Zukunft Banking: Best-of Swiss Fintech

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netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

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Digitalisierung ist Chefsache

« Die Welt der Krypto-Assets steht heute da, wo

das Internet vor der Jahrtausendwende stand »

Die Crypto-Finance-Tochter Crypto Fund AG hat als erster Krypto-Asset-Manager der Schweiz eine Finma-Lizenz erhalten.

Ein Meilenstein nicht nur für das Unternehmen, sondern für die ganze Branche. Crypto-Finance-CEO Jan Brzezek im Gespräch.

Interview: Marc Landis Redaktion: David Klier

Der Krypto-Hype ist seit Dezember

2017 anscheinend wieder vorbei.

Was entgegnen Sie Skeptikern von

Krypto-Währungen und Blockchain ?

Jan Brzezek : Es ist wichtig, dass man

Krypto-Währungen und Blockchain

präzise voneinander abgrenzt. Blockchain

ist eine bedeutende Technologie,

die Krypto-Tokens können hingegen

Zahlungsmittel oder Beteiligungen an

Applikationen basierend auf dieser

Technologie sein. Künftig werden wir

viel mehr solcher Blockchain-Based

Assets haben. Leider subsumieren viele

Leute all das unter den Begriff Krypto-Währungen.

Dabei gibt es allein

schon bei den Währungen viele feine

Unterschiede.

Welche denn ?

Nehmen wir zum Beispiel EOS, Cardano

oder NEO. Das sind nicht direkt

Währungen, sondern Tokens von

Plattformen, von Ökosystemen. Man

wird diese Tokens nie dafür nutzen,

um einen Kaffee zu bezahlen. Man

kann mit ihnen aber direkt in die Zukunft

der ihnen zugrunde liegenden

Blockchain-Technologien investieren.

« Aus unserer Sicht

gibt es ein wichtigeres

Argument für

Krypto-Währungen :

Diversifikation. »

Wenn ein Investor also in eine Technologie

investieren möchte, weil er an

sie glaubt, dann setzt er besser auf diese

Tokens, statt Aktien von Konzernen

wie IBM oder Microsoft zu kaufen.

Was ist mit den Krypto-Währungen,

mit denen man tatsächlich dereinst

den Kaffee bezahlen soll?

Ich finde solche Krypto-Währungen

sehr spannend und bin immer mehr

davon überzeugt, dass für diese Art

von Währung eine Nachfrage entstehen

wird. Das Konzept hat Zukunft,

zum Beispiel in Ländern wie Venezuela,

Brasilien, Simbabwe und der Türkei,

wo der Wert der Landeswährung innert

kürzester Zeit um 50 Prozent eingebrochen

ist.

Bei den Krypto-Währungen gibt es

ähnliche Schwankungen. Das ist kein

überzeugendes Pro-Argument …

Volatilität ist normal bei neuen Assets.

Das passiert in jedem Markt, der

noch klein ist und nicht effizient funktioniert.

Je etablierter und erwachsener

Krypto-Assets werden, desto

mehr wird die Volatilität zurückgehen.

Schauen Sie sich den Bitcoin

von August bis Oktober an. Der hatte

in diesem Zeitraum eine derart tiefe

Volatilität, dass man sie fast schon

mit der von Aktien-Investments vergleichen

konnte.

Sein Handelsvolumen ist aber auch

massiv zurückgegangen.

Es ist weniger, aber immer noch substanziell

mit einer Milliarde US-Dollar

pro Tag. Es gibt aus unserer Sicht

ohnehin ein wichtigeres Argument für

Krypto-Währungen: Diversifikation.

Für ein Portfolio sollte man nie alle

Eier ins gleiche Körbchen legen. Investoren

setzen deshalb auf verschiedene

Aktien, Obligationen und Immobilien.

Warum nicht zu diesem Mix

noch ein Asset dazunehmen, das nicht

oder nur sehr wenig mit den anderen

Assets korreliert. Gemäss moderner

Portfoliotheorie verbessert sich so das

Rendite-Risiko-Verhältnis.

Warum braucht es die Crypto

Fund AG?

In meiner Zeit bei der UBS suchte ich

nach einem Weg, über den traditionelle

Investoren in Krypto-Anlagen investieren

können, ohne einen Account an

einer Krypto-Börse zu eröffnen. Denn

das braucht einiges an Know-how. Die

meisten Investoren haben aber kein

Interesse, keine Erfahrung oder keine

Zeit, sich damit auseinanderzusetzen.

Es gab keinen seriösen Anbieter im

Markt. Deshalb habe ich die Crypto

Fund AG aufgebaut. Nach der Gründung

stellten wir fest, dass es keinen

Broker gab, also niemanden, der die

Krypto-Assets für uns handeln konnte.

Also haben wir eine separate Gesellschaft

namens Crypto Broker AG

gegründet, die nur das macht. Inzwischen

handeln auch andere Fonds und

mehrere Banken über uns.

Wie passt Ihre Tochterfirma Crypto

Storage AG dazu?

Unser Head of Research war mit den

existierenden Storage-Systemen für

Krypto-Assets unzufrieden. Existierende

Lösungen böten nicht das Sicherheitslevel,

das für institutionelle Kunden

geeignet wäre. Wir gingen deshalb

mit einem Schweizer Hersteller

von Hardware-Security-Modulen, der

auch die Schweizer Nationalbank

beliefert, eine Kooperation ein. Gemeinsam

entwickelten wir die Hardware

so weiter, dass sie nicht nur

Kommunikation verschlüsselt, sondern

auch Private Keys für Krypto-Assets

aufbewahren kann.

Wer hat die Software dazu

geschrieben ?

Wir selbst, in Zusammenarbeit mit

einem Zürcher IT-Dienstleister und

dem Hardwarehersteller. Kürzlich

ging die erste Schweizer Bank mit der

Lösung live.

Also sind Sie auch ein Softwarehersteller

?

Wir bieten es als As-a-Service an. Wir

betreiben die Hardwaremodule, der

Kunde hat sogenannte Approval-Terminals,

über die er initiierte Transaktionen

bestätigen kann. Das wird die

Zukunft sein. Im Rahmen von Digital

Assets und « Tokenization of Everything

» werden das alle Banken künftig

haben.

Sie stehen also am Anfang einer

goldenen Zukunft mit Ihrer Firma ?

Es ist eine ganz neue Technologie und

somit ein Risikogeschäft. Aber ich

glaube daran, dass man im Leben ein,

zwei Mal die Chance hat, etwas zu verändern,

weil man eine gute Idee hat.

Wenn man diese Chance erkennt, muss

man es einfach machen. Trotzdem

weiss ich nicht, was passieren wird. Es

Jan Brzezek, CEO, Crypto Finance AG

kann sein, dass der Bitcoin-Preis auf

500 Franken einbricht, oder noch tiefer

und niemand mehr davon spricht.

Aber das Risiko hat man in jedem Unternehmen.

« Unsere Mission :

Banken dazu

befähigen, ihren

Kunden diese neue

Asset-Klasse anzubieten.

»

Welches Fazit ziehen Sie anderthalb

Jahre nach der Gründung ?

Es war eine faszinierende Zeit. Ich

habe unglaublich viele neue Menschen

kennengelernt, viele schwere

Entscheidungen treffen müssen und

sehr viel Zeit geschäftlich verbracht.

Es war spannend, aber auch sehr anstrengend.

Trotzdem würde ich diese

Zeit nicht missen wollen.

Und wie steht die Firma heute da ?

Mein Fokus im ersten Jahr lag darauf,

ein Team aufzubauen, mit dem

wir skalieren können. Also nicht von

Vornherein alles auf den Vertrieb setzen

und Luft verkaufen, sondern ein

gutes Fundament giessen. Mit guten

Leuten, den richtigen Technologien

und der nötigen Regulierung. Dieser

Prozess ist jetzt abgeschlossen und

wir sind bereit, unsere Vertriebskanäle

und den Verkauf hochzufahren.

Unsere Mission : Banken dazu befähigen,

ihren Kunden diese neue Asset-

Klasse anzubieten. Ich will nicht 1000

oder 100 000 Kunden, denn wir sind

kein B2C-, sondern ein B2B-Anbieter.

Wir wollen die Banken nicht in ihrem

Geschäft konkurrenzieren, sondern

ihnen neue Wege eröffnen.

Welche Baustellen gibt es noch?

Aus Sicht unseres Broker-Geschäfts

würden wir uns noch mehr Klarheit

vom Regulator wünschen. Über alle

Geschäftsbereiche müssen wir die

ganze Marktentwicklung im Auge behalten

und abwarten, wie sich unsere

Kooperationen entwickeln. Wir können

uns noch lange nicht zurücklehnen

und von der getanen Arbeit profitieren.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Ihre

Firma Crypto Fund AG kürzlich eine

Finma-Lizenz erhalten hat?

Ich war und bin stolz darauf, dass wir

als erste und bisher einzige die Bewilligung

erhalten haben, und ich bin

stolz auf die Finma, dass sie den Mut

hat, Innovation zu unterstützen. Der

Weg dahin war aber kein leichter. Es

brauchte viel Überzeugungskraft und

hat länger gedauert als erwartet.

Was ändert sich durch die Lizenz

für Sie?

Sie ist ein Gütesiegel. Wenn wir jetzt

mit Banken sprechen, sind sie eher

bereit, mit uns zusammenzuarbeiten.

Wir sind für sie kein Start-up mehr,

sondern eine etablierte und regulierte

Firma. Das hilft uns extrem. Wir können

deswegen aber nicht mehr Services

anbieten als vorher.

Denken Sie, dass die Lizenzvergabe

an Sie eine Signalwirkung haben

wird?

Definitiv. Es wurde international aufgenommen,

dass wir als erstes Krypto-

Unternehmen offiziell in der Schweiz

reguliert sind. Hier profitieren wir von

der Schweiz als führenden Finanzplatz.

Ich denke, dass es nun definitiv

mehr Firmen versuchen werden, eine

Lizenz zu bekommen. Und das ist auch

gut so. Wir müssen gemeinsam die

Schweiz vorantreiben.

Was sind die nächsten Schritte für

Ihr Unternehmen?

Kundenstamm ausbauen, eine weitere

Finanzierungsrunde starten, nach Asien

expandieren und das Managementteam

weiter ausbauen.

Wie geht es in der Krypto-Branche

weiter?

Die Welt der Krypto-Assets steht heute

da, wo das Internet vor der Jahrtausendwende

stand. Als Modems beim

Einwählen ins Netz noch diesen irrsinnigen

Lärm verursachten und man

minutenlang darauf warten musste,

dass die Website geladen war. Zu viele

Journalisten und Ökonomen schauen

zu stark genau auf diesen Ist-Zustand.

Wir müssen aber stattdessen genau

wie damals bei Internet und E-Mail

überlegen, was der Mehrwert dieser

neuen Technologien morgen und

übermorgen sein könnte.

Digitale Fitness

Auf einer Skala von 1 bis 10, als wie

« digital fit » bezeichnen Sie …

8

5

sich

selbst ?

die Finanzbranche

?

6

9

die

Schweiz ?

Über Crypto Finance AG

Crypto

Finance AG ?

Die Crypto Finance AG ist eine im Juni

2017 gegründete Finanztechnologie-

Holding. Die Gruppe erbringt über ihre

drei Tochtergesellschaften, die Crypto

Fund AG ( Asset Management ), die Crypto

Broker AG ( Trading ) und die Crypto

Storage AG ( Storage ), Dienstleistungen

im Bereich Blockchain und Banking.

Ziel der Crypto Finance AG ist es, einen

positiven Beitrag zur Verbreitung und

Etablierung der Blockchain-Technologie

und Krypto-Assets zu leisten. Die Crypto

Finance AG bietet eine Reihe qualitativ

hochwertiger Finanzdienstleistungen

für institutionelle Kunden an. Die Crypto

Finance AG hat mehr als 40 Mitarbeiter

und Büros in Zürich, Genf und im Zuger

Crypto Valley, das wohl weltweit grösste

Ökosystem von Unternehmen und innovativen

Organisationen, die sich mit

der Blockchain-Technologie befassen.

( Quelle : cryptofinance.ch )

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