Zukunft Banking: Best-of Swiss Fintech

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netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

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Digitalisierung ist Chefsache

« Eine börsenkotierte Kantonalbank mit

Wachstumsfantasie ist schon eher die Ausnahme »

Die Glarner Kantonalbank ist eine Vorreiterin bei der Digitalisierung im Finanzumfeld und gilt als eine der digitalsten Banken der

Schweiz. Aber für den GLKB-CEO ist Digitalisierung vor allem Mittel zum Zweck. Hanspeter Rhyner im Gespräch.

Interview : Marc Landis

Die GLKB hat unlängst den Titel als

digitalste Bank der Schweiz an die

Hypothekarbank Lenzburg abgegeben.

Wie konnte das passieren?

Hanspeter Rhyner : ( Lacht ) Ja, das

stimmt. Diese ‹ Auszeichnung› verlieh

ja die Online-Newsplattform finews.ch

jeweils. Nun haben sie sie der Hypi

Lenzburg verliehen. Und ja, Marianne

Wildi ( sie ist CEO der Hypothekarbank

Lenzburg, Anm. d. Red. ) macht es

sehr gut. Wir haben nie eine Initiative

lanciert, um einen Titel zu gewinnen

oder eine Auszeichnung zu erhalten,

sondern um unseren Kunden neue,

einfache Zugänge zu unserer Bank zu

ermöglichen und durch moderne digitale

Prozesse auch neues Wachstum zu

erzielen.

Wie haben Sie mit der Digitalisierung

angefangen?

Angefangen haben wir vor sechs Jahren

mit dem Hypomaten, der als digitales

Produkt damals einzigartig und

auch der Startschuss für unsere Digitalisierungsstrategie

war. Der Hypomat

brachte uns auch viel mediale Aufmerksamkeit

und führte dazu, dass wir

überhaupt erst als digitale Bank wahrgenommen

wurden. Mit dem Hypomaten

können Kunden einfach online in

maximal 30 Minuten verbindlich eine

Hypothek abschliessen. Der Hypomat

war damals eine Revolution und es

ist auch heute noch praktisch einzigartig,

dass der Kunde seinen Kreditentscheid

in Echtzeit auf der Plattform

erhält.

Wie sind Sie überhaupt auf die Idee

gekommen, den Hypomaten zu entwickeln?

2010 ist uns klar geworden, dass die

Margen im Hypothekengeschäft aufgrund

der Niedrigzinsen erodieren

werden. Und da wir unser Geld zu

70 Prozent in diesem Geschäftsfeld erwirtschafteten,

war klar, dass wir etwas

tun mussten, um weiterhin erfolgreich

geschäften zu können.

Sie wollten also wachsen ?

Ja. Mit einem Marktanteil von weit mehr

als 50 Prozent in praktisch allen Geschäftsbereichen,

sind unsere Wachstumsmöglichkeiten

im Heimmarkt beschränkt.

Also war für uns klar, dass

wir neue Märkte erschliessen mussten.

Aber wie ? Mit einer Filiale in Zürich ?

Das haben unsere Vorgänger schon

einmal versucht und sich eine blutige

Nase geholt. Oder mit einer Preisdumping-Strategie

? Dafür sind wir zu klein

und sie ist ökonomisch nicht sinnvoll.

Eine Idee war dann eben, Hypotheken

im Internet anzubieten. Wir wollten

damit auch unser Ausleihungs-Portefeuille

diversifizieren. Mit hypomat.ch

haben wir es geschafft, unser Volumen

und die Erträge massiv zu steigern und

gleichzeitig die Risiken zu reduzieren.

Wir haben über diesen Kanal mehr

als 800 Millionen Franken Netto-Neugeld

generiert – mit zwei Mitarbeitern

wohlgemerkt.

Gab es keinen Widerstand von

den Mitarbeitern gegen die digitale

Konkurrenz ?

Doch. Am Anfang hatten insbesondere

die Privatkundenberater in der

Filiale das Gefühl, dass der Hypomat

eine Konkurrenz für sie sei. Sie hatten

Angst, dass sie einen Kunden verlieren,

weil dieser zum Hypomaten gehen

könnte und dort seine Hypothek

abschliesst statt beim Menschen in der

Filiale. Während der Entwicklung der

Geschäftsidee ‹Onlinehypothek› war

von Anfang an die Kannibalisierung

ein Riesenthema. Mit dem Argument

der Kannibalisierung killen Sie jedes

Innovationsprojekt. Also haben wir

gerechnet und kamen zum Schluss,

dass wir etwa 10 Prozent des Geschäftes

kannibalisieren würden. Deshalb

haben wir die Ziele unserer Berater

angepasst, wenn ein Kunde tatsächlich

zum Hypomaten absprang. Danach

war das Thema für unsere Berater erledigt.

Denn ihnen ist natürlich auch

klar, dass es für die Bank besser ist,

wenn der Kunde zum Hypomaten abspringt

statt zu einer anderen Bank.

Wie ging es nach dem Hypomaten

weiter?

2014 folgte der Kontomat. Hier war die

Innovation, dass man online ein Konto

eröffnen kann und dass man eine feste

und eine variable Zinstranche auf

demselben Konto haben konnte. Im

gleichen Jahr kamen wir mit dem Risikomaten,

bei dem die Nutzer nach dem

Beantworten von drei Gesundheitsfragen

online eine Todesfallversicherung

abschliessen können. Ein weiteres

Highlight bei unseren ‹ -Omaten› ist sicher

der Investomat – ein Robo-Advisor,

mit dem Kunden auf spielerische

Art und Weise ihr Risikoprofil definieren

können. Nach der Eingabe des beabsichtigten

Investitionsbetrages stellt

der Investomat ein Anlage-Portfolio

zusammen, das die Kunden nach ihren

Vorstellungen und Wünschen anpassen

können. Mit Gebühren von nur 0,6

Prozent all-in ist das zudem nicht nur

eine einfache, sondern auch eine sehr

kostengünstige Art zu investieren. Mit

dem Investomaten war unsere Omaten-Familie

vorerst komplett. Und das

waren auch die bis 2015 wichtigsten

gegen aussen sichtbaren Meilensteine

unserer Digitalisierungsstrategie.

« Wir haben mit dem

Hypomaten mehr

als 800 Mio. Franken

Neugeld generiert. »

Es gibt heute verschiedenste

Anbieter und Plattformen für Online-

Hypotheken, die GLKB war also auch

Pionier und Wegbereiter für Mitbewerber

...

Ja, heute gibt es Online-Hypotheken

zuhauf. Aber oft steckt hinter den

Plattformen keine Intelligenz, oder

wie bei uns ein Entscheid in Echtzeit,

sondern einfach nur eine Eingabemaske.

Für uns war der nächste Schritt

nach der Lancierung, dass wir die Hypomat-Technologie

auch an andere

Banken lizenzieren und für sie betreiben

und hosten, wie etwa für die Freiburger

Kantonalbank. Auch den Investomaten

haben wir lizenziert, etwa an

Moneypark, die darauf einen Sparplan

anbieten.

Hanspeter Rhyner, CEO, Glarner Kantonalbank

Auch Ihre Kreditfabrik lizenzieren

Sie an Dritte. Wie muss man sich

das genau vorstellen ?

Man spricht ja im Zusammenhang mit

der Digitalisierung immer auch vom

Aufbrechen der Wertschöpfungskette.

Diese ist im Hypothekar- bzw. im Finanzierungsgeschäft

bereits in vollem

Gang. Mit unserer Ausgangslage haben

wir ja eigentlich eine ganze Fabrik zur

Verfügung. Wir nennen sie Kreditfabrik.

Mit ihr ermöglichen wir anderen

Finanzintermediären den Einstieg ins

Finanzierungsgeschäft, ohne dass diese

eigenes Fachpersonal aufbauen müssen.

Dabei übernehmen wir die Verarbeitung

und Verwaltung von Hypotheken

und gewährleisten eine effiziente

und standardisierte Abwicklung. Pax

und die Migros-Pensionskasse etwa

und auch andere Banken gehören zu

unseren Kreditfabrik-Kunden.

Sie arbeiten mit dem Kernbankensystem

der Softwareherstellerin

Finnova. Wie muss man sich Ihre

Zusammenarbeit mit dem Unternehmen

vorstellen?

Partnerschaftlich. Wir haben etwa gemeinsam

mit Finnova das Modul Finnova

Loan Advisory entwickelt. Die

Loan-Advisory-Lösung wird als neues,

praxisnahes Kreditmodul in Koexistenz

zur bestehenden Lösung in die

Finnova-Banking-Software integriert.

Das Produkt umfasst den gesamten

Kreditprozess von der Kundenberatung

über die Bewilligung bis hin zu

den nachgelagerten Verarbeitungsprozessen.

Die neue Beratungslösung

läuft bei uns im Pilotbetrieb und richtet

sich sowohl an Finnova-Banken als

auch an Banken, die eine andere Kernbankenlösung

im Einsatz haben.

Wie hat sich die GLKB bei der

Entwicklung der Loan Advisory mit

eingebracht ?

Finnovas Kernkompetenz ist es, Software

für Banken zu entwickeln. Wir

brachten vor allem unser Business-

Know-how mit ein. Das ist auch sonst

unser Vorgehen, wenn wir ein neues

Produkt entwickeln. Wir schreiben

die Storyboards und definieren unsere

Anforderungen im Detail. Dann

gehen wir damit zu einem geeigneten

Softwarehaus, das die Lösung für uns

entwickelt. Im Fall unserer « Omaten »

war das die Inventage AG in Zürich.

Diese Partnerschaft funktioniert seit

2012 sehr gut und wir haben nur die

besten Erfahrungen mit ihnen gemacht.

Welche Art von Partnerschaften sind

für die GLKB sonst noch wichtig ?

Nun, wir haben gemeinsam mit der Valora

das Konsumkreditportal Bob-Money

entwickelt. Das ist ein Beispiel

für eine Zusammenarbeit mit einer

Nicht-Bank, die gemeinsam mit uns

ein Bank-Angebot im Markt lanciert

hat. Wir überlegen uns immer wieder,

welche Partnerschaften wir eingehen

können. Es müssen nicht immer Finanzfirmen

sein. Mit branchenfremden

Unternehmen wie etwa einem Retailer

gibt es einen spannenden Austausch,

bei dem es möglich ist, sich gegenseitig

mit neuen Ideen zu befruchten. Die

denken ganz anders als wir Banker und

das ist sehr inspirierend.

Sie gelten als Kopf hinter der

Digitalisierungsstrategie der GLKB.

Warum ist Digitalisierung für Sie so

ein wichtiges Thema ?

Die Digitalisierung ist für mich vor

allem Mittel zum Zweck. Es ist für die

Bank eine Möglichkeit, zu differenzieren,

die Geschäftstätigkeit und die

Cashflows breiter abzustützen und

weniger empfindlich für Konjunkturausschläge

zu machen. Wir können

auch als kleine regionale Bank mit

digitalen Produkten Nischen ausnutzen

und in unserem Fall unser Hypotheken-Know-how

rentabilisieren. Das

wäre ohne Digitalisierung nicht denkbar

gewesen.

Hat sich die Digitalisierung für die

GLKB gelohnt ?

Ganz klar. Der Börsengang 2015 wäre

ohne unsere Wachstumsstory nicht

möglich gewesen. Auch heute noch

empfiehlt die Zürcher Kantonalbank

Anlegern die GLKB-Aktien mit

« Übergewichten ». Eine Kantonalbank

mit Wachstumsfantasie an der Börse

ist schon eher die Ausnahme ... Es

gibt wohl auch kaum eine Geschäftsleitung

oder hochkarätige Delegation

einer Kantonalbank, die nicht hier bei

uns gewesen wäre, um sich anzusehen,

was wir hier tun. Das ist schon spannend.

Wenn man bedenkt, dass wir am

Anfang belächelt wurden ... Einige sagten

mir den sicheren Tod voraus. Aber

das ist Anerkennung gewichen.

Wie geht es weiter bei der Glarner

Kantonalbank ?

Wir machen auf jeden Fall weiter mit

unserer dualen Strategie « digital und

persönlich ». Wir setzen also weiterhin

auf unsere Online- und Offlinekanäle.

Wir wollen auch weitere Digitalisierungsinitiativen

entwickeln, um

unser Geschäft zu diversifizieren und

zu wachsen. Immer wichtiger ist auch

unser B2B-Geschäft, in dem wir die

Lizenzen für unsere Omaten bündeln,

oder die Kreditfabrik, mit der wir alle

Services im Kreditgeschäft Dritten anbieten.

Grundsätzlich bleiben wir aber

die Bank der Glarnerinnen und Glarner.

Hier ist unser Hauptmarkt, von hier

kommen wir, hier sind wir zuhause.

Digitale Fitness

Auf einer Skala von 1 bis 10, als wie

« digital fit » bezeichnen Sie …

8

6

sich

selbst ?

die Finanzbranche

?

7

8

die

Schweiz ?

GLKB ?

Über Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank mit Sitz in

Glarus ist die Kantonalbank des Kantons

Glarus. Sie wurde 1884 gegründet und

ist in Form einer spezialgesetzlichen

Aktiengesellschaft organisiert. Die Bank

verfügt im Kanton über sechs Geschäftsstellen

und beschäftigt insgesamt rund

220 Mitarbeitende. Per 30. September

2018 verfügte die Glarner Kantonalbank

über eine Bilanzsumme von rund 6,00

Milliarden Schweizer Franken. Im Juni

2014 ging die Bank als spezialgesetzliche

Aktiengesellschaft an die Schweizer

Börse. ( Quelle: Glarner Kantonalbank )

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