Zukunft Banking: Best-of Swiss Fintech

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netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

7

Digitalisierung ist Chefsache

« Das Bankgeschäft wird nie ganz online

stattfinden – der Mix der Kanäle ist entscheidend »

Wer an Business Innovation denkt, dem kommt früher oder später Zühlke in den Sinn. Seit Juli hat das Unternehmen,

das auch stark in der Finanzindustrie verankert ist, mit Nicolas Durville einen neuen CEO. Im Gespräch erklärt er gemeinsam

mit Heinz Rudin, Director Business Development Banking bei Zühlke, wie Banken von Zühlke profitieren können.

Interview : Marc Landis

Redaktion : Oliver Schneider

Zühlke feiert dieses Jahr das

50-jährige Jubiläum. Wie unterscheidet

sich das damals von Gerry

Zühlke gegründete Unternehmen

von der heutigen Zühlke ?

Nicolas Durville : Wir waren 1968 eine

sehr kleine Firma. Gerry Zühlke führte

sie als Patron und brachte sich inhaltlich

stark ein. Damals gab es auch Software

im heutigen Sinne noch nicht.

Die Firma wuchs dann stark im Bereich

der Produktentwicklung und in

den letzten 20 Jahren in der Softwareentwicklung.

Heute sind wir mit über

1000 Mitarbeitenden an 14 Standorten

in 8 Ländern erfolgreich unterwegs.

Sie sind seit Juli 2018 Zühlke-CEO.

Wie möchten Sie das Unternehmen

prägen ?

Durville : Unsere Strategie mit dem

Ziel, Partner für Business Innovation

zu sein, setzen wir weiter fort. Natürlich

will ich Akzente setzen, gerade

beim Banking. Ich will erstens die Beratung

ausbauen, damit wir dem Kunden

bei der digitalen Innovation früh

zur Seite stehen können. Zweitens will

ich unsere internationale Expansion

vorantreiben. Und drittens soll Zühlke

Unternehmen dabei unterstützen, physische

Produkte und digitale Lösungen

zu verschmelzen. Servitization, das ist

der Trend.

Was verstehen Sie unter diesem

Begriff ?

Durville : Unternehmen wollen heute

nicht mehr nur ein Produkt anbieten,

sondern es in eine Dienstleistung verwandeln

und so eine Gesamtlösung

ermöglichen. Über ein Produkt alleine

kann man sich kaum mehr differenzieren.

Zühlke will also zum Berater

werden. Wo erreichen Sie mit dieser

Strategie die Kunden ?

Durville : Dort, wo Business, Technologie

und das Endkundenerlebnis in

der Praxis aufeinandertreffen. Was wir

nicht machen, ist klassische Beratung

für die Unternehmensstrategie oder

für Reorganisationen. Wenn der Kunde

merkt, dass er sich verändern muss,

und Technologie als Enabler für diese

Veränderung erkennt, dann kommen

wir ins Spiel.

Der Kunde denkt also an Technologie

und kommt automatisch zu Ihnen ?

Durville : Er muss nicht zwingend an

Technologie denken, aber er muss erkannt

haben, dass Technologie ihm

einen kompetitiven Vorteil verschaffen

kann, und er muss bereit sein, sich zu

verändern. Wir definieren dann Strategien,

die technologisch umsetzbar

sind. Beispiele dafür sind der Aufbau

von Innovation Labs, die Entwicklung

neuer Geschäftsmodelle mit künstlicher

Intelligenz oder die Optimierung

von Customer Journeys.

Heinz Rudin : Wir schärfen die Ideen

des Kunden, holen über einen Prototyp

erste Kundentests und -feedbacks ein

und sammeln dann möglichst schnell

erste Erfahrungen auf dem Markt.

Wie will Zühlke Finanzdienstleister

auf dem Weg zum digitalen Unternehmen

unterstützen?

Durville : Finanzdienstleistungen sind

Nicolas Durville, CEO, Zühlke

im Umbruch. Es ist enorm viel Energie

im Markt, aber auch viel Verunsicherung.

Unser Anspruch ist es, den

Kunden Orientierung zu geben und sie

für die Zukunft fit und erfolgreich zu

machen. Wir wollen sie dabei unterstützen,

dass sie von Anfang an auf die

richtigen Ideen setzen, und sie bis zur

Realisierung begleiten. Unsere Kernkompetenz

ist die Verbindung von

Business und Technologie, sodass die

Endkunden von der Lösung begeistert

« Zühlke soll Unternehmen

dabei unterstützen,

physische

Produkte und digitale

Lösungen zu

verschmelzen.

Servitization, das

ist der Trend. » – Durville

sind. Die Branchen-Expertise kommt

dabei häufig von unseren Kunden, da

dies ihre Kernkompetenz ist und sie

ihr Geschäft am besten kennen. Mit

ihnen zusammen entwickeln wir dann

die entsprechenden Produkte.

Banken zu digitalisieren, das versprechen

viele Anbieter. Wie holen

Sie Banken zu sich ins Boot?

Rudin : Traditionell als Technologiehersteller,

der Projekte in Zeit und

Budget umsetzt. Heute kommen Banken

direkt auf uns zu, damit wir sie

bei der Realisierung von Initiativen

unterstützen. Vor allem dann, wenn

die Kunden erkannt haben, dass Technologie

ihnen einen kompetitiven Vorteil

verschafft und sie bereit sind, sich

zu verändern. In einem Fall hatten

wir eine Anfrage von einer Bank, sie

bei der Entwicklung in eine datengesteuerte

Organisation zu unterstützen.

Die Disziplinen Data Governance und

Data Management sowie die Datenplattform

als Werkzeug für das Datenmanagement

sind dabei wichtige Aspekte.

Durville: Banken kommen zu uns,

wenn sie sich in einem Bereich differenzieren

wollen und ein standardisiertes

Produkt nicht reicht, oder

wenn es eine massgeschneiderte Lösung

braucht. Core-Banking-Hersteller

erfüllen in den meisten Fällen die

Vorgaben im Beratungsgeschäft an der

Kundenfront der Banken noch nicht,

und FinTech-Unternehmen decken

nur Teilbereiche ab.

Wie können Banken die digitale

Transformation in der Finanzbranche

überstehen?

Durville: Ich bin grundsätzlich positiv

gestimmt, was die Zukunft der Banken

anbelangt. Es werden sicher neue

Player auf den Markt kommen, aber

Banken wird es auch in Zukunft brauchen.

Man muss dies allerdings differenziert

betrachten. Für kleine und

teilweise auch mittelgrosse Privatbanken

wird es schwierig werden, denn

dort steigen die Investitionsvolumen

für die Digitalisierung – dies zusätzlich

zu den hohen Ausgaben für die

Umsetzung der regulatorischen Vorgaben.

Grössere Privatbanken haben

bessere Karten, wenn sie die Vorteile

von digitaler Beratung nutzen, eine

Omni-Channel-Strategie fahren und

vom Kunden her denken. Ganz online

wird das Bankgeschäft nie stattfinden

– der Mix der Kanäle ist entscheidend.

Welche Fragen müssen sich Banken

stellen, um heutige und zukünftige

Heinz Rudin, Director Business Development Banking, Zühlke

Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen?

Wie können sie ihre Kunden stärker

in den Mittelpunkt stellen?

Rudin: Eines ist klar : Digitale Services

mit Bots und Robo-Advisors können

dem Kunden einen Mehrwert bieten.

Data Driven Banking kann bei der

Entwicklung neuer Produkte, die auf

« Open Banking muss

man vorantreiben und

seine Schnittstellen

für andere Dienstleister

öffnen. » – Rudin

den Kunden zugeschnitten sind, helfen.

Beim operativen Geschäft können

Kooperationen, Standardisierung und

Automatisierung Kosten senken. Ausserdem

muss man Open Banking vorantreiben

und seine Schnittstellen für

andere Dienstleister öffnen.

Durville: Der kulturelle Aspekt bleibt

eine Herausforderung. Veränderung

und Innovation sind bei den Banken

immer noch ein Kraftakt. Das hängt

mit ihrem Geschäftsmodell zusammen,

das auf Stabilität und Verlässlichkeit

beruht. Banken haben keine Fail-

Fast-Kultur, denn ihr Angebot muss

funktionieren und den regulatorischen

Anforderungen genügen. Ausserdem

ist die Branche personell relativ stark

geschlossen. Banken sollten sich also

überlegen, wie sie Leute von aussen

anziehen und eine Umgebung schaffen

können, in der das Fehlermachen erlaubt

ist und als Chance gesehen wird.

Das klingt relativ einfach, aber in der

Realität gibt es hier leider viele interne

Widerstände.

Welche digitalen Produkte hat

Zühlke für Banken entwickelt ?

Rudin : Wir haben für die Bank Julius

Bär eine digitale Beratungsplattform

entwickelt, um die Arbeitsprozesse

des Kundenberaters zu vereinfachen.

Ausserdem haben wir Produkte wie

ein vernetztes Sparkässeli – das Digipigi

für die Credit Suisse –, den Daten-Safe

für die Firma DSwiss, der bei

vielen Schweizer Banken als Zusatzservice

im E-Banking im Einsatz ist,

oder das Onlineportal « Hypoplace »

für die Hypothekenbörse AG entwickelt.

Auch im Back-End-Bereich

sind wir unterwegs und haben Finanzdienstleistern

dabei geholfen, ihre

grossen Systeme abzulösen.

Wird es Zühlke in 50 Jahren

noch geben, und wie wird das

Unternehmen dann aussehen?

Durville: Wenn wir weiterhin unsere

Kunden in den Mittelpunkt stellen

und die besten Talente gewinnen und

entwickeln, wird es uns auch in 50

Jahren noch geben. Zühlke wird natürlich

anders aussehen : Mitarbeiterzahlen

im fünfstelligen Bereich, stärker

international positioniert und in den

wichtigsten Märkten präsent. Unsere

Herausforderung wird darin bestehen,

die Zühlke-DNA und -Werte trotz

der internationalen Expansion zu

bewahren. Uns treibt Innovation an,

« empowering ideas ». Ich bin sehr

zuversichtlich, dass wir das unseren

Kunden auch in Zukunft bieten

können.

Digitale Fitness

Nicolas Durville

Auf einer Skala von 1 bis 10,

als wie « digital fit » bezeichnen Sie …

9

6

sich

selbst ?

die Finanzbranche

?

Über Zühlke

6

9

die

Schweiz ?

Zühlke ?

Zühlke wurde 1968 von Gerry Zühlke in

Zürich gegründet, mit Fokus auf Produktinnovation.

Fünf Jahre später wurde

das Angebot um Softwareentwicklung

erweitert, und 1980 kamen die Management-Consulting-Dienstleistungen

dazu.

Seit 2011 ebnet die Zühlke Ventures AG

Hightech-Start-ups den Weg zum

Markterfolg. Im Jahr 2000 zog sich der

Firmengründer aus dem Geschäft zurück.

Seither ist die Zühlke Gruppe im Besitz

von Partnern, die alle operativ im Unternehmen

tätig sind. Mit Tochtergesellschaften

in der Schweiz, Deutschland,

Grossbritannien, Österreich, Serbien,

Singapur, Hongkong und Bulgarien erzielte

die Gruppe 2017 mit 960 Mitarbeitenden

einen Umsatz von 154 Millionen

Schweizer Franken. ( Quelle : Zühlke )

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