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sporting hamburg Ausgabe Dezember 2018 / Januar 2019

Handball Bodenständig

Handball Bodenständig à la © Fotos: HSVH Semmelknödel Das wäre dann also auch geklärt: Wo er denn am liebsten isst, wird Leif Tissier bei den offiziellen Spielerporträts vom Handball Sport Verein Hamburg gefragt. Bei Oma, sagt er. Und da gibt es eben … – genau. „Seit Jahren esse ich Omas Knödel am liebsten.“ Das hat ja schon was Bodenständiges. Er hätte ja auch Austern, Trüffel-Gnocchi oder Wagyu-Steak vom Koberind als Lieblingsessen nennen können. Hat er aber nicht. Für einen, der in diesem Dezember erst 19 Jahre alt wird, der noch bei seinen Eltern in Billstedt wohnt und sich „in Hamburg und beim HSVH so richtig wohl fühlt“, passt auch kein Chichi. Nicht auf dem Teller, nicht auf der „Platte“. Zielgerichtet, diszipliniert, organisiert, einer von Trainer Toto Jansens Musterschülern. „Der Trainer vertraut uns, da kann man auch mal Verantwortung übernehmen. Wir sollen es sogar.“ So, wie er es schon zweimal mit Siegtreffern für den HSVH quasi in letzter Sekunde gegen Rimpar und Dormagen gemacht hat. „Da muss man einfach werfen, wenn man die Gelegenheit hat.“ Diese Tore, diese Siege, haben entscheidend dazu beigetragen, dass der HSVH sich als Aufsteiger nach etwa einem Drittel der Saison im Mittelfeld der Liga eingerichtet hat. Aber kein Grund zur Entwarnung: „Es ist alles so eng.“ Nachlassen ist nicht. Das gilt auch für das Weihnachtsspiel, diesmal am 23. Dezember in der Barclaycard Arena gegen TUSEM Essen. Auch da werden Geschenke nicht verteilt. „Das Niveau ist schon viel höher als in der 3. Liga, körperlich und spielerisch“, sagt Leif Tissier, „wir sind ein junges Team, aber wir haben inzwischen mehrfach gezeigt, dass wir in der Liga mithalten können.“ Stimmt. Dass sie manchmal auch ihre Grenzen aufgezeigt bekommen… – normal. Fünf Jungs sind sie immer noch, die schon unter Jansen in der A-Jugend gespielt haben und nun zusammen den Weg in den Profisport gegangen sind. Das verbindet. „Wir hängen auch in der Freizeit zusammen ab, wenn wir die Zeit haben“, erzählt Tissier, „Jan Kleineidam ist einer meiner besten Freunde, mit Marcel Kokoszka spiele ich seit der D-Jugend zusammen.“ Geplant war das alles nicht: der Erfolg, der persönliche Aufstieg und der mit der Mannschaft. „Hat sich so ergeben“, sagt Tissier, „ich hatte als junger Spieler nie die Vorstellung, dass es mal in die Zweite Liga gehen könnte.“ Spaß am Sport, daran, sich zu messen, dazu Talent – und dann führte eins zum anderen. So einfach ist es wohl wirklich manchmal. „Dass Leif sich so schnell entwickeln würde, konnte keiner ahnen“, sagt HSVH-Vizepräsident Martin Schwalb. „Ich muss smart spielen“, erklärt Tissier, „mit Kraft allein geht es nicht. Dafür habe ich nicht den richtigen Körper.“ 1,82 Meter ist für einen Rückraumspieler eher klein, und mit 84 Kilo ist er auch nicht gerade ein Muskelpaket. Da bleibt nur Klasse und Kreativität, um sich durchzusetzen. „Sein Entscheidungsverhalten ist hervorragend und damit hat er sich das Vertrauen der Mannschaft erarbeitet“, lobt Schwalb. Aber natürlich schaut sich der Junge aus Billstedt auch viel von einstigen Weltklassespielern wie seinem Trainer Torsten Jansen, von Stefan Schröder oder dem kroatischen Ex-Weltmeister Blazenko Lackovic ab, der mit seinen 37 Jahren dem Team immer noch helfen kann. „Sie haben Tricks und Kniffe drauf, von denen ich echt viel lernen kann“, sagt Leif, „das ist schon sehr cool.“ Im Sommer erst hat er sein Abitur gemacht – Schnitt 1,7 – jetzt studiert er BWL in Hamburg. Leistungssport ja, auch Profi, aber er ist halt Handballer: „Da kannst Du nicht davon ausgehen, dass es für das Leben reicht.“ Also pendelt er zwischen Billstedt, der Uni und der Trainingshalle am Volkspark hin und her. So kann es weitergehen, Ende November standen erste Gespräche über eine Vertragsverlängerung über den Sommer hinaus an. Verein und Spieler, so scheint es, wissen, was sie aneinander haben. Also. Und Omas Semmelknödel gibt es eben auch nur in Hamburg. © Foto: sporting hamburg 22 Rechtshänder Leif Tissier spielt Rückraum Links/Mitte/Rechts. Und die Frisur hält.