung begünstigen. Dies zeigt die Studie

«Berufliche Eingliederung zwischen Invalidenversicherung und

Wirtschaft» von Eva Nadai, Anna Gonon und Fabienne Rotzetter

(Online-Kurzbericht siehe oben). Unternehmen sind zu einem

gewissen Grad bereit, soziale Verantwortung zu übernehmen und

Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen zu beschäftigen.

Diese Bereitschaft bewegt sich aber in engen ökonomischen

Grenzen. Es werden keine Ausnahmen hinsichtlich des Verhältnisses

von Leistung und Lohn gemacht. Wer die Leistung längerfristig

nicht bringt, scheidet aus, es sei denn, eine IV-Rente bescheinigt

offiziell die vorhandene Einschränkung und er möglicht

eine Weiterbeschäftigung unter speziellen Bedingungen. •

SCHWERPUNKT 4/18 ZeSo

Fabienne Rotzetter

Doktorandin FHNW


Sozialhilfe beziehen oder

Freizügigkeitskonto auflösen?

Die Frage, ob und wann die berufliche Altersvorsorge vorbezogen werden muss, hat eine rechtliche,

eine finanzpolitische und eine individuelle Dimension. Die Antwort darauf fällt je nach Sichtweise

unterschiedlich aus, wie Uwe Koch, Dozent an der ZHAW Soziale Arbeit, feststellt.

Die Schweizer Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenvorsorge

beruht auf dem 3-Säulen-Prinzip. Zusammen mit den Leistungen

der Alters- und Hinterlassenenversicherung AHV (1. Säule) soll

das in der beruflichen Vorsorge (2. Säule) angesparte Altersguthaben

die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener

Weise sichern. Personen, die aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden

sind, gehören in der Regel keiner Pensionskasse mehr an

und müssen das angesparte Altersguthaben auf ein Freizügigkeitskonto

oder eine Freizügigkeitspolice überweisen lassen.

Das Freizügigkeitskapital sowie Guthaben der privaten gebundenen

Vorsorge (Säule 3a) können vor der Fälligkeit weder

verpfändet noch abgetreten werden und zählen folglich nicht zu

den liquiden Eigenmitteln. Damit können sie – vorbehaltlich bestimmter

Ausnahmen – frühestens fünf Jahre vor Erreichen des

AHV-Rentenalters oder bei vollständiger Invalidität bezogen werden.

Der Bezug der zum Teil sehr hohen Altersguthaben ist immer

risikobehaftet. Der Bundesrat wollte die Kapitalauszahlung

im BVG-Obligatorium daher in der laufenden Revision des Bundesgesetzes

über die Ergänzungsleistungen verbieten. Das Bundesparlament

hat diesen Vorschlag jedoch verworfen.

Verfügungsmacht über das Vermögen nicht entzogen werden. Anders

präsentiert sich die Situation bei den Ergänzungsleistungen

zur AHV/IV. Hier genügt die Bezugsberechtigung. IV-Rentenberechtigten

mit einer ganzen Rente wird das Freizügigkeitskapital

ebenso als Vermögen angerechnet wie Personen über 59 resp. 60

Jahre mit einer ¾-, ½- oder ¼-IV-Rente.

Sozialhilferechtlich sehen die SKOS-Richtlinien vor, dass Guthaben

der 2. Säule und der Säule 3a nur zusammen mit dem AHV-

Vorbezug oder dem Bezug einer ganzen IV-Rente herauszulösen

sind. Der Lebensunterhalt ist ergänzend zur AHV- oder IV-Rente

mit dem bezogenen Altersguthaben zu bestreiten. Hat die berechtigte

Person schon vor dem AHV-Bezug von ihrem Recht auf Barauszahlung

des Guthabens der 2. Säule und der Säule 3a Gebrauch

gemacht, ist das Kapital für den zukünftigen Lebensunterhalt zu

verwenden (SKOS-Richtlinien E.2.5). Das Verwaltungsgericht des

Kantons Zürich hat bestätigt, dass Freizügigkeitskapital erst mit

Widersprüchliche Sichtweisen

In der wirtschaftlichen Sozialhilfe gelten die Prinzipien der Subsidiarität

und der Bedarfsdeckung. Verfügt eine Person über grössere

Vermögenswerte, entfällt die Bedürftigkeit und somit der Anspruch

auf Sozialhilfeleistungen. Es gilt zu klären, ob frei

verfügbare Altersguthaben aufgelöst werden müssen, bevor Sozialhilfe

bezogen werden kann. Diese Frage wird in der Praxis und je

nach Rechtsgebiet unterschiedlich beantwortet.

Systemisch betrachtet geht es um die Frage, ob die Werte der

Altersvorsorge (Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener

Weise im Alter) oder der Sozialhilfe (Subsidiarität und

Gewährleistung des sozialen Existenzminimums) Vorrang haben:

eine komplexe Ausgangslage, da teilweise widersprüchliche Sichtweisen

aufeinandertreffen.

Unterschiedliche rechtliche Auslegungen

Die rechtliche Dimension umfasst konkursrechtliche, sozialversicherungsrechtliche,

prozessrechtliche und sozialhilferechtliche

Komponenten und wird in den Kantonen recht unterschiedlich gehandhabt.

Die Leistungen der beruflichen Vorsorge sind im

Schuldbetreibungs- und Konkursrecht unpfändbar, solange der

Vorsorgefall Alter, Invalidität oder Tod nicht eingetreten ist. Solange

kein ausdrückliches Begehren auf Barauszahlung gestellt ist,

bleibt das Freizügigkeitskapital unpfändbar und kann somit nicht

mit Arrest belegt werden, der betroffenen Person kann daher die

18 ZeSo 4/18 SCHWERPUNKT


Die Subsidiaritätsspinne – ein Hilfsmittel

zur Klärung der Ansprüche

Für Sozialhilfebeziehende ist es oft schwierig, allfällige vorgelagerte Leistungen von

Sozialversicherungen geltend zu machen. Bei den Sozialen Diensten der Stadt Zürich wird viel Wert

darauf gelegt, die Klientinnen und Klienten darin zu unterstützen. Sozialarbeitenden steht deshalb

neben Schulungen und spezialisierten Teams auch die sogenannte «Subsidiaritätsspinne» zur

Verfügung.

Die Grundprinzipien für alle kantonalen Sozialhilfegesetze definieren,

dass der Subsidiaritätsgrundsatz der wichtigste Faktor im

Zusammenspiel zwischen Sozialhilfe und Sozialversicherung ist.

Dieser beinhaltet, dass Personen nur dann persönliche und wirtschaftliche

Sozialhilfe erhalten, wenn sie nicht oder nicht rechtzeitig

in der Lage sind, sich eigenständig oder mit Hilfe Dritter aus ihrer

Notlage zu befreien. Eine hilfesuchende Person muss daher

allfällige familienrechtliche Unterhalts- oder Unterstützungsansprüche

sowie sämtliche Sozialversicherungsansprüche, über die

sie verfügt, geltend machen.

Hilfesuchende Personen haben also eine Pflicht, subsidiäre

Leistungen durchzusetzen. Gleichzeitig haben sie aber auch einen

Anspruch auf persönliche Hilfe und Beratung. Gerade bei der

Geltendmachung von vorgelagerten Leistungen sind Klientinnen

und Klienten aufgrund der administrativen Hürden sowie der formellen

und rechtlichen Anforderungen häufig überfordert.

Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Sozialversicherungsansprüche,

da die bereits vorhandenen Sparaufträge und die geplanten

Revisionen im Sozialversicherungsbereich den Zugang zu

den vorgelagerten Leistungen der Sozialversicherungen erschweren.

Klientinnen und Klienten sind deshalb auf Hilfe und Unterstützung

durch den Sozialdienst angewiesen.

Unterstützung bei der Geltendmachung von

Sozialversicherungsansprüchen

Die Sozialen Dienste Zürich haben in ihrer Fachstrategie für die

Wirtschaftliche Hilfe festgehalten, dass die Organisation den unterstützten

Personen dabei zur Seite stehen will, um vorgelagerte

Leistungen geltend zu machen. Sie soll hierfür entsprechend über

das notwendige Wissen verfügen.

Zum einen setzen die Sozialen Dienste Zürich deshalb auf die

Aus- und Weiterbildung des Personals in der Fallführung. Sozialarbeitende

besuchen im Rahmen ihrer Einführung obligatorisch

ein Schulungsmodul, das auch eine Sozialversicherungseinführung

beinhaltet. Sie haben zudem die Möglichkeit, einen internen

Sozialversicherungskurs zu besuchen, der in Kooperation mit der

Hochschule Luzern Soziale Arbeit organisiert wird.

Zum anderen gibt es in der Organisation aber auch spezialisierte

Teams, die Klientinnen und Klienten bei der Geltendmachung

von Ansprüchen und im Einspracheverfahren unterstützen. Das

Team Sozialversicherungsrecht (SVR) setzt sich aus Fachpersonen

aus der Sozialen Arbeit und Fachpersonen mit juristischem Hintergrund

zusammen. Fallführende beauftragen dieses Team bei

der Anmeldung von Sozialversicherungsansprüchen oder wenn

ein ablehnender Vorbescheid eingeht. Für die Vertretung unterschreiben

Klientinnen und Klienten eine Vollmacht ähnlich wie

bei einer Anwaltskanzlei.

Neben diversen Beratungsdienstleistungen übernimmt das

Team Sozialversicherungsrecht jährlich 150 Begleitungen von sozialversicherungsrechtlichen

Abklärungen und 450 Vertretungen

in strittigen Verfahren. Nahezu 50 Prozent der durchgeführten

Verfahren sind zugunsten von Klientinnen und Klienten der Sozialen

Dienste Zürich finanziell erfolgreich – eine erfreulich hohe Anzahl.

Eine Unterstützung durch Spezialistinnen und Spezialisten

lohnt sich also durchaus.

Die Subsidiaritätsspinne

Die Fallführenden haben die Aufgabe, im Hilfsprozess auf mögliche

vorgelagerte Leistungen zu achten und bei Bedarf die notwendige

Unterstützung und Beratung zu leisten. Diese Aufgabe ist äusserst

wichtig und aufgrund der sich ständig verändernden

Lebenssituationen der unterstützten Personen sehr dynamisch.

Um dieser Dynamik und damit der Komplexität der Subsidiarität

gerecht zu werden, haben die Sozialen Dienste Zürich ein

Hilfsmittel für die Fallführenden entwickelt. Die Organisation

stellt den Sozialarbeitenden eine Übersicht über das komplexe

System der vorgelagerten Leistungen der sozialen Sicherheit zur

Verfügung – die Subsidiaritätsspinne. Diese deckt alle Leistungen

ab und ermöglicht im Gegensatz zu einer Checkliste auf eine einfache

und übersichtliche Art eine Vogelperspektive. In Form einer

Karte ist sie zudem bei den Personen in der Fallführung jeweils

auch physisch präsent und kann, wann immer nötig, zum Einsatz

kommen. Denn selbst wenn eine methodische Prüfung der Subsidiarität

bei der Fallaufnahme und bei der jährlichen Fallüberprüfung

stattfindet, müssen sich auch Ansprüche, die sich aufgrund

einer veränderten Lebenssituation ergeben, im Beratungskontext

schnell und unkompliziert erkennen lassen.

Die erfreulichen Zahlen der internen Fallrevision scheinen darauf

zurückschliessen zu lassen, dass die Massnahmen der Sozialen

Dienste Zürich zur Klärung der Subsidiarität erfolgreich sind:

2017 kam das Thema IV-Ansprüche in 34 Prozent der total 1203

revidierten Fälle vor. Dieser Anspruch wurde im Umfang von 90

Prozent der betroffenen Fälle korrekt geklärt, geltend gemacht

und dokumentiert. Die Ergänzungsleistungen zur AHV oder IV

kamen in 11 Prozent dieser revidierten Fälle vor und wurden in

89 Prozent der Fälle korrekt berücksichtigt und dokumentiert.

20 ZeSo 4/18 SCHWERPUNKT


Subsidiarität

Es könnte im Zeitalter der Digitalisierung überholt erscheinen,

dass sich eine grosse Organisation wie die Sozialen Dienste auf

eine Übersicht in Papierform für die Klärung von Ansprüchen entscheidet.

Die Erfahrung – und die Zahlen – zeigen aber: Eine verbindliche

persönliche Begleitung der unterstützten Personen und

ein breiter, aufmerksamer Blick auf die möglichen vorgelagerten

Leistungen helfen, im dynamischen Kontext der Sozialhilfe einen

möglichen subsidiären Anspruch festzustellen. Mit Hilfe von spezialisierten

Personen kann dieser auch geltend gemacht werden. •

Michel Mina

Leiter Fachstab Wirtschaftliche Hilfe Soziale Dienste Zürich

«Die erfreulichen Zahlen

der internen Fallrevision

scheinen darauf

schliessen zu lassen, dass

die Massnahmen der

Sozialen Dienste Zürich

zur Klärung der Subsidiarität

erfolgreich sind.»

Krankheitskosten

Zusatzleistungen Rente (inkl. Vorbezug)

Hilfsmittel

AHV

Hilflosenentschädigung

Assistenzbeitrag

BVG-Rente oder -Kapital

Pflegefinanzierung

Säule 3a und 3b

.................

Taggeld

Rente UVG (SUVA

Integritätsentschädigung oder private UV)

Hilfsmittel

Hilflosenentschädigung

KVG / VVG (wenn kein UVG)

Unfall

IV / BVG

Haftpflichtansprüche

Opferhilfe

.................

Krankentaggeld

IPV KVG

VVG

Krankheitskosten

Zusatzleistungen

Hilfsmittel

Rente

Zusatzleistungen Taggelder

Hilfsmittel

IV

Hilflosenentschädigung

Assistenzbeitrag

BVG-Rente oder -Kapital

Säule 3a und 3b

.................

Arbeitsrecht Lohnnachzahlungspflicht

Taggelder

AI-Programme und Deutschkurse

Lohn

ALV

IV berufliche Massnahmen

IV Einarbeitungszuschüsse

IV Früherfassung

.................

Alter

Krankheit / Invalidität

Arbeit

SUB-

SIDIARI-

TÄT

Vermögen

Aller Gattig

liquides Vermögen

illiquides Vermögen

Lebensgemeinschaften

Kinder

Lottogewinn usw.

Schenkungen

Fonds und Stiftungen

Hausrat-/Haftpflichtversicherung

Rechtsschutzversicherung

Opfernhilfe

Pekulium

Verwandtenunterstützungspflicht

Einnahmen aus Vermögen

.................

Bargeld

Bankguthaben

Lebensversicherung

Säule 3b

Fahrzeug

.................

Erbschaft / Nachlass

Liegenschaft

Freizügigkeitskapital (BVG) bis Alter 62 resp. 63

Säule 3a bis Alter 62 resp. 63

(Kunst-)Sammlungen

Schmuck

.................

Eheliche Unterhaltspflicht Ehegattenalimente

Konkubinat

Entschädigung für Haushaltführung

.................

Mutterschaftsentschädigung

Familienzulagen

Kinderalimente ALBV

Kinderzusatzrente (AHV / IV / BVG)

Elterliche Unterhaltspflicht

Subventionen (Krippe/Hort)

Stipendien

Hilflosenentschädigung (IV)

Hilfsmittel (IV)

.................

Zusatzleistungen

Die Subsidiaritätsspinne

der Stadt Zürich wird

an der Bieler Tagung im

März 2019 vorgestellt.


Hilfswerke und öffentliche

Sozialhilfe – von der Komplementarität

zur Subsidiarität?

Anpassungen bei der Sozialhilfe haben Auswirkungen auf die Arbeit der Hilfswerke und umgekehrt.

Diese sind seit einigen Jahren mit einer steigenden Zahl von Anfragen und Hilfsgesuchen

konfrontiert. Um die Schnittstelle zwischen der privaten und der öffentlichen Sozialhilfe zu

beleuchten, haben drei Hilfswerke eine Studie in Auftrag gegeben.

Die Sozialhilfe steht politisch seit einigen Jahren unter erhebelichem

Druck. Nun hat sich die Situation in jüngster Zeit weiter zugespitzt,

indem im Kanton Bern Parlament und Regierungsrat einer

Sozialhilfegesetzesrevision zustimmten, die es erlaubt, den

Grundbedarf generell um acht Prozent zu kürzen und besonders

bei jungen Erwachsenen die Leistungen zu reduzieren. Auch in anderen

Kantonen wurden politische Vorstösse zur Kürzung oder

Neuorganisation der Sozialhilfe überwiesen. Es herrscht demzufolge

eine Stimmung, die Menschen in Armut vermehrt davon abhält,

ihr Recht auf Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen. Als Folge

verzichten in ländlichen Gegenden bis zu fünzig Prozent der Menschen

darauf, ihr Recht geltend zu machen, obwohl sie eigentlich

ein Recht auf Sozialhilfe hätten. Statt zum Sozialdienst zu gehen,

nehmen sie, wenn überhaupt, vermehrt Beratungsdienstleistungen

von Hilfswerken in Anspruch.

Die Hilfswerke beobachten denn auch seit längerem, dass sie

eine wachsende Zahl an Anfragen und Aufgaben erreicht, die eigentlich

von der öffentlichen Sozialhilfe wahrgenommen werden

sollten. Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz im

Auftrag der Caritas, des Schweizerischen Roten Kreuzes und der

Heilsarmee untersuchte aus der Perspektive der Hilfswerke, wie

sich die Zusammenarbeit der Hilfswerke mit den Sozialdiensten

zwischen 2005 und 2015 verändert hat. Dazu wurden die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter der Auftrag gebenden Hilfswerke

online befragt und zehn kurze Fallstudien erstellt. Diese zeigen an

konkreten Beispielen, wie die öffentliche Sozialhilfe und die Hilfswerke

heute zusammenarbeiten. Die Resultate wurden mit sieben

Expertinnen und Experten gespiegelt.

Entwicklung in unterschiedliche Richtungen

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich das Verhältnis, die

Form der Zusammenarbeit und die materielle und immaterielle

Hilfe der öffentlichen Sozialhilfe und der Hilfswerke in zwei sehr

unterschiedliche Richtungen entwickelt haben. Die öffentliche Sozialhilfe

konzentriert sich mehr und mehr auf die Auszahlung der

finanziellen Unterstützungsleistungen. Die Arbeit in den Sozialdiensten

ist von Spar- und Zeitdruck geprägt. So fehlt für eine längerfristige

Begleitung und Betreuung immer häufiger die notwendige

Zeit.

Umgekehrt haben die Hilfswerke ihre Angebotspalette ausgeweitet

und die Sozialberatung mancherorts gestärkt. Sie beschäf-

tigen sich auch zunehmend mit Fragen des Sozialhilferechts. Da,

wo die Sozialdienste ihren Auftrag nicht wahrnehmen, suchen

Betroffene die Hilfswerke auf. Es kann aber keine systematische

Abschiebung von Fällen festgestellt werden. Die Sozialarbeitenden

weisen aber sehr wohl auf die Dienstleistungen der Hilfswerke

hin. Mitunter sind die Hilfswerke immer mehr damit beschäftigt,

Rechtsansprüche abzuklären, was einen grossen Teil ihrer Zeit

in Anspruch nimmt. Festgestellt wird, dass die Hilfesuchenden

ungenügend über ihre Pflichten und Rechte informiert sind. Die

Sozialdienste würden ihrerseits in vorauseilendem Gehorsam gegenüber

den Sozialbehörden in der Praxis restriktiver, wenn es um

situationsbedingte Leistungen geht. Hier springen jedoch nicht

zuerst die Hilfswerke, sondern Stiftungen ein, die mancherorts

von den Sozialdiensten direkt angegangen werden. Mit diesen

Anträgen an Stiftungen machen die Sozialdienste jedoch auch

deutlich, dass ihnen von den Kantonen und Gemeinden die notwendigen

finanziellen Mittel vorenthalten werden. Sehr kritisch

beurteilt die Studie, dass durch den Zeitdruck und den Abbau

von finanziellen Mitteln die persönliche Hilfe zu kurz kommt. Zur

persönlichen Hilfe gehören die Beratung und die Begleitung der

Armutsbetroffenen.

Neue Formen der Zusammenarbeit

Die Expertinnen und Experten äussern einhellig, dass sich die beschriebene

Entwicklung in naher Zukunft fortsetzen werde. Mehr

und mehr würden die Mittel für Integrationsmassnahmen, eine

längerfristige Hilfe und situationsbedingte Leistungen fehlen. Die

Studienautorinnen und -autoren folgern daraus, dass sich hier ein

Handlungsraum für Hilfswerke eröffnen könnte. Dazu müssten

diese jedoch ihre Rolle in der sozialen Sicherheit neu überdenken,

ihre Angebote weiter ausdifferenzieren und mehr Mittel beschaffen.

Dazu müssten auch neue Formen der Zusammenarbeit mit

den Sozialdiensten etabliert werden, etwa im Rahmen von Leistungsaufträgen.

Es gibt jedoch eine Alternative zur beschriebenen Entwicklung.

Sie besteht darin, die öffentliche Sozialhilfe zu stärken und

eine selbstbewusste Rolle im System der sozialen Sicherheit der

Schweiz zu beanspruchen. Zurzeit sind in den Kantonen und Städten

unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten. Während die

einen Kantone Abbaumassnahmen durchsetzen wollen, wählt

etwa die Stadt Zürich neue Wege im Umgang mit Sozialhilfebe-

22 ZeSo 4/18 SCHWERPUNKT


Subsidiarität

Hilfswerke wie die Caritas bieten Armutsbetroffenen eine Reihe von Dienstleistungen an.

Bild: Caritas Schweiz

ziehenden. Sie möchte mindestens diejenigen, die über Chancen

auf dem Arbeitsmarkt verfügen, durch Weiterbildung und enge

Begleitung fördern. Seit längerem fördert auch der Kanton Waadt

Jugendliche mit Stipendien, damit sie eine Ausbildung in Angriff

nehmen oder eine solche abschliessen können. Oder die Stadt

Winterthur stockt ihr Personal auf, um die persönliche Hilfe wieder

besser wahrnehmen zu können.

«Die Stadt Winterthur stockt

ihr Personal auf, um die persönliche

Hilfe wieder besser

wahrnehmen zu können.»

Vier Handlungsempfehlungen

Die Studie spricht für die Hilfswerke und die Sozialdienste vier

Handlungsempfehlungen aus, wofür sie sich einsetzen sollten.

Erstens müsste die Rechtsstaatlichkeit in der Sozialhilfe weiterhin

(oder wieder) vollumfänglich garantiert werden. Dazu sollten die

Hilfswerke ihre Beratungsstellen im Sozialhilferecht ausbauen.

Zweitens müssten die Beratung und Begleitung der Armutsbetroffenen

auf den Sozialdiensten wieder mehr Gewicht erhalten, wozu

natürlich wieder mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt

werden müssten. Als drittes müsste die Finanzierung der situationsbedingten

Leistungen überdacht werden. Diese müssten aus

Mitteln der Sozialhilfe und nicht durch Stiftungen beansprucht

werden. Und viertens sind die Hilfswerke dazu aufgefordert, sich

noch viel stärker einzumischen und zu Wort zu melden, wenn sie

Fehlentwicklungen bei der Sozialhilfe beobachten. Denn: Die Zukunft

der Sozialhilfe betrifft die Arbeit der privaten Hilfswerke

ganz direkt und konkret.


Marianne Hochuli

Leiterin der Grundlagen Caritas Schweiz

Link:

Prof. Dr. Carlo Knöpfel, Patricia Frei, Sandra Janett: Hilfswerke und öffentliche

Sozialhilfe – von der Komplementarität zur Subsidiarität?

https://www.caritas.ch/de/news/studie-oeffentliche-sozialhilfe-mussgestaerkt-werden.html

SCHWERPUNKT 4/18 ZeSo


«Fast jeder Antrag auf eine

IV-Rente wird zuerst abgelehnt»

NACHGEFRAGT Die Prüfung der vorgelagerten oder ergänzenden Ansprüche

sind eine anspruchsvolle Aufgabe für die Sozialdienste. Die verschärften

Kriterien im Bereich der Invalidenversicherung, der Prämienverbilligung oder

familienrechtlicher Beiträge stellen hohe Anforderungen an die Sozialarbeitenden.

Vor allem die Begleitung im IV-Abklärungsverfahren kann viel Zeit in Anspruch

nehmen, sagt Susanne Beck vom Sozialdienst der Gemeinde Reinach (BL).

«ZESO»: Frau Beck, die Sozialhilfe ist das letzte Auffangnetz für

in Not geratene Menschen. Sozialhilfe wird nur dann gewährt,

wenn die bedürftige Person sich nicht selbst helfen kann, und

wenn Hilfe von dritter Seite, beispielsweise Leistungen der

Sozialversicherungen, nicht oder nicht rechtzeitig erhältlich ist.

Das bedeutet, dass Sozialdienste viel Aufwand für die Abklärung

vorgelagerter Möglichkeiten und Ansprüche betreiben müssen.

Welche Schnittstelle ist die schwierigste für Ihren Sozialdienst?

Susanne Beck: Baselland hat ein kompliziertes System

für die Kontrolle über die Beantragung, Auszahlung und

Verrechnung der Krankenkassen-Prämienverbilligung. Das

Prozedere ist daher anspruchsvoll. Verfahren mit der Invalidenversicherung

dauern oft mehrere Jahre, das Verfahren bei

Einsprachen ist komplex und auch die Verrechnung von rückwirkenden

Renten- oder Ergänzungsleistungen muss genau

kontrolliert werden und erfordert profunde Fachkenntnisse.

Wie viel Zeit beansprucht die Subsidiaritätsprüfung in Ihrem

Sozialdienst?

Das ist nicht einfach in Prozentzahlen zu beantworten: Bei

der Anmeldung für den Sozialhilfebezug werden alle Subsidiaritäten

systematisch geprüft. In unserem Dienst machen reine

Subsidiaritätsprüfungen – also ob eine Berechtigung für

Sozialversicherungsleistungen, familienrechtliche Beiträge

oder Ähnliches besteht –, einen relativ kleinen Teil der Arbeit

aus. Die Begleitung und Koordination im IV-Abklärungsverfahren

hingegen kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

Wie zuverlässig und fachlich korrekt kann ein Sozialdienst

Subsidiaritätsprüfungen überhaupt erledigen?

Fehleranfälliger als Subsidiaritätsprüfungen bei Neuanmeldungen

sind solche, die immer wieder gemacht werden

müssen, zum Beispiel die Kontrolle darüber, ob Stipendienanträge

jährlich neu gestellt werden und ob die für die Auszahlung

nötigen Zeugnisse regelmässig eingeschickt werden.

Zu hören ist häufig, dass die Abklärung der IV-

Anspruchsberechtigung sehr langwierig geworden ist. Hat sich

die Situation in den letzten Jahren verändert, sind die Verfahren

aufwändiger geworden?

Ja, fast jeder Antrag auf eine IV-Rente wird zuerst abgelehnt.

Einsprachen haben hingegen nicht selten Aussicht auf Erfolg.

Aufgrund der Ablehnung von Renten oder der Auflagen, die für

einen längerfristigen Rentenerhalt erfüllt sein müssen, verbleiben

viele kranke bzw. nicht arbeitsfähige Personen über Jahre

Sozialhilfebezüger. Für sie müssen Massnahmen zur Integration

in den ersten Arbeitsmarkt aufgegleist werden, die wenig

Aussicht auf Erfolg haben. Aber auch die Hürden um Arbeitslosentaggelder

zu erhalten, sind recht hoch.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Schnittstelle KESB gemacht?

Die Schnittstellen zwischen KESB und Sozialhilfebehörden

sind in Baselland regional und kommunal sehr unterschiedlich,

da verschiedenartige Organisationsmodelle der KESB vorhanden

sind. Es gibt Regionen, in denen die Finanzierung von Kindesschutzmassnahmen

durch die Gemeinde vollständig vom

Sozialhilfebudget abgekoppelt ist. In anderen Gebieten werden

die Sozialhilfebehörden beispielsweise von der KESB gebeten,

sich an der Finanzierung von Kindesschutzmassnahmen zu

beteiligen. Es führt immer wieder zu Unmut bei den Sozialhilfebehörden,

dass sie für von der KESB verfügte Massnahmen

aufkommen müssen, ohne ein Mitspracherecht zu haben, ob

sie die Massnahmen als angezeigt und die Kosten dafür als

adäquat erachten. Ausserdem gibt es eine Schnittstelle, wenn

eine erwachsene Person verbeiständet ist und eine stationäre

Drogentherapie absolviert. Von kantonsärztlicher Seite her wird

dann verfügt, dass die Sozialhilfebehörde für die Kosten aufzukommen

hat. In Baselland ist das Thema besonders deshalb

brisant, weil es einerseits viele sehr kleine Gemeinden gibt und

andererseits die Finanzkraft regional sehr unterschiedlich ist.

Subsidiaritätsprüfungen sind anspruchsvoll und erfordern viel

Fachwissen. Wann und wo geraten die Sozialarbeitende an Grenzen?

Subsidiaritätsprüfungen sind sehr komplex. Die Kenntnis

aller Subsidiaritäten erfordert viel Erfahrung. Dann bedürfen

wiederkehrende und neue Subsidiaritäten regelmässiger

24 ZeSo 4/18 SCHWERPUNKT


Ergänzungsleistungen statt

Sozialhilfe für ältere Arbeitslose

FACHBEITRAG Ältere Arbeitslose sollen über die Rahmenfrist der Arbeitslosenversicherung hinaus

durch die Regionale Arbeitsvermittlung betreut werden und dabei Ergänzungsleistungen statt Sozialhilfe

erhalten. Diese von der SKOS vorgeschlagene Lösung ist rechtlich rasch umsetzbar und

finanziell tragbar, wie zwei im Auftrag der SKOS erstellte Gutachten zeigen. Jetzt ist die Politik am Zug.

Dr. Daniel Leuenberger, IT-Experte, seit

vier Jahren arbeitslos, 2016 ausgesteuert.

René Niederer, eidg. dipl. Sozialversicherungsexperte,

letzten Oktober ausgesteuert;

Jürg Kellenberger, HR-Fachmann und

Ausbilder mit eidg. FA, 450 schriftliche

und individuell abgefasste Bewerbungen,

2017 ausgesteuert. Ältere Arbeitslose,

auch hoch qualifizierte, finden in der

Schweiz überdurchschnittlich oft keinen

Zugang mehr zum Arbeitsmarkt. Während

in der OECD 47 Prozent der über 55-jährigen

Arbeitslosen nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit

keine Stelle hatten, sind es in

der Schweiz 59 Prozent.

Ältere Arbeitslose dürfen nicht definitiv

aus dem Arbeitsmarkt herausfallen und

in die Sozialhilfe abgedrängt werden. Die

SKOS hat deshalb im November einen

Vorschlag präsentiert, damit über 55-Jährige

auch nach der Aussteuerung durch die

RAV in den Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Anstelle von Sozialhilfe sollen ältere

Arbeitsuchende Ergänzungsleistungen

erhalten. Die SKOS gab zwei Gutachten in

Auftrag, um die finanziellen Folgen und

die rechtlichen Anforderungen des Modells

Ergänzungsleistungen für ältere Arbeitslose

(ELA) abklären zu lassen.

«Der Vorschlag der SKOS will in erster

Linie erreichen, dass ältere Personen wieder

eine Stelle finden. Es geht nicht um

eine vorgezogene Rente», betonte Felix

Wolffers, Co-Präsident der SKOS, an einer

Medienkonferenz Anfang November. Ergänzungsleistungen

soll nur erhalten, wer

sich weiter um eine Stelle bemüht und vor

der Aussteuerung längere Zeit gearbeitet

hat. «Mit den Ergänzungsleistungen werden

ältere Ausgesteuerte besser behandelt

als heute. Zugleich werden diese Personen

vor Altersarmut geschützt», hält Felix Wolffers

fest.

Finanzielle Folgen

Pro Jahr werden zirka 4000 Personen im

Alter von 57 bis 62 Jahren ausgesteuert.

Sie sollen von den Massnahmen zur Wiedereingliederung

und Existenzsicherung

profitieren können. Gemäss den «Berechnungen

zur nachhaltigen Verbesserung der

Lebenslage von älteren Arbeitnehmenden»

der unabhängigen Beraterfirma Interface

belaufen sich die Mehrkosten der neuen

Abb. 1:

Stark steigende Quote von älteren

Sozialhilfeempfängern

Abb. 2:

55 plus in der Sozialhilfe: Markanter Anstieg im

Vergleich zu IV, ALV und Bevölkerung

Index

0–17 Jahre

18–25 Jahre

26–35 Jahre

36–45 Jahre

46–55 Jahre

56–64 Jahre

Index

Sozialhilfe

IV

ALV

Bevölkerung

130

150

125

140

120

115

110

105

100

130

120

110

100

95

90

90

80

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2010

2016

Quelle: SKOS/BFS

Quelle: SKOS/BFS

26

ZeSo 4/18


Ergänzungsleistungen netto auf 25 Mio.

Franken. 298 Mio. Franken Mehrkosten

bei den Ergänzungsleistungen stehen 139

Mio. Minderausgaben bei der Sozialhilfe

und 134 Mio. Minderausgaben bei den

EL zur AHV gegenüber. Letzteres, weil

durch den Bezug der EL vor der Pensionierung

eher die Armut im Alter vermieden

wird. Die Lösung führt insgesamt zu einer

Entlastung der Kantone und Gemeinden

und einer mässigen Mehrbelastung des

Bundes.

Was die Umsetzung des SKOS-Vorschlags

für ältere Arbeitslose angeht, so hat

das Gutachten des Arbeitsrechtsexperten

Gerhard Hauser gezeigt, dass eine gesetzliche

Regelung möglich ist – und zwar

ohne Verfassungsänderung. Der Gesetzgeber

kann sich für die gesetzliche Regelung

der ELA auf den Verfassungsartikel Art.

114 Abs. 5 BV stützen, welcher es dem

Bund erlaubt, «Vorschriften über die Arbeitslosenfürsorge

zu erlassen». Diese Gesetzgebungskompetenz

kann ausgeschöpft

werden, wenn die soziale Sicherung von

Arbeitslosen weder durch die ALV noch

durch die Sozialhilfe befriedigend sichergestellt

ist, so die Schlussfolgerung von

Hauser. Die Lösung ist also auf dem Gesetzesweg

und damit rasch umsetzbar, wie

der Rechtsanwalt sagt.

Die SKOS hat auf dieser Grundlage

einen ausgearbeiteten Vorschlag für die

nötige Anpassung des geltenden Rechts

vorgelegt. Dabei hat sie besonders darauf

geachtet, dass die neuen Ergänzungsleistungen

mit dem EU-Recht im Einklang

stehen. Die vorgeschlagene Regelung verhindert

insbesondere einen Leistungsexport

in die EU. Die Lösung für die über

55-Jährigen wurde deshalb nicht wie

ursprünglich geplant im Rahmen der Arbeitslosenversicherung

gesucht, sondern

im Gesetz über die Ergänzungsleistungen.

Im Zusammenspiel dieser Rechtsgebiete

wurde ein Vorschlag entwickelt, der die

konkreten Probleme lösen hilft, ohne

falsche Anreize zu setzen. Die vorgeschlagene

Lösung geht davon aus, dass Personen

nach dem vollendeten 57. Altersjahr

EL beziehen dürfen, wenn sie unmittelbar

vor dem 55. Geburtstag oder bei einer späteren

Arbeitslosigkeit 10 Jahre dauerhaft

erwerbstätig waren.

Handeln tut not

Tatsache ist: Ältere Arbeitnehmende, haben

in der Schweiz , im Gegensatz zu anderen

europäischen Ländern keinen Kündigungsschutz.

Verlieren sie ihre Stelle,

gelingt heutzutage nur noch selten die dauerhafte

Rückkehr in den Arbeitsmarkt.

Überdurchschnittlich oft werden ältere Arbeitslose

von der Arbeitslosenversicherung

ausgesteuert. Und danach sinkt die Chance

auf eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt

immer weiter. Nur noch jede siebte ausgesteuerte

Person, die über 55 ist, findet wieder

eine Arbeit mit einem existenzsichernden

Einkommen. Die SKOS hatte auf diese

besorgniserregende Entwicklung in den

letzten Jahren bereits an ihrer Medienkonferenz

im Februar hingewiesen. •

Ingrid Hess

Abb. 3:

Anzahl Personen im neuen System der ELA

Abb. 4:

Verteilung der Kosten auf Bund, Kantone

und Gemeinden

Pers.

Ausgesteuerte pro Jahr

System ELA kumuliert

ELA-Beziehende kumuliert

Mio.

Gemeinde und Kantone

Bund

10 000

250

9000

8000

7000

6000

5000

4000

3000

2000

1000

200

150

100

50

0

-50

-100

-150

298

ELA

-138.9

SA

-133.8

EL AHV

25.3

Total

0

-200

2020

2021

2022

2023

2024

2025

2026

2027

2028

2029

Die innerkantonale Verteilung der Kosten variiert aufgrund der

unterschiedlichen Lastenausgleichssysteme im Bereich der Sozialhilfe.

Quelle: Interface

Quelle: Interface

4/18 ZeSo

27


Manche finden hier ihr kleines

Glück wieder

REPORTAGE Menschen mit psychischen Leiden oder Suchterkrankungen können hier noch einmal neu

anfangen und Schritt für Schritt zu ihrem Gleichgewicht zurückfinden. Manche finden in der Stiftung

Werk- und Wohnhaus zur Weid im zürcherischen Mettmenstetten einen Grund, um morgens wieder

aufzustehen. Und manche finden hier sogar ihr kleines Glück.

Es ist Herbst geworden. Die Arbeiterinnen

und Arbeiter auf den Feldern im Weiler

Rossau bereiten den Boden für den Winter

vor, das Unkraut muss weg. Gleichzeitig

bekommen sie selber durch die Arbeit wieder

festen Boden unter den Füssen. Denn

sie haben schon einiges versucht, um ihr

Leben in eine andere Richtung zu lenken.

Suchterkrankungen und psychische Beeinträchtigungen

haben ihnen das Leben

schwergemacht. Jetzt wohnen und arbeiten

sie in der Stiftung Werk- und Wohnhaus

zur Weid in Rossau bei Mettmenstetten

ZH. Ihr Ziel: Stabilität erlangen, um

einen neuen Weg einzuschlagen, sich sozial

und beruflich wieder integrieren, um einen

Platz in der Gemeinschaft zu finden.

Froh, wieder arbeiten zu können

Arbeit sei hierzu sehr wichtig, sagt Hansruedi

Sommer. Er leitet das Werk- und Wohnhaus

zur Weid seit 24 Jahren. Er wohnt zusammen

mit seiner Frau auf dem Gelände,

seine drei erwachsenen Töchter sind hier

gross geworden. Bald wird er pensioniert

werden und wegziehen. Noch ist der gelernte

Agronom aber voll bei der Sache. Bei der

Stiftung zur Weid werden Frauen und Männern,

die auf dem freien Arbeitsmarkt keine

Chance hätten, eine Stelle zu finden, in einem

geschützten Rahmen Arbeitsmöglichkeiten

angeboten. Die Arbeit ist verbindlich:

Wer nach Rossau in die Weid kommen

will, tut dies freiwillig, muss aber eine Vereinbarung

und einen Arbeitsvertrag unterzeichnen

und diese einhalten. «Voraussetzung

für den Aufenthalt ist der Wille, die

persönliche Situation zu verbessern», heisst

es auf der Homepage. 75 Prozent der 70

Frauen und Männer erhalten eine IV-Rente,

die anderen kommen über die Sozialhilfe

ins Werk- und Wohnhaus. «Sie könnten sich

auch sagen: Ich bekomme eine Rente, ich

muss nicht arbeiten. Die meisten sind aber

froh, eine Aufgabe zu haben. Sie gibt ihnen

am Morgen einen Grund zum Aufstehen»,

sagt Hansruedi Sommer. Viele der Bewohnerinnen

und Bewohner sind durch ihre

psychischen Leiden oder Suchtgeschichten

kognitiv eingeschränkt.

Die Bewohnerinnen und Bewohner

leben in einer Hausgemeinschaft und arbeiten

in den verschiedenen hauseigenen

Betrieben: Dem Agrarbetrieb mit Tierhaltung

und Pflanzenbau, dem Bio-Laden,

haben Einsamkeit erlebt. «Sie haben Beziehungsabbrüche

durchgemacht. Bei uns

können sie wieder neu anfangen.» Die

Schicksalsgemeinschaft bei der Arbeit,

beim Essen oder einfach draussen beim

Rauchen sei für viele etwas Gutes. Manchmal

kommt es sogar so weit, dass Menschen

in Rossau ihr kleines Glück finden.

Zum Beispiel die Frau Anfang 50, die in

der Werkstatt Schrauben in Schachteln abpackt.

100 Stück müssen in eine Schachwo

eigene und aus der Region stammende

Produkte verkauft werden, der Schreinerei

sowie der Küche und dem Hausdienst. In

allen diesen Betrieben arbeiten auch Externe,

die auf Unterstützung bei der Arbeit

angewiesen sind, jedoch auswärts wohnen.

Soziale Integration ist zentral

Die soziale Integration sei in der Weid zentral,

sagt Hansruedi Sommer. Schwere psychische

Erkrankung und Alkoholsucht

führten oft zur Zerrüttung der Familien,

viele der Bewohnerinnen und Bewohner

28 ZeSo 4/18


tel. Die Frau stellt eine Schachtel auf die

Waage, füllt Schrauben hinein, bis die

Waage 100 anzeigt. Sie stellt die nächste

Schachtel auf die Waage, ist konzentriert

und lässt sich nur ungern auf einen

Schwatz ein. «Sie ist eine sehr gute Mitarbeiterin»,

lobt sie der Geschäftsleiter. Die

Frau hat es geschafft, sich in ihrer beruflichen

Nische zu behaupten. Und sie hat

auch ihr privates Glück gefunden: Ihren

Freund, mit dem sie sich eine kleine Zwei-

Zimmer-Wohnung teilt. Auch ihren Alkoholkonsum

hat sie im Griff: Sie trinkt nur

so viel, dass es ihrer Gesundheit nicht zu

fest schadet. In der Weid wird zudem verlangt,

dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

nüchtern zur Arbeit erscheinen.

Kontrollierter Alkoholkonsum

Die Bewohnerinnen und Bewohner in der

Weid müssen nicht abstinent leben, sie

müssen aber einen kontrollierten Umgang

mit Alkohol erlernen und leben. Im Weid-

Kafi, das sich mitten auf dem Gelände befindet

und das auch ein beliebter Treffpunkt

für Besucherinnen und Besucher

von aussen ist, können die Bewohnerinnen

und Bewohner Alkohol bestellen. «Hier

spielt die soziale Kontrolle», beobachtet

Hansruedi Sommer. Wenn jemand zu viel

trinke und eine Grenze überschreite, so

schreite das Personal ein. Das passiere aber

selten, da das Weid-Kafi ein öffentlicher

Ort mit externen Gästen sei. Vor dem Kafi

befindet sich ein Spielplatz, ein beliebter

Treffpunkt von Eltern mit Kleinkindern.

Vor den Kindern möchten die Bewohnerinnen

und Bewohner gut dastehen und sie

achten etwa darauf, ihre Zigarettenstummel

im Aschenbecher zu entsorgen und

nicht achtlos wegzuwerfen.

Die meisten bleiben fünf Jahre

In vielen Fällen gelinge es den Bewohnerinnen

und Bewohnern tatsächlich, eine

Die meisten Bewohner sind froh, eine

Aufgabe zu haben.

Bilder: Meinrad Schade

Stabilisierung ihrer Lebenssituation zu erreichen

und einen neuen Lebensweg einzuschlagen,

stellt Hansruedi Sommer fest.

Die Mehrzahl bleibt fünf Jahre. Es gibt

Frauen und Männer, die nur bis zu einem

Jahr bleiben, andere über 10 Jahre. Die

jüngsten Klientinnen und Klienten sind

unter 30 Jahre alt, die ältesten 70 und älter.

Das Durchschnittsalter betrug 2017

44.7 Jahre.

Schrauben und Schmetterlinge

Während ihrer Zeit in der Weid säen und

ernten die Bewohnerinnen und Bewohner

Gemüse, sehen Kälber zur Welt kommen,

sie fertigen Holztaburette an und verzieren

sie, stellen Memorys her und Schmetterlinge

aus Holz. Ein junge Mann , der normalerweise

für die Schmetterlingsflügel zuständig

ist, muss heute Spezialschrauben

zu je 50 Stück in Säckchen abpacken. Er

sei seit fast zwei Jahren in der Weid, sagt er.

Ihm sei es schlecht gegangen, nach einer

psychischen Erkrankung schaffte er es

nicht mehr zu essen. Das betreute Wohnen

tue ihm gut, sagt er. Er schätze die guten

Gespräche, die Tagesstruktur. «Ich bin auf

gutem Weg.» Er lächelt und wendet sich sogleich

wieder seiner Arbeit zu.

Ein älterer Mann mit Bart verrichtet

eine ganz andere Arbeit. Er zersägt grosse

Holzbretter auf der Schneidmaschine. Früher

war er Hilfsgärtner. «Ich hatte mit Alkohol

und Depressionen zu tun», erzählt er.

Jetzt will er nicht mehr so leben. Er nimmt

Medikamente gegen die Depression, auf

den Alkohol verzichtet er ganz. Im Werkund

Wohnhaus zur Weid gefällt es ihm.

Es seien gute Leute hier. «Ich bin auch viel

unterwegs», erzählt er. Der Mann fährt mit

seinem Töffli in die Innerschweiz, wo er

herkommt. Und dann hat er sich, so ganz

nebenbei beigebracht, Röhrenverstärker

zu bauen. Wie man diese elektronischen

Verstärker niederfrequentierter elektrischer

Signale zusammenbastelt, hat er sich

selber aus Fachbüchern angeeignet. Auch

er scheint zu einem neuen, kleinen Glück

gefunden zu haben.


Catherine Arber

4/18 ZeSo

29


Jede Frau kann sich wehren

PLATTFORM Seit 25 Jahren bietet die IG Pallas in der ganzen Schweiz Selbstverteidigungskurse für

Mädchen und Frauen an. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde die Interessensgemeinschaft

rund um Präsidentin Silvia Bren kürzlich mit dem «Prix sozialinfo.ch» ausgezeichnet.

Derzeit wird das Thema Gewalt an Frauen

medial breit diskutiert. Jedes fünfte Mädchen

hat bereits sexuelle Gewalt, jede

fünfte Frau mindestens einmal in ihrem

Leben häusliche Gewalt erlebt. Diese Zahlen

verdeutlichen, wie wichtig die Arbeit

der IG Pallas ist. Die Interessengemeinschaft

setzt sich seit 25 Jahren für aktive

Gewalt- und Sicherheitsprävention ein.

Sie bietet in der gesamten Schweiz Selbstverteidigungskurse

für Frauen und Mädchen

an und bildet selbst Trainerinnen

aus.

Hinter Pallas steht ein engagiertes Leitungsteam

mit Silvia Bren als Präsidentin.

Silvia Bren ist seit Beginn dabei und

beschreibt sich selbst als Vulkan mit viel

Energie, vor allem wenn es um die Umsetzung

von Ideen und Projekten gehe. Sie

und das gesamte Leitungsteam arbeiten

ehrenamtlich. Für das ehrenamtliche und

starke persönliche Engagement der Beteiligten

wurde die IG vergangenen Juni mit

einem mit 5000 Franken dotierten Preis

des Vereins sozialinfo.ch ausgezeichnet.

Für die Zukunft der IG Pallas wünscht sich

Silvia Bren jedoch, dass sie die Vereinsstruktur

nicht mehr ehrenamtlich führen

muss, sondern den Frauen, die sich engagieren,

einen Lohn zahlen kann.

Einfache und einprägsame Techniken

Die IG Pallas hat vor 25 Jahren angefangen,

Selbstverteidigungskurse für Frauen

anzubieten. Bald aber zeigte sich, dass die

Nachfrage für Kurse für weitere Gruppen

besteht. Heute werden Trainings für Kinder,

Seniorinnen und Senioren, Menschen

mit einem Handicap, Frauen, die Gewalt

erlebt haben, Pflegepersonal sowie für weitere

Gruppen angeboten. Dabei will Pallas

in allen Kursen vermitteln, dass man sich

wehren kann und wehren darf. Jede Person

könne sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten

verteidigen, so Silvia Bren. Geübt werden

Techniken, die in relativ kurzer Zeit erworben

werden können und an die sich die

Teilnehmerinnen auch noch ein Jahr später

erinnern.

Eine der ersten Übungen in den Pallas-Kursen ist es, laut «Stopp» zu rufen.

Silvia Bren betont, dass die Kurse Sicherheit

vermitteln sollen und die eigene

Kraft gestärkt werden soll. Den Teilnehmerinnen

sollen nicht Angst und

Unsicherheit vermittelt werden, sondern

sie sollen nach dem Kurs mit einem positiven

Gefühl nach Hause gehen. Alle Kurse

haben das Ziel, das Selbstvertrauen zu

stärken. «Wer selbstbewusst ist, strahlt das

auch aus und wird so weniger häufig zum

Opfer», erklärt Bren. Schulmädchen müssen

vor allem gezeigt werden, dass sie fähig

sind, sich zu wehren. Im Kurs ist eine der

ersten Übungen laut «Nein» und «Stopp»

zu rufen. Merken die Mädchen, dass sie

laut rufen können und genug Kraft haben,

Bild: zvg

sich aus einem Griff zu befreien, haben

sie automatisch mehr Selbstvertrauen und

strahlen das auch aus. «Die Mädchen sind

dann manchmal fast enttäuscht, wenn sie

auf dem Pausenplatz die geübten Techniken

aus dem Kurs nicht mehr anwenden

können», sagt Silvia Bren und muss ein

bisschen schmunzeln. Solche Geschichten

zeigen der Präsidentin von der IG Pallas,

dass viel im Kopf passiert und eine positive,

selbstbewusste Ausstrahlung oft ausreicht.


Tanja Aegerter

www.pallas.ch

30 ZeSo 4/18


Neues UVG – für Praktikas ist die

Versicherung jetzt obligatorisch

FACHBEITRAG Das Bundesgericht hat in seinem Urteil vom August 2017 festgehalten, dass Personen,

die im Rahmen der Sozialhilfe Praktikas absolvieren, der obligatorischen Unfallversicherung

unterstehen (vgl. Zeso 3/18). Die Suva führt nachfolgend aus, wie sich das Urteil für

Sozialhilfeempfänger auswirkt.

Als versicherte Personen nach UVG gelten

nach dem Bundesgerichtsurteil Sozialhilfeempfangende,

welche eine berufliche

Ausbildung im Sinne eines Praktikums

absolvieren (das heisst berufliche Integration

mit Ausbildungszweck). Dieses Praktikum

kann sowohl den ersten als auch den

zweiten Arbeitsmarkt betreffen. Im gleichen

Rahmen sind Flüchtlinge/Asylsuchende

versichert. Versichert ist obiger

Personenkreis auch bei einem Arbeitseinsatz

ohne AHV-Lohn, wenn seitens des

Einsatzbetriebes ein relevantes wirtschaftliches

Interesse an der Arbeitsleistung der

eingesetzten Person besteht.

Hingegen entsteht keine Unfallversicherungsdeckung,

wenn die Beschäftigung

vorwiegend der Angewöhnung an

eine Tagesstruktur oder dem Erlernen bzw.

der Wiederherstellung von grundlegenden

Kompetenzen wie Pünktlichkeit, Organisation

und dergleichen dient, also kein

berufliches Ausbildungsziel damit verfolgt

wird. In diesen Fällen besteht in der Regel

kein relevantes Interesse des Einsatzbetriebes

an der Arbeitsleistung der Person.

Diese Beschäftigung wird meist als soziale

Integration bezeichnet und von Eingliederungsinstitutionen

im zweiten Arbeitsmarkt

angeboten.

Prämienbezug

Gegenüber der Suva ist der Arbeitgeber (in

der Regel der Einsatzbetrieb) prämienpflichtig,

was bedeutet, dass die gesamte

Prämie immer direkt dort eingefordert

wird. Mit Blick auf das genannte Urteil

vom August 2017 nimmt die Suva die Prämienerhebung

für die genannte Personengruppe

grundsätzlich per Anfang 2018

vor. Sie behält sich eine Einzelfallbeurteilung

mit abweichendem Prämienbezug

vor. Die Betriebe müssen die Lohndeklaration

2018 entsprechend ausfüllen.

Verunfallt die eingesetzte Person in

einem von der Suva erfassten Betrieb des

ersten Arbeitsmarktes, wirken sich Versicherungsleistungen

auf Antrag des betroffenen

Betriebes grundsätzlich nicht auf die

Prämien aus.

Umfang der wichtigsten Versicherungsleistungen

Erleidet eine sozialhilfeempfangende Person

während des Arbeitseinsatzes ein versichertes

Ereignis (Unfall oder Berufskrankheit),

so hat sie dieses umgehend dem

Einsatzbetrieb zu melden, allenfalls mit

Unterstützung der zuständigen Sozialhilfe-

Stelle. Der Einsatzbetrieb seinerseits meldet

das Ereignis unverzüglich der Suva.

Die Unfallmeldung muss einen Hinweis

auf den Arbeitseinsatz im Rahmen der Sozialhilfe

enthalten. Nur damit kann sichergestellt

werden, dass der Einsatzbetrieb

keine negativen Auswirkungen auf die Prämienhöhe

erfährt.

Die umgehende Anmeldung ist wichtig,

damit die Suva ihre Zuständigkeit für das

gemeldete Ereignis prüfen und zeitnah die

versicherten Leistungen ausrichten kann.

Im Gegensatz zur Krankenversicherung

ist die Suva für die Heilbehandlung

gegenüber den Leistungserbringern (Spitäler,

Ärzte, Therapeuten, Apotheken etc.)

direkt Honorarschuldner. Daher ist es

wichtig, diese zu orientieren, dass die Suva

für die Folgen eines Unfalles aufkommt.

Anerkennt die Suva ihre Leistungspflicht,

bestätigt sie dies mittels eines Anerkennungsschreibens.

Es empfiehlt sich, das

Dokument den Leistungserbringern vorzuzeigen,

damit diese ihre Aufwendungen

direkt bei der Suva einfordern können. Die

Suva kennt weder Franchise noch Selbstbehalt.

Erleidet eine verunfallte Person eine

Arbeitsunfähigkeit, richtet die Suva ein

Taggeld in der Höhe von 80 % des versicherten

Verdienstes ab dem dritten Tag

nach Unfall aus. Ereignet sich ein Unfall

z.B. am 15.9., dann besteht ab dem 18.9.

Anspruch auf ein Taggeld. Als versicherter

Verdienst bei einem Praktikum ohne

Lohn wird dabei von einem Tagesverdienst

von CHF 81.20 ausgegangen, resp. CHF

40.60 bei einer Person, welche das 20.

Altersjahr noch nicht vollendet hat. Eine

zeitliche Grenze für das Erbringen von

Taggeldleistungen sieht das UVG nicht

vor. Der Anspruch erlischt mit dem Wiedererlangen

der vollen Arbeitsfähigkeit,

mit dem Beginn einer Rente oder dem Tod

des Versicherten.

Je nach Schwere der Verletzungen und

deren Folgen richtet die Suva auch Rentenleistungen

sowie allenfalls eine Integritätsentschädigung

aus. Für die Folgen

eines anerkannten Unfalles bleibt die Suva

zuständig, und zwar unabhängig davon,

ob der von der Sozialhilfe organisierte Arbeitseinsatz

weiterhin besteht oder dieser

in der Zwischenzeit beendet wurde. Auch

bei Rückfällen oder Spätfolgen erbringt sie

ihre Leistungen.

Taggeldleistungen können an

Sozialhilfe abgetreten werden

Anspruchsberechtigt für das Taggeld ist

die versicherte Person. Soweit die Sozialhilfe

Vorschussleistungen erbringt, können

die Taggeldleistungen an sie abgetreten

werden. Hierfür ist entweder eine schriftliche

Vereinbarung erforderlich oder die

Behörde erlässt eine entsprechende Verfügung

und stellt sie der Suva zum Vollzug

zu.


Christoph Schneider

Projektleiter Suva

4/18 ZeSo

31


Sanktionieren in der Sozialhilfe

FACHBEITRAG Die Möglichkeit von Sanktionen, welche unter das bisher von der SKOS definierte absolute

Existenzminimum reichen, bedeutet für Sozialarbeitende eine enorme Verantwortung. Psychosoziale

Krisen oder auch Delinquenz können die Folgen sein, während die angestrebte Verbesserung

der Lebenslage laut Studien kaum je durch Sanktionen erreicht wird. Dennoch kann das Sanktionieren

als Intervention der Sozialen Arbeit je nach Vorgehensweise für die Betroffenen förderlich bzw.

hinderlich sein.

32 ZeSo 4/18

Als sanktionierende Massnahme wird die

Kürzung der finanziellen Leistungen, für

die ein Anspruch ausgewiesen ist, verstanden.

Nicht gemeint sind Rückerstattungen

oder das Einrechnen subsidiärer Ansprüche

ins Budget. Das Vorgehen einiger Gemeinden

hingegen, Teillohnstellen im

zweiten Arbeitsmarkt «anzubieten» und bei

deren Verweigerung den «Lohn» als Einnahme

anzurechnen, entspricht faktisch

dem Durchsetzen der Arbeitsnorm mittels

Kürzung des Existenzminimums, also einer

Sanktion.

Der aktuelle öffentliche Diskurs versteht

Lebensrisiken nicht mehr als normalen Bestandteil

menschlichen Lebens und strukturell

mitverursacht, sondern ordnet diese

der individuellen Lebensführung und

damit der individuellen Schuld zu. Dies

wiederum erhöht den Legitimationsdruck

der Sozialhilfe und damit auch den Druck

insgesamt auf die Sozialarbeitenden, jegliches

Fehlverhalten zu ahnden. Die Gefahr

besteht, dass die Definition dessen, was als

normal bzw. abweichend zu verstehen ist,

vermehrt unreflektiert aus dem öffentlichen

Diskurs übernommen wird.

Der Berufskodex der Sozialen Arbeit

sieht vor, dass Sozialarbeitende von Leistungsbeziehenden

im Sinne des Förderns

und Forderns zwar Gegenleistungen einfordern.

Dies soll jedoch nicht mittels

Sanktion durchgesetzt, sondern mit anderen

Mitteln und Methoden der Sozialen Arbeit

wie Motivationsarbeit, Ressourcenerschliessung,

Beratung etc. erreicht werden,

um anderen wesentlichen Werten des Kodex

wie Selbstbestimmung, Befähigung,

Teilhabe und Teilnahme etc., gerecht zu

werden.

Sanktionen können aus Sicht des Berufskodex

dann legitim sein, wenn es

darum geht, das Solidarsystem vor Missbrauch

zu schützen und es in der Gesellschaft

zu legitimieren. Ein Missbrauch

würde dann vorliegen, wenn Leistungen

unrechtmässig bezogen werden oder wenn

jemand dem Subsidiaritätsprinzip nicht

gerecht wird, also selber zumutbare, vorgelagerte

Finanzquellen erschliessen könnte,

dies jedoch nicht tut. Inwiefern Beschäftigung

im zweiten Arbeitsmarkt als solche

betrachtet werden kann, wenn die Sozialhilfe

dafür bezahlen muss, dass Menschen

dort arbeiten können, wäre wichtig zu diskutieren,

was jedoch an dieser Stelle nicht

geleistet werden kann.

Die Intervention des Sanktionierens

Bei Sanktionsprozessen befinden wir uns

in der Sozialhilfe in einem Zwangskontext.

Wenn im Rahmen der Sozialhilfe finanzielle

Leistungen gekürzt werden, auf welche

der Klient bzw. die Klientin Anspruch (und

damit auch einen ausgewiesenen Bedarf)

hätte, so greift das die bio-psycho-soziale

Existenz des betroffenen Menschen an. Es

Es ist wichtig, sich

der eigenen Rolle und

der eigenen Einschätzung

zur Situation im

vorliegenden Kontrollauftrag

bewusst zu

werden.

ist deshalb auch damit zu rechnen, dass die

Klientinnen oder Klienten mit Abwehr

oder Hilflosigkeit reagieren. Auch die Sozialarbeitenden

befinden sich in diesem

Zwangskontext und laut einer Studie bereitet

dieser Kontrollauftrag ihnen häufig Unbehagen,

mit welchem sie individuell irgendwie

zurechtkommen müssen. Laut

Studie kann dieses Unbehagen dazu führen,

in Gesprächsfallen wie Beschwichtigung,

Relativierung, Umschweife, «Drückeberger»-

(ich kann nichts dafür) oder

«Foltermethoden» (lassen Sie mich ausführlich

begründen, bevor ich Ihnen das

Ergebnis mitteile) zu tappen. Diesen kann

durch gute Vorbereitung und Gesprächsführung

vorgebeugt werden.

Die Vorbereitung

Es ist wichtig, sich der eigenen Rolle und

der eigenen Einschätzung zur Situation im

vorliegenden Kontrollauftrag bewusst zu

werden: Welches Verhalten der Person

weicht inwiefern von welcher gesellschaftlichen

Norm (Gesetz) ab und was muss verändert

werden, um die Sanktion aufheben

zu können? Was ist dabei mein sozialarbeiterischer

Auftrag? Dabei ist es gemäss drittem

Mandat Sozialer Arbeit auch wichtig,

Probleme nicht zu individualisieren, sondern

auch strukturelle Rahmenbedingungen

zu berücksichtigen, sowohl bei der

Problemverursachung als auch bei dessen

Lösung.

Die Verhältnismässigkeit der Sanktion

muss erwogen werden: Was ist das Ziel der

Massnahme und ist die auferlegte Massnahme

dazu geeignet? Was wird dabei von der

Person erwartet und ist sie dazu in der Lage?

Auch das Subsidiaritätsprinzip kommt

zur Geltung: Wurden alle schwächer eingreifenden

Möglichkeiten wie Beratung,

Motivierung, Ressourcenerschliessung etc.

ausgeschöpft?


Und die Folgen der Sanktion für alle

Betroffenen sind abzuwägen: Leiden Kinder

darunter und wie kann das Kindswohl

trotzdem gesichert werden? Wie wird sich

die Beratungsbeziehung verändern und

wie kann sie weiterhin aufrechterhalten

werden? Wie kann ein Ausweg aus der

Sanktionsschlaufe gefunden werden? Was

ist der nächst mögliche Schritt, falls die

Sanktion keine Wirkung zeigt?

Für all diese Aspekte der Sanktion muss

der Sozialarbeiter bzw. die Sozialarbeiterin

Verantwortung übernehmen. Dies ermöglicht

es, selber hinter der Sanktion stehen

und sie angemessen vertreten zu können.

Beim Sanktionsgespräch ist es zentral,

transparent und sachlich über die Sanktion

zu informieren und anschliessend den Reaktionen

der Betroffenen Raum zu geben

und dafür Verständnis und Empathie zu

zeigen, ohne in der Sache abzuweichen. So

kann einer Eskalation bzw. einer Depression

vorgebeugt werden. Das Aufzeigen

von Perspektiven und konkreten und realisierbaren

Handlungsmöglichkeiten, um

die Sanktion wieder aufheben zu können,

ermöglicht den Klientinnen und Klienten

die Wahrnehmung von Selbstwirksamkeit

und hilft, Reaktanz und Hilflosigkeit abzubauen.

Das Angebot von angemessener

Unterstützung wirkt ebenfalls positiv;

sowohl auf die Wahrnehmung, dass eine

Veränderung möglich ist, als auch auf die

Arbeitsbeziehung, wie eine Untersuchung

von Wolfgang Klug 2012 zeigt.

Weitere Hinweise darauf, was bei Sanktionsgesprächen

hilfreich sein kann, finden

sich bei einer Studie von Rainer Göckler

(2009), in welcher er in Deutschland

Sanktionsgespräche mit Hartz IV-Beziehenden

untersuchte. Von den festgestellten

Grundmustern bzw. Gesprächstypen

stellte sich die «Beratung» als einerseits

erfolgreichste und anderseits auch von

den Betroffenen am besten bewertete Gesprächsform

heraus. Ausschlaggebend für

das Sanktionsgespräch in Form von «Beratung»

sind gemäss Göckler gute Qualifikationen

der Fachperson und gute organisationale

Rahmenbedingungen. Die Beratung

zeichne sich dadurch aus, dass sie alle sog.

Managementfunktionen und deren spezifische

Interventionsformen aufweise,

während die anderen Gesprächstypen nur

einzelne davon abdeckten.


Silvia Domeniconi Pfister

HSLU Soziale Arbeit

Dozentin und Projektleiterin

Managementfunktion Beschreibung und beobachtete Wirkung Interventionsformen

Beziehungsmanagement

Entscheidungsmanagement

Aktives Verhaltensund

Motivationsmanagement

Reflexives Verhaltensund

Motivationsmanagement

Unterstützungsmanagement

Fokussiert das Beziehungsgeschehen.

Wirkt grundsätzlich entlastend und deeskalierend auf den schwierigen

Sanktionskontext. Trägt dazu bei, die Fortsetzung von Beratungsdienstleistungen

zu ermöglichen, selbst wenn im konkreten Fall

dissonante Bewertungen des Geschehens nicht zu vermeiden sind.

Fokussiert den Sanktionskontext. Vorbereiten, Ermöglichen oder

Absichern der leistungsrechtlichen Entscheidungen. Rechtsstaatlich

legitimiertes Verwaltungshandeln.

Fokussiert Verhalten und/oder Motivation des Kunden.

Aktiv-beraterbezogene Aktivitäten, in denen die Beratungsfachkraft

die Sanktionsthematik dazu nutzt, sozial schädigendes Verhalten zu

beeinflussen und den Fall im Sinne des gesetzlichen Auftrags weiter

zu entwickeln.

Fokussiert Verhalten und/oder Motivation des Kunden.

Reflexiv-kundenbezogene Aktivitäten, in denen die Rolle des Beraters

nicht aktiv gestaltend verstanden wird, sondern kundenbezogen

selbstwirksam.

Bietet konkret Hilfe und Unterstützung und thematisiert die Eigenressourcen

des Kunden.

• Kooperationsstrukturen legen

• emotionale Beteiligung

• Konfliktvermeidung/Deeskalation

• Kooperationsprüfung

• Inhaltstransparenz

• Rechtstransparenz

• Klärungszentriertheit

• Klärungshilfe

• Verständnisinformationen

• direkte Verhaltenseinwirkung

• direkte Integrationsplanung

• Biografieordnung

• Stärkung Selbstreflexion

• Systemeinbindung

• Stärkung Eigenplanung

• Resignatives Verhalten

• Bereitstellung aktiver arbeitsmarktlicher

und sozialer Ressourcen

• Ressourcennutzung

• Ressourcenaktivierung

Eigene Darstellung basierend auf Rainer Göckler (2009)

4/18 ZeSo

33


Migration und Arbeit

Dieses Buch thematisiert die Herausforderungen

und Gestaltungsmöglichkeiten des Zusammenhangs

von Migration und Arbeit für die

Politik. Dabei wird mit Blick auf die Entwicklung

in Deutschland die wichtige Bedeutung von

Arbeit für Teilhabe und Integration von Migrantinnen

und Migranten herausgestellt. Zudem

werden die Barrieren aufgezeigt, mit denen sich

Migranten in Deutschland konfrontiert sehen.

David Alexandra, Evans Michaela, Hamburg Illeana, Terstriep Judith (Hrsg.),

Migration und Arbeit, Herausforderungen, Problemlagen und Gestaltungsinstrumente,

Budrich Verlag, 2018, 250 Seiten, ISBN 978-3-8474-2161-0

Sozialdienste entwickeln

Woran können wir «Gute Arbeit» in einem

Sozialdienst erkennen und wie können sich

Leitende und Mitarbeitende von Sozialdiensten

durch ihr Handeln der «Guten Arbeit»

annähern? Diese Fragen stehen im Zentrum

des Handbuchs. Um sie zu beantworten, hat

sich die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit an

einem mehrdimensionalen Modell zur Gestaltung

«Guter Arbeit» orientiert und dieses gemeinsam mit 22 kleineren

und mittelgrossen Sozialdiensten angewendet. Das Handbuch will

Fachpersonen dazu anregen, ihr eigenes Handeln einzuschätzen und

weiterzuentwickeln.

Näpfli Keller Nadine, Rimmele Sabine, Da Rui Gena, Riedweg Werner, Sozialdienste

entwickeln – ein Handbuch für «Gute Arbeit», interact Verlag, 2018, 188

Seiten, CHF 45. , ISBN 978-3-906036-31-1

Frauen und Armut

Woran liegt es gesellschaftlich, dass Frauen

von einem besonderen Armutsrisiko betroffen

sind? Gesellschafts-, Armuts- und Prekarisierungstheorien

haben auf diese Frage bisher

wenig Antworten gefunden. Der Sammelband

analysiert aus feministischen Perspektiven

diese theoretischen Ein- und Auslassungen

der Kategorie Geschlecht. Dabei rekonstruiert

er auch Armutsdiskurse sowie die Prozesse des Verwundbarmachens.

Zudem werden Armutspolitiken untersucht und mögliche feministische

Alternativen diskutiert.

Dackweiler Regina-Maria, Rau Alexandra, Schäfer Reinhild, Frauen und Armut,

feministische Perspektiven, Budrich Verlag, 2018, 330 Seiten, ISBN: 978-3-8474-

2203-7

Psychologie für die

Soziale Arbeit

Diese Einführung vermittelt Grundkenntnisse

der Psychologie, die für die Soziale Arbeit relevant

sind: Entwicklungspsychologie, Sozialpsychologie,

Familien- und Erziehungspsychologie,

Klinische Psychologie, Methodische Kompetenzen

und Interventionsformen, Schulpsychologie

etc. bis hin zu Fragen der Psychotherapie

und Sozialpädagogischen Familienhilfe. Dabei wird insbesondere unter

Einbeziehung zahlreicher Fallbeispiele reflektiert, wie Psychologie Soziale

Arbeit beeinflusst.

Bräutigam Barbara, Grundkurs Psychologie für die Soziale Arbeit, Utb-Taschenbuchreihe,

2018, 228 Seiten, CHF 30., ISBN 978-3-8252-4947-2

Anspruch auf Renten der

Invalidenversicherung

Eingliederung vor Rente, lautet der Grundsatz der

IV. In den letzten Jahren wurde in der Politik und

der Praxis zu Recht der Fokus auf die (Wieder-)

Eingliederung in den Arbeitsmarkt gelegt. Auch

sollen bereits berentete Versicherte wieder aus

der IV ausgegliedert werden. Bei diesen Entwicklungen

geht vergessen, dass die IV auch den

Auftrag hat, den Versicherten bei Vorliegen einer

Invalidität Renten zu gewähren. Im Rahmen der

Tagung der Juristischen Fakultät Basel soll der

Anspruch auf IV-Renten im Zentrum stehen.

Congress Center, Basel

Freitag, 7. Dezember 2018

www.svsp.ch

Städte und Gemeinden am

Puls der Gesundheit

Im Mittelpunkt der Jubiläumsausgabe der Nationalen

Gesundheitsförderungs-Konferenz steht

die Rolle der Städte und Gemeinden im Bereich

der Gesundheit. Es wird gezeigt, wie Gesundheitsförderung

und Prävention mit der Lebensqualität

und dem sozialen Zusammenhalt in Städten und

Gemeinden Hand in Hand gehen können – sei es

in der Ortsplanung, im Sport, in der Kultur- und

Alterspolitik oder in der frühen Förderung.

Stade de Suisse, Bern

Donnerstag, 17.Januar 2019

www.konferenz.gesundheitsfoerderung.ch

Das Gespenst der

Digitalisierung

Die Transformationen auf dem Arbeitsmarkt

lösen grosse Unsicherheiten aus und stellen

das bisherige Sozialversicherungssystem in

Frage. Die Digitalisierung verändert aber nicht

nur Arbeitsweisen, Wertschöpfungsketten und

die Verfügbarkeit von Informationen. Sie schafft

neue Hierarchien, verstärkt Ungleichheiten und

benachteiligt Armutsbetroffene. Das Caritas-

Forum widmet sich deshalb der Digitalisierung

und ihren sozialen Folgen.

Eventforum, Bern

Freitag, 25. Januar 2019

www.caritas.ch

34 ZeSo 4/18


Bettina Fredrich

Manuela Specker

Jonas Lüscher

Joël Luc Cachelin

Ursula Uttinger

Deborah Oliveira

Uwe Vormbusch

Ayad Al-Ani

Gabriela Riemer-Kafka

Aurélien Witzig

Kurt Pärli

Christophe Degryse

Vania Alleva

Gabriel Fischer

Gudela Grote

Dennis Brandes

Kathrin Amacker

Beat A. Schwendimann

Antje Barabasch

Martin Flügel

Hugo Fasel

«Bit, sapererum seditatquae si consedipsum esed

maximus dandus parum ari re, volo magnim entistio

elest, sequatusci abo. Nequodita nat est faccus

ma por molorer»

xxxxxxxx

Bericht über die soziale und wirtschaftliche Entwicklung in der Schweiz 2017/2018

Die Seele im digitalen Zeitalter

Von Bubenträumen und Allmachtsfantasien

Mehr Solidarität statt Hyperindividualisierung

Gefährlicher Datenhunger: Menschenrechte und Datenschutz

Die Arbeit der Zukunft braucht die Geschlechterperspektive

Selbstvermessung als Identitätsstrategie

Entwicklungsländer als aktive Akteure

Auswirkungen der Digitalisierung auf die soziale Sicherheit und das Sozialversicherungsrecht

Digitaler Wandel: Was das Sozialrecht leisten kann

Ein Recht auf offl ine?

Wie die Industrielle Revolution 4.0 unser Sozialmodell herausfordert

Für eine soziale Digitalisierung

Den Strukturwandel sozial gestalten statt das Ende der Arbeit ausrufen

Technologie als Quelle für die Veränderung von Arbeit und Arbeitsorganisation

Transformation statt Massenarbeitslosigkeit

Die Weichen auch für die Mitarbeitenden richtig stellen

Mehr Chancengerechtigkeit in der Schule dank digitaler Technologien?

Berufs- und Weiterbildung im Aufbruch

Digitalisierung integrativ gestalten

Caritas Schweiz leistet mit dem Sozialalmanach seit einundzwanzig

Jahren zuverlässige Sozialbericht erstattung.

ISBN 978-3-85592-161-4

«Transparenz und Öffentlichkeit in Bezug auf die

Verwendung von Daten, das Funktionieren der

Algorithmen und damit auch auf die im Internet

verbreiteten Informationen und Kampagnen sind

für das Weiterbestehen der Demokratie und das

Überleben einer solidarischen Gesellschaft grundlegend.»

Aus dem Beitrag «Digitalisierung integrativ

gestalten» von Martin Flügel und Hugo Fasel

Armutsbekämpfung durch

Schuldenprävention

Autorinnen und Autoren

Sozialpolitische Trends

Digitalisierung – und wo bleibt der Mensch?

Das Buch befasst sich mit Theorien und

Modellen für die Praxis der Schuldenprävention

und Armutsbekämpfung. Die Autorinnen und

Autoren untersuchen, wie benachteiligte Personengruppen

erreicht werden können. Sie beleuchten

die Zusammenhänge zwischen Armut,

Verschuldung und Schuldenprävention und

thematisieren die Vermittlung von Finanzwissen und Finanzkompetenz

für die Zielgruppe der Schülerinnen und Schüler und Auszubildenden.

Mattes Christoph, Knöpfel Carlo (Hrsg.), Armutsbekämpfung durch Schuldenprävention,

Empirische Befunde, methodische Zugänge und Perspektiven, Springer

VS, 2018, 241 Seiten, CHF 73., ISBN 978-3-658-23933-6

Sozialalmanach 2019

2019

lesetipps

Digitalisierung – und wo bleibt

der Mensch?

Die Digitalisierung und ihre sozialen Folgen

bilden das Schwerpunkt-Thema des Caritas-

Sozialalmanach

Sozialalmanachs 2019. So löst die digitale

Digitalisierung –

und wo bleibt der Mensch?

Transformation grosse Verunsicherung aus:

Wie viele Jobs gehen unwiderruflich verloren?

Das Caritas-Jahrbuch

zur sozialen Lage der Schweiz

Trends, Analysen, Zahlen

Welche Arten von Jobs werden neu geschaffen?

Das ist aber nur die eine Seite. Gesellschaftliche

und politische Auswirkungen erhalten bis heute weniger Aufmerksamkeit

als die Veränderungen in der Wirtschaft und in der Arbeitswelt.

Der Sozialalmanach versucht ein umfassendes Bild von der Digitalisierung

zu vermitteln.

Caritas (Hrsg.), Sozialalmanach 2019, «Digitalisierung – und wo bleibt der

Mensch?», Caritas-Verlag, 2018, 304 Seiten, CHF 36., ISBN 978-3-85592-161-4

Die soziale Frage

Lange Zeit führte die Verwendung des Begriffs

«Soziale Frage» ins 19. Jahrhundert und

wurde mit den sich damals vollziehenden

gesellschaftlichen Umbrüchen in Beziehung

gesetzt. Heute wird die Soziale Frage hingegen

immer stärker mit aktuellen gesellschaftlichen

Herausforderungen, wie beispielsweise der

weltweiten Migration, dem radikalen demografischen

Wandel oder den verstärkten sozialen Spaltungsprozessen in

Verbindung gebracht. Das Buch befasst sich vor diesem Hintergrund mit

der Vielschichtigkeit der Sozialen Frage und Sozialer Arbeit und stellt

Bezüge zur Aktualität her.

Fontanellaz Barbara, Reutlinger Christian, Stiehler Steve (Hrsg.), Soziale Arbeit

und die soziale Frage, Spurensuchen, Aktualitätsbezüge, Entwicklungspotenziale,

Seismo-Verlag, 2018, 264 Seiten, CHF 38. ISBN 978-3-03777-183-9

Plattform Fremdplatzierung:

Familienarbeit

Kinder haben ein Recht auf seelische Bindung zu

ihren Eltern und/oder zu weiteren Familienangehörigen.

Die Arbeit mit den familiären Bezugspersonen

ist für Kinder- und Jugendheime sowie

für Pflegefamilien unverzichtbar, auch wenn sie

oftmals herausfordernd ist. Familienarbeit ermöglicht

es, unausgesprochene Konflikte anzusprechen

und die Eltern darin zu stärken, Partner

im Erziehungsprozess zu werden. Die Plattform

Fremdplatzierung 2019 bietet Gelegenheit,

innovative Ansätze sowie bewährte Methoden

der Familienarbeit zu reflektieren.

Hotel National, Bern

Dienstag, 29. Januar 2019

www.integras.ch

Subsidiarität – eine permanente

Herausforderung

Sozialhilfe wird nur gewährt, wenn die bedürftige

Person sich nicht selbst helfen kann und

wenn Hilfe von dritter Seite nicht oder nicht

rechtzeitig erhältlich ist. In der Praxis ist jedoch

eine beachtliche Anzahl von Personen auf die

Unterstützung durch die Sozialhilfe angewiesen,

weil die Leistungen, auf die eigentlich ein rechtmässiger

Anspruch besteht, nicht rechtzeitig

oder in ungenügendem Ausmass zur Verfügung

stehen. Die nationale SKOS-Tagung bietet eine

Plattform zur Präsentation und Diskussion über

die Subsidiarität.

Kongresshaus, Biel

Donnerstag, 14. März 2019

www.skos.ch/veranstaltungen

Umgang mit traumatisierten

Flüchtlingen im Sozialdienst

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

sind bis zu einem Drittel der mehreren tausend

sich in der Schweiz befindenden Flüchtlinge

traumatisiert. Darüber hinaus bezieht ein

Grossteil der Flüchtlinge Sozialhilfe. Es stellt

sich daher die Frage, wie auf einem Sozialdienst

traumaorientiert gearbeitet werden kann.

Unterstützung kann nur gewährleistet werden, wenn Fachpersonen der

Sozialen Arbeit wissen, wie sie professionell auf traumatisierte Menschen

reagieren können.

Di Maggio Federica, Fricker Corina, Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen auf

einem schweizerischen Sozialdienst. Edition Soziothek, 2018, 86 Seiten, kostenloser

Download: www.soziothek.ch

veranstaltungen

Praxiswissen zum

Familienrecht

Kompetent beraten in Fragen zum Kinder- und

Familienunterhalt: Das Fachseminar vermittelt

praxisbezogenes Wissen zum geltenden

Familienrecht. Die Teilnehmenden kennen die

gesetzlichen Regelungen im Ehe-, Scheidungsund

Kindsrecht, die Bemessungsmethoden für

den Unterhalt, den Ablauf der verschiedenen

Gerichtsverfahren (Unterhaltsklagen von

Kindern, Eheschutzverfahren, Scheidungsverfahren)

und sind in der Lage, Unterhaltsverträge zu

formulieren.

Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Olten

Donnerstag, 16. Mai 2019

www.fhnw.ch

4/18 ZeSo

35


Ed Schumacher schaut bei seinen Lehrlingen die Not statt die Noten an.

Bild: Roland Schmid

Der Chancengeber

PORTRÄT Ed Schumacher beschäftigt in seinem Maler- und Gipserbetrieb in Basel Praktikanten und

Lehrlinge, die andernorts kaum eine Chance auf einen Ausbildungsplatz hätten. Ihre Geschichten

erinnern ihn häufig ein wenig an sich selbst in jungen Jahren.

Eigentlich hatte Ed Schumacher nie darüber

nachgedacht, dass es etwas Aussergewöhnliches

sein könnte, was er tut. Sein soziales

Engagement ist vielmehr einfach

passiert. Über 15 Jahre ist es her, dass ein

Bekannter ihn fragte, ob ein Jugendlicher,

der Mühe mit dem beruflichen Einstieg

hatte, bei ihm ein Praktikum machen könne.

Schumacher sagte zu. Es folgten viele

weitere junge Leute mit Hintergründen,

die es normalerweise schwer machen, eine

Ausbildung zu finden: psychische Probleme,

mehrfache Lehrabbrüche, schlechte

Deutschkenntnisse, Drogenvergangenheit

oder problematische Familienverhältnisse.

Letzten Sommer bekam Schumacher

für sein Engagement den Basler Sozialpreis

für Wirtschaft verliehen. «Erst da habe ich

gemerkt: Stimmt, ich mache wohl berufliche

Eingliederung», sagt der 50-Jährige

mit einem verschmitzten Lächeln.

Herzblut für das Handwerk

Der Grund ist zumindest teilweise in Schumachers

eigener Geschichte zu finden. «Ich

habe eine ähnliche Vergangenheit wie manche

der Jugendlichen, die ich heute beschäftige»,

erzählt er. Nach dem obligatorischen

Schulabschluss mit «Noten unter

aller Kanone» hatte er überhaupt keine

Idee, was er mit sich anfangen könnte. «Ich

hatte eine verkorkste Phase und so machte

ich einfach gar nichts», blickt Schumacher

zurück. Sein Vater goutierte das nicht und

bestand darauf, dass der Sprössling wenigstens

im Familienunternehmen aushalf.

Schliesslich konnte Ed bei einem Freund

des Vaters, der Unternehmer war, eine Malerlehre

absolvieren. Später übernahm er

den Familienbetrieb in vierter Generation.

Was zunächst den Anschein einer Verlegenheitslösung

machte, fügte sich. «In

der Lehre packte mich die Leidenschaft

fürs Handwerk», sagt Schumacher. In seinem

Lehrbetrieb konnte er seine Kreativität

ausleben: «Ich durfte Dekormalereien

machen, Schriften malen, vergolden etc.»,

schwärmt Schumacher. Und er merkte:

«Maler streichen nicht nur Genossenschaftswohnungen

weiss.»

Verantwortung als Erfolgsrezept

Die Chance, die Schumacher bekommen

hat, will er jetzt anderen geben. Bei der

Auswahl seiner Schützlinge schaut er mehr

die Not als die Noten an. «Und das Zwischenmenschliche

muss stimmen, denn

ich bin selber kein 08/15-Typ», sagt Schumacher,

der auch schon die Erfahrung

machte, mit seiner direkten Art anzuecken.

Wichtig ist Schumacher zu merken,

dass jemand wirklich will. Denn Anpacken

müssen seine Mitarbeiter können.

Der Kleinbetrieb, der momentan nebst

zwei festangestellten Mitarbeitern zwei

Lernende, zwei Praktikanten sowie eine

Person aus der Schule für Brückenangebote

beschäftigt, muss schliesslich auf dem

Markt bestehen können. Dies erfordert,

dass alle schnell Verantwortung übernehmen.

«Wenn ich gleichzeitig drei Baustellen

habe, kann ich nicht überall sein und

muss auch an Praktikanten und Lehrlinge

delegieren können», sagt der Chef, der

wohl nicht zuletzt wegen seiner grossen

Postur eine natürliche Autorität ausstrahlt.

Was andere Lehrmeister vielleicht ungern

täten, sieht Schumacher als Teil seines

Erfolgsrezeptes: «Wenn die Jugendlichen

merken, dass sie gebraucht werden, geht

vielen den Knopf auf». Enttäuscht werde er

selten, sagt der dreifache Vater. «Vielleicht

ist es ja gerade Verantwortung, was die Jugendlichen

brauchen.»

Schumachers «schwierigen» Jugendliche

bedeuten für sein Geschäft oft einen

Mehraufwand. Einen Preisvorteil aber, wie

ihm manche Berufskollegen immer mal

wieder vorhalten, könne er aus seinem Modell

nicht ziehen. Doch Schumacher sagt:

«Mein Lohn ist, wenn ich den Jugendlichen

einen Schupf in eine andere Richtung

geben kann, als es auch hätte gehen

können.»


Regine Gerber

36 ZeSo 4/18


Master of Advanced Studies

MAS Sozialarbeit und Recht

MAS Sozialarbeit und Recht – Vertiefung

Kindes- und Erwachsenenschutz

Eine Weiterbildung an

der Hochschule Luzern:

Unterstützung für Ihren

anspruchsvollen Praxisalltag

Certificate of Advanced Studies

CAS Methodenvielfalt in der Beratung

CAS Soziale Arbeit mit psychisch

erkrankten Menschen

CAS Systemisches Projektmanagement

Fachkurs

Sachbearbeiter/in im Sozialbereich

Weitere Informationen unter

www.hslu.ch/weiterbildung-sozialearbeit

Gesundheit

Behinderung und Integration

Ethik und Recht

Migration

Weiterbildung für die

Kompetenzen von morgen

Change Management

Eingliederungsmanagement

Kinder und Jugendliche

Stadtentwicklung

Sozialmanagement

Beratung und Coaching

weiterbildung.sozialearbeit@fhnw.ch | T +41 848 821 011 | www.fhnw.ch/soziale-arbeit/weiterbildung

Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW | Hochschule für Soziale Arbeit | Riggenbachstr. 16 | 4600 Olten


-

Weiterbildung,

die wirkt!

Fachkurs Arbeitsintegration

8 Kurstage, Februar bis Mai 2019, Web-Code: K-SOZ-28

Fachkurs Methodisches Handeln mit Risikogruppen

9 Kurstage, modular aufgebaut, Web-Code: K-SOZ-26

Beratung von jungen Erwachsenen

21./22. und 28. August 2019; Web-Code: K-SPE-2

Beratung von Menschen mit psychischen Problemen

18./19. und 25. September 2019, Web-Code: K-SOZ-27

Für detaillierte Informationen geben Sie auf unserer

Website den Web-Code ein und Sie gelangen direkt

zum gewünschten Angebot. soziale-arbeit.bfh.ch

Inspiriert und immer up to date:

soziale-arbeit.bfh.ch/newsletter

‣ Soziale Arbeit

Weiterbildungen in Sozialer Arbeit

«Die Weiterbildungen der FHS St.Gallen sind

sehr praxisorientiert. Das gefällt mir.»

www.fhsg.ch/weiterbildung-sozialearbeit

FHO Fachhochschule Ostschweiz

Roman Bernhard

Leiter Eingliederungsteam

IV-Stelle Thurgau, Absolvent

CAS Case Management

und Supported Employment

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