Zukunft Banking: Best-of Swiss Fintech

netzmedien

Michele DeStefano of Coral Gables, FL, BA, magna cum laude,

Dartmouth College, JD, magna cum laude, Harvard Law School, is a

Professor of Law at the University of Miami and Guest Faculty at Harvard

Law School’s Executive Education Program and at IE School of Law.

She is the founder of LawWithoutWalls and MOVELΔW. DeStefano

is a former Climenko Fellow and Lecturer at Harvard Law School.

Before attending law school at Harvard, she was an advertising executive

at Leo Burnett and a marketing manager at Levi Strauss & Company.

DeStefano frequently speaks and runs workshops on creative problem

solving, collaboration, culture change, communication, and innovation

for lawyers.

Guenther Dobrauz-Saldapenna of Zürich, Switzerland, PhD in Law,

Johannes Kepler University, MBA, University of Strathclyde, is a partner

with PwC, Leader of PwC Legal Switzerland and a member of

PwC‘s Global Legal Leadership Team. He is a lecturer at various

universities, the founder of Disruption Disciples and the host of educational

video series Appetite For Disruption. Prior to this he was a successful

Venture Capitalist, served as in-house counsel at an international

hedge fund and practiced in court and with a leading business

law firm. Guenther is passionate about innovation, entrepreneurship

and exponential technologies. He is the author of 10 books and

has been delivering keynote speeches at more than 200 leading

conferences worldwide.

Fuelled by advancing technology, new business models, and altered

client expectations, the legal industry faces unprecedented change

across its entire value chain. Unfortunately, many legal professionals

fear the technology train and the convergence of other fields with law.

They see legaltech, AI, and bots like “lions and tigers and bears oh my.”

We (the editors and authors of this book) see opportunity. Although

the future may require us to put on “new suits”—it represents an

enormous opportunity for lawyers to reinvent ourselves for our own

and our clients’ benefit. Filled with chapters written by experts in the

intersection of law, innovation, and technology, this book provides a

global perspective on the diverse legal service delivery ecosystem

that will be our future. It provides chapter upon chapter (reason upon

reason) explaining why lawyers can and should increase their appetite

for disruption in the legal world. So welcome to the jungle and enjoy

the ride as we attempt to systematically map the uncharted waters of

the future legal realm and simultaneously inspire you to build a new

future in law.

netzwoche.ch/ZukunftBanking | 02. Dezember 18

Zukunft Banking

9

Digitalisierung ist Chefsache

« Viele Juristen haben Angst, dass es ihren

Job irgendwann nicht mehr geben wird »

LegalTech, künstliche Intelligenz, Bots und Blockchain – Anwälte und Juristen müssen sich genauso mit der Digitalisierung

auseinandersetzen wie andere Berufsstände. Aber wie sieht die « law firm of the future » aus ? Günther Dobrauz-Saldapenna will

als Leiter von PwC Legal Schweiz diese Frage beantworten.

Interview : Marc Landis

Die Digitalisierung hält auch in der

Rechtsberatung Einzug. Wie stehen

Juristen und Anwälte LegalTech,

künstlicher Intelligenz, Bots etc.

gegenüber? Haben sie nicht zu

Recht Angst, dass sie durch Technologie

obsolet werden könnten?

Günther Dobrauz-Saldapenna: Es wird

Dinge geben, die ein Algorithmus besser

und schneller kann als ein Mensch.

Das gilt aber für alle Branchen und

alle Industrien. Und natürlich haben

viele Juristen Angst, dass es ihren Job

irgendwann nicht mehr geben wird.

Aber Angst müssen nur diejenigen haben,

die nichts richtig Werthaltiges für

ihre Kunden schaffen und solche, die

sehr repetitive Dinge tun, die schnell

erlernbar sind …

… was eine Maschine besser könnte ?

Genau. Denn alles, was automatisierbar

ist, wird automatisiert werden.

Und alles, was automatisiert wird,

wird rationalisiert werden. Wir Juristen

und Anwälte müssen uns zum

Wohle unserer Kunden selbst neu erfinden

– und übrigens auch zu unserem

eigenen Wohl. Ich kenne keinen richtigen

Anwalt, der sich freut, wenn er

die 27. Standard-GmbH gründen oder

den 48. Standard-Leasing-Vertrag aufsetzen

muss. Wenn man langweilige

Dinge nicht mehr machen muss, kann

man endlich wieder das tun, wofür

man eigentlich Anwalt geworden ist,

nämlich um Zeit mit seinen Mandanten

zu verbringen, wichtige Probleme

zu lösen und so Mehrwert zu schaffen.

Technologie wird das Werthaltige

nicht ersetzen, sondern uns mehr Zeit

genau dafür verschaffen.

Wo steht PwC bei LegalTech und

Digitalisierung im Vergleich zu den

anderen Big-Four-Gesellschaften?

Alle vier grossen Wirtschaftsprüfer

investieren stark in Digitalisierung

und den Legal- und den LegalTech-Bereich.

Sei es durch Übernahmen oder

durch eigene Initiativen. Es ist auch

eine logische Erweiterung der angestammten

Tätigkeit. Bei PwC sind wir

in diesem Bereich besonders gut aufgestellt.

Bei uns im globalen PwC-Legal-Netzwerk

arbeiten weltweit rund

4000 Anwälte in mehr als 90 Ländern,

und LegalTech, wofür ich auch global

verantwortlich bin, steht ganz oben

auf der Agenda.

Und wie positioniert sich PwC Legal?

Diese Frage haben wir uns auch gestellt.

Es ist klar: Die Welt braucht nun

wirklich keine weitere klassische Law

Firm. Bitte verstehen Sie mich nicht

falsch, ich komme aus dieser Welt und

ich habe allergrössten Respekt vor diesen

Firmen. Aber wir wollen die ‹ law

firm of the future› sein. Und ich glaube,

dass diese ganz anders aussieht als

heutige Kanzleien.

Wie denn ?

Es braucht dafür vier Dinge : Netzwerk,

Technologie, kulturellen Wandel und

‹Adjacency› beziehungsweise Multidisziplinarität.

Erklären Sie das bitte.

Es braucht für die ‹ law firm of the

future› ein richtiges und globales

Netzwerk, mit einer starken Verzahnung

der verschiedenen Bereiche und

Standorte. Und es sind grosse Investitionen

in neue Technologien nötig.

Ein grosses Problem von Anwaltskanzleien

ist, dass sie wenig Geld für

diese Investitionen haben. Eine Anwaltskanzlei

besteht ja typischerweise

aus Partnern, und am Ende des Jahres

werden die Überschüsse aus der Geschäftstätigkeit

an diese ausgeschüttet.

Es wird ein Minimum für allgemeine

Dienste und die Büro-Infrastruktur

zurückbehalten, aber bei Weitem nicht

genug, um langfristig und strategisch

in Technologie zu investieren. Hinzu

kommt, dass viele Kanzleien von wenigen

– und den ältesten – Partnern

kontrolliert werden. Wer kurz vor der

Pensionierung steht, wird kaum gross

in die nächste Generation investieren.

Wie will man so Technologiekompetenz

aufbauen? Bei PwC haben wir

eben diese Möglichkeiten, denn wir

können hier im Legal-Bereich von der

leistungsstarken IT-Infrastruktur des

Gesamtunternehmens profitieren.

Was ist mit dem kulturellen Wandel?

Dieser ist sehr, sehr wichtig. Arbeitsmodell

und Kultur müssen sich radikal

verändern. Im Gegensatz zur Folgegeneration

der Gordon Gekkos und

Jordan Belforts, aus der ich selbst noch

stamme, sind die heutigen Jungen nicht

mehr primär auf Geld, Macht und Prestige

fixiert, und das ist gut und richtig.

Sie möchten flexible Arbeitszeitmodelle

und die Möglichkeit haben, drei

Monate Auszeit pro Jahr zu nehmen,

statt jahrein, jahraus durchzuarbeiten.

Wir bieten solche flexiblen Modelle

an und haben bei PwC einen starken

Fokus auf Diversity und Work-Life-Balance.

Unser Geschäft ist ein Marathon

gemeinsam mit unseren Kunden und

kein Sprint. Und wir wollen nicht, dass

die Leute ausbrennen.

Und was meinen Sie mit Adjacency?

Unter Adjacency verstehen wir in der

‹law firm of the future› sogenannte

‹benachbarte Fähigkeiten›. Es geht

darum, für die Kunden Expertise aus

verschiedenen Bereichen zusammenzubringen.

Es gibt heute keine Mandate

mehr, bei denen nur Legal beteiligt

ist. Ein Beispiel: Wenn man für einen

Kunden eine Banklizenz erwirkt, liegt

der reine Rechtsanteil an diesem Mandat

vielleicht bei 60 Prozent. Es bedarf

aber zusätzlich Kapitalberechnungen,

man muss Aussagen zur IT treffen, zum

Risk-Management-System. Bei PwC

können wir das alles aus einer Hand

liefern, da wir alle Spezialisten dafür

bei uns im Haus haben. Wir können

wirklich alle Bereiche von Legal über

Assurance bis Technologie abdecken

und das weltweit. Ich bin überzeugt,

dass diese interdisziplinären Leistungen

unsere grosse Stärke sind. Und das

ist auch für die Mitarbeitenden interessant,

denn Anwälte haben es nicht nur

mit Anwälten zu tun, sondern sie können

sich interdisziplinär mit Leuten

aus anderen Fachgebieten austauschen

und dadurch persönlich wachsen.

Welchen Einfluss hat LegalTech auf

die Finanzwelt?

Technologie hat einen grossen Einfluss

auf alle Industrien. Überall gibt

es den Druck, immer mehr Daten in

immer kürzerer Zeit zu analysieren

und auf Basis der daraus gewonnenen

Günther Dobrauz-Saldapenna, Leiter PwC Legal Schweiz

Erkenntnisse zu handeln. Auch Compliance

ist ein wichtiges Thema, das

durch Technologie unterstützt wird :

Früher kümmerte sich ein Finanzinstitut

kaum um die Rechtsnormen

« Wir wollen die

‹ law firm of the

future › sein. Und

ich glaube, dass

diese ganz anders

aussieht als heutige

Kanzleien. »

anderer Staaten. Die Schweizer Bank

wickelte das Geschäft mit dem Kunden

oft nur nach Schweizer Recht ab – egal

woher dieser kam. Heute geht das nicht

mehr. Unternehmen und Menschen

müssen verschiedenen Rechtsnormen

gerecht werden. Man muss einen spanischen

Mandanten nach spanischen

Regeln bedienen, einen deutschen

Kunden nach deutschen Regeln etc.

Denn wenn etwas schiefgeht, wird die

Bank mit ziemlicher Sicherheit in Spanien

beziehungsweise Deutschland vor

Gericht gezogen. Das heisst, im Hintergrund

muss ständig ein extrem flexibles

System laufen, das die Compliance

auf Produkt-, Prozess- und Kontaktebene

sicherstellt. Das ist ohne Technologie

gar nicht mehr zu bewältigen.

Foto : Oliver Nanzig

Wie schätzen Sie die Bedeutung der

Blockchain-Technologie für die Legal-

Industrie und die Bankenwelt ein ?

Ich bin natürlich ein grosser Fan von

Blockchain. Ehrlicherweise mehr von

der Blockchain-Technologie als von

darauf aufbauenden Kryptowährungen,

denn Bitcoin und Co. sehe ich eher

als Hype. Blockchain, da bin ich mir

sicher, ist aber eine Technologie, die

eine ähnlich transformative Kraft darstellt

wie das Internet. Ich glaube, dass

Blockchain ein ‹infrastructure layer›

werden wird, wie das Internet oder die

Elektrizität. Blockchain wird die Disintermediation

weiter vorantreiben, bestehende

Wertschöpfungsketten aufbrechen

und neu zusammensetzen.

Wo steht PwC im Blockchain-Bereich?

Wir haben ein sehr grosses Angebot

in diesem Bereich, das wir auch disziplinenübergreifend

aufgebaut haben,

womit wir wieder beim Thema Adjacency

sind. Wir begleiten Blockchain-Projekte

und ICOs etwa rechtlich,

technisch, steuerlich, beraten rund

um « Tokenomics », unterstützen beim

Projektmanagement, bei der Strategie

bis hin zu Fundraising und Accounting.

Blockchain wird auch einen wichtigen

Einfluss auf unsere eigenen Geschäftsmodelle

haben. In einer Blockchain-Welt

wird ein Audit anders

ausschauen als heute, ebenso rechtliche

Transaktionen. Wir haben also das

Bewusstsein für die Veränderungen,

die Blockchain für unser Geschäft und

unsere Gesellschaft bringen wird. Es

ist eines unserer Topthemen, die wir

im Auge haben, und wir freuen uns,

dass wir aus diesem Bereich auch bereits

Talente anziehen können.

“Time to get out of Law Law Land

and back into the Jungle”

Stämpfli Verlag

Im April 2019 erscheint das neue Buch

von Michele DeStefano und Günther

Dobrauz-Saldapenna mit dem Titel « New

Suits – Appetite for Disruption in the

Legal World », das die Expertise von 30

führenden Experten aus aller Welt vereint.

Professoren von Universitäten wie

Harvard, Oxford, Griffith, ESADE, Zürich,

Stanford und Miami stehen darin neben

Praktikern aus führenden Kanzleien,

LegalTech-Innovatoren und Vordenkern

aus angrenzenden Bereichen.

Das Buch beschreibt die Disruption der

Rechtsindustrie, angetrieben von der

fortschreitenden Technologie, neuen

Geschäftsmodellen und veränderten Kundenerwartungen.

Damit stehe die Rechtsbranche

vor einem beispiellosen Wandel

über die gesamte Wertschöpfungskette,

sind die Autoren überzeugt. Viele Juristen

befürchten den Technologietransfer und

die Konvergenz anderer Bereiche mit dem

Recht. Sie sehen LegalTech, KI und Bots

primär als Bedrohung, die Herausgeber

und Autoren dieses Buches sehen die

Chancen. Auch wenn die Zukunft es erfordern

mag, dass «wir neue Kleider anziehen»

– es stellt für Anwälte eine enorme

Chance dar, sich zum Wohle der Kunden

und für sich selbst neu zu erfinden. Das

Buch enthält Kapitel, die von Experten im

Schnittpunkt von Recht, Innovation und

Technologie verfasst wurden, und bietet

eine globale Perspektive auf das vielfältige

Ökosystem der Rechtsdienstleistung,

das die Zukunft sein wird. Das Buch

erklärt, warum Anwälte ihren «appetite

for disruption» in der Rechtswelt erhöhen

können und sollten. Sie sollten versuchen,

systematisch die unbekannten Gewässer

des zukünftigen Rechtsbereichs zu

kartieren und sich inspirieren lassen, eine

spannende und bereichernde Zukunft im

Recht aufzubauen.

ISBN 978-3-7272-1035-8, Stämpfli Verlag, Bern

Digitale Fitness

Auf einer Skala von 1 bis 10, als wie

« digital fit » bezeichnen Sie …

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Appetite for Disruption in the Legal World

Michele DeStefano & Guenther Dobrauz

sich

selbst ?

die Finanzbranche

?

Über PwC

Appetite for Disruption in the Legal World

Michele DeStefano & Guenther Dobrauz

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die

Schweiz ?

PwC Legal ?

PwC Schweiz ist das führende Prüfungsund

Beratungsunternehmen in der

Schweiz. Als unabhängiges Mitglied im

internationalen Netzwerk von PwC

unterstützt PwC Schweiz die Wirtschaft

und insbesondere Unternehmen und

Einzelpersonen dabei, Mehrwert zu

schaffen. Ob grenzübergreifend oder

lokal ist PwC Partner für Wirtschaftsprüfung,

Rechts- und Steuerberatung,

Wirtschaftsberatung sowie Digital

Services. (Quelle: PwC Schweiz)

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