Zukunft Banking: Best-of Swiss Fintech

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netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

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Digitalisierung ist Chefsache

« Wir verschmelzen Tradition mit Innovation

und gestalten das Private Banking der Zukunft »

Die Falcon Private Bank wagt unter CEO Martin Keller den Neustart. Mit einer ambitionierten Wachstumsstrategie,

einer neuen Crew und einem Ausbau des Advisory- und Blockchain-Angebots will Keller den Turnaround schaffen.

Interview: Marc Landis Redaktion: Fabian Vogt

Was haben Sie für ein Jahr als CEO

hinter sich?

Martin Keller: Ein spannendes Jahr,

aber auch ein aufwühlendes. Seit dem

Wechsel von Walter Berchtold zu mir

im Herbst 2017 ist einiges passiert. Wir

haben viel Zeit in die Ausarbeitung

einer neuen Strategie investiert. Dafür

haben wir sämtliche Stakeholder involviert

und uns gefragt, wo wir eigentlich

hinwollen. Die Geschäftsleitung

hat gemeinsam mit dem Shareholder

und dem Verwaltungsrat einen detaillierten

Plan für die nächsten Jahre ausgearbeitet.

Das klingt nach einem aufwändigen

Prozess.

Ja, aber das war nötig. Es war auch

eine Art Bereinigungsprozess, den

es brauchte, um die Themen der Vergangenheit

zu verarbeiten. Besonders

beim Aktionär musste Klarheit geschaffen

werden, damit sich gewisse

Dinge nicht mehr wiederholen. Vor

rund zwei Monaten ist uns eine Punktlandung

gelungen und nun setzen wir

den klar definierten Plan um.

Was hat sich im operativen Bereich

getan?

Wir haben uns auf der digitalen Asset-

Management-Seite weiterentwickelt. Im

Krypto-Bereich sind wir führend und

differenzieren uns klar von der Konkurrenz.

Im technologischen und operativen

Bereich haben wir sehr viel erreicht

und können nächstes Jahr anfangen,

Lösungen zu implementieren, die auf

dem Kerngeschäft aufbauen und unseren

Kunden direkten Zusatznutzen bringen.

Sind Sie auf Kurs oder so weit,

wie Sie sein wollten?

Wir sind auf Kurs. Die Strategiefindung

hätte für mich etwas schneller

gehen können, was hauptsächlich an

meiner intrinsischen Unruhe liegt.

Aber das war nicht realistisch, wenn

man sieht, welche Dimension die Entscheide

hatten, die wir fällen mussten.

Unter anderem haben wir den Sommer

genutzt, um mit Unterstützung einer

Beratungsfirma an jeder Stellschraube

zu drehen, sämtliche Kosten, Ertragstreiber

und alle strategischen Optionen

auszuloten. Wir wollten herausfinden,

welche Chancen wir mit der Bank

haben und eine passende Strategie definieren

; das braucht einfach Zeit.

Wie sieht die Neupositionierung

der Bank nun aus ?

Falcon bleibt auch in Zukunft eine agile

und unternehmerische Private-Banking-Boutique.

Wir verschmelzen Tradition

mit Innovation und gestalten

das Private Banking der Zukunft. Es

gilt, Trends frühzeitig zu erkennen und

unsere marktführende Kompetenz bei

der Verwaltung digitaler Vermögenswerte

weiter auszubauen.

Und wie kommen Sie dorthin ?

Unser Plan basiert auf drei Säulen.

Erstens schauen wir die gesamte operative

Plattform an : Wo haben wir Optimierungspotenzial,

welche Kosten

können und müssen reduziert werden

? Zweitens fokussieren wir auf

Kernmärkte und der dritte und wichtigste

Punkt ist eine Reihe von Wachstumsinitiativen,

die wir aktuell implementieren.

Werden diese Initiativen hauptsächlich

interne oder externe Bereiche

betreffen?

Die Wachstumsstrategie geschieht in

erster Linie an der Kundenfront. Wir

sind daran, zusätzliche Relationship

Manager zu rekrutieren, um an der

Front auszubauen. Parallel dazu soll

die Beratung zunehmend digital unterstützt

werden. Ausserdem fahren wir

einen Multi-Custody-Ansatz und erweitern

unser Krypto-Angebot. Ein

weiterer Bereich ist der Aktionär, der

unheimlich viele Ressourcen hat, die

wir nutzen wollen. Sei das zum Beispiel

in Form von Co-Investments mit

unseren Kunden und unserem Eigentümer

Mubadala. Oder indem wir Synergien

im Direktkundengeschäft nutzen

oder mit anderen Banken, bei denen

wir als eine Art « Wealth Management

Boutique of Choice » auftreten können.

Wie sieht die Roadmap für die

nächsten zwölf Monate aus ?

Dieses Jahr war und auch 2019 wird

ein Transformationsjahr. Da werden

wir operative Themen auf Kosten-,

Ertrags- und Investitionsseite angehen,

was wir teilweise dieses Jahr bereits

begonnen haben. Zudem haben

wir seit September einen neuen CFO,

einen neuen COO und einen neuen

Head of HR.

Wie sehen Ihre Pläne in der

Beratung aus?

Hier kommt der erwähnte Multi-Custody-Ansatz

zum Tragen. Unabhängig davon,

bei welcher Bank der Kunde sein

Geld gebucht hat, wollen wir ihm unsere

umfassende Beratung, mit einer

konsolidierten Vermögensabbildung,

anbieten.

« Wir haben uns digitale

Kompetenz erarbeitet,

während viele

Banken gegenüber dem

Thema ‹Digital Assets›

Ablehnung zeigten. »

Sie verfolgen demnach einen klaren

Plattformgedanken.

Genau. Wir wollen eine Bank bleiben,

gleichzeitig aber auch als unabhängiger

Asset Manager agieren und die

besten Komponenten in einer Banking-Plattform

zusammenbringen. Das

Beste aus zwei Welten sozusagen.

Eine Welt, in die auch die Investition

in Krypto-Währungen hineingehört,

wie Sie vorhin sagten. Wie lief das an ?

Wir sind gut gestartet. Falcon war die

erste Privatbank, die das Thema anging

und ihren Kunden entsprechende

Dienstleistungen anbot. Wir glauben an

die Technologie und diese – nennen wir

sie mal Technologie-Anlageklasse. Wir

bearbeiten das Thema auch, weil wir

innovativer sein wollen, sein müssen,

als unsere grösseren Konkurrenten. Die

Resonanz ist bisher sehr positiv.

Martin Keller, CEO, Falcon Private Bank

Welche Anlagemöglichkeiten schaffen

Sie konkret im Bereich Krypto-

Währungen? Stellen Sie Portfolios

für die Kunden zusammen ?

Wir bieten den Kunden einen einfachen

Zugang zur Aufbewahrung und

zum Handel von Krypto-Währungen.

Je nach Risikoprofil können die Kunden

ihr Portfolio mit einem kleinen

Anteil dieser Anlageklasse diversifizieren.

Investitions- oder Fondsprodukte

gibt es bei uns keine, aber wir bauen

unser Krypto-Angebot weiter aus.

Sie arbeiten dafür unter anderem

mit Bitcoin Suisse zusammen,

können Sie mehr darüber erzählen?

Das ist vor allem eine funktional getriebene

Zusammenarbeit. Bitcoin

Suisse macht die Umwandlung von

Krypto-Währungen in Fiat-Geld und

umgekehrt. Wir kümmern uns um das

gesamte Reporting und die Aufbewahrung.

Als erste und bisher einzige Bank

haben wir einen Prozess implementiert

– der übrigens vom Wirtschaftsprüfer

abgesegnet ist –, um die im

Krypto-Bereich gemachten Vermögen

unter gewissen Bedingungen annehmen

zu können.

Sind Initial Coin Offerings für Falcon

ein Thema?

Ja, das ist ein wichtiger Teil der Strategie

im Krypto-Bereich. Aber da müssen

wir mit Partnern extrem selektiv

abklären, welche ICOs unterstützt

werden sollen.

ICO und Krypto sind Hochrisikogeschäfte.

Haben Sie keine Angst,

sich die Finger zu verbrennen ?

Mit unserer Vergangenheit können wir

uns das nicht erlauben. Wir haben uns

eine Kompetenz erarbeitet, während

viele Banken gegenüber dem Thema

Digital Assets Ablehnung zeigten. Solche

Geschäfte machen bisher auch

kaum andere Banken ( nur die Hypothekarbank

Lenzburg und die Bank

Frick bieten auch Krypto-Geschäfte

an, Anm. d. Red. ).

Wie können Sie diese Angaben

bekommen?

Interessant ist ja, dass gerade die

Blockchain dafür gemacht ist, die gesamte

KYC-Kette ( know your customer,

eine Legitimitätsprüfung, Anm. d.

Red. ), zu durchleuchten. Wir arbeiten

dafür mit unseren eigenen Ressourcen

sowie spezialisierten Partnern, die international

tätig sind. Zudem stimmen

wir uns laufend mit unserem Revisor

und der Finma ab. Wir fühlen uns kompetent

genug und dringen nur in Gebiete

vor, die wir verstehen. Zudem

haben wir kein Marktrisiko an Krypto-Währungen.

Wir betreiben weder

Eigenhandel noch haben wir eine Verantwortung

im Beratungsbereich.

Trotzdem haben Sie Risiken

erwähnt. Welche bleiben?

Möglicherweise Reputationsrisiken,

wenn entweder wir oder der Kunde

gehackt würden.

Wie garantieren Sie, dass das nicht

passiert?

Falcon betreibt seit Sommer 2017 eine

eigene Custody-Lösung für Krypto-

Währungen. Diese wurde vom Auditor

geprüft und nutzt eine mehrfach geschützte

« Cold-Storage-Lösung », die

nicht mit dem Internet verbunden und

somit gegen Hacker-Angriffe geschützt

ist. Die Prozesse beinhalten mehrfache

unabhängige Kontrollen, die das

Risiko einer unerlaubten Transaktion

reduzieren. Gewisse Schritte können

nur von mehreren Personen gemeinsam

durchgeführt werden - Stichwort:

Multi-Signature.

Weshalb arbeiten Sie bei der Falcon

Bank ? Sie hatten sich ja aus Ihrer

operativen Tätigkeit zurückgezogen

und waren hauptsächlich noch in

Verwaltungsräten tätig.

Mich hat die Herausforderung interessiert,

unternehmerisch und intellektuell

etwas zu übernehmen, das

eine schwierige Vergangenheit hat.

Und Falcon nachhaltig erfolgreich zu

machen. Das haben alle Mitarbeitenden

und die Kunden verdient, die uns

auch in schwierigen Zeiten die Treue

hielten. Dabei trifft man natürlich auf

Schwierigkeiten in der Umsetzung,

was unter anderem kulturbedingt ist.

Das ist nicht immer nur eine ‹ lässige›

Aufgabe.

Apropos Aufgaben : Was steht als

Nächstes an ?

Die Kostenoptimierungen umsetzen,

das Geschäftsmodell optimieren und

vor allem im Wachstumsbereich all die

Dutzenden Initiativen zum Laufen zu

bringen. Wie gesagt, 2019 soll ein Umbaujahr

werden, ab 2020 / 2021 wollen

wir die Früchte unseres Erfolgs ernten.

Wie sieht Ihr eigener Zeithorizont

bei der Falcon Private Bank aus?

Mein Engagement dauert mindestens

fünf Jahre, darüber hinaus kann ich

noch nichts sagen. Das Letzte, was diese

Bank nach all den Phasen der Unsicherheit

brauchen kann, ist weitere

Instabilität. Meine Ambitionen sind

klipp und klar, dass ich der Bank zurück

zum Erfolg verhelfen will und

mich dann in vielen Jahren auf meine

VR-Mandate zurückziehen kann.

Dieser CEO-Posten wäre dann der

Höhepunkt Ihrer Karriere gewesen.

Ich hoffe, dass das so kommen wird.

Digitale Fitness

Auf einer Skala von 1 bis 10, als wie

« digital fit » bezeichnen Sie …

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sich

selbst ?

die Finanzbranche

?

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8

die

Schweiz ?

Falcon

Private Bank ?

Über Falcon Private Bank

Falcon Private Bank verfügt über mehr

als 50 Jahre Erfahrung im Private Banking

und bietet eine umfassende Vermögensverwaltung

mit Krypto-Fokus an.

Falcon hat den Hauptsitz in Zürich sowie

Niederlassungen in Dubai, London und

Luxemburg. (Quelle: Falcon Private Bank)

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