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onexmagazin

AUSGABE 11 NOVEMBER 2018

Eva Jaisli

Erfolgs-

Garantin

Wie die CEO von PB Swiss

Tools von Wasen aus den

Weltmarkt erschliesst.

FREIHEIT

Was Freiheit bedeutet

– und wie wir damit

umgehen.

ANSICHTSKARTEN

Sie dokumentieren

die Vergangenheit –

auch im Oberaargau.

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Zwei Hornusser

versuchen sich als

Baseball-Spieler.


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EDITORIAL / INHALT

Liebe Leserin,

lieber Leser

Kennen Sie diesen Witz? Er ist uralt und

ich erzähle ihn auf Berndeutsch: Dr Kari

chnöilet spät am Abe am Bode u suecht.

Da fragt ne dr Polizischt, was är da machi.

«I sueche mi Föifliber, womer zum

Hosesack use gheit isch». Da druf dr Polizischt:

«Wo hesch ne de verlore?» «Dert

äne», antwortet dr Kari. «Hmmm -», sinniert

dr Polizischt, «warum zum Gugger

suechsch ne de hie?» Druf dr Kari: «I sueche

däich dert, wo Liecht isch».

Das Leben findet in den Grossstädten

statt, sagt man. Dort pulsiert es. Dort ist

man fortschrittlich. Dort werden Trends

gesetzt und man weiss, wo es lang geht.

Dagegen gelten Randregionen als rückständig,

in alten Zeiten stehen geblieben.

Wenn man Firmen sucht, die Frauen fördern,

sucht man die nicht auf dem Land.

Nein, man sucht sie in den urbanen Gegenden.

Genau so, wie Kari seinen

Fünflieber dort sucht, wo es Licht hat.

Wir lernen in dieser Ausgabe eine Unternehmerin

kennen, die mit ihren Produkten

die ganze Welt beliefert, die Frauen

und Männer fördert und vor allem

auch deshalb erfolgreich ist, weil sie die

Zeichen der Zeit früh erkennt. Und nein:

wir finden die Frau und ihre Firma nicht

in Zürich, Basel oder Bern, wo Kari sie

suchen würde, weil Kari seinen Fünflieber

da sucht, wo es Licht hat. Die Firma,

um die es geht, hat ihren Sitz und ihre

Produktionsstätten fernab vom Schuss:

In Wasen und in Sumiswald.

Viel Spass beim Lesen

Ihr Bruno Wüthrich

IMPRESSUM

Herausgeber: s’positive AG,

St. Urbanstrasse 31, 4914 Roggwil

Tel. 062 929 24 25

info@spositive.ch

Redaktion: Bruno Wüthrich,

Klaus Zaugg

Geschäftsleitung:

Sebastian Wüthrich

Layout: tnt-graphics AG,

www.tnt-graphics.ch

Auflage: 75 000 Exemplare

Erscheinung: monatlich

Druck: Swissprinters AG,

4800 Zofingen

Versand: Die Post

32

4 GLOBAL PLAYER

Unter der Leitung von Eva

Jaisli produziert PB Swiss

Tools von Wasen aus Werkzeuge

für den Weltmarkt.

Im Interview verrät sie ihr

Erfolgsrezept.

14 SIND WIR FREI?

Was bedeutet Freiheit und

wo sind die Grenzen der

Freiheit? Über einen Begriff,

den wir vermeintlich

zu kennen glauben.

20 WUSSTEN SIE SCHON?

Dürfen Sie Ihren Liegestuhl

im Hotel bereits am Morgen

besetzen? Warum lassen

sich Zebras nicht zureiten?

Lesen Sie die Antworten.

22

00 4

20

22 ANSICHTSKARTEN

Sie sind Zeitzeugen und

dokumentieren unsere

Lebensumgebung, wie sie

in der Vergangenheit war.

100-jährige Beispiele aus

dem Oberaargau.

32 INS KALTE WASSER

Jobtausch: Die beiden

Hornusser Roman Hugi

und Christian Lüthi erzählen

von ihrem Baseball-

Training in Detroit.

38 DIE SEITE DER LESER

Leserbriefe, Veanstaltungen,

Impressum.

14

s’Positive 11 / 2018 3


EVA JAISLI

Weltmarkt

Werkzeuge

aus Wasen

Wirtschaft geht nur in der Nähe von

urbanen Zentren, sagt man. Randregionen

sind rückständig, und auf dem Land sind

wirtschaftliche Erfolgsgeschichten undenkbar,

sagt man. Eva Jaisli beweist mit der

Firma PB Swiss Tools das Gegenteil.

Unter der Leitung von

Eva Jaisli beschäftigt

PB Swiss Tools über

170 Angestellte.

4 s’Positive 11 / 2018


TEXT: KLAUS ZAUGG UND

BRUNO WÜTHRICH;

FOTOS: MARCEL BIERI, ZVG

Die Firma PB Swiss Tools

feierte in diesem Jahr ihr

140-jähriges Bestehen.

Das im emmentalischen

Wasen angesiedelte Unternehmen

produziert Werkzeuge (Tools) für

den Weltmarkt. Was Rolex bei den

Uhren, sind Swiss Tools bei den

Werkzeugen. Und ähnlich wie beim

Schweizer Armeemesser von Victorinox

heisst es auch bei den Produkten

aus dem Wasen: oft kopiert

– nie erreicht. Im Gespräch mit

s’Positive gibt uns Eva Jaisli Einblicke

in die Strategie von PB Swiss

Tools, sie erzählt uns, wie es gelingt,

aus einer Randregion heraus

erfolgreich zu sein, und was dies

mit Personal- und besonders auch

mit Frauenförderung zu tun hat.

s’Positive: Wenn in der Presse

über Sie oder Ihr Unternehmen

berichtet wird, so ist immer ein

Erstaunen darüber erkennbar,

dass ein Unternehmen, das mit

seinen Produkten international

erfolgreich ist, in Wasen angesiedelt

ist und auch dort produziert.

Ist PB Swiss Tools eine Ausnahme,

oder werden Regionen wie

das Emmental oder der Oberaargau

von aussen falsch wahrgenommen?

Eva Jaisli: Eine interessante Frage.

Die Urbanisierung ist ein nach-

s’Positive 11 / 2018 5


EVA JAISLI

vollziehbarer Trend. Immer mehr Menschen

zieht es in die Nähe von Zentren

wie Zürich, Basel oder Bern, unter ihnen

zum Beispiel auch die Studierenden. Dies

führt zu einer gewissen Entleerung der

Täler. Deshalb mag es schon zuweilen erstaunen,

dass man hier in Wasen ein Unternehmen

vorfindet, das mehr als 170

Menschen beschäftigt und für sechs Berufe

ausbildet, zwei Drittel seiner Produktion

exportiert und einen internationalen

Bekanntheitsgrad geniesst. Das hat mit

Unwissen zu tun und dem Hang, Fakten

zu vereinfachen.

Von aussen werden also Gegenden wie

das Emmental oder der Oberaargau als

rückständig wahrgenommen?

Ja, das stimmt wohl. Wer von Genf oder

St. Gallen hierher blickt, hat ein ganz anderes

Bild auf unsere Region, als die

Menschen, die hier leben und arbeiten.

Doch es hat in unseren Regionen verschiedenste

auch weltweit erfolgreiche

Firmen, die hier Arbeits- und Ausbildungsplätze

sichern. Zu denen gehören

auch wir.

Welches Vorurteil stört Sie am meisten?

Dasjenige, das zu kurz greift und die Realität

nicht abbildet. Vorurteile können

die Entwicklungschancen einer Region

einschränken. Wesentlich ist die Infrastruktur:

gesicherte Verkehrswege, Schulen

und medizinische Versorgung. Dies

alles haben wir hier. Doch das falsche Bild

auf die Randregionen führt dazu, dass

wir bei der Rekrutierung von Arbeitskräften

einen Nachteil haben. 95 Prozent unserer

Belegschaft leben seit Generationen

im Umkreis von 20 Kilometern Entfernung.

Oft arbeiten Familien schon seit

mehreren Generationen bei uns.

Eva Jaisli

Eva Jaisli (60) ist CEO und Mitinhaberin

der Firma PB Swiss

Tools in Wasen im Emmental.

Die ausgebildete Lehrerin hat

auf dem zweiten Bildungsweg

Sozialarbeit und Psychologie

studiert. Anschliessend hat sie

Master- und Nachdiplomstudiengänge

in Betriebswirtschaft

und im internationalen Marketing

absolviert. Die erfahrene

und erfolgreiche Unternehmerin

ist Präsidentin des Verwaltungsrats

der Spital Emmental AG und

Mitglied des Verwaltungsrats

der Krankenkasse Concordia.

Den Wirtschaftsstandort Schweiz

unterstützt sie u.a. als Vizepräsidentin

der Switzerland Global

Enterprise und als Mitglied des

Vorstandsausschusses von

SWISSMEM.

2015 verleiht ihr die Wirtschafts-

und Sozialwissenschaftliche

Fakultät der Universität

die Würde einer Ehrendoktorin

(Doctor rerum oeconomicarum

honoris causa).

Eva Jaisli ist verheiratet mit

Max Baumann und Mutter von

vier Kindern im Alter von 33,

30, 26 und 23 Jahren.


Und sind seit Generationen leistungsfähig?

Absolut, und wenn wir erklären, warum

wir hierbleiben, spielt diese Leistungsfähigkeit

eine wichtige Rolle. Wir sind überzeugt,

dass wir mit den Menschen aus

dieser Region auch in Zukunft erfolgreich

sein werden.

Produzieren in Wasen für den Weltmarkt

– wie geht das?

Wir sind sehr streng mit der Ausrichtung

unseres Angebots auf die Bedürfnisse unserer

Kunden. Mit der Qualität und der

Innovation kommen wir diesen Bedürfnissen

sehr nahe. Die Preis-Leistung anwenderorientiert

zu erfüllen, ist bei der Vielfalt

an Kulturen und unterschiedlichen

Erwartungen sehr anspruchsvoll. Ich besuchte

in den vergangenen Tagen unsere

Geschäftspartner in China und Japan, wo

wir mit einem unserer Händler die bald

50jährige Zusammenarbeit gefeiert haben.

Dieser zum Teil langjährige direkte

Kontakt mit unseren Händlern und Endkunden

schafft uns die Voraussetzung,

um in diesem Märkten erfolgreich zu sein.

Unsere Marke hat Ausstrahlung. Um das

zu erreichen, braucht es einen kontinuierlichen

Leistungsnachweis und Zeit.

Sie arbeiten also auch direkt mit Endkunden

zusammen, die Ihre Werkzeuge

benutzen?

Ja. Anwender/innen und Einkaufsverantwortliche

von Industrie- und Handwerksbetrieben

kommen zu uns. Wie zum Beispiel

kürzlich die Leute der SBB. Von

ihnen direkt zu erfahren, wie sie arbeiten

und was sie brauchen, bringt uns oft neue

Erkenntnisse. Unsere Kunden zeigen uns,

wie sie mit unseren Werkzeugen arbeiten,

und sie kehren nicht selten mit neu entwickelten

Testwerkzeugen in ihre Betriebe

zurück.

Also eine Philosophie gegen den Trend,

mit immer billigeren Preisen mehr Umsatz

zu machen?

Wir haben unsere Geschäftspartner sehr

gern bei uns und wir besuchen sie systematisch.

Wir waren in den Werken von

Toyota in Japan, um vor Ort zu beobachten,

wie dort mit unserem Werkzeug gearbeitet

wird. Solche Beobachtungen sind

für die Weiterentwicklung unserer Produkte

unglaublich wertvoll. Wir beobachten

nicht nur. Mit der ETH in Zürich und

mit dem Karlsruher Institut für Technologie

messen wir beispielsweise auch, wie

die Muskulatur bei der Arbeit, beim

Schrauben beansprucht wird, welche Belastungen

sich auf welche Körperteile

auswirken. So können wir unsere Werkzeuge

immer weiter verbessern.

«Ich begegne bei Sitzungen in Asien mehr

Frauen, die in Chefpositionen sind als bei uns

in Europa. Hier ist die produzierende Industrie

nach wie vor in den Händen der Männer.»

Sind die Chefs in den asiatischen Kulturen

überrascht, wenn sie bei Gesprächen

einer Frau gegenüber sitzen?

Ich begegne bei Sitzungen in Asien mehr

Frauen, die in Chefpositionen sind als bei

uns in Europa. Die produzierende Industrie

in Europa ist nach wie vor in den Händen

der Männer. In den Hierarchien asiatischer

Familien spielen die Frauen eine

wichtige Rolle. Deshalb steht bei eigentümergeführten

Firmen nicht selten eine

Frau an der Spitze. Frauen in führenden

Positionen sind aber auch in Asien nicht

die Regel.

Ist die Gleichberechtigung also in den

asiatischen Kulturen weiter fortgeschritten

als bei uns?

Zur Gleichstellung kommen noch weitere

Faktoren. Diese Frage kann ich leider

nicht pauschal mit Ja antworten.

Was bedeutet eigentlich der Begriff

«Swiss» in den ausländischen Märkten?

Verlässlichkeit und sehr hohe Qualität.

Dabei bezieht sich der Begriff Verlässlichkeit

nicht nur auf das Produkt, sondern

auch auf die Partnerschaft. Für sehr viele

asiatische Unternehmen ist es wichtig,

die Geschäftsentwicklung gemeinsam zu

gestalten und dabei Voraussetzungen für

Wachstum und eine vertrauensbildende

Partnerschaft zu schaffen. Das ist auch

unsere Philosophie. Eine Investition soll

sich für beide Seiten lohnen.

Der Begriff «Swiss» ist also immer noch

ein Türöffner.

Ja, aber auch «Made in Germany» hat einen

sehr hohen Stellenwert. Wir können

uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen.

Als exportorientiertes Unternehmen

kommen sie nicht darum herum, sich

mit Politik zu befassen.

Wir verdienen unser Geld zu einem Drittel

im Heimmarkt, zu einem Drittel in

Europa und zu einem Drittel in Asien und

dem Rest der Welt. Der Zugang zum

Markt ist also matchentscheidend und

dort drückt der Schuh. Das gilt für den

Export nach Deutschland und erst recht

für Indonesien, Malaysia oder Indien.

Diese drei Länder - und viele mehr - haben

eine wachsende Nachfrage für qualitativ

hochstehendes Werkzeug für die

produzierende Industrie.

Wo drückt der Schuh?

Wir warten sehnsüchtig auf ein Rahmenabkommen

mit der EU. Und auch mit Indonesien,

Malaysia und Indien, alles Länder

mit wichtigen, stetig wachsenden

Märkten, haben wir, anders als mit China,

nach wie vor kein Freihandelsabkommen.

Das Freihandelsabkommen mit China

hat Bundesrat Johann Schneider-Ammann

ausgehandelt.

Ja, und dies ist für die Schweiz ein enorm

wichtiges Abkommen. China mit seinen

inzwischen fast anderthalb Milliarden

Menschen und einer wachsenden Mit-

s’Positive 11 / 2018 7


EVA JAISLI

«Wir sind enorm

flexibel und reaktionsfähig,

weil wir

unsere gesamte

Produktion im Haus

haben.»

telschicht ist ein riesiger Markt. Mit Herrn

Schneider-Ammann haben wir einen industrienahen

Bundesrat.

Gibt es Märkte, zu denen Sie wegen

fehlenden Abkommen keinen Zugang

aufgebaut haben?

Ja. Beispielsweise Brasilien und Argentinien

wären für uns wegen der dortigen

Industrie interessant. Aber wegen den

Einfuhrbestimmungen macht es wenig

Sinn, dort zu investieren. Ein Beitritt zum

Mercosur-Abkommen (Kürzel für das seit

1991 existierende Freihandelsabkommen

Südamerika) würde helfen.

Dieses Handelsabkommen würde jedoch

im Gegenzug den freien Zutritt

für Agrarprodukte auf den Schweizer

Markt nach sich ziehen.

Das ist das Problem.

Dann schauen sie sehr gespannt auf

die Bundesratswahl. Wen wünschen

Sie sich für die Nachfolge von Johann

Schneider-Ammann?

Unsere FDP-Frau wäre wohl eine gute Lösung.

Karin Keller-Sutter also?

Richtig.

Aber Sie selbst engagieren sich nicht

politisch?

Nicht in einem politischen Amt, aber in

Fachgremien wie beispielsweise für Swissmem,

dem Verband, der die Schweizer

Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie

vereint und sich bei wichtigen politischen

Entscheiden und Abstimmungen

zu Wort meldet, und der seine Anliegen

auch immer wieder den National- und

Ständeräten darlegt. Wir öffnen uns auch

für Kinder, Jugendliche und Studierende,

um das Verständnis für die Bedürfnisse

eines Industriebetriebes, gerade auch in

einer ländlichen Gegend, zu wecken. Auf

diese Weise fördern wir das Interesse für

technische Berufe und die Arbeit in einem

innovativen Industriebetrieb.

Sind die hohen Löhne in der Schweiz

für ein exportorientiertes Unternehmen

ein Problem?

Sie sind eine grosse Herausforderung. Wir

haben hohe Löhne, auch von den regulatorischen

Bedingungen her sind in der

Schweiz hohe Investitionen notwendig.

Aber wir haben trotzdem gute Standortvorteile:

eine motivierte und loyale Belegschaft,

qualifizierte Berufsleute, eine gute

Infrastruktur mit Fachhochschulen und

Universitäten, von wo wir Expertenwissen

für den Ausbau unserer Innovationskraft

beiziehen. Und weil wir unsere gesamte

Produktion im Haus haben, sind wir

enorm flexibel und reaktionsfähig.

Um beim eingangs erwähnten Klischee

zu bleiben: Es ist also sehr wohl möglich,

«im Wasen hinten» produktionstechnisch

an vorderster Front zu sein.

Nun, wir waren 1982 der erste Industriebetrieb

im Kanton Bern und der vierte in

der Schweiz, der Industrie Roboter eingesetzt

hat. Wir haben eine hohe Automatisierung

und arbeiten heute mit der neuen

Generation der Robotik. Das steigert unsere

Produktivität. Auf diese Weise bauen

wir unsere Wettbewerbsfähigkeit laufend

ZUSATZINFOS

PB Swiss Tools

«Work with the best», heisst der Slogan

der Firma, und so mancher Handwerker

bekommt feuchte Augen, wenn

er den Namen Baumann oder PB

Swiss Tools hört. Die Firma produziert

Werkzeuge von höchster Qualität.

Begonnen hat alles 1878 in der Dorfschmiede

Wasen im Herzen des Emmentals,

wo Paul Baumann Nasenringe

für die Bezähmung von Ochsen

herstellte. Auch heute noch trägt die

Firma die Initialen des Gründers im

Namen.

1916 übernahm Paul Baumann die

Schmiede und gründete das Familienunternehmen

PB Baumann GmbH. Mit

einem Schraubenzieher begann 1940

die Produktion von Werkzeugen. 2011

kamen Medizinprodukte dazu. Heute

stellen 170 Mitarbeitende in Wasen

und Sumiswald jährlich 12 Millionen

Werkzeuge und Instrumente her. Mehr

als zwei Drittel davon werden weltweit

exportiert.

Heute leiten Eva Jaisli als CEO und

Max Baumann, der Urenkel des Gründers

als technischer Direktor gemeinsam

das Unternehmen. Seit 2013 existiert

in China eine Tochtergesellschaft

mit dem Zweck, den asiatischen Markt

zu bearbeiten. Produziert wird jedoch

in China nicht.

Swissness zu 100 Prozent

Um den eigenen Qualitätsanspruch

und die Herkunft zu kommunizieren,

heisst das Unternehmen seit 2006 PB

Swiss Tools. Swissness ist im Emmental

mehr als nur ein Schlagwort. Trotz

starkem Franken hält das Unternehmen

an den Schweizer Produktionsstandorten

fest. PB Swiss Tools gehört

zu den wenigen exportorientierten

Firmen, die ihre Produkte zu 100 Prozent

in der Schweiz entwickeln und

herstellen. Das hohe Ausbildungsniveau

und die enge Kooperation mit

Experten renommierter Schweizer

Hochschulen fördert die Innovationsfähigkeit.

Mit dem Bekenntnis zum

Werk- und Denkplatz Schweiz können

in der Randregion zahlreiche Ausbildungs-

und Arbeitsplätze gesichert

werden. PB Swiss Tools investiert jedes

Jahr 20 Prozent des Umsatzes in

die Entwicklung neuer Produkte.

www.pbswisstools.com

Begonnen hat alles 1878 in der

Dorfschmiede Wasen im Herzen

des Schweizer Emmentals.

8 s’Positive 11 / 2018


aus. Wir haben innovative Marktbegleiter,

die ebenfalls viel Geld investieren.

Können Sie diese Wettbewerbskraft erhalten?

Ja, das können wir. Wir nehmen unsere

Konkurrenzprodukte unter die Lupe und

sehen, dass wir oft kopiert werden. Aber

wir entwickeln immer schneller neue Ideen

und führen sie zur Marktreife. Jedes

Produkt ist ja zuerst ein Prototyp, den wir

so schnell als möglich dem Kunden zur

praktischen Erprobung in die Hand geben.

Dann geht es um die Serienfertigung,

für welche wir die Technologie im

Haus haben. Anschliessend folgt die

Markteinführung in Text, Bild und Schulung

in 80 verschiedenen Ländern. Dafür

bleibt in unserer globalisierten Welt immer

weniger Zeit. Die Komplexität wird

immer höher. Wir haben aber auch weltweit

Zugriff auf Ressourcen, sozusagen in

einem globalen Pool. Wir können von einem

Designer vor Ort erfahren, welche

Eigenschaften bei unseren Produkten in

der Kultur seines Landes wichtig sind.

Designet in Asien, aber produziert in

Wasen.

Ja, zumindest inspiriert. Das Design ist

sehr wichtig. Der Griff eines Werkzeuges

muss optimal in die Hände passen. Auch

der optische Eindruck spielt eine Rolle.

Ein ideal gestalteter Griff vermittelt Sicherheit

und Professionalität.

Sie verkaufen also Werkzeuge auch

über Form und Farbe?

Ich gebe ihnen dafür ein Beispiel. Wir sind

mit vernickeltem und verchromtem Werkzeug

in Japan erfolgreich geworden, weil

es funktional ist und edel glänzt. Wir waren

in diesem Bereich Trendsetter. Die Japaner

brachten uns auf eine weitere Idee.

Wenn bei einem Winkelschraubenzieher-

Set jede Grösse eine eigene, auffällige Farbe

hat, dann greife ich im Produktionsprozess

sofort zum richtigen Werkzeug und

verliere somit keine wertvolle Zeit.

Wie viele Patente haben Sie angemeldet?

Kein einziges.

Wie ist das möglich?

Patente anzumelden erfordert viel Zeit

und Geld. Wir investieren unser Geld lieber

in die Entwicklung neuer Produkte.

Mein Schwiegervater hat während des 2.

Weltkriegs im Zusammenhang mit Armee-Aufträgen

ein ganz spezielles Punktangussverfahren

mit einem einzigartigen

Rohmaterial aus Zellulose entwickelt,

dass er in den USA entdeckt hatte. Er war

in Europa ein Pionier. Auch weil er an

Stelle einer Patentanmeldung eine Norm

für die Fachwelt erstellte.

Er hat also europaweit für alle ersichtlich

den Qualitätsstandard gesetzt und

dadurch für alle die Messlatte sehr

hoch gelegt.

Das Design der Werkzeuge

spielt für die Wettbewerbskraft

von PB Swiss Tools

eine grosse Rolle.

So ist es.

Das ganz besondere Material der Klingen

und Griffe Ihrer Werkzeuge ist ein

zentraler Punkt für die unverwechselbare

Qualität. Ist es der Konkurrenz

gelungen, die Rezepte zu entschlüsseln?

Nein.

Geheim wie die Rezeptur für Coca Cola?

So ungefähr. Die Rezepte sind ein Unikat.

Aber, unsere Marktbegleiter sind auch

erfinderisch.

Wieviel investieren Sie in die Forschung?

20 Prozent, inklusive Personalentwicklung.

Das ist für einen produzierenden Industriebetrieb

viel. Können Sie uns an

Beispielen sagen, wie Sie forschen?

Indem wir in enger Kooperation mit Instituten

und Experten jahrzehntelange

Erfahrung mit neuem Wissen anreichern.

Wir fragen uns beispielsweise, ob es irgendwo

in der Welt noch einen anderen

Werkstoff gibt. Dabei geht es um Metallurgie,

Oberflächenbearbeitung, Wärmebehandlung

und vieles mehr. Aber es geht

auch darum, die ganz besonderen Bedürfnisse

von Anwenderinnen und Anwendern

im Heimmarkt und anderen

Nationen besser zu verstehen. So sind wir

darauf gekommen, für Japan Werkzeuge

mit weissen Griffen in limitierter Aufs’Positive

11 / 2018 9


EVA JAISLI

Der Firmensitz

von PB Swiss

Tools in Wasen.

lage herzustellen. Für die Japaner ist

weiss eine edle, reine Farbe. Rot ist für sie

eine Mischung und daher weniger attraktiv.

In Japan hat ein Werkzeug für einen

Hobbyhandwerker eine ganz besondere

Bedeutung. Ich werde gebeten, Werkzeuge

zu signieren.

Wie ein Autor sein Buch oder ein

Künstler sein Werk?

In einem gewissen Sinne schon.

Sie verzieren also im Rahmen von besonderen

Anlässen die Werkzeuge mit

Ihrem Autogramm.

Ja, und wir stellen auch eine limitierte,

signierte Serie her.

Eine ganz persönliche Frage: Wie ist

aus der Lehrerin eine Unternehmerin

geworden?

Das war so nicht programmiert. Ich war

Lehrerin und hatte Freude an diesem Beruf.

Aber eigentlich wollte ich lieber mit

Erwachsenen arbeiten und so habe ich

Sozialarbeit und Psychologie studiert.

Später, als ich beim Wirtschaftsamt der

Stadt Bern angestellt war, merkte ich,

dass mir Kenntnisse in der Betriebswirtschaft

fehlten. Eine Lücke, die ich mit einem

Nachdiplomstudiengang in Betriebswirtschaft

und Organisationsentwicklung

füllte. Weil mir später, als ich bereits für

PB Swiss Tools tätig war, die Dimension

des globalen Marketings noch nicht genügend

vertraut war, machte ich ein MBA in

internationalem Marketing. So versuchte

ich die Wissenslücken, die sich bei meiner

Arbeit zeigten, immer on the job und im

Studium zu schliessen.

Was bleibt nun noch zu tun?

Vieles. Zum Beispiel die Nachfolgelösung

aufzugleisen.

«In Japan hat ein Werkzeug

eine besondere

Bedeutung. Ich werde

dort gebeten, Werkzeuge

zu signieren.»

Beim Studium Ihres Internetauftritts

ist uns aufgefallen, dass Sie sich sehr

um das Wohlergehen Ihrer Belegschaft

kümmern. Fast so, wie die Patrons aus

den 1970er-Jahren.

Uns ist das Wohlergehen unseres Personals

sehr wichtig. Wenn es jedem einzelnen

gut geht – und dazu gehört auch die

Gesundheit – dann haben wir eine höhere

Leistungsbereitschaft. Wenn wir auch

noch viel Freude an unseren Produkten

und der Zusammenarbeit haben, dann

bringen wir bessere Leistungen. Das

bringt Lebensqualität für uns alle.

Gibt es diese Fürsorge heute für das

Personal in urbanen Zentren weniger?

Das ist wohl ein Klischee. Ich bin mit vielen

Unternehmern unterwegs, die unterschiedliche

Produkte herstellen und für

ähnliche oder gleiche Werte einstehen.

Ein Unternehmen entwickelt sich mit seinen

Mitarbeitenden. Am besten schrittweise

und wirksam, schneller als die

Marktbegleiter. Es sind die globalen Entwicklungen

und unsere Geschäftspartner,

die das Tempo angeben.

Sie werden als Unternehmerin in der

Öffentlichkeit positiv wahrgenommen

und sind auch immer wieder für Auszeichnungen

im Gespräch. Was machen

Sie besser?

Wie man wahrgenommen wird, ist bei der

medialen Dynamik schwierig zu beeinflussen.

Als Unternehmerin habe ich die

Aufgabe, zu zeigen, was wir besser machen,

und die Geschichte zu erzählen, die

hinter unserem Unternehmen steht und

den Wert unserer Produkte erklärt.

Sie schreiben mit Ihrem Unternehmen

eine Erfolgsgeschichte. Es ist erstaunlich,

dass sich trotzdem kaum neue

Firmen im oberen Emmental ansie-

10 s’Positive 11 / 2018


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EVA JAISLI

deln. Sie liefern ja den Beweis, dass

man von hier aus im Weltmarkt erfolgreich

sein kann.

Beim Standort eines neuen Unternehmens

ist der schnelle Zugriff auf die Verkehrsachsen

entscheidend. Da ist nun

mal Kirchberg ein besserer Standort als

Wasen. Für mich ist nachvollziehbar, warum

sich neue Unternehmen lieber dort

ansiedeln. Unsere Produkte sind nicht

verderblich und wir müssen auch nicht

jeden Tag mehrmals mehrere Sendungen

liefern. Wir halten ein oder zwei grosse

Sendungen für unsere Partner im Monat

bereit. Da spielt es für uns weniger eine

Rolle, ob wir eine halbe Stunde oder zwei

Minuten von der Autobahn entfernt sind.

Vor einiger Zeit erschien ein Artikel

über Sie in der Frauenzeitschrift «Annabelle».

Wir gehen davon aus, dass

nicht unbedingt der wirtschaftliche

Erfolg Ihres Unternehmens sondern

Ihre Förderung der Frauen das Interesse

dieses Mediums geweckt hat.

Der Begriff «Frauenförderung» hat nicht

nur eine positive Wertung. Hinter diesem

Wort steht ja die Vermutung einer Ungleichheit.

Mir liegt die Diversität am

Herzen. Wir kommen am schnellsten vorwärts,

wenn wir in einem Team die richtigen

Leute am Tisch haben – also Leute

verschiedenen Alters und Geschlechts,

unterschiedlichen Qualifikationen und

Erfahrungen, und da sitzen Frauen mit

am Tisch. Auch Frauen kaufen und benutzen

Werkzeuge. Sie wollen keine rosaroten,

für sie gefertigten Werkzeuge. Sie

arbeiten erfolgreich mit dem Profi Werkzeug.

Das spricht doch Bände.

Wie sieht die Förderungen der Frauen

konkret aus?

phasen zu schaffen, die sich beispielsweise

durch eine Zusatzausbildung oder

Mutterschaft ergibt. Das gilt übrigens bei

uns auch für Männer. Wir haben immer

mehr Männer, die sich vorübergehend

mit einem Teilzeitpensum mehr Zeit für

die Vaterschaft nehmen.

Hören wir richtig heraus, dass Sie keine

Befürworterin von Frauen-Quoten

sind?

Ja und Nein. Letzteres, weil meine Ungeduld

wächst, wenn ich sehe, wie sich der

Frauenanteil in Unternehmen und Institutionen

kaum entwickelt. Wir haben bei uns

einen Frauenanteil von 30 Prozent. Aber

das ist nach wie vor untypisch für einen

metallverarbeitenden Industriebetrieb.

Für die nachfolgenden Generationen ist

selbstverständlich, wofür sich meine Generation

in der Gleichstellungsdebatte

In Teams legt

Jaisli Wert auf

Diversität.

einsetzte. Von grosser volkswirtschaftlicher

Bedeutung ist nach wie vor der Frauenanteil.

Wir verlieren sonst Ressourcen

und Entwicklungspotential. Wir schreiben

unsere Stellen so aus, dass Frauen und

Männer angesprochen werden und auf der

Longliste für die Besetzung einer Position

sowohl Frauen und Männer stehen. Das ist

für Kaderpositionen nicht anders.

Sie haben gesagt, dass Sie sich um die

Nachfolgeregelung kümmern – und

von einer Nachfolgerin gesprochen.

So, habe ich das?

Ja, wir haben genau hingehört. Wird

also das Unternehmen auch nach Ihnen

von einer Frau geführt?

Es sind mehrere Lösungen denkbar. Mit

dem Ziel, das Unternehmen erfolgreich in

die Zukunft zu führen und im Familienbesitz

zu behalten.

«Wir sind wachsam und

interessiert, Frauen und

Männer in der Entwicklung

ihrer Fähigkeiten

zu unterstützen.»

Wir sind wachsam und interessiert, Frauen

und Männer in der Entwicklung ihrer

Fähigkeiten zu unterstützen. Dazu gehört

auch, Mut- und Zuversicht zu schaffen,

wenn es darum geht, Neues zu lernen und

mehr Verantwortung sowie Kompetenz

zu übernehmen. Es liegt auch in unserer

Verantwortung, die Rahmenbedingungen

für die Mehrfachbelastung unserer

Mitarbeitenden in bestimmten Lebens-

12 s’Positive 11 / 2018


WISSEN

Freiheit

was ist das?

Wir leben in der freien Schweiz. So viel Freiheit ist

selten auf der Welt. Doch was bedeutet das? Wie frei

sind wir wirklich? Wie gehen wir damit um? Und wo

liegen die Grenzen der Freiheit?


TEXT: BRUNO WÜTHRICH

FOTOS: SHUTTERSTOCK.COM/BABAROGA/VCHAL

Sie leben in einer Beziehung. Ihr

Partner oder Ihre Partnerin

kontrolliert Sie, will über jede

Unregelmässigkeit genau Auskunft,

ist misstrauisch. Und

wenn Sie sich einmal nicht genau erklären

können, haben Sie ein Problem. Wie

frei fühlen Sie sich?

Klar ist, dass Sie die Freiheit haben,

ihn oder sie zu verlassen. Schliesslich haben

wir ja die freie Partnerwahl. Oder Sie

kümmern sich einfach nicht darum, wenn

Ihnen lästige Fragen gestellt werden. Sie

können einfach davonlaufen, statt eine

berechtigte oder unberechtigte Standpauke

entgegenzunehmen. Doch dann

müssen Sie mit den Konsequenzen leben.

Im schlimmsten Fall gilt: Nicht nur Sie

können Ihre/n Partner/in verlassen. Umgekehrt

geht auch. Die Angst vor Konsequenzen

oder vor Verlusten führt zu einer

gefühlten Unfreiheit. Je weniger Angst,

desto mehr Freiheit.

JEDE MENGE FREIHEITEN

Wir Schweizer sind bezüglich Freiheiten

wahrlich gesegnet. Nicht nur können wir

wählen und uns wählen lassen; wir können

auch über politische Sachvorlagen

abstimmen. Kein anderes Land der Welt

gesteht seinen Bürgern mehr politische

Mitbestimmung und Freiheit zu. Wir

können uns aussuchen, wo wir leben,

und wir können reisen, wohin wir wollen.

Für grosse Teile der Weltbevölkerung

ist dies reine Utopie. Wir kennen die

Meinungsfreiheit und haben freien Zugang

zu Informationen. Wir dürfen uns

aussuchen, ob, wie viel und was wir arbeiten.

Wir haben Zugang zu unserem

Rechtssystem, das rechtliche Gehör ist

gewährleistet. Wir dürfen Eigentum erwerben

und veräussern und unsre Partner

und Partnerinnen frei wählen.

Die Freiheit kennt also viele Aspekte.

Deshalb zuerst etwas Definition: «Freiheit

bezeichnet die Fähigkeit des Menschen,

aus eigenem Willen Entscheidungen zu

treffen» oder «Die Möglichkeit, ohne

Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten

auswählen zu können».

Freiheit bedeutet auch, «nein» zu Zwängen

und «ja» zu Möglichkeiten sagen zu

können. Doch was hat es mit Freiheit zu

tun, wenn wir Rauchern verbieten, beispielsweise

in Restaurants und Bars zu

rauchen? Die Antwort: Auf den ersten

Blick gar nichts. Ein Verbot kann nicht

Rauchverbot:

Einschränkung oder

Erweiterung der

Freiheit?

Freiheit bedeuten. Doch wenn es stimmt,

dass meine Freiheit da endet, wo die Freiheit

meines Nächsten beginnt, ist das

Rauchverbot lediglich eine Verschiebung

einer Grenze. Bereits vor dem Inkrafttreten

des Rauchverbots hatten Nichtraucher

die Freiheit, Restaurants und Bars zu besuchen.

Aber sie bezahlten diese Freiheit

mit der Gefährdung ihrer Gesundheit. Der

Rauch war zudem unangenehm und oft

Gesetze beschränken

unsere individuelle Freiheit.

Wie viele Menschen

würde die Erde vertragen,

wenn wir alle

schrankenlos frei wären?

Wohl nicht viele.

rochen die Kleider nach einem Barbesuch

nach kaltem Rauch. Nichtraucher mussten

also abwägen, ob sie die Konsequenzen

akzeptieren oder die Gaststätte lieber meiden.

Der Gesetzgeber verschob also die

Grenze der Freiheit der Raucher zu deren

Ungunsten in Richtung mehr Freiheit für

Nichtraucher. Das Recht, überall ungehindert

rauchen zu dürfen, wurde gekippt

zugunsten der Freiheit, überall saubere,

rauchfreie Luft atmen zu dürfen.

Dieses Beispiel zeigt gleich noch den Unterschied

zwischen individueller und kollektiver

Freiheit auf. Das Rauchverbot ist

eine Ausweitung der Freiheit zum Gemeinwohl.

Die Aufhebung der individuellen

Freiheiten des Rauchens bringt eine

Ausdehnung der Freiheitsrechte der Allgemeinheit.

Niemand ist mehr gezwungen,

zwischen dem Wunsch, im Restaurant

zu essen und den rauchbedingten

negativen Konsequenzen abzuwägen.

Das Rauchen ist nur eines von vielen Beispielen,

in welchen die Freiheitsrechte

bestimmter Gruppen von Menschen zu

Gunsten der Mehrheit eingeschränkt werden.

Freiheit heisst eben auch, anderen

ihre Freiheiten zuzugestehen.

FREIHEIT UND SICHERHEIT

In der westlichen Welt und damit auch in

der Schweiz steht die Wahrung der Freiheitsrechte

im Vordergrund. Mehr Freiheit,

weniger Staat schliesst auch die Gesetze

mit ein. Denn Gesetze beschränken

unsere individuelle Freiheit. Oder doch

nicht? Wie viele Menschen würde unsere

Erde vertragen, ohne dass diese sich gegenseitig

ins Gehege geraten, wenn wir

alle schrankenlos frei wären? Vermutlich

nicht viele. Stellen wir uns unsere Gesellschaft

ohne Gesetze vor, wenn jeder und

jede machen dürfte, was er oder sie will.

Von heute auf morgen hätten wir das Gesetz

des Stärkeren. Was sich die Starken

nehmen, bezahlen die Schwachen.

s’Positive 11 / 2018 15


WISSEN

zu gewährleisten, werden also Gesetze,

Überwachungssysteme, Zensur und Ordnungshüter

installiert, die wiederum die

persönliche Freiheit einschränken. Diese

Sanktionen führen aber auch dazu, dass

sich Menschen oft sicherer fühlen als anderswo

– und sich diese Sicherheit auch

auf das Freiheitsgefühl überträgt. Während

wir im Westen auf freiheitliche

Grundrechte setzen, sehen wir gerade in

Asien, dass die Aufgabe einiger Grundrechte

Wirtschaftswachstum nicht ausschliesst,

die Sicherheit erhöhen und

letztendlich sogar Zwänge abbauen kann.

Mächtige Konzerne würden nicht lange

fackeln, wenn sie Bauland bräuchten. Sie

würden es sich einfach nehmen, egal, ob

es bereits von anderen bebaut wäre. Männer

dürften sich der Frauen einfach bedienen,

wenn sie dies wollten. Totale Freiheit

für Männer. Aber auch nur für die

Stärkeren. Und wo blieben dabei die

Frauen? Wären sie frei? Könnten sie sich

frei bewegen? Es ist gut, dass der Umgang

miteinander gesetzlich geregelt ist. Wobei:

Eine Regelung steht ja bereits in der

Bibel: «Die Frau ist des Mannes Untertan».

Irgendwie will es scheinen, als wäre

diese Regel der physischen Überlegenheit

des Mannes geschuldet. Die Bibel wurde

ja grösstenteils von Männern geschrie-

Adam und Eva

beim Tabubruch.

Die Konsequenzen

lassen nicht lange

auf sich warten.

ben. Wie übrigens die meisten religiösen

Bücher. Als Nebensatz sei erwähnt, dass

es sich lohnt, bei der gegenwärtigen Genderdiskussion

die Rolle der Religionen

nicht zu vergessen. Welchen Anteil haben

sie daran, dass Frauen immer noch um

ihre Rechte kämpfen müssen?

Selbstbestimmung und öffentliche

Ordnung sollten sich in der Theorie nicht

ausschliessen. In der Praxis sieht dies jedoch

aufgrund der Natur des Menschen

anders aus. In Asien ist das Spannungsverhältnis

zwischen Freiheit und Sicherheit

zu spüren. Nur wer sich sicher fühlt,

kann sich auch frei verhalten. Wer zu viele

Freiheiten hat, kann diese zum Schaden

Dritter missbrauchen. Um Sicherheit

DIE NOTWENDIGKEIT VON REGELN

Wenn wir nicht als Feinde miteinander

umgehen wollen, sondern als Individuen,

die sich gegenseitig respektieren, brauchen

wir Regeln, nach denen wir uns richten.

Moralische Normen und Rechtsgesetze

sind solche Regeln, die unsere

individuellen Freiheiten einschränken.

Doch nicht die Aufhebung der Freiheit ist

das Ziel. Vielmehr soll damit allen so viel

Freiraum wie möglich zugestanden werden.

Die Freiheit des einen hat ihre Grenze

an der Freiheit der anderen, denen wir

ebenso viel Freiheit einräumen müssen,

wie wir für uns fordern.

Damit unsere individuellen Freiheitsansprüche

miteinander vereinbar sind,

benötigen wir einen Konsens darüber, wo

dem menschlichen Handeln Grenzen gesetzt

werden müssen. Es soll niemand unverhältnismässig

privilegiert bzw. benachteiligt

werden. Die humanistische

Tradition und die Menschenrechte bilden

die Grundlage für moralische und rechtliche

Vereinbarungen. Menschliches Leben

muss als Grundwert diskussionslos zugestanden

werden, egal wie beschädigt in

physischer, psychischer oder moralischer

Hinsicht ein einzelner Mensch auch sein

mag. Das gleiche gilt für die Menschenwürde,

die es verbietet, Menschen für bestimmte

Zwecke zu instrumentalisieren

oder sie wie Sachen zu behandeln.

FREIHEIT UND TABUS

Ein Tabu markiert eine verbotene Zone,

deren Grenze zu berühren oder gar zu

überschreiten mit Sanktionen belegt wird.

Eines der ältesten und in unserer Kultur

wohl bekanntesten Tabus ist der Baum der

Erkenntnis. Gott verbot laut dem Alten

Testament Adam und Eva, die Früchte von

diesem Baum zu essen. Sie taten es trotzdem

und wurden deshalb aus dem Paradies

vertrieben. Eines der grössten Ta-

FOTO: SHUTTERSTOCK.COM/JORISVO

16 s’Positive 11 / 2018


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WISSEN

bus, das in den vergangenen Jahrzehnten

immer brüchiger geworden ist, ist die Sexualität.

Wurden noch vor nicht allzu langer

Zeit die damit zusammenhängenden

Probleme aus Gründen der Schamhaftigkeit,

aber auch der Verklemmtheit und

Prüderie totgeschwiegen, so hat die Aufklärung

mittlerweile längst die Schulen

erreicht und bereitet die Kinder mit mehr

oder weniger tauglichem Material auf die

Pubertät und die Gefahren eines unkontrollierten

Umgangs mit dem eigenen Körper

vor. Beide Beispiele zeigen auf, wie

sehr Tabus die individuelle Freiheit beschränken

können.

Am Beispiel der Sexualität zeigt sich,

dass ein Tabu an Kraft verliert, wenn die

Grenzen, die es zieht, die menschliche

Freiheit in einem als unerträglich empfundenen

Ausmass beeinträchtigen. In

ihrem Intimbereich wollen sich die meisten

Menschen heute keine Vorschriften

mehr von fremden Autoritäten machen

lassen, sondern selber bestimmen, mit

wem sie sich auf welche Weise zu welchem

Zweck einlassen. Die einzige Grenze,

die sie hoffentlich anerkennen, ist die

Verantwortung, die sie gegenüber sich

selbst und dem Partner beziehungsweise

der Partnerin haben.

GEWISSEN VERSUS FREIHEIT

Wenn wir Normen verletzen, Tabus brechen

oder verbotenerweise Grenzen

überschreiten, ruft dies das Gewissen auf

den Plan. Das Gewissen erhebt nicht nur

seine Stimme, sondern es beisst geradezu

(Gewissensbisse), wenn wir etwas planen

oder getan haben, das gegen die Regeln

verstösst. Das Gewissen ist somit der

Grenzwächter über unser moralisches

Verhalten, der uns ständig daran erinnert,

dass unser Handeln nicht beliebig

ist, sondern sich dort, wo unsere eigene

Freiheit oder die unserer Mitmenschen

auf dem Spiel steht, an Umgangsformen

und Pflichten gebunden ist.

Das Gewissen als richterliche Instanz in

Wenn wir Normen

verletzen, Tabus

brechen oder verbotene

Grenzen überschreiten,

ruft dies unser Gewissen

auf den Plan.

uns mahnt uns, die Menschen, mit denen

wir es zu tun haben, als gleichberechtigte

und gleichwertige Personen zu behandeln,

an deren Rechten unsere Wünsche

ihre Grenze haben. Zwar spricht aus dem

Gewissen oft die Stimme der Eltern, der

Lehrer, der Kirchen oder sonstiger Autoritäten,

deren Gebote und Verbote wir im

Verlauf eines langjährigen Erziehungsprozesses

verinnerlicht haben. Doch als

mündige Menschen sollten wir uns unser

Freie Fahrt für

freie Menschen?

Die Bedeutung von

Freiheit ist nicht für

alle gleich.

eigenes Urteil bilden und unsere Vorurteile

überdenken, die uns eventuell zu falschen

Grenzziehungen verleiten. Überdenken

heisst nicht automatisch «über

Bord werfen», sondern allenfalls einfach

der Zeit und den heutigen Erkenntnissen

anpassen.

EINGESCHRÄNKTE FREIHEIT

Unsere Handlungsfreiheit kann nicht nur

durch Regeln, sondern auch aus faktischen

Gründen eingeschränkt sein. Wer

im Gefängnis sitzt, kann nicht gehen, wohin

er will. Aber auch die Ungunst der

Umstände, knappe Ressourcen, die Tücke

des Objekts, unvorhergesehene Hindernisse

oder zufällig eintretende Ereignisse

reduzieren die Handlungsmöglichkeiten

im Extremfall sogar auf null. Wir sind

demnach keineswegs Herr unserer Handlungen

wie wir Herr unseres Willens

sind.

Nachfolgend drei Formen von eingeschränkter

Handlungsfreiheit:

Man kann nicht tun, was man will.

1

Das heisst, wir können nicht immer

den Weg einschlagen, der uns am geeignetsten

erscheint, unser Ziel zu erreichen.

Zum Beispiel können einflussreiche Menschen,

denen wir uns unterlegen fühlen,

uns daran hindern, eine Handlung wie

gewünscht durchzuführen.

Man muss tun, was man nicht will.

2

Dies ist zum Beispiel dann gegeben,

wenn wir erpresst oder anderwertig unter

Druck gesetzt werden. Man wird zum Erfüllungsgehilfen

eines anderen, der diktiert,

was man zu tun hat. Die Handlung

wird dann nicht zur Erreichung eines

selbst gewählten Ziels ausgeführt, sondern

um das Eintreten eines Ereignisses

zu verhindern: zum Beispiel, dass eine

Verfehlung ans Licht kommt. Manchmal

haben wir jedoch auch nur die Wahl zwischen

zwei Übeln. Wir können zwar zwischen

ungeliebten Optionen wählen,

müssen aber etwas tun, was wir eigentlich

nicht wollen.

Man ist fixiert auf ein Tun («Sklave

3

seiner Triebe»). In diesem Fall ist

die Beschränkung zuerst selbst gewählt.

Wir entscheiden zunächst selbst, ob wir

rauchen, Alkohol trinken oder andere

Drogen konsumieren wollen. Wird dann

aber jemand abhängig, ist er auf etwas

fixiert, das zu wollen oder nicht zu wollen,

ihm nicht mehr freisteht. Man wird

dann zum Sklaven seiner Triebe oder seiner

Sucht.

FOTO: SHUTTERSTOCK.COM/G-STOCKSTUDIO

18 s’Positive 11 / 2018


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WUSSTEN SIE SCHON

WIE PFERDE UND ESEL

Lassen sich auch Zebras reiten?

1

Die Antwort lautet: nein. Dabei gab es

immer wieder Versuche, Zebras zu domestizieren.

Die europäischen Kolonialherren

in Afrika vergeudeten viel Zeit

damit, aus wilden Zebras Reit- und Transporttiere

zu machen. Vergeblich. Zebras

haben viele Fressfeinde und sind deshalb

sehr scheu. Beim kleinsten Anlass reissen

sie aus. Zudem sind sie äusserst wehrhaft.

Viel wehrhafter, als man ihnen zutrauen

würde. Ihre Huftritte können den Kiefer

eines Löwen brechen, ihre Bisse können

eine Menschenhand verstümmeln. Unter

Stress laufen Zebras regelrecht Amok und

schlagen und beissen wild um sich.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich

Zebras reflexartig heftig ducken, wenn sie

berührt werden. Der Grund dafür ist bislang

nicht bekannt. Es ist beinahe unmöglich,

ihnen Zaumzeug anzulegen oder sie

mit dem Lasso einzufangen. Im Gegensatz

zu Pferden und Eseln entwickeln Zebras

zum Menschen kaum ein Zutrauen. Die

weitgehende Unbezähmbarkeit der Zebras

hatte Folgen: Sie gilt als einer der

Gründe, weshalb sich in Afrika keine

Hochkulturen entwickeln konnten. Die

Reit- und Transporttiere, die komplexere

Gesellschaften möglich gemacht hätten,

fehlten.

WUSSTEN

SIE SCHON?

20 s’Positive 11 / 2018


STÖREND FÜR ANDERE

Warum hört man sein

eigenes Schnarchen nicht?

Studien zufolge schnarchen 60 Prozent

der Männer und 40 Prozent der Frauen

mehr oder weniger stark. Es lebe das

Single-Dasein! Das Schnarchgeräusch

entsteht bei den allermeisten Menschen

im Tiefschlaf. Dann entspannen sich die

2

Atemwege, was zum Flattern von Gaumensegel

und Zäpfchen in der Atemluft

führt. Im Extremfall können Schnarchgeräusche

bis zu 90 Dezibel erreichen. Dies

kommt dem Lärm einer stark befahrenen

Strassenkreuzung gleich. Viele Schnarcher

schlafen unruhig, merken dies jedoch

nicht bewusst und vergessen, dass

sie hin und wieder aufwachen. Es gibt

auch Menschen, die regelrechte Atemaussetzer

haben und davon hochschrecken.

Sie leiden am «Apnoe-Syndrom».

Doch es geht auch anders. Manche

Schnarcher schlafen friedlich und reagieren

entgeistert, wenn man sie wegen ihres

Schnarchens aufweckt. Schlafforscher,

sogenannte Somnologen, sind davon

überzeugt, dass ein jahrelanger Gewöhnungseffekt

dafür sorgt, dass sich der

Schnarcher selbst nicht mehr hört. Das

Gehirn lernt, zwischen wichtigen und unwichtigen

Geräuschen zu unterscheiden.

Oder anders ausgedrückt: Das Gehirn

unterscheidet zwischen bedrohlichen

und ungefährlichen Geräuschen.

Diese Fähigkeit war für den Menschen

im Verlauf der Evolution lebenswichtig.

Das Gehirn musste auch im Schlaf noch

so wach sein, um sich nähernde Feinde

rechtzeitig wahrzunehmen.

RECHT ODER UNRECHT

Darf man Handtücher von

«reservierten» Liegestühlen entfernen?

FOTOS: SHUTTERSTOCK.COM/KYSLYNSKAHAL/CHAMELEONSEYE/PATRYK KOSMIDER

Viele kennen das: Sie gehen am Morgen

zum Hotelpool, aber alle Liegen sind bereits

mit einem Handtuch belegt. Doch

kaum jemand ist da. Darf man ein Handtuch

entfernen und einen scheinbar «reservierten»

Liegestuhl entern?

Wir wollen hier nicht zum Pool- oder

Strandkrieg aufrufen. Aber die Antwort

lautet ganz klar: ja! Sie dürfen. Gäste

müssen die allgemein zugänglichen Einrichtungen

in einer Hotelanlage mit anderen

teilen. Rechtlich gesprochen: Ein

Gast hat an einem Liegestuhl kein alleiniges

Benutzungsrecht.

Wer schon im Morgengrauen zum Pool

schleicht und «seinen» Liegestuhl mit einem

Strandtuch «reserviert», verhält sich

rücksichtslos gegenüber anderen Gästen

und verletzt damit das Gesetz. Das Mietrecht

verbietet den übermässigen Ge-

brauch einer gemieteten Sache. Um Streit

zwischen den Gästen zu vermeiden, gelten

in vielen Hotels auch am Pool entsprechende

Hausregeln: Eigenmächtige Platzreservierungen

sind entweder verboten,

oder die Liegestühle werden

den Gästen je nach Arrangement

fix zugeteilt. So wie

zum Beispiel die Plätze in

manchen Speisesälen.

Sind die Liegestühle

nicht fix zugeteilt, bleibt die

Frage, wie lange ein Gast

«seinen» in Besitz genommenen

Liegestuhl verlassen

darf. Schwimmen oder

etwas essen gehen, dürfte

weder als rücksichtslos

noch als übermässige Nutzung

gelten.

Wer aber einen Liegestuhl stundenlang in

Beschlag nimmt, ohne ihn zu nutzen, darf

sich nicht wundern, wenn dieser plötzlich

anderweitig besetzt ist ...

3


HISTORY

1

Der

4

Oberaargau

im Wandel

der Zeit

Ansichtskarten dokumentieren die Vergangenheit.

Wenn wir die Ansichten von damals mit der Gegenwart

vergleichen, wird uns erst recht bewusst, wie sichdie

Zeiten geändert haben – oder wie die Zeit manchmal

auch stehen geblieben ist.

7

TEXT: KLAUS ZAUGG; FOTOS: MARCEL BIERI; ANSICHTSKARTEN: BEAT LANZ

Die ganz grosse Zeit der Ansichtskarten beginnt

in den späten 1890er-Jahren. Sie

waren das, was heute die mit dem Smartphone

verschickten Bilder sind: Grüsse

von einem fremden Ort, der Beweis, wo man war,

und eine Frage der Eitelkeit natürlich auch. Damals

können sich immer mehr Menschen eine Reise leisten,

zudem ermöglichen neue Druckverfahren die

Massenherstellung, und die Postunternehmen gewähren

günstige Tarife. Nicht nur Touristenorte

oder grosse Städte lassen sich auf Postkarten verewigen.

Wir finden auf alten Ansichtskarten auch

kleine Dörfer und unbekannte Landschaften abseits

der grossen Verkehrswege. Gerade deshalb sind Ansichtskarten

von hohem historischem Wert. Die Gegenüberstellung

von «damals» und «heute» ist dank

den Ansichtskarten auch im Oberaargau möglich.

Sie zeigt nicht nur Veränderungen. Trotz einem hohen

Grad der Industrialisierung hat der Oberaargau

seinen Charakter und seinenCharme bewahrt.

22 s’Positive 11 / 2018


2

3

5

8

6

9

1. Langenthal, 1910

2. Madiswil, 1918

3. Herzogenbuchsee, 1910

4. Wangen a. d. Aare, unbek.

5. Hochwacht, 1903

6. Rohrbach, 1900

7. Herzogenbuchsee, 1911

8. Langenthal, 1903

9. Wynigen, 1907

s’Positive 11 / 2018 23


HISTORY

AARWANGEN

1914 UND 2018

Hier ist die Zeit wahrlich nicht stehen geblieben.

Denn Räder rollen: 1914 war Aarwangen

noch ein beschauliches Dorf. Reisende

beeinflussten den Gang der Dinge

kaum. Der Durchgangsverkehr verursachte

höchstens das Klappern von Pferdehufen.

Inzwischen führt eine Hauptverkehrsachse

von der Autobahn-Ausfahrt

Niederbipp nach Langenthal durch das

Dorf. Dadurch wird die Dorfstrasse faktisch

zum Autobahnzubringer für das Tal

der Langeten. Seit 30 Jahren laufen die

Diskussionen um einen «richtigen» Autobahnzubringer.

Seit 1917 rattert die

Schmalspurbahn von Niederbipp Richtung

Langenthal durch Aarwangen, in

Stosszeiten im Halbstundentakt. Die Geleise

führen über die Strasse. Die Dorfromantik

der guten alten Zeit ist also längst

dahin und ist der Dynamik des urbanen

Lebens gewichen, die sich auch im Bild gut

zeigt. Der eiserne «Konjunktur-Baum» (ein

Baukran) passt da gut ins Bild. Heute zählt

Aarwangen rund 4500 Einwohner, mehr

als doppelt so viel wie damals.

Einige Häuser sind noch

gut erkennbar, ...

... der Rest hingegen hat

sich stark verändert.

Finde den

Unterschied:

Die damaligen

Häuser ...

... sind in Eriswil

noch immer gut

erhalten.

ERISWIL DORFKERN

1967 UND 2018

50 Jahre Geschichte haben im Dorfkern

von Eriswil praktisch keinerlei Spuren hinterlassen.

Alles ist äusserlich noch so, wie

es vor einem halben Jahrhundert war. Was

durchaus kein Zufall ist. Das Dorf Eriswil

liegt zwar tief im Napfbergland, dort, wo

die Langete entspringt. Aber der Grad der

Industrialisierung war lange Zeit durchaus

mit den Ortschaften rund um Langenthal

und Herzogenbuchsee vergleichbar.

Dazu hat der Bahnanschluss ab 1. September

1915 (1975 durch einen Busbetrieb

ersetzt) viel beigetragen. Vor allem die

Textilindustrie brachte dem Dorf früh Arbeit

und etwas Reichtum. Schon 1814 erwarb

das Tuch-Handelshaus Schmid ein

Grundstück im Dorfzentrum und baute

das heute noch erhaltene Magazingebäude.

Die «Tuchherren» bauten Wohnsitze,

die ihrem Stand entsprachen. Und auf der

Allmend entstand eine Fabrik zur industriellen

Leinenbearbeitung, die noch in

den 1970er-Jahren 80 Arbeitsplätze bot.

Der Dorfkern erinnert also an grosse Zeiten,

als das Dorf rund 2000 Einwohner

hatte – gut 500 mehr als heute.

24 s’Positive 11 / 2018


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HISTORY

GONDISWIL

1910 UND 2018

Gondiswil lag damals

abseits der grossen

Verkehrsströme ...

Die Ansicht des kleinen Bauerndorfes hat

sich im Laufe von 100 Jahren kaum verändert.

Der optische Eindruck der Idylle

täuscht keineswegs. Wie anno 1918 ist die

Landwirtschaft nach wie vor der dominierende

Wirtschaftszweig und ein Grund für

die Abwanderung. Heute zählt die Gemeinde

noch 731 Einwohner. Vor 100 Jahren

waren es etwas mehr als 1000. Das

Dorf ist nie durch die Eisenbahn erschlossen

worden und liegt abseits der grossen

Verkehrsverbindungen. Eine vergleichbare

wirtschaftliche Entwicklung, wie jene der

durch die Bahn an die Welt angeschlossenen

Dörfer im Tal der Langete, hat es hier

nicht gegeben – oder ist, je nach Sichtweise,

dem Dorf erspart geblieben. Die Lage

im äussersten Zipfel des Oberaargaus an

der Grenze zum Kanton Luzern hat durchaus

Vorteile. «Gumiswil» (so wird das Dorf

oft genannt) gehört zu den sonnigsten Orten

im Oberaargau und bietet eine hohe

Lebensqualität. Das Dorf ist fast ein wenig

(aber nur fast) wie ein Kurort.

... und ist auch

heute nicht ans

Bahnnetz angeschlossen.

SCHULHAUS WYSSACHEN 1915 UND 2018

Schulhäuser waren einst für kleine Gemeinden

ein wenig das, was grossen

Städten ein Schloss ist: stolze Bauwerke

als Zeichen für Unabhängigkeit und Fortschritt.

1908 konnte das Schulhaus eingeweiht

werden, für die damalige Zeit

modern und stattlich. Der Bau kostete

86 275 Franken. 1961 wurde die Bildungsanstalt

renoviert und um eine Turn-

halle erweitert (Kosten: 850 000 Franken).

Wysssachen gehörte zu den ersten

Gemeinden mit Turnhalle. Nach einem

weiteren Umbau im Jahre 2002 bekam

das Schulgebäude das heutige Aussehen

(Kosten: 351 000 Franken). Die Architektur

steht in einem gewissen Zusammenhang

mit dem Zeitgeist. Vor 100 Jahren

waren Schulhäuser oft Lehranstalten mit

strenger Architektur, die Disziplin und

Strenge verströmen. Die Schulphilosophie

von heute unterscheidet sich von

den einstigen Lehrmethoden etwa so sehr

wie die elektrische Eisenbahn vom

Dampfbetrieb. Dafür stehen die bunten

Farben des neuen Schulhauses. Im Jahre

1908 hätte diese Farbgebung wohl schieres

Entsetzen ausgelöst.

Vor 100 Jahren noch

mit Türmchen, ...

... heute mit ein paar Farbtupfern:

das Schulhaus Wassachen.

26 s’Positive 11 / 2018


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HISTORY

Überragend: Der damalige

Turm auf der Hochwacht.

Der neue Turm ragt nicht

über die Baumwipfel.

AUSSICHTSTURM HOHWACHT 1903 UND 2018

Die Hohwacht (oder Hochwacht) auf wurde auf dem Gipfel ein Aussichtsturm

dem Ghürn ob Reisiswil bei Melchnau ist aus Holz gebaut, 1911 wurde er wieder

der höchste Punkt im östlichen Oberaargau

abgerissen und durch einen Betonturm

(790 Meter). Bis 1798 war hier eine in der Höhe von 20 Metern ersetzt. Die

wichtige Höhenfeuer-Signalstation. Innerhalb

Panoramatafel auf dem Turm nennt 150

von drei bis vier Stunden konnte Gipfel, die von dort aus zu sehen sind.

im ganzen Kanton Alarm ausgelöst werden.

Die Ansichtskarte verrät möglicherweise

Zuletzt war dies 1798 beim Ein-

ein Naturphänomen. Sie zeigt den alten

marsch der Franzosen der Legende: Fall. 1886 Xxxxxx xxxx Turm, xxx der die Bäume höher überragt als

xxxxx Xxxxxxx

heuige Turm. Die Frage ist, ob damals der

Zeichner den Turm um der Dramatik des

Bildes Willen etwas höher dargestellt hat,

oder ob heute die Bäume im Oberaargau

höher in den Himmel wachsen – beziehungsweise

wegen des Klimawandels

oder einer veränderten Zusammensetzung

der Atmosphäre besser gedeihen

und höher wachsen.

Die Ansicht

beim Hotel Bären in

Langenthal damals ...

... und heute – mit neuem Strassenbelag

und motorisiertem Verkehr.

HOTEL BÄREN

LANGENTHAL

1913 UND 2018

Bei dieser alten Ansicht aus dem Herzen

Langenthals kommt uns der Refrain eines

melancholischen Liedes in den Sinn:

Die alten Strassen noch, die alten

Häuser noch, die alten Freunde.

Aber sind nicht mehr.

Die Häuser stehen an dieser Ecke von Langenthal

noch immer. Das Hotel und Restaurant

Bären wurde zwar renoviert, sieht

aber nach wie vor so aus wie vor mehr als

hundert Jahren und empfängt heute noch

Gäste. Verändert haben sich der Strassenbelag

und die Verkehrsdichte vor dem

Gasthaus. Doch wer weiss, vielleicht wird

sich die Lage in absehbarer Zeit wieder

dem Ideal von vor 100 Jahren annähern.

Unsere Generation wird wahrscheinlich

noch die Verbannung des Automobils aus

diesem Teil der Stadt erleben – und dann

rollen, wie auf der alten Ansichtskarte zu

sehen, nur noch Pferdefuhrwerke vorbei.

Wobei dann wohl ein Reglement und vielleicht

sogar ein kommunaler «Rossmist-

Beauftragter» um die fachgerechte Entsorgung

der Pferdeäpfel besorgt wäre.

28 s’Positive 11 / 2018


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HORNUSSER-LEXIKON

BEGRIFF

DAS HORN

Das Horn, oder genauer das Trinkhorn, ist

der traditionelle Preis für die erstrangierten

Mannschaften eines grösseren Hornusser-

Festanlasses, das in der Trophäensammlung

(Kranzkasten, Trophäenvitrine) der jeweiligen

Gewinnermannschaft aufbewahrt wird.

Als Trinkhorn bezeichnet man ein schon im

Altertum gebräuchliches Trinkgefäss, das

ursprünglich aus Tierhörnern von den Griechen

angefertigt wurde. Später wurde es in

Ton oder Metall nachgebildet.

30 s’Positive 11 / 2018


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FOTOS: MARCEL BIERI


JOBTAUSCH

Roman Hugi

Roman Hugi (28) hornusst seit

2011 für die HG Höchstetten. Der

180 cm grosse und 108 kg schwere

Burgdorfer feierte als Sieger

der Eidgenössischen Hornusserfeste

2015 in Limpbach und 2018

in Walkringen (jeweils mit der

Mannschaft) seine grössten Erfolge.

Ebenfalls mit der HG Höchstetten

wurde er 2013, 2014 und

2017 Schweizer Meister.

Wenn aus

Hornussern

Baseballer

werden

Für die SRF-Serie «Jobtausch» verliessen

die Hornusser Roman Hugi und

Christian Lüthi von der HG Höchstetten

den Oberaargau, um in Detroit Baseball

zu erlernen. In s’Positive erzählen sie,

was hinter den Kulissen geschah.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH; FOTOS: MARCEL BIERI, ZVG

Für die Reality-Soap «Jobtausch»

tauschen jeweils zwei Schweizer

ihren Beruf mit zwei Personen aus

einem anderen Land. Oft sind es

die gleichen Berufe, ausgeübt unter völlig

anderen Voraussetzungen. Im Fall von

Roman Hugi und Christian Lüthi war dies

etwas anders. Hornussen und Baseball

sind zwar beides Schlagsportarten, und

auch die Bewegungsabläufe sind zum Teil

ähnlich, sonst haben sie aber nicht viel

gemeinsam. Die Erfahrungen in der «United

Shore Professional Baseball League»,

einer Ausbildungsliga für künftige Baseball-Millionäre,

werden sie wohl nicht so

schnell vergessen.

s’Positive: Wie kam es dazu, dass Sie

beide nach Amerika durften?

Christian Lüthi: Das Fernsehen SRF

fragte den Eidg. Hornusserverband an,

ob jemand Lust hätte, mitzumachen bei

der Sendung Jobtausch. Unser Verband

entschied dann, dass nur jemand aus der

NLA in Frage kommt. Danach konnten

sich alle bewerben, und die HG Wäseli

und die HG Höchstetten kamen in die

engere Auswahl. Es wurden dann Cas-

32 s’Positive 11/ 2018


Christian Lüthi

Christian Lüthi (27) ist seit 2009

Hornusser bei der HG Höchstetten.

Der 183 cm grosse 118 kg

schwere Lüthi wohnt in Kirchberg.

Wie bei Roman Hugi zählen

die mit der HG Höchstetten errungenen

Siege an den Eidgenössischen

Hornusserfesten 2015 und

2018 sowie die Schweizer Meistertitel

2013, 2014 und 2017 zu

seinen grössten Erfolgen.

tings gemacht, und daraus ergab sich,

dass wir zwei gehen konnten.

Wie fanden diese Castings statt?

Roman Hugi: Wir mussten ein Video von

uns machen, das ungefähr 90 Sekunden

dauern sollte. Damit wurde vorselektioniert.

Dabei wurden von Wäseli neun und

von uns sechs Hornusser eingeladen. Jeder

wurde ungefähr eine Stunde lang interviewt.

Weshalb fiel die Wahl auf Sie beide?

Lüthi: Dies wurde uns nicht mitgeteilt.

Doch ich gehe davon aus, dass es bei mir

meine Englischkenntnisse waren, und

dass auch mein Bruder bereits bei Jobtausch

dabei war.

Hugi: Wir haben wohl bei den Castings

eine gute Falle gemacht.

Wie war danach Ihre Erwartungshaltung?

Lüthi: Ich war schon baff. Und ich fragte

mich, in was ich mich da nun reingeritten

habe.

Hugi: Wir wollten vor allem das Hornussen

gut verkaufen. Ich denke, dies ist uns

gut gelungen. Wir erhielten jedenfalls nur

positive Rückmeldungen.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Hugi: Wir konnten uns nicht vorbereiten.

Wir wussten ja nicht, was auf uns zukommt.

Lüthi: Wir hatten keine Ahnung, wo es

hingeht, und was wir da tun würden. Lediglich

das Datum war bekannt.

«Wir dachten schon,

dass es auf Baseball

hinauslaufen könnte.

Aber sicher waren wir

uns nicht.» ROMAN HUGI

Keine Vorstellung oder Fantasie, was

es sein könnte?

Hugi: Wir diskutierten lange darüber,

und uns war eigentlich klar, dass es eine

Schlagsportart sein musste. Irgendwie

dachten wir schon, dass es auf Baseball

hinauslaufen könnte. Aber sicher waren

wir uns nicht. Wir wussten ja auch nicht,

welche anderen Sportarten es da noch

gibt.

Wie war die Ankunft?

Lüthi: Als wir in Detroit ankamen, freuten

wir uns darüber, dass wir nun in den

Vereinigten Staaten waren, denn beide

waren zuvor noch nie dort. Doch Detroit

ist keine besonders schöne Stadt, und unsere

Ankunft war auch nichts Spezielles.

Hugi: Wir wurden in ein Hotel ungefähr

eine Stunde ausserhalb von Detroit verfrachtet,

und hatten keine Ahnung, wo wir

jetzt waren. Dann erhielten wir etwas Geld

und die Mitteilung, dass wir am nächsten

Morgen wieder abgeholt würden.

Das tönt ziemlich unspektakulär. War

das nicht fast etwas enttäuschend?

Lüthi: Etwas mehr hätte ich schon erwartet.

Aber wir waren zumindest schon mal

vor Ort und wussten, dass es am nächsten

Morgen losgehen würde.

Hugi: Aber wir wussten immer noch nicht,

mit was. Unsere Theorie, dass es Baseball

sein könnte, geriet bei unserer Google-

Recherche etwas ins Wanken. Im Umkreis

von 20 Kilometer um das Hotel herum befinden

sich ungefähr 15 Golfplätze.

Am nächsten Tag ging es aber dann

los...

Hugi: Ja, wir wurden abgeholt. Weil wir

endlich wissen wollten, um was es ge-

s’Positive 11 / 2018 33


JOBTAUSCH

Ab und zu landete Christian Lüthi einen Glückstreffer.

Auch Roman Hugi fand Gefallen am Spiel.

hen würde, fragten wir unterwegs die uns

begleitende Praktikantin, wo denn das

Baseball-Stadion liegen würde. Dies war

natürlich ein Schuss ins Blaue, und die

Praktikantin ging nicht darauf ein. Dafür

wurden wir aufgefordert, immer wieder

zu sagen, was wir gerade sehen.

Irgendwann sind Sie dann doch angekommen

und es war klar, dass es sich

tatsächlich um Baseball handelt. Ging

es dann gleich mit dem Training los?

Lüthi: Nach unserer Ankunft mussten wir

zuerst im Auto warten, weil der Crew

noch nicht klar war, wie sie genau filmen

wollten. Dann wurden wir vorgewarnt,

weil in der Mannschaft, zu der wir die

nächsten Tage gehören sollten, nicht klar

war, dass es sich bei uns nicht um Baseball-Profis,

sondern um Hornusser handelt.

Dies bestätigte sich dann auch, als

wir gefragt wurden, welche Positionen

wir denn spielen würden. Wir erklärten

dann anhand eines Buches, wie Hornussen

funktioniert.

Wie wurden Sie aufgenommen?

Lüthi: Alle waren begeistert und auch

sehr offen und neugierig. Das sind wir

uns aus der Schweiz nicht so gewohnt.

Dann sind Sie von der Mentalität der

Amerikaner angetan.

Lüthi: Von der Offenheit der Amerikaner

könnten wir Schweizer durchaus lernen.

Doch sie sind auch etwas oberflächlich.

Zum Beispiel begrüssen sie einem immer

mit «hello, how are you?». Aber es interessiert

sie einen Scheiss, wie es einem geht.

Die Kamera war auf Schritt und Tritt

dabei.

Hugi: Ja, wir wurden immer von der Kamera

begleitet. Und alles war immer eine

Überraschung für uns. Wir wussten nie,

was in der nächsten Stunde passieren

würde.

Lüthi: Mühsam war, dass das Kamerateam

sich immer wieder verspätete, und

wir ohne diese Leute absolut nichts machen

durften. Weil immer von allem der

erste Eindruck eingefangen werden sollte,

durften wir nicht einmal ein paar Bälle

schiessen, während wir auf sie warteten.

Dabei diente ihnen immer wieder als

Ausrede, dass es in Detroit viel Verkehr

habe. Aber wir hielten ihnen vor, dass dies

absolut keine Entschuldigung sein könne,

und dass sie wohl auch keine Freude

daran hätten, wenn wir uns immer verspäten

würden.

«Unsere Gastfamilie

lebt für diesen Sport.

Sie hatten ein Zimmer,

das voll war mit

Baseball-Utensilien.»

CHRISTIAN LÜTHI

Wie war es, vor der Kamera zu stehen?

Hugi: Zu Beginn wollten wir alles perfekt

machen, möglichst gut in die Kamera blicken.

Da musste jedes Haar perfekt sein.

Mit der Zeit wurden wir diesbezüglich

aber etwas gleichgültiger und damit auch

lockerer.

Wie waren die Trainings?

Lüthi: Am ersten Trainingstag warfen wir

ein paar Bälle. Geschlagen haben wir sie

aber noch nicht. Am Abend besuchten wir

dann mit dem Coach ein Spiel, wo er uns

auch die Regeln erklärte.

Wurde immer eins zu eins gedreht,

oder mussten Drehs zuweilen wiederholt

werden?

Hugi: Die Crew hatte nur eine Kamera

dabei. Und weil die Szenen aus unterschiedlichen

Perspektiven aufgenommen

werden mussten, mussten diese jeweils

drei bis vier Mal wiederholt werden.

Lüthi: Dafür wurde uns nie vorgeschrieben,

was wir sagen sollten. Darin waren

wir völlig frei.

War es eine amerikanische Crew, die

filmte?

Hugi: Nein, das war eine deutsche Firma,

welche für das Schweizer Fernsehen Sendungen

produziert.

Wird die Sendung am amerikanischen

Fernsehen ebenfalls gezeigt?

Hugi: Nein.

Wie wurde trainiert? Trainierten Sie

richtig mit, oder war dies nur ein lockeres

Mitmachen?

Lüthi: Wir trainierten richtig mit, mussten

auch beim Einlaufen bereits voll mitmachen.

Täglich trainierten wir gegen

fünf Stunden.

Hugi: Am Abend waren wir jeweils recht

kaputt. Beim Baseball wird die Muskulatur

völlig anders beansprucht als beim

Hornussen. Der Schwung mit dem Schläger

ist völlig anders. Es waren vor allem

diese anderen Bewegungsabläufe, die uns

an die Grenzen brachten.

Lüthi: Am extremsten für uns war die Bewegung

beim Wurf, die völlig entgegen

der Natur ist. Das Werfen des Balles

schlägt richtig in den Ellbogen. Mit der

Zeit bekundeten wir beide Schwierigkeiten

damit. Man sieht dies auch bei den

Spielern. Jeder Dritte hat den Ellbogen

operiert.

Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Hugi: Eindrücklich ist, wie die Spieler

dieser Mannschaft mit ihrer Situation

umgehen. Alle sind zwischen 20 und 24

Jahre alt, verdienen 600 Dollar im Monat,

34 s’Positive 11/ 2018


leben bei einer Gastfamilie, welche sie

unterstützt, damit sie durchkommen. Die

Liga ist wie ein Sprungbrett. Entweder

schaffen sie es in die höchste Liga, oder

sie sind weg vom Fenster und spielen nie

mehr Baseball. Falls sie es aber in die

höchste Liga schaffen, erhalten sie Millionenverträge.

Bereits zwei Wochen nach

unserer Rückkehr vernahmen wir, dass

Spieler nun einen NBL-Vertrag erhalten

haben. Doch wir hatten es mit Menschen

zu tun, die alle noch nicht wissen, was sie

in Zukunft tun werden.

Lüthi: Eindrücklich war auch, wie unsere

Gastfamilie für diesen Sport lebt. Sie haben

ein Zimmer eingerichtet, das voll ist

mit Baseball-Utensilien und -Bildern bis

hin zu alten Stühlen aus dem Stadion. Es

ist wirklich extrem, wie sie diesen Sport

leben.

Die Spieler sind trotz ihres geringen

Einkommens Vollprofis.

Hugi: Ja, das ist so. Wer fünf Stunden täglich

trainiert, kann nicht noch arbeiten.

Obwohl das Training nicht so hart ist, wie

man sich dies vielleicht vorstellt. Auf dem

Platz wird nur ungefähr 90 Minuten trainiert.

Jedes andere Training ist individuell,

zum Beispiel im Kraftraum oder an

der Abschlagmaschine. Sie haben auch

kein straffes Tagesprogramm.

Lüthi: Unser Trainingsprogramm war jedoch

geführt.

Was fand ausserhalb des Trainings

statt?

Hugi: Das einzige Rahmenprogramm war

ein Team-Event am Vorabend des Spiels,

als wir gemeinsam Fowling spielten, eine

Art Bowling, aber mit einem Football. Die

Spieler dieser Mannschaft trainieren für

ihren Sport. Es geht ihnen nur um ihr persönliches

Weiterkommen. Die Mannschaft

selbst spielt keine Rolle, und der

Zusammenhalt des Teams fehlt vollkommen.

Deshalb gab es wohl auch kein Rahmenprogramm.

Wir haben also entweder

trainiert, gegessen oder geschlafen.

Nochmals die Frage – war dies nicht

etwas enttäuschend?

Hugi: Für uns passte es. Das Training war

für uns sehr interessant.

Lüthi: Der Coach, ein ehemaliger NLB-

Profi, ist eine absolute Respektsperson, der

jeden nimmt, wie er ist. Er versucht, jedem

zu helfen. Und auch zu uns war er absolut

perfekt. Wie wenn er uns bereits zehn Jahre

kennen würde. Ein herzlicher Mensch.

Hugi: Und am Schluss in dieses 5000er-

Stadion einlaufen zu dürfen, war toll. Wir

waren top motiviert. Das Konzept jeder

Jobtausch-Sendung ist ja, dass nach einer

Übungsphase der Höhepunkt folgt.

War das Stadion voll?

Hugi: Nein, es waren ungefähr 1500 Zuschauer

vor Ort. Der Amerikaner geht

nicht nach draussen, wenn es regnet, und

es hatte an diesem Morgen geregnet.

Trotzdem – 1500 Zuschauer dürften

beim Hornussen illusorisch sein.

Lüthi: Ganz und gar nicht. Als es am Eidgenössischen

Hornusserfest in Walkringen

am Sonntagmorgen um den Festsieg

ging, waren gut und gerne 2500 Zuschauer

vor Ort. Und am Königsstich waren es

sogar ungefähr 5000. Aber Sie haben

schon recht. Während der Meisterschaft

sind 200 Zuschauer bereits ein absolutes

Highlight. Normalerweise spielen wir vor

30 bis 50 Zuschauern.

Es war also kein Problem, vor so vielen

Zuschauern anzutreten?

Hugi: Wir waren voll konzentriert. Da fiel

uns das Drumherum nicht so auf. Ob 1000

oder 3000 Zuschauer, spielt keine Rolle.

Was wir in Walkringen erlebten, war etwas

vom Grössten, das ich in meiner Karriere

bezüglich Zuschauer erleben durfte. Am

Samstag standen die Leute von vorne beim

Bock bis zuhinterst ins Ries. Rundherum

bei den anderen Spielen hatte es kaum

Leute. Alle waren bei uns.

Hornussen ist Ihnen vertraut. Aber in

Amerika mussten Sie vor Zuschau-

Das Baseball-Training war für

die Hornusser interessant.

s’Positive 11 / 2018 35


JOBTAUSCH

Beim Baseball hatte Lüthi

Probleme mit dem Ellbogen.

ern etwas vorführen, das Sie kaum beherrscht

haben.

Hugi: Wir wussten, dass es in dieser kurzen

Zeit nicht möglich sein würde, mit

den Profis mitzuhalten. Diese Erkenntnis

nahm uns einen Teil der Nervosität.

Lüthi: Ich wusste, dass nur der Zufall mir

helfen konnte, einen Ball zu treffen. Ins

Feld konnte ich nicht, weil ich mit dem

Ellbogen Theater hatte. Wir wollten einfach

den Tag geniessen.

Hugi: Eindrücklich war, dass bei unserem

Einlauf ins Stadion die Schweizer Nationalhymne

gespielt wurde.

Lüthi: Schade, dass dies im Fernsehen

nicht gezeigt wurde.

Hugi: Dies war ein richtiger Hühnerhaut-

Moment.

Hätte es aus Ihnen beiden auch Baseball-Profis

geben können?

Hugi: Wenn ich in Amerika leben würde,

wäre Baseball tatsächlich ein Sport für

mich. Und wenn ich dabei wäre, wäre es

auch ein Traum für mich, es in die höchste

Liga zu schaffen.

Hornussen ist Tradition und Kulturgut

zugleich. Hornussen gehört zu den

Schweizerischen Nationalsportarten.

Doch ein Grossteil der Gesellschaften

stammt aus den Mittelkantonen. Wie

kommt das?

Hugi: Das kommt daher, dass das Hornussen

im Emmental entstanden ist.

Lüthi: Früher gab es in jedem Dorf einen

Verein.

Hugi: Doch dann hat sich die Sportart

ausgedehnt. Wir haben zum Beispiel in

Winterthur eine Gesellschaft, die sich

sehr durch ihre Juniorenförderung auszeichnet.

Hier im Zentrum des Hornussens

könnten wir von den Winterthurern

viel lernen, denn in ihrem Verein sind 20

Junghornusser Mitglied. Dann gibt es eine

Gesellschaft in Gossau und in Frauenfeld.

Aber es ist schon so, so durchgesetzt

wie hier hat sich das Hornussen in keiner

anderen Gegend.

Wie viel trainiert man als Spitzenhornusser?

Lüthi: Etwa drei Mal in der Woche. Aber

nicht mit einem geführten Programm,

sondern individuell.

Hugi: Jeden Donnerstag haben wir bei

der HG Höchstetten ein offizielles, und

jeden Dienstag ein freiwilliges Training,

bei welchem aber jeweils 90 Prozent der

Spieler anwesend sind. Bei uns weiss jeder

ganz genau, was es braucht, dass er

bei uns hornussen darf. Jeder ist also

selbst verantwortlich dafür, dass er etwas

tut.

Wie muss man sich ein Training bei der

HG Höchstetten vorstellen?

Lüthi: Unser Feld ist so ausgerichtet,

dass die Abtuer im Training gegen die

Sonne spielen. Deshalb liegt unsere Pri-

orität beim Schlagen. Spitzenpartien

werden vor allem durch das Schlagen

entschieden. So schlägt jeder ungefähr

20 Streiche pro Abend. Ist einer mental

in einem Loch, versuchen die andern,

ihm zu helfen, damit er wieder herausfindet.

Hugi: Wir versuchen, auf ein konzentriertes

Training zu setzen. Es bringt

nichts, wenn einer schlägt und schlägt

und schlägt. Bei uns geht es darum, jeden

Schlag ernst zu nehmen und so zu schlagen

wie im Spiel. Es gibt viele Hornusser,

die das Training locker angehen und dann

im Spiel mit dem Druck nicht umgehen

können. Doch das Umgekehrte geschieht

ebenfalls. Dass sie im Training zu viel

wollen, und es dann im Ernstkampf nicht

funktioniert.

Wird im Training auch gemessen?

Lüthi: Wenn sich ein Schlag gut anfühlt,

will ich immer wissen, wie weit der Nouss

geflogen ist. Denn schliesslich geht es

auch immer darum, sich zu verbessern.

Hugi: Wir haben auch einen Trainingscup,

bei dem man etwas gewinnen kann.

Sie können im Training etwas gewinnen?

Lüthi: Es geht um 30- bis 40-fränkige

Gutscheine für die Konsumation in unserem

Vereinslokal. Das reicht aus, um dem

Training eine Art Wettkampfcharakter zu

verleihen.

Kann man mit Hornussen auch Geld

verdienen?

Hugi: Nein, das kann man nicht. Im Gegenteil.

Man hat Auslagen.

HG Höchstetten

Die Hornussergesellschaft Höchstetten

wurde vermutlich 1903 gegründet.

Verbürgt ist dies jedoch

nicht, weil die entsprechenden Protokolle

fehlen. Sicher ist jedoch,

dass die Gesellschaft Tradition und

Erfolg hat. Die Erfolge der in der

jüngeren Geschichte erfolgreichsten

Gesellschaft alle aufzuzählen, würde

zu weit führen. Wir beschränken

uns deshalb auf die wichtigsten: 1.

Ränge an den Eidgenössischen Hornusserfesten

2015 in Limpbach

und 2018 in Walkringen, 1. Rang

am Eidg. Schwing- und Älplerfest

2010 in Frauenfeld, Schweizermeister

2008, 2013, 2014 und

2017. Zudem stellte die HG Höstetten

mit Simon Erni (2015) und Lukas

Wälti (2018) auch den Schlägerkönig.

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IN EIGENER SACHE

Leserbriefe & Veranstaltungen

Sahara

Liebe Redaktoren

Einmal mehr möchte ich Ihnen herzlich

danken für Ihre interessante und

informative Zeitschrift. Ich finde alle

Artikel ansprechend.

Sahara: Vermutlich kennen Sie die Aktivitäten

der Preisträger des Alternativen

Nobelpreises: Gründer Biovision

Hans-Rudolf Herren und The Forestmaker

Toni Rinaudo. Beide haben sehr

viel zur Aufforstung beigetragen. Rinaudo

hat dabei eine spezielle Methode

entdeckt für die Wüstengebiete (nachzulesen

im Buch «The Forestmaker»

von Tony Rinaudo).

Übrigens entwickelt sich unser Projekt

AgroCity zunehmend (siehe unter

www.agrocity.org) – einerseits das

Pilotprojekt in Tansania, andererseits

Feedbacks an internationalen Konferenzen

(nächstens Africities Summit

2018 in Marrakesch – Referentin

Yvonne Apiyo Brändle-Amolo).

Ich freue mich auf die nächsten Ausgaben

von s’Positive und wünsche Ihnen

alles Gute!

Jörg Bürgi, 4803 Vordemwald,

Präsident ACA AgroCity Association

VERANSTALTUNGEN

Ochlenberger Weihnachtsweg

10. Dezember 2018 bis 6. Januar

2019. Auf einem Rundweg wird die

Weihnachtsgeschichte erzählt. Der 1,5

km lange Weihnachtsweg beginnt und

endet auf dem Jordihof, Dorf 3,

Ochlenberg.

Für warme Füsse und etwas Feines in

den Bauch sorgt das Hofbeizli auf dem

Jordihof.

www.jordihof.ch

Auf einem Rundweg wird die

Weihnachts geschichte erzählt.

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38 s’Positive 11 / 2018


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