Zukunft Banking: Best-of Swiss Fintech

netzmedien

Zukunft

Banking

BEST-OF SWISS FINTECH

Blockchain

Elevator Pitch

SEITE 12 – 13

Movers and

Shakers

SEITE 18 – 19

Digitalisierung

ist Chefsache

DIE GROSSE INTERVIEWSERIE

ÜBER DIE ZUKUNFT

DES BANKINGS MIT :

Hanspeter

Rhyner

CEO

GLARNER KANTONALBANK

Martin

Keller

CEO

FALCON PRIVATE BANK

Nicolas

Durville

CEO

ZÜHLKE ENGINEERING

Günther

Dobrauz

PARTNER, LEADER

PWC LEGAL

Jan

Brzezek

CEO

CRYPTO FINANCE

Jürg

Hunziker

CEO

AVALOQ GROUP

Enter the bright side of banking.


2

Zukunft Banking

02. Dezember 18 | netzwoche.ch/ZukunftBanking

Blockchain :

Revolutionäre

Technologie zugunsten

von uns Bürgerinnen

und Bürgern

Impressum

« ZUKUNFT BANKING »

ist eine gemeinsame Branchen-Kampagne von Brand

Relations und Netzmedien. Die Publikation erscheint

als Sonderbund in der Sonntagszeitung am

2. Dezember 2018 und als Beilage der Netzwoche am

5. Dezember sowie online unter www.netzwoche.ch.

KONZEPT UND VERMARKTUNG

Brand Relations

Inhaberin Sarah Schlagenhauf

Heinrichstrasse 239 | CH-8005 Zürich

schlagenhauf @ brandrelations.ch

VERLAG

Netzmedien AG

CEO & Verleger : Dr. Heinrich Meyer

Heinrichstasse 235 | CH-8005 Zürich

Tel. 044 355 63 63 | info @ netzmedien.ch

Namhafte Beteiligungen nach Art. 322 Abs. 2 StGB :

Best of Swiss Web GmbH

Zu Unrecht reduzieren viele die revolutionäre

Blockchain-Technologie

auf « Krypto», « Krypto-Währungen»,

« Krypto-Valley» oder gar « Krypto-

Nation». Auch wenn sich anfänglich

diese Begriffe bei vielen Bürgerinnen und

Bürgern im Gedächtnis verankert haben, so

setzt sich heute die Erkenntnis durch, dass die

Blockchain-Technologie alle Lebensbereiche

direkt oder indirekt erfassen wird, beziehungsweise

bereits erfasst hat. Chancen und Risiken

werden öffentlich diskutiert : Welche Auswirkungen

auf den Finanzplatz sind zu erwarten ?

Wird das Gesundheitswesen revolutioniert ? Ist

die Industrie dank Blockchain die grosse Gewinnerin?

Und nicht zuletzt : Was bedeuten Digitalisierung

und Blockchain für unsere direkte

Demokratie ? Gerade diese Frage weckt mein Interesse

besonders.

Blockchain verspricht Revolutionäres für

Bürgerinnen und Bürger, für die direkte Demokratie

und für den Staat. Das Vertrauen der Bevölkerung

dürfte dank mehr Transparenz und

sogenannter « traceability» – also Nachvollziehbarkeit

und Nachweisbarkeit, mehr Sicherheit

für uns alle bedeuten. Wer den neusten Bericht

« E-Government-Benchmark 2018 » liest, reibt

sich allerdings die Augen: Die Schweiz bildet –

zusammen mit Bulgarien und Rumänien – das

Schlusslicht und ist längst nicht so fortschrittlich,

wie wir es uns wünschen würden. Das sollte uns

zu denken geben !

Es mutet fast peinlich an : E-Government und

E-Democracy könnten ja speziell in unserer

direkten Demokratie – also besonders für die

Doris Fiala

Nationalrätin, FDP Zürich; VR-Mandate bei

Schweiz – eine grosse Chance bedeuten. Wir

müssen die Generation der heute 18 -Jährigen –

ich spreche nicht einmal von den eigentlichen,

eben erst geborenen « Digital Natives » – vermehrt

in unsere direkte Demokratie bewusst einbinden

und abholen. Sie halten sich intensiv in

sogenannten « Echoräumen » auf und müssen

entsprechend digital angesprochen werden. Das

wird eher durch die digitale Realität und ihrer

Errungenschaften und nicht aufgrund traditioneller

Medienberichte beziehungsweise dem althergebrachten

Abstimmungsbüchlein gelingen.

In der Schweiz hat bisher nur der Kanton Zug

Blockchain-Identität und Blockchain-Abstimmungen

ausprobiert. In Zug sind zudem viele

Krypto-Projekte ansässig, und das Hauptthema

lag im vergangenen Jahr sicher beim ICO-Hype.

Fragezeichen rund um Spekulation und Nachhaltigkeit

sind der Bevölkerung nicht zu verdenken.

Vertrauen für E-Government zu gewinnen bedeutet,

die Sicherheit zu verbessern und Transparenz

zu leben. Dies wiederum hiesse, Blockchain

zu bejahen, dank der nötigen Kompetenz

des Staates. Das bedeutet aber auch, dass der

Staat das Heft in puncto E-Identity nicht einfach

an Private aus der Hand geben darf. Aus meiner

Sicht ist es äusserst fragwürdig, die Kompetenz

an die Post, Salt oder einen Grossverteiler wie

Migros oder Coop zu delegieren. Freiheit bedeutet

gerade auch in diesem Bereich, Verantwortung

zu übernehmen und in Sicherheit zu investieren.

Allenfalls verspricht das Motto « langsamer

= schneller » in diesem revolutionären Bereich

langfristig mehr Erfolg.

Procivis AG, EHL Holding SA, HomeInstead AG,

Woman in Blockchain

REDAKTION NETZWOCHE

Marc Landis, Chefredaktor

Elsbeth Bruderer, Redaktorin

David Klier, Redaktor

Oliver Schneider, Redaktor

Fabian Vogt, Redaktor

Tel. 044 355 63 36 | desk @ netzmedien.ch

ART DIRECTION

Xenia Palacios

KORREKTORAT

Susanne Löbe

TITELBILD-ILLUSTRATION

Fabrice Spahn | www.fbrc.ch

ONLINE-MANAGEMENT

Julia Ostermann

SONDERBUND

ZUKUNFT BANKING

Druckauflage: 185 000 Ex.

Auflage Sonntagszeitung :

WEMF-beglaubigt : 152 566 Ex.

Auflage Netzwoche :

WEMF-beglaubigt : 6927 Ex.

ISSN 1424-2397

BILDQUELLEN

Sofern nicht anders vermerkt, stammen die Bilder

von den beschriebenen Unternehmen oder wurden

von den interviewten Personen zur Verfügung

gestellt.

DRUCK

DZZ Druckzentrum Zürich AG

Bubenbergstrasse 1 | 8021 Zürich

Alle Inhalte erstellte die Fachredaktion der Netzwoche

für die beschriebenen Unternehmen. Die

Inhalte von Unternehmensbeiträgen, Interviews und

Gastbeiträgen geben die Meinung der beschriebenen

Unternehmen wieder. Die Redaktion ist für

die Richtigkeit der Beiträge nicht verantwortlich.

Die rechtliche Haftung liegt bei den beschriebenen

Unternehmen.

© 2018 BRAND RELATIONS & NETZMEDIEN AG

Die Wiedergabe von Artikeln, Bildern und Inseraten,

auch auszugsweise oder in Ausschnitten, ist nur

mit Genehmigung von Brand Relations, Inhaberin

Sarah Schlagenhauf, und der Netzmedien AG erlaubt.

Anzeige

Banking Blockchain Training

Register now on Eventbrite!

Academy

In collaboration with:


netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

3

Digitalisierung ist Chefsache

« Eine börsenkotierte Kantonalbank mit

Wachstumsfantasie ist schon eher die Ausnahme »

Die Glarner Kantonalbank ist eine Vorreiterin bei der Digitalisierung im Finanzumfeld und gilt als eine der digitalsten Banken der

Schweiz. Aber für den GLKB-CEO ist Digitalisierung vor allem Mittel zum Zweck. Hanspeter Rhyner im Gespräch.

Interview : Marc Landis

Die GLKB hat unlängst den Titel als

digitalste Bank der Schweiz an die

Hypothekarbank Lenzburg abgegeben.

Wie konnte das passieren?

Hanspeter Rhyner : ( Lacht ) Ja, das

stimmt. Diese ‹ Auszeichnung› verlieh

ja die Online-Newsplattform finews.ch

jeweils. Nun haben sie sie der Hypi

Lenzburg verliehen. Und ja, Marianne

Wildi ( sie ist CEO der Hypothekarbank

Lenzburg, Anm. d. Red. ) macht es

sehr gut. Wir haben nie eine Initiative

lanciert, um einen Titel zu gewinnen

oder eine Auszeichnung zu erhalten,

sondern um unseren Kunden neue,

einfache Zugänge zu unserer Bank zu

ermöglichen und durch moderne digitale

Prozesse auch neues Wachstum zu

erzielen.

Wie haben Sie mit der Digitalisierung

angefangen?

Angefangen haben wir vor sechs Jahren

mit dem Hypomaten, der als digitales

Produkt damals einzigartig und

auch der Startschuss für unsere Digitalisierungsstrategie

war. Der Hypomat

brachte uns auch viel mediale Aufmerksamkeit

und führte dazu, dass wir

überhaupt erst als digitale Bank wahrgenommen

wurden. Mit dem Hypomaten

können Kunden einfach online in

maximal 30 Minuten verbindlich eine

Hypothek abschliessen. Der Hypomat

war damals eine Revolution und es

ist auch heute noch praktisch einzigartig,

dass der Kunde seinen Kreditentscheid

in Echtzeit auf der Plattform

erhält.

Wie sind Sie überhaupt auf die Idee

gekommen, den Hypomaten zu entwickeln?

2010 ist uns klar geworden, dass die

Margen im Hypothekengeschäft aufgrund

der Niedrigzinsen erodieren

werden. Und da wir unser Geld zu

70 Prozent in diesem Geschäftsfeld erwirtschafteten,

war klar, dass wir etwas

tun mussten, um weiterhin erfolgreich

geschäften zu können.

Sie wollten also wachsen ?

Ja. Mit einem Marktanteil von weit mehr

als 50 Prozent in praktisch allen Geschäftsbereichen,

sind unsere Wachstumsmöglichkeiten

im Heimmarkt beschränkt.

Also war für uns klar, dass

wir neue Märkte erschliessen mussten.

Aber wie ? Mit einer Filiale in Zürich ?

Das haben unsere Vorgänger schon

einmal versucht und sich eine blutige

Nase geholt. Oder mit einer Preisdumping-Strategie

? Dafür sind wir zu klein

und sie ist ökonomisch nicht sinnvoll.

Eine Idee war dann eben, Hypotheken

im Internet anzubieten. Wir wollten

damit auch unser Ausleihungs-Portefeuille

diversifizieren. Mit hypomat.ch

haben wir es geschafft, unser Volumen

und die Erträge massiv zu steigern und

gleichzeitig die Risiken zu reduzieren.

Wir haben über diesen Kanal mehr

als 800 Millionen Franken Netto-Neugeld

generiert – mit zwei Mitarbeitern

wohlgemerkt.

Gab es keinen Widerstand von

den Mitarbeitern gegen die digitale

Konkurrenz ?

Doch. Am Anfang hatten insbesondere

die Privatkundenberater in der

Filiale das Gefühl, dass der Hypomat

eine Konkurrenz für sie sei. Sie hatten

Angst, dass sie einen Kunden verlieren,

weil dieser zum Hypomaten gehen

könnte und dort seine Hypothek

abschliesst statt beim Menschen in der

Filiale. Während der Entwicklung der

Geschäftsidee ‹Onlinehypothek› war

von Anfang an die Kannibalisierung

ein Riesenthema. Mit dem Argument

der Kannibalisierung killen Sie jedes

Innovationsprojekt. Also haben wir

gerechnet und kamen zum Schluss,

dass wir etwa 10 Prozent des Geschäftes

kannibalisieren würden. Deshalb

haben wir die Ziele unserer Berater

angepasst, wenn ein Kunde tatsächlich

zum Hypomaten absprang. Danach

war das Thema für unsere Berater erledigt.

Denn ihnen ist natürlich auch

klar, dass es für die Bank besser ist,

wenn der Kunde zum Hypomaten abspringt

statt zu einer anderen Bank.

Wie ging es nach dem Hypomaten

weiter?

2014 folgte der Kontomat. Hier war die

Innovation, dass man online ein Konto

eröffnen kann und dass man eine feste

und eine variable Zinstranche auf

demselben Konto haben konnte. Im

gleichen Jahr kamen wir mit dem Risikomaten,

bei dem die Nutzer nach dem

Beantworten von drei Gesundheitsfragen

online eine Todesfallversicherung

abschliessen können. Ein weiteres

Highlight bei unseren ‹ -Omaten› ist sicher

der Investomat – ein Robo-Advisor,

mit dem Kunden auf spielerische

Art und Weise ihr Risikoprofil definieren

können. Nach der Eingabe des beabsichtigten

Investitionsbetrages stellt

der Investomat ein Anlage-Portfolio

zusammen, das die Kunden nach ihren

Vorstellungen und Wünschen anpassen

können. Mit Gebühren von nur 0,6

Prozent all-in ist das zudem nicht nur

eine einfache, sondern auch eine sehr

kostengünstige Art zu investieren. Mit

dem Investomaten war unsere Omaten-Familie

vorerst komplett. Und das

waren auch die bis 2015 wichtigsten

gegen aussen sichtbaren Meilensteine

unserer Digitalisierungsstrategie.

« Wir haben mit dem

Hypomaten mehr

als 800 Mio. Franken

Neugeld generiert. »

Es gibt heute verschiedenste

Anbieter und Plattformen für Online-

Hypotheken, die GLKB war also auch

Pionier und Wegbereiter für Mitbewerber

...

Ja, heute gibt es Online-Hypotheken

zuhauf. Aber oft steckt hinter den

Plattformen keine Intelligenz, oder

wie bei uns ein Entscheid in Echtzeit,

sondern einfach nur eine Eingabemaske.

Für uns war der nächste Schritt

nach der Lancierung, dass wir die Hypomat-Technologie

auch an andere

Banken lizenzieren und für sie betreiben

und hosten, wie etwa für die Freiburger

Kantonalbank. Auch den Investomaten

haben wir lizenziert, etwa an

Moneypark, die darauf einen Sparplan

anbieten.

Hanspeter Rhyner, CEO, Glarner Kantonalbank

Auch Ihre Kreditfabrik lizenzieren

Sie an Dritte. Wie muss man sich

das genau vorstellen ?

Man spricht ja im Zusammenhang mit

der Digitalisierung immer auch vom

Aufbrechen der Wertschöpfungskette.

Diese ist im Hypothekar- bzw. im Finanzierungsgeschäft

bereits in vollem

Gang. Mit unserer Ausgangslage haben

wir ja eigentlich eine ganze Fabrik zur

Verfügung. Wir nennen sie Kreditfabrik.

Mit ihr ermöglichen wir anderen

Finanzintermediären den Einstieg ins

Finanzierungsgeschäft, ohne dass diese

eigenes Fachpersonal aufbauen müssen.

Dabei übernehmen wir die Verarbeitung

und Verwaltung von Hypotheken

und gewährleisten eine effiziente

und standardisierte Abwicklung. Pax

und die Migros-Pensionskasse etwa

und auch andere Banken gehören zu

unseren Kreditfabrik-Kunden.

Sie arbeiten mit dem Kernbankensystem

der Softwareherstellerin

Finnova. Wie muss man sich Ihre

Zusammenarbeit mit dem Unternehmen

vorstellen?

Partnerschaftlich. Wir haben etwa gemeinsam

mit Finnova das Modul Finnova

Loan Advisory entwickelt. Die

Loan-Advisory-Lösung wird als neues,

praxisnahes Kreditmodul in Koexistenz

zur bestehenden Lösung in die

Finnova-Banking-Software integriert.

Das Produkt umfasst den gesamten

Kreditprozess von der Kundenberatung

über die Bewilligung bis hin zu

den nachgelagerten Verarbeitungsprozessen.

Die neue Beratungslösung

läuft bei uns im Pilotbetrieb und richtet

sich sowohl an Finnova-Banken als

auch an Banken, die eine andere Kernbankenlösung

im Einsatz haben.

Wie hat sich die GLKB bei der

Entwicklung der Loan Advisory mit

eingebracht ?

Finnovas Kernkompetenz ist es, Software

für Banken zu entwickeln. Wir

brachten vor allem unser Business-

Know-how mit ein. Das ist auch sonst

unser Vorgehen, wenn wir ein neues

Produkt entwickeln. Wir schreiben

die Storyboards und definieren unsere

Anforderungen im Detail. Dann

gehen wir damit zu einem geeigneten

Softwarehaus, das die Lösung für uns

entwickelt. Im Fall unserer « Omaten »

war das die Inventage AG in Zürich.

Diese Partnerschaft funktioniert seit

2012 sehr gut und wir haben nur die

besten Erfahrungen mit ihnen gemacht.

Welche Art von Partnerschaften sind

für die GLKB sonst noch wichtig ?

Nun, wir haben gemeinsam mit der Valora

das Konsumkreditportal Bob-Money

entwickelt. Das ist ein Beispiel

für eine Zusammenarbeit mit einer

Nicht-Bank, die gemeinsam mit uns

ein Bank-Angebot im Markt lanciert

hat. Wir überlegen uns immer wieder,

welche Partnerschaften wir eingehen

können. Es müssen nicht immer Finanzfirmen

sein. Mit branchenfremden

Unternehmen wie etwa einem Retailer

gibt es einen spannenden Austausch,

bei dem es möglich ist, sich gegenseitig

mit neuen Ideen zu befruchten. Die

denken ganz anders als wir Banker und

das ist sehr inspirierend.

Sie gelten als Kopf hinter der

Digitalisierungsstrategie der GLKB.

Warum ist Digitalisierung für Sie so

ein wichtiges Thema ?

Die Digitalisierung ist für mich vor

allem Mittel zum Zweck. Es ist für die

Bank eine Möglichkeit, zu differenzieren,

die Geschäftstätigkeit und die

Cashflows breiter abzustützen und

weniger empfindlich für Konjunkturausschläge

zu machen. Wir können

auch als kleine regionale Bank mit

digitalen Produkten Nischen ausnutzen

und in unserem Fall unser Hypotheken-Know-how

rentabilisieren. Das

wäre ohne Digitalisierung nicht denkbar

gewesen.

Hat sich die Digitalisierung für die

GLKB gelohnt ?

Ganz klar. Der Börsengang 2015 wäre

ohne unsere Wachstumsstory nicht

möglich gewesen. Auch heute noch

empfiehlt die Zürcher Kantonalbank

Anlegern die GLKB-Aktien mit

« Übergewichten ». Eine Kantonalbank

mit Wachstumsfantasie an der Börse

ist schon eher die Ausnahme ... Es

gibt wohl auch kaum eine Geschäftsleitung

oder hochkarätige Delegation

einer Kantonalbank, die nicht hier bei

uns gewesen wäre, um sich anzusehen,

was wir hier tun. Das ist schon spannend.

Wenn man bedenkt, dass wir am

Anfang belächelt wurden ... Einige sagten

mir den sicheren Tod voraus. Aber

das ist Anerkennung gewichen.

Wie geht es weiter bei der Glarner

Kantonalbank ?

Wir machen auf jeden Fall weiter mit

unserer dualen Strategie « digital und

persönlich ». Wir setzen also weiterhin

auf unsere Online- und Offlinekanäle.

Wir wollen auch weitere Digitalisierungsinitiativen

entwickeln, um

unser Geschäft zu diversifizieren und

zu wachsen. Immer wichtiger ist auch

unser B2B-Geschäft, in dem wir die

Lizenzen für unsere Omaten bündeln,

oder die Kreditfabrik, mit der wir alle

Services im Kreditgeschäft Dritten anbieten.

Grundsätzlich bleiben wir aber

die Bank der Glarnerinnen und Glarner.

Hier ist unser Hauptmarkt, von hier

kommen wir, hier sind wir zuhause.

Digitale Fitness

Auf einer Skala von 1 bis 10, als wie

« digital fit » bezeichnen Sie …

8

6

sich

selbst ?

die Finanzbranche

?

7

8

die

Schweiz ?

GLKB ?

Über Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank mit Sitz in

Glarus ist die Kantonalbank des Kantons

Glarus. Sie wurde 1884 gegründet und

ist in Form einer spezialgesetzlichen

Aktiengesellschaft organisiert. Die Bank

verfügt im Kanton über sechs Geschäftsstellen

und beschäftigt insgesamt rund

220 Mitarbeitende. Per 30. September

2018 verfügte die Glarner Kantonalbank

über eine Bilanzsumme von rund 6,00

Milliarden Schweizer Franken. Im Juni

2014 ging die Bank als spezialgesetzliche

Aktiengesellschaft an die Schweizer

Börse. ( Quelle: Glarner Kantonalbank )


4

Zukunft Banking

02. Dezember 18 | netzwoche.ch/ZukunftBanking

Banking Innovation

In der Digital Factory entwickelt

die UBS die Bank der Zukunft

In der Digital Factory arbeitet die Grossbank UBS am Digital Banking von

morgen. Um neue Produkte noch schneller zur Marktreife zu bringen, werden

hier mit agilen Arbeitsmethoden sogenannte «Minimal Viable Products»

entwickelt – insbesondere auch für KMUs.

Autor: Marc Landis

Mit dem Siegeszug von

Smartphones und der

rasanten Entwicklung

von Onlinediensten

haben sich die Kundenbedürfnisse

verändert. Heutzutage

gestalten nicht nur die Digital

Natives und Millennials ihr Leben

digital, sondern auch die älteren Generationen

erkennen und schätzen

den Wert von digitalen Produkten

und Dienstleistungen. Sie erwarten

von Handel und Wirtschaft je länger

je mehr Services, die vom Anfang

bis zum Schluss digitalisiert

sind, sogenannte End-to-End-Lösungen.

Dieses Umdenken auf Kundenseite

wird durch Anbieter wie Amazon

und Zalando befeuert. Sie machen vor,

wie man Kunden so zufriedenstellt,

dass sie « vor Glück schreien », wie es

etwa Zalando versprach.

Die Kunden erwarten ein möglichst

einfaches und unkompliziertes

digitales Einkaufserlebnis, und dies

überträgt sich zwangsläufig auch auf

andere Bereiche ausserhalb des Onlineshoppings.

So wollen Kundinnen

und Kunden auch mit ihrer Hausbank

möglichst unkompliziert und intuitiv

in Kontakt treten.

Aber Kunde etwa von Zalando zu

werden, ist viel einfacher, als Kunde

einer Bank zu werden. Warum ? Finma-Vorschriften

im Zusammenhang

mit KYC ( know your customer ) und

AML ( anti money laundering ) hinderten

Banken bis vor Kurzem daran,

etwa den Prozess der Kontoeröffnung

zu digitalisieren. In der analogen Welt

bedeutete eine Kontoeröffnung, einen

halben Tag freizunehmen, um in die

Geschäftsstelle zu gehen, dort verschiedene

Papiere zu unterschreiben

und dann drei Wochen zu warten, bis

man Karten und PIN erhält.

Das grosse Potenzial der digitalen

Kontoeröffnung erkannte UBS bereits

früh und lancierte 2016 als erste Bank

im Schweizer Markt eine Videoidentifikationslösung,

kurz nachdem die

Finma die entsprechenden Grundlagen

dafür geschaffen hatte. Heute geht

die Kontoeröffnung bei der UBS so :

App herunterladen, Videoidentifikation

am Mobiltelefon durchführen – völlig

papierlos – und nach vier Tagen hat

man Passwörter, Konten und Karten.

Ab dem ersten Quartal 2019 dürfte der

Vorgang mit der neuen elektronischen

Identität noch schneller gehen.

« In der Digital Factory

bauen rund 500 Mitarbeitende

direkt nutzbare,

auf Kundenbedürfnisse

zugeschnittene Produkte

und Lösungen, die

schnell im Markt lanciert

werden. »

Digital Factory als elementares

Gefäss für Innovation

Diese und weitere digitale Innovationen

entstehen bei der UBS in der

sogenannten Digital Factory, einer

Art kreativem Co-Working Space. In

diesem Raum für digitale Innovation

am Zürcher Paradeplatz und in Zürich-Altstetten

entwickelt die Bank

in interdisziplinären Teams digitale

Banklösungen von heute und morgen.

Im Gegensatz zu Think Tanks und

Labors bauen die aktuell rund 500 Mitarbeitenden

in der Factory konkrete,

nutzbare Produkte und Lösungen, die

schnell im Markt lanciert werden und

auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten

sind. In der Factory entwickeln

die Mitarbeitenden aber nicht

alles selbst. Im Falle der Videoidentifikationslösung

setzt UBS auf eine Kooperation

mit einem Start-up, das führend

ist in dieser Technologie.

« Minimal Viable Products » und

agile Entwicklung

UBS setzt bei der Entwicklung in der

Digital Factory auf agile Arbeitsmethoden

und entwickelt in einem ersten

Schritt hin zur Marktreife sogenannte

«Minimum Viable Products», also

Piloten mit beschränktem Funktionsumfang,

die in Tests mit Kunden erprobt

werden. So können die Kundenbedürfnisse

noch genauer ermittelt werden.

Dieses Vorgehen wählt UBS, weil die

Integration neuer digitaler Produkte

in die Prozess- und IT-Architektur für

eine grosse, gewachsene Organisation

wie UBS aufwändig ist. Die Integration

ins Back-End beträgt typischerweise

rund 80 Prozent des Entwicklungsaufwands,

während die Entwicklung

des Front-Ends nur mit 20 Prozent zu

Buche schlägt.

Im Gegensatz zu Start-ups, die quasi

« auf der grünen Wiese » entwickeln

können, gibt es bei etablierten Organisationen

eine bestehende, komplexe

IT-Infrastruktur. Die Mitarbeitenden

sind also gefordert, den laufenden Betrieb

sicherzustellen und gleichzeitig

neue digitale Prozesse zu etablieren.

Diese Art zu arbeiten erfordert von den

Mitarbeitenden auch eine neue Weise

der Zusammenarbeit. In der Digital

Factory arbeiten Fachleute aus unterschiedlichsten

Bereichen in interdisziplinären

Projekt-Teams zusammen.

Im April 2019 bezieht die Digital

Factory neue Räumlichkeiten im trendigen

Kreis 5 in Zürich und ist dort in

bester Gesellschaft von Start-ups und

Kreativ-Firmen. Die Arbeitsplätze am

neuen Standort sind optimal auf die

agile Arbeitsweise in der Digital Factory

ausgerichtet.

Digitalisierung und Technologie

sind wichtige Prioritäten, und UBS

investiert viel in die Entwicklung

neuer Produkte, in die Aus- und Weiterbildung

von Mitarbeitenden und

die kontinuierliche Erweiterung des

Know-hows. Man darf gespannt sein,

welche weiteren Entwicklungen die

Digital Factory hervorbringt.

UBS Digital Business für KMUs auf einen Blick :

Bilder: UBS

E-Banking und Mobile Banking Schnell, einfach und 7x24 Stunden Support

SumUp macht das Smartphone zum Kartenzahlterminal

E-Commerce EASY Kreditkartenzahlungen im Webshop akzeptieren

Spesenmanagement Geschäftsausgaben mit Firmenkreditkarten tätigen

Access App Sicheres Log-in leicht gemacht

Buchhaltung verknüpft mit E-Banking Buchhaltung leicht gemacht

Liquidity Cockpit Liquiditätsplanung direkt im E-Banking

KMU Kredit Online In 15 Minuten bis 500 000 Franken Finanzierung online beantragen

Videogespräch Die persönliche Identifikation einfach via App erledigen

ubs.com/DigitalBusiness

UBS Digital Business für kleine Unternehmen

Kleine Unternehmen haben oft wenig Zeit

für Administration und die Erledigung

ihres Bankgeschäfts. Stattdessen konzentrieren

sie sich lieber auf ihr Kerngeschäft.

Eine Bank muss deshalb alles

daransetzen, ihre Lösungen so einfach

und nützlich wie möglich für den User zu

gestalten. In der Digital Factory arbeitet

UBS deshalb auch an neuen digitalen

Angeboten für KMUs.

Der Nutzen liegt aber nicht allein im

Angebot vieler innovativer Lösungen,

sondern die Systeme müssen gleichzeitig

den höchsten Sicherheitsstandards

entsprechen.

Nützliche Tools

Mit UBS Digital Business können kleine

Unternehmen von einem Bankpaket mit

vielen nützlichen Tools profitieren.

E- und Mobile Banking gehören inzwischen

zum Standardangebot von Banken. Das

breite Angebot nützlicher Funktionalitäten

macht jedoch den Unterschied

bei UBS. KMUs unterschätzen oft das

Risikopotenzial, das von Cyberkriminalität

ausgeht. Sie werden immer häufiger

Opfer gezielter Attacken. Gut also,

wenn die Bank darüber aufklärt, wie man

das individuelle Gefahrenpotenzial

eruieren und sich wirksam schützen kann.

Für Unternehmer ist es wichtig, immer

genügend liquide zu sein, um Löhne von

Mitarbeitenden und Rechnungen zahlen

oder geplante Investitionen tätigen zu

können. Mit UBS E-Banking ist nicht nur

eine vorausschauende Liquiditätsplanung

auf ein Jahr möglich, sondern dank

Schnittstellen zur Buchhaltungssoftware

spart der automatische Datenabgleich

enorm viel Zeit und Nerven. Und wenn

gerade mal die Mittel fehlen, kann in

einem erleichterten Verfahren ein Kredit

von bis zu 500 000 Franken online beantragt

werden, der innert zwei Tagen

beantwortet wird. Je nach Geschäftsmodell

einer Firma werden unterschiedliche

Bezahlsysteme benötigt. Sei es für den

Webshop, sei es im Einzelhandel – integrierte

Lösungen mit anderen Anbietern

erlauben die Annahme der gängigsten

Zahlungsmittel.

Vereinfachte Kontoeröffnung

Neukunden profitieren von Anfang

an dank einer stark vereinfachten Kontoeröffnung.

In wenigen Minuten können

die wesentlichen Angaben bequem

online erfasst und ein individuelles

Bankpaket zusammengestellt werden. Die

Dokumente werden innert wenigen Tagen

zwar immer noch physisch zur Unterschrift

zugeschickt, aber die Identifikation

erfolgt ganz einfach mittels Videokonferenz.

Der grosse Vorteil: Der Unternehmer

muss für die Kontoeröffnung keine Bankfiliale

mehr aufsuchen – auch da bleibt

mehr Zeit fürs Tagesgeschäft.

Bei aller Vereinfachung und Automatisierung

dank neuer Technologien – manchmal

braucht man einfach einen Menschen,

der bei einem ganz konkreten Anliegen

weiterhilft. UBS bietet Beratung und

Support rund um die Uhr. Dies sind nur

einige praktische Vorteile von UBS

Digital Business. Das Angebot wird auch

in Zukunft kontinuierlich erweitert, damit

KMUs vom umfassenden Know-how und

der gebündelten Erfahrung einer Universalbank

profitieren können.


netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

5

Digitalisierung ist Chefsache

« Wir verschmelzen Tradition mit Innovation

und gestalten das Private Banking der Zukunft »

Die Falcon Private Bank wagt unter CEO Martin Keller den Neustart. Mit einer ambitionierten Wachstumsstrategie,

einer neuen Crew und einem Ausbau des Advisory- und Blockchain-Angebots will Keller den Turnaround schaffen.

Interview: Marc Landis Redaktion: Fabian Vogt

Was haben Sie für ein Jahr als CEO

hinter sich?

Martin Keller: Ein spannendes Jahr,

aber auch ein aufwühlendes. Seit dem

Wechsel von Walter Berchtold zu mir

im Herbst 2017 ist einiges passiert. Wir

haben viel Zeit in die Ausarbeitung

einer neuen Strategie investiert. Dafür

haben wir sämtliche Stakeholder involviert

und uns gefragt, wo wir eigentlich

hinwollen. Die Geschäftsleitung

hat gemeinsam mit dem Shareholder

und dem Verwaltungsrat einen detaillierten

Plan für die nächsten Jahre ausgearbeitet.

Das klingt nach einem aufwändigen

Prozess.

Ja, aber das war nötig. Es war auch

eine Art Bereinigungsprozess, den

es brauchte, um die Themen der Vergangenheit

zu verarbeiten. Besonders

beim Aktionär musste Klarheit geschaffen

werden, damit sich gewisse

Dinge nicht mehr wiederholen. Vor

rund zwei Monaten ist uns eine Punktlandung

gelungen und nun setzen wir

den klar definierten Plan um.

Was hat sich im operativen Bereich

getan?

Wir haben uns auf der digitalen Asset-

Management-Seite weiterentwickelt. Im

Krypto-Bereich sind wir führend und

differenzieren uns klar von der Konkurrenz.

Im technologischen und operativen

Bereich haben wir sehr viel erreicht

und können nächstes Jahr anfangen,

Lösungen zu implementieren, die auf

dem Kerngeschäft aufbauen und unseren

Kunden direkten Zusatznutzen bringen.

Sind Sie auf Kurs oder so weit,

wie Sie sein wollten?

Wir sind auf Kurs. Die Strategiefindung

hätte für mich etwas schneller

gehen können, was hauptsächlich an

meiner intrinsischen Unruhe liegt.

Aber das war nicht realistisch, wenn

man sieht, welche Dimension die Entscheide

hatten, die wir fällen mussten.

Unter anderem haben wir den Sommer

genutzt, um mit Unterstützung einer

Beratungsfirma an jeder Stellschraube

zu drehen, sämtliche Kosten, Ertragstreiber

und alle strategischen Optionen

auszuloten. Wir wollten herausfinden,

welche Chancen wir mit der Bank

haben und eine passende Strategie definieren

; das braucht einfach Zeit.

Wie sieht die Neupositionierung

der Bank nun aus ?

Falcon bleibt auch in Zukunft eine agile

und unternehmerische Private-Banking-Boutique.

Wir verschmelzen Tradition

mit Innovation und gestalten

das Private Banking der Zukunft. Es

gilt, Trends frühzeitig zu erkennen und

unsere marktführende Kompetenz bei

der Verwaltung digitaler Vermögenswerte

weiter auszubauen.

Und wie kommen Sie dorthin ?

Unser Plan basiert auf drei Säulen.

Erstens schauen wir die gesamte operative

Plattform an : Wo haben wir Optimierungspotenzial,

welche Kosten

können und müssen reduziert werden

? Zweitens fokussieren wir auf

Kernmärkte und der dritte und wichtigste

Punkt ist eine Reihe von Wachstumsinitiativen,

die wir aktuell implementieren.

Werden diese Initiativen hauptsächlich

interne oder externe Bereiche

betreffen?

Die Wachstumsstrategie geschieht in

erster Linie an der Kundenfront. Wir

sind daran, zusätzliche Relationship

Manager zu rekrutieren, um an der

Front auszubauen. Parallel dazu soll

die Beratung zunehmend digital unterstützt

werden. Ausserdem fahren wir

einen Multi-Custody-Ansatz und erweitern

unser Krypto-Angebot. Ein

weiterer Bereich ist der Aktionär, der

unheimlich viele Ressourcen hat, die

wir nutzen wollen. Sei das zum Beispiel

in Form von Co-Investments mit

unseren Kunden und unserem Eigentümer

Mubadala. Oder indem wir Synergien

im Direktkundengeschäft nutzen

oder mit anderen Banken, bei denen

wir als eine Art « Wealth Management

Boutique of Choice » auftreten können.

Wie sieht die Roadmap für die

nächsten zwölf Monate aus ?

Dieses Jahr war und auch 2019 wird

ein Transformationsjahr. Da werden

wir operative Themen auf Kosten-,

Ertrags- und Investitionsseite angehen,

was wir teilweise dieses Jahr bereits

begonnen haben. Zudem haben

wir seit September einen neuen CFO,

einen neuen COO und einen neuen

Head of HR.

Wie sehen Ihre Pläne in der

Beratung aus?

Hier kommt der erwähnte Multi-Custody-Ansatz

zum Tragen. Unabhängig davon,

bei welcher Bank der Kunde sein

Geld gebucht hat, wollen wir ihm unsere

umfassende Beratung, mit einer

konsolidierten Vermögensabbildung,

anbieten.

« Wir haben uns digitale

Kompetenz erarbeitet,

während viele

Banken gegenüber dem

Thema ‹Digital Assets›

Ablehnung zeigten. »

Sie verfolgen demnach einen klaren

Plattformgedanken.

Genau. Wir wollen eine Bank bleiben,

gleichzeitig aber auch als unabhängiger

Asset Manager agieren und die

besten Komponenten in einer Banking-Plattform

zusammenbringen. Das

Beste aus zwei Welten sozusagen.

Eine Welt, in die auch die Investition

in Krypto-Währungen hineingehört,

wie Sie vorhin sagten. Wie lief das an ?

Wir sind gut gestartet. Falcon war die

erste Privatbank, die das Thema anging

und ihren Kunden entsprechende

Dienstleistungen anbot. Wir glauben an

die Technologie und diese – nennen wir

sie mal Technologie-Anlageklasse. Wir

bearbeiten das Thema auch, weil wir

innovativer sein wollen, sein müssen,

als unsere grösseren Konkurrenten. Die

Resonanz ist bisher sehr positiv.

Martin Keller, CEO, Falcon Private Bank

Welche Anlagemöglichkeiten schaffen

Sie konkret im Bereich Krypto-

Währungen? Stellen Sie Portfolios

für die Kunden zusammen ?

Wir bieten den Kunden einen einfachen

Zugang zur Aufbewahrung und

zum Handel von Krypto-Währungen.

Je nach Risikoprofil können die Kunden

ihr Portfolio mit einem kleinen

Anteil dieser Anlageklasse diversifizieren.

Investitions- oder Fondsprodukte

gibt es bei uns keine, aber wir bauen

unser Krypto-Angebot weiter aus.

Sie arbeiten dafür unter anderem

mit Bitcoin Suisse zusammen,

können Sie mehr darüber erzählen?

Das ist vor allem eine funktional getriebene

Zusammenarbeit. Bitcoin

Suisse macht die Umwandlung von

Krypto-Währungen in Fiat-Geld und

umgekehrt. Wir kümmern uns um das

gesamte Reporting und die Aufbewahrung.

Als erste und bisher einzige Bank

haben wir einen Prozess implementiert

– der übrigens vom Wirtschaftsprüfer

abgesegnet ist –, um die im

Krypto-Bereich gemachten Vermögen

unter gewissen Bedingungen annehmen

zu können.

Sind Initial Coin Offerings für Falcon

ein Thema?

Ja, das ist ein wichtiger Teil der Strategie

im Krypto-Bereich. Aber da müssen

wir mit Partnern extrem selektiv

abklären, welche ICOs unterstützt

werden sollen.

ICO und Krypto sind Hochrisikogeschäfte.

Haben Sie keine Angst,

sich die Finger zu verbrennen ?

Mit unserer Vergangenheit können wir

uns das nicht erlauben. Wir haben uns

eine Kompetenz erarbeitet, während

viele Banken gegenüber dem Thema

Digital Assets Ablehnung zeigten. Solche

Geschäfte machen bisher auch

kaum andere Banken ( nur die Hypothekarbank

Lenzburg und die Bank

Frick bieten auch Krypto-Geschäfte

an, Anm. d. Red. ).

Wie können Sie diese Angaben

bekommen?

Interessant ist ja, dass gerade die

Blockchain dafür gemacht ist, die gesamte

KYC-Kette ( know your customer,

eine Legitimitätsprüfung, Anm. d.

Red. ), zu durchleuchten. Wir arbeiten

dafür mit unseren eigenen Ressourcen

sowie spezialisierten Partnern, die international

tätig sind. Zudem stimmen

wir uns laufend mit unserem Revisor

und der Finma ab. Wir fühlen uns kompetent

genug und dringen nur in Gebiete

vor, die wir verstehen. Zudem

haben wir kein Marktrisiko an Krypto-Währungen.

Wir betreiben weder

Eigenhandel noch haben wir eine Verantwortung

im Beratungsbereich.

Trotzdem haben Sie Risiken

erwähnt. Welche bleiben?

Möglicherweise Reputationsrisiken,

wenn entweder wir oder der Kunde

gehackt würden.

Wie garantieren Sie, dass das nicht

passiert?

Falcon betreibt seit Sommer 2017 eine

eigene Custody-Lösung für Krypto-

Währungen. Diese wurde vom Auditor

geprüft und nutzt eine mehrfach geschützte

« Cold-Storage-Lösung », die

nicht mit dem Internet verbunden und

somit gegen Hacker-Angriffe geschützt

ist. Die Prozesse beinhalten mehrfache

unabhängige Kontrollen, die das

Risiko einer unerlaubten Transaktion

reduzieren. Gewisse Schritte können

nur von mehreren Personen gemeinsam

durchgeführt werden - Stichwort:

Multi-Signature.

Weshalb arbeiten Sie bei der Falcon

Bank ? Sie hatten sich ja aus Ihrer

operativen Tätigkeit zurückgezogen

und waren hauptsächlich noch in

Verwaltungsräten tätig.

Mich hat die Herausforderung interessiert,

unternehmerisch und intellektuell

etwas zu übernehmen, das

eine schwierige Vergangenheit hat.

Und Falcon nachhaltig erfolgreich zu

machen. Das haben alle Mitarbeitenden

und die Kunden verdient, die uns

auch in schwierigen Zeiten die Treue

hielten. Dabei trifft man natürlich auf

Schwierigkeiten in der Umsetzung,

was unter anderem kulturbedingt ist.

Das ist nicht immer nur eine ‹ lässige›

Aufgabe.

Apropos Aufgaben : Was steht als

Nächstes an ?

Die Kostenoptimierungen umsetzen,

das Geschäftsmodell optimieren und

vor allem im Wachstumsbereich all die

Dutzenden Initiativen zum Laufen zu

bringen. Wie gesagt, 2019 soll ein Umbaujahr

werden, ab 2020 / 2021 wollen

wir die Früchte unseres Erfolgs ernten.

Wie sieht Ihr eigener Zeithorizont

bei der Falcon Private Bank aus?

Mein Engagement dauert mindestens

fünf Jahre, darüber hinaus kann ich

noch nichts sagen. Das Letzte, was diese

Bank nach all den Phasen der Unsicherheit

brauchen kann, ist weitere

Instabilität. Meine Ambitionen sind

klipp und klar, dass ich der Bank zurück

zum Erfolg verhelfen will und

mich dann in vielen Jahren auf meine

VR-Mandate zurückziehen kann.

Dieser CEO-Posten wäre dann der

Höhepunkt Ihrer Karriere gewesen.

Ich hoffe, dass das so kommen wird.

Digitale Fitness

Auf einer Skala von 1 bis 10, als wie

« digital fit » bezeichnen Sie …

5

4

sich

selbst ?

die Finanzbranche

?

8

8

die

Schweiz ?

Falcon

Private Bank ?

Über Falcon Private Bank

Falcon Private Bank verfügt über mehr

als 50 Jahre Erfahrung im Private Banking

und bietet eine umfassende Vermögensverwaltung

mit Krypto-Fokus an.

Falcon hat den Hauptsitz in Zürich sowie

Niederlassungen in Dubai, London und

Luxemburg. (Quelle: Falcon Private Bank)


6

Zukunft Banking

02. Dezember 18 | netzwoche.ch/ZukunftBanking

Blockchain

Blockchain : viel mehr als nur Bitcoin & Co.

Im Wettrennen um Kunden müssen sich die Banken fitrüsten für die Zukunft. Welche Rolle spielt hier die Blockchain-Technologie ?

Wird sie Banken ausschalten ? Fraglos wird sie das Banking fundamental verändern.

Im Zentrum stehen neue Services zum Registrieren, Aufbewahren und Übertragen von digitalem Eigentum.

Autorin & Interview: Elsbeth Bruderer

Via Smartphone in Echtzeit

Geld überweisen ? Das ist

in Japan seit Kurzem möglich

– gratis. Dank einer

mobilen Banking- und Payment-App.

Vorbei sind die Tage, als der Service

teuer war und der Empfänger Tage

warten musste, bis er sein Geld erhielt.

Blockchain macht’s möglich !

Blockchain hilft auch Handelsfirmen

: Sie verschlankt den Bearbeitungsprozess

für die Ein- und Ausfuhr

von Produkten in der Schweiz und in

Europa. Und zwar von zwei Wochen

auf 48 Stunden. Das spart auch Kosten.

Dahinter steckt die Lösung « we.trade»

einer Schweizer Grossbank.

das Banking seit Jahrhunderten ausmacht:

die Pflege der Kundenkontakte

und das Erfüllen von deren Bedürfnissen.

Dabei werden sie im Hintergrund

von neutralen Service- und Technologie-Anbietern

entlastet.

Auch für den Wirtschaftsstandort

Schweiz bietet die Blockchain grosse

Chancen. Denn Blockchain-basierte

Börsen stehen in den Startlöchern. Damit

werden sich die mit einem Börsengang

verbundenen Kosten nochmals

deutlich reduzieren – um rund 50 bis

80 Prozent am Standort Schweiz. Bessere

Leistungen zu tieferen Preisen,

das dient auch der Wettbewerbsfähigkeit

unseres Landes !

Blockchain verknüpft Beteiligte

ohne Umwege

Blockchain-Anwendungen sind vielfältig.

Und das Potenzial ist längst nicht

ausgeschöpft. In den kommenden Monaten

und Jahren ist mit unzähligen

neuen Anwendungen zu rechnen – gerade

für Unternehmen. Nehmen wir

das Beispiel eines KMUs, das Kapital

beschaffen will. In der analogen Welt

ist dies mit zahlreichen Formalitäten

verbunden. Es ist kompliziert, ineffizient

und teuer. Werden Herausgabe

sowie Transfer von Kapital – und damit

Eigentum – hingegen digitalisiert,

gestaltet sich der Prozess deutlich einfacher,

effizienter und sicherer.

Die dieses Jahr gegründete daura

AG wird ab 2019 die Übertragung von

Schweizer Aktien und deren Registrierung

auf der Blockchain ermöglichen.

Damit erhält jedes Unternehmen

auch ohne teures Börsen-Listing

Zugang zum Kapitalmarkt. Denn das

Konzept basiert auf einem Marktplatz,

der Unternehmen und Investoren

direkt miteinander verknüpft. Die

Blockchain-Technologie hat hier zwei

wichtige Funktionen: Einerseits dient

sie als dezentrale, sichere Datenbank.

Andererseits erlaubt sie, Eigentums-

Für Banken bietet die Blockchain-Technologie immenses Potenzial.

und Stimmrechte, Kapitalmassnahmen

( Dividendenausschüttungen, Rückzahlungen

usw. ) sowie den Aktienhandel

zentral in einem System zu managen.

Digitale Tresore zur sicheren

Speicherung von Crypto-Assets

Die Blockchain dient aber auch als

digitaler Tresor. Denn digitale Werte

müssen sicher aufbewahrt werden. Das

betrifft nicht nur frisch emittierte Aktien,

sondern auch Blockchain-basierte

Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether,

Litecoin oder den Schweizer Lykke.

Führend beim Handel sind gegenwärtig

Asien und die USA. In Europa

ziehen insbesondere Grossbritannien,

Deutschland und die Schweiz mit.

Gerade die Schweiz bietet diverse

Standortvorteile, um Speicherlösungen

für digitale Assets anzubieten :

Sie kann mit Datensicherheit, Bankgeheimnis

und krypto-freundlichen

Regulationen auftrumpfen. Denn

gefragt sind sichere und benutzerfreundliche

Lösungen, die kompatibel

mit Finanzmarktregulierungen sind.

Unterschieden wird dabei zwischen

sogenannten kalten und warmen Speichermöglichkeiten.

Erstere setzt auf

eine Offline-Speicherumgebung, letztere

auf einen Onlinespeicher, zu dem

der Zugang nur mit Mehrfachauthentifizierung

möglich ist.

Prinzipiell ist es Schweizer Banken

erlaubt, digitale Assets ihrer Kunden

entgegenzunehmen und für sie aufzubewahren.

In der Praxis zögern viele

Banken damit. Aus ihrer Sicht sind Legitimationsprüfung

( know your customer

– KYC ) und das Vorbeugen von

Geldwäsche (anti money laundering –

AML ) im Zusammenhang mit digitalen

Assets noch nicht zufriedenstellend

gelöst. Dennoch bieten erste Institute

aus der Schweiz und Liechtenstein

Speichermöglichkeiten an. Denn die

entsprechenden Services werden stark

nachgefragt. Und es lässt sich mit den

heutigen technischen Möglichkeiten

zurückverfolgen, woher die digitalen

Assets kommen.

Blockchain wird Banken nicht zum

Verschwinden bringen

Es zeigt sich also : Für Banken bietet die

Blockchain-Technologie und der Trend

zur Digitalisierung von Eigentum immenses

Potenzial. Die Nachfrage nach

Angeboten für die Blockchain-basierte

Ausstellung, Übertragung und Speicherung

von Wertrechten wird substanziell

zunehmen. Die neue Technologie

wird folglich Banken nicht zum

Verschwinden bringen. Vorausgesetzt,

sie konzentrieren sich auf das, was

Blockchain kurz erklärt

Blockchain ist ein dezentrales Protokoll

für Transaktionen zwischen Parteien. Es

erfasst jede Veränderung transparent,

ohne dass dabei eine vertrauenswürdige

Drittpartei erforderlich ist. Wortwörtlich

aus dem Englischen übersetzt, bedeutet

Blockchain so viel wie « Blockkette » – in

diesem Fall eine Kette aus Transaktionsblöcken.

Jeder Block erhält einen

Fingerabdruck des vorherigen und nachfolgenden

Blocks, sodass eine zusammenhängende

Kette entsteht. Die Entfernung

einzelner Blöcke aus der Kette

fällt auf. Dadurch werden nachträgliche

Manipulationen verunmöglicht.

Die Blockchain funktioniert somit wie

eine dezentral verwaltete Datenbank.

Darin werden Geldeinheiten, Wertpapiere

( z.B. Aktien ) oder Besitzrechte

( z.B. Grundbucheinträge ) dezentral

verwaltet. Dadurch wird die Transaktion

von Eigentum ohne zentralen Vermittler

ermöglicht. Die Technologie zeichnet sich

dadurch aus, dass sie transparent, unveränderbar

und sicher ist.

« Wir entwickeln eine

Plattform für regulierte

Finanzdienstleister »

Herr Höhener, Sie leiten den Bereich FinTech

bei Swisscom Digital Business – welche Ziele

verfolgen Sie da ?

Johannes Höhener: Um es gleich vorweg zu sagen:

Swisscom wird keine eigene Bank aufbauen,

sondern weiter den Markt für regulierte Finanzdienstleistungen

digitalisieren. Dabei positionieren

wir uns im Geschäftskundensegment.

Wir fokussieren auf digitale Finanzmarktplätze.

So sind wir beispielsweise Investorin und

IT-Partnerin bei der kürzlich lancierten Credit

Exchange. Wir setzen auf sogenannte digitale

Vertrauensdienste und bringen zum Beispiel bei

der SwissSign unsere Lösungen zur Authentifizierung

und digitalen Unterschrift ein. Und wir

bauen auf sogenannte Blockchain Digital Asset

Services. Denn diese sind die Basis zukünftiger

Finanztransaktionen. Wir wollen also Lösungen

für das Registrieren, Aufbewahren und Übertragen

von digitalem Eigentum schaffen.

Was sind konkrete erste Schritte von Swisscom

im Kontext der Digital Asset Services?

Wir haben dieses Jahr gemeinsam mit dem Zuger

Anwalts-, Steuer- und Compliance-Unternehmen

MME die daura AG gegründet. Diese ermöglicht

bereits ab 2019 die direkte Übertragung von

Schweizer Aktien unter Investoren und deren

Registrierung auf der Blockchain. Damit erhalten

auch nichtgelistete Firmen Zugang zum

Kapitalmarkt.

Und fürs Aufbewahren von digitalen Assets

haben Sie auch bereits eine Lösung ?

Nein, so schnell geht das nicht, das ist ja doch

einigermassen komplex ( lacht ) ! Deshalb gibt es

bisher auch kaum Lösungen für das institutionelle

Geschäft. Wir entwickeln aktuell in enger

Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern eine

Plattform für regulierte Finanzdienstleister.

Damit sollen deren Endkunden einen digitalen

Tresor erhalten, in dem sie digitale Assets sicher

aufbewahren können. In diesem Kontext haben

wir auch in das Start-up Metaco investiert sowie

gemeinsam mit Sygnum die Custodigit AG gegründet.

Sind denn digitale Assets nicht einfach ein Hype?

Fakt ist, dass die Blockchain-Technologie Vertrauen

unter Unbekannten schaffen kann. Denn

Transaktionen sind transparent und nachvollziehbar.

Dadurch wird das System immun gegen

Manipulationen.

Dank der Entwicklung offener Internetprotokolle

wird es möglich, digitale Werte so unkompliziert

zu übertragen wie Informationen

Johannes Höhener

Leiter FinTech bei Swisscom

Digital Business

über das Internet. Dies kann gar dazu führen,

dass das von den Zentralbanken geschaffene

Geld mittelfristig an Bedeutung verliert und

durch andere digitale Vermögenswerte ersetzt

wird.

Spannend ist zudem : Bis dato wurden über

zwei Milliarden Schweizer Franken via Venture

Kapital und zehn Milliarden via ICOs in

Krypto- und Blockchain-Firmen investiert.

Nun beginnen grosse Börsen wie die Eurex,

SIX oder die Stuttgarter Börse mit dem Handel

von digitalen Assets. Einzelne Finanzinstitute

werden wohl künftig ausschliesslich auf diese

Assets fokussieren.


netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

7

Digitalisierung ist Chefsache

« Das Bankgeschäft wird nie ganz online

stattfinden – der Mix der Kanäle ist entscheidend »

Wer an Business Innovation denkt, dem kommt früher oder später Zühlke in den Sinn. Seit Juli hat das Unternehmen,

das auch stark in der Finanzindustrie verankert ist, mit Nicolas Durville einen neuen CEO. Im Gespräch erklärt er gemeinsam

mit Heinz Rudin, Director Business Development Banking bei Zühlke, wie Banken von Zühlke profitieren können.

Interview : Marc Landis

Redaktion : Oliver Schneider

Zühlke feiert dieses Jahr das

50-jährige Jubiläum. Wie unterscheidet

sich das damals von Gerry

Zühlke gegründete Unternehmen

von der heutigen Zühlke ?

Nicolas Durville : Wir waren 1968 eine

sehr kleine Firma. Gerry Zühlke führte

sie als Patron und brachte sich inhaltlich

stark ein. Damals gab es auch Software

im heutigen Sinne noch nicht.

Die Firma wuchs dann stark im Bereich

der Produktentwicklung und in

den letzten 20 Jahren in der Softwareentwicklung.

Heute sind wir mit über

1000 Mitarbeitenden an 14 Standorten

in 8 Ländern erfolgreich unterwegs.

Sie sind seit Juli 2018 Zühlke-CEO.

Wie möchten Sie das Unternehmen

prägen ?

Durville : Unsere Strategie mit dem

Ziel, Partner für Business Innovation

zu sein, setzen wir weiter fort. Natürlich

will ich Akzente setzen, gerade

beim Banking. Ich will erstens die Beratung

ausbauen, damit wir dem Kunden

bei der digitalen Innovation früh

zur Seite stehen können. Zweitens will

ich unsere internationale Expansion

vorantreiben. Und drittens soll Zühlke

Unternehmen dabei unterstützen, physische

Produkte und digitale Lösungen

zu verschmelzen. Servitization, das ist

der Trend.

Was verstehen Sie unter diesem

Begriff ?

Durville : Unternehmen wollen heute

nicht mehr nur ein Produkt anbieten,

sondern es in eine Dienstleistung verwandeln

und so eine Gesamtlösung

ermöglichen. Über ein Produkt alleine

kann man sich kaum mehr differenzieren.

Zühlke will also zum Berater

werden. Wo erreichen Sie mit dieser

Strategie die Kunden ?

Durville : Dort, wo Business, Technologie

und das Endkundenerlebnis in

der Praxis aufeinandertreffen. Was wir

nicht machen, ist klassische Beratung

für die Unternehmensstrategie oder

für Reorganisationen. Wenn der Kunde

merkt, dass er sich verändern muss,

und Technologie als Enabler für diese

Veränderung erkennt, dann kommen

wir ins Spiel.

Der Kunde denkt also an Technologie

und kommt automatisch zu Ihnen ?

Durville : Er muss nicht zwingend an

Technologie denken, aber er muss erkannt

haben, dass Technologie ihm

einen kompetitiven Vorteil verschaffen

kann, und er muss bereit sein, sich zu

verändern. Wir definieren dann Strategien,

die technologisch umsetzbar

sind. Beispiele dafür sind der Aufbau

von Innovation Labs, die Entwicklung

neuer Geschäftsmodelle mit künstlicher

Intelligenz oder die Optimierung

von Customer Journeys.

Heinz Rudin : Wir schärfen die Ideen

des Kunden, holen über einen Prototyp

erste Kundentests und -feedbacks ein

und sammeln dann möglichst schnell

erste Erfahrungen auf dem Markt.

Wie will Zühlke Finanzdienstleister

auf dem Weg zum digitalen Unternehmen

unterstützen?

Durville : Finanzdienstleistungen sind

Nicolas Durville, CEO, Zühlke

im Umbruch. Es ist enorm viel Energie

im Markt, aber auch viel Verunsicherung.

Unser Anspruch ist es, den

Kunden Orientierung zu geben und sie

für die Zukunft fit und erfolgreich zu

machen. Wir wollen sie dabei unterstützen,

dass sie von Anfang an auf die

richtigen Ideen setzen, und sie bis zur

Realisierung begleiten. Unsere Kernkompetenz

ist die Verbindung von

Business und Technologie, sodass die

Endkunden von der Lösung begeistert

« Zühlke soll Unternehmen

dabei unterstützen,

physische

Produkte und digitale

Lösungen zu

verschmelzen.

Servitization, das

ist der Trend. » – Durville

sind. Die Branchen-Expertise kommt

dabei häufig von unseren Kunden, da

dies ihre Kernkompetenz ist und sie

ihr Geschäft am besten kennen. Mit

ihnen zusammen entwickeln wir dann

die entsprechenden Produkte.

Banken zu digitalisieren, das versprechen

viele Anbieter. Wie holen

Sie Banken zu sich ins Boot?

Rudin : Traditionell als Technologiehersteller,

der Projekte in Zeit und

Budget umsetzt. Heute kommen Banken

direkt auf uns zu, damit wir sie

bei der Realisierung von Initiativen

unterstützen. Vor allem dann, wenn

die Kunden erkannt haben, dass Technologie

ihnen einen kompetitiven Vorteil

verschafft und sie bereit sind, sich

zu verändern. In einem Fall hatten

wir eine Anfrage von einer Bank, sie

bei der Entwicklung in eine datengesteuerte

Organisation zu unterstützen.

Die Disziplinen Data Governance und

Data Management sowie die Datenplattform

als Werkzeug für das Datenmanagement

sind dabei wichtige Aspekte.

Durville: Banken kommen zu uns,

wenn sie sich in einem Bereich differenzieren

wollen und ein standardisiertes

Produkt nicht reicht, oder

wenn es eine massgeschneiderte Lösung

braucht. Core-Banking-Hersteller

erfüllen in den meisten Fällen die

Vorgaben im Beratungsgeschäft an der

Kundenfront der Banken noch nicht,

und FinTech-Unternehmen decken

nur Teilbereiche ab.

Wie können Banken die digitale

Transformation in der Finanzbranche

überstehen?

Durville: Ich bin grundsätzlich positiv

gestimmt, was die Zukunft der Banken

anbelangt. Es werden sicher neue

Player auf den Markt kommen, aber

Banken wird es auch in Zukunft brauchen.

Man muss dies allerdings differenziert

betrachten. Für kleine und

teilweise auch mittelgrosse Privatbanken

wird es schwierig werden, denn

dort steigen die Investitionsvolumen

für die Digitalisierung – dies zusätzlich

zu den hohen Ausgaben für die

Umsetzung der regulatorischen Vorgaben.

Grössere Privatbanken haben

bessere Karten, wenn sie die Vorteile

von digitaler Beratung nutzen, eine

Omni-Channel-Strategie fahren und

vom Kunden her denken. Ganz online

wird das Bankgeschäft nie stattfinden

– der Mix der Kanäle ist entscheidend.

Welche Fragen müssen sich Banken

stellen, um heutige und zukünftige

Heinz Rudin, Director Business Development Banking, Zühlke

Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen?

Wie können sie ihre Kunden stärker

in den Mittelpunkt stellen?

Rudin: Eines ist klar : Digitale Services

mit Bots und Robo-Advisors können

dem Kunden einen Mehrwert bieten.

Data Driven Banking kann bei der

Entwicklung neuer Produkte, die auf

« Open Banking muss

man vorantreiben und

seine Schnittstellen

für andere Dienstleister

öffnen. » – Rudin

den Kunden zugeschnitten sind, helfen.

Beim operativen Geschäft können

Kooperationen, Standardisierung und

Automatisierung Kosten senken. Ausserdem

muss man Open Banking vorantreiben

und seine Schnittstellen für

andere Dienstleister öffnen.

Durville: Der kulturelle Aspekt bleibt

eine Herausforderung. Veränderung

und Innovation sind bei den Banken

immer noch ein Kraftakt. Das hängt

mit ihrem Geschäftsmodell zusammen,

das auf Stabilität und Verlässlichkeit

beruht. Banken haben keine Fail-

Fast-Kultur, denn ihr Angebot muss

funktionieren und den regulatorischen

Anforderungen genügen. Ausserdem

ist die Branche personell relativ stark

geschlossen. Banken sollten sich also

überlegen, wie sie Leute von aussen

anziehen und eine Umgebung schaffen

können, in der das Fehlermachen erlaubt

ist und als Chance gesehen wird.

Das klingt relativ einfach, aber in der

Realität gibt es hier leider viele interne

Widerstände.

Welche digitalen Produkte hat

Zühlke für Banken entwickelt ?

Rudin : Wir haben für die Bank Julius

Bär eine digitale Beratungsplattform

entwickelt, um die Arbeitsprozesse

des Kundenberaters zu vereinfachen.

Ausserdem haben wir Produkte wie

ein vernetztes Sparkässeli – das Digipigi

für die Credit Suisse –, den Daten-Safe

für die Firma DSwiss, der bei

vielen Schweizer Banken als Zusatzservice

im E-Banking im Einsatz ist,

oder das Onlineportal « Hypoplace »

für die Hypothekenbörse AG entwickelt.

Auch im Back-End-Bereich

sind wir unterwegs und haben Finanzdienstleistern

dabei geholfen, ihre

grossen Systeme abzulösen.

Wird es Zühlke in 50 Jahren

noch geben, und wie wird das

Unternehmen dann aussehen?

Durville: Wenn wir weiterhin unsere

Kunden in den Mittelpunkt stellen

und die besten Talente gewinnen und

entwickeln, wird es uns auch in 50

Jahren noch geben. Zühlke wird natürlich

anders aussehen : Mitarbeiterzahlen

im fünfstelligen Bereich, stärker

international positioniert und in den

wichtigsten Märkten präsent. Unsere

Herausforderung wird darin bestehen,

die Zühlke-DNA und -Werte trotz

der internationalen Expansion zu

bewahren. Uns treibt Innovation an,

« empowering ideas ». Ich bin sehr

zuversichtlich, dass wir das unseren

Kunden auch in Zukunft bieten

können.

Digitale Fitness

Nicolas Durville

Auf einer Skala von 1 bis 10,

als wie « digital fit » bezeichnen Sie …

9

6

sich

selbst ?

die Finanzbranche

?

Über Zühlke

6

9

die

Schweiz ?

Zühlke ?

Zühlke wurde 1968 von Gerry Zühlke in

Zürich gegründet, mit Fokus auf Produktinnovation.

Fünf Jahre später wurde

das Angebot um Softwareentwicklung

erweitert, und 1980 kamen die Management-Consulting-Dienstleistungen

dazu.

Seit 2011 ebnet die Zühlke Ventures AG

Hightech-Start-ups den Weg zum

Markterfolg. Im Jahr 2000 zog sich der

Firmengründer aus dem Geschäft zurück.

Seither ist die Zühlke Gruppe im Besitz

von Partnern, die alle operativ im Unternehmen

tätig sind. Mit Tochtergesellschaften

in der Schweiz, Deutschland,

Grossbritannien, Österreich, Serbien,

Singapur, Hongkong und Bulgarien erzielte

die Gruppe 2017 mit 960 Mitarbeitenden

einen Umsatz von 154 Millionen

Schweizer Franken. ( Quelle : Zühlke )


8

Zukunft Banking

02. Dezember 18 | netzwoche.ch/ZukunftBanking

Entrepreneur

« Technologie hat mich immer wieder

auf neue Geschäftsideen gebracht »

Marc P. Bernegger ist bekannt als Serientäter, wenn es um die Gründung von Start-ups geht.

Seit 1999 ist er in der Jungunternehmer-Szene unterwegs und investiert seit einigen Jahren in Blockchain

und Kryptowährungen. Im Interview spricht er darüber, was ihn antreibt.

Interview : Marc Landis

Marc P. Bernegger

Sie bezeichnen sich als Serial

Entrepreneur – was reizt Sie so am

Unternehmertum?

Marc P. Bernegger: Mich fasziniert

die Gestaltungskraft als Unternehmer

und die Möglichkeit, zusammen mit

Gleichgesinnten etwas nachhaltig zu

verändern, sprich einen echten und

positiven Impact zu generieren. Was

gibt es Erfüllenderes, als mit vollem

Herzblut und mit viel Passion eine

eigene Idee in die Realität umzusetzen?

Zum Unternehmersein gehören auch

Rückschläge. Was waren Ihregrössten

Fails und warum?

Rückblickend war ich oft etwas zu konservativ

und bodenständig, das heisst

in einigen Situationen hätte ich wohl

noch überzeugter von meinen Ideen

sein und diese mit noch mehr Nachdruck

umsetzen sollen.

Seit 2010 beschäftigen Sie sich mit

FinTech und Blockchain. Woherrührt

Ihr Interesse daran?

Mich haben schon immer die Möglichkeiten

fasziniert, die sich durch neue

Technologien ergeben. Angefangen

als Teenager, der damals mit seinem

ersten Computer – einem Commodore

6 – herumexperimentiert hat, über

meine erste Internet-Firma 1999, war

es immer die Technologie, die mich

auf neue Geschäftsideen gebracht hat.

Nach dem Verkauf meiner zweiten

Firma Amiando im Jahr 2010 war es für

mich offensichtlich, dass sich auch die

Finanzindustrie durch die Möglichkeiten

der digitalen Revolution verändern

wird, und daher habe ich damals meinen

Fokus darauf gelegt. Auf Bitcoin

bin ich 2012 zum ersten Mal gestossen,

da ich mich dafür interessiert habe,

wie in Zukunft Werte digital übertragen

werden können.

Wie unterscheidet sich der

Dotcom-Hype von damals von

der heutigen Krypto-Euphorie?

Vieles in der Krypto-Welt fühlt sich

derzeit sehr ähnlich an wie damals in

der grossen Internetwelle: Nach der

anfänglichen Skepsis entsteht innert

kurzer Zeit ein unerwartet massiver

Hype, der wieder abflaut und alle

Skeptiker weiter darin bestärkt, dass

sich diese neue Welt nicht etablieren

wird. Mich persönlich interessieren

keine kurzfristigen Trends und spekulativen

Elemente. Mein Fokus liegt

ausschliesslich auf der langfristigen

Perspektive. Ich bin davon überzeugt,

dass sich viele auf Blockchain basierende

Anwendungsfälle inklusive der

Krypto-Währungen, analog zum Internet,

langfristig behaupten werden.

Es tummeln sich seriöse und weniger

seriöse Akteure in derFinTech-Welt.

Inwiefern hat die Branche dadurch

ein Imageproblem ?

Überall dort, wo in kurzer Zeit viel

Geld angezogen wird, tummeln sich

auch dubiose Gestalten. Aus diesem

Grund ist das Platzen einer Blase

grundsätzlich eine gute Sache, weil es

dadurch die nur am kurzfristigen Profit

orientierten Spekulanten wieder aus

dem Markt spült und nur die an den

nachhaltigen Modellen interessierten

Player verbleiben.

Wie, glauben Sie, wird sich die

Finanzwelt durch Technologie

verändern?

Dazu genügt ein Blick in andere Industrien

wie den Handel oder das Verlagswesen


Was sind Ihre weiteren Pläne für die

Zukunft?

Ich möchte auch in Zukunft zusammen

mit spannenden Personen neue Unter-

nehmen aufbauen und gestalten, die

Trends und Entwicklungen aufgreifen,

bevor diese allgemein ersichtlich sind.

Grundsätzlich also nichts anderes, als

was ich schon seit dem ersten Tag als

Unternehmer gemacht habe.

Über Marc P. Bernegger

Mit 20 Jahren gründete Marc P. Bernegger

die Party-Plattform usgang.ch ( gekauft

von Axel Springer ). Darüber hinaus war

er Mitgründer von Amiando, einer Ticketing-Plattform,

die von Xing aufgekauft

und vom WEF als « Global Technology

Pioneer » ausgezeichnet wurde. Seit 2010

ist er als FinTech-Investor tätig und bei

diversen Start-ups beteiligt. Er ist unter

anderem Mitglied im Beirat von FinLeap,

Verwaltungsratsmitglied der Crypto Finance

AG, der Falcon Private Bank, der Crypto

Finance Conference und von Greater

Zurich Area. Bernegger hat einen Master-

Abschluss in Rechtswissenschaften

der Universität Zürich und absolvierte

das Executive Program der Singularity

University.

Die neue Unabhängigkeit der

Vermögensverwalter – agil, modular, vernetzt

Die Schweizer Finanzindustrie wird sich vor den Auswirkungen der « Open »-Bewegung nicht verschliessen können.

Mit der digitalen Vermögensverwaltungsplattform von Evolute sollen unabhängige Vermögensverwalter ( UVVs ) in der Lage sein,

diese Kundenerwartungen zu erfüllen

Autor: Marc Landis

Wie in fast allen Industrien

beginnen sich

auch in der Finanzindustrie

digitale Plattformen

zu etablieren. Sie haben das

Ziel, Anbieter und Kunden bedürfnisorientiert

zusammenzubringen. Dieser

Trend ist auch in der Vermögensverwaltungsindustrie

im Ausland bereits

allgegenwärtig. Er wird befeuert durch

die Standardisierung des Datenaustausches

und die Kundenwünsche

nach transparenten, qualitativ hochstehenden

Dienstleistungen. Als Beispiel

sei in diesem Zusammenhang die

EU-Richtlinie PSD2 erwähnt, die Banken

in der EU dazu zwingt, anderen

Dienstleistern Kundendaten über eine

standardisierte Schnittstelle zur Verfügung

zu stellen.

Auch die Schweizer Finanzindustrie

wird sich vor den Auswirkungen

dieser «Open»-Bewegung nicht verschliessen

können. «Der mündige

Kunde entscheidet sich für das bedürfnisgerechte

Angebot mit dem besten

Preis-Leistungs-Verhältnis.», sagt

Pascal Lemann, Chief Markets Officer

beim Zürcher FinTech Evolute. Mit der

digitalen Vermögensverwaltungsplattform

von Evolute sollen unabhängige

Vermögensverwalter (UVVs) in der

Lage sein, diese Kundenerwartungen

regelkonform zu erfüllen. «UVVs

profitieren von Funktionalitäten, die

ihnen die tägliche Arbeit erleichtern

und auch die personalisierte Kundenbetreuung

in jeglicher Hinsicht verbessern»,

sagt Lemann.

Compliant, digital, interaktiv

Durch die am 1. Januar 2020 in Kraft

tretenden Rechtsnormen Finanzdienstleistungsgesetz

FIDLEG und Finanzinstitutsgesetz

FINIG werden die UVVs

mit sinkender Profitabilität konfrontiert

werden.

Laut dem « Swiss External Asset

Managers Industry Report 2017 » der

Credit Suisse ist der Margendruck aber

nicht nur auf strengere Regularien,

sondern auch auf Kosten im Zusammenhang

mit wachsender geschäftlicher

Komplexität zurückzuführen.

Laut dem Report ist auch eine Preissensibilität

vor allem bei jüngeren aber

auch bei internationalen Kunden zu

beobachten, die vielfach nicht länger

bereit seien, eine zusätzliche Prämie

für einen Schweizer Vermögensverwalter

zu bezahlen. Dadurch müssen UVVs

künftig ihre Arbeitsweise effizienter

und kundenorientierter erbringen.

Hinzu kommt, dass kleine und mittlere

UVVs teilweise mit einfachen,

unterstützenden Tools arbeiten, die im

Unterhalt aufwändig und funktional

bescheiden sind, wie Lemann weiss.

Solche nicht integrierten Lösungen

dürften die Anpassungen an künftige

Marktanforderungen schwierig machen.

«Ein fundamentaler Strukturwandel

Evolute bietet mit ihrer Plattform eine einzigartige, umfassende digitale Vermögensverwaltungslösung

für unabhängige Vermögensverwalter an.

steht dem Markt der unabhängigen

Vermögensverwalter bevor, um den

Anforderungen wie offene Architektur,

digitales Kundenerlebnis, Disintermediation

zu genügen», sagt Lemann.

« Kunden erwarten heute, dass sie effektiv,

transparent und digital bedient werden.

Mit der heutigen Marktstruktur

sind viele Vermögensverwalter nicht in

der Lage, diese Herausforderungen zu

meistern », sagt Lemann. Deshalb sei es

notwendig, offene Plattformen zu etablieren,

welche die Vermögensverwalter

mit den Kunden, Produktanbietern und

weiteren Dienstleistern effizient digital

verbinden.

Von der Plattform zum Geschäft

« Der Vorteil der Evolute-Plattform

besteht darin, abgesehen von den

CRM- und PMS-Funktionen, verfügbare

Informationen über den Kunden

und sein Anlageverhalten zu bündeln,

zu analysieren und so das Angebot für

ihn mit weiteren passenden Dienstleistungen

und Produkten intelligent

zu optimieren. Auch ermöglicht es

Evolute, dass Vermögensverwalter und

Kunden auf weitere Experten wie etwa

Compliance- oder Steuerexperten zurückzugreifen

können », sagt Lemann.

In der Schweiz nutzen ihmzufolge bereits

15 UVVs die Evolute-Plattform,

darunter LimmatWealth, VT Wealth

Management oder Finanz Konzept.

Und weiteres Potenzial ist vorhanden

: Der UVV-Markt in der Schweiz

und im Fürstentum Liechtenstein ist

laut UVV-Report der Credit Suisse ein

Markt mit rund 2500 Vermögensverwaltern,

die rund 400 Milliarden Franken

verwalten.

Das sagen Kunden über

Evolute

« Dank einer professionellen

Projektplanung, einer dezidierten

Projektleiterin sowie Experten

war die Software innerhalb von

knapp 6 Monaten einsetzbar. »

Hansjörg Andres

Mitglied der Geschäftsleitung, LimmatWealth

«Die Zusammenarbeit mit Evolute

bildet für uns die Grundlage im

dynamischen und «Compliance»

getriebenen Markt der unabhängigen

Vermögensverwaltung.»

Sacha Fedier

CEO, VT Wealth Management

«Evolute bietet mit ihrer Plattform

eine einzigartige, umfassende digitale

Vermögensverwaltungslösung

für unabhängige Vermögensverwalter

an.»

Lars Oberle

Verwaltungsrat, Finanz Konzept


Michele DeStefano of Coral Gables, FL, BA, magna cum laude,

Dartmouth College, JD, magna cum laude, Harvard Law School, is a

Professor of Law at the University of Miami and Guest Faculty at Harvard

Law School’s Executive Education Program and at IE School of Law.

She is the founder of LawWithoutWalls and MOVELΔW. DeStefano

is a former Climenko Fellow and Lecturer at Harvard Law School.

Before attending law school at Harvard, she was an advertising executive

at Leo Burnett and a marketing manager at Levi Strauss & Company.

DeStefano frequently speaks and runs workshops on creative problem

solving, collaboration, culture change, communication, and innovation

for lawyers.

Guenther Dobrauz-Saldapenna of Zürich, Switzerland, PhD in Law,

Johannes Kepler University, MBA, University of Strathclyde, is a partner

with PwC, Leader of PwC Legal Switzerland and a member of

PwC‘s Global Legal Leadership Team. He is a lecturer at various

universities, the founder of Disruption Disciples and the host of educational

video series Appetite For Disruption. Prior to this he was a successful

Venture Capitalist, served as in-house counsel at an international

hedge fund and practiced in court and with a leading business

law firm. Guenther is passionate about innovation, entrepreneurship

and exponential technologies. He is the author of 10 books and

has been delivering keynote speeches at more than 200 leading

conferences worldwide.

Fuelled by advancing technology, new business models, and altered

client expectations, the legal industry faces unprecedented change

across its entire value chain. Unfortunately, many legal professionals

fear the technology train and the convergence of other fields with law.

They see legaltech, AI, and bots like “lions and tigers and bears oh my.”

We (the editors and authors of this book) see opportunity. Although

the future may require us to put on “new suits”—it represents an

enormous opportunity for lawyers to reinvent ourselves for our own

and our clients’ benefit. Filled with chapters written by experts in the

intersection of law, innovation, and technology, this book provides a

global perspective on the diverse legal service delivery ecosystem

that will be our future. It provides chapter upon chapter (reason upon

reason) explaining why lawyers can and should increase their appetite

for disruption in the legal world. So welcome to the jungle and enjoy

the ride as we attempt to systematically map the uncharted waters of

the future legal realm and simultaneously inspire you to build a new

future in law.

netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

9

Digitalisierung ist Chefsache

« Viele Juristen haben Angst, dass es ihren

Job irgendwann nicht mehr geben wird »

LegalTech, künstliche Intelligenz, Bots und Blockchain – Anwälte und Juristen müssen sich genauso mit der Digitalisierung

auseinandersetzen wie andere Berufsstände. Aber wie sieht die « law firm of the future » aus ? Günther Dobrauz-Saldapenna will

als Leiter von PwC Legal Schweiz diese Frage beantworten.

Interview : Marc Landis

Die Digitalisierung hält auch in der

Rechtsberatung Einzug. Wie stehen

Juristen und Anwälte LegalTech,

künstlicher Intelligenz, Bots etc.

gegenüber? Haben sie nicht zu

Recht Angst, dass sie durch Technologie

obsolet werden könnten?

Günther Dobrauz-Saldapenna: Es wird

Dinge geben, die ein Algorithmus besser

und schneller kann als ein Mensch.

Das gilt aber für alle Branchen und

alle Industrien. Und natürlich haben

viele Juristen Angst, dass es ihren Job

irgendwann nicht mehr geben wird.

Aber Angst müssen nur diejenigen haben,

die nichts richtig Werthaltiges für

ihre Kunden schaffen und solche, die

sehr repetitive Dinge tun, die schnell

erlernbar sind …

… was eine Maschine besser könnte ?

Genau. Denn alles, was automatisierbar

ist, wird automatisiert werden.

Und alles, was automatisiert wird,

wird rationalisiert werden. Wir Juristen

und Anwälte müssen uns zum

Wohle unserer Kunden selbst neu erfinden

– und übrigens auch zu unserem

eigenen Wohl. Ich kenne keinen richtigen

Anwalt, der sich freut, wenn er

die 27. Standard-GmbH gründen oder

den 48. Standard-Leasing-Vertrag aufsetzen

muss. Wenn man langweilige

Dinge nicht mehr machen muss, kann

man endlich wieder das tun, wofür

man eigentlich Anwalt geworden ist,

nämlich um Zeit mit seinen Mandanten

zu verbringen, wichtige Probleme

zu lösen und so Mehrwert zu schaffen.

Technologie wird das Werthaltige

nicht ersetzen, sondern uns mehr Zeit

genau dafür verschaffen.

Wo steht PwC bei LegalTech und

Digitalisierung im Vergleich zu den

anderen Big-Four-Gesellschaften?

Alle vier grossen Wirtschaftsprüfer

investieren stark in Digitalisierung

und den Legal- und den LegalTech-Bereich.

Sei es durch Übernahmen oder

durch eigene Initiativen. Es ist auch

eine logische Erweiterung der angestammten

Tätigkeit. Bei PwC sind wir

in diesem Bereich besonders gut aufgestellt.

Bei uns im globalen PwC-Legal-Netzwerk

arbeiten weltweit rund

4000 Anwälte in mehr als 90 Ländern,

und LegalTech, wofür ich auch global

verantwortlich bin, steht ganz oben

auf der Agenda.

Und wie positioniert sich PwC Legal?

Diese Frage haben wir uns auch gestellt.

Es ist klar: Die Welt braucht nun

wirklich keine weitere klassische Law

Firm. Bitte verstehen Sie mich nicht

falsch, ich komme aus dieser Welt und

ich habe allergrössten Respekt vor diesen

Firmen. Aber wir wollen die ‹ law

firm of the future› sein. Und ich glaube,

dass diese ganz anders aussieht als

heutige Kanzleien.

Wie denn ?

Es braucht dafür vier Dinge : Netzwerk,

Technologie, kulturellen Wandel und

‹Adjacency› beziehungsweise Multidisziplinarität.

Erklären Sie das bitte.

Es braucht für die ‹ law firm of the

future› ein richtiges und globales

Netzwerk, mit einer starken Verzahnung

der verschiedenen Bereiche und

Standorte. Und es sind grosse Investitionen

in neue Technologien nötig.

Ein grosses Problem von Anwaltskanzleien

ist, dass sie wenig Geld für

diese Investitionen haben. Eine Anwaltskanzlei

besteht ja typischerweise

aus Partnern, und am Ende des Jahres

werden die Überschüsse aus der Geschäftstätigkeit

an diese ausgeschüttet.

Es wird ein Minimum für allgemeine

Dienste und die Büro-Infrastruktur

zurückbehalten, aber bei Weitem nicht

genug, um langfristig und strategisch

in Technologie zu investieren. Hinzu

kommt, dass viele Kanzleien von wenigen

– und den ältesten – Partnern

kontrolliert werden. Wer kurz vor der

Pensionierung steht, wird kaum gross

in die nächste Generation investieren.

Wie will man so Technologiekompetenz

aufbauen? Bei PwC haben wir

eben diese Möglichkeiten, denn wir

können hier im Legal-Bereich von der

leistungsstarken IT-Infrastruktur des

Gesamtunternehmens profitieren.

Was ist mit dem kulturellen Wandel?

Dieser ist sehr, sehr wichtig. Arbeitsmodell

und Kultur müssen sich radikal

verändern. Im Gegensatz zur Folgegeneration

der Gordon Gekkos und

Jordan Belforts, aus der ich selbst noch

stamme, sind die heutigen Jungen nicht

mehr primär auf Geld, Macht und Prestige

fixiert, und das ist gut und richtig.

Sie möchten flexible Arbeitszeitmodelle

und die Möglichkeit haben, drei

Monate Auszeit pro Jahr zu nehmen,

statt jahrein, jahraus durchzuarbeiten.

Wir bieten solche flexiblen Modelle

an und haben bei PwC einen starken

Fokus auf Diversity und Work-Life-Balance.

Unser Geschäft ist ein Marathon

gemeinsam mit unseren Kunden und

kein Sprint. Und wir wollen nicht, dass

die Leute ausbrennen.

Und was meinen Sie mit Adjacency?

Unter Adjacency verstehen wir in der

‹law firm of the future› sogenannte

‹benachbarte Fähigkeiten›. Es geht

darum, für die Kunden Expertise aus

verschiedenen Bereichen zusammenzubringen.

Es gibt heute keine Mandate

mehr, bei denen nur Legal beteiligt

ist. Ein Beispiel: Wenn man für einen

Kunden eine Banklizenz erwirkt, liegt

der reine Rechtsanteil an diesem Mandat

vielleicht bei 60 Prozent. Es bedarf

aber zusätzlich Kapitalberechnungen,

man muss Aussagen zur IT treffen, zum

Risk-Management-System. Bei PwC

können wir das alles aus einer Hand

liefern, da wir alle Spezialisten dafür

bei uns im Haus haben. Wir können

wirklich alle Bereiche von Legal über

Assurance bis Technologie abdecken

und das weltweit. Ich bin überzeugt,

dass diese interdisziplinären Leistungen

unsere grosse Stärke sind. Und das

ist auch für die Mitarbeitenden interessant,

denn Anwälte haben es nicht nur

mit Anwälten zu tun, sondern sie können

sich interdisziplinär mit Leuten

aus anderen Fachgebieten austauschen

und dadurch persönlich wachsen.

Welchen Einfluss hat LegalTech auf

die Finanzwelt?

Technologie hat einen grossen Einfluss

auf alle Industrien. Überall gibt

es den Druck, immer mehr Daten in

immer kürzerer Zeit zu analysieren

und auf Basis der daraus gewonnenen

Günther Dobrauz-Saldapenna, Leiter PwC Legal Schweiz

Erkenntnisse zu handeln. Auch Compliance

ist ein wichtiges Thema, das

durch Technologie unterstützt wird :

Früher kümmerte sich ein Finanzinstitut

kaum um die Rechtsnormen

« Wir wollen die

‹ law firm of the

future › sein. Und

ich glaube, dass

diese ganz anders

aussieht als heutige

Kanzleien. »

anderer Staaten. Die Schweizer Bank

wickelte das Geschäft mit dem Kunden

oft nur nach Schweizer Recht ab – egal

woher dieser kam. Heute geht das nicht

mehr. Unternehmen und Menschen

müssen verschiedenen Rechtsnormen

gerecht werden. Man muss einen spanischen

Mandanten nach spanischen

Regeln bedienen, einen deutschen

Kunden nach deutschen Regeln etc.

Denn wenn etwas schiefgeht, wird die

Bank mit ziemlicher Sicherheit in Spanien

beziehungsweise Deutschland vor

Gericht gezogen. Das heisst, im Hintergrund

muss ständig ein extrem flexibles

System laufen, das die Compliance

auf Produkt-, Prozess- und Kontaktebene

sicherstellt. Das ist ohne Technologie

gar nicht mehr zu bewältigen.

Foto : Oliver Nanzig

Wie schätzen Sie die Bedeutung der

Blockchain-Technologie für die Legal-

Industrie und die Bankenwelt ein ?

Ich bin natürlich ein grosser Fan von

Blockchain. Ehrlicherweise mehr von

der Blockchain-Technologie als von

darauf aufbauenden Kryptowährungen,

denn Bitcoin und Co. sehe ich eher

als Hype. Blockchain, da bin ich mir

sicher, ist aber eine Technologie, die

eine ähnlich transformative Kraft darstellt

wie das Internet. Ich glaube, dass

Blockchain ein ‹infrastructure layer›

werden wird, wie das Internet oder die

Elektrizität. Blockchain wird die Disintermediation

weiter vorantreiben, bestehende

Wertschöpfungsketten aufbrechen

und neu zusammensetzen.

Wo steht PwC im Blockchain-Bereich?

Wir haben ein sehr grosses Angebot

in diesem Bereich, das wir auch disziplinenübergreifend

aufgebaut haben,

womit wir wieder beim Thema Adjacency

sind. Wir begleiten Blockchain-Projekte

und ICOs etwa rechtlich,

technisch, steuerlich, beraten rund

um « Tokenomics », unterstützen beim

Projektmanagement, bei der Strategie

bis hin zu Fundraising und Accounting.

Blockchain wird auch einen wichtigen

Einfluss auf unsere eigenen Geschäftsmodelle

haben. In einer Blockchain-Welt

wird ein Audit anders

ausschauen als heute, ebenso rechtliche

Transaktionen. Wir haben also das

Bewusstsein für die Veränderungen,

die Blockchain für unser Geschäft und

unsere Gesellschaft bringen wird. Es

ist eines unserer Topthemen, die wir

im Auge haben, und wir freuen uns,

dass wir aus diesem Bereich auch bereits

Talente anziehen können.

“Time to get out of Law Law Land

and back into the Jungle”

Stämpfli Verlag

Im April 2019 erscheint das neue Buch

von Michele DeStefano und Günther

Dobrauz-Saldapenna mit dem Titel « New

Suits – Appetite for Disruption in the

Legal World », das die Expertise von 30

führenden Experten aus aller Welt vereint.

Professoren von Universitäten wie

Harvard, Oxford, Griffith, ESADE, Zürich,

Stanford und Miami stehen darin neben

Praktikern aus führenden Kanzleien,

LegalTech-Innovatoren und Vordenkern

aus angrenzenden Bereichen.

Das Buch beschreibt die Disruption der

Rechtsindustrie, angetrieben von der

fortschreitenden Technologie, neuen

Geschäftsmodellen und veränderten Kundenerwartungen.

Damit stehe die Rechtsbranche

vor einem beispiellosen Wandel

über die gesamte Wertschöpfungskette,

sind die Autoren überzeugt. Viele Juristen

befürchten den Technologietransfer und

die Konvergenz anderer Bereiche mit dem

Recht. Sie sehen LegalTech, KI und Bots

primär als Bedrohung, die Herausgeber

und Autoren dieses Buches sehen die

Chancen. Auch wenn die Zukunft es erfordern

mag, dass «wir neue Kleider anziehen»

– es stellt für Anwälte eine enorme

Chance dar, sich zum Wohle der Kunden

und für sich selbst neu zu erfinden. Das

Buch enthält Kapitel, die von Experten im

Schnittpunkt von Recht, Innovation und

Technologie verfasst wurden, und bietet

eine globale Perspektive auf das vielfältige

Ökosystem der Rechtsdienstleistung,

das die Zukunft sein wird. Das Buch

erklärt, warum Anwälte ihren «appetite

for disruption» in der Rechtswelt erhöhen

können und sollten. Sie sollten versuchen,

systematisch die unbekannten Gewässer

des zukünftigen Rechtsbereichs zu

kartieren und sich inspirieren lassen, eine

spannende und bereichernde Zukunft im

Recht aufzubauen.

ISBN 978-3-7272-1035-8, Stämpfli Verlag, Bern

Digitale Fitness

Auf einer Skala von 1 bis 10, als wie

« digital fit » bezeichnen Sie …

7

6

Appetite for Disruption in the Legal World

Michele DeStefano & Guenther Dobrauz

sich

selbst ?

die Finanzbranche

?

Über PwC

Appetite for Disruption in the Legal World

Michele DeStefano & Guenther Dobrauz

7

7

die

Schweiz ?

PwC Legal ?

PwC Schweiz ist das führende Prüfungsund

Beratungsunternehmen in der

Schweiz. Als unabhängiges Mitglied im

internationalen Netzwerk von PwC

unterstützt PwC Schweiz die Wirtschaft

und insbesondere Unternehmen und

Einzelpersonen dabei, Mehrwert zu

schaffen. Ob grenzübergreifend oder

lokal ist PwC Partner für Wirtschaftsprüfung,

Rechts- und Steuerberatung,

Wirtschaftsberatung sowie Digital

Services. (Quelle: PwC Schweiz)


TRADING, THE

CORNÈRTRADER WAY.

• Top-Solidität

• Top-Preise

• Top-Service

Testen Sie unsere

Demo unter

cornertrader.ch/demo


netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

11

Digitalisierung ist Chefsache

« Die Welt der Krypto-Assets steht heute da, wo

das Internet vor der Jahrtausendwende stand »

Die Crypto-Finance-Tochter Crypto Fund AG hat als erster Krypto-Asset-Manager der Schweiz eine Finma-Lizenz erhalten.

Ein Meilenstein nicht nur für das Unternehmen, sondern für die ganze Branche. Crypto-Finance-CEO Jan Brzezek im Gespräch.

Interview: Marc Landis Redaktion: David Klier

Der Krypto-Hype ist seit Dezember

2017 anscheinend wieder vorbei.

Was entgegnen Sie Skeptikern von

Krypto-Währungen und Blockchain ?

Jan Brzezek : Es ist wichtig, dass man

Krypto-Währungen und Blockchain

präzise voneinander abgrenzt. Blockchain

ist eine bedeutende Technologie,

die Krypto-Tokens können hingegen

Zahlungsmittel oder Beteiligungen an

Applikationen basierend auf dieser

Technologie sein. Künftig werden wir

viel mehr solcher Blockchain-Based

Assets haben. Leider subsumieren viele

Leute all das unter den Begriff Krypto-Währungen.

Dabei gibt es allein

schon bei den Währungen viele feine

Unterschiede.

Welche denn ?

Nehmen wir zum Beispiel EOS, Cardano

oder NEO. Das sind nicht direkt

Währungen, sondern Tokens von

Plattformen, von Ökosystemen. Man

wird diese Tokens nie dafür nutzen,

um einen Kaffee zu bezahlen. Man

kann mit ihnen aber direkt in die Zukunft

der ihnen zugrunde liegenden

Blockchain-Technologien investieren.

« Aus unserer Sicht

gibt es ein wichtigeres

Argument für

Krypto-Währungen :

Diversifikation. »

Wenn ein Investor also in eine Technologie

investieren möchte, weil er an

sie glaubt, dann setzt er besser auf diese

Tokens, statt Aktien von Konzernen

wie IBM oder Microsoft zu kaufen.

Was ist mit den Krypto-Währungen,

mit denen man tatsächlich dereinst

den Kaffee bezahlen soll?

Ich finde solche Krypto-Währungen

sehr spannend und bin immer mehr

davon überzeugt, dass für diese Art

von Währung eine Nachfrage entstehen

wird. Das Konzept hat Zukunft,

zum Beispiel in Ländern wie Venezuela,

Brasilien, Simbabwe und der Türkei,

wo der Wert der Landeswährung innert

kürzester Zeit um 50 Prozent eingebrochen

ist.

Bei den Krypto-Währungen gibt es

ähnliche Schwankungen. Das ist kein

überzeugendes Pro-Argument …

Volatilität ist normal bei neuen Assets.

Das passiert in jedem Markt, der

noch klein ist und nicht effizient funktioniert.

Je etablierter und erwachsener

Krypto-Assets werden, desto

mehr wird die Volatilität zurückgehen.

Schauen Sie sich den Bitcoin

von August bis Oktober an. Der hatte

in diesem Zeitraum eine derart tiefe

Volatilität, dass man sie fast schon

mit der von Aktien-Investments vergleichen

konnte.

Sein Handelsvolumen ist aber auch

massiv zurückgegangen.

Es ist weniger, aber immer noch substanziell

mit einer Milliarde US-Dollar

pro Tag. Es gibt aus unserer Sicht

ohnehin ein wichtigeres Argument für

Krypto-Währungen: Diversifikation.

Für ein Portfolio sollte man nie alle

Eier ins gleiche Körbchen legen. Investoren

setzen deshalb auf verschiedene

Aktien, Obligationen und Immobilien.

Warum nicht zu diesem Mix

noch ein Asset dazunehmen, das nicht

oder nur sehr wenig mit den anderen

Assets korreliert. Gemäss moderner

Portfoliotheorie verbessert sich so das

Rendite-Risiko-Verhältnis.

Warum braucht es die Crypto

Fund AG?

In meiner Zeit bei der UBS suchte ich

nach einem Weg, über den traditionelle

Investoren in Krypto-Anlagen investieren

können, ohne einen Account an

einer Krypto-Börse zu eröffnen. Denn

das braucht einiges an Know-how. Die

meisten Investoren haben aber kein

Interesse, keine Erfahrung oder keine

Zeit, sich damit auseinanderzusetzen.

Es gab keinen seriösen Anbieter im

Markt. Deshalb habe ich die Crypto

Fund AG aufgebaut. Nach der Gründung

stellten wir fest, dass es keinen

Broker gab, also niemanden, der die

Krypto-Assets für uns handeln konnte.

Also haben wir eine separate Gesellschaft

namens Crypto Broker AG

gegründet, die nur das macht. Inzwischen

handeln auch andere Fonds und

mehrere Banken über uns.

Wie passt Ihre Tochterfirma Crypto

Storage AG dazu?

Unser Head of Research war mit den

existierenden Storage-Systemen für

Krypto-Assets unzufrieden. Existierende

Lösungen böten nicht das Sicherheitslevel,

das für institutionelle Kunden

geeignet wäre. Wir gingen deshalb

mit einem Schweizer Hersteller

von Hardware-Security-Modulen, der

auch die Schweizer Nationalbank

beliefert, eine Kooperation ein. Gemeinsam

entwickelten wir die Hardware

so weiter, dass sie nicht nur

Kommunikation verschlüsselt, sondern

auch Private Keys für Krypto-Assets

aufbewahren kann.

Wer hat die Software dazu

geschrieben ?

Wir selbst, in Zusammenarbeit mit

einem Zürcher IT-Dienstleister und

dem Hardwarehersteller. Kürzlich

ging die erste Schweizer Bank mit der

Lösung live.

Also sind Sie auch ein Softwarehersteller

?

Wir bieten es als As-a-Service an. Wir

betreiben die Hardwaremodule, der

Kunde hat sogenannte Approval-Terminals,

über die er initiierte Transaktionen

bestätigen kann. Das wird die

Zukunft sein. Im Rahmen von Digital

Assets und « Tokenization of Everything

» werden das alle Banken künftig

haben.

Sie stehen also am Anfang einer

goldenen Zukunft mit Ihrer Firma ?

Es ist eine ganz neue Technologie und

somit ein Risikogeschäft. Aber ich

glaube daran, dass man im Leben ein,

zwei Mal die Chance hat, etwas zu verändern,

weil man eine gute Idee hat.

Wenn man diese Chance erkennt, muss

man es einfach machen. Trotzdem

weiss ich nicht, was passieren wird. Es

Jan Brzezek, CEO, Crypto Finance AG

kann sein, dass der Bitcoin-Preis auf

500 Franken einbricht, oder noch tiefer

und niemand mehr davon spricht.

Aber das Risiko hat man in jedem Unternehmen.

« Unsere Mission :

Banken dazu

befähigen, ihren

Kunden diese neue

Asset-Klasse anzubieten.

»

Welches Fazit ziehen Sie anderthalb

Jahre nach der Gründung ?

Es war eine faszinierende Zeit. Ich

habe unglaublich viele neue Menschen

kennengelernt, viele schwere

Entscheidungen treffen müssen und

sehr viel Zeit geschäftlich verbracht.

Es war spannend, aber auch sehr anstrengend.

Trotzdem würde ich diese

Zeit nicht missen wollen.

Und wie steht die Firma heute da ?

Mein Fokus im ersten Jahr lag darauf,

ein Team aufzubauen, mit dem

wir skalieren können. Also nicht von

Vornherein alles auf den Vertrieb setzen

und Luft verkaufen, sondern ein

gutes Fundament giessen. Mit guten

Leuten, den richtigen Technologien

und der nötigen Regulierung. Dieser

Prozess ist jetzt abgeschlossen und

wir sind bereit, unsere Vertriebskanäle

und den Verkauf hochzufahren.

Unsere Mission : Banken dazu befähigen,

ihren Kunden diese neue Asset-

Klasse anzubieten. Ich will nicht 1000

oder 100 000 Kunden, denn wir sind

kein B2C-, sondern ein B2B-Anbieter.

Wir wollen die Banken nicht in ihrem

Geschäft konkurrenzieren, sondern

ihnen neue Wege eröffnen.

Welche Baustellen gibt es noch?

Aus Sicht unseres Broker-Geschäfts

würden wir uns noch mehr Klarheit

vom Regulator wünschen. Über alle

Geschäftsbereiche müssen wir die

ganze Marktentwicklung im Auge behalten

und abwarten, wie sich unsere

Kooperationen entwickeln. Wir können

uns noch lange nicht zurücklehnen

und von der getanen Arbeit profitieren.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Ihre

Firma Crypto Fund AG kürzlich eine

Finma-Lizenz erhalten hat?

Ich war und bin stolz darauf, dass wir

als erste und bisher einzige die Bewilligung

erhalten haben, und ich bin

stolz auf die Finma, dass sie den Mut

hat, Innovation zu unterstützen. Der

Weg dahin war aber kein leichter. Es

brauchte viel Überzeugungskraft und

hat länger gedauert als erwartet.

Was ändert sich durch die Lizenz

für Sie?

Sie ist ein Gütesiegel. Wenn wir jetzt

mit Banken sprechen, sind sie eher

bereit, mit uns zusammenzuarbeiten.

Wir sind für sie kein Start-up mehr,

sondern eine etablierte und regulierte

Firma. Das hilft uns extrem. Wir können

deswegen aber nicht mehr Services

anbieten als vorher.

Denken Sie, dass die Lizenzvergabe

an Sie eine Signalwirkung haben

wird?

Definitiv. Es wurde international aufgenommen,

dass wir als erstes Krypto-

Unternehmen offiziell in der Schweiz

reguliert sind. Hier profitieren wir von

der Schweiz als führenden Finanzplatz.

Ich denke, dass es nun definitiv

mehr Firmen versuchen werden, eine

Lizenz zu bekommen. Und das ist auch

gut so. Wir müssen gemeinsam die

Schweiz vorantreiben.

Was sind die nächsten Schritte für

Ihr Unternehmen?

Kundenstamm ausbauen, eine weitere

Finanzierungsrunde starten, nach Asien

expandieren und das Managementteam

weiter ausbauen.

Wie geht es in der Krypto-Branche

weiter?

Die Welt der Krypto-Assets steht heute

da, wo das Internet vor der Jahrtausendwende

stand. Als Modems beim

Einwählen ins Netz noch diesen irrsinnigen

Lärm verursachten und man

minutenlang darauf warten musste,

dass die Website geladen war. Zu viele

Journalisten und Ökonomen schauen

zu stark genau auf diesen Ist-Zustand.

Wir müssen aber stattdessen genau

wie damals bei Internet und E-Mail

überlegen, was der Mehrwert dieser

neuen Technologien morgen und

übermorgen sein könnte.

Digitale Fitness

Auf einer Skala von 1 bis 10, als wie

« digital fit » bezeichnen Sie …

8

5

sich

selbst ?

die Finanzbranche

?

6

9

die

Schweiz ?

Über Crypto Finance AG

Crypto

Finance AG ?

Die Crypto Finance AG ist eine im Juni

2017 gegründete Finanztechnologie-

Holding. Die Gruppe erbringt über ihre

drei Tochtergesellschaften, die Crypto

Fund AG ( Asset Management ), die Crypto

Broker AG ( Trading ) und die Crypto

Storage AG ( Storage ), Dienstleistungen

im Bereich Blockchain und Banking.

Ziel der Crypto Finance AG ist es, einen

positiven Beitrag zur Verbreitung und

Etablierung der Blockchain-Technologie

und Krypto-Assets zu leisten. Die Crypto

Finance AG bietet eine Reihe qualitativ

hochwertiger Finanzdienstleistungen

für institutionelle Kunden an. Die Crypto

Finance AG hat mehr als 40 Mitarbeiter

und Büros in Zürich, Genf und im Zuger

Crypto Valley, das wohl weltweit grösste

Ökosystem von Unternehmen und innovativen

Organisationen, die sich mit

der Blockchain-Technologie befassen.

( Quelle : cryptofinance.ch )


12

Zukunft Banking

02. Dezember 18 | netzwoche.ch/ZukunftBanking

Start-ups

Blockchain

Elevator Pitch

In Zug heisst es Crypto Valley, in Zürich gibt es

den Trust Square – vier Jungunternehmen aus

diesen Hubs treiben die Blockchain-Revolution an.

Schweizer Blockchain-

Boutique mit Vision

Matthias Weissl

Co-Founder & Chief Executive Officer,

Verum Capital

Verum Capital führt visionäre

Blockchain-Ideen in einen strukturierten

und zielgerichteten Prozess

über. Dazu bündelt das am

Zürcher Trust Square ansässige

Start-up-Unternehmen die Kernbereiche Investment

Banking, Business Modelling sowie Ausund

Fortbildung zu innovativen Dienstleistungen.

Verum strukturiert, steuert und realisiert

wegweisende Blockchain-Projekte für etablierte

Kunden und arbeitet mit einem Netzwerk an

vertrauenswürdigen Partnern und finanzstarken

Investoren, um Zugang zu neuen Finanzierungs-

und Anlageformen zu ermöglichen.

Verums Ambition ist es, im Bereich Blockchain

eine Vorreiterrolle zu besetzen: 2018 hat

das Start-up eines der ersten vollständig regulierten

Initial Coin Offerings (ICO) der Schweiz

durchgeführt und anschliessend Projekte in den

Bereichen Banking & Finance, Supply Chain,

Healthcare und Real Estate umgesetzt.

Unter anderem betreut Verum die liechtensteinische

Union Bank und führt zum ersten

Mal in der Finanzgeschichte mit einer vollständig

regulierten und lizenzierten Bank einen sogenannten

«Token-Generating-Event» durch.

Dabei handelt es sich um die Emission eines

Security Tokens sowie eines Stable Coins, einer

digitalen Währung, die eins zu eins mit einer

Fiat-Währung hinterlegt ist, um die Volatilität

zu eliminieren. Dank der Kombination aller

nötigen Disziplinen kann Verum als One-Stop-

Shop die umfassende Realisierung des Projektes

übernehmen.

Verum ist auch Mitgründer der «Berlin

School of Sustainable Futures», einer Universität,

die Master- und PhD-Lehrgänge mit Fokus

auf Innovation und Nachhaltigkeit anbieten

wird. Innerhalb dieses Projekts ist Verum mit

der Konzeptionierung des Geschäftsmodells sowie

dem Aufbau der Blockchain-Infrastruktur

betraut. Dazu gehört das Erstellen eines Universitäts-Tokens

und entsprechender Zertifikate,

aber auch die Etablierung eines Inkubator-Programms,

um den notwendigen Wissenstransfer

zwischen Wissenschaft und Industrie zu bewerkstelligen.

Mit einer qualitätsorientierten Herangehensweise

ermöglicht Verum traditionellen Unternehmen

den schnellen Einstieg in die Blockchain-Technologie.

Aus diesem Grund beanspruchen

bereits verschiedene führende Banken

die Unterstützung des Start-ups in Bereichen

wie Token Economics, Fund Tokenization und

Due Diligence. Zum letzten Punkt hat Verum ein

Rahmenwerk mit 450 Indikatoren entwickelt, um

Qualitätsstandards für Blockchain-Projekte zu

etablieren. Das Unternehmen ist zudem Mitglied

in verschiedenen Blockchain-Arbeitsgruppen,

in denen Repräsentanten von Regierungen, Aufsichtsbehörden

und Finanzinstitutionen vertreten

sind.

Verums Ambition ist es, das Potenzial von

Blockchain im Finanzbereich mit innovativen Ansätzen

auszuschöpfen. Vor diesem Hintergrund

hat das Unternehmen bereits mögliche Zukunftsmodelle,

etwa im Bereich Token M&A, entwickelt.

Verum versteht sich dabei nicht als blosse

Advisory-Boutique, sondern kann aus einer Hand

den gesamten Prozess von Blockchain-Projekten,

von der Ideenfindung bis zur erfolgreichen Realisierung,

durchgängig unterstützen.

Orion Vault ermöglicht

Investitionen in digitale

Kunst auf der Blockchain

Der digitale Kunstmarkt hat in den

letzten Jahren einen Boom erlebt,

pflegt aber immer – obwohl er sich

um digitale Kunst dreht – einen

sehr altmodischen, « Offline »-Ansatz

für Verkauf und Patronat. Die meisten digitalen

Kunstwerke sind für Käufer nicht frei

zugänglich, sondern werden von einem sehr kleinen

Netzwerk von Maklern und « Insidern » kontrolliert,

die den Zugang beschränken. Fehlende

Technologielösungen verhindern, dass der digitale

Kunstmarkt schneller wächst.

Digitale Kunst sammeln und handeln

Das Zuger Blockchain-Start-up Orion Vault will

dies ändern und mit einer Technologieplattform

Investitionen und Spenden in digitale Kunst ermöglichen,

indem sie deren Eigentümerschaft auf

Blockchain kodiert. Orion Vault bietet auch einen

Marktplatz, um in der neuen digitalen Anlage-Klasse

schneller, sicherer und kostengünstiger als bisherige

Lösungen zu handeln. Die entsprechende

App wurde an der Ausstellung « Perfect & Priceless

– Value Systems on the Blockchain » der Kate

Vass Galerie lanciert, die Orion Vault gesponsert

hat. Die Blockchain-Anwendung von Orion Vault

ist als dezentralisierte App ( « DApp » ) verfügbar.

Orion Vault will damit neue Geschäftsmodelle

für Galerien, Künstler, Kunstinstitutionen und

Sammler schaffen, damit es einfacher wird, in digitale

Kunst zu investieren und Patronate zu fördern.

Investoren können so digitale Kunstwerke

erwerben, die sicher in der Cloud gespeichert

und über eine Blockchain zertifiziert sind.

Sammler können damit digitale Fotografie,

Performance, Video, algorithmische Kunst, Computerkunst

usw. auf ihren Bildschirmen, etwa auf

einem « Samsung The Frame » geniessen – quasi

in der natürlichen Umgebung der Kunstwerke,

die im digitalen Raum entstehen. Die Plattform

erlaubt es auch, die Kunstwerke zu kaufen, zu

sammeln, mit ihnen zu handeln und Portfolios zu

erstellen.

Patronatsmodell

Für Künstler bietet Orion Vault auch ein spannendes

neues Patronatsmodell an, bei dem Investoren

aufstrebende Künstler, gegen eine zukünftige

Gewinnbeteiligung oder andere Leistungen

mit regelmässigen Spenden unterstützen können.

Das steigert die finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit

für Künstlerinnen und Künstler. Für

Investoren und Kunstinteressierte ist es ein Vorteil,

dass sie sich voll in den Kunstprozess einbringen

können. Mit der Kodierung ihrer digitalen

Kunstwerke profitieren Künstler von einer

lebenslänglichen Übertragungsprovision, so dass

sie auch nach dem ersten Verkauf noch von ihrer

Leistung profitieren können.

Joanna Pawluk, CEO und Mitgründerin der

Orion Vault AG und Vorstandsmitglied der

Swiss-Polish Blockchain Association, sagt : « Orion

Vault bietet Künstlern eine wirklich innovative

Möglichkeit, Geld zu verdienen, Patronate

zu finden und von ihrer Arbeit zu profitieren –

Joanna Pawluk

CEO und Mitgründerin der Orion Vault AG,

und Vorstandsmitglied der Swiss-Polish

Blockchain Association

ein Leben lang. Und Investoren können nun auch

transparent und nahtlos in die Welt des Kunstinvestments

einsteigen und ihre Sammlung mit

einer Anlageklasse diversifizieren, die in den

nächsten zehn Jahren enorm wachsen wird.

Galerien können ihre Reichweite steigern und

digitale Werke fördern. Sammler können ihre

Portfolios nicht nur in der traditionellen, sondern

jetzt auch in der digitalen Kunst aufbauen.»

www.orionvault.com


netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

13

Oakura – eine Digitalwährung

für Unternehmen

zur Förderung von

Innovation und Wachstum

Oakura ist ein Schweizer Unternehmen,

das von einem erfahrenen,

international ausgerichteten Team

von Ökonomen, Entwicklern, ETH-

Absolventen und Juristen gegründet

wurde. Das Ziel der Gründer ist es, ein

System für die Förderung von Innovation und

Wachstum in Start-ups und Unternehmen in der

Schweiz und im Ausland zu schaffen. Der Name

Oakura widerspiegelt dabei die Ambitionen der

Gründer: Es setzt sich zusammen aus den Wörtern

Oak (engl. Eiche, Sinnbild für ein nährendes

Ökosystem) und Cura (röm. Göttin, wovon das

engl. care/cure abgeleitet wird).

Das Projekt baut auf der Blockchain-Technologie

auf, welche die einfache Handelbarkeit

von Vermögenswerten ermöglicht. So können

traditionelle Vermögenswerte wie etwa Aktien

mit sogenannten Tokens, das heisst digitalen

Werteinheiten, verknüpft werden. Durch die so

gewonnene Liquidität können diese Werte einer

viel grösseren Käuferschaft angeboten und jederzeit

übertragen werden.

Oakura geht jedoch bereits einen entscheidenden

Schritt weiter und kreiert eine Unternehmerwährung

in Form von Tokens, die an die

Wertsteigerung einer gesamten Innovationsökonomie

gekoppelt ist. Die Währung vermag den

Mehrwert, der durch unternehmerische Tätigkeiten

und Innovationen von den Teilnehmern

hervorgebracht wird, abzubilden. Dies ist gleichermassen

revolutionär wie ambitioniert.

Im Wirtschaftssystem von Oakura (der Oakonomy)

können die unterschiedlichsten Akteure

effizient zusammengebracht und damit starke Synergien

zwischen Start-ups, Industrie- und Technologieexperten,

Investoren, aber auch KMUs

und Hochschulen freigelegt werden.

Die Nutzung der einheitlichen Unternehmerwährung

ermöglicht dabei die Transaktion ganz

im Sinne der Blockchain trustless (d.h. ohne

dass sich die Parteien kennen oder gar vertrauen

müssten) und desintermediated (d.h. ohne

zwischengeschaltete Intermediäre) abzuwickeln,

sowie auch international, schnell und ohne signifikante

Transaktions- und Wechselkursgebühren.

Gerade der Zugang zu den richtigen Experten

ist aufgrund der zunehmenden Spezialisierung

von Arbeitskräften und dem stark wachsenden

Bedarf flexiblerer Arbeitsmöglichkeiten (Gig

Economy) heutzutage schwieriger denn je, insbesondere

auch für Start-ups, die ständig mit Ressourcenknappheit

und Zugang zu neuestem Industrie-

und Technologie-Know-how zu kämpfen

haben. Mit Oakura können Start-ups ihre eigenen

Aktien einfach und schnell gegen Kapital in Form

der Unternehmerwährung tauschen und erhalten

so Zugang zu sprichwörtlichem «Smart Money».

Ebenso können KMUs, private wie institutionelle

Investoren und Unternehmer auf einen Innova-

Oakura Team

tionspool von Start-ups, Gründern sowie spezifischen

Industrie- und Technologieexperten zugreifen.

Wer Teil der Oakonomy werden möchte, sei es

als ExpertIn oder Start-up, oder wer sich Zugang

zu einem stark wachsenden, exklusiven Netzwerk

verschaffen möchten, erfährt mehr unter

www.oakura.io.

vision& – das Fenster

in die Welt der

Blockchain-Anlagen

Das Thema Blockchain wird oft auf

den Anwendungsfall von Währungen

reduziert. Die dezentralen

Technologieansätze, die mit Bitcoin

ins Leben gerufen wurden,

schaffen generell aber ganz neue Möglichkeiten

in der Datenaufbewahrung und -übertragung.

Sie legen so den Grundstein für verschiedenste

technologische und kulturelle Weiterentwicklungen.

Viele, bereits länger angedachte Technologieentwicklungen,

wie elektronische Identität,

Internet der Dinge und ausgedehnte, öffentliche

Elektromobil-Netzwerke, werden erst jetzt mit

der Blockchain-Technologie möglich. Man kann

also sagen, dass Bitcoin ein neues Technologiezeitalter

eingeläutet hat.

Die Thematik ist dermassen weitreichend und

disruptiv, dass es sinnvoll ist, sich frühzeitig damit

auseinanderzusetzen. Wer in die Zukunft investieren

will, sollte sich überlegen, ein bis zwei

Chips auf die aufstrebende Technologie zu setzen.

Unzählige junge Unternehmen treiben hier

Innovation voran, was interessante Investitionsmöglichkeiten

bietet, aber auch entsprechende

Risiken birgt. Deshalb empfiehlt es sich, sich dafür

von Spezialisten beraten zu lassen.

Die Gründer von vision& bedienen genau diese

Nachfrage nach Spezialisten-Know-how und ermöglichen

konventionellen Investoren, wie etwa

Family Offices, den bequemen und sicheren Zugang

zur Blockchain-Technologie. Mit langjähriger

Erfahrung in der traditionellen Finanzwelt

und dem Technologiewissen kombiniert vision&

die nötigen Fähigkeiten, um Investoren in diese

neue Technologiewelt zu begleiten. Als traditionell

regulierter Vermögensverwalter bietet das

Unternehmen bankfähige Produkte, die in einen

diversifizierten Korb von Blockchain-Anlagen investieren.

Mit einer Valorennummer versehen,

kann das Anlageprodukt bequem bei der Hausbank

gezeichnet und ins existierende Depot eingebucht

werden, wo es periodisch bewertet wird.

Aufgrund der sehr tiefen Korrelation mit anderen

Anlageklassen, können Blockchainanlagen

eine interessante Portfolio-Ergänzung sein. Bereits

eine kleine Allokation kann signifikante

Auswirkungen auf die Portfoliorendite haben. So

erhöht die oft kritisierte Volatilität von Blockchainanlagen

die Portfoliovolatilität nur marginal,

ermöglicht aber an der Zukunft dieser neuen

Technologiewelt teilzuhaben.

In diesem frühen Stadium der Entwicklung

ist es auch wichtig, über verschiedene Technologie-Ansätze

und Anwendungsfälle zu diversifizieren.

Deshalb arbeitet vision& Research-basiert,

wozu das Büro im Zürcher Blockchain-Hub mit

seinem vielfältigen Ökosystem äusserst hilfreich

ist. vision& analysiert die einzelnen Projekte unter

anderem in Bezug auf Business Case, Technologie,

Team und Umsetzung. Einen Teil der eigenen

Forschung lässt vision& in Studien fliessen,

die wiederum für Aufklärungszwecke weiterverwendet

und Interessenten, wie etwa Banken,

angeboten werden. Die Publikationsreihe «Die

Blockchain Story» will interessierten Leuten das

komplexe Blockchain-Thema näherbringen und

ist auf www.visionand.ch frei verfügbar.


14

Zukunft Banking

02. Dezember 18 | netzwoche.ch/ZukunftBanking

Trust

TabooKey digitalisiert das Vertrauen

mit der Blockchain

Das israelische Start-up TabooKey will mit einem auf der Blockchain basierenden Ökosystem Architektur und Anreizstrukturen der Cybersicherheit

neu gestalten. Was kompliziert klingt, ist eigentlich ganz einfach und basiert auf gegensätzlichen Abhängigkeiten im System.

Autor: Marc Landis

Mit der zunehmenden

Digitalisierung wird

softwarebasierte Bedienung

und Überwachung

von Gegenständen

alltäglich. Software übernimmt

etwa die Überwachung unseres Gesundheitszustandes.

Oder man vertraut

ihnen Prozesse wie Robo-Advisory im

Banking an, in der Hoffnung, dass die

Maschinen mit ihren Algorithmen weniger

fehleranfällig sind als Menschen.

Aber Maschinen und Computer sind

leicht kompromittierbar. Dies wird

durch unzählige Enthüllungen von Sicherheits-

und Datenlecks in jüngster

Vergangenheit dokumentiert. Sie sind

aber auch Manipulationen durch Menschen

zugänglich.

Vertrauen schaffen

Das israelische Cybersecurity-Start-up

TabooKey schickt sich nun an, das

angeschlagene Vertrauen in Unternehmen

und deren Produkte wiederherzustellen.

Mit einem neuen Anreizsystem

und einem dezentralen auf der

Blockchain abgebildeten Verifikationsprozess

können Unternehmen ihre

Produkte sicher machen. Mit der sogenannten

Proof-of-Intention-Lösung

von TabooKey sollen kritische Arbeitsschritte

sicher und unter Kontrolle gehalten

werden können.

Der dezentrale Verifikationsprozess

von TabooKey unterscheidet sich von

bestehenden Auditverfahren durch

die Transparenz über die Prüfungshandlungen,

die das Unternehmen eingerichtet

hat ; die dezentrale Prüfung

erfolgt wie heute durch beigezogene

Drittpersonen als Prüfer, wobei diese

eine dem Konsumenten offengelegte

Geldleistung als Leistungsgarantie er-

Anzeige

Weiterbildung am Puls

der Wirtschaft

CAS Digital Finance

CAS Digital Insurance

CAS Blockchain Economy

CAS Senior Financial Consultant

MAS Banking & Finance

fh-hwz.ch/banking-finance

Betriebsumgebung

Konsumenten

• sie suchen nach Dienstleistungen, bei denen die Qualität derselben

durch einen Sicherheiten-Pool abgesichert ist, und nicht nur der Ruf des

Unternehmens und das Markenversprechen kaufentscheidend sind

• dieser Pool dient als Qualitätsmerkmal und verlagert die Haftung für

Schäden aufgrund fehlerhafter Produkte vom Verbraucher zum Anbieter

Hersteller / Anbieter von Waren und Dienstleistungen ( Risikoverkäufer )

• sie verkaufen Waren und Dienstleistungen an Konsumenten

• die Nutzung und der Betrieb der Waren und Dienstleistungen umfasst

kritische Vorgänge, die im Falle eines Ausfalls zu schweren Schäden

führen können

sie stellen

Sicherheiten bereit

Risk Pool 1

Prüfer ( Risikokäufer )

Risiko-Marktplatz

Risikokäufer 1 Risikokäufer 2 Risikokäufer 3 Risikokäufer 4

• übernehmen Risiken von Konsumenten

• beteiligen sich am Smart Contract mit Sicherheiten und dokumentieren

so die Qualität der Verifikation

• durch die Einzahlung in den Sicherheiten-Pool weisen sie ihre Haftung nach

TabooKey

Ökosystem auf dem

dezentralen Netzwerk

Risk Pool 2

Entschädigung bei Nichteinhaltung

der zugesagten Servicequalität

Die Einlage fungiert

als Sicherheit

Investoren können Risikokäufer mit

Sicherheiten gegen eine Art Zinsen

unterstützen

Investitionen

von Geldgebern

DAO

Das Kapital der Investoren kann zur Unterstützung

der Sicherheiten der Risikokäufer

verwendet werden

Sicherheiten-Pool zur Qualitätssicherung

der Absichtsprüfer

Investoren

• Scheitert ein Risikokäufer,

verliert der leitende Investor

seine Einlage

So funktioniert das TabooKey-Ökosystem mit gegensätzlichen Abhängigkeiten und Eigeninteressen der einzelnen Systemteilnehmer.

bringen müssen. Sollte ein so abgesichertes

Produkt dennoch kompromittiert

sein, erhalten die Kunden den

erlittenen Schaden in Form von Geld

zurückerstattet. Die Mittel für die Erbringung

des Schadenersatzes stellen

Investoren in einer sogenannten DAO

( dezentrale anonyme Organisation )

zur Verfügung.

Ausgeklügeltes System

Wenn ein Prüfer nicht die versprochene

Qualität erreicht, zahlt der im

TabooKey-DAO eingebettete Smart

Contract automatisch die von den Investoren

gestellten Sicherheiten an

die Kunden zurück, die sich auf diesen

Prüfer verlassen haben. Dieses ausgeklügelte

System führt dazu, dass durch

gegensätzliche Abhängigkeiten und

Eigeninteressen der Systemteilnehmer

das ganze System sicher wird.

Die Tatsache, dass dieser Verifikationsprozess

in der Blockchain aufgezeichnet

ist, kann auch als weiteres

Sicherheitsmerkmal im Prozess genutzt

werden. Erst wenn Absichtsprüfer ihre

erfolgreiche Verifikation in der Blockchain

aufgezeichnet haben, gilt ein

Prozess als abgeschlossen. Diese Zustimmung

kann in den gesamten Workflow-Prozess

für die Freigabe eines

Produkts integriert werden. Im Falle

eines Software-Downloads überprüft

beispielsweise das selbstfahrende Auto

zunächst die Blockchain dahingehend,

dass die damit verbundenen Verifikationsprozesse

abgeschlossen sind, bevor

es die betreffende Software herunterlädt.

Fazit

Wie alle DAOs hat auch TabooKey das

Ziel, ein Ökosystem mit integrierten

« Checks and Balances » zu schaffen.

Durch den Einbezug von Investoren

wird das TabooKey-Ökosystem ( Grafik

) zu einem Kreislauf, in dem das

Verhalten aller Teilnehmer von implementierten

gegensätzlichen Anreizen

geleitet wird.

TabooKey erlaubt den Kunden,

Käufe aufgrund von messbarem Vertrauen

zu tätigen. Ziel ist es, Manipulationen

durch bessere Verifikationsprozesse

zu verhindern, aber auch die

Verhandlungsmacht der Kunden bei

Schäden durch Manipulationen zu erhöhen.

Dienstleister, aber auch ihre

Berufshaftpflichtversicherer, müssen

möglicherweise neue Produkte entwickeln,

um an solchen Ökosystemen

teilnehmen zu können. Der Markteintritt

von TabooKey in der Schweiz steht

unmittelbar bevor. Die Anwaltskanzlei

Froriep begleitet das Start-up dabei.

Über Froriep

Froriep startete seine Geschäftstätigkeit

1966 in Zürich und hat sich zu einer der

führenden Anwaltskanzleien der Schweiz

mit fünf Büros in drei Ländern entwickelt.

Froriep ist eine internationale Kanzlei, die

Kunden auf der ganzen Welt zu Fragen

rund um schweizerisches Recht berät.

Sie hat ein auf disruptive Technologien

spezialisiertes Team mit mehrjähriger

Erfahrung in der Rechtsberatung von

Distributed Ledger Technology Projekten.

( Quelle : Froriep )

HWZ-Inserat-Zukunft-Banking-143x218-2018-11-01.indd 2 02.11.2018 08:59:11


netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

15

Banking Innovation

So unterstützt ERI Bancaire

Bank Frick beim Blockchain-Banking

ERI Bancaire ist als eine der grossen Anbieterinnen von Kernbankensoftware besonders aktiv, Banken bei

der Digitalisierung zu unterstützen. Bank Frick aus Liechtenstein setzt seit vielen Jahren auf die Kernbankensoftware

OLYMPIC Banking System von ERI, denn die Software bildet die Geschäftsprozesse der Bank Frick ideal ab.

Interview: Marc Landis

Die Finanzindustrie steckt durch

den technologischen Wandel in

tiefgreifenden Veränderungen.

Wie ermöglicht ERI Bancaire mit

ihrer Kernbankenlösung OLYMPIC

die Digitalisierung des Banking?

Marcel Schlagenhauf: OLYMPIC Banking

System ermöglicht die Bankendigitalisierung

für unsere Kunden durch

eine hochmoderne Architektur, die maximale

Flexibilität bei der Anbindung

neuer Technologien und Lösungen bietet.

Stets offen und nach funktionalen

und technologischen Entwicklungen

bestrebt ist ERI BIAN-Mitglied (BIAN

= Banking Industry Architecture Network,

Anm. d. Red.) und nimmt aktiv

an Diskussionen, Workshops und am

Austausch mit F10 Incubator & Accelerator

teil. Wir bieten unseren Kunden

eine grosse Auswahl an Open APIs

und Webservices, und mit der Advisory-Lösung

von OLYMPIC Banking

System kommen Möglichkeiten für

Robo und Artificial Intelligence hinzu.

All das wird in einem Responsive Design

präsentiert, das die Erstellung von

kundenspezifischen Dashboards auf

allen Kanälen ermöglicht.

Welche Bedeutung hat Bank Frick als

Kunde von ERI Bancaire?

Schlagenhauf: Bank Frick hat eine sehr

grosse Bedeutung für ERI, ist sie doch

seit ihrer Gründung 1998 laufend mit

OLYMPIC Banking System gewachsen.

Wir durften die Bank dabei unterstützen,

sich zu einer der führenden digitalen

Banken in Europa zu entwickeln.

Angebote von Bank Frick wie Blockchain-Anbindung

und ihre Aktivitäten

im Zahlungs- und Krypto-Währungs-Bereich

haben unser System

weitergebracht und ERI zu einem der

führenden Softwareanbieter in diesem

Sektor gemacht. Die Symbiose von modernem

Bankfachwissen und erfahrenem

Softwarehaus hat hier zum Ziel

geführt und macht unsere Kunden-Lieferanten-Beziehung

so besonders.

Warum arbeitet Bank Frick mit

der Kernbankensoftware von ERI

Bancaire?

Mauro Casellini: Mit ERI verbindet

uns seit 20 Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

In den letzten Jahren

des starken Wandels der Bank hat uns

die Plattform des Kernbankensystems

OLYMPIC die notwendige Basis für

die Abbildung der neuen Prozesse zur

Verfügung gestellt. Die Flexibilität der

OLYMPIC-Module ermöglicht uns die

Einbindung der neuen Technologien

und Bedürfnisse in die digitalen Abläufe

der Bank, was für uns von entscheidender

Bedeutung ist.

Das Fürstentum Liechtenstein

schickt sich an, dem Crypto Valley

in Zug den Rang abzulaufen. Was

macht Liechtenstein so attraktiv

für die Krypto-Szene?

Casellini: Das Crypto Valley ist schon

lange nicht mehr nur auf Zug beschränkt,

sondern hat sich als Begriff

auf die ganze Schweiz und auch auf

Liechtenstein ausgedehnt. Es besteht

eine enge Zusammenarbeit zwischen

den relevanten Akteuren aus der

Schweiz und Liechtenstein, wir sehen

uns daher keineswegs als Konkurrenz.

Es gibt Fälle, die aufgrund der Rechtslage

in der Schweiz mehr Sinn ergeben,

Marcel Schlagenhauf, Sales Manager, ERI Bancaire SA

Über ERI Bancaire

ERI Bancaire SA ist ein international tätiges Unternehmen, das

kleine und mittlere sowie auch grosse multinationale Banken

in mehr als 50 Ländern zu seinen Kunden zählt. Die Bankenlösung

OLYMPIC Banking System ist für Private Banking sowie

Wealth Management ausgelegt und richtet sich an Geschäftsund

Privatkundenbanken. Seit fast 30 Jahren entwickelt, vertreibt

und unterhält ERI die vollintegrierte,

webgestützte und parametergesteuerte

Front-to-Back-Bankenlösung

Banking System.

OLYMPIC

ERI betreibt aktives Innovationsmanagement

und ist bestrebt, mit technologischen

Neuerungen und flexibler

IT-Infrastruktur die Basis für ein offenes

Banking-Ökosystem zu schaffen. Die Mitgliedschaft

im BIAN ( Banking Industry Architecture

Network ) und die Zusammenarbeit

mit F10, dem mehrmals unter den

10 besten rangierenden europäischen

FinTech Inkubator und Accelerator, bieten

einen wichtigen Erfahrungs-und Wissensaustausch.

Mit mehreren Start-ups wurden PoCs ( Proof of Concepts

) durchgeführt und unter anderem zu diesem Zweck eine

Reihe von Open APIs entwickelt.

Dank des topmodernen technologischen Niveaus von OLYMPIC

Banking System und ihrer Aufgeschlossenheit gegenüber der Digitalisierung

konnte ERI die hohen Ansprüche des langjährigen

Kunden Bank Frick erfüllen, der als Pionier im Bereich des Blockchain-Bankings

gilt. Das System bietet heute, nebst umfangreichen

Funktionalitäten, eine offene, flexible und zukunftsorientierte

Architektur. ( Quelle : ERI Bancaire )

andere wiederum in Liechtenstein.

Es gibt aus unserer Sicht aber diverse

Vorteile im Vergleich zur Schweiz.

Dazu gehören sicher die kurzen Wege

zu wichtigen Marktteilnehmern wie

Anwälten, Treuhändern und Finanzmarktaufsicht

sowie der Zugang zum

europäischen Finanzmarkt. Ebenso

das geplante Gesetz zu vertrauenswürdigen

Technologien, das unsere Regierung

vorantreibt. Trotz allem sehen

wir uns in Liechtenstein nicht als Konkurrenz

zum Crypto Valley, sondern

als strategischen Partner.

Über Bank Frick

« ERI und OLYMPIC

Banking System sind

bereit für disruptive

Technologien und

unterstützen die

Finanzmarktinstitute

in ihren Digital-

Banking-Vorhaben. »

Bank Frick ist bekannt als Liechtensteins

«Blockchain-Bank». Was

bietet Bank Frick den Kunden aus

diesem Bereich an?

Casellini: Zum einen bieten wir mit

unserem Geschäftskonto und dem

Wertschriftendepot substanzielle Services

für FinTechs und Firmen aus dem

Blockchain-Bereich an. Für Letztere

sind wir damit ein Pionier. Ergänzend

offeriert Bank Frick die sichere Verwahrung

mittels Cold Storage Wallets

und den Wechsel von Krypto-Währungen

in Fiat-Geld.

Mauro Casellini, Head of Blockchain and Payment Service Providers,

Bank Frick

Bank Frick ist eine familiengeführte liechtensteinische Bank

mit Sitz in Balzers. Sie wurde 1998 von Kuno Frick senior

( 1938–2017 ) gegründet und wird mehrheitlich von der liechtensteinischen

Kuno Frick Familienstiftung ( KFS ) kontrolliert.

Der Minderheitsaktionär Net1 hält 35 Prozent des Grundkapitals

von Bank Frick. Der Finanztechnologiekonzern Net1 ist an

der Nasdaq-Börse in New York gelistet.

Strategisch fokussiert sich Bank Frick

auf Dienstleistungen und Produkte für

Finanzintermediäre wie zum Beispiel

Treuhänder, Vermögensverwalter, Zahlungsdienstleister,

Fondspromotoren und

FinTechs.

Zu den Alleinstellungsmerkmalen von

Bank Frick gehört die hohe Fachkompetenz

im Bereich des regulierten Blockchain-Bankings.

Die Bank begleitet ICOs,

verwahrt Krypto-Assets, handelt für

Bank-Frick-Kunden mit führenden Krypto-Währungen

und macht Krypto-Assets

bankable.

Für Intermediäre entwickelt Bank Frick massgeschneiderte

Fonds und agiert als Verwahrstelle (Depotbank).

Bank Frick ist als einzige liechtensteinische Bank Inhaberin

von Acquiring-Lizenzen von Visa und MasterCard. Sie beschäftigt

knapp 120 Mitarbeitende und betreibt eine Niederlassung

in London, Grossbritannien.

(Quelle: Bank Frick)

Dank unserer Expertise im Bereich

der Produktentwicklung begleiten

wir Token Sales und erstellen individuelle

Fondslösungen, basierend auf

der Blockchain-Technologie. Ausserdem

haben wir Zugriff auf ein grosses

Netzwerk von Systemteilnehmern, wie

zum Beispiel KYC-Dienstleister ( KYC

= know your customer, Anm. d. Red. )

und Vermögensverwalter, die unsere

Kunden während ihres gesamten Lebenszyklus

unterstützen. Wir sehen

uns als Serviceanbieterin der Blockchain-Welt,

die Kunden mit mass-

geschneiderten Lösungen und einer

ganzheitlichen Beratung ein One-Stop-

Banking ermöglicht, passend zu unserem

Fokus auf Finanzintermediäre.

Darüber hinaus evaluieren wir ständig

neue Produkte, um unsere Kunden

noch besser und vollumfänglicher bedienen

zu können.

Wo steht ERI Bancaire im Markt im

Vergleich zu anderen Anbietern von

Bankensoftware?

Schlagenhauf: ERI ist ein international

tätiges Unternehmen mit Kunden

in über 50 Ländern. Bei kleinen bis

mittelgrossen Banken im Private-Banking-

und Wealth-Management-Bereich

sowie bei multinational aktiven

Bankengruppen im Wealth-Management-Geschäft

sind wir marktführend.

Mit knapp 30 Jahren Erfahrung und

Spezialisierung in diesem Segment

konnten wir unser System und unsere

Prozesse nahezu perfektionieren.

Dies wirkt sich in einem attraktiven

Preis-Leistungs-Verhältnis sowie raschen

und risikoarmen Migrationsprojekten

aus. Bezüglich der Funktionalität

erachten wir OLYMPIC Banking

System als das umfassendste auf dem

Markt. Dazu haben wir unser System

vor Kurzem auf den modernsten technologischen

Stand gebracht und sind,

wie oben erwähnt, nicht zuletzt dank

unserer innovativen Kunden Digital-Banking-tauglich.

Auch hier sehen

wir uns als branchenführend.

Wie sieht aus Ihrer Sicht die Bank

der Zukunft aus?

Schlagenhauf: Das traditionelle Banking

wird weiter digitalisiert. Künstliche

Intelligenz, maschinelles Lernen

und Robotisierung werden immer mehr

an Bedeutung gewinnen und gezielt

eingesetzt werden. Blockchain-Technologien

und andere Innovationen

werden mehr und mehr den « Mittelsmann

» ausschalten und für die Banken

eine Bedrohung, aber auch eine Chance

darstellen. Traditionelle Bankdienstleistungen

wie Kontoführung, Zahlungsverkehr,

Kreditvergabe bis hin

zu Private Banking und Wealth Management

werden von neu gegründeten

Firmen übernommen oder zumindest

herausgefordert. Als Resultat werden

die Margen weiter sinken. Um weiter

bestehen zu können, werden Banken

gezwungen sein, nebst höherer Automatisierung

ebenfalls aktiv Innovationsmanagement

zu betreiben. Kleinere

Banken werden sich weiter spezialisieren

müssen, wie das erfolgreiche Beispiel

von Bank Frick zeigt. Grössere

Banken betreiben jetzt schon eigene

Labs und Digital Banking Factories.

Wir sind gespannt, wo uns die Zukunft

hinführt !

Casellini : Agilität, Geschwindigkeit

und die Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse

werden aus unserer Sicht immer

wichtiger. Das erklärt auch, warum

Unternehmen wie Revolut in so kurzer

Zeit eine so grosse Kundenzahl gewinnen

konnten. Banken müssen in ihrer

Systemlandschaft agiler werden und

die Bedürfnisse der Kunden befriedigen,

anstatt in alten Prozessen denken.

APIs und Open Banking sind dabei zwei

Trends, an denen wir intensiv arbeiten

und die aus unserer Sicht das Banking

der Zukunft stark prägen werden.


16

Zukunft Banking

02. Dezember 18 | netzwoche.ch/ZukunftBanking

Banking Innovation

AgentSelly, Bexio und Klara.ch – so

digitalisiert die Valiant Bank

Die Valiant Bank gibt Gas bei der Digitalisierung und setzt dabei auf Partnerschaften. Die Bank ist aber auch an

einem Start-up beteiligt, das als digitaler Immobilienmakler fungiert und den Haus-(ver-)kauf vereinfachen soll.

Christoph Wille, Leiter Vertriebskanäle und Mitglied der Geschäftsleitung bei Valiant im Gespräch.

Interview: Marc Landis

Christoph Wille

Leiter Vertriebskanäle und Mitglied der

Geschäftsleitung, Valiant Bank

Mit welchen Themen rund ums

digitale Banking beschäftigt sich

Valiant zurzeit?

Christoph Wille: Es gibt drei Themenkreise,

mit denen wir uns beschäftigen.

Wir möchten generell mit unseren

digitalen Initiativen den Zugang

zu unserer Bank für die Privatkunden

verbessern und vereinfachen.

Dazu gehören zum Beispiel

unser neues E-Banking und die neue

Online-Terminvereinbarung. Dasselbe,

nämlich das Finanzleben zu vereinfachen,

wollen wir auch für unsere

KMU-Kunden erreichen. Dort geht es

uns vor allem darum, die Abläufe für

die Kunden effizienter zu gestalten.

Und wir bieten ihnen auch die Anbindung

der Buchhaltungslösungen

Bexio und Klara.ch an ihre Bankkonten.

Der dritte Themenbereich

betrifft unser Kerngeschäft rund um

Hypotheken und Finanzierungen, das

effizienter und kundenfreundlicher

werden soll. So bieten wir etwa einen

Hypo-Check an, mit dem Kunden eine

Immobilienbewertung online vornehmen

und prüfen können, ob sie sich das

Traumhaus leisten können. Oder Kundinnen

und Kunden können mit Agent-

Selly, einem Start-up, an dem Valiant

beteiligt ist, auf effiziente und günstige

Art eine Immobilie verkaufen.

Was hat es mit AgentSelly auf sich?

Das ist ein innovativer Immobilienmakler,

mit dem wir als Bank früh

in der Wertschöpfungskette präsent

sein können. Heute kommen wir bei

einem Haus- oder Wohnungskauf erst

ganz zum Schluss ins Spiel, wenn es

um die Finanzierung geht. Wir möchten

aber früher mit einem Immobilienkäufer

oder -verkäufer in Kontakt

treten. Zudem ermöglicht AgentSelly,

Immobiliengeschäfte effizienter abzuwickeln.

Ein Objekt wird heute

mindestens drei Mal geschätzt. Vom

Makler, vom Käufer und jeder finanzierenden

Bank. Das ist sehr ineffizient

und kostet auch jedes Mal Geld.

Hier können wir einen Beitrag leisten,

um den Verkaufsprozess schlanker

zu gestalten. Mit AgentSelly wird

ein Objekt von Anfang an korrekt aufgenommen

und bewertet, das heisst,

eine zu verkaufende Liegenschaft bei

AgentSelly ist « bankgeprüft ». Alle

Parteien können auf diese Daten vertrauen

und es gibt keine unangenehmen

Überraschungen, wenn es dann

um die Finanzierung geht.

Sie sprachen vorher auch über Bexio

und Klara.ch. Wie funktioniert die

Anbindung dieser Buchhaltungsprogramme

ans Bankkonto?

Wir haben rund 40 000 KMU-Kunden,

die meisten davon sind Klein-

«Mit AgentSelly

wird ein Objekt von

Anfang an korrekt

aufgenommen und

bewertet – eine zu

verkaufende Liegenschaft

bei AgentSelly

ist ‹bankgeprüft›.»

und Kleinstunternehmen. Sie haben

im Alltag schon mit genug administrativen

Hürden zu kämpfen und die

Buchhaltung zu führen ist auch eher

eine lästige Pflicht statt die lustvolle

Kür. Diesen Kunden ist jegliche Vereinfachung

und Erleichterung ihres

Tagesgeschäfts willkommen. Und

Valiant will sie dabei unterstützen.

Mit Bexio und Klara.ch können Buchungen

im Bankkonto automatisch

über Nacht synchronisiert werden.

Man sieht tagesaktuell, wer bezahlt

hat und wer nicht. Wir wollen diesen

Bereich auch weiter ausbauen.

Etwa mit einem Online-Kapitaleinzahlungskonto,

um die Unternehmensgründung

zu vereinfachen.

Sie erwähnten auch den Hypo-

Check. Wie muss man sich diesen

vorstellen?

In den vergangenen Jahren haben

verschiedene Banken Online-Hypotheken

auf den Markt gebracht. Da

sind zum Teil sehr komplexe Plattformen

dabei. Wir glauben jedoch,

dass die meisten Kunden, die ja nicht

Immobilienspezialisten sind, mit der

komplexen Dateneingabe überfordert

sind. Deshalb haben wir uns entschieden,

mit dem Hypo-Check ein

einfaches Tool zu entwickeln, das den

Kundinnen und Kunden schnell eine

erste Indikation gibt, ob ein Objekt gut

gelegen ist und einen marktgerechten

Preis hat. Gleichzeitig sehen sie auf

einen Blick, welche Eigenmittel sie für

den Kauf bereitstellen müssen, damit

die Bank mitfinanziert. So schaffen wir

eine Basis, auf der Berater und Kunden

aufbauen können. Wir sehen klar,

dass die Standardfälle, die sich für den

Onlineabschluss einer Hypothek eignen,

im Hypothekengeschäft eher die

Ausnahme sind. In der Regel braucht

es ein Gespräch mit den Kunden und

eine fundierte Beratung. Wir nutzen

die Digitalisierung in diesem Bereich

als «Zubringer» für das klassische

Beratungsgespräch.

Was darf man in Zukunft von

Valiant in Sachen Digitalisierung

( noch ) erwarten?

Wir sind daran, 2020 eine neue Generation

einer Mobile-Banking-App zu

lancieren. Ich bin überzeugt davon,

dass wir da noch viel Potenzial haben.

Wir müssen mit den Neobanken, die

nur als Mobile-Only-Banken unterwegs

sind, mithalten und bezüglich

des Kundenerlebnisses mindestens

so gut werden wie diese, jedoch mit

einem umfassenden Angebot. Unsere

Entwicklung wird ein Gamechanger

sein. Wir müssen im Hosensack unserer

Kundinnen und Kunden präsent

und immer verfügbar sein. Und zwar

nicht nur als Mobile-Banking-App

für den Zahlungsverkehr, sondern als

Dialogplattform, mit der Kunden uns

jederzeit mit ihren Anliegen kontaktieren

können. Auch für die KMUs arbeiten

wir intensiv weiter. Wir möchten

etwa im Bereich Multibanking eine

Rolle spielen und unseren KMU-Kunden

künftig die Möglichkeit geben,

nicht nur die Valiant-Konti zu managen,

sondern eine Gesamtsicht über

ihre verschiedenen Bankbeziehungen

zu bekommen.

Andere Banken möchten das

auch. Wie grenzt sich Valiant ab?

Das stimmt. Ich denke, es wird darum

gehen, unsere Angebote einfacher

und besser zu gestalten als andere

und schneller in den Markt zu bringen.

Ganz im Sinne unserer Vision,

dass wir unseren Kunden das Finanzleben

am einfachsten machen.

« Ein Haus zu verkaufen,

ist ein

emotionaler Moment »

Wer sein Haus oder seine

Wohnung verkaufen

will, steht vor vielen

Herausforderungen.

AgentSelly macht diesen Prozess deutlich

einfacher – mit persönlicher Beratung

und digitaler Unterstützung. Fritz

Blaser hat’s probiert und ist überzeugt.

39 Jahre lang hat Fritz Blaser in seinem

Haus im luzernischen Herrlisberg

gelebt. Er baute es selbst, hielt es instand,

gestaltete die Umgebung, pflegte

den Garten. Kurz : Mit seinem Haus

verbindet er viele Emotionen und viele

Jahre seines Lebens. Nach dem Verlust

seiner Frau wurde es ihm aber zu

gross. Der Entscheid, sein langjähriges

Zuhause zu verkaufen, fiel ihm schwer:

«Das ist schon ein emotionaler Moment.

In diesen vier Wänden stecken

viel Herzblut und viele Erinnerungen

», meint Fritz Blaser.

Verkaufen auf eigene Faust:

schwierig

Der fitte Rentner versuchte zuerst, das

Haus auf eigene Faust zu verkaufen. Erfolglos.

« Es hat einfach nicht gepasst »,

fasst er zusammen. Durch ein Inserat

wurde Fritz Blaser auf AgentSelly aufmerksam.

«Herr Blaser war zuerst etwas

skeptisch», erinnert sich Claudio

Landmesser, CEO und Mitbegründer

von AgentSelly. Und fügt zufrieden an:

«Unser Angebot hat ihn überzeugt, das

Bauchgefühl stimmte und er hat seinen

Entscheid nie bereut.»

Immer auf dem Laufenden sein

AgentSelly vereinfacht den Verkauf

von Häusern und Eigentumswohnungen

mit innovativen Elementen,

welche die persönliche Beratung ergänzen.

Während des ganzen Verkaufsprozesses

werden die Verkäufer

digital unterstützt. Kontakte mit Interessenten,

Terminvereinbarungen

oder eintreffende Angebote werden

ihm laufend online mitgeteilt. «Die

Transparenz ist ein grosses Plus. Die

Verkäufer schätzen es sehr, immer auf

dem aktuellen Stand zu sein», sagt

Claudio Landmesser.

Hausverkauf einfach gemacht : Das Start-up AgentSelly unterstützt den persönlichen Kontakt mit vielen innovativen,

digitalen Elementen.

Besichtigungen mit oder ohne

Verkäufer

Ein weiterer Vorteil von AgentSelly

ist die Zusammenarbeit mit der Valiant

Bank. Die Bankberater erfassen

die Objekte vor Ort mit modernsten

Hilfsmitteln und erstellen eine virtuelle

360-Grad-Tour durch das Haus. So

können Interessierte das Objekt schon

vor der ersten Besichtigung online begutachten.

Valiant übernimmt auch

die Objektbewertung und erstellt die

Verkaufsdokumente innerhalb einer

Woche. Für die Verkäuferinnen und

Verkäufer ist danach die erste Arbeit

erledigt. «Die Verkäufer entscheiden

selbst, ob sie bei den Besichtigungen

dabei sein wollen. Sonst erledigen das

die Mitarbeitenden von Valiant mit unseren

Mitarbeitenden», erklärt Claudio

Landmesser von AgentSelly. Für Fritz

Blaser war es wichtig, die Interessenten

persönlich kennenzulernen, und er war

bei den Besichtigungen immer dabei.

Für den Verkäufer kostenlos

Fritz Blaser ist erstaunt, wie unkompliziert

und schnell anschliessend alles

ging. Innerhalb von drei Monaten

war sein Haus verkauft. «Die jungen

Leute von AgentSelly waren immer

sehr schnell, unkompliziert und professionell»,

schwärmt der 76-Jährige.

«Es sind nur wirklich Interessierte zur

Besichtigung gekommen, das hat mir

viel Zeit erspart.» Und es war für ihn

erst noch kostenlos, denn bei einem

Verkauf über AgentSelly übernimmt

der Käufer die Gebühren.

CEO Claudio Landmesser freut sich

über das Lob von Fritz Blaser: «Agent-

Selly ist mehr als ein Makler. Wir begleiten

die Verkäufer von A bis Z und

machen ihnen den Verkauf einfach – bis

zur Schlüsselübergabe.» Die Kombination

aus Digitalisierung und persönlichem

Kontakt kommt bei den Kunden

gut an. AgentSelly hat aktuell Immobilien

im Wert von 25 Millionen Franken

zu verkaufen. Darunter befand sich bis

vor Kurzem auch das Haus von Fritz

Blaser.


netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

17

FinTech-Lösung

Endlich wieder attraktive Zinsen in der Schweiz

Mit der FinTech-Lösung von Deposit Solutions sollen Kunden über ihre Hausbank Zugang zu den besten Einlagenangeboten mit

attraktiven Zinsen im Markt erhalten, ohne dafür die Bank wechseln zu müssen. Das 2011 in Hamburg gegründete Unternehmen

expandiert nun auch in die Schweiz. Auch Schweizer Banken können von der Lösung des FinTechs profitieren.

Autor und Interview: Marc Landis

Die Deposit Solutions Open Banking Innovation

Nach Uber, Airbnb, Netflix und Spotify

findet auch im Finanzsektor eine

grundlegende Veränderung statt. Die

Transformation ergibt sich durch

neues Kundenverhalten, neue Kundenerwartungen,

technologischen Fortschritt und einen veränderten

regulatorischen Rahmen. Drei Punkte

stechen dabei hervor :

1. Kunden, die sich an moderne Lebenswirklichkeiten

in anderen Bereichen gewöhnt

haben, erwarten eine ähnliche Nutzerfreundlichkeit

auch bei Finanzdienstleistungen,

wie etwa eine grosse Auswahl

anbieterunabhängiger Angebote von

marktführenden Produkten.

2. Die Verbreitung neuer Technologien

schafft Raum für neue Konzepte und

Lösungen, die zuvor nicht möglich waren,

und ermöglicht Akzeptanz in der Breite.

3. Regulatorische Initiativen unterstützen die

Öffnung des Finanzsektors als explizites

politisches Ziel. Richtlinien, wie beispielsweise

PSD2 in der Europäischen Union,

sollen Transparenz und Wettbewerb schaffen

beziehungsweise fördern und somit den

Kundennutzen steigern.

Die Deposit-Solutions-Open-Banking-Innovation: « Win-Win-Win » Situation für Produktbanken, Kundenbanken und

Privatanleger

Privatanleger

suchen attraktive

Zinsprodukte

Kundenbanken

haben die

Kundenbeziehung

Im Zuge dieser Entwicklungen sah Deposit

Solutions die Chance für die digitale Transformation

des Einlagengeschäfts mit Tages-, Termin-

und Festgeldern. Seit vielen Jahren können

Bankkunden in verschiedenen anderen Bereichen

im Rahmen von offenen Plattformen Produkte

von Drittanbietern über die bestehende

Bankbeziehung erhalten, zum Beispiel Anlagefonds.

Im Bereich des Einlagengeschäfts gab

es hingegen keine vergleichbare Lösung, die es

Produktbanken

stellen die

Zinsprodukte

Kundenbanken ermöglichte, ihren Kunden über

gegenwärtige Bankverbindungen Einlagenprodukte

mit Festgeldzinsen von Drittbanken anzubieten.

Stattdessen mussten Kunden, die andere

Einlagenprodukte wünschten, neue Konten bei

anderen Anbietern eröffnen. Durch die somit

steigende Anzahl der Kontobeziehungen entstand

dem Kunden ein erheblich höherer zeitlicher

Aufwand. Für Kundenbanken wiederum besteht

die Gefahr, die Kundenbeziehung ganz oder

in Teilen zu verlieren.

Vor sieben Jahren lancierte Deposit Solutions

eine Open-Banking-Lösung, um den 50-Billionen-

Euro-Markt für das globale Einlagengeschäft

offener und effizienter zu gestalten. Das Unternehmen

etablierte seine B2B-Plattform für Einlagen

als Standard unter europäischen Banken.

Mittlerweile ist Deposit Solutions zu einem

über 250-köpfigen Team herangewachsen und

nun auch mit einem eigenen Team in der Schweiz

präsent, wo es hiesige Banken für den Einsatz

seiner Plattform gewinnt. Die erste Partnerbank

in der Schweiz ist die Hypothekarbank Lenzburg,

eine börsenkotierte Schweizer Universalbank

und Vorreiterin im Digital Banking.

Dabei hat die Open-Banking-Plattform für den

Einlagenmarkt den Proof of Concept mit der proprietären

B2C-Vermarktung über seine eigenen

Onlineportale bereits erbracht. Dies konnte das

Unternehmen vor kurzem unter Beweis stellen,

als es mit seinen B2C-Marken die 10-Milliarden-

Euro-Marke an vermittelten Einlagen knackte.

Hinzu kommt, dass bereits zahlreiche Kooperationen

mit namhaften Banken im In- und Ausland

geschlossen wurden. Mit derselben Ambition

startet das Unternehmen in der Schweiz, um den

mehr als 1 Billion Schweizer Franken umfassenden

schweizerischen Einlagenmarkt zu erobern

und weitere Partnerbanken an seine Plattform

anzuschliessen.

Thomas von Hohenhau

Chief Client Officer und Managing Director

Schweiz, Deposit Solutions

Warum hat sich Deposit Solutions

gerade den Einlagenmarkt als

Geschäftsfeld ausgesucht ?

Thomas von Hohenhau : Spareinlagen

sind eines der weltweit wichtigsten

Finanzprodukte. In Europa halten Anleger

umgerechnet über 10 Billionen

Franken in Spareinlagen, und das

weltweite Gesamtvolumen beläuft sich

auf mehr als 50 Billionen Franken.

Trotz dieses immensen Umfangs hat

es in diesem Markt in den letzten

Jahrzehnten keine bedeutende Innovation

mehr gegeben. Kunden und

Banken verlangen aber digitale Angebote,

die Anlegern auf effiziente

Weise Zugang zu attraktiven Zinsen

verschaffen und Banken neue Märkte

und Kunden erschliessen. Unsere

Open-Banking-Technologie ermöglicht

ein solches digitales Angebot im Einlagenmarkt.

Mit unserer Plattform setzen

wir einen Industriestandard für

Spareinlagen und schaffen eine neue

Infrastruktur für den Einlagenmarkt,

wovon Banken ebenso wie Anleger

profitieren.

Warum ist die Schweiz ein interessanter

Markt für Deposit Solutions?

Der Schweizer Einlagenmarkt ist mit

mehr als 1 Billion Franken von enormer

Grösse. Zudem hat die Schweiz gemäss

aktuellen Erhebungen der OECD

die höchste Haushaltssparquote in

ganz Europa. 2016 war die Sparquote

der Schweiz mit 18,79 Prozent beinahe

doppelt so hoch wie im europäischen

Land mit dem zweithöchsten Wert –

Deutschland ( 9,69 Prozent ).

Ein weiterer attraktiver Aspekt des

Schweizer Marktes ist, dass er sich

nicht nur durch grosse Volumina in

Schweizer Franken auszeichnet, sondern

auch durch bedeutende Einlagen

in Euro und US-Dollar. In Bezug auf

das aktuelle Niedrigzinsumfeld bieten

wir sowohl Anlegern als auch Partnerbanken

einen Weg aus der Tristesse.

Für Anleger haben wir ein Portfolio an

Banken aufgebaut, die Schweizer Privatanlegern

attraktive Zinsen für Festgeldanlagen

zahlen. Für Banken, die

über unsere Plattform Einlagenprodukte

von Drittbanken anbieten, entsteht

ein neues Instrument zur Steuerung

der selbst gehaltenen Liquidität. Überschüssige

flüssige Mittel von Privatanlegern,

die Banken aktuell in grossen

Mengen zu negativen Zinssätzen bei

der Nationalbank anlegen müssen, können

dank unserer Lösung in die Bilanzen

von Drittbanken gesteuert werden.

Welche anderen Vorteile erhalten

Schweizer Banken bei einer Zusammenarbeit

mit Deposit Solutions ?

Schweizer Banken haben signifikante

Vorteile im Hinblick auf die Kundenbeziehung.

Eine Bank, die ihren Kunden

unsere Lösung anbietet, wird zwangsläufig

zu einem der besten Anbieter in

einer der wichtigsten Produktkategorien.

Das liefert ein starkes Argument

für die Kundenakquise. Ausserdem

wird gleichzeitig die Beziehung zwischen

der Bank und ihren bestehenden

Kunden gestärkt, was dazu führt,

dass zufriedene Kunden einen grösseren

Teil ihrer flüssigen Mittel zu ihrer

Hausbank verlagern. Des Weiteren

können Einlagenprodukte mit unserer

« In Bezug auf das

aktuelle Niedrigzinsumfeld

bieten

wir sowohl Anlegern

als auch Partnerbanken

einen Weg

aus der Tristesse. »

Lösung bequem ausgewählt und verwaltet

werden, was das Kundenerlebnis

erheblich verbessert. Abgesehen

von dieser qualitativen Komponente

gewinnen unsere Partnerbanken auch

auf monetärer Ebene. Durch unsere

Lösung entsteht für sie eine zusätzliche

Ertragsquelle auf einem Asset, mit

dem sie zuvor kaum Erträge erwirtschaften

konnten oder in einem Niedrigzinsumfeld

sogar teilweise Verluste

in Kauf nehmen mussten.

Wie können Privatbanken und

externe Vermögensverwalter ( EVVs )

von Ihrer Lösung profitieren ?

Für ihre Kunden wollen Privatbanken

sowie EVVs für alle Anlageklassen Beratung

bieten. Jedoch halten ihre Kunden

typischerweise ein Drittel ihres

Vermögens in Cash, für das es vor unserer

Lösung keine attraktiven alternativen

Anlagemöglichkeiten gab. Damit

war ein Drittel des Vermögens nicht

variabel investierbar. Dieser Zustand

wird durch unsere Lösung aufgehoben,

und Privatbanken sowie EVVs können

sich wieder selbstbewusst als ganzheitliche

Berater positionieren. Ausserdem

können sie Performance auf den

Cash-Beständen erzielen und so die

Gesamtperformance des Kundenportfolios

verbessern. Zudem ermöglicht

unsere Plattform einen Portfolioansatz,

da der Berater die Cash-Bestände

seiner Kunden auf beliebig viele Einlagenprodukte

von Drittbanken verteilen

kann. Dies erlaubt, den gesamten

Cash-Bestand eines Kunden zu diversifizieren

und trotz des hohen Volumens

vollständig abzusichern.

Wie sicher sind die Einlagen von

Schweizer Anlegern, wenn sie sich

auf ihrer Plattform für Produkte

ausländischer Banken entscheiden ?

Sämtliche unserer angebotenen Festgeldprodukte

sind durch gesetzliche

Vorschriften umfassend geschützt.

Einlagen bei Schweizer Banken sind

durch das nationale Einlagensicherungssystem

esisuisse bis zu einem

Gegenwert von 100 000 Franken pro

Bank und Kunde abgesichert. Schweizer

Privatanleger, die in attraktive Festgeldprodukte

im europäischen Ausland

investieren, sind dabei wie

Europäer ebenfalls abgesichert. Die

europäische Einlagesicherung schreibt

eine Absicherung der Spareinlagen von

mindestens 100 000 Euro pro Bank und

Kunde gesetzlich vor.

Welche nächsten Schritte planen

Sie mit Deposit Solutions in der

Schweiz?

Zum einen widmen wir uns in den

nächsten Monaten dem Ausbau unserer

B2C-Plattform Savedo.ch. Zum anderen

werden wir weitere Schweizer

Banken in unser Netzwerk aufnehmen.

Ein nächster wichtiger Meilenstein für

uns ist die Zusammenarbeit mit EVVs.

Sowohl sie als auch ihre Kunden profitieren

von der Partnerschaft mit Deposit

Solutions. Nebst alldem haben

wir intern noch weitere grosse Projekte

für die Schweiz in Planung, von denen

man in den kommenden Monaten

sicher hören wird.

Über Deposit Solutions

Das 2011 gegründete FinTech-Unternehmen

Deposit Solutions hat es sich zur

Aufgabe gemacht, den globalen Einlagenmarkt

zu transformieren. Bereits heute

verbindet die Open-Banking-Plattform

Banken aus 16 europäischen Ländern,

darunter namhafte Institute wie die Deutsche

Bank, Close Brothers oder Töchter

von Credit Agricole, Société Générale,

und Fidelity. Mit den bisherigen Partnerschaften

erreicht Deposit Solutions heute

bereits 30 Millionen Privatanleger, die

Einlagen von über 1 Billion Euro bei ihren

Kundenbanken halten. Deposit Solutions

schloss im August 2018 seine aktuelle

Finanzierungsrunde ab. Hauptinvestor ist

seither das internationale Private-Equity-Unternehmen

Vitruvian Partners. Zusätzlich

beteiligen sich die schwedische

Risikokapital-Beteiligungsgesellschaft

Kinnevik sowie bestehende Gesellschafter,

darunter auch Deposit Solutions’

erster institutioneller Investor e.ventures.

Insgesamt wurden in dieser Runde 100

Millionen US-Dollar investiert. Mit dieser

Finanzierungsrunde erreicht Deposit Solutions

eine Bewertung von 500 Millionen

US-Dollar. ( Quelle : Deposit Solutions )


18

Zukunft Banking

02. Dezember 18 | netzwoche.ch/ZukunftBanking

Expertenkolumnen

Movers

and Shakers

Wer in der Schweiz an FinTech denkt, kommt an

Andreas Kubli, Thomas Puschmann, Oliver Bussmann,

Christina Kehl, Rino Borini und Daniel

Gasteiger nicht vorbei. Sie sind die « Movers and

Shakers » der Schweizer FinTech-Szene und erklären,

wie sie die Digitalisierung des Bankings sehen.

Zusammenspannen

für den Kunden

Andreas Kubli

Head Multichannel Management &

Digitization, UBS Switzerland AG

Unsere führende Stellung im Bereich

Digitalisierung verdanken

wir auch unserem kooperativen

Ansatz. Wir werden weiterhin

darauf setzen, um unseren Kunden

das bestmögliche Erlebnis zu bieten.

Es war mutig, als wir vor rund fünf Jahren

gesagt haben, wir müssen nicht alles selbst machen,

was wir unseren Kunden anbieten. Damals

gingen wir mit dem deutschen Start-up

SumUp eine Kooperation ein und übernahmen

deren Vertrieb in der Schweiz für ein mobiles

Kartenterminal, das jedes Smartphone zu einem

Kassengerät macht. Heute ist dieses Angebot

Teil einer umfassenden Palette an digitalen Produkten

und Dienstleistungen, die wir für Kleinunternehmen

anbieten. Dieses Ökosystem aus

eigenen und dritten Dienstleistungen umfasst

beispielsweise auch die Liquiditätsplanung. Wir

arbeiten mit dem Schweizer Softwareentwickler

Bexio zusammen, damit unsere Firmenkunden

die Liquidität über Monate vorausplanen

können. Und nicht nur das: Buchhaltungssoftware

und E-Banking arbeiten Hand in Hand zusammen,

damit erspart sich der Unternehmer

die Zeit, um alle offenen Kundenrechnungen

mit der Buchhaltung abzugleichen. Solche Kooperationen

sind für uns besonders interessant,

weispapiere unserer zukünftigen Privat- und

Firmenkunden. Wir dürfen jedes Jahr rund

200 000 Neukunden begrüssen, viele davon via

digitale Kontoeröffnung. Hätten wir diese Technologie

selbst bauen müssen, wären wir nicht

die erste Bank gewesen, die ihren Kunden für

die Kontoeröffnung den Gang in die Filiale ersparen

konnte. Die Technologie wurde in Rekordzeit

nahtlos in unsere App integriert.

Damit wir unsere Rolle als führende Digitalbank

weiter ausbauen können, ist Technologie

entscheidend. Eine neue Zusammenarbeit mit

dem Swiss AI Lab IDSIA ( Istituto Dalle Molle

di Studi sull‘Intelligenza Artificiale ) im Bereich

der künstlichen Intelligenz soll uns den Vorsprung

auf die Konkurrenz sichern. In Manno

arbeiten wir an verschiedenen Projekten unter

der Prämisse, durch künstliche Intelligenz unseren

Kunden das bestmögliche Kundenerlebnis

zu bieten. Ich bin überzeugt, dass weitere Kooperationen

folgen werden, denn sie sind ein

wichtiges Puzzleteil, um unsere führende Position

im Bereich Digitalisierung zu erhalten.

Thomas Puschmann

Head of Swiss FinTech Innovation Lab

Universität Zürich

In den letzten Jahren hat sich parallel zum

bestehenden Finanzsystem ein vollständig

neues Finanzsystem entwickelt, das,

gemessen am Volumen noch relativ klein

ist und kaum Berührungspunkte zum bestehenden

hat ( z.B. sind derzeit nur ca. 3 Mio.

Nutzer in Kryptowährungstransaktionen involviert;

das Gesamtvolumen ist mit weniger

als 1 % gemessen am weltweiten Volumen des

Finanzsystems ebenfalls noch sehr klein ). Die

Anbieter dieses neuen Systems sind häufig noch

unbekannt. Beispiele sind etwa die Kryptowährungsbörsen

Bitfinex oder Coinbase oder Wallet-Anbieter

wie Uphold oder Ledger.

Neue Technologien

Einen wesentlichen Treiber der skizzierten Entwicklungen

bildet dabei die IT. So entsteht etwa

derzeit mit sogenannten « distributed Apps »

( dApps ) eine ganz neue Kategorie an Softwaresystemen

für Distributed Ledger ( DLT ) -basierte

Lösungen wie z.B. dezentrale Börsen. Obwohl

diese noch in den Kinderschuhen stecken, könnte

diese Entwicklung schon bald grosse Veränderungen

in der Finanzindustrie bewirken.

Finanzplatz

2025

Denn in diesen Systemen kommt digitalem Geld

eine wichtige Funktion zu. So kann digitales

Geld z.B. die Auslösung eines Prozesses automatisch

anstossen, was zu neuen Fragestellungen

führt: Wir kennen die Kriterien bei der Vergabe

von Krediten an Menschen, nicht aber, wie

diese bei der Vergabe an digitale Dienste oder

Maschinen ausgestaltet sein sollten ? Dadurch

entsteht ein komplexes Netzwerk automatisierter

Rechte und Pflichten zwischen Softwaresystemen,

Konsumenten und Institutionen.

Neue Regulierung

In komplexen digitalen Ökosystemen ist die

Regulierung ein entscheidender kritischer Erfolgsfaktor,

sowohl aus nationaler Sicht, aber

auch bezüglich seiner Wettbewerbsfähigkeit

im internationalen Kontext. Aus Regulierungssicht

erscheinen vier Bereiche relevant. Erstens

eine umfassende Sicht auf das globale Finanzsystem,

das den Einbezug aller Eckpfeiler des

neu entstehenden Finanzsystems berücksichtigt.

Zweitens zielt eine harmonisierte Regulierung

auf eine im internationalen Kontext abgestimmte

Sicht, wie sie etwa von IWF oder einer

internationalen Sandbox angestrebt wird. Den

dritten Eckpfeiler bildet eine angemessene Regulierung,

die eine Abwägung von Risiko und

Innovation erfordert, was zugleich ein tiefes

Verständnis neuer Technologien erfordert ( zum

Beispiel Innovationslabor der Bank of England ).

Schliesslich bedarf es viertens, einer Zunahme

digitalisierter Regulierungen. Der Regulator

wird damit zum Überwacher von Algorithmen.

Der Finanzplatz 2025 steht vor einem grossen

Umbruch und aus Sicht der Schweiz bietet

sich die einmalige Chance, diesen international

mitzugestalten. Forschung und Industrie sollten

dies Hand in Hand angehen.

Crypto Valley

im Aufstieg

Auf den Gebieten Blockchain und

kryptografische Technologie hat

sich das Crypto Valley der Schweiz

weltweit als die Wiege der Innovation

etabliert. Die Attraktivität des

Standortes ist eng verbunden mit der tief verwurzelten

Tradition der Schweiz im Sektor der

Bank- und Finanzdienstleistungen wie auch dem

Ideenreichtum des Landes. Dies hat massgeblich

zum Entstehen eines starken und gut vernetzten

Ökosystems aus innovativen Start-ups und zukunftsorientierten

Akteuren der Industrie beigetragen,

die das Potenzial neuer Herangehensweisen

als Entwicklung erkennen.

Die Crypto Valley Association ( CVA ), zu deren

Mitgliedern über 1200 Einzelpersonen, Startups

wie auch bekannte Unternehmen zählen, hat

massgeblich zum Entstehen dieses Ökosystems

beigetragen. Die daraus resultierenden Erfolge

schlagen sich nieder in Wachstum mit erheblichen

wirtschaftlichen Auswirkungen : Laut einer

kürzlich von CVA-Mitgliedern, PwC und CV VC

durchgeführten Umfrage gibt es in der Schweiz

mehr als 600 Unternehmen, die direkt oder indirekt

mit Blockchain-Technologie arbeiten,

womit bereits an die 3000 Personen in diesem

Arbeitsumfeld beschäftigt sind.

Dieser Aufschwung kommt nicht ohne Herausforderungen

aus und erfordert Regulierungsund

Aufsichtsbehörden, welche die Auswirkungen

und Grenzen dieser neuen Technologie

verstehen. Die Crypto Valley Association hat

daher eine führende Rolle übernommen beim

Aufbau von Brücken zwischen der Start-up-

Community einerseits und den Aufsichtsbehörden

wie der Finma oder auch Industrieorganisa-

Oliver Bussmann

Präsident, Crypto Valley Association

weil sie unsere Kernkompetenz erweitern und

wir das Leben für unsere Kunden einfacher und

bequemer gestalten können. So beispielsweise

auch, wenn ein Privatkunde auf ImmoScout24

oder Homegate eine Immobilie sucht. Er kann

mit dem UBS Immo-Check sein Wunschobjekt

direkt von uns bewerten lassen. Eine Dienstleistung

auf einem Immobiliensuchportal, die man

so von seiner Bank wohl nicht erwartet hätte.

Trotz vieler erfolgreicher Beispiele ist es alles

andere als selbstverständlich, dass die Zusammenarbeit

zwischen Start-up und Grossbank

gelingt. So mussten wir Wege finden, um

innovative Jungunternehmen mit agiler Organisationsstruktur

nicht durch die komplexen

Strukturen und Prozessen eines Konzerns zu

«erdrücken». Start-ups sollen von Sicherheit,

Know-how, einem wertvollen Netzwerk und der

breiten Kundenbasis profitieren, auch wenn deren

Lösungen soweit in unsere Systeme integriert

werden, dass sie nach aussen nicht mehr

sichtbar sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist das

deutsche Start-up IDnow. Deren Technologie

überprüft mittels Smartphone-Kamera die Austionen

wie der Schweizerischen Bankiervereinigung

andererseits. Die Ergebnisse werden nicht

nur durch die kontinuierliche Zunahme von Unternehmen

verdeutlicht, die sich in der Schweiz

ansiedeln, um Blockchain-Aktivitäten aufzunehmen,

sondern auch durch die wachsende Zusammenarbeit

zwischen Start-ups, Universitäten und

Unternehmen.

Die Schweiz wird zweifellos auch in Zukunft

zu den Protagonisten der Finanz- und Industriewelt

zählen, was nicht zuletzt auch dem starken

Motor der Innovation zu verdanken ist, an der

das Crypto Valley erheblich beteiligt ist.


netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

19

InsurTech :

die Bottom-up

Revolution

Die Versicherungswelt spricht von

der Digitalisierung – von Insur-

Tech. Darüber, wie Innovationen

und Technologisierung eine

ganze Branche verändern. Ist Innovation

tatsächlich der Motor für Veränderungen

? Oder sind es Veränderungen, die

zur Innovation treiben ? Für Vor- und Nachkriegsgenerationen

lag die höchste Priorität auf

Absicherung. Dieser Wunsch wurde in hochkomplexe

Versicherungsprodukte übersetzt, die

den Kunden in die Abhängigkeit des Vertriebs

gestellt haben. Dadurch war nicht der Kunde

König, sondern der Anbieter. Die gesamte Versicherungswirtschaft

baute auf diesem Topdown-Prinzip

auf, Versicherungsunternehmen

dominierten die Wertschöpfungskette von A

bis Z. Doch heutige Kunden unterscheiden

sich von denen vorangegangener Generationen.

Sie sind aufgewachsen in einer Welt, in

der Grenzen fielen und Chancen sich auftaten.

Veränderung nehmen sie nicht mehr allein als

Bedrohung wahr, sondern auch als Chance.

Viele von uns verbringen kaum ihr ganzes Berufsleben

in ein und derselben Firma. Wir

wechseln Jobs, Wohn- und Arbeitsorte, Partner.

Wir nennen dies nicht mehr Unbeständigkeit,

sondern Freiheit. Und Freiheit ist zu einer der

höchsten Prioritäten geworden. Für Versicherer

ist dies eine schlechte Nachricht – Versicherungsprodukte

verlieren an Attraktivität.

Die Digital Natives suchen nach transparenten

Lösungen – simpel und schnell. Sie wollen

selbst ans Ruder, anstatt von Versicherungsvertretern

abhängig zu sein. Moderne Produkte

und Kanäle müssen intuitiv bis hin zu vollautomatisch

sein. Wenn Kunden solche Angebote

nicht offeriert bekommen, verzichten sie auf

die eine oder andere Police. Oder es werden Lösungen

auf eigene Faust entwickelt. Aus einer

solchen Motivation heraus entstehen Start-ups.

Lange Zeit fühlten sich Versicherungen unantastbar.

Taxiunternehmen, Reise, Handel, alles

lässt sich digitalisieren, aber doch nicht sie ! Viel

zu anspruchsvoll, zu komplex, kein Aussenstehender

würde sich heranwagen. Heute ist das

Gegenteil bewiesen. Tech-versierte Digital Natives,

welche die verworrenen Strukturen des

Versicherungswesens und die Komplexität von

Versicherungsprodukten nicht kennen – und

sich auch nicht darum scheren –, stellen das

Christina Kehl

Geschäftsführerin von Swiss Finance Startups

(SFS) und Studiengangsleiterin CAS

Digital Insurance an der HWZ Hochschule

für Wirtschaft Zürich

System auf den Kopf. Top-down-Strukturen erfahren

nun die Bottom-up-Revolution. Die Kundenperspektive

ist wichtig. Innovatoren von aussen

scheuen sich nicht, radikal zu vereinfachen.

Das haben Versicherungskonzerne erkannt und

reagieren mit eigenen Innovationsteams, Labs,

Accelerator- und Inkubatorenprogrammen.

Am Ende wird sich zeigen, ob die Innovatoren

oder die « Incumbents » das Rennen machen. Der

Wettbewerb um den digitalen Versicherungskunden

ist eröffnet.

So wird

Banking sexy

Rino Borini

Gründer financialmedia AG & Finance 2.0 ;

HWZ-Studiengansgleiter

Die Digitalisierung ist inzwischen

bei sämtlichen Banken in die Teppichetage

durchgedrungen. Es

wird viel über sie gesprochen –

aber kaum über digitale Transformation.

Fälschlicherweise werden die Begriffe

oft als Synonyme verwendet. Bei den meisten

Aktivitäten, die in ihrem Namen geschehen, stehen

Effizienz- und Produktivitätsverbesserungen

im Zentrum. Und die sind für jedes Unternehmen,

immer schon, letztlich Pflicht.

Bei der digitalen Transformation hingegen

– der Kür – sollen auch neue Geschäftsmodelle

erschlossen werden. Das tun viele Banken

nicht und halten stattdessen an ihren bestehenden

Modellen aus dem 20. Jahrhundert fest. Es

fehlt der Mut zur Kannibalisierung, obwohl das

Wachstumspotenzial der bestehenden Ertragsmodelle

beschränkt ist.

Die grosse Gefahr ist, dass Banken invisibel

und im schlimmsten Fall obsolet werden, während

die Grundbedürfnisse der Konsumenten

weiterhin bedient werden müssen: Sie wollen

zahlen, sparen, anlegen und vorsorgen. Verändert

hat sich die Erwartung, wie auf diese

Dienstleistungen zugegriffen werden kann.

FinTech-Start-ups reagieren auf diese Veränderungen,

indem sie lukrative Teilbereiche des

Bankings angreifen. Sie bieten ein zeitgemässes

Kundenerlebnis, und das zu oft niedrigeren Kosten.

Die jungen Wilden geben vor, wie Kundenerwartungen

erfüllt werden können.

Doch die wirkliche Gefahr für die arrivierten

Banken sind die Tech-Giganten dieser Welt, die

sich nun auch die letzte Meile der Kundendaten sichern

wollen: den Zahlungsprozess. Auch anderswo

bauen sie ihr Angebot stetig aus. So gewährt

Amazon Firmen und Privaten Kredite, auch ins

Hypothekengeschäft will man bald einzusteigen.

Die Giganten haben zwei grosse Vorteile: jede

Menge Cash und eine riesengrosse Nutzerbasis.

Was die jungen FinTechs und die Tech-Giganten

verbindet: Beide sind im Onlinegeschäft gross

geworden. Sie sprechen die Sprache des Internets,

Kundenzentriertheit ist tief in ihrer DNA verankert.

Banken dagegen agieren immer noch meist

produktzentriert. Wenn sie weiterhin Herr über

die Kundenschnittstelle bleiben wollen, dann

müssen sie ihre institutionellen Denkweisen und

Strukturen ablegen und stattdessen in digitalen

Plattformen und Ökosystemen denken. Technolo-

gie ist dabei nur ein Hilfsmittel (und zugleich eine

Gefahr, wenn man sie unterschätzt). Die Blockchain

beispielsweise kann Vertrauen zwischen

Parteien schaffen, die sich nicht kennen – eine

Rolle, die früher den Banken vorbehalten war.

Ein weiterer Game-Changer heisst «Open

Banking». Banken sollen die Daten ihrer Kunden

auf deren Wunsch hin mit anderen Anbietern

teilen. Das heisst aber nicht, dass am Tag darauf

sämtliche Kunden abwandern werden. Denn

Banken haben einen wichtigen Trumpf in der

Hand: Vertrauen und (Daten-)Sicherheit.

Die Synthese der beiden Bereiche – kundenorientierte,

dynamische, logarithmusgetriebene

Tech-Welt und sichere und vertrauenswürdige

Banking-Welt – kann nur gelingen, wenn sie den

gleichen Prinzipien folgt wie der Onlinehandel.

Banking muss einfach, kosteneffizient, bequem

und allgegenwärtig werden. Es muss in der Hosentasche

auf dem Smartphone stattfinden, 24/7.

So kann Banking dereinst «sexy» werden. Oder

zumindest «easy to use».

Eine Frage

des Vertrauens

Vertrauen steht im Zentrum eines

durch die Blockchain-Technologie

befeuerten gesellschaftlichen

Umbruchs. Das damit verbundene

Innovationspotenzial wird

nicht zuletzt durch die zahlreichen in der

Schweiz stattfindenden Entwicklungen auf diesem

Gebiet immer greifbarer. Ironischerweise

fällt die Geburtsstunde von Blockchain genau

in jene Zeit, als das Vertrauen in unser Finanzsystem

mit dem Kollaps von Lehman Brothers

2008 den absoluten Tiefpunkt erreicht hat.

Vielleicht war es aber auch gerade diese tiefgreifende

Vertrauenskrise, die als Katalysator

der Entwicklung von Bitcoin und Co. den entscheidenden

Schub verliehen hat.

Eines ist klar : Ohne Vertrauen funktioniert

unser wirtschaftliches System nicht. Und nicht

nur die Wirtschaft, auch das öffentliche und

politische Leben, und damit letztlich der demokratische

Staat, sind ohne Vertrauen nicht

denkbar. Die Frage ist nur: Was sind die vertrauensstiftenden

Elemente, die unserem System

als Fundament dienen und sichere Transaktionen

zwischen einander unbekannten

Parteien ermöglichen ? Im Finanzbereich waren

es über lange Zeit Institutionen wie die Banken

in ihrer Rolle als vertrauenswürdige Mittler.

Dieses Vertrauen haben die entsprechenden

Akteure im Zuge der Finanzkrise zu einem

grossen Teil verspielt. Selbst das Vertrauen in

die Nationalbanken als Hüterinnen der nationalen

Währungen hat aufgrund geldpolitischer

Experimente im Zuge der Krisenbewältigung

vielerorts gelitten.

Mit dem unveränderbaren, manipulationssicheren

Abspeichern von Informationen in

dezentral organisierten Datenbankstrukturen

wie der Blockchain kann Vertrauen auf technologischer

Ebene geschaffen werden. Wenn wir

uns heute den Zustand des Internets anschauen,

so stellt das Fehlen von Vertrauen den eklatantesten

Mangel dar. Blockchain-Technologie

bietet Wege, diese gravierende Lücke zu schliessen

und damit das Potenzial des Internets für

Transaktionen jeglicher Art, und insbesondere

finanzieller Natur, vollständig zu erschliessen.

Das Vertrauen in Institutionen und Mittler tritt

Daniel Gasteiger

Mitgründer von Trust Square und CEO Procivis

in den Hintergrund und ist in vielen Fällen

schlicht nicht mehr nötig.

Die Schweiz hat eine lange Tradition als vertrauenswürdiger

Wirtschaftsstandort. Als Hub

für aufstrebende Blockchain-Forschung und

davon abgeleitete Geschäftsmodelle hat unser

Land die Chance, das Vertrauen innerhalb

unserer digitalen Gesellschaft entscheidend

zu fördern und international erneut eine führende

Rolle zu spielen.


20

Zukunft Banking

02. Dezember 18 | netzwoche.ch/ZukunftBanking

Start-up mit Flair

Vom Keller in die Chefetage

Um die Digitalisierung als Chance nutzen zu können, braucht es Skills und die nötige Brainpower.

Wie man heutzutage Talente findet und wie man sie hält, ist der Schlüssel zum Geschäftserfolg.

Autor: Marc Landis

Geheimnisvoll golden scheint

die Luft zu glitzern zwischen

Bürkli- und Paradeplatz,

auch an wintergrauen

Tagen. Die paar hundert Meter von den

Schiffsanlegeplätzen Bahnhofstrasse

aufwärts polarisieren und faszinieren

zugleich. Der Mythos « Schweizer

Bank » besteht, kein Zweifel, noch

immer. Und mit ihm die schwarzen

Limousinen, die in verborgenen Tiefgaragen

verschwinden. Doch wachsamen

Augen entgeht nicht, dass die Limousinen

den modernen Elektroautos

gewichen sind, Co-Working Spaces

dicht gedrängt die Strassen säumen

und die bodentiefen Scheiben der Eingangshallen

transparenter geworden

sind. Die Innovation hält Einzug. Und

mit der Innovation eine neue Organisationskultur.

Um die Vorteile dieser Organisationskultur

geht es auch in der Peripherie.

In den banken- und versicherungseigenen

FinTech-Labs an den

Stadtgrenzen liegen Effizienz und

Vision in der Luft. Die Schweiz als

Finanzplatz wird verteidigt, mit allen

Mitteln. Gegen die Grossen zu kämpfen,

scheinen die disruptiven kleinen

und agilen Teams. Mit einem freien

Blick nach vorne kann man Geschäftsmodelle

und den Kunden neu erfinden.

Der neu entstandenen Zielgruppe

scheinen diese Alternativen zu gefallen.

Langsam, aber stetig wandern

Marktanteile in die Crowd. Gefühlt

rasanter geht’s südlich der Limmatstadt

zu und her. Das Crypto Valley

in Zug zieht nationale und internationale

Investoren an und macht vor, wie

schnell Entwicklung gehen kann. Erwähnenswert

und leise einen Schritt

voraus sind die grossen Berner. Investiert

wird bewusst und nicht zu wenig.

Mit hochgekrempelten Ärmeln werden

alte Strukturen verbannt und agile

Teams geformt oder eingekauft. Der

Standort Schweiz zeigt einmal mehr,

dass Innovation erfolgreich betrieben

werden kann. Als Kombination aus

einer stabilen Basis und exzellenter

Brainpower. Stefan Nägeli, CTO des

führenden KMU-Kreditvergabe-Portals

Swisspeers und Blockchain-Experte,

kennt das Problem. « Um Vorreiter

zu sein, müssen Arbeitgeber

offener werden gegenüber Talenten

und über die Landesgrenzen hinaus

gehen. Kandidaten sind mobiler geworden

und die heutigen Kommunikationsmittel

vereinfachen vieles. »

Dass sich viele kluge Köpfe an die

Neuerfindung des Bankings gewagt

haben, ist nicht zuletzt die Konsequenz

der letzten Bankenkrise. 2008

hat vieles verändert. Produkt und

wichtiger Treiber des heutigen Fortschritts

ist der Abbau von Informationsasymmetrien.

Die neue Welt setzt

Transparenz voraus, besteht auf dynamische

Digitalisierung.

Ebenfalls auf Digitalisierung setzen

fast alle der im Börsenindex SMI vertretenen

Konzerne, über alle Industrien

hinweg. Der Wille zum digitalen Wandel

ist gross und sorgt für viele Veränderungen.

Software-Administratoren und

-Entwickler sitzen auch bei den Banken

und Versicherungen nicht mehr im Keller

zwischen blinkenden Serverracks. Sie

haben sich hochgearbeitet in die Open

Offices und Chefetagen und bringen mit

ihrem Einzug Organisationsstrukturen

durcheinander. Agile Tools für das

Projektmanagement und die Produktentwicklung

wie Scrum oder Kanban

sind bereits zum Standard geworden.

Die Menschen müssen lernen, Veränderungen

rasch zu antizipieren, um

schnell auf Kundenwünsche reagieren

zu können. Massgeschneidert und doch

Alexander Mazzara, Claudia Winkler und Tina Schwärzler von der digitalen Recruiting-Plattform

Lionstep ( v. l. )

skalierbar sollen Produkte und Dienstleistungen

in Zukunft sein.

Genau bei diesen Aufgaben kann

auch ein grosses internationales Beratungsunternehmen

wie Deloitte sinnvolle

Unterstützung bieten : « Bei den

Themen Digitalisierung und Organisationsentwicklung

in Grossunternehmen

geht es für uns oft da rum, das

Management wachzurütteln – denn

dieses Commitment ist absolut notwendig

! Die Führung muss Digitalisierung

nicht nur verstehen, sondern die

digitale Kultur vorleben, hierarchische

Silos aufbrechen, neue Formen

der Zusammenarbeit forcieren, agile

Teams bilden : Ohne diese Massnahmen

kann der Wandel nicht erfolgreich

bewältigt werden », sagt Jeroen

Hermans, Manager bei Deloitte

Schweiz und zuständig für Strategie

und Transformation.

Make or buy ?

Ob Innovation eingekauft wird oder

hausgemacht ist, Veränderungen wie

diese müssen von den richtigen Leuten

mit der richtigen Kultur umgesetzt

und implementiert werden. Für

viele etablierte Unternehmen stellt

dies eine grosse Herausforderung dar.

Nicht, weil sie sich gegen den Fortschritt

wehren, sondern weil sie oft

nicht die wichtigen, richtigen Leute

finden. Dies ist die vielleicht grösste

Herausforderung an der Transformation

einer gesamten Industrie. Es

braucht neue Brainpower und digitale

Spezialisten, am besten total agil und

offen für dauernde Veränderung. Und

eben diese neuen Mitarbeiter sind rar.

Bis 2026 erwartet die Schweiz

einen ICT-Fachkräftemangel von

40 000, den Hochschulen gehen die

Professoren aus, weil die Privatwirtschaft

an alle Türen klopft.

Um den Finanzplatz Schweiz weiter

stark zu halten, müssen wir uns auch

im Talent-Sourcing verändern und

transparenter werden, über Landesund

Netzwerkgrenzen hinaus denken

und einer höheren und schnelleren

Fluktuation proaktiv entgegenkommen.

Digitalisierung dort einsetzen,

wo klare Prozesse definiert sind, und

den Menschen effizient einbinden. Die

Organisation und Mitarbeiter schneller

verstehen und Resultate messbarer

machen. Unsere Zukunft, das Talent,

muss ins Zentrum gesetzt werden.

Und damit auch die Form, wie wir

Talente finden und wie wir sie halten.

Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Über Lionstep

Lionstep unterstützt Unternehmen im

Wandel bei der Identifizierung, Suche

und Einstellung neuer Mitarbeiter in einer

einzigartigen Kombination aus künstlicher

Intelligenz und menschlicher Interaktion.

Lionstep greift auf einen internationalen

Pool von Talenten zurück und vereinfacht

den Prozess für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

deutlich. Durch gezieltes Angehen

potenzieller Talente erhöht sich

die Wahrscheinlichkeit einer schnelleren

Einstellung. Die Lionstep-Experten sind

stets um die beste Kandidaten-Betreuung

bestrebt und für hunderte neue

Beziehungen zwischen Mitarbeitern

und Arbeitgebern verantwortlich. Das

transparente Preismodell passt sich jeder

Unternehmensgrösse an. Die digitale

Recruiting-Plattform hat sich schnell auf

dem Schweizer, deutschen und spanischen

Markt etabliert. Rund 300 Unternehmen

wie Telefónica, Adidas, Mobiliar und eine

Vielzahl internationaler Start-ups und

Spin-offs nutzen den innovativen Service.

Expertenkolumne

Das Banking der Zukunft

kommt aus der Cloud

Digitale Innovationen sind eine Voraussetzung

für die Sicherstellung der

Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz –

so auch im Finanzsektor. Dazu gehört

auch der Einsatz von Cloud-Lösungen. Um den

Schweizer Finanzplatz weiterhin an der internationalen

Spitze zu halten, müssen die Rahmenbedingungen

für technologische Innovationen

wie den Einsatz von Cloud-Lösungen global

erstklassig sein. Dafür müssen aber noch einige

juristische Herausforderungen gelöst werden.

Cloud-Lösungen ermöglichen mehr Effizienz

und neue Geschäftsmodelle, besonders für

kleinere Banken

Voraussetzung für den Erfolg im Bankgeschäft

ist die Fähigkeit, sich agil neuen Entwicklungen

anzupassen. Aufgrund ihrer Spezialisierung

können Cloud-Anbieter ihren Firmenkunden

neue Businessfunktionen meist schneller und

reibungsloser liefern als die internen IT-Abteilungen.

Mit der Migration der Bankeninfrastruktur

und Prozesse in die Cloud können

Banken die Marktreife für innovative Produkte

und Dienstleistungen radikal verkürzen und

damit ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern.

Zudem ermöglicht eine Cloud volle Kostentransparenz

und somit eine wirksamere

Unternehmensführung.

In der Cloud können neue Technologien wie

die künstliche Intelligenz zum Experimentieren

mit Geschäftsmodellen schnell, einfach und

günstig genutzt werden. Beispielsweise können

aufgrund von Korrespondenzen Kundenprofile

erstellt oder mithilfe lernfähiger Software Prozesse

automatisiert werden. Partnerschaften

ermöglichen und fördern ein innovatives Ökosystem

und gestalten dadurch die Wertschöpfungskette

neu.

Gerade kleinere Banken können so die Zugangsbarrieren

für neue Märkte einfacher überwinden.

Der Aufbau oder Einkauf der entsprechenden

Kompetenzen und Ressourcen in der

eigenen IT-Infrastruktur ist nicht mehr nötig.

Gewisse Technologien, die früher nur grossen

Unternehmen vorbehalten waren, werden damit

auch für kleine Banken zugänglich und ermöglichen

signifikante Skaleneffekte.

Die Cloud-Anbieter stehen in den Startlöchern

Verschiedene nationale und internationale

Cloud-Anbieter sind bereits mit einem Angebot

in der Schweiz oder haben ein solches angekündigt.

Die Nutzung von Cloud-Lösungen durch

Banken in der Schweiz ist aktuell jedoch mit

rechtlichen und regulatorischen Unsicherheiten

verbunden, welche die Migration der Banken in

die Cloud verzögern. Aufgrund ihrer besonderen

Bedürfnisse können Banken diese Dienstleistungen

namentlich für kundenbezogene

Daten noch nicht voll nutzen. Die Gewährleistung

der Aufsicht, die Einhaltung des Bankgeheimnisses

und der Beizug von Subunternehmen

durch die Cloud-Anbieter sind einige der

Herausforderungen, die es noch zu lösen gilt.

August Benz

Stellvertretender CEO und Leiter Private

Banking & Asset Management

der Schweizerischen Bankiervereinigung

Die Bankiervereinigung gestaltet mit

Aufgrund des grossen Potenzials im Bereich

Cloud-Dienstleistungen engagiert sich die

Schweizerische Bankiervereinigung stark in

den Arbeiten zur Verbesserung der Rahmenbedingungen.

Behörden, Provider und die Branche

stehen dabei in einem engen Austausch.

Im Zentrum der Arbeiten geht es um technische,

organisatorische und rechtliche Massnahmen,

um die Datensicherheit zu gewährleisten

und regulatorischen Anforderungen gerecht

zu werden. Eine Strategie, ob, wie und welche

Anwendungen auf die Cloud migriert werden,

muss jedoch jede Bank für sich definieren.


netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

21

Digitalisierung ist Chefsache

« Wir erhöhen mit unserem Ökosystem die

Innovationsgeschwindigkeit unserer Kunden »

FinTechs, Entwickler von Drittparteien, aber auch Banken erhalten bei Avaloq Zugang zu über 150 API Endpoints, die sie

wie aus einer Art Bibliothek beziehen können. Damit ermöglicht Avaloq schnellere Innovation und hilft Banken bei

der Digitalisierung ihres Geschäfts. Avaloq-CEO Jürg Hunziker orchestriert das global tätige Unternehmen seit einem Jahr.

Interview: Marc Landis

Sie sind nun 1 Jahr CEO von Avaloq,

welches Fazit ziehen Sie?

Jürg Hunziker: Das Jahr ist rasch vorbeigegangen,

und das zeigt auch, dass

es nicht nur für mich, sondern für uns

alle bei Avaloq eine spannende Phase

ist. Der Faktor Zeit – Neudeutsch

« Time to Market » – ist heute, abgesehen

von der eigentlichen Innovation,

der wesentliche Treiber in der Transformation

der Finanzindustrie. Die

Welt dreht sich nicht schneller, aber

die Erwartungshaltung an eine schnelle

Umsetzung von Innovationen und

neuen Geschäftsmodellen ist drastisch

gestiegen. Wir sind strategisch gut aufgestellt,

um die sich daraus ergebenden

Bedürfnisse abzudecken. Wir streben

nach Balance zwischen Kontinuität

und kurzfristiger Innovation. Im Bereich

Innovation experimentieren wir

viel und lassen auch Fehler zu. Banken

brauchen mehr denn je umfassende

Gesamtlösungen, und darüber hinaus

steigt die globale Nachfrage nach

Prozessauslagerungen. Konsequenterweise

entwickeln wir also nicht mehr

nur Software, sondern betreiben diese

für unsere Kunden auch als Outsourcing-Service.

Ich habe viel Freude an

der Firma und unseren Mitarbeitenden,

die mit viel Herzblut für die Kunden

da sind.

« Mit dem Prinzip

‹ try fast, fail fast,

learn fast › sind wir

in der Lage, schnell

abzuschätzen, ob

eine Innovation vom

Markt gut aufgenommen

wird. So

werden wir noch

agiler. »

Sie haben die Konzernspitze nach

Ihrem Antritt umgebaut. Warum war

das nötig?

Nach der Stärkung unserer Kapitalund

Aktionärsstruktur im Jahr 2017 war

dies ein weiterer Schritt, um unsere

Strategie noch schneller umzusetzen.

Mit der neuen Organisation unter dem

erweiterten Führungsteam können

wir uns noch stärker auf die Kundenbedürfnisse

und auf die Entwicklungen

in den einzelnen Marktregionen

fokussieren. Ein tragendes Element

ist die internationale Expansion, die

auch Innovation für unserer Schweizer

Kunden hervorbringt. Zudem erlaubt

uns die neue Struktur, unser Technologie-

und Dienstleistungsangebot

noch gezielter einzubringen, weil wir

näher am Puls der globalen Märkte

sind. Die Nachfrage nach Automatisierungslösungen

im globalen Bankund

Vermögensverwaltungsgeschäft

nimmt laufend zu, woraus sich erhebliche

Wachstumschancen für Avaloq ergeben.

Diese Chancen können wir nun

breit und effizient wahrnehmen.

Eine neue weitere Stelle haben Sie

mit dem Group Chief Product Officer

geschaffen. Welche Aufgaben hat er?

Der Chief Product Officer ist sozusagen

ein Übersetzer zwischen Technologie

und Service auf der einen Seite

und Kunden und Märkten auf der anderen

Seite. Dabei wird er eng mit unserem

Group Chief Technology Officer

und natürlich mit den Marktverantwortlichen

zusammenarbeiten. Ich bin

überzeugt, dass wir so unsere bestehenden

Lösungen noch besser skalieren

und unseren Kunden dabei helfen,

ihre Kunden noch besser zu bedienen.

Mit dem erweiterten Produktmanagement

wollen wir mit schnellem Prototyping

die Innovationskraft von Avaloq

weiter erhöhen. Mit dem Prinzip «try

fast, fail fast, learn fast» sind wir in der

Lage, schnell abzuschätzen, ob eine Innovation

vom Markt gut aufgenommen

wird, und werden so noch agiler.

Wie steht Avaloq wirtschaftlich

da? Wie zufrieden sind Sie mit dem

Halbjahresergebnis?

Wir sind weiter solide gewachsen und

haben im ersten Halbjahr Ergebnisse

erzielt, die im Rahmen unserer Erwartungen

lagen. Für das Jahr 2018 sind wir

gut auf Kurs. Die Umsatzentwicklung

war zwar etwas verhaltener, hauptsächlich

weil die Tessiner BSI nach der

Übernahme durch die EFG als Kunde

weggefallen ist –, aber die Richtung bei

unserer internationalen Expansionsstrategie

stimmt. Wir haben in der

Schweiz neue Kunden gewonnen und

konnten auch international erfreulich

zulegen, vor allem in Europa und in

Asien, und wir haben weitere Investitionen

getätigt, um unsere Marktstellung

zu stärken.

Wie unterstützt Avaloq die digitale

Transformation bei Finanzdienstleistern?

Wir automatisieren die Finanzbranche

im Backoffice, im Frontoffice und

in der Interaktion mit den Kunden und

unabhängigen Vermögensberatern. Ein

Beispiel dafür ist, dass wir im Backoffice

Prozesse automatisieren und

diese kaum mehr manuelle Eingriffe

benötigen. Damit steigt die Effizienz

eines Finanzinstitutes markant.

Dazu kommen Digital-Banking-Lösungen

von uns sowie von anderen

FinTechs, von denen auch die Endkunden

profitieren. Wir glauben, dass sich

Finanzinstitute heute und in Zukunft

vollumfänglich auf ihr Kerngeschäft

und ihre Kunden fokussieren können.

Technologie ist hierfür entscheidend,

und wir helfen Banken bei dieser

Transformation.

Avaloq hat einen Venture-Fonds für

FinTechs gegründet. Was bezwecken

Sie damit?

Mit Avaloq Ventures erhöhen wir die

Innovationsgeschwindigkeit – sowohl

unsere als auch die unserer Kunden.

Wir gehen dabei in drei Schritten vor :

Erstens machen wir innovative Startups

und Unternehmen ausfindig. Zweitens

verschaffen wir ihnen Zugang zu

Risikokapital und Finanzierungen.

Und drittens begleiten wir sie bei der

Weiterentwicklung, schauen, dass sie

ihr volles Marktpotenzial ausschöpfen

und skalieren können. Eine klare

Win-win-Situation : Avaloq verstärkt

Jürg Hunziker, CEO, Avaloq

sich innovativ und erschliesst sich zusätzliche

Expertise und Lösungen. Die

Start-ups erhalten Zugang zu Kapital,

Know-how und einer globalen Kundenbasis.

« Aktuell erhalten

FinTechs, Entwickler

von Drittparteien,

aber auch Banken

direkten Zugang zu

über 150 sogenannten

‹ API Endpoints ›,

die sie wie aus einer

‹ Bibliothek ›

beziehen können. »

Wie bindet Avaloq FinTechs an die

Avaloq Banking Suite an?

Unsere Kunden sind automatisch Teil

des Avaloq-Ökosystems und profitieren

von einem offenen Marktplatz,

dem Avaloq Software Exchange. Das

ist eine Art App Store für Banken.

Möglich machen wir dies durch offene

Programmierschnittstellen. Aktuell

erhalten FinTechs, Entwickler von

Drittparteien aber auch Banken direkten

Zugang zu über 150 so genannten

Foto : Jürg Kaufmann

«API Endpoints», die sie wie aus einer

«Bibliothek» beziehen können.

Avaloq ist am Lausanner Blockchain-

und Crypto-Currency-Spezialisten

Metaco mit 10 Prozent

beteiligt. Warum?

Wir beschleunigen Innovation und die

Time-to-Market von neuen Produkten.

Blockchain-Technologien und -Anwendungen

prägen die Finanzbranche

stark und führen zu einem Wandel der

erbrachten Dienstleistungen. Metaco

ist darauf spezialisiert, Banken und

Finanzinstitute dabei zu unterstützen,

die neuesten Blockchain-Technologien

und -Systeme für sich zu nutzen. Metaco

als Pionier hat diesen Trend früh

erkannt. Mit unserer Beteiligung erschliessen

wir zusätzliches Know-how

eines Branchen-Leaders für uns und

komplementieren damit unsere eigenen

Lösungen im Bereich der Blockchain-Technologie.

Welche Innovationen sind in naher

Zukunft von Avaloq zu erwarten?

Konkret befassen wir uns aktuell mit

folgenden Themen: Blockchain, künstliche

Intelligenz, Digital Advisory,

Reduzierung der Total Cost of Ownership

der Systemlandschaft und robotergesteuerte

Prozessautomatisierung

(RPA). Gerade bei diesen Themen

treten wir besonders aufs Gaspedal.

Dafür haben wir eine klar definierte

Roadmap – aber natürlich sind auch

andere Themen Bestandteil der Planung.

Jedoch innovieren wir nicht

nur auf Produktebene – auch unsere

Arbeitswelten entwickeln wir weiter.

Das heisst etwa, dass wir im Recruiting

neue digitale Wege gehen, oder dass

sich unsere Teams ihre Ziele selbst

setzen. Ausserdem entstehen in Zürich

und Bioggio zwei Neubauten, die unseren

Teams zeitgemässe Räumlichkeiten

bieten – während wir auch international

weiterwachsen. Ausserdem

bauen wir unser Ökosystem weiter

aus und wurden gerade für unsere Zukunftsvision

Avaloq.one in Asien von

einem Fachpublikum ausgezeichnet.

Digitale Fitness

Auf einer Skala von 1 bis 10, als wie

« digital fit » bezeichnen Sie …

7

5

sich

selbst ?

die Finanzbranche

?

Über Avaloq

6

9

die

Schweiz ?

Avaloq ?

Avaloq ist die treibende Kraft der Automatisierung

und Digitalisierung der

Finanzbranche. Aufbauend auf einer voll

integrierten Bankensoftware schafft

Avaloq leistungsfähige digitale Nutzererlebnisse.

Banken und Vermögensverwalter

beziehen die digitalen Lösungen

von Avaloq über ein standardisiertes

Business-Process-as-a-Service

( BPaaS )- oder ein Software as a

Service ( SaaS )-Modell. Dies eröffnet

Finanzinstituten die Freiheit, sich auf

Produkt- und Vertriebsinnovation,

Kundenservice, Kundenvertrauen und

Wachstum zu konzentrieren – während

Avaloq hinter den Kulissen den nahtlosen

Betrieb sicherstellt.

158 Banken und Wealth Manager, die

weltweit Vermögenswerte von zusammen

mehr als 4 Billionen Franken verwalten,

schenken Avaloq-Produkten Vertrauen.

Avaloq ist der einzige unabhängige

Lösungsanbieter in der Finanzbranche,

der seine Software zugleich selbst entwickelt

und betreibt – darum gehören

Avaloq-Banking-Lösungen zu den

effizientesten der Welt. Um Innovationen

zu fördern, arbeitet das Unternehmen

auf eine einzigartig kollaborative Weise

mit Kunden, anderen FinTechs, Universitäten

und Hunderten von Drittanbietern

zusammen : im Avaloq Ecosystem.

Avaloq hat seinen Hauptsitz in der

Schweiz und beschäftigt weltweit über

2000 Mitarbeitende. Das Unternehmen

betreibt drei Forschungs- und Entwicklungszentren

in Zürich, Edinburgh und

Manila sowie vier Service Centres in der

Schweiz, Singapur und Deutschland.

Zudem ist Avaloq mit Niederlassungen

in den Finanz- und Innovationszentren

Berlin, Frankfurt, Hongkong, London,

Luxemburg, Madrid, Paris, Singapur und

Sydney vertreten. www.avaloq.com


22

Zukunft Banking

02. Dezember 18 | netzwoche.ch/ZukunftBanking

Blockchain

Die Blockchain Academy schafft Klarheit

Swisscom ist vor über einem Jahr mit der neuen Swisscom Blockchain AG gestartet. Zum Unternehmen gehört auch eine Academy, die

Kunden Ausbildung und Unterstützung rund um Blockchain bietet.

Autorin: Elsbeth Bruderer

Die Swisscom Blockchain AG

wurde im September 2017

gegründet. Nach einem

Jahr kann die Tochtergesellschaft

von Swisscom heute dank

Co-Innovation erste Erfolge vorweisen.

Im ersten Jahr lieferte Swisscom

Blockchain zahlreichen Unternehmen

Technologie und Beratung rund um

Blockchain oder Tokenization Services.

Im Fokus stehen Banken und

Versicherungen sowie Unternehmen

der Pharma- und Logistikbranche. Der

Kern des Blockchain-Teams besteht

aus Fachleuten, die früher für renommierte

Beratungsunternehmen wie EY,

Deloitte und Accenture tätig waren,

sowie aus IT-Spezialisten im Blockchain-Bereich.

Eine Übersicht des Trainingsangebotes gibt es auf der Eventbrite-Seite der Swisscom Blockchain

AG.

« One-Stop-Shop »

Swisscom Blockchain will ein « One-

Stop-Shop » sein, der Unternehmenskunden

berät, Lösungen entwickelt

und auch Blockchain-Infrastruktur

bietet. Die Kombination aus Beratung,

Entwicklungskompetenz und Blockchain-Infrastruktur

ist in der Schweiz

bisher einmalig.

Seit Juli 2018 bietet die Swisscom

Blockchain AG nun auch eine Blockchain

Academy, die Theorie und praktisches

Wissen rund um die Blockchain-Technologie

vermittelt. Dass das

Trainingszentrum inzwischen über

die Landesgrenzen hinaus bekannt ist,

zeigt, dass Weiterbildungsangebote

rund um die revolutionäre Technologie

sehr gefragt sind : «Ich bin sehr

beeindruckt von den Kursleitern und

deren Praxiserfahrungen mit Blockchain»,

berichtet Daniel Spier, Managing

Director bei IDT Financial Services

Limited aus Malta.

Swisscom Blockchain will damit

einen Beitrag zur Weiterentwicklung

und praxisorientierten Anwendung

dieser wichtigen Technologie leisten.

Als « Knowledge-Hub » ist die Blockchain

Academy Anlaufstelle für die

neuesten technologischen Entwicklungen

wie auch für Anwendungsfälle in

Industrien und im öffentlichen Sektor.

Universitäten und Weiterbildungsinstitute

in und ausserhalb von Europa

suchen vermehrt die Zusammenarbeit

mit der Swisscom Blockchain

Academy, um Ausbildungsprogramme

rund um die Blockchain-Technologie

anzubieten. Ziel ist es, Managern und

Studenten das nötige Handwerk und

Wissen zu vermitteln, um neue Geschäftsmodelle

und Anwendungen in

dezentralen Systemen auf Basis der

Blockchain-Technologie zu entwickeln.

Monatlich finden nun technische

und industriespezifische Trainings in

der Schweiz statt, und im arabischen

Raum laufen seit August mehrere

Schulungen. « Es werden bereits Gespräche

geführt, um die Produkte der

Blockchain Academy in weiteren Ländern

auszurollen», sagt Arno Pernthaler,

Head of Academy bei Swisscom

Blockchain.

Fokus auf Life Science und Finanzindustrie

im Jahr 2019

Für Daniel Haudenschild, CEO der

Swisscom Blockchain AG, geht es darum,

trotz rasanter Technologieentwicklungen

und Marktveränderungen

die relevanten Konstanten zu erkennen.

Die Schweiz ist stark in Life Sciences,

und diese Industrie kann von der Blockchain

enorm profitieren. In der Finanzindustrie

wird 2019 hinsichtlich Tokenisierung

von Vermögenswerten viel

passieren. In diesem Bereich leistet die

« Die meisten

Banken haben das

Potenzial von

Token-Assets

für ihr Geschäft

erkannt. »

Daura AG, eine Schwestergesellschaft

der Swisscom Blockchain AG, Pionierarbeit

mit der Digitalisierung der Aktie.

Schweizer Finanzdienstleister erkennen

zunehmend die Notwendigkeit,

ihre Systeme und die Finanzinfrastruktur

auf den Handel mit digitalen Vermögenswerten

vorzubereiten. Viele

Banken haben das Potenzial von Token-Assets

für ihr Geschäft erkannt.

Ausserdem sind für den Finanzsektor

Schweiz auch Anwendungen im Kontext

von europäischen Bankengesetzgebungen

wie MiFID II interessant.

Als ein weiteres relevantes Einsatzgebiet

der Blockchain-Technologie

ist Confidential Computing zu sehen.

Hierbei werden Daten in öffentlichen

Clouds durch Kryptografie verschlüsselt,

während gleichzeitig Analysen

möglich sind.

Daniel Haudenschild freut sich auf

eine Zukunft, in der in der Cloud alles

verschlüsselt ist.

In all diesen Bereichen ist Identitätsmanagement

erforderlich. Haudenschild

erwartet daher einen Anstieg

der Anzahl der Unternehmen, die eine

W3C-Identität anbieten werden. «Wir

sind ein Anbieter von Identitätslösungen

für Staaten und wollen dieses Geschäft

durch die Nutzung unserer dokumentensicheren

Services ausbauen»,

sagt er.

Breites Ausbildungsangebot

«Die Zielgruppe und deren Trainingsangebot

lässt sich grob in drei Segmente

aufteilen. Erstens bieten wir für

Interessierte, Unternehmer und Digitalmanager

ein Einstiegsprogramm

mit dem ‹ Starter Training›». In diesem

4-Tages-Training vermittelt Swisscom

Blockchain den Teilnehmenden die

wichtigsten Kenntnisse, die sie für ein

Blockchain-Projekt als Start-up oder

auch im Konzernumfeld unbedingt benötigen.

«Zweitens bieten wir industriespezifische

Trainings für Entscheidungsträger

von Grossunternehmen an, die

sich über die neuesten Industrieanwendungen

informieren wollen. Drittens

arbeiten wir eng mit den neuesten

Blockchain-Plattformen zusammen, was

es uns ermöglicht, auch qualitativ

hochwertige Trainings für Entwickler

anzubieten», sagt Haudenschild.

Expertenkolumne

Digitalisierung

beginnt im Kern

Robo-Advisor, künstliche Intelligenz,

Big Data: wohlbekannte Schlagwörter,

die uns von allen Seiten um die

Ohren fliegen – und die Banken vor

fundamentale Herausforderungen

stellen. Finanzdienstleister müssen sich fragen,

wie sie in Zeiten der technologischen Revolution

überleben können. Futuristen sehen die Zukunft

des Bankgeschäfts in kundenspezifischen, flexiblen

und selbstregulierten Service-Modellen,

die angetrieben werden durch automatisierte

Prozesse und künstliche Intelligenz.

Das klassische Beratungs- und Geschäftsmodell

der Banken wird dadurch in seinen Grundfesten

erschüttert. Finanzinstitute müssen sich

radikal neu erfinden und den Kunden kompromisslos

ins Zentrum all ihren Wirkens rücken –

und zwar nicht nur in Banking-Fragen, sondern

auf alle Lebenssituationen bezogen.

Soweit so gut. Es mag sein, dass sich dieser

Zustand in naher oder ferner Zukunft materialisieren

wird. Tatsache ist aber auch, dass die

organisatorische Flexibilität, der kulturelle

Wandel, regelmässige Prozessanpassungen und

moderne Technologien, die das überhaupt erst

ermöglichen, bei vielen Schweizer Banken aktuell

nur sehr eingeschränkt vorhanden sind.

Bevor unsere Finanzdienstleister den Schritt

in die Digitalisierung voll und ganz wagen können,

muss die begonnene Grundlagenarbeit

fortgesetzt und massiv ausgedehnt werden.

FinTech und Open Banking helfen hier nur teilweise.

Es braucht zusätzliche Investitionen und

Know-how von aussen.

In der Kundenschnittstelle gilt es, die klassische

Beratung durch den Berater effizienter und

kundenspezifischer zu gestalten. Gleichzeitig

müssen die Prozesse entsprechend angepasst

und teilautomatisiert werden. Die End-to-End

Betrachtung spielt dabei eine entscheidende Rolle,

da die Verbindung mit den Kernsystemen lückenlos

und integriert sichergestellt sein muss.

Mittels agiler Umsetzung von Anforderungen

und kontinuierlich permanenter Auslieferung

von inkrementellen Erweiterungen folgt die

Stossrichtung sehr zeitnah den aktuellen Markgegebenheiten.

Time-to-Market also.

Auf dieser Basis können nun auch zusätzliche

Mike Seiler

Senior Business Development Manager

bei Zühlke Schweiz

Kanäle wie Online und Mobile gemäss Nutzerverhalten

und Strategie miteingebunden und berücksichtigt

werden.

Wenn diese Grundlagen geschaffen sind, können

Banken das Potential, das ihnen die technologische

Entwicklung eröffnet, voll ausschöpfen.

Dann mutieren visionäre Szenarien wie das eines

hybriden Beratungsmodells – einem nutzbringenden,

effizienten Mix aus Mensch und Technologie

– plötzlich zur Realität.


Erstklassiges B2B-Storytelling und

Content-Marketing für Ihr Unternehmen.

Wir kommunizieren,

was Ihre Branche bewegt

und setzen Massstäbe in

der Vermarktung disruptiver,

digitaler Trendthemen.

Promote your

digital ecosystem !

www.netzwoche.ch/ZukunftBanking

Kontakt für Kampagnenanfragen :

Sarah Schlagenhauf

schlagenhauf@brandrelations.ch

www.brandrelations.ch

In Kooperation mit


Malergeschäft

Christen GmbH

Herzlichen Dank für Ihr

Vertrauen in unser Unternehmen

www.brogna.ch

www.marymix.ch

8964 Rudolfstetten

8102 Oberengstringen

079 677 98 11

044 750 20 01

079 677 98 11

044 750 20 01

8964 Rudolfstetten

8102 Oberengstringen

Schmutz und Dreck durch Maler?

Nicht bei uns.

Rufen Sie uns an!

Wir beweisen es Ihnen.

Schmutz und Dreck durch Maler?

Nicht bei uns.

Rufen Sie uns an!

Wir beweisen es Ihnen.

www.maler-christen.ch

© UBS 2018. Alle Rechte vorbehalten.

Gemacht für KMU

wie die hier oben.

UBS Digital Business. Das KMU-Bankpaket mit

über 20 nützlichen Tools. Ganz praktisch.

ubs.com/DigitalBusiness

Weitere Magazine dieses Users