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Zukunft Banking

02. Dezember 18 | netzwoche.ch/ZukunftBanking

Blockchain

Die Blockchain Academy schafft Klarheit

Swisscom ist vor über einem Jahr mit der neuen Swisscom Blockchain AG gestartet. Zum Unternehmen gehört auch eine Academy, die

Kunden Ausbildung und Unterstützung rund um Blockchain bietet.

Autorin: Elsbeth Bruderer

Die Swisscom Blockchain AG

wurde im September 2017

gegründet. Nach einem

Jahr kann die Tochtergesellschaft

von Swisscom heute dank

Co-Innovation erste Erfolge vorweisen.

Im ersten Jahr lieferte Swisscom

Blockchain zahlreichen Unternehmen

Technologie und Beratung rund um

Blockchain oder Tokenization Services.

Im Fokus stehen Banken und

Versicherungen sowie Unternehmen

der Pharma- und Logistikbranche. Der

Kern des Blockchain-Teams besteht

aus Fachleuten, die früher für renommierte

Beratungsunternehmen wie EY,

Deloitte und Accenture tätig waren,

sowie aus IT-Spezialisten im Blockchain-Bereich.

Eine Übersicht des Trainingsangebotes gibt es auf der Eventbrite-Seite der Swisscom Blockchain

AG.

« One-Stop-Shop »

Swisscom Blockchain will ein « One-

Stop-Shop » sein, der Unternehmenskunden

berät, Lösungen entwickelt

und auch Blockchain-Infrastruktur

bietet. Die Kombination aus Beratung,

Entwicklungskompetenz und Blockchain-Infrastruktur

ist in der Schweiz

bisher einmalig.

Seit Juli 2018 bietet die Swisscom

Blockchain AG nun auch eine Blockchain

Academy, die Theorie und praktisches

Wissen rund um die Blockchain-Technologie

vermittelt. Dass das

Trainingszentrum inzwischen über

die Landesgrenzen hinaus bekannt ist,

zeigt, dass Weiterbildungsangebote

rund um die revolutionäre Technologie

sehr gefragt sind : «Ich bin sehr

beeindruckt von den Kursleitern und

deren Praxiserfahrungen mit Blockchain»,

berichtet Daniel Spier, Managing

Director bei IDT Financial Services

Limited aus Malta.

Swisscom Blockchain will damit

einen Beitrag zur Weiterentwicklung

und praxisorientierten Anwendung

dieser wichtigen Technologie leisten.

Als « Knowledge-Hub » ist die Blockchain

Academy Anlaufstelle für die

neuesten technologischen Entwicklungen

wie auch für Anwendungsfälle in

Industrien und im öffentlichen Sektor.

Universitäten und Weiterbildungsinstitute

in und ausserhalb von Europa

suchen vermehrt die Zusammenarbeit

mit der Swisscom Blockchain

Academy, um Ausbildungsprogramme

rund um die Blockchain-Technologie

anzubieten. Ziel ist es, Managern und

Studenten das nötige Handwerk und

Wissen zu vermitteln, um neue Geschäftsmodelle

und Anwendungen in

dezentralen Systemen auf Basis der

Blockchain-Technologie zu entwickeln.

Monatlich finden nun technische

und industriespezifische Trainings in

der Schweiz statt, und im arabischen

Raum laufen seit August mehrere

Schulungen. « Es werden bereits Gespräche

geführt, um die Produkte der

Blockchain Academy in weiteren Ländern

auszurollen», sagt Arno Pernthaler,

Head of Academy bei Swisscom

Blockchain.

Fokus auf Life Science und Finanzindustrie

im Jahr 2019

Für Daniel Haudenschild, CEO der

Swisscom Blockchain AG, geht es darum,

trotz rasanter Technologieentwicklungen

und Marktveränderungen

die relevanten Konstanten zu erkennen.

Die Schweiz ist stark in Life Sciences,

und diese Industrie kann von der Blockchain

enorm profitieren. In der Finanzindustrie

wird 2019 hinsichtlich Tokenisierung

von Vermögenswerten viel

passieren. In diesem Bereich leistet die

« Die meisten

Banken haben das

Potenzial von

Token-Assets

für ihr Geschäft

erkannt. »

Daura AG, eine Schwestergesellschaft

der Swisscom Blockchain AG, Pionierarbeit

mit der Digitalisierung der Aktie.

Schweizer Finanzdienstleister erkennen

zunehmend die Notwendigkeit,

ihre Systeme und die Finanzinfrastruktur

auf den Handel mit digitalen Vermögenswerten

vorzubereiten. Viele

Banken haben das Potenzial von Token-Assets

für ihr Geschäft erkannt.

Ausserdem sind für den Finanzsektor

Schweiz auch Anwendungen im Kontext

von europäischen Bankengesetzgebungen

wie MiFID II interessant.

Als ein weiteres relevantes Einsatzgebiet

der Blockchain-Technologie

ist Confidential Computing zu sehen.

Hierbei werden Daten in öffentlichen

Clouds durch Kryptografie verschlüsselt,

während gleichzeitig Analysen

möglich sind.

Daniel Haudenschild freut sich auf

eine Zukunft, in der in der Cloud alles

verschlüsselt ist.

In all diesen Bereichen ist Identitätsmanagement

erforderlich. Haudenschild

erwartet daher einen Anstieg

der Anzahl der Unternehmen, die eine

W3C-Identität anbieten werden. «Wir

sind ein Anbieter von Identitätslösungen

für Staaten und wollen dieses Geschäft

durch die Nutzung unserer dokumentensicheren

Services ausbauen»,

sagt er.

Breites Ausbildungsangebot

«Die Zielgruppe und deren Trainingsangebot

lässt sich grob in drei Segmente

aufteilen. Erstens bieten wir für

Interessierte, Unternehmer und Digitalmanager

ein Einstiegsprogramm

mit dem ‹ Starter Training›». In diesem

4-Tages-Training vermittelt Swisscom

Blockchain den Teilnehmenden die

wichtigsten Kenntnisse, die sie für ein

Blockchain-Projekt als Start-up oder

auch im Konzernumfeld unbedingt benötigen.

«Zweitens bieten wir industriespezifische

Trainings für Entscheidungsträger

von Grossunternehmen an, die

sich über die neuesten Industrieanwendungen

informieren wollen. Drittens

arbeiten wir eng mit den neuesten

Blockchain-Plattformen zusammen, was

es uns ermöglicht, auch qualitativ

hochwertige Trainings für Entwickler

anzubieten», sagt Haudenschild.

Expertenkolumne

Digitalisierung

beginnt im Kern

Robo-Advisor, künstliche Intelligenz,

Big Data: wohlbekannte Schlagwörter,

die uns von allen Seiten um die

Ohren fliegen – und die Banken vor

fundamentale Herausforderungen

stellen. Finanzdienstleister müssen sich fragen,

wie sie in Zeiten der technologischen Revolution

überleben können. Futuristen sehen die Zukunft

des Bankgeschäfts in kundenspezifischen, flexiblen

und selbstregulierten Service-Modellen,

die angetrieben werden durch automatisierte

Prozesse und künstliche Intelligenz.

Das klassische Beratungs- und Geschäftsmodell

der Banken wird dadurch in seinen Grundfesten

erschüttert. Finanzinstitute müssen sich

radikal neu erfinden und den Kunden kompromisslos

ins Zentrum all ihren Wirkens rücken –

und zwar nicht nur in Banking-Fragen, sondern

auf alle Lebenssituationen bezogen.

Soweit so gut. Es mag sein, dass sich dieser

Zustand in naher oder ferner Zukunft materialisieren

wird. Tatsache ist aber auch, dass die

organisatorische Flexibilität, der kulturelle

Wandel, regelmässige Prozessanpassungen und

moderne Technologien, die das überhaupt erst

ermöglichen, bei vielen Schweizer Banken aktuell

nur sehr eingeschränkt vorhanden sind.

Bevor unsere Finanzdienstleister den Schritt

in die Digitalisierung voll und ganz wagen können,

muss die begonnene Grundlagenarbeit

fortgesetzt und massiv ausgedehnt werden.

FinTech und Open Banking helfen hier nur teilweise.

Es braucht zusätzliche Investitionen und

Know-how von aussen.

In der Kundenschnittstelle gilt es, die klassische

Beratung durch den Berater effizienter und

kundenspezifischer zu gestalten. Gleichzeitig

müssen die Prozesse entsprechend angepasst

und teilautomatisiert werden. Die End-to-End

Betrachtung spielt dabei eine entscheidende Rolle,

da die Verbindung mit den Kernsystemen lückenlos

und integriert sichergestellt sein muss.

Mittels agiler Umsetzung von Anforderungen

und kontinuierlich permanenter Auslieferung

von inkrementellen Erweiterungen folgt die

Stossrichtung sehr zeitnah den aktuellen Markgegebenheiten.

Time-to-Market also.

Auf dieser Basis können nun auch zusätzliche

Mike Seiler

Senior Business Development Manager

bei Zühlke Schweiz

Kanäle wie Online und Mobile gemäss Nutzerverhalten

und Strategie miteingebunden und berücksichtigt

werden.

Wenn diese Grundlagen geschaffen sind, können

Banken das Potential, das ihnen die technologische

Entwicklung eröffnet, voll ausschöpfen.

Dann mutieren visionäre Szenarien wie das eines

hybriden Beratungsmodells – einem nutzbringenden,

effizienten Mix aus Mensch und Technologie

– plötzlich zur Realität.

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